Stationen der Geschichte unserer Kirchengemeinde

Plattenhardt wird Pfarrei

 

Die erste Kapelle wurde um 1050 gebaut und zwar auf dem Platz, an dem heute unsere Kirche steht. Es war eine romanische Saalkirche, nur 9 m lang und 4 m breit, bestehend aus einem Schiff und einem eingezogenen kleinen quadratischen Chor.

 

Um 1200 wurde der Chor dieser Kapelle abgebrochen und ein größerer und ebenfalls quadratischer Chor mit deutlich stärkeren Mauern errichtet. Vermutlich waren diese Mauern die Basis für einen Turm.

 

Aus dem ältesten romanischen Vorgängerbau ist noch eine Steinmetzfigur erhalten. Sie ist an der nördlichen Außenseite unserer heutigen Kirche nahe der Sakristei in einen Fenstersturz eingebaut. Auch Teile der Mauern und ein Altarfundament sind unter unserem heutigen Chorfundament erhalten.

 

Im Mittelalter war es Sitte, jede Kapelle unter den Schutz eines Heiligen zu stellen, der Patron und Namensgeber der Kapelle war. Die Plattenhardter Kirche wurde um 1350 vermutlich nach dem Märtyrer Antholianus von Clermont benannt. Unsere Heiligenfigur, die Mitte des 14. Jahrhunderts geschnitzt wurde, soll ein Zeugnis dafür sein.

 

1404 wurde die Plattenhardter Kapelle zur Pfarrkirche erhoben. Seither ist Plattenhardt ununterbrochen Sitz einer eigenständigen Pfarrei. Vermutlich wurde im gleichen Jahr ein Kirchhof um den Chor der damaligen Kapelle herum angelegt.

 

 

Plattenhardt wird evangelisch

 

Über den ersten namentlich bekannten Pfarrer gibt es unterschiedliche Angaben. Im Heimatbuch wird Pfarrer Albert Blicklin erwähnt, weil er 1474 eine sogenannte Gült (Rente) kaufte. An anderer Stelle wird als erster Pfarrer Michael Wild genannt.

 

Um 1480 wurde die romanische Vorgängerkirche abgebrochen und an ihrer Stelle ein gotischer Neubau errichtet. Sakristei und Chor dieser Kirche sind bis heute erhalten. Die gotische Sakristeitür aus dieser Zeit ist bis heute erhalten. Das damalige Schiff wurde 50 Jahre später abgerissen und durch ein größeres ersetzt.

 

Das spätgotische Kruzifix über dem Altar ist über 500 Jahre alt. Vermutlich wurde es zwischen 1460 und 1470 von einem Nachfolger Multschers aus Ulm geschnitzt und bemalt, später mehrfach übermalt. Erst 1952 befreite Ulrich Henn das Kunstwerk von den vielen Farbanstrichen, so dass wir es heute wieder in seinen ursprünglichen Farben betrachten können.

 

Die Abendmahlskelche wurden um 1480 gefertigt. Einer dieser beiden Messkelche wurde nie aus der Kirche entfernt und blieb uns aus dieser Zeit vor der Reformation erhalten. Er ist aus massivem Silber, innen und außen vergoldet und trägt in gotischen Buchstaben die Inschrift "Jesus Christ(us)" und "Jesus- Ma(ria)". 

Der andere Kelch, der ursprünglich zur Kirche gehörte, wurde von kaiserlichen Soldaten im 30-jährigen Krieg gestohlen. Dafür hat ein vorbeireisender schwedischer Soldat manes Westspenninger unserer Kirche 50 Jahre später einen Kelch geschenkt, ebenfalls aus massivem Silber und innen und außen vergoldet.

 

Ab dem frühen 16. Jahrhundert gibt es eine Liste der Plattenhardter Pfarrer. Sie wurde auf eine Wand in der Sakristei geschrieben und ist bis heute ergänzt:

 

Paul Böpple war der letzte katholische Pfarrer unserer Kirche und wurde später der erste evangelische Pfarrer. Während seiner katholischen Amtszeit (1504-1534) wurde unsere älteste Glocke, die alte Zeichenglocke angeschafft. Eingraviert ist die Jahreszeit sowie die Namen der Evangelisten Johannes, Matthäus, Lukas und Markus. Im ersten Weltkrieg verschonte man diese Glocke. Im 2. Weltkrieg mussten alle Glocken abgeliefert werden, auch die älteste. Sie kam aber Ende des Kriegs wieder unbeschädigt aus einem Hamburger Glockenlager zurück.


1530 wurde das nur 50 Jahre alte gotische Kirchenschiff abgerissen und durch das heutige, größere Langhaus im Renaissancestil ersetzt. Wahrscheinlich war die Kirche zu klein geworden. Das neue Kirchenschiff hatte eine Flachdecke und muss unserem heutigen sehr ähnlich gewesen sein.

 

1534 führte Herzog Ulrich die Reformation in Württemberg ein. Auf seinen Befehl wurde das ganze Land evangelisch. Paul Böpple, der seit 1504 Pfarrer in Plattenhardt war, erklärte bei der Vorladung vor die herzögliche Kommission, welche ab 1534 die Pfarrer neu einzusetzen hatte, dass er in Zukunft evangelisch predigen wolle.

In der Plattenhardter Kirche wurde daraufhin die Messe abgeschafft. Im Mittelpunkt des Gottesdienstes stand die Predigt, die das reine Evangelium verkünden sollte. Pfarrer erhielten ab dieser Zeit auch erstmals eine Besoldung, die ihnen ermöglichen sollte, nicht für ihren Unterhalt selbst sorgen zu müssen, sondern sich mit ausreichend Zeit auf ihre Predigt und geistliche Aufgaben vorbereiten zu können.

 

Ab 1545 taten drei Generationen der Familie Strauss ihren Dienst in Plattenhardt - Vater, Sohn und Enkel.

 

Von 1545 bis 1591 war Georg Strauss Pfarrer und Lehrer in Plattenhardt. Die Schule am Ort wird 1573 zum ersten Mal erwähnt.

 

1554 war Bartholomäus Kaiser für kurze Zeit Pfarrer im Ort (Interimspfarrer).

 

1592 bis 1600 war Georg Strauss junior Pfarrer.

 

Ihm folgte von 1600 bis 1618 Johannes Klein.

 


Dreißigjähriger Krieg, pietistische Anfänge

 

1618 bis 1635 übernahm Christoph Strauß die Pfarrstelle zu Beginn des 30-jährigen Krieges. Von diesem spürte man zunächst in Plattenhardt nicht viel. Die große Notzeit begann nach der Schlacht von Nördlingen 1634. Die Pest wütete im Ort. Während dieses einen Jahres starben 372 Einwohner, deren Namen in unserem ältesten Kirchenbuch von Christoph Strauß aufgelistet wurden. Der Kirchhof als Friedhof reichte nicht mehr aus, es wurde der "Pestfriedhof" Ecke Uhlberg-/Schulstraße angelegt.

1638 wurden nach einem Eintrag des Kirchenbuchs 101 Menschen von kaiserlichen und bayerischen Soldaten getötet.

Von 800 Einwohnern des Ortes blieben nach Ende des Krieges nur noch 200 übrig.

Auch Christoph Strauß, seine Frau und drei seiner Kinder starben schließlich 1635 an Pest.

 

Von 1635 bis 1640 war M. Laurentius Schmidlin Pfarrer.

 

Sein Nachfolger von 1640 bis 1654 war M. Daniel Weckmann.

 

Von 1655 bis 1695 war Pfarrer Johannes Hochmuth aus Stuttgart in der Gemeinde. Im Kirchenschiff hängt noch heute seine Gedenktafel. Er war ein sehr strenger Pfarrer, der eisern auf Zucht und Ordnung hielt.

 

1696 wurde auf fürstlichen Befehl der damals 26-jährige Albrecht Eduard Naschold zum Amtsinhaber ernannt. Die Gemeinde lobte immer wieder seinen Fleiß. Besonders gut konnte er mit Kindern umgehen und ihnen die Bibel nahe bringen. Naschold blieb bis zu seinem Lebensende im Jahr 1746 auf dieser Stelle. Im Alter wurde er unterstützt durch Vikar Belser, denn eine Pensionierung gab es damals noch nicht.

 

Ab 1746 bis 1764 war Wilhelm Ludwig Vellnagel Pfarrer in Plattenhardt. Da er kränklich war, erhielt er zur Unterstützung einen Vikar. 1760 erlitt er einen Schlaganfall.

 

Inzwischen hatten die Zeiten sich gewandelt: Man sah nicht mehr so sehr auf die reine Lehre. Die Gemeinde war selbst so bibelfest geworden, dass sich auch Laien an die Auslegung der Schrift wagen durften. Als junge, revolutionäre Bewegung kam der Pietismus auf. Man fragte vor allem nach der Praxis des Glaubens und wollte darüber reden, wie der Christ sein Leben im Alltag zu führen habe. Eine bedeutende Neuerung während der Amtszeit von Pfarrer Vellnagel war deshalb die Einrichtung der "Stunde" am Sonntagnachmittag, eine Versammlung der pietistischen Kreise. Seit 1743 waren diese Privatversammlungen in Württemberg offiziell gestattet. Neben den Hauptgottesdienst trat damit eine Erbauungsstunde, die eben auch von Laien geleitet werden konnte.

 


Umbruchzeit der Industrialisierung, Eduard Mörike

 

Als Nachfolger von Pfarrer Vellnagel ernannte das Konsistorium im Jahr 1764 Georg Ludwig Seybold aus Pfullingen. Er war 59 Jahre alt, als er die Stelle antrat. Die Gemeinde schätzte ihn als guten Seelsorger. An ihn erinnert eine Gedenktafel in unserer Kirche: "Er lebte in vergnügter Ehe mit Frau Maria Rosina [...] starb hier nach überstandenem Leiden als ein treuer Haushalter Gottes sorgsamer Vatter und aufrichtiger Menschenfreund den 3 Merz Anno 1777."

 

1777 kam Pfarrer M. Philipp Adam Bez aus Musberg-Rohr nach Plattenhardt. Seine Zeit im Pfarrhaus währte aber nur kurz: An einem Samstagabend hatte er noch mit seinen vier jungen Töchtern gespielt. In der Nacht zum 27. Juni 1778 beendete ein Schlaganfall sein Leben.

 

Von 1778 bis 1817 war Johann Wilhelm Neuffer Pfarrer am Ort. Man schilderte ihn als feinen, gebildeten Mann. Seinen Zeugnissen nach hätte er leicht Professor werden könnnen, er blieb aber mit ganzem Herzen Pfarrer. Für Plattenhardt war er ein guter Seelsorger in den schweren Jahren um die Jahrhundertwende.

 

Der Umbruch zum 19. Jahrhundert war in unserem Ort besonders deutlich zu spüren: Die Ernten fielen schlecht aus, die Preise gingen in die Höhe, zahlreiche Arme mussten unterstützt werden. Nachdem die Bevölkerung auf etwa 1050 Einwohner gewachsen war, nahm sie jetzt wieder ab. Es dauerte bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts, bis der Übergang in die beginnende Industrialisierung verkraftet war.

 

1785 wurden verschiedene Reparaturen an der Kirche nötig. Wegen eines schlimmen Hagelsturms, der die Ernte vernichtete, konnte das nötige Geld in Plattenhardt nicht aufgebracht werden. Verschiedene Gemeinden von Herrenberg über Lorch bis nach Ludwigsburg spendeten damals für unseren Ort. Mit diesen Geldern konnte das Dach abgebrochen und der Turm abgerissen werden. Es gab ein neues Tragwerk und der Turm wurde um ein Fachwerkgeschoss aufgestockt, er erhielt seine heutige Form. Aus dieser Zeit stammen auch die Komponenten der Kirchturmspitze: Stiefel, Knopf und Fahne aus Kupfer.

Erst 1814, nach den Napoleonischen Kriegen, konnte der Kirchturm dann verblendet werden.

 

Im Hungerjahr 1817 zersprang die zweite, kleine Glocke und musste umgegossen werden. Die neue Glocke trug die Jahreszahl 1817. Im ersten Weltkrieg musste sie abgegeben werden, es konnte jedoch mit Hilfe von Spenden aus Amerika und Opfermitteln der Gemeinde schon 1921 eine neue Bronzeglocke angeschafft werden.

 

Von 1818 bis 1829 wirkte Pfarrer Gottlieb Friedrich Rau in Plattenhardt. Er galt als einer der besten Theologen im Land. Nach einer guten Prüfung im Jahr 1790 war er Repetent am Stift in Tübingen geworden, dann Pfarrer in Urach und Horrheim. Plattenhardt wurde seine dritte Stelle. Auch er legte Wert auf geistliches Leben und gab sein Wissen und seine Bildung an Gemeinde, Besucher und vor allem an junge Theologen weiter. Das Pfarrhaus war ein Ort, an dem Freunde und Bekannte willkommen waren und sich wohl fühlten.

 

Während der Amtszeit von Pfarrer Rau predigte Friedrich Theodor Vischer noch als Student mehrfach in Plattenhardt. Dass sich Vischer in Plattenhardt und bei Familie Rau wohl fühlte, zeigt sein Gedicht "Abschied von Plattenhardt", das er im November 1829 verfasste. Einige Jahre noch war Vischer als Theologe tätig, löste sich aber im Lauf der Zeit vom Glauben und wurde Philosoph der Hegelschen Schule, Ästhetiker und Schriftsteller.

 

Nach dem Tod von Pfarrer Rau kam Eduard Mörike sieben Monate als Pfarrverweser nach Plattenhardt, vom 19. Mai bis zum 13. Dezember 1829. Im August verlobte er sich hier mit Luise Rau, der dritten Tochter seines verstorbenen Vorgängers.

 

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde das Vertrauensverhältnis zwischen Pfarrer und Gemeinde erschüttert. Die Kirche war schlecht besucht; im Jahre 1847 erhielt der Pfarrer einen Drohbrief, man werde ihn erschießen, wenn er das bei einer Sammlung zusammengekommene Geld nicht so verteile, wie es im Dorf gewünscht wurde. Vom Jahre 1880 an ist im Allgemeinen wieder eine Besserung festzustellen. In diesen schweren Jahren wirkten in Plattenhardt folgende Pfarrer:

 

1829 bis 1842 Friedrich Christian Heinrich Scholl: In seiner Amtszeit wurde 1832 der sogenannte Pestfriedhof verkauft und 1836 der jetzige Friedhof angeschafft. Ab 1837 wurde dann auch der Kirchhof nicht mehr mit Gräbern belegt.

 

1843 bis 1865: Johann Carl Sigmund Cranz: Er hatte 1861 einen großen Umbau zu leiten. In der Kirche wurde der vordere Teil der Flachdecke herausgesägt, das Deckengebälk entfernt und stattdessen ein Tonnengewölbe eingebaut. Das hintere Drittel des Deckengebälks unter dem Dachreiter wurde belassen, dieser Teil ist noch heute erhalten. Boden, Gestühl, Kanzel und Altar wurden erneuert und es entstand eine zweite Empore, auf welche die Orgel gesetzt wurde. Durch den Umbau gab es nun 600 Sitzplätze für die 1542 Einwoher Plattenhardts. Die Sakristei bekam einen Ofen und war der einzige beheizbare Raum.

 

Von 1865 bis 1875 wirkte Heinrich Georg Anton Schleissing als Pfarrer am Ort.

 

Johann Georg Kriech war von 1875 bis 1883 Pfarrer in Plattenhardt.

 

1879 stiftete Freifrau Maria von Kinderlen Wächter das "Kinderschüle" (Kindergarten), die spätere Stiftung Marienpflege.

 

Von 1884 bis 1892 war Friedrich Schock Pfarrer.

 

 

Die kirchliche Gemeinde wird selbständig

 

Inzwischen hatte sich überall im Land die Konfessionszugehörigkeit gemischt. Plattenhardt selbst war allerdings noch überwiegend evangelisch.

 

1887 wurden aufgrund eines Landesgesetzes die bürgerliche und die kirchliche Gemeinde getrennt. Nun erhielt die Kirchengemeinde mit dem Kirchengemeinderat ein Gremium, das neben dem Pfarrer für das kirchliche Leben und für die ortskirchlichen Bedürfnisse zu sorgen hatte. Das Kirchengebäude ging in den Besitz der Kirchengemeinde über, die von da an ihren eigenen Haushaltsplan aufzustellen hatte.

 

Gegen das Ende des 19. Jahrhunderts war die Kirche an gewöhnlichen Sonntagen durchschnittlich von etwa 12 Prozent der Einwohner besucht, an hohen Feiertagen waren es wesentlich mehr Personen. Seit 1885 gab es einen gemischten Chor unter der Leitung von Lehrer Göbel; später kamen Singstunden für die Mädchen dazu und 1905 wurde ein Kirchenchor gegründet, der zwar 1907 wieder aufhörte zu bestehen, aber dann seit 1911 wieder bis heute ununterbrochen existierte. Ab 1922 gab es zusätzlich einen Leichenchor. Noch während des Ersten Weltkrieges, im Jahre 1917 gründete sich ein „Jünglingsverein" mit 15 bis 20 Mitgliedern, nach diesem Krieg ein „Jungfrauenverein", dem 30 bis 40 Mädchen angehörten. Daneben entstanden Gemeindekreise, die teilweise noch heute bestehen, und am 22. Januar 1922 begann die Kinderkirche.

 

1893 bis 1910 war Johannes Scheu Pfarrer. In seinem ersten Amtsjahr wurde ein neuer Taufstein angeschafft. 1894 dazu ein neues Taufgefäß aus Zinn. Mit zwei Öfen ist seit 1894 auch das Kirchenschiff heizbar.

 

Von 1911 bis 1917 war Julius Rauscher Plattenhardter Pfarrer.

 

1912 fand die erste Versammlung der 175 Mitglieder des neu gegründeten Krankenpflegevereins statt, bei der die Satzung festgelegt wurde.

 

1914 begann Diakonissenschwester Auguste Kehrer ihre Arbeit. Ihre Nachfolgerinnen waren Rosa Kleih, Lina Süßer, Luise Leicht, Lene Kaspar, Käthe Pflüger, Schwester Uta und andere Schwestern aus Aidlingen.

 

Im ersten Weltkrieg verlangte man von der Gemeinde, die 1817 umgegossene Glocke und die Orgelpfeifen abzuliefern. Dank der Opferfreudigkeit der Gemeinde und verschiedener Spenden aus Amerika konnte aber schon 1921 eine neue Bronzeglocke bestellt werden und nur ein Jahr danach wurden wieder Orgelpfeifen angeschafft.

 

Von 1917 bis 1927 wirkte Ulrich Herzog als Pfarrer. Unter seinem Vorsitz hatte sich der Kirchengemeinderat wegen der ständig fortschreitenden Geldentwertung in fast jeder zweiten Sitzung mit Erhöhung der Gebühren für Taufen, Beerdingungen, Konfirmationen und Trauungen zu beschäftigen. Immer öfter forderte man die bürgerliche Gemeinde auf, sich an Kosten für die kirchlichen Gebäude zu beteiligen. Schließlich wurde 1924 die Kirchensteuer eingeführt. 

 

1921 fand die erste Evangelisation in Plattenhardt statt. Die altpietistische und die Hahnsche Stunde hatten einen festen Kreis von zusammen etwa 100 Mitgliedern.

 

1927 und bis 1931 kam zunächst als Pfarrverweser, später als Pfarrer Karl Griesinger nach Plattenhardt.

 

Am Himmelfahrtstag 1929 fand die Einweihung des Sonnenhauses statt, das dem evangelischen Jugendwerk gehörte. Dort trafen sich junge Menschen, Kinder, Schüler und Konfirmanden an Wochenenden und zu Freizeiten.

 

Von 1932 bis 1937 übernahm Willi Heintzeler die Amtsgeschäfte.

 

Nur für eine kurze Zeit war Friedrich Elsässer 1937 Pfarrer.

 

1938 bis 1949 war Ewald Schmid Pfarrer in Plattenhardt. Neben seiner Arbeit hier am Ort musste er auch in Bonlanden aktiv sein, weil der Pfarrer dort zu Kriegsdiensten eingezogen worden war. Wegen der langen Wege wurde Pfarrer Schmid ein Auto und Treibstoff zur Verfügung gestellt, das Auto teilte er sich mit dem Vertreter für Harthausen.

 

1939 mussten wiederum für Kriegszwecke alle Glocken abgeliefert werden, selbst die älteste. Diese kam aber nach Kriegsende 1948 unbeschädigt aus einem Glockenlager in Hamburg zurück, die anderen waren eingeschmolzen worden.

 

 

Neuanfang nach dem zweiten Weltkrieg


1949 wurde das Erntedankfest durch ein Turmblasen eingeleitet. Es war der erste Auftritt des neu gegründente Posaunenchors, der seither ununterbrochen besteht.

 

Gegen Ende seiner Dienstzeit suchte Pfarrer Schmid zusammen mit dem Stuttgarter Kunstmaler A. Saile noch die Themen für drei neue Chorfenster unserer Kirche aus. Eingebaut wurden diese Fenster in der Amtszeit von Hermann Knapp, der von 1950 bis 1973 Pfarrer in Plattenhardt war. Während seiner Zeit gab es viele Anschaffungen und Umbauten:

1951 lieferte Firma Sailer (Vater und Sohn) aus Stuttgart das mittlere bunte Fenster für den Chor der Kirche.

Die alte Orgel, ein Werk der Firma Weigele aus Echterdingen, wurde 1953 von Grund auf erneuert, weil sie stark vom Holzwurm befallen war. Sie hatte 20 Register und 1180 Pfeifen.

 

1955 goss die Firma Kurtz in Stuttgart für die Kirche drei neue Glocken mit den Tönen g', c'' und es''.

Die Betglocke erinnert zum Morgen, Abend- und Vaterunserläuten an die Bitte "Amen, ja komm Herr Jesus" (Offenbarung 22,20).

Die Kreuzglocke mit der Inschrift "Sie haben überwunden durch des Lammes Blut" (Offenbarung 12,11), läutet um 11 Uhr und 15 Uhr zur Zeit von Kreuzigung und Todesstunde Jesu.

Die Taufglocke trägt die Inschrift "Siehe ich mache alles neu" (Offb.21,5).

Zusammen mit der ältesten Glocke ergibt das ein vierstimmiges Geläute, den Anfang des Liedes: Herr Gott, Dich loben wir. Alle drei Glocken wurden am 2. Juli 1955 feierlich eingeholt; am 10. Juli fand die Glockenweihe statt.

 

1960 wurde das Gemeindehaus in der Mörikestraße eingeweiht. Es beherbergt den Kindergarten Mörikestraße und seit 2004 auch Jugendgruppen.

 

1964/65 wurde die Kirche erneut völlig umgestaltet. Dabei entdeckte man die ursprüngliche, sehr gut erhaltene Malerei aus der Renaissancezeit. Restaurator Wengerter erneuerte die komplette ehemalige Kirchenbemalung in den Farben schwarz, weiß, grau, Terracotta und gelb wieder her. Wegen der Schönheit des Raumes und auf Anordnung der Denkmalpflege wurde die 1861 eingebaute Seitenempore abgerissen. Dass damit die Zahl der Plätze verringert wurde, nahm man in Kauf. Das Hauptportal wurde verkleinert, der Mittelgang entfernt. Wegen der Harmonie des Raumes entschied man sich wieder für eine Flachdecke, die wegen der Orgel, die über der neu eingezogenen Decke stand, als Balkendecke mit Gitterstäben gebaut wurde. Muster für die Farbgebung und Bemalung der Balken waren die alten eichenen über der Empore im hinteren Drittel der Kirche, die bei der Renovierung von 1861 im Originalzustand belassen worden waren.

Die in der Sakramentnische eingemauerte Heiligenfigur wurde gefunden und das alte Kruzifix von Übermalungen befreit.Auch die acht Weihekreuze im Chor entdeckte man während der Bauarbeiten. Geleitet von Dr. Günther Fehring grub ein Team des Denkmalamtes Stuttgart die Reste der Vorgängerkirchen aus. Zugänglich sind die ehemaligen Fundamente durch eine Treppe im hinteren Teil des Chores. Die Orgel beließ man auf der 2. Empore, sie wurde zurückversetzt, restauriert und repariert.

 

1965 bauten Kunstmaler A.Sailer und sein Sohn das rechte und linke Chorfenster ein, außerdem ein Fenster in der Sakristei. Das linke Fenster im Chor stiftet Dekan Ulrich Herzog, der 1917 bis 1927 Pfarrer von Plattenhardt war. Das Geld fürs rechte Fenster schickte Frau Wibel geb. Bauer aus New York. Von den Altar- und Kanzelbehängen, die in Farbe und Gestaltung im Kirchenjahr abwechseln, stammen zwei Paramente aus Thüringen und sind ein Geschenk der Partnergemeinde Unterkatz.

 

Aus Opfern der Kinderkirche wurden die schönen Weihnachtskrippenfiguren von Anna Fehrle angeschafft.

 

 

Siebziger Jahre bis heute

 

Von 1973 bis 1978 war Hans Joachim Bahnemann Pfarrer in Plattenhardt. Er ging 1978 nach Bad Oldesloe in Norddeutschland und blieb dort bis zu seiner Pensionierung. Sowohl in Plattenhardt wie auch in Bad Oldesloe war er im örtlichen Krankenhaus als Seelsorger tätig.

 

1979 bis 1980 kam als Pfarrverweserin Stephanie Hinger.

 

1980 und bis 1995 übernahm Dr. Werner Eiss die Leitung der inzwischen mehr als 2000 Mitglieder zählenden Gemeinde.

 

1985 musste die Kirche von außen gründlich renoviert werden. Architekt W. Pfefferkorn leitete die Arbeiten. 

Für die alte Orgel hätte sich eine Erneuerung nicht mehr gelohnt. So wurde bei der Firma Mühleisen eine neue Orgel bestellt und 1993 eingebaut.

Auch eine neue Heizungsanlage war nötig und anschließend musste die Kirche innen vollständig renoviert werden. Für die Leitung der Arbeiten beauftragte der Kirchengemeinderat Architekt Graner. Die Auffrischung der Renaissancemalerei übernahm wieder Restaurator Wengerter.

 

Pfarrvikare in Plattenhardt waren:

1990 bis 1993: Dan Peter

1993 bis 1998: Lutz Börst

1998 bis 2000: Alexander Köhrer

 

Von 1996 bis 2010 war Siegfried Scheible Ortspfarrer. Von 2000 bis 2006 wurde er unterstützt durch Georg Braunmüller, zunächst als Vikar, später als zweiter Pfarrer. Von 2007 bis Anfang 2012 hatte Christiane Schmidt die zweite Pfarrstelle inne. Diese Stelle ist zurzeit vakant.

 

2005 wurde unser neues Gemeindehaus neben der Kirche fertiggestellt nach einem Entwurf von Architekt Ruck. Die Baukosten beliefen sich auf rund 1,5 Mio. Euro, diese sind auch dank zahlreicher Einzelspenden mittlerweile getilgt.

 

Seit September 2010 ist Pfarrer Andreas Streich in unserer Gemeinde, zuvor war er Pfarrer in den Schwarzwaldgemeinden Lombach und Wittendorf bei Freudenstadt gewesen.