Tägliche Kurzbotschaft

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Woche vom 21.09. bis 27.09.

  • add Andacht für Dienstag, 22. September 2020

    HERR, wie lange willst du mich so ganz vergessen? Wie lange verbirgst du dein Antlitz vor mir?

    Psalm 13,2

    Wussten Sie eigentlich, dass die klare Mehrzahl der 150 Psalmen, die in der Mitte der Bibel stehen, Klagepsalmen sind? So wie der 13. Psalm von David. Die Psalmen sind eben nicht bloß kunstvoll erdichtete Lyrik, von klugen Menschen komponiert, sondern sie sind echte Gebete. Gebete, hinter denen das Leben steht – mit allen seinen Erfahrungen. Auch das Glaubensleben mit all seinen Erfahrungen. So wie es in jeder menschlichen Beziehung Phasen geben kann, die in uns ganz verschiedene Gefühle auslösen können, so ist das auch in unserer Beziehung zu Gott. Wir können Gott ja nicht sehen. Wir können oft nur aus unserem Erleben heraus, auf das, was uns widerfährt, zurückschließen: Im Letzten kommt das doch von Gott. Und dann fragen wir: Wieso? Warum? Wozu? Wir beten, wir bitten – genau wie der Psalmbeter David. Wie viele Gebete mögen diesem Psalm vorausgegangen sein. Irgendwann fragt David: HERR, wie lange willst du mich eigentlich vergessen? Wie lange mich ignorieren? Wie lange… Kennen Sie das auch? Dass Gott scheinbar nicht hört? Dass ich keine Antwort bekomme?

    Es muss wohl nicht nur David so gegangen sein – der Psalm ist im Hebräischen überschrieben: Ein Psalm Davids – vorzusingen. Die Worte sind ganz persönlich – und zugleich sind es Worte zum Teilen, zum Nachbeten. Weil es eben nicht nur dem David damals vor 3.000 Jahren so ergangen ist, sondern mit ihm – und seitdem – unzähligen glaubenden Menschen. Sie verstehen Gott nicht; sie können sich Gottes Handeln nicht erklären. Sie beten und haben den Eindruck: Gott ignoriert mich; Gott antwortet nicht. Und sorgenvoll fragen sie: HERR, wie lange?

    Lesen Sie bitte in Ihrer Bibel den ganzen Psalm. Denn er zeigt, wohin die Klage führt. Der Unterschied zwischen Klage und Anklage ist, dass die Klage immer noch mit Gottes Hilfe rechnet und sich an Gott wendet. Dass nicht über, sondern mit Gott gesprochen wird. Und dass immer noch das tiefe Vertrauen da ist: Es gibt doch keinen anderen, der mir helfen kann, als du, mein HERR. Lesen Sie den ganzen Psalm, beten Sie ihn nach – und erleben Sie, wie Gott die Klage in Freude verwandelt und wie einer neu ins Staunen über Gottes Güte und Gnade kommt. Denn auch das hat Gott mit uns vor.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 21. September 2020

    Jesus betet: Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen.                    Johannes 17,15

    »Wer mit Gott lebt, kennt auch Schwierigkeiten. Doch das steht fest: in keiner Schwierigkeit lässt Gott uns allein« so heißt es in einem Lied. Und das stimmt. Wer mit Gott lebt, kennt auch Schwie­rigkeiten. Der Glaube an Gott ist keine Garantie für ein sorgenfreies Leben. Christsein ist keine Vollkaskoversicherung. Wer meint, dass Gott dazu da ist, uns möglichst alle Gefahren und Gefähr­dun­gen, Probleme und Schwierigkeiten vom Leib zu halten, der irrt. Gott mutet uns manches zu, manchmal auch manches, was nach unserem Ermessen über unsere Kraft geht. Solange wir auf dieser Welt sind, gehören Schwierigkeiten und Probleme zu unserem Leben. Die Briefe des Neuen Testaments legen nahe, darin auch Bewährungsproben für unseren Glauben zu sehen. Christsein – Glaube – das ist auch ein Kampf, ein Ringen. Wir sollen Überwinder, Sieger in diesem Kampf werden – nicht aus uns heraus, sondern mit Gottes Hilfe.

    Jesus betet im Hohenpriesterlichen Gebet in Johannes 17 für seine Jünger – und ganz bewusst auch für die, die durch ihr Wort, ihr Zeugnis, ihr Weitererzählen von Jesus, zum Glauben kommen werden. Also: Er betet auch für uns. Nicht umsonst ist uns aus diesem Gebet gerade dieser Satz aufgeschrie­ben. Ein Satz, der zeigt, worum Jesus nicht bittet: Dass Gott uns aus der Welt nimmt. Warum eigentlich soll Gott uns nicht aus der Welt nehmen? Weil wir Teil seiner großen Rettungsbewegung sind. Weil Gott uns gebrauchen will in dieser Welt: »Menschen müssen Menschen sagen, dass Gott alle liebt, dass es einen Weg aus Schuld und Elend gibt«. Wenn Gott seinen Sohn nicht aus der Welt genommen hat, sondern ihn hineingesandt hat, um Menschen zu retten, dann gilt dasselbe für uns als seine Nachfolgerinnen und Nachfolger. Gott will uns hier und heute gebrauchen. Ja, Gott mutet uns manche Schwierigkeiten zu – sie gehören zu einer Welt, die sich von Gott abgewandt hat. Viele Christen weltweit erleben um ihres Glaubens Willen sogar zusätzliche Schwierigkeiten, die sie nicht hätten, wenn sie sich nicht zu Jesus bekennen würden. Doch gerade da drin, gerade in einer Welt voller Feindschaft und Schwierigkeiten, da braucht Gott uns.

    Was wir wirklich brauchen, darum bittet Jesus: Dass wir mitten in dieser Welt bewahrt werden und bewahrt bleiben von dem Bösen. Darum beten auch wir im Vaterunser: dass wir nicht verführt werden, dass wir dem Versucher nicht auf den Leim gehen – und dass wir immer wieder umkehren aus unserer Schuld hin zu unserem Gott. Er kann und er wird uns bewahren. Die Schwierigkeiten müssen uns keine Angst machen. Gott kann und wird uns bewahren.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 14.09. bis 20.09.

  • add Andacht für den 15. Sonntag nach Trinitatis, 20. September 2020

    Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch.                   1. Petrus 5,7

    Was für eine Botschaft: Wir dürfen unsere Sorgen loswerden. Es gibt einen Abladeplatz für unsere Sorgen. Ein Wurfziel, wohin wir sie werfen können: Unseren Gott, unseren Herrn Jesus Christus!

    Im Bild gesprochen: Unser Herz ist wie ein Gepäckraum. Wir räumen Erfahrungen hinein – gute und schlechte. Und wir räumen unsere Sorgen hinein. Und irgendwann ist der Gepäckraum so voll, dass man nicht mehr durchkommt. Der Apostel lädt uns ein: Räum aus mit der Sorge. Die größte Sorge: Ob Gott uns denn annimmt, ob wir mit unserer Schuld zu ihm kommen dürfen, die hat uns unser Herr längst abgenommen. Er hat unsere Schuld auf sich genommen. Gott hat unser aller Sünde auf Christus gelegt, den Gekreuzigten, damit wir frei sind.

    Und nun geht es um die vielen kleinen und großen Sorgen, die uns noch bleiben. Wenn Gott so für uns sorgt. Wenn wir ihm so viel wert sind, dass er sogar seinen eigenen Sohn nicht verschont, dann ist er auch zuständig für all die anderen Sorgen.

    Werfen sollen wir. Nicht wie beim Ballspiel alleine, wenn man den Ball gegen die Wand wirft und wieder auffängt. Sondern: Wegwerfen und nicht mehr holen. Nicht mit einem Gummiseil. Werfen sollen wir. Und das geschieht im Gebet. Der Schweizer Reformator Ulrich Zwingli sagte: Die Sorge treibt mich ins Gebet und das Gebet treibt die Sorge wieder hinaus. Dieses Werfen kann man lernen. Man muss es üben, immer und immer wieder. Der deutsche Reformator Martin Luther sagte: Wer solches Werfen nicht lernt, der muss bleiben ein verworfener, zerworfener, unterworfener, ausgeworfener, abgeworfener und umgeworfener Mensch. Gott sei Dank müssen wir das nicht bleiben. Wir dürfen beten, wir dürfen werfen – und wir wollen es üben. Heute und jeden Tag neu. Denn Gott ist da. Und er sorgt für uns.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • add Andacht für Samstag, 19. September 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    die Losung für heute kommt aus dem Buch Hiob. Dort sagt Hiob: „Gott ist weise und mächtig; wer stellte sich ihm entgegen und blieb unversehrt? (Hiob 9,4)“

    Vermutlich kennen Sie die Geschichte von Hiob in ihren Grundzügen. Gott ließ es zu, dass ihm der Satan alles nahm, was er an Reichtum besaß, schließlich auch seine Kinder und seine Gesundheit. Der Satan wollte beweisen, dass Hiob in der Not seinem Gott absagen würde, denn als reicher und gesunder Mensch sei es schließlich leicht, an Gott zu glauben. Doch Hiob blieb auch im Leid seinem Gott treu.

    Das Buch Hiob hat noch eine große andere Linie. Hiob wird von seinen Freunden besucht, die ihm helfen wollen, sein Leid zu verstehen und es zu bewältigen. Diese Freunde halten lange und ausführliche Reden und sagen dabei ziemlich viel Schlaues, mindestens dem Großteil ihrer Gedanken würden wir sicherlich zustimmen, weil das menschlich gesehen gute Worte sind. Die klugen Reden dieser Freunde füllen das Buch Hiob denn auch überwiegend aus. Am Schluss jedoch schaltet sich Gott selbst ein und antwortet. Und er ist zornig über die Freunde, die der Meinung waren, mit ihrem Verstand und ihrer Weltsicht könnten sie verstehen, wie Gott handelt und warum er tut, was er tut. Der Schöpfer steht so viel über seinen Geschöpfen, dass sein Handeln ihr Verstehen übersteigt. Der leidende Hiob hat das durchaus verstanden, wenn er sagt: „Gott ist weise und mächtig; wer stellte sich ihm entgegen und blieb unversehrt?“ Hiob weiß, dass er Gott nicht verstehen kann, er leidet daran auch, schreit zu Gott, weil er auf Antwort hofft, warum es ihm so geht, wie es ihm geht, nämlich abgrundtief schlecht.

    Wenn wir so vieles in unserem Leben nicht verstehen und auch von dem, was um uns herum und auf der Welt passiert, ist das nicht schlimm oder ungewöhnlich – wir sind eben nicht der allwissende Gott. Im Gegenteil: unsere Alarmglocken sollten läuten, wenn andere Menschen so auftreten, als ob sie die Welt erklären könnten und den kompletten Überblick haben.

    Für uns entscheidend und tröstlich ist, dass wir wissen: der allwissende Gott, der die Dinge bewegt und in den Händen hat, ist unser Vater, dem wir uns in die Arme werfen dürfen mit all dem, was wir nicht verstehen und ihm sagen dürfen, was uns alles zu schaffen macht. Der König Salomo, der mit seinem scharfen Verstand als einer der weisesten Menschen gegolten hat, sagte es so: „Verlass dich auf den Herrn von ganzem Herzen, und verlass dich nicht auf deinen Verstand, sondern gedenke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen“ (Sprüche 3,5-6).

    Ich wünsche Ihnen ein gutes und gesegnetes Wochenende,

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für Freitag, 18. September 2020

    Ich bin der HERR, der das Recht liebt und Raub und Unrecht hasst.                       Jesaja 61,8

    Gott liebt die Sünder. Aber er hasst die Sünde. Denn die Sünde macht uns kaputt. So ist die Rede von Gottes Zorn, die auch in der Bibel vorkommt, zu verstehen. Gottes Zorn steht über der Sünde, weil sie seine geliebten Geschöpfe schädigt und zerstört. Gott spricht ein klares und unmissverständliches »Nein« zur Sünde. Und er hat in uns das Gewissen angelegt, das uns in unserem Tun immer wieder an die Maßstäbe Gottes erinnert, wenn wir uns denn erinnern lassen.

    Gott geht es immer um’s Ganze. Er will mit seinen guten Geboten und Ordnungen, mit seinem Recht, unser ganzes Leben bestimmen – nie nur einzelne Teile davon. Auch im Umgang mit unserem Hab und Gut, mit unserem Besitz soll Gottes Recht uns bestimmen. »Raub«, das ist uns allen klar, ist offensichtliches Unrecht. Einem anderen wegzunehmen, was ihm gehört, es ihm sogar zu entreißen. In unserem Strafgesetzbuch wird zwischen Raub und Diebstahl unterschieden. Raub – das ist, wenn ich einem anderen sein Eigentum mit Gewalt entreiße. Doch wir alle wissen: Das Unrecht fängt nicht erst beim Raub an. Im Lehrtext für diesen Tag aus dem 1. Thessalonicherbrief werden die Christen gewarnt: Niemand gehe zu weit und übervorteile seinen Bruder im Handel. Also: auch in ganz normalen Geschäftsvorgängen kann es unrecht zugehen. Dann nämlich, wenn es nicht mehr ehrlich und redlich zugeht. Wenn jemand vor lauter Gier beim Kauf oder Verkauf wider besseres Wissen einen Preis verlangt, den er selbst nie akzeptieren würde.

    Doch wie oft passiert genau das: Beim Verkauf eines Hauses, beim Verkauf eines Grundstücks, beim Verkauf eines Autos. Und man redet sich dann raus: »Na und, der andere war doch einverstanden!« Mag sein. Doch Gott ist nicht einverstanden. Er liebt das Recht – und er hasst die Sünde. Doch weil er uns Sünder liebt, darum will er uns zurechtbringen, damit die Gier – oder wie die Sünde bei uns auch immer aussehen mag – uns nicht zerstört. Er will Leben, nicht Zerstörung. Er will einen Neuanfang, nicht ein »weiter so«. Schauen wir doch auf ihn. Ihm geht es um uns. Und zwar ganz.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Donnerstag, 17. September 2020

    Ich bin der HERR, dein Gott, der deine rechte Hand fasst und zu dir spricht: Fürchte dich nicht, ich helfe dir!                    Jesaja 41,13

    Gottes Hand hält fest. Und sie ist im rechten Moment zur Stelle, wenn wir sie brauchen. So hat es Petrus erlebt, als er auf den Wellen des Sees Jesus entgegenging. Die ersten Schritte waren gelungen. Doch dann begann er zu sinken. Jesus ergriff seine Hand und hielt ihn fest. Und er machte ihm Mut.

    Was Gott uns verspricht, das kann kein menschlicher Helfer – und sei es noch so gut gemeint – halten: Dass er immer da ist, wenn ich ihn brauche. Gott ist immer da. 

    Gott verspricht: Ich fasse deine rechte Hand. Und ich spreche dir zu: Fürchte dich nicht. Wenn ich da bin, dann musst du dich nicht fürchten. Denn ich helfe dir. Wie genau Gott hilft, das ist mit diesen Worten nicht gesagt. Es kann so sein, wie wir uns Hilfe in einer konkreten Not vorstellen – es kann aber auch ganz anders sein. Es kann auch so sein, dass man erst auf den zweiten Blick versteht, dass das jetzt Gottes Hilfe ist. Schauen wir auf das Kreuz von Jesus Christus: Da ist Gott am Werk. Helfend am Werk. Die Spötter unter dem Kreuz meinen zu wissen, wie Gottes Hilfe jetzt aussehen müsste: »Steig herab vom Kreuz, wenn du Gottes Sohn bist« Und viele Menschen meinen: Hilfe Gottes – das kann doch nur heißen, dass uns Leiden erspart bleibt. Jesus blieb das Leiden nicht erspart – und vielen Menschen in seiner Nachfolge blieb und bleibt das Leiden auch nicht erspart. Und dennoch erleben sie alle: Gott hat meine Hand ergriffen. Gott hilft mir. Gottes Hilfe geht tiefer als wir denken. Gottes Hilfe ist mehr als die Wiederherstellung eines früheren Zustandes – sei es in unserer Gesundheit, in unserer Familie, in unseren wirtschaftlichen Verhältnissen. Das kann zwar sein. Aber wichtig ist mir: Gottes Hilfe dürfen wir auch erleben als Bewahrung gerade mitten in schwierigen Zeiten, ohne dass sich äußerlich daran viel ändert. Dass Gott mich spüren lässt: Nie kannst du aus meiner Hand fallen. Nie lasse ich dich los. Auch im Sterben nicht und auch nicht im Tod. Er hat unseren Herrn zum Leben auferweckt. Er lässt auch uns nicht los. Er hilft. Das reicht.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 16. September 2020

    Ehre den HERRN mit deinem Gut.           Sprüche 3,9

    Wir Menschen trennen gern: Wir trennen Alltag vom Sonntag. Wir trennen den Gottesdienst von unserem sonstigen Geschäft. Wir trennen heilig von profan. Diese Unterscheidungen sind durchaus sinnvoll und berechtigt. Doch sie können uns auch in die Irre führen. Dann nämlich, wenn wir meinen, dass Gott nur in bestimmten Bereichen unseres Lebens eine Rolle spielen würde. Oder anders ausgedrückt: Dass es Bereiche in unserem Leben gibt, wo Gott uns nichts zu sagen hat.

    Was hat Gott eigentlich mit meinem Geld und Gut zu tun? Das ist die Frage, die hinter unserer Losung aus dem Buch der Sprüche steht. Die Antwort: Geld und Gut, unser Besitz, ist kein Bereich, in dem Gott keine Rolle spielen will. Gott will unser ganzes Leben bestimmen. Auch unseren Umgang mit unserem Geld und Gut, mit dem was wir haben und besitzen. Gott geht es immer ums Ganze. Er will nicht nur Teilbereiche unseres Lebens bestimmen, sondern unser ganzes Leben. Ja, Gott kann man am Sonntagmorgen im Gottesdienst ehren. Aber man kann ihn zusätzlich auch ehren im Alltag, auch im Umgang mit unserem Geld.

    Eine sehr konkrete Form wie das geschehen kann, legt uns Jesus in der »Predigt auf dem Felde«, die uns der Evangelist Lukas aufgeschrieben hat, ans Herz – es ist der heutige Lehrtext: Leiht, ohne etwas dafür zu hoffen. So wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Kinder des Höchsten sein. Vor allem wird deutlich, welchen Charakter unser Geld und Gut haben soll – und welchen nicht. Es soll nicht unsere Sicherheit sein, auf die wir uns verlassen. Auf jedem Dollarschein in den Vereinigten Staaten steht als Appell der Satz: »We trust in God« - »Wir vertrauen auf Gott«. Hoffentlich ist es bei uns tatsächlich so, dass wir auf Gott vertrauen – und nicht insgeheim dann doch auf das Geld. Jesus sagt im Blick auf die Steuern: Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, aber gebt Gott, was Gott gehört. Und er warnt im Blick auf das Geld: Niemand kann zwei Herren dienen. … Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Gott wollen wir dienen. Und dem Geld nur den Stellenwert beimessen, der ihm zukommt, als Mittel zum Zweck – aber wir wollen nicht vom Geld unser Leben abhängig machen und nicht auf das Geld vertrauen. Gott wollen wir ehren mit unserem Gut. Denn das tut unserem Leben gut.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Dienstag, 15. September 2020

    Abram zog aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte.        1. Mose 12,4

    Im Glauben kann man wachsen. Das zeigt uns die Geschichte von Abraham. Sein Glaube hat eine Geschichte. Da sind nachvollziehbare Schritte zu erkennen, die uns in der Bibel nacheinander erzählt werden. Hier, ganz am Anfang heißt er noch gar nicht »Abraham«, sondern »Abram«. Den neuen Namen, unter dem wir ihn kennen, bekommt er erst im Laufe seiner Glaubensgeschichte, dieser Beziehungsgeschichte mit Gott.

    Glaube ist im Wesentlichen Beziehung. Im deutschen Sprachgebrauch haben wir ein Problem mit der Vieldeutigkeit des Wortes »glauben«. Im allgemeinen Sprachgebrauch verwenden wir es im Sinne von »vermuten« oder sogar im Gegensatz zum »Wissen«. Glaube in der Bibel meint dagegen schlicht »vertrauen« - und Glaube an Gott heißt dann »Gott vertrauen«. Das ist Glaube. Und den sehen wir schon in den ersten Versen der Glaubensgeschichte des Abraham, bzw. Abram, wie er hier noch heißt. Abram kennt Gott noch nicht. Er hat bisher keine – zumindest keine erkennbare – Geschichte mit Gott. Seine Eltern und Vorfahren haben anderen Göttern vertraut. Doch nun redet Gott mit Abram. Er fordert ihn auf, aufzubrechen: Aus seinem Vaterland, aus seiner Verwandtschaft, aus seines Vaters Haus und in ein Land zu ziehen, das Gott ihm zeigen will.

    Mehr hat Abram nicht als diese Ankündigung und diese Aufforderung. Mehr weiß Abram nicht von diesem Gott, der da zu ihm – auf welche Weise auch immer – geredet hat. Doch er lässt sich darauf ein. Er vertraut dem Wort Gottes. Er gehorcht. Auch das ist ein untrügliches Zeichen des Glaubens: Der Gehorsam. Glaube ist nicht von uns Menschen machbar – er ist Wirkung und Geschenk Gottes. Und doch begegnet uns durch die ganze Bibel hindurch der Schritt in den Glauben immer als Einladung, als Aufforderung, als Angebot, das Gott uns Menschen macht. Und diesem Angebot gilt es zu Folgen – ohne Wenn und Aber. Denn diese Einladung, diese Aufforderung ist die Chance unseres Lebens. Mehr und erfüllteres Leben gibt es nicht als mit Gott unterwegs zu sein. Glauben heißt Vertrauen. Und Gott ist unser Vertrauen wert – das hat er bei Abram bewiesen. Wenn uns Gott etwas zeigt, dann tun wir’s doch einfach. Gehorsam mit 3 g: gerne, gleich und ganz.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 14. September 2020

    Wir rühmen uns auch Gottes durch unsern Herrn Jesus Christus, durch den wir jetzt die Versöhnung empfangen haben.    Römer 5,21

    Dem Thema »Ruhm« und »Rühmen« räumt Paulus breiten Platz im Römerbrief ein. In diesem Zusammenhang steht auch der heutige Lehrtext. Hat Paulus in Römer 3 noch festgestellt: Wo bleibt nun das Rühmen? Es ist ausgeschlossen. (Röm 3,27), so stellt er jetzt voller Freude fest: Wir haben doch Grund zum Rühmen: Wir rühmen uns unseres Gottes! Was steckt dahinter? Ausgangspunkt der Überlegungen des Paulus ist unser natürlicher Drang, uns etwas auf uns selbst einzubilden. Uns selbst in ein gutes Licht zu rücken – vor anderen Menschen und auch vor Gott. Wir bilden uns ein, Gott durch unsere Anständigkeit beeindrucken zu können. Da muss Gott doch anerkennend nicken, wenn er sieht, wie viele seiner Gebote wir eingehalten haben. Was für gute Menschen wir doch sind.

    Paulus zerlegt diese Pseudoreligion nach Strich und Faden. Am Ende bleibt nichts, aber auch gar nichts mehr übrig, was wir vor Gott vorzuweisen haben. Ob Jude oder Heide – es ist hier kein Unterschied: sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Jesus Christus geschehen ist. Vor Gott können wir uns nicht rühmen. Da reicht unser Ruhm nicht weit. Da »ermangeln wir des Ruhmes« wie es im alten Lutherdeutsch heißt. So funktioniert es nicht, mit Gott ins Reine zu kommen. Wir brauchen Jesus – alle brauchen Jesus. Juden wie Heiden. Davon ist Paulus überzeugt. Ohne Jesus sind und bleiben wir verlorene Leute. Nur durch ihn werden wir vor Gott gerecht, angenehm – können bestehen.

    Doch wer den Schritt über die Linie hin zum Vertrauen gegangen ist. Wer sich darauf eingelassen hat, vor Gott seinen Bankrott zu erklären und Jesus um seine Gnade bittet, er erfährt, was Paulus nun voller Freude in unsere Lehrtext beschreibt: Wir rühmen uns – nun nicht mehr unser selbst, sondern Gottes durch unsern Herrn Jesus Christus. Denn Gott hat uns durch ihn mit sich versöhnt. Nicht Gott braucht Versöhnung – wir brauchen sie. Und Gott schenkt sie uns in Jesus Christus. Was für ein Gott! Was für ein Herr! Dieses Gottes dürfen und wollen auch wir uns rühmen.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 07.09. bis 13.09.

  • add Andacht zum Wochenspruch für Sonntag, 13. September 2020

    Lobe den HERRN meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.   Psalm 103,2

    Ein Terminkalender ist wie ein hilfreiches Gedächtnis: Darin steht, was man zu tun hat, wo man erwartet wird. Jeder Mensch hat so etwas wie einen »Gedächtnis-Kalender«: Darin steht – genau wie im Terminkalender, was nicht vergessen werden soll: Da halten wir fest, was uns gelungen ist, was wir gut gemacht haben. Aber da halten wir auch fest, was andere falsch gemacht haben, unsere Sorgen ums tägliche Geschäft usw. Wir Menschen sind unterschiedlich »gestrickt«, entsprechend unterschiedlich sehen die Schwerpunkte in unserem »Gedächtnis-Kalender« aus. Wenn uns jemand fragt: »Wie geht es dir?« dann spielt – zumindest in unseren Überlegungen, was wir darauf antworten – der Gedächtnis-Kalender eine entscheidende Rolle. So sehen wir unser Leben.

    Erstaunlich ist, was eine ältere Christin auf diese Frage antwortete. Sie hatte kein leichtes Leben. Menschlich gesehen hatte sie genug Grund zum Klagen: Die Liste der Krankheiten war lang; und in der Familie lief auch nicht alles glatt. Das alles belastete sie schwer. Als Mitarbeiterin in der kirchlichen Verwaltung wusste sie: Auch in der Kirche »menschelt« es. Sie hatte die Macken von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern erlebt. Doch auf die Frage: »Wie geht es dir?« antwortete sie: »Man lobt und dankt sich durch!«

    Loben – das ist eine Grundhaltung. Loben – das ist nicht abhängig von einer bestimmten Stimmung, in der ich bin. Loben – davon ist der Psalmbeter David überzeugt – Loben, das ist unsere Berufung als glaubende Menschen. Das soll unseren Alltag prägen. Das soll unser ganzes Leben bestimmen. Loben, das ist das Atmen der Seele. Und dabei sollen wir ganz bewusst eine Erinnerungskultur pflegen: Dass wir auf das schauen, was Gott uns Gutes getan hat. Das kann man lernen. Das kann man üben: Jeden Tag zurückdenken: Was hat Gott mir heute Gutes getan? Und ihn dann dafür loben. Loben ist das Atmen der Seele. Und wie das Atmen der Lungen brauchen wir es jeden Augenblick.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Samstag, 12. September 2020

    Die Erde ist des HERRN und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen. Psalm 24,1

    Diese Worte Davids sind ein Bekenntnis. Unsere Welt – sie gehört Gott. Und mit ihr alle, die auf ihr leben. Es ist ein Bekenntnis zu Gott dem Schöpfer: Denn er hat ihn über den Meeren gegründet und über den Wassern bereitet – so führt David fort. Gott hat uns geschaffen. Gott hat uns gewollt. Wir sind keine Zufallsprodukte. Dass Gott uns gewollt und geschaffen hat, das begründet unseren Wert und unsere Menschenwürde und entzieht sie der Deutungswillkür von Menschen, die hier immer wieder Unterschiede machen wollen: Aufgrund von Rassenideologien, Wirtschaftlichkeits­berech­nungen oder einem vermeintlichen Selbstbestimmungsrechtes.

    Die Worte Davids sind ein Bekenntnis. Ein fröhliches Bekenntnis. Ein entlastendes Bekenntnis. Der Fortschrittsglaube in unserer modernen industrialisierten Gesellschaft hat nicht nur den Irrtum genährt, wir könnten alles und jedes umgestalten und in den Griff bekommen, sondern er hat auch einen enormen Druck aufgebaut: Auf unseren Schultern ruht die Last der ganzen Welt – wie einst auf den Schultern des Atlas in der griechischen Mythologie. Die Erde ist nicht uns untertan. Nicht uns gehört die Welt. Nein, es bleibt dabei: Die Erde ist des HERRN und was darinnen ist. Er erklärt sich zuständig. Natürlich sind wir aufgerufen, sie zu gestalten. Natürlich sollen wir mit ihr schonend umgehen und sie bewahren. Doch das kann nur im Verbund mit ihm geschehen. Das Bekenntnis zum Schöpfer entlastet uns – und nimmt uns doch zugleich in Verantwortung, in seinem Sinne zu handeln.

    Und schließlich sind die Worte Davids ein Bekenntnis zu unserer Verantwortung Gott, dem HERRN gegenüber. Das Verhältnis Geschöpf und Schöpfer hat eine Haltung von uns Menschen gegenüber unserem Gott zur Folge. In diesem Psalm steht auch der Adventsvers: Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe! Gott ist unser König. Unser Leben kommt dort zur Erfüllung, zu seiner schöpfungsmäßigen Bestimmung, zu seinem letzten Sinn, wo wir ihm die Ehre geben, nach ihm fragen und sein Antlitz suchen, wie es David in diesen Versen auch schreibt. Wir sind eingeladen, mit ihm – dem Schöpfer aller Dinge – zu leben, ihn zu ehren und ihm zu vertrauen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Donnerstag, 10. September 2020

    Gott sprach: Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken: der soll ein Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde.                                                            1. Mose 9,13

    Gott setzt ein Zeichen. Ein Zeichen seiner Güte. Ein Zeichen des Bundes. Es ist kein Bund von Partnern auf Augenhöhe. Das könnte es auch gar nicht sein. Denn Gott ist viel größer als alle seine Geschöpfe. Es ist vielmehr seine Setzung, seine Festlegung, seine Selbstverpflichtung: Gott legt sich fest. Dafür steht der Regenbogen, der nach der Sintflut über der Erde erscheint: Es soll hinfort keine Sintflut mehr kommen. Gott sagt seine Gnade zu – trotz unserer Schuld, trotz unseres Fehlverhaltens.

    Gott setzt ein Zeichen. Ein Zeichen seiner Güte. Ein Zeichen des Bundes. Dort auf dem Hügel Golgatha, wo sein Sohn stirbt – für uns und an unserer Stelle. So sehr liebt Gott seine Menschen, dass er die Strafe, die sie eigentlich verdient haben, auf sich nimmt. Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selbst und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. So lesen wir im 2. Korintherbrief. Gott will nicht den Tod des Sünders. Gott will seine Rettung. Das wird auf den ersten Seiten der Bibel bereits deutlich und es zieht sich durch die ganze Bibel hindurch: Gott will retten. Gott will uns seine Treue schenken. Gott will uns haben. Gott ist für uns. Davon dürfen wir leben – an jedem Tag neu.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 9. September 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    im Lehrtext zu den Losungen steht heute ein Vers aus dem Hebräerbrief. Dort schreibt der Verfasser: „Lasst euch nicht durch mancherlei und fremde Lehren umtreiben, denn es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade.“ (Hebräer 13,9)

    „Lasst euch nicht durch mancherlei und fremde Lehren umtreiben.“ Das war also schon zu Zeiten der ganz frühen Kirche ein Thema, schon vor 2.000 Jahren. Wie kommt das, dass seltsame, falsche und auf Irrwege bringende Meinungen immer wieder auftauchen und uns oft schnell in ihren Bann ziehen? Das hat wohl mehrere Gründe:

    Schon immer hat es uns Menschen fasziniert, Geschichten zu hören, am besten spannende Geschichten, geheimnisvolle Geschichten – und je geheimnisvoller, umso gebannter hören wir zu. Wenn es dann noch ein begabter Erzähler ist, dem wir zuhören, sind wir geneigt, selbst Geschichten zu glauben, die wir normalerweise für völligen Quatsch halten würden.

    Besonders blühen fremde und falsche Lehren in Zeiten, in denen wir unter großem Druck stehen, Angst haben. Wenn dann jemand kommt, der uns anscheinend erklären kann, warum es so gefährlich geworden ist für uns, wer an den vermeintlichen Gefahren schuld ist oder der uns vielleicht sogar noch einen Weg aufzeigt, wie wir uns retten können – ja klar, dann greifen wir schnell und gern nach so einem vermeintlichen Rettungsanker, obwohl er, wenn wir nachdenken, uns gar nichts nützt oder im Gegenteil, uns sogar erst recht zur Gefahr wird.

    Was hilft gegen falsche Lehre? Unser Vers erwähnt das Wichtigste schon: dass unser Herz fest wird, also nicht anfällig für Irrwege, das ist Gnade, das ist ein Geschenk – aus uns selbst heraus kommt das nicht. Gegen ungute Geschichten hilft, wenn wir in der Gemeinschaft, der Gemeinde bleiben, Gottesdienste besuchen, immer wieder auch das Gespräch suchen mit anderen. Das hilft, die Spur zu finden, in der Spur zu bleiben.

    Ja, es stimmt natürlich, nicht immer ist der Rat der anderen und das, was sie uns sagen, das Richtige. Manchmal wollen und müssen wir auch einen ganz eigenen Weg gehen, obwohl die anderen das nicht unterstützen. Aber das ist eher die Ausnahme als die Regel. Vielleicht denken Sie einmal darüber nach, wo und wann Ihnen der Rat anderer schon zur Hilfe wurde vor Irrwegen – und wo und wann es gut war, dass Sie aus Überzeugung Ihren ganz eigenen Weg gegangen sind!

    Ich wünsche Ihnen und mir, dass wir nicht jeder neuen Sensationsgeschichte hinterherlaufen, die irgendjemand gerade wieder einmal in die Welt setzt. Dass unser Herz fest wird in einem guten Sinne: zuversichtlich, vertrauend auf Jesus, in der guten Gemeinschaft mit anderen bleibend.

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für Dienstag, 8. September 2020

    Ihr werdet erfahren, dass ich der HERR bin, wenn ich so an euch handle zur Ehre meines Namens und nicht nach euren bösen Wegen und verderblichen Taten.                 Hesekiel 20,44

    Wie gut ist Gott doch! Er nagelt uns nicht auf unsere Fehler fest. Er begegnet uns mit seiner Güte. Was Israel im Besonderen hier angekündigt wird, das dürfen alle Menschen durch Jesus Christus erleben: Gott ist uns gut: Ihr werdet erfahren dass ich der HERR bin. Wenn jemand sagt: »Du wirst mich noch kennenlernen«, dann klingt das oft wie eine Drohung. Nach dem Motto: Mit mir kann man nicht umspringen, wie man will. Ich weiß mich zu wehren und weiß, meine Interessen durchzusetzen. Gott hätte allen Grund, so seinem Volk – und seinen Menschen ganz allgemein – gegenüber zu reden. Und er tut es auch immer wieder. So oder ähnlich lesen wir es immer wieder bei den Propheten. Gott warnt seine Menschen, wo sie auf falschen Wegen unterwegs sind; wo sie ihn falsch einschätzen, wo sie zu harmlos von Gott denken.

    Doch hier, hier spricht Gott das Geheimnis seines Wesens mit diesen Worten aus: Ihr werdet erfahren, dass ich der HERR bin, wenn ich die Kette von Schuld und Strafe durchbreche. Wenn ihr eben nicht das bekommt, was eure Taten verdienen. Zur Ehre meines Namens gehe ich einen anderen Weg, den Weg der Vergebung; den Weg des Neuanfangs. Nirgends sehen wir ihn deutlicher als in Jesus Christus – den Gott, der so an uns handelt. Da erleben wir es, da erfahren wir es, dass Gott der HERR ist, der so an uns handelt zur Ehre seines Namens und nicht nach unseren bösen Wegen und verderblichen Taten. Da im gekreuzigten Jesus, da sehe ich Gott ins Herz: So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Mehr, tiefere und beglückendere Gotteserfahrung gibt es nicht auf dieser Welt als in Jesus Christus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen und was er für uns tut.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 7. September 2020

    Deine Augen stehen offen über allen Wegen der Menschenkinder.       Jeremia 32,19

    Gott sieht mir ins Herz. Gott weiß, wie ich’s meine. Auch wenn’s andere übersehen oder mich missverstehen: Gott übersieht mich nicht. Das ist die tröstliche Botschaft dieses Verses. Und: Gott sieht auch, wo mir Unrecht geschieht. Gott sieht auch, wo andere mir Böses wollen. Auch ihr Weg ist offen vor den Augen Gottes. Auch ihnen sieht er ins Herz. Ja, wir müssen unser Tun und Handeln, unser Denken und Abwägen vor dem ewigen Gott verantworten. Wohl uns, wenn wir uns dieser Verantwortung bewusst sind. Die Väter des Grundgesetzes wussten darum, als sie in der Präambel formulierten: »Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, … hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben«. Von dem, dass Gott einmal jedem geben wird nach seinen Wegen und nach der Frucht seines Tuns ist dann im nächsten Vers die Rede.

    Da staunt einer über den großen Gott, der all das sieht. Dem all das nicht entgleitet, der es im Auge behält, was die Menschen tun, welche Wege sie gehen – gute und böse Wege. Wem wichtig ist, die richtigen, die guten Wege zu gehen, der darf sich an den Psalmbeter David im 139. Psalm halten: Erforsche mich Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne wie ich’s meine. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin und leite mich auf ewigem Wege. Vor Gott dürfen und sollen wir unsere Wege prüfen, von ihm durchleuchten lassen. In der Stille allein – oder in der Seelsorge – macht er uns dann auch klar, was der richtige Weg ist. Sein Weg, der gute Weg, der ewige Weg. Den wollen wir gehen.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 31.08. bis 06.09.

  • add Andacht für den 13. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest, 6. September 2020

    Christus spricht: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.                                                                     Matthäus 25,40b

    Jesus lenkt unser Augenmerk auf die, die unsere Hilfe brauchen. Wer einem bedürftigen hilft, dem wird es angerechnet, wie wenn er es Jesus Christus selbst angetan hat. In der christlichen Tradition fand man sieben Werke der Barmherzigkeit, von denen immerhin sechs ihren Ursprung in dem Gleichnis vom Weltgericht haben, aus dem unser Wochenspruch stammt: Barmherzig handelt, wer einen Hungernden speist, einem Dürstenden zu trinken gibt, einen Fremden aufnimmt, einen Nackten bekleidet, einen Kranken besucht und zu dem, der im Gefängnis ist, geht. Scheinbar unscheinbare Dinge. Nichts, was groß in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Kleine, aber sehr konkrete Schritte der Hilfe. Als siebte barmherzige Tat kam dann noch das Begraben der Toten hinzu.

    Darum geht’s: Nicht um Effekthascherei. Nicht um: Tue Gutes und rede darüber, sondern um’s ganz konkrete Zupacken, wo sich mir eine Gelegenheit bietet. Um offene Augen der Barmherzigkeit, die die Not von Menschen – und zwar auch von einzelnen Menschen – nicht nur die große Not von ganzen Bevölkerungsgruppen (die natürlich auch), sieht und dann ganz einfach handelt. Die sich nicht rausredet: Das ist ja nur ein Tropfen auf den heißen Stein, was ich tun kann. Jesus macht deutlich: Das hat Gewicht. Das habt ihr mir getan. Das wird nicht übersehen. Und das hat Wirkung. Wirkung für diesen Menschen und Wirkung für euch und Wirkung im Himmel. Wo ein Mensch erlebt, da ist ein anderer, der sich um mich kümmert, da macht das was mit ihm. Nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich. Da spürt er: Da denkt jemand an mich. Ja, wir dürfen handeln – mit unseren Mitteln – wie Jesus gehandelt hat. Und wir dürfen handeln an Menschen, als wenn es an Jesus wäre. So sieht er es an. So ermutigt er uns. Haben auch wir den Mut, ganz praktisch anzupacken.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • add Andacht für Samstag, 5. September 2020

    Das sagt der Erste und der Letzte, der tot war und ist lebendig geworden: Ich kenne deine Bedrängnis und deine Armut.                                                                Offenbarung 2,8-9

    Jesus weiß Bescheid, wie’s mir geht. Das ist die tröstliche Botschaft, die wir aus diesem Vers entnehmen dürfen: Jesus weiß es! Ich kenne deine Bedrängnis – konkret in der Sendschreiben­gemeinde Smyrna war es die Verfolgungssituation in einer christusfeindlichen Gesellschaft. Vom Leiden ist da die Rede und vom Gefängnis. Und von Armut ist die Rede. Es kann nur äußerliche Armut, äußerliche Bedürftigkeit sein, denn direkt im Anschluss an den Ausschnitt, den unser Lehrtext bildet heißt es: Du aber bist reich.

    Worin besteht dieser innere, dieser geistliche Reichtum, den die Christen in Smyrna gegen den Augenschein haben? In Jesus Christus, ihrem Herrn. Die Bedrängnis und die Armut, die sie erleben – und die niemand leicht und gern erlebt ist umschlossen von seinem Reichtum. Am Ende steht: Du aber bist reich. Und am Anfang stellt sich Jesus vor als der Erste und der Letzte. Der vor und hinter allem steht – und der keinen zurücklässt. Jesus ist der, der tot war und ist lebendig geworden. Jesus ist der, der den Tod besiegt hat. Jesus ist der Herr über alles. Jesus ist der Herr über alle Mächte und Gewalten in der sichtbaren und der unsichtbaren Welt.

    Die Tiefe dieser Christuserkenntnis: Wer ist Jesus wirklich? Welche Macht hat Jesus? Die erfahren Christen oft gerade dort, wo es für sie selbst in die Tiefe geht, ins Leiden. Wo all das, was uns so selbstverständlich erscheint an Freiheit und Wohlergehen und Wohlstand, nicht mehr da ist, wo es wegbricht und zerbricht. Da erfahren Christen: Christus ist immer noch da. Christus, der der stärker ist als alles, was mich bedroht. Er ist der Erste und der Letzte. Nein, meine Not wird nicht das Letzte sein. Er ist der Letzte. Und er kennt mich und wird mich nicht übersehen oder zurücklassen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Freitag, 4. September 2020

    Der HERR segne dich und behüte dich.                                                4. Mose 6,24

    Was ist das eigentlich mit dem Segen? Das Losungswort für heute stammt aus dem sog. Aaroni­tischen Segen, den Gott selbst Aaron und seinen Söhnen als priesterliche Segensformel im Gottesdienst aufgetragen hat. Und daran wird einiges über das Wesen des Segens deutlich: Das Wichtigste zuerst: Es ist Gott, der segnet – nicht ein Mensch. Der HERR segne dich und behüte dich. Wir Menschen können Gott nur bitten, dass er einen Menschen segnet. Segen ist Gottes Sache, Gottes Aufgabe. Und darum auch für uns nicht wie ein Besitz verfügbar. Wir können ihn nicht sammeln wie man Regenwasser in der Regentonne sammelt oder horten wie Lebensmittel im Kühlschrank oder der Speisekammer. Segen kann man immer nur neu empfangen – aber nie auf Vorrat.

    Und noch etwas Wichtiges: Der Segen stellt uns in eine Beziehung. Nicht von ungefähr kommt das deutsche Wort »Segnen« vom lateinischen »signare«. Und das heißt »zeichnen« oder »bezeichnen«, ein Zeichen dranmachen, ein Besitzzeichen. Konkret war gemeint: Mit dem Zeichen des Kreuzes bezeichnen. So stellt der Segen in eine Beziehung: Ich gehöre zu Gott. Er hat sein Besitzzeichen an mir gemacht. Es geht nicht darum, sich von Gott etwas abzuholen, sich dann wieder von ihm zu lösen und ohne ihn weiterzuleben, sondern es geht darum, mit Gott in Verbindung zu bleiben. Immer, ständig mit ihm zu leben. Diese Beziehung zwischen ihm und mir ist ganz persönlich. Darum ist der aaronitische Segen auch im Singular formuliert, in der Einzahl. Der HERR segne dich und behüte dich. Gott meint uns, uns ganz persönlich. Seit mir das als Pfarrer klar wurde, habe ich den Segen am Ende des Gottesdienstes i.d.R. so gesprochen, wie er in der Bibel steht. Segen stellt in eine Beziehung. Und wer mit Gott lebt, der ist gesegnet – auch wenn man das nicht immer äußerlich sehen mag. Doch der Segen ist da und er bleibt und es gilt: Er segnet dich und er behütet dich.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Donnerstag, 3. September 2020

    Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.                                                             Epheser 4,32

    Unser Leben wird anders aussehen, wenn wir Jesus Christus nachfolgen. Davon ist Paulus überzeugt. Jesus Christus macht den Unterschied. Mit dem, was er für uns getan hat. In ihm begegnet uns Gottes Güte und Liebe ganz konkret. Da erfahren wir, wie Gott es im Tiefsten seines Herzens mit uns meint: Dass er sich mit uns verbinden will, dass er mit uns noch einmal ganz neu anfangen will. In Jesus, da vergibt Gott uns. Und das hat Folgen. Das muss Folgen haben. Für unser Leben und für unser Miteinander.

    Statt »wie du mir, so ich dir« kann und soll es bei uns heißen: »wie Gott mir, so ich dir«. Gott rechnet meine Schuld nicht auf. Gott zieht sich nicht beleidigt zurück, wo ich ihm gegenüber mich nicht richtig verhalten habe. Gott ist freundlich und herzlich zu mir. Und in Jesus, da vergibt er mir meine Fehler, meine Schuld. Und jetzt? Jetzt sind wir dran. Wir sollen es genauso machen wie Gott. Christus verbindet uns untereinander. Wir sind Glieder seines Leibes. Wir gehören zu ihm – und damit als Christen zusammen. Deshalb soll Gottes Güte und Freundlichkeit auch in unserem Miteinander sich widerspiegeln. Sie soll abfärben. Wir werden immer wieder schuldig aneinander, genau so wie wir Gott gegenüber immer wieder schuldig werden. Wir brauchen die Vergebung von Gott – aber auch die Vergebung unserer Mitmenschen. Und nun geht es um den Mitmenschen – ganz konkret – der an mir schuldig geworden ist. Der sich mir gegenüber nicht richtig verhalten habe. Darauf kann man rumreiten, tage-, wochen-, jahrelang. Doch man kann es auch machen, wie Gott es macht – und wie wir als Christen es tagtäglich erleben: Wir können vergeben. Das kostet Überwindung – nicht umsonst setzt Paulus ein »Aber« am Anfang dieses Verses – aber es lohnt sich. Und wenn es uns schwer fällt, dann sollten wir mit Gott im Gebet über die Situation reden und über unsere Schwierigkeiten, dieser ganz konkreten Anweisung Folge zu leisten. Er wird uns ganz sicher helfen. Wagen wir’s doch und geben wir ja nicht zu schnell auf. Jesus Christus ermöglicht den Unterschied

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 2. September 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    der Losungsvers für heute, genauer gesagt, der Beter des Psalms 148 ruft zum Lob Gottes auf, ruft dazu die ganze Schöpfung auf! „Lobet ihn, Sonne und Mond, lobet ihn, alle leuchtenden Sterne! 4 Lobet ihn, ihr Himmel aller Himmel und ihr Wasser über dem Himmel! 5 Die sollen loben den Namen des HERRN; denn er gebot, da wurden sie geschaffen. 6 Er lässt sie bestehen für immer und ewig; er gab eine Ordnung, die dürfen sie nicht überschreiten. 7 Lobet den HERRN auf Erden, ihr großen Fische und alle Tiefen des Meeres, 8 Feuer, Hagel, Schnee und Nebel, Sturmwinde, die sein Wort ausrichten, 9 ihr Berge und alle Hügel, ihr Fruchtbäume und alle Zedern, 10 ihr Tiere und alles Vieh, Gewürm und Vögel, 11 ihr Könige auf Erden und alle Völker, Fürsten und alle Richter auf Erden, 12 Jünglinge und Jungfrauen, Alte mit den Jungen!“

    Warum brauchen wir diesen Anstoß, Gott zu loben? Weil wir halt von selbst darauf nicht kommen. Wir sind mit den kleinen Dingen unseres Lebens beschäftigt, die uns beschäftigen, unsere Gedanken auf sich ziehen, unseren Blick nach unten ziehen. Die Psalmverse laden zum Blickwechsel ein: Guck mal, der Schöpfer hat die großartige Sonne geschaffen, die jetzt im Spätsommer für unwahrscheinlich schöne Sonnenaufgänge über dem Morgennebel sorgt! Meinst Du nicht, dass dieser Schöpfer auch mit Deinem Leben zurechtkommt? Lass die Sorgen doch mal für einen klitzekleinen Augenblick fahren und lob‘ ihn einfach, den Schöpfer, lass es zu, dass Du wenigstens ein bisschen überwältigt bist von der Schönheit dessen, war er gemacht hat! Lass es zu, dass Du zu ahnen beginnst, dass der große Schöpfer vertrauenswürdig ist - dass ER auch Dich sieht!

    Jesus hat den Blick auf die Schöpfung aufgegriffen, um Mut zu machen, auf den Schöpfer zu vertrauen: „Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie?“ (Matthäus 6,26)

    Unser menschliches Herz ist klein, ängstlich, mit sich selbst beschäftigt – wir brauchen den Zuspruch von außen, unseren Blick aufzuheben, zu sehen, was der große Schöpfer macht. Die Natur mit ihren vielen Wundern lädt uns dazu ein! Und loben heißt, den Blick zu wechseln, weg von meinen Sorgen hin zu ihm, der mich doch nicht allein lässt mit meinen Problemen und Problemchen!

    Wir würden gern die Reihenfolge wählen: erst unsere Sorgen los werden, dann Gott loben. Die biblischen Zeilen laden uns zum Ausprobieren der anderen Reihenfolge: gleich den Schöpfer loben – und dann erleben, dass aus der Freude, aus dem Lob auch neue Zuversicht kommt, dass er uns mit unseren Sorgen nicht allein lässt. Dass Sie und ich uns darauf einlassen, das wünscht

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für Dienstag, 1. September 2020

     

    Es wird geschehen zu der Zeit, dass die Wurzel Isais dasteht als Zeichen für die Völker. Jesaja 11,10

    Einmal, da wird alles anders. Eine wunderbare Friedensvision wird Jesaja gezeigt. Einmal, da wird es gerecht zugehen. Da kommen auch die Armen und die Elenden zu ihrem Recht. Weil die Herrschenden nicht mehr damit beschäftigt sind, ihr eigenes Schäfchen ins Trockene zu bringen und ihre Macht um jeden Preis zu erhalten, sondern weil der Eine regiert, der gerecht regiert und gerechtes Urteil spricht.

    Einmal, da wird alles anders. Fast zu wunderbar ist die Friedensvision, die Jesaja zeigt. In jedem Fall nicht menschenmachbar: Wenn Wölfe bei den Lämmern wohnen. Wenn ein kleiner Junge Kälber und junge Löwen und Mastvieh miteinander treibt, wenn Kühe und Bären zusammen weiden. Ja auch in der Natur wird Friede herrschen. Ein Friede, den wir Menschen nicht machen können. Der aber dort herrscht, wo der Eine regiert.

    Einmal, da wird alles anders. Wenn der Eine regiert. Wenn kein Platz mehr ist für die Sünde, wenn das Land voll Erkenntnis des HERRN ist.

    Wer ist der Eine? Er ist der, der aus der »Wurzel Isais« kommt. Isai, das war der Vater des Königs David. Gott hat dem David versprochen: Einmal wird einer ewig auf dem Thron Davids sitzen. Einer von seinen Söhnen. »Sohn Davids« so wurde Jesus dann angesprochen. Denn das war er: Ein Nachkomme Davids. Gott hat Wort gehalten. Gott hat die Verheißung erfüllt: Jesus – das ist der ewige und große König auf dem Thron Davids. Er wird Frieden schaffen. Noch steht es aus. Noch warten wir auf das Kommen seines Reiches in sichtbarer Herrlichkeit.

    Jesus – das ist der versprochene Friedenskönig – nicht nur für das Volk Israel, sondern für alle Völker. Als Zeichen steht er heute schon da. Als Zeichen der Hoffnung; als Zeichen der Einladung zum Glauben. Jesus – das ist Gottes Zeichen für die Welt. So meint Gott es mit uns.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 31. August 2020

    Gott ist nicht ferne von einem jeden von uns. Denn in ihm leben und weben und sind wir.

    Apostelgeschichte 17,27-28

    Paulus ist in Athen. Sein Weg führt ihn auf den Aeropag, die Burg von Athen. Dort, wo die Tempel für die vielen Götter stehen. Er schaut sich um. Dann sieht er einen Altar mit der Weiheinschrift: »Dem unbekannten Gott«. Und Paulus weiß: Das ist mein Anknüpfungspunkt. Dort, mitten auf dem Aeropag stellt er den Athenern den ihnen bisher unbekannten Gott vor. Den Gott, der uns in Jesus Christus sein Gesicht zeigt. Den Gott, der nicht fern geblieben ist – draußen aus seiner Welt, sondern der Mensch geworden ist. Der uns ganz nahe gekommen ist, weil er uns so sehr liebt.

    Und den Gott, der nicht ferne von uns ist. Den nahen Gott verkündigt Paulus. Ob es uns bewusst ist oder nicht: Gott sehnt sich nach uns. Gott hat schon längst eine Geschichte mit uns, mit jedem Menschen. Ob wir es spüren oder nicht. Gerade da, wo uns Gott so ferne zu sein scheint, weil wir durch schwere Zeiten gehen und sich trotz Beten scheinbar so wenig oder gar nichts ändert, da ist er uns immer noch nahe. Da lässt er uns nicht los. Gott ist uns nahe – jedem Menschen. Wir sind seine Geschöpfe. Er der Schöpfer sorgt dafür, dass wir leben können. Ja, in ihm leben und weben und sind wir. Ohne Gott könnten wir überhaupt nicht leben. Doch unser Gott will noch mehr: Er will nicht nur der unbekannte Gott sein, der uns das Leben schenkt. Er will kein anonymer Gott sein. Er will unser Vater sein. Er will für uns da sein – und er will uns als seine Kinder haben. Die ihm von Herzen vertrauen. Wir müssen ihn nicht lange suchen: Er ist nicht ferne von uns. Das gilt. Gott sehnt sich nach jedem Menschen. Und in Jesus Christus erleben wir Gottes Nähe. In Jesus, der uns sagt: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 24.08. bis 30.08.

  • add Andacht für den 12. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest, 30. August 2020

    Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.

    Jesaja 42,3

    Unser Gott gibt uns nicht auf. Unser Gott zerbricht nicht. Unser Gott löscht nicht aus. Im Gegenteil: Unser Gott macht heil und zündet sein Feuer in uns neu an. Das ist die großartige Botschaft, die Jesaja verkün­den darf. Denn Gott will retten. Gott will, dass seine Menschen leben – leben mit ihm.

    Das muss man uns Menschen sagen. Weil wir nämlich anders denken und handeln. Wer mag’s uns auch verdenken: Altes Geschirr, alte Kleider, der alte Teppichboden – ist das noch zu gebrauchen oder kann das weg? Wenn etwas kaputt ist, dann lohnt sich meist eine Reparatur nicht mehr. Dann kommt es eben weg. Dann muss es etwas Neuem Platz machen. Ein geknicktes Rohr – das ist nach all unserer Erfahrung ein hoffnungsloser Fall. Nur noch für die Tonne. Das lässt sich nicht reparieren. Und ein Docht, der nur noch glimmt, den kriegen wir mit allem guten Zureden und anpusten nicht mehr zum Brennen. Hoffnungslos, nichts zu machen. Das ist unsere Erfahrung und unser Urteil. Urteilen wir so am Ende auch über Menschen: Nichts zu machen? Ein hoffnungsloser Fall?

    Wie gut, dass Gott ganz anders ist. Wie gut, dass Gott ganz anders mit uns umgeht. Er hat Hoffnung. Ja, er fängt mit uns noch einmal neu an. Er verbindet, er heilt. In Jesus Christus nimmt er all das, was in unserem Leben kaputt gegangen ist und was wir ausgeblasen haben, in seine Hand. Er nimmt es auf sein Herz. Und er macht uns neu. Er fängt noch einmal mit uns an. Unser Gott gibt uns nicht auf. Uns nicht – und keinen Menschen. Das ist die faszinierend tröstende Botschaft dieses Verses. Daran dürfen wir uns halten – für uns, aber auch für die Menschen, wo wir in der Gefahr stehen, sie aufzugeben. Gott gibt sie nicht auf – geben wir sie deshalb auch nicht auf.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Samstag, 29. August 2020

    Hiskia wurde todkrank; und er betete zum HERRN. Der redete mit ihm und gab ihm ein Wunderzeichen. Aber Hiskia vergalt nicht nach dem, was ihm geschehen war; denn sein Herz überhob sich.                                                                                             2Chronik 32,24-25

    Gott erwartet etwas von Hiskia. In schwerer Krankheitsnot – als alles andere nichts mehr hilft – wendet er sich voll Vertrauen an Gott. Und Gott hilft. Gott tut ein Wunder. Gott redet mit ihm. Gott antwortet ihm. Gott tritt ein in die Zwiesprache. Hiskia wird gesund. Und jetzt? Jetzt erwartet Gott etwas von Hiskia. Jetzt erwartet er, dass er den nicht vergisst, der ihm geholfen hat. Jetzt erwartet er, dass er mit Gott lebt. Doch das Tragische geschieht: Aber Hiskia vergalt nicht nach dem, was ihm geschehen war. Die Antwort des Hiskia und das Wunder Gottes, das er erlebt hat, passen nicht zusammen. Und der Grund: Denn sein Herz überhob sich. Statt in der Abhängigkeit von Gott zu bleiben, wird Hiskia stolz. Pocht auf seine eigene Kraft und seine Möglichkeiten – und tritt aus der Abhängigkeit von Gott heraus. Was für eine Tragödie eines Lebens.

    Gott erwartet etwas von uns. Wie viel Gutes hat Gott nicht schon an uns getan. »In wie viel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet?« In Jesus Christus nimmt sich Gott unserer größten Not: Unserer Verlorenheit und unserer Schuld an. Er nimmt sie auf sich, er trägt sie weg. Er lässt uns noch einmal ganz neu beginnen? Was haben wir aus dem Neuanfang gemacht? Sind wir in der Abhängigkeit von Gott, von seiner Gnade geblieben? Oder hat sich unser Herz auch überhoben, ist stolz geworden, hat wieder lieber sich selbst als unserem Gott vertraut? Wenn dem so ist, dann ist es höchste Zeit, umzukehren. Umzukehren in die offenen Arme Gottes. Höchste Zeit, neu ihm zu danken für seine Hilfe; neu ihn zu loben und neu und tiefer ihm, unserem Gott zu vertrauen. Denn da bei ihm, da ist unser Leben gut aufgehoben. Da ist der Platz, wo unser Leben sich entfalten und gedeihen kann.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Freitag, 28. August 2020

    Gott, du bist mein Gott, den ich suche. Es dürstet meine Seele nach dir.             Psalm 63,2

    Durst nach Gott. Wer in den heißen Tagen der vergangenen Wochen in der Nachmittagshitze im Freien sein musste, der kennt das körperliche Gefühl des Durstes. Der Psalmbeter David weiß, was Jesus uns später gelehrt hat: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, auch nicht vom Wasser allein. Er braucht noch mehr – mehr als die Lebensmittel für den Leib. Er braucht auch ein Lebensmittel für die Seele: Es dürstet meine Seele nach dir.

    Da ist eine tiefe Sehnsucht nach Gott bei diesem Psalmbeter. Eine Sehnsucht, die letztlich der Schöpfer selbst in uns, seinen Geschöpfen angelegt hat. »Unruhig ist unser Herz in uns, bis es Ruhe findet in dir« schreibt der Kirchenvater Augustinus in seinen Bekenntnissen, einer Autobiografie in Gebetform. Spät – erst als erwachsener Mensch in Amt und Würden – ist er zum Glauben an Jesus Christus gekommen. Doch da wurde seine Sehnsucht gestillt.

    Eine Umfrage vor etlichen Jahren ergab ein scheinbar seltsames Ergebnis: Da wurde den Menschen – neben vielen anderen – zwei Fragen gestellt: Glauben Sie an Gott? Und: Beten Sie? Die zweite Frage beantworteten mehr Menschen mit »Ja« als die erste. Ist es am Ende egal, zu wem ich bete? David würde klar sagen: Nein! Gott, du bist mein Gott, den ich suche!

    In Jesus Christus hat dieser Gott, dem unsere Sehnsucht im Letzten und Tiefsten gilt – ob uns das bewusst ist oder nicht –, uns sein Gesicht gezeigt. Jesus rief damals – beim Fest in Jerusalem – den Menschen zu: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen.

    Wohl uns, wenn wir den Durst zulassen. Und wohl uns, wenn wir wissen, wo unser Durst wirklich gestillt wird: Da bei unserem Gott, da bei Jesus Christus. Mit ihm wollen wir leben. Bei ihm bleiben, denn von seiner Güte dürfen wir leben.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Donnerstag, 27. August 2020

    Der HERR, unser Gott, hat uns behütet auf dem ganzen Wege, den wir gegangen sind.

    Josua 24,17

    Am Ende des Josuabuchs, als das gelobte Land eingenommen und an die Stämme Israels verteilt ist, bestellt Josua, der Anführer, die Verantwortlichen der Stämme in Sichem ein, zum »Landtag zu Sichem«. Er ruft in Erinnerung, was Gott durch die Geschichte hindurch an diesem Volk getan hat. Und dann stellt er zwei alternative Lebenskonzepte vor: Gott – oder die Götter. Wem wollt ihr folgen? Wem wollt ihr dienen? Ich aber und mein Haus wollen dem HERRN dienen lässt Josua sie wissen.

    Gottes Geist wirkt Einsicht. So auch bei den Verantwortlichen des Volks bei diesem »Landtag zu Sichem«. Das sei ferne von uns, dass wir den HERRN verlassen und anderen Göttern dienen! Denn der HERR, unser Gott hat uns und unsere Väter aus Ägyptenland geführt, aus der Knechtschaft, und hat vor unsern Augen diese großen Zeichen getan und uns behütet auf dem ganzen Wege, den wir gezogen sind, und unter allen Völkern, durch die wir gegangen sind. So lautet der Losungsvers in seiner biblischen Langfassung. Israel hat es nicht vergessen – und darum eine klare Entscheidung für Gott, gegen alle Götter.

    Vergessen wir’s doch auch nicht! Geschichtsvergessenheit ist nicht nur für eine Gesellschaft katastrophal – weil sich dann die schlimme Geschichte wiederholt. Sie ist auch in geistlicher Hinsicht fatal: Weil wir dann die Orientierung verlieren. Wie viel Gutes hat Gott uns schon getan – wie viel an den Menschen vor uns; wie viel an den Menschen der Bibel. Vergessen wir das doch nicht! Achten wir darauf. Studieren wir es. Darum ist auch das Bibellesen so wichtig: Damit wir es vor Augen haben: Ja, es stimmt: der HERR, unser Gott, hat uns behütet auf dem ganzen Wege, den wir gegangen sind. Und daraus dann die klare Konsequenz: Wir wollen – ich will – diesem HERRN dienen. Ihm allein.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 26. August 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    „Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt“ - so staunt der Prophet Micha über seinen Gott, über den Gott Israels, den Gott Himmels und der Erde. Uns Menschen fällt es schon bei Kleinigkeiten schwer, anderen zu vergeben und zu vergessen. Unser Schöpfer, der uns besser kennt als wir uns selbst, mit unserer schwierigen Art, unseren scheinheiligen Motiven, unserer fraglichen Lebensgeschichte – hat der nicht enorm viel Grund, nur enttäuscht von uns zu sein? Sich abzuwenden von uns? Selbst Reue zu empfinden, fällt uns oft schwer, falsche Wege zuzugeben und zu bedauern. Aber ist Reue nicht Voraussetzung, dass er uns annimmt, uns vergibt?

    In der Tageslosung heute aus Jesaja 43 begegnet uns ein ganz seltsames Wort, mit dem Gott seinem Volk Vergebung zuspricht. Da steht: „Nicht, dass du mich gerufen hättest, Jakob, oder dass du dich um mich gemüht hättest, Israel. (…)  mir hast du Arbeit gemacht mit deinen Sünden und hast mir Mühe gemacht mit deinen Missetaten. 25 Ich, ich tilge deine Übertretungen um meinetwillen und gedenke deiner Sünden nicht.“

    Haben wir recht gehört? Da sagt Gott zu seinem Volk: „Ihr habt mich gar nicht um Vergebung gebeten, mich gar nicht gesucht. Und ich vergebe euch trotzdem, wegen meiner großen Liebe zu euch.“ Das ist krass. Gott vergibt uns einfach so? Pädagogisch ist das doch nicht. Das fordert uns doch gar nicht zur Umkehr heraus, oder? Oder doch? Gott nimmt mich an, vergibt mir – nimmt dich an und vergibt dir, obwohl wir uns darum, wenn wir ehrlich sind, gar nicht intensiv bemühten! Und IHN hindert auch die Gleichgültigkeit, die Abgestumpftheit unseres Herzens nicht, uns zu vergeben? Möge uns diese SEINE Liebe, die so unfassbar groß ist, erreichen und überwältigen und aufwecken!

    Im neuen Testament begegnet Jesus Menschen auf ähnliche Weise, vergebend, selbst da, wo sie gar nicht darum gebeten haben, weil sie gar nicht den Mut dazu hatten, nie für möglich gehalten hätten, dass ihnen noch vergeben werden könne. Einmal brachten die Anständigen eine Frau zu Jesus, die sie beim Ehebruch ertappt hatten. Jesus spricht dieser bloßgestellten ertappten Frau, die keinesfalls freiwillig zu ihm gekommen war, von sich aus einfach Vergebung zu. Beschenkt sie mit etwas, was sie nicht zu wünschen gewagt hätte. Und ermutigt sie mit diesem überraschenden Freibrief, einen neuen Weg zu gehen.

    Ich wünsche Ihnen und mir, dass wir überwältigt sind davon, dass uns Gott annimmt, obwohl wir sind, wie wir sind – und dass uns das zu einem neuen Weg ermutigt.

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für Dienstag, 25. August 2020

     

    HERR, ich freue mich über deine Hilfe.                                                                          1. Samuel 2,1

    An mehreren Stellen erzählt die Bibel von Frauen, die auf wunderbare Weise erlebt haben, dass sie – entgegen aller Hoffnung – doch noch ein Kind bekommen. So auch hier. Dieses fröhliche Bekenntnis Gott gegenüber stammt von Hanna, der Mutter Samuels. Samuel – das heißt: »Gott hört« Dieser Name war mit Bedacht gewählt: Gott hat ihr Gebet erhört, Gott hat ihre Not angesehen. Und Gott hat ihre Klage gehört. Und nun lobt sie ihren Gott, der ihr geholfen hat. Denn das haben diese Geschichten von den wunderbaren Geburten gemeinsam: Sie alle zeigen: Das geht über das Menschenmögliche hinaus.

    Das Menschenmögliche ist in unserer Gesellschaft zur Ersatzreligion geworden. Wir modernen Menschen glauben weithin immer noch an die Machbarkeit, ja fast an die Allmacht der Menschheit: Corona – bekommen wir in den Griff; den Klimawandel – bekommen wir in den Griff. Den Weltfrieden – bekommen wir in den Griff.

    Natürlich wollen wir das Menschenmögliche tun, natürlich nicht untätig sein. Aber glauben wir doch bitte nicht, dass wir alle Probleme der Welt lösen und das Heil der Menschheit selber machen können. Wir schaffen den Tod nicht ab. Wir schaffen die Kriege nicht ab. Wir schaffen das Leid nicht ab. Wir schaffen nicht einmal die Ungerechtigkeit, die es auf der Welt gibt, ab.

    Vertrauen wir doch wieder viel mehr dem, der auch uns helfen will, dem HERRN, unserem Gott. Laufen wir doch nicht überall hin, verlieren wir uns doch nicht im Aktionismus, sondern gehen wir zuerst und vor allem zu ihm, unserem Gott. Beten wir, als ob alles Arbeiten nicht hilft. Und dann, wenn wir von ihm getröstet und gestärkt sind, dann wollen wir arbeiten und wirken, vielleicht manchmal auch so, als ob alles Beten nicht hilft. Aber das Beten wollen wir nicht vergessen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 24. August 2020

    Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.                                                                                                      Psalm 23,5

    Gott – mein Hirt und mein Wirt. So hat jemand den 23. Psalm überschrieben. Am Anfang des Psalms ist es das tragende und eindrückliche Bild des Hirten, der seine Schafe mit allem versorgt, was sie brauchen. Der mitgeht, der tröstet. Doch dann wechselt das Bild zu dem des Wirts. Gott lädt mich an seinen Tisch. Er deckt mir den Tisch.

    Das ist ganz anders – und steht im scharfen Kontrast zu den ganzen Tischen, die wir alle decken. Tische, wie auf dem Jahrmarkt: Vollgepackt mit dem, was wir zu bieten haben, was wir vorweisen können, was wir geleistet haben – wie die voll gepackten Tische der Händler auf dem Jahrmarkt auf der Uhlbergstraße mehrmals im Jahr. Ich frage mich immer: Wie verstauen die das Ganze in ihren Lieferwägen? Die Tische mit unseren Auslagen also. Von denen wir uns wünschen, dass die anderen sie bestaunen, bewundern und uns dafür loben.

    Und nicht wenige Menschen meinen: Auch Gott muss meinen Tisch doch bestaunen. Gott muss doch mit meinem Leben zufrieden sein. Und Gott? Sein Wort sagt: Ihr Tisch werde ihnen zur Falle, zur Vergeltung und zum Strick (Ps 69,23). Er stößt unsere Tische um und zieht ans Licht, was wir unter dem Tisch verborgen haben: Unsere Sünde, unsere Schuld, unsere Flucht vor Gott.

    Vergessen wir doch all die Auslagentische, die wir selbst aufbauen. Und setzen wir uns wie David an den Tisch, den Gott für uns gedeckt hat. Lassen wir uns von ihm beschenken und das Heil, das er uns in Jesus Christus schenkt, voll einschenken.

    Pfarrer Andreas Streich

     

 

Woche vom 17.08. bis 23.08.

  • add Andacht für den 11. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest, 23. August 2020

    Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.                             1 Petrus 5,5b

    Von Demut ist hier die Rede – als einer Schlüsselhaltung. Das ist ein Wort, ein Wert, den wir aus unserem Sprachgebrauch und in unserem Alltag fast verloren haben. Vielleicht, weil wir die Sache gern verdrängen würden. Niemand ist gern unterwürfig und duckmäuserisch. Menschen mit einem gestörten Selbstbewusstsein leiden darunter.

    Doch Menschen, die wissen, dass sie Gott ihre leeren Hände hinhalten dürfen, erleben es, dass er sie immer wieder füllt. Menschen, die erkannt haben: Mein Wert hängt nicht von dem ab, was ich leiste oder schaffe, oder von dem, was ich weiß oder kann, sondern ich bin wertvoll, weil Gott mich so liebt, wie ich bin, die können gestärkt und aufrecht durchs Leben gehen. Und Menschen, die sich eingestehen: ich schaffe dieses Leben nicht allein. Ich brauche einen, der mich an der Hand nimmt, der mit mir geht und mich begleitet, der mich führt und der mir die Kraft schenkt, die werden erfahren: Er hält Wort. Er geht mit. Seine Hand lässt nicht los.

    Demütige im Sinne dieses Wochenspruchs sind Menschen, die täglich sich von Gott beschenken lassen, die von seiner Kraft, von seiner Vergebung leben – und so sich auch nicht über andere überheben müssen. Das wollen wir: Unter und vor allem an der Hand Gottes leben.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Samstag, 22. August 2020

    In dem Namen Jesu sollen sich beugen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind.                                                                                                                            Philipper 2,10

    und alle Zungen bekennen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters. Mit diesen Worten endet der großartige Christushymnus im Philipperbrief. Er macht deutlich: Von Jesus Christus können wir gar nicht groß genug denken. Jesus Christus – das ist der Eine, in dem Gott seine ganze Liebe beweist. Jesus Christus ist der Eine, der vorgelebt hat, wie Gott sich unser Menschsein gedacht hat. Jesus Christus ist der Eine, der wirklich zählt. Und am Ende werden es alle bekennen müssen. Am Ende werden alle vor ihm die Knie beugen und ihn anbeten. Denn einen anderen als ihn gibt es nicht.

    Dieser Christushymnus spricht nicht nur von der Erhöhung Jesu Christi, die mit der Auferstehung und seiner Himmelfahrt begonnen hat, sondern auch von dem, was dieser Erhöhung vorausging: Von seinem Gehorsam, von seiner Menschwerdung: er entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an. Und von seiner Erniedrigung: Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tod, ja zum Tode am Kreuz. Es gibt den erhöhten Christus nicht anders als mit durchbohrten Händen und Füßen. Sein Name, der über alle Namen ist, ist untrennbar mit seinem Leiden uns zugut verbunden.

    Wer vor ihm die Knie beugt, der erkennt an: Ich brauche diesen Retter. Ich brauche Jesus, meinen Heiland. Ich brauche das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt trägt – und das auch meine, meine ganz persönliche Sünde trägt, wegträgt und mich mit Gott versöhnt. Und ich danke ihm, denn er – und er allein – schenkt mir das Leben und volle Genüge.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Freitag, 21. August 2020

    Die Jünger traten zu Jesus und sprachen: Wer ist nun der Größte im Himmelreich? Und er rief ein Kind zu sich und stellte es mitten unter sie und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.

    Matthäus 18,1-3

    Gott kehrt unsere Maßstäbe um. Bei ihm zählt nicht, was wir Großartiges leisten, sondern einzig und allein: Ob wir das Großartige, das er uns schenkt, annehmen. Den Himmel können wir uns nicht verdienen. Wie oft haben wir diese Botschaft schon gehört. Und trotzdem probieren wir es immer wieder. Wir messen unser Leben mit dem Maßstab, der nun mal in dieser Welt gilt: Tu was, mach was, arbeite, bewirke etwas. Dann ist dir das Wohlwollen der anderen sicher. Leistungsgesellschaft eben – ob im Beruf, im Sport oder im kulturellen Bereich. Überall dasselbe.

    Sollte es im Himmelreich, das Jesus predigt wirklich anders sein? Jesus jedenfalls fordert ein radikales Umdenken. Eine grundsätzliche Umkehr unserer Wertmaßstäbe. Ja, es geht so weit, dass Jesus sogar deutlich auf eine Unmöglichkeit hinweist, auf ein Ausschlusskriterium für den Himmel. In den Himmel kommt nicht, wer nicht wird wie ein Kind.

    Wie ist denn ein Kind. Ich denke an einen Säugling. Der ist schlicht und einfach bedürftig. Sonst nichts. Der braucht es, dass Mutter oder Vater sich um ihn kümmern für alles und jedes. Ihm zu essen und zu trinken geben, ihm die Windel wechseln, ihn ins Bett legen und aus dem Bett holen. Bedürftig sein – das ist, was ein Kind ausmacht. Und sich dessen nicht schämen. Es ist ganz normal, dass Kinder bedürftig sind. Dass sie nichts leisten müssen und sich auf ihre Leistung nichts einbilden. So – genau so – sagt Jesus – müssen wir werden, wir alle. Denn wir haben einen Vater im Himmel, der für uns sorgt und der uns überreich beschenkt. Kommen wir aus der Bedürftigkeit und aus dem Bewusstsein, dass wir ihn brauchen, ja nie raus. Eine bessere, gesündere Lebenshaltung gibt es nämlich nicht.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Donnerstag, 20. August 2020

    Hass erregt Hader; aber Liebe deckt alle Übertretungen zu.                                      Sprüche 10,12

    Die Verse im 10. Kapitel des Sprüchebuchs entlarven so manche billige Ausrede, um sich ja nicht ändern zu müssen. Sätze wie »Da konnte ich nicht anders…« oder »da kann man doch nicht anders…« - »so bin ich halt« sind zwar weit verbreitet, aber von Grund auf verkehrt. Bibelleser wissen mehr. Meist gibt es nicht nur den einen Weg, den naheliegenden, sondern auch noch einen anderen. So auch beim Umgang mit den Fehlern anderer. Die Gnadenlosigkeit in unserer Gesellschaft erschreckt mich: Da steht jemand in der Öffentlichkeit, bekleidet vielleicht ein politisches Amt, um das ihn andere beneiden – und dann macht dieser Mensch einen Fehler. Nachsicht – Fehlanzeige! Zweite Chance? Denken Sie nicht mal dran. Nein: Rücktritt, der oder die muss weg! Und die Liste, derer, die es traf, wird länger. Mich erschreckt das.

    Unsere Losung weist uns einen anderen Weg. Und zeigt zugleich: Es geht auch anders. Doch, da kann man anders. Doch, Gott will, dass wir anders handeln. Er will, dass wir uns an ihm orientieren. Dass wir es so machen, wie er es macht. Und wie macht es Gott? Wie geht er mit unseren Übertretungen, mit unseren Fehltritten, mit unserer Schuld um? Er begegnet uns nicht mit Hass, sondern mit Liebe. Gott hasst die Sünde – daran lässt die Bibel keinen Zweifel – aber er liebt die Sünder. Und darum sorgt er selbst dafür, dass die Übertretungen zugedeckt werden. Darum nimmt er das Problem mit unserer Schuld und unserem Versagen selbst in die Hand. Darum nimmt er in Jesus Christus unsere Schuld auf sich und trägt sie weg an das Kreuz. »All Sünd‘ ist nun vergeben und zugedecket fein, darf mich nicht mehr beschämen vor Gott, dem Herren mein« dichtete einst Bartholomäus Helder. Und das gilt. Gott lässt es gelten. Lassen doch auch wir’s viel mehr gelten, wo andere an uns schuldig werden. Ich wünsche uns eine Kultur der Ehrlichkeit: Dass wir ehrlich einander unser Versagen eingestehen und Fehler bekennen. Weil wir wissen: Wir werden den andern nicht auf seinen Fehlern festnageln – sondern es machen wie Gott: Die Liebe deckt alle Übertretungen zu.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 19. August 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    wenn Sie an den Mose aus der Bibel denken, was fällt Ihnen da ein? Dass er als Baby in ein schwimmendes Körbchen im Nil gelegt wurde? Dass er das Volk Israel aus der Sklaverei in Ägypten geführt hat? Dass er das Meer teilte und mit dem Volk Israel mitten durchs Wasser gehen konnte? Vielleicht sehen Sie den Mose vor Ihrem inneren Auge auch mit den Tafeln der zehn Gebote stehen? Ja, der Mose hatte ein ungewöhnlich bewegtes und spannendes Leben mit außergewöhnlichen Höhen und Tiefen.

    Eines wird von Mose in der Bibel berichtet, was gar nicht so bekannt ist, und doch sehr bewegend ist. Im 33. Kapitel des zweiten Mosebuchs heißt es: „Der Herr aber redete mit Mose von Angesicht zu Angesicht, wie ein Mann mit seinem Freunde redet.“ Gott und Mose unterhalten sich offen, vertrauensvoll, ohne Geheimnisse – ohne Angst, etwas Falsches zu sagen und auch so, dass man den Mut hat, dem anderen die Meinung zu sagen. Gott ist sich nicht zu schade, zu erhaben, um mit Mose auf Augenhöhe zu reden.

    Der Textabschnitt in diesem 33. Kapitel bringt einen Teil dieser Unterhaltung zwischen Gott und Mose. Es geht da um ein heikles Thema: Das Volk Israel, das Mose leitet, hat kurz davor ein goldenes Kalb gemacht und dieses tote Ding angebetet und sich damit Gott gegenüber ganz undankbar gezeigt. Der lebendige Gott hat das Volk doch aus der Knechtschaft befreit – und jetzt lag das Volk einem Götzenbild zu Füßen. Man kann es verstehen: Gott ist darüber enttäuscht, zornig. Er will am liebsten nichts mehr mit diesen undankbaren Leuten zu tun haben. Doch Mose setzt sich im freundschaftlichen Gespräch für die Israeliten ein. Er bittet Gott, erinnert ihn daran, dass es doch sein Volk war und ist und bleiben soll! Der Losungsvers für heute ist aus diesem Gespräch: „Sieh doch, dass dies Volk dein Volk ist!“ sagt Mose zu Gott. Mose erinnert Gott an seine Verbundenheit mit dem Volk Israel, an seine Liebe zu diesem Volk. Und tatsächlich - Gott lässt sich erinnern, er hört auf Mose, er lenkt ein – so wie das unter Freunden geschieht.

    Wenn Jesus von Gott sprach, hat er den Menschen erzählt, dass sie sich Gott vertrauensvoll nähern dürfen. Wie einem Vater, dem man alles erzählen kann, der sein Kind so liebt, dass er ihm keine Bitte ausschlagen kann. Garantiert fallen Ihnen dazu Jesusgeschichten ein!

    Die Frage ist nun gar nicht nur, ob wir uns Gott so allgemein als engsten Freund und als Vater vorstellen können, sondern vor allem, ob wir ihn wirklich wollen, als Freund, als Vater – denn ein Freund, ein Vater will mein Leben ja auch teilen, sich einmischen, seine Meinung dazu sagen, mich begleiten. Gott als Freund, als Vater – wie stehe ich dazu, wie stehen Sie dazu? Nehmen Sie das doch als ganz lohnende Frage mit!

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für Dienstag, 18. August 2020

    Der HERR ist freundlich, und seine Gnade währet ewig und seine Wahrheit für und für.

    Psalm 100,5

    Im Miteinander mit anderen wünschen wir uns, dass sie sich an bestimmte Werte halten: Freund­lichkeit, Zuverlässigkeit, Verbindlichkeit, Wahrhaftigkeit. Es kann Jahre dauern, um Vertrauen zueinander aufzubauen. Aber es reicht ein Augenblick, um das Vertrauen eines Menschen in einen anderen zu zerstören. Menschen können uns enttäuschen – bitter enttäuschen.

    Unser Gott kann und wird uns nicht enttäuschen. Davon ist der Psalmbeter überzeugt: Gott enttäuscht nicht. Gott ist freundlich. Er ist uns gut – in Jesus Christus hat Gott es ein für allemal bewiesen, wie er es mit uns meint: Dass er uns Menschen haben will – als sein Gegenüber. Dass er mit uns leben will. Dass er in Gemeinschaft mit uns leben will. Wir müssen keine Angst haben, dass er uns irgendwann die Freundschaft aufkündigt. Nein: er ist und bleibt uns zugewandt.

    Seine Gnade währet ewig: Gott und wir – das ist eigentlich keine Partnerschaft auf Augenhöhe. Kann es auch gar nicht sein. Wir sind begrenzte Menschen, wir sind seine Geschöpfe – er ist ewig und allmächtig. Er ist unser Gott, unser Schöpfer. Er müsste sich uns nicht zuwenden. Er müsste sich nicht zu uns herabbeugen. Er wäre auf uns nicht angewiesen. Doch unser Gott will nicht ohne uns sein. Unser Gott will mit uns leben. Unser Gott will uns gnädig sein. In Jesus Christus schenkt Gott uns seine Gnade: Die Vergebung aller unserer Sünden, er nimmt uns die Schuld ab und macht uns zu seinen Kindern.

    Und seine Wahrheit währt für und für. Was Gott sagt, was Gott verspricht – auch was er mir zusagt im Blick auf unser Verhältnis zueinander – das bleibt bestehen. Wer nicht enttäuscht werden will in der wichtigsten Beziehung seines Lebens, der darf nicht auf Menschen vertrauen, sondern der muss auf Gott vertrauen. Auf den Gott der treu ist, der freundlich ist, der gnädig ist und der wahrhaftig ist. Und ich bin mir sicher: Wer von dieser Beziehung her lebt, der kann auch anderen Menschen gegenüber freundlich, gnädig und wahrhaftig sein.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 17. August 2020

    Sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk.                                                                      Apostelgeschichte 2,46

    Das, was da am Anfang der Apostelgeschichte von der Gemeinde Jesu Christi gesagt wird, ist und bleibt Maßstab und Zielvorgabe für die christliche Gemeinde. Sie waren einmütig beieinander. Sie saßen nicht nebeneinander, sie gingen nicht auseinander, sie redeten nicht übereinander. Sie feierten miteinander. Christen brauchen einander – das ist die Grundeinsicht die dahinter steht. Deshalb sind wir froh und dankbar, dass wir nach der durch Corona erzwungenen Isolation wieder gemeinsam feiern können. Nicht nur virtuell, sondern real.

    Sie kamen zusammen – in den Häusern: sicher in kleinen Gruppen – so wie es sie bei uns auch gab. Das darf und das soll es geben. Ein breit gefächertes Angebot für Zielgruppen in einer Gesellschaft, die so ausdifferenziert ist, wie die unsere. Eine Form, die allen gefällt, finden wir wohl kaum. Aber diese ersten Christen kamen nicht nur in den Häusern, in ihren eigenen Gruppen, sondern auch als Christen gemeinsam, sozusagen zur Vollversammlung zusammen – täglich im Tempel.

    Vergessen wir nicht den Segen der Vollversammlung der Gemeinde Jesu. Darauf liegt ein Segen. Auch wenn viele den Sonntagmorgengottesdienst als Mitte der Gemeinde totreden wollen: Wir brauchen eine solche Mitte, eine Vollversammlung als Christen an einem Ort: Nur dort, wo wir gemeinsam Erfahrungen mit Gott und seinem Wort machen, nur dort erfahren wir den vollen Segen. In Jerusalem waren Gebildete und Ungebildete, Junge und Alte, Reiche und Armen; Herren und Sklaven, Frauen und Männer beieinander. Sie ließen sich nicht auseinanderdividieren. Die Vollversammlung bewahrte sie vor einer gefährlichen Krankheit in der Gemeinde: Vor Herzverengung. Auch wir brauchen dringend diese Weite im Herzen wieder, die wir nur in der Vollversammlung der Gläubigen erleben. Es geht doch nicht um Formen! Es geht noch nicht um Musikstil. Es ist so einfach und so billig, sich in seinen Wohlfühlkreis zurückzuziehen. Doch das Neue Testament legt eine andere Spur: Gemeinsam – herzlich miteinander verbunden – miteinander Gott feiern. Darauf liegt Segen.

    Pfarrer Andreas Streich

     

 

Woche vom 10.08. bis 16.08.

  • add Andacht für den 10. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest, 16. August 2020

    Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist, dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat.         Psalm 33,12

    Der 10. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest wird bei uns als »Israelsonntag« gefeiert. Wir denken in besonderer Weise an die Verbundenheit der Gemeinde Jesu Christi mit dem jüdischen Volk, dem Bundesvolk des Alten Bundes. So wenig »Lebensabschnittpartnerschaften« nach Belieben im Sinne dessen sind, der die Ehe als lebenslange Gemeinschaft gestiftet hat, so wenig gibt es bei Gott einen Bund auf Zeit. Wo Gott einen Bund schließt, da gilt das für immer. So auch der Bund mit dem Volk Israel.

    Warum Gott gerade dieses Volk ausgewählt hat, darüber gibt das 5. Mosebuch Auskunft: Nicht hat euch der HERR angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern, sondern weil er euch geliebt hat. Gottes bedingungs- und voraus­setzungs­lose Liebe ist der Grund für diese Erwählung. D.h. da gibt es überhaupt keine Vorleistung dieses Volkes; überhaupt keine besondere Qualität, nicht irgend eine Liebenswürdigkeit in Form einer Eigenschaft oder eines Verhaltens, die Gott dazu veranlasst hat. Es ist schlicht und einfach – und zugleich unerklärbar – seine Liebe und seine Treue.

    Wenn Gott wählt, dann kann man die, die er sich wählt, nur beglückwünschen. Denn etwas Besseres, Erfüllenderes gibt es nicht, als dass Gott uns haben will – für ein Leben mit ihm und in seinem Reich. Gottes Erwählung gilt Israel. Das jüdische Volk ist Gottes erwähltes Volk bis heute – und bis ans Ende der Zeit wird diese Erwählung bestehen. Israel ist und bleibt gesegnet. Doch durch Jesus Christus dürfen auch wir zu Gesegneten werden, zu Erwählten – denn Gottes Liebe gilt auch uns. Auch wir sollen zu seinem Volk gehören. Nicht anstelle von Israel ist die Gemeinde Jesu Gottes Volk, sondern neben und mit Israel sind wir erwählt. Ganz Israel wird gerettet werden – weiß Paulus im Römerbrief. Doch auch wir – als Glaubende aus den Völkern – dürfen zu Gottes erwähltem Volk gehören. Was für ein Vorrecht. Was für ein Glück.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Samstag, 15. August 2020

    as gering ist vor der Welt und was verachtet ist, das hat Gott erwählt.            1. Korinther 1,28

    Unser Gott hat ganz andere Maßstäbe als wir Menschen. Vor allem dort, wo er Menschen wählt, erwählt und beruft. Da zählen nicht Kraft, Durchsetzungsvermögen, Intelligenz und Schlagfertigkeit, sondern da zählt nur, dass er uns haben will. Denn alles, was wir brauchen, um für ihn und sein Reich brauchbar zu sein, das ist er selbst und das gibt er uns selbst.

    Die »Erwählung«, die Paulus im Blick hat, ist schlicht der Glaube an Jesus Christus. Paulus weiß: Dass ein Mensch zum Glauben an Jesus kommt – zu echtem Glauben, nicht bloß einem Fürwahrhalte­glau­ben, sondern einem echten tiefen Vertrauen und einer Lebensgemeinschaft mit Jesus Christus: dass Jesus Christus MEIN Herr ist – das verdanken wir der Erwählung Gottes. Gott hat uns ausgewählt. Gott hat uns gewollt in seiner Mannschaft.

    Genau wie Jesus sich seine zwölf Jünger erwählt hat. Und wen hat er erwählt: ein paar Fischer, mindestens einen Zöllner. Schlicht: Durchschnitt – Durchschnitt nach unten offen. Und so macht Gott weiter. So hat Paulus es in seinen Gemeinden erlebt. Wer ist da dabei? Wer kommt zum Glauben? Einfache Leute; Menschen, denen viele Bildungswege verschlossen waren; Durchschnitt – Durchschnitt nach unten offen. Es gab immer auch einige aus der Oberschicht, es gab immer auch Gebildete, Einflussreiche, die zum lebendigen Glauben kamen – aber sie waren eher die Ausnahme. Das Gros, der Durchschnitt war Durchschnitt. Durchschnitt nach unten offen. Und so ist es bis heute.

    Das ist Gottes Weg. Gottes Weg, um deutlich zu machen: Es kommt nicht auf uns an und auf unsere Vorbedingungen. Es kommt auch nicht auf unsere Leistungsfähigkeit an, um für ihn brauchbar zu sein. Es kommt auch nicht auf unsere fromme Leistung an – es kommt nur auf Jesus Christus an, der alles für uns getan hat. Er selbst, der Sohn Gottes, ging nicht den Karriereweg, sondern den Gehorsamsweg, den untersten Weg, um uns zu erlösen. Nur, wer sich das gefallen lässt, was Jesus für uns getan hat – und was einen dicken Strich durch all unsere Klugheitsphilosophien macht – gehört zu ihm. Auf ihn allein kommt es an. So wählt Gott. Und wir dürfen dazugehören.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Freitag, 14. August 2020

    Jesus sprach zu den Zwölfen: Wollt ihr auch weggehen? Da antwortete ihm Simon Petrus: Herr, wohin sollten wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes.                                                                                 Johannes 6,67-69

    Ein Strohfeuer brennt nicht lang. Darum ist es bei uns sprichwörtlich für schnelle Begeisterung, die nicht lange anhält. Nach dem Wunder der Brotvermehrung, als 5.000 Menschen satt geworden waren, da ging die Begeisterung wie ein Strohfeuer durch die Menge. Sie wollten Jesus zu ihrem König machen. Klar, so einen, der uns mit dem versorgt, was wir brauchen oder gern hätten, kann man immer gebrauchen. Jesus – der Wunscherfüller; Jesus – der Garant für ein bequemes, angenehmes Leben. Jesus – der Wellness-Helfer.

    Schnell wird dort im Johannesevangelium klar, dass Jesus mehr für uns sein will, viel mehr. Es geht um nicht weniger als das Lebensbrot, das zum ewigen Leben reicht. Das will er uns geben. Und dieses Lebensbrot, das ist er selbst. Nicht etwas will Jesus geben, sondern sich selbst. Und nicht etwas will Jesus von uns, sondern unser ganzes Leben. Er gibt sich uns ganz: Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm. … Wer dies Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Das war vielen zu viel. Auch vielen, die der Evangelist Johannes als Jünger bezeichnet. Von da an wandten sich viele seiner Jünger ab und gingen hinfort nicht mehr mit ihm.

    Genau hier setzt unser Lehrtext ein. Jesus fragt die 12: Wollt ihr auch weggehen. Und Petrus bekennt, was nur Gottes Geist uns erkennen lassen kann: Es gibt keinen anderen Ort für unseren Hunger nach Leben; es gibt keinen anderen, der unseren Durst nach Gott stillen kann. Du hast Worte des ewigen Lebens. Du bist der Heilige Gottes. Der, der in einzigartiger Weise – wie kein anderer vor und wie kein anderer nach ihm – mit Gott verbunden ist. Ja, in dem Gott selbst zu uns kommt. Jesus Christus ist der Eine, den wir brauchen – darum wollen auch wir nicht weggehen, sondern bei ihm bleiben – heute und in Ewigkeit.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Donnerstag, 13. August 2020

    Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten und durch seine Wunden sind wir geheilt.

    Jesaja 53,5

    Es ist schlicht ein Wunder, das Jesaja in seinem Gottesknechtslied beschreibt. Etwas, was eigentlich unmög­lich ist. Denn Schuld und Strafe sind normalerweise nicht übertragbar. Wenn jemand zu schnell ge­fahren ist, dann kann nicht ein anderer für ihn die Punkte in Flensburg bekommen. Selbst wenn der Fahrzeughalter auf dem Fragebogen ankreuzt, dass der Verkehrsverstoß zugegeben wird. Das Foto aus der Blitzerkamera wird nämlich mit dem Foto in der Führerscheinstelle verglichen. Und wenn es nicht übereinstimmt, dann wird weitergesucht, bis man den Schuldigen gefunden hat.

    In unserer Losung geht es nicht bloß um einen Verkehrsverstoß, eine Ordnungswidrigkeit, sondern um unsere Lebensschuld, für die uns die Höchststrafe droht: Der Sünde Sold ist der Tod. Und da soll Stellvertretung möglich sein? Da soll ein anderer für mich die Zeche bezahlen können? Da soll einer meine Strafe aufgebrummt bekommen, auf dass ich Frieden hätte. Da sollen mich die Wunden eines andern heilen? Was so unglaublich und fantastisch klingt, das ist wirklich geschehen. Es ist schlicht ein Wunder, das sich nur dankend annehmen oder ablehnen lässt. In der verblendeten Nazi-Ideologie des Dritten Reiches hieß es: Ein deutscher Mann braucht kein Lamm Gottes. Der steht selbst für seine Fehler gerade. Nach 12 Jahren lag das als 1.000-jährig gepriesene Reich in Trümmern darnieder. O doch, wir brauchen gerade dieses Lamm Gottes, diesen Herrn Jesus Christus, der ohne Sünde war, aber unsere Schuld auf sich nimmt und sie wegträgt, wegträgt an sein Kreuz, wo er für uns stirbt. Was so unglaublich klingt, das ist unsere einzige Chance: Dass Gott selbst ausräumt, was wir verbrochen haben; dass Gott selbst bereinigt, wo wir an ihm gefrevelt haben. Und in Jesus Christus, dem Mann am Kreuz tut er es. Wir, wir können es nur geschehen lassen, ihm unsere Schuld bekennen und von Herzen danken, dass er dieses Wunder gewirkt hat. Ein für allemal.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 12. August 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    im Johannesevangelium sagt Jesus zu seinen Nachfolgern: „Was ihr mich bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun.“ Moment mal, hat er das so wirklich gesagt? Versprochen, dass er jede Bitte von uns erhört? Ich lese den Satz nochmals in einer neuen Übersetzung und mit ein paar weiteren Worten davor, die Jesus gesagt hat, steile Sätze: „Das sage ich euch:  Wer an mich glaubt, wird genau solche Taten vollbringen, wie ich sie vollbringe. Ja, er wird sogar noch größere Taten vollbringen, als ich sie vollbracht habe. Denn ich gehe zum Vater. Wenn ihr dann als meine Jünger um etwas bittet, werde ich eure Bitte erfüllen. So wird die Herrlichkeit des Vaters durch den Sohn sichtbar gemacht. Wenn ihr mich also dann als meine Jünger um etwas bittet, werde ich eure Bitte erfüllen.“

    Jesus hört unsere Bitten und erhört sie. Diese Zusage ist mir als Mensch eigentlich zu groß. Mein Verstand, der zu wissen meint, dass doch nicht jede Bitte, die wir im Gebet äußern, erfüllt wird, will menschlich und pseudofromm erklären: Jede Bitte, die Gott für gut hält, wird er erhören, er weiß ja besser, was für uns gut ist. Aber nein, so stimmt das nicht, so hat es Jesus nicht gesagt. Ich darf und will die große Zusage von Jesus nicht klein reden, nicht relativieren. „Wenn ihr als meine Jünger um etwas bittet, werde ich eure Bitte erfüllen.“ So steht das hier.

    Ja, das übersteigt meinen Verstand und ich staune. Ich höre diese Worte von Jesus als eine immense Einladung. Ich sehe einen Vater, eine Mutter mit offenen Armen, in den Knien hockend, um auf der Höhe des Kinds zu sein und sagen: Komm her – ich bin für Dich da. Komm mit dem, was Dich bedrängt. Sag mir, was Dir auf dem Herzen liegt. Das erinnert an andere Jesusworte, die uns in der Bibel überliefert sind: „Kommt zu mir, ihr alle, die ihr euch abmüht und belastet seid! Bei mir werdet ihr Ruhe finden.“ Ein anderes Mal sagte er: „Bittet und es wird euch gegeben! Sucht und ihr werdet finden! Klopft an und es wird euch aufgemacht!“ Ja, da ist er wieder mit den geöffneten Armen, wartend, dass wir kommen.

    Ob ich bei meinen Verstandeszweifeln stehen bleibe? Oder die Einladung von Jesus sehe und annehme, weil ich wie ein Kind sehe: er wartet auf mich, ihm kann ich mich in die Arme werfen und mit allem – mit allem! – was mich beschäftigt und bedrängt zu ihm kommen. Und wenn Sie an ein Kind in solch einer Situation denken – das zögert vielleicht einen kleinen Moment und – rennt dann los in die Arme hinein! Den Blick auf diese offenen Arme wünsche ich Ihnen und mir.

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für Dienstag, 11. August 2020

    Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch!   Philipper 4,4

    Das ist eine Aufforderung von einem, der durch und durch Realist ist. Paulus ist kein Schwärmer, der die harte Wirklichkeit ausblendet. Er kennt alle Höhen und Tiefen des Lebens aus eigener Erfahrung. Wenige Verse später schreibt er: Ich kann niedrig sein und hoch sein; mir ist alles und jedes vertraut: beides, satt sein und hungern, beides, Überfluss haben und Mangel leiden. Doch in allem und über allem steht Jesus Christus. Und deshalb rät Paulus den Philippern und auch uns, was er selbst praktiziert: Freut euch in dem Herrn allewege.

    Egal, was euch auf euren Wegen begegnet: Freut euch im Herrn – allewege. Denn er, der Herr Jesus Christus, ist bei euch auf allen Wegen. Er lässt euch nicht los. Er hält euch fest. Er ist mit seiner tröstenden, ermutigenden, stärkenden Kraft bei euch – auch und gerade in Schwierigkeiten. Was er bereithält, schenkt und gibt, das ist viel mehr und wiegt viel schwerer als alles, was euch das Leben schwer machen kann.

    So hat es Paulus selbst praktiziert – in Philippi. Damals, als er mit seinem Mitarbeiter Silas das erste Mal dorthin kam und das Evangelium auf den europäischen Kontinent brachte. Nach kurzer Zeit wurden die beiden gefangen genommen, hart geschlagen und dann in den Block gelegt und im innersten Gefängnis eingesperrt – wie die schlimmsten Verbrecher. Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott. Mitten in der dunkelsten Stunde. Mitten im Gefängnis, mit schmerzenden Gliedern, ohne Hände und Füße regen zu können. Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott. Das ist der Ausdruck der Freude über Jesus, den Retter, den Heiland, den Herrn, der uns niemals allein lässt. So äußert sie sich die Freude: im Gebet und im Lob Gottes – egal wie die äußeren Umstände sind. Und auf dieser so ausgedrückten Freude liegt ein Segen. Sie verändert uns. Sie lässt uns die eigene Situation mit anderen Augen sehen. Denn sie lässt uns auf Jesus Christus sehen. Darum gilt auch uns: Freut euch im Herrn allewege.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 10. August 2020

    Gideon sprach: ich will nicht Herrscher über euch sein, sondern der HERR soll Herrscher über euch sein.                                                                                                                          Richter 8,23

    Die Macht kann süchtig machen – und blind. Dafür gibt es zig Beispiele aus der Gegenwart und der Geschichte: Menschen, die auf ihrem Stuhl kleben und nicht bereit sind, die Macht abzugeben. Gideon lehnt die Herrschermacht, die an ihn herangetragen wird, bewusst ab. Gott hat ihn zum Richter berufen – in einer ganz bestimmten Not sollte er Gottes Werkzeug sein, um seinem Volk gegen die Feinde zu helfen. Diesen Auftrag, diese Berufung hat Gideon angenommen. Aber mehr nicht.

    Es war durchaus ein demokratisches Ansinnen, das da kam. Es drückt eine breite Unterstützung und eine breite Mehrheit aus, wenn die »Männer von Israel« ihm ein vererbbares Herrschersein – oder ein dynastisches Königtum antragen. Wenn in der CDU/CSU jetzt über die »K-Frage« diskutiert wird: Wer soll nach Angela Merkel Kanzler oder Kanzlerin werden, dann spielt wohl – genau wie damals – eine Rolle: Wer hat sich in der Krise bewährt: Söder oder Laschet? Merz oder Spahn? Einem, der in einer Krise wie Corona, gut und entschlossen handelt, traut man auch das Regieren zu.

    Doch Gideon lehnt ab. Ob Söder tatsächlich auch im Herbst 2021 seinen Platz noch in Bayern sieht, das lassen wir mal offen. Gideon lehnt ab – aber aus einem ganz anderen Grund: Er weiß: der HERR ist und soll der Herrscher über Israel sein. Gott, nicht ein Mensch, soll die Geschicke dieses Volkes lenken. Er wird immer wieder neu Menschen berufen, die er als Werkzeuge für eine bestimmte Aufgabe und eine bestimmte Zeit lang gebraucht – aber nicht als Herrscher an sich. So war und so blieb es, bis Israel dann endgültig einen König wollte. Doch da ist bezeichnend, dass Gott zu Samuel sagt, der voller Entrüstung das mit Gott im Gebet bespricht: Sie haben nicht dich, sondern mich verworfen, dass ich nicht mehr König über sie sein soll. (1Sam 8,7)

    Was kann uns vor der Macht-Sucht bewahren? Die Abhängigkeit von Gott. Und das Bewusstsein: Gott kann mich und meine Gaben gebrauchen – in meiner Familie, in meinem Betrieb. Aber meine Aufgabe ist und bleibt begrenzt. Ich bin Werkzeug Gottes, das will ich gerne sein, aber mehr nicht.

    Der wahre König – für mich und die ganze Welt – das ist Gott, das ist der Gesalbte, der Messias, der Christus – Jesus Christus, in dem Gott all das wieder zurückholt, was Menschen in ihrer Eigenmächtigkeit meinten an Macht sich selbst nehmen zu müssen. Jesus ist der wahre König, in dem am Ende dann doch Gott wieder Herrscher über uns sein wird.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 03.08. bis 09.08.

  • add Andacht für Sonntag, 9. August 2020

    Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus.

    Epheser 1,3

    Ich mag dieses Kapitel 1 des Epheserbriefs ganz besonders. Denn mit diesem Vers, unserem Lehrtext, eröffnet Paulus einen Rundgang durch den vielfältigen Segen, den Gott uns in Jesus Christus schenkt. Wer bisher dachte: Segen – das hat etwas mit äußerem Wohlergehen zu tun. Gesegnet ist, wer gesund ist, wer in gelingenden Beziehungen leben kann, wer sein Auskommen und keine Schulden hat und wen die Leute sympathisch finden – der erfährt hier eine grandiose Erweiterung seines Segens-Horizonts. Segen ist mehr, viel mehr. Und der wahre Segen, der liegt nicht in den äußeren Gegebenheiten unseres Lebens, die irgendwann doch alle wegbrechen, sondern der liegt in Jesus Christus. Und dieser Segen in Jesus Christus, der kann und wird niemals wegbrechen. Der bleibt auch dort, wo Menschen krank werden; wo Beziehungen zerbrechen; wo das Leben nicht mehr rund läuft. Gottes Segen in Jesus Christus bleibt.

    Segen in Jesus Christus – folgen wir Paulus nur ansatzweise bei seinem Rundgang durch den Segen: in Christus sind wir als Gläubige erwählt ehe der Welt Grund gelegt war. In seiner Liebe hat Gott uns sogar vorherbestimmt, durch Jesus Christus seine Kinder zu werden. Mein Glaube steht und fällt also nicht mit meiner Entschlusskraft, sondern gründet in Gottes Erwählung und Vorherbestimmung. So steht es in Vers 4 und 5. In Jesus Christus haben wir ferner die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden. In ihm sind wir auch zu Erben eingesetzt worden. In Jesus Christus sind wir, als wir gläubig wurden, versiegelt worden mit dem Heiligen Geist.

    Was für ein Reichtum an Segen. Da, bei Jesus Christus, ja, in Jesus Christus, da liegen nicht nur alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen, sondern da, in Jesus Christus, da ist auch der ganze geistliche Segen – aller geistliche Segen, des es überhaupt nur gibt, für uns erschlossen und zugänglich. Von Jesus können wir gar nicht groß genug denken. Wer Gottes geistlichen Segen will, der braucht Jesus. Ja, es bleibt dabei: Jesus Christus ist der Eine, den wir brauchen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Samstag, 8. August 2020

    Meine Augen sehen stets auf den HERRN, denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen.

    Psalm 25,15

    Corrie ten Boom, die niederländische Evangelistin, die weil sie in ihrer Familie in Haarlem, Juden versteckte im KZ war und dort ihre Schwester verlor, sprach einmal davon, dass es zweierlei Christen gebe: Es gebe Autofahrer-Christen und es gebe Straßenbahn-Christen. Die Autofahrer-Christen sind die, die immer wieder bei Gott auftanken, um weiterfahren zu können. Die wissen, dass sie Gott immer wieder brauchen – aber dann ihr Leben über weite Strecken auch ohne ihn meistern. Die Straßenbahn-Christen dagegen sind die, die – wie die Straßenbahn – nur vorwärts kommen, wenn sie in ständiger Verbindung mit der Kraftquelle, sprich: mit Gott sind.

    Zur zweiten Sorte müssen wir wohl auch David zählen: Meine Augen sehen stets auf den HERRN. Also nicht nur ab und zu. Nicht nur hin und wieder – stets, immer, ständig. Ich bleibe in Kontakt mit Gott. Ich lebe in der Abhängigkeit von ihm. Ich bleibe ein Empfangender, ein Beschenkter und ich brauche es jeden Tag, jede Stunde, jeden Augenblick, dass er mir hilft. Auf ihn schaue ich, auf ihn hoffe ich.

    Denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen… Wer die vielen anderen Davids-Psalmen liest, der weiß, dass es ein Missverständnis wäre, wenn man da einen schnellen Automatismus vermuten würde: Da taucht ein Problem auf – das gestellte Netz ist ein Hinweis auf menschliche Feinde, die mir das Leben schwer machen – ich schaue auf Gott, ich bete zu ihm – und im nächsten Augenblick hat Gott mir geholfen. Nein – so billig und so schnell geht es nicht immer. Von David gibt es auch Klagepsalmen, wo er Gott hinlegt, wie schwer es ihm fällt, so lange auf Rettung und Hilfe warten zu müssen. Doch David bleibt auch dort dabei: Der Einzige, auf den ich schauen will – auch da, wo ich ihn nicht verstehe – ist und bleibt der HERR, mein Gott. Denn er kann und er wird meinen Fuß aus dem Netz ziehen. Er kann und wird mir helfen – zu seiner Zeit. Das Wann mag fraglich sein, das dass ist es nicht. Machen doch auch wir es wie David, seien wir Straßenbahn-Christen und vertrauen ihm.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Freitag, 7. August 2020

    Aus großer Todesnot hat er uns errettet und wird uns erretten, auf ihn haben wir unsere Hoffnung gesetzt.                                                                                                                 2. Korinther 1,10

    Wer die ersten Verse des 2. Korintherbriefs liest bis zu diesem Vers, dem fällt auf, wie oft Paulus vom »Trost« und vom »Trösten« redet. Denn das ist, was er erlebt hat: Dass Gott tröstet. Und Gottes Trost bedeutet immer Rettung. Gott errettet aus Todesnot. Ja, Gott errettet sogar aus dem Tod.

    Paulus beschreibt in diesen Versen eine Situation in Kleinasien, die mehr als brenzlig war: Denn wir wollen euch, liebe Brüder, nicht verschweigen die Bedrängnis, die uns in der Provinz Asien widerfahren ist, wo wir über die Maßen beschwert waren und über unsere Kraft, sodass wir auch am Leben verzagten und es bei uns selbst für beschlossen hielten, wir müssten sterben. Das geschah aber, damit wir unser Vertrauen nicht auf uns selbst setzten, sondern auf Gott, der die Toten auferweckt.

    Was mag das für ein Gefühl sein, wenn man innerlich das eigene Todesurteil in Händen hält. Wenn es keinen Ausweg mehr gibt, wenn alle eigenen Wege endgültig zu Ende gegangen sind. Wenn uns nichts, aber auch gar nichts mehr zu tun bleibt. Über manchen Todesanzeigen kann man die Worte lesen: »Gehofft, gekämpft und doch verloren« Das ist die Resignation über die Macht der Krankheit und des Todes. Paulus setzt dagegen: Wir haben einen Gott, für den selbst der Tod nicht unbesiegbar ist. Wir haben einen Gott, der unseren Herrn aus dem Tod herausgerissen hat. Und der auch uns aus dem Tod herausreißen wird. So bezeugt Paulus es im 15. Kapitel des 1. Korintherbriefs. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Der Tod hat nicht die letzte Macht. Seit Jesus auferstanden ist, steht fest: Gott wird uns auch aus der letzten Not, dem Tod, erretten – auf ihn haben wir unsere Hoffnung gesetzt. Auf ihn dürfen auch wir unsere Hoffnung setzen. Er wird uns nicht enttäuschen.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • add Andacht für Donnerstag, 6. August 2020

    Er handelt nicht mit uns nach unseren Sünden und vergilt uns nicht nach unserer Missetat.

    Psalm 103,10

    So buchstabiert der Psalmbeter David, was Gottes Gnade meint. Die Gnade ist die unverdiente Zuwendung Gottes. Gott ist mir gut, obwohl er allen Grund hätte, mich zu verurteilen und mit mir fertig zu sein. David redet von unserer Sünde und von unserer Missetat. Und er weiß: Auch vor Gott, gerade vor Gott hat mein Fehlverhalten und meine falsche Grundhaltung, hat mein Versagen, meine Schuld Gewicht. Gottes Gnade bedeutet eben gerade nicht: Gott lässt Fünfe gerade sein. Gott schaut nicht hin. Gott ignoriert die Sünde. Nein, Gott nimmt die Sünde ernst – todernst. Paulus weiß: Der Lohn der Sünde ist der Tod. Und in seinem Sohn, Jesus Christus, hat Gott das unterstrichen:

    Es gab nur einen einzigen Menschen, der perfekt war, der ohne Sünde war – Jesus. Doch der muss sterben – weil er die Sünden der ganzen Welt auf sich genommen hat. Weil unsere Sünde unter dem Todes- und Verdammungsurteil Gottes steht. Gott hasst die Sünde – aber er liebt die Sünder. So sehr, dass er den, der von keiner Sünde wusste, zur Sünde machte, damit wir frei ausgehen. Damit das, was David im Psalm 103 schon staunend von Gott erkannt hat, auch für uns – und für alle Menschen, die sich darauf einlassen – Wirklichkeit wird. Gott nimmt die Sünde ernst. Vor Gott wiegt unsere Missetat. Sie hat tödliches Gewicht. Und doch sucht und findet Gott einen Weg, uns zu entlasten. Anders mit uns zu verfahren, als wir es eigentlich verdient hätten: Da in Jesus, da nimmt er unsere Sünde auf sich selbst. Da in Jesus, da trägt er die Folgen unserer Missetat selbst. Weil er uns so sehr liebt. Weil er nicht ohne uns sein will. Weil keine und keiner ihm fehlen soll.

    Wo wir Gott ein Stückchen weit – so weit es eben möglich ist – in seinem Wesen erkennen, da geht diese Erkenntnis immer mit der Selbsterkenntnis einher: Wer ist Gott – und wer bin ich? Das hat David begriffen und ist darüber ins Staunen gekommen. Staunen auch wir immer wieder neu.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 5. August 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    zu den bekanntesten Jesusgeschichten gehört die von dem Zolleinnehmer Zachäus, der in Jericho lebte. Geld und Besitz waren sein oberstes Lebensziel. Von seinen Mitmenschen nahm er, was nur ging und immer wieder auch mehr, als ihm nach Recht und Gesetz zustand. Dieser rücksichtslose Lebensstil machte ihn reich, wenn auch nicht sonderlich beliebt. Aber damit konnte er wohl mit einem gewissen Trotz leben. Das mag damit zusammenhängen, dass er von kleiner Körpergröße war, wegen derer er sicherlich manchen Spott erfahren hat. Mit seinem beruflichen Erfolg konnte den anderen zeigen: ich komme weiter als ihr.

    Allerdings scheinen den Zachäus weder das Geld noch der Erfolg wirklich glücklich gemacht zu haben. Der biblische Text in Lukas 19 berichtet: als Jesus in die Stadt Jericho kommt, will ihn Zachäus unbedingt sehen. Offensichtlich hat er von Jesus so viel gehört, dass ihn dieser Mann eigenartig anzieht. Jesus scheint ein Leben zu führen, das nicht von Geld und Besitz geprägt ist und trotzdem erfüllter ist als das Leben von Zachäus. Der Vers aus den Losungen heute ist dieser Geschichte entnommen: „Da war ein Mann mit Namen Zachäus, der war ein Oberer der Zöllner und war reich. Und er begehrte, Jesus zu sehen.“ Vermutlich wissen Sie, was der kleine Zachäus machte, um Jesus trotz der Menschenmenge zu sehen: er stieg auf einen Baum. Wie die Geschichte weiterging, wissen Sie entweder – oder falls nicht und Sie neugierig sind, lesen Sie es nach, es ist eine der besonders berührenden Begegnungen von Jesus mit einem Menschen, der ihn sucht.

    Was wir von diesem ersten Teil der Zachäusgeschichte mitnehmen können: der Zachäus hat sich auf den Weg gemacht, weil er Jesus unbedingt sehen wollte. Er krepselte sogar auf einen Baum. Das, was ihm möglich war, hat er getan – auch wenn er eine direkte Begegnung mit Jesus trotzdem nicht erzwingen konnte.

    Wollen wir Jesus wirklich begegnen? Für uns selbst können wir beantworten, ob wir die Frage mit einem echten Ja beantworten – oder ob wir zwar pro forma Ja sagen, aber im Grunde nicht wirklich wollen. Woran wir uns prüfen können? Indem wir gucken: tue ich das, was mir möglich ist, damit mir Jesus begegnen kann? Mache ich mich zum Beispiel auf den Weg in einen Gottesdienst? Suche ich das Gespräch über Jesus mit anderen? Bin ich bereit, mein Leben zu verändern, wenn das eine Folge der Begegnung mit Jesus sein sollte? Oder ist mir eine gewissen Distanz gar nicht so unrecht?

    Jesus sagte einmal (Matthäus 7,7): Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Damit ermutigt Jesus, dass wir bitten, suchen, anklopfen – denn nur dann werden wir auch etwas bekommen. Da geht es nicht um eine große Tat von uns, das wäre ein Missverständnis. Sondern es geht einfach darum, dass wir mit dem Wenigen, was uns möglich ist, zeigen, dass es uns mit dem Wunsch, diesem Jesus zu begegnen, ernst ist. Dafür ist der Zachäus ein echtes Vorbild – gerade auch deshalb, weil er überhaupt nicht fromm war. Aber er hat gesucht, er hat sich nach der Begegnung mit Jesus gesehnt, weil sein Leben leer war und unerfüllt. Und machte sich deshalb auf den Weg, stieg auf den Baum. Das kriegen wir doch auch hin, oder?

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für Dienstag, 4. August 2020

    Ich will den HERRN loben in den Versammlungen.                                         Psalm 26,12

    Zwei wichtige Teile betont dieser kurze Losungsvers: Es geht um Gottes Lob und es geht um die Versammlung der Gläubigen. Beides ist wichtig für unser Leben.

    Es geht um Gottes Lob. Gott loben, das heißt: Sagen, wie gut er ist. Das sage ich ihm im Gebet. Ich danke und lobe ihn für all das, was ich persönlich in meinem Leben schon erfahren habe. Das sage ich auch mir selbst. In manchen Psalmen gibt es eine Zwiesprache des Psalmbeters mit seiner Seele: Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. Das Lob – gesungen oder gesprochen oder auch nur still im Herzen gebetet, das verändert auch mich als Beter, als Lobenden. Es macht mir in Sorge, in Anfechtung, in Bedrängnis wieder neu bewusst: Du bist doch nicht allein. Der Gott, der dein guter Hirte ist, der wird dich doch nicht im Stich lassen. Deshalb ist das Lob Gottes so wertvoll für unser Leben.

    Gottes Lob, ich sage es Gott, ich sage es mir – und ich sage es den andern. Das ist der zweite Teil des Verses: in den Versammlungen. Wir Christen brauchen einander. Wir sind keine Einzelkämpfer. Jede und jeder lebt auch von den andern. Wir brauchen es, dass wir uns gegenseitig immer wieder ermutigen und auf Gott hinweisen. Das Lob Gottes hat immer auch eine seelsorgerliche Dimension: Dort, wo ich Gott lobe, wo ich auch berichte von der Hilfe, die Gott mich hat erfahren lassen, da hilft es einem anderen Menschen, daraus Schlüsse für sich selbst zu ziehen. Da kann er einstimmen in das Lob und da hat schon mancher neue Hoffnung für sich selbst gewonnen: Wenn Gott meinem Mitchristen geholfen hat, dann wird er es auch bei mir tun. Denn wir glauben an den selben Herrn, reich für alle, die ihn anrufen. Unterschätzen wir nicht die Versammlung der Gläubigen für unseren eigenen Glauben. Wir brauchen sie. Der Gottesdienst am Sonntagmorgen ist die klassische und die naheliegendste Form, wenn auch nicht die einzige.

    Wir alle dürfen und sollen Teil dieser großen Lob-Bewegung sein, die seit dem Alten Testament nicht abreißt, die Menschen ergreift und ihnen hilft. Auch wir wollen sagen: Ich will den HERRN loben in den Versammlungen.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • add Andacht für Montag, 3. August 2020

    Den Demütigen wird der HERR Gnade geben.                                  Sprüche 3,34

    Wenn über Werte in unserer Gesellschaft gesprochen wird, dann kann man Begriffe hören wie: Leistungsbereitschaft, Zuverlässigkeit, Wahrhaftigkeit. Über Generationen hinweg eingeprägt haben sich bei uns auch: Fleiß und Pünktlichkeit. Von einem Begriff dagegen hört man in der Wertedebatte nur noch selten: Demut.

    Widerspricht Demut nicht einem gesunden Selbstbewusstsein? Bedeutet das nicht, dass man sich selbst klein macht, sich selbst in Frage stellt? Wer will denn so was heute noch hören? Ich glaube: Das Gegenteil ist der Fall. Demut widerspricht nicht einem gesunden Selbstbewusstsein, sondern gehört untrennbar zu einem gesunden Selbstbewusstsein. Ein Selbstbewusstsein, das sich in einem übersteigerten Selbstvertrauen alles zutraut und seine Grenzen nicht mehr kennt, macht krank: Es führt zur Überforderung. Demut hilft uns, uns realistisch einzuschätzen. Sie hilft uns zu erkennen, was wir können und was nicht. Und damit auch: was wir tun müssen – und was nicht.

    Die Demut steht in der Bibel immer zuerst im Zusammenhang mit Gott. So auch hier in Sprüche 3. Der Mensch, der sich vor Gott demütigt; der sich bewusst ist, dass er Gott braucht, dass er ohne Gott nicht leben kann und dass er Gottes Zuwendung braucht, der wird sein Leben mit anderen Augen sehen als jemand, der meint, auf Gott pfeifen zu können. Unsere Losung ist nur der zweite Teil dieses Verses. Ganz heißt er: Er wird der Spötter spotten, aber den Demütigen wird er Gnade geben. Vor Gott ehrlich sein, vor ihm auch einzugestehen, wo ich versagt habe, wo ich schuldig geworden bin, das ist und bleibt der Zugang zu Gottes Gnade. Zu Gottes unverdienter Zuwendung. David war sich in seinem Bußpsalm sicher: Ein geängstetes, zerschlagenes Herz, wirst du, Gott, nicht verachten. Doch das setzt Demut voraus. Und Demut hat immer auch mit Selbsterkenntnis und mit Schulderkenntnis zu tun. Demut vor Gott – das ist und bleibt ein unabdingbarer und erstrebenswerter Wert für unser Leben. Denn nur so kann unser Leben sich zu dem entfalten, wie Gott es sich gedacht hat. Deshalb sollten wir Mut zur Demut haben. Denn wer vor Gott demütig ist, der kann auch Menschenfurcht ablegen.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 27.07. bis 08.08.

  • add Andacht für den 8. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest, 2. August 2020

    Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.

    Epheser 5,8b-9

    Es gibt wenige Begriffe, die für uns etwas uneingeschränkt Gutes beinhalten. »Licht« gehört zu diesen Begriffen. In der Bibel begegnet uns durchaus auch der Kontrast: »Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker, aber über dir geht auf der HERR und seine Herrlichkeit erscheint über dir.« - »Der HERR ist mein Licht und mein Heil« betet der Psalmbeter. Und Jesus bezeichnet sich selbst als das »Licht der Welt«. Ja, mit ihm ist Gottes Licht in diese Welt gekommen. Und seine Jüngerinnen und Jünger, die von ihm angesteckt sind, sollen selber – als Gemeinschaft – nun als »Licht der Welt« und als »Salz der Erde« hineinwirken in diese Welt.

    Wer zu Jesus Christus, dem Licht der Welt gehört, den macht er zu einem Kind Gottes. Und der ist darum ein Kind des Lichts. Was da geschehen ist, als wir zum Glauben an Jesus Christus kamen, das beschreibt Paulus im Kolosserbrief so: Gott hat uns errettet aus der Macht der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich seines lieben Sohnes. Oder mit dem Liederdichter Paul Gerhardt ausgedrückt: »Ich lag in tiefster Todesnacht, du warest meine Sonne, die Sonne, die mir zugebracht Licht, Leben, Freud und Wonne. O Sonne, die das werte Licht des Glaubens in mir zugericht‘, wie schön sind deine Strahlen!«

    Das also gilt für uns, wenn wir an Jesus Christus glauben. Und daraus folgt quasi als klare und logische Konsequenz, was unser Wochenspruch uns nahelegt: Lebt als Kinder des Lichts. Lebt, das was ihr seid. Wandelt auf dem Weg, den Jesus euch vorgezeichnet hat. Bleibt darauf. Haltet euch an ihn. Lebt mit ihm. Löst euch nicht von ihm. Und das wird man sehen. Denn wer als Kind des Lichts lebt, der bringt Früchte des Lichts: Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit. Bleiben wir dabei. Leben wir doch einfach, was wir sind: Kinder des Lichts. Täglich neu beschenkt von Jesus Christus darf immer mehr von dem wachsen, was Frucht des Lichtes ist: Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit. In unserer nächsten Umgebung fängt es an, dass es die Menschen an uns sehen und erleben sollen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Samstag, 1. August 2020

    Ich komme, um alle Völker und Zungen zu versammeln, dass sie kommen und meine Herrlichkeit sehen.                                                                        Jesaja 66,18

    Gott hat dem Propheten Jesaja einen Blick eröffnet – weit in die Zukunft. Gott lässt ihn das sehen, was er vorhat. Wie es am Ende sein soll. Zwei Dinge stechen ins Auge: Gott will versammeln und Gott will seine Herrlichkeit sehen lassen. Das ist Gottes Ziel. Und darin verbirgt sich schon heute, was der tiefere Sinn unseres Lebens ist. Nein, der Sinn unseres Lebens ist nicht unsere Arbeit. »Arbeit war sein Leben« das ist ein Grabspruch für einen Ackergaul, aber nicht für einen Menschen. Nein, der Sinn unseres Lebens liegt auch nicht darin, die Art aufrecht zu erhalten, Kinder zu zeugen und groß zu ziehen. Der Sinn unseres Lebens liegt in diesen beiden Dingen: Dass wir uns zu unserem Gott versammeln und dass wir seine Herrlichkeit erkennen.

    Kurz zusammengefasst, dass wir Gott als Gott erkennen und ihn ehren. Dazu hat Gott uns geschaffen. Und das wird am Ende seiner Werke und Wege mit dieser Welt und der Menschheit stehen: Dass Menschen sich zu ihm sammeln, seine Nähe suchen. Sich auf ihn hin ausrichten. Sich von ihm beschenken lassen, auf ihn hören und voller Vertrauen zu ihm rufen. Heute schon kann das Wirklichkeit werden – und es ist Wirklichkeit in der Gemeinde Jesu Christi. Menschen aus allen Völkern und Zungen sammeln sich zu Jesus Christus, in dem sich uns Gottes Herrlichkeit aufschließt, folgen seiner Einladung und feiern gemeinsam das Fest des Glaubens.

    »Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit« mit diesen Worten fasst der Evangelist Johannes zusammen, was da geschehen ist, als das Wort Fleisch wurde, als Gott Mensch wurde – in jenem unscheinbaren Notunterschlupf bei der Herberge von Bethlehem. Da, in Jesus, da ist uns Gottes Herrlichkeit aufgegangen. Da scheint uns Gottes Liebe. Da sehen wir, wie Gott es im Tiefsten seines Herzens mit uns meint. Da sehen wir, wie sehr er sich nach uns sehnt und mit wie viel Güte und Liebe er uns begegnet. Wer das erkannt hat, wer das gespürt hat – das gilt ja mir – der kann nicht mehr anders als mit diesem Herrn zu leben und seine Herrlichkeit zu loben und zu preisen. Heute schon gibt es einen Vorgeschmack – dann einmal, in Gottes neuer Welt, wird es nie mehr enden.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • add Andacht für Freitag, 31. Juli 2020

    Du sollst kein falsches Gerücht verbreiten.                                        2. Mose 23.1

    In der ehemaligen DDR war die Stasi, die Staatssicherheit, scheinbar allgegenwärtig. Sie las Briefe, bespitzelte Regimekritiker und ganz normale Bürger und hörte Telefongespräche mit. Immer in Sorge, dass sich da Ideen und Meinungen verbreiten, die dem Staat und den Mächtigen gefährlich werden könnten. Schon ein Witz über die Regierenden konnte ernsthafte Konsequenzen haben – wenn es denn rauskam. Man musste aufpassen, was man sagt.

    Die Stasi ist Vergangenheit, Gott sei Dank! Doch auch wir sollten aufpassen, was wir sagen. Nein, nicht nur aus Furcht vor Repressalien, weil das irgend jemand nicht passen könnte, sondern um der Liebe willen und um der Sorgfalt willen. Du sollst kein falsches Gerücht verbreiten. Dieses Gebot aus Moses Zeiten ist zeitlos. Denn die Tendenz, genau das zu tun, ist immer noch in uns aktiv. Deshalb gilt es, aufzupassen.

    Vom griechischen Philosophen Sokrates wird erzählt, dass einmal jemand auf der Straße von einem Mann ganz aufgeregt angesprochen wurde: »Du, Sokrates, ich muss etwas über deinen Freund erzählen, der…« - »Warte!« sagte Sokrates. »Bevor du weitererzählst: Hast du die Geschichte, die du mir erzählen möchtest, durch die drei Siebe gesiebt? Das erste Sieb ist die Wahrheit: Bist du sicher, dass das, was du mir erzählen möchtest, wahr ist?« - »Nein, ich habe gehört, wie es jemand erzählt hat.« - »Aha« sagte Sokrates. »Ist die Geschichte denn durch das zweite Sieb gegangen, das Sieb der Güte? Ist es etwas Gutes, was du mir über meinen Freund erzählen möchtest?« Zögernd sagte der Mann: »Nein, ganz im Gegenteil…« - »„Hm,“ sagte Sokrates, „jetzt bleibt uns nur noch das dritte Sieb. Ist es notwendig, dass du mir erzählst, was dich so aufregt?“ „Nein, nicht wirklich notwendig,“ antwortete der Mann. „Nun,“ sagte Sokrates lächelnd, „wenn die Geschichte, die du mir erzählen willst, nicht wahr ist, nicht gut ist und nicht notwendig ist, dann vergiss sie besser und belaste mich nicht damit!“

    Gott möchte, dass wir seine Wahrheit, sein Wort weitergeben an andere Menschen. Das Wort des Lebens, das Wort der Wahrheit schlechthin. Wer dieses gute Wort, das Evangelium, das Wort von dem, der selbst der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, im Munde führt, zu dem passt nicht, etwas Falsches – und sei es auch nur vielleicht falsch – weiterzutragen. Bleiben wir bei der Wahrheit, bleiben wir bei der Güte und bleiben wir bei dem, was wirklich notwendig ist, es weiterzutragen: Das Evangelium von Jesus Christus.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • add Andacht für Donnerstag, 30. Juli 2020

    Jesus Christus spricht: Wer Ohren hat zu hören, der höre!                         Markus 4,9

    So beendet Jesus seine Gleichniserzählung vom vierfachen Ackerfeld: Die Geschichte von jenem Sämann, der Samen aussäht. Einiges fällt auf den Weg, wird von den Vögeln gefressen; einiges fällt auf felsigen Boden, ging auf – aber verdorrte in der Sonne; einiges fällt unter Dornen, wird von ihnen erstickt. Aber einiges fiel auf gutes Land, ging auf und brachte Frucht. Wie meint Jesus das, wenn er sagt: »Wer Ohren hat zu hören, der höre«?

    Das wird klarer, wenn wir die Erklärung anschauen, die Jesus selbst zu diesem Gleichnis seinen Jüngern gibt. Sie hatten ganz offensichtlich Probleme, den tieferen Sinn dieser Geschichte zu verstehen. Darum erklärt Jesus: Der Same – das ist das Wort. Das Wort Gottes. Und der wird ausgestreut – ganz breit und überall. Alle sollen Gottes Wort hören. Gottes Wort – das ist ein Fünffaches: Gottes Wort – das ist zuerst sein Anspruch an uns. Er hat uns geschaffen. Und als Schöpfer hat er einen Anspruch auf uns und unser Leben. Gottes Wort – das ist zweitens seine Einladung: Lebe mit mir, vertraue mir als mein Kind. Und Gottes Wort – das ist drittens seine Weisung, das sind seine Gebote, seine guten Empfehlungen, damit unser Leben in der Freiheit, die er uns schenkt, gelingen kann; Gottes Wort – das ist viertens seine Warnung: Unser Leben und diese Welt birgt so viele Gefahren. Wo wir eigene Wege – ohne Gott – gehen, da stehen wir in der Gefahr, verloren zu gehen. Ja, es gibt ein Verlorengehen, es gibt ein Gericht Gottes, es gibt eine Verdammnis. Das sagt uns Gottes Wort. Und Gottes Wort – das ist schließlich fünftens seine Verheißung, sein Versprechen an uns: Ich bin und bleibe bei dir. Ich bringe dich an mein gutes Ziel.

    Anspruch – Einladung – Weisung – Warnung und Verheißung – all das steckt in Gottes Wort. Und wir tun gut daran, all das zu hören. Mit offenen Ohren und mit offenen Herzen. Wer es so hört, so erklärt Jesus seinen Jüngern, den verändert dieses Wort. Dieses Verstehen, das zur Bekehrung führt und damit dazu, dass uns vergeben wird (Mk 4,12), das können wir nicht aus heraus. Das muss Gottes guter Geist uns schenken. Das ist die innere Klarheit des Wortes Gottes. Doch wer sich von diesem Wort nun angesprochen fühlt, der darf sicher sein: Da ist Gottes guter Geist bei mir am Werk. Hören wir also auf dieses Wort, denn Gott öffnet Ohren, Herz und Sinne.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 29. Juli 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    im Losungsvers heute wird Hiob zitiert, der in seinem Leben viel Leid erfahren hat. Hiob sagt: „Ich bin nackt von meiner Mutter Leibe gekommen, nackt werde ich wieder dahinfahren“ (Hiob 1,21)

    Drei Gedanken dazu:

    1) Jeder weiß, dass Hiob recht hat: Ohne alles sind wir auf die Welt gekommen und ohne alles werden wir sie wieder verlassen. Darin sind sich alle Menschen gleich, unabhängig von Geschlecht, Nationalität, Familie und sonstiger Herkunft. Ganz gleich, wie viel Besitz wir anhäufen können und wie viel Reichtum – am Ende unseres Lebens lassen wir ihn zurück. Das letzte Hemd hat keine Taschen, weiß der Volksmund.

    2) Wir leben trotzdem anders. Einerseits wird jeder der Erkenntnis des Hiob zustimmen. Andererseits – und hier möge sich jeder selbst prüfen und nicht an andere denken – setzen wir eine Menge Kraft und Energie eben für Dinge ein, die wir am Ende unseres Lebens zurücklassen werden. Wir leben eben vielfach doch so, als ob es auf möglichst viel Besitz, Macht, Einfluss und Ehre ankommen würde.

    3) Immer wieder umdenken und neu denken. So sind wir Menschen halt, wird mancher sagen, wir sind eben nicht konsequent. Wir wissen zwar, auf was es eigentlich ankommt, tun aber doch oft dann das andere. Ja, das stimmt. Und wir sollten dafür auch weder andere noch uns selbst verurteilen. Wir sollten unsere allzu menschlichen Verhaltensweisen aber auch nicht als billige Ausrede nehmen, uns nicht selbst immer wieder auf den Prüfstand zu stellen und uns zu fragen: Ist das, was ich in meinem Leben an die erste Stelle setze, wirklich so wichtig? Ist das, worauf ich Zeit, Kraft und Energie verwende, wirklich es wert, wenn ich mir vorstelle, ich bin am Ende meines Lebens und blicke zurück? Wir brauchen diese Fragen auch nicht nur allein für uns beantworten – das Gespräch mit anderen hilft uns – und das Gebet. Mit einem solchen von Peter Strauch schließe ich:


    Herr, du gibst uns Hoffnung,

    du änderst unser Leben.

    Großes wird groß, Kleines wird klein.

    Du willst uns gestalten,

    uns Geist und Leben geben.

    Herr, wir brauchen dich!

    Du lässt uns nicht allein.

     

    Du weißt, wie oft mir mutlos sind,

    wie die Angst gewinnt

    und uns jede Hoffnung nehmen will.

    Doch deine Liebe ist so groß

    und lässt uns nicht los.

    Bei dir werden alle Ängste still.

     

     

    Wir sind gefangen in der Welt,

    halten, was nicht hält

    und begreifen nicht, wie groß du bist,

    dass du dich Herr und König

    nennst und dass du uns kennst,

    dass dein Plan für uns schon fertig ist.

     

    Wie oft verträumen wir

    die Zeit und sind nicht bereit,

    als Gesandte in die Welt zu geh’n.

    Herr, der du deine Kraft verheißt:

    Füll uns mit dem Geist,

    lass ihn neu durch unser Leben weh’n.


    Amen

    Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Tag, Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für Dienstag, 28. Juli 2020

    Bis hierher hat uns der HERR geholfen.                                                               1. Samuel 7,12

    Der Prophet Samuel richtet ein Denkmal auf. Nicht aus Holz, das verrottet; nicht aus Eisen, das verrostet, sondern aus Stein, damit es stehen bleibt. »Eben-Eser« nennt er dieses Steindenkmal: Stein der Hilfe heißt das übersetzt. Vorausgegangen war eine notvolle Zeit für das Volk Israel. Sie waren nicht mehr die Herren im eigenen Land. Die Philister in der Küstenebene machten ihnen das Leben schwer. In der Geschichte Gottes mit seinem Volk gab es viel auf und ab. Dort, wo sie sich Gott zuwandten, wo sie sich zu ihm bekehrten und nach ihm fragten, da erlebten sie seine Hilfe. Doch dort, wo sie sich von ihm lösten und meinten, ihre eigenen Herren zu sein – ohne Gott, da ging es bergab. So auch hier: Die Philister, die Feinde, wurden immer mächtiger und die Not für Israel immer größer. Bis Samuel sie zur Umkehr auffordert, zur Bekehrung. Und tatsächlich: Die Menschen hören auf ihn, werfen ihre fremden Götter weg, bekennen ihre Sünde und wollen von nun an wieder ganz zu ihrem Gott gehören. Sie tun das in einer festlichen Versammlung.

    Als die Philister von der Versammlung hören, riechen sie Gefahr. Sie fackeln nicht lange, sondern ziehen mit einem mächtigen Heer los, um den Leuten da oben in den Bergen zu zeigen, wer der Herr im Haus ist. In der Festversammlung macht sich die Furcht breit – und die Entschlossenheit: Wir wollen zum HERRN, unserem Gott schreien. Er muss uns helfen. Und während Samuel opfert und betet, kämpft Israel – und Gott kämpft mit. Die Philister werden geschlagen, fliehen und kommen für lange Zeit nicht mehr ins Gebiet Israels. Und Samuel richtet an der Stelle, wo sie Gottes Hilfe erlebt haben, eben dieses Steindenkmal auf und spricht dazu: Bis hierher hat uns der HERR geholfen.

    Nun steht es da – dieses Denkmal – und erinnert Israel sooft sie vorübergehen: Gott ist ein Gott, der hilft. Gott ist ein Gott, der rettet. Der, der uns bisher geholfen hat, der wird uns auch ferner helfen. In unseren Kirchen und auf vielen Kirchtürmen steht das andere große Denkmal der Hilfe Gottes: Das Kreuz von Jesus Christus. Gott hilft – bis hierher und noch viel weiter.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 27. Juli 2020

    Der HERR gibt Weisheit, und aus seinem Mund kommt Erkenntnis und Einsicht.            Sprüche 2,6

    Mit zunehmendem Alter sammeln wir Menschen Lebenserfahrung. Doch nicht immer gelingt es uns, die Lebenserfahrung in Lebensweisheit umzumünzen. Weisheit – das ist eine Haltung, die besonnen ist, die abwägen kann, die sich der Tragweite von einzelnen Entscheidungen bewusst ist, sie richtig einordnen kann und dann zu guten Entscheidungen kommt.

    In unserer Losung werden dem Wort »Weisheit« die Worte »Erkenntnis« und »Einsicht« an die Seite gestellt. Wer wünscht sich all das nicht! Das ist doch ganz klare Lebenshilfe. Wer so mit Weisheit, mit Erkenntnis und mit Einsicht beschenkt ist, der handelt im wahrsten Sinne des Wortes klug, einsichtig, weise.

    Nun werden uns in unserer Tageslosung aber – Gott sei Dank – nicht nur diese schönen Lebenswerte vorgestellt, sondern da wird uns auch gesagt, wo es das gibt. Bei Gott, beim HERRN, bei unserem Schöpfer.

    Lebensratgeber, Glücksbücher gibt es en masse. Das Sprüchebuch ist überzeugt: Wer sich an Gott hält, wer auf das hört, was Gott zu sagen hat – für uns heute: das, was in der Bibel aufgeschrieben ist – der hat eigentlich schon genug. Und wer Gott bittet, dass er ihm Weisheit schenkt, der findet in Gott den, der gerne gibt – so heißt es im Lehrtext zur Losung aus Jakobus 1. Auf Gott sich ausrichten – das ist der beste Weg zur Weisheit. Die Furcht des HERRN ist der Weisheit Anfang – das ist einer der Schlüsselverse im Sprüchebuch. Und wenn wir an Lebensratgeber denken – da haben wir ganz naheliegend Gottes Gebote. Gottes gute Lebensordnungen. Wir tun gut daran, sie zu hören, sie zu bedenken und vor allem, sie zu befolgen. Das ist Lebensweisheit pur – und vor allem: Das ist Lebensweisheit ganz konkret.

    Immer wieder sind wir herausgefordert: Gott zu vertrauen – seiner Weisheit zu vertrauen. Mehr als unserer Intuition; seinem Wort mehr zu folgen als unseren eigenen Gedanken; und seinen Geboten mehr zuzutrauen als dem, was scheinbar alle anderen für richtig halten. Ich bin mir sicher: Das ist auch für uns der Schlüssel zur Weisheit.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 20.07. bis 26.07.

  • add Andacht für den 7. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest, 26. Juli 2020

    So sind wir nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.                                                                                                                            Epheser 2,19

    Was für ein Unterschied. Bei Gott haben wir nicht nur Gastrecht, sondern Hausrecht! Gäste bleiben nicht – sie gehen wieder. Doch unser Gott hat mehr, viel mehr für uns bereit.

    Wir müssen keine Zaungäste bei Gott bleiben: Zaungäste bei Gott, die lehnen Gott nicht ab, sie haben ab und zu durchaus Interesse – aber eben nicht mehr. Zwischen Gott und uns steht der Zaun der Sünde – überwunden wird er nicht durch uns – sondern nur durch Jesus, der für uns gestorben ist. Gott will und Gott kann: Aus Zaungästen sollen Hausgenossen werden. Jesus hat alles dafür getan.

    Wir müssen auch keine Kurgäste bei Gott bleiben: Es gibt die „Ab-und-Zu-Christen“. Sie kennen sie gut, die Situationen, in denen sie Gott brauchen, in denen sie beten, in denen sie froh sind, dass er da ist. Wie gut, dass Gott in seiner Güte uns alle bei sich Platz und Trost finden lässt, wenn wir es nötig haben. Doch Gott ist mehr als der Versorger, der Beschützer. Er will unser Vater sein – wir sollen ganz zu seiner Familie gehören. Er will uns nicht nur etwas geben. Er will uns sich selber geben. Und er will nicht nur etwas von uns haben, sondern er will uns selber haben.

    Und wir müssen auch keine Dauergäste bei Gott bleiben: Es gibt sie, die Menschen, die vielleicht in großer Treue zum Gottesdienst kommen oder zu Veranstaltungen der Gemeinde – und doch nicht ganz zu Gott gehören. Gott hat viel mehr für uns bereit – eine ewige Heimat, eine ewige Geborgenheit bei ihm.

    In Jesus macht Gott aus Fremdlingen Gottes Hausgenossen. Durch ihn macht er aus Gottlosen Gottes geliebte Kinder. Da nimmt er uns alles ab, was uns von Gott trennt. Da schafft er Frieden zwischen Gott und uns – und ein ganz neues, vertrauensvolles Verhältnis. Das wünsche ich uns: Dass wir von Gott nicht mehr weggehen, sondern bei ihm bleiben, uns Tag und Nacht von ihm geborgen wissen – und wissen, dass wir einmal in seiner ewigen Heimat nie wieder fort müssen, sondern für immer bei ihm bleiben können.                                    

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Samstag, 25. Juli 2020 – Tag des Apostels Jakobus des Älteren

    Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße des Freudenboten, der da Frieden verkündigt, Gutes predigt, Heil verkündigt, der da sagt zu Zion: Dein Gott ist König!                     Jesaja 52,7

    Vom Fischerboot weg hat Jesus Jakobus berufen – zusammen mit seinem Bruder Johannes und dem anderen Brüderpaar Petrus und Andreas. Sie sind Jesus nachgefolgt und wurden seine Zeugen, seine Apostel. Ob an der Legende was dran ist, dass Jakobus nach der Himmelfahrt in Spanien als christlicher Missionar unterwegs war – oder ob an der Legende was dran ist, dass man nach seinem gewaltsamen Tod durch Herodes in Jerusalem, der ihn enthaupten ließ, seinen Leichnam auf ein Schiff ohne Besatzung gebracht habe, das später in Galizien, im Nordwesten Spaniens anlandete – das weiß ich nicht. Aber dass er ein Zeuge für Jesus Christus, für Gottes Sohn, und ein Zeuge des Evangeliums, der frohen Botschaft, der guten Nachricht schlechthin – das weiß ich.

    Gute Nachricht bringen zu dürfen – gibt es eigentlich etwas Schöneres? Schlechte Nachrichten, schreckliche Nachrichten gibt es genug in der Welt. Doch mit der Botschaft von Jesus Christus, der am Kreuz für uns starb und der den Tod besiegte und der alle Menschen einlädt zum Glauben an ihn, haben wir die beste nur denkbare Botschaft. Denn diese Botschaft verheißt Freude und Heil, nicht nur für einen kurzen Zeitraum, sondern für immer. Wer dieser Botschaft vertraut, der findet in Jesus Christus das ewige Leben.

    Freudenboten – das sollen und dürfen alle Christen sein. Botschafter des Evangeliums. Wie Paulus es bezeugt: Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.  20 So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott! 21 Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt. (2Kor 5,19-21). Das ist und bleibt die beste aller Nachrichten, die es je auf der Welt gegeben hat. Auch wir dürfen sie weitergeben und Freudenboten sein, die Gottes großen Frieden, Gottes großes Heil verkündigen und bezeugen: Dein Gott ist König!

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Freitag, 24. Juli 2020

    Ach dass du den Himmel zerrissest und führest herab!                                Jesaja 63,10

    Das ist ein Sehnsuchtsschrei. Es ist der Sehnsuchtsschrei letztlich aller Religionen: „Gott, wo bist du? Wir suchen dich! Wir erreichen dich nicht! Wir strecken unsere Hände voller Sehnsucht nach dir aus. Ach dass du den Himmel zerrisset und führest herab!“

    Das ist ein Schmerzensschrei. Ein Schrei aus dem Leiden heraus, dass wir so vieles nicht verstehen, nicht einordnen können, was passiert: In unserem Leben und in der Welt: „Warum lässt Gott das zu? Wenn er doch allmächtig und gütig ist, wieso dann dieses Leiden? Ach dass du den Himmel zerrissest und führest herab!

    Gott, der Schöpfer, der Allmächtige, der Ewige, der, den wir nicht erreichen können – den wir nicht sehen und niemals uns verfügbar machen können, nach dem wir uns aber sehnen – dieser Gott hat das Schreien gehört. Und er hat den Himmel zerrissen. Er ist herabgefahren – in Jesus Christus seinem Sohn.

    Gott wird Mensch. So nah kommt uns Gott. Er wird einer von uns. Er stellt sich an unsere Seite. Er nimmt die Last unseres Lebens auf sich. Er kann mitleiden. Er kann uns verstehen, weil er all das, was uns zu schaffen macht auch selbst durchgemacht hat. Und mehr noch: Er nimmt sogar das von uns auf sich, was wir anders nie losgeworden wären: Unsere Schuld, unsere Trennung von Gott. Er nimmt sie und trägt sie hinauf an das Kreuz, an dem er für uns stirbt.

    Jesus – das ist Gottes Antwort auf unsere Sehnsucht. Jesus – das ist Gottes Antwort auf unsere Schmerzen. Jesus – das ist Gottes Antwort auf alle Religionen, auf alle Versuche der Menschen, Gott zu verstehen oder Gott zu erreichen. In Jesus ist Gott da – und zeigt uns sein Gesicht voller Liebe und Erbarmen für uns. Ja, er will uns als seine Kinder haben – heute und für immer.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Donnerstag, 23. Juli 2020

    Ihr seid meine Zeugen, spricht der HERR!                                           Jesaja 43,10

    In einem Bahnhofsrestaurant saßen sich zwei Menschen gegenüber, die sich eigentlich nicht kannten. Im Gespräch stellte sich heraus, dass der ältere Pfarrer war und der jüngere Philosophiestudent in den ersten Semestern. Der junge Philosophiestudent erzählte wortreich von seiner atheistischen Weltanschauung und versuchte sie gegen alle Einwände und Bedenken des Pfarrers zu verteidigen.

    „Wieso soll es jemanden gegeben haben, der die Welt geschaffen hat? Wie wollen sie das beweisen? Alles, was wir wissen, ist, dass sie vorhanden ist. Solange wir nichts anderes sehen, müssen wir doch davon ausgehen, dass sie wahrscheinlich aus irgend etwas entstanden ist, ohne dass irgendeiner etwas dafür oder dagegen getan hat.“

    Der Pfarrer ließ sich durch den Redeschwall nicht von seinem schmackhaften Braten abhalten: „Eigentlich ausgezeichnet, dieser Braten“, meinte er. „Wirklich vorzüglich!“ stimmte der Student ihm zu, schob sich einen großen Bissen in den Mund und wartete, dass sein Gegenüber jetzt den Anlauf zu einer großen Gegenrede machen würde. Doch der fragte nur, als er sich den Mund mit der Serviette abtupfte: „Sagen Sie mal, glauben Sie eigentlich an einen Koch?“

    Ja, Gott ist unsichtbar. Aber Gott kann man erleben. Das Volk Israel hat Gott erlebt, die Jünger haben Gott erlebt und auch viele von uns haben erlebt: Gott ist dabei in meinem Leben. Es hat unserem Gott nun mal gefallen, dass Menschen ihn bezeugen sollen. Menschen, die etwas mit ihm erlebt haben. Das adelt uns, Gottes Zeugen sein zu dürfen. Doch es überfordert uns nicht. Denn wir müssen ja nicht irgendetwas bezeugen, sondern nur das, was wir selbst erkannt, erlebt und erfahren haben: Dass Gott für uns da ist – oder wie es bei Jesaja in der Fortsetzung heißt: Vor mir ist kein Gott gemacht, so wird auch nach mir keiner sein. Ich, ich bin der HERR, und außer mir ist kein Heiland. Das reicht – mehr müssen wir nicht wissen. Aber das wollen und sollen wir bezeugen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 22. Juli 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    als Gärtner freue ich mich über den Lehrtext zur heutigen Tageslosung, weil es in den Sätzen aus Markus 4 um das Aussäen geht. Da sagt Jesus: „Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft und schläft und steht auf, Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst – er weiß nicht wie. Von selbst bringt die Erde Frucht.“

    Das Reich Gottes – das ist das, wonach wir uns sehnen, wo Frieden und Gerechtigkeit herrscht, wo Sünde und Tod nicht mehr herrschen. Das Reich Gottes beginnt schon heute, ehe es zu Gottes Zeit umfassende Wirklichkeit sein wird. Dass dieses Reich klein beginnt und erst mit viel Geduld und nach viel Zeit groß wird, macht das Bild vom kleinen Samenkorn deutlich, das ausgesät wird und anfängt zu wachsen. Erst unscheinbar, dann größer und größer, ehe es irgendwann zum großen Baum wird, in dessen Zweige Vögel und viele andere Tiere Heimat finden.

    Wie entsteht dieses Reich Gottes und was ist unser Job dabei, unsere Rolle, unsere Aufgabe? Da sind wir wie einer, der Samen ausstreut, erzählt unser kleiner Text. Wir dürfen ausstreuen, also einen kleinen Anstoß geben, der aber dennoch Großes bewirkt. Wo wir das Kleine tun, kann sich daraus durch Gottes Wirken das Große entwickeln. Hier ist der Impuls der Bibelworte: Mach dich und das, was du tun kannst, nicht klein. Sage nicht: das hat doch alles eh keinen Wert, was ich tue, ich sehe keinerlei Erfolg und wenn, dann nur minimal. Nein, sagt Jesus: Tu es, das Kleine, das Wenige, das du tun kannst. Streu den Samen aus!

    Der andere Impuls der Beispielgeschichte, die Jesus hier erzählt: Wir können wohl ein paar Samen ausstreuen. Aber dass dieser keimt und wächst und zur großen Pflanze wird, das wirkt Gott. Das Gedeihen Lassen übersteigt unser Vermögen - und das ist gar nicht schlimm. Im Gegenteil – es entlastet uns, es hilft uns, damit wir unseren Dienst fröhlich tun können. Die Verantwortung, dass aus dem ausgestreuten Samen eine Pflanze wächst, übernimmt Gott.

    In den Markusversen wird davon erzählt, dass der Aussäende auch schläft, also nicht nur aktiv ist. Das finde ich sehr schön und ermutigend! Wir dürfen aktiv sein, das uns Mögliche tun. Wir dürfen aber auch ruhen, neue Kraft schöpfen. Eben darin drückt sich unser Vertrauen aus, dass es Gott ist, der das Gedeihen schenkt!

    Ihnen und mir wünsche ich, dass wir die Samenkörner ausstreuen, die wir haben – und fröhlich und neugierig darauf warten, was Gott daraus wachsen lässt! Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für Dienstag, 21. Juli 2020

    Ich danke dem HERRN von ganzem Herzen und erzähle alle deine Wunder.      Psalm 9,2

    »Danken schützt vor Wanken und Loben zieht nach oben.« Es geht um Gottes Lob, das uns verändert. Der Psalmbeter David dankt Gott – und das verändert ihn: Ich freue mich und bin fröhlich in dir und lobe deinen Namen, du Allerhöchster so betet David weiter. Es ist gut, dass wir bei unserem Gott an der richtigen Adresse sind mit allem, was uns Not macht, was uns ängstigt und wo wir nicht weiter wissen. Wir dürfen kommen, bitten und flehen, klagen und auch jammern. David hat das übrigens auch getan.

    Doch es ist auch gut, dass wir bei unserem Gott an der richtigen Adresse sind mit allem, was uns freut und wofür wir danken können. Gott zu danken, ihn zu loben. Das tut so gut. Denn da wird unser Leben in der Beziehung zu Gott zu dem, wozu Gott uns eigentlich geschaffen hat: Dass wir mit Gott leben, von Gott abhängig sind, ihm vertrauen – und dabei froh und dankbar werden.

    Vielleicht hilft Ihnen ja auch der Tipp, den ich schon öfter gehört und auch weitergegeben habe: Es tut gut, am Abend nochmals zurückzudenken über den Tag und sich dann drei Dinge zu überlegen, für die ich Gott an diesem Tag ganz konkret danken möchte. Und das tue ich dann auch – im Gebet. Wenn Ihnen mehr als drei Dinge einfallen ist es auch nicht schlimm; genauso wenig, wenn sie mit dieser persönlichen »Dankliste« nicht bis zum Abend warten, sondern das jetzt gleich am Morgen tun. Gott danken – und von ihm erzählen, auch anderen gegenüber zur Sprache bringen, was er mir Gutes getan hat. Wo ich seine Hilfe erlebt habe. Das sollen und das dürfen wir. »Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über« Das soll auch von uns gelten – wo es um unser Verhältnis zu dem guten und treuen Gott geht, der für uns da ist und uns niemals loslässt.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 20. Juli 2020

    Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen und erzieht uns, dass wir absagen dem gottlosen Wesen.                                                                               Titus 2,11-12

    Gnade – das ist Zuwendung – ein freundliches Gesicht, das mich anschaut, ein verständnisvoller Blick – unverdient, unerwartet. Eine liebevolle Geste, ein gutes Wort, mit dem ich eigentlich nicht rechnen durfte – das ist Gnade: unverdiente Zusendung; eine Freundlichkeit und Güte, auf die ich kein Recht habe, die mir aber trotzdem entgegenkommt.

    So – sagt Paulus – so ist unser Gott. Mit offenen Armen kommt er uns entgegen. So sehr liebt er uns. Es hat ihn nicht im Himmel gehalten; es reicht ihm nicht, uns nur seine Liebe anzukündigen. Er selbst macht sich auf den Weg und kommt zu uns. Er macht sich ganz klein und wird selber Mensch – in Jesus Christus, dem Kind in der Krippe und dem Mann am Kreuz. Gottes Gnade ist erschienen, sie ist aufgegangen, sie hat Hand und Fuß bekommen. Wie Gott es im Tiefsten seines Herzens mit uns meint, das sehen wir in Jesus Christus.

    Zu ihm dürfen wir kommen, so wie wir sind. Er fragt nicht nach unserer Vergangenheit, er stellt keine Bedingungen: Mach erst mal… Werde erst mal… Er nimmt uns so an wie wir sind. Wir dürfen kommen wie wir sind. Aber wir müssen nicht bleiben, wie wir sind. Die Gnade Gottes will uns verändern, »erziehen« schreibt Paulus. Da soll sich etwas ändern. Was soll sich ändern? Einfach alles, was unser Leben ausmacht ohne Gott, von Gott losgelöst, oder wie Paulus es hier nennt: Das »gottlose Wesen«. Das kann unseren Egoismus meinen, unsere Sorge, zu kurz zu kommen; unsere Lieblosigkeit und Ungeduld; oder unsere Gier. All das ist doch letztlich Ausdruck eines Lebens, das nicht mit Gott, nicht mit einem liebevollen und fürsorgenden Vater im Himmel rechnet.

    Gottes Zuwendung ist da. Und sie geht auch nicht mehr weg. Jesus ist da. Und er lädt uns ein: Komm, geh mit mir, Schritt für Schritt. Lass dich von mir ziehen – lege ab, sage ab – du brauchst all das nicht mehr, was Menschen meinen zu brauchen, weil sie Gott nicht kennen. Denn du hast einen Vater im Himmel. Er sorgt für dich. Er ist da. Lebe von seiner Gnade, die heil macht und neu macht.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 13.07. bis 19.07.

  • add Andacht für den 6. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest, 19. Juli 2020

    Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?                                                                                                                            Psalm 8,5

    David, der Psalmbeter staunt. Er staunt über Gott. Über den großen und mächtigen Gott: HERR, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen, der du zeigst deine Hoheit am Himmel. David staunt über den Gott, der die ganze Welt, ja den Himmel und das ganze Universum geschaffen hat: Ich sehe den Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast. So groß ist Gott, so stark, so mächtig. So herrlich und unendlich.

    David staunt weiter. Nun schaut er von den Weiten des Weltalls auf die Erde und auf uns Menschen, auf sich, auf dich und mich: Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? David ahnt: Dieser große, mächtige Gott, der das ganze Universum geschaffen hat, der ist auf uns Menschen eigentlich doch nicht angewiesen. Der könnte doch alles machen, was er will. Er bräuchte uns nicht. Und doch will er nicht ohne uns sein. Und doch will er mit uns leben. Und doch will er an uns denken; und doch will er uns annehmen und mit uns leben.

    Das ist das große Wunder, über das David staunt: Was unsere Würde als Menschen ausmacht, das ist nicht unsere Denkfähigkeit, nicht unsere Willenskraft, unsere Phantasie, mit der wir die Welt gestalten und verändern. Was unsere Würde ausmacht und was sie unverlierbar und unauflöslich macht ist, dass Gott uns als sein Gegenüber haben will. Dass Gott uns geschaffen hat zu seinem Bilde – als Gegenüber, das mit ihm in Beziehung treten kann und soll. Als Geschöpf, das Gott ansprechen kann und das ihm voller Vertrauen Antwort gibt und mit ihm lebt. Das macht unsere Würde aus, dass Gott an uns denkt – und dass er uns annimmt. Darum ist sie unabhängig von allen Fähigkeiten, die ein Mensch hat. Darum bestimmt unseren Lebenswert nicht, was wir leisten oder noch leisten können, sondern Gottes Liebe und Sehnsucht nach uns – von Ewigkeit her und in Ewigkeit.

    Gott denkt an uns, Gott nimmt uns an – in Jesus Christus gilt uns das in ganz besonderer Weise. Da sehen wir die tiefen und sehnsuchtsvollen Gedanken Gottes nach uns und da sehen wir, wie er uns annimmt – voraussetzungslos und bedingungslos. Ja, auch wir dürfen einstimmen in dieses Lob und in das Staunen: Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Namen in allen Landen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Samstag, 18. Juli 2020

    Gott spricht: Auch künftig bin ich derselbe, und niemand ist da, der aus meiner Hand erretten kann. Ich wirke, wer will’s wenden?                                                                Jesaja 43,13

    Mitten in der Corona-Krise wurde deutlich unterschieden in »systemrelevant« und »nicht system­relevant«. Mit anderen Worten: Was ist jetzt wichtig, was oder wen brauchen wir jetzt unbedingt – und worauf können wir verzichten. Natürlich kann und muss man über solche Grenzziehungen diskutieren: Passt das? Stimmt das so wirklich? Haben wir wirklich alles bedacht?

    Und vielleicht fragt auch jemand: Ist Gott eigentlich »systemrelevant«? Viele Menschen haben Gott ja längst abgeschrieben und leben ihr Leben ohne ihn – und sind der Überzeugung, dass das ganz gut funktioniert. Brauchen wir Gott überhaupt noch?

    Damals, zur Zeit Jesajas mischte sich Gott in die Debatte ein, die ja schon seit Menschengedenken geführt wird: Brauchen wir Gott? Ich, ich bin der HERR, und außer mir ist kein Heiland heißt es im Vers 11 und im V. 13, unserer Lösung: und niemand ist da, der aus meiner Hand erretten kann. Ich wirke, wer will’s wenden?

    Ich glaube, dass die Frage nach dem »systemrelevant« für Gott nicht passt. Gott ist doch nicht in dem Sinn Teil unseres menschlichen Systems, unserer Gesellschaft, dass er darin aufgehen würde und wir ihm nur so begegnen könnten. Nein, Gott ist viel größer. Gott steht vor und neben und über und hinter all den Systemen, die wir Menschen uns für unser Zusammenleben erdenken. Er ist der, der unser Leben – und damit unsere Lebenssysteme – erst ermöglicht.

    Viel wichtiger als die Frage nach dem, was »systemrelevant« für eine menschliche Gesellschaft ist, ist die Frage, ob wir mit Gott rechnen, der jenseits all unserer Systeme, die kommen und gehen, derselbe bleibt. Ob wir mit dem Gott rechnen, der größer und stärker ist als alles, was uns bedrohen kann und der größer und stärker ist auch alles, was wir meinen, dass es uns beschützen kann. Er jedenfalls mischt sich ein. Er stellt sich uns als der Gott vor, der mit uns in Beziehung treten und leben will. Er ist der, der versprochen hat, unser Gebet zu hören und sich unser zu erbarmen. Diesem starken Gott, der noch viel größer und stärker und mächtiger ist, als wir es uns je denken und vorstellen können, dürfen und wollen wir vertrauen. Denn dazu hat er uns erschaffen: Dass wir mit ihm leben – gehalten, getröstet. Und mit ihm die Dinge in unseren Systemen anpacken, an denen wir arbeiten sollten.

    Pfarrer Andreas Streich

     

     

  • add Andacht für Freitag, 17. Juli 2020

    Der HERR, euer Gott, ist der Gott der Götter und der Herr der Herren, der große, starke und furchtbare Gott, der kein Ansehen der Person kennt und keine Bestechung annimmt.

    5. Mose (Deuteronomium) 10,17

    Ich erinnere mich noch an eine Fahrstunde, bei der mir der Fahrlehrer eine wichtige Erkenntnis mit auf den Weg gab – eigentlich für’s Autofahren gedacht – aber übertragen auch für unser ganzes Leben hilfreich: »Wo du hinschaust, dorthin lenkst du auch – ob du willst oder nicht.« Da ist was dran. Vor allem bei Fahranfängern. Und da ist auch was dran in unserem Leben. Worauf achten wir, wo schauen wir hin; worauf richten wir uns aus?

    Diese Frage stellte sich auch dem Volk Israel – und Mose gibt ihnen die Antwort: Die Lebensaus­richtung muss zu Gott hin sein. Zu ihm hin und mit ihm sollt und dürft ihr unterwegs sein. Er ist Gott – und außer ihm gibt es keinen anderen. Hier wird Gott, der HERR, vorgestellt als »Gott der Götter« In Ägypten waren den Israeliten viele Götter und Götzen begegnet. Im Grund hat sich bis heute daran nicht viel geändert. Martin Luther definierte: »Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott!« Götter in diesem Sinne können viele Namen haben: Geld, Erfolg, Vergnügen, Wellness, Familie…

    Was schützt uns davor, dass all die Dinge, die wir gern haben – und die ja auch erstrebenswert und wünschenswert sind – für uns nicht zu Göttern werden, weil wir unser Herz an sie hängen? Mose gibt die Antwort: Der Blick auf Gott, auf den großen und starken und furchtbaren Gott wie er ihn hier nennt. Vor diesem Gott sind wir alle gleich. Wirkliche Gerechtigkeit gibt es nur bei ihm. Da zählt kein Ansehen der Person und wir können ihn auch nicht – durch was auch immer – bestechen.

    In Jesus Christus ist dieser starke und große Gott Mensch geworden und hat uns seine Liebe bewiesen. Wir dürfen mit ihm rechnen. Wir dürfen mit ihm leben. In Jesus nimmt er unsere Schuld auf sich. Er will nicht verurteilen, er will entlasten, befreien, vergeben. Ja, es lohnt sich, sich immer wieder – jeden Tag neu – ganz auf diesen großen, starken und furchtbaren Gott auszurichten. In Jesus nimmt er uns die Furcht und lässt uns als seine Kinder leben.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • add Andacht für Donnerstag, 16. Juli 2020

    Jesus spricht: Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten.

    Johannes 4,14

    Mitten am Tag, zur heißesten Zeit, sitzt Jesus an einem Brunnen. Eine Frau, eine Samariterin, kommt, um Wasser zu holen. Jesus bittet sie: Gib mir zu trinken. Und dann entsteht ein Gespräch, in dem deut­lich wird: Es gibt einen Durst nach Leben, einen Lebensdurst, der viel tiefer geht als das körper­liche Durstgefühl. Während es bei uns auch im Sommer immer wieder regnet, herrscht in Israel ein sommertrockenes Klima. D.h. es regnet in den Sommermonaten Juni bis August überhaupt nicht. Jeden Tag blauer Himmel und Gluthitze. Da bekommt Wasser noch einmal einen ganz anderen Wert. Wasser ist lebens-, ja überlebenswichtig.

    Doch es geht eben um diesen tieferen Durst, den Lebensdurst, der sich mit Quellwasser, Bodenseewasser oder Mineralwasser eben nicht stillen lässt. Es geht um den Durst nach einem erfüllten Leben, nach einem Leben, das mehr ist, das tiefer ist, das weiter reicht als all das, was wir uns selbst in diesem Leben erarbeiten, nehmen oder gönnen können.

    Jesus macht unmissverständlich deutlich: Es gibt dieses Lebenswasser. Nicht überall, sondern nur bei ihm. Und es macht die Seele satt. Es ermöglicht ein erfülltes Leben. Heute schon hier und bis in Ewigkeit. Da bei ihm, und nur bei ihm, da gibt es lebendiges Wasser. Da bei ihm und nur bei ihm wird unsere Seele ruhig. Christa von Viebahn, die Gründerin der Aidlinger Diakonissen, drückte ihre Sehnsucht nach erfülltem Leben so aus: »Ich hatte Durst nach Gott!« Wohl uns, wenn wir wissen, wo unser Lebensdurst gestillt wird – da bei Jesus Christus. »Ach sucht doch den, lasst alles stehn, die ihr das Heil begehret.« Übrigens: Die Geschichte dort am Jakobsbrunnen vor den Toren der Stadt Sychar endet im Johannesevangelium so, dass die Frau tatsächlich den Krug stehen lässt, in die Stadt geht, und den Leuten dort berichtet, dass sie Jesus gefunden hat, den, der ihren und unseren Lebensdurst stillen kann.

    Pfarrer Andreas Streich  

  • add Andacht für Mittwoch, 15. Juli 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    In eines Mannes Herzen sind viele Pläne; aber zustande kommt der Ratschluss des Herrn. So heißt es in Sprüche 19,21, dem Bibelvers, der Tageslosung für den heutigen Mittwoch. In eines Mannes Herzen sind viele Pläne; aber zustande kommt der Ratschluss des Herrn. Selbstverständlich gilt das auch für jede Frau. Der Volksmund kennt diese Erkenntnis auch, wenn er sagt: Der Mensch denkt und Gott lenkt.

    Wir können viel planen, aber oft kommt es dann doch ganz anders. Stimmt das? Hätte man dazu vor der Coronazeit Leute befragt, ob sie diesen Satz für richtig halten und jetzt nach der Coronawelle nochmals gefragt – vermutlich würde die Zustimmung nun deutlich höher ausfallen. Denn eben das haben wir in den letzten Monaten lernen müssen: Viele unserer Pläne sind ins Wasser gefallen. Ob Urlaubsreisen in ferne Länder, die schon lange vorbereitet waren oder auch Familienfeste wie Hochzeiten oder Konfirmationen – die Krankheitswelle sorgte dafür, dass viele Pläne Makulatur wurden. Besonders bitter für manch engagiertes Unternehmen, das mit einem viel schwieriger als erwarteten wirtschaftlichen Umfeld zurechtkommen muss und das vielleicht gar nicht schafft.

    In eines Mannes Herzen sind viele Pläne; aber zustande kommt der Ratschluss des Herrn. Die große Frage ist: Wie gehen wir mit dieser Einsicht um? Empfinden wir sie als bedrohlich, weil ein anderer für uns entscheidet, weil ein anderer aus unserer Sicht vielleicht mutwillig unsere Pläne durchkreuzt, in unser Leben eingreift? Werden wir fatalistisch, gleichgültig, weil wir sagen – ich brauche sowieso nicht planen, es kommt, wie es kommt? Oder ist diese Erkenntnis, dass Gott die Dinge in der Hand hat, das Geschehen lenkt, ein Vertrauenssatz für uns?

    Dann lautet dieser Vers in eigenen Worten: Ich darf mein Leben planen, mir Ziele setzen, ja, das gehört zu einem verantwortlichen Leben auch unbedingt dazu. Aber ich bin mir meiner Begrenztheit bewusst. Ich weiß ja nicht, ob meine Pläne auch dann noch gut sind, wenn die Zukunft eine andere ist, als ich sie jetzt sehe? Ob ich alle Umstände berücksichtigt habe? Ob meine Vorhaben für mich und andere tatsächlich das Beste sind? Ja, wir dürfen planen, sind aber gleichzeitig eingeladen, darauf zu vertrauen, dass ein anderer mit viel weiterem Horizont letztendlich entscheidet, was werden wird. Einer, der es im Tiefsten gut mit uns meint. Also: planen – und vertrauen.

    Ihnen und mir wünsche ich das nötige Vertrauen zu dem, der unseren weiteren Weg begleitet. Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für Dienstag, 14. Juli 2020

    Man wird wieder hören den Jubel der Freude und der Wonne, die Stimme des Bräutigams und der Braut und die Stimme derer, die da sagen: »Danket dem HERRN Zebaoth, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.«                                                Jeremia 33,11

    »Hochzeit« das hatte wohl zu allen Zeiten einen besonderen Klang. »Hochzeit« - das bedeutet: Freude, Jubel, Wonne. Da erleben wir das Leben von seiner schönsten Seite. »Hoch-Zeit« eben – im wahrsten Sinne des Wortes. Der Prophet Jeremia malt mit Worten den Menschen seines Volkes vor Augen, was Gott an Gutem vorhat. Er musste ihnen auch Schweres ankündigen. Gottes Strafgericht über ihre Sünde. Zu Lebzeiten Jeremias wurde Jerusalem von den Feinden erobert, das kleine Land Juda überrannt und die Selbständigkeit endete im Exil in Babylon. Der Tempel wurde zerstört – die Städte lagen öde und brach. Kein Leben, keine fröhlichen Lieder.

    Doch unser Gott ist der Gott des Lebens und der Meister der Freude. Darum kann und soll das Elend und die Öde nicht das Letzte sein. Gott fängt noch einmal ganz neu an. Einen stärkeren Kontrast zu dieser Öde als das fröhliche Bild einer Hochzeit gibt es wohl nicht. Im selben Kapitel wird Jeremia im Auftrag Gottes dann auch einen »gerechten Spross Davids« ankündigen, einen Messias, der ganz anders ist. In Jesus Christus ist diese Verheißung in Erfüllung gegangen. Jesus Christus ist der »gerechte Spross Davids« und Jesus Christus ist der Bräutigam. Dieses Bild greift er selbst auf – für das Ziel, das Gott mit uns hat. Er möchte sich mit uns verbinden – für immer. Wie Braut und Bräutigam. Gottes Heil – durch Jesus Christus wird es uns zuteil. Die Gemeinde Jesu Christi ist die Braut – und er ist der Bräutigam. Auf ihn warten wir. Er hat versprochen wiederzukommen. Mit ihm rechnen wir. Und auch uns gilt, was Jeremia seinem Volk verkündigte: Man wird wieder hören den Jubel der Freude und der Wonne, die Stimme des Bräutigams und der Braut und die Stimme derer die da sagen: »Danket dem HERRN Zebaoth, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.«

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • add Andacht für Montag, 13. Juli 2020

    Pflüget ein Neues, solange es Zeit ist, den HERRN zu suchen, bis er kommt und Gerechtigkeit über euch regnen lässt!                                                                Hosea 10,12

    Etwas ganz neu anfangen dürfen – ist das nicht faszinierend? Wenn man voller Energie und Vorfreude in eine Aufgabe – oder in den Urlaub – starten darf? Hosea war als Prophet zu Israel gesandt. Vieles war in diesem Volk nicht so, wie es sein sollte. Vor allem hatten sie Gott, ihren Gott, der ihnen so viel Gutes getan hat, vergessen. Sie lebten ihr Leben ohne ihn. Ohne ihn, den Schöpfer. Wenn wir Gott, der uns geschaffen hat, aus unserem Leben verbannen, dann wird es früher oder später zwangsläufig schief. Auch im Umgang miteinander.

    Gott gibt seine Menschen nicht auf. Er ermöglicht einen Neuanfang. Und dieser Neuanfang beginnt mit einer Umkehr zu ihm. Noch ist Zeit, noch schenkt Gott Raum zur Umkehr. Noch lädt er ein, dass wir mit ihm verbunden in ein ganz neues Leben eintreten. Pflügt ein Neues. Nicht mehr ohne ihn, sondern mit ihm.

    Die Botschaft des Hosea hat Gott in Jesus Christus bestätigt und ausgeweitet auf alle Menschen aus allen Völkern. Gott lädt alle ein: Pflügt ein Neues. Fangt noch einmal neu an! Nicht ohne mich, sondern mit mir. Lebt von dem, was ich euch schenke; lebt von meiner Vergebung; und lebt nach meinen Geboten, nach meinen guten Ordnungen für euer Leben und Zusammenleben. Sät Gerechtigkeit und erntet nach dem Maß der Liebe! Fordert Gott durch Hosea im ersten Teil des Verses aus dem unsere Losung ist, auf. Noch ist Zeit, Gott zu suchen. Noch ist Zeit zur Umkehr. Doch – das schwingt in diesen Worten mit: es gibt auch ein »zu spät«, man kann die Chance zum neuen Pflügen, zum neuen Leben auch verpassen. Aufschieben ist gefährlich. Was Gott mir heute zeigt, wozu er mich heute einlädt, das will ich auch tun und umsetzen. Denn mit ihm und bei ihm wird mein Leben heute zu dem, wie er – mein Schöpfer – es sich gedacht hat.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 06.07. bis 12.07.

  • add Andacht für den 5. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest, 12. Juli 2020

    Aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.

    Epheser 2,8

    Alle wesentlichen Dinge in unserem Leben können wir uns nicht erarbeiten oder verdienen, antrainieren oder machen. Nein, wir bekommen sie geschenkt: Unser Leben, unsere Gesundheit, unsere Fähigkeiten, unser Denkvermögen, gelingende Beziehungen  – alles Geschenk und unverfügbar. Wir können zwar etwas dafür tun, sie zu erhalten, auszubauen und zu pflegen. Aber ihrem Wesen nach sind und bleiben sie Geschenk.

    Und mit dem Glauben, mit der Beziehung zu Gott ist es auch nicht anders. Auch da wird uns alles geschenkt. Gottes Gabe ist es – nicht unsere Leistung, nicht unsere Klugheit und Intelligenz. Gott hat uns gesucht und gefunden in Jesus Christus. Die Initiative geht ganz allein von Gott aus. Er wendet sich uns zu – das bedeutet Gnade: unverdiente Zuwendung. Er hat Erbarmen mit uns. Er liebt diese Welt, die sich von ihm losgesagt hat. Er sendet seinen Sohn. Er ist in Christus, als er am Kreuz für unsere Schuld stirbt. Er nimmt uns unsere Schuld und Verlorenheit ab. ER schenkt uns ein neues Leben. Er lässt uns mit sich leben. Und er weckt und ermöglicht in uns erst den Glauben. Geschenk – nichts als Geschenk. Zu den wesentlichen Dingen im Leben, die wir uns nicht selbst verdienen, nehmen oder erarbeiten können, gehört auch der Glaube, die Beziehung zu Gott.

    Die Einladung zum Glauben, der Ruf Gottes in den Glauben begegnet uns immer als Einladung, als Aufforderung, der wir Folge leisten sollen. Ja, wir sind gefragt, ja wir sind gefordert. Gott gibt sich auf die Einladung „Folge mir nach!“ nicht selbst die Antwort. Doch im Nachhinein erkennen wir: Es liegt nicht an unserer Entschlusskraft und Willensstärke – es liegt alles daran, dass Gott uns beschenkt. Leben wir doch jeden Tag neu als von Gott Beschenkte. Denn was er schenkt, das ist mehr als genug für uns.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Samstag, 11. Juli 2020

    Der Herr wird seinem Volk Kraft geben.                             Psalm 29,11

    In immer neuen Bildern zeigt David in diesem Psalm die Herrlichkeit und die unaufhaltsame Macht Gottes. Gottes Wort hat Macht, verändert alles. Am Ende stimmt der mächtigste König, den das irdische Israel je erlebte ein in den Lobpreis: Der Herr bleibt ein König in Ewigkeit. Im letzten Vers dieses Psalms, der dann unsere Losung für heute ist, zeigt David, was dies für Konsequenzen für Gottes Volk hat, wo sie ihm – wie alle himmlischen Mächte und alles im Tempel – die Ehre geben: Der HERR wird seinem Volk Kraft geben.

    Im ersten Moment würde ich gern nachfragen: David, was heißt das jetzt? Wie sieht das konkret aus, wenn Gott seinem Volk Kraft gibt? Auf mich übertragen: Womit darf ich in meinem Leben rechnen? Doch im nächsten Moment wird mir klar: Diese Frage ist überhaupt nicht angebracht. Gott wird Kraft geben – das reicht. Mehr brauche ich nicht, als diese Gewissheit: Gott ist da. Ich bin nicht auf mich allein gestellt. Wo der große, herrliche und mächtige Gott bei uns ist – da ist das genug. Da müssen wir nicht schon im Voraus im Detail wissen, wie er uns helfen wird. Er wird uns helfen – auf seine Weise und zu seiner Zeit. ER wird uns Kraft geben – auf seine Weise und zu seiner Zeit. Paulus hat ja ganz Ähnliches von Jesus selbst gehört, als er um Abhilfe bat, weil Satans Engel ihn mit Fäusten schlug: Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.

    Wie gesagt: Wie die Kraft genau aussehen wird, die Gott uns geben wird, das wird nicht beschrieben: Wie sie sich äußern wird, woran wir sie erkennen werden. Es reicht zu wissen, dass wir sie erleben werden und dass sie auch in uns mächtig werden wird. Mehr brauchen wir wirklich nicht.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Freitag, 10. Juli 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    unsre Gesellschaft erweckt mit vielem den Eindruck: wer jung ist, ist gefragt, wer alt wird, möge sich zurückziehen. Wer jung ist, blickt es – wer älter wird, ist nicht mehr auf der Höhe der Zeit, das wird zwar nicht immer laut ausgesprochen, ist aber doch oft spürbar. Das kann uns Ältere und erst recht die Alten prägen und verunsichern. Und wir fragen uns: was ist denn jetzt noch unsere Aufgabe in der Gesellschaft, in der Familie oder wo wir sonst mit Menschen zu tun haben?

    Der Bibelvers, der uns in den Herrnhuter Losungen heute begegnet, bringt uns da auf eine gute Spur. Der Vers aus Psalm 145 sagt: „Eine Generation rühmt der andern deine Werke, und deine mächtigen Taten verkünden sie.“ Da leuchtet auf, welche Aufgabe die vorangehende für die nächste Generation hat: Zu erzählen, in wie vielen Situationen sie Gott als Helfer erlebt hat, der auch in schwierigen Situationen durchgeholfen hat, zur Seite stand. Der Licht gewesen ist, wo alles nur dunkel schien. Den ich als guter Hirte erlebt habe, der für mich sorgt. Der mich immer wieder zurückgeholt hat, wo ich leichtsinnig oder mutwillig eher schwierige Wege gegangen bin.

    Davon den Jüngeren zu erzählen, das ist eine große und schöne Aufgabe, die viele Großeltern ja auch wunderbar bei ihren Enkeln erfüllen und das oft viel besser können als deren Eltern. Meine Großmutter hat uns als Kindern von viel erfahrener Hilfe in der Nachkriegszeit berichtet, in der sie vier Kinder ohne den im Krieg geblieben Ehemann versorgen und aufziehen musste. Ihre Fröhlichkeit hat glaubhaft gemacht, dass sie in kaum vorstellbarer Not durchgetragen wurde und nicht am Leben verzweifelte und nicht bitter wurde. Ich bin dankbar, dass sie das an uns, ihre Enkel, weitergegeben hat.

    Von Gottes gutem Handeln zu berichten, den Jüngeren Mut machen, ihm zu vertrauen und mit ihm den Weg zu gehen, das ist eine ganz große Aufgabe für die ältere Generation. Da geht es um viel mehr, als darum, eine nette Gutenacht- oder Unterhaltungsgeschichte zu erzählen. Da geht es darum, den Jungen und oftmals den ganz Kleinen schon das Wichtigste im Leben weiterzugeben – dass es sich lohnt, zu vertrauen, ihrem Schöpfer und Heiland. Ist das nicht klasse, dass uns Gott eine solch schöne Aufgabe gibt und zutraut?

    „Eine Generation rühmt der andern deine Werke, und deine mächtigen Taten verkünden sie.“ Dass Gott sie bei dieser Aufgabe segnet und fantasievoll macht, das wünsche ich Ihnen. Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für Donnerstag, 9. Juli 2020

    Der HERR ist deine Zuversicht.                                                 Psalm 91,9

    Das Wichtigste für unser Leben lässt sich ganz einfach zusammenfassen: Gott ist für uns da. Gott ist unser Schöpfer, Gott ist unser Ziel und Gott ist der, zu dem wir in allen Lagen fliehen können und dürfen. Wenn alle Wege verbaut sind, dann ist dieser eine Weg doch immer noch offen: Der HERR ist deine Zuversicht. Wenn kein Silberstreif mehr am Horizont zu erkennen ist, dann ist dieses Licht doch immer noch da: Der HERR ist deine Zuversicht. Wenn unsere eigene Kraft nicht mehr ausreicht und alle eigenen Wege zu Ende gegangen sind, dann steht immer noch da: Der HERR ist deine Zuversicht. Es gibt eine Zukunft, es gibt eine Zuversicht, es gibt eine Hoffnung, es gibt eine Zuflucht. So heißt es nämlich im 2. Teil dieses Verses: Der HERR ist deine Zuversicht, der höchste ist deine Zuflucht.

    Einen Hoffnungsanker brauchen wir, einen unerschütterlichen Zufluchtsort – weil in dieser Welt es nichts gibt, was wirklich als verlä

    sslicher Grund für unser Leben taugt. Die Corona-Krise hat uns gezeigt, wie zerbrechlich unser modernes Gesellschaftssystem ist. Was alles hat in der Krise nicht funktioniert, wo wir meinten, dass es doch eigentlich ein verlässlicher Standard ist: Die Kinder­betreu­ung, der krisensichere Arbeitsplatz, die Stabilität unseres Geldes und sogar die Versorgung von Klinik­personal mit Schutzausrüstung – war plötzlich nicht mehr selbstverständlich. Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Langzeitfolgen können wir noch gar nicht abschätzen. Das lateinische Wort »Firma« heißt eigentlich »Die Feste«. Doch wir haben erlebt, wie wackelig und eben nicht fest viele Firmen in der Krise sind.

    Gott ist da – gerade jetzt. Mit Gott dürfen wir rechnen. Nicht nur in der Krise, sondern an jedem Tag. Ihm wollen wir vertrauen und auf ihn schauen. Und nicht nur auf uns und unsere Möglichkeiten. Was für ein Trost, was für ein Halt, das zu wissen – und sich darauf verlassen zu dürfen -: Der HERR ist deine Zuversicht.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 8. Juli 2020

    Ich will auch hinfort mit diesem Volk wunderlich umgehen, aufs Wunderlichste und Seltsamste, dass die Weisheit seiner Weisen vergehe.                                                              Jesaja 29,14

    Gott ist ganz anders als wir denken. Gott lässt sich von uns mit unserem Verstand nicht erschließen und begreifen. Und Gott lässt sich schon gar nicht vor unseren Karren spannen. Immer wieder haben Menschen diese Erfahrung gemacht: Gott handelt wunderlich. Gott handelt seltsam. Gott macht es ganz anders als wir es dachten. Wir können es nicht erklären, wir können es nicht vorhersagen. Gott ist souverän. Gott ist Gott.

    Eigentlich beginnt der Losungsvers mit dem Wörtchen Darum… Und als Begründung für das darum geht voraus: Weil dies Wort mir naht mit dem Munde und mit seinen Lippen mich ehrt, aber ihr Herz fern von mir ist und sie mich fürchten nur nach Menschengeboten, die man sie lehrt, darum …

    Dass Menschen sich ihre eigene Lehre von Gott – das meint das Wort Theologie – zurechtlegen, wie sie sie gern hätten, das gab es zu allen Zeiten – bis heute. Wo das geschieht, da trifft die Religions­kritik eines Ludwig Feuerbach wohl zu einem guten Teil zu. Doch Gott lässt sich eben nicht in unsere Denkmuster und -vorstellungen einengen. Gott ist anders und Gott handelt anders.

    In Jesus Christus setzt Gott diesen wunderlichen Weg, den er bei Jesaja ankündigt fort. Jesus, der Messias kommt ganz anders, als viele es erwarteten. Da gab es Enttäuschungen bei Menschen. Und Gott rettet ganz anders, als wir es erwarten: Nicht durch einen Feldherrn, der siegreich seine Truppen von einem militärischen Erfolg zum nächsten führt. Nicht durch einen Politiker, dem die Massen nur so zulaufen. Sondern durch einen Gekreuzigten. Durch einen, der leidet, der stirbt, der ohnmächtig erscheint. Bis heute regt sich Widerstand gegen diese Theologie, gegen das Wort vom Kreuz. Weil es nicht passt. Paulus schreibt dort im 1. Korintherbrief, wo er unseren Losungsvers zitiert: Die Juden fordern Zeichen und die Griechen fragen nach Weisheit, wir aber predigen den gekreuzigten Christus, den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit; denen aber, die berufen sind, Juden und Griechen predigen wir Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit. Denn die Torheit Gottes ist weiser als die Menschen sind, und die Schwachheit Gottes ist stärker, als die Menschen sind. (1Kor 1,22-25).

    Ja, Gott macht es ganz anders. Geben wir doch unsere eigenen Erklärungsversuche auf und lassen wir uns von Gott zeigen, wie er wirklich ist – in Jesus Christus sehen wir ihm ins Herz.

    Pfarrer Andreas Streich  

  • add Andacht für Dienstag, 7. Juli 2020

    Am Wege saß ein blinder Bettler, Bartimäus, der Sohn des Timäus. Und als er hörte, dass es Jesus von Nazareth war, fing er an zu schreien und zu sagen: Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Und viele fuhren ihn an, er sollte schweigen. Und Jesus blieb stehen und sprach: Ruft ihn her!                                                                                                  Mk 10,46-48.49

    Da ist ganz offensichtlich einer in Sorge. In Sorge, dass er übersehen oder überhört wird. Und deshalb schreit er. Bartimäus, der einzige, den Jesus geheilt hat, dessen Namen in den Evangelien genannt wird. Sonst haben wir bei Geheilten höchstens den Namen des Vaters Jairus oder des Schwieger­sohns Petrus. Bartimäus war nicht zu überhören. Dass er so laut schreit, das ist Ausdruck seiner Hoffnung und seiner Erwartung.

    An dieser Geschichte werden gleich mehrere Aspekte des Glaubens deutlich. Zum Einen: Glaube ist immer ein Wagnis. Bartimäus tut, was man normalerweise nicht tut. Es war wohl gegen alle Konvention und gegen alle Norm. Aber Bartimäus schreit und er lässt sich nicht aufhalten. Nicht von denen, die ihn zum Schweigen bringen wollen. Es könnte unangenehm für ihn werden; er könnte eine Enttäuschung erleben. Aber er schreit. Glaube ist ein Wagnis. Und Bartimäus wagt es, sich mit allem, was er zur Verfügung hat, bei Jesus Aufmerksamkeit zu verschaffen.

    Glaube hat mit Hilfsbedürftigkeit zu tun. Bartimäus weiß: Jesus hat etwas, was ich mir selbst nicht geben oder nehmen kann. Ich brauche ihn, ich brauche seine Hilfe. Glaube will etwas empfangen. Mit dem Glauben geht einher, dass wir die Grenzen unserer eigenen Möglichkeiten erkennen und akzeptieren. Dass wir Gott bitten, uns zu helfen, weil wir seine Hilfe brauchen.

    Und Glaube hat schließlich mit Jesus Christus zu tun. Dem Sohn Davids. Wir wissen nicht, woher und was Bartimäus über Jesus gehört hat. Doch als er erfährt, dass es Jesus ist, der da an ihm vorüber­geht, da lässt er sich nicht mehr aufhalten. Jesus Christus – wahrer Mensch und wahrer Gott – das ist Gottes Retter nicht nur für Bartimäus, sondern für alle Menschen. Nicht alle haben ihn als Retter erkannt, manche wollten seinen Anspruch nicht gelten lassen und ihn töten. Doch Gott hat ihn als den bestätigt, der er ist: Als Sohn Davids, als den verheißenen König in Ewigkeit. Als den, dem nichts zu schwer ist. Als den Retter, den wir alle brauchen.

    Machen wir’s wie Bartimäus: Wagen wir es immer wieder mit unserer Hilfsbedürftigkeit von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all unserer Kraft an Jesus zu hängen und ihm zu vertrauen. Er möchte nicht nur Nothelfer sein – er will sich für immer mit uns verbinden.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 6. Juli 2020

    So fern der Morgen ist vom Abend, lässt er unsre Übertretungen von uns sein. Psalm 103,12

    Weiter geht’s nicht, als Morgen und Abend auseinanderliegen. Morgen – das ist der äußerste Osten, der Sonnenaufgang – und Abend der äußerste Westen, der Sonnenuntergang. Vom einen Ende des Horizonts bis zum Andern – und noch weit darüber hinaus. Das meint der Psalmbeter David mit dieser Wendung: Weiter geht’s nicht auseinander als der Morgen fern ist vom Abend.

    Doch es geht nicht um Geografie, sondern um unsere Schuld. David staunt über den Gott, der die Sünde vergibt. Bei dem wir nicht durch fromme Leistungen wieder gut zu machen versuchen müssen, was wir falsch gemacht haben. Den wir nicht durch irgendetwas gnädig stimmen müssten, sondern zu dem wir fliehen dürfen, zu dem wir kommen dürfen, gerade auch mit und in unserer Schuld: Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte heißt es nur wenige Verse vor unserer heutigen Losung. Der alle deine Sünde vergibt… so beschreibt David ihn bereits im Eingang des Psalms. Und genau das brauchen wir vor allem anderen: Dass Gott uns unsere Sünden vergibt, dass er unsere Übertretungen ausräumt. Dass er uns die Schuld abnimmt.

    Der Gott, den David besingt, ist in Jesus Christus selbst gekommen, um genau das zu tun, worum es in diesen Worten geht: Um unsere Schuld auf sich zu nehmen und sie auszuräumen. Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selbst… heißt es im 2. Korintherbrief. Da, in Jesus, da wird Gottes Hilfe, Gottes Erbarmen, Gottes Gnade ganz konkret, fassbar und erlebbar. Von dieser Vergebung, von dem was Gott in Jesus Christus für uns getan hat,

     dürfen und wollen wir leben. Von dem, dass er selbst alles ausräumt, was wir versäumt und verschuldet haben. Er entlastet, er befreit, er vergibt und er lässt uns neu anfangen.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 29.06. bis 05.07.

  • add Andacht für den 4. Sonntag nach Trinitatis, 5. Juli 2020 zur Tageslosung

    Freut euch und seid fröhlich im HERRN, eurem Gott.                                    Joel 2,23

    Der Prophet Joel malt den Menschen seines Volkes ein wunderbares Bild vor Augen. Ein Bild, wie ihr Leben aussehen soll. Wie Gott es sich gedacht hat – und wie es sein kann. Dort, wo Menschen ihm, ihrem Gott vertrauen. Glaube lässt sich nicht von uns machen – er ist Geschenk Gottes. Und doch begegnet uns in der Bibel die Sache mit dem Glauben in Form von Aufforderungen an uns. So auch in diesem Vers: Freut euch und seid fröhlich – das sind doch Aufforderungen. Und wenige Verse zuvor lässt Gott durch Joel sein Volk auffordern: Bekehrt euch zu mir von ganzem Herzen mit Fasten, mit Weinen, mit Klagen! Zerreißt eure Herzen und nicht eure Kleider und bekehrt euch zu dem HERRN, eurem Gott. Das ist der Schlüssel zur Freude: Umkehr zu Gott, Abkehr von den falschen Wegen. Abkehr von allen Wegen ohne Gott. Umkehr in die offenen Arme.

    Martin Luther hat das erkannt in den 95 Thesen, die als Auslöser für die Reformation gelten. In der ersten These heißt es: Wenn unser Herr Jesus Christus sagt: Tut Buße, dann will er, dass das ganze Leben eine Buße sei. Freude und Fröhlichkeit – das will Gott für uns. Aber nicht Freude und Lässigkeit ohne ihn, sondern »im HERRN, eurem Gott« betont Joel. Da ist der Lebensraum für uns. Da ganz nah bei ihm. Da – ganz eng verbunden mit ihm. Je mehr wir ihm vertrauen, je enger die Beziehung zu Gott ist, umso mehr wird uns diese Freude und Fröhlichkeit erfüllen, die sich eben nicht an den äußeren Umständen entzündet, sondern die in uns brennt – auch in äußeren Schwierigkeiten. »In dir ist Freude in allem Leide, o du süßer Jesus Christ« hat Cyriakus Schneegass gedichtet – und wir singen es bis heute nach.

    Wo Menschen Gottes Aufforderung – oder Gottes Einladung – Folge leisten (weil er es ihnen letztlich ermöglicht), da beginnt ein neues Leben. Da bekommt unser Leben eine andere Lebensqualität. Da erfüllt er uns mit seiner Freude. Nach Galater 5 ist sie eine Frucht des Geistes: Die Frucht des Geistes ist Liebe, Freude, Friede… Frucht, die Gott auch in unserem Leben wachsen lassen will.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Samstag, 4. Juli 2020

    Auf alle Gottesverheißungen ist in Jesus Christus das Ja: darum sprechen wir auch durch ihn das Amen. Gott zur Ehre.                                                                    2. Korinther 1,20

    Wer sich an einen festlich gedeckten Tisch setzen darf, der hat meistens gleich mehrere leere Gläser vor sich stehen. Vielleicht nicht alle werden im Lauf des Festmahls gefüllt werden – aber doch einige. Deshalb stehen sie da: Als Zeichen, dass es etwas Gutes zu erwarten gibt.

    Wer sich mit Gott einlässt, der erlebt ganz Ähnliches: Dass Gott uns sein Versprechen gibt, dass da noch etwas ganz Besonderes, etwas Gutes, Segensreiches für uns kommt. Noch haben wir es nicht. Noch haben wir nur sein Wort – doch Gott verspricht: Das geht in Erfüllung. Ihr werdet es erleben. Der Glaube ist nach dem Hebräerbrief eine feste Zuversicht auf das, was man hofft und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht (Hebr 11,1). So wie uns ging es bereits den Menschen, die sich im Alten Bund, im Alten Testament auf Gott eingelassen haben. Auch ihnen hat Gott Ver­heißungen, Zusagen, Versprechen gegeben. Er hat ihnen Gutes, Segensreiches in Aussicht gestellt.

    Und dann hat er es erfüllt. Dann wurden die Gläser an der festlichen Tafel gefüllt – gefüllt und erfüllt für den, der auf der Hochzeit zu Kana aus Wasser Wein gemacht hat: Jesus Christus. Gott sagt nicht einmal »Ja« und dann wieder »Nein«, Gott ändert seine Pläne nicht. Gott nimmt seine Zusagen nicht zurück. Gott sagt nicht »Vielleicht«. Gott sagt eindeutig »Ja« in Jesus Christus. »Ja« zu uns. Ja, er will uns haben. Ja, wir sollen zu ihm gehören. Ja, er will uns unsere Schuld vergeben. Ja, er nimmt uns an – ohne Vorbedingung. Ja, durch Jesus macht er uns zu seinen Kindern. Gott sagt »Ja« zu seinen früheren Zusagen. Gott erfüllt, was er verspricht.

    Und darum lohnt es sich, auf diesen Gott zu hören – und auf seinen Sohn, in dem Gott selbst zu uns kam, einer von uns wurde. Darum lohnt es sich, ihm zu glauben – auch wenn manche Verheißung auch für uns heute noch auf Erfüllung wartet. Was Gott verspricht, das geht in Erfüllung. Ganz gewiss. Darum: Glauben wir’s. Sagen auch wir »Amen«, d.h. »es gilt«. Wir werden nicht enttäuscht.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Freitag, 3. Juli 2020

    Deine Hände haben mich gemacht und bereitet; unterweise mich, dass ich deine Gebote lerne.

    Psalm 119,73

    Die beste Gebrauchsanweisung kommt vom Hersteller eines Produkts. Die klarste Erklärung eines Kunstwerks kommt vom Künstler, der es erschaffen hat. Der beste Hinweis zum Gebrauch kommt vom Erfinder. Denn keiner weiß besser Bescheid als der, der eine Sache gemacht hat. Nun geht es um unser Leben. Um uns Menschen. Unser Leben und v.a. auch unser Zusammenleben ist ein so komplexes Geschehen, dass die Menschen es bis heute nicht wirklich entschlüsselt haben. Nur ansatzweise, nur ganz vorsichtig an der Oberfläche gekratzt verstehen wir bis heute, wie menschliches Zusammenleben funktionieren könnte und wieso es nicht funktioniert. Den Großteil verstehen wir nicht. Deshalb sind Menschen nach wie vor unglücklich, gibt es Neid, Streit und Missgunst und zerbrechen menschliche Beziehungen – in der Familie, aber auch weltweit zwischen politischen Lagern und Ländern.

    Der Psalmbeter des 119. Psalms hat eine wichtige Erkenntnis gewonnen. Er hat die Antwort auf die Frage: Wo komme ich her? Nein, ich bin kein Produkt des Zufalls. Gott, das große „Du“, hat mich gemacht und bereitet: Deine Hände. Ich bin keine Massenware, ich bin Handarbeit. Ich bin wertvoll. Und ich bin gewollt. Da steckt ein Wille, eine Absicht dahinter, dass ich da bin – und zwar genau so wie ich bin. Es ist eine Lüge, wenn dir jemand einredet: Du bist nicht gut genug, du bist nicht schön genug. Gott hat dich gewollt, du bist von Gott geliebt – so wie du bist, weil er dich erschaffen hat.

    Nun tritt bei diesem Psalmbeter noch ein zweiter Gedanke zu diesem Wissen um Gott, den Schöpfer, der selbst Hand angelegt hat: Wenn er mich geschaffen hat, dann weiß er auch am Besten, wie mein Leben gelingt und was gut für mein Leben ist. Dann brauche ich seine Handlungsanweisung, seine Gebrauchsanweisung. Und er erkennt: Gottes gute Gebote – das sind keine Lebensbeschränkungen, sondern das ist die beste Gebrauchsanweisung für ein gelingendes Leben. Das ist Lebensermögli­chung. Und darum ist er begierig, sie zu lernen. Der Schöpfer selbst soll ihn unterweisen.

    An beidem hat sich durch die Jahrtausende bis heute nichts geändert. Wir sind immer noch Gottes Geschöpfe – genau wie der Pslambeter. Und immer noch gibt es keine bessere Lebensanleitung als Gottes gute Gebote. Lernen doch auch wir sie – und leben wir danach.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Donnerstag, 2. Juli 2020

    HERR, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen.       Psalm 8,2

    Der Psalmsänger David staunt über Gott. Das hebräische Wort im Urtext, das er zur Beschreibung Gottes gebraucht, heißt »groß, gewaltig« und kann sich auch auf Bäume, Schiffe, Könige oder Völker beziehen. Es kann »vornehm« oder »kostbar« bedeuten oder eben Gottes Majestät und Herrlichkeit beschreiben. Etwa im Psalm 76,5: Du bist herrlicher und mächtiger als die ewigen Berge. Oder im 93. Psalm: Die Wasserwogen im Meer sind groß und brausen mächtig, der HERR aber ist noch größer (oder: herrlicher) in der Höhe. Zweimal aber in der Bibel wird dieses Eigenschaftswort im Zusammen­hang mit Gottes Namen gebraucht: wie herrlich ist dein Name in allen Landen. In unserem Losungsvers aus dem 8. Psalm und im Schlussvers genau desselben Psalms, wo die Wendung aus der Losung wortwörtlich wiederholt wird. Der ganze Psalm ist also eingerahmt von diesem Staunen über den großen Namen Gottes.

    Der Name Gottes ist herrlich. Darüber staunt David. Darüber ist er froh und darüber lobt und preist David Gott. Der Name macht unverwechselbar. Und der Name macht ansprechbar. Wer den Namen eines andern nicht kennt, weiß nicht, wie er ihn erreichen kann. Auf Gott übertragen: Wer nur ahnt, dass da doch noch »mehr« sein muss als das, was wir an Sichtbarem und Erklärbarem in der Welt vorfinden, dass es da doch noch ein »höheres Wesen« geben muss, der tappt im Blick auf Gott noch im Dunkeln. Doch David weiß mehr. Er weiß nicht nur, dass Gott diese Welt geschaffen hat, er kennt auch seinen Namen. Denn Gott hat sich gezeigt, hat den Menschen seinen Namen dagelassen, damit sie ihn anrufen können. Damit sie eine klare Adresse haben, an die sie sich mit allem wenden können, was sie bewegt: Ihrer Freude, ihrem Dank, ihrem Lob – aber auch ihrer Not, ihren Sorgen und Ängsten. Gott ist ansprechbar. Gott ist erreichbar. Und Gott will in Beziehung zu uns treten: unser Herrscher nennt David ihn in diesem Vers. Es gibt viele Abhängigkeiten, in die Menschen geraten können, die nicht gut sind: Süchte, aus denen man nur schwer wieder rauskommt. Doch diese eine Abhängigkeit, die ist einzigartig gut für unser Leben: Dass Gott unser Herr ist. Dass wir zu ihm gehören und ihn über alle Dinge lieben, fürchten und ihm vertrauen.

    Es gibt eine Adresse, es gibt einen, bei dem unser Lob, unser Dank, aber auch unsere Sorge gut aufgehoben ist. Einer, der als guter Herr für uns sorgen will. In Jesus Christus hat dieser gute Gott uns sein Gesicht gezeigt und wie er es im Tiefsten seines Herzens mit uns meint. Seitdem ist es der Name Jesus – das heißt wörtlich: Gott rettet – den wir als herrlichen Namen preisen dürfen. Es gibt Rettung, es gibt Halt, es gibt einen, der uns nicht loslässt: Jesus ist sein Name. Er ist herrlich und sein Name ist herrlich – für uns und für die ganze Welt.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • add Andacht für Mittwoch den 1. Juli 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    heute beginnt ein neuer Monat und so wie die Herrnhuter Losungen für jeden Tag einen Bibelvers auswählen, genauer gesagt sogar zwei, nämlich die Losung aus dem Alten Testament und einen dazu passenden Vers, den Lehrtext, aus dem Neuen Testament, so gibt es auch für jeden Monat einen Vers aus der Bibel, der uns begleitet. Der Vers für Juli kommt aus dem ersten Buch der Könige und nimmt uns hinein in die Geschichte des Elia. Das war ein Mann, der im Auftrag des Herrn unterwegs war, im Auftrag des Gottes Himmels und der Erde. Das war immer wieder alles andere als einfach – Elia musste sich gegen die gottlose und oft auf den eigenen Vorteil bedachten Politik des Königs von Israel und seiner eigensüchtigen Frau stellen. Das Königspaar schreckte sogar vor Mord nicht zurück, wo Gegner nicht weichen wollten.

    Elia tritt dieser menschenverachtenden Politik entgegen, mutig und entschlossen. Er schwimmt damit gegen den Strom des Zeitgeists in Israel damals, er schaut nicht auf die Ansicht der Mehrheit, sondern auf das, was er vor Gott als richtig erkennt.

    Dieses mutige und entschlossene Eintreten ist auch für einen starken Charakter wie Elia nicht einfach. Es kostet ihn viel Kraft, Lebensmut und Freude. Es wird berichtet, wie er nach einem erfolgreichen öffentlichen Auftritt tief depressiv wird. Elia fühlt sich völlig am Ende, allein gelassen, ausgelaugt, am Ende aller Kräfte. Er ist unterwegs und so schmeißt er sich auf seinem Weg einfach unter einen Busch. Er ist so fertig, dass er sich wünscht, einfach nur sterben zu dürfen, damit aller Stress und alle Mühe ein Ende hat.

    In dieser Situation schickt Gott einen Engel zu ihm. Der hält dem Elia keine Predigt, sagt ihm keine frommen Worte, sondern – bringt ihm ein geröstetes Brot und einen Krug mit frischem Wasser. Elia isst und schläft und erholt sich. Dann kommt der Engel ein zweites Mal zu ihm und spricht den Elia an und das ist jetzt unser Monatsvers für Juli: Der Engel des Herrn rührte Elia an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir. (1. Kön. 19,7)

    Ist das nicht klasse? Der Elia meint, er sei am Ende. Gott sieht das anders. Er sorgt mit Essen, Trinken und Schlaf dafür, dass Elia wieder zu Kräften kommt – und dann schickt er ihn erneut los und macht ihm damit klar: Dein Leben hat Sinn, Du wirst gebraucht. Wo Sie am Ende sind – lassen Sie sich neu kräftigen mit Ruhe und mit all dem, was für Sie gut ist und was Ihnen gut tut. Dann und erst dann sind Sie auch wieder als jemand gefragt, der für andere aktiv wird.

    Vielleicht finden Sie sich in der Geschichte auch gar nicht in Elia wieder – sondern in dem Engel, der in seinem Tun und Sein wirklich ein Engel ist: Vielleicht entdecken Sie in diesem neuen Monat Juli, dass Sie als Engel für jemand anderes gefragt sind. Dass Sie dafür sorgen, dass ein anderer, eine andere neuen Lebensmut findet.

    Die Geschichte von Elia und dem Engel finden Sie in 1. Könige 19 – vielleicht lesen Sie sie in Ruhe noch einmal nach.

    Ich wünsche Ihnen einen zuversichtlichen Tag, Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für den 29. Juni 2020 (Tag der Apostel Petrus und Paulus - kurz "Peter und Paul")

    Andacht für 29. Juni 2020

    Am Tag der Apostel Petrus und Paulus grüße ich Sie mit dem Spruch, der über diesem Tag steht.

    Mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus und große Gnade war bei ihnen allen.                                                                                                        Apostelgeschichte 4,33

    Was macht einen Apostel Jesu Christi aus? Es ist ganz einfach: Er bezeugt die Auferstehung des Herrn Jesus. Und zwar mit seinen Worten und mit seinem Leben. Die Apostel sind Menschen, die von Jesus gerufen wurden und von ihm ergriffen sind. Das besondere an den neutestamentlichen Aposteln ist, dass sie allesamt Augenzeugen des Auferstandenen sind. Auch Paulus übrigens, der ja erst nach der Himmelfahrt von Jesus Apostel wurde – dort vor Damaskus. Da ist ihm Jesus begegnet. Er bezeugt im großen Auferstehungskapitel in 1. Kor 15:  Zuletzt ist er auch von mir als einer unzeitigen Geburt gesehen worden. Denn ich bin der geringste unter den Aposteln, der ich nicht wert bin, dass ich ein Apostel heiße., weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe. Aber durch Gottes Gnade bin ich was ich bin.

    »Gnade«, das ist das andere Stichwort, was einen Apostel ausmacht. Gnade ist ein Beziehungsbegriff. Gnade heißt Geschenk. Ein Apostel lebt davon, dass Gott, dass Jesus sich ihm zuwendet – unverdient. Die Initiative geht allein von Gott aus. Deshalb gebührt das ganze Lob auch Gott.

    Und spätestens jetzt wird klar, dass auch die »große Kraft«, von der im Eingang des Verses die Rede ist, nicht aus den Aposteln selbst kommt – nicht ihre Willensstärke oder ihre Entschlusskraft ist – sondern von dem Gott, der sie berufen hat – von Jesus. Alles, was sie sind und haben, verdanken sie Jesus.

    Die Apostel des Neuen Testaments sind einzigartig – auch in ihrer heilsgeschichtlichen Bedeutung. Es gibt heute keine solchen Apostel mehr. Ihr Zeugnis, aufgeschrieben im Neuen Testament, aber ist bis heute der Grund der Kirche Jesu Christi – erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten. Doch die Kraft, die in ihnen mächtig war – und die Gnade, die sie erlebten – die kommen von Jesus. Und er ist derselbe auch für uns heute. Auch wir dürfen und wollen mit ihm leben und von ihm abhängig sein.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 22.06. bis 28.06.

  • add Andacht zum 3. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest zum Wochenspruch

    Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.   Lukas 19,10

    So sagt es Jesus am Ende des Berichts von der Begegnung mit dem Zöllner Zachäus. Es ist eine Geschichte mit ansteckender Freude. Die Begegnung mit Jesus hat sein Leben umgekrempelt. Aus dem Oberzöllner, der wohl gern auch mal etwas mehr die Hand aufhielt als es eigentlich vorgesehen war, wird ein Mensch, der zurückgefunden hat in die Gemeinschaft mit Gott – durch Jesus. Die Freude ist nicht ungetrübt, denn es gibt Skeptiker, die den Zachäus längst in die Schublade »Sünder« gesteckt haben und ihn da auch nicht mehr herausholen wollen.

    Am Ende der Geschichte macht Jesus mit dem Wochenspruch deutlich: Verlorene Menschen, Sünder und Gottlose zu suchen und zu Gott zurückzubringen, das ist kein Nebeneffekt seiner Sendung, sondern das ist der Kern seines Auftrags. Fett prangen auf den Seenotrettungskreuzern und auf Rettungshubschraubern drei Buchstaben »SAR« Es ist die Abkürzung für den englischen Ausdruck: »search and rescue« zu deutsch: »suchen und retten«. Auch wenn der Hubschrauber am Boden steht oder das Rettungsschiff im Hafen liegt – sie stehen und liegen nur da, um genau für diesen Zweck gebraucht zu werden, der mit großen Buchstaben auf sie draufgeschrieben ist: Um Menschen in Not zu suchen und zu retten.

    In Gottes Augen sind wir alle rettungsbedürftig. Denn wir alle leben nicht mehr von Natur aus in der Gemeinschaft mit Gott, wie sie sich der Schöpfer ursprünglich gedacht hat. Wir haben das Paradies verloren. Doch Gott will uns nicht verloren geben. Gott will, dass wir gerettet werden. Und wie die Retter am Berg, zu Lande, zu Wasser oder in der Luft ihr Leben riskieren, um zu retten, so riskiert Jesus nicht nur sein Leben, sondern gibt es hin, damit wir mit Gott versöhnt werden. Damit wir wieder heimfinden zu Gott. Damit uns die Tür geöffnet ist zurück ins Vaterhaus. Damit auch wir die Freude erleben, die Zachäus erlebte – durch Jesus, den Sucher und Retter Gottes.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Samstag, 27. Juni 2020

     

    Ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus: Obwohl er reich ist, wurde er doch arm um euretwillen, auf dass ihr durch seine Armut reich würdet.                      2. Korinther 8,9

    „Gnade“ ist heute ein Wort, das viele Menschen nicht mehr verstehen. Gnade bedeutet Zuwendung – ganz unverdient. Gnade ist kein Automatismus und kann auch nicht eingefordert werden. Wenn sich beim Sonnenuntergang die Sonne rot färbt und sich dem Horizont nähert, dann sagte man früher: „es genahet“. Was Gnade ist, erklärt Paulus im heutigen Lehrtext: Jesus Christus, Gottes Sohn schenkt sie uns. Und sie besteht darin, dass er für uns arm wird. Dass er den Reichtum des Himmels zurücklässt, um ganz einer von uns zu werden. Die Herrlichkeit in Gottes ewiger Welt lässt er zurück, um uns nahe zu kommen und um uns das zu geben, was wir uns nicht verdienen oder erarbeiten könnten: dass wir zu Gottes Kindern werden und zu Erben der himmlischen Herrlichkeit. Jesus macht’s, indem er alles hergibt, ja, indem er sogar sein Leben loslässt für uns. Und er macht es aus reiner, bedingungsloser Liebe zu uns. Wir sind geliebt und wir werden beschenkt durch Jesus, reich beschenkt, überreicht – mit dem ewigen Leben.

    Zwei Dinge sind bei diesem Vers wichtig: Das erste: Es geht um Jesus. Den unermesslichen Reichtum Gottes bekommen wir nur durch ihn. Jesus ist für uns der einzige Zugang zu Gott. Er ist nicht mit irgend einer anderen Person austauschbar und was er für uns getan hat im Blick auf unser Verhältnis zu Gott, ist durch nichts und niemand anderen zu ersetzen. Und das Zweite: Wenn er seinen unermesslichen Reichtum aus Liebe zu uns hergegeben hat, um uns reich zu machen, dann sollte das auch uns heute schon als von ihm Beschenkte prägen: Dass wir etwas von unserem viel kleineren Reichtum hergeben, damit anderen Menschen geholfen werden kann. Begnadigte leben anders und von Jesus Beschenkte sollen zu Schenkenden werden.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Freitag, 26. Juni 2020

    Die Welt vergeht mit ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit.

    1 Johannes 2,17

    „Wer billig kauft, kauft zweimal“ lautet eine Weisheit, die ich je länger je mehr bestätigen kann. Wie oft habe ich schon im Schnäppchen-Modus irgendetwas Billiges gekauft: Kleider oder ein Gerät, um dann nach kürzester Zeit festzustellen: Es hält, wenn überhaupt, höchstens während der Garantiezeit. „Wer billig kauft, kauft zweimal.“ Nachhaltiges Einkaufen sieht anders aus: Da zählt die Qualität und die Lebensdauer.

    Und in unserem Leben? Worauf setzen wir da? Mit unserem Lebenskonzept, mit unseren Entscheidungen, mit den Schwerpunkten, die wir setzen: Auf diese Welt, auf das, worauf alle Welt aus ist? Genuss, Luxus, Bequemlichkeit, Erleben… Johannes stellt nüchtern fest: Das alles ist „billige Ramschware“ wie beim „billigen Einkauf“. Es hält nicht, es trägt nicht; es ist nicht nachhaltig für unser Leben. „Die Welt vergeht mit ihrer Lust“ ist die nüchterne Analyse. Halte dich damit nicht auf! Orientiere dich nicht daran. Aber es gibt einen, der nicht vergeht, der nicht verwelkt und verschleißt: unseren Gott. Das Lebenskonzept, zu dem uns der heutige Lehrtext einlädt heißt schlicht: Halte dich an diesen Gott. Frage, was sein Wille ist. Höre auf das, was er dir zu sagen hat – in der Bibel, wo uns sein Wille geoffenbart ist. Und dann tu es! Halte dich mit deinem ganzen Leben daran. Denn wer mit ihm lebt, wer seinen Willen tut, der lebt in Ewigkeit. Gottes Wille? Das ist zunächst einmal nicht eine lange Liste von Geboten, die wir abarbeiten sollen. Das ist zu allererst, dass Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen – durch Jesus Christus. Dass Menschen nicht mehr ohne, sondern ihr Leben mit Gott leben, ihm von Herzen vertrauen, ihn lieben und ihm gehorchen. Etwas Besseres, Nachhaltigeres als mit ihm zu leben und auf ihn zu hören, gibt es nicht.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Donnerstag, 25. Juni 2020

    Ich, der HERR, bin dein Heiland, und ich, der Mächtige, dein Erlöser.    Jesaja 60,16

    Was für eine Selbstvorstellung! Im Wahlkampf rücken Politiker sich ins beste Licht, erzählen von ihren Erfolgen und verkünden, wofür sie stehen. Doch wie viele Wahlkampfversprechen wurden schon gebrochen. In Bewerbungsmappen und bei Vorstellungsgesprächen zeigen sich Anwärter für eine Posten von ihrer besten Seite, berichten von ihrer Erfahrung und ihren Erfolgen. Doch wir alle wissen: Es werden auch Misserfolge nicht ausbleiben. Ganz anders bei unserem Gott: Er hält, was er verspricht. Seine Ansage geht in Erfüllung.

    Gott stellt sich vor. Er stellt sich vor als Heiland, als Retter und als Erlöser. Und zwar als „der Mächtige“. Und wenn er „der Mächtige“ ist, dann gibt es keinen, der mächtiger ist. Niemand kann ihm widerstehen, niemand gegen ihn siegen. Auch nicht die Mächte, die unser Leben bedrohen. Damals war es das verachtete, geschundene Volk Israel, das zum Spielball der Völker geworden ist. Gott hat den Feinden freien Lauf gelassen, nachdem Gottes Volk sich immer und immer wieder andere Göttern zuwandte und auf Gottes Gebote gepfiffen hat. Doch auch ihre Schuld ändert nichts an seiner Liebe, an seiner Sehnsucht nach seinen Menschen. Gott liebt dieses Volk nach wie vor – bis heute. Und er will eingreifen und retten. Was Gott seinem Volk Israel verspricht, das hält er, das wird er in Erfüllung gehen lassen – und sei es, dass es bis ans Ende der Zeit dauern wird. Aber es geht in Erfüllung. Und auch uns gilt Gottes Rettungszusage in Jesus Christus: Gott sehnt sich nach seinen Menschen. Er will mit uns leben, sich mit uns verbinden. Jesus ist gekommen, zu suchen und zu retten, was verloren ist. Was für ein Gott! Was für eine Selbstvorstellung! Was für eine Einladung, ihm zu vertrauen und mit ihm zu leben!

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 24. Juni 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    die Herrnhuter Tageslosung für heute kommt aus Psalm 147: „Er sendet seine Rede auf die Erde, sein Wort läuft schnell.“ Sein Wort, damit ist Gottes Wort gemeint. Im Losungsbüchle stehen dazu Zeilen von Dietrich Bonhoeffer, einem evangelischen Pfarrer, der sich im Nazireich dem Widerstand anschloss, deshalb verhaftet wurde und schließlich hingerichtet wurde.

    Bonhoeffer schreibt zu „Gottes Wort“:

    „Wo Gottes Wort bei mir ist, finde ich in der Fremde meinen Weg, im Unrecht mein Recht, in der Ungewissheit meinen Halt, in der Arbeit meine Kraft, im Leiden die Geduld.“ In der einsamen und unsicheren Gefängniszeit hat das Bonhoeffer all das intensiv erlebt: Unrecht, Ungewissheit, Leiden. Aber auch: Recht bei Gott, Halt, Kraft, Geduld. Dass er im Gefängnis bei aller Verzweiflung und auch Selbstzweifel doch immer wieder Geborgenheit erlebt hat und sogar andere ermutigen konnte, war erstaunlich und ein Geschenk.

    „Wo Gottes Wort bei mir ist“ – wir können fragen: wie kommt es denn zu mir, wie erreicht es mich?

    Wir können es nicht erzwingen. Wir können nicht Gott durch irgendeine religiöse Praktik zum Reden bewegen. Wir können ihn nur schlicht und ergreifend darum bitten: Gott, Vater, Bruder, Retter, Jesus - ich brauche Dein Wort, Dein Reden so dringend für mein Leben. Bitte sprich Du zu mir mit Deinem lebensspendenden Wort. Jesus sagt: Bittet, so wird euch gegeben, suchet, so werdet ihr finden. Wo Du Gott bittest, dass er zu Dir spricht, wird er es tun! Gib ihm auch eine Chance, dich zu erreichen, indem Du wartend und hörend bist, Dich zum Beispiel in den Gottesdienst einladen lässt. Dort erleben viele von uns, dass es im still Werden leichter fällt, Gottes Wort zu hören als im übervollen Alltag.

    „Wo Gottes Wort bei mir ist, finde ich in der Fremde meinen Weg, im Unrecht mein Recht, in der Ungewissheit meinen Halt, in der Arbeit meine Kraft, im Leiden die Geduld.“ Ich wünsche Ihnen einen zuversichtlichen Tag, Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für Dienstag, 23. Juni 2020

    Gottes Wort ist nicht gebunden.             2. Timotheus 2,9

    Das sagt einer, der selbst gebunden ist: Paulus. Im ersten Teil dieses Verses spricht er von seinem Ergehen, von seinem Leiden bis dahin, dass er eben wie ein Verbrecher festgesetzt und eingesperrt ist. Unfrei, gebunden! An Gott zu glauben, heißt oft nicht, dass sich die Probleme und Schwierig­keiten einfach in Wohlgefallen auflösen. Auch heute leiden weltweit Tausende von Christen unter Anfeindung oder Verfolgung, nur weil sie an Jesus glauben. Nein, der Glaube ist kein Schutz-Zauber und keine Vollkasko-Versicherung. Aber es ist der Glaube an den Gott, dem alles möglich ist und der nicht aufzuhalten ist. Unsere Möglichkeiten mögen begrenzt sein, Gottes Möglichkeiten sind unbegrenzt. Unsere Reichweite, auch wo wir das Wort Gottes, das Evangelium von Jesus Christus verkündigen, mag an Grenzen stoßen – wenn Gottesdienste in der Kirche nur mit Abstand von 2m gefeiert werden können. Doch das Wort von Gott läuft um die Welt. Es lässt sich nicht aufhalten. Jesus wird verkündigt und Menschen kommen zum lebendigen Glauben an ihn. Denn auch da, bei denen, bei denen es ankommen soll, durchbricht es alle Bindungen. Bindungen der Gleichgültigkeit, Bindungen der Gewohnheit, dass man sich sein Leben eingerichtet hat ohne Gott. Gottes Wort lässt sich nicht einsperren und es lässt sich nicht aussperren – auch nicht aus Menschenherzen.

    Das ist es, was diesen Apostel Paulus so zuversichtlich stimmt: Gottes Wort ist nicht gebunden. Gottes Wort – das ist das Evangelium, die frohe Botschaft von Gottes Liebe in Jesus Christus, dem Gekreuzigten. Es ist Gottes Wort, denn Gott wirkt durch dieses Wort den Glauben in Menschen. Es ist wie en Samenkorn das aufgeht oder wie das Schöpferwort, das bewirkt, wozu es ruft: Es werde Licht und es ward Licht. Deshalb bejammert Paulus nicht sein Schicksal; sondern schaut zuversichtlich auf Gott und sein Wort. Und auch wir dürfen darauf vertrauen, dass das bis heute gilt: Gottes Wort ist nicht gebunden. Gott lässt sich nicht aufhalten. Er kommt mit uns und mit seiner Welt zum Ziel.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 22. Juni 2020

    Alle gute Gabe und alle vollkommene Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts.

    Jakobus 1,17

    Auf die richtige Dosierung kommt es an. Nicht nur bei Arzneimitteln, sondern auch in unserem Leben und Glauben. Das Wort »Dosis« steht tatsächlich im griechischen Urtext, wo die Lutherbibel das erste Mal mit Gabe übersetzt. »Dosis« bedeutet »Gabe«. Jakobus ist überzeugt: Was wir Gutes empfangen in Gottes Schöpfung, das geht auf Gott selber zurück, auf den »Vater der Lichter«, auf den, dem Sonne, Mond und die Sterne ihre Existenz und ihr Licht verdanken. Die sichtbare Schöpfung ist ein Abglanz der unsichtbaren, ewigen Welt Gottes. Gott meint es gut – das ist die Botschaft aller guten Gaben, die wir von Gott empfangen, tagtäglich. Ob uns das bewusst ist oder nicht. »Dass unsre Sinnen wir noch brauchen können und Händ‘ und Füße, Zung‘ und Lippen regen das haben wir zu danken seinem Segen«. Nein, ich glaube nicht an eine zufällige Entwicklung und Höherentwicklung der Welt. Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer und Erhalter des Himmels und der Erden. Die Schöpfung ist ein starker Hinweis auf ihn, den Schöpfer – wenn man es denn wahrnimmt, wie Paulus es im Römerbrief schreibt.

    Nun tritt aber neben die gute Gabe, die ich auf die Schöpfungsgaben gedeutet habe, noch eine andere: Das »vollkommene Geschenk«. Für mich steht diese Wendung für das, was uns diese Schöpfung, diese Welt nicht bieten kann – und was wir uns auch nicht selbst nehmen können. Das, was Gott uns durch seine Gnade schenkt, durch seine Zuwendung: Vergebung, ewiges Leben, die Ewigkeit. »Vollkommen« ist sie – und das unterscheidet sie von allem, was diese Welt zu bieten hat. Denn hier auf dieser Welt begegnet uns zwar viel Schönes, aber nichts Vollkommenes. Auch wir Menschen sind nicht vollkommen, außer dem Einen, der von Gott selber kam, Jesus Christus, der ohne Sünde war. Er ist das vollkommene Geschenk Gottes. Und er bringt nicht etwas mit, wenn er uns begegnet, etwas, was er daließe. Er selbst bleibt bei uns, lebt in uns durch seinen Heiligen Geist und prägt und gestaltet unser Leben, wenn wir ihn denn wirken lassen. In Jesus Christus kommt Gottes vollkommene Gabe und zieht in unserem Herzen ein. Und er bleibt, weicht nicht mehr von uns und bringt uns an sein Ziel. Das ist Grund zur Zuversicht und zur Freude – egal, was äußerlich um uns herum geschieht.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 15.06. bis 21.06.

  • add Andacht für den 2. Sonntag nach Trinitatis, 21. Juni 2020

    Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.   Matthäus 11,28

    Was für eine Einladung! Wie gut tut es, wenn man sich nach einer großen Anstrengung – schwerer Arbeit in der Hitze im Garten oder einer langen Wanderung oder Radtour an einem guten Schluck Mineralwasser »erquicken« kann. Sportler schwören auf isotonische Getränke, die noch weitere Elemente enthalten, die den Körper schneller wieder zu Kräften kommen lassen. Für Normalsportler ist übrigens Apfelschorle das beste isotonische Getränk. Da steckt alles drin, was für unseren Körper gut ist.

    Die Einladung von Jesus zielt auf erschöpfte Menschen, auf Mühselige und Beladene. Und zwar in einem viel weiteren Sinn als alle Mineral- und Heilwasser und isotonischen Getränke. Ihm geht es nicht nur um körperliche Erschöpfung. Ihm geht es um den ganzen Menschen. Wir Menschen sind eine Einheit aus Körper, Seele und Geist. Und Erschöpfung, Mühsal und Last können wir auf allen diesen Ebenen erfahren. Und Jesus lädt ein – zu sich! Er gibt nicht Ratschläge, er verteilt nicht Rezepte. Er verweist nicht auf irgend ein Heilmittel oder eine Therapie. Er lädt ein zu sich, zum Vertrauen auf ihn, zum Bleiben bei ihm.

    Nicht irgendetwas brauchen wir, um mit unserem Leben – gerade auch in schwierigen Zeiten – zurecht zu kommen, sondern ihn, Jesus Christus, den Sohn Gottes. Er ist der Helfer, der Retter, der, der uns aufatmen lässt. Er klärt unser Verhältnis zu Gott. Er nimmt uns die Last unserer Schuld ab. Und er schenkt uns seine Vergebung. Er macht aus gottlosen Leuten durch den Glauben an ihn Kinder Gottes und Erben der Herrlichkeit. Menschen, die sich vor ihrer Zukunft fürchten, nimmt er an die Hand und öffnet ihnen die Tür zum ewigen Leben.

    Alles kommt darauf an, diese Einladung zu hören und ihr zu folgen. Oder wie es Georg Weissel ausdrückte: »Ach sucht doch den, lasst alles stehn, die ihr das Heil begehret; er ist der Herr und keiner mehr, der euch das Heil gewähret. Sucht ihn all Stund von Herzensgrund, sucht ihn allein, denn wohl wird sein dem, der ihn herzlich ehret.«

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Samstag, 20. Juni 2020

    Was der HERR tut, das ist herrlich und prächtig, und seine Gerechtigkeit bleibt ewiglich.  

    Psalm 111,3

    Heute beginnt astronomisch der Sommer. D.h. heute steht die Sonne senkrecht über dem nördlichen Wendekreis. Heute ist der längste Tag des Jahres und die kürzeste Nacht. Der Sommer ist im Gefüge der Jahreszeiten die Zeit des Reifens. Mir fällt natürlich das Sommerlied von Paul Gerhardt ein: »Geh aus, mein Herz und suche Freud‘« Ja, der Sommer ist eine Zeit der Freude. Paul Gerhardt staunt über die Schönheit der Natur, die er  in so vielen Bildern in diesem Lied beschreibt. In der 8. Strophe dann kommt er auf den Urheber all dieser Schönheit und Naturwunder zu sprechen – ganz im Sinne der heutigen Losung: »Ich selber kann und mag nicht ruhn, des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle Sinnen; ich singe mit, wenn alles singt, und lasse, was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen«. Ja, was unser Gott tut, das ist herrlich und prächtig.

    Doch der Psalmbeter hat nicht nur diese Welt im Blick. Er hat auch die Perspektive der Ewigkeit: Seine Gerechtigkeit bleibt ewiglich. Genau wie auch der Pfarrer und Liederdichter Paul Gerhardt: »Ach, denk ich, bist du hier so schön und lässt du’s uns so lieblich gehen auf dieser armen Erden: was will doch wohl nach dieser Welt dort in dem reichen Himmelszelt und güldnen Schlosse werden?«

    Die Schönheit der Schöpfung Gottes hier auf dieser Erde, werden wir nie bis ins Letzte ausloten und entdecken können. Es wird immer etwas geben, das wir noch nicht kannten. Auch den Naturfor­schern – ob sie an Gott als Schöpfer glauben oder nicht – ist das bewusst. Spätestens, wenn man die Weite des Universums in den Blick nimmt. Wie viele Galaxien, jede mit Millionen und Milliarden von Sonnen und Planeten gibt es da! Das alles aber ist nur die sichtbare und erforschbare Seite der Wirklichkeit. Gottes Himmel, Gottes unsichtbare Welt und die Ewigkeit sind noch viel größer und herrlicher. Das Sichtbare ist nur ein Abglanz des Unsichtbaren. Und das können wir gar nicht erforschen.

    Aber staunen können wir – genau wie Paul Gerhardt. Und Gott loben – genau wie der Psalmbeter im 111. Psalm. Wir dürfen den kennen, der all das geschaffen hat. Dessen Tun herrlich und prächtig ist. Wir dürfen mit ihm leben und ihm vertrauen. Und durch Jesus dürfen wir ihn sogar Vater nennen. Was für ein Gott!

    Pfarrer Andreas Streich  

  • add Andacht für Freitag, 19. Juni 2020

    Der HERR spricht: Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst.

    Psalm 32,8

    Wer sich schon einmal ohne Stadtplan und Navigationssystem in einer fremden Stadt verfahren hat, der weiß, wie wertvoll eine klare Wegweisung ist. Wie oft habe ich schon in einer solchen Situation nach einem Passanten oder Anwohner Ausschau gehalten. Und wenn ich jemand gesehen habe, habe ich das Fenster runtergekurbelt, um nach dem Weg zu fragen. Und wie gut tat es, wenn ich dann eine klare Wegbeschreibung bekam, die mich an mein Ziel führte.

    Genau das verspricht uns Gott in der heutigen Losung: Klare Wegweisung für unser Leben. Weg­weisung auch in »verfahrenen« Situationen. Psalm 32 ist der zweite Bußpsalm in der Sammlung der Psalmen. Eine Unterweisung Davids, eines Mannes, der um persönliche Schuld weiß. Wie gut, dass Gott uns auf unseren falschen Wegen nicht laufen lässt. Wie gut, dass er uns die Möglichkeit zur Umkehr schenkt, zu einem Neuanfang. Nirgends erfahren wir das deutlicher als bei Jesus Christus, dem Retter, der gekommen ist, Sünder zu suchen und selig zu machen. Zuerst sucht und befreit Gott uns. Und dann bringt er uns zurück und nimmt uns an der Hand. Gott gibt uns seine guten Gebote an die Hand, damit wir den Weg finden und gehen können, der gut für uns ist.

    Wenn Menschen nach Gottes Wegweisung fragen – dann sollen und dürfen wir zuerst an seine Gebote denken. Menschen jüdischen Glaubens haben sogar ein Fest der Freude über die Weisungen Gottes: Simchat Tora heißt es. Da tanzen erwachsene Männer voller Freude mit der Rolle mit den 5 Büchern Mose im Arm und singen. Weil sie wissen: Wir sind von unserem Gott nicht einfach nur in diese Welt hineingestellt – nach dem Motto: Jetzt finde mal deinen Weg… Sondern: Gott hat wahrgemacht, was er hier verspricht: Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst. Und diese Wegweisung in der Bibel, in den Gebeoten, ist Grund zur Freude und Grund zum Gehorsam. Denn alles andere als den Weg zu gehen, den Gott mir so klar in seinem Wort zeigt, wäre wirklich töricht.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Donnerstag, 18. Juni 2020

    Es ist der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.                                                                     Hebräer 11,1

    Ein Junge, gerade mal 14 Jahre alt, möchte gerne an Gott glauben. Er hat viel von Jesus gehört – im Konfirmandenunterricht. Aber ihn beschäftigt unablässig eine Frage: Glaube, was ist das eigentlich? Diese Frage lässt ihn nicht los. Dann kommt der Konfirmationssonntag. Er wird gefragt, ob er mit Jesus leben möchte. Er bekommt Gottes Segen zugesprochen und er bekommt ein Bibelwort, einen Denkspruch. Sein Denkspruch ist unser heutiger Lehrtext. Der Junge hört den Vers, liest ihn nochmals auf der Karte nach und dann beginnt sein Gesicht zu strahlen. Das ist die Antwort auf die Frage, die ihn so beschäftigt hat. Nun weiß er für sein ganzes Leben, was Glaube ist und hält an diesem Glauben fest.

    Glaube ist ja nicht gleich Glaube. Das wird an dieser Definition von Glaube im Hebräerbrief deutlich. Dieser Glaube ist etwas anderes als eine vage Vermutung. Glaube heißt eben gerade nicht »nicht Wissen«. Ganz im Gegenteil: Glaube heißt: Die Antwort in Gottes Wort auf die Lebensfragen gefunden zu haben. Und nun diesen Zusagen zu vertrauen – gegen allen Augenschein. Seiner Zusage vertrauen, dass er uns in Jesus Christus unsere Schuld vergibt und uns zu seinen Kindern macht. Seinem Versprechen vertrauen, dass er alle Tage bei uns ist – auch wenn wir ihn mit unseren Augen sehen. Und seiner Verheißung vertrauen, dass er uns durch Jesus das ewige Leben schenkt. Seinen Geboten vertrauen, dass sie seine guten Hilfen sind, damit wir die Freiheit, die er uns schenkt, bewahren können. Glaube heißt – ganz einfach ausgedrückt – Gott vertrauen. Und zwar von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all unserem Gemüt. Gott über alle Dinge fürchten, lieben und ihm vertrauen. Das heißt Glauben. Oder wie es in einem Lied heißt: »Glauben heißt vertrauen Gottes Vaterhut; Glauben ist ein Bauen auf des Heilands Blut. Glauben ist ein Reifen in des Geistes Zucht; Glauben heißt ergreifen der Erlösung Frucht.« (W. Klingberg)

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 17. Juni 2020

    Wwie geht es Ihnen heute? Haben Sie Freude an dem, was Sie tun? Haben Sie wirkliche Motivation für das, was heute ansteht, was Sie angehen wollen oder müssen? Vielleicht sagen Sie: ja, ich bin voll motiviert und freue mich echt auf den Mittwoch heute. Vielleicht aber denken Sie für sich: Na, der hat Ideen, wenn der wüsste, was bei mir ansteht und wie es mir geht oder besser gesagt, nicht geht.
    Die Tageslosung aus Psalm 100 für heute ist ein Anstoß, den Tag positiv und dankbar anzugehen. Ja, der ganze und nicht allzu lange Psalm 100 ist so etwas wie eine Motivation, dankbar zu leben. Und zwar nicht aus einer billigen Ich-rede-mir-das-Leben-schön-Haltung heraus. Sondern mit der Erinnerung daran, was und wie viel mir geschenkt ist.
    Ich lese die wenigen Verse dieses Psalms 100:
    Jauchzet dem HERRN, alle Welt!
    Dienet dem HERRN mit Freuden,
    kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken!
    Erkennet, dass der HERR Gott ist!
    Er hat uns gemacht und nicht wir selbst
    zu seinem Volk und zu Schafen seiner Weide.
    Gehet zu seinen Toren ein mit Danken, /
    zu seinen Vorhöfen mit Loben;
    danket ihm, lobet seinen Namen!
    Denn der HERR ist freundlich, /
    und seine Gnade währet ewig
    und seine Wahrheit für und für.
    Geh Deinen Tag dankbar und positiv an, ermuntert der Psalmbeter. Und zwar deshalb, weil alles, was in Deinem Leben zählt und Wert hat, Geschenk ist. Dein Leben; dass Du einzigartig und wunderbar gemacht bist – ja Du, nicht nur andere!; das, was Dir an Gesundheit geschenkt ist; deine Familie, deine Arbeit, deine Hobbies und noch manches mehr.
    Der Dichter, der Beter fasst das so zusammen: „ER hat uns gemacht und nicht wir selbst.“ Und stellt fest: „Der Herr ist freundlich und seine Gnade währet ewig.“ Heißt: da, wo Dir mit Dir selbst längst schon die Geduld und Nachsicht ausgegangen ist, da ist es Dein Schöpfer und Dein Retter noch lange nicht. Er ist mit Dir barmherzig. Und Du darfst ihm dafür danken, indem Du heute auch mit anderen, die Dir begegnen, barmherzig bist.
    Ich wünsche Ihnen einen zuversichtlichen Tag, Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für Dienstag, 16. Juni 2020

    Jesus spricht: Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger.

    Johannes 8,31

    Ich habe in meinem Bücherregal eine englische Bibel stehen. Es ist eine „Red Letter Edition“, also eine Ausgabe, die nicht nur schwarze, sondern auch rote Buchstaben (red letters) enthält. Mit roten Buchstaben ist darin all das gedruckt, was Jesus sagt. Auch auf Deutsch gibt es inzwischen solche Bibelausgaben. Ich finde das sehr hilfreich. Rot ist eine Signalfarbe. Rot sticht ins Auge. Rot schreiben wir alles, was besonders wichtig ist. Für Christen sind die Worte von Jesus wichtig. Was eine Jüngerin oder einen Jünger ausmacht ist das genaue Hinhören. Hinhören nicht nur mit den Ohren, sondern mit dem Herzen. Das meint die Wendung »Bleiben an meinem Wort«. Nicht nur zur Kenntnis neh­men – nicht nur als Redebeitrag unter vielen anderen. Sondern: Es als die entscheidende Weg­weisung für mein Leben hören und dann auch tun. Am Ende der Bergpredigt sagt Jesus: »Wer diese meine Rede hört und tut sie…«. Denn darum geht es: Um das Tun, um den Gehorsam. Das Wort von Jesus Christus hat Ewigkeitscharakter. Es ist Wort von Gott. Gott hat durch Menschen gesprochen, durch Propheten und auf vielerlei Weise – wie es im ersten Vers des Hebräerbriefs heißt. Aber ab­schließend »in diesen letzten Tagen« hat Gott durch seinen Sohn zu uns gesprochen. Und Men­schen haben es aufgeschrieben.

    Immer wieder gab und gibt es Zweifel, ob denn alles, was da von anderen aufgeschrieben wurde, wirklich von Jesus gesagt wurde. Doch alle Versuche, die echten von den vermeintlich unechten Jesus-Worte zu unterscheiden, haben zu keinem klaren Ergebnis geführt. Es wurden nur Hypothesen über Hypothesen erzeugt – keine ohne echte Überzeugungskraft. Ich bin überzeugt: Wir dürfen darauf vertrauen: Die Worte, die wir in der Heiligen Schrift von Jesus überliefert haben, die sind zuverlässig überliefert. Gott selbst hat dafür gesorgt. Wir wollen sie hören – mit den Ohren und den Herzen – und danach leben. Denn ein besseres Lebensprogramm als ein Jünger oder eine Jüngerin von Jesus zu sein, gibt es nicht. Denn Jesus – und Jesus allein – hat »Worte des ewigen Lebens«.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 15. Juni 2020

    Deine Toten werden leben.                       Jesaja 26,19

    Vier Worte, die es in sich haben. In der Lutherbibel ist ihnen noch ein Fünftes vorangestellt, da steht noch das Wort »Aber« davor: Aber deine Toten werden leben. Diese Botschaft ist tatsächlich eine »Aber«-Botschaft. »Aber« - das drückt ja einen Gegensatz aus. Die Worte stammen aus einem Gebet. Einem sehr nüchternen Gebet. Einem Gebet, das eben auch das zur Sprache bringt, was so deutlich vor Augen steht: »HERR, unser Gott, es herrschen wohl andere Herren über uns als du« heißt es da (V. 13) und die Allerweltserfahrung, die man durch alle Zeiten hindurch bis heute immer wieder hören kann: »Tote werden nicht lebendig, Schatten stehen nicht auf« - oder modern ausgedrückt: »mit dem Tod ist alles aus!« Wenn der Mensch sich selbst zum Maß aller Dinge macht, wie wir es in unserer gesellschaftlichen Entwicklung heute ganz stark erleben, dann kann er an angesichts dieser unüberwindbaren Grenze des Todes nicht anders als verdrängen oder fatal feststellen: Dann ist alles aus.

    Doch wir sind nicht das Maß aller Dinge. Es ist ein anderer, der uns unser Maß bemisst: Der lebendige Gott. Und darum ist mit dem Tod nicht alles aus. »Wer stirbt, der wird nicht nur zu Erde. Gott ruft ihn zum jüngsten Gericht. Finsternis bleibt für die Einen zuletzt, die anderen dürfen ans Licht« so haben Jörg Swoboda und Theo Lehmann in DDR-Zeiten angesichts eines Regimes gedichtet, das Gott und die Ewigkeit geleugnet hat. Gott setzt sein »Aber« gegen das scheinbar Unüberwindbare. Gott setzt sein »Aber« gegen den Tod. Nein, mit dem Tod ist nicht alles aus. Ostern hat alles in ein neues Licht gestellt: Einer hat den Tod besiegt. Der Tod hat nicht mehr das letzte Wort. Er ist der letzte Feind, der vernichtet wird nach dem Zeugnis der Bibel. Gott hat das letzte Wort. Im Lehrtext lehrt uns Paulus: Wir wissen, dass der, der den Herrn Jesus auferweckt hat, wird uns auch auferwecken mit Jesus. (2Kor 4,14). Gott setzt das große Aber – gegen alle Resignation, gegen allen Fatalismus, gegen alle Zukunftsangst. Er, unser Gott, er hat das letzte Wort. Ich wünsche mir, dass wir wieder viel mehr auf unseren großen Gott schauen – auf ihn und seine Möglichkeiten. Und viel weniger auf unsere Möglichkeiten. Ja, es ist richtig und wichtig, dass wir tun, was wir können. Aber noch wichtiger ist, dass wir Jesus Christus, dem Auferstandenen, den ersten Platz in unserem Leben einräumen. Denn ohne ihn wäre wirklich alles aus. Doch weil er auferstanden ist, gilt auch uns: Aber deine Toten werden leben. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Er, Jesus Christus, hat es und behält es.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche 08.06. bis 14.06.

  • add Andacht für den 1. Sonntag nach Trinitatis, 14. Juni 2020

    Jesus Christus spricht: Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich.

    Lukas 10,16a

    Gott wäre auf uns nicht angewiesen. Doch er will nicht ohne uns sein. Gott könnte auf jede erdenkli­che Weise mit seinen Menschen reden, doch er hat sich dafür entschieden, es durch menschliche Vermittlung zu tun. Jesus, der Sohn Gottes, hat uns gezeigt, wie Gott ist. Doch Jesus hat selbst nie ein Buch geschrieben. Propheten haben Bücher geschrieben: Jesaja, Jeremia, Hesekiel und wie sie alle heißen – aber der Sohn Gottes hat seinen Jüngern, also Menschen, anvertraut, was durch alle Zeiten hindurch von Bedeutung ist; was wichtig ist, was wir hören sollen. Vier Evangelisten haben uns die Worte von Jesus aufgeschrieben und uns aus seinem Leben, von seinem Sterben und von seinem Auferstehen erzählt. Auch wir haben – vermittelt durch menschliche Worte – davon erfahren.

    Jesus wäre auf uns nicht angewiesen, doch er will Menschen gebrauchen, damit das Evangelium, die frohe Botschaft; die Botschaft von Gottes Liebe, von Gottes Gnade, von Gottes Vergebung und Versöhnung alle Menschen erreicht. So ist die Bibel entstanden – und so läuft dieses Wort des Evangeliums bis heute um die Welt. Und dabei ist Menschenwort und Gotteswort nicht mehr voneinander zu trennen: Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich. Alle Versuche, in der Bibel zwischen Menschenwort und Gotteswort zu trennen, haben im Grunde nur ganz viel Unsicherheit ausgelöst. Wo Menschen diesem Wort der Bibel ganz einfach und kindlich Vertrauen schenken, da erleben sie: Es ist Gott selbst, der mich durch von Menschen vermittelte Worte anspricht. Es ist Gott selbst, der hier redet.

    Wir müssen nicht die Bibel sezieren. Wir brauchen nicht sorgenvoll fragen: Ist darauf wirklich Verlass, was Menschen da von Gott berichtet haben. Wir dürfen vertrauen. Es ist die Stimme Jesu, die uns da begegnet. Die Stimme des Guten Hirten. Und es ist Gottes guter Heiliger Geist, der uns die Worte lebendig macht, dass wir es spüren: Ich bin gemeint. Die Zusagen gelten mir.

    Hören wir drauf, vertrauen wir drauf – und sagen wir es weiter; werden auch wir zu Zeuginnen und Zeugen für Jesus.

    Pfarrer Andreas Streich 

  • add Andacht für Samstag, 13. Juni 2020

    Der Geist hilft unserer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich’s gebührt.                                                        Römer 8,26

    Ich las dazu eine schöne Geschichte. Ich möchte sie kurz nacherzählen: Dem Pfarrer einer Gemeinde in Kenia fiel ein alter, ärmlich wirkender Mann auf, der jeden Mittag gegen 12 Uhr in die Kirche kam und sie nach höchstens zwei Minuten wieder verließ. Der Pfarrer sprach ihn an, was er denn da in der Kirche mache. Der Alte antwortete: »Ich gehe hinein, um zu beten.« Der Pfarrer war verdutzt: »Aber du bist doch niemals lange genug in der Kirche, um beten zu können.« Da erklärte ihm der alte Mann: »Ich kann kein langes Gebet sprechen. Aber ich gehe jeden Tag um 12 in die Kirche und sage: Jesus, hier ist Jim! Dann warte ich eine Minute und er hört mich.«

    Eines Tages kam Jim nicht mehr. Er hatte eine Verletzung und musste ins Krankenhaus. Die Schwestern merkten, dass er einen heilsamen Einfluss auf die anderen Patienten hatte: Die Nörgler wurden zufriedener, die Ängstlichen bekamen neue Zuversicht und die Traurigen wurden fröhlich. Und es wurde viel gelacht in Jims Zimmer. »Jim« sagte die Stationsschwester eines Tages zu ihm, »die anderen Patienten sagen, dass du der Grund bist, warum sie nun so anders sind. Du bist immer glücklich.«

    Jim überlegte kurz, dann antwortete er: »Ich kann nichts dafür, dass ich immer so fröhlich bin. Das kommt durch meinen Besucher.« Jetzt war die Schwester völlig verwirrt. Denn die ganze Zeit, seit Jim im Krankenhaus war, hatte er noch nie Besuch bekommen. »Dein Besucher?« frage sie »wann kommt der denn?« - »Jeden Tag um 12 Uhr mittags« antwortete Jim. »Er kommt herein, steht am Fußende meines Bettes und sagt: Jim, hier ist Jesus!«

    Wie gut, dass Gottes Geist uns Mut macht und die Verbindung zu Jesus, unserem Herrn lebendig hält. Ich wünsche uns, dass wir diese Gewissheit – genau wie Jim in der Geschichte – nie aus dem Herzen und Sinn verlieren.

    Pfarrer Andreas Streich (Geschichte nach Axel Kühner: Eine gute Minute)

  • add Andacht für Freitag, 12. Juni 2020

    Jesus spricht: Wie mich mein Vater liebt, so liebe ich euch auch. Bleibt in meiner Liebe.

    Johannes 15,9

    »Steter Tropfen höhlt den Stein« heißt es in einem Sprichwort. Ich möchte ergänzen: Oder er lässt Steine wachsen. Die Schwäbische Alb ist ein Jura-Gebirge. Sie besteht überwiegend aus Kalkstein. Säureanteile im Wasser lösen den Kalkstein langsam auf, transportieren den Kalk mit sich und hinterlassen ihn dann in winzig kleinen Spuren in unterirdischen Hohlräumen. Dieser stetige Prozess hat wunderschöne und riesengroße Tropfsteine wachsen lassen. In der Nebelhöhle oder in der Bärenhöhle kann man es beobachten.

    Johannes 15 ist das Kapitel, in dem Jesus uns zum »Bleiben« einlädt: Als Reben am Weinstock – oder eben in unserem Lehrtext heute: Bleibt in meiner Liebe. Das heißt zunächst ganz einfach: Lasst euch meine Liebe gefallen. Erfahrt sie immer wieder neu, jeden Tag: Leben von dem, was ich euch schenke. Lebt von meiner Gnade, von meiner Vergebung. Lasst sie in euer Leben hineinfließen und lasst sie weiterfließen. Und dann erlebt, dass diese Liebe abfärbt. Dass sie etwas in euch zurücklässt und euch verändert.

    Es ist wie bei den Tropfsteinen in den Höhlen der Alb: Da bleibt etwas hängen. Die Liebe Gottes, hinterlässt Spuren in unserem Leben, verändert uns und prägt uns. Da bleibt etwas zurück – das uns zum Guten verändert. Dass man es uns abspürt, dass wir von Gott geprägt sind. Nicht wir müssen uns um Liebe bemühen, sie aus uns heraus produzieren. Wir dürfen und wir sollen in ihm und in seiner Liebe bleiben: Als Menschen, die von Jesus geliebt sind und die seine Liebe weitergeben.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Donnerstag, 11. Juni 2020

    Der Engel des Herrn kam in das Gefängnis und Licht leuchtete auf in dem Raum; und er stieß Petrus in die Seite und weckte ihn und sprach: Steh schnell auf! Und die Ketten fielen ihm von seinen Händen.                                                            Apostelgeschichte 12,7

    Gott kann auch aus den ausweglosesten Lagen befreien. Das ist die Botschaft der Geschichte, aus der der heutige Lehrtext stammt. Gott kann – aber muss nicht. Die Erzählung beginnt mit einem schrecklichen Ereignis: Der König Herodes legt Hand an die christliche Gemeinde. Wie gut, dass die Gemeinde in dieser schwierigen Zeit immer noch zusammensteht. Wie gut, dass sie einander immer noch haben. Gemeinde ist für unser Christsein systemrelevant. Vor allem, wenn wir in Krisen sind. Und die Leiter der Gemeinde, die Lehrer, die Jünger, die, die Jesus persönlich über die Zeit seiner öffentlichen Wirksamkeit begleitet haben, sind systemrelevant. Jakobus, Johannes und Petrus. Doch nun geschieht das Entsetzliche: Jakobus, der Bruder des Johannes – eigentlich doch unverzichtbar für die erste Gemeinde – wird von Herodes verhaftet. Lukas berichtet: Er tötete aber Jakobus, den Bruder des Johannes, mit dem Schwert. Und als er sah, dass es den Juden gefiel, fuhr er fort und nahm auch Petrus gefangen.

    Nur das Passafest verhinderte, dass Petrus auch schon eines gewaltsamen Todes sterben musste. Doch die Lage schien aussichtslos. Jakobus tot – Petrus im Gefängnis. Die Gemeinde betete – Tag und Nacht. Petrus schläft. Er ist wohl so erschöpft von all dem, was in den letzten Stunden und Tagen geschehen ist. Und im Schlaf überrascht ihn Gottes Hilfe. Die Lage ist nach menschlichem Ermessen aussichtslos. Doch unser Gott ist ein Gott, für den es keine aussichtslosen Lagen gibt. Er hat mehr Mittel und Wege als wir auch nur ahnen können. Gott setzt den Petrus frei. Noch einmal kehrt er zurück zur Gemeinde. Jahre und Jahrzehnte der Wirksamkeit stehen ihm noch bevor. Nach allem, was wir wissen, ist er in Rom schließlich den Märtyrertod gestorben.

    Gott kann aus ausweglosesten Lagen befreien. Das ist die Botschaft. Wir sind eingeladen, diesem großen Gott zu vertrauen, mit ihm zu leben, zu ihm zu rufen, zu bitten und zu flehen. Auch wo wir in Not sind. Und wir wollen Gott für seine verfolgte Gemeinde auf der ganzen Welt bitten. Auch heute müssen Christen um ihr Leben fürchten, nur weil sie sich zu Jesus bekennen. Stehen wir doch auch für sie genauso treu ein wie die Gemeinde in Jerusalem für den inhaftierten Petrus. Gott kann aus ausweglosesten Lagen befreien und er wird immer uns in den ausweglosen Lagen begleiten, stärken und ermutigen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 10. Juni 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,
    Im Herrnhuter Losungsbüchle steht für jeden Tag ein Bibelvers, der zum Nachdenken, Umdenken und Vertrauen einlädt. Immer nur ein Satz oder wenige Sätze. Manchmal lohnt es sich sehr, in der Bibel nachzugucken, aus welchem Zusammenhang, aus welcher Geschichte dieser Tagesvers kommt, weil man ihn dann erst richtig verstehen kann. So auch heute. Es geht um Elia, der in einer schwierigen Zeit im Auftrag Gottes unterwegs ist. Dem König Israels, der sich seine eigenen Regeln macht und sich einen Dreck um Gott schert, musste er die Stirn bieten. Und eine Hungersnot für das Land verkünden. Mit solchen Aufträgen macht man sich keine Freunde. Und so hat Elia immer wieder das Gefühl, allein gelassen zu sein, verfolgt zu sein und fühlt sich am Ende. Gleichzeitig erlebt er: Gott lässt ihn nicht im Stich und sorgt ganz praktisch für sein äußeres Wohlergehen, sprich: dass Elia zu essen und zu trinken bekommt.
    Während der bereits angesprochenen Hungersnot sagt Gott zu Elia: geh in die Stadt, wo du eine Witwe triffst. Sie wird dich versorgen. Elia trifft die Witwe auch tatsächlich, allerdings nur um von ihr sogleich zu hören, dass sie für sich und ihren Sohn selbst nichts mehr zu essen hat. Sie ist selbst völlig verzweifelt.
    Eigentlich könnte Elia seinen Gott anklagen: Was, du schickst mich zu einer Frau, die selbst am Ende ist? Die soll mich versorgen? Doch Elia spricht und handelt, geprägt von Gottes Geist, ganz anders. Er erkennt schlagartig, dass er offensichtlich nicht nur zu der Witwe geschickt ist, um selbst versorgt zu werden, sondern um dieser Frau zu helfen, mit Nahrung, aber auch mit Lebensmut.
    Und so verheißt Elia der Frau, dass die ganz wenigen Bissen, die ihr geblieben sind, ausreichen werden. Mehl und Öl werden in ihren Gefäßen nicht zu Ende gehen. Ein leichtsinniges Versprechen? Nein. Der Losungsvers für heute erzählt, dass es genau so gekommen ist: „Das Mehl im Krug ging nicht aus, und der Ölkrug wurde nicht leer, nach dem Wort des HERRN, das dieser durch Elia gesprochen hatte“ (1.Könige 17,16). Elia wird versorgt durch das ganz wenige, was diese alleinerziehende Frau für sich und ihren Sohn hat. Alle drei werden durch Gottes Hilfe über die ganze Zeit der Hungersnot ernährt.
    Haben Sie das auch schon erlebt, dass Sie in und mit eigener Not andere Menschen in Not getroffen haben – und Sie gemeinsam Gottes wunderbare Hilfe erlebt haben?
    Ich wünsche Ihnen einen zuversichtlichen Tag, Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für Dienstag, 9. Juni 2020

    Niemand suche das Seine, sondern was dem andern dient.       1. Korinther 10,24

    Wer Rückendeckung hat, kann mutig nach vorne gehen. Rückendeckung bedeutet, dass ich mich nicht um alles kümmern muss, vor allem nicht um mich selber. Da ist jemand anderes da, der mir den Rücken stärkt und mich vor allen Gefahren, die von hinten kommen könnten, beschützt. Der mir den Rücken frei hält. So eine Rückendeckung setzt auch der Apostel Paulus in unserem Lehrtext voraus.

    Unsere Tendenz geht dazu, für uns selber zu sorgen. Das Hemd ist mir näher als die Jacke. Zuerst komme ich. Ich muss mein Schäfchen ins Trockene bringen – und was Menschen alles an Weisheiten erfinden, um zu rechtfertigen, warum sie sich doch zuerst um sich selber kümmern müssen und dann erst für andere da sein können.

    Paulus weiß aber, dass wir als Christen damit rechnen dürfen, dass Gott für uns sorgt. Dass er uns den Rücken frei hält. Euer Vater im Himmel weiß, was ihr braucht, ehe ihr ihn darum bittet. Gott sorgt für uns. Jesus fragt in der Bergpredigt: Warum sorgt ihr euch um euer Leben? Seht die Lilien auf dem Felde. Seht die Vögel unter dem Himmel. Gott sorgt. Ihm darf ich mein Leben, mein Auskommen anvertrauen. Von ihm darf ich mit all dem, was ich brauche abhängig sein. Ich darf damit rechnen, dass er mir den Rücken frei hält, damit ich mich um andere kümmern kann.

    Vor diesem Hintergrund bekommt dieser Rat, diese Empfehlung Sinn: Niemand suche das Seine, sondern was dem andern dient. Ihr müsst nicht für euch selbst sorgen, weil Gott für euch sorgt. Überlass Gott deine Sorgen – das erfordert Vertrauen, das erfordert Glaubensmut. Aber dann tu das, wozu Gott dich auffordert: Nutze deine Kraft, deine Zeit, deine Phantasie, um die Not der andern zu erkennen und zu helfen, wo du kannst. Suche danach! Suche, was dem andern dient.

    Ja, es ist ein Wagnis. Ja, man muss sich darauf einlassen. Es ist nicht ohne Risiko. Doch es ist die Einladung Gottes. Die Einladung, ihm zu vertrauen und mit ihm zu erleben: Ihm kann man kühnlich vertrauen. Er lässt uns nicht im Stich. Wer sich auf ihn einlässt, der wird gesegnet.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 8. Juni 2020

    Auch die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes.                                Römer 8,21

    Gottes Heil zieht Kreise. Davon ist der Apostel Paulus überzeugt. Gottes Heil, das er durch das Sterben und die Auferstehung seines Sohnes Jesus Christus in Gang gesetzt hat. Gottes Heil, das heil macht, was durch unsere Schuld eigentlich irreparabel kaputt gegangen ist. Von der Erlösung, die von Jesus, dem Gekreuzigten ausgeht, können wir gar nicht groß genug denken. Ihm, Jesus Christus wird einmal alles untertan sind. Und von seinem Heil, das der Knechtschaft der Vergänglichkeit, nämlich dem Tod endgültig ein Ende setzen wird, wird auch die Schöpfung ergriffen sein. Jesus setzt frei. Jesus schenkt Leben – ewiges Leben. Gott geht es immer um’s Ganze. Auch mit seiner Erlösung – mit der Freiheit, die er schenkt. Die herrliche Freiheit wird auch die Schöpfung erfassen.

    Paulus redet auch von der Gegenwart rund um diesen Lehrtextvers. Er schreibt vom »Seufzen der ganzen Schöpfung« mit uns und von ihrer Bedrängnis. Ein Stück weit sehen wir dieses Seufzen der Schöpfung heute in den Schäden, die menschliche Maßlosigkeit und Gier ihr zufügen: Wenn Regenwälder abgeholzt werden, wenn unser Abgasausstoß – den wir durchaus reduzieren könnten – das Maß dessen übersteigt, was diese Schöpfung zu ertragen in der Lage ist. Auf der anderen Seite sehen wir – wie die Schöpfung aufatmet, wenn uns das Corona-Virus dazu zwingt, all unsere Aktivitäten etwas zurückzufahren: Den Tourismus, den Flugverkehr. Auf einmal sieht man vom Norden Indiens wieder die Berge des Himalaja und in Venedig kristallklar auf den Grund der Kanäle.

    Wir können und sollen etwas für die Umwelt, für diese Schöpfung tun. Denn Gott wird selbst einmal etwas Großes für sie tun – etwas, das wir mit unseren Mitteln freilich nicht können. Er will sie frei machen von der Knechtschaft der Vergänglichkeit. Er will den Tod abschaffen – als Frucht dessen, was Jesus am Kreuz und am Ostermorgen für uns getan hat. Zwei Konsequenzen für uns: Wir müssen davon reden, was Gott vorhat und was Gott in Jesus bereits begonnen hat, damit Menschen es hören und glauben und dabei sind in Gottes neuer Welt. Und wir wollen mit dieser alten Welt, wenn Gott auch sie befreien will, so gut es geht, schonend umgehen, damit sie nicht noch mehr seufzen muss.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 01.06. bis 07.06.

  • add Andacht für Sonntag Trinitatis, 7. Juni 2020

    Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!
    2. Korinther 13,13

    Drei – und doch eins! Das ist kurz zusammengefasst die Lehre von der Dreieinigkeit Gottes. So einfach und doch so kompliziert. Im Konfirmandenunterricht hat es einer so erklärt: Er malte ein Kleeblatt an die Tafel, kein vierblättriges, das man lange suchen muss, sondern so eins, wie wir es auf jeder Wiese finden. Dann fragte er: »Wie viele Blätter hat das?« - »Drei!« riefen die meisten. Doch ein paar wurden stutzig und sagten: »Eins!« - die andern widersprachen: »Nein drei!«. Der Pfarrer half etwas nach: »Wie oft müsst ihr pflücken, um solch ein Kleeblatt zu haben?« - »Einmal!« - also doch eins? Schließlich einigten sich die Schüler: Es sind drei Blätter in einem.

    Wie gesagt: Die Lehre von der Dreieinigkeit Gottes ist etwas, das unseren Verstand eigentlich übersteigt. Solange wir noch nicht bei Gott angekommen sind, werden wir dem Geheimnis des Wesens der Dreieinigkeit höchsten nachspüren können. Erkennen und Begreifen im Ganzen werden wir es erst in der Ewigkeit.

    Und doch gilt auch uns das, was vom Kleeblatt zu sagen ist: Wer es pflückt, hat alle drei. So weiß es auch der Apostel Paulus am Schluss seines Briefes. Wer an Gott glaubt, der hat den ganzen Segen der Dreieinigkeit. Der hat die Gnade unseres Herrn Jesus Christus. Der hat die Liebe Gottes, des Vaters und der hat die Gemeinschaft des Heiligen Geistes, der uns mit Gott und untereinander verbindet. So einfach ist das – und zugleich so wunderbar.

    Wir müssen uns nicht an den Dingen aufhalten, die wir nicht verstehen – und auch gar nicht richtig verstehen können. Wir dürfen uns an das halten, was wir verstehen können: Wer Jesus hat, wer an Gott glaubt, der hat auch den Heiligen Geist im Herzen, der ihm Jesus groß macht und den Vater loben hilft. Und der ihm die Gewissheit ins Herz gibt: Du bist von Gott geliebt, durch Jesus ist dir all deine Schuld vergeben, er schenkt Dir Brüder und Schwestern, die mit dir unterwegs sind. Und er bringt dich zum ewigen Leben. Das reicht für unser Leben.   

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Samstag, 6. Juni 2020

    Wie groß sind Gottes Zeichen und wie mächtig seine Wunder! Sein Reich ist ein ewiges Reich, und seine Herrschaft währet für und für.
    Daniel 3,33

    Das sagte ein Mann, von dem wir das wohl nicht erwartet hätten. Ein Mann, den wir als Nebukad­nezar, Großkönig des Neubabylonischen Reiches – in seiner Machtfülle vergleichbar mit dem amerikanischen oder chinesischen Präsidenten heute. Manchmal schenkt Gott auch mächtigen Männern eine prophetische Einsicht und Weitsicht. Aber das kommt sehr selten vor. Doch es ist echte Prophetie. Prophetie ist der Einblick in die Wirklichkeit Gottes, die wir mit unseren Augen nicht sehen. Doch diese Wirklichkeit ist viel größer als das, was wir vor Augen sehen – in der Weltgeschich­te oder im aktuellen Geschehen. 

    Nebukadnezar hat erkannt: Gottes Reich und Herrschaft bleiben. Und im Umkehrschluss ist damit die Erkenntnis verbunden: Mein Reich – in all seiner militärischen Stärke und in aller Pracht der Paläste und Städte – wird nicht bleiben. So wenig die menschlichen Reiche und Staatenverbünde vor und nach mir auf Dauer Bestand haben. Der Staffelstab der Vormachtstellung bleibt nicht in der Hand eines Menschen, eines Volkes.

    Echte Prophetie war es auch, als zwei Christen in der DDR Anfang der 1980er Jahre ein Lied dichteten. Dort heißt es: »Die Mächtigen kommen und gehen; und auch jedes Denkmal mal fällt. Bleiben wir nur, wer auf Gottes Wort steht, dem sichersten Standpunkt der Welt.« Von der Stasi wurden sie bespitzelt und dafür drangsaliert. Doch wenige Jahre später geschah genau das: Ich habe noch die Bilder vor Augen, als die sozialistischen Denkmäler umgerissen wurden – und die gefeierten Helden in Stahl auf den Schrottplatz wanderten.

    Wie gut, dass wir Gott kennen, dessen Reich ein ewiges Reich ist. Wie gut, dass er uns durch Jesus heute schon als Bürger in diesem Reich leben lässt – auch wenn wir noch mitten in dieser alten Welt, wo es an so vielen Stellen drunter und drüber geht. Wir dürfen wissen, wo wir Heimatrecht haben. Wir dürfen wissen, wer zuletzt das Heft des Handelns in der Hand haben wird. Gott lässt uns nicht los. Das macht getrost und zuversichtlich. Wir müssen nicht verzweifeln und verzagen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Freitag, 5. Juni 2020

    Jesus Christus spricht: Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.
    2. Korinther 12,9

    Unsere Sehnsucht als Menschen geht in Richtung Vollkommenheit und dass es uns gut geht. Wer krank ist, möchte gern gesund werden; wer arm ist, möchte gern reich werden; der Erfolglose möchte gerne Erfolg haben. Wer unglücklich ist möchte gern glücklich sein.

    Gelegentlich versuchen wir, Gott vor unseren Sehnsuchtskarren zu spannen: »Wenn es Gott gibt und wenn Gott ein Gott der Liebe ist und wenn Gott allmächtig ist, dann muss er mir doch zu meinem Glück, zu Erfolg und zu Gesundheit verhelfen.« So sagen nicht wenige Menschen. Und es gibt christliche Gemeinden, da ist das Wohlstandsevangelium Kern der Botschaft: »Wer an Gott glaubt, ist erfolgreich; wer richtig glaubt, der wird nicht krank…«

    Ja, Gott kann all unsere Wünsche und Sehnsüchte erfüllen. Er ist allmächtig. Das steht außer Frage. Doch es gibt Erfahrungen von Menschen auch in der Bibel, die uns zeigen, dass Gott es eben nicht immer tut. So auch die Erfahrung des Apostels Paulus. Dreimal, so berichtet Paulus, hat er Jesus angefleht, ihm eine Sache, die er nicht näher beschreibt – eine Krankheit oder eine Anfechtung – doch zu nehmen, damit er es leichter hat. Der Lehrtext von heute ist die Antwort von Jesus: »Meine Gnade ist für dich genug. Mehr brauchst du nicht; denn gerade in den Schwachen kann ich mächtig sein.« Gnade ist etwas anderes als Erfüllung unserer Sehnsüchte. Gnade ist mehr – viel mehr. Viel mehr als Gesundheit, als Erfolg, als Wohlstand. Gnade heißt: Angenommensein von Gott. Mit Gott im Reinen sein. »Hauptsache gesund?« Nein, »Hauptsache Gnade«, das Wichtigste ist, dass Gott uns so annimmt, wie wir sind und uns in seinen Dienst stellt, uns durch Jesus zu seinen Kindern macht und uns heute schon das ewige Leben schenkt – dem ehemaligen Christenverfolger Paulus genau wie uns. Paulus hat es erfahren: Die Gnade von Jesus trägt mich, stärkt mich – viel mächtiger als ich es mit aller Lebenskraft je hätte können. Diese Erfahrung sollen auch wir machen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Donnerstag, 4. Juni 2020

    David sprach zu Goliat: Du kommst zu mir mit Schwert, Spieß und Sichelschwert, ich aber komme zu dir im Namen des HERRN Zebaoth.
    1. Samuel 17,45

    Menschen sind anpassungsfähig. So ging es wohl auch den Kämpfern Israels und ihrem König Saul, als sie den Philistern gegenüberstanden. Tag für Tag trieb der Einzelkämpfer Goliat seinen Spott mit ihnen, verhöhnte sie und ihren Gott. Längst war die Aufregung über so viel Hochmut und Frechheit und Spott bei den Israeliten einer deprimierten Resignation gewichen: Wir können ja nichts machen. Und allen voran hatte der Kämpfer, der ihnen doch eigentlich vorangehen hätte müssen, ihr König, keinen Mut, sich dem Spötter zum Kampf zu stellen. Sie alle hatten sich an die deprimierende Lage angepasst.

    Und dann taucht David auf, eher das »Davidle«, der Jüngste der Söhne Isais. Der, der noch zu jung war, um mit dem König in den Krieg zu ziehen. Der, der zuhause blieb bei den Schafen, nun aber im Auftrag des Vaters nach den Brüdern schauen sollte. David bekommt mit, was sich da abspielt. Und er reagiert nicht angepasst. Er reagiert mutig. Kaum einer weiß, dass dieser junge David bereits vom Propheten Samuel zum König von Israel gesalbt worden ist. Doch nun erweist sich dieser Hirtenjunge als wahrer König, mit königlichem Mut und mit königlichem Gottvertrauen stellt er sich dem Elitekämpfer Goliat entgegen. Er lässt sich von der Hochrüstung nicht blenden. Er schaut auf Gott, auf den Gott, gegen den sich Goliat mit seinem Spott im Letzten richtet. Und er weiß: Gott lässt sich nicht spotten. Gott vertraut er – und mit Gott, nicht mit menschlicher Aufrüstung – gewinnt er den Kampf.

    Ihr seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft – schreibt uns der Apostel Petrus als Christen ins Stammbuch (1. Petrus 2,9). Auch wir sind zu diesem Gottvertrauen berufen. Nicht mit menschlicher Stärke und Kraft kommt Gott zu seinem Ziel, sondern mit Menschen, die von ihm abhängig sind. Sind auch wir deshalb fröhlich von ihm abhängig.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 3. Juni 2020

    Bittet, so wird euch gegeben; sucht, so werdet ihr finden; klopft an, so wird euch aufgetan.
    Matthäus 7,7

    Haben Sie sich schon einmal ausgesperrt. Ich schon – mit Hausschuhen im Schneetreiben stand ich vor der Haustür, und meine Frau war beim Einkaufen. Nicht jede Tür, an die man klopft, öffnet sich für uns. Nicht jede Bitte, die wir aussprechen, wird erhört. Nicht jede Suchaktion ist erfolgreich. Und doch: Wenn Jesus Christus uns einlädt – dann ist alles ganz anders.

    Dann ist unser Klopfen vor der Tür nicht vergeblich: Denn er ist es, der uns die Tür öffnet. Die Tür zu Gott. Dafür hat er sein Leben hergegeben. Er verspricht auch uns: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.

    Dann ist auch die Suche, die allerwichtigste Suche, die Suche nach Gott, nach der allerwichtigsten Bezugsperson für unser Leben, nicht vergeblich: Gott lässt sich finden. Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen.

    Und dann ist unser Bitten nicht unerhört. V.a. die Bitte um Glauben und Gottes Nähe, die Bitte um Trost und Hilfe. Gott wird nicht alle unsere Bitten so erfüllen, wie wir es uns vorstellen oder wünschen. Aber hören wir genau hin, was Jesus sagt. Er sagt nicht: Bittet, so wird euch alles genau so gegeben, wie ihr es euch wünscht. Er sagt: Bittet, so wird euch gegeben. Gott wird uns das geben, was aus seiner Sicht gut für uns ist. Aber wir dürfen ihm vertrauen: Er macht es gut.

    Wir sind eingeladen, eingeladen von Jesus, zu bitten, zu suchen und anzuklopfen. Gott freut sich, wenn wir zu ihm kommen, wenn wir mit ihm reden, wenn wir beten und ihm vertrauen. Er ist für uns da. Wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet, und wer da anklopft, dem wird aufgetan.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Dienstag, 2. Juni 2020

     

    Mein Herz ist fröhlich in dem HERRN.
    1. Samuel 2,1

    So betet eine Frau, die Gottes Hilfe erfahren hat: Hanna, die Mutter des Propheten Samuel. Und nun kann sie nicht anders als ihren Gott zu loben. Sie vergisst nicht, was sie Gott versprochen hat: Wenn er die Schmach und Not ihrer Kinderlosigkeit von ihr nimmt, dann soll das Kind, das geboren wird, Gott, dem HERRN gehören. Sie vergisst nicht, wem sie das Glück ihrer Mutterschaft verdankt. Und sie vergisst den Dank nicht. Die Folge aus all diesem Gedenken ist pure Freude: Mein Herz ist fröhlich in dem HERRN.

    »In dir ist Freude in allem Leide« singen wir – und wir dürfen es auch glauben. Es kommt gar nicht so sehr auf die äußeren Umstände an, um fröhlich zu sein oder zufrieden oder glücklich. Viel entschei­den­der ist, ob wir »in dem HERRN« erleben, was wir erleben – also verbunden mit ihm; in der Zwiesprache mit ihm. Dazu gehört auch, dass wir eben nicht nur das wahrnehmen, was uns tagtäglich vor Augen steht oder wir in der Zeitung lesen, sondern vor allem andern das, was er uns zu sagen hat: In der Bibel, in seinem guten Wort.

    Mit Gott reden und auf Gott hören, ihm vertrauen und ihn bitten und ganz viel darüber nachdenken, wo er mir schon geholfen hat und immer noch hilft – das ist das Rezept, damit auch wir sagen können: Mein Herz ist fröhlich in dem HERRN. »In wie viel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet.« Wie viel Hilfe, wie viel Gutes haben wir von ihm schon erlebt. Überhaupt, dass wir durch Jesus Christus »Vater« zu Gott sagen dürfen – all das ist Grund zur Zuversicht und zur Freude. Beides wünsche ich uns immer wieder neu von Herzen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Pfingstmontag, 1. Juni 2020

    Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder.
    1.
    Könige 8,39

    Der Monatsspruch stammt aus einem Schlüsselgebet in einer Schlüsselstunde. König Salomo hat einen Tempel, ein Haus für Gott gebaut. Nun wird er eingeweiht. Der König selbst betet – ein Gebet voller Innigkeit und Weisheit. Ein Gebet, in dem zum Ausdruck kommt, wer Gott ist – und wer wir Menschen sind. Und warum es Sinn macht und wichtig ist, dass wir mit Gott reden.

    Einer der Gründe ist: Gott allein kennt das Herz aller Menschenkinder. Er sieht uns ins Herz. Er sieht jedem Menschen ins Herz – in unser Innerstes. Es kann vorkommen, dass wir Menschen unsere Nächsten nicht mehr verstehen, weil wir uns nicht ins Herz sehen. Ja, es kann sogar vorkommen, dass wir uns selbst, unser eigenes Herz, unser eigenes Wollen und Denken und Entscheiden nicht mehr verstehen.

    Unser Gott aber weiß um all das. Er kennt unser Herz – unser aller Herz. Er sieht die tiefen Sehnsüchte und Wünsche; er sieht die Sorgen und Nöte, die uns quälen. Er sieht auch die Abgründe, die sich da auftun: den Neid, den Hass, die Bosheit. All das sieht und kennt Gott. Doch er wendet sich nicht ab, sondern er bleibt für uns ansprechbar. Nichts und niemand brauchen wir dringender als diesen Herrn, der uns in den tiefsten Tiefen unseres Herzens versteht und der uns durch Jesus Christus die Last und Sorge unseres Herzens abnimmt und uns zu seinen Kindern macht.

    Es ist gut, wenn wir uns immer wieder daran erinnern, dass wir Menschen nicht das Maß aller Dinge sind. Es ist gut, wenn wir es uns immer wieder bewusst machen, was wir alles nicht sehen – und nicht können. Aber es ist noch besser, wenn wir uns dann gleichzeitig an den wenden, der das alles weiß und kennt und kann: Unseren Gott. Er ist und bleibt für uns da.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 25.05. bis 31.05.

  • add Andacht für den Pfingstsonntag, 31. Mai 2020

    Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der HERR Zebaoth.                             Sacharja 4,6b

    Am 15. April 1956 hat das »älteste Parlament der Welt dem jüngsten Parlament« ein besonderes Geschenk gemacht: Das britische Parlament schenkte der Knesset, dem Parlament des jungen Staates Israel einen fünf Meter hohen siebenarmigen Leuchter, eine Menora. Heute steht die Knesset-Menora des aus Dortmund stammenden Bildhauers Benno Elkan vor dem Parlaments­gebäude in Jerusalem. Ganz viele Bilder aus der Geschichte Israels sind dort zu sehen. Ganz oben in der Mitte der betenden Mose, dem die beiden Männer, Aaron und Hur die Hände stützen, während Josua mit den Kriegsleuten unten im Tal gegen die Amalekiter kämpft.

    Auf den rechten Armen der Menora sind Kämpfe dargestellt. Ganz außen oben klagt Jeremia über die Zerstörung Jerusalems durch die Babylonier. Und ganz links außen ist Jesajas große Friedensvision dargestellt. Die ganze Spannbreite der Geschichte von Gewalt und tiefem Leid bis zum großen Heil, das noch aussteht, ist zu sehen. Es steht auch ein Bibelvers auf dieser Menora. Von Rechts nach links geschrieben, wie es im Hebräischen üblich ist. Es ist der Wochenspruch des Pfingstfestes: Rechts: Es soll nicht durch Heer oder Kraft – und links: Sondern durch meinen Geist geschehen spricht der HERR Zebaoth.

    Gott kommt zum Ziel mit seiner Geschichte. Mit seiner Heilsgeschichte. Nicht durch menschliche Stärke und Überlegenheit erreicht er seine Ziele, sondern durch seinen Geist. Oft genug zum Staunen, oft genug sind gerade das die Sternstunden in Gottes Heilsgeschichte, wo nach menschlichem Ermessen kein Staat mehr zu machen war. Nicht Menschen schaffen das Heil und den Frieden im Letzten – sondern er, unser Gott. Mit ihm dürfen auch wir heilvoll rechnen in unserem Leben. An jedem Tag neu. Mit ihm und seinem neuschaffenden Geist.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Samstag, 30. Mai 2020

    Bileam sprach: Wenn mir Balak sein Haus voll Silber und Gold gäbe, so könnte ich doch nicht übertreten das Wort des HERRN.        Numeri 22,18

    Sorgenvoll schaut der König der Moabiter, Balak vom Gebirge ins Tal. Das Volk Israel, das aus Ägypten ausgezogen war, bedroht sein Herrschaftsgebiet. Den letzten möglichen militärischen Verbündeten, die Amoriter, haben die Israeliten schon vernichtend geschlagen. Nun sucht Balak händeringend nach einem Bündnispartner gegen dieses Volk. Schließlich fällt ihm Gott ein, der Gott, mit dem Bileam – wohl ein damals überaus bekannter Mann, eine Art Prophet – in besonderem Kontakt stand. Bileam muss her. Bileam muss dieses Volk im Namen Gottes verfluchen. Egal, was es kostet, Bileam muss her.

    So wandert eine Truppe von Diplomaten ins Zweistromland zu Bileam, um ihn zu holen. Doch in der Nacht spricht Gott mit Bileam: Geh nicht mit ihnen, verfluche das Volk auch nicht; denn es ist gesegnet. Balak hört von der Weigerung und legt noch eine Schippe drauf: Er schickt noch wichtigere Leute zu Bileam und verspricht ihnen noch mehr Geld. Und nun kommt Bileams Antwort, unsere Losung: Wenn mir Balak sein Haus voll Silber und Gold gäbe, so könnte ich doch nicht übertreten das Wort des HERRN weder im Kleinen noch im Großen.

    Gott und sein Wort muss zuerst kommen. Gott und was er will, muss an erster Stelle in unserem Leben stehen. Das ist die Botschaft dieses Verses. Es gibt keinen vernünftigen Grund und keine noch so verlockende Aussicht auf Profit, die es erlauben würde, gegen das, was Gott gesagt und geoffen­bart hat zu handeln. Jesus sagt: Himmel und Erde werden vergehen – aber meine Worte werden nicht vergehen. Darum ist dieses Wort Gottes, das wir heute in der Bibel aufgeschrieben finden, so kostbar und so wichtig. Denn das, was Gott sagt, was Jesus sagt, das bleibt. Alles andere vergeht. Und darum soll auch bei uns Gottes Wort und das Hören auf ihn vor und über allem anderen stehen. Gott und was er will und vorhat, muss an erster Stelle in unserem Leben stehen. So kann unser Leben gelingen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Freitag, 29. Mai 2020

    Meine Zunge soll reden von deiner Gerechtigkeit und dich täglich preisen.       Psalm 35,28

    Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über. So auch in diesem uralten Lied von David. David, der bis heute bekannte zweite König Israels. Vielleicht ist auch bekannt, dass seine Lebensgeschichte äußerst turbulent war. Als junger Mann durch den Propheten Samuel zum König berufen, war sein Aufstieg alles andere als geradlinig. Zuerst besiegt er den Riesen Goliath. Dann lässt ihn Saul an seinen Hof als Musiktherapeut holen. Militärische Erfolge schließen sich san. Doch dann will ihn der krankhaft eifersüchtige König Saul umbringen. David muss fliehen, irrt durch die Berge der Wüste Juda, versteckt sich in Höhlen mit einer handvoll Männer, flieht zu den Philistern, den Feinden Israels, muss sich wahnsinnig stellen.

    Schließlich – durch alle Wirren hindurch – wird er doch noch König. Ein erfolgreicher König. Doch am Ende seiner Regentschaft scheinen sich die Wirren aus der Anfangszeit zu wiederholen: Seine Söhne ringen um seine Nachfolge; politische Intrigen werden ausgespielt, der Vater entmachtet – er muss erneut fliehen – Absalom, der aufrührerische Sohn stirbt. David trauert.

    Der 35. Psalm, aus dem die Losung stammt, ist ein Klagepsalm gegen die Feinde: HERR, führe meine Sache wider meine Widersacher, bekämpfe, die mich bekämpfen! In der Lebensgeschichte Davids gibt es viele Situationen, wo solch ein Psalm nur allzu verständlich wäre. Umso erstaunlicher finde ich den Schluss dieses Psalms, eben unsere Losung: Meine Zunge soll reden von deiner Gerechtigkeit und dich täglich preisen. Auch wenn sich an der Situation noch gar nichts geändert hat, David vertraut von Herzen darauf, dass Gottes Gerechtigkeit über die Ungerechtigkeit, die Menschen uns antun können, siegen wird – und davon ist sein Herz erfüllt. Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über. Da lebt einer mit dem, was Gott versprochen, verheißen hat. Tun wir es doch auch. Nehmen wir Gott beim Wort – und loben wir ihn. Denn er ist stärker als alles, was uns bedrohen mag.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Donnerstag, 28. Mai 2020

    Der Kranke antwortete Jesus: Herr, ich habe keinen Menschen, der mich in den Teich bringt, wenn das Wasser sich bewegt; wenn ich aber hinkomme, so steigt ein anderer vor mir hinein. Jesus spricht zu ihm: Steh auf, nimm dein Bett und geh hin!                           Johannes 5,7-8

    Was ist diesem kurzen Gesprächsausschnitt vorangegangen? Jesus kam mit seinen Jüngern zu einem der großen Jahresfeste nach Jerusalem. Während sich die Stadt mit fröhlichen Pilgern füllt, geht er in die Teichanlage von Bethesda, beim Schaftor. Allerlei Kranke und Behinderte sind dort versammelt. Allesamt ausgeschlossen von der fröhlichen Festgemeinschaft im Tempel. Alle klammern sich an einen Strohhalm der Hoffnung: Wenn sich das Wasser im Teich bewegt, dann könnte das doch eine wundersame Heilwirkung haben. Also lauern sie Tag für Tag, dass das Naturphänomen eintritt.

    Woran hängen Menschen nicht ihre Hoffnung, wenn alle eigenen Möglichkeiten zu Ende sind! Wenn kein Arzt mehr helfen kann oder kein Ausweg mehr aus der finanziellen Katastrophe oder der Beziehungskrise zu führen scheint.

    Jesus, der Sohn Gottes, geht nicht zuerst in den Tempel, sondern dorthin, zum Teich Bethesda. Er sieht die Not. Auch die besonders große Not dieses Mannes, der 38 Jahre lang schon krank hier liegt. Und für den selbst der Strohhalm des sich bewegenden Wassers in unerreichbare Ferne gerückt ist. Jesus sieht es, erkennt es. Und dann spricht er das Wort der Schöpfermacht Gottes: Steh auf, nimm dein Bett und geh hin!

    Das, womit keiner gerechnet hat, das was keiner erwartet hat. »Er weiß viel tausend Weisen zu retten aus dem Tod« heißt es in einem Lied von Paul Gerhardt aus der notvollen Zeit kurz nach 30-jährigen Krieg. Nein, wir kennen nicht alle viel tausend Weisen, wie er aus dem Tod retten kann. Wir müssen sie auch gar nicht kennen. Es reicht, ihn, den großen Gott zu kennen. »Nicht einen großen Glauben brauchen wir« hat der Chinamissionar Hudson Taylor gesagt, »sondern Glauben an einen großen Gott.«

    In Jesus sehen wir das Gesicht dieses großen Gottes. Mit ihm dürfen wir reden im Gebet. Er weiß auch um unsere Not, um unsere Sorge und er will uns helfen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 27. Mai 2020

    Ich bin darin guter Zuversicht, dass der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird’s auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu.

    Mit diesen Worten ermutigt der Apostel Paulus die Christen in Philippi in seinem Brief an die Gemeinde dort. Diesen Vers finden Sie im Losungsbüchle heute als Lehrtext.    

    An’s Ziel kommen; bei Jesus bleiben; den Lebensweg auf dieser Erde am Ende mit Gott beschließen und bei IHM in der Geborgenheit und in seinem Friedensreich endgültig ankommen. Das wünschen wir uns. Um auf dem Weg mit IHM zu bleiben, freuen wir uns über Gottesdienste, über Bibellesen, über Gemeinschaft mit anderen, über die Nähe zu unserem Gott im Gebet. Und gerade junge Christen sind oft begeistert und motiviert unterwegs, dem festen Willen, bei Jesus zu bleiben. Wenn wir älter werden, lassen nicht nur unsere äußeren Kräfte nach. Wir merken auch, dass unser eigener Wille, unsere eigene Entscheidung nicht ganz so tragend ist, wie wir einmal dachten, sondern oft schwankend und ungewiss. Da können uns Zweifel kommen: Werde ich auf dem Weg mit Jesus bleiben? Mit meinem schwachen Charakter? Werde ich wirklich ans Ziel kommen? Wird mir nicht spätestens im Sterben die Glaubenspuste ausgehen?

    Paulus, der selbst ein Willensmensch ist und ein Tatmensch, kennt solche Zweifel und Unsicherheiten. Er legt uns als Bruder und Freund die Hand auf die Schultern und sagt: Du hast ganz recht und ich verstehe Dich. Deine Kraft ist begrenzt und reicht vielleicht nicht aus bis zum Ziel. Aber das Entscheidende musst auch gar nicht Du tun, das Entscheidende tut Jesus für Dich. ER bringt Dich ans Ziel. Erinnere Dich, wie Dein Glaubensweg einmal begann. Wie viel Hilfe hat Dir damals Gott geschenkt! Dass Du den Mut zum Weg mit ihm fandest. Überlege, welche Menschen er Dir geschickt hat, die Dich ermutigt haben, dran zu bleiben? Erinnere Dich: In wie vielen Situationen hat er Dir geholfen? Und guck, genauso, wie ER Dir damals zur Seite stand, ist er noch heute bei Dir und wird Dich als Dein guter Hirte ans Ziel bringen. Er trägt Dich und hält Dich. Auf ihn kommt es an! Schau auf ihn!

    „Ich bin darin guter Zuversicht, dass der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird’s auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu.“

    Ich wünsche Ihnen einen zuversichtlichen Tag,

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für 26. Mai 2020

    Der HERR schaut vom Himmel auf die Menschenkinder, dass er sehe, ob jemand klug sei und nach Gott frage.                              Psalm 14,2

    Wissen kann man anhäufen, den Intelligenzquotienten vielleicht durch Tests ermitteln. Aber für Klugheit, für echtes Klugsein, gibt es nur ein einziges Kriterium: Klug ist, wer nach Gott fragt. Klug ist, wer mit Gott rechnet. Die Furcht des HERRN ist der Weisheit Anfang. So einfach ist das. Dabei wird deutlich: Es geht bei dieser Klugheit nicht um den Intellekt, sondern ums Herz. Es geht nicht um Kopfwissen, sondern um die Umsetzung im Alltag.

    Also müssen wir fragen: Was heißt das: nach Gott fragen? Wie macht man das? Antwort: indem ich das im Gebet tue und den Kontakt mit Gott suche. Indem ich vor und in allen Dingen, die mein Leben betreffen, es mit ihm bespreche – und ihn frage: um Rat, um Weisung, um Hilfe. Herr, was meinst du, was ich tun soll. Und dann natürlich auch, indem ich das zur Hand nehme, was er mir an Orientie­rungs­hilfe und an Antworten gegeben hat. Durch Menschen, mit denen er geredet hat, und die es aufgeschrieben haben. Wir haben Gottes guten Willen, Gottes Pläne – mindestens so weit wir sie wissen müssen – in der Bibel. Ja, es ist Menschenwort – aber zugleich ist es genauso uneinge­schränkt Gottes Wort, seine Offenbarung an uns. Sein Liebesbrief an uns.

    Nach Gott fragen – das hätten wir allerdings missverstanden, wenn wir denken, es sei damit getan, ab und zu mal auch an Gott zu denken. Gott geht es immer um’s Ganze. Ganz oder gar nicht – nach Gott fragen. Das sind die einzigen Alternativen. Gott will unser Leben bestimmen, prägen. Er will der Herr unseres Lebens sein. Sonst wäre er nicht Gott.

    Nach Gott fragen, das heißt: Gott über alle Dinge fürchten, lieben und ihm vertrauen. Das ist weise. Das ist klug. Denn wer ihm vertraut, ihn liebt und ihn fürchtet, der ist geborgen, gehalten und getragen bis in Ewigkeit.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 25. Mai 2020

    HERR, frühe wollest du meine Stimme hören, frühe will ich mich zu dir wenden und aufmerken. Psalm 5,4

    Ein Mähder, ein Mann mit einer Grassense steht schon früh am Morgen auf einer Bergwiese und schneidet mit der Sense Gras. Stunde um Stunde arbeitet er – aber es geht nicht so richtig voran. Ein anderer beobachtet ihn und dann sagt er: »Du solltest deine Sense mit dem Wetzstein schärfen«. Doch der Mähder schaut ihn nur kurz an – und sagt dann: »Dafür habe ich keine Zeit, ich hab noch so viel zu mähen.« Der arme Mann. Weiß er denn nicht: »Dengeln hält den Mähder nicht auf.« Die Sense schärfen, das ist keine Zeitverschwendung sondern Zeitgewinn.

    Dasselbe gilt für unser Leben. Vergleichen wir es mal mit einem Schiff. Morgens schon werfen wir die Schiffsmaschine an, um dann mit voller Kraft voraus in den Tag zu starten. Wir haben nur ein Problem: Wir haben nicht Kurs genommen, wir wissen nicht so recht, wohin mit all der Energie, mit all der Mühe, mit all der Lebenskraft. Wir kommen von Sinnen, wenn wir nicht mehr zur Besinnung kommen.

    Genau das hat der Beter erkannt – und seine Prioritäten anders gesetzt: Zuerst kommt der Kontakt mit Gott: frühe wollest du meine Stimme hören. Nicht erst, wenn ich mit meinem Latein am Ende bin, der Arzt nur noch ratlos mit den Schultern zuckt und ich keinen Ausweg mehr sehe. Nicht erst dann. Frühe wollest du meine Stimme hören. Gott soll und darf die erste Adresse für alles sein, was unser Leben betrifft. Zuerst – vor allen anderen Menschen – möchte ich es mit ihm bereden. Möchte mich an ihn wenden – und auf das hören, was er mir in seinem Wort sagt. Ich bin mir ganz sicher: Mit ihm zu reden und auf ihn zu hören – das ist keine vertane Zeit, sondern macht unsere Zeit zu einer erfüllten Zeit.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 18.05. bis 24.05.

  • add Andacht für Sonntag Exaudi, 24. Mai 2020

    Bei dir ist Vergebung, dass man dich fürchte.    Psalm 130,4

    Vergebung macht was mit uns. Denn Vergebung ist und bleibt etwas ganz Besonderes. Etwas nicht Alltägliches. Sie entspringt Gottes Gnade, Gottes unverdienter Zuwendung. Dietrich Bonhoeffer hat im ersten Kapitel seines Buches „Nachfolge“ von der teuren Gnade gesprochen und zugleich vor der billigen Gnade als Missstand der christlichen Kirche seiner Zeit gewarnt: »Billige Gnade heißt Gnade als Schleuderware, verschleuderte Vergebung, verschleuderter Trost, verschleudertes Sakrament; Gnade als unerschöpfliche Vorratskammer der Kirche, aus der mit leichtfertigen Händen bedenkenlos ausgeschüttet wird; Gnade ohne Preis, ohne Kosten… Billige Gnade heißt Rechtfertigung der Sünde und nicht des Sünders. … Billige Gnade ist Gnade ohne Nachfolge, Gnade ohne Kreuz, Gnade ohne den lebendigen, menschgewordenen Jesus Christus.«

    Bei dir ist Vergebung, dass man dich fürchte – spricht in genau demselben Sinn der Psalmbeter. Gottes Vergebung zielt auf Veränderung. Sie will mein ganzes Leben prägen. Wie es im Lehrtext aus dem Kolosserbrief für heute heißt: Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! Begnadigte leben anders. Jesus ist am Kreuz für uns gestorben, nicht nur, um uns unsere Schuld abzunehmen, sondern um uns zu erlösen, zu erwerben und zu gewinnen - »auf dass ich sein Eigen sei und ins einem Reich unter ihm lebe in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit. Gleichwie er ist auferstanden von den Toten, lebt und regiert in Ewigkeit. Das ist gewisslich wahr« So hat es Martin Luther erklärt.

    Der Psalmbeter spricht von Gottesfurcht. Während Ängste uns lähmen, ist die Gottesfurcht die einzige Furcht, die befreit: Wer sich vor Gott fürchtet – und ihn ehrt, oder ihn »fürchtet und liebt« wie Martin Luther in der Erklärung der 10 Gebote sagte, der braucht sich vor nichts und niemand anders zu fürchten. Da bei Gott – und mit ihm – ist unser Leben gut aufgehoben.

    Pfarrer Andreas Streich  

  • add Andacht für Samstag, 23. Mai 2020

    Mose sprach: Siehe, ich lege euch heute vor den Segen und den Fluch: den Segen, wenn ihr gehorcht den Geboten des HERRN, eures Gottes, die ich euch heute gebiete, den Fluch, aber, wenn ihr nicht gehorchen werdet den Geboten des HERRN, eures Gottes.  5. Mose 11,26-28

    Nicht immer hilft das Schwarz-Weiß-Denken weiter. Doch manchmal sind die Dinge so einfach, wie sie die Losung beschreibt: Es gibt in unserem Verhältnis zu Gott nur zwei Alternativen: Segen oder Fluch. Manchmal braucht es diese Klarheit, diese scharfen Kontraste – diese eindeutigen Aussagen: In Zusage wie auch in Warnung. Das mag unbequem sein, das mag zu einer zu einseitigen Gottes­vor­stellung, die nur einen »lieben Gott« kennen will, nicht passen. Aber das ist zentraler Inhalt der biblischen Offenbarung, dessen, was die Menschen des Alten und des Neuen Bundes von und mit Gott erlebt haben: Segen und Fluch. Gott nimmt uns Menschen ernst – Gott nimmt auch unsere Sünde ernst. Und Gott kann das trennen, was uns oft so schwer fällt: Den Sünder und die Sünde.

    So einfach die Botschaft ist, so schwer sind die Worte doch. Denn: Zu welcher Sorte Mensch gehören wir: Zu denen, die Gottes Gebote gehorchen – oder zu denen, die nicht gehorchen? Im Neuen Testament macht Jesus aller Selbsttäuschung in dieser Frage ein Ende: Da ist keiner, der Gutes tue, auch nicht einer stellt er nüchtern fest. Also: Alle unter dem Fluch. Ja! Und dann berichtet derselbe Paulus voller Staunen im Galaterbrief: Christus aber hat uns erlöst von dem Fluch des Gesetzes, da er zum Fluch wurde für uns (Galater 3,13). Ja, Gott verflucht die Sünde. Ja, vor Gott ist unser Ungehor­sam ihm gegenüber das Gravierendste, das es gibt. Etwas, worüber kein Gras wächst. Gott geht nicht zur Tagesordnung über. Aber er selber räumt aus. Er selber nimmt in seinem Sohn den Fluch, der uns treffen müsste, auf sich – und lässt uns noch einmal neu anfangen. Wieder sind wir beim Kern der christlichen Botschaft: Gottes Liebe, die keinen aufgibt. Gottes Liebe, die ihn selber alles tun lässt, damit wir verlorene Leute wieder mit ihm ins Reine kommen können. Was für eine Liebe! Was für eine Botschaft! Mit dieser Liebe, mit diesem Gott, der in Jesus Christus den Fluch von uns nimmt uns seinen ganzen Segen schenkt, können wir getrost leben und können wir auch getrost einmal sterben.  

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Freitag, 22. Mai 2020

    Andacht für Freitag, 22. Mai 2020

    Als der Sohn noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn, und er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn.                Lukas 15,20

    Liebe, Erbarmen, Freundlichkeit – all das können wir bei Gott lernen. Im Gleichnis vom verlorenen Sohn hat Jesus eindrücklich verdeutlicht, wie Gott es mit uns Menschen meint. Gerade auch mit denen, deren Biografie nicht so bruchlos und tadellos ist. Was motiviert den Vater, seinen Sohn, der auf den Vater und das Vaterhaus gepfiffen hat, nicht wieder in die Wüste zu schicken? Was für einen Grund gibt es, das alte Sprichwort »Wer nicht hören will, muss fühlen« nicht konsequent in die Tat umzusetzen?

    Ich kenne nur eines: Liebe. Abgrundtiefe, unbegrenzte und unüberbietbare Liebe. Gott gibt seine Menschen nicht auf. Keine und keinen einzigen. Auch die nicht, die wir längst abgeschrieben und abgestempelt haben. Die wir ausgrenzen und verurteilen, verdammen und vor denen wir warnen. Gott gibt sie nicht auf. Gott sehnt sich nach seinen Menschen. Nach jedem und jeder Einzelne von uns. Wer Gottes Erbarmen am eigenen Leib erfahren hat, der weiß auch um seine eigene Verloren­heit. Der weiß, wie wenig er Gottes Liebe, Gottes Erbarmen, diesen von Gott geschenkten Neuanfang verdient hat.

    So ist Gott. Das ist die Kernbotschaft des christlichen Glaubens: Durch Jesus Christus schenkt uns der große Gott einen ganz neuen Anfang, da macht er verlorene und verdammte Menschen zu Gottes Kindern. Nein, nicht wir sind das Maß aller Dinge. Nein, nicht wie wir uns selbst beurteilen und bemessen, zählt – sondern wie er, unser Gott uns ansieht. Und davon gilt es zu reden. Daran gilt es festzuhalten – vor und während und nach Corona: So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Da ist ein Vater im Himmel, der wartet bis wir heimkehren. Der sehnt sich nach uns. Nichts braucht diese Welt dringender als diese Botschaft

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Christi Himmelfahrt am Donnerstag, 21. Mai 2020

    Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.
    Johannes 12,32

    Himmelfahrt – das ist der Regierungsantritt von Jesus Christus. Nun ist er erhöht von der Erde. Schritt für Schritt ist er dorthin gelangt, wo er eigentlich hingehört: Am Ostermorgen durch die Auferstehung aus dem Tod ins ewige Leben. Und am Himmelfahrtstag von der Erde in Gottes Welt, die wir – weil wir kein anderes Wort dafür haben - »Himmel« nennen. Gottes Himmel ist aber etwas ganz anderes nochmal als unser Himmel oder das Weltall. Diesen Himmel Gottes können wir Men­schen nicht sehen und nicht erforschen. Jesus gelangt ans Ziel. Das ist die Botschaft von seiner Himmelfahrt. Es geht zunächst um seinen ganz persönlichen Weg als ewiger Sohn Gottes: Der in Ewigkeit beim Vater war – und aus der Ewigkeit in diese Welt kam – und nun wieder dorthin zurückkehrt, wo er hingehört.

    Das betrifft nun aber auch sein Werk: Das, was er mit uns vorhat. So wie Ostern Kreise zieht, so zieht auch Himmelfahrt Kreise: Die Herrschaft Jesu zieht Kreise. Sie umfasst alles. Und das, was Jesus wirkt, zieht Kreise – sein Wirken wird einmal alles ausfüllen. Was heißt das für uns heute? Wir sind mit hineingenommen in das, was an Himmelfahrt damals auf dem Ölberg in Jerusalem geschehen ist. Jesus sagt: Wenn ich erhöht werde, so will ich alle zu mir ziehen. Jesus hat ein Ziel mit uns. Und das Ziel heißt: Ewiges Leben in seiner Herrlichkeit. Dorthin will er uns ziehen. Er hat uns durch sein Sterben und Auferstehen zu Gottes Kindern gemacht. Und nun will er, dass wir auch die Herrlichkeit sehen, in der er ist. Das ist unser Ziel: Gottes Herrlichkeit. Und so, wie nichts und niemand ihn aufhalten konnte, vom Tod aufzuerstehen, so kann uns nichts aufhalten, in Gottes Herrlichkeit zu gelangen. Jesus zieht. Und er lässt nicht los. Er kommt zum Ziel – auch mit uns. So wie Paulus es schreibt: Ich bin darin guter Zuversicht, dass der, der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird’s auch vollenden bis an den Tag Jesu Christi. Der Tag Jesu Christi, das ist der Tag seiner Wiederkunft in Herrlichkeit. Dann wird er auch uns zu sich holen – für immer und ewig.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 20. Mai 2020

    Der Gerechte erkennt die Sache der Armen.
    Sprüche 29,7

     

    Gott geht es immer ums Ganze. Er will ganz und allein unser Gott sein. Und er will unser Leben ganz bestimmen. So einfach lässt sich die Sache mit dem Glauben zusammenfassen: Gott geht es immer ums Ganze. Bei ihm gilt: Das Eine nie ohne das Andere.

    Früher sagte man: »Wenn sich der Bauer bekehrt, dann merkt es zuerst das Vieh im Stall.« Ein Leben mit Gott, das strahlt aus – hinein in alle Lebensbereiche. Hier – in unserer Losung – sind es die Armen, die in den Blick genommen werden. Wer mit Gott im Reinen ist, wer mit ihm lebt und ihm vertraut, dem öffnet Gott die Augen dafür, wo es fehlt, wo Missstände sind. Der »Gerechte«, das ist der, der nach Gott fragt, der Gott fürchtet. Und hier heißt es nun: Dass der auch die Sache der Armen erkennt. D.h. der bekommt ein Gespür dafür, wo es fehlt und was es braucht. Weil Gott es ihm aufs Herz legt. Gott geht es immer ums Ganze. Nie nur um Frömmigkeit allein, sondern auch um soziale Verantwortung.

    Ich sehe in der heutigen Losung auch eine Anfrage und ein Korrektiv für uns: Ist es bei uns auch so? Hat unser Glaube auch Auswirkungen in alle Lebensbereiche, in alle Lebensbezüge? Oder ist da an der einen oder anderen Stelle noch etwas ausgeklammert? Etwas, wo wir meinen: Das hat mit dem Glauben an Gott nichts zu tun?

    Lassen wir es uns exemplarisch an diesem Vers zeigen: Es gibt keinen Lebensbereich, wo Gott in unserem Leben nicht das Sagen haben wollte. Lassen wir uns von ihm barmherzige Augen schenken, die finanzielle, aber auch geistliche Nöte bei Menschen in unserem Umfeld erkennen. Und bitten wir ihn um Liebe und Phantasie, um ihre Sache zu unserer Sache zu machen und ganz praktisch zu helfen. Gott zur Ehre, den Menschen zum Zeugnis und allen widergöttlichen Mächten zum Trotz.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Dienstag, 19. Mai 2020

    Zachäus aber trat herzu und sprach zu dem Herrn: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück.
    Lukas 19,8

     

    Unter manchem Sackgassenschild steht der Hinweis: »Keine Wendemöglichkeit«. Das ist eine Warnung – nicht nur für LKW-Fahrer und alle mit einem Anhänger: Da kommst du unter Umständen nicht mehr raus. Blöd, wenn man dann trotzdem reinfährt. Dann hilft nur noch der Rückwärtsgang.

    Gott schafft eine Wendemöglichkeit. Durch Jesus Christus schenkt Gott uns die Möglichkeit zur Umkehr. »Buße tun heißt: Umkehren in die offenen Arme Gottes. Dazu gehört, dass wir unsere Sünden herzlich erkennen, vor Gott und in gewissen Fällen auch vor Menschen bekennen, bereuen, hassen und lassen und im Glauben an Jesus Christus in einem neuen Leben wandeln.« Wie das ganz praktisch aussieht, das sehen wir bei Zachäus. Und da sehen wir auch, was Martin Luther so beschrieb: Buße tun ist ein fröhliches Geschäft.

    Wir müssen die falschen Wege nicht bis zu Ende gehen. Wir müssen nicht in unserer Schuld umkommen. Wir müssen uns nicht ewig grämen über falschen Entscheidungen. Und wir müssen die Schuld schon gar nicht verharmlosen oder auf andere schieben. Jesus will uns unsere Schuld abnehmen. Er will uns vergeben. Und er will, dass wir noch einmal – mit ihm – neu anfangen können.  Jemand malte auf ein Foto von einem Sackgassenschild in das weiß-rote »T« den gekreuzigten Jesus hinein, dass es aussah wie ein Kreuz und dann strich er das »Keine« durch, so dass nur noch das Wort »Wendemöglichkeit« blieb. Ja, der Gekreuzigte Jesus Christus ist unsere Wendemöglichkeit. Da ist die Tauschstelle: Wo wir unsere Schuld loswerden und in ein neues Leben starten dürfen. Mit ihm und geprägt von ihm, unserem Herrn, den auch Zachäus ganz bewusst als »Herr« anredet.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 18. Mai 2020

    HERR, du gabst unsern Vätern deinen guten Geist, sie zu unterweisen.
    Nehemia 9,20

     

    Ohne den Heiligen Geist gibt es keinen Glauben. Gottes Geist können wir nicht sehen und nicht steuern. Er weht, wo er will. Im Hebräischen wie im Griechischen bedeutet das Wort für Geist zugleich auch »Wind« und »Hauch«. Was ist der Heilige Geist? Er ist ein Geist der Unterweisung – das erfahren wir aus dem Losungsvers. Unterweisung nun aber in einem sehr persönlichen Sinn: Dass mir das, was ich von Gott erkannt habe, zu Herzen geht. Dass es mein Herz berührt und verändert.

    Der Heilige Geist ist nicht nur ein Geist, der Wissen vermittelt. Das wäre zu wenig. Sondern er ist viel mehr ein Lebendigmacher: Wenn ich in meiner Bibel lese – ohne den Heiligen Geist – dann bleibt alles nur schwarz und weiß: Weißes Papier und schwarze Buchstaben. Der Heilige Geist als Lebendigmacher macht mir das Wort Gottes lebendig: Dass ich spüre und merke: Das gilt jetzt mir! Diese Zusage, die darf ich ganz persönlich nehmen. Deshalb: Ohne den Heiligen Geist gibt es keinen Glauben. Kein Vertrauen zu Gott. Keinen Glaubensmut, kein Glaubenswagnis und keine Glaubensgewissheit. All das bewirkt Gottes Heiliger Geist in uns.

    Wenn im Nehemiabuch an die Gabe und das Wirken von Gottes gutem Geist erinnert wird, dann in der Gewissheit, dass dieser gute Geist auch damals – und auch bei uns heute – wirksam sein muss und sein will. Wir dürfen bitten, dass er uns erfüllt, uns prägt, uns motiviert und uns lebendig macht. Ja, auch wir brauchen ihn – genau wie die Väter, genau wie zu Zeiten Nehemias. Und Gott schenkt ihn uns. Was für ein wunderbares Geschenk – dieser Lebendigmacher, Gottes guter Geist.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 11.05. bis 17.05.

  • add Andacht für Sonntag Rogate, 17. Mai 2020

    Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.
    Psalm 66,20

     

    So haben es viele von uns wohl einmal auswendig gelernt: »Das Gebet ist ein Reden des Herzens mit Gott in Bitte und Fürbitte, Dank und Anbetung. An guten wie an schlechten Tagen dürfen wir als Kinder Gottes im Namen Jesu zu ihm kommen.« Es ist gut, das zu wissen – und es ist noch besser, das zu praktizieren – Tag für Tag. Und es lohnt sich, ab und zu – wie heute am Sonntag Rogate, dem »Gebetssonntag« über das Beten mit der Bibel in der Hand auch einmal nachzudenken.

    Der unbekannte Psalmbeter tut das im Psalm 66. Und er tut es in der – wie ich meine – einzig möglichen und richtigen Form: Indem er Gott lobt. Indem er Gott sagt, wie gut er ist. Und wie gut es tut, mit ihm zu leben. Wenn Sie den ganzen Psalm lesen, merken sie: er tut das mit zweierlei Adressaten: Einmal Gott selbst gegenüber – im Mittelteil des Psalms. Und dann aber auch gegenüber anderen Menschen, die er ermutigt, Gott auch zu loben und zu beten. Gott loben – darauf kommt es an. Gott an die erste Stelle setzen – auch in unserem Leben. Denn er hat es wirklich verdient. Ihm gebührt der erste Platz. Das Vaterunser ist uns heute als Predigttext gegeben. Auch da kommt Gott zuerst: Dein Name werde geheiligt, dein Reich komme, dein Wille geschehe. Und mit dem Lob und der Anbetung Gottes endet dieses einzigartige Gebet auch: denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Wie gut, dass Gott unser Gebet hört. Wie gut, dass wir mit allen großen und kleinen Nöten immer zu ihm kommen können. Wie gut, dass seine Tür – durch Jesus Christus – für uns alle weit geöffnet ist. Sagen wir’s ihm doch, wie gut er ist und wie gut er uns tut – immer wieder. Denn: Danken schützt vor Wanken und Loben zieht nach oben.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 16. Mai 2020

     

    Jesus spricht: Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen. Lukas 21,33

     

    Plötzlich ist alles anders. Ein kleines Virus wirft unseren Alltag und auch unsere Urlaubsplanungen völlig durcheinander. Selbständige, kleine und große Betriebe – denen man das nie zugetraut hätte – bangen um ihre Existenz, Menschen um ihren Arbeitsplatz. Wer hätte das gedacht? Das war nicht geplant – doch plötzlich ist alles anders. Es zeigt mir, wie zerbrechlich all die Sicherheiten sind, die wir uns selbst schaffen. Jesus ist in seinem Wort noch viel grundlegender: Alles, aber auch wirklich alles, was uns diese Welt an Sicherheit bieten kann, hat im Letzten keinen Bestand. Himmel und Erde werden vergehen. Himmel und Erde, so wie wir sie kennen, sind nicht das, was bleibt und sind darum auch nicht das, woran wir unser Herz und unser Leben im letzten hängen können.

    Würde der Satz hier enden, dann wäre das eine niederschmetternde Diagnose. Dann hieße das: Uns allen – auch unserer Welt – bleibt nur das Vergehen und Vergessenwerden. Doch der Satz geht weiter. Und jetzt kommt die entscheidende Orientierungshilfe: Aber meine Worte werden nicht vergehen. Das, was Jesus Christus zusagt, das bleibt bestehen. Auch über dieses Leben hinaus. Auch über den Tod hinaus. Auch über diese Welt hinaus. Solange wir in dieser Welt leben und solange sie besteht, durch alle Krisen-, Kriegs- und Pandemiezeiten hindurch – bis an ihr Ende gilt uns das Wort: Siehe, ich bin bei euch bis an der Welt Ende. Und wenn unser Leben auf dieser Welt zu Ende geht, und wenn diese Welt an ihr Ende kommt, dann gilt es uns sein Wort: Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich! In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen. Wenn’s nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten? Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin. Jesus, unser Herr, hat Worte des ewigen Lebens. Er schafft einen neuen Himmel und eine neue Erde. Und er lässt die nicht los, die ihm vertrauen. Er lässt nicht los – nicht in Zeit und nicht in Ewigkeit. Das ist mehr wert als alle Sicherheiten dieser Welt.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 15. Mai 2020

    Der HERR erhörte unser Schreien und sah unser Elend, unsere Angst und Not.
    5. Mose 26,7

     

    Gott hört uns und Gott sieht uns. Das ist die Botschaft dieses Verses. Interessant ist, in welchem Zusammenhang er steht. Er steht in einem Kapitel, das so was ist wie Zukunftsvorsorge. Vorsorge ist ja auch bei uns ein großes Thema: finanzielle Vorsorge für’s Alter wird jedem ans Herz gelegt, die Gesundheitsvorsorge. Und so gibt es auch eine Zukunftsvorsorge in Sachen Glauben. Und zwar eine Vorsorge nicht nur in Krisenzeiten, wenn es uns schlecht geht, sondern auch in guten Zeiten.

    Das Volk Israel steht an der Schwelle zum Gelobten Land, zu dem Land, das Gott ihnen versprochen, verheißen hat, dass sie es einnehmen werden. Wie wird es sein, wenn sie es eingenommen haben? Wenn alles wieder so ganz anders ist, wenn die Ausnahmesituation der Wüstenwanderung vorbei ist? Ganz ähnlich fragen wir uns vielleicht auch: Wie wird es sein, wenn die Corona-Krise überwunden ist, die Pandemie nicht mehr die Schlagzeilen bestimmt? Vergessen wir dann Gott? Gott trifft Vorsorge für den Glauben seiner Leute. Er ordnet an, dass sie Feste feiern sollen. Feste für ihn und mit ihm. Dazu gehört, dass sie die Erstlingsfrüchte ihrer Ernte Gott bringen. Sie sollen ihm bekennen, dass sie die Ernte nicht ihrem Fleiß und ihrer Klugheit, sondern Gott verdanken. Und sie sollen Gott bekennen, dass er nicht nur sie versorgt, sondern schon mit ihren Vorfahren eine lange Geschichte hatte. Eine Geschichte des Hörens und des Sehens und der Hilfe und Rettung. Vorsorge für den Glauben, damit er bei dem bleibt, was ihm hilft: Beim Vertrauen auf Gott. Das braucht auch die Erinnerung: Vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.

    Es stimmt: Gott hat keine Enkelkinder, er hat nur Kinder. Mit jedem und mit jeder möchte er seine Glaubensgeschichte. Doch was Glaube ist, das verändert sich nicht – durch die Generationen – denn er, unser Gott ist derselbe, gestern, heute und morgen. Und deshalb dürfen auch wir erinnernd bekennen – vielleicht weil wir es selbst ja auch schon erfahren haben: Der HERR erhörte unser Schreien und sah unser Elend, unsere Angst und Not.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 14. Mai 2020

    Erforscht euch selbst, ob ihr im Glauben steht; prüft euch selbst! Oder erkennt ihr an euch selbst nicht, dass Jesus Christus in euch ist?
    2. Korinther 13,5

     

    Ein Jugendfreund von mir wurde einmal von einem Älteren, der ihn nicht kannte, gefragt, wie man das früher fragte: »Wem gehörst du?« Schlagfertig gab er zur Antwort: »Ich gehöre meinen Vater!« Das hat dem Fragenden natürlich nicht wirklich weitergeholfen.

    Aber für uns alle ist wichtig, dass wir eine Antwort auf die Frage geben können: »Wem gehöre ich? Wo gehöre ich hin?« - »Ich gehöre zu Jesus Christus« ist die Antwort des Glaubens. »Durch ihn bin ich ein Kind Gottes, meines Vaters im Himmel.« Viele behaupten: Beim Glauben gebe es keine Gewissheit. Das sei ja eben der Unterschied zwischen Glauben und Wissen. Im Deutschen mag an dieser Beobachtung was dran sein. Nur: das deutsche Wort »Glaube« ist eben nicht ganz eindeutig. »Glaube« biblisch verstanden hat tatsächlich etwas mit Gewissheit zu tun. Eine schöne Definition von Glauben findet sich im Hebräerbrief: Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das was man hofft und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. Oder mit den Worten von Paul Gerhardt ausgedrückt: »Nun weiß und glaub ich feste, ich rühm’s auch ohne Scheu, dass Gott, der Höchst und Beste, mein Freund und Vater sei und dass in allen Fällen er mir zur Rechten steh und dämpfe Sturm und Wellen und was mir bringet Weh.« (EG 351,2).

    Wir sind aufgefordert uns selbst zu prüfen, ob wir in diesem Glauben stehen. Keine Sorge: Sollte sich bei dieser Prüfung herausstellen, dass dem nicht so ist, dann steht die Einladung von Jesus felsenfest: Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Seine Tür ist offen für uns – er wartet auf uns. Seine Liebe, seine Vergebung, seine Gnade gewährt einen Neuanfang. Gerade das ist der Kern unseres Glaubens – das Unaufgebbare: Dass Jesus uns nicht aufgibt.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 13. Mai 2020

    Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder.
    1. Könige 8,39

     

    Es ist gut, dass wir nicht alles wissen. Es ist gut, dass wir Menschen nicht ins Herz eines anderen sehen könnten. Wir Menschen sehen – wie Gott es dem Propheten Samuel sagte – nur, was vor Augen ist. Gott aber sieht das Herz an. Wenn wir in die Herzen der anderen sehen könnten, dann würde es wahrscheinlich noch viel schlimmer auf dieser Welt zugehen. Oder wir würden depressiv über all der Bosheit und Verschlagenheit, die wir da zu Gesicht bekommen würden. Und darum ist es gut, dass wir nicht alles sehen, was im Herzen eines andern Menschen vor sich geht.

    Wir sehen und verstehen ja oft nicht einmal, was in unserem eigenen Herzen vor sich geht – in diesem »trotzigen und verzagten Ding« wie es einmal in der Bibel heißt. Doch Gott kennt unser Herz. Unser aller Herz. Er sieht’s. Ja, er weiß um die finsteren Gedanken, die auch wir hegen. Doch das ist nicht der Kern dieser Erkenntnis im 1. Königebuch. Gott weiß auch um alle unsere Nöte, um unsere Ängste, um unsere Sehnsüchte, auch die unerfüllten. Wo andere uns nicht verstehen – da versteht uns unser Gott. Und er liebt uns. Er schaut mit den Augen seiner Liebe auf unser Herz. Er will heilen, er will zurechtbringen und vor allem: Er will in unserem Herzen wohnen. Er sieht was uns fehlt. Er sieht unsere tiefste Sehnsucht: Die Sehnsucht nach ihm. Und das ist auch seine tiefste Sehnsucht: Dass wir als seine Kinder mit ihm leben. Dass wir ihm von Herzen vertrauen, ihn von Herzen lieben und dass er den ersten Platz in unserem Herzen bekommt und behält. Gott kennt unser Herz. Er sieht auch, was an Potential, an Entwicklungsmöglichkeit in unserem Herzen, in unserem Leben steckt. Leben und volle Genüge will er uns schenken – durch Jesus Christus, seinen Sohn. Ja, er kennt unser Herz und er lässt uns in sein Herz blicken: In seine Liebe und seine Sehnsucht nach uns. Mit ihm wollen und dürfen wir leben – heute und für immer.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 12. Mai 2020

    Paulus schreibt: ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung, sodass ihr prüfen könnt, was das Beste sei.
    Philipper 1,9-10

     

    Wer sich nicht sicher ist, worum er für sich selbst beten soll, bekommt hier eine wunderbare Hilfe an die Hand. Um Liebe lohnt es sich zu beten. Um Liebe zu Gott und um die Liebe zum Nächsten. In den Sendschreiben der Offenbarung ist vom Wert der »ersten Liebe« die Rede – und wie wichtig es ist, dass wir sie nicht verlassen. Es gibt Dinge, von denen kann man nie genug haben: Nein, das Geld gehört nicht dazu. Zu viel Geld, darin ist die Bibel recht eindeutig, schadet in der Regel. Es verschiebt die Prioritäten in unguter Weise. Aber Liebe – davon können wir nie genug haben. Und Erkenntnis brauchen wir. Erkenntnis, die mehr ist als Bescheidwissen. Erkenntnis, das ist, wenn das, was ich über Gott oder mich und andere erkannt und begriffen habe, den kurzen – und doch oft so langen – Weg von meinem Verstand in mein Herz gefunden hat. Wenn’s zur Anwendung kommt. Wenn’s zur Umsetzung kommt. Wenn ich Gott gehorsam bin – wie es von Salomo in der heutigen Losung heißt: Der HERR sprach zu Salomo: Bitte, was ich dir geben soll! Salomo sprach: Du wollest deinem Knecht ein gehorsames Herz geben, dass er dein Volk richten könne und verstehen, was gut und böse ist. Darum lohnt es sich zu bitten: Dass Gott mir mehr zeigt von sich und von mir und über mich und was er mit mir vorhat. Und dass ich das dann umsetze, ihm gehorsam bin. Dass Erfahrung draus wird. Das ist das dritte Stichwort neben Liebe und Erkenntnis.

    Gott hat das Beste mit uns vor. Entscheidend wichtig aber ist für uns, dass wir prüfen können, was dieses Beste ist. Dazu brauchen wir die Bibel, sein Wort. Dazu brauchen wir die Liebe zu ihm und dazu brauchen wir Erkenntnis, Gehorsam und die Erfahrung. Weil das alles nicht immer auf Anhieb klappt, weil wir Fehler machen und Sünder bleiben – darum ist eine der wesentlichen Erfahrungen, die wir immer wieder brauchen: Die Vergebung. Halten wir’s kurz mit der Sünde. Bringen wir unser Versagen im Gebet unserem Herrn. Er hört uns, er vergibt. Davon dürfen wir leben.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 11. Mai 2020

    Gott, wir haben mit unseren Ohren gehört, unsre Väter haben’s uns erzählt, was du getan hast zu ihren Zeiten, vor alters.
    Psalm 44,2

     

    Am 22. März 1599 wurde im Nordschwarzwald eine neue Stadt gegründet – sie war auf dem Reisbrett entstanden – die Straßen Mühlebrettartig um den größten Marktplatz Deutschlands herum angelegt: Freudenstadt. Sie bot Heimat für Glaubensflüchtlinge aus Österreich, v.a. aus der Steiermark, Kärnten und Slowenien. Diese Menschen hätten ihre Heimat nicht unbedingt verlassen müssen. Einzige Bedingung zu bleiben wäre gewesen: ihren evangelischen Glauben aufzugeben und ihre Bibeln abzugeben. Doch gerade die Liebe zur Bibel war es, dass sie lieber den langen Weg in die Fremde auf sich nahmen und sich im rauen Klima des Schwarzwalds eine neue Existenz aufbauten. Auf die Bibel wollten sie nicht verzichten. Es ging ihnen wie dem Psalmbeter unserer Losung: Sie haben den Wert dessen, was uns von Gottes großen Taten von alters her erzählt wird, für ihr Leben erkannt. Und sie haben dadurch den Gott kennengelernt, den wir eben nicht in der Natur, in unseren Gedanken finden. Den Gott, der unsichtbar ist, dessen Gedanken wir nicht ergründen und dessen Pläne wir nicht erklären können. Doch auch den Gott, der uns liebt und der sich geoffenbart hat.

    Offenbarung ist das wesentliche Stichwort, wenn wir über Gott reden wollen. Mit unseren Sinnen können wir Gott nicht erkennen, verstehen, untersuchen – wie alles andere in der Natur. Er ist für uns nicht erreichbar. Doch er hat von sich aus die Mauer der Unsichtbarkeit durchbrochen: Er hat dies in der Geschichte mit ein paar Menschen in einem kleinen Landstrich im Nahen Osten getan. Warum gerade mit ihnen? Darauf können wir nur antworten: Es hat Gott so gefallen! Mit einem kleinen Volk Israel schreibt er seine Geschichte – und zeigt, wie er es mit uns Menschen meint. In Jesus Christus kommt er selbst und wird Mensch – und zeigt, wie sehr er uns liebt und dass er retten und helfen will. Und es hat Gott gefallen, dass diese Botschaft bis heute durch Menschen vermittelt wird. Jesus selbst hat kein Buch geschrieben. Es waren Menschen, die seine Geschichte und seine Reden aufgeschrieben haben. Es hat Gott so gefallen. Und er hat diesen Prozess der Entstehung der Bibel durch seinen heiligen Geist gelenkt. Darum ist zuverlässig, was uns in der Bibel berichtet wird. Darum ist und bleibt dieses Buch die einzige Norm für unseren Glauben. Nicht was Theologen erzählen, nicht was eine Fakultät in Tübingen oder ein Papst in Rom meint, zählt, sondern was in der Bibel, im Wort Gottes steht, darauf ist Verlass. So können auch wir unsern Gott loben für das, was er getan hat und noch tut.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 04.05. bis 10.05.

  • add Andacht für Sonntag Kantate, 10. Mai 2020

    Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder.              Psalm 98,1

    Heute feiern wir den Sonntag »Kantate« - etwas anders als sonst. Auch wenn heute wieder in eingeschränkter Form Gottesdienste in den Kirchen in unserer Landeskirche gefeiert werden können, so soll doch auf das gemeinsame Singen im Gottesdienst verzichtet werden. Nicht aus Schikane, sondern aus Nächstenliebe – damit niemand angesteckt wird. Denn beim Singen werden nachge­wiesener­maßen mehr Tröpfchen als sonst aus unserem Rachen in die Umwelt abgegeben.

    Die Aufforderung des Wochenspruchs gilt uns dennoch. Gemeinsam können wir im Herzen singen. Ich bin sicher, wir werden neue Lieder finden – Lieder des Herzens, die wir miteinander singen und teilen können. Wir haben so viele technische Möglichkeiten – auch das ist für mich Ausdruck des »neuen Liedes«, von dem im Psalm 98 die Rede ist. Wir können Lieder aufnehmen, sie anhören, sie versenden – weltweit.

    Es sind Lieder für Gott. Lieder für den Herrn der Welt, dem auch unser Leben gehört. »Dessen Allmacht niemals endet, dessen Wunder ungezählt« wie es Peter Strauch formulierte. Musik ist eine Kommunikationsform, für die wir auf ganz vielen Ebenen empfänglich sind: rational und emotional. Eine wunderbare Gabe. Wichtig ist, was damit transportiert wird: Es geht um unseren großen Gott, um unseren Schöpfer, um unseren Retter und um den, der uns bis an sein gutes Ziel bringen wird. Ihn immer wieder sich ins Bewusstsein zu rufen und ins Herzen zu singen, das wollen wir tun. Denn mit ihm wird unser Leben erst wirklich erfüllt. Und das soll klingen – auch durch unser Singen.

    Pfarrer Andreas Streich  

  • add Andacht für den 9. Mai 2020

    Der HERR, dein Gott, hat dich gesegnet in allen Werken deiner Hände. 5. Mose 2,7

    Jemand sagte einmal: Wir Menschen haben oft ein Problem mit unseren Erinnerungen: Die guten Erfahrungen, die schreiben wir in den Sand – und die schlechten Erinnerungen, die meißeln wir oft in Stein. Dabei sollten wir es doch gerade umgekehrt machen. Damit wir nicht griesgrämig, unzufrieden und undankbar werden, brauchen wir Erinnerungshilfen.

    Das Kapitel, aus dem der Vers der Losung stammt, ist eine solche Erinnerungshilfe für das Volk Israel. Da werden sie an das Gute erinnert, das sie erlebt haben. Der Losungsvers ist eigentlich noch länger. Im Losungsblüchlein steht nur der 1. Teil. Erhellend ist, wie er weitergeht: Er hat dein Wandern durch diese große Wüste auf sein Herz genommen. Vierzig Jahre ist der HERR, dein Gott bei dir gewesen. An nichts hast du Mangel gehabt. Das ist so wichtig, dass unsere Erinnerung und unser Dank konkret wird, nicht abstrakt bleibt.

    Sagen wir es Gott doch ganz konkret, wofür wir danken können. Wo wir genau dasselbe wie das Volk Israel erlebt haben: Wo Gott uns gesegnet hat in allen Werken unserer Hände. Wo er uns etwas hat gelingen lassen. Von der Mutter des Essener Jugendpfarrers Wilhelm Busch ist überliefert – sie stammte von Hülben auf der Schwäbischen Alb – dass sie bekannt hätte: »Ohne meinen Heiland kann i et amol Pfannakuacha bacha (kann ich nicht einmal Pfannkuchen backen)« Es gibt so viel Gutes, wofür wir danken können. Danken schützt vor Wanken und Loben zieht nach oben. Das gilt auch jetzt noch – und gerade jetzt, wo manches in unserem Alltag anders ist. Grund zum Danken und zum Loben haben wir immer noch genug. Denn Gott hat auch uns gesegnet – und will uns weiterhin segnen.

    Pfarrer Andreas Streich  

     

  • add Andacht für den 8. Mai 2020

    HERR, lass mir deine Barmherzigkeit widerfahren, dass ich lebe. Psalm 119,77

    Heute sind es 75 Jahre, dass der 2. Weltkrieg in Europa zu Ende ging. 75 Jahre Frieden durften wir erleben.

    Von dem griechischen Philosophen Sokrates ist überliefert, dass er einmal am Hafen beobachtete, wie die Waren der Schiffe aus- und eingeladen wurden. Waren aus aller Herren Länder. Als er eine Weile zugeschaut hatte, sagte er: »Wie viele Dinge gibt es doch, die ich alle nicht brauche.«

    Ein kleines Stück dieser Philosophie müssen wir derzeit alle buchstabieren: Vieles, was vor ein paar Monaten möglich war, und selbstverständlich, ist nun seit einigen Wochen nicht mehr möglich – und wird wohl auch so bleiben. Und wir leben trotzdem – auch ohne Flugreisen, Schiffsreisen, Urlaubs­reisen, Bundesliga, Formel 1 und Skifahren, Schwimmbäder und ständig verfügbare Hefewürfel. Wie viele Dinge gibt es doch, die ich alle nicht brauche.

    Der Psalmbeter spricht nun aber von etwas, was er braucht – zum Leben braucht. Zum Leben, das mehr ist als biologisches Leben, Vegetation. Zu einem Leben, das ist, wie es sich der Schöpfer des Lebens gedacht hat: Erfülltes Leben, Sinnerfülltes Leben. HERR, lass mir deine Barmherzigkeit widerfahren. Wenn Gott sich mir zuwendet und mir hilft, dann – und nur dann – wird mein Leben zu etwas Ganzem, zu etwas, was dieses Prädikat »Leben« wirklich verdient. Dieses Leben kann sich keiner selber nehmen. Man kann es nicht im Internet kaufen und nicht im Reisebüro buchen. Man kann nicht mit dem Auto hinfahren und nicht mit dem Flugzeug hinfliegen. Dieses Leben kann man sich nur schenken lassen. Schenken lassen von dem barmherzigen Gott, der sich in Jesus Christus uns zuwendet. Der Mensch geworden ist. Dem wir nicht egal sind, sondern der genau das will: Uns das Leben schenken, das ewige Leben. Jesus sagt: ich bin gekommen, damit sie das Leben und volle Genüge haben. Das brauchen wir – und mit weniger sollten wir uns nicht zufrieden geben.

    Pfarrer Andreas Streich  

     

     

  • add Andacht für den 7. Mai 2020

    Du bist ein Gott der Vergebung, gnädig und barmherzig, langmütig und reich an Güte. Nehemia 9,17

    Das Nehemia-Buch ist ein Aufbaubuch. Es berichtet vom Wiederaufbau von Jerusalem nach der großen Katastrophe. Die Babylonier hatten viele Jahrzehnte zuvor die Stadt und den Tempel zerstört und viele nach Babel gefangen weggeführt. Nun wurde unter Jeremias Anleitung die Stadtmauer wieder aufgebaut. Gott hat ihm den Mut und die Entschlossenheit dazu geschenkt. Es wird wieder Gottesdienst gefeiert und das Laubhüttenfest.

    Und dann schauen die Menschen aus dem Volk Israel im 9. Kapitel des Nehemiabuchs miteinander zurück – auf ihre Vergangenheit, auf ihre Geschichte mit Gott. Dabei stellen sie einen – im wahrsten Sinne des Wortes – himmelweiten Unterschied fest: zwischen Gott und ihnen. Während Gott ihnen Gutes getan hat, sie erwählt hat, errettet hat, ihnen immer wieder geholfen hat, haben sie nicht im Entferntesten so reagiert, wie Gott es eigentlich verdient hätte: Aber unsere Väter wurden stolz und halsstarrig, dass sie deinen Geboten nicht gehorchten und weigerten sich zu hören und gedachten auch nicht an deine Wunder, die du an ihnen tatest, sondern sie wurden halsstarrig und nahmen sich fest vor, zu ihrer Knechtschaft in Ägypten zurückzukehren (Neh 9,16-17). So heißt es im Bußgebet dort im Nehemiabuch. Und Gott? Wie reagiert er darauf? Hätte er nicht allen Grund, dieses Volk nun im wahrsten Sinne des Wortes „in die Wüste zu schicken“, Schluss zu machen, sich ein anderes Volk zu suchen. Die Beter können nur staunend bekennen, was die Väter erlebt haben: Du Gott, du bist ganz anders. Du bist ein Gott der Vergebung, gnädig und barmherzig, langmütig und reich an Güte.

    So ist Gott auch für uns. So hat er es allen Menschen in Jesus Christus, seinem Sohn bewiesen. Gott ist ein Gott der Vergebung. Weil wir Vergebung brauchen – und weil wir sie eben nicht selbst produzieren können. Er schenkt sie uns – durch Jesus. Gott ist ein Gott der Gnade, der unverdienten Zuwendung. Gott ist ein Gott der Barmherzigkeit, die jedem Menschen gilt, der Geduld und der Güte. All das will er uns schenken. Wenden doch auch wir uns ihm immer wieder zu – so wie es das Volk Israel getan hat – und bis heute tut.

    Pfarrer Andreas Streich  

     

  • add Andacht für den 6. Mai 2020

    Gott spricht: ich will die Finsternis vor ihnen her zum Licht machen und das Höckerige zur Ebene. Jesaja 42,16

    Die Stadt Filderstadt hat gebaut. Die im Volksmund als „Hexengängle“ bekannte Verlängerung der Pfarrstraße zur alten Burgstelle in Plattenhardt, wurde ausgebaut. Wo vorher nur ein besserer Trampelpfad war, da gibt es jetzt Treppenstufen und einen mit Kiesel befestigten Weg, der auch bei starkem Regen noch gangbar bleibt. Und eine Straßenbeleuchtung wurde installiert, so dass man auch bei Nacht sicher ist. Die Absicht dahinter: Die Menschen sollen sicher unterwegs sein.

    Auch Gott baut einen Weg. Einen Weg für seine Menschen. Er räumt alles aus, was sie hindert, zu ihm zu kommen. Die Finsternis – ein durch die ganze Bibel hindurch gebrauchtes starkes Bild für ein Leben ohne Gott, für die Gottferne – Gott selbst macht sie zum Licht. Das Höckerige und Unebene – es wird eben und gangbar. Wichtig ist: Wer sagt das? Wer sorgt dafür, dass Menschen zu Gott kommen können? Wer schafft alle Voraussetzungen für ein Leben der Menschen mit Gott? Es sind nicht die Menschen. Es ist unser Gott. Er allein. Wenn er sagt: »Ich will«, dann hat das eine andere Qualität, als wenn wir sagen »ich will«. Ob aus unseren Plänen und Absichten Realität wird, das bleibt fraglich. Aber wenn Gott sagt »ich will«, dann wird was draus. Garantiert. Gott holt Menschen aus der Finsternis. Gott schafft alle Hindernisse aus dem Weg – weil er will, dass wir zu ihm finden.

    In Jesus Christus, seinem Sohn ist dieses Wort in einzigartiger Weise in Erfüllung gegangen. Jesus hat die Finsternis des Karfreitags erduldet, um uns in sein Licht zu stellen. Er hat unsere Sünde, all das, was uns von Gott trennt, auf sich genommen und uns den Weg zu Gott gebahnt. Der Weg ist frei. Wir dürfen kommen – und als Kinder Gottes leben, heute und in Ewigkeit. Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selbst so schreibt es Paulus. Die Initiative geht von Gott aus. So sehr liebt er uns. Er baut einen Weg. Einen gangbaren Weg. Den einzigen Weg für uns Menschen zu ihm.

    Pfarrer Andreas Streich  

     

  • add Andacht für den 5. Mai 2020

    Christus ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor aller Schöpfung. Denn in ihm ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare.

    Kol 1,15-16

    Als wir Studenten waren, gab uns einmal ein erfahrener Pfarrer einen guten Rat: Wenn ihr nicht wisst, über was ihr predigen sollt, dann macht einfach Jesus groß. In der Tat: Von Jesus können wir gar nicht groß genug denken. Er ist für uns der Zugang zu Gott.

    Gott ist unsichtbar, stellt der Apostel fest. Aber aus der Unsichtbarkeit ragt in unsere sichtbare Welt etwas von Gott herein und macht sichtbar, wie Gott ist: In Jesus Christus, Gottes Sohn, hat der unsichtbare Gott eine sichtbare Geschichte in dieser Welt. Da hat er sich gezeigt. Und da hat er uns gezeigt, wie er es im Tiefsten seines Herzens mit uns meint – wie sehr er uns liebt und wie sehr er sich nach uns sehnt.

    Wenn wir mehr über Gott erfahren wollen, dann müssen wir uns Jesus Christus anschauen. Dann müssen wir über ihn nachdenken. Über seine Größe. Der Apostel zeigt: Die Geschichte von Jesus Christus, seine Biografie, die fängt nicht erst mit Weihnachten an, im Stall von Bethlehem. Nein, er kommt aus der Ewigkeit beim Vater. Er ist der Erstgeborene vor aller Schöpfung. Bevor die Welt da war, war er schon da – gezeugt, nicht geschaffen – wie das große Glaubensbekenntnis betont. Er gehört nicht zur Schöpfung, sondern ist ihr Urheber: Denn in ihm ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare. Wenn das stimmt, dann stimmt auch der Satz: Von Jesus können wir gar nicht groß genug denken. Und dieser große Herr, will unser Herr sein, will mein und dein Herr sein. Mit ihm kommt die Ewigkeit in unser Herz – und er bleibt in Ewigkeit in uns. Er lässt nicht los, die Gemeinschaft mit ihm soll nie enden.

    Pfarrer Andreas Streich  

     

  • add Andacht für den 4. Mai 2020

    Der Knecht im Gleichnis von Jesus sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da. Und der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde. Lukas 14,22-23

    In Zeiten von Kontaktbeschränkungen klingen solche Worte seltsam fremd. Ab heute dürfen wieder Gottesdienste in Baden-Württemberg gefeiert werden – unter strengen Auflagen. Unsere Landes­kirche hat noch strengere Auflagen erlassen: 2 m Abstand drinnen und draußen. Wir haben es mal grob überschlagen: Zum einen sind wir froh, dass wir keine Bänke, sondern Stühle haben, weil uns das viel flexibler macht. Aber bei 2 m Mindestabstand haben nur ca. 20 Menschen in unserer Kirche Platz. Und auf die Empore darf niemand. Der Hausherr im Gleichnis sagt: Nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde. Mich erinnert dieser Lehrtext daran, dass unser Gott viel größer ist – viel mehr Möglichkeiten hat als wir Menschen. Und dass in ihm eine viel größere Liebe und Sehnsucht brennt, als wir es uns vorstellen können. Gott will einfach alle. Gott will lieber heute als Morgen, dass Menschen seiner Einladung folgen. Seiner Einladung zum Fest des Lebens, zum Glauben, zum Vertrauen, zur Umkehr in seine offenen Arme. Gott will retten. Gott will nicht ohne uns sein, sondern mit uns. Das Haus Gottes ist viel größer als unsere Kirche und unser Gemeindehaus – als unsere Plätze. Da ist Platz. Da muss keiner weggeschickt werden. Das Haus Gottes ist auch nicht identisch mit unseren Kirchengebäuden. Es ist das Haus des Glaubens.

    Die Epidemien und Krisen der Vergangenheit haben uns gelehrt: Diese Ausnahmezeiten gehen vorüber. Wenn man drinsteckt, weiß man zwar noch nicht, wann genau. Aber: Sie gehen vorüber. So auch diese Krise. Wir werden wieder ohne Einschränkungen gemeinsam in der Kirche feiern dürfen.

    Wenn es jetzt nur mit Einschränkungen möglich ist – aus Nächstenliebe, um die Gesundheit gefährdeter Mensch zu schützen, dann wollen wir jetzt das andere nicht vergessen, was auch in diesem Vers steht: Auf die Landstraße und an die Zäune gehen – und Menschen einladen zum Fest des Glaubens. Erzählen wir von Jesus, wen wir treffen. Beten wir für die Menschen, die ihn noch nicht so gut kennen. Denn: Unser Gott, unser Herr, will alle haben. Es geht kein Mensch über diese Erde, nach dem er sich nicht sehnt. Und diese Liebe und Sehnsucht darf auch uns prägen.

    Pfarrer Andreas Streich  

     

 

Woche vom 27.04. bis 03.05.

  • add Andacht für Sonntag Jubilate, 3. Mai 2020

    Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. 2 Korinther 5,17

    »Alles neu macht der Mai«, ja, die Welt sieht anders aus im Frühling. Selbst in Corona-Zeiten nehmen wir die Veränderungen in der Natur wahr. Vielleicht noch intensiver in diesem Jahr, weil wir nicht in den Urlaub wegfahren können – und auch Ausflüge eher die Ausnahme sind. »Wie lieblich ist der Maien aus lauter Gottesgüt, des sich die Menschen freuen, weil alles grünt und blüht. Die Tier sieht man jetzt springen mit Lust auf grüner Weid, die Vöglein hört man singen, die loben Gott mit Freud.«

    Und doch ist die erwachende Natur im Frühling nur ein Schatten der großen Veränderung, die durch die Auferstehung von Jesus Christus geschehen ist. Gott hat noch einmal ganz neu angefangen. Gott hat seine neue Schöpfung begonnen. Und wie bei der alten Schöpfung, in der wir noch leben, ist es auch bei der neuen so: Jesus Christus ist der Schöpfungsmittler: Denn in ihm ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare.  

    »Kaine Ktisis« auf griechisch - »neue Schöpfung« heißt es im Wochenspruch. Durch Jesus Christus und in ihm. Das ist exklusiv gemeint: Zur neuen Schöpfung gelangen wir nur durch Jesus Christus. Er ist die Schlüsselperson zu Gottes neuer Schöpfung, in der das ganze Heil beschlossen liegt. »In Christus«, d.h. das sind Menschen, die ganz eng mit ihm verbunden sind – die an ihn glauben und mit ihm leben. Ist uns das bewusst? Dass wir durch Jesus schon heute zu seiner neuen Schöpfung gehören dürfen. Noch leben wir in der alten, die an vielen Stellen seufzt und sich nach Erlösung sehnt. Doch wir wissen: Die Erlösung hat schon begonnen. Die Erneuerung ist schon da. Und sie wird einmal alles umfassen. Gott kommt zum Ziel. Und wir dürfen zu ihm gehören – heute und für immer.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 2. Mai 2020

    Wir danken Gott, dem Vater unseres Herrn Jesus Christus. Er hat uns errettet aus der Macht der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich seines geliebten Sohnes. Kolosser 1,3.13

    Ob ein Plus oder ein Minus vor einer Zahl steht, das macht einen entscheidenden Unterschied. Das lernt man im Matheunterricht. Auf das Vorzeichen kommt es an. Am Beginn des Kolosserbriefs weist Paulus uns auf das Vorzeichen hin, unter dem unser Leben gestanden ist – und unter welchem Vorzeichen es nun, da wir an Jesus Christus glauben, steht.

    »Macht der Finsternis« das ist nach dem Zeugnis des neuen Testamentes der Lebensraum, in dem wir Menschen uns befinden, wenn wir nicht an Gott glauben. Ich erinnere mich an einen Ausflug tief ins Innere der Falkensteiner Höhle bei Grabenstetten mit ein paar Freunden. 8 Stunden waren wir in der Finsternis unterwegs – eine Taschenlampe nach der anderen ging aus. Uns war klar: Wenn die letzte Taschenlampe aus ist, kommen wir hier nicht mehr raus. Aus der Finsternis finden wir allein nicht raus. Wir können uns nicht selbst retten, nicht befreien. Wir sind orientierungslos.

    Doch Gott will retten, Gott befreit. Und Gott macht das total und radikal. Nicht ein paar Moralappelle, nicht ein paar aufmunternde Worte und Empfehlungen. Sondern er legt Hand an. Er rettet aus der Macht der Finsternis und versetzt uns in das Reicht seines geliebten Sohnes.

    Das ist kein Automatismus. Der Glaube macht den Unterschied. Der Glaube, das Vertrauen auf Gott setzt ein anderes Vorzeichen. Wer glaubt, der lebt im Reich seines geliebten Sohnes. Wer nicht glaubt, lebt in der Macht der Finsternis. Glaube können wir nicht machen; es steht nicht in unserer Macht, zu glauben. Das muss Gott uns schenken. Doch Paulus schreibt an Menschen, denen das geschenkt ist. Und auch uns schenkt es Gott. Und für die, die noch nicht glauben, wollen und sollen wir bitten, dass Gott es auch ihnen schenkt und auch sie rettet und neu macht.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 1. Mai 2020

    Ist denn die Hand des Herrn zu kurz? 4. Mose 11,23

    So fragt Gott einen, der im Glauben müde geworden ist – den Mose. Er hatte es auch nicht leicht. Wenn er auf sein Volk hörte, das durch die Wüste zog, dann hörte er meistens nur Murren und Unzufriedenheit: »Wir haben kein Wasser; wir verdursten; in Ägypten ging es uns besser; wir haben nichts zu essen; du bist schuld; warum sind wir überhaupt losgezogen?«

    Es waren lauter menschliche Unmöglichkeiten, denen Mose begegnete. Nun wollten sie Fleisch – mitten in der Wüste. Fleisch für 600.000 Mann. Mose betet: Woher soll ich Fleisch nehmen, um es all diesem Volk zu geben? Sie weinen vor mir und sprechen: Gib uns Fleisch zu essen. Ich vermag all das Volk nicht allein zu tragen, denn es ist mir zu schwer (V. 13-14). Nicht nur in Katastrophen, wie einer Epidemie – aber da besonders – wird uns Menschen bewusst, was wir alles nicht können. Was wir nicht zuwege bringen. Mose sieht nun – genau wie viele Menschen um uns – nur noch bang auf das, was Menschen tun können. Natürlich sollen wir das tun, wozu wir in der Lage sind. Getreu dem Motto der Losung von Vorgestern: Alles, was dir vor die Hände kommt, es zu tun mit deiner Kraft, das tu. (Prediger 9,10). Doch Mose weiß: das reicht nicht. Er macht in seiner Resignation das einzig Richtige: Er wendet sich an Gott. Als Gott ihm dann verspricht: ich sorge für Fleisch – da fällt es Mose schwer, es zu glauben. Schlicht: Er weiß nicht, wie das gehen soll. Und die Antwort Gottes ist ganz kurz und knapp: Ist denn die Hand des HERRN zu kurz? Am Abend kommt ein Wind und bringt Wachteln, mehr als genug Fleisch für alle.

    Manchmal braucht es einen, der aufrüttelt und zum Handeln ermutigt – wie den früheren US-Präsidenten Barack Obama mit seinem »Yes, we can« - »Ja, wir können das, ja wir schaffen das«. Manchmal braucht es das. Aber immer braucht es das, dass wir sagen: »Yes, he can« - Ja, ER kann, er unser Gott. Ihm ist nichts zu schwer. Beten wir doch mehr und treuer – gerade auch in dieser Zeit. Krisen tragen immer auch eine Chance in sich. Corona ist eine Chance, mehr Zeit mit Gott zu verbringen, mehr und früher mit ihm zu reden. Tun wir’s doch einfach. Denn seine Hand ist nicht zu kurz.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 30. April 2020

    Gott ist dennoch Israels Trost für alle, die reinen Herzens sind. Psalm 73,1

    Der 73. Psalm ist von einem ganz erstaunlichen »Dennoch«-Glauben durchzogen. So taucht das Wort »dennoch« auch schon im ersten Vers auf. »Dennoch«-Glaube ist Glaube gegen den Augenschein. Ganz kurz zusammengefasst: Dem Psalmbeter macht zu schaffen, dass es den Gottlosen so gut geht. Die, die nicht nach Gott fragen, die leben in Saus und Braus, denen geht es gut. Und ihm, der sich an Gott hält, der mit Gott lebt, ihm geht es schlecht: Ich bin doch täglich geplagt, und meine Züchtigung ist alle Morgen da (V. 14) so hält er es Gott vor. Das macht ihm zu schaffen. Bis ich ging ins Heiligtum und merkte auf ihr Ende (V. 17). In der Gegenwart Gottes sieht er die Realität mit anderen Augen, aus einer anderen Perspektive. Da sieht er mehr.

    An der äußeren Situation hat sich dadurch noch nichts geändert. Aber sein Blick ist nun anders. Das, was seine menschlichen Augen sehen, das ist nicht die ganze Wirklichkeit – das weiß er. Gottes Wirklichkeit ist größer. Gottes Wirklichkeit, die uns hält, die uns trägt und uns führt. Und deshalb kann er beten:  Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren am. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil. Diese Zuversicht, diesen »Dennoch«-Glauben, den wünsche ich Ihnen für diesen Tag und alle Tage, die folgen. Gott ist in Jesus Christus für uns da! Er hält uns fest. Er lässt nicht los. Das allein zählt. Darauf können wir getrost leben und einmal auch sterben.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • add Andacht für den 29. April 2020

    Alles, was dir vor die Hände kommt, es zu tun mit deiner Kraft, das tu. Prediger 9,10

    Diese Empfehlung gehört zu den verblüffend einfachen Ratschlägen, die, wo wir sie befolgen, eine große positive Wirkung für unser Leben haben können. Und nicht nur für uns, sondern auch für andere, die in unserem Umfeld leben. Wer immerzu wartet und überlegt und plant, bei dem verändert sich nichts. »Was nicht zur Tat wird, hat keinen Wert« hat Gustav Werner im 19. Jahrhundert erkannt – und sich an die Arbeit gemacht, im diakonischen Bereich das zu tun, wozu er die Kraft hatte. Und siehe da, es gingen immer neue Türen auf, neue Aufgaben kamen hinzu – und auch die Mittel und Menschen, um auch das tun zu können.

    »Es ist leichter, Gott zu widerstehen als dem Teufel« sagte jemand treffend. Denn Gott zwingt niemanden zum Guten. Was Gott mir vor die Hände legt, das ist eine Einladung, eine Chance, die es zu ergreifen gilt. Man kann sie auch vertun. Und leider geschieht das viel zu häufig. Bitten wir Gott, uns offene Augen zu schenken und ein williges Herz, damit wir das tun, was er uns zu tun aufträgt – ganz so wie es in der letzten Strophe des Liedes »Wer nur den lieben Gott lässt walten« heißt: »Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das Deine nur getreu und trau des Himmels reichem Segen, so wird er bei dir werden neu. Denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verlässt er nicht.« (EG 369)

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 28. April 2020

    So richtet nun euer Herz und euren Sinn darauf, den Herrn, euren Gott zu suchen. 1. Chronik 22,19

    »Die Hauptsache ist, dass die Hauptsache die Hauptsache bleibt.« An dem Satz ist was dran. Für unser Leben ist es entscheidend, dass wir zwischen Wichtig und Unwichtig unterscheiden können. Dass uns klar ist, was die Hauptsache ist – und wir nicht unser Leben an Nebensachen vergeuden. Ja, es gibt schöne Nebensachen, an denen wir uns freuen dürfen. Aber die Hauptsache ist, dass die Hauptsache die Hauptsache bleibt.

    Am Ende einer langen Amtszeit überträgt der König David die Aufgaben auf seinen Sohn Salomo. Insbesondere die Aufgabe, den Tempel für Gott zu bauen, dessen Bau David verwehrt blieb. Und als Quintessenz, als Schlusswort empfiehlt er genau das, was in der Losung steht – an alle, die mit Verantwortung tragen. Richtet Herz und Sinn darauf, den HERRN, euren Gott zu suchen. Das Herz ist in der Bibel das Personzentrum: Da, wo unser Wille zuhause ist, wo unser Pläne entstehen. Und der Sinn, das sind die Überlegungen, das Nachdenken. All das soll sich um die Hauptsache drehen, um die Hauptperson in unser aller Leben: Um Gott. Die Erfahrung durch die Jahrhunderte und Jahrtausende hindurch zeigt: Menschen, die in ihrem Kern auf Gott ausgerichtet waren, waren nicht weltfremd und abgehoben, sondern konnten – auch, wo sie Verantwortung für andere trugen – oft gute Entscheidungen treffen. Die Väter des Grundgesetzes haben im ersten Satz der Präambel formuliert: »Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben.« Sorge mache ich mir, wo Menschen Gott vergessen und nur noch den Menschen zum Maß aller Dinge erheben. Auch dafür gibt es Beispiele in der Geschichte – doch in der Regel waren es keine guten.

    Bleiben wir lieber bei der Empfehlung eines erfahrenen und erfolgreichen Regenten: Richten wir uns mit unserem Leben auf unseren Gott aus, der mehr kann und weiß als wir. Hören wir auf ihn, leben wir mit ihm und vertrauen wir ihm. Er lässt uns nicht im Stich.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • add Andacht für den 27. April 2020

    Ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen Geist der Kindschaft empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater.

    (Römer 8,15)

    Die Zeit einer Epidemie macht Menschen furchtsam – wie könnte es auch anders sein. Bei dem einen oder anderen mag die bange Frage dazukommen: Ist Corona eine Strafe Gottes? Genau hier setzt der Apostel Paulus ein und gibt eine eindeutige Antwort. Wer so fragt, der ist sich nicht sicher, wie Gott es mit ihm meint. Doch Paulus bezeugt im Römerbrief, dass Gott selbst aktiv geworden ist, um uns in ein ganz neues Verhältnis zu sich zu versetzen: Aus Knechten, die sich im besten Fall bemühen, seine Gebote und Vorschriften einzuhalten – und es doch nie so richtig schaffen, sollen durch Jesus Christus Kinder werden. »Abba«, das ist die Anrede für Gott in diesem Kindschaftsverhältnis. »Abba«, das ist ganz familiäre Anrede im Aramäischen, wie sie nur die Kinder innerhalb einer Familie ihrem Vater gegenüber brauchen dürfen, unserem »Papa« vergleichbar. Damit ist ein ganz enges Verhältnis ausgedrückt: Gott ist unser »Papa«. Das Christentum entstammt dem Judentum. Da hat es seine Wurzeln. Das Heil kommt von den Juden – sagt Jesus. Doch dieses Gottesverhältnis, das Jesus uns eröffnet, ist so neu und anders, dass sich in der gesamten jüdischen Gebetsliteratur aus den ersten Jahrhunderten nirgends solch eine Gebetsanrede »Abba« für Gott findet.

    Gott – unser Vater, hat uns lieb. Gott unser Vater hat unsere Strafe auf Jesus gelegt, wir sind frei. Ja, wir können im Letzten noch nicht erklären, warum Gott Seuchen und Kriege und Katastrophen zulässt – warum es all das gibt. Wir können Gottes Gedanken nicht ausloten. Aber das Entscheidende wissen wir, seit Jesus gestorben und auferstanden ist: Wie Gott es im Tiefsten seines Herzens mit uns meint. Dass er uns liebt, dass unsere Schuld vergeben ist – und dass wir als Kinder des Königs aller Könige leben dürfen. Als Königskinder, befreit von der Furcht vor Gottes Strafe und ausgestattet mit einem Geist, der voller Vertrauen sich in allem an Gott hängt. Leben wir’s, beten wir so frei wie Kinder.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 20.04. bis 16.04.

  • add Andacht für den Hirtensonntag, 26. April 2020

    Am Hirtensonntag, der den lateinischen Namen Misericordias Domini, d.h. die »Barmherzigkeit des Herrn« grüße ich Sie mit dem Wochenspruch aus Johannes 10:

    Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.

    Johann Jakob Moser war begabt. Mit 19 Jahren wurde er Professor der Rechte in Tübingen. Mit 25 Regierungsrat in Stuttgart – und mit 50 Landschaftskonsultent in Württemberg. Doch dem Herzog Karl Eugen passte er nicht – denn er war nicht der gleichen Meinung wie der Herzog. Und so schloss er ihn der Landesherr im Jahr 1759 für fünf Jahre weg auf die Festung Hohentwiel. Wo Regierende versagen – und ihrem Hirtenauftrag nicht gerecht werden, sondern sich als schlechte Hirten erweisen – da wusste sich Johann Jakob Moser von dem einen guten Hirten gehalten, geführt und getragen. Auf dem Hohentwiel im Kerker entstanden Lieder, die Jesus besingen. Eines der Gebets-Lieder dieses gelernten Juristen steht im Gesangbuch unter Nr. 591: »Großer Hirte aller Herden in dem Himmel und auf Erden, liebster Heiland Jesus Christ: Lass in diesen letzten Zeiten sich dein Reich noch mehr ausbreiten, als bisher geschehen ist.« Es ist ein Gebet voller Innigkeit und tiefer Weisheit: »Flöße frühe unsrer Jugend zu der Wissenschaft und Tugend auch noch dein‘ Erkenntnis ein; gib ihr Leben, nicht nur Wissen, und behüt vor Ärgernissen die, so um die Kinder sein. Lass dein Wort die Toten wecken und die Sicheren erschrecken; stürz die Selbstgerechtigkeit. Mach die geistlich Blinden sehend, mach die geistlich Lahmen gehend, mach dir selbst den Weg bereit.« An diesen guten Hirten dürfen auch wir uns wenden – er ist derselbe auch für uns.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 25. April 2020

    Am Tag des Evangelisten Markus, dem 25. April grüße ich Sie mit dem Bibelvers, der über diesem Tag steht – aus dem Markusevangelium, Kapitel 16:

    Geht hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur. (Markus 16,15b)

    »Evangelium« das heißt: Gute Nachricht, frohe Botschaft. Nichts braucht die Welt dringender als gute Nachrichten. Und die beste aller guten Nachrichten ist das, was Markus in seinem Evangelium niedergeschrieben hat. Die gute Nachricht, die untrennbar mit einer Person verbunden ist: Mit Jesus Christus. Er ist Gottes gute Nachricht in Person. Sein Grab war am Ostermorgen leer. Er ist auferstanden. Er lebt. Der Tod hat nicht mehr das letzte Wort. Hass und Terror, Unmenschlichkeit und Menschenverachtung tragen nicht den Sieg davon. Auch über unserem Leben hat der Tod nicht mehr das letzte Wort – sondern er, der auferstanden Christus. Wenn das keine gute Nachricht ist. Überhaupt: Dass Gott uns will und uns liebt. Das ist eine gute Nachricht. Nein, wir sind kein Produkt des Zufalls. Nein, wir sind nicht bloß ein Zwischenergebnis auf einem langen Weg der Evolution. Jede und jeder Mensch ist einmalig und von Gott geliebt und gewollt. So sehr geliebt und gewollt, dass es unseren Gott nicht im Himmel gehalten hat, sondern dass er Mensch geworden ist – in Jesus Christus. Dass er unsere Schuld, unser Versagen, unsere Verlorenheit auf sich genommen hat und für uns am Kreuz gestorben ist, um uns zu befreien, zu erlösen. Ja, es gibt ein Verlorengehen. Ja, es gibt eine Hölle. Man muss schon sehr viel aus der Bibel herausstreichen, wollte man das leugnen. Aber es gibt auch Rettung, es gibt ewiges Leben und ewiges Heil für alle, die an Jesus Christus glauben. Diese Botschaft ist die Botschaft, die die Welt so dringend braucht: Gott liebt uns, Gott will retten – und in Jesus Christus macht er uns zu seinen Kindern. Dafür lohnt es sich zu leben.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 24. April 2020

    Gott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn. (1. Korinther 1,9)

    Die Welt steht Kopf wegen einem kleinen Virus. Vieles, was uns vor ein paar Monaten noch absolut verlässlich erschien, gilt nun nicht mehr. Und keiner kann sagen, wie lange wir mit der Ausnahme­si­tua­tion leben müssen. Nicht nur in Coronazeiten ist unsere Welt von Veränderungen geprägt. Schon immer gab es Umwälzungen, Verwerfungen und Veränderungen, die nachhaltig wirkten. Der tech­ni­sche Fortschritt der vergangenen Jahre ist beredtes Zeugnis. Meine Konfirmanden stehen völlig hilflos vor einem Wählscheibentelefon, mit dem ich noch aufgewachsen bin. Damals gab es nichts anderes. Doch heutige Jugendliche wissen nicht mehr, wie so was funktioniert.

    Veränderungen prägen unser Leben. Nichts bleibt, wie es ist auf dieser Welt. Die Zeit, sie eilt im Sauseschritt – und wir, wir müssen alle mit. Wo sich alles verändert, da suchen wir nach etwas Bleibenden, nach Halt. Paulus und die Christen, an die er schreibt, haben diesen Halt gefunden: In Gott. In dem Gott, der uns durch Jesus Christus zu seinen Kindern macht. In dem Gott, den er nur mit dem kleinen, aber so gewichtigen Wort beschreiben kann: treu. Gott ist treu. Sein Wort gilt. Es geht in Erfüllung. Seine Hand hält und lässt nicht los. Sein Bund bleibt und wird nicht hinfällig. Wichtig dabei ist: Gott selbst ist aktiv. Er ist es, der treu ist. Er bleibt auch dort treu – so bezeugt es die Bibel, wo wir untreu werden. Nicht wir müssen an Gott festhalten - Gott hält an uns fest. Er ist uns mit seiner Treue immer einen Schritt voraus. Er erweist sich als verlässlich – und deshalb lohnt es sich, ihm ganz zu vertrauen – oder wie Martin Luther es sagte: Ihn über alle Dinge zu fürchten, zu lieben und ihm zu vertrauen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 23. April 2020

    Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. (Hebräer 10,35)

    Unsere Geduld wird auf die Probe gestellt – das spüren wir in diesen Tagen ganz besonders. Auch wenn wir gerne schneller wieder in den Alltag wie früher zurückkehren möchten. Die Fachleute sagen uns: Solange es keinen Impfstoff gibt, wird unser Alltag anders aussehen müssen: Mit Gesichtsmaske und Abstandsregeln, mit Hygiene und Verzicht. Eine Geduldsprobe für uns alle.

    Auch der Glaube fordert uns Geduld ab. Gott hat uns durch Jesus herausgerufen in ein neues, in ein anderes Leben. In ein Leben mit ihm. Und er hat uns versprochen, dass dieses neue Leben ewiges Leben bedeutet. Dass es mit dem Tod nicht endet, sondern in Ewigkeit mit Jesus weitergehen wird. Jesus ist vom Tod auferstanden. Er ist der Sieger über Hölle, Sünde, Tod und Teufel. Doch noch sehen wir von diesem Sieg in unserem Alltag so wenig. Es gilt, gegen den Augenschein zu glauben. Es gilt noch die „andere Normalität“, die uns Geduld abfordert – bis wir am Ziel angekommen sind. Noch leben wir im Glauben und nicht im Schauen. Noch haben wir nicht viel mehr als Gottes Versprechen. Doch das Warten lohnt sich, Geduld zahlt sich aus. Darum: Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 22. April 2020

    Ich schwor dir’s und schloss mit dir einen Bund, spricht Gott der HERR, und, du wurdest mein. (Hesekiel 16,8)

    Gott ergreift die Initiative. Gott macht immer den ersten Schritt. So entsteht eine lebendige Beziehung zwischen Gott und uns – indem er auf uns zukommt. Das ist im Neuen Testament nicht anders als im Alten. Wir können von uns aus Gott nie erreichen. Alle Religionen sind im Grunde der Versuch der Menschen, sich das Wohlwollen der Gottheit, an die sie glauben, irgendwie zu sichern: Dazu bringen sie Opfer, strengen sich an und halten Regeln ein. Doch der Gott der Bibel, der Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat, geht einen anderen Weg. Er wartet nicht, bis seine Menschen zu ihm kommen. Er kommt auf sie zu. Er sucht sie. Wir würden ihn nämlich – bei aller Anstrengung und bei allem Bemühen - niemals finden. Er kommt uns von vorne entgegen. Ja, in Jesus Christus wird Gott sogar selbst Mensch, wird einer von uns – weil er sich von uns finden lassen will. Und weil er will, dass wir für immer zu ihm gehören. Gott geht es um uns. Gott sehnt sich nach uns. Gott will mit uns leben. Weil wir ihn niemals finden könnten, ist er selbst aus der Unsichtbarkeit herausgetreten, ist Mensch geworden, und hat sich uns gezeigt. In Jesus macht er uns zu seinen Kindern, wie es im Lehrtext dieses Tages heißt. Er will unser Vater sein – und wir sollen wie Kinder ihm vertrauen – heute und in Ewigkeit dürfen wir mit ihm leben. Er lässt uns nicht los. Sein Bund hält in Ewigkeit.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 21. April 2020

    Wachet, steht im Glauben, seid mutig und seid stark! (1 Korinther 16,13)

    »Lebt im Lebensraum des Glaubens, den Jesus Christus euch eröffnet hat« so möchte ich diesen Vers umschreiben. Es geht nämlich nicht darum, dass wir den Glauben, sowie Glaubensmut und Glaubensstärke aus uns heraus produzieren müssten. Das können wir nämlich gar nicht. Glaube ist im Neuen Testament, wie auch schon im Alten Testament, nämlich ein Beziehungsbegriff. Glaube heißt zuerst und vor allem anderen: Vertrauen. Gott vertrauen – und zwar radikal, mit dem ganzen Leben ihm vertrauen, sich von ihm abhängig machen. Glaube – also nicht nur: das Fürwahrhalten oder für-möglich-Halten von Gottes Existenz und von bestimmten Glaubenssätzen. Sondern: Der Glaube ist bereits die Umsetzung – dass ich mich drauf einlasse und drauf verlasse, dass Gott für mich sorgt. Gott hat uns, die wir an ihn glauben, durch Jesus in den Lebensraum des Glaubens gestellt. Unser Pfarrgarten ist umgeben von hohen Wohnhäusern, die Schatten werfen. Den Wert von beweglichen Gartenmöbeln lernen wir in diesen Frühlingstagen zu schätzen. In der Sonne ist es nämlich warm, im Schatten wird es leicht kühl. Also verschiebt man den Stuhl einfach dorthin, wo die Sonne auf das Gras scheint. Auf den Glauben übertragen: Zur Wachsamkeit des Glaubens gehört, dass wir uns dorthin stellen, wo wir in Gottes Nähe Wärme und Licht erhalten. Dass wir uns Zeit nehmen, in der Bibel zu lesen und mit ihm zu reden. Das nährt und stärkt unseren Glauben. Das klärt und macht Mut, in und für diesen Glauben auch klare Entscheidungen zu treffen, die uns und anderen weiterhelfen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 20. April 2020

    Befreit von der Sünde und in den Dienst Gottes gestellt, habt ihr die Frucht, die Heiligung schafft, und als Ziel das ewige Leben.    Römer 6,22

    Es geht um uns. Und es geht um Tod und Leben. Das macht Paulus im 6. Kapitel des Römerbriefs deutlich. Und es geht um Jesus, den Gekreuzigten und den Auferstandenen. Er ist der Schlüssel für uns zum ewigen Leben. Gott geht es ums Ganze. Gott will retten. Er will uns aus der Knechtschaft der Sünde und des Todes retten – das ist nach dem Verständnis des Römerbriefs die grundlegendste aller schlechten Abhängigkeiten, in der wir Menschen uns befinden können. Und daraus rettet uns Gott – durch Jesus. Durch Jesus, der für uns gestorben ist. Er hat unsere Sünde auf sich genommen. Er hat sie mit sich in den Tod genommen. Und: Das sagt Paulus auch: Jesus hat uns, die wir an ihn glauben, mit sich in den Tod genommen. Der alte Mensch, der ohne Gott gelebt hat, der ist tot. Und damit auch die alte Abhängigkeit von der Sünde, der Trennung von Gott. Ein neues Leben ist mit Christus aus der Taufe gehoben worden. Nun leben wir für ihn. Nun sind wir seine Dienerinnen und Diener. Nun hat er das Sagen in unserem Leben. Nun ist Neues geworden. Nun kann neue Frucht wachsen – eine Frucht, der man abspürt, dass die zu Gott passt. So dass man sieht, dass wir zu Gott gehören. Im Galaterbrief wird Paulus diese Frucht dann auch noch näher beschreiben: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Sanftmut, Selbstbeherrschung. All das aus der Gemeinschaft mit Gott und mit einem klaren Ziel: dem ewigen Leben. Jesus ist für uns gestorben. Und wir sind mit ihm gestorben. Er ist auferstanden und er lebt. Und wir sollen und dürfen mit ihm in einem neuen Leben leben – heute und in Ewigkeit.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 13.04. bis 19.04.

  • add Andacht für Sonntag Quasimodogeniti, 19. April 2020

    Ich grüße Sie mit dem Wochenspruch, der über dem Sonntag Quasimodogeniti (Wie die neugeborenen Kinder) und der heute beginnenden neuen Woche steht: Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. (1. Petrus 1,3)

    Gott fängt noch einmal ganz neu mit uns an. So kann man das Wort »wiedergeboren« im christlichen Sinn verstehen. »Wiedergeboren« nicht im Sinne der fernöstlichen Lehre der Seelenwanderung. Die ist der Bibel fremd. Da lesen wir: Es ist dem Menschen gesetzt, einmal zu sterben, danach das Gericht. Also nicht ein Leben nach dem andern, in immer neuen Einkörperungen – so muss man das Fremd­wort »Reinkarnation« nämlich übersetzen. Sondern ein Leben, mit klarem Anfang und Ende. Zielgerichtet. Einmalig – und deshalb von besonderem Gewicht und von besonderer Würde. Jedes einzelne Leben ist einmalig und hat eine besondere Würde. Nicht nur meins, sondern auch das des Nächsten.

    Und: Ich muss nicht selber wieder gut machen, was ich falsch gemacht habe. Ich kann es nämlich gar nicht. Sondern: das macht unser Vater im Himmel, der ein barmherziger Vater ist. Der uns nicht festnagelt auf unsere Schuld. Nein, Gott geht einen ganz anderen Weg: Er hat unsere Schuld auf Jesus gelegt und sie dort am Kreuz seines Sohnes festgenagelt. Jesus stirbt unseren Tod, nimmt unsere Schuld auf sich, trägt unsere Strafe – und lässt uns mit ihm noch einmal ganz neu anfangen. Wo ein Mensch das mit seinem Herzen begreift, und es für sich ganz persönlich gelten lässt, da redet die Bibel von »Wiedergeburt«.

    Wer so wiedergeboren ist, wem Jesus seine Schuld vergeben hat, der hat eine Hoffnung auch über dieses Leben auf der Erde hinaus – auch über den Tod hinaus. Denn so wie Jesus auferstanden ist und lebendig geworden ist – so sollen und werden auch wir, die wir durch ihn von Neuem geboren sind, auferstehen und leben. Und deshalb gilt auch für uns: Gelobt sei Gott.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für 18. April 2020

    Ich grüße Sie an diesem Samstag mit der Tageslosung aus dem Buch des Propheten Jeremia. Es ist kein leichtes Bibelwort: diesmal keine Zusage, sondern eher eine ernüchternde Feststellung unseres Gottes über sein Volk:

    Der Storch unter dem Himmel weiß seine Zeit, Turteltaube, Schwalbe und Drosseln halten die Zeit ein, in der sie wiederkommen sollen; aber mein Volk will das Recht des HERRN nicht wissen. (Jeremia 8,7)

    Da ist in diesem Vers von einer Ordnung die Rede, die den Vögeln so vieler Arten ins Herz gegeben ist. Sie wissen ganz genau, wohin sie gehören und wann sie kommen sollen. Uns Menschen ist die Sehnsucht nach Gott ins Herz gegeben. Der Kirchenvater Augustin bekannte: »Unruhig ist unser Herz in uns, bis es Ruhe findet in dir.« Gott hat uns auf Gemeinschaft hin angelegt. Auf die Gemeinschaft untereinander und vor allem aber auf die Gemeinschaft hin zu ihm.

    Da ist aber auch von dem die Rede, was nicht so ist, wie es sein soll – bei seinem Volk Israel. Sie haben die Gebote. Sie kennen den Willen Gottes. Und tun ihn doch nicht. Das ist widersinnig, das ist unvernünftig, das ist nicht nachzuvollziehen. Und es schmerzt – den, der es betrachtet; vor allem aber Gott. Und Israel steht hier stellvertretend für alle Menschen. Wir alle sollten Gott über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen. Doch wir vertrauen lieber uns selber, wir sind verliebt in so viele Dinge – und deshalb ist die Gottesfurcht längst der furchtbaren Furcht vor so vielen anderen Gefahren gewichen.

    So darf es nicht bleiben! Das ist der tiefe Sinn hinter diesem Gotteswort beim Propheten Jeremia. Gott will es anders. Und Gott macht es anders – durch Jesus, seinen Sohn. Gott wird selber Mensch. Er lebt vor, was es heißt, der Schöpfungsbestimmung gemäß zu leben. Er lebt Gehorsam, Gottesfurcht, Liebe und Vertrauen vor. Doch er hinterlässt nicht nur ein Vorbild. In Jesus fängt Gott noch einmal ganz neu mit uns an. Er erneuert unser Herz. Er macht neue Menschen aus uns. Gott gibt seine Menschen nicht auf. Gott fängt heute schon an – und er wird es in Ewigkeit vollenden – durch Jesus, den Auferstandenen.

     

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für 17. April 2020

    Ich grüße Sie mit der Tageslosung für diesen Freitag aus dem 71. Psalm. Dort ist uns ein Gebetsruf überliefert: Sei mir ein starker Hort, dahin ich immer fliehen kann, der du zugesagt hast, mir zu helfen. (Psalm 71,3)

    Es war an einem frühsommerlichen Tag, als wir mit der ganzen Familie zu einer Wanderung unterwegs waren. Ein Rundweg, den wir noch nie gegangen sind. Nachdem wir losgegangen waren, zog sich der Himmel immer mehr zu. Und bald hörte man auch das erste drohliche Donnergrollen des herannahenden Gewitters. Und wir auf freiem Feld. Da bekam die Suche nach einem Bergungsort, nach einem Platz, wo man vor dem Gewitter geschützt ist, ganz hohe Dringlichkeit. Wir fanden ihn dann in unserem Auto, das wir noch rechtzeitig erreichten – bei Gewitter bekanntlich einer der sichersten Orte, die es überhaupt nur gibt.

    Doch es gibt Bedrohungen, Nöte und Sorgen, da hilft uns kein Auto. Da brauchen wir mehr, festeren Halt, sichereren Schutz. Der Psalmbeter weiß, wo er diesen Schutz finden kann, wo er einen starken Hort hat: Bei Gott. Warum weiß er das? Weil Gott es ihm zugesagt hat. Gott hat es auch uns zugesagt, dass er uns schützen, retten und helfen will. Er lädt auch uns ein, wie es in der Telefonnummer Gottes »50 15«, also Psalm 50,15 heißt: Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten und du sollst mich preisen.

    Gott freut sich, wenn wir ihn beim Wort nehmen. Gott freut sich, wenn wir ihn an seine Zusagen erinnern, so wie es dieser Psalmbeter tut. Und es ist ihm eine Freude, uns zu helfen, uns zu bergen – in seiner Nähe. Denn er will unser Vater sein. Er lässt uns nicht im Stich. Mit ihm dürfen wir rechnen – heute und an allen Tagen.  

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für 16. April 2020

    Ich grüße Sie mit dem Wochenspruch, der über der Osterwoche steht: Christus spricht: ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

    In dieser Woche möchte ich an fünf Tagen und in fünf Teilen über diesen Bibelvers nachdenken: Heute über die Worte: Ich habe die Schlüssel…

    Als Martin Luther im Kleinen Katechismus das Glaubensbekenntnis auslegte, da war ihm ein Wort besonders wichtig: Ich glaube, dass Jesus Christus wahrhaftiger Gott von Ewigkeit geboren, und auch wahrhaftiger Mensch von der Jungfrau Maria geboren, sei mein Herr. Das ist das alles Entscheidende, dass Jesus mein Herr ist, dass ich ganz persönlich zu ihm gehören.

    Dass Jesus lebendig ist von Ewigkeit zu Ewigkeit, dass er auferstanden ist, dass er die Schlüssel des Todes und der Hölle hat, das hat ganz zweifelsohne fundamentale Bedeutung für den ganzen Kosmos. Damit steht alles in einem anderen Licht.

    Aber zur tröstenden und zur tragenden Botschaft für mich wird das Evangelium erst, wo ich erkenne:

    Das ist für mich geschehen. Das ist er für mich: für mich war er tot, damit ich nie mehr allein sein muss – auch nicht im Sterben und im Tod. Für mich aber wurde er lebendig – damit ich mit ihm in einem neuen Leben leben kann: heute schon und dann einmal in seiner Herrlichkeit. Für mich hält er die Schlüsselgewalt des Todes und der Hölle: Um mich aus dem Tod und von der Hölle zu erretten.

    Sein Platz ist in der Ewigkeit Gottes – er lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Und dort will er auch uns bei sich haben. Er ist der Herr, dem alle Macht gegeben ist, dessen Name über allen Namen ist. Und er will seine Macht einsetzen mir zum Heil. Jesus lebt!

    Darum steht auch mein Leben in einem anderen Licht. Jesus ist der Sieger! Und verbunden mit ihm stehen auch wir auf der Siegerseite.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für 15. April 2020

    Ich grüße Sie mit dem Wochenspruch, der über der Osterwoche steht: Christus spricht: ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

    In dieser Woche möchte ich an fünf Tagen und in fünf Teilen über diesen Bibelvers nachdenken: Heute über die Worte: Und siehe, ich bin lebendig.

    Was für ein Kontrast – Tod und Leben. Normalerweise kennen wir nur die umgekehrte Reihenfolge: Aus lebendig wird tot. Und siehe! Sagt Jesus.

    Er möchte uns einen Blickwechsel schenken. Ja, wir alle kennen Krankheit und Sorge. Ja, wir alle erleben Einsamkeit. Ja, wir alle wissen um die Macht des Todes. Gerade da, wo unser Herz mit Angst, Sorge und Traurigkeit erfüllt ist, gerade da sagt er: und siehe!.

    Er lädt uns ein, das andere zu sehen – ihn, unseren Herrn, der den Tod hinter sich gelassen hat, der lebendig ist. Er möchte, dass wir ihn auch sehen als den, der nun über alles erhoben ist und der uns zu sich ziehen will.

    Wie hat diese Botschaft die beiden Emmausjünger verändert. Die Botschaft, dass er lebt! Dass er stärker ist als der Tod! Dass er stärker ist als alle Mächte, die unser Leben bedrohen.

    Aus traurigen und resignierenden Jesusleuten wurden zwei Bekenner, die sich am Abend noch einmal auf den Weg machten, um die frohe Botschaft, dass er lebt, weiterzusagen.

    Ich wünsche uns, dass auch wir immer wieder neu von dieser Botschaft nicht nur mit dem Verstand, sondern im Herzen gepackt sind: Jesus ist lebendig! Jesus ist da! Und er hält uns fest.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für 14. April 2020

    Ich grüße Sie mit dem Wochenspruch, der über der Osterwoche steht: Christus spricht: ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

    In dieser Woche möchte ich an fünf Tagen und in fünf Teilen über diesen Bibelvers nachdenken: Heute über die Worte: Ich war tot.

    „ich war tot“ sagt Jesus – das heißt doch: er kennt die Not des Sterbens. Er kennt das Leid des Todes – aus eigener Erfahrung. Und darum kann er uns verstehen, wenn wir bedrängt sind von dieser Macht des Todes. Wenn wir uns verloren vorkommen, einsam, machtlos dem Sterben gegenüber. Wenn wir Angst vor der Einsamkeit haben, wo wir einen lieben Menschen hergeben müssen. Wenn die Trauer nach uns greift.

    Da will uns unser Herr nahe sein, uns festhalten, uns Geborgenheit in seiner Nähe schenken. Er kann uns verstehen und er ist bei uns. Gerade in der Todesnot. Gerade in der Trauer, wo unsere menschlichen Hände einander loslassen müssen. Ich war tot!

    Der Hebräerbrief drückt es so aus: Wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte mit leiden, sondern der versucht worden ist in allem wie wir – doch ohne Sünde. In allem hat er unsere Belastungen erlebt, unsere Not: im Leiden, in der Einsamkeit, im Sterben und im Tod.

    Und er hält uns fest, er bleibt uns zur Seite stehen – in den großen und kleinen Nöten unseres Lebens. Ja, er bleibt uns an der Seite auch noch im Sterben und im Tod. Seine Hände lassen nicht los.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Ostermontag, 13. April 2020

    Ich grüße Sie mit dem Wochenspruch, der über der Osterwoche steht: Christus spricht: ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

    In dieser Woche möchte ich an fünf Tagen und in fünf Teilen über diesen Bibelvers nachdenken: Es ist eine Siegesbotschaft. Eine einmalige Siegesbotschaft. Doch man muss nicht in Siegerlaune sein, um es hören und fassen zu können. Ursprünglich ist es nämlich mitten hinein gesprochen in notvolle Erfahrungen. Es ist an die Gemeinde Jesu Christi gerichtet, die es schwer hat in dieser Welt. Die angefeindet wird, die beäugt wird, der misstraut wird, die benachteiligt und verfolgt wird.

    Johannes, der Seher, der uns diese Worte vermittelt, ist auf der Insel Patmos in Verbannung. Weit weg von seinen Gemeinden in Kleinasien. Wie viel Sorge, wie viel Angst diese Christen umgetrieben hat, können wir uns kaum vorstellen. Da war nicht die Perspektive – wie bei uns – dass die Ausnahmesituation, bei uns aufgrund einer Infektionskrankheit, nach ein paar Wochen wieder in Richtung Normalität sich auflösen wird.

    Doch auch wir kennen Nöte. Unsere Not mag anders aussehen – in unserem ganz persönlichen Leben, in den Sorgen, die uns umtreiben – um uns selber oder um andere Menschen; in den Fragen, die uns quälen; in all dem, was wir nicht ändern können.

    Gerade da hinein. Gerade hinein in unsere Sorge, in unsere Angst, in unsere Traurigkeit, in unsere Einsamkeit, in unsere Resignation und Hoffnungslosigkeit will unser Herr auch bei uns dieses Wort sprechen: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

    Dieses Wort gilt – und es ist stärker als alles, was sonst in unserem Leben seine Gültigkeit beanspruchen kann. Mit ihm dürfen wir rechnen. An ihn wollen wir uns hängen, mit ihm reden – im Gebet – und auf ihn vertrauen.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 06.04. bis 12.04.

  • add Andacht für Ostersonntag, 12. April 2020

    Ich grüße Sie mit dem Wochenspruch, der über dem Ostersonntag und der Osterwoche steht. Ein Wort aus der Offenbarung des Johannes: Christus spricht: ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle. (Offb 1,18)

    Nicht nur heute – auch in den kommenden Tagen möchte ich mit Ihnen über diesen Vers in fünf Teilen und an fünf Tagen nachdenken.

    An Ostern feiern wir Christen unseren einzigartigen Herrn. Unsern Herrn, der aus der ewigen Welt Gottes zu uns Menschen kam. Der ganz Gott ist und doch ganz einer von uns wurde – aus Liebe zu uns und für uns. Unseren Herrn, der am Kreuz von Golgatha gestorben ist – aus Liebe zu uns und für uns. Unseren Herrn, der wie wir einmal ins Grab gelegt wurde, den man beweinte, wie wir unsere Lieben beweinen, die uns der Tod genommen hat.

    Wir feiern unseren Herrn, weil er nicht im Tod geblieben ist, weil er auferstanden ist, weil er lebt. Ja, weil er der Herr ist, der Sieger über Hölle, Sünde, Tod und Teufel. Er ist stärker als alle Mächte der Finsternis, als alle Gewalten in der sichtbaren und der unsichtbaren Welt.

    Das ist es, was unseren Herrn Jesus Christus so einzigartig macht. Kein anderer kann das von sich sagen, was er uns bezeugt: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

    Einzigartig ist er – einzigartig, was er errungen hat. Doch er will nicht der Einzige bleiben, über den der Tod keine Macht mehr hat. Er zieht auch uns zu sich. Er verspricht auch uns: Ich lebe und ihr sollt auch leben. Er gibt uns teil an seinem Sieg.

    Seit er vom Tod auferstanden ist, hat der Tod nicht mehr das letzte Wort. Auch nicht über unserem Leben. Vielmehr gilt, was der Liederdichter singt: »Jesus lebt, mit ihm auch ich!«. Mit dieser Botschaft wünsche ich Ihnen von Herzen ein frohes und gesegnetes Osterfest. Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 11. April 2020

    Heute, am Karsamstag, möchte ich Sie mit dem Wort von Jesus am Kreuz grüßen, das uns der Evangelist Johannes als sein letztes Wort überliefert hat: Es ist vollbracht! (Joh 19,30).

    Im griechischen Urtext steht nur ein einziges Wort: »Tetelesthai!« Und das ist doppeldeutig: Es kann heißen: »Schluss! Ende! Aus und vorbei! Das war’s! Es ist zu Ende!« So haben es wohl viele verstanden, die an diesem Tag unter den drei Kreuzen auf dem Hügel Golgatha verstanden. Jetzt gibt es keine Hoffnung mehr. Jetzt ist dieses Leben zu Ende gegangen – für immer zu Ende gegangen. Doch man kann dieses Wort auch anders übersetzen und verstehen: Telos – bedeutet nicht nur Ende, sondern auch Ziel. Und nun bekommt dieses Wort eine andere Wendung: Nicht »aus und vorbei« sondern: »vollendet«; »alles, was nötig war, ist geschehen!«; »es fehlt nichts mehr!« - und so wurde es denn auch ins Deutsche übersetzt: »es ist vollbracht!« Es fehlt nichts mehr für uns Menschen, um mit Gott wieder ins Reine zu kommen. Alles hat Jesus für uns getan. Die ganze Schuld getragen. Alles ausgeräumt, was zwischen Gott und uns stehen könnte. Der Weg zur Versöhnung ist frei. Der Weg in Gottes Arme ist frei. Der Weg in Gottes Heiligtum ist frei. Alles ist vollbracht.

    Für uns heißt das: Alles, was wir wirklich zum Leben und zum Sterben brauchen, das schenkt Gott uns in dem gekreuzigten Christus. Gott ist für uns! Gott liebt uns! Gott vergibt uns. Es war genug, was Jesus für uns getan hat. Wir können und wir müssen nichts mehr dazu beitragen. »Uns wird das Heil durch ihn zuteil; uns macht gerecht der treue Knecht, der für uns ist gestorben.« Wir dürfen davon leben. Wir dürfen uns von ihm beschenken lassen – jeden Tag neu. Weil wir wissen: Jesus hat alles für uns vollbracht.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Karfreitag, 10. April 2020

    In der Karwoche möchte ich mit Ihnen über einige Stationen auf dem Weg ins Leiden von Jesus nachdenken. Heute, am Karfreitag ist es eines der Worte Jesu am Kreuz – wie es uns der Evangelist Johannes berichtet. Dort heißt es in Kap. 19:

    25 Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. 26 Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn! 27 Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

    Wie ganz anders ist doch Jesus! Da hängt er am Kreuz. Seiner Kleider beraubt, bespuckt, geschlagen, gedemütigt. Ein Bild des Jammers. Und doch bleiben seine Augen voller Liebe und Fürsorge. Er schaut auf die Menschen unter dem Kreuz. Die da stehen – hilflos und ohnmächtig; verstört. Die nicht einordnen können, was da geschieht. Und er – dem die Hände festgenagelt sind – hilft; klärt; richtet auf; stiftet immer noch Gemeinschaft: Frau, siehe, das ist dein Sohn! Siehe, das ist deine Mutter!

    Ja natürlich: Der Glaube ist eine ganz persönliche Sache. Es geht um eine ganz persönliche Vertrau­ensbeziehung zu Gott und Jesus Christus. Da bin ich ganz persönlich gefragt. Da kann kein anderer mich vertreten. Das kann kein anderer für mich entscheiden. Der Glaube ist eine ganz persönliche Sache. Und doch braucht der Glaube immer auch die Gemeinschaft mit anderen. Eine Gemeinschaft, die sich nicht decken muss mit der natürlichen Verwandtschaft – und die doch vergleichbar ist mit dem, was wir in der Familie erleben. Dass wir füreinander da sind; dass wir einander wahrnehmen; uns mit Liebe begegnen und hören und sehen, was der andere – die andere – braucht: An Trost, an Ermutigung, an Hilfe – aber auch an Korrektur. Dazu stellt er uns zusammen. Unterm Kreuz stiftet Jesus Gemeinschaft. Wir alle brauchen ihn – und wir brauchen einander, um uns im Glauben an ihn zu trösten, zu stärken und zu ermutigen. Gut, dass wir einander haben. Gut, dass wir ihn haben.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 9. April 2020

    In der Karwoche möchte ich mit Ihnen über einige Stationen auf dem Weg ins Leiden von Jesus nachdenken, Begegnungen und Gespräche, die uns in den Evangelien berichtet werden. Heute: das Verhör durch den römischen Statthalter Pontius Pilatus. Berichtet wird es uns im Johannesevange­lium, Kapitel 18 von Vers 28 an.

    28 Da führten sie Jesus von Kaiphas zum Prätorium; es war früh am Morgen. Und sie gingen nicht hinein, damit sie nicht unrein würden, sondern das Passamahl essen könnten. 29 Da kam Pilatus zu ihnen heraus und fragte: Was für eine Klage bringt ihr gegen diesen Menschen vor? 30 Sie antworteten und sprachen zu ihm: Wäre dieser nicht ein Übeltäter, wir hätten ihn dir nicht überantwortet. 31 Da sprach Pilatus zu ihnen: So nehmt ihr ihn hin und richtet ihn nach eurem Gesetz. Da sprachen die Juden zu ihm: Wir dürfen niemand töten. 32 So sollte das Wort Jesu erfüllt werden, das er gesagt hatte, um anzuzeigen, welchen Todes er sterben würde.

    33 Da ging Pilatus wieder hinein ins Prätorium und rief Jesus und fragte ihn: Bist du der König der Juden? 34 Jesus antwortete: Sagst du das von dir aus oder haben dir’s andere über mich gesagt? 35 Pilatus antwortete: Bin ich ein Jude? Dein Volk und die Hohenpriester haben dich mir überantwortet. Was hast du getan? 36 Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden darum kämpfen, dass ich den Juden nicht überantwortet würde; nun aber ist mein Reich nicht von dieser Welt. 37 Da fragte ihn Pilatus: So bist du dennoch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich die Wahrheit bezeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme. 38 Spricht Pilatus zu ihm: Was ist Wahrheit?

     

    Pilatus ist eine tragische Gestalt. Getrieben von Zwängen und Machtkalkül muss er tun, wovon er eigentlich inhaltlich nicht überzeugt ist – Jesus zum Tod verurteilen. Mit dieser Absicht bringen die religiösen Führer Jesus zu ihm. Die Kernfrage im Verhör, das dann folgt, ist: Bist du der König der Juden? Mit anderen Worten: Hast du politische Ambitionen, möchtest du die Herrschaft im Land umkrempeln? Und Jesus antwortet: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Ja, er ist ein König. Er ist der König, der Gottes ewige Wahrheit zu uns bringt und aufrichtet. Die Wahrheit über Gottes Liebe. Die Wahrheit über unsere Schuld und die Wahrheit über das, was wir wirklich für Zeit und Ewigkeit brauchen: Ihn, den König, dessen Reicht nicht von dieser Welt ist. Der sein Reich am Kreuz aufrichtet, in seinem Leiden und Sterben

    Lassen wir uns doch nicht nur vom Augenscheinlichen bestimmen. Sehen wir doch nicht nur die Machtverhältnisse und die Reiche dieser Welt – auf das was in der Zeitung steht oder in den Nachrichten kommt. Ja, das alles ist real, das alles gibt es. Das alles bestimmt auch ein Stück weit unser Leben.

    Doch das letzte Wort über unserem Leben und über dieser Welt hat der, der hier spricht: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Jesus Christus, der uns Menschen einlädt, ihm zu vertrauen; mit ihm zu leben, heute schon Bürger seines ewigen Reiches zu werden. Der Menschen aufrichtet und ihnen seine Liebe schenkt. Und der Menschen durch sein Leiden und Sterben zu Kindern Gottes macht. Sein Reich ist ein unvergängliches Reich. Sein Reich ist das ewige, wahrhaftige Reich unseres Gottes. Es existiert. Es ist da. Noch sehen wir es nicht. Doch wir können und sollen zu diesem Herrn und König gehören, der mit uns dieses ewige Reich aufrichtet.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 8. April 2020

    Über Stationen auf dem Weg ins Leiden von Jesus möchte ich mit Ihnen in der Karwoche nach­den­ken. Heute über das Verhör vor dem Hohen Rat, dem höchsten religiösen Gremium der damaligen Zeit. Nachlesen können Sie den Bericht im Markusevangelium, Kap 14 ab Vers 53.

    53 Und sie führten Jesus zu dem Hohenpriester; und es versammelten sich alle Hohenpriester und Ältesten und Schriftgelehrten. 54 Petrus aber folgte ihm nach von ferne, bis hinein in den Palast des Hohenpriesters, und saß da bei den Knechten und wärmte sich am Feuer.

    55 Aber die Hohenpriester und der ganze Hohe Rat suchten Zeugnis gegen Jesus, dass sie ihn zu Tode brächten, und fanden nichts. 56 Denn viele gaben falsches Zeugnis ab gegen ihn; aber ihr Zeugnis stimmte nicht überein. 57 Und einige standen auf und gaben falsches Zeugnis ab gegen ihn und sprachen: 58 Wir haben gehört, dass er gesagt hat: Ich will diesen Tempel, der mit Händen gemacht ist, abbrechen und in drei Tagen einen andern bauen, der nicht mit Händen gemacht ist. 59 Aber ihr Zeugnis stimmte auch so nicht überein. 60 Und der Hohepriester stand auf, trat in die Mitte und fragte Jesus und sprach: Antwortest du nichts auf das, was diese gegen dich bezeugen? 61 Er aber schwieg still und antwortete nichts. Da fragte ihn der Hohepriester abermals und sprach zu ihm: Bist du der Christus, der Sohn des Hochgelobten? 62 Jesus aber sprach: Ich bin’s; und ihr werdet sehen den Menschensohn sitzen zur Rechten der Kraft und kommen mit den Wolken des Himmels.

    63 Da zerriss der Hohepriester seine Kleider und sprach: Was bedürfen wir weiterer Zeugen? 64 Ihr habt die Gotteslästerung gehört. Was ist euer Urteil? Sie aber verurteilten ihn alle, dass er des Todes schuldig sei. 65 Da fingen einige an, ihn anzuspeien und sein Angesicht zu verdecken und ihn mit Fäusten zu schlagen und zu ihm zu sagen: Weissage uns! Und die Knechte schlugen ihn ins Angesicht.

     

    Es muss alles seine Ordnung haben – so dachte der Hohepriester. Schnell wurde die Ratsversamm­lung einberufen - ordnungsgemäß. Die Sitzung wurde eröffnet – ordnungsgemäß. Doch dann begannen die Unstimmigkeiten. Parteiische Richter sind am Werk: Die Hohepriester und der ganze Hohe Rat suchten Zeugnis gegen Jesus, dass sie ihn zu Tode brächten berichtet Markus. Und stellt dann fest: und sie fanden nichts. Ordnungsgemäß wurden Zeugen aufgerufen. Doch wieder gingen die Unstimmigkeiten los: Sie lügen, geben einen Meineid ab. Doch es hilft nichts, denn die Zeugnisse decken sich nicht. Die Situation wird immer diffuser. Sie befragen Jesus zu den Vorwürfen – doch der schweigt. Schließlich wird der Hohepriester ungeduldig und fragt Jesus ganz direkt: Bist du der Christus, der Sohn des Hochgelobten? (Markus 14,61).   

    In der Mitte des Markusevangeliums – am nördlichen Umkehrpunkt ihrer Reise durch Israel – war es Petrus, der von Jesus bekannte: Du bist der Christus! (Markus 8,29). Damals gebot Jesus ihm und den Jüngern, dass sie niemandem das verraten sollten.

    Jetzt aber ist es Jesus selbst, der es von sich bekennt: Ich bin’s; und er setzt hinzu: ihr werdet sehen den Menschensohn sitzen zur Rechten der Kraft und kommen mit den Wolken des Himmels. Der Christus, der Messias, der Gesalbte – das ist der König. Der König aller Könige. Doch er richtet sein Reich nicht mit Gewalt und menschlicher Stärke auf, sondern am Kreuz. Indem er sich für uns hingibt. Indem er sein Leben lässt. So tritt Christus seine Herrschaft an. Als König, der mit Dornen gekrönt ist. Als König, der alle menschlichen Machtverhältnisse umkehrt. Einmal wird er wiederkommen in Macht und Herrlichkeit. Wann? Es kann heute sein, es kann morgen sein. Wir wissen es nicht. Doch er wird kommen. Und deshalb gilt, was der frühere Bundespräsident Gustav Heinemann sagte: «Lasst uns der Welt antworten, wenn sie uns furchtsam machen will: Eure Herren vergehen, unser Herr kommt!«

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 7. April 2020

    Über einige Stationen auf dem Leidensweg von Jesus möchte ich in der Karwoche mit Ihnen nachdenken. Heute über die Gefangennahme von Jesus im Garten Getsemane – nachzulesen in Lukas 22 ab Vers 47:

    47 Als er aber noch redete, siehe, da kam eine Schar; und einer von den Zwölfen, der mit dem Namen Judas, ging vor ihnen her und nahte sich zu Jesus, um ihn zu küssen. 48 Jesus aber sprach zu ihm: Judas, verrätst du den Menschensohn mit einem Kuss? 49 Als aber, die um ihn waren, sahen, was geschehen würde, sprachen sie: Herr, sollen wir mit dem Schwert dreinschlagen? 50 Und einer von ihnen schlug nach dem Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm sein rechtes Ohr ab. 51 Da sprach Jesus: Lasst ab! Nicht weiter! Und er rührte sein Ohr an und heilte ihn.

    52 Jesus aber sprach zu den Hohenpriestern und Hauptleuten des Tempels und den Ältesten, die zu ihm hergekommen waren: Ihr seid wie gegen einen Räuber mit Schwertern und mit Stangen ausgezogen. 53 Ich bin täglich bei euch im Tempel gewesen und ihr habt nicht Hand an mich gelegt. Aber dies ist eure Stunde und die Macht der Finsternis.

     

    Jesus erlebt Niedertracht in ihrer wohl schlimmsten Spielart. Von einem aus seinem engsten Kreis wird er verraten. Verraten mit einem Kuss. Schlimmer geht es wohl nicht. Mit Schwerter und Stangen sind sie gegen ihn ausgezogen bei Nacht. Dabei war Jesus doch jeden Tag bei ihnen im Tempel. Doch dort haben sie es nicht gewagt, Hand an ihn zu legen. Jetzt bei Nacht kommen sie mit ihrer niederträchtigen Übermacht. Jesus stellt ihnen gegenüber fest: »Dies ist eure Stunde und die Macht der Finsternis.«

    Jesus weiß um all das, doch er weicht nicht aus. Er hätte sich längst in Sicherheit bringen können. Er hätte mit einem Heer von Engeln sich den Angreifern entgegenstellen können. Doch auf all das verzichtet er – um unseretwillen. Einer der Jünger – nach dem Johannesevangelium war es Petrus – hält es nicht mehr aus. Er greift nach dem Schwert und schlägt zu. Er trifft einen Knecht am Ohr und trennt es ihm ab. Doch Jesus greift ein, greift heilend ein und macht den Verletzten wieder gesund. Er hilft dem, der leidet – und ist bereit, für uns ins Leiden zu gehen.

    Er geht für uns ins Leiden und ins Sterben. Denn er will uns nicht verloren geben. Er liebt uns. Wir brauchen ihn, den Retter, der am Kreuz für uns stirbt. Weil wir Vergebung brauchen – Versöhnung mit Gott. Das Kreuz von Jesus – das ist Gottes großes Versöhnungszeichen: Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selbst und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. (2 Kor 5,19) So lesen wir es bei Paulus. So meint es Gott mit uns – und darum geht Jesus diesen schweren Weg. Und ich bin sicher: Er lässt auch uns auf unseren schweren Wegen nicht allein.   

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • add Andacht für den 6. April 2020

    In der Karwoche möchte ich mit Ihnen über einige Stationen auf dem Leidensweg Jesu nachdenken. Heute über das Gebet von Jesus im Garten Getsemane – nachzulesen im Markusevangelium, Kapitel 14 ab V. 32.

    32 Und sie kamen zu einem Garten mit Namen Gethsemane. Und er sprach zu seinen Jüngern: Setzt euch hierher, bis ich gebetet habe. 33 Und er nahm mit sich Petrus und Jakobus und Johannes und fing an zu zittern und zu zagen 34 und sprach zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis an den Tod; bleibt hier und wachet!
    35 Und er ging ein wenig weiter, warf sich auf die Erde und betete, dass, wenn es möglich wäre, die Stunde an ihm vorüberginge, 36 und sprach: Abba, mein Vater, alles ist dir möglich; nimm diesen Kelch von mir; doch nicht, was ich will, sondern was du willst! 37 Und er kam und fand sie schlafend und sprach zu Petrus: Simon, schläfst du? Vermochtest du nicht, eine Stunde zu wachen? 38 Wachet und betet, dass ihr nicht in Versuchung fallt! Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach.
    39 Und er ging wieder hin und betete und sprach dieselben Worte 40 und kam zurück und fand sie abermals schlafend; denn ihre Augen waren voller Schlaf, und sie wussten nicht, was sie ihm antworten sollten. 41 Und er kam zum dritten Mal und sprach zu ihnen: Ach, wollt ihr weiter schlafen und ruhen? Es ist genug; die Stunde ist gekommen. Siehe, der Menschensohn wird überantwortet in die Hände der Sünder. 42 Steht auf, lasst uns gehen! Siehe, der mich verrät, ist nahe.

    Dort erleben wir, wie die Einsamkeit um Jesus Kreise zieht. Aus der Gemeinschaft im Abendmahlssaal geht Jesus mit den Jüngern durchs Kidrontal zu diesem stillen Garten am Fuß des Ölbergs. Er nimmt – wie schon auf dem Berg der Verklärung – nur drei Jünger mit: Petrus, Jakobus und Johannes. Die übrigen bittet er zu warten, bis er gebetet hat. Diese drei aber lässt er wissen, was in ihm vorgeht: Meine Seele ist betrübt bis an den Tod. Und dann spricht er eine einfache Bitte aus: Bleibt hier und wacht! Wachet und betet mit mir! Er geht noch ein paar Schritte weiter – und betet allein. Ganz allein mit seiner Not, mit seiner Angst: Abba, mein Vater, alles ist dir möglich; nimm diesen Kelch von mir; doch nicht, was ich will, sondern was du willst! Dann kehrt er zu den drei Jüngern zurück – und findet sie – nein, nicht betend, sondern schlafend. Er weckt sie auf, fordert sie erneut auf: Wacht und betet! Es geht auch um euch. Dass ihr nicht in Versuchung fallt! Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Ihr schafft es nicht allein, nur mit der Hilfe des Vaters im Himmel. Hängt euch an ihn. Noch zweimal wird Jesus ein paar Schritte sich entfernen, um in der Einsamkeit seine Not und sein Schicksal dem Vater hinzulegen. Und noch zweimal wird er zurückkommen und die Jünger schlafend finden.

    Einsamkeit ist für viele in diesen Tagen ein Thema. Sie sollen wissen: Jesus weiß um unsere Einsamkeit. Und er versteht, wie schwer das ist. Seine Einsamkeit ging noch viel tiefer. Er lässt uns nicht allein. Und für alle, die müde geworden sind im Glauben gilt: Jesus lässt uns nicht schlafen. Er überlässt uns nicht uns selbst. Er weckt uns immer wieder auf. Er macht Mut. Die Ohnmacht und Schläfrigkeit der Jünger zeigt mir: Wir können und müssen nichts zu unserem Heil beitragen. Das hat allein Jesus für uns getan. Und wenn uns die Kraft ausgeht – dann ringt er dennoch für uns. Und wenn wir versagen – dann hält er uns dennoch fest. Darauf dürfen wir vertrauen.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 30.03. bis 05.04.

  • add Andacht für den Palmsonntag, 5. April 2020

    Ich grüße Sie mit dem Wochenspruch für die Karwoche, die heute beginnt aus dem Johannesevangelium. Jesus sagt in Johannes 3 von sich selbst: Der Menschensohn muss erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben. (Johannes 3,14b-15)

    Verzweifelte Rufe im Lager der Israeliten. Plötzlich sind feurige Schlangen da, tödliche Schlangen. Viele schon sind der Plage zum Opfer gefallen. Die Menschen erkennen ihre Schuld, laufen zu ihrem Anführer Mose und bitten ihn um Fürbitte bei Gott. Gott möge doch die Schlangen wegnehmen. Mose bittet. Doch als Antwort bekommt er den Auftrag: Richte eine Schlange aus Metall an einer hohen Stange auf. Wer gebissen ist und sieht sie an, der soll leben. Es klingt paradox. Die, die vom Tod bedroht sind, sollen auf das Symbol des Todes sehen – um gerettet zu werden. Doch so will es Gott. So macht er durch alles menschliche Planen und alle menschliche Weisheit einen Strich.

    Jesus sieht sich selbst genau in dieser Linie von Gottes Handeln. Von Anfang spricht er davon, dass er leiden wird und sterben muss. Wenn er im Johannesevangelium von »Erhöhung« spricht, dann ist das doppeldeutig: Zum einen ist die Erhöhung in den Himmel gemeint, dorthin, wo Jesus herkommt und wo er hingehört. Zum andern aber ist von dem Kreuz die Rede, das auf dem Hügel Golgatha aufgerichtet wurde. So will Gott retten – das zeigt er schon im Alten Bund. So und nicht anders. Dass wir Jesus, den Gekreuzigten anschauen, und ihm vertrauen – und es glauben, dass dieses Leiden auch uns mit einschließt. Dass er unsere Schuld dort trägt, unsere Strafe dort erduldet. So sehr hat Gott die Welt geliebt, wird es dann nur zwei Verse weiter heißen. So rettet Gott – durch den Gekreuzigten. Seine Rettungsbotschaft ist das »Wort vom Kreuz«, vielen ein Ärgernis und eine Torheit – aber denen, die glauben, ist es eine Kraft Gottes, die rettet in Ewigkeit. Schauen wir auf ihn. Halten wir an ihm fest – dem Gekreuzigten. Er ist auch unsere Rettung.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 4. April 2020

    Ich grüße Sie mit dem neutestamentlichen Lehrtext für den 4.April aus dem Römerbrief. Paulus schreibt dort: Gottes unsichtbares Wesen – das ist seine ewige Kraft und Gottheit – wird seit der Schöpfung der Welt, wenn man es wahrnimmt, ersehen an seinen Werken. Römer 1,20

    Der Tübinger Theologieprofessor Adolf Schlatter wuchs Ende des 19. Jahrhunderts in Basel in der Schweiz auf. Zu seinen Kindheits- und Jugenderinnerungen, die mir wiederum in Erinnerung blieben, gehörte, dass sein Vater zwei teure Apparate gekauft hatte, die auch die Kinder benutzen durften: Es war ein Mikroskop und ein Teleskop, ein Fernrohr. Der Wunsch des Vaters war, dass die Kinder über Gottes Schöpfung staunen lernten. Dass sie genau hinschauen lernen: im ganz Kleinen durch das Mikroskop – und im ganz Großen – in den Planeten und Sternen, die sie durchs Fernrohr sahen. Egal, wohin wir schauen – eine wunderbare Ordnung. Naturkon­stanten, die im ganzen Universum immer gleich sind – und ohne die das Universum nicht funktio­nieren könnte. Freilich, es gibt Menschen, die angesichts all dessen an Zufall glauben. Das wusste schon Paulus. Dass man Gottes Weisheit, Gottes Planen, Gottes ewige Kraft und Gottheit hinter all dem übersehen kann. Denn Gott ist unsichtbar. Doch ich möchte es – gerade auch wenn jetzt draußen die Natur wieder erwacht, lieber mit dem Liederdichter Paul Gerhardt halten, der in seinem Lied »Die güldne Sonne« in der zweiten Strophe singt: »Mein Auge schauet, was Gott gebauet / zu seinen Ehren / und zu lehren, / wie sein Vermögen sei mächtig und groß / und wo die Frommen / dann sollen hinkommen, / wann sie mit Frieden / von hinnen geschieden / aus dieser Erde vergänglichem Schoß.« Ja, wir dürfen Kinder dieses großen Gottes sein. Er hält uns in seiner Hand und er lässt uns nicht los.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 3. April 2020

    Ich grüße Sie mit dem alttestamentlichen Losungswort für den 3. April aus dem 89. Psalm: Wohl dem Volk, das jauchzen kann! HERR, sie werden im Licht deines Antlitzes wandeln. (Psalm 89,16)

    Die Psalmen sind uralte Lieder des Glaubens. Durch 3.000 Jahre hindurch haben Menschen sich in ihren Worten wiedergefunden und sie zu ihren eigenen gemacht. Sie haben die Psalmen nachgebetet. Mögen sich die Zeiten und die Umstände immer wieder ändern – Gott verändert sich nicht. Und von diesem ewigen, souveränen und treuen Gott erzählt auch der Psalm 89. Er beginnt mit den Worten: ich will singen von der Gnade des HERRN täglich und seine Treue verkünden mit meinem Munde für und für. Von Gott will er reden, von Gottes Treue, von Gottes Gnade. Denn das ist ein Fundament für unser Leben, das bleibt. Egal, wie die Umstände sind. Egal, welchen Namen die Krise trägt. Egal, was Menschen sich zutrauen oder wo sie verzweifeln. Mit Gott können und dürfen wir rechnen – auch und gerade jetzt. Jetzt, wo so vieles unsicher geworden ist; wo manche bange in die Zukunft schauen – wohlgemerkt in die Zukunft, die Menschen gestalten. Der Psalmist schaut in unserem Losungsvers auch in die Zukunft. In die Zukunft, die Gott für seine Menschen gestaltet: HERR, sie werden im Licht deines Antlitzes wandeln. Da, bei Gott, da ist es hell. Und wer mit ihm lebt und ihm vertraut, der lebt im Licht. Gnade und Treue finden wir dort. Etwas Verlässliches. Etwas, was nicht unsicher ist. Etwas, was hält, worauf wir uns felsenfest verlassen können. Gott lässt uns nicht los. Gott verlässt uns nicht. Gott bleibt da – auch und gerade in schweren Zeiten, in einsamen Zeiten. Und mit ihm an unserer Seite können wir jauchzen, können ihn loben. »Danken schützt vor Wanken und Loben zieht nach oben« sagte man schon früher. Und das können auch wir tun. Wir haben nicht nur die Nachrichten im Fernsehen. Wir haben eine Bibel voller Berichte von den großen Taten Gottes. Er ist auch für uns da. Auch wir dürfen zu den Menschen gehören, denen gilt: Wohl dem Volk, das jauchzen kann! HERR, sie werden im Licht deines Antlitzes wandeln.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 2. April 2020

    Ich grüße Sie mit dem Wort des neutestamentlichen Lehrtextes für den 2. April aus dem Lukasevangelium: Simeon nahm das Kind Jesus auf seine Arme und lobte Gott und sprach: Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen. (Lukas 2,28-30)

    »Meine Augen haben deinen Heiland gesehen« Da ist eine ganz tiefe Sehnsucht gestillt bei diesem alten Simeon. Er hat erlebt, wonach auch wir uns sehnen: Dass Gottes Versprechen sichtbar und spürbar in Erfüllung geht. Oft hat der Glaube nicht mehr als Gottes Zusage, an die er sich halten kann. Im Hebräerbrief wird, was Glaube ist, so definiert: Es ist der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. Simeon hat erlebt: Aus dem Glauben wird Schauen. »Meine Augen haben deinen Heiland gesehen.« Doch auch wir können in die Freude und das Lob Gottes bei diesem Simeon einstimmen. Denn er redet von Jesus. In Jesus Christus – da wird Gottes Liebe konkret. In Jesus, da bekommt seine Zuwendung, seine Gnade im wahrsten Sinne des Wortes »Hand und Fuß«. Gott kann man tatsächlich sehen. Denn Gott ist Mensch geworden – in Jesus Christus. Er hat unter uns gelebt, geredet, gehandelt, gewirkt. Jesus – das ist Gott in Person. Da sehe ich sein Gesicht. Deshalb können wir von Jesus gar nie groß genug denken. Und auch von dem, was er für uns tat, können wir nicht groß genug denken: Dass er für uns ins Leiden geht, für uns stirbt und für uns am Ostermorgen den Tod überwindet. Ja, es gilt auch uns, was er seinen Jüngern zusprach: Ich lebe und ihr sollt auch leben. Wir werden es einmal wie Simeon voller Freude und Staunen erleben: Es hat alles gestimmt, was er gesagt hat! Schon heute gilt uns, wenn wir auf Jesus sehen: »Meine Augen haben deinen Heiland gesehen.«

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 1. April 2020

    Ich grüße Sie mit dem Losungswort für den 1. April aus Jesaja 65: Ich will mich freuen über mein Volk. Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens. (Jesaja 65,19).

    »Was hat Gott vor?« so – oder ähnlich – fragen Menschen immer wieder bange, wenn sie etwas erleben, was nicht vorhersehbar war und was sie in seiner Wirkung nicht einordnen können. Vielen geht es auch mit dieser Epidemie so. »Warum lässt Gott das zu?« Und wer jetzt meint, in der Bibel schnell eine eindeutige Antwort in die eine oder andere Richtung zu finden – der hat sie wohl nicht ganz gelesen. Ich glaube: Auf die Frage nach einem tieferen Sinn von Katastrophen und Leid – so gern wir das hätten – gibt es keine schnelle und leichte Antwort. Wir können Gott nicht begreifen. Wir können Gottes Handeln – oder Gottes Zulassen – nicht erklären. Und das tut weh. Das schmerzt, das verunsichert.

    Was wir aber können, das ist, zu hören, was Gott vorhat. Wo er am Ende hin will – genau wie wir es im Losungswort lesen: Gott ist auf Gemeinschaft aus – mit seinem Volk Israel. Ja, mit diesem Volk, dem durch die Jahrhunderte vor und nach Christus so übel mitgespielt wurde – bis hin zu dem grausamsten aller Vernichtungsversuche im sogenannten Dritten Reich. Gott sagt: Ich will mich freuen über mein Volk. »Ich will dem Kummer ein Ende machen; ich will die Tränen trocken.« Und wir? Gilt das auch uns? Ja, es gilt auch uns. Was Gott vorhat, das hat er uns in Jesus, seinem Sohn gezeigt. Da, in Jesus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen, da sehen wir, was Gott vorhat, wo er am Ende mit uns hinwill. In Jesus Christus gehören auch wir alle, die an ihn glauben, zu diesem großen Volk Gottes. Das Ende der Offenbarung hat viele Parallelen zum Schluss des Jesajabuches. Der Vater Jesu Christi ist kein anderer als der Gott, der durch alles Wirren hindurch sein Bundesvolk des Alten und des Neuen Bundes zu seinem Ziel, zu seiner ewigen Heimat führt. Das hat Gott vor. Auch mit uns!

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 31. März 2020

    Auch heute grüße ich Sie mit dem neutestamentlichen Lehrtext. Diesmal ist es ein Vers aus dem Epheserbrief, Kapitel 2. Passend zum letzten Tag des Monats ist es der letzte Vers dieses Kapitels: Durch Jesus Christus werdet auch ihr miterbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist. (Epheser 2,22).

    »Gott baut sein Haus« davon ist der Apostel Paulus überzeugt. Gott baut sein Haus nicht nur oben im Himmel – da hat er es längst, sondern hier auf der Erde. Die Menschen im Alten Bund, im Alten Testament hatten das schon erfahren. Der Tempel in Jerusalem war so etwas wie Gottes Haus auf Erden. Eindrücklich wird in der Bibel beschrieben, wie der erste und der zweite Tempel erbaut wurden. Doch nun sollen es alle Menschen erfahren. Auch die, die bisher nicht in den Tempel durften. Gott ist für alle da. Gott will alle Menschen. Gott will bei allen – ja, in allen – wohnen. Deshalb hat Gott noch einmal ein »Bauprojekt« begonnen. Durch Jesus Christus, seinen Sohn baut Gott sein Haus – mitten auf dieser alten, leidgeplagten Erde. Jesus Christus ist der Grund-, der Eckstein und der Schlussstein dieses Hauses. Es ist erbaut aus lebendigen Steinen. Und wir sollen und dürfen dazugehören. Alle, die an Jesus Christus glauben, werden Teil dieser neuen Wohnung Gottes. Und belebt wird das Ganze durch Gottes guten Heiligen Geist, der in jedem wirkt, der glaubt. Wer an Gott glaubt, der darf sicher sein: diesen Glauben, den hat Gottes Heiliger Geist in mir bewirkt. Das ist mehr als ein Gefühl oder mein Entschluss. Da wirkt Gottes Geist.

    Gottes Haus – das ist nicht das Kirchengebäude. Und sei es noch so schön und noch so frisch renoviert. Wenn wir uns – nach dieser Krise – wieder darin zum Gottesdienst versammeln, dann lasst uns nicht vergessen: Gottes Haus – das sind nicht Steine, Glas und Holz – sondern das sind wir, wir Christen, mit denen Gott sein Haus baut. Auch heute. Auch in der Corona-Krise. Das Haus Gottes wächst und wird gebaut. Da herrscht kein Stillstand. Und wir – wir sind Teil dieses großartigen Bauprojekts Gottes.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 30. März 2020

    Ich grüße Sie mit dem neutestamentlichen Lehrtext für den 30. März 2020 aus Johannes 6,37. Jesus sagt dort: »Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.«

    Die Menschen waren begeistert, hatten ihn bejubelt und wollten Jesus zu ihrem König machen. Damals, als er 5.000 auf einmal satt gemacht hat – fast aus dem Nichts, nur mit 5 Broten und 2 Fischen. »So einen kann man brauchen!«

    Aber dann kippte die Stimmung – als Jesus eine Predigt hielt. Er machte allen deutlich: »Brot und Spiele« reichen nicht aus. Das ist ihm zu wenig. Jesus möchte und gibt mehr: »Ich bin das Brot des Lebens.« Im Grund wissen wir es alle: Auf Dauer reicht Brot wirklich nicht zum Leben. Doch nun erhebt Jesus einen ungeheuren Anspruch: »Auf Dauer reiche nur ich!« Jesus allein gibt wahres und bleibendes Leben. Und dann sagt Jesus im Lehrtext, wie wir dieses Leben bekommen: »Wer zu mir kommt…« Brot macht nicht satt, wenn es im Schaufenster bestaunt wird. Jesus nützt nichts, wenn man ihn von ferne und distanziert für einen guten Menschen hält. Jesus ruft penetrant und unausgesetzt zum Glauben an ihn und zur Nachfolge: »Wer zu mir kommt…« Damals hat er sich weithin die Sympathie der Leute verscherzt. Und dennoch gilt sein Ruf bis heute.

    Wer der Einladung folgt, wer zu ihm kommt, macht die wunderbare Erfahrung: Wer zu Jesus kommt, wird nicht abgewiesen. Da gibt es keine Vorbedingungen und Voraussetzungen, keinerlei Zugangsbeschränkung. Wer zu ihm kommt, wird aufgenommen, wird angenommen – darf bleiben in Ewigkeit. Diese gute Erfahrung wünsche ich Ihnen und uns allen immer wieder.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 23.03. bis 29.03.

  • add Andacht für den 27. März 2020

    Ich grüße Sie mit einem Vers aus dem 1. Petrusbrief, einer großartigen Einladung, die uns gerade jetzt in diesen ernsten Zeiten gilt: Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch! (1 Petrus 5,7)

    Wie gut, dass es diesen Einen gibt, von dem Petrus schreibt. Dieser Eine, der sich für unsere Sorgen zuständig erklärt. Es ist der Gott, von dem dieser Apostel kurz zuvor schreibt: Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. Ein Gott, den wir nicht damit beeindrucken müssen und können, was wir alles zustande bringen, was wir alles schaffen, was wir alles gut machen. Sondern der genau darum weiß, wie begrenzt unsere Möglichkeiten doch sind – sowohl in unserem persönlichen Leben und unserem persönlichen Umfeld, wie auch im Großen einer Volksgemeinschaft, einer Gesellschaft, einer Zivilisation. Zu den persönlichen Sorgen sind nun ganz überraschend für uns alle ganz andere Sorgen getreten: Corona-Sorgen. Die Sorgen um die Gesundheit, die Sorgen um das Gesundheitssystem, die Sorgen um die Menschen, die krank sind, um die Schwerstkranken – wegen Überlastung der Intensivstationen – in vielen Ländern dieser Welt nicht mehr geholfen werden kann. Die Sorge um die Versorgung, um die Wirtschaft, um die persönlichen Finanzen. Die Botschaft dieses Verses ist: Wir sind mit all diesen Sorgen und Herausforderungen nicht allein gelassen. Gott ist da. Gott, der sich zuständig erklärt. Gott unser Schöpfer, der uns liebt; der in Jesus für uns Mensch geworden ist – ja, der selbst für uns gestorben ist. Dieser Gott ist zuständig. Bei diesem Gott sind wir mit unseren Sorgen – den persönlichen und den weltweiten – gut aufgehoben. Ich lade Sie ein, dieser Empfehlung zu folgen. Sie können das den ganzen Tag über tun: Beten für sich und für andere. Vergessen Sie in Ihrem Gebet bitt nicht die Menschen, die den Kopf an den Ladenkassen und im Transportwesen, im Hintergrund für uns alle hinhalten – neben all denen, die im medizinischen Bereich für uns sich dem Risiko aussetzen, selbst zu erkranken, nur um anderen zu helfen. Heute werden um 19:30 Uhr wieder die Glocken läuten – und zu Andacht und Gebet zuhause einladen. Sagen Sie’s weiter, sagen Sie auch weiter von dem, auf den wir alle unsere Sorgen werfen können, denn er sorgt für uns.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 26. März 2020

    Ich grüße Sie mit dem Bibelwort der Losung der Herrnhuter Brüdergemeinde für den 26. März 2020. Es ist heute kein Zuspruch, auch kein Bekenntnis voller Zuversicht, sondern aus einem Bußpsalm. Es ist ein sehr persönliches Bekenntnis dieses Psalmbeters: Ich bekenne meine Schuld, bekümmert bin ich meiner Sünde wegen. (Psalm 38,19)

    Welch hohes Gut unsere Gesundheit darstellt, das wird uns in diesen Tagen bewusst. Auch in der Bibel wird der Wert der körperlichen Gesundheit betont: Die Evangelien berichten davon, wie Jesus die Not der Krankheit von Menschen auf wunderbare Weise beendet hat, wie er sie gesund gemacht hat. Doch neben der körperlichen Gesundheit ist ihm die seelische, die geistliche Gesundheit mindestens genau so wichtig: Dass Menschen Vergebung ihrer Schuld erfahren. Dem Gelähmten, den die Freunde durch das Dach ihm vor die Füße legen spricht er zuerst zu: »Dir sind deine Sünden vergeben!« Und dann sagt er: »Steh auf, nimm dein Bett und geh heim!« Dass Menschen an Seele und Leib geheilt werden – das ist das, was Jesus Christus will und tut. Der Satz »Hauptsache gesund!« stimmt also nur insoweit, dass wir in die »Gesundheit« auch die seelische, geistliche Gesundheit mit einbeziehen: Dass unser Verhältnis zu Gott in Ordnung kommt. Dass uns nichts auf der Seele lastet – an Schuld und Versagen. Das Schuldbekenntnis des Psalmbeters David ist eine Flucht, eine Fluchttür, die er aufstößt – hin zu Gott, hin in die Freiheit: »Wenn einer mir helfen kann, mir die Last meiner Vergangenheit abzunehmen, mein Versagen, auch mein Versagen Gott gegenüber – dann ist es er, unser Gott, selbst.« Verdrängen hilft im Umgang mit Schuld und Sünde, mit meinem Versagen in der Vergangenheit nicht, kleinreden hilft nicht, sich rausreden und auf andere schieben, all das hilft nicht – auch nicht der Verweis: Das machen doch alle. Jesus lädt uns ein: Kommt her zu mir, alle die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken – man kann auch sagen: »entlasten«. Hören wir auf die Worte Johannes des Täufers, der auf Jesus Christus zeigt uns sagt: »Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt.« - Gott wartet mit offenen Armen auf uns; egal, was schief gelaufen ist, egal, was wir falsch gemacht haben. »Buße tun heißt: Umkehren in die offenen Arme Gottes – dazu gehört, dass wir unsere Sünden herzlich erkennen, bekennen, bereuen, hassen und lassen. An guten wie an bösen Tagen dürfen wir als Kinder Gottes zu ihm kommen.« Diese Erfahrung der offenen Tür, der Vergebung und Entlastung durch Jesus Christus wünsche ich Ihnen von Herzen immer wieder neu.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 23. März 2020