Tägliche Kurzbotschaft

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Woche vom 06.07. bis 12.07.

  • add Andacht für Donnerstag, 9. Juli 2020

    Der HERR ist deine Zuversicht.                                                 Psalm 91,9

    Das Wichtigste für unser Leben lässt sich ganz einfach zusammenfassen: Gott ist für uns da. Gott ist unser Schöpfer, Gott ist unser Ziel und Gott ist der, zu dem wir in allen Lagen fliehen können und dürfen. Wenn alle Wege verbaut sind, dann ist dieser eine Weg doch immer noch offen: Der HERR ist deine Zuversicht. Wenn kein Silberstreif mehr am Horizont zu erkennen ist, dann ist dieses Licht doch immer noch da: Der HERR ist deine Zuversicht. Wenn unsere eigene Kraft nicht mehr ausreicht und alle eigenen Wege zu Ende gegangen sind, dann steht immer noch da: Der HERR ist deine Zuversicht. Es gibt eine Zukunft, es gibt eine Zuversicht, es gibt eine Hoffnung, es gibt eine Zuflucht. So heißt es nämlich im 2. Teil dieses Verses: Der HERR ist deine Zuversicht, der höchste ist deine Zuflucht.

    Einen Hoffnungsanker brauchen wir, einen unerschütterlichen Zufluchtsort – weil in dieser Welt es nichts gibt, was wirklich als verlä

    sslicher Grund für unser Leben taugt. Die Corona-Krise hat uns gezeigt, wie zerbrechlich unser modernes Gesellschaftssystem ist. Was alles hat in der Krise nicht funktioniert, wo wir meinten, dass es doch eigentlich ein verlässlicher Standard ist: Die Kinder­betreu­ung, der krisensichere Arbeitsplatz, die Stabilität unseres Geldes und sogar die Versorgung von Klinik­personal mit Schutzausrüstung – war plötzlich nicht mehr selbstverständlich. Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Langzeitfolgen können wir noch gar nicht abschätzen. Das lateinische Wort »Firma« heißt eigentlich »Die Feste«. Doch wir haben erlebt, wie wackelig und eben nicht fest viele Firmen in der Krise sind.

    Gott ist da – gerade jetzt. Mit Gott dürfen wir rechnen. Nicht nur in der Krise, sondern an jedem Tag. Ihm wollen wir vertrauen und auf ihn schauen. Und nicht nur auf uns und unsere Möglichkeiten. Was für ein Trost, was für ein Halt, das zu wissen – und sich darauf verlassen zu dürfen -: Der HERR ist deine Zuversicht.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 8. Juli 2020

    Ich will auch hinfort mit diesem Volk wunderlich umgehen, aufs Wunderlichste und Seltsamste, dass die Weisheit seiner Weisen vergehe.                                                              Jesaja 29,14

    Gott ist ganz anders als wir denken. Gott lässt sich von uns mit unserem Verstand nicht erschließen und begreifen. Und Gott lässt sich schon gar nicht vor unseren Karren spannen. Immer wieder haben Menschen diese Erfahrung gemacht: Gott handelt wunderlich. Gott handelt seltsam. Gott macht es ganz anders als wir es dachten. Wir können es nicht erklären, wir können es nicht vorhersagen. Gott ist souverän. Gott ist Gott.

    Eigentlich beginnt der Losungsvers mit dem Wörtchen Darum… Und als Begründung für das darum geht voraus: Weil dies Wort mir naht mit dem Munde und mit seinen Lippen mich ehrt, aber ihr Herz fern von mir ist und sie mich fürchten nur nach Menschengeboten, die man sie lehrt, darum …

    Dass Menschen sich ihre eigene Lehre von Gott – das meint das Wort Theologie – zurechtlegen, wie sie sie gern hätten, das gab es zu allen Zeiten – bis heute. Wo das geschieht, da trifft die Religions­kritik eines Ludwig Feuerbach wohl zu einem guten Teil zu. Doch Gott lässt sich eben nicht in unsere Denkmuster und -vorstellungen einengen. Gott ist anders und Gott handelt anders.

    In Jesus Christus setzt Gott diesen wunderlichen Weg, den er bei Jesaja ankündigt fort. Jesus, der Messias kommt ganz anders, als viele es erwarteten. Da gab es Enttäuschungen bei Menschen. Und Gott rettet ganz anders, als wir es erwarten: Nicht durch einen Feldherrn, der siegreich seine Truppen von einem militärischen Erfolg zum nächsten führt. Nicht durch einen Politiker, dem die Massen nur so zulaufen. Sondern durch einen Gekreuzigten. Durch einen, der leidet, der stirbt, der ohnmächtig erscheint. Bis heute regt sich Widerstand gegen diese Theologie, gegen das Wort vom Kreuz. Weil es nicht passt. Paulus schreibt dort im 1. Korintherbrief, wo er unseren Losungsvers zitiert: Die Juden fordern Zeichen und die Griechen fragen nach Weisheit, wir aber predigen den gekreuzigten Christus, den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit; denen aber, die berufen sind, Juden und Griechen predigen wir Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit. Denn die Torheit Gottes ist weiser als die Menschen sind, und die Schwachheit Gottes ist stärker, als die Menschen sind. (1Kor 1,22-25).

    Ja, Gott macht es ganz anders. Geben wir doch unsere eigenen Erklärungsversuche auf und lassen wir uns von Gott zeigen, wie er wirklich ist – in Jesus Christus sehen wir ihm ins Herz.

    Pfarrer Andreas Streich  

  • add Andacht für Dienstag, 7. Juli 2020

    Am Wege saß ein blinder Bettler, Bartimäus, der Sohn des Timäus. Und als er hörte, dass es Jesus von Nazareth war, fing er an zu schreien und zu sagen: Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Und viele fuhren ihn an, er sollte schweigen. Und Jesus blieb stehen und sprach: Ruft ihn her!                                                                                                  Mk 10,46-48.49

    Da ist ganz offensichtlich einer in Sorge. In Sorge, dass er übersehen oder überhört wird. Und deshalb schreit er. Bartimäus, der einzige, den Jesus geheilt hat, dessen Namen in den Evangelien genannt wird. Sonst haben wir bei Geheilten höchstens den Namen des Vaters Jairus oder des Schwieger­sohns Petrus. Bartimäus war nicht zu überhören. Dass er so laut schreit, das ist Ausdruck seiner Hoffnung und seiner Erwartung.

    An dieser Geschichte werden gleich mehrere Aspekte des Glaubens deutlich. Zum Einen: Glaube ist immer ein Wagnis. Bartimäus tut, was man normalerweise nicht tut. Es war wohl gegen alle Konvention und gegen alle Norm. Aber Bartimäus schreit und er lässt sich nicht aufhalten. Nicht von denen, die ihn zum Schweigen bringen wollen. Es könnte unangenehm für ihn werden; er könnte eine Enttäuschung erleben. Aber er schreit. Glaube ist ein Wagnis. Und Bartimäus wagt es, sich mit allem, was er zur Verfügung hat, bei Jesus Aufmerksamkeit zu verschaffen.

    Glaube hat mit Hilfsbedürftigkeit zu tun. Bartimäus weiß: Jesus hat etwas, was ich mir selbst nicht geben oder nehmen kann. Ich brauche ihn, ich brauche seine Hilfe. Glaube will etwas empfangen. Mit dem Glauben geht einher, dass wir die Grenzen unserer eigenen Möglichkeiten erkennen und akzeptieren. Dass wir Gott bitten, uns zu helfen, weil wir seine Hilfe brauchen.

    Und Glaube hat schließlich mit Jesus Christus zu tun. Dem Sohn Davids. Wir wissen nicht, woher und was Bartimäus über Jesus gehört hat. Doch als er erfährt, dass es Jesus ist, der da an ihm vorüber­geht, da lässt er sich nicht mehr aufhalten. Jesus Christus – wahrer Mensch und wahrer Gott – das ist Gottes Retter nicht nur für Bartimäus, sondern für alle Menschen. Nicht alle haben ihn als Retter erkannt, manche wollten seinen Anspruch nicht gelten lassen und ihn töten. Doch Gott hat ihn als den bestätigt, der er ist: Als Sohn Davids, als den verheißenen König in Ewigkeit. Als den, dem nichts zu schwer ist. Als den Retter, den wir alle brauchen.

    Machen wir’s wie Bartimäus: Wagen wir es immer wieder mit unserer Hilfsbedürftigkeit von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all unserer Kraft an Jesus zu hängen und ihm zu vertrauen. Er möchte nicht nur Nothelfer sein – er will sich für immer mit uns verbinden.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 6. Juli 2020

    So fern der Morgen ist vom Abend, lässt er unsre Übertretungen von uns sein. Psalm 103,12

    Weiter geht’s nicht, als Morgen und Abend auseinanderliegen. Morgen – das ist der äußerste Osten, der Sonnenaufgang – und Abend der äußerste Westen, der Sonnenuntergang. Vom einen Ende des Horizonts bis zum Andern – und noch weit darüber hinaus. Das meint der Psalmbeter David mit dieser Wendung: Weiter geht’s nicht auseinander als der Morgen fern ist vom Abend.

    Doch es geht nicht um Geografie, sondern um unsere Schuld. David staunt über den Gott, der die Sünde vergibt. Bei dem wir nicht durch fromme Leistungen wieder gut zu machen versuchen müssen, was wir falsch gemacht haben. Den wir nicht durch irgendetwas gnädig stimmen müssten, sondern zu dem wir fliehen dürfen, zu dem wir kommen dürfen, gerade auch mit und in unserer Schuld: Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte heißt es nur wenige Verse vor unserer heutigen Losung. Der alle deine Sünde vergibt… so beschreibt David ihn bereits im Eingang des Psalms. Und genau das brauchen wir vor allem anderen: Dass Gott uns unsere Sünden vergibt, dass er unsere Übertretungen ausräumt. Dass er uns die Schuld abnimmt.

    Der Gott, den David besingt, ist in Jesus Christus selbst gekommen, um genau das zu tun, worum es in diesen Worten geht: Um unsere Schuld auf sich zu nehmen und sie auszuräumen. Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selbst… heißt es im 2. Korintherbrief. Da, in Jesus, da wird Gottes Hilfe, Gottes Erbarmen, Gottes Gnade ganz konkret, fassbar und erlebbar. Von dieser Vergebung, von dem was Gott in Jesus Christus für uns getan hat,

     dürfen und wollen wir leben. Von dem, dass er selbst alles ausräumt, was wir versäumt und verschuldet haben. Er entlastet, er befreit, er vergibt und er lässt uns neu anfangen.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 29.06. bis 05.07.

  • add Andacht für den 4. Sonntag nach Trinitatis, 5. Juli 2020 zur Tageslosung

    Freut euch und seid fröhlich im HERRN, eurem Gott.                                    Joel 2,23

    Der Prophet Joel malt den Menschen seines Volkes ein wunderbares Bild vor Augen. Ein Bild, wie ihr Leben aussehen soll. Wie Gott es sich gedacht hat – und wie es sein kann. Dort, wo Menschen ihm, ihrem Gott vertrauen. Glaube lässt sich nicht von uns machen – er ist Geschenk Gottes. Und doch begegnet uns in der Bibel die Sache mit dem Glauben in Form von Aufforderungen an uns. So auch in diesem Vers: Freut euch und seid fröhlich – das sind doch Aufforderungen. Und wenige Verse zuvor lässt Gott durch Joel sein Volk auffordern: Bekehrt euch zu mir von ganzem Herzen mit Fasten, mit Weinen, mit Klagen! Zerreißt eure Herzen und nicht eure Kleider und bekehrt euch zu dem HERRN, eurem Gott. Das ist der Schlüssel zur Freude: Umkehr zu Gott, Abkehr von den falschen Wegen. Abkehr von allen Wegen ohne Gott. Umkehr in die offenen Arme.

    Martin Luther hat das erkannt in den 95 Thesen, die als Auslöser für die Reformation gelten. In der ersten These heißt es: Wenn unser Herr Jesus Christus sagt: Tut Buße, dann will er, dass das ganze Leben eine Buße sei. Freude und Fröhlichkeit – das will Gott für uns. Aber nicht Freude und Lässigkeit ohne ihn, sondern »im HERRN, eurem Gott« betont Joel. Da ist der Lebensraum für uns. Da ganz nah bei ihm. Da – ganz eng verbunden mit ihm. Je mehr wir ihm vertrauen, je enger die Beziehung zu Gott ist, umso mehr wird uns diese Freude und Fröhlichkeit erfüllen, die sich eben nicht an den äußeren Umständen entzündet, sondern die in uns brennt – auch in äußeren Schwierigkeiten. »In dir ist Freude in allem Leide, o du süßer Jesus Christ« hat Cyriakus Schneegass gedichtet – und wir singen es bis heute nach.

    Wo Menschen Gottes Aufforderung – oder Gottes Einladung – Folge leisten (weil er es ihnen letztlich ermöglicht), da beginnt ein neues Leben. Da bekommt unser Leben eine andere Lebensqualität. Da erfüllt er uns mit seiner Freude. Nach Galater 5 ist sie eine Frucht des Geistes: Die Frucht des Geistes ist Liebe, Freude, Friede… Frucht, die Gott auch in unserem Leben wachsen lassen will.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Samstag, 4. Juli 2020

    Auf alle Gottesverheißungen ist in Jesus Christus das Ja: darum sprechen wir auch durch ihn das Amen. Gott zur Ehre.                                                                    2. Korinther 1,20

    Wer sich an einen festlich gedeckten Tisch setzen darf, der hat meistens gleich mehrere leere Gläser vor sich stehen. Vielleicht nicht alle werden im Lauf des Festmahls gefüllt werden – aber doch einige. Deshalb stehen sie da: Als Zeichen, dass es etwas Gutes zu erwarten gibt.

    Wer sich mit Gott einlässt, der erlebt ganz Ähnliches: Dass Gott uns sein Versprechen gibt, dass da noch etwas ganz Besonderes, etwas Gutes, Segensreiches für uns kommt. Noch haben wir es nicht. Noch haben wir nur sein Wort – doch Gott verspricht: Das geht in Erfüllung. Ihr werdet es erleben. Der Glaube ist nach dem Hebräerbrief eine feste Zuversicht auf das, was man hofft und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht (Hebr 11,1). So wie uns ging es bereits den Menschen, die sich im Alten Bund, im Alten Testament auf Gott eingelassen haben. Auch ihnen hat Gott Ver­heißungen, Zusagen, Versprechen gegeben. Er hat ihnen Gutes, Segensreiches in Aussicht gestellt.

    Und dann hat er es erfüllt. Dann wurden die Gläser an der festlichen Tafel gefüllt – gefüllt und erfüllt für den, der auf der Hochzeit zu Kana aus Wasser Wein gemacht hat: Jesus Christus. Gott sagt nicht einmal »Ja« und dann wieder »Nein«, Gott ändert seine Pläne nicht. Gott nimmt seine Zusagen nicht zurück. Gott sagt nicht »Vielleicht«. Gott sagt eindeutig »Ja« in Jesus Christus. »Ja« zu uns. Ja, er will uns haben. Ja, wir sollen zu ihm gehören. Ja, er will uns unsere Schuld vergeben. Ja, er nimmt uns an – ohne Vorbedingung. Ja, durch Jesus macht er uns zu seinen Kindern. Gott sagt »Ja« zu seinen früheren Zusagen. Gott erfüllt, was er verspricht.

    Und darum lohnt es sich, auf diesen Gott zu hören – und auf seinen Sohn, in dem Gott selbst zu uns kam, einer von uns wurde. Darum lohnt es sich, ihm zu glauben – auch wenn manche Verheißung auch für uns heute noch auf Erfüllung wartet. Was Gott verspricht, das geht in Erfüllung. Ganz gewiss. Darum: Glauben wir’s. Sagen auch wir »Amen«, d.h. »es gilt«. Wir werden nicht enttäuscht.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Freitag, 3. Juli 2020

    Deine Hände haben mich gemacht und bereitet; unterweise mich, dass ich deine Gebote lerne.

    Psalm 119,73

    Die beste Gebrauchsanweisung kommt vom Hersteller eines Produkts. Die klarste Erklärung eines Kunstwerks kommt vom Künstler, der es erschaffen hat. Der beste Hinweis zum Gebrauch kommt vom Erfinder. Denn keiner weiß besser Bescheid als der, der eine Sache gemacht hat. Nun geht es um unser Leben. Um uns Menschen. Unser Leben und v.a. auch unser Zusammenleben ist ein so komplexes Geschehen, dass die Menschen es bis heute nicht wirklich entschlüsselt haben. Nur ansatzweise, nur ganz vorsichtig an der Oberfläche gekratzt verstehen wir bis heute, wie menschliches Zusammenleben funktionieren könnte und wieso es nicht funktioniert. Den Großteil verstehen wir nicht. Deshalb sind Menschen nach wie vor unglücklich, gibt es Neid, Streit und Missgunst und zerbrechen menschliche Beziehungen – in der Familie, aber auch weltweit zwischen politischen Lagern und Ländern.

    Der Psalmbeter des 119. Psalms hat eine wichtige Erkenntnis gewonnen. Er hat die Antwort auf die Frage: Wo komme ich her? Nein, ich bin kein Produkt des Zufalls. Gott, das große „Du“, hat mich gemacht und bereitet: Deine Hände. Ich bin keine Massenware, ich bin Handarbeit. Ich bin wertvoll. Und ich bin gewollt. Da steckt ein Wille, eine Absicht dahinter, dass ich da bin – und zwar genau so wie ich bin. Es ist eine Lüge, wenn dir jemand einredet: Du bist nicht gut genug, du bist nicht schön genug. Gott hat dich gewollt, du bist von Gott geliebt – so wie du bist, weil er dich erschaffen hat.

    Nun tritt bei diesem Psalmbeter noch ein zweiter Gedanke zu diesem Wissen um Gott, den Schöpfer, der selbst Hand angelegt hat: Wenn er mich geschaffen hat, dann weiß er auch am Besten, wie mein Leben gelingt und was gut für mein Leben ist. Dann brauche ich seine Handlungsanweisung, seine Gebrauchsanweisung. Und er erkennt: Gottes gute Gebote – das sind keine Lebensbeschränkungen, sondern das ist die beste Gebrauchsanweisung für ein gelingendes Leben. Das ist Lebensermögli­chung. Und darum ist er begierig, sie zu lernen. Der Schöpfer selbst soll ihn unterweisen.

    An beidem hat sich durch die Jahrtausende bis heute nichts geändert. Wir sind immer noch Gottes Geschöpfe – genau wie der Pslambeter. Und immer noch gibt es keine bessere Lebensanleitung als Gottes gute Gebote. Lernen doch auch wir sie – und leben wir danach.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Donnerstag, 2. Juli 2020

    HERR, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen.       Psalm 8,2

    Der Psalmsänger David staunt über Gott. Das hebräische Wort im Urtext, das er zur Beschreibung Gottes gebraucht, heißt »groß, gewaltig« und kann sich auch auf Bäume, Schiffe, Könige oder Völker beziehen. Es kann »vornehm« oder »kostbar« bedeuten oder eben Gottes Majestät und Herrlichkeit beschreiben. Etwa im Psalm 76,5: Du bist herrlicher und mächtiger als die ewigen Berge. Oder im 93. Psalm: Die Wasserwogen im Meer sind groß und brausen mächtig, der HERR aber ist noch größer (oder: herrlicher) in der Höhe. Zweimal aber in der Bibel wird dieses Eigenschaftswort im Zusammen­hang mit Gottes Namen gebraucht: wie herrlich ist dein Name in allen Landen. In unserem Losungsvers aus dem 8. Psalm und im Schlussvers genau desselben Psalms, wo die Wendung aus der Losung wortwörtlich wiederholt wird. Der ganze Psalm ist also eingerahmt von diesem Staunen über den großen Namen Gottes.

    Der Name Gottes ist herrlich. Darüber staunt David. Darüber ist er froh und darüber lobt und preist David Gott. Der Name macht unverwechselbar. Und der Name macht ansprechbar. Wer den Namen eines andern nicht kennt, weiß nicht, wie er ihn erreichen kann. Auf Gott übertragen: Wer nur ahnt, dass da doch noch »mehr« sein muss als das, was wir an Sichtbarem und Erklärbarem in der Welt vorfinden, dass es da doch noch ein »höheres Wesen« geben muss, der tappt im Blick auf Gott noch im Dunkeln. Doch David weiß mehr. Er weiß nicht nur, dass Gott diese Welt geschaffen hat, er kennt auch seinen Namen. Denn Gott hat sich gezeigt, hat den Menschen seinen Namen dagelassen, damit sie ihn anrufen können. Damit sie eine klare Adresse haben, an die sie sich mit allem wenden können, was sie bewegt: Ihrer Freude, ihrem Dank, ihrem Lob – aber auch ihrer Not, ihren Sorgen und Ängsten. Gott ist ansprechbar. Gott ist erreichbar. Und Gott will in Beziehung zu uns treten: unser Herrscher nennt David ihn in diesem Vers. Es gibt viele Abhängigkeiten, in die Menschen geraten können, die nicht gut sind: Süchte, aus denen man nur schwer wieder rauskommt. Doch diese eine Abhängigkeit, die ist einzigartig gut für unser Leben: Dass Gott unser Herr ist. Dass wir zu ihm gehören und ihn über alle Dinge lieben, fürchten und ihm vertrauen.

    Es gibt eine Adresse, es gibt einen, bei dem unser Lob, unser Dank, aber auch unsere Sorge gut aufgehoben ist. Einer, der als guter Herr für uns sorgen will. In Jesus Christus hat dieser gute Gott uns sein Gesicht gezeigt und wie er es im Tiefsten seines Herzens mit uns meint. Seitdem ist es der Name Jesus – das heißt wörtlich: Gott rettet – den wir als herrlichen Namen preisen dürfen. Es gibt Rettung, es gibt Halt, es gibt einen, der uns nicht loslässt: Jesus ist sein Name. Er ist herrlich und sein Name ist herrlich – für uns und für die ganze Welt.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • add Andacht für Mittwoch den 1. Juli 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    heute beginnt ein neuer Monat und so wie die Herrnhuter Losungen für jeden Tag einen Bibelvers auswählen, genauer gesagt sogar zwei, nämlich die Losung aus dem Alten Testament und einen dazu passenden Vers, den Lehrtext, aus dem Neuen Testament, so gibt es auch für jeden Monat einen Vers aus der Bibel, der uns begleitet. Der Vers für Juli kommt aus dem ersten Buch der Könige und nimmt uns hinein in die Geschichte des Elia. Das war ein Mann, der im Auftrag des Herrn unterwegs war, im Auftrag des Gottes Himmels und der Erde. Das war immer wieder alles andere als einfach – Elia musste sich gegen die gottlose und oft auf den eigenen Vorteil bedachten Politik des Königs von Israel und seiner eigensüchtigen Frau stellen. Das Königspaar schreckte sogar vor Mord nicht zurück, wo Gegner nicht weichen wollten.

    Elia tritt dieser menschenverachtenden Politik entgegen, mutig und entschlossen. Er schwimmt damit gegen den Strom des Zeitgeists in Israel damals, er schaut nicht auf die Ansicht der Mehrheit, sondern auf das, was er vor Gott als richtig erkennt.

    Dieses mutige und entschlossene Eintreten ist auch für einen starken Charakter wie Elia nicht einfach. Es kostet ihn viel Kraft, Lebensmut und Freude. Es wird berichtet, wie er nach einem erfolgreichen öffentlichen Auftritt tief depressiv wird. Elia fühlt sich völlig am Ende, allein gelassen, ausgelaugt, am Ende aller Kräfte. Er ist unterwegs und so schmeißt er sich auf seinem Weg einfach unter einen Busch. Er ist so fertig, dass er sich wünscht, einfach nur sterben zu dürfen, damit aller Stress und alle Mühe ein Ende hat.

    In dieser Situation schickt Gott einen Engel zu ihm. Der hält dem Elia keine Predigt, sagt ihm keine frommen Worte, sondern – bringt ihm ein geröstetes Brot und einen Krug mit frischem Wasser. Elia isst und schläft und erholt sich. Dann kommt der Engel ein zweites Mal zu ihm und spricht den Elia an und das ist jetzt unser Monatsvers für Juli: Der Engel des Herrn rührte Elia an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir. (1. Kön. 19,7)

    Ist das nicht klasse? Der Elia meint, er sei am Ende. Gott sieht das anders. Er sorgt mit Essen, Trinken und Schlaf dafür, dass Elia wieder zu Kräften kommt – und dann schickt er ihn erneut los und macht ihm damit klar: Dein Leben hat Sinn, Du wirst gebraucht. Wo Sie am Ende sind – lassen Sie sich neu kräftigen mit Ruhe und mit all dem, was für Sie gut ist und was Ihnen gut tut. Dann und erst dann sind Sie auch wieder als jemand gefragt, der für andere aktiv wird.

    Vielleicht finden Sie sich in der Geschichte auch gar nicht in Elia wieder – sondern in dem Engel, der in seinem Tun und Sein wirklich ein Engel ist: Vielleicht entdecken Sie in diesem neuen Monat Juli, dass Sie als Engel für jemand anderes gefragt sind. Dass Sie dafür sorgen, dass ein anderer, eine andere neuen Lebensmut findet.

    Die Geschichte von Elia und dem Engel finden Sie in 1. Könige 19 – vielleicht lesen Sie sie in Ruhe noch einmal nach.

    Ich wünsche Ihnen einen zuversichtlichen Tag, Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für den 29. Juni 2020 (Tag der Apostel Petrus und Paulus - kurz "Peter und Paul")

    Andacht für 29. Juni 2020

    Am Tag der Apostel Petrus und Paulus grüße ich Sie mit dem Spruch, der über diesem Tag steht.

    Mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus und große Gnade war bei ihnen allen.                                                                                                        Apostelgeschichte 4,33

    Was macht einen Apostel Jesu Christi aus? Es ist ganz einfach: Er bezeugt die Auferstehung des Herrn Jesus. Und zwar mit seinen Worten und mit seinem Leben. Die Apostel sind Menschen, die von Jesus gerufen wurden und von ihm ergriffen sind. Das besondere an den neutestamentlichen Aposteln ist, dass sie allesamt Augenzeugen des Auferstandenen sind. Auch Paulus übrigens, der ja erst nach der Himmelfahrt von Jesus Apostel wurde – dort vor Damaskus. Da ist ihm Jesus begegnet. Er bezeugt im großen Auferstehungskapitel in 1. Kor 15:  Zuletzt ist er auch von mir als einer unzeitigen Geburt gesehen worden. Denn ich bin der geringste unter den Aposteln, der ich nicht wert bin, dass ich ein Apostel heiße., weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe. Aber durch Gottes Gnade bin ich was ich bin.

    »Gnade«, das ist das andere Stichwort, was einen Apostel ausmacht. Gnade ist ein Beziehungsbegriff. Gnade heißt Geschenk. Ein Apostel lebt davon, dass Gott, dass Jesus sich ihm zuwendet – unverdient. Die Initiative geht allein von Gott aus. Deshalb gebührt das ganze Lob auch Gott.

    Und spätestens jetzt wird klar, dass auch die »große Kraft«, von der im Eingang des Verses die Rede ist, nicht aus den Aposteln selbst kommt – nicht ihre Willensstärke oder ihre Entschlusskraft ist – sondern von dem Gott, der sie berufen hat – von Jesus. Alles, was sie sind und haben, verdanken sie Jesus.

    Die Apostel des Neuen Testaments sind einzigartig – auch in ihrer heilsgeschichtlichen Bedeutung. Es gibt heute keine solchen Apostel mehr. Ihr Zeugnis, aufgeschrieben im Neuen Testament, aber ist bis heute der Grund der Kirche Jesu Christi – erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten. Doch die Kraft, die in ihnen mächtig war – und die Gnade, die sie erlebten – die kommen von Jesus. Und er ist derselbe auch für uns heute. Auch wir dürfen und wollen mit ihm leben und von ihm abhängig sein.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 22.06. bis 28.06.

  • add Andacht zum 3. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest zum Wochenspruch

    Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.   Lukas 19,10

    So sagt es Jesus am Ende des Berichts von der Begegnung mit dem Zöllner Zachäus. Es ist eine Geschichte mit ansteckender Freude. Die Begegnung mit Jesus hat sein Leben umgekrempelt. Aus dem Oberzöllner, der wohl gern auch mal etwas mehr die Hand aufhielt als es eigentlich vorgesehen war, wird ein Mensch, der zurückgefunden hat in die Gemeinschaft mit Gott – durch Jesus. Die Freude ist nicht ungetrübt, denn es gibt Skeptiker, die den Zachäus längst in die Schublade »Sünder« gesteckt haben und ihn da auch nicht mehr herausholen wollen.

    Am Ende der Geschichte macht Jesus mit dem Wochenspruch deutlich: Verlorene Menschen, Sünder und Gottlose zu suchen und zu Gott zurückzubringen, das ist kein Nebeneffekt seiner Sendung, sondern das ist der Kern seines Auftrags. Fett prangen auf den Seenotrettungskreuzern und auf Rettungshubschraubern drei Buchstaben »SAR« Es ist die Abkürzung für den englischen Ausdruck: »search and rescue« zu deutsch: »suchen und retten«. Auch wenn der Hubschrauber am Boden steht oder das Rettungsschiff im Hafen liegt – sie stehen und liegen nur da, um genau für diesen Zweck gebraucht zu werden, der mit großen Buchstaben auf sie draufgeschrieben ist: Um Menschen in Not zu suchen und zu retten.

    In Gottes Augen sind wir alle rettungsbedürftig. Denn wir alle leben nicht mehr von Natur aus in der Gemeinschaft mit Gott, wie sie sich der Schöpfer ursprünglich gedacht hat. Wir haben das Paradies verloren. Doch Gott will uns nicht verloren geben. Gott will, dass wir gerettet werden. Und wie die Retter am Berg, zu Lande, zu Wasser oder in der Luft ihr Leben riskieren, um zu retten, so riskiert Jesus nicht nur sein Leben, sondern gibt es hin, damit wir mit Gott versöhnt werden. Damit wir wieder heimfinden zu Gott. Damit uns die Tür geöffnet ist zurück ins Vaterhaus. Damit auch wir die Freude erleben, die Zachäus erlebte – durch Jesus, den Sucher und Retter Gottes.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Samstag, 27. Juni 2020

     

    Ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus: Obwohl er reich ist, wurde er doch arm um euretwillen, auf dass ihr durch seine Armut reich würdet.                      2. Korinther 8,9

    „Gnade“ ist heute ein Wort, das viele Menschen nicht mehr verstehen. Gnade bedeutet Zuwendung – ganz unverdient. Gnade ist kein Automatismus und kann auch nicht eingefordert werden. Wenn sich beim Sonnenuntergang die Sonne rot färbt und sich dem Horizont nähert, dann sagte man früher: „es genahet“. Was Gnade ist, erklärt Paulus im heutigen Lehrtext: Jesus Christus, Gottes Sohn schenkt sie uns. Und sie besteht darin, dass er für uns arm wird. Dass er den Reichtum des Himmels zurücklässt, um ganz einer von uns zu werden. Die Herrlichkeit in Gottes ewiger Welt lässt er zurück, um uns nahe zu kommen und um uns das zu geben, was wir uns nicht verdienen oder erarbeiten könnten: dass wir zu Gottes Kindern werden und zu Erben der himmlischen Herrlichkeit. Jesus macht’s, indem er alles hergibt, ja, indem er sogar sein Leben loslässt für uns. Und er macht es aus reiner, bedingungsloser Liebe zu uns. Wir sind geliebt und wir werden beschenkt durch Jesus, reich beschenkt, überreicht – mit dem ewigen Leben.

    Zwei Dinge sind bei diesem Vers wichtig: Das erste: Es geht um Jesus. Den unermesslichen Reichtum Gottes bekommen wir nur durch ihn. Jesus ist für uns der einzige Zugang zu Gott. Er ist nicht mit irgend einer anderen Person austauschbar und was er für uns getan hat im Blick auf unser Verhältnis zu Gott, ist durch nichts und niemand anderen zu ersetzen. Und das Zweite: Wenn er seinen unermesslichen Reichtum aus Liebe zu uns hergegeben hat, um uns reich zu machen, dann sollte das auch uns heute schon als von ihm Beschenkte prägen: Dass wir etwas von unserem viel kleineren Reichtum hergeben, damit anderen Menschen geholfen werden kann. Begnadigte leben anders und von Jesus Beschenkte sollen zu Schenkenden werden.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Freitag, 26. Juni 2020

    Die Welt vergeht mit ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit.

    1 Johannes 2,17

    „Wer billig kauft, kauft zweimal“ lautet eine Weisheit, die ich je länger je mehr bestätigen kann. Wie oft habe ich schon im Schnäppchen-Modus irgendetwas Billiges gekauft: Kleider oder ein Gerät, um dann nach kürzester Zeit festzustellen: Es hält, wenn überhaupt, höchstens während der Garantiezeit. „Wer billig kauft, kauft zweimal.“ Nachhaltiges Einkaufen sieht anders aus: Da zählt die Qualität und die Lebensdauer.

    Und in unserem Leben? Worauf setzen wir da? Mit unserem Lebenskonzept, mit unseren Entscheidungen, mit den Schwerpunkten, die wir setzen: Auf diese Welt, auf das, worauf alle Welt aus ist? Genuss, Luxus, Bequemlichkeit, Erleben… Johannes stellt nüchtern fest: Das alles ist „billige Ramschware“ wie beim „billigen Einkauf“. Es hält nicht, es trägt nicht; es ist nicht nachhaltig für unser Leben. „Die Welt vergeht mit ihrer Lust“ ist die nüchterne Analyse. Halte dich damit nicht auf! Orientiere dich nicht daran. Aber es gibt einen, der nicht vergeht, der nicht verwelkt und verschleißt: unseren Gott. Das Lebenskonzept, zu dem uns der heutige Lehrtext einlädt heißt schlicht: Halte dich an diesen Gott. Frage, was sein Wille ist. Höre auf das, was er dir zu sagen hat – in der Bibel, wo uns sein Wille geoffenbart ist. Und dann tu es! Halte dich mit deinem ganzen Leben daran. Denn wer mit ihm lebt, wer seinen Willen tut, der lebt in Ewigkeit. Gottes Wille? Das ist zunächst einmal nicht eine lange Liste von Geboten, die wir abarbeiten sollen. Das ist zu allererst, dass Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen – durch Jesus Christus. Dass Menschen nicht mehr ohne, sondern ihr Leben mit Gott leben, ihm von Herzen vertrauen, ihn lieben und ihm gehorchen. Etwas Besseres, Nachhaltigeres als mit ihm zu leben und auf ihn zu hören, gibt es nicht.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Donnerstag, 25. Juni 2020

    Ich, der HERR, bin dein Heiland, und ich, der Mächtige, dein Erlöser.    Jesaja 60,16

    Was für eine Selbstvorstellung! Im Wahlkampf rücken Politiker sich ins beste Licht, erzählen von ihren Erfolgen und verkünden, wofür sie stehen. Doch wie viele Wahlkampfversprechen wurden schon gebrochen. In Bewerbungsmappen und bei Vorstellungsgesprächen zeigen sich Anwärter für eine Posten von ihrer besten Seite, berichten von ihrer Erfahrung und ihren Erfolgen. Doch wir alle wissen: Es werden auch Misserfolge nicht ausbleiben. Ganz anders bei unserem Gott: Er hält, was er verspricht. Seine Ansage geht in Erfüllung.

    Gott stellt sich vor. Er stellt sich vor als Heiland, als Retter und als Erlöser. Und zwar als „der Mächtige“. Und wenn er „der Mächtige“ ist, dann gibt es keinen, der mächtiger ist. Niemand kann ihm widerstehen, niemand gegen ihn siegen. Auch nicht die Mächte, die unser Leben bedrohen. Damals war es das verachtete, geschundene Volk Israel, das zum Spielball der Völker geworden ist. Gott hat den Feinden freien Lauf gelassen, nachdem Gottes Volk sich immer und immer wieder andere Göttern zuwandte und auf Gottes Gebote gepfiffen hat. Doch auch ihre Schuld ändert nichts an seiner Liebe, an seiner Sehnsucht nach seinen Menschen. Gott liebt dieses Volk nach wie vor – bis heute. Und er will eingreifen und retten. Was Gott seinem Volk Israel verspricht, das hält er, das wird er in Erfüllung gehen lassen – und sei es, dass es bis ans Ende der Zeit dauern wird. Aber es geht in Erfüllung. Und auch uns gilt Gottes Rettungszusage in Jesus Christus: Gott sehnt sich nach seinen Menschen. Er will mit uns leben, sich mit uns verbinden. Jesus ist gekommen, zu suchen und zu retten, was verloren ist. Was für ein Gott! Was für eine Selbstvorstellung! Was für eine Einladung, ihm zu vertrauen und mit ihm zu leben!

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 24. Juni 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    die Herrnhuter Tageslosung für heute kommt aus Psalm 147: „Er sendet seine Rede auf die Erde, sein Wort läuft schnell.“ Sein Wort, damit ist Gottes Wort gemeint. Im Losungsbüchle stehen dazu Zeilen von Dietrich Bonhoeffer, einem evangelischen Pfarrer, der sich im Nazireich dem Widerstand anschloss, deshalb verhaftet wurde und schließlich hingerichtet wurde.

    Bonhoeffer schreibt zu „Gottes Wort“:

    „Wo Gottes Wort bei mir ist, finde ich in der Fremde meinen Weg, im Unrecht mein Recht, in der Ungewissheit meinen Halt, in der Arbeit meine Kraft, im Leiden die Geduld.“ In der einsamen und unsicheren Gefängniszeit hat das Bonhoeffer all das intensiv erlebt: Unrecht, Ungewissheit, Leiden. Aber auch: Recht bei Gott, Halt, Kraft, Geduld. Dass er im Gefängnis bei aller Verzweiflung und auch Selbstzweifel doch immer wieder Geborgenheit erlebt hat und sogar andere ermutigen konnte, war erstaunlich und ein Geschenk.

    „Wo Gottes Wort bei mir ist“ – wir können fragen: wie kommt es denn zu mir, wie erreicht es mich?

    Wir können es nicht erzwingen. Wir können nicht Gott durch irgendeine religiöse Praktik zum Reden bewegen. Wir können ihn nur schlicht und ergreifend darum bitten: Gott, Vater, Bruder, Retter, Jesus - ich brauche Dein Wort, Dein Reden so dringend für mein Leben. Bitte sprich Du zu mir mit Deinem lebensspendenden Wort. Jesus sagt: Bittet, so wird euch gegeben, suchet, so werdet ihr finden. Wo Du Gott bittest, dass er zu Dir spricht, wird er es tun! Gib ihm auch eine Chance, dich zu erreichen, indem Du wartend und hörend bist, Dich zum Beispiel in den Gottesdienst einladen lässt. Dort erleben viele von uns, dass es im still Werden leichter fällt, Gottes Wort zu hören als im übervollen Alltag.

    „Wo Gottes Wort bei mir ist, finde ich in der Fremde meinen Weg, im Unrecht mein Recht, in der Ungewissheit meinen Halt, in der Arbeit meine Kraft, im Leiden die Geduld.“ Ich wünsche Ihnen einen zuversichtlichen Tag, Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für Dienstag, 23. Juni 2020

    Gottes Wort ist nicht gebunden.             2. Timotheus 2,9

    Das sagt einer, der selbst gebunden ist: Paulus. Im ersten Teil dieses Verses spricht er von seinem Ergehen, von seinem Leiden bis dahin, dass er eben wie ein Verbrecher festgesetzt und eingesperrt ist. Unfrei, gebunden! An Gott zu glauben, heißt oft nicht, dass sich die Probleme und Schwierig­keiten einfach in Wohlgefallen auflösen. Auch heute leiden weltweit Tausende von Christen unter Anfeindung oder Verfolgung, nur weil sie an Jesus glauben. Nein, der Glaube ist kein Schutz-Zauber und keine Vollkasko-Versicherung. Aber es ist der Glaube an den Gott, dem alles möglich ist und der nicht aufzuhalten ist. Unsere Möglichkeiten mögen begrenzt sein, Gottes Möglichkeiten sind unbegrenzt. Unsere Reichweite, auch wo wir das Wort Gottes, das Evangelium von Jesus Christus verkündigen, mag an Grenzen stoßen – wenn Gottesdienste in der Kirche nur mit Abstand von 2m gefeiert werden können. Doch das Wort von Gott läuft um die Welt. Es lässt sich nicht aufhalten. Jesus wird verkündigt und Menschen kommen zum lebendigen Glauben an ihn. Denn auch da, bei denen, bei denen es ankommen soll, durchbricht es alle Bindungen. Bindungen der Gleichgültigkeit, Bindungen der Gewohnheit, dass man sich sein Leben eingerichtet hat ohne Gott. Gottes Wort lässt sich nicht einsperren und es lässt sich nicht aussperren – auch nicht aus Menschenherzen.

    Das ist es, was diesen Apostel Paulus so zuversichtlich stimmt: Gottes Wort ist nicht gebunden. Gottes Wort – das ist das Evangelium, die frohe Botschaft von Gottes Liebe in Jesus Christus, dem Gekreuzigten. Es ist Gottes Wort, denn Gott wirkt durch dieses Wort den Glauben in Menschen. Es ist wie en Samenkorn das aufgeht oder wie das Schöpferwort, das bewirkt, wozu es ruft: Es werde Licht und es ward Licht. Deshalb bejammert Paulus nicht sein Schicksal; sondern schaut zuversichtlich auf Gott und sein Wort. Und auch wir dürfen darauf vertrauen, dass das bis heute gilt: Gottes Wort ist nicht gebunden. Gott lässt sich nicht aufhalten. Er kommt mit uns und mit seiner Welt zum Ziel.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 22. Juni 2020

    Alle gute Gabe und alle vollkommene Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts.

    Jakobus 1,17

    Auf die richtige Dosierung kommt es an. Nicht nur bei Arzneimitteln, sondern auch in unserem Leben und Glauben. Das Wort »Dosis« steht tatsächlich im griechischen Urtext, wo die Lutherbibel das erste Mal mit Gabe übersetzt. »Dosis« bedeutet »Gabe«. Jakobus ist überzeugt: Was wir Gutes empfangen in Gottes Schöpfung, das geht auf Gott selber zurück, auf den »Vater der Lichter«, auf den, dem Sonne, Mond und die Sterne ihre Existenz und ihr Licht verdanken. Die sichtbare Schöpfung ist ein Abglanz der unsichtbaren, ewigen Welt Gottes. Gott meint es gut – das ist die Botschaft aller guten Gaben, die wir von Gott empfangen, tagtäglich. Ob uns das bewusst ist oder nicht. »Dass unsre Sinnen wir noch brauchen können und Händ‘ und Füße, Zung‘ und Lippen regen das haben wir zu danken seinem Segen«. Nein, ich glaube nicht an eine zufällige Entwicklung und Höherentwicklung der Welt. Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer und Erhalter des Himmels und der Erden. Die Schöpfung ist ein starker Hinweis auf ihn, den Schöpfer – wenn man es denn wahrnimmt, wie Paulus es im Römerbrief schreibt.

    Nun tritt aber neben die gute Gabe, die ich auf die Schöpfungsgaben gedeutet habe, noch eine andere: Das »vollkommene Geschenk«. Für mich steht diese Wendung für das, was uns diese Schöpfung, diese Welt nicht bieten kann – und was wir uns auch nicht selbst nehmen können. Das, was Gott uns durch seine Gnade schenkt, durch seine Zuwendung: Vergebung, ewiges Leben, die Ewigkeit. »Vollkommen« ist sie – und das unterscheidet sie von allem, was diese Welt zu bieten hat. Denn hier auf dieser Welt begegnet uns zwar viel Schönes, aber nichts Vollkommenes. Auch wir Menschen sind nicht vollkommen, außer dem Einen, der von Gott selber kam, Jesus Christus, der ohne Sünde war. Er ist das vollkommene Geschenk Gottes. Und er bringt nicht etwas mit, wenn er uns begegnet, etwas, was er daließe. Er selbst bleibt bei uns, lebt in uns durch seinen Heiligen Geist und prägt und gestaltet unser Leben, wenn wir ihn denn wirken lassen. In Jesus Christus kommt Gottes vollkommene Gabe und zieht in unserem Herzen ein. Und er bleibt, weicht nicht mehr von uns und bringt uns an sein Ziel. Das ist Grund zur Zuversicht und zur Freude – egal, was äußerlich um uns herum geschieht.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 15.06. bis 21.06.

  • add Andacht für den 2. Sonntag nach Trinitatis, 21. Juni 2020

    Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.   Matthäus 11,28

    Was für eine Einladung! Wie gut tut es, wenn man sich nach einer großen Anstrengung – schwerer Arbeit in der Hitze im Garten oder einer langen Wanderung oder Radtour an einem guten Schluck Mineralwasser »erquicken« kann. Sportler schwören auf isotonische Getränke, die noch weitere Elemente enthalten, die den Körper schneller wieder zu Kräften kommen lassen. Für Normalsportler ist übrigens Apfelschorle das beste isotonische Getränk. Da steckt alles drin, was für unseren Körper gut ist.

    Die Einladung von Jesus zielt auf erschöpfte Menschen, auf Mühselige und Beladene. Und zwar in einem viel weiteren Sinn als alle Mineral- und Heilwasser und isotonischen Getränke. Ihm geht es nicht nur um körperliche Erschöpfung. Ihm geht es um den ganzen Menschen. Wir Menschen sind eine Einheit aus Körper, Seele und Geist. Und Erschöpfung, Mühsal und Last können wir auf allen diesen Ebenen erfahren. Und Jesus lädt ein – zu sich! Er gibt nicht Ratschläge, er verteilt nicht Rezepte. Er verweist nicht auf irgend ein Heilmittel oder eine Therapie. Er lädt ein zu sich, zum Vertrauen auf ihn, zum Bleiben bei ihm.

    Nicht irgendetwas brauchen wir, um mit unserem Leben – gerade auch in schwierigen Zeiten – zurecht zu kommen, sondern ihn, Jesus Christus, den Sohn Gottes. Er ist der Helfer, der Retter, der, der uns aufatmen lässt. Er klärt unser Verhältnis zu Gott. Er nimmt uns die Last unserer Schuld ab. Und er schenkt uns seine Vergebung. Er macht aus gottlosen Leuten durch den Glauben an ihn Kinder Gottes und Erben der Herrlichkeit. Menschen, die sich vor ihrer Zukunft fürchten, nimmt er an die Hand und öffnet ihnen die Tür zum ewigen Leben.

    Alles kommt darauf an, diese Einladung zu hören und ihr zu folgen. Oder wie es Georg Weissel ausdrückte: »Ach sucht doch den, lasst alles stehn, die ihr das Heil begehret; er ist der Herr und keiner mehr, der euch das Heil gewähret. Sucht ihn all Stund von Herzensgrund, sucht ihn allein, denn wohl wird sein dem, der ihn herzlich ehret.«

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Samstag, 20. Juni 2020

    Was der HERR tut, das ist herrlich und prächtig, und seine Gerechtigkeit bleibt ewiglich.  

    Psalm 111,3

    Heute beginnt astronomisch der Sommer. D.h. heute steht die Sonne senkrecht über dem nördlichen Wendekreis. Heute ist der längste Tag des Jahres und die kürzeste Nacht. Der Sommer ist im Gefüge der Jahreszeiten die Zeit des Reifens. Mir fällt natürlich das Sommerlied von Paul Gerhardt ein: »Geh aus, mein Herz und suche Freud‘« Ja, der Sommer ist eine Zeit der Freude. Paul Gerhardt staunt über die Schönheit der Natur, die er  in so vielen Bildern in diesem Lied beschreibt. In der 8. Strophe dann kommt er auf den Urheber all dieser Schönheit und Naturwunder zu sprechen – ganz im Sinne der heutigen Losung: »Ich selber kann und mag nicht ruhn, des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle Sinnen; ich singe mit, wenn alles singt, und lasse, was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen«. Ja, was unser Gott tut, das ist herrlich und prächtig.

    Doch der Psalmbeter hat nicht nur diese Welt im Blick. Er hat auch die Perspektive der Ewigkeit: Seine Gerechtigkeit bleibt ewiglich. Genau wie auch der Pfarrer und Liederdichter Paul Gerhardt: »Ach, denk ich, bist du hier so schön und lässt du’s uns so lieblich gehen auf dieser armen Erden: was will doch wohl nach dieser Welt dort in dem reichen Himmelszelt und güldnen Schlosse werden?«

    Die Schönheit der Schöpfung Gottes hier auf dieser Erde, werden wir nie bis ins Letzte ausloten und entdecken können. Es wird immer etwas geben, das wir noch nicht kannten. Auch den Naturfor­schern – ob sie an Gott als Schöpfer glauben oder nicht – ist das bewusst. Spätestens, wenn man die Weite des Universums in den Blick nimmt. Wie viele Galaxien, jede mit Millionen und Milliarden von Sonnen und Planeten gibt es da! Das alles aber ist nur die sichtbare und erforschbare Seite der Wirklichkeit. Gottes Himmel, Gottes unsichtbare Welt und die Ewigkeit sind noch viel größer und herrlicher. Das Sichtbare ist nur ein Abglanz des Unsichtbaren. Und das können wir gar nicht erforschen.

    Aber staunen können wir – genau wie Paul Gerhardt. Und Gott loben – genau wie der Psalmbeter im 111. Psalm. Wir dürfen den kennen, der all das geschaffen hat. Dessen Tun herrlich und prächtig ist. Wir dürfen mit ihm leben und ihm vertrauen. Und durch Jesus dürfen wir ihn sogar Vater nennen. Was für ein Gott!

    Pfarrer Andreas Streich  

  • add Andacht für Freitag, 19. Juni 2020

    Der HERR spricht: Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst.

    Psalm 32,8

    Wer sich schon einmal ohne Stadtplan und Navigationssystem in einer fremden Stadt verfahren hat, der weiß, wie wertvoll eine klare Wegweisung ist. Wie oft habe ich schon in einer solchen Situation nach einem Passanten oder Anwohner Ausschau gehalten. Und wenn ich jemand gesehen habe, habe ich das Fenster runtergekurbelt, um nach dem Weg zu fragen. Und wie gut tat es, wenn ich dann eine klare Wegbeschreibung bekam, die mich an mein Ziel führte.

    Genau das verspricht uns Gott in der heutigen Losung: Klare Wegweisung für unser Leben. Weg­weisung auch in »verfahrenen« Situationen. Psalm 32 ist der zweite Bußpsalm in der Sammlung der Psalmen. Eine Unterweisung Davids, eines Mannes, der um persönliche Schuld weiß. Wie gut, dass Gott uns auf unseren falschen Wegen nicht laufen lässt. Wie gut, dass er uns die Möglichkeit zur Umkehr schenkt, zu einem Neuanfang. Nirgends erfahren wir das deutlicher als bei Jesus Christus, dem Retter, der gekommen ist, Sünder zu suchen und selig zu machen. Zuerst sucht und befreit Gott uns. Und dann bringt er uns zurück und nimmt uns an der Hand. Gott gibt uns seine guten Gebote an die Hand, damit wir den Weg finden und gehen können, der gut für uns ist.

    Wenn Menschen nach Gottes Wegweisung fragen – dann sollen und dürfen wir zuerst an seine Gebote denken. Menschen jüdischen Glaubens haben sogar ein Fest der Freude über die Weisungen Gottes: Simchat Tora heißt es. Da tanzen erwachsene Männer voller Freude mit der Rolle mit den 5 Büchern Mose im Arm und singen. Weil sie wissen: Wir sind von unserem Gott nicht einfach nur in diese Welt hineingestellt – nach dem Motto: Jetzt finde mal deinen Weg… Sondern: Gott hat wahrgemacht, was er hier verspricht: Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst. Und diese Wegweisung in der Bibel, in den Gebeoten, ist Grund zur Freude und Grund zum Gehorsam. Denn alles andere als den Weg zu gehen, den Gott mir so klar in seinem Wort zeigt, wäre wirklich töricht.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Donnerstag, 18. Juni 2020

    Es ist der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.                                                                     Hebräer 11,1

    Ein Junge, gerade mal 14 Jahre alt, möchte gerne an Gott glauben. Er hat viel von Jesus gehört – im Konfirmandenunterricht. Aber ihn beschäftigt unablässig eine Frage: Glaube, was ist das eigentlich? Diese Frage lässt ihn nicht los. Dann kommt der Konfirmationssonntag. Er wird gefragt, ob er mit Jesus leben möchte. Er bekommt Gottes Segen zugesprochen und er bekommt ein Bibelwort, einen Denkspruch. Sein Denkspruch ist unser heutiger Lehrtext. Der Junge hört den Vers, liest ihn nochmals auf der Karte nach und dann beginnt sein Gesicht zu strahlen. Das ist die Antwort auf die Frage, die ihn so beschäftigt hat. Nun weiß er für sein ganzes Leben, was Glaube ist und hält an diesem Glauben fest.

    Glaube ist ja nicht gleich Glaube. Das wird an dieser Definition von Glaube im Hebräerbrief deutlich. Dieser Glaube ist etwas anderes als eine vage Vermutung. Glaube heißt eben gerade nicht »nicht Wissen«. Ganz im Gegenteil: Glaube heißt: Die Antwort in Gottes Wort auf die Lebensfragen gefunden zu haben. Und nun diesen Zusagen zu vertrauen – gegen allen Augenschein. Seiner Zusage vertrauen, dass er uns in Jesus Christus unsere Schuld vergibt und uns zu seinen Kindern macht. Seinem Versprechen vertrauen, dass er alle Tage bei uns ist – auch wenn wir ihn mit unseren Augen sehen. Und seiner Verheißung vertrauen, dass er uns durch Jesus das ewige Leben schenkt. Seinen Geboten vertrauen, dass sie seine guten Hilfen sind, damit wir die Freiheit, die er uns schenkt, bewahren können. Glaube heißt – ganz einfach ausgedrückt – Gott vertrauen. Und zwar von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all unserem Gemüt. Gott über alle Dinge fürchten, lieben und ihm vertrauen. Das heißt Glauben. Oder wie es in einem Lied heißt: »Glauben heißt vertrauen Gottes Vaterhut; Glauben ist ein Bauen auf des Heilands Blut. Glauben ist ein Reifen in des Geistes Zucht; Glauben heißt ergreifen der Erlösung Frucht.« (W. Klingberg)

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 17. Juni 2020

    Wwie geht es Ihnen heute? Haben Sie Freude an dem, was Sie tun? Haben Sie wirkliche Motivation für das, was heute ansteht, was Sie angehen wollen oder müssen? Vielleicht sagen Sie: ja, ich bin voll motiviert und freue mich echt auf den Mittwoch heute. Vielleicht aber denken Sie für sich: Na, der hat Ideen, wenn der wüsste, was bei mir ansteht und wie es mir geht oder besser gesagt, nicht geht.
    Die Tageslosung aus Psalm 100 für heute ist ein Anstoß, den Tag positiv und dankbar anzugehen. Ja, der ganze und nicht allzu lange Psalm 100 ist so etwas wie eine Motivation, dankbar zu leben. Und zwar nicht aus einer billigen Ich-rede-mir-das-Leben-schön-Haltung heraus. Sondern mit der Erinnerung daran, was und wie viel mir geschenkt ist.
    Ich lese die wenigen Verse dieses Psalms 100:
    Jauchzet dem HERRN, alle Welt!
    Dienet dem HERRN mit Freuden,
    kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken!
    Erkennet, dass der HERR Gott ist!
    Er hat uns gemacht und nicht wir selbst
    zu seinem Volk und zu Schafen seiner Weide.
    Gehet zu seinen Toren ein mit Danken, /
    zu seinen Vorhöfen mit Loben;
    danket ihm, lobet seinen Namen!
    Denn der HERR ist freundlich, /
    und seine Gnade währet ewig
    und seine Wahrheit für und für.
    Geh Deinen Tag dankbar und positiv an, ermuntert der Psalmbeter. Und zwar deshalb, weil alles, was in Deinem Leben zählt und Wert hat, Geschenk ist. Dein Leben; dass Du einzigartig und wunderbar gemacht bist – ja Du, nicht nur andere!; das, was Dir an Gesundheit geschenkt ist; deine Familie, deine Arbeit, deine Hobbies und noch manches mehr.
    Der Dichter, der Beter fasst das so zusammen: „ER hat uns gemacht und nicht wir selbst.“ Und stellt fest: „Der Herr ist freundlich und seine Gnade währet ewig.“ Heißt: da, wo Dir mit Dir selbst längst schon die Geduld und Nachsicht ausgegangen ist, da ist es Dein Schöpfer und Dein Retter noch lange nicht. Er ist mit Dir barmherzig. Und Du darfst ihm dafür danken, indem Du heute auch mit anderen, die Dir begegnen, barmherzig bist.
    Ich wünsche Ihnen einen zuversichtlichen Tag, Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für Dienstag, 16. Juni 2020

    Jesus spricht: Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger.

    Johannes 8,31

    Ich habe in meinem Bücherregal eine englische Bibel stehen. Es ist eine „Red Letter Edition“, also eine Ausgabe, die nicht nur schwarze, sondern auch rote Buchstaben (red letters) enthält. Mit roten Buchstaben ist darin all das gedruckt, was Jesus sagt. Auch auf Deutsch gibt es inzwischen solche Bibelausgaben. Ich finde das sehr hilfreich. Rot ist eine Signalfarbe. Rot sticht ins Auge. Rot schreiben wir alles, was besonders wichtig ist. Für Christen sind die Worte von Jesus wichtig. Was eine Jüngerin oder einen Jünger ausmacht ist das genaue Hinhören. Hinhören nicht nur mit den Ohren, sondern mit dem Herzen. Das meint die Wendung »Bleiben an meinem Wort«. Nicht nur zur Kenntnis neh­men – nicht nur als Redebeitrag unter vielen anderen. Sondern: Es als die entscheidende Weg­weisung für mein Leben hören und dann auch tun. Am Ende der Bergpredigt sagt Jesus: »Wer diese meine Rede hört und tut sie…«. Denn darum geht es: Um das Tun, um den Gehorsam. Das Wort von Jesus Christus hat Ewigkeitscharakter. Es ist Wort von Gott. Gott hat durch Menschen gesprochen, durch Propheten und auf vielerlei Weise – wie es im ersten Vers des Hebräerbriefs heißt. Aber ab­schließend »in diesen letzten Tagen« hat Gott durch seinen Sohn zu uns gesprochen. Und Men­schen haben es aufgeschrieben.

    Immer wieder gab und gibt es Zweifel, ob denn alles, was da von anderen aufgeschrieben wurde, wirklich von Jesus gesagt wurde. Doch alle Versuche, die echten von den vermeintlich unechten Jesus-Worte zu unterscheiden, haben zu keinem klaren Ergebnis geführt. Es wurden nur Hypothesen über Hypothesen erzeugt – keine ohne echte Überzeugungskraft. Ich bin überzeugt: Wir dürfen darauf vertrauen: Die Worte, die wir in der Heiligen Schrift von Jesus überliefert haben, die sind zuverlässig überliefert. Gott selbst hat dafür gesorgt. Wir wollen sie hören – mit den Ohren und den Herzen – und danach leben. Denn ein besseres Lebensprogramm als ein Jünger oder eine Jüngerin von Jesus zu sein, gibt es nicht. Denn Jesus – und Jesus allein – hat »Worte des ewigen Lebens«.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 15. Juni 2020

    Deine Toten werden leben.                       Jesaja 26,19

    Vier Worte, die es in sich haben. In der Lutherbibel ist ihnen noch ein Fünftes vorangestellt, da steht noch das Wort »Aber« davor: Aber deine Toten werden leben. Diese Botschaft ist tatsächlich eine »Aber«-Botschaft. »Aber« - das drückt ja einen Gegensatz aus. Die Worte stammen aus einem Gebet. Einem sehr nüchternen Gebet. Einem Gebet, das eben auch das zur Sprache bringt, was so deutlich vor Augen steht: »HERR, unser Gott, es herrschen wohl andere Herren über uns als du« heißt es da (V. 13) und die Allerweltserfahrung, die man durch alle Zeiten hindurch bis heute immer wieder hören kann: »Tote werden nicht lebendig, Schatten stehen nicht auf« - oder modern ausgedrückt: »mit dem Tod ist alles aus!« Wenn der Mensch sich selbst zum Maß aller Dinge macht, wie wir es in unserer gesellschaftlichen Entwicklung heute ganz stark erleben, dann kann er an angesichts dieser unüberwindbaren Grenze des Todes nicht anders als verdrängen oder fatal feststellen: Dann ist alles aus.

    Doch wir sind nicht das Maß aller Dinge. Es ist ein anderer, der uns unser Maß bemisst: Der lebendige Gott. Und darum ist mit dem Tod nicht alles aus. »Wer stirbt, der wird nicht nur zu Erde. Gott ruft ihn zum jüngsten Gericht. Finsternis bleibt für die Einen zuletzt, die anderen dürfen ans Licht« so haben Jörg Swoboda und Theo Lehmann in DDR-Zeiten angesichts eines Regimes gedichtet, das Gott und die Ewigkeit geleugnet hat. Gott setzt sein »Aber« gegen das scheinbar Unüberwindbare. Gott setzt sein »Aber« gegen den Tod. Nein, mit dem Tod ist nicht alles aus. Ostern hat alles in ein neues Licht gestellt: Einer hat den Tod besiegt. Der Tod hat nicht mehr das letzte Wort. Er ist der letzte Feind, der vernichtet wird nach dem Zeugnis der Bibel. Gott hat das letzte Wort. Im Lehrtext lehrt uns Paulus: Wir wissen, dass der, der den Herrn Jesus auferweckt hat, wird uns auch auferwecken mit Jesus. (2Kor 4,14). Gott setzt das große Aber – gegen alle Resignation, gegen allen Fatalismus, gegen alle Zukunftsangst. Er, unser Gott, er hat das letzte Wort. Ich wünsche mir, dass wir wieder viel mehr auf unseren großen Gott schauen – auf ihn und seine Möglichkeiten. Und viel weniger auf unsere Möglichkeiten. Ja, es ist richtig und wichtig, dass wir tun, was wir können. Aber noch wichtiger ist, dass wir Jesus Christus, dem Auferstandenen, den ersten Platz in unserem Leben einräumen. Denn ohne ihn wäre wirklich alles aus. Doch weil er auferstanden ist, gilt auch uns: Aber deine Toten werden leben. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Er, Jesus Christus, hat es und behält es.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche 08.06. bis 14.06.

  • add Andacht für den 1. Sonntag nach Trinitatis, 14. Juni 2020

    Jesus Christus spricht: Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich.

    Lukas 10,16a

    Gott wäre auf uns nicht angewiesen. Doch er will nicht ohne uns sein. Gott könnte auf jede erdenkli­che Weise mit seinen Menschen reden, doch er hat sich dafür entschieden, es durch menschliche Vermittlung zu tun. Jesus, der Sohn Gottes, hat uns gezeigt, wie Gott ist. Doch Jesus hat selbst nie ein Buch geschrieben. Propheten haben Bücher geschrieben: Jesaja, Jeremia, Hesekiel und wie sie alle heißen – aber der Sohn Gottes hat seinen Jüngern, also Menschen, anvertraut, was durch alle Zeiten hindurch von Bedeutung ist; was wichtig ist, was wir hören sollen. Vier Evangelisten haben uns die Worte von Jesus aufgeschrieben und uns aus seinem Leben, von seinem Sterben und von seinem Auferstehen erzählt. Auch wir haben – vermittelt durch menschliche Worte – davon erfahren.

    Jesus wäre auf uns nicht angewiesen, doch er will Menschen gebrauchen, damit das Evangelium, die frohe Botschaft; die Botschaft von Gottes Liebe, von Gottes Gnade, von Gottes Vergebung und Versöhnung alle Menschen erreicht. So ist die Bibel entstanden – und so läuft dieses Wort des Evangeliums bis heute um die Welt. Und dabei ist Menschenwort und Gotteswort nicht mehr voneinander zu trennen: Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich. Alle Versuche, in der Bibel zwischen Menschenwort und Gotteswort zu trennen, haben im Grunde nur ganz viel Unsicherheit ausgelöst. Wo Menschen diesem Wort der Bibel ganz einfach und kindlich Vertrauen schenken, da erleben sie: Es ist Gott selbst, der mich durch von Menschen vermittelte Worte anspricht. Es ist Gott selbst, der hier redet.

    Wir müssen nicht die Bibel sezieren. Wir brauchen nicht sorgenvoll fragen: Ist darauf wirklich Verlass, was Menschen da von Gott berichtet haben. Wir dürfen vertrauen. Es ist die Stimme Jesu, die uns da begegnet. Die Stimme des Guten Hirten. Und es ist Gottes guter Heiliger Geist, der uns die Worte lebendig macht, dass wir es spüren: Ich bin gemeint. Die Zusagen gelten mir.

    Hören wir drauf, vertrauen wir drauf – und sagen wir es weiter; werden auch wir zu Zeuginnen und Zeugen für Jesus.

    Pfarrer Andreas Streich 

  • add Andacht für Samstag, 13. Juni 2020

    Der Geist hilft unserer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich’s gebührt.                                                        Römer 8,26

    Ich las dazu eine schöne Geschichte. Ich möchte sie kurz nacherzählen: Dem Pfarrer einer Gemeinde in Kenia fiel ein alter, ärmlich wirkender Mann auf, der jeden Mittag gegen 12 Uhr in die Kirche kam und sie nach höchstens zwei Minuten wieder verließ. Der Pfarrer sprach ihn an, was er denn da in der Kirche mache. Der Alte antwortete: »Ich gehe hinein, um zu beten.« Der Pfarrer war verdutzt: »Aber du bist doch niemals lange genug in der Kirche, um beten zu können.« Da erklärte ihm der alte Mann: »Ich kann kein langes Gebet sprechen. Aber ich gehe jeden Tag um 12 in die Kirche und sage: Jesus, hier ist Jim! Dann warte ich eine Minute und er hört mich.«

    Eines Tages kam Jim nicht mehr. Er hatte eine Verletzung und musste ins Krankenhaus. Die Schwestern merkten, dass er einen heilsamen Einfluss auf die anderen Patienten hatte: Die Nörgler wurden zufriedener, die Ängstlichen bekamen neue Zuversicht und die Traurigen wurden fröhlich. Und es wurde viel gelacht in Jims Zimmer. »Jim« sagte die Stationsschwester eines Tages zu ihm, »die anderen Patienten sagen, dass du der Grund bist, warum sie nun so anders sind. Du bist immer glücklich.«

    Jim überlegte kurz, dann antwortete er: »Ich kann nichts dafür, dass ich immer so fröhlich bin. Das kommt durch meinen Besucher.« Jetzt war die Schwester völlig verwirrt. Denn die ganze Zeit, seit Jim im Krankenhaus war, hatte er noch nie Besuch bekommen. »Dein Besucher?« frage sie »wann kommt der denn?« - »Jeden Tag um 12 Uhr mittags« antwortete Jim. »Er kommt herein, steht am Fußende meines Bettes und sagt: Jim, hier ist Jesus!«

    Wie gut, dass Gottes Geist uns Mut macht und die Verbindung zu Jesus, unserem Herrn lebendig hält. Ich wünsche uns, dass wir diese Gewissheit – genau wie Jim in der Geschichte – nie aus dem Herzen und Sinn verlieren.

    Pfarrer Andreas Streich (Geschichte nach Axel Kühner: Eine gute Minute)

  • add Andacht für Freitag, 12. Juni 2020

    Jesus spricht: Wie mich mein Vater liebt, so liebe ich euch auch. Bleibt in meiner Liebe.

    Johannes 15,9

    »Steter Tropfen höhlt den Stein« heißt es in einem Sprichwort. Ich möchte ergänzen: Oder er lässt Steine wachsen. Die Schwäbische Alb ist ein Jura-Gebirge. Sie besteht überwiegend aus Kalkstein. Säureanteile im Wasser lösen den Kalkstein langsam auf, transportieren den Kalk mit sich und hinterlassen ihn dann in winzig kleinen Spuren in unterirdischen Hohlräumen. Dieser stetige Prozess hat wunderschöne und riesengroße Tropfsteine wachsen lassen. In der Nebelhöhle oder in der Bärenhöhle kann man es beobachten.

    Johannes 15 ist das Kapitel, in dem Jesus uns zum »Bleiben« einlädt: Als Reben am Weinstock – oder eben in unserem Lehrtext heute: Bleibt in meiner Liebe. Das heißt zunächst ganz einfach: Lasst euch meine Liebe gefallen. Erfahrt sie immer wieder neu, jeden Tag: Leben von dem, was ich euch schenke. Lebt von meiner Gnade, von meiner Vergebung. Lasst sie in euer Leben hineinfließen und lasst sie weiterfließen. Und dann erlebt, dass diese Liebe abfärbt. Dass sie etwas in euch zurücklässt und euch verändert.

    Es ist wie bei den Tropfsteinen in den Höhlen der Alb: Da bleibt etwas hängen. Die Liebe Gottes, hinterlässt Spuren in unserem Leben, verändert uns und prägt uns. Da bleibt etwas zurück – das uns zum Guten verändert. Dass man es uns abspürt, dass wir von Gott geprägt sind. Nicht wir müssen uns um Liebe bemühen, sie aus uns heraus produzieren. Wir dürfen und wir sollen in ihm und in seiner Liebe bleiben: Als Menschen, die von Jesus geliebt sind und die seine Liebe weitergeben.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Donnerstag, 11. Juni 2020

    Der Engel des Herrn kam in das Gefängnis und Licht leuchtete auf in dem Raum; und er stieß Petrus in die Seite und weckte ihn und sprach: Steh schnell auf! Und die Ketten fielen ihm von seinen Händen.                                                            Apostelgeschichte 12,7

    Gott kann auch aus den ausweglosesten Lagen befreien. Das ist die Botschaft der Geschichte, aus der der heutige Lehrtext stammt. Gott kann – aber muss nicht. Die Erzählung beginnt mit einem schrecklichen Ereignis: Der König Herodes legt Hand an die christliche Gemeinde. Wie gut, dass die Gemeinde in dieser schwierigen Zeit immer noch zusammensteht. Wie gut, dass sie einander immer noch haben. Gemeinde ist für unser Christsein systemrelevant. Vor allem, wenn wir in Krisen sind. Und die Leiter der Gemeinde, die Lehrer, die Jünger, die, die Jesus persönlich über die Zeit seiner öffentlichen Wirksamkeit begleitet haben, sind systemrelevant. Jakobus, Johannes und Petrus. Doch nun geschieht das Entsetzliche: Jakobus, der Bruder des Johannes – eigentlich doch unverzichtbar für die erste Gemeinde – wird von Herodes verhaftet. Lukas berichtet: Er tötete aber Jakobus, den Bruder des Johannes, mit dem Schwert. Und als er sah, dass es den Juden gefiel, fuhr er fort und nahm auch Petrus gefangen.

    Nur das Passafest verhinderte, dass Petrus auch schon eines gewaltsamen Todes sterben musste. Doch die Lage schien aussichtslos. Jakobus tot – Petrus im Gefängnis. Die Gemeinde betete – Tag und Nacht. Petrus schläft. Er ist wohl so erschöpft von all dem, was in den letzten Stunden und Tagen geschehen ist. Und im Schlaf überrascht ihn Gottes Hilfe. Die Lage ist nach menschlichem Ermessen aussichtslos. Doch unser Gott ist ein Gott, für den es keine aussichtslosen Lagen gibt. Er hat mehr Mittel und Wege als wir auch nur ahnen können. Gott setzt den Petrus frei. Noch einmal kehrt er zurück zur Gemeinde. Jahre und Jahrzehnte der Wirksamkeit stehen ihm noch bevor. Nach allem, was wir wissen, ist er in Rom schließlich den Märtyrertod gestorben.

    Gott kann aus ausweglosesten Lagen befreien. Das ist die Botschaft. Wir sind eingeladen, diesem großen Gott zu vertrauen, mit ihm zu leben, zu ihm zu rufen, zu bitten und zu flehen. Auch wo wir in Not sind. Und wir wollen Gott für seine verfolgte Gemeinde auf der ganzen Welt bitten. Auch heute müssen Christen um ihr Leben fürchten, nur weil sie sich zu Jesus bekennen. Stehen wir doch auch für sie genauso treu ein wie die Gemeinde in Jerusalem für den inhaftierten Petrus. Gott kann aus ausweglosesten Lagen befreien und er wird immer uns in den ausweglosen Lagen begleiten, stärken und ermutigen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 10. Juni 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,
    Im Herrnhuter Losungsbüchle steht für jeden Tag ein Bibelvers, der zum Nachdenken, Umdenken und Vertrauen einlädt. Immer nur ein Satz oder wenige Sätze. Manchmal lohnt es sich sehr, in der Bibel nachzugucken, aus welchem Zusammenhang, aus welcher Geschichte dieser Tagesvers kommt, weil man ihn dann erst richtig verstehen kann. So auch heute. Es geht um Elia, der in einer schwierigen Zeit im Auftrag Gottes unterwegs ist. Dem König Israels, der sich seine eigenen Regeln macht und sich einen Dreck um Gott schert, musste er die Stirn bieten. Und eine Hungersnot für das Land verkünden. Mit solchen Aufträgen macht man sich keine Freunde. Und so hat Elia immer wieder das Gefühl, allein gelassen zu sein, verfolgt zu sein und fühlt sich am Ende. Gleichzeitig erlebt er: Gott lässt ihn nicht im Stich und sorgt ganz praktisch für sein äußeres Wohlergehen, sprich: dass Elia zu essen und zu trinken bekommt.
    Während der bereits angesprochenen Hungersnot sagt Gott zu Elia: geh in die Stadt, wo du eine Witwe triffst. Sie wird dich versorgen. Elia trifft die Witwe auch tatsächlich, allerdings nur um von ihr sogleich zu hören, dass sie für sich und ihren Sohn selbst nichts mehr zu essen hat. Sie ist selbst völlig verzweifelt.
    Eigentlich könnte Elia seinen Gott anklagen: Was, du schickst mich zu einer Frau, die selbst am Ende ist? Die soll mich versorgen? Doch Elia spricht und handelt, geprägt von Gottes Geist, ganz anders. Er erkennt schlagartig, dass er offensichtlich nicht nur zu der Witwe geschickt ist, um selbst versorgt zu werden, sondern um dieser Frau zu helfen, mit Nahrung, aber auch mit Lebensmut.
    Und so verheißt Elia der Frau, dass die ganz wenigen Bissen, die ihr geblieben sind, ausreichen werden. Mehl und Öl werden in ihren Gefäßen nicht zu Ende gehen. Ein leichtsinniges Versprechen? Nein. Der Losungsvers für heute erzählt, dass es genau so gekommen ist: „Das Mehl im Krug ging nicht aus, und der Ölkrug wurde nicht leer, nach dem Wort des HERRN, das dieser durch Elia gesprochen hatte“ (1.Könige 17,16). Elia wird versorgt durch das ganz wenige, was diese alleinerziehende Frau für sich und ihren Sohn hat. Alle drei werden durch Gottes Hilfe über die ganze Zeit der Hungersnot ernährt.
    Haben Sie das auch schon erlebt, dass Sie in und mit eigener Not andere Menschen in Not getroffen haben – und Sie gemeinsam Gottes wunderbare Hilfe erlebt haben?
    Ich wünsche Ihnen einen zuversichtlichen Tag, Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für Dienstag, 9. Juni 2020

    Niemand suche das Seine, sondern was dem andern dient.       1. Korinther 10,24

    Wer Rückendeckung hat, kann mutig nach vorne gehen. Rückendeckung bedeutet, dass ich mich nicht um alles kümmern muss, vor allem nicht um mich selber. Da ist jemand anderes da, der mir den Rücken stärkt und mich vor allen Gefahren, die von hinten kommen könnten, beschützt. Der mir den Rücken frei hält. So eine Rückendeckung setzt auch der Apostel Paulus in unserem Lehrtext voraus.

    Unsere Tendenz geht dazu, für uns selber zu sorgen. Das Hemd ist mir näher als die Jacke. Zuerst komme ich. Ich muss mein Schäfchen ins Trockene bringen – und was Menschen alles an Weisheiten erfinden, um zu rechtfertigen, warum sie sich doch zuerst um sich selber kümmern müssen und dann erst für andere da sein können.

    Paulus weiß aber, dass wir als Christen damit rechnen dürfen, dass Gott für uns sorgt. Dass er uns den Rücken frei hält. Euer Vater im Himmel weiß, was ihr braucht, ehe ihr ihn darum bittet. Gott sorgt für uns. Jesus fragt in der Bergpredigt: Warum sorgt ihr euch um euer Leben? Seht die Lilien auf dem Felde. Seht die Vögel unter dem Himmel. Gott sorgt. Ihm darf ich mein Leben, mein Auskommen anvertrauen. Von ihm darf ich mit all dem, was ich brauche abhängig sein. Ich darf damit rechnen, dass er mir den Rücken frei hält, damit ich mich um andere kümmern kann.

    Vor diesem Hintergrund bekommt dieser Rat, diese Empfehlung Sinn: Niemand suche das Seine, sondern was dem andern dient. Ihr müsst nicht für euch selbst sorgen, weil Gott für euch sorgt. Überlass Gott deine Sorgen – das erfordert Vertrauen, das erfordert Glaubensmut. Aber dann tu das, wozu Gott dich auffordert: Nutze deine Kraft, deine Zeit, deine Phantasie, um die Not der andern zu erkennen und zu helfen, wo du kannst. Suche danach! Suche, was dem andern dient.

    Ja, es ist ein Wagnis. Ja, man muss sich darauf einlassen. Es ist nicht ohne Risiko. Doch es ist die Einladung Gottes. Die Einladung, ihm zu vertrauen und mit ihm zu erleben: Ihm kann man kühnlich vertrauen. Er lässt uns nicht im Stich. Wer sich auf ihn einlässt, der wird gesegnet.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 8. Juni 2020

    Auch die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes.                                Römer 8,21

    Gottes Heil zieht Kreise. Davon ist der Apostel Paulus überzeugt. Gottes Heil, das er durch das Sterben und die Auferstehung seines Sohnes Jesus Christus in Gang gesetzt hat. Gottes Heil, das heil macht, was durch unsere Schuld eigentlich irreparabel kaputt gegangen ist. Von der Erlösung, die von Jesus, dem Gekreuzigten ausgeht, können wir gar nicht groß genug denken. Ihm, Jesus Christus wird einmal alles untertan sind. Und von seinem Heil, das der Knechtschaft der Vergänglichkeit, nämlich dem Tod endgültig ein Ende setzen wird, wird auch die Schöpfung ergriffen sein. Jesus setzt frei. Jesus schenkt Leben – ewiges Leben. Gott geht es immer um’s Ganze. Auch mit seiner Erlösung – mit der Freiheit, die er schenkt. Die herrliche Freiheit wird auch die Schöpfung erfassen.

    Paulus redet auch von der Gegenwart rund um diesen Lehrtextvers. Er schreibt vom »Seufzen der ganzen Schöpfung« mit uns und von ihrer Bedrängnis. Ein Stück weit sehen wir dieses Seufzen der Schöpfung heute in den Schäden, die menschliche Maßlosigkeit und Gier ihr zufügen: Wenn Regenwälder abgeholzt werden, wenn unser Abgasausstoß – den wir durchaus reduzieren könnten – das Maß dessen übersteigt, was diese Schöpfung zu ertragen in der Lage ist. Auf der anderen Seite sehen wir – wie die Schöpfung aufatmet, wenn uns das Corona-Virus dazu zwingt, all unsere Aktivitäten etwas zurückzufahren: Den Tourismus, den Flugverkehr. Auf einmal sieht man vom Norden Indiens wieder die Berge des Himalaja und in Venedig kristallklar auf den Grund der Kanäle.

    Wir können und sollen etwas für die Umwelt, für diese Schöpfung tun. Denn Gott wird selbst einmal etwas Großes für sie tun – etwas, das wir mit unseren Mitteln freilich nicht können. Er will sie frei machen von der Knechtschaft der Vergänglichkeit. Er will den Tod abschaffen – als Frucht dessen, was Jesus am Kreuz und am Ostermorgen für uns getan hat. Zwei Konsequenzen für uns: Wir müssen davon reden, was Gott vorhat und was Gott in Jesus bereits begonnen hat, damit Menschen es hören und glauben und dabei sind in Gottes neuer Welt. Und wir wollen mit dieser alten Welt, wenn Gott auch sie befreien will, so gut es geht, schonend umgehen, damit sie nicht noch mehr seufzen muss.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 01.06. bis 07.06.

  • add Andacht für Sonntag Trinitatis, 7. Juni 2020

    Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!
    2. Korinther 13,13

    Drei – und doch eins! Das ist kurz zusammengefasst die Lehre von der Dreieinigkeit Gottes. So einfach und doch so kompliziert. Im Konfirmandenunterricht hat es einer so erklärt: Er malte ein Kleeblatt an die Tafel, kein vierblättriges, das man lange suchen muss, sondern so eins, wie wir es auf jeder Wiese finden. Dann fragte er: »Wie viele Blätter hat das?« - »Drei!« riefen die meisten. Doch ein paar wurden stutzig und sagten: »Eins!« - die andern widersprachen: »Nein drei!«. Der Pfarrer half etwas nach: »Wie oft müsst ihr pflücken, um solch ein Kleeblatt zu haben?« - »Einmal!« - also doch eins? Schließlich einigten sich die Schüler: Es sind drei Blätter in einem.

    Wie gesagt: Die Lehre von der Dreieinigkeit Gottes ist etwas, das unseren Verstand eigentlich übersteigt. Solange wir noch nicht bei Gott angekommen sind, werden wir dem Geheimnis des Wesens der Dreieinigkeit höchsten nachspüren können. Erkennen und Begreifen im Ganzen werden wir es erst in der Ewigkeit.

    Und doch gilt auch uns das, was vom Kleeblatt zu sagen ist: Wer es pflückt, hat alle drei. So weiß es auch der Apostel Paulus am Schluss seines Briefes. Wer an Gott glaubt, der hat den ganzen Segen der Dreieinigkeit. Der hat die Gnade unseres Herrn Jesus Christus. Der hat die Liebe Gottes, des Vaters und der hat die Gemeinschaft des Heiligen Geistes, der uns mit Gott und untereinander verbindet. So einfach ist das – und zugleich so wunderbar.

    Wir müssen uns nicht an den Dingen aufhalten, die wir nicht verstehen – und auch gar nicht richtig verstehen können. Wir dürfen uns an das halten, was wir verstehen können: Wer Jesus hat, wer an Gott glaubt, der hat auch den Heiligen Geist im Herzen, der ihm Jesus groß macht und den Vater loben hilft. Und der ihm die Gewissheit ins Herz gibt: Du bist von Gott geliebt, durch Jesus ist dir all deine Schuld vergeben, er schenkt Dir Brüder und Schwestern, die mit dir unterwegs sind. Und er bringt dich zum ewigen Leben. Das reicht für unser Leben.   

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Samstag, 6. Juni 2020

    Wie groß sind Gottes Zeichen und wie mächtig seine Wunder! Sein Reich ist ein ewiges Reich, und seine Herrschaft währet für und für.
    Daniel 3,33

    Das sagte ein Mann, von dem wir das wohl nicht erwartet hätten. Ein Mann, den wir als Nebukad­nezar, Großkönig des Neubabylonischen Reiches – in seiner Machtfülle vergleichbar mit dem amerikanischen oder chinesischen Präsidenten heute. Manchmal schenkt Gott auch mächtigen Männern eine prophetische Einsicht und Weitsicht. Aber das kommt sehr selten vor. Doch es ist echte Prophetie. Prophetie ist der Einblick in die Wirklichkeit Gottes, die wir mit unseren Augen nicht sehen. Doch diese Wirklichkeit ist viel größer als das, was wir vor Augen sehen – in der Weltgeschich­te oder im aktuellen Geschehen. 

    Nebukadnezar hat erkannt: Gottes Reich und Herrschaft bleiben. Und im Umkehrschluss ist damit die Erkenntnis verbunden: Mein Reich – in all seiner militärischen Stärke und in aller Pracht der Paläste und Städte – wird nicht bleiben. So wenig die menschlichen Reiche und Staatenverbünde vor und nach mir auf Dauer Bestand haben. Der Staffelstab der Vormachtstellung bleibt nicht in der Hand eines Menschen, eines Volkes.

    Echte Prophetie war es auch, als zwei Christen in der DDR Anfang der 1980er Jahre ein Lied dichteten. Dort heißt es: »Die Mächtigen kommen und gehen; und auch jedes Denkmal mal fällt. Bleiben wir nur, wer auf Gottes Wort steht, dem sichersten Standpunkt der Welt.« Von der Stasi wurden sie bespitzelt und dafür drangsaliert. Doch wenige Jahre später geschah genau das: Ich habe noch die Bilder vor Augen, als die sozialistischen Denkmäler umgerissen wurden – und die gefeierten Helden in Stahl auf den Schrottplatz wanderten.

    Wie gut, dass wir Gott kennen, dessen Reich ein ewiges Reich ist. Wie gut, dass er uns durch Jesus heute schon als Bürger in diesem Reich leben lässt – auch wenn wir noch mitten in dieser alten Welt, wo es an so vielen Stellen drunter und drüber geht. Wir dürfen wissen, wo wir Heimatrecht haben. Wir dürfen wissen, wer zuletzt das Heft des Handelns in der Hand haben wird. Gott lässt uns nicht los. Das macht getrost und zuversichtlich. Wir müssen nicht verzweifeln und verzagen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Freitag, 5. Juni 2020

    Jesus Christus spricht: Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.
    2. Korinther 12,9

    Unsere Sehnsucht als Menschen geht in Richtung Vollkommenheit und dass es uns gut geht. Wer krank ist, möchte gern gesund werden; wer arm ist, möchte gern reich werden; der Erfolglose möchte gerne Erfolg haben. Wer unglücklich ist möchte gern glücklich sein.

    Gelegentlich versuchen wir, Gott vor unseren Sehnsuchtskarren zu spannen: »Wenn es Gott gibt und wenn Gott ein Gott der Liebe ist und wenn Gott allmächtig ist, dann muss er mir doch zu meinem Glück, zu Erfolg und zu Gesundheit verhelfen.« So sagen nicht wenige Menschen. Und es gibt christliche Gemeinden, da ist das Wohlstandsevangelium Kern der Botschaft: »Wer an Gott glaubt, ist erfolgreich; wer richtig glaubt, der wird nicht krank…«

    Ja, Gott kann all unsere Wünsche und Sehnsüchte erfüllen. Er ist allmächtig. Das steht außer Frage. Doch es gibt Erfahrungen von Menschen auch in der Bibel, die uns zeigen, dass Gott es eben nicht immer tut. So auch die Erfahrung des Apostels Paulus. Dreimal, so berichtet Paulus, hat er Jesus angefleht, ihm eine Sache, die er nicht näher beschreibt – eine Krankheit oder eine Anfechtung – doch zu nehmen, damit er es leichter hat. Der Lehrtext von heute ist die Antwort von Jesus: »Meine Gnade ist für dich genug. Mehr brauchst du nicht; denn gerade in den Schwachen kann ich mächtig sein.« Gnade ist etwas anderes als Erfüllung unserer Sehnsüchte. Gnade ist mehr – viel mehr. Viel mehr als Gesundheit, als Erfolg, als Wohlstand. Gnade heißt: Angenommensein von Gott. Mit Gott im Reinen sein. »Hauptsache gesund?« Nein, »Hauptsache Gnade«, das Wichtigste ist, dass Gott uns so annimmt, wie wir sind und uns in seinen Dienst stellt, uns durch Jesus zu seinen Kindern macht und uns heute schon das ewige Leben schenkt – dem ehemaligen Christenverfolger Paulus genau wie uns. Paulus hat es erfahren: Die Gnade von Jesus trägt mich, stärkt mich – viel mächtiger als ich es mit aller Lebenskraft je hätte können. Diese Erfahrung sollen auch wir machen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Donnerstag, 4. Juni 2020

    David sprach zu Goliat: Du kommst zu mir mit Schwert, Spieß und Sichelschwert, ich aber komme zu dir im Namen des HERRN Zebaoth.
    1. Samuel 17,45

    Menschen sind anpassungsfähig. So ging es wohl auch den Kämpfern Israels und ihrem König Saul, als sie den Philistern gegenüberstanden. Tag für Tag trieb der Einzelkämpfer Goliat seinen Spott mit ihnen, verhöhnte sie und ihren Gott. Längst war die Aufregung über so viel Hochmut und Frechheit und Spott bei den Israeliten einer deprimierten Resignation gewichen: Wir können ja nichts machen. Und allen voran hatte der Kämpfer, der ihnen doch eigentlich vorangehen hätte müssen, ihr König, keinen Mut, sich dem Spötter zum Kampf zu stellen. Sie alle hatten sich an die deprimierende Lage angepasst.

    Und dann taucht David auf, eher das »Davidle«, der Jüngste der Söhne Isais. Der, der noch zu jung war, um mit dem König in den Krieg zu ziehen. Der, der zuhause blieb bei den Schafen, nun aber im Auftrag des Vaters nach den Brüdern schauen sollte. David bekommt mit, was sich da abspielt. Und er reagiert nicht angepasst. Er reagiert mutig. Kaum einer weiß, dass dieser junge David bereits vom Propheten Samuel zum König von Israel gesalbt worden ist. Doch nun erweist sich dieser Hirtenjunge als wahrer König, mit königlichem Mut und mit königlichem Gottvertrauen stellt er sich dem Elitekämpfer Goliat entgegen. Er lässt sich von der Hochrüstung nicht blenden. Er schaut auf Gott, auf den Gott, gegen den sich Goliat mit seinem Spott im Letzten richtet. Und er weiß: Gott lässt sich nicht spotten. Gott vertraut er – und mit Gott, nicht mit menschlicher Aufrüstung – gewinnt er den Kampf.

    Ihr seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft – schreibt uns der Apostel Petrus als Christen ins Stammbuch (1. Petrus 2,9). Auch wir sind zu diesem Gottvertrauen berufen. Nicht mit menschlicher Stärke und Kraft kommt Gott zu seinem Ziel, sondern mit Menschen, die von ihm abhängig sind. Sind auch wir deshalb fröhlich von ihm abhängig.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 3. Juni 2020

    Bittet, so wird euch gegeben; sucht, so werdet ihr finden; klopft an, so wird euch aufgetan.
    Matthäus 7,7

    Haben Sie sich schon einmal ausgesperrt. Ich schon – mit Hausschuhen im Schneetreiben stand ich vor der Haustür, und meine Frau war beim Einkaufen. Nicht jede Tür, an die man klopft, öffnet sich für uns. Nicht jede Bitte, die wir aussprechen, wird erhört. Nicht jede Suchaktion ist erfolgreich. Und doch: Wenn Jesus Christus uns einlädt – dann ist alles ganz anders.

    Dann ist unser Klopfen vor der Tür nicht vergeblich: Denn er ist es, der uns die Tür öffnet. Die Tür zu Gott. Dafür hat er sein Leben hergegeben. Er verspricht auch uns: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.

    Dann ist auch die Suche, die allerwichtigste Suche, die Suche nach Gott, nach der allerwichtigsten Bezugsperson für unser Leben, nicht vergeblich: Gott lässt sich finden. Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen.

    Und dann ist unser Bitten nicht unerhört. V.a. die Bitte um Glauben und Gottes Nähe, die Bitte um Trost und Hilfe. Gott wird nicht alle unsere Bitten so erfüllen, wie wir es uns vorstellen oder wünschen. Aber hören wir genau hin, was Jesus sagt. Er sagt nicht: Bittet, so wird euch alles genau so gegeben, wie ihr es euch wünscht. Er sagt: Bittet, so wird euch gegeben. Gott wird uns das geben, was aus seiner Sicht gut für uns ist. Aber wir dürfen ihm vertrauen: Er macht es gut.

    Wir sind eingeladen, eingeladen von Jesus, zu bitten, zu suchen und anzuklopfen. Gott freut sich, wenn wir zu ihm kommen, wenn wir mit ihm reden, wenn wir beten und ihm vertrauen. Er ist für uns da. Wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet, und wer da anklopft, dem wird aufgetan.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Dienstag, 2. Juni 2020

     

    Mein Herz ist fröhlich in dem HERRN.
    1. Samuel 2,1

    So betet eine Frau, die Gottes Hilfe erfahren hat: Hanna, die Mutter des Propheten Samuel. Und nun kann sie nicht anders als ihren Gott zu loben. Sie vergisst nicht, was sie Gott versprochen hat: Wenn er die Schmach und Not ihrer Kinderlosigkeit von ihr nimmt, dann soll das Kind, das geboren wird, Gott, dem HERRN gehören. Sie vergisst nicht, wem sie das Glück ihrer Mutterschaft verdankt. Und sie vergisst den Dank nicht. Die Folge aus all diesem Gedenken ist pure Freude: Mein Herz ist fröhlich in dem HERRN.

    »In dir ist Freude in allem Leide« singen wir – und wir dürfen es auch glauben. Es kommt gar nicht so sehr auf die äußeren Umstände an, um fröhlich zu sein oder zufrieden oder glücklich. Viel entschei­den­der ist, ob wir »in dem HERRN« erleben, was wir erleben – also verbunden mit ihm; in der Zwiesprache mit ihm. Dazu gehört auch, dass wir eben nicht nur das wahrnehmen, was uns tagtäglich vor Augen steht oder wir in der Zeitung lesen, sondern vor allem andern das, was er uns zu sagen hat: In der Bibel, in seinem guten Wort.

    Mit Gott reden und auf Gott hören, ihm vertrauen und ihn bitten und ganz viel darüber nachdenken, wo er mir schon geholfen hat und immer noch hilft – das ist das Rezept, damit auch wir sagen können: Mein Herz ist fröhlich in dem HERRN. »In wie viel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet.« Wie viel Hilfe, wie viel Gutes haben wir von ihm schon erlebt. Überhaupt, dass wir durch Jesus Christus »Vater« zu Gott sagen dürfen – all das ist Grund zur Zuversicht und zur Freude. Beides wünsche ich uns immer wieder neu von Herzen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Pfingstmontag, 1. Juni 2020

    Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder.
    1.
    Könige 8,39

    Der Monatsspruch stammt aus einem Schlüsselgebet in einer Schlüsselstunde. König Salomo hat einen Tempel, ein Haus für Gott gebaut. Nun wird er eingeweiht. Der König selbst betet – ein Gebet voller Innigkeit und Weisheit. Ein Gebet, in dem zum Ausdruck kommt, wer Gott ist – und wer wir Menschen sind. Und warum es Sinn macht und wichtig ist, dass wir mit Gott reden.

    Einer der Gründe ist: Gott allein kennt das Herz aller Menschenkinder. Er sieht uns ins Herz. Er sieht jedem Menschen ins Herz – in unser Innerstes. Es kann vorkommen, dass wir Menschen unsere Nächsten nicht mehr verstehen, weil wir uns nicht ins Herz sehen. Ja, es kann sogar vorkommen, dass wir uns selbst, unser eigenes Herz, unser eigenes Wollen und Denken und Entscheiden nicht mehr verstehen.

    Unser Gott aber weiß um all das. Er kennt unser Herz – unser aller Herz. Er sieht die tiefen Sehnsüchte und Wünsche; er sieht die Sorgen und Nöte, die uns quälen. Er sieht auch die Abgründe, die sich da auftun: den Neid, den Hass, die Bosheit. All das sieht und kennt Gott. Doch er wendet sich nicht ab, sondern er bleibt für uns ansprechbar. Nichts und niemand brauchen wir dringender als diesen Herrn, der uns in den tiefsten Tiefen unseres Herzens versteht und der uns durch Jesus Christus die Last und Sorge unseres Herzens abnimmt und uns zu seinen Kindern macht.

    Es ist gut, wenn wir uns immer wieder daran erinnern, dass wir Menschen nicht das Maß aller Dinge sind. Es ist gut, wenn wir es uns immer wieder bewusst machen, was wir alles nicht sehen – und nicht können. Aber es ist noch besser, wenn wir uns dann gleichzeitig an den wenden, der das alles weiß und kennt und kann: Unseren Gott. Er ist und bleibt für uns da.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 25.05. bis 31.05.

  • add Andacht für den Pfingstsonntag, 31. Mai 2020

    Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der HERR Zebaoth.                             Sacharja 4,6b

    Am 15. April 1956 hat das »älteste Parlament der Welt dem jüngsten Parlament« ein besonderes Geschenk gemacht: Das britische Parlament schenkte der Knesset, dem Parlament des jungen Staates Israel einen fünf Meter hohen siebenarmigen Leuchter, eine Menora. Heute steht die Knesset-Menora des aus Dortmund stammenden Bildhauers Benno Elkan vor dem Parlaments­gebäude in Jerusalem. Ganz viele Bilder aus der Geschichte Israels sind dort zu sehen. Ganz oben in der Mitte der betenden Mose, dem die beiden Männer, Aaron und Hur die Hände stützen, während Josua mit den Kriegsleuten unten im Tal gegen die Amalekiter kämpft.

    Auf den rechten Armen der Menora sind Kämpfe dargestellt. Ganz außen oben klagt Jeremia über die Zerstörung Jerusalems durch die Babylonier. Und ganz links außen ist Jesajas große Friedensvision dargestellt. Die ganze Spannbreite der Geschichte von Gewalt und tiefem Leid bis zum großen Heil, das noch aussteht, ist zu sehen. Es steht auch ein Bibelvers auf dieser Menora. Von Rechts nach links geschrieben, wie es im Hebräischen üblich ist. Es ist der Wochenspruch des Pfingstfestes: Rechts: Es soll nicht durch Heer oder Kraft – und links: Sondern durch meinen Geist geschehen spricht der HERR Zebaoth.

    Gott kommt zum Ziel mit seiner Geschichte. Mit seiner Heilsgeschichte. Nicht durch menschliche Stärke und Überlegenheit erreicht er seine Ziele, sondern durch seinen Geist. Oft genug zum Staunen, oft genug sind gerade das die Sternstunden in Gottes Heilsgeschichte, wo nach menschlichem Ermessen kein Staat mehr zu machen war. Nicht Menschen schaffen das Heil und den Frieden im Letzten – sondern er, unser Gott. Mit ihm dürfen auch wir heilvoll rechnen in unserem Leben. An jedem Tag neu. Mit ihm und seinem neuschaffenden Geist.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Samstag, 30. Mai 2020

    Bileam sprach: Wenn mir Balak sein Haus voll Silber und Gold gäbe, so könnte ich doch nicht übertreten das Wort des HERRN.        Numeri 22,18

    Sorgenvoll schaut der König der Moabiter, Balak vom Gebirge ins Tal. Das Volk Israel, das aus Ägypten ausgezogen war, bedroht sein Herrschaftsgebiet. Den letzten möglichen militärischen Verbündeten, die Amoriter, haben die Israeliten schon vernichtend geschlagen. Nun sucht Balak händeringend nach einem Bündnispartner gegen dieses Volk. Schließlich fällt ihm Gott ein, der Gott, mit dem Bileam – wohl ein damals überaus bekannter Mann, eine Art Prophet – in besonderem Kontakt stand. Bileam muss her. Bileam muss dieses Volk im Namen Gottes verfluchen. Egal, was es kostet, Bileam muss her.

    So wandert eine Truppe von Diplomaten ins Zweistromland zu Bileam, um ihn zu holen. Doch in der Nacht spricht Gott mit Bileam: Geh nicht mit ihnen, verfluche das Volk auch nicht; denn es ist gesegnet. Balak hört von der Weigerung und legt noch eine Schippe drauf: Er schickt noch wichtigere Leute zu Bileam und verspricht ihnen noch mehr Geld. Und nun kommt Bileams Antwort, unsere Losung: Wenn mir Balak sein Haus voll Silber und Gold gäbe, so könnte ich doch nicht übertreten das Wort des HERRN weder im Kleinen noch im Großen.

    Gott und sein Wort muss zuerst kommen. Gott und was er will, muss an erster Stelle in unserem Leben stehen. Das ist die Botschaft dieses Verses. Es gibt keinen vernünftigen Grund und keine noch so verlockende Aussicht auf Profit, die es erlauben würde, gegen das, was Gott gesagt und geoffen­bart hat zu handeln. Jesus sagt: Himmel und Erde werden vergehen – aber meine Worte werden nicht vergehen. Darum ist dieses Wort Gottes, das wir heute in der Bibel aufgeschrieben finden, so kostbar und so wichtig. Denn das, was Gott sagt, was Jesus sagt, das bleibt. Alles andere vergeht. Und darum soll auch bei uns Gottes Wort und das Hören auf ihn vor und über allem anderen stehen. Gott und was er will und vorhat, muss an erster Stelle in unserem Leben stehen. So kann unser Leben gelingen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Freitag, 29. Mai 2020

    Meine Zunge soll reden von deiner Gerechtigkeit und dich täglich preisen.       Psalm 35,28

    Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über. So auch in diesem uralten Lied von David. David, der bis heute bekannte zweite König Israels. Vielleicht ist auch bekannt, dass seine Lebensgeschichte äußerst turbulent war. Als junger Mann durch den Propheten Samuel zum König berufen, war sein Aufstieg alles andere als geradlinig. Zuerst besiegt er den Riesen Goliath. Dann lässt ihn Saul an seinen Hof als Musiktherapeut holen. Militärische Erfolge schließen sich san. Doch dann will ihn der krankhaft eifersüchtige König Saul umbringen. David muss fliehen, irrt durch die Berge der Wüste Juda, versteckt sich in Höhlen mit einer handvoll Männer, flieht zu den Philistern, den Feinden Israels, muss sich wahnsinnig stellen.

    Schließlich – durch alle Wirren hindurch – wird er doch noch König. Ein erfolgreicher König. Doch am Ende seiner Regentschaft scheinen sich die Wirren aus der Anfangszeit zu wiederholen: Seine Söhne ringen um seine Nachfolge; politische Intrigen werden ausgespielt, der Vater entmachtet – er muss erneut fliehen – Absalom, der aufrührerische Sohn stirbt. David trauert.

    Der 35. Psalm, aus dem die Losung stammt, ist ein Klagepsalm gegen die Feinde: HERR, führe meine Sache wider meine Widersacher, bekämpfe, die mich bekämpfen! In der Lebensgeschichte Davids gibt es viele Situationen, wo solch ein Psalm nur allzu verständlich wäre. Umso erstaunlicher finde ich den Schluss dieses Psalms, eben unsere Losung: Meine Zunge soll reden von deiner Gerechtigkeit und dich täglich preisen. Auch wenn sich an der Situation noch gar nichts geändert hat, David vertraut von Herzen darauf, dass Gottes Gerechtigkeit über die Ungerechtigkeit, die Menschen uns antun können, siegen wird – und davon ist sein Herz erfüllt. Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über. Da lebt einer mit dem, was Gott versprochen, verheißen hat. Tun wir es doch auch. Nehmen wir Gott beim Wort – und loben wir ihn. Denn er ist stärker als alles, was uns bedrohen mag.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Donnerstag, 28. Mai 2020

    Der Kranke antwortete Jesus: Herr, ich habe keinen Menschen, der mich in den Teich bringt, wenn das Wasser sich bewegt; wenn ich aber hinkomme, so steigt ein anderer vor mir hinein. Jesus spricht zu ihm: Steh auf, nimm dein Bett und geh hin!                           Johannes 5,7-8

    Was ist diesem kurzen Gesprächsausschnitt vorangegangen? Jesus kam mit seinen Jüngern zu einem der großen Jahresfeste nach Jerusalem. Während sich die Stadt mit fröhlichen Pilgern füllt, geht er in die Teichanlage von Bethesda, beim Schaftor. Allerlei Kranke und Behinderte sind dort versammelt. Allesamt ausgeschlossen von der fröhlichen Festgemeinschaft im Tempel. Alle klammern sich an einen Strohhalm der Hoffnung: Wenn sich das Wasser im Teich bewegt, dann könnte das doch eine wundersame Heilwirkung haben. Also lauern sie Tag für Tag, dass das Naturphänomen eintritt.

    Woran hängen Menschen nicht ihre Hoffnung, wenn alle eigenen Möglichkeiten zu Ende sind! Wenn kein Arzt mehr helfen kann oder kein Ausweg mehr aus der finanziellen Katastrophe oder der Beziehungskrise zu führen scheint.

    Jesus, der Sohn Gottes, geht nicht zuerst in den Tempel, sondern dorthin, zum Teich Bethesda. Er sieht die Not. Auch die besonders große Not dieses Mannes, der 38 Jahre lang schon krank hier liegt. Und für den selbst der Strohhalm des sich bewegenden Wassers in unerreichbare Ferne gerückt ist. Jesus sieht es, erkennt es. Und dann spricht er das Wort der Schöpfermacht Gottes: Steh auf, nimm dein Bett und geh hin!

    Das, womit keiner gerechnet hat, das was keiner erwartet hat. »Er weiß viel tausend Weisen zu retten aus dem Tod« heißt es in einem Lied von Paul Gerhardt aus der notvollen Zeit kurz nach 30-jährigen Krieg. Nein, wir kennen nicht alle viel tausend Weisen, wie er aus dem Tod retten kann. Wir müssen sie auch gar nicht kennen. Es reicht, ihn, den großen Gott zu kennen. »Nicht einen großen Glauben brauchen wir« hat der Chinamissionar Hudson Taylor gesagt, »sondern Glauben an einen großen Gott.«

    In Jesus sehen wir das Gesicht dieses großen Gottes. Mit ihm dürfen wir reden im Gebet. Er weiß auch um unsere Not, um unsere Sorge und er will uns helfen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 27. Mai 2020

    Ich bin darin guter Zuversicht, dass der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird’s auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu.

    Mit diesen Worten ermutigt der Apostel Paulus die Christen in Philippi in seinem Brief an die Gemeinde dort. Diesen Vers finden Sie im Losungsbüchle heute als Lehrtext.    

    An’s Ziel kommen; bei Jesus bleiben; den Lebensweg auf dieser Erde am Ende mit Gott beschließen und bei IHM in der Geborgenheit und in seinem Friedensreich endgültig ankommen. Das wünschen wir uns. Um auf dem Weg mit IHM zu bleiben, freuen wir uns über Gottesdienste, über Bibellesen, über Gemeinschaft mit anderen, über die Nähe zu unserem Gott im Gebet. Und gerade junge Christen sind oft begeistert und motiviert unterwegs, dem festen Willen, bei Jesus zu bleiben. Wenn wir älter werden, lassen nicht nur unsere äußeren Kräfte nach. Wir merken auch, dass unser eigener Wille, unsere eigene Entscheidung nicht ganz so tragend ist, wie wir einmal dachten, sondern oft schwankend und ungewiss. Da können uns Zweifel kommen: Werde ich auf dem Weg mit Jesus bleiben? Mit meinem schwachen Charakter? Werde ich wirklich ans Ziel kommen? Wird mir nicht spätestens im Sterben die Glaubenspuste ausgehen?

    Paulus, der selbst ein Willensmensch ist und ein Tatmensch, kennt solche Zweifel und Unsicherheiten. Er legt uns als Bruder und Freund die Hand auf die Schultern und sagt: Du hast ganz recht und ich verstehe Dich. Deine Kraft ist begrenzt und reicht vielleicht nicht aus bis zum Ziel. Aber das Entscheidende musst auch gar nicht Du tun, das Entscheidende tut Jesus für Dich. ER bringt Dich ans Ziel. Erinnere Dich, wie Dein Glaubensweg einmal begann. Wie viel Hilfe hat Dir damals Gott geschenkt! Dass Du den Mut zum Weg mit ihm fandest. Überlege, welche Menschen er Dir geschickt hat, die Dich ermutigt haben, dran zu bleiben? Erinnere Dich: In wie vielen Situationen hat er Dir geholfen? Und guck, genauso, wie ER Dir damals zur Seite stand, ist er noch heute bei Dir und wird Dich als Dein guter Hirte ans Ziel bringen. Er trägt Dich und hält Dich. Auf ihn kommt es an! Schau auf ihn!

    „Ich bin darin guter Zuversicht, dass der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird’s auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu.“

    Ich wünsche Ihnen einen zuversichtlichen Tag,

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für 26. Mai 2020

    Der HERR schaut vom Himmel auf die Menschenkinder, dass er sehe, ob jemand klug sei und nach Gott frage.                              Psalm 14,2

    Wissen kann man anhäufen, den Intelligenzquotienten vielleicht durch Tests ermitteln. Aber für Klugheit, für echtes Klugsein, gibt es nur ein einziges Kriterium: Klug ist, wer nach Gott fragt. Klug ist, wer mit Gott rechnet. Die Furcht des HERRN ist der Weisheit Anfang. So einfach ist das. Dabei wird deutlich: Es geht bei dieser Klugheit nicht um den Intellekt, sondern ums Herz. Es geht nicht um Kopfwissen, sondern um die Umsetzung im Alltag.

    Also müssen wir fragen: Was heißt das: nach Gott fragen? Wie macht man das? Antwort: indem ich das im Gebet tue und den Kontakt mit Gott suche. Indem ich vor und in allen Dingen, die mein Leben betreffen, es mit ihm bespreche – und ihn frage: um Rat, um Weisung, um Hilfe. Herr, was meinst du, was ich tun soll. Und dann natürlich auch, indem ich das zur Hand nehme, was er mir an Orientie­rungs­hilfe und an Antworten gegeben hat. Durch Menschen, mit denen er geredet hat, und die es aufgeschrieben haben. Wir haben Gottes guten Willen, Gottes Pläne – mindestens so weit wir sie wissen müssen – in der Bibel. Ja, es ist Menschenwort – aber zugleich ist es genauso uneinge­schränkt Gottes Wort, seine Offenbarung an uns. Sein Liebesbrief an uns.

    Nach Gott fragen – das hätten wir allerdings missverstanden, wenn wir denken, es sei damit getan, ab und zu mal auch an Gott zu denken. Gott geht es immer um’s Ganze. Ganz oder gar nicht – nach Gott fragen. Das sind die einzigen Alternativen. Gott will unser Leben bestimmen, prägen. Er will der Herr unseres Lebens sein. Sonst wäre er nicht Gott.

    Nach Gott fragen, das heißt: Gott über alle Dinge fürchten, lieben und ihm vertrauen. Das ist weise. Das ist klug. Denn wer ihm vertraut, ihn liebt und ihn fürchtet, der ist geborgen, gehalten und getragen bis in Ewigkeit.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 25. Mai 2020

    HERR, frühe wollest du meine Stimme hören, frühe will ich mich zu dir wenden und aufmerken. Psalm 5,4

    Ein Mähder, ein Mann mit einer Grassense steht schon früh am Morgen auf einer Bergwiese und schneidet mit der Sense Gras. Stunde um Stunde arbeitet er – aber es geht nicht so richtig voran. Ein anderer beobachtet ihn und dann sagt er: »Du solltest deine Sense mit dem Wetzstein schärfen«. Doch der Mähder schaut ihn nur kurz an – und sagt dann: »Dafür habe ich keine Zeit, ich hab noch so viel zu mähen.« Der arme Mann. Weiß er denn nicht: »Dengeln hält den Mähder nicht auf.« Die Sense schärfen, das ist keine Zeitverschwendung sondern Zeitgewinn.

    Dasselbe gilt für unser Leben. Vergleichen wir es mal mit einem Schiff. Morgens schon werfen wir die Schiffsmaschine an, um dann mit voller Kraft voraus in den Tag zu starten. Wir haben nur ein Problem: Wir haben nicht Kurs genommen, wir wissen nicht so recht, wohin mit all der Energie, mit all der Mühe, mit all der Lebenskraft. Wir kommen von Sinnen, wenn wir nicht mehr zur Besinnung kommen.

    Genau das hat der Beter erkannt – und seine Prioritäten anders gesetzt: Zuerst kommt der Kontakt mit Gott: frühe wollest du meine Stimme hören. Nicht erst, wenn ich mit meinem Latein am Ende bin, der Arzt nur noch ratlos mit den Schultern zuckt und ich keinen Ausweg mehr sehe. Nicht erst dann. Frühe wollest du meine Stimme hören. Gott soll und darf die erste Adresse für alles sein, was unser Leben betrifft. Zuerst – vor allen anderen Menschen – möchte ich es mit ihm bereden. Möchte mich an ihn wenden – und auf das hören, was er mir in seinem Wort sagt. Ich bin mir ganz sicher: Mit ihm zu reden und auf ihn zu hören – das ist keine vertane Zeit, sondern macht unsere Zeit zu einer erfüllten Zeit.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 18.05. bis 24.05.

  • add Andacht für Sonntag Exaudi, 24. Mai 2020

    Bei dir ist Vergebung, dass man dich fürchte.    Psalm 130,4

    Vergebung macht was mit uns. Denn Vergebung ist und bleibt etwas ganz Besonderes. Etwas nicht Alltägliches. Sie entspringt Gottes Gnade, Gottes unverdienter Zuwendung. Dietrich Bonhoeffer hat im ersten Kapitel seines Buches „Nachfolge“ von der teuren Gnade gesprochen und zugleich vor der billigen Gnade als Missstand der christlichen Kirche seiner Zeit gewarnt: »Billige Gnade heißt Gnade als Schleuderware, verschleuderte Vergebung, verschleuderter Trost, verschleudertes Sakrament; Gnade als unerschöpfliche Vorratskammer der Kirche, aus der mit leichtfertigen Händen bedenkenlos ausgeschüttet wird; Gnade ohne Preis, ohne Kosten… Billige Gnade heißt Rechtfertigung der Sünde und nicht des Sünders. … Billige Gnade ist Gnade ohne Nachfolge, Gnade ohne Kreuz, Gnade ohne den lebendigen, menschgewordenen Jesus Christus.«

    Bei dir ist Vergebung, dass man dich fürchte – spricht in genau demselben Sinn der Psalmbeter. Gottes Vergebung zielt auf Veränderung. Sie will mein ganzes Leben prägen. Wie es im Lehrtext aus dem Kolosserbrief für heute heißt: Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! Begnadigte leben anders. Jesus ist am Kreuz für uns gestorben, nicht nur, um uns unsere Schuld abzunehmen, sondern um uns zu erlösen, zu erwerben und zu gewinnen - »auf dass ich sein Eigen sei und ins einem Reich unter ihm lebe in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit. Gleichwie er ist auferstanden von den Toten, lebt und regiert in Ewigkeit. Das ist gewisslich wahr« So hat es Martin Luther erklärt.

    Der Psalmbeter spricht von Gottesfurcht. Während Ängste uns lähmen, ist die Gottesfurcht die einzige Furcht, die befreit: Wer sich vor Gott fürchtet – und ihn ehrt, oder ihn »fürchtet und liebt« wie Martin Luther in der Erklärung der 10 Gebote sagte, der braucht sich vor nichts und niemand anders zu fürchten. Da bei Gott – und mit ihm – ist unser Leben gut aufgehoben.

    Pfarrer Andreas Streich  

  • add Andacht für Samstag, 23. Mai 2020

    Mose sprach: Siehe, ich lege euch heute vor den Segen und den Fluch: den Segen, wenn ihr gehorcht den Geboten des HERRN, eures Gottes, die ich euch heute gebiete, den Fluch, aber, wenn ihr nicht gehorchen werdet den Geboten des HERRN, eures Gottes.  5. Mose 11,26-28

    Nicht immer hilft das Schwarz-Weiß-Denken weiter. Doch manchmal sind die Dinge so einfach, wie sie die Losung beschreibt: Es gibt in unserem Verhältnis zu Gott nur zwei Alternativen: Segen oder Fluch. Manchmal braucht es diese Klarheit, diese scharfen Kontraste – diese eindeutigen Aussagen: In Zusage wie auch in Warnung. Das mag unbequem sein, das mag zu einer zu einseitigen Gottes­vor­stellung, die nur einen »lieben Gott« kennen will, nicht passen. Aber das ist zentraler Inhalt der biblischen Offenbarung, dessen, was die Menschen des Alten und des Neuen Bundes von und mit Gott erlebt haben: Segen und Fluch. Gott nimmt uns Menschen ernst – Gott nimmt auch unsere Sünde ernst. Und Gott kann das trennen, was uns oft so schwer fällt: Den Sünder und die Sünde.

    So einfach die Botschaft ist, so schwer sind die Worte doch. Denn: Zu welcher Sorte Mensch gehören wir: Zu denen, die Gottes Gebote gehorchen – oder zu denen, die nicht gehorchen? Im Neuen Testament macht Jesus aller Selbsttäuschung in dieser Frage ein Ende: Da ist keiner, der Gutes tue, auch nicht einer stellt er nüchtern fest. Also: Alle unter dem Fluch. Ja! Und dann berichtet derselbe Paulus voller Staunen im Galaterbrief: Christus aber hat uns erlöst von dem Fluch des Gesetzes, da er zum Fluch wurde für uns (Galater 3,13). Ja, Gott verflucht die Sünde. Ja, vor Gott ist unser Ungehor­sam ihm gegenüber das Gravierendste, das es gibt. Etwas, worüber kein Gras wächst. Gott geht nicht zur Tagesordnung über. Aber er selber räumt aus. Er selber nimmt in seinem Sohn den Fluch, der uns treffen müsste, auf sich – und lässt uns noch einmal neu anfangen. Wieder sind wir beim Kern der christlichen Botschaft: Gottes Liebe, die keinen aufgibt. Gottes Liebe, die ihn selber alles tun lässt, damit wir verlorene Leute wieder mit ihm ins Reine kommen können. Was für eine Liebe! Was für eine Botschaft! Mit dieser Liebe, mit diesem Gott, der in Jesus Christus den Fluch von uns nimmt uns seinen ganzen Segen schenkt, können wir getrost leben und können wir auch getrost einmal sterben.  

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Freitag, 22. Mai 2020

    Andacht für Freitag, 22. Mai 2020

    Als der Sohn noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn, und er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn.                Lukas 15,20

    Liebe, Erbarmen, Freundlichkeit – all das können wir bei Gott lernen. Im Gleichnis vom verlorenen Sohn hat Jesus eindrücklich verdeutlicht, wie Gott es mit uns Menschen meint. Gerade auch mit denen, deren Biografie nicht so bruchlos und tadellos ist. Was motiviert den Vater, seinen Sohn, der auf den Vater und das Vaterhaus gepfiffen hat, nicht wieder in die Wüste zu schicken? Was für einen Grund gibt es, das alte Sprichwort »Wer nicht hören will, muss fühlen« nicht konsequent in die Tat umzusetzen?

    Ich kenne nur eines: Liebe. Abgrundtiefe, unbegrenzte und unüberbietbare Liebe. Gott gibt seine Menschen nicht auf. Keine und keinen einzigen. Auch die nicht, die wir längst abgeschrieben und abgestempelt haben. Die wir ausgrenzen und verurteilen, verdammen und vor denen wir warnen. Gott gibt sie nicht auf. Gott sehnt sich nach seinen Menschen. Nach jedem und jeder Einzelne von uns. Wer Gottes Erbarmen am eigenen Leib erfahren hat, der weiß auch um seine eigene Verloren­heit. Der weiß, wie wenig er Gottes Liebe, Gottes Erbarmen, diesen von Gott geschenkten Neuanfang verdient hat.

    So ist Gott. Das ist die Kernbotschaft des christlichen Glaubens: Durch Jesus Christus schenkt uns der große Gott einen ganz neuen Anfang, da macht er verlorene und verdammte Menschen zu Gottes Kindern. Nein, nicht wir sind das Maß aller Dinge. Nein, nicht wie wir uns selbst beurteilen und bemessen, zählt – sondern wie er, unser Gott uns ansieht. Und davon gilt es zu reden. Daran gilt es festzuhalten – vor und während und nach Corona: So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Da ist ein Vater im Himmel, der wartet bis wir heimkehren. Der sehnt sich nach uns. Nichts braucht diese Welt dringender als diese Botschaft

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Christi Himmelfahrt am Donnerstag, 21. Mai 2020

    Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.
    Johannes 12,32

    Himmelfahrt – das ist der Regierungsantritt von Jesus Christus. Nun ist er erhöht von der Erde. Schritt für Schritt ist er dorthin gelangt, wo er eigentlich hingehört: Am Ostermorgen durch die Auferstehung aus dem Tod ins ewige Leben. Und am Himmelfahrtstag von der Erde in Gottes Welt, die wir – weil wir kein anderes Wort dafür haben - »Himmel« nennen. Gottes Himmel ist aber etwas ganz anderes nochmal als unser Himmel oder das Weltall. Diesen Himmel Gottes können wir Men­schen nicht sehen und nicht erforschen. Jesus gelangt ans Ziel. Das ist die Botschaft von seiner Himmelfahrt. Es geht zunächst um seinen ganz persönlichen Weg als ewiger Sohn Gottes: Der in Ewigkeit beim Vater war – und aus der Ewigkeit in diese Welt kam – und nun wieder dorthin zurückkehrt, wo er hingehört.

    Das betrifft nun aber auch sein Werk: Das, was er mit uns vorhat. So wie Ostern Kreise zieht, so zieht auch Himmelfahrt Kreise: Die Herrschaft Jesu zieht Kreise. Sie umfasst alles. Und das, was Jesus wirkt, zieht Kreise – sein Wirken wird einmal alles ausfüllen. Was heißt das für uns heute? Wir sind mit hineingenommen in das, was an Himmelfahrt damals auf dem Ölberg in Jerusalem geschehen ist. Jesus sagt: Wenn ich erhöht werde, so will ich alle zu mir ziehen. Jesus hat ein Ziel mit uns. Und das Ziel heißt: Ewiges Leben in seiner Herrlichkeit. Dorthin will er uns ziehen. Er hat uns durch sein Sterben und Auferstehen zu Gottes Kindern gemacht. Und nun will er, dass wir auch die Herrlichkeit sehen, in der er ist. Das ist unser Ziel: Gottes Herrlichkeit. Und so, wie nichts und niemand ihn aufhalten konnte, vom Tod aufzuerstehen, so kann uns nichts aufhalten, in Gottes Herrlichkeit zu gelangen. Jesus zieht. Und er lässt nicht los. Er kommt zum Ziel – auch mit uns. So wie Paulus es schreibt: Ich bin darin guter Zuversicht, dass der, der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird’s auch vollenden bis an den Tag Jesu Christi. Der Tag Jesu Christi, das ist der Tag seiner Wiederkunft in Herrlichkeit. Dann wird er auch uns zu sich holen – für immer und ewig.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 20. Mai 2020

    Der Gerechte erkennt die Sache der Armen.
    Sprüche 29,7

     

    Gott geht es immer ums Ganze. Er will ganz und allein unser Gott sein. Und er will unser Leben ganz bestimmen. So einfach lässt sich die Sache mit dem Glauben zusammenfassen: Gott geht es immer ums Ganze. Bei ihm gilt: Das Eine nie ohne das Andere.

    Früher sagte man: »Wenn sich der Bauer bekehrt, dann merkt es zuerst das Vieh im Stall.« Ein Leben mit Gott, das strahlt aus – hinein in alle Lebensbereiche. Hier – in unserer Losung – sind es die Armen, die in den Blick genommen werden. Wer mit Gott im Reinen ist, wer mit ihm lebt und ihm vertraut, dem öffnet Gott die Augen dafür, wo es fehlt, wo Missstände sind. Der »Gerechte«, das ist der, der nach Gott fragt, der Gott fürchtet. Und hier heißt es nun: Dass der auch die Sache der Armen erkennt. D.h. der bekommt ein Gespür dafür, wo es fehlt und was es braucht. Weil Gott es ihm aufs Herz legt. Gott geht es immer ums Ganze. Nie nur um Frömmigkeit allein, sondern auch um soziale Verantwortung.

    Ich sehe in der heutigen Losung auch eine Anfrage und ein Korrektiv für uns: Ist es bei uns auch so? Hat unser Glaube auch Auswirkungen in alle Lebensbereiche, in alle Lebensbezüge? Oder ist da an der einen oder anderen Stelle noch etwas ausgeklammert? Etwas, wo wir meinen: Das hat mit dem Glauben an Gott nichts zu tun?

    Lassen wir es uns exemplarisch an diesem Vers zeigen: Es gibt keinen Lebensbereich, wo Gott in unserem Leben nicht das Sagen haben wollte. Lassen wir uns von ihm barmherzige Augen schenken, die finanzielle, aber auch geistliche Nöte bei Menschen in unserem Umfeld erkennen. Und bitten wir ihn um Liebe und Phantasie, um ihre Sache zu unserer Sache zu machen und ganz praktisch zu helfen. Gott zur Ehre, den Menschen zum Zeugnis und allen widergöttlichen Mächten zum Trotz.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Dienstag, 19. Mai 2020

    Zachäus aber trat herzu und sprach zu dem Herrn: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück.
    Lukas 19,8

     

    Unter manchem Sackgassenschild steht der Hinweis: »Keine Wendemöglichkeit«. Das ist eine Warnung – nicht nur für LKW-Fahrer und alle mit einem Anhänger: Da kommst du unter Umständen nicht mehr raus. Blöd, wenn man dann trotzdem reinfährt. Dann hilft nur noch der Rückwärtsgang.

    Gott schafft eine Wendemöglichkeit. Durch Jesus Christus schenkt Gott uns die Möglichkeit zur Umkehr. »Buße tun heißt: Umkehren in die offenen Arme Gottes. Dazu gehört, dass wir unsere Sünden herzlich erkennen, vor Gott und in gewissen Fällen auch vor Menschen bekennen, bereuen, hassen und lassen und im Glauben an Jesus Christus in einem neuen Leben wandeln.« Wie das ganz praktisch aussieht, das sehen wir bei Zachäus. Und da sehen wir auch, was Martin Luther so beschrieb: Buße tun ist ein fröhliches Geschäft.

    Wir müssen die falschen Wege nicht bis zu Ende gehen. Wir müssen nicht in unserer Schuld umkommen. Wir müssen uns nicht ewig grämen über falschen Entscheidungen. Und wir müssen die Schuld schon gar nicht verharmlosen oder auf andere schieben. Jesus will uns unsere Schuld abnehmen. Er will uns vergeben. Und er will, dass wir noch einmal – mit ihm – neu anfangen können.  Jemand malte auf ein Foto von einem Sackgassenschild in das weiß-rote »T« den gekreuzigten Jesus hinein, dass es aussah wie ein Kreuz und dann strich er das »Keine« durch, so dass nur noch das Wort »Wendemöglichkeit« blieb. Ja, der Gekreuzigte Jesus Christus ist unsere Wendemöglichkeit. Da ist die Tauschstelle: Wo wir unsere Schuld loswerden und in ein neues Leben starten dürfen. Mit ihm und geprägt von ihm, unserem Herrn, den auch Zachäus ganz bewusst als »Herr« anredet.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 18. Mai 2020

    HERR, du gabst unsern Vätern deinen guten Geist, sie zu unterweisen.
    Nehemia 9,20

     

    Ohne den Heiligen Geist gibt es keinen Glauben. Gottes Geist können wir nicht sehen und nicht steuern. Er weht, wo er will. Im Hebräischen wie im Griechischen bedeutet das Wort für Geist zugleich auch »Wind« und »Hauch«. Was ist der Heilige Geist? Er ist ein Geist der Unterweisung – das erfahren wir aus dem Losungsvers. Unterweisung nun aber in einem sehr persönlichen Sinn: Dass mir das, was ich von Gott erkannt habe, zu Herzen geht. Dass es mein Herz berührt und verändert.

    Der Heilige Geist ist nicht nur ein Geist, der Wissen vermittelt. Das wäre zu wenig. Sondern er ist viel mehr ein Lebendigmacher: Wenn ich in meiner Bibel lese – ohne den Heiligen Geist – dann bleibt alles nur schwarz und weiß: Weißes Papier und schwarze Buchstaben. Der Heilige Geist als Lebendigmacher macht mir das Wort Gottes lebendig: Dass ich spüre und merke: Das gilt jetzt mir! Diese Zusage, die darf ich ganz persönlich nehmen. Deshalb: Ohne den Heiligen Geist gibt es keinen Glauben. Kein Vertrauen zu Gott. Keinen Glaubensmut, kein Glaubenswagnis und keine Glaubensgewissheit. All das bewirkt Gottes Heiliger Geist in uns.

    Wenn im Nehemiabuch an die Gabe und das Wirken von Gottes gutem Geist erinnert wird, dann in der Gewissheit, dass dieser gute Geist auch damals – und auch bei uns heute – wirksam sein muss und sein will. Wir dürfen bitten, dass er uns erfüllt, uns prägt, uns motiviert und uns lebendig macht. Ja, auch wir brauchen ihn – genau wie die Väter, genau wie zu Zeiten Nehemias. Und Gott schenkt ihn uns. Was für ein wunderbares Geschenk – dieser Lebendigmacher, Gottes guter Geist.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 11.05. bis 17.05.

  • add Andacht für Sonntag Rogate, 17. Mai 2020

    Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.
    Psalm 66,20

     

    So haben es viele von uns wohl einmal auswendig gelernt: »Das Gebet ist ein Reden des Herzens mit Gott in Bitte und Fürbitte, Dank und Anbetung. An guten wie an schlechten Tagen dürfen wir als Kinder Gottes im Namen Jesu zu ihm kommen.« Es ist gut, das zu wissen – und es ist noch besser, das zu praktizieren – Tag für Tag. Und es lohnt sich, ab und zu – wie heute am Sonntag Rogate, dem »Gebetssonntag« über das Beten mit der Bibel in der Hand auch einmal nachzudenken.

    Der unbekannte Psalmbeter tut das im Psalm 66. Und er tut es in der – wie ich meine – einzig möglichen und richtigen Form: Indem er Gott lobt. Indem er Gott sagt, wie gut er ist. Und wie gut es tut, mit ihm zu leben. Wenn Sie den ganzen Psalm lesen, merken sie: er tut das mit zweierlei Adressaten: Einmal Gott selbst gegenüber – im Mittelteil des Psalms. Und dann aber auch gegenüber anderen Menschen, die er ermutigt, Gott auch zu loben und zu beten. Gott loben – darauf kommt es an. Gott an die erste Stelle setzen – auch in unserem Leben. Denn er hat es wirklich verdient. Ihm gebührt der erste Platz. Das Vaterunser ist uns heute als Predigttext gegeben. Auch da kommt Gott zuerst: Dein Name werde geheiligt, dein Reich komme, dein Wille geschehe. Und mit dem Lob und der Anbetung Gottes endet dieses einzigartige Gebet auch: denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Wie gut, dass Gott unser Gebet hört. Wie gut, dass wir mit allen großen und kleinen Nöten immer zu ihm kommen können. Wie gut, dass seine Tür – durch Jesus Christus – für uns alle weit geöffnet ist. Sagen wir’s ihm doch, wie gut er ist und wie gut er uns tut – immer wieder. Denn: Danken schützt vor Wanken und Loben zieht nach oben.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 16. Mai 2020

     

    Jesus spricht: Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen. Lukas 21,33

     

    Plötzlich ist alles anders. Ein kleines Virus wirft unseren Alltag und auch unsere Urlaubsplanungen völlig durcheinander. Selbständige, kleine und große Betriebe – denen man das nie zugetraut hätte – bangen um ihre Existenz, Menschen um ihren Arbeitsplatz. Wer hätte das gedacht? Das war nicht geplant – doch plötzlich ist alles anders. Es zeigt mir, wie zerbrechlich all die Sicherheiten sind, die wir uns selbst schaffen. Jesus ist in seinem Wort noch viel grundlegender: Alles, aber auch wirklich alles, was uns diese Welt an Sicherheit bieten kann, hat im Letzten keinen Bestand. Himmel und Erde werden vergehen. Himmel und Erde, so wie wir sie kennen, sind nicht das, was bleibt und sind darum auch nicht das, woran wir unser Herz und unser Leben im letzten hängen können.

    Würde der Satz hier enden, dann wäre das eine niederschmetternde Diagnose. Dann hieße das: Uns allen – auch unserer Welt – bleibt nur das Vergehen und Vergessenwerden. Doch der Satz geht weiter. Und jetzt kommt die entscheidende Orientierungshilfe: Aber meine Worte werden nicht vergehen. Das, was Jesus Christus zusagt, das bleibt bestehen. Auch über dieses Leben hinaus. Auch über den Tod hinaus. Auch über diese Welt hinaus. Solange wir in dieser Welt leben und solange sie besteht, durch alle Krisen-, Kriegs- und Pandemiezeiten hindurch – bis an ihr Ende gilt uns das Wort: Siehe, ich bin bei euch bis an der Welt Ende. Und wenn unser Leben auf dieser Welt zu Ende geht, und wenn diese Welt an ihr Ende kommt, dann gilt es uns sein Wort: Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich! In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen. Wenn’s nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten? Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin. Jesus, unser Herr, hat Worte des ewigen Lebens. Er schafft einen neuen Himmel und eine neue Erde. Und er lässt die nicht los, die ihm vertrauen. Er lässt nicht los – nicht in Zeit und nicht in Ewigkeit. Das ist mehr wert als alle Sicherheiten dieser Welt.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 15. Mai 2020

    Der HERR erhörte unser Schreien und sah unser Elend, unsere Angst und Not.
    5. Mose 26,7

     

    Gott hört uns und Gott sieht uns. Das ist die Botschaft dieses Verses. Interessant ist, in welchem Zusammenhang er steht. Er steht in einem Kapitel, das so was ist wie Zukunftsvorsorge. Vorsorge ist ja auch bei uns ein großes Thema: finanzielle Vorsorge für’s Alter wird jedem ans Herz gelegt, die Gesundheitsvorsorge. Und so gibt es auch eine Zukunftsvorsorge in Sachen Glauben. Und zwar eine Vorsorge nicht nur in Krisenzeiten, wenn es uns schlecht geht, sondern auch in guten Zeiten.

    Das Volk Israel steht an der Schwelle zum Gelobten Land, zu dem Land, das Gott ihnen versprochen, verheißen hat, dass sie es einnehmen werden. Wie wird es sein, wenn sie es eingenommen haben? Wenn alles wieder so ganz anders ist, wenn die Ausnahmesituation der Wüstenwanderung vorbei ist? Ganz ähnlich fragen wir uns vielleicht auch: Wie wird es sein, wenn die Corona-Krise überwunden ist, die Pandemie nicht mehr die Schlagzeilen bestimmt? Vergessen wir dann Gott? Gott trifft Vorsorge für den Glauben seiner Leute. Er ordnet an, dass sie Feste feiern sollen. Feste für ihn und mit ihm. Dazu gehört, dass sie die Erstlingsfrüchte ihrer Ernte Gott bringen. Sie sollen ihm bekennen, dass sie die Ernte nicht ihrem Fleiß und ihrer Klugheit, sondern Gott verdanken. Und sie sollen Gott bekennen, dass er nicht nur sie versorgt, sondern schon mit ihren Vorfahren eine lange Geschichte hatte. Eine Geschichte des Hörens und des Sehens und der Hilfe und Rettung. Vorsorge für den Glauben, damit er bei dem bleibt, was ihm hilft: Beim Vertrauen auf Gott. Das braucht auch die Erinnerung: Vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.

    Es stimmt: Gott hat keine Enkelkinder, er hat nur Kinder. Mit jedem und mit jeder möchte er seine Glaubensgeschichte. Doch was Glaube ist, das verändert sich nicht – durch die Generationen – denn er, unser Gott ist derselbe, gestern, heute und morgen. Und deshalb dürfen auch wir erinnernd bekennen – vielleicht weil wir es selbst ja auch schon erfahren haben: Der HERR erhörte unser Schreien und sah unser Elend, unsere Angst und Not.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 14. Mai 2020

    Erforscht euch selbst, ob ihr im Glauben steht; prüft euch selbst! Oder erkennt ihr an euch selbst nicht, dass Jesus Christus in euch ist?
    2. Korinther 13,5

     

    Ein Jugendfreund von mir wurde einmal von einem Älteren, der ihn nicht kannte, gefragt, wie man das früher fragte: »Wem gehörst du?« Schlagfertig gab er zur Antwort: »Ich gehöre meinen Vater!« Das hat dem Fragenden natürlich nicht wirklich weitergeholfen.

    Aber für uns alle ist wichtig, dass wir eine Antwort auf die Frage geben können: »Wem gehöre ich? Wo gehöre ich hin?« - »Ich gehöre zu Jesus Christus« ist die Antwort des Glaubens. »Durch ihn bin ich ein Kind Gottes, meines Vaters im Himmel.« Viele behaupten: Beim Glauben gebe es keine Gewissheit. Das sei ja eben der Unterschied zwischen Glauben und Wissen. Im Deutschen mag an dieser Beobachtung was dran sein. Nur: das deutsche Wort »Glaube« ist eben nicht ganz eindeutig. »Glaube« biblisch verstanden hat tatsächlich etwas mit Gewissheit zu tun. Eine schöne Definition von Glauben findet sich im Hebräerbrief: Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das was man hofft und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. Oder mit den Worten von Paul Gerhardt ausgedrückt: »Nun weiß und glaub ich feste, ich rühm’s auch ohne Scheu, dass Gott, der Höchst und Beste, mein Freund und Vater sei und dass in allen Fällen er mir zur Rechten steh und dämpfe Sturm und Wellen und was mir bringet Weh.« (EG 351,2).

    Wir sind aufgefordert uns selbst zu prüfen, ob wir in diesem Glauben stehen. Keine Sorge: Sollte sich bei dieser Prüfung herausstellen, dass dem nicht so ist, dann steht die Einladung von Jesus felsenfest: Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Seine Tür ist offen für uns – er wartet auf uns. Seine Liebe, seine Vergebung, seine Gnade gewährt einen Neuanfang. Gerade das ist der Kern unseres Glaubens – das Unaufgebbare: Dass Jesus uns nicht aufgibt.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 13. Mai 2020

    Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder.
    1. Könige 8,39

     

    Es ist gut, dass wir nicht alles wissen. Es ist gut, dass wir Menschen nicht ins Herz eines anderen sehen könnten. Wir Menschen sehen – wie Gott es dem Propheten Samuel sagte – nur, was vor Augen ist. Gott aber sieht das Herz an. Wenn wir in die Herzen der anderen sehen könnten, dann würde es wahrscheinlich noch viel schlimmer auf dieser Welt zugehen. Oder wir würden depressiv über all der Bosheit und Verschlagenheit, die wir da zu Gesicht bekommen würden. Und darum ist es gut, dass wir nicht alles sehen, was im Herzen eines andern Menschen vor sich geht.

    Wir sehen und verstehen ja oft nicht einmal, was in unserem eigenen Herzen vor sich geht – in diesem »trotzigen und verzagten Ding« wie es einmal in der Bibel heißt. Doch Gott kennt unser Herz. Unser aller Herz. Er sieht’s. Ja, er weiß um die finsteren Gedanken, die auch wir hegen. Doch das ist nicht der Kern dieser Erkenntnis im 1. Königebuch. Gott weiß auch um alle unsere Nöte, um unsere Ängste, um unsere Sehnsüchte, auch die unerfüllten. Wo andere uns nicht verstehen – da versteht uns unser Gott. Und er liebt uns. Er schaut mit den Augen seiner Liebe auf unser Herz. Er will heilen, er will zurechtbringen und vor allem: Er will in unserem Herzen wohnen. Er sieht was uns fehlt. Er sieht unsere tiefste Sehnsucht: Die Sehnsucht nach ihm. Und das ist auch seine tiefste Sehnsucht: Dass wir als seine Kinder mit ihm leben. Dass wir ihm von Herzen vertrauen, ihn von Herzen lieben und dass er den ersten Platz in unserem Herzen bekommt und behält. Gott kennt unser Herz. Er sieht auch, was an Potential, an Entwicklungsmöglichkeit in unserem Herzen, in unserem Leben steckt. Leben und volle Genüge will er uns schenken – durch Jesus Christus, seinen Sohn. Ja, er kennt unser Herz und er lässt uns in sein Herz blicken: In seine Liebe und seine Sehnsucht nach uns. Mit ihm wollen und dürfen wir leben – heute und für immer.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 12. Mai 2020

    Paulus schreibt: ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung, sodass ihr prüfen könnt, was das Beste sei.
    Philipper 1,9-10

     

    Wer sich nicht sicher ist, worum er für sich selbst beten soll, bekommt hier eine wunderbare Hilfe an die Hand. Um Liebe lohnt es sich zu beten. Um Liebe zu Gott und um die Liebe zum Nächsten. In den Sendschreiben der Offenbarung ist vom Wert der »ersten Liebe« die Rede – und wie wichtig es ist, dass wir sie nicht verlassen. Es gibt Dinge, von denen kann man nie genug haben: Nein, das Geld gehört nicht dazu. Zu viel Geld, darin ist die Bibel recht eindeutig, schadet in der Regel. Es verschiebt die Prioritäten in unguter Weise. Aber Liebe – davon können wir nie genug haben. Und Erkenntnis brauchen wir. Erkenntnis, die mehr ist als Bescheidwissen. Erkenntnis, das ist, wenn das, was ich über Gott oder mich und andere erkannt und begriffen habe, den kurzen – und doch oft so langen – Weg von meinem Verstand in mein Herz gefunden hat. Wenn’s zur Anwendung kommt. Wenn’s zur Umsetzung kommt. Wenn ich Gott gehorsam bin – wie es von Salomo in der heutigen Losung heißt: Der HERR sprach zu Salomo: Bitte, was ich dir geben soll! Salomo sprach: Du wollest deinem Knecht ein gehorsames Herz geben, dass er dein Volk richten könne und verstehen, was gut und böse ist. Darum lohnt es sich zu bitten: Dass Gott mir mehr zeigt von sich und von mir und über mich und was er mit mir vorhat. Und dass ich das dann umsetze, ihm gehorsam bin. Dass Erfahrung draus wird. Das ist das dritte Stichwort neben Liebe und Erkenntnis.

    Gott hat das Beste mit uns vor. Entscheidend wichtig aber ist für uns, dass wir prüfen können, was dieses Beste ist. Dazu brauchen wir die Bibel, sein Wort. Dazu brauchen wir die Liebe zu ihm und dazu brauchen wir Erkenntnis, Gehorsam und die Erfahrung. Weil das alles nicht immer auf Anhieb klappt, weil wir Fehler machen und Sünder bleiben – darum ist eine der wesentlichen Erfahrungen, die wir immer wieder brauchen: Die Vergebung. Halten wir’s kurz mit der Sünde. Bringen wir unser Versagen im Gebet unserem Herrn. Er hört uns, er vergibt. Davon dürfen wir leben.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 11. Mai 2020

    Gott, wir haben mit unseren Ohren gehört, unsre Väter haben’s uns erzählt, was du getan hast zu ihren Zeiten, vor alters.
    Psalm 44,2

     

    Am 22. März 1599 wurde im Nordschwarzwald eine neue Stadt gegründet – sie war auf dem Reisbrett entstanden – die Straßen Mühlebrettartig um den größten Marktplatz Deutschlands herum angelegt: Freudenstadt. Sie bot Heimat für Glaubensflüchtlinge aus Österreich, v.a. aus der Steiermark, Kärnten und Slowenien. Diese Menschen hätten ihre Heimat nicht unbedingt verlassen müssen. Einzige Bedingung zu bleiben wäre gewesen: ihren evangelischen Glauben aufzugeben und ihre Bibeln abzugeben. Doch gerade die Liebe zur Bibel war es, dass sie lieber den langen Weg in die Fremde auf sich nahmen und sich im rauen Klima des Schwarzwalds eine neue Existenz aufbauten. Auf die Bibel wollten sie nicht verzichten. Es ging ihnen wie dem Psalmbeter unserer Losung: Sie haben den Wert dessen, was uns von Gottes großen Taten von alters her erzählt wird, für ihr Leben erkannt. Und sie haben dadurch den Gott kennengelernt, den wir eben nicht in der Natur, in unseren Gedanken finden. Den Gott, der unsichtbar ist, dessen Gedanken wir nicht ergründen und dessen Pläne wir nicht erklären können. Doch auch den Gott, der uns liebt und der sich geoffenbart hat.

    Offenbarung ist das wesentliche Stichwort, wenn wir über Gott reden wollen. Mit unseren Sinnen können wir Gott nicht erkennen, verstehen, untersuchen – wie alles andere in der Natur. Er ist für uns nicht erreichbar. Doch er hat von sich aus die Mauer der Unsichtbarkeit durchbrochen: Er hat dies in der Geschichte mit ein paar Menschen in einem kleinen Landstrich im Nahen Osten getan. Warum gerade mit ihnen? Darauf können wir nur antworten: Es hat Gott so gefallen! Mit einem kleinen Volk Israel schreibt er seine Geschichte – und zeigt, wie er es mit uns Menschen meint. In Jesus Christus kommt er selbst und wird Mensch – und zeigt, wie sehr er uns liebt und dass er retten und helfen will. Und es hat Gott gefallen, dass diese Botschaft bis heute durch Menschen vermittelt wird. Jesus selbst hat kein Buch geschrieben. Es waren Menschen, die seine Geschichte und seine Reden aufgeschrieben haben. Es hat Gott so gefallen. Und er hat diesen Prozess der Entstehung der Bibel durch seinen heiligen Geist gelenkt. Darum ist zuverlässig, was uns in der Bibel berichtet wird. Darum ist und bleibt dieses Buch die einzige Norm für unseren Glauben. Nicht was Theologen erzählen, nicht was eine Fakultät in Tübingen oder ein Papst in Rom meint, zählt, sondern was in der Bibel, im Wort Gottes steht, darauf ist Verlass. So können auch wir unsern Gott loben für das, was er getan hat und noch tut.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 04.05. bis 10.05.

  • add Andacht für Sonntag Kantate, 10. Mai 2020

    Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder.              Psalm 98,1

    Heute feiern wir den Sonntag »Kantate« - etwas anders als sonst. Auch wenn heute wieder in eingeschränkter Form Gottesdienste in den Kirchen in unserer Landeskirche gefeiert werden können, so soll doch auf das gemeinsame Singen im Gottesdienst verzichtet werden. Nicht aus Schikane, sondern aus Nächstenliebe – damit niemand angesteckt wird. Denn beim Singen werden nachge­wiesener­maßen mehr Tröpfchen als sonst aus unserem Rachen in die Umwelt abgegeben.

    Die Aufforderung des Wochenspruchs gilt uns dennoch. Gemeinsam können wir im Herzen singen. Ich bin sicher, wir werden neue Lieder finden – Lieder des Herzens, die wir miteinander singen und teilen können. Wir haben so viele technische Möglichkeiten – auch das ist für mich Ausdruck des »neuen Liedes«, von dem im Psalm 98 die Rede ist. Wir können Lieder aufnehmen, sie anhören, sie versenden – weltweit.

    Es sind Lieder für Gott. Lieder für den Herrn der Welt, dem auch unser Leben gehört. »Dessen Allmacht niemals endet, dessen Wunder ungezählt« wie es Peter Strauch formulierte. Musik ist eine Kommunikationsform, für die wir auf ganz vielen Ebenen empfänglich sind: rational und emotional. Eine wunderbare Gabe. Wichtig ist, was damit transportiert wird: Es geht um unseren großen Gott, um unseren Schöpfer, um unseren Retter und um den, der uns bis an sein gutes Ziel bringen wird. Ihn immer wieder sich ins Bewusstsein zu rufen und ins Herzen zu singen, das wollen wir tun. Denn mit ihm wird unser Leben erst wirklich erfüllt. Und das soll klingen – auch durch unser Singen.

    Pfarrer Andreas Streich  

  • add Andacht für den 9. Mai 2020

    Der HERR, dein Gott, hat dich gesegnet in allen Werken deiner Hände. 5. Mose 2,7

    Jemand sagte einmal: Wir Menschen haben oft ein Problem mit unseren Erinnerungen: Die guten Erfahrungen, die schreiben wir in den Sand – und die schlechten Erinnerungen, die meißeln wir oft in Stein. Dabei sollten wir es doch gerade umgekehrt machen. Damit wir nicht griesgrämig, unzufrieden und undankbar werden, brauchen wir Erinnerungshilfen.

    Das Kapitel, aus dem der Vers der Losung stammt, ist eine solche Erinnerungshilfe für das Volk Israel. Da werden sie an das Gute erinnert, das sie erlebt haben. Der Losungsvers ist eigentlich noch länger. Im Losungsblüchlein steht nur der 1. Teil. Erhellend ist, wie er weitergeht: Er hat dein Wandern durch diese große Wüste auf sein Herz genommen. Vierzig Jahre ist der HERR, dein Gott bei dir gewesen. An nichts hast du Mangel gehabt. Das ist so wichtig, dass unsere Erinnerung und unser Dank konkret wird, nicht abstrakt bleibt.

    Sagen wir es Gott doch ganz konkret, wofür wir danken können. Wo wir genau dasselbe wie das Volk Israel erlebt haben: Wo Gott uns gesegnet hat in allen Werken unserer Hände. Wo er uns etwas hat gelingen lassen. Von der Mutter des Essener Jugendpfarrers Wilhelm Busch ist überliefert – sie stammte von Hülben auf der Schwäbischen Alb – dass sie bekannt hätte: »Ohne meinen Heiland kann i et amol Pfannakuacha bacha (kann ich nicht einmal Pfannkuchen backen)« Es gibt so viel Gutes, wofür wir danken können. Danken schützt vor Wanken und Loben zieht nach oben. Das gilt auch jetzt noch – und gerade jetzt, wo manches in unserem Alltag anders ist. Grund zum Danken und zum Loben haben wir immer noch genug. Denn Gott hat auch uns gesegnet – und will uns weiterhin segnen.

    Pfarrer Andreas Streich  

     

  • add Andacht für den 8. Mai 2020

    HERR, lass mir deine Barmherzigkeit widerfahren, dass ich lebe. Psalm 119,77

    Heute sind es 75 Jahre, dass der 2. Weltkrieg in Europa zu Ende ging. 75 Jahre Frieden durften wir erleben.

    Von dem griechischen Philosophen Sokrates ist überliefert, dass er einmal am Hafen beobachtete, wie die Waren der Schiffe aus- und eingeladen wurden. Waren aus aller Herren Länder. Als er eine Weile zugeschaut hatte, sagte er: »Wie viele Dinge gibt es doch, die ich alle nicht brauche.«

    Ein kleines Stück dieser Philosophie müssen wir derzeit alle buchstabieren: Vieles, was vor ein paar Monaten möglich war, und selbstverständlich, ist nun seit einigen Wochen nicht mehr möglich – und wird wohl auch so bleiben. Und wir leben trotzdem – auch ohne Flugreisen, Schiffsreisen, Urlaubs­reisen, Bundesliga, Formel 1 und Skifahren, Schwimmbäder und ständig verfügbare Hefewürfel. Wie viele Dinge gibt es doch, die ich alle nicht brauche.

    Der Psalmbeter spricht nun aber von etwas, was er braucht – zum Leben braucht. Zum Leben, das mehr ist als biologisches Leben, Vegetation. Zu einem Leben, das ist, wie es sich der Schöpfer des Lebens gedacht hat: Erfülltes Leben, Sinnerfülltes Leben. HERR, lass mir deine Barmherzigkeit widerfahren. Wenn Gott sich mir zuwendet und mir hilft, dann – und nur dann – wird mein Leben zu etwas Ganzem, zu etwas, was dieses Prädikat »Leben« wirklich verdient. Dieses Leben kann sich keiner selber nehmen. Man kann es nicht im Internet kaufen und nicht im Reisebüro buchen. Man kann nicht mit dem Auto hinfahren und nicht mit dem Flugzeug hinfliegen. Dieses Leben kann man sich nur schenken lassen. Schenken lassen von dem barmherzigen Gott, der sich in Jesus Christus uns zuwendet. Der Mensch geworden ist. Dem wir nicht egal sind, sondern der genau das will: Uns das Leben schenken, das ewige Leben. Jesus sagt: ich bin gekommen, damit sie das Leben und volle Genüge haben. Das brauchen wir – und mit weniger sollten wir uns nicht zufrieden geben.

    Pfarrer Andreas Streich  

     

     

  • add Andacht für den 7. Mai 2020

    Du bist ein Gott der Vergebung, gnädig und barmherzig, langmütig und reich an Güte. Nehemia 9,17

    Das Nehemia-Buch ist ein Aufbaubuch. Es berichtet vom Wiederaufbau von Jerusalem nach der großen Katastrophe. Die Babylonier hatten viele Jahrzehnte zuvor die Stadt und den Tempel zerstört und viele nach Babel gefangen weggeführt. Nun wurde unter Jeremias Anleitung die Stadtmauer wieder aufgebaut. Gott hat ihm den Mut und die Entschlossenheit dazu geschenkt. Es wird wieder Gottesdienst gefeiert und das Laubhüttenfest.

    Und dann schauen die Menschen aus dem Volk Israel im 9. Kapitel des Nehemiabuchs miteinander zurück – auf ihre Vergangenheit, auf ihre Geschichte mit Gott. Dabei stellen sie einen – im wahrsten Sinne des Wortes – himmelweiten Unterschied fest: zwischen Gott und ihnen. Während Gott ihnen Gutes getan hat, sie erwählt hat, errettet hat, ihnen immer wieder geholfen hat, haben sie nicht im Entferntesten so reagiert, wie Gott es eigentlich verdient hätte: Aber unsere Väter wurden stolz und halsstarrig, dass sie deinen Geboten nicht gehorchten und weigerten sich zu hören und gedachten auch nicht an deine Wunder, die du an ihnen tatest, sondern sie wurden halsstarrig und nahmen sich fest vor, zu ihrer Knechtschaft in Ägypten zurückzukehren (Neh 9,16-17). So heißt es im Bußgebet dort im Nehemiabuch. Und Gott? Wie reagiert er darauf? Hätte er nicht allen Grund, dieses Volk nun im wahrsten Sinne des Wortes „in die Wüste zu schicken“, Schluss zu machen, sich ein anderes Volk zu suchen. Die Beter können nur staunend bekennen, was die Väter erlebt haben: Du Gott, du bist ganz anders. Du bist ein Gott der Vergebung, gnädig und barmherzig, langmütig und reich an Güte.

    So ist Gott auch für uns. So hat er es allen Menschen in Jesus Christus, seinem Sohn bewiesen. Gott ist ein Gott der Vergebung. Weil wir Vergebung brauchen – und weil wir sie eben nicht selbst produzieren können. Er schenkt sie uns – durch Jesus. Gott ist ein Gott der Gnade, der unverdienten Zuwendung. Gott ist ein Gott der Barmherzigkeit, die jedem Menschen gilt, der Geduld und der Güte. All das will er uns schenken. Wenden doch auch wir uns ihm immer wieder zu – so wie es das Volk Israel getan hat – und bis heute tut.

    Pfarrer Andreas Streich  

     

  • add Andacht für den 6. Mai 2020

    Gott spricht: ich will die Finsternis vor ihnen her zum Licht machen und das Höckerige zur Ebene. Jesaja 42,16

    Die Stadt Filderstadt hat gebaut. Die im Volksmund als „Hexengängle“ bekannte Verlängerung der Pfarrstraße zur alten Burgstelle in Plattenhardt, wurde ausgebaut. Wo vorher nur ein besserer Trampelpfad war, da gibt es jetzt Treppenstufen und einen mit Kiesel befestigten Weg, der auch bei starkem Regen noch gangbar bleibt. Und eine Straßenbeleuchtung wurde installiert, so dass man auch bei Nacht sicher ist. Die Absicht dahinter: Die Menschen sollen sicher unterwegs sein.

    Auch Gott baut einen Weg. Einen Weg für seine Menschen. Er räumt alles aus, was sie hindert, zu ihm zu kommen. Die Finsternis – ein durch die ganze Bibel hindurch gebrauchtes starkes Bild für ein Leben ohne Gott, für die Gottferne – Gott selbst macht sie zum Licht. Das Höckerige und Unebene – es wird eben und gangbar. Wichtig ist: Wer sagt das? Wer sorgt dafür, dass Menschen zu Gott kommen können? Wer schafft alle Voraussetzungen für ein Leben der Menschen mit Gott? Es sind nicht die Menschen. Es ist unser Gott. Er allein. Wenn er sagt: »Ich will«, dann hat das eine andere Qualität, als wenn wir sagen »ich will«. Ob aus unseren Plänen und Absichten Realität wird, das bleibt fraglich. Aber wenn Gott sagt »ich will«, dann wird was draus. Garantiert. Gott holt Menschen aus der Finsternis. Gott schafft alle Hindernisse aus dem Weg – weil er will, dass wir zu ihm finden.

    In Jesus Christus, seinem Sohn ist dieses Wort in einzigartiger Weise in Erfüllung gegangen. Jesus hat die Finsternis des Karfreitags erduldet, um uns in sein Licht zu stellen. Er hat unsere Sünde, all das, was uns von Gott trennt, auf sich genommen und uns den Weg zu Gott gebahnt. Der Weg ist frei. Wir dürfen kommen – und als Kinder Gottes leben, heute und in Ewigkeit. Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selbst so schreibt es Paulus. Die Initiative geht von Gott aus. So sehr liebt er uns. Er baut einen Weg. Einen gangbaren Weg. Den einzigen Weg für uns Menschen zu ihm.

    Pfarrer Andreas Streich  

     

  • add Andacht für den 5. Mai 2020

    Christus ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor aller Schöpfung. Denn in ihm ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare.

    Kol 1,15-16

    Als wir Studenten waren, gab uns einmal ein erfahrener Pfarrer einen guten Rat: Wenn ihr nicht wisst, über was ihr predigen sollt, dann macht einfach Jesus groß. In der Tat: Von Jesus können wir gar nicht groß genug denken. Er ist für uns der Zugang zu Gott.

    Gott ist unsichtbar, stellt der Apostel fest. Aber aus der Unsichtbarkeit ragt in unsere sichtbare Welt etwas von Gott herein und macht sichtbar, wie Gott ist: In Jesus Christus, Gottes Sohn, hat der unsichtbare Gott eine sichtbare Geschichte in dieser Welt. Da hat er sich gezeigt. Und da hat er uns gezeigt, wie er es im Tiefsten seines Herzens mit uns meint – wie sehr er uns liebt und wie sehr er sich nach uns sehnt.

    Wenn wir mehr über Gott erfahren wollen, dann müssen wir uns Jesus Christus anschauen. Dann müssen wir über ihn nachdenken. Über seine Größe. Der Apostel zeigt: Die Geschichte von Jesus Christus, seine Biografie, die fängt nicht erst mit Weihnachten an, im Stall von Bethlehem. Nein, er kommt aus der Ewigkeit beim Vater. Er ist der Erstgeborene vor aller Schöpfung. Bevor die Welt da war, war er schon da – gezeugt, nicht geschaffen – wie das große Glaubensbekenntnis betont. Er gehört nicht zur Schöpfung, sondern ist ihr Urheber: Denn in ihm ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare. Wenn das stimmt, dann stimmt auch der Satz: Von Jesus können wir gar nicht groß genug denken. Und dieser große Herr, will unser Herr sein, will mein und dein Herr sein. Mit ihm kommt die Ewigkeit in unser Herz – und er bleibt in Ewigkeit in uns. Er lässt nicht los, die Gemeinschaft mit ihm soll nie enden.

    Pfarrer Andreas Streich  

     

  • add Andacht für den 4. Mai 2020

    Der Knecht im Gleichnis von Jesus sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da. Und der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde. Lukas 14,22-23

    In Zeiten von Kontaktbeschränkungen klingen solche Worte seltsam fremd. Ab heute dürfen wieder Gottesdienste in Baden-Württemberg gefeiert werden – unter strengen Auflagen. Unsere Landes­kirche hat noch strengere Auflagen erlassen: 2 m Abstand drinnen und draußen. Wir haben es mal grob überschlagen: Zum einen sind wir froh, dass wir keine Bänke, sondern Stühle haben, weil uns das viel flexibler macht. Aber bei 2 m Mindestabstand haben nur ca. 20 Menschen in unserer Kirche Platz. Und auf die Empore darf niemand. Der Hausherr im Gleichnis sagt: Nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde. Mich erinnert dieser Lehrtext daran, dass unser Gott viel größer ist – viel mehr Möglichkeiten hat als wir Menschen. Und dass in ihm eine viel größere Liebe und Sehnsucht brennt, als wir es uns vorstellen können. Gott will einfach alle. Gott will lieber heute als Morgen, dass Menschen seiner Einladung folgen. Seiner Einladung zum Fest des Lebens, zum Glauben, zum Vertrauen, zur Umkehr in seine offenen Arme. Gott will retten. Gott will nicht ohne uns sein, sondern mit uns. Das Haus Gottes ist viel größer als unsere Kirche und unser Gemeindehaus – als unsere Plätze. Da ist Platz. Da muss keiner weggeschickt werden. Das Haus Gottes ist auch nicht identisch mit unseren Kirchengebäuden. Es ist das Haus des Glaubens.

    Die Epidemien und Krisen der Vergangenheit haben uns gelehrt: Diese Ausnahmezeiten gehen vorüber. Wenn man drinsteckt, weiß man zwar noch nicht, wann genau. Aber: Sie gehen vorüber. So auch diese Krise. Wir werden wieder ohne Einschränkungen gemeinsam in der Kirche feiern dürfen.

    Wenn es jetzt nur mit Einschränkungen möglich ist – aus Nächstenliebe, um die Gesundheit gefährdeter Mensch zu schützen, dann wollen wir jetzt das andere nicht vergessen, was auch in diesem Vers steht: Auf die Landstraße und an die Zäune gehen – und Menschen einladen zum Fest des Glaubens. Erzählen wir von Jesus, wen wir treffen. Beten wir für die Menschen, die ihn noch nicht so gut kennen. Denn: Unser Gott, unser Herr, will alle haben. Es geht kein Mensch über diese Erde, nach dem er sich nicht sehnt. Und diese Liebe und Sehnsucht darf auch uns prägen.

    Pfarrer Andreas Streich  

     

 

Woche vom 27.04. bis 03.05.

  • add Andacht für Sonntag Jubilate, 3. Mai 2020

    Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. 2 Korinther 5,17

    »Alles neu macht der Mai«, ja, die Welt sieht anders aus im Frühling. Selbst in Corona-Zeiten nehmen wir die Veränderungen in der Natur wahr. Vielleicht noch intensiver in diesem Jahr, weil wir nicht in den Urlaub wegfahren können – und auch Ausflüge eher die Ausnahme sind. »Wie lieblich ist der Maien aus lauter Gottesgüt, des sich die Menschen freuen, weil alles grünt und blüht. Die Tier sieht man jetzt springen mit Lust auf grüner Weid, die Vöglein hört man singen, die loben Gott mit Freud.«

    Und doch ist die erwachende Natur im Frühling nur ein Schatten der großen Veränderung, die durch die Auferstehung von Jesus Christus geschehen ist. Gott hat noch einmal ganz neu angefangen. Gott hat seine neue Schöpfung begonnen. Und wie bei der alten Schöpfung, in der wir noch leben, ist es auch bei der neuen so: Jesus Christus ist der Schöpfungsmittler: Denn in ihm ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare.  

    »Kaine Ktisis« auf griechisch - »neue Schöpfung« heißt es im Wochenspruch. Durch Jesus Christus und in ihm. Das ist exklusiv gemeint: Zur neuen Schöpfung gelangen wir nur durch Jesus Christus. Er ist die Schlüsselperson zu Gottes neuer Schöpfung, in der das ganze Heil beschlossen liegt. »In Christus«, d.h. das sind Menschen, die ganz eng mit ihm verbunden sind – die an ihn glauben und mit ihm leben. Ist uns das bewusst? Dass wir durch Jesus schon heute zu seiner neuen Schöpfung gehören dürfen. Noch leben wir in der alten, die an vielen Stellen seufzt und sich nach Erlösung sehnt. Doch wir wissen: Die Erlösung hat schon begonnen. Die Erneuerung ist schon da. Und sie wird einmal alles umfassen. Gott kommt zum Ziel. Und wir dürfen zu ihm gehören – heute und für immer.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 2. Mai 2020

    Wir danken Gott, dem Vater unseres Herrn Jesus Christus. Er hat uns errettet aus der Macht der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich seines geliebten Sohnes. Kolosser 1,3.13

    Ob ein Plus oder ein Minus vor einer Zahl steht, das macht einen entscheidenden Unterschied. Das lernt man im Matheunterricht. Auf das Vorzeichen kommt es an. Am Beginn des Kolosserbriefs weist Paulus uns auf das Vorzeichen hin, unter dem unser Leben gestanden ist – und unter welchem Vorzeichen es nun, da wir an Jesus Christus glauben, steht.

    »Macht der Finsternis« das ist nach dem Zeugnis des neuen Testamentes der Lebensraum, in dem wir Menschen uns befinden, wenn wir nicht an Gott glauben. Ich erinnere mich an einen Ausflug tief ins Innere der Falkensteiner Höhle bei Grabenstetten mit ein paar Freunden. 8 Stunden waren wir in der Finsternis unterwegs – eine Taschenlampe nach der anderen ging aus. Uns war klar: Wenn die letzte Taschenlampe aus ist, kommen wir hier nicht mehr raus. Aus der Finsternis finden wir allein nicht raus. Wir können uns nicht selbst retten, nicht befreien. Wir sind orientierungslos.

    Doch Gott will retten, Gott befreit. Und Gott macht das total und radikal. Nicht ein paar Moralappelle, nicht ein paar aufmunternde Worte und Empfehlungen. Sondern er legt Hand an. Er rettet aus der Macht der Finsternis und versetzt uns in das Reicht seines geliebten Sohnes.

    Das ist kein Automatismus. Der Glaube macht den Unterschied. Der Glaube, das Vertrauen auf Gott setzt ein anderes Vorzeichen. Wer glaubt, der lebt im Reich seines geliebten Sohnes. Wer nicht glaubt, lebt in der Macht der Finsternis. Glaube können wir nicht machen; es steht nicht in unserer Macht, zu glauben. Das muss Gott uns schenken. Doch Paulus schreibt an Menschen, denen das geschenkt ist. Und auch uns schenkt es Gott. Und für die, die noch nicht glauben, wollen und sollen wir bitten, dass Gott es auch ihnen schenkt und auch sie rettet und neu macht.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 1. Mai 2020

    Ist denn die Hand des Herrn zu kurz? 4. Mose 11,23

    So fragt Gott einen, der im Glauben müde geworden ist – den Mose. Er hatte es auch nicht leicht. Wenn er auf sein Volk hörte, das durch die Wüste zog, dann hörte er meistens nur Murren und Unzufriedenheit: »Wir haben kein Wasser; wir verdursten; in Ägypten ging es uns besser; wir haben nichts zu essen; du bist schuld; warum sind wir überhaupt losgezogen?«

    Es waren lauter menschliche Unmöglichkeiten, denen Mose begegnete. Nun wollten sie Fleisch – mitten in der Wüste. Fleisch für 600.000 Mann. Mose betet: Woher soll ich Fleisch nehmen, um es all diesem Volk zu geben? Sie weinen vor mir und sprechen: Gib uns Fleisch zu essen. Ich vermag all das Volk nicht allein zu tragen, denn es ist mir zu schwer (V. 13-14). Nicht nur in Katastrophen, wie einer Epidemie – aber da besonders – wird uns Menschen bewusst, was wir alles nicht können. Was wir nicht zuwege bringen. Mose sieht nun – genau wie viele Menschen um uns – nur noch bang auf das, was Menschen tun können. Natürlich sollen wir das tun, wozu wir in der Lage sind. Getreu dem Motto der Losung von Vorgestern: Alles, was dir vor die Hände kommt, es zu tun mit deiner Kraft, das tu. (Prediger 9,10). Doch Mose weiß: das reicht nicht. Er macht in seiner Resignation das einzig Richtige: Er wendet sich an Gott. Als Gott ihm dann verspricht: ich sorge für Fleisch – da fällt es Mose schwer, es zu glauben. Schlicht: Er weiß nicht, wie das gehen soll. Und die Antwort Gottes ist ganz kurz und knapp: Ist denn die Hand des HERRN zu kurz? Am Abend kommt ein Wind und bringt Wachteln, mehr als genug Fleisch für alle.

    Manchmal braucht es einen, der aufrüttelt und zum Handeln ermutigt – wie den früheren US-Präsidenten Barack Obama mit seinem »Yes, we can« - »Ja, wir können das, ja wir schaffen das«. Manchmal braucht es das. Aber immer braucht es das, dass wir sagen: »Yes, he can« - Ja, ER kann, er unser Gott. Ihm ist nichts zu schwer. Beten wir doch mehr und treuer – gerade auch in dieser Zeit. Krisen tragen immer auch eine Chance in sich. Corona ist eine Chance, mehr Zeit mit Gott zu verbringen, mehr und früher mit ihm zu reden. Tun wir’s doch einfach. Denn seine Hand ist nicht zu kurz.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 30. April 2020

    Gott ist dennoch Israels Trost für alle, die reinen Herzens sind. Psalm 73,1

    Der 73. Psalm ist von einem ganz erstaunlichen »Dennoch«-Glauben durchzogen. So taucht das Wort »dennoch« auch schon im ersten Vers auf. »Dennoch«-Glaube ist Glaube gegen den Augenschein. Ganz kurz zusammengefasst: Dem Psalmbeter macht zu schaffen, dass es den Gottlosen so gut geht. Die, die nicht nach Gott fragen, die leben in Saus und Braus, denen geht es gut. Und ihm, der sich an Gott hält, der mit Gott lebt, ihm geht es schlecht: Ich bin doch täglich geplagt, und meine Züchtigung ist alle Morgen da (V. 14) so hält er es Gott vor. Das macht ihm zu schaffen. Bis ich ging ins Heiligtum und merkte auf ihr Ende (V. 17). In der Gegenwart Gottes sieht er die Realität mit anderen Augen, aus einer anderen Perspektive. Da sieht er mehr.

    An der äußeren Situation hat sich dadurch noch nichts geändert. Aber sein Blick ist nun anders. Das, was seine menschlichen Augen sehen, das ist nicht die ganze Wirklichkeit – das weiß er. Gottes Wirklichkeit ist größer. Gottes Wirklichkeit, die uns hält, die uns trägt und uns führt. Und deshalb kann er beten:  Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren am. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil. Diese Zuversicht, diesen »Dennoch«-Glauben, den wünsche ich Ihnen für diesen Tag und alle Tage, die folgen. Gott ist in Jesus Christus für uns da! Er hält uns fest. Er lässt nicht los. Das allein zählt. Darauf können wir getrost leben und einmal auch sterben.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • add Andacht für den 29. April 2020

    Alles, was dir vor die Hände kommt, es zu tun mit deiner Kraft, das tu. Prediger 9,10

    Diese Empfehlung gehört zu den verblüffend einfachen Ratschlägen, die, wo wir sie befolgen, eine große positive Wirkung für unser Leben haben können. Und nicht nur für uns, sondern auch für andere, die in unserem Umfeld leben. Wer immerzu wartet und überlegt und plant, bei dem verändert sich nichts. »Was nicht zur Tat wird, hat keinen Wert« hat Gustav Werner im 19. Jahrhundert erkannt – und sich an die Arbeit gemacht, im diakonischen Bereich das zu tun, wozu er die Kraft hatte. Und siehe da, es gingen immer neue Türen auf, neue Aufgaben kamen hinzu – und auch die Mittel und Menschen, um auch das tun zu können.

    »Es ist leichter, Gott zu widerstehen als dem Teufel« sagte jemand treffend. Denn Gott zwingt niemanden zum Guten. Was Gott mir vor die Hände legt, das ist eine Einladung, eine Chance, die es zu ergreifen gilt. Man kann sie auch vertun. Und leider geschieht das viel zu häufig. Bitten wir Gott, uns offene Augen zu schenken und ein williges Herz, damit wir das tun, was er uns zu tun aufträgt – ganz so wie es in der letzten Strophe des Liedes »Wer nur den lieben Gott lässt walten« heißt: »Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das Deine nur getreu und trau des Himmels reichem Segen, so wird er bei dir werden neu. Denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verlässt er nicht.« (EG 369)

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 28. April 2020

    So richtet nun euer Herz und euren Sinn darauf, den Herrn, euren Gott zu suchen. 1. Chronik 22,19

    »Die Hauptsache ist, dass die Hauptsache die Hauptsache bleibt.« An dem Satz ist was dran. Für unser Leben ist es entscheidend, dass wir zwischen Wichtig und Unwichtig unterscheiden können. Dass uns klar ist, was die Hauptsache ist – und wir nicht unser Leben an Nebensachen vergeuden. Ja, es gibt schöne Nebensachen, an denen wir uns freuen dürfen. Aber die Hauptsache ist, dass die Hauptsache die Hauptsache bleibt.

    Am Ende einer langen Amtszeit überträgt der König David die Aufgaben auf seinen Sohn Salomo. Insbesondere die Aufgabe, den Tempel für Gott zu bauen, dessen Bau David verwehrt blieb. Und als Quintessenz, als Schlusswort empfiehlt er genau das, was in der Losung steht – an alle, die mit Verantwortung tragen. Richtet Herz und Sinn darauf, den HERRN, euren Gott zu suchen. Das Herz ist in der Bibel das Personzentrum: Da, wo unser Wille zuhause ist, wo unser Pläne entstehen. Und der Sinn, das sind die Überlegungen, das Nachdenken. All das soll sich um die Hauptsache drehen, um die Hauptperson in unser aller Leben: Um Gott. Die Erfahrung durch die Jahrhunderte und Jahrtausende hindurch zeigt: Menschen, die in ihrem Kern auf Gott ausgerichtet waren, waren nicht weltfremd und abgehoben, sondern konnten – auch, wo sie Verantwortung für andere trugen – oft gute Entscheidungen treffen. Die Väter des Grundgesetzes haben im ersten Satz der Präambel formuliert: »Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben.« Sorge mache ich mir, wo Menschen Gott vergessen und nur noch den Menschen zum Maß aller Dinge erheben. Auch dafür gibt es Beispiele in der Geschichte – doch in der Regel waren es keine guten.

    Bleiben wir lieber bei der Empfehlung eines erfahrenen und erfolgreichen Regenten: Richten wir uns mit unserem Leben auf unseren Gott aus, der mehr kann und weiß als wir. Hören wir auf ihn, leben wir mit ihm und vertrauen wir ihm. Er lässt uns nicht im Stich.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • add Andacht für den 27. April 2020

    Ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen Geist der Kindschaft empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater.

    (Römer 8,15)

    Die Zeit einer Epidemie macht Menschen furchtsam – wie könnte es auch anders sein. Bei dem einen oder anderen mag die bange Frage dazukommen: Ist Corona eine Strafe Gottes? Genau hier setzt der Apostel Paulus ein und gibt eine eindeutige Antwort. Wer so fragt, der ist sich nicht sicher, wie Gott es mit ihm meint. Doch Paulus bezeugt im Römerbrief, dass Gott selbst aktiv geworden ist, um uns in ein ganz neues Verhältnis zu sich zu versetzen: Aus Knechten, die sich im besten Fall bemühen, seine Gebote und Vorschriften einzuhalten – und es doch nie so richtig schaffen, sollen durch Jesus Christus Kinder werden. »Abba«, das ist die Anrede für Gott in diesem Kindschaftsverhältnis. »Abba«, das ist ganz familiäre Anrede im Aramäischen, wie sie nur die Kinder innerhalb einer Familie ihrem Vater gegenüber brauchen dürfen, unserem »Papa« vergleichbar. Damit ist ein ganz enges Verhältnis ausgedrückt: Gott ist unser »Papa«. Das Christentum entstammt dem Judentum. Da hat es seine Wurzeln. Das Heil kommt von den Juden – sagt Jesus. Doch dieses Gottesverhältnis, das Jesus uns eröffnet, ist so neu und anders, dass sich in der gesamten jüdischen Gebetsliteratur aus den ersten Jahrhunderten nirgends solch eine Gebetsanrede »Abba« für Gott findet.

    Gott – unser Vater, hat uns lieb. Gott unser Vater hat unsere Strafe auf Jesus gelegt, wir sind frei. Ja, wir können im Letzten noch nicht erklären, warum Gott Seuchen und Kriege und Katastrophen zulässt – warum es all das gibt. Wir können Gottes Gedanken nicht ausloten. Aber das Entscheidende wissen wir, seit Jesus gestorben und auferstanden ist: Wie Gott es im Tiefsten seines Herzens mit uns meint. Dass er uns liebt, dass unsere Schuld vergeben ist – und dass wir als Kinder des Königs aller Könige leben dürfen. Als Königskinder, befreit von der Furcht vor Gottes Strafe und ausgestattet mit einem Geist, der voller Vertrauen sich in allem an Gott hängt. Leben wir’s, beten wir so frei wie Kinder.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 20.04. bis 16.04.

  • add Andacht für den Hirtensonntag, 26. April 2020

    Am Hirtensonntag, der den lateinischen Namen Misericordias Domini, d.h. die »Barmherzigkeit des Herrn« grüße ich Sie mit dem Wochenspruch aus Johannes 10:

    Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.

    Johann Jakob Moser war begabt. Mit 19 Jahren wurde er Professor der Rechte in Tübingen. Mit 25 Regierungsrat in Stuttgart – und mit 50 Landschaftskonsultent in Württemberg. Doch dem Herzog Karl Eugen passte er nicht – denn er war nicht der gleichen Meinung wie der Herzog. Und so schloss er ihn der Landesherr im Jahr 1759 für fünf Jahre weg auf die Festung Hohentwiel. Wo Regierende versagen – und ihrem Hirtenauftrag nicht gerecht werden, sondern sich als schlechte Hirten erweisen – da wusste sich Johann Jakob Moser von dem einen guten Hirten gehalten, geführt und getragen. Auf dem Hohentwiel im Kerker entstanden Lieder, die Jesus besingen. Eines der Gebets-Lieder dieses gelernten Juristen steht im Gesangbuch unter Nr. 591: »Großer Hirte aller Herden in dem Himmel und auf Erden, liebster Heiland Jesus Christ: Lass in diesen letzten Zeiten sich dein Reich noch mehr ausbreiten, als bisher geschehen ist.« Es ist ein Gebet voller Innigkeit und tiefer Weisheit: »Flöße frühe unsrer Jugend zu der Wissenschaft und Tugend auch noch dein‘ Erkenntnis ein; gib ihr Leben, nicht nur Wissen, und behüt vor Ärgernissen die, so um die Kinder sein. Lass dein Wort die Toten wecken und die Sicheren erschrecken; stürz die Selbstgerechtigkeit. Mach die geistlich Blinden sehend, mach die geistlich Lahmen gehend, mach dir selbst den Weg bereit.« An diesen guten Hirten dürfen auch wir uns wenden – er ist derselbe auch für uns.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 25. April 2020

    Am Tag des Evangelisten Markus, dem 25. April grüße ich Sie mit dem Bibelvers, der über diesem Tag steht – aus dem Markusevangelium, Kapitel 16:

    Geht hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur. (Markus 16,15b)

    »Evangelium« das heißt: Gute Nachricht, frohe Botschaft. Nichts braucht die Welt dringender als gute Nachrichten. Und die beste aller guten Nachrichten ist das, was Markus in seinem Evangelium niedergeschrieben hat. Die gute Nachricht, die untrennbar mit einer Person verbunden ist: Mit Jesus Christus. Er ist Gottes gute Nachricht in Person. Sein Grab war am Ostermorgen leer. Er ist auferstanden. Er lebt. Der Tod hat nicht mehr das letzte Wort. Hass und Terror, Unmenschlichkeit und Menschenverachtung tragen nicht den Sieg davon. Auch über unserem Leben hat der Tod nicht mehr das letzte Wort – sondern er, der auferstanden Christus. Wenn das keine gute Nachricht ist. Überhaupt: Dass Gott uns will und uns liebt. Das ist eine gute Nachricht. Nein, wir sind kein Produkt des Zufalls. Nein, wir sind nicht bloß ein Zwischenergebnis auf einem langen Weg der Evolution. Jede und jeder Mensch ist einmalig und von Gott geliebt und gewollt. So sehr geliebt und gewollt, dass es unseren Gott nicht im Himmel gehalten hat, sondern dass er Mensch geworden ist – in Jesus Christus. Dass er unsere Schuld, unser Versagen, unsere Verlorenheit auf sich genommen hat und für uns am Kreuz gestorben ist, um uns zu befreien, zu erlösen. Ja, es gibt ein Verlorengehen. Ja, es gibt eine Hölle. Man muss schon sehr viel aus der Bibel herausstreichen, wollte man das leugnen. Aber es gibt auch Rettung, es gibt ewiges Leben und ewiges Heil für alle, die an Jesus Christus glauben. Diese Botschaft ist die Botschaft, die die Welt so dringend braucht: Gott liebt uns, Gott will retten – und in Jesus Christus macht er uns zu seinen Kindern. Dafür lohnt es sich zu leben.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 24. April 2020

    Gott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn. (1. Korinther 1,9)

    Die Welt steht Kopf wegen einem kleinen Virus. Vieles, was uns vor ein paar Monaten noch absolut verlässlich erschien, gilt nun nicht mehr. Und keiner kann sagen, wie lange wir mit der Ausnahme­si­tua­tion leben müssen. Nicht nur in Coronazeiten ist unsere Welt von Veränderungen geprägt. Schon immer gab es Umwälzungen, Verwerfungen und Veränderungen, die nachhaltig wirkten. Der tech­ni­sche Fortschritt der vergangenen Jahre ist beredtes Zeugnis. Meine Konfirmanden stehen völlig hilflos vor einem Wählscheibentelefon, mit dem ich noch aufgewachsen bin. Damals gab es nichts anderes. Doch heutige Jugendliche wissen nicht mehr, wie so was funktioniert.

    Veränderungen prägen unser Leben. Nichts bleibt, wie es ist auf dieser Welt. Die Zeit, sie eilt im Sauseschritt – und wir, wir müssen alle mit. Wo sich alles verändert, da suchen wir nach etwas Bleibenden, nach Halt. Paulus und die Christen, an die er schreibt, haben diesen Halt gefunden: In Gott. In dem Gott, der uns durch Jesus Christus zu seinen Kindern macht. In dem Gott, den er nur mit dem kleinen, aber so gewichtigen Wort beschreiben kann: treu. Gott ist treu. Sein Wort gilt. Es geht in Erfüllung. Seine Hand hält und lässt nicht los. Sein Bund bleibt und wird nicht hinfällig. Wichtig dabei ist: Gott selbst ist aktiv. Er ist es, der treu ist. Er bleibt auch dort treu – so bezeugt es die Bibel, wo wir untreu werden. Nicht wir müssen an Gott festhalten - Gott hält an uns fest. Er ist uns mit seiner Treue immer einen Schritt voraus. Er erweist sich als verlässlich – und deshalb lohnt es sich, ihm ganz zu vertrauen – oder wie Martin Luther es sagte: Ihn über alle Dinge zu fürchten, zu lieben und ihm zu vertrauen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 23. April 2020

    Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. (Hebräer 10,35)

    Unsere Geduld wird auf die Probe gestellt – das spüren wir in diesen Tagen ganz besonders. Auch wenn wir gerne schneller wieder in den Alltag wie früher zurückkehren möchten. Die Fachleute sagen uns: Solange es keinen Impfstoff gibt, wird unser Alltag anders aussehen müssen: Mit Gesichtsmaske und Abstandsregeln, mit Hygiene und Verzicht. Eine Geduldsprobe für uns alle.

    Auch der Glaube fordert uns Geduld ab. Gott hat uns durch Jesus herausgerufen in ein neues, in ein anderes Leben. In ein Leben mit ihm. Und er hat uns versprochen, dass dieses neue Leben ewiges Leben bedeutet. Dass es mit dem Tod nicht endet, sondern in Ewigkeit mit Jesus weitergehen wird. Jesus ist vom Tod auferstanden. Er ist der Sieger über Hölle, Sünde, Tod und Teufel. Doch noch sehen wir von diesem Sieg in unserem Alltag so wenig. Es gilt, gegen den Augenschein zu glauben. Es gilt noch die „andere Normalität“, die uns Geduld abfordert – bis wir am Ziel angekommen sind. Noch leben wir im Glauben und nicht im Schauen. Noch haben wir nicht viel mehr als Gottes Versprechen. Doch das Warten lohnt sich, Geduld zahlt sich aus. Darum: Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 22. April 2020

    Ich schwor dir’s und schloss mit dir einen Bund, spricht Gott der HERR, und, du wurdest mein. (Hesekiel 16,8)

    Gott ergreift die Initiative. Gott macht immer den ersten Schritt. So entsteht eine lebendige Beziehung zwischen Gott und uns – indem er auf uns zukommt. Das ist im Neuen Testament nicht anders als im Alten. Wir können von uns aus Gott nie erreichen. Alle Religionen sind im Grunde der Versuch der Menschen, sich das Wohlwollen der Gottheit, an die sie glauben, irgendwie zu sichern: Dazu bringen sie Opfer, strengen sich an und halten Regeln ein. Doch der Gott der Bibel, der Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat, geht einen anderen Weg. Er wartet nicht, bis seine Menschen zu ihm kommen. Er kommt auf sie zu. Er sucht sie. Wir würden ihn nämlich – bei aller Anstrengung und bei allem Bemühen - niemals finden. Er kommt uns von vorne entgegen. Ja, in Jesus Christus wird Gott sogar selbst Mensch, wird einer von uns – weil er sich von uns finden lassen will. Und weil er will, dass wir für immer zu ihm gehören. Gott geht es um uns. Gott sehnt sich nach uns. Gott will mit uns leben. Weil wir ihn niemals finden könnten, ist er selbst aus der Unsichtbarkeit herausgetreten, ist Mensch geworden, und hat sich uns gezeigt. In Jesus macht er uns zu seinen Kindern, wie es im Lehrtext dieses Tages heißt. Er will unser Vater sein – und wir sollen wie Kinder ihm vertrauen – heute und in Ewigkeit dürfen wir mit ihm leben. Er lässt uns nicht los. Sein Bund hält in Ewigkeit.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 21. April 2020

    Wachet, steht im Glauben, seid mutig und seid stark! (1 Korinther 16,13)

    »Lebt im Lebensraum des Glaubens, den Jesus Christus euch eröffnet hat« so möchte ich diesen Vers umschreiben. Es geht nämlich nicht darum, dass wir den Glauben, sowie Glaubensmut und Glaubensstärke aus uns heraus produzieren müssten. Das können wir nämlich gar nicht. Glaube ist im Neuen Testament, wie auch schon im Alten Testament, nämlich ein Beziehungsbegriff. Glaube heißt zuerst und vor allem anderen: Vertrauen. Gott vertrauen – und zwar radikal, mit dem ganzen Leben ihm vertrauen, sich von ihm abhängig machen. Glaube – also nicht nur: das Fürwahrhalten oder für-möglich-Halten von Gottes Existenz und von bestimmten Glaubenssätzen. Sondern: Der Glaube ist bereits die Umsetzung – dass ich mich drauf einlasse und drauf verlasse, dass Gott für mich sorgt. Gott hat uns, die wir an ihn glauben, durch Jesus in den Lebensraum des Glaubens gestellt. Unser Pfarrgarten ist umgeben von hohen Wohnhäusern, die Schatten werfen. Den Wert von beweglichen Gartenmöbeln lernen wir in diesen Frühlingstagen zu schätzen. In der Sonne ist es nämlich warm, im Schatten wird es leicht kühl. Also verschiebt man den Stuhl einfach dorthin, wo die Sonne auf das Gras scheint. Auf den Glauben übertragen: Zur Wachsamkeit des Glaubens gehört, dass wir uns dorthin stellen, wo wir in Gottes Nähe Wärme und Licht erhalten. Dass wir uns Zeit nehmen, in der Bibel zu lesen und mit ihm zu reden. Das nährt und stärkt unseren Glauben. Das klärt und macht Mut, in und für diesen Glauben auch klare Entscheidungen zu treffen, die uns und anderen weiterhelfen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 20. April 2020

    Befreit von der Sünde und in den Dienst Gottes gestellt, habt ihr die Frucht, die Heiligung schafft, und als Ziel das ewige Leben.    Römer 6,22

    Es geht um uns. Und es geht um Tod und Leben. Das macht Paulus im 6. Kapitel des Römerbriefs deutlich. Und es geht um Jesus, den Gekreuzigten und den Auferstandenen. Er ist der Schlüssel für uns zum ewigen Leben. Gott geht es ums Ganze. Gott will retten. Er will uns aus der Knechtschaft der Sünde und des Todes retten – das ist nach dem Verständnis des Römerbriefs die grundlegendste aller schlechten Abhängigkeiten, in der wir Menschen uns befinden können. Und daraus rettet uns Gott – durch Jesus. Durch Jesus, der für uns gestorben ist. Er hat unsere Sünde auf sich genommen. Er hat sie mit sich in den Tod genommen. Und: Das sagt Paulus auch: Jesus hat uns, die wir an ihn glauben, mit sich in den Tod genommen. Der alte Mensch, der ohne Gott gelebt hat, der ist tot. Und damit auch die alte Abhängigkeit von der Sünde, der Trennung von Gott. Ein neues Leben ist mit Christus aus der Taufe gehoben worden. Nun leben wir für ihn. Nun sind wir seine Dienerinnen und Diener. Nun hat er das Sagen in unserem Leben. Nun ist Neues geworden. Nun kann neue Frucht wachsen – eine Frucht, der man abspürt, dass die zu Gott passt. So dass man sieht, dass wir zu Gott gehören. Im Galaterbrief wird Paulus diese Frucht dann auch noch näher beschreiben: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Sanftmut, Selbstbeherrschung. All das aus der Gemeinschaft mit Gott und mit einem klaren Ziel: dem ewigen Leben. Jesus ist für uns gestorben. Und wir sind mit ihm gestorben. Er ist auferstanden und er lebt. Und wir sollen und dürfen mit ihm in einem neuen Leben leben – heute und in Ewigkeit.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 13.04. bis 19.04.

  • add Andacht für Sonntag Quasimodogeniti, 19. April 2020

    Ich grüße Sie mit dem Wochenspruch, der über dem Sonntag Quasimodogeniti (Wie die neugeborenen Kinder) und der heute beginnenden neuen Woche steht: Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. (1. Petrus 1,3)

    Gott fängt noch einmal ganz neu mit uns an. So kann man das Wort »wiedergeboren« im christlichen Sinn verstehen. »Wiedergeboren« nicht im Sinne der fernöstlichen Lehre der Seelenwanderung. Die ist der Bibel fremd. Da lesen wir: Es ist dem Menschen gesetzt, einmal zu sterben, danach das Gericht. Also nicht ein Leben nach dem andern, in immer neuen Einkörperungen – so muss man das Fremd­wort »Reinkarnation« nämlich übersetzen. Sondern ein Leben, mit klarem Anfang und Ende. Zielgerichtet. Einmalig – und deshalb von besonderem Gewicht und von besonderer Würde. Jedes einzelne Leben ist einmalig und hat eine besondere Würde. Nicht nur meins, sondern auch das des Nächsten.

    Und: Ich muss nicht selber wieder gut machen, was ich falsch gemacht habe. Ich kann es nämlich gar nicht. Sondern: das macht unser Vater im Himmel, der ein barmherziger Vater ist. Der uns nicht festnagelt auf unsere Schuld. Nein, Gott geht einen ganz anderen Weg: Er hat unsere Schuld auf Jesus gelegt und sie dort am Kreuz seines Sohnes festgenagelt. Jesus stirbt unseren Tod, nimmt unsere Schuld auf sich, trägt unsere Strafe – und lässt uns mit ihm noch einmal ganz neu anfangen. Wo ein Mensch das mit seinem Herzen begreift, und es für sich ganz persönlich gelten lässt, da redet die Bibel von »Wiedergeburt«.

    Wer so wiedergeboren ist, wem Jesus seine Schuld vergeben hat, der hat eine Hoffnung auch über dieses Leben auf der Erde hinaus – auch über den Tod hinaus. Denn so wie Jesus auferstanden ist und lebendig geworden ist – so sollen und werden auch wir, die wir durch ihn von Neuem geboren sind, auferstehen und leben. Und deshalb gilt auch für uns: Gelobt sei Gott.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für 18. April 2020

    Ich grüße Sie an diesem Samstag mit der Tageslosung aus dem Buch des Propheten Jeremia. Es ist kein leichtes Bibelwort: diesmal keine Zusage, sondern eher eine ernüchternde Feststellung unseres Gottes über sein Volk:

    Der Storch unter dem Himmel weiß seine Zeit, Turteltaube, Schwalbe und Drosseln halten die Zeit ein, in der sie wiederkommen sollen; aber mein Volk will das Recht des HERRN nicht wissen. (Jeremia 8,7)

    Da ist in diesem Vers von einer Ordnung die Rede, die den Vögeln so vieler Arten ins Herz gegeben ist. Sie wissen ganz genau, wohin sie gehören und wann sie kommen sollen. Uns Menschen ist die Sehnsucht nach Gott ins Herz gegeben. Der Kirchenvater Augustin bekannte: »Unruhig ist unser Herz in uns, bis es Ruhe findet in dir.« Gott hat uns auf Gemeinschaft hin angelegt. Auf die Gemeinschaft untereinander und vor allem aber auf die Gemeinschaft hin zu ihm.

    Da ist aber auch von dem die Rede, was nicht so ist, wie es sein soll – bei seinem Volk Israel. Sie haben die Gebote. Sie kennen den Willen Gottes. Und tun ihn doch nicht. Das ist widersinnig, das ist unvernünftig, das ist nicht nachzuvollziehen. Und es schmerzt – den, der es betrachtet; vor allem aber Gott. Und Israel steht hier stellvertretend für alle Menschen. Wir alle sollten Gott über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen. Doch wir vertrauen lieber uns selber, wir sind verliebt in so viele Dinge – und deshalb ist die Gottesfurcht längst der furchtbaren Furcht vor so vielen anderen Gefahren gewichen.

    So darf es nicht bleiben! Das ist der tiefe Sinn hinter diesem Gotteswort beim Propheten Jeremia. Gott will es anders. Und Gott macht es anders – durch Jesus, seinen Sohn. Gott wird selber Mensch. Er lebt vor, was es heißt, der Schöpfungsbestimmung gemäß zu leben. Er lebt Gehorsam, Gottesfurcht, Liebe und Vertrauen vor. Doch er hinterlässt nicht nur ein Vorbild. In Jesus fängt Gott noch einmal ganz neu mit uns an. Er erneuert unser Herz. Er macht neue Menschen aus uns. Gott gibt seine Menschen nicht auf. Gott fängt heute schon an – und er wird es in Ewigkeit vollenden – durch Jesus, den Auferstandenen.

     

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für 17. April 2020

    Ich grüße Sie mit der Tageslosung für diesen Freitag aus dem 71. Psalm. Dort ist uns ein Gebetsruf überliefert: Sei mir ein starker Hort, dahin ich immer fliehen kann, der du zugesagt hast, mir zu helfen. (Psalm 71,3)

    Es war an einem frühsommerlichen Tag, als wir mit der ganzen Familie zu einer Wanderung unterwegs waren. Ein Rundweg, den wir noch nie gegangen sind. Nachdem wir losgegangen waren, zog sich der Himmel immer mehr zu. Und bald hörte man auch das erste drohliche Donnergrollen des herannahenden Gewitters. Und wir auf freiem Feld. Da bekam die Suche nach einem Bergungsort, nach einem Platz, wo man vor dem Gewitter geschützt ist, ganz hohe Dringlichkeit. Wir fanden ihn dann in unserem Auto, das wir noch rechtzeitig erreichten – bei Gewitter bekanntlich einer der sichersten Orte, die es überhaupt nur gibt.

    Doch es gibt Bedrohungen, Nöte und Sorgen, da hilft uns kein Auto. Da brauchen wir mehr, festeren Halt, sichereren Schutz. Der Psalmbeter weiß, wo er diesen Schutz finden kann, wo er einen starken Hort hat: Bei Gott. Warum weiß er das? Weil Gott es ihm zugesagt hat. Gott hat es auch uns zugesagt, dass er uns schützen, retten und helfen will. Er lädt auch uns ein, wie es in der Telefonnummer Gottes »50 15«, also Psalm 50,15 heißt: Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten und du sollst mich preisen.

    Gott freut sich, wenn wir ihn beim Wort nehmen. Gott freut sich, wenn wir ihn an seine Zusagen erinnern, so wie es dieser Psalmbeter tut. Und es ist ihm eine Freude, uns zu helfen, uns zu bergen – in seiner Nähe. Denn er will unser Vater sein. Er lässt uns nicht im Stich. Mit ihm dürfen wir rechnen – heute und an allen Tagen.  

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für 16. April 2020

    Ich grüße Sie mit dem Wochenspruch, der über der Osterwoche steht: Christus spricht: ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

    In dieser Woche möchte ich an fünf Tagen und in fünf Teilen über diesen Bibelvers nachdenken: Heute über die Worte: Ich habe die Schlüssel…

    Als Martin Luther im Kleinen Katechismus das Glaubensbekenntnis auslegte, da war ihm ein Wort besonders wichtig: Ich glaube, dass Jesus Christus wahrhaftiger Gott von Ewigkeit geboren, und auch wahrhaftiger Mensch von der Jungfrau Maria geboren, sei mein Herr. Das ist das alles Entscheidende, dass Jesus mein Herr ist, dass ich ganz persönlich zu ihm gehören.

    Dass Jesus lebendig ist von Ewigkeit zu Ewigkeit, dass er auferstanden ist, dass er die Schlüssel des Todes und der Hölle hat, das hat ganz zweifelsohne fundamentale Bedeutung für den ganzen Kosmos. Damit steht alles in einem anderen Licht.

    Aber zur tröstenden und zur tragenden Botschaft für mich wird das Evangelium erst, wo ich erkenne:

    Das ist für mich geschehen. Das ist er für mich: für mich war er tot, damit ich nie mehr allein sein muss – auch nicht im Sterben und im Tod. Für mich aber wurde er lebendig – damit ich mit ihm in einem neuen Leben leben kann: heute schon und dann einmal in seiner Herrlichkeit. Für mich hält er die Schlüsselgewalt des Todes und der Hölle: Um mich aus dem Tod und von der Hölle zu erretten.

    Sein Platz ist in der Ewigkeit Gottes – er lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Und dort will er auch uns bei sich haben. Er ist der Herr, dem alle Macht gegeben ist, dessen Name über allen Namen ist. Und er will seine Macht einsetzen mir zum Heil. Jesus lebt!

    Darum steht auch mein Leben in einem anderen Licht. Jesus ist der Sieger! Und verbunden mit ihm stehen auch wir auf der Siegerseite.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für 15. April 2020

    Ich grüße Sie mit dem Wochenspruch, der über der Osterwoche steht: Christus spricht: ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

    In dieser Woche möchte ich an fünf Tagen und in fünf Teilen über diesen Bibelvers nachdenken: Heute über die Worte: Und siehe, ich bin lebendig.

    Was für ein Kontrast – Tod und Leben. Normalerweise kennen wir nur die umgekehrte Reihenfolge: Aus lebendig wird tot. Und siehe! Sagt Jesus.

    Er möchte uns einen Blickwechsel schenken. Ja, wir alle kennen Krankheit und Sorge. Ja, wir alle erleben Einsamkeit. Ja, wir alle wissen um die Macht des Todes. Gerade da, wo unser Herz mit Angst, Sorge und Traurigkeit erfüllt ist, gerade da sagt er: und siehe!.

    Er lädt uns ein, das andere zu sehen – ihn, unseren Herrn, der den Tod hinter sich gelassen hat, der lebendig ist. Er möchte, dass wir ihn auch sehen als den, der nun über alles erhoben ist und der uns zu sich ziehen will.

    Wie hat diese Botschaft die beiden Emmausjünger verändert. Die Botschaft, dass er lebt! Dass er stärker ist als der Tod! Dass er stärker ist als alle Mächte, die unser Leben bedrohen.

    Aus traurigen und resignierenden Jesusleuten wurden zwei Bekenner, die sich am Abend noch einmal auf den Weg machten, um die frohe Botschaft, dass er lebt, weiterzusagen.

    Ich wünsche uns, dass auch wir immer wieder neu von dieser Botschaft nicht nur mit dem Verstand, sondern im Herzen gepackt sind: Jesus ist lebendig! Jesus ist da! Und er hält uns fest.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für 14. April 2020

    Ich grüße Sie mit dem Wochenspruch, der über der Osterwoche steht: Christus spricht: ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

    In dieser Woche möchte ich an fünf Tagen und in fünf Teilen über diesen Bibelvers nachdenken: Heute über die Worte: Ich war tot.

    „ich war tot“ sagt Jesus – das heißt doch: er kennt die Not des Sterbens. Er kennt das Leid des Todes – aus eigener Erfahrung. Und darum kann er uns verstehen, wenn wir bedrängt sind von dieser Macht des Todes. Wenn wir uns verloren vorkommen, einsam, machtlos dem Sterben gegenüber. Wenn wir Angst vor der Einsamkeit haben, wo wir einen lieben Menschen hergeben müssen. Wenn die Trauer nach uns greift.

    Da will uns unser Herr nahe sein, uns festhalten, uns Geborgenheit in seiner Nähe schenken. Er kann uns verstehen und er ist bei uns. Gerade in der Todesnot. Gerade in der Trauer, wo unsere menschlichen Hände einander loslassen müssen. Ich war tot!

    Der Hebräerbrief drückt es so aus: Wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte mit leiden, sondern der versucht worden ist in allem wie wir – doch ohne Sünde. In allem hat er unsere Belastungen erlebt, unsere Not: im Leiden, in der Einsamkeit, im Sterben und im Tod.

    Und er hält uns fest, er bleibt uns zur Seite stehen – in den großen und kleinen Nöten unseres Lebens. Ja, er bleibt uns an der Seite auch noch im Sterben und im Tod. Seine Hände lassen nicht los.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Ostermontag, 13. April 2020

    Ich grüße Sie mit dem Wochenspruch, der über der Osterwoche steht: Christus spricht: ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

    In dieser Woche möchte ich an fünf Tagen und in fünf Teilen über diesen Bibelvers nachdenken: Es ist eine Siegesbotschaft. Eine einmalige Siegesbotschaft. Doch man muss nicht in Siegerlaune sein, um es hören und fassen zu können. Ursprünglich ist es nämlich mitten hinein gesprochen in notvolle Erfahrungen. Es ist an die Gemeinde Jesu Christi gerichtet, die es schwer hat in dieser Welt. Die angefeindet wird, die beäugt wird, der misstraut wird, die benachteiligt und verfolgt wird.

    Johannes, der Seher, der uns diese Worte vermittelt, ist auf der Insel Patmos in Verbannung. Weit weg von seinen Gemeinden in Kleinasien. Wie viel Sorge, wie viel Angst diese Christen umgetrieben hat, können wir uns kaum vorstellen. Da war nicht die Perspektive – wie bei uns – dass die Ausnahmesituation, bei uns aufgrund einer Infektionskrankheit, nach ein paar Wochen wieder in Richtung Normalität sich auflösen wird.

    Doch auch wir kennen Nöte. Unsere Not mag anders aussehen – in unserem ganz persönlichen Leben, in den Sorgen, die uns umtreiben – um uns selber oder um andere Menschen; in den Fragen, die uns quälen; in all dem, was wir nicht ändern können.

    Gerade da hinein. Gerade hinein in unsere Sorge, in unsere Angst, in unsere Traurigkeit, in unsere Einsamkeit, in unsere Resignation und Hoffnungslosigkeit will unser Herr auch bei uns dieses Wort sprechen: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

    Dieses Wort gilt – und es ist stärker als alles, was sonst in unserem Leben seine Gültigkeit beanspruchen kann. Mit ihm dürfen wir rechnen. An ihn wollen wir uns hängen, mit ihm reden – im Gebet – und auf ihn vertrauen.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 06.04. bis 12.04.

  • add Andacht für Ostersonntag, 12. April 2020

    Ich grüße Sie mit dem Wochenspruch, der über dem Ostersonntag und der Osterwoche steht. Ein Wort aus der Offenbarung des Johannes: Christus spricht: ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle. (Offb 1,18)

    Nicht nur heute – auch in den kommenden Tagen möchte ich mit Ihnen über diesen Vers in fünf Teilen und an fünf Tagen nachdenken.

    An Ostern feiern wir Christen unseren einzigartigen Herrn. Unsern Herrn, der aus der ewigen Welt Gottes zu uns Menschen kam. Der ganz Gott ist und doch ganz einer von uns wurde – aus Liebe zu uns und für uns. Unseren Herrn, der am Kreuz von Golgatha gestorben ist – aus Liebe zu uns und für uns. Unseren Herrn, der wie wir einmal ins Grab gelegt wurde, den man beweinte, wie wir unsere Lieben beweinen, die uns der Tod genommen hat.

    Wir feiern unseren Herrn, weil er nicht im Tod geblieben ist, weil er auferstanden ist, weil er lebt. Ja, weil er der Herr ist, der Sieger über Hölle, Sünde, Tod und Teufel. Er ist stärker als alle Mächte der Finsternis, als alle Gewalten in der sichtbaren und der unsichtbaren Welt.

    Das ist es, was unseren Herrn Jesus Christus so einzigartig macht. Kein anderer kann das von sich sagen, was er uns bezeugt: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

    Einzigartig ist er – einzigartig, was er errungen hat. Doch er will nicht der Einzige bleiben, über den der Tod keine Macht mehr hat. Er zieht auch uns zu sich. Er verspricht auch uns: Ich lebe und ihr sollt auch leben. Er gibt uns teil an seinem Sieg.

    Seit er vom Tod auferstanden ist, hat der Tod nicht mehr das letzte Wort. Auch nicht über unserem Leben. Vielmehr gilt, was der Liederdichter singt: »Jesus lebt, mit ihm auch ich!«. Mit dieser Botschaft wünsche ich Ihnen von Herzen ein frohes und gesegnetes Osterfest. Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 11. April 2020

    Heute, am Karsamstag, möchte ich Sie mit dem Wort von Jesus am Kreuz grüßen, das uns der Evangelist Johannes als sein letztes Wort überliefert hat: Es ist vollbracht! (Joh 19,30).

    Im griechischen Urtext steht nur ein einziges Wort: »Tetelesthai!« Und das ist doppeldeutig: Es kann heißen: »Schluss! Ende! Aus und vorbei! Das war’s! Es ist zu Ende!« So haben es wohl viele verstanden, die an diesem Tag unter den drei Kreuzen auf dem Hügel Golgatha verstanden. Jetzt gibt es keine Hoffnung mehr. Jetzt ist dieses Leben zu Ende gegangen – für immer zu Ende gegangen. Doch man kann dieses Wort auch anders übersetzen und verstehen: Telos – bedeutet nicht nur Ende, sondern auch Ziel. Und nun bekommt dieses Wort eine andere Wendung: Nicht »aus und vorbei« sondern: »vollendet«; »alles, was nötig war, ist geschehen!«; »es fehlt nichts mehr!« - und so wurde es denn auch ins Deutsche übersetzt: »es ist vollbracht!« Es fehlt nichts mehr für uns Menschen, um mit Gott wieder ins Reine zu kommen. Alles hat Jesus für uns getan. Die ganze Schuld getragen. Alles ausgeräumt, was zwischen Gott und uns stehen könnte. Der Weg zur Versöhnung ist frei. Der Weg in Gottes Arme ist frei. Der Weg in Gottes Heiligtum ist frei. Alles ist vollbracht.

    Für uns heißt das: Alles, was wir wirklich zum Leben und zum Sterben brauchen, das schenkt Gott uns in dem gekreuzigten Christus. Gott ist für uns! Gott liebt uns! Gott vergibt uns. Es war genug, was Jesus für uns getan hat. Wir können und wir müssen nichts mehr dazu beitragen. »Uns wird das Heil durch ihn zuteil; uns macht gerecht der treue Knecht, der für uns ist gestorben.« Wir dürfen davon leben. Wir dürfen uns von ihm beschenken lassen – jeden Tag neu. Weil wir wissen: Jesus hat alles für uns vollbracht.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Karfreitag, 10. April 2020

    In der Karwoche möchte ich mit Ihnen über einige Stationen auf dem Weg ins Leiden von Jesus nachdenken. Heute, am Karfreitag ist es eines der Worte Jesu am Kreuz – wie es uns der Evangelist Johannes berichtet. Dort heißt es in Kap. 19:

    25 Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. 26 Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn! 27 Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

    Wie ganz anders ist doch Jesus! Da hängt er am Kreuz. Seiner Kleider beraubt, bespuckt, geschlagen, gedemütigt. Ein Bild des Jammers. Und doch bleiben seine Augen voller Liebe und Fürsorge. Er schaut auf die Menschen unter dem Kreuz. Die da stehen – hilflos und ohnmächtig; verstört. Die nicht einordnen können, was da geschieht. Und er – dem die Hände festgenagelt sind – hilft; klärt; richtet auf; stiftet immer noch Gemeinschaft: Frau, siehe, das ist dein Sohn! Siehe, das ist deine Mutter!

    Ja natürlich: Der Glaube ist eine ganz persönliche Sache. Es geht um eine ganz persönliche Vertrau­ensbeziehung zu Gott und Jesus Christus. Da bin ich ganz persönlich gefragt. Da kann kein anderer mich vertreten. Das kann kein anderer für mich entscheiden. Der Glaube ist eine ganz persönliche Sache. Und doch braucht der Glaube immer auch die Gemeinschaft mit anderen. Eine Gemeinschaft, die sich nicht decken muss mit der natürlichen Verwandtschaft – und die doch vergleichbar ist mit dem, was wir in der Familie erleben. Dass wir füreinander da sind; dass wir einander wahrnehmen; uns mit Liebe begegnen und hören und sehen, was der andere – die andere – braucht: An Trost, an Ermutigung, an Hilfe – aber auch an Korrektur. Dazu stellt er uns zusammen. Unterm Kreuz stiftet Jesus Gemeinschaft. Wir alle brauchen ihn – und wir brauchen einander, um uns im Glauben an ihn zu trösten, zu stärken und zu ermutigen. Gut, dass wir einander haben. Gut, dass wir ihn haben.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 9. April 2020

    In der Karwoche möchte ich mit Ihnen über einige Stationen auf dem Weg ins Leiden von Jesus nachdenken, Begegnungen und Gespräche, die uns in den Evangelien berichtet werden. Heute: das Verhör durch den römischen Statthalter Pontius Pilatus. Berichtet wird es uns im Johannesevange­lium, Kapitel 18 von Vers 28 an.

    28 Da führten sie Jesus von Kaiphas zum Prätorium; es war früh am Morgen. Und sie gingen nicht hinein, damit sie nicht unrein würden, sondern das Passamahl essen könnten. 29 Da kam Pilatus zu ihnen heraus und fragte: Was für eine Klage bringt ihr gegen diesen Menschen vor? 30 Sie antworteten und sprachen zu ihm: Wäre dieser nicht ein Übeltäter, wir hätten ihn dir nicht überantwortet. 31 Da sprach Pilatus zu ihnen: So nehmt ihr ihn hin und richtet ihn nach eurem Gesetz. Da sprachen die Juden zu ihm: Wir dürfen niemand töten. 32 So sollte das Wort Jesu erfüllt werden, das er gesagt hatte, um anzuzeigen, welchen Todes er sterben würde.

    33 Da ging Pilatus wieder hinein ins Prätorium und rief Jesus und fragte ihn: Bist du der König der Juden? 34 Jesus antwortete: Sagst du das von dir aus oder haben dir’s andere über mich gesagt? 35 Pilatus antwortete: Bin ich ein Jude? Dein Volk und die Hohenpriester haben dich mir überantwortet. Was hast du getan? 36 Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden darum kämpfen, dass ich den Juden nicht überantwortet würde; nun aber ist mein Reich nicht von dieser Welt. 37 Da fragte ihn Pilatus: So bist du dennoch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich die Wahrheit bezeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme. 38 Spricht Pilatus zu ihm: Was ist Wahrheit?

     

    Pilatus ist eine tragische Gestalt. Getrieben von Zwängen und Machtkalkül muss er tun, wovon er eigentlich inhaltlich nicht überzeugt ist – Jesus zum Tod verurteilen. Mit dieser Absicht bringen die religiösen Führer Jesus zu ihm. Die Kernfrage im Verhör, das dann folgt, ist: Bist du der König der Juden? Mit anderen Worten: Hast du politische Ambitionen, möchtest du die Herrschaft im Land umkrempeln? Und Jesus antwortet: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Ja, er ist ein König. Er ist der König, der Gottes ewige Wahrheit zu uns bringt und aufrichtet. Die Wahrheit über Gottes Liebe. Die Wahrheit über unsere Schuld und die Wahrheit über das, was wir wirklich für Zeit und Ewigkeit brauchen: Ihn, den König, dessen Reicht nicht von dieser Welt ist. Der sein Reich am Kreuz aufrichtet, in seinem Leiden und Sterben

    Lassen wir uns doch nicht nur vom Augenscheinlichen bestimmen. Sehen wir doch nicht nur die Machtverhältnisse und die Reiche dieser Welt – auf das was in der Zeitung steht oder in den Nachrichten kommt. Ja, das alles ist real, das alles gibt es. Das alles bestimmt auch ein Stück weit unser Leben.

    Doch das letzte Wort über unserem Leben und über dieser Welt hat der, der hier spricht: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Jesus Christus, der uns Menschen einlädt, ihm zu vertrauen; mit ihm zu leben, heute schon Bürger seines ewigen Reiches zu werden. Der Menschen aufrichtet und ihnen seine Liebe schenkt. Und der Menschen durch sein Leiden und Sterben zu Kindern Gottes macht. Sein Reich ist ein unvergängliches Reich. Sein Reich ist das ewige, wahrhaftige Reich unseres Gottes. Es existiert. Es ist da. Noch sehen wir es nicht. Doch wir können und sollen zu diesem Herrn und König gehören, der mit uns dieses ewige Reich aufrichtet.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 8. April 2020

    Über Stationen auf dem Weg ins Leiden von Jesus möchte ich mit Ihnen in der Karwoche nach­den­ken. Heute über das Verhör vor dem Hohen Rat, dem höchsten religiösen Gremium der damaligen Zeit. Nachlesen können Sie den Bericht im Markusevangelium, Kap 14 ab Vers 53.

    53 Und sie führten Jesus zu dem Hohenpriester; und es versammelten sich alle Hohenpriester und Ältesten und Schriftgelehrten. 54 Petrus aber folgte ihm nach von ferne, bis hinein in den Palast des Hohenpriesters, und saß da bei den Knechten und wärmte sich am Feuer.

    55 Aber die Hohenpriester und der ganze Hohe Rat suchten Zeugnis gegen Jesus, dass sie ihn zu Tode brächten, und fanden nichts. 56 Denn viele gaben falsches Zeugnis ab gegen ihn; aber ihr Zeugnis stimmte nicht überein. 57 Und einige standen auf und gaben falsches Zeugnis ab gegen ihn und sprachen: 58 Wir haben gehört, dass er gesagt hat: Ich will diesen Tempel, der mit Händen gemacht ist, abbrechen und in drei Tagen einen andern bauen, der nicht mit Händen gemacht ist. 59 Aber ihr Zeugnis stimmte auch so nicht überein. 60 Und der Hohepriester stand auf, trat in die Mitte und fragte Jesus und sprach: Antwortest du nichts auf das, was diese gegen dich bezeugen? 61 Er aber schwieg still und antwortete nichts. Da fragte ihn der Hohepriester abermals und sprach zu ihm: Bist du der Christus, der Sohn des Hochgelobten? 62 Jesus aber sprach: Ich bin’s; und ihr werdet sehen den Menschensohn sitzen zur Rechten der Kraft und kommen mit den Wolken des Himmels.

    63 Da zerriss der Hohepriester seine Kleider und sprach: Was bedürfen wir weiterer Zeugen? 64 Ihr habt die Gotteslästerung gehört. Was ist euer Urteil? Sie aber verurteilten ihn alle, dass er des Todes schuldig sei. 65 Da fingen einige an, ihn anzuspeien und sein Angesicht zu verdecken und ihn mit Fäusten zu schlagen und zu ihm zu sagen: Weissage uns! Und die Knechte schlugen ihn ins Angesicht.

     

    Es muss alles seine Ordnung haben – so dachte der Hohepriester. Schnell wurde die Ratsversamm­lung einberufen - ordnungsgemäß. Die Sitzung wurde eröffnet – ordnungsgemäß. Doch dann begannen die Unstimmigkeiten. Parteiische Richter sind am Werk: Die Hohepriester und der ganze Hohe Rat suchten Zeugnis gegen Jesus, dass sie ihn zu Tode brächten berichtet Markus. Und stellt dann fest: und sie fanden nichts. Ordnungsgemäß wurden Zeugen aufgerufen. Doch wieder gingen die Unstimmigkeiten los: Sie lügen, geben einen Meineid ab. Doch es hilft nichts, denn die Zeugnisse decken sich nicht. Die Situation wird immer diffuser. Sie befragen Jesus zu den Vorwürfen – doch der schweigt. Schließlich wird der Hohepriester ungeduldig und fragt Jesus ganz direkt: Bist du der Christus, der Sohn des Hochgelobten? (Markus 14,61).   

    In der Mitte des Markusevangeliums – am nördlichen Umkehrpunkt ihrer Reise durch Israel – war es Petrus, der von Jesus bekannte: Du bist der Christus! (Markus 8,29). Damals gebot Jesus ihm und den Jüngern, dass sie niemandem das verraten sollten.

    Jetzt aber ist es Jesus selbst, der es von sich bekennt: Ich bin’s; und er setzt hinzu: ihr werdet sehen den Menschensohn sitzen zur Rechten der Kraft und kommen mit den Wolken des Himmels. Der Christus, der Messias, der Gesalbte – das ist der König. Der König aller Könige. Doch er richtet sein Reich nicht mit Gewalt und menschlicher Stärke auf, sondern am Kreuz. Indem er sich für uns hingibt. Indem er sein Leben lässt. So tritt Christus seine Herrschaft an. Als König, der mit Dornen gekrönt ist. Als König, der alle menschlichen Machtverhältnisse umkehrt. Einmal wird er wiederkommen in Macht und Herrlichkeit. Wann? Es kann heute sein, es kann morgen sein. Wir wissen es nicht. Doch er wird kommen. Und deshalb gilt, was der frühere Bundespräsident Gustav Heinemann sagte: «Lasst uns der Welt antworten, wenn sie uns furchtsam machen will: Eure Herren vergehen, unser Herr kommt!«

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 7. April 2020

    Über einige Stationen auf dem Leidensweg von Jesus möchte ich in der Karwoche mit Ihnen nachdenken. Heute über die Gefangennahme von Jesus im Garten Getsemane – nachzulesen in Lukas 22 ab Vers 47:

    47 Als er aber noch redete, siehe, da kam eine Schar; und einer von den Zwölfen, der mit dem Namen Judas, ging vor ihnen her und nahte sich zu Jesus, um ihn zu küssen. 48 Jesus aber sprach zu ihm: Judas, verrätst du den Menschensohn mit einem Kuss? 49 Als aber, die um ihn waren, sahen, was geschehen würde, sprachen sie: Herr, sollen wir mit dem Schwert dreinschlagen? 50 Und einer von ihnen schlug nach dem Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm sein rechtes Ohr ab. 51 Da sprach Jesus: Lasst ab! Nicht weiter! Und er rührte sein Ohr an und heilte ihn.

    52 Jesus aber sprach zu den Hohenpriestern und Hauptleuten des Tempels und den Ältesten, die zu ihm hergekommen waren: Ihr seid wie gegen einen Räuber mit Schwertern und mit Stangen ausgezogen. 53 Ich bin täglich bei euch im Tempel gewesen und ihr habt nicht Hand an mich gelegt. Aber dies ist eure Stunde und die Macht der Finsternis.

     

    Jesus erlebt Niedertracht in ihrer wohl schlimmsten Spielart. Von einem aus seinem engsten Kreis wird er verraten. Verraten mit einem Kuss. Schlimmer geht es wohl nicht. Mit Schwerter und Stangen sind sie gegen ihn ausgezogen bei Nacht. Dabei war Jesus doch jeden Tag bei ihnen im Tempel. Doch dort haben sie es nicht gewagt, Hand an ihn zu legen. Jetzt bei Nacht kommen sie mit ihrer niederträchtigen Übermacht. Jesus stellt ihnen gegenüber fest: »Dies ist eure Stunde und die Macht der Finsternis.«

    Jesus weiß um all das, doch er weicht nicht aus. Er hätte sich längst in Sicherheit bringen können. Er hätte mit einem Heer von Engeln sich den Angreifern entgegenstellen können. Doch auf all das verzichtet er – um unseretwillen. Einer der Jünger – nach dem Johannesevangelium war es Petrus – hält es nicht mehr aus. Er greift nach dem Schwert und schlägt zu. Er trifft einen Knecht am Ohr und trennt es ihm ab. Doch Jesus greift ein, greift heilend ein und macht den Verletzten wieder gesund. Er hilft dem, der leidet – und ist bereit, für uns ins Leiden zu gehen.

    Er geht für uns ins Leiden und ins Sterben. Denn er will uns nicht verloren geben. Er liebt uns. Wir brauchen ihn, den Retter, der am Kreuz für uns stirbt. Weil wir Vergebung brauchen – Versöhnung mit Gott. Das Kreuz von Jesus – das ist Gottes großes Versöhnungszeichen: Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selbst und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. (2 Kor 5,19) So lesen wir es bei Paulus. So meint es Gott mit uns – und darum geht Jesus diesen schweren Weg. Und ich bin sicher: Er lässt auch uns auf unseren schweren Wegen nicht allein.   

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • add Andacht für den 6. April 2020

    In der Karwoche möchte ich mit Ihnen über einige Stationen auf dem Leidensweg Jesu nachdenken. Heute über das Gebet von Jesus im Garten Getsemane – nachzulesen im Markusevangelium, Kapitel 14 ab V. 32.

    32 Und sie kamen zu einem Garten mit Namen Gethsemane. Und er sprach zu seinen Jüngern: Setzt euch hierher, bis ich gebetet habe. 33 Und er nahm mit sich Petrus und Jakobus und Johannes und fing an zu zittern und zu zagen 34 und sprach zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis an den Tod; bleibt hier und wachet!
    35 Und er ging ein wenig weiter, warf sich auf die Erde und betete, dass, wenn es möglich wäre, die Stunde an ihm vorüberginge, 36 und sprach: Abba, mein Vater, alles ist dir möglich; nimm diesen Kelch von mir; doch nicht, was ich will, sondern was du willst! 37 Und er kam und fand sie schlafend und sprach zu Petrus: Simon, schläfst du? Vermochtest du nicht, eine Stunde zu wachen? 38 Wachet und betet, dass ihr nicht in Versuchung fallt! Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach.
    39 Und er ging wieder hin und betete und sprach dieselben Worte 40 und kam zurück und fand sie abermals schlafend; denn ihre Augen waren voller Schlaf, und sie wussten nicht, was sie ihm antworten sollten. 41 Und er kam zum dritten Mal und sprach zu ihnen: Ach, wollt ihr weiter schlafen und ruhen? Es ist genug; die Stunde ist gekommen. Siehe, der Menschensohn wird überantwortet in die Hände der Sünder. 42 Steht auf, lasst uns gehen! Siehe, der mich verrät, ist nahe.

    Dort erleben wir, wie die Einsamkeit um Jesus Kreise zieht. Aus der Gemeinschaft im Abendmahlssaal geht Jesus mit den Jüngern durchs Kidrontal zu diesem stillen Garten am Fuß des Ölbergs. Er nimmt – wie schon auf dem Berg der Verklärung – nur drei Jünger mit: Petrus, Jakobus und Johannes. Die übrigen bittet er zu warten, bis er gebetet hat. Diese drei aber lässt er wissen, was in ihm vorgeht: Meine Seele ist betrübt bis an den Tod. Und dann spricht er eine einfache Bitte aus: Bleibt hier und wacht! Wachet und betet mit mir! Er geht noch ein paar Schritte weiter – und betet allein. Ganz allein mit seiner Not, mit seiner Angst: Abba, mein Vater, alles ist dir möglich; nimm diesen Kelch von mir; doch nicht, was ich will, sondern was du willst! Dann kehrt er zu den drei Jüngern zurück – und findet sie – nein, nicht betend, sondern schlafend. Er weckt sie auf, fordert sie erneut auf: Wacht und betet! Es geht auch um euch. Dass ihr nicht in Versuchung fallt! Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Ihr schafft es nicht allein, nur mit der Hilfe des Vaters im Himmel. Hängt euch an ihn. Noch zweimal wird Jesus ein paar Schritte sich entfernen, um in der Einsamkeit seine Not und sein Schicksal dem Vater hinzulegen. Und noch zweimal wird er zurückkommen und die Jünger schlafend finden.

    Einsamkeit ist für viele in diesen Tagen ein Thema. Sie sollen wissen: Jesus weiß um unsere Einsamkeit. Und er versteht, wie schwer das ist. Seine Einsamkeit ging noch viel tiefer. Er lässt uns nicht allein. Und für alle, die müde geworden sind im Glauben gilt: Jesus lässt uns nicht schlafen. Er überlässt uns nicht uns selbst. Er weckt uns immer wieder auf. Er macht Mut. Die Ohnmacht und Schläfrigkeit der Jünger zeigt mir: Wir können und müssen nichts zu unserem Heil beitragen. Das hat allein Jesus für uns getan. Und wenn uns die Kraft ausgeht – dann ringt er dennoch für uns. Und wenn wir versagen – dann hält er uns dennoch fest. Darauf dürfen wir vertrauen.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 30.03. bis 05.04.

  • add Andacht für den Palmsonntag, 5. April 2020

    Ich grüße Sie mit dem Wochenspruch für die Karwoche, die heute beginnt aus dem Johannesevangelium. Jesus sagt in Johannes 3 von sich selbst: Der Menschensohn muss erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben. (Johannes 3,14b-15)

    Verzweifelte Rufe im Lager der Israeliten. Plötzlich sind feurige Schlangen da, tödliche Schlangen. Viele schon sind der Plage zum Opfer gefallen. Die Menschen erkennen ihre Schuld, laufen zu ihrem Anführer Mose und bitten ihn um Fürbitte bei Gott. Gott möge doch die Schlangen wegnehmen. Mose bittet. Doch als Antwort bekommt er den Auftrag: Richte eine Schlange aus Metall an einer hohen Stange auf. Wer gebissen ist und sieht sie an, der soll leben. Es klingt paradox. Die, die vom Tod bedroht sind, sollen auf das Symbol des Todes sehen – um gerettet zu werden. Doch so will es Gott. So macht er durch alles menschliche Planen und alle menschliche Weisheit einen Strich.

    Jesus sieht sich selbst genau in dieser Linie von Gottes Handeln. Von Anfang spricht er davon, dass er leiden wird und sterben muss. Wenn er im Johannesevangelium von »Erhöhung« spricht, dann ist das doppeldeutig: Zum einen ist die Erhöhung in den Himmel gemeint, dorthin, wo Jesus herkommt und wo er hingehört. Zum andern aber ist von dem Kreuz die Rede, das auf dem Hügel Golgatha aufgerichtet wurde. So will Gott retten – das zeigt er schon im Alten Bund. So und nicht anders. Dass wir Jesus, den Gekreuzigten anschauen, und ihm vertrauen – und es glauben, dass dieses Leiden auch uns mit einschließt. Dass er unsere Schuld dort trägt, unsere Strafe dort erduldet. So sehr hat Gott die Welt geliebt, wird es dann nur zwei Verse weiter heißen. So rettet Gott – durch den Gekreuzigten. Seine Rettungsbotschaft ist das »Wort vom Kreuz«, vielen ein Ärgernis und eine Torheit – aber denen, die glauben, ist es eine Kraft Gottes, die rettet in Ewigkeit. Schauen wir auf ihn. Halten wir an ihm fest – dem Gekreuzigten. Er ist auch unsere Rettung.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 4. April 2020

    Ich grüße Sie mit dem neutestamentlichen Lehrtext für den 4.April aus dem Römerbrief. Paulus schreibt dort: Gottes unsichtbares Wesen – das ist seine ewige Kraft und Gottheit – wird seit der Schöpfung der Welt, wenn man es wahrnimmt, ersehen an seinen Werken. Römer 1,20

    Der Tübinger Theologieprofessor Adolf Schlatter wuchs Ende des 19. Jahrhunderts in Basel in der Schweiz auf. Zu seinen Kindheits- und Jugenderinnerungen, die mir wiederum in Erinnerung blieben, gehörte, dass sein Vater zwei teure Apparate gekauft hatte, die auch die Kinder benutzen durften: Es war ein Mikroskop und ein Teleskop, ein Fernrohr. Der Wunsch des Vaters war, dass die Kinder über Gottes Schöpfung staunen lernten. Dass sie genau hinschauen lernen: im ganz Kleinen durch das Mikroskop – und im ganz Großen – in den Planeten und Sternen, die sie durchs Fernrohr sahen. Egal, wohin wir schauen – eine wunderbare Ordnung. Naturkon­stanten, die im ganzen Universum immer gleich sind – und ohne die das Universum nicht funktio­nieren könnte. Freilich, es gibt Menschen, die angesichts all dessen an Zufall glauben. Das wusste schon Paulus. Dass man Gottes Weisheit, Gottes Planen, Gottes ewige Kraft und Gottheit hinter all dem übersehen kann. Denn Gott ist unsichtbar. Doch ich möchte es – gerade auch wenn jetzt draußen die Natur wieder erwacht, lieber mit dem Liederdichter Paul Gerhardt halten, der in seinem Lied »Die güldne Sonne« in der zweiten Strophe singt: »Mein Auge schauet, was Gott gebauet / zu seinen Ehren / und zu lehren, / wie sein Vermögen sei mächtig und groß / und wo die Frommen / dann sollen hinkommen, / wann sie mit Frieden / von hinnen geschieden / aus dieser Erde vergänglichem Schoß.« Ja, wir dürfen Kinder dieses großen Gottes sein. Er hält uns in seiner Hand und er lässt uns nicht los.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 3. April 2020

    Ich grüße Sie mit dem alttestamentlichen Losungswort für den 3. April aus dem 89. Psalm: Wohl dem Volk, das jauchzen kann! HERR, sie werden im Licht deines Antlitzes wandeln. (Psalm 89,16)

    Die Psalmen sind uralte Lieder des Glaubens. Durch 3.000 Jahre hindurch haben Menschen sich in ihren Worten wiedergefunden und sie zu ihren eigenen gemacht. Sie haben die Psalmen nachgebetet. Mögen sich die Zeiten und die Umstände immer wieder ändern – Gott verändert sich nicht. Und von diesem ewigen, souveränen und treuen Gott erzählt auch der Psalm 89. Er beginnt mit den Worten: ich will singen von der Gnade des HERRN täglich und seine Treue verkünden mit meinem Munde für und für. Von Gott will er reden, von Gottes Treue, von Gottes Gnade. Denn das ist ein Fundament für unser Leben, das bleibt. Egal, wie die Umstände sind. Egal, welchen Namen die Krise trägt. Egal, was Menschen sich zutrauen oder wo sie verzweifeln. Mit Gott können und dürfen wir rechnen – auch und gerade jetzt. Jetzt, wo so vieles unsicher geworden ist; wo manche bange in die Zukunft schauen – wohlgemerkt in die Zukunft, die Menschen gestalten. Der Psalmist schaut in unserem Losungsvers auch in die Zukunft. In die Zukunft, die Gott für seine Menschen gestaltet: HERR, sie werden im Licht deines Antlitzes wandeln. Da, bei Gott, da ist es hell. Und wer mit ihm lebt und ihm vertraut, der lebt im Licht. Gnade und Treue finden wir dort. Etwas Verlässliches. Etwas, was nicht unsicher ist. Etwas, was hält, worauf wir uns felsenfest verlassen können. Gott lässt uns nicht los. Gott verlässt uns nicht. Gott bleibt da – auch und gerade in schweren Zeiten, in einsamen Zeiten. Und mit ihm an unserer Seite können wir jauchzen, können ihn loben. »Danken schützt vor Wanken und Loben zieht nach oben« sagte man schon früher. Und das können auch wir tun. Wir haben nicht nur die Nachrichten im Fernsehen. Wir haben eine Bibel voller Berichte von den großen Taten Gottes. Er ist auch für uns da. Auch wir dürfen zu den Menschen gehören, denen gilt: Wohl dem Volk, das jauchzen kann! HERR, sie werden im Licht deines Antlitzes wandeln.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 2. April 2020

    Ich grüße Sie mit dem Wort des neutestamentlichen Lehrtextes für den 2. April aus dem Lukasevangelium: Simeon nahm das Kind Jesus auf seine Arme und lobte Gott und sprach: Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen. (Lukas 2,28-30)

    »Meine Augen haben deinen Heiland gesehen« Da ist eine ganz tiefe Sehnsucht gestillt bei diesem alten Simeon. Er hat erlebt, wonach auch wir uns sehnen: Dass Gottes Versprechen sichtbar und spürbar in Erfüllung geht. Oft hat der Glaube nicht mehr als Gottes Zusage, an die er sich halten kann. Im Hebräerbrief wird, was Glaube ist, so definiert: Es ist der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. Simeon hat erlebt: Aus dem Glauben wird Schauen. »Meine Augen haben deinen Heiland gesehen.« Doch auch wir können in die Freude und das Lob Gottes bei diesem Simeon einstimmen. Denn er redet von Jesus. In Jesus Christus – da wird Gottes Liebe konkret. In Jesus, da bekommt seine Zuwendung, seine Gnade im wahrsten Sinne des Wortes »Hand und Fuß«. Gott kann man tatsächlich sehen. Denn Gott ist Mensch geworden – in Jesus Christus. Er hat unter uns gelebt, geredet, gehandelt, gewirkt. Jesus – das ist Gott in Person. Da sehe ich sein Gesicht. Deshalb können wir von Jesus gar nie groß genug denken. Und auch von dem, was er für uns tat, können wir nicht groß genug denken: Dass er für uns ins Leiden geht, für uns stirbt und für uns am Ostermorgen den Tod überwindet. Ja, es gilt auch uns, was er seinen Jüngern zusprach: Ich lebe und ihr sollt auch leben. Wir werden es einmal wie Simeon voller Freude und Staunen erleben: Es hat alles gestimmt, was er gesagt hat! Schon heute gilt uns, wenn wir auf Jesus sehen: »Meine Augen haben deinen Heiland gesehen.«

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 1. April 2020

    Ich grüße Sie mit dem Losungswort für den 1. April aus Jesaja 65: Ich will mich freuen über mein Volk. Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens. (Jesaja 65,19).

    »Was hat Gott vor?« so – oder ähnlich – fragen Menschen immer wieder bange, wenn sie etwas erleben, was nicht vorhersehbar war und was sie in seiner Wirkung nicht einordnen können. Vielen geht es auch mit dieser Epidemie so. »Warum lässt Gott das zu?« Und wer jetzt meint, in der Bibel schnell eine eindeutige Antwort in die eine oder andere Richtung zu finden – der hat sie wohl nicht ganz gelesen. Ich glaube: Auf die Frage nach einem tieferen Sinn von Katastrophen und Leid – so gern wir das hätten – gibt es keine schnelle und leichte Antwort. Wir können Gott nicht begreifen. Wir können Gottes Handeln – oder Gottes Zulassen – nicht erklären. Und das tut weh. Das schmerzt, das verunsichert.

    Was wir aber können, das ist, zu hören, was Gott vorhat. Wo er am Ende hin will – genau wie wir es im Losungswort lesen: Gott ist auf Gemeinschaft aus – mit seinem Volk Israel. Ja, mit diesem Volk, dem durch die Jahrhunderte vor und nach Christus so übel mitgespielt wurde – bis hin zu dem grausamsten aller Vernichtungsversuche im sogenannten Dritten Reich. Gott sagt: Ich will mich freuen über mein Volk. »Ich will dem Kummer ein Ende machen; ich will die Tränen trocken.« Und wir? Gilt das auch uns? Ja, es gilt auch uns. Was Gott vorhat, das hat er uns in Jesus, seinem Sohn gezeigt. Da, in Jesus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen, da sehen wir, was Gott vorhat, wo er am Ende mit uns hinwill. In Jesus Christus gehören auch wir alle, die an ihn glauben, zu diesem großen Volk Gottes. Das Ende der Offenbarung hat viele Parallelen zum Schluss des Jesajabuches. Der Vater Jesu Christi ist kein anderer als der Gott, der durch alles Wirren hindurch sein Bundesvolk des Alten und des Neuen Bundes zu seinem Ziel, zu seiner ewigen Heimat führt. Das hat Gott vor. Auch mit uns!

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 31. März 2020

    Auch heute grüße ich Sie mit dem neutestamentlichen Lehrtext. Diesmal ist es ein Vers aus dem Epheserbrief, Kapitel 2. Passend zum letzten Tag des Monats ist es der letzte Vers dieses Kapitels: Durch Jesus Christus werdet auch ihr miterbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist. (Epheser 2,22).

    »Gott baut sein Haus« davon ist der Apostel Paulus überzeugt. Gott baut sein Haus nicht nur oben im Himmel – da hat er es längst, sondern hier auf der Erde. Die Menschen im Alten Bund, im Alten Testament hatten das schon erfahren. Der Tempel in Jerusalem war so etwas wie Gottes Haus auf Erden. Eindrücklich wird in der Bibel beschrieben, wie der erste und der zweite Tempel erbaut wurden. Doch nun sollen es alle Menschen erfahren. Auch die, die bisher nicht in den Tempel durften. Gott ist für alle da. Gott will alle Menschen. Gott will bei allen – ja, in allen – wohnen. Deshalb hat Gott noch einmal ein »Bauprojekt« begonnen. Durch Jesus Christus, seinen Sohn baut Gott sein Haus – mitten auf dieser alten, leidgeplagten Erde. Jesus Christus ist der Grund-, der Eckstein und der Schlussstein dieses Hauses. Es ist erbaut aus lebendigen Steinen. Und wir sollen und dürfen dazugehören. Alle, die an Jesus Christus glauben, werden Teil dieser neuen Wohnung Gottes. Und belebt wird das Ganze durch Gottes guten Heiligen Geist, der in jedem wirkt, der glaubt. Wer an Gott glaubt, der darf sicher sein: diesen Glauben, den hat Gottes Heiliger Geist in mir bewirkt. Das ist mehr als ein Gefühl oder mein Entschluss. Da wirkt Gottes Geist.

    Gottes Haus – das ist nicht das Kirchengebäude. Und sei es noch so schön und noch so frisch renoviert. Wenn wir uns – nach dieser Krise – wieder darin zum Gottesdienst versammeln, dann lasst uns nicht vergessen: Gottes Haus – das sind nicht Steine, Glas und Holz – sondern das sind wir, wir Christen, mit denen Gott sein Haus baut. Auch heute. Auch in der Corona-Krise. Das Haus Gottes wächst und wird gebaut. Da herrscht kein Stillstand. Und wir – wir sind Teil dieses großartigen Bauprojekts Gottes.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 30. März 2020

    Ich grüße Sie mit dem neutestamentlichen Lehrtext für den 30. März 2020 aus Johannes 6,37. Jesus sagt dort: »Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.«

    Die Menschen waren begeistert, hatten ihn bejubelt und wollten Jesus zu ihrem König machen. Damals, als er 5.000 auf einmal satt gemacht hat – fast aus dem Nichts, nur mit 5 Broten und 2 Fischen. »So einen kann man brauchen!«

    Aber dann kippte die Stimmung – als Jesus eine Predigt hielt. Er machte allen deutlich: »Brot und Spiele« reichen nicht aus. Das ist ihm zu wenig. Jesus möchte und gibt mehr: »Ich bin das Brot des Lebens.« Im Grund wissen wir es alle: Auf Dauer reicht Brot wirklich nicht zum Leben. Doch nun erhebt Jesus einen ungeheuren Anspruch: »Auf Dauer reiche nur ich!« Jesus allein gibt wahres und bleibendes Leben. Und dann sagt Jesus im Lehrtext, wie wir dieses Leben bekommen: »Wer zu mir kommt…« Brot macht nicht satt, wenn es im Schaufenster bestaunt wird. Jesus nützt nichts, wenn man ihn von ferne und distanziert für einen guten Menschen hält. Jesus ruft penetrant und unausgesetzt zum Glauben an ihn und zur Nachfolge: »Wer zu mir kommt…« Damals hat er sich weithin die Sympathie der Leute verscherzt. Und dennoch gilt sein Ruf bis heute.

    Wer der Einladung folgt, wer zu ihm kommt, macht die wunderbare Erfahrung: Wer zu Jesus kommt, wird nicht abgewiesen. Da gibt es keine Vorbedingungen und Voraussetzungen, keinerlei Zugangsbeschränkung. Wer zu ihm kommt, wird aufgenommen, wird angenommen – darf bleiben in Ewigkeit. Diese gute Erfahrung wünsche ich Ihnen und uns allen immer wieder.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 23.03. bis 29.03.

  • add Andacht für den 27. März 2020

    Ich grüße Sie mit einem Vers aus dem 1. Petrusbrief, einer großartigen Einladung, die uns gerade jetzt in diesen ernsten Zeiten gilt: Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch! (1 Petrus 5,7)

    Wie gut, dass es diesen Einen gibt, von dem Petrus schreibt. Dieser Eine, der sich für unsere Sorgen zuständig erklärt. Es ist der Gott, von dem dieser Apostel kurz zuvor schreibt: Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. Ein Gott, den wir nicht damit beeindrucken müssen und können, was wir alles zustande bringen, was wir alles schaffen, was wir alles gut machen. Sondern der genau darum weiß, wie begrenzt unsere Möglichkeiten doch sind – sowohl in unserem persönlichen Leben und unserem persönlichen Umfeld, wie auch im Großen einer Volksgemeinschaft, einer Gesellschaft, einer Zivilisation. Zu den persönlichen Sorgen sind nun ganz überraschend für uns alle ganz andere Sorgen getreten: Corona-Sorgen. Die Sorgen um die Gesundheit, die Sorgen um das Gesundheitssystem, die Sorgen um die Menschen, die krank sind, um die Schwerstkranken – wegen Überlastung der Intensivstationen – in vielen Ländern dieser Welt nicht mehr geholfen werden kann. Die Sorge um die Versorgung, um die Wirtschaft, um die persönlichen Finanzen. Die Botschaft dieses Verses ist: Wir sind mit all diesen Sorgen und Herausforderungen nicht allein gelassen. Gott ist da. Gott, der sich zuständig erklärt. Gott unser Schöpfer, der uns liebt; der in Jesus für uns Mensch geworden ist – ja, der selbst für uns gestorben ist. Dieser Gott ist zuständig. Bei diesem Gott sind wir mit unseren Sorgen – den persönlichen und den weltweiten – gut aufgehoben. Ich lade Sie ein, dieser Empfehlung zu folgen. Sie können das den ganzen Tag über tun: Beten für sich und für andere. Vergessen Sie in Ihrem Gebet bitt nicht die Menschen, die den Kopf an den Ladenkassen und im Transportwesen, im Hintergrund für uns alle hinhalten – neben all denen, die im medizinischen Bereich für uns sich dem Risiko aussetzen, selbst zu erkranken, nur um anderen zu helfen. Heute werden um 19:30 Uhr wieder die Glocken läuten – und zu Andacht und Gebet zuhause einladen. Sagen Sie’s weiter, sagen Sie auch weiter von dem, auf den wir alle unsere Sorgen werfen können, denn er sorgt für uns.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 26. März 2020

    Ich grüße Sie mit dem Bibelwort der Losung der Herrnhuter Brüdergemeinde für den 26. März 2020. Es ist heute kein Zuspruch, auch kein Bekenntnis voller Zuversicht, sondern aus einem Bußpsalm. Es ist ein sehr persönliches Bekenntnis dieses Psalmbeters: Ich bekenne meine Schuld, bekümmert bin ich meiner Sünde wegen. (Psalm 38,19)

    Welch hohes Gut unsere Gesundheit darstellt, das wird uns in diesen Tagen bewusst. Auch in der Bibel wird der Wert der körperlichen Gesundheit betont: Die Evangelien berichten davon, wie Jesus die Not der Krankheit von Menschen auf wunderbare Weise beendet hat, wie er sie gesund gemacht hat. Doch neben der körperlichen Gesundheit ist ihm die seelische, die geistliche Gesundheit mindestens genau so wichtig: Dass Menschen Vergebung ihrer Schuld erfahren. Dem Gelähmten, den die Freunde durch das Dach ihm vor die Füße legen spricht er zuerst zu: »Dir sind deine Sünden vergeben!« Und dann sagt er: »Steh auf, nimm dein Bett und geh heim!« Dass Menschen an Seele und Leib geheilt werden – das ist das, was Jesus Christus will und tut. Der Satz »Hauptsache gesund!« stimmt also nur insoweit, dass wir in die »Gesundheit« auch die seelische, geistliche Gesundheit mit einbeziehen: Dass unser Verhältnis zu Gott in Ordnung kommt. Dass uns nichts auf der Seele lastet – an Schuld und Versagen. Das Schuldbekenntnis des Psalmbeters David ist eine Flucht, eine Fluchttür, die er aufstößt – hin zu Gott, hin in die Freiheit: »Wenn einer mir helfen kann, mir die Last meiner Vergangenheit abzunehmen, mein Versagen, auch mein Versagen Gott gegenüber – dann ist es er, unser Gott, selbst.« Verdrängen hilft im Umgang mit Schuld und Sünde, mit meinem Versagen in der Vergangenheit nicht, kleinreden hilft nicht, sich rausreden und auf andere schieben, all das hilft nicht – auch nicht der Verweis: Das machen doch alle. Jesus lädt uns ein: Kommt her zu mir, alle die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken – man kann auch sagen: »entlasten«. Hören wir auf die Worte Johannes des Täufers, der auf Jesus Christus zeigt uns sagt: »Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt.« - Gott wartet mit offenen Armen auf uns; egal, was schief gelaufen ist, egal, was wir falsch gemacht haben. »Buße tun heißt: Umkehren in die offenen Arme Gottes – dazu gehört, dass wir unsere Sünden herzlich erkennen, bekennen, bereuen, hassen und lassen. An guten wie an bösen Tagen dürfen wir als Kinder Gottes zu ihm kommen.« Diese Erfahrung der offenen Tür, der Vergebung und Entlastung durch Jesus Christus wünsche ich Ihnen von Herzen immer wieder neu.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 23. März 2020