Tägliche Kurzbotschaft

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Woche vom 11.01. bis 17.01.

  • add Andacht für Samstag, 16. Januar 2021

    Der HERR behütet dich; der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand, dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts.                                                                        Psalm 121,5-6

    Unser Leben, unsere Welt ist voller Spannungsbögen: Tag und Nacht – Sonne und Mond spricht dieser Vers an. Es ließen sich noch viele andere ergänzen: Himmel und Erde, Sommer und Winter, Frost und Hitze, Licht und Finsternis. Unser Leben ist nicht einfach. Und das ist gut so, dass nicht alles in »ein Fach« passt, sondern das macht unser Leben spannend, dass wir mitten in diesen Spannungs­bögen leben: Saat und Ernte, Arbeit und Ruhe, Mann und Frau, Jung und Alt.

    Wie eine gute mechanische Uhr nur läuft, wenn die Feder gespannt ist, so braucht auch unser Leben diese Spannungsbögen, in die wir hineingestellt sind. Leben ist etwas Dynamisches, nichts Statisches. Aber über allem steht Gott, der uns behütet. Egal, wo in diesen vielen Spannungsfeldern wir uns gerade befinden: Er ist da. Er passt auf uns auf. Er sorgt für uns: Wie ein Hut. Wie ein Schirm. Wie ein Dach über dem Kopf. Er verlässt uns nicht – wie ein Schatten begleitet er uns. Mit ihm dürfen und können wir immer rechnen.

    »Wer mit Gott liebt, kennt auch Schwierigkeiten. Doch das steht fest: in keiner Schwierigkeit lässt er uns allein!« Das gilt. Darauf dürfen wir uns verlassen. Er hält, er trägt. Er bleibt. Und wir brauchen es, dass wir das immer wieder gesagt bekommen – damit wir es nicht vergessen. Was für ein Gott! Was für eine Nähe! Was für eine Geborgenheit!

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Freitag, 15. Januar 2021

    Die Frau nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon und er aß.

    1. Mose 3,6

    Das ist das Fatale an der Sünde und an der Verführung zur Sünde: Dass wir uns – und unserem Urteilsvermögen, unserer Beobachtung – mehr trauen als Gottes gutem Wort. Gottes Gebot war klipp und klar: Alle Früchte sind erlaubt – aber diese Frucht sollt ihr nicht essen. Und woran orientieren sich die Menschen? Nicht am Gebot Gottes, sondern am Wort der Schlange, das diesem Geschehen vorausgeht. Und der Mann? Er orientiert sich an dem, was die Frau tut und ihm sagt und rät.

    Glauben wir ja nicht, dass wir heute davor gefeit wären, es genauso zu machen. Wie oft orientieren wir uns lieber an dem, was die andern tun – und was uns der Zeitgeist ins Ohr flüstert – als an den klaren Worten Gottes. »Nicht die Sätze in der Bibel machen mir zu schaffen, die ich nicht verstehe, sondern die ich verstehe« hat Mark Twain einmal ganz ehrlich gesagt. Was zählt bei uns? Worauf hören wir? Woran orientieren wir uns? An Gott und seinem Wort – oder doch an dem, was die andern tun und uns sagen?

    »Welcher falsche Ton wird richtig, dadurch dass ihn jeder pfeift?« hat Manfred Siebald in einem Lied gefragt: »Und welcher saure Apfel wird süß, dadurch, dass jeder nach ihm greift?« Wo es um richtig oder falsch geht, da kommt die Demokratie an ihre Grenzen. Denn daran kann auch die Mehrheits­meinung nichts ändern. »Ich fürchte fast, dass es nicht wichtig ist, ob uns das passt, was bei Gott richtig ist, und ob mit uns noch viele andre lieber tun, was ihm missfällt – ich glaub‘ nicht, dass die Menge zählt.« Nein, viel wichtiger als unsere Meinungen und unsere Einschätzung ist das, was Gott uns zu sagen hat. Hören wir lieber darauf und bleiben wir dabei.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Donnerstag, 14. Januar 2021:

    Lasst uns mit Danken vor sein Angesicht kommen und mit Psalmen ihm jauchzen! Denn der HERR ist ein großer Gott.                                                    Psalm 95,2-3

    Wo schauen wir hin? Es gibt das sprichwörtliche Kaninchen, das auf die Schlange starrt und dabei erstarrt. Weil es keinen Ausweg mehr gibt. Weil es nicht mehr weiter weiß. Weil nun alles zu Ende geht. Wo schauen wir hin – in diesen Tagen: Es gibt so Vieles, was uns verunsichern kann: Angriffe auf die Demokratie in den Vereinigten Staaten. Eine Pandemie, die trotz so vieler Bemühungen doch nicht so einfach in den Griff zu bekommen ist. Impfungen, die viel zu langsam gehen. Wo schauen wir hin? Auf Menschen, auf unsere Möglichkeiten oder Unmöglichkeiten?

    Wenn dem so ist, dann lädt uns unsere Losung zu einem radikalen Blickwechsel ein. Weg von uns – hin zu Gott. Hin zur Anbetung. Hin zum Schweigen und Staunen vor ihm. Hin zum Jauchzen, zum Singen, zum Loben und zum Danken. Denn der HERR ist ein großer Gott… und ein großer König über alle Götter geht es dann weiter. Moment mal: Gott ist doch der einzige Gott – es gibt doch gar keine Götter. Wie kann er dann ein großer König über alle Götter sein? Wenn’s doch gar keine gibt? Antwort: Im Himmel und auf der Erde gibt es keine anderen Götter. Aber oft genug in unseren Köpfen und noch schlimmer: in unseren Herzen. »Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott« soll Martin Luther gesagt haben. Was dich in Beschlag nimmt, was dich nicht loslässt – das ist dein Gott. So möchte ich ergänzen. Mach es dir klar: Es gibt nichts und niemanden, der größer ist als der lebendige Gott. Nichts und niemanden, der wichtiger ist, der stärker ist, der liebevoller ist und der es besser mit dir meint als der lebendige Gott. Darum: Wende dich ihm ganz zu. Täglich. Übe täglich diesen Blickwechsel, bete ihn an. Und dann erlebe: Diese Zeit mit ihm, diese Stille vor ihm, dieses Staunen über ihn – das wird dein Denken und Fühlen verändern. Das lässt auch all das, was dir Angst macht, in einem anderen Licht erscheinen. Nicht die Angst, nicht die Sorge, nicht die Verbissenheit, alles regeln zu müssen, wird mehr im Vordergrund stehen, sondern er, unser Gott, der HERR, der ein großer Gott ist. Der HERR, der für uns ist in Jesus Christus.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 13. Januar 2021

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    immer wieder begegnet uns Gott in der Bibel mit Gefühlen und Regungen, wie wir Menschen sie kennen. Er zeigt sich voller Liebe wie ein Bräutigam zu seiner Braut. Oder wie ein Vater oder eine Mutter zu ihrem Kind. Gott ist aber auch eifersüchtig, wenn er merkt, dass ihn seine Menschen beiseiteschieben und ihn vergessen, wenn sie statt ihm lieber selbst gemachte, tote Dinge hochhalten und dafür ihre Zeit, ihre Energie, ihre Aufmerksamkeit einsetzen. Oder wenn sie nur so tun, als ob sie ihn achten, aber im Grund doch das tun, was ihnen in den Sinn kommt.

     

    So ein Gefühl, wie wir es eben auch kennen, hören wir im heutigen Losungsvers aus dem Propheten Maleachi. „Ein Sohn soll seinen Vater ehren. Bin ich nun Vater, wo ist meine Ehre?, spricht der HERR“ (Maleachi 1,6). Genau so würde auch ein menschlicher Vater mit seinem Sohn sprechen, von dem er den Eindruck hat, dass er ihn nicht respektiert. „Bin ich nun ein Vater, wo ist meine Ehre?“ Gott sagt: ihr behauptet, dass ich euer Vater sei. Und tut so, als ob euch das gefällt. Und ihr behauptet auch, dass ihr Euren Vater achtet. Aber ich habe ganz und gar nicht den Eindruck, dass da so ist. Das ist Schein und nicht Sein.

     

    Wenn sich der große Gott, der unser Denken bei weitem übersteigt, so mit Gefühlen zeigt, dann wird daran deutlich: Er ist lebendig, er ist persönlich – und ihm geht es ganz um die Beziehung zu uns. Er ist kein Automat. Er will auch nicht wie Automat behandelt werden nach dem Motto: ich tue ein paar christliche Dinge, damit der gute Gott zufrieden ist und mich schützt. Nein, er will ernst genommen werden, als Gegenüber, als persönlicher Schöpfer, als Retter, als der, mit dem wir leben und auch durch den Tod gehen können in das Leben bei ihm.

     

    Wie schnell geschieht schon in Ehe und Familie, dass wir nebeneinander her leben. Gar nicht mehr aufmerksam zuhören, was der andere sagt, was ihn oder sie beschäftigt. Da muss gar kein Streit sein, aber die Beziehung ist oberflächlich geworden. Irgendwann nervt das und einer von zweien wird das hoffentlich ansprechen. Manchmal gibt es dann eine ordentliche Auseinandersetzung oder sogar einen Streit. Aber das ist oft besser, als ein Scheinfrieden ohne echtes Miteinander.

     

    So ist Gott auch. Er spricht es an, wenn er den Eindruck hat, dass wir nur neben ihm her leben, ihn gar nicht mehr beachten und achten, ihn als Mitte und Ziel unseres Lebens haben. Wo wir anderes wichtiger nehmen als ihn, achten wir ihn nicht. Übrigens auch da, wo wir unsere Sorgen, unsere Not nicht an ihn abgeben wollen, sondern sie krampfhaft festhalten. Denn, erinnern wir uns an unsere Kindheit, wenn es uns schlecht ging, haben wir das doch zu den Eltern gebracht, weil wir wussten, die können viel mehr als wir. Wo wir hilflos und leer zu ihm kommen, da ehren wir Gott als den, dem wir mehr zutrauen als uns selber. Wie denken Sie darüber?

     

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für Dienstag, 12. Januar 2021

    Ich will die Übriggebliebenen meiner Herde sammeln aus allen Ländern und will sie wiederbringen zu ihren Weideplätzen, dass sie fruchtbar sein sollen und sich mehren.                                Jeremia 23,3

    Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie macht ein furchtbares Wort die Runde, das ich so vorher nicht kannte: »Triage«. Eine entsetzliche Situation: Es sind mehr Patienten, die eine Intensiv­behandlung brauchen als Betten zur Verfügung stehen. Und nun müssen die Ärzte entscheiden, wer behan­delt wird und wer nicht mehr. Es wird aussortiert. Ich wünsche es keinem Arzt, in eine solche Situa­tion zu kommen.

    Doch für uns machen wir so etwas Ähnliches leider immer wieder in unseren Gedanken. Dass wir Menschen abschreiben und für hoffnungslose Fälle erklären. Dass wir sie aufgeben und keine Mühe mehr für sie aufwenden. Dass wir sie aus dem Kreis derer, denen wir Liebe schenken, unbarmherzig ausschließen. Das ist entsetzlich – doch traurige Realität so oft bei uns. Prüfen wir uns bitte sorgfäl­tig, dass wir uns davon nicht mitreißen lassen.

    Schauen wir viel lieber auf unseren Gott, der keinen aufgibt. Der auch dem kleinsten Rest, der noch übrig geblieben ist von seinem Volk Israel, eine neue Chance gibt. Gott gibt keinen auf. Gott will heilen. Gott will zurechtbringen. Gott will fruchtbar machen und mehren. Alle, die zu Gottes Volk gehören, sind gerettete Menschen. Sind Menschen, die Gottes Hilfe, Gottes Zuwendung erlebt haben. Das gilt für den Alten Bund, wo es im ersten Gebot heißt: Ich bin der Herr, der dich aus Ägypten, aus der Knechtschaft befreit habe, du sollst keine anderen Götter neben mir haben. Genau wie im Neuen Bund. Wir alle leben von dem, dass Jesus Christus, Gottes Sohn, sein Blut am Kreuz für uns vergossen hat. Dass er uns die Schuld vergibt. Gott will retten, Gott gibt keinen Menschen auf. Geben wir bitte auch keinen Menschen auf – beten wir weiter treu. Gott kann Wunder tun.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 11. Januar 2021

    Gott, unser Heiland, will, dass alle Menschen gerettet werden und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.                                                                               1. Timotheus 2,3-4

    »Noch dringt Jesu frohe Botschaft durch die dunkle Welt. Noch sind allerorten Boten aufgestellt. Menschen müssen Menschen sagen, dass Gott alle liebt. Dass es einen Weg aus Schuld und Elend gibt.« Gottes Rettungsaktion läuft – seit 2.000 Jahren. Und nach wie vor ist es eine dringende, eine wichtige Aktion. Wichtiger noch als die größte Impfaktion, die es je gab, die wir derzeit weltweit erleben. Gottes Rettungsaktion will verlorene Menschen, die in Schuld und Sünde von Gott getrennt gefangen sind und sich nicht selbst retten und erlösen können, befreien. Dafür ist Jesus gekommen. Dafür hat er unsere Schuld, unsere Sünde auf sich genommen und dafür ist er am Kreuz gestorben. Dafür ist er auferstanden, dass wir ewig leben können. Wir sollen Kinder Gottes werden.

    Aber wir sollen uns nicht damit zufrieden geben, dass wir es sind. Denn: Gott will alle! Unserem Gott geht es immer um’s Ganze. Gott will retten. Gott ist auf der Suche nach Menschen. Und Gott will, dass sie gerettet werden, indem sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Denn das gehört untrennbar zusammen. Ja, es gibt eine absolute, unumstößliche und ewige Wahrheit. Es gibt eine Wahrheit und Klarheit über Gott und über uns, unser Leben und unser Verhältnis zu Gott. Im Zentrum dieser Wahrheit steht der, der von sich sagte: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater, denn durch mich (Joh 14,6). Jesus Christus. Ihn sollen alle kennen lernen. Nicht nur mit dem Intellekt, sondern mit dem Herzen. Ihm sollen alle vertrauen. Ihm sollen alle gehören und ihn sollen am Ende alle ehren. Gott will retten – und wir wollen und dürfen Teil seiner Rettungsbotschaft sein. Auch wir dürfen Boten sein, die anderen sagen, wie groß Gottes Liebe in Jesus dem Gekreuzigten ist und dass sie für alle Menschen gilt.

    Pfarrer Andreas Streich

     

 

Woche vom 04.01. bis 10.01.

  • add Andacht für den 1. Sonntag nach Epiphanias, 10. Januar 2021

    Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.                                               Römer 8,14

    Wenn ein gut betuchtes Ehepaar ein armes Kind adoptiert, z.B. aus einem Entwicklungsland, dann geschieht das mit Überzeugung und mit Tatkraft. Dann bekommt dieses Kind gute Kleider, ein Zuhause und wird umsorgt. Die Eltern schicken es auf eine Schule und lassen ihm eine gute Erziehung und Bildung angedeihen.

    So ähnlich ist das auch bei Gott und uns. Durch Jesus Christus macht Gott uns zu seinen Kindern. Er nimmt uns an – und er wendet uns seine ganze Liebe zu. Aus verlorenen Menschen, aus »Kindern des Zorns« wie es die Bibel auch nennt, werden durch den Glauben geliebte Gotteskinder, weil Jesus uns mit Gott versöhnt hat.

    Doch so wie es für ein adoptiertes armes Kind nicht nur neue Kleider gibt, sondern auch eine neue Prägung und Bildung – so möchte auch Gott uns nicht nur ein neues Kleid, das Kleid der Gerechtigkeit schenken, sondern uns nun auch prägen – durch seinen guten Heiligen Geist. Gott nimmt uns an wie wir sind. Doch er lässt uns nicht so, wie wir sind. Er will uns verändern, prägen, gestalten. Dazu schenkt er Gottes Heiligen Geist in unser Herz.

    Gottes Geist ist ein Geist der Freiheit. Gottes Geist zwingt uns nicht. Aber er wird uns immer wieder ganz sanft darauf aufmerksam machen, was Gott für uns möchte, welche Gelegenheiten es für uns gibt, uns als Kinder Gottes in unserem Alltag zu bewähren. Gottes Geist treibt uns. Er treibt uns ins Gebet. Er treibt uns, unsere Schuld, unser Versagen zu bekennen. Er treibt uns hin zur Vergebung. Und er treibt uns, die Schwerkraft des Egoismus mit seiner Kraft zu überwinden und das weiter­zuge­ben, was wir von Gott empfangen haben. Gottes Kindern soll, ja muss man es abspüren, dass sie von Gottes Geist geprägt und getrieben sind. Gott hat so viel in uns investiert, leben wir es doch!

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Samstag, 9. Januar 2021

    Als die Ersten kamen, meinten sie, sie würden mehr empfangen, und sie empfingen auch ein jeder seinen Silbergroschen. Und als sie den empfingen, murrten sie gegen den Hausherrn und sprachen: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, doch du hast sie uns gleichgestellt, die wir des Tages Last und die Hitze getragen haben.                                                Matthäus 20,10-12

    Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg steht im Widerspruch zu unserer Leistungsgesellschaft. Wer viel und hart arbeitet, der soll doch gefälligst mehr bekommen als der, der nur eine Stunde gearbeitet hat. In der Geschichte, die Jesus erzählt, ist es die harte Arbeit in einem Weinberg in der Gluthitze des Vorderen Orients. Schon beim Zuhören kann man sich die Schweißausbrüche vorstellen. Ja, Arbeit muss sich lohnen – das gilt bei uns Menschen. Selbstverständlich.

    Doch hier geht es um etwas ganz Anderes: Hier geht es um Gott. Und es geht um die Unmöglichkeit, dass wir Gott gegenüber auf unseren Rechtsanspruch beharren. Denn da stehen wir immer auf dem Grund der Gnade. Gott hätte alles Recht, mit uns fertig zu sein – doch er fängt noch einmal ganz neu mit uns an – aus lauter Liebe und Gnade. Doch wer auf diesem Grund, auf dem Grund der Gnade steht, der kann nicht mit dem Anspruch auf irgend ein Recht auftrumpfen. Wir sind Beschenkte, Begnadete. Was wir haben, was Gott uns durch Jesus Christus gibt, das haben wir alle nicht verdient.

    Ja, lieber Mensch, wer bist du denn, dass du mit Gott rechten willst – so fragt der Apostel Paulus. Merken wir’s: Das passt nicht zusammen. Mit Gott kann man nicht rechten. Seine Gedanken sind so viel höher als unsere Gedanken. Was wir als ungerecht empfinden mögen – auch in unserem eigenen Erleben – dafür können wir Gott nicht zur Rechenschaft ziehen. Das verbietet sich uns, das entzieht sich uns. Ihn sollen wir vielmehr über alle Dinge fürchten, lieben und ihm vertrauen. Der Gutsherr im Gleichnis hat übrigens keinen der Arbeiter zu kurz kommen lassen. Alle bekamen das, was sie zum Leben brauchten: 1 Silbergroschen – das reicht, um einen Tag davon leben zu können. Und auch wir dürfen sicher sein: Bei Gott kommen wir nicht zu kurz.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Freitag, 8. Januar 2021

    Gott ist mein Fels, meine Hilfe und mein Schutz, dass ich nicht wanken werde.               Psalm 62,7

    Dieses Bekenntnis taucht gleich zweimal in diesem Psalm auf. Es ist der zweite Teil eines Kehrverses, eines Refrains, der jeweils am Anfang eines Abschnitts steht. Sozusagen als Vorzeichen. Könnte das nicht auch ein Vorzeichen für uns für dieses Jahr 2021 sein – noch haben wir ja erst 7 Tage dieses Jahres erlebt – es liegen noch viele vor uns?

    Hilfe und Schutz gibt es auf verschiedenen Ebenen: Körperlich, physisch – aber darüber hinaus auch geistlich, seelisch. Das Bild vom Felsen, auf dem ich fest und sicher stehe, ist selbsterklärend. Das versteht jedes Kind. Gott ist für mich wie ein Fels bekennt David. Von ihm erfahre ich Schutz und Hilfe. Da bin ich geborgen. Da wirft mich nichts aus der Bahn.

    Ich sprach von den unterschiedlichen Ebenen, auf denen wir Schutz und Hilfe brauchen. Wir alle – auch als Glaubende – haben schon die Erfahrung gemacht: Wir werden nicht immer allen Schwierig­keiten und Gefahren entnommen. Auch Christen werden krank. Auch Glaubende erleben Schwierig­keiten, manchmal sogar stärker und größer als andere, die nicht glauben. In den Psalmen wird auch diese Erfahrung thematisiert: Warum geht es mir so schlecht?

    Also das Missverständnis muss ausgeräumt sein: Gott ist keine Vollkaskoversicherung gegen alle Gefahren und keine Garantie für ständiges Wohlergehen. Noch sind wir nicht am Ziel angekommen, in seiner Herrlichkeit – da wird es einmal so sein, dass aller Schmerz gestillt und alle Tränen getrocknet sind. Aber doch erleben Christen auf dieser anderen Ebene: Gott hält mich fest. Gott trägt mich durch, durch alle Schwierigkeiten, durch alle Nöte und Fragen. Bei ihm bin ich geborgen. »In dir ist Freude in allem Leide« konnte Cyriakus Schneegass dichten. Und das dürfen auch wir erfahren – heute auf der geistlichen Ebene, einmal aber auf allen Ebenen: Gott ist mein Fels, meine Hilfe und mein Schutz, dass ich nicht wanken werde. Er bringt uns an sein gutes Ziel.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Donnerstag, 7. Januar 2021

    Ich bin dein, hilf mir.                                                                                                    Psalm 119,94

    Zwei ganz wichtige Erkenntnisse stecken in diesem uralten Gebet. Das eine ist ein Eingeständnis: Ich brauche Hilfe. Das ist die Erfahrung, die wir Menschen immer wieder machen werden. Es stimmt eben nicht, was uns – auch in so vielen Hollywood-Filmen vorgegaukelt wird: Jeder hat sein Schicksal selbst in der Hand, jede ist ihres Glückes Schmied. Es gibt so viele Unwägbarkeiten in unserem Leben, so vieles, was wir nicht steuern und planen können und auch so vieles, worauf wir eben keinen, aber auch überhaupt keinen Einfluss haben – und wo wir Hilfe brauchen. Wir müssen und wir werden mit unserem Leben nicht allein fertig. »Hilf mir!« Dieser Ruf muss und darf immer wieder über unsere Lippen kommen. Gott stellt uns Menschen an unsere Seite, die uns helfen. Wir brauchen einander. Mehr noch als der treueste menschliche Begleiter steht Gott mit seiner Hilfe für uns bereit. Tiefer noch als der einfühlsamste Mensch versteht und sieht er meine Not, meine Einsamkeit, meine Traurigkeit. Größer als beim liebevollsten Menschen ist sein Erbarmen und seine Zuwendung zu mir. Kräftiger als der stärkste Mensch ist seine Kraft zu helfen. Geborgener, getrösteter, gehaltener und geliebter als bei ihm können wir niemals sein. Unser Helfen, unsere Liebe, unser Mitleiden und Mittragen wird immer nur ein Schatten, ein flüchtiges Abbild seines ewigen Erbarmens, seiner unerschütterlichen Hilfe, seines starken Trostes und seiner großen Treue sein können.

    Zu dieser Erkenntnis tritt das andere, ganz Persönliche: »Ich bin dein«. Unser Gott ist kein unpersönlicher Gott, kein blindes Schicksal, kein »höheres Wesen«, von dem man nicht so recht weiß, was man von ihm halten soll. Gott hat uns in Jesus Christus sein Gesicht gezeigt. Und er hat uns gezeigt, wie sehr er uns liebt und wie eng er sich mit uns verbinden will. Wir dürfen zu ihm gehören. Wir dürfen ihm gehören – heute und für immer. Verbunden, getröstet, gehalten und geborgen für immer. Weil wir ihm gehören – um Jesu Christi willen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 6. Januar 2021

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    „Heilige Drei Könige“ heißt der Feiertag heute. Die Berufstätigen unter uns sind dem Trio aus dem Morgenland dankbar, denn sie bringen uns zwar nicht Gold, Weihrauch oder Myrrhe, aber einen freien Tag mitten in der Woche und das ist auch etwas wert.

    Dass die Herren in der Bibel nicht als Könige, sondern als Weise beschrieben werden, heute würde man vielleicht Wissenschaftler sagen, wissen Sie bestimmt. Und auch, dass wir ihre Namen nicht kennen, Caspar, Melchior und Balthasar wurden erst im 6. Jahrhundert erwähnt. Die Tradition in der katholischen Kirche, dass Kinder als Sternsinger von Haus zu Haus ziehen und dort mit Kreide die Buchstaben C und M und B mit der Jahreszahl über den Eingang schreiben, ist schön. Diese Buchstaben stehen nicht für die bekannten Namen der drei – sondern für die lateinischen Worte Christus mansionem benedicat, auf Deutsch: Christus segne dieses Haus. Diesen Segen für Ihr Haus und das neue Jahr wünsche ich Ihnen auch!

    Im Losungsbuch stehen für heute auch zwei Verse aus der Geschichte der Weisen aus dem Matthausevangelium, Kapitel 2. Dort heißt es: „Als die Weisen den Stern sahen, wurden sie hocherfreut und gingen in das Haus und sahen das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an.“ Dummerweise kennen wir die Geschichte ja seit Kindesbeinen und für uns sind diese Weisen eben dazu da, dass sie kommen und anbeten. Uns fällt gar nicht mehr auf, wie unglaublich und berührend das ist, was diese Männer tun. Es sind weise, gebildete, kluge erwachsene Männer mit viel Erfahrung. Sie haben es zu etwas gebracht. Und da liegt das Jesuskind, das nichts kann und weiß aus eigener Kraft, auf seine Mutter angewiesen ist. Und die Männer beten dieses Kind an, legen damit alles, was sie sind und können, zur Seite und bekennen, dass es nichs ist gegen das, was dieses Kind ist und in die Welt bringt.

    Was zwischen diesen weisen Männern und dem Kind in der Krippe geschieht, das hat Paul Gerhard wunderbar in die Worte des bekannten Weihnachtslieds gefasst:


    1. Ich steh an deiner Krippen hier,

    o Jesu, du mein Leben;

    ich komme, bring und schenke dir,

    was du mir hast gegeben.

    Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn,

    Herz, Seel und Mut, nimm alles hin

    und laß dir’s wohlgefallen.

     

    3. Ich lag in tiefster Todesnacht,

    du warest meine Sonne,

    die Sonne, die mir zugebracht

    Licht, Leben, Freud und Wonne.

    O Sonne, die das werte Licht

    des Glaubens in mir zugericht’,

    wie schön sind deine Strahlen!

     

    9. Eins aber, hoff ich, wirst du mir,

    mein Heiland, nicht versagen:

    daß ich dich möge für und für

    in, bei und an mir tragen.

    So laß mich doch dein Kripplein sein;

    komm, komm und lege bei mir ein

    dich und all deine Freuden.

     

    Vielleicht singen Sie das Lied bei sich zuhause noch, allein oder zusammen?

     

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

     

  • add Andacht für Dienstag, 5. Januar 2021

    Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.                                                                                         Psalm 23,6

    So endet der 23. Psalm, der Psalm vom guten Hirten. Kann man das, was einem Menschen an Gutem widerfährt, mit stärkeren Worten beschreiben? Da spürt einer, dass er verfolgt wird. Nicht von Menschen, nicht von bösen Mächten, sondern von Gutem und Barmherzigkeit weiß er sich verfolgt. Von dem, was nur Gott uns geben kann. So erlebt es, wer Gott vertraut. Paulus drückte es mit den Worten aus: Wir wissen, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen. Gott kommt zum Ziel mit meinem Leben. Gott bringt mich ans Ziel. Gutes empfange ich von ihm – und Barmherzigkeit.

    Barmherzigkeit beinhaltet immer auch, dass ich mir bewusst bin, dass ich auf Hilfe angewiesen bin. Dass ich mir nicht immer selbst helfen kann, besonders nicht an den entscheidenden Stellen meines Lebens. Ich bin hilfsbedürftig – ich brauche es, dass ein anderer – dass Gott sich mir zuwendet und mir hilft. Wie gut, dass wir bei Gott bedürftig sein dürfen – ja sollen. Gott will unsere leeren Hände füllen. Gott will unser Versagen ausräumen. Gott will um Jesu Christi willen uns unsere Schuld vergeben.

    Zu dem absolut Guten, was einem Menschen widerfahren kann gehört immer auch die Gemeinschaft mit Gott. Der König David drückt es so aus: ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar. Zu seiner Zeit gab es nur die Stiftshütte. Den Tempel baute erst sein Sohn Salomo. Doch das Haus des HERRN – das ist viel mehr als ein mit menschlichen Händen errichtetes Gebäude. Dieses Haus des HERRN – das ist eine geistliche Größe. Und in der Ewigkeit wird es einmal ganz zentral sein: Gott bei uns. Im Neuen Jerusalem, das uns die Offenbarung vorstellt, gibt es keinen Tempel mehr – denn Gott wird bei ihnen wohnen. Ungetrennte Gemeinschaft mit Gott – das steht im Zentrum all dessen, was Menschen als Heil erleben und beschreiben können. Durch Jesus Christus schenkt Gott es auch uns. Alle die an ihn glauben, denen gab er die Macht, Gottes Kinder zu heißen (Joh 1,12). Es gilt auch uns.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 4. Januar 2021

    Der HERR spricht: möge doch ihr Herz so bleiben, dass sie mich allezeit fürchten und meine Gebote halten, damit es ihnen und ihren Kindern gut geht, für immer!                  5. Mose 5,29

    Ein zweites Mal werden im 5. Kapitel des 5. Mosebuchs die 10 Gebote dem Volk verkündigt. Sein griechisch-lateinischer Name »Deuteronomium« rührt daher. »deuteros« heißt »zweites Mal« und »nomos« heißt Gesetz. Gott lässt seine Gebote, sein Gesetz, seine gute Lebensordnung vermittelt durch Mose seinem Volk verkündigen.

    Wenn sich einer mit unserem Leben auskennt, dann er. Viel mehr als jeder Arzt, Psychologe oder Virologe kennt er, unser Gott sich mit unserem Leben aus und weiß, worauf es ankommt. Denn er hat uns geschaffen. Er ist der Experte für unser Leben und unser Zusammenleben. Er weiß, wie unser Leben gelingt und worauf es wirklich ankommt.

    »Hauptsache gesund«? Gesundheit ist ein hohes Gut. Aber es ist nicht die Hauptsache in Gottes Augen. »Hauptsache Gottesfurcht« sagt uns der Schöpfer und Experte für unser Leben. Darauf kommt es an, dass wir Gott über alle Dinge lieben, fürchten und ihm vertrauen. So hat es Martin Luther in seiner Erklärung der 10 Gebote bekannt. Und dass wir seine Gebote halten. Dass wir seine Regeln befolgen und respektieren. Das ist die einfache Lebensweisheit und der klare Lebensrat unseres Schöpfers an uns.

    Und zugleich erleben wir das als so schwierig. Denn unser Herz zieht so oft eben in eine andere Richtung. Wir sind so oft von uns selbst gefangen; von unserem Egoismus, von unserer Gier und von unserer Angst, etwas versäumen zu können oder zu kurz zu kommen. Möge doch ihr Herz bleiben… das ist der Wunsch Gottes. Und darum wird er selbst tätig. Er will uns ein anderes, ein neues Herz schenken – in Jesus Christus, seinem Sohn, da greift Gott ganz neu nach uns. Da will er uns dieses neue Herz schenken. Auch Christen sind nicht perfekt. Auch Christen werden an Gottes Geboten immer wieder schuldig – wir alle. Doch Gottes Erneuerung ist in Gang gesetzt. Wir dürfen täglich von Gottes Vergebung leben. Und es mit ihm neu wagen: Ihn zu fürchten und seine Gebote zu halten. Und einmal, da wird Gott uns, um Jesu willen ganz vollenden.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 28.12. bis 03.01

  • add Andacht für den 2. Sonntag nach dem Christfest, 3. Januar 2021

    Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.                                                                Johannes 1,14b

    Mitten in der Finsternis der Welt leuchtet Gottes Herrlichkeit auf. So haben es die Propheten angekündigt. Jesaja zum Beispiel: Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht und über denen, die da wohnen im finsteren Lande, scheint es hell. (Jesaja 9,1). Gottes Herrlichkeit, dieses helle Licht, das lässt sich von uns nicht machen, nicht produzieren. Es lässt sich nur erwarten und herbeisehnen. Der Apostel und Evangelist Johannes bezeugt: Die Erwartung ist erfüllt. Der ewige Gott hat sich gezeigt. Gottes Herrlichkeit wurde sichtbar, erfahrbar, erlebbar: Wir sahen seine Herrlichkeit.

    Zunächst unscheinbar: Da war nur ein kleines Kind zu sehen, in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Hätte der Engel es den Hirten nicht gesagt, sie hätten das Geheimnis nicht erkannt. Doch so staunten sie über die Gnade, dass gerade sie die ersten sein dürfen, die Gottes Sohn zu sehen bekom­­men. Gott wird Mensch. Gottes Herrlichkeit leuchtet auf – in Jesus Christus, seinem Sohn. Seinem einzigen Sohn – das ist nämlich gemeint mit diesem so ungewohnten Wort »eingeboren«. Gott hat nur den einen Sohn. Den Einzigen. Und er bringt Gottes Herrlichkeit zu uns. In ihm leuchtet sie auf.

    Zwei Begriffe nennt Johannes in diesem Zusammenhang. Die Herrlichkeit Gottes zeichnet sich durch Gnade und durch Wahrheit aus. Gnade – das ist unverdiente Zuwendung. Gott stellt keine Bedingungen, Gott nennt keine Voraussetzungen. Er kommt un-bedingt zu uns in Jesus Christus. Er wendet sich uns unverdient zu und will uns so annehmen wie wir sind. Er will die Schuld vergeben und uns mit Gott versöhnen. In Jesus scheint uns Gottes Herrlichkeit voller Gnade – und voller Wahrheit. Die Wahrheit, die volle und ganze Wahrheit über Gott, über uns und unser Leben, die erfahren wir nur durch Jesus Christus. Er zeigt uns, wie Gott ist. Er zeigt uns, wie Gott es im Tiefsten seines Herzens mit uns meint. Er zeigt uns, dass Gott uns, die wir verlorene und verdammte Leute ohne ihn wären, retten und heil machen will. Und er zeigt uns, dass Gott für immer und ewig mit uns verbunden sein will.

    Gottes Herrlichkeit – in Jesus Christus leuchtet sie für uns.           Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Samstag, 2. Januar 2021

    Sie lasen aus dem Buch, dem Gesetz Gottes, Abschnitt für Abschnitt und erklärten es, sodass man verstand, was gelesen wurde.                                                                               Nehemia 8,8

    Das Nehemiabuch ist ein Aufbaubuch. Der Schweizer Prediger Walter Lüthi hat seine Auslegung aus dem Jahr 1945 überschrieben mit »die Bauleute Gottes«. Nehemia, ein einflussreicher Mann am Hof des Perserkönigs Artaxerxes, macht sich auf den Weg nach Jerusalem, um die Stadtmauern wieder aufzubauen. Doch nicht nur Gebäude werden restauriert und renoviert. Es geht auch um einen geistlichen Aufbruch und Aufbau in diesem Buch. Und der geschieht dort, wo Menschen sich der Bibel – hier in Form des Gesetzbuchs des Mose – wieder zuwenden.

    Nicht anders kam es zur Reformationsbewegung als durch diese Neuzuwendung zur Heiligen Schrift. Geistlicher Aufbau hat immer mit der Bibel zu tun. Denn Gottes Geist hat sich an dieses Buch gebunden. Wo Menschen sich mit ihren Worten beschäftigen, da ist Gottes Geist am Werk. Da bewirkt er, dass es nicht beim Hören nur mit den Ohren oder mit dem Verstand bleibt, sondern, dass es zu Herzen geht. Bibelauslegung ist der Schlüssel zur Erneuerung, zum Gemeindebau.

    Immer wieder gab und gibt es die andere Tendenz in der christlichen Gemeinde – das ging durch die ganze Kirchengeschichte hindurch so: dass man meinte, die Bibel vernachlässigen zu können. Und statt dessen auf so vieles andere, was sich einem in Gesellschaft und Zeitgeist bot, zuwenden zu müssen. Auch heute geht ein breiter Strom der Christenheit in diese Richtung.

    Ich bin mir sicher: Wir vertrauen viel zu viel auf unsere Ideen, auf Marketingstrategien und den Erfolg unserer menschengemachten Programme und Werbeaktionen. Aber es bleibt dabei: Wo die Bibel gelesen und erklärt wird, ganz einfach und schlicht, da geschieht Aufbau der Gemeinde Gottes. Da wird dieses Wort nicht leer zurückkommen. Das gilt für uns persönlich und unsere Beschäftigung mit der Bibel. Und das gilt für uns als christliche Gemeinde. Die Bibel ist und bleibt unser Schatz, aus dem alle geistliche Erneuerung und alle Frucht, die auch in Ewigkeit Bestand hat, erwächst.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den Neujahrstag, Freitag, 1. Januar 2021

    Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.                            Hebräer 13,8

    Von Jesus Christus können wir gar nicht groß genug denken. Von ihm müssen wir reden – immer und immer wieder. Davon ist der Schreiber des Hebräerbriefs, dessen Name uns nirgends genannt wird, überzeugt. Anno Domini »Im Jahr des Herrn« schrieben die Alten vor die Jahreszahl, die nun 2021 heißt. Der Bezugspunkt ist die Geburt von Jesus Christus. In seinem Namen wollen wir dieses Jahr beginnen. In seinem Namen es erleben – was auch immer es uns bringen mag.

    Jesus Christus hat ein Gestern – hier auf dieser Welt. Davon reden wir. Krippe und Kreuz sind seine Zeichen und das leere Grab vom Ostermorgen. All das – geschehen mitten unter uns und geschehen für uns – ist der Grund unseres Glaubens. Doch sein Gestern reicht noch viel weiter zurück, viel wei­ter als die Schöpfung selbst. Bereits im 1. Kapitel des Hebräerbriefs wird vom Sohn Gottes be­zeugt, dass er gemeint ist, wenn es in Ps 45 heißt: »Gott, dein Thron währt von Ewigkeit zu Ewig­keit«. Wohlgemerkt: Das alles ist von Jesus gesagt. Wir können von ihm gar nicht groß genug denken. Bei ihm ist auch unser Gestern – das Erfolgreiche und das Schuldige gut aufgehoben. Er hat mein Gestern getragen, meine Schuld, mein Versagen. Bei ihm darf ich Vergebung erleben und aufatmen.

    Jesus Christus ist heute – gerade jetzt – bei mir. Er will die Hauptperson in unserem Leben sein. Ihm dürfen wir uns mit unserem ganzen Leben anvertrauen: Mit dem, was uns gelingt und auch mit dem, was uns überfordert und wir nicht unter die Füße bekommen.

    Und Jesus Christus ist derselbe auch in Ewigkeit. Ihm gehört die Zukunft. Er wird der sein, der am Ende das Sagen haben wird. Er ist der Richter und der Retter. Er ist der Herr, dessen Herrschaft kein Ende hat, dessen Sieg vom Ostermorgen einmal von allen anerkannt werden muss. Mit ihm können wir getrost in das neue Jahr gehen. Und bei ihm wollen wir bleiben.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Altjarhsabend, 31.12.2020

    Meine Zeit steht in deinen Händen.                                      Psalm 31,16a

    So einen Jahreswechsel haben wir wohl selten erlebt: Keine Böller, kein großes Feuerwerk. Und das alles wegen eines kleinen, aber für manche Menschen lebensbedrohlichen Virus. Außergewöhnliche Zeiten sind es, in denen wir leben – und daran wird sich wohl auch noch geraume Zeit nichts ändern. Das prägt unser Zeitempfinden. Aber auch unter »normaleren« Umständen, sind es so viele Dinge, die unser Zeitempfinden prägen: Termine bestimmen unseren Alltag; Erlebnisse und Erfahrungen – geplant oder ungeplant tragen wesentlich dazu bei, ob wir unsere Zeit als gute oder schlechte Zeit empfinden.

    Viele Menschen sind getrieben von dem Gefühl, etwas zu verpassen. Die Gegenwart empfinden sie nur als Durchgangsstation in die Zukunft und nicht Leben im Jetzt. Ein alter afrikanischer Christ aus Tansania stellte einmal kritisch diesen Lebensstil der Industrienationen in Frage: »Wie könnt ihr die Zeit verplanen, die euch Gott noch gar nicht gegeben hat?

    Der Psalmbeter David blickt tiefer, weiter, höher – er schaut über dem Kalender auf den, der meine Zeit in den Händen hat. Der der Herr aller Zeit ist. Meine Zeit – in seinen Händen. Wo mir die Zeit vorkommen mag wie der feine Sand einer Sanduhr, der mir aber zwischen den Fingern zerrinnt, da ist Gott da, der mich und meine Zeit auffängt. Bei ihm weiß ich meine Vergangenheit gut aufgehoben: Das, was mir gelungen ist und auch das, wo ich schuldig geworden bin. Er vergibt die Schuld. Bei ihm weiß ich meine Gegenwart gut aufgehoben und auch meine Zukunft. Ihm darf ich vertrauen. Denn seine Hand hält mich.

    Ja, wir dürfen und wir müssen unsere Zukunft planen. Aber darüber soll auch die Stille, der Kontakt mit Gott, das Ausrichten auf ihn, nicht zu kurz kommen. Und wir wollen alle unsere Pläne und Ideen, unsere Träume und Wünsche mit ihm besprechen und ihm anbefehlen. Ja, auch unsere Zeit steht in seinen Händen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 30. Dezember 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    der Losungsvers von heute steht im Buch des Propheten Jesaja und wirft einen Blick nach vorn in Gottes Zukunft für sein Volk, ja für die ganze Welt. Das jüdische Volk hatte die Zerstörung der Heimat erlebt, Krieg, Leid, Verbannung in einem fremden Land über Jahrzehnte. Und wusste dabei: unser Verhalten, unsere eigenen Wege, die nur sich selbst im Blick hatten, haben zu all dem geführt. Der Vers heute heißt nun: „Siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken wird“ (Jesaja 65,17). Alles Leid ist vergessen. Der Blick geht nach vorne. Gott schafft etwas ganz Neues.

    Gottes Geist lässt den Jesaja in weiteren Versen in bunten Farben malen, was es bedeutet, wenn diese neue Welt Wirklichkeit sein wird, ich lese darauf ein paar Sätze: Man soll (…) nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens. Es sollen keine Kinder mehr da sein, die nur einige Tage leben, oder Alte, die ihre Jahre nicht erfüllen, sondern als Knabe gilt, wer hundert Jahre alt stirbt (…) Sie werden Häuser bauen und bewohnen, sie werden Weinberge pflanzen und ihre Früchte essen. (…) Und es soll geschehen: Ehe sie rufen, will ich antworten; wenn sie noch reden, will ich hören. Wolf und Lamm sollen beieinander weiden; der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind (..) Man wird weder Bosheit noch Schaden tun auf meinem ganzen heiligen Berge, spricht der HERR.

    Große atheistische Denker haben den Christen vorgeworfen: Ihr wartet auf die neue Erde Gottes. Das macht euch passiv. Ihr tut nichts, um die Missstände auf dieser Erde zu ändern! Teilweise ist diese Kritik berechtigt, wenn wir als Christen nur einfach ein stilles braves Leben führen wollen und uns nicht dafür einbringen, dass diese Erde, wo es so viel Ungerechtigkeit und Leid gibt, eine bessere wird. Als Christen wissen wir: wir können das Paradies auf dieser Erde nicht schaffen, das ist allein Gottes Sache. Aber gerade weil wir uns auf Gottes neue Welt freuen, tun wir alles, damit diese Erde nicht zur Hölle wird und nicht eine Hölle bleibt an so vielen Stellen.

    „Siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken wird.“ Die Aussicht, dass Gott selbst eine neue Erde schaffen wird, lässt uns aufblicken, hoffnungsvoll vorausschauen, gibt uns Mut: es wird nicht alles immer schlimmer – die neue Welt Gottes kommt. Und wir tun alles dafür, dass sie schon in dieser Zeit und dieser Welt ein Stück weit aufleuchtet, als Vorbote und Verheißung der kommenden Welt Gottes. Zuversicht und Tatkraft wünsche ich Ihnen und mir für das kommende Jahr 2021!

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für Dienstag, 29. Dezember 2020

    Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden: denen, die an seinen Namen glauben.

    Johannes 1,11-12

    Auch das gehört zur Weihnachtsbotschaft: das Umfeld, der Lebensraum, in den hinein der ewige Gottessohn kommt: In eine Welt, die sich von Gott losgesagt hat und die nichts mit ihm zu tun haben will. Krippe und Kreuz von Jesus Christus sind aus demselben Holz geschnitzt. Da kommt Gott selbst zu seinen Menschen. Da wird das Wort Fleisch. Da wendet Gott dieser Welt seine ganze Liebe zu. Ein Mal, ein einziges Mal ist Gott Mensch geworden – ist einer von uns geworden. Und wie sind wir Menschen mit ihm umgegangen! Er wurde verachtet, verspottet, verschmäht und schließlich nach allen menschlichen Maßstäben zu Unrecht ans Kreuz genagelt. Den schlimmsten Tod haben wir Menschen ihm zugefügt.

    Der Eigentümer der Welt kommt in sein Eigentum. Das Neue Testament bezeugt von Jesus Christus, dass er der ist, dem die Schöpfung überhaupt ihr Dasein verdankt. Er ist der Schöpfungsmittler. Doch das Ungeheuerliche geschieht: Die Seinen nahmen ihn nicht auf. Wenn es in Johannes 3,16 heißt: So sehr hat Gott die Welt geliebt, dann steht da nicht ein wertneutraler Begriff von »Welt«, sondern ein zutiefst belasteter Begriff: Es ist eine Welt, die sich von Gott abgewandt hat, die gegen ihn rebelliert. Es ist Ausdruck der Verlorenheit dieser »Welt«. Und genau diese Welt mit all ihren schmutzigen und furchtbaren Seiten, liebt Gott. Ja, noch unfassbarer: In dem, was Menschen dem Gottessohn aus Hass und Verachtung antun, geht Gottes Plan zur Rettung seiner Welt in Erfüllung: Da stirbt der Gottessohn, um uns zu erlösen, um uns mit Gott zu versöhnen.

    Und nun geschieht das nächste große Wunder: Mitten in einer Welt, die sich Gott abgewandt hat, gibt es Menschen – die durch Gottes Heiligen Geist aufgeweckt werden – und die diesen verachteten Gottessohn aufnehmen. Die ihm für seinen Kreuzestod danken, weil sie durch Gottes Geist erkannt haben: Das ist für mich geschehen. Und die – und nur die – dürfen Gotteskinder werden. Dürfen zu Gottes Familie gehören. Gotteskinder sind wir nicht von Geburt. Gotteskinder werden wir durch Jesus Christus. Aber er macht uns dazu – für immer.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 28. Dezember 2020

    Gott der HERR hat mir eine Zunge gegeben, wie sie Jünger haben, dass ich wisse mit dem Müden zu rechter Zeit zu reden.                                                                                 Jesaja 50,4

    Vor dem Reden kommt das Hören. Darum ist wichtig, auch den zweiten Teil dieses Verses zu lesen: Alle Morgen weckt er mir das Ohr, dass ich höre, wie Jünger hören. Das Wort »Jünger« stellt die entscheidende Verbindung dar. Jochen Klepper hat diese Prophetenworte 1938 in ein Gedicht gegossen, das wir als Morgenlied kennen: »Er weckt mich alle Morgen / er weckt mir selbst das Ohr. Gott hält sich nicht verborgen, / führt mir den Tag empor, / dass ich mit seinem Worte / begrüß das neue Licht. / Schon an der Dämmrung Pforte / ist er mir nah und spricht.« Es lohnt sich das ganze Lied und daneben den Bibeltext rund um die Losung zu betrachten.

    Das Wesensmerkmal des Jüngers ist, dass er hört – dass er genau hinhört, was sein Meister ihm zu sagen hat. Es ist nicht irgend ein Lehrer und Meister, der zu uns redet. Es ist Gott selbst, der mit uns reden möchte. Und weil es Gott ist, haben seine Worte eine ganz andere Wirkung als die, die wir von Menschenworten gewohnt sind. Denn dieses Wort ist lebendig, es ist vom Geist Gottes durchflutet. Wo wir es hören, da will Gottes Geist unser Herz öffnen, dass wir dem Wort glauben. Und wo das geschieht, da werden wir auch befähigt – durch die Kraft des Heiligen Geistes – das Wort, das wir gehört haben, weiterzusagen.

    Darum geht’s: Gottes Wort weitersagen – an die Müden und Ermüdeten. An die Mutlosen und die, die resignieren wollen. An die, die keinen Ausweg mehr sehen. Ihnen das sagen, was Gott uns gesagt hat und was uns getröstet hat: Dass Gott uns in Jesus Christus zu seinen Kindern macht. Dass Gott uns neues Leben, ewiges Leben schenkt. Dass Gott uns durch Jesus in die Gemeinschaft mit ihm zurückholt und unser Leben erfüllt sein kann. Hören, Glauben, Weitersagen – das ist die uralte Bewegung, die schon im Alten Testament vorgezeichnet ist. Jesus trägt sie seinen Jüngern auf: Machet zu Jüngern alle Völker. Das gilt uns – allen Christen. Hören, Glauben, Weitersagen!

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 21.12. bis 27.12

  • add Andacht für Sonntag, 27. Dezember 2020

    Wohl dem, der seine Hoffnung setzt auf den HERRN!                                   Psalm 40,5

    David erzählt im ersten Teil dieses Psalms von seinen Erfahrungen mit Gott. Er erzählt vom Wartenmüssen, vom Ausharren, das es manchmal braucht. Auf den HERRN hoffen hat etwas mit Geduld und Durchhaltevermögen zu tun. In den seltensten Fällen – so die Erfahrung vieler Menschen, die glauben – lässt Gott die Dinge so geschehen und in dem Tempo, wie wir uns das vorstellen. Gottes Uhren laufen oft anders. Aber sie laufen präzise und richtig. Anders als bei der Deutschen Bahn kommen Gottes Züge immer pünktlich.

    David erzählt von dem, dass Gott sich zu ihm neigte und ihn hörte. Gott hört! Der König aller Könige, der Herr aller Herren, hat ein offenes Ohr und ein offenes Herz für uns. Auf den HERRN hoffen heißt: mit ihm reden; alles zuerst mit ihm besprechen. Georg Müller, der Waisenvater von Bristol, hatte eine eiserne Regel. Er sagte sich und seinen Mitarbeitern: Wenn wir Nöte haben, auch finanzieller Art, dann werden wir niemals, niemals mit Menschen darüber reden – sondern immer nur mit Gott. Es gab also nie eine Spendenbitte oder Fundraising, Doch Gott hat dieses Vertrauen belohnt.

    Und dann erzählt David von der Rettung – aus schlimmster, aus prekärster Lage. Und er erzählt von dem neuen Lied, das Gott ihm in den Mund gegeben hat. Die Hoffnung auf Gott lässt nicht zuschanden werden. Ja, Gott wird, wo wir auf ihn hoffen, auf ihn warten, mit ihm reden und auf ihn harren, auch uns mit seinem Lob erfüllen.

    Dieser Lebensrat, den David nun am Ende seiner Erzählung gibt, der ist umfassend: Wohl dem… sagt er. Das ist der allerbeste, der allerwichtigste Rat: Hofft auf Gott, setzt auf ihn eure Hoffnung. Wendet euch ganz und immer ihm zu. Bei ihm ist eure Hoffnung, eure Erwartung am besten aufgehoben. An diesem Lebensrat hat sich bis heute nichts geändert. Und darum dürfen auch wir ihn befolgen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 2. Christfesttag, Samstag, 26. Dezember 2020

    Siehe, ich will sie heilen und gesund machen und will ihnen dauernden Frieden gewähren.

                                                                                                                                                                 Jeremia 33,6

    »Siehe« sagt Gott immer wieder an entscheidenden Stellen, wo wir einen Blickwechsel brauchen. Er will unseren Blick auf das Entscheidende, das wirklich Wichtige lenken. Und das ist das, was er tut. Siehe, ich will sie heilen und gesund machen – das sagt Gott. Morgen sollen in ganz Europa die Impfaktionen gegen das Corona-Virus anlaufen. Der Entwickler des Impfstoffs von Biontech, Ugur Sahin, ein Mann mit einer angenehmen Bescheidenheit, hat die Erwartungen gedämpft: Die ersten Monate wird sich wohl nicht viel an der Lage ändern – es dauert einfach, bis genügend Menschen geimpft sind, um einen Entspannungseffekt im Infektionsgeschehen spüren zu können.

    Ab morgen wird also geimpft. Doch Gottes Impfstoff gegen die schlimmste Krankheit, gegen unsere Verlorenheit und Gottferne ist längst da. Jesus Christus ist der Retter, der uns unsere Schuld abnimmt, der uns Gottes Frieden schenkt, der uns mit Gott versöhnt. In Jesus Christus, da ist dieses Prophetenwort Jeremias Wirklichkeit geworden. Das ist eigentlich ein starkes Symbol. Wir feiern Weihnachten, die Geburt des Heilandes, des Retters, des Gesundmachers in einem viel umfassenderen Verständnis bevor ein menschliches Hilfsmittel gegen eine neue Infektionskrankheit auf dem Markt ist. Und das allerbeste: Gottes Impfstoff hat einen Wirkungsgrad von 100%. Jede und jeder, der an Jesus Christus glaubt, ist gerettet. Wer den Namen des Herrn anrufen wird, soll gerettet werden. Wer sich dem Kind in der Krippe und dem Mann am Kreuz anvertraut, der ist gerettet für Zeit und Ewigkeit. 100%ig. Ja, es gibt eine Gewissheit des Glaubens. Es gibt eine Gewissheit der Rettung. Schauen wir also auch wir nicht nur auf das Menschenmögliche und -unmögliche, sondern schauen auch wir auf den Gott, der uns an Leib und Seele gesund machen will: auf unseren Gott, der in Jesus Christus einer von uns wird.                   Pfarrer Andreas Streich

     

  • add Andacht für den 1. Weihnachtstag, 25. Dezember 2020

    Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit.           Johannes 1,14

    Das ist die ganz andere Seite von Weihnachten, die uns dieser Vers aufzeigt. Nicht die Seite mit Festbraten, mit Verwandtenbesuch – der in diesem Jahr coronabedingt leider ausfallen muss. Nicht die Seite mit Christbaum, Kugeln und Kerzen, Tannenzweigen und Glühweinduft – und das Jesuskind in der Krippe als schöne Ausschmückung unseres Festes. Nicht die Seite mit all dem, was in diesem Jahr einen unangenehmen Beigeschmack bekommen hat. Es ist die ganz andere Seite von Weihnach­ten, die uns die klare Luft von Gottes Ewigkeit atmen lässt. Die Seite mit der größten und ungeheuerlichsten aller Botschaften, die es überhaupt nur geben kann: Gott wird Mensch. Der ewige, souveräne Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde, kommt zu uns. Wird einer von uns. Die Ewigkeit kommt in die Zeit. Das Wort ward Fleisch. So schreibt Johannes. Ich glaube, dass Jesus Christus, wahrhaftiger Gott vom Vater in Ewigkeit geboren bekennt Martin Luther. »Sehet, was hat Gott gegeben, seinen Sohn zum ewgen Leben« so singt Paul Gerhardt.

    Das ist die ganz andere Seite, die unauslöschliche und unüberbietbare Seite von Weihnachten. Die Botschaft, die alles andere überstrahlt: Gott wird Mensch. »Gottheit und Menschheit vereinen sich beide – Schöpfer wie kommst du uns Menschen so nah!« Das überstrahlt doch auch all das, was uns in diesem Jahr den Geschmack an Weihnachten verderben könnte: Corona, Ausgangsbeschränkung, wirtschaftliche, gesundheitliche, gesellschaftliche Sorgen. Gott wird Mensch – er geht auf Tuchfühlung zu uns. Das ist viel wichtiger, viel entscheidender, viel hauptsächlicher. Denn dieser Jesus hat alle Schätze mitgebracht und ausgepackt. Wir sahen seine Herrlichkeit. Er bringt Friede und Freude. Dieser Jesus Christus hat am Kreuz alle Lasten aufgepackt: Sünde und Schuld. Gott ist da, mitten drin in unserem Leben. Und er lässt sich nicht mehr einpacken oder wegpacken. Das Wort wurde Fleisch. Endgültig – Gott ist da, in Jesus Christus. Und er bleibt da: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Das ist die Botschaft von Weihnachten, die niemand ausblasen oder wegpacken kann.                                                    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Heiligabend, 24. Dezember 2020

    Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue?                                                                                                        Psalm 42,3

    Durst ist wohl eines der am stärkstem empfundenen Bedürfnisse, das wir Menschen spüren können. Das hebräische Wort für »Seele« kann auch »Kehle« bedeuten. Es ist das Organ unserer Bedürftig­keit: Wir brauchen die Luft zum Atmen und wir brauchen etwas, um unseren Durst zu stillen. Durst und Hunger werden in der Bibel nicht nur im naheliegenden wörtlichen Sinn, sondern auch im übertragenen Sinn gebraucht. Jesus sagt: »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das Gott spricht« Also: Es gibt einen Hunger jenseits des körperlichen Bedürfnisses nach Nahrungsaufnahme. Und dasselbe gilt nun auch für den Durst. Es gibt einen Durst, einen Durst nach Leben, der sich nicht mit Wasser, Milch – oder was auch immer stillen lässt. Und schon gar nicht mit Alkohol und anderen Genussmitteln, die uns ganz schnell abhängig machen können.

    Dieser Durst nach Leben, das hat dieser Psalmbeter erkannt, ist letztlich ein Durst nach Gott. Ihm zu begegnen, in ungetrennter Gemeinschaft mit ihm zu leben – das, so seine tiefe Erkenntnis, ist das Ziel und der Sinn unseres Lebens: Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue? Dazu hat Gott uns geschaffen. Zu seinem Bild, zu seinem Gegenüber, mit dem er in Kontakt treten kann und das ihm, dem lebendigen Gott und Schöpfer, voller Vertrauen Antwort geben kann.

    Gott ist im Himmel und wir auf der Erde – also keine Chance, dass wir Gottes Angesicht sehen? Nein, gerade heute, am Heiligabend werden wir daran erinnert, dass Gott unseren Durst nach Leben stillen will – durch seine Nähe. In Jesus Christus, in dem Kind in der Krippe und in dem Mann am Kreuz, da zeigt Gott uns sein Angesicht. Da zeigt er uns seine Gnade, seine Liebe, seine Zuwendung, seine Freundlichkeit. Da zeigt er uns, dass er retten und nicht verdammen will. Einmal, so wird berichtet, trat Jesus am höchsten Tag des Laubhüttenfestes in Jerusalem in aller Öffentlichkeit auf und rief: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! Da, bei ihm, bei Jesus Christus, da wird unser Durst gestillt. Da kommt unser Leben zu seiner eigentlichen Bestimmung, wo wir mit ihm leben – und wo er uns zu Gottes Kindern macht. Gott kommt zu uns, um unseren Durst nach Leben für immer zu stillen. Das ist die Botschaft der Heiligen Nacht.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 23. Dezember 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    ich habe einen neuen Lieblingsvers. Er steht im Losungsbüchle, genauer gesagt: dort wird er abgedruckt für den heutigen Tag. Dieser schöne Vers steht in Psalm 3 und heißt: „Ich liege und schlafe und erwache; denn der Herr hält mich.“ Wenn man diesen Vers mit einem einzigen Wort beschreiben will, dann heißt dieses Wort: Geborgenheit - ich bin geborgen. Sie kennen vielleicht die tollen Fotos von Babys, die von Fotografen in eine künstliche Blume gelegt werden und dort selig schlummern und dieses tiefe Gefühl von Geborgenheit vermitteln. In der guten Hand Gottes liegen, von seinem Segen, seinem Schutz, seinem Frieden ganz und gar umgeben sein, so wie ein Kind im Mutterleib ganz umgeben ist, in einer Weise geborgen, wie das im ganzen Leben sonst nie mehr der Fall ist. So sieht es der Beter dieses Verses: „Ich liege und schlafe und erwache, denn der  Herr hält mich.“

    Ist das nicht nur eine schöne Illusion, fragt der Erwachsenenverstand skeptisch? Ein Traumbild, das nur für den Moment taugt? Eine Seifenblasenvorstellung, die doch gleich wieder platzt? Muss ich nicht selber schauen, dass ich sicher bin, dass mir nichts passiert, dass ich nicht abstürze?

    Habe ich Angst davor, mich so bei Gott zu bergen, weil ich mich vor meinem eigenen Unglauben fürchte und davor, im nächsten Augenblick unsanft aufzuwachen und böse auf der Schnauze zu landen? Ja, das mag der Grund sein, warum ich mich für Gottes Geborgenheit gar nicht so leicht öffnen will.

    Was uns an kleinen Kindern so fasziniert ist, dass sie sich gar nicht so viele Gedanken über das Geborgensein machen wie wir Erwachsenen. Sie haben das Urvertrauen zum Vater, zur Mutter einfach – können sich selber loslassen und sich ganz und gar geborgen fühlen, in den Armen von Papa oder Mama tief und fest und selig einschlafen. Vielleicht ist das der Grund, warum Jesus sagte: „Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen“ (Markus 10,15). Wer nicht merkt und anerkennt, dass er ganz und gar angewiesen ist auf die Zuwendung des großen Gottes, der in Jesus zu uns gekommen ist, der steht sich selbst im Weg, versperrt sich selbst den Zugang zum Leben.

    Auch wenn unser Glauben klein ist, sind wir geborgen. Der Beter des bekanntesten Psalms 23 hat das so ausgedrückt, wie man das nicht besser sagen kann – und zwar zu dem, bei dem wir geborgen sind: Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. 2 Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. 3 Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. 4 Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. 5 Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. 6 Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

    Amen.

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für Dienstag, 22. Dezember 2020

    Gott, du bleibst, wie du bist und deine Jahre nehmen kein Ende.                           Psalm 102,28

    »Ein Gebet für den Elenden, wenn er verzagt ist und seine Klage vor dem HERRN ausschüttet.« Diese Worte stehen erklärend bereits über der hebräischen Urfassung dieses Psalms. Wenn Menschen leiden, dann kann das unterschiedliche Formen annehmen, sich unterschiedlich auch ausdrücken. In aller Regel sind es veränderte Umstände, die das Leiden verursachen: Beziehungen zu Menschen, die nicht mehr so sind, wie sie früher einmal waren. Oder unsere Gesundheit, die nicht mehr so ist, wie sie in besseren Jahren einmal war. Oder die wirtschaftlichen, politischen oder sozialen Umstände, die sich verändert haben und einen Leidensdruck erzeugen. Unser Leben ist der Veränderung unterworfen. Wir alle werden älter. »Sie werden alle veralten wie ein Gewand« Das sagt der Psalmbeter nicht einmal im Blick auf Menschen, sondern im Blick auf Himmel und Erde. Also die Bereiche der Schöpfung Gottes, die doch am Stabilsten und Sichersten sind.

    Und dann stellt der Psalmbeter dem das gegenüber, was bleibt. Was nicht dem Wechsel unterworfen. Worum ich mich nicht sorgen muss – wie wir uns um so vieles in dieser Welt sorgen: Gott bleibt. Gott bleibt so wie er ist. In Jesus Christus, dem Kind in der Krippe, da sehen wir Gott ins Herz. Da sehen wir, wie Gott in Wirklichkeit ist. Er wendet sich uns zu. Er sehnt sich nach uns. Er will ohne uns nicht sein. Und das bleibt bestehen – egal, was kommt. Egal, was mir begegnet. Gott, du bleibst, wie du bist. Zu dem, wie Gott ist, gehört auch, dass er uns zusagt, dass wir in seiner Hand geborgen sind. Siehe, in die Hände habe ich dich gezeichnet sagt Gott im Jesajabuch (Jes 49,16). Das gilt, das bleibt bestehen. In seiner Hand dürfen wir stehen. Nein, wir sind keinem blinden Schicksal ausgeliefert. Nein, wir sind nicht dem Zufall überlassen. Der große und treue Gott, der ewige Gott, er verbindet sich in Jesus Christus mit uns. Er will bei uns sein – heute und in Ewigkeit.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 21. Dezember 2020

    Dies Volk naht mir mit seinem Munde und ehrt mich mit seinen Lippen, aber ihr Herz ist fern von mir.                                                                                                                                            Jesaja 29,13

    Das kennen wir. Die Fassade stimmt, doch dahinter stinkts. Vordergründig alles in Ordnung. Doch der Kern ist faul. Leere Hülsen, das Entscheidende fehlt. Formal alles richtig und schön – aber mit dem Herzen nicht dabei. Eine Frömmigkeit, die nur die Form wahrt, aber mit dem Herzen nicht dabei ist, kann man vergessen. Die ist verabscheuungswürdig. Gott jedenfalls verabscheut sie.

    Ihm geht es immer um’s Ganze. Das Herz ist nach biblischem Verständnis unser Personzentrum. Da, wo unser Denken und Fühlen zuhause ist und wo unsere Entscheidungen fallen. Da, wo aus unseren Wünschen und Sehnsüchten Pläne und dann Taten werden. Und dieses Herz soll sich Gott zuwenden.

    Der Mönch Martin Luther litt furchtbar unter der Sorge, dass seine Frömmigkeit unter dieses Urteil Gottes fallen könnte: Nur eine oberflächliche Frömmigkeit mit dem Herzen. Als Professor der Theologie legte er die Psalmen aus. Und gerade die Bußpsalmen waren für ihn eine entscheidende Hilfe für sein eigenes Leben. Er erkannte: Eigentlich haben wir Menschen nichts, womit wir vor Gott bestehen können. Wir bilden uns zwar oft genug ein, dass wir schon recht vor Gott wären. Aber ehrlich betrachtet sind wir es nicht. In einem der eindrücklichsten Bußpsalmen der Bibel, im 51. Psalm, betet der Ehebrecher und Mörder David: »ein geängstetes, zerschlagenes Herz, wirst du, Gott, nicht verachten.« Das war einer der wesentlichen Schlüssel für Martin Luther zum Verständnis einer echten Frömmigkeit. Nur dort, wo wir vor Gott erkennen, dass wir verlorene und verdammte Menschen sind, nur dort wendet sich unser Herz Gott ganz zu. Wo wir selber nichts mehr, aber auch gar nichts mehr auf uns selbst einbilden, wo unser Herz geängstet und zerschlagen ist, da darf es auf Gottes Zuwendung hoffen. Aus dieser Erkenntnis heraus verfasste er seine 95 Thesen zum Ablasshandel.

    Als zu dieser ersten Erkenntnis dann noch die fröhliche Erkenntnis und Gewissheit kam, dass Gott uns um Jesu Christi willen annimmt, wo wir so mit einem zerschlagenen Herzen kommen, konnte die Reformation der Kirche volle Fahrt aufnehmen. Ein Herz, das Gott nahe ist, weil es ihm alles verdankt und weil er uns als seine Kinder annimmt, das wollen wir haben. Gott schenkt es uns.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 14.12. bis 20.12.

  • add Andacht für den 4. Advent, 20. Dezember 2020 zum Wochenspruch

    Freuet euch in dem Herrn allewege und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe!

    Philipper 4,4-5b

    Das ist eine Aufforderung von einem, der durch und durch Realist ist. Paulus ist kein Schwärmer, der die harte Wirklichkeit ausblendet. Er kennt alle Höhen und Tiefen des Lebens aus eigener Erfahrung. Wenige Verse später schreibt er: Ich kann niedrig sein und hoch sein; mir ist alles und jedes vertraut: beides, satt sein und hungern, beides, Überfluss haben und Mangel leiden. Doch in allem und über allem steht Jesus Christus. Und deshalb rät Paulus den Philippern und auch uns, was er selbst praktiziert: Freut euch in dem Herrn allewege.

    Egal, was euch auf euren Wegen begegnet: Freut euch im Herrn – allewege. Denn er, der Herr Jesus Christus, ist bei euch auf allen Wegen. Er ist nahe! Er lässt euch nicht los. Er hält euch fest. Er ist mit seiner tröstenden, ermutigenden, stärkenden Kraft bei euch – auch und gerade in Schwierigkeiten. Was er bereithält, schenkt und gibt, das ist viel mehr und wiegt viel schwerer als alles, was euch das Leben schwer machen kann. Und er hat versprochen wiederzukommen. Er ist nahe!

    So hat es Paulus selbst praktiziert – in Philippi. Damals, als er mit seinem Mitarbeiter Silas das erste Mal dorthin kam und das Evangelium auf den europäischen Kontinent brachte. Nach kurzer Zeit wurden die beiden gefangen genommen, hart geschlagen und dann in den Block gelegt und im innersten Gefängnis eingesperrt – wie die schlimmsten Verbrecher. Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott. Mitten in der dunkelsten Stunde. Mitten im Gefängnis, mit schmerzenden Gliedern, ohne Hände und Füße regen zu können. Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott. Das ist der Ausdruck der Freude über Jesus, den Retter, den Heiland, den Herrn, der uns niemals allein lässt. So äußert sie sich die Freude: im Gebet und im Lob Gottes – egal wie die äußeren Umstände sind. Und auf dieser so ausgedrückten Freude liegt ein Segen. Sie verändert uns. Sie lässt uns die eigene Situation mit anderen Augen sehen. Denn sie lässt uns auf Jesus Christus sehen. Darum gilt auch uns: Freut euch im Herrn allewege.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • add Andacht für Samstag, 19. Dezember 2020

    Freuet euch, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.                    Lukas 10,20

    72 Jünger hat Jesus ausgesandt. Nun kommen sie zurück. Begeistert, fasziniert von dem, was sie erlebt haben. So etwas haben sie noch nie gesehen. »Herr, auch die bösen Geister sind uns untertan in deinem Namen« heißt es – sozusagen als Höhepunkt – ihres begeisterten Berichts. Die bösen Geister haben keine Chance. Triumph auf der ganzen Linie. Erfolgserlebnis in der Evangelisation. Die 72 fühlen sich wie auf Wolke sieben. Wenn das kein Grund zur Freude ist.

    Doch Jesus sagt: »Darüber freut euch nicht…« Wie – darüber nicht freuen? Warum denn darüber nicht freuen? Antwort: Weil es noch etwas viel, viel Besseres, etwas viel viel Wichtigeres gibt: Freut euch, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind. Dass ihr Bürgerrecht im Himmel habt. Dass ihr heute schon dort zuhause sein dürft. Dass für euch heute schon geklärt ist, wo ihr die Ewigkeit zubrin­­gen werdet. Hängt eure Freude an nichts Irdisches. Nicht einmal an geistliche irdische Erfolge. Was, wenn der Erfolg ausbleibt – auch das haben Christen durch die Jahrhunderte doch immer wieder erlebt. Wir können’s doch nicht machen, dass andere zum Glauben kommen. Wir können mithelfen, das Evangelium verkündigen. Aber dass dann das Entscheidende geschieht und ein Mensch Jesus Christus sein Herz öffnet, das können wir doch nicht machen. Es gab Missionare, die jahrzehntelang immer nur ausgestreut haben, aber nie die Ernte sahen – bis zu ihrem Tod nicht. Es gab und gibt Christen, die um ihres Glaubens willen nicht Triumph, sondern Verfolgung erleben. Die ihren Glauben nicht offen leben dürfen. Diese Freude kann im Hals ersticken. Genauso wie die Freude über das andere, in unserer Gesellschaft so hochgepriesene Gut, die Gesundheit: Was, wenn die nicht mehr da ist? Ist dann auch die Freude futsch? Nein – deshalb: Freude über die Heimat im Himmel. Die kann uns nämlich niemand nehmen. So wie der jahrzehntelang an MS erkrankte Paul Müller einem Besucher, der ihn bedauerte, als er so im Bett lag und nicht einmal mehr den Kopf heben konnte, sagte: »Warum sollt ich mich denn grämen? Hab ich doch Christus noch, wer will mir den nehmen. Wer will mir den Himmel rauben, den mir schon Gottes Sohn beigelegt im Glauben«

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Freitag, 18. Dezember 2020

    Höret des HERRN Wort! Der HERR rechtet mit denen, die im Lande wohnen; denn es gibt keine Treue, keine Liebe und keine Erkenntnis Gottes im Lande.                               Hosea 4,1

    Gottes Wort kann hart sein. Und es kann uns hart treffen. Doch, wo es uns hart trifft, da will es zur Veränderung, zur Heilung beitragen. Dass das, was nicht in Ordnung ist, in Ordnung kommt. Aus den harten Worten Gottes lernen wir, worauf es Gott ankommt. Was er sucht – und was er vermisst. So war es beim Volk Israel. Und bei uns ist es nicht anders. Gott sucht Treue, Liebe und Erkenntnis Gottes. Das sind Werte, grundlegende Werte für unser Leben. Das sind Lebens-Werte. Auch wenn Gott nur im Zusammenhang mit dem letzten Lebens-Wert ausdrücklich erwähnt wird: Erkenntnis Gottes, geht es auch in den beiden anderen immer auch um Gott. Nicht nur, es geht auch um Menschen, aber das lässt sich nie von Gott trennen. Treue – Gott und den Menschen gegenüber. Liebe – Gott und den Menschen gegenüber.

    Gott will, dass auf uns Verlass ist. Dass sich andere Menschen auf uns verlassen können. Dass wir offen und ehrlich sind, zuverlässig, gerade, standhaft. Dazu will er uns helfen. Dazu kann er uns befähigen. Doch wir müssen es wollen. Gott will, dass wir lieben. Die Liebe hat, bevor sie an sich selbst denkt, den andern im Blick: Was braucht er, was braucht sie, damit es ihr gut geht? Und was kann ich dazu beitragen? Gott will, dass wir lieben, wie er uns liebt. Dazu will er uns helfen. Dazu kann er uns befähigen.

    Der Kontext des Losungsverses zeigt, dass die Lehre von Gott einen wesentlichen Beitrag leistet, damit Menschen Gott erkennen. Es geht um eine gesunde biblische Lehre, die uns aus den vielen Geschichten, in denen Gotteserfahrungen von Menschen berichtet werden, aufzeigt, wie Gott für uns heute ist. Denn er ist derselbe. Wo die biblische Lehre verloren geht, da passiert, was die Losung feststellt: Da schwindet mit der Erkenntnis Gottes auch die Treue und die Liebe. Noch ist es nicht zu spät. Noch haben wir die Bibel, jede und jeder von uns. Lesen wir darin, hören wir auf das Wort der Predigt. Gesunde biblische Lehre – das brauchen wir.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Donnerstag, 17. Dezember 2020

    Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich hineingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir.

    Offenbarung 3,20

    Gott ist nicht fern – das unterscheidet z.B. die Vorstellung von Gott im Alten wie im Neuen Testament von der des Islam. Da wird nur die andere Seite, die es freilich in der Bibel auch gibt, betont: Gott ist der Hohe, der Erhabene, der über allem steht. Ein Gott, der zu verehren und zu fürchten ist. Wie gesagt, das betont die Bibel auch. Doch zugleich zeigt sie uns den nahen Gott, den Gott, der auf Tuchfühlung geht, der zu seinen Menschen kommt. Und nirgends wird diese persön­liche Nähe klarer und deutlicher als Zug im Wesen Gottes erkennbar als in Jesus Christus, seinem Sohn. In dem Gott Mensch wird. Gott lässt sich von uns Menschen finden. Ja, mehr noch: Gott selbst macht sich auf die Suche nach seinen Menschen. Unser Gott ist ein aufsuchender Gott.

    Unser Gott ist ein anklopfender Gott. Er steht vor unserer Tür – so wie in diesen Tagen der Paketbote. Doch er stellt, was er uns zu geben hat, nicht einfach vor der Wohnungstür ab. Er selbst will einziehen in unser Lebenshaus, will bleiben. Er klopft – und er wartet auf unsere Antwort. Er wartet, dass wir ihm die Tür öffnen. Gott lädt sich bei uns ein – und er wartet auf unsere Einlassung. Glaube ist nicht menschenmachbar, liegt nicht in unserer Macht. Gott selber wirkt den Glauben auf geheimnisvolle Weise durch seinen Heiligen Geist. Doch dieser Glaube – wenn es denn echter Glaube ist – zeigt sich immer darin, dass wir Jesus Christus, dem geliebten Gast, die Tür unseres Herzens öffnen. Dass wir wie die Emmaus-Jünger bitten: Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneigt. Der Glaube ist von Gott gewirkt – doch er äußert sich so, dass wir ihm die Antwort geben, zu der er uns auffordert. Geben wir sie ihm, leben wir den Glauben, den Gott uns ins Herz gelegt hat, aus. Jesus hält Abendmahl mit uns, mit uns ganz persönlich. Jesus verbindet sich mit uns. Für heute und für immer. Was für ein Gott – ein Gott für uns, unser Gott, mein und dein Gott!

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 16. Dezember 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    „Du bist der Gott, der Wunder tut,“ stellt der Beter des 77. Psalms fest. „Du hast deine Macht bewiesen unter den Völkern“ (Ps. 77,15). Gern würde ich Sie Zuhörende jetzt fragen: Wie empfinden Sie die Aussage: Du bist der Gott, der Wunder tut? Sprechen Sie das ohne Zögern und mit viel Dankbarkeit mit? Oder treten Sie innerlich eher einen Schritt zurück und sagen: So viel Glaubenszuversicht hätte ich auch gern. Aber ich kann das Wirken Gottes nicht sehen – nicht in meinem Leben, nicht in dieser Welt, jedenfalls nicht zur Zeit.

    Wenn es Ihnen so geht, sind Sie nicht allein. Der Beter des Psalms 77 steht neben Ihnen, legt Ihnen die Hand auf die Schulter und sagt: Ich kann Dich voll verstehen. Ich hatte eben noch die gleichen Fragen, die gleiche Unsicherheit, ob Gott wirklich ist und handelt.

    Hören wir auf Verse aus dem gleichen Psalm, die vor dem heutigen Satz stehen und auf diesen hinleiten. Achten Sie doch einmal darauf, wie sich der Blick des Beters in seinem Reden mit Gott ändert, wie ihm neue Zuversicht geschenkt wird:

    In der Zeit meiner Not suche ich den Herrn;
    meine Hand ist des Nachts ausgereckt und lässt nicht ab;
    denn meine Seele will sich nicht trösten lassen.
    Ich denke an Gott - und bin betrübt;
    ich sinne nach - und mein Geist verzagt. (…)

    Wird denn der Herr auf ewig verstoßen
    und keine Gnade mehr erweisen?
    Ist's denn ganz und gar aus mit seiner Güte,
    und hat die Verheißung für immer ein Ende?
    Hat Gott vergessen, gnädig zu sein,
    hat er sein Erbarmen im Zorn verschlossen?

    Ich sprach: Darunter leide ich,
    dass die rechte Hand des Höchsten sich so ändern kann.

    Darum gedenke ich an die Taten des HERRN,
    ja, ich gedenke an deine früheren Wunder
    und sinne über alle deine Werke
    und denke deinen Taten nach.

    Gott, dein Weg ist heilig.
    Wo ist ein so mächtiger Gott, wie du, Gott, bist?
    Du bist der Gott, der Wunder tut,
    du hast deine Macht bewiesen unter den Völkern.

    Der Beter des Psalms hat entdeckt: Es hilft ihm enorm, nicht nur zu grübeln, sondern sich an das zu erinnern, was Gott in seinem Leben schon getan hat. Da geht es nicht um eine Verklärung der Vergangenheit oder um eine Flucht in frühere Zeiten. Es geht darum, Kraft zu schöpfen aus der schon früher handfest erlebten Gegenwart Gottes in meinem Leben, die mir Zuversicht gibt, dass er heute ebenso Wirklichkeit ist wie damals – selbst wenn ich ihn mit meinen Gefühlen heute überhaupt nicht spüre und sehe.

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für Dienstag, 15. Dezember 2020

    Salomo betete: So hast du an deinem Diener, meinem Vater David, gehandelt. Der heutige Tag ist Zeuge dafür, dass du dein Versprechen gehalten hast.                                      1. Könige 8,24

    Versprechen gehalten! Das stellt Salomo in seinem Tempeleinweihungsgebet fest. Er knüpft an das an, was Gott seinem Vater, dem König David einst versprochen hat. Und damit knüpft er an die Got­tesbeziehung, die sein Vater mit dem lebendigen Gott hatte an. Wie David, so geht nun auch Salomo ins vertrauliche Gespräch mit Gott. Wie David, so lebt nun auch sein Sohn Salomo mit diesem Gott.

    Das ist kein Automatismus. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Ich erschrecke immer wieder über Menschen, die mir voller Stolz von ihren Eltern oder Großeltern erzählen, die regelmäßig gebetet und in der Bibel gelesen und zum Gottesdienst gegangen sind. Doch sie selber, die mir das erzählen, tun das nicht mehr. Gott hat keine Enkelkinder! Gott hat nur Kinder. Gott will mit jeder Generation neu ganz persönlich in Verbindung treten. Vor Gott kann ich mir doch nicht allen Ernstes auf die Gottesbeziehung meiner Großmutter etwas einbilden. Gott will mich heute haben. Gott will mit mir seine Geschichte haben – so wie er sie mit Menschen aus vorigen Generationen meiner Familie vielleicht hatte. Gott hat keine Enkelkinder, sondern nur Kinder.

    Und Gott ist einer, der Versprechen hält. Auch wenn manchmal Generationen – viele Generationen - zwischen Verheißung und Erfüllung stehen. Diese Spannung zwischen Verheißung und Erfüllung gehört zu den Grundgegebenheiten unseres Glaubens. Da ist uns etwas versprochen, aber es ist noch nicht in Erfüllung gegangen. Die Erfüllung steht noch aus. Umso mehr Freude gibt es dann, wenn das, worauf wir uns so lange gefreut und nach dem wir uns gesehnt haben, in Erfüllung geht. Hier war es die Fertigstellung des Tempels, eines Hauses für Gott. Wir warten auf Gottes Zukunft, auf Gottes Herrlichkeit, auf Gottes Ziel. Das ist die letzte und größte Verheißung. Gott wird auch da sein Versprechen halten. Petrus schreibt den Christen, die so warten und Jesus lieb haben, den sich doch noch nie gesehen haben: ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude. Bleiben wir also dran! Bleiben wir Wartende, bleiben wir Menschen, die Gottes Worten Vertrauen schenken. Denn das sind sie absolut: vertrauenswürdig. Mehr als alle Menschenworte.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 14. Dezember 2020

    Wenn deine Gerichte über die Erde gehen, so lernen die Bewohner des Erdkreises Gerechtigkeit.

    Jesaja 26,9

    Das »Gericht Gottes« gehört zu den Dingen, über die man in unserem Land in Kirchen und Gottes­diensten auffallend wenig hört. Die Botschaft vom richtenden Gott scheint nicht so recht zu der doch viel schöneren Botschaft von der Liebe Gottes passen zu wollen. Also lassen sie viele einfach weg. Und jetzt lesen wir in der Bibel nicht nur von einem »Gericht Gottes«, sondern in diesem Psalmgebet außerhalb des Psalters gleich von einer Mehrzahl, von den Gerichten: Wenn deine Gerichte über die Erde gehen, so lernen die Bewohner des Erdkreises Gerechtigkeit.

    Also: Es gibt nicht nur ein Gericht Gottes am Ende aller Zeiten. Es gibt auch schon während dieser Erdenzeit Gerichte Gottes, die Menschen lehren können. Interessant ist, dass im nächsten Vers gleich ein Missverständnis ausgeräumt wird, als könnte man auf diese Gerichte – aus welchem Grund auch immer – auch verzichten: Aber wenn dem Gottlosen Gnade widerfährt, so lernt er doch nicht Gerechtigkeit, sondern tut nur übel im Lande, wo das Recht gilt, und sieht des HERRN Herrlichkeit nicht. Gnade ohne Gericht; Gnade ohne Erschrecken über die eigene Verlorenheit und Schuld hilft nicht, nützt nichts, ist »billige Gnade«, wie Bonhoeffer einst schrieb. Gnade als Schleuderwahre. Vergebung ohne Buße.

    Gericht hat mit Zurechtbringen zu tun. Das ist Gottes Absicht. Er will uns zurechtbringen. Er will uns mit sich in Ordnung bringen. Das allerwichtigste Gericht Gottes, das sehen wir in Jesus. Da sehen wir das Verdammungsgericht Gottes über unsere Sünde. Gott hasst die Sünde, aber er liebt die Sünder. Darum nimmt Gott die Sünde von uns und nimmt sie in Jesus auf sich selbst und erträgt selbst das eigene Verdammungsurteil: Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selbst lesen wir. Es gibt Strafgerichte, Zurechtbringungsgerichte.

    Ich hüte mich allerdings davor, zu schnell und zu leicht Ereignisse in Gesellschaft und Geschichte als Gericht Gottes zu identifizieren. »Ist Corona ein Gericht Gottes?« Ich weiß es schlicht nicht. Ich halte es aber auch für falsch, wenn kirchliche Würdenträger diese Frage von vornherein kategorisch verneinen. Wissen wir’s? Wir werden es erst im Nachhinein erfahren. Wenn es uns ins Nachdenken über uns selber bringt, wenn es uns Gott näherbringt – dann war es tatsächlich ein Gericht Gottes im zurechtbringenden Sinne. Dann hat es uns Gerechtigkeit gelehrt. Und das will Gott.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 07.12. bis 13.12.

  • add Andacht für den 3. Sonntag im Advent, 13. Dezember 2020

    Bereitet dem HERRN den Weg; denn siehe, der HERR kommt gewaltig.               Jesaja 40,3.10

    Es geht um Trost in diesem Abschnitt der Bibel. Um den Trost, den Gottes Volk so bitter nötig hat. Dieser Trost besteht nicht in der Erfüllung irdisch-menschlicher Wunschträume´. Dieser Trost hängt untrennbar mit Gott zusammen. Gott selber kommt! Als Christen sehen wir diese Ansage in Jesus, dem Kind in der Krippe erfüllt. Da kommt Gott zu uns. Da bekommt seine Liebe, sein Trost »Hand und Fuß« im wahrsten Sinne des Wortes. Da wird Gott Mensch.

    In aller Unscheinbarkeit wurde Jesus in Bethlehem geboren. Der König aller Könige und Herr aller Herren hat jedoch nie eine Krone getragen, wie sie Könige sich gern aufs Haupt setzen lassen. Die einzige Krone, die er je auf Erden getragen hat, war aus Dornen geflochten. Bis heute ist die Hoheit, die Herrlichkeit von Jesus Christus unter seiner Niedrigkeit, mit der er auf dieser Erde unterwegs war, verborgen. Bis heute erkennen nur sehr wenige in ihm den wahren Sohn Gottes, den wichtigsten und mächtigsten, der je diese Erde betreten hat.

    Lassen wir uns von der Niedrigkeit nicht täuschen. Der Wochenspruch für den 3. Advent zeigt uns die andere Seite dieses unscheinbaren Königs: seine Macht und seine Gewalt. Ein alter Christushymnus, den Paulus vermutlich auch schon vorgefunden und dann zitiert hat, in Philipper 2 bringt zum Aus­druck: Einmal müssen sich alle Knie, die Knie aller Geschöpfe, der sichtbaren und der unsichtba­ren Welt vor Jesus Christus beugen. Einmal müssen alle Zungen bekennen, dass Jesus Christus der Herr ist zur Ehre Gottes. Vom schlimmsten aller Feinde Gottes, dem »Mensch der Bosheit«, den Paulus im 2. Thessalonicherbrief ankündigt und der furchtbares Leid bringen wird, schreibt der Apostel nur: Den wird der Herr Jesus umbringen mit dem Hauch seines Mundes. Mehr braucht es nicht – nur den Hauch seines Mundes. Was für ein gewaltiger Herr.

    Wir dürfen heute schon zu ihm gehören. Wir leben heute schon in Erwartung seines Kommens in Macht und Herrlichkeit. Wegbereitung ist darum angesagt. Bereit sein für sein Kommen; nicht passives Abwarten, sondern aktives Warten – betend, hörend, wartend, handelnd. Menschen müssen Menschen sagen, dass Gott alle liebt, dass es einen Weg aus Schuld und Elend gibt. Und Menschen müssen Menschen die Barmherzigkeit Gottes spüren lassen, die sie selbst erfahren haben. So lasst uns warten und ihm den Weg bereiten!

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Samstag, 12. Dezember 2020

    HERR, sei mir gnädig! Heile mich, denn ich habe an dir gesündigt.                         Psalm 41,5

    David hat den Durchblick. David hat den Durchblick für das, was wichtig ist – und für das, was noch wichtiger ist. David weiß um die Hauptsache im Leben. Nein, die Hauptsache ist eben nicht die Gesundheit, wie man das landauf, landab so salopp hört: »Hauptsache gesund«. Die Hauptsache ist, dass Gott mir gnädig ist. Dass Gott mich annimmt. Dass ich mit Gott im Reinen bin.

    Die Grundbeziehung unseres Lebens ist nicht nur die zu unserem eigenen Körper, zu unserem Leib. Sondern es ist die Beziehung zu Gott, unserem Schöpfer, von der alles abhängt. Und die auch dann noch bleibt, wenn dieser Leib zerfällt und vergehen muss.

    »HERR, sei mir gnädig!« bittet David. Er weiß: Dass Gott mir gnädig ist, das ist nicht selbst­ver­ständ­lich. Es gibt auch ein Verlorengehen. Es gibt ein Gericht. Es gibt die traurige Möglichkeit, dass Menschen am Ende Gottes Gnade versäumen und in Ewigkeit von Gott getrennt sind. Darum die so dringende Bitte des David: HERR, sei mir gnädig.

    David weiß auch, was ihn von Gott trennt: Die Sünde. Sünde ist Zielverfehlung. Sünde wiegt schwer in Gottes Augen. Sünde bedarf der Sühne. Sünde muss gesühnt werden. Wir können das nicht tun. Das kann nur Gott tun. Und in Jesus Christus, da macht Gott sich auf, das Grundproblem unserer Sünde, unserer Schuld zu lösen. Da kommt er selber, nimmt all das, was uns von Gott trennt – unsere Schuld, unsere Rebellion gegen Gott, unsere Verlorenheit, unsere Verdammnis – auf sich und trägt es weg ans Kreuz. Der gnädige Gott begegnet uns in Jesus Christus, dem Gekreuzigten. Da wird diese Bitte Davids erhört. Für David und auch für uns.

    Ja, wir alle brauchen Heilung – das hat Martin Luther als Mönch erkannt. Heilung nicht nur am Leib, sondern vor allem an der Seele und in unserer Gottesbeziehung. Und in Jesus Christus erleben wir sie. Martin Luther formulierte: der mich verlorenen und verdammten Menschen erlöst hat… Wie gut, dass auch wir Gott durch Jesus Christus um seine Gnade bitten dürfen – und dass seine Tür dort für uns offen ist. Aber vergessen wir nicht: Es ist keine billige Gnade, wie Bonhoeffer betonte. Es ist keine Gnade, die wir ohne Buße haben können. Es ist eine teure Gnade, die unser ganzes Leben verlangt.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add

    Er ist ein lebendiger Gott, der ewig bleibt, und sein Reich ist unvergänglich.     Daniel 6,27

    Dieses Bekenntnis stammt von einem, der selbst ein großes, ein mächtiges Reich hatte. Der König Darius von Persien. Die Geschichte, die vorangeht, ist eine Neidgeschichte. Daniel steht als hoher Beamter in den Diensten dieses König Darius. Er ist beliebt beim König, loyal und fähig. Die andern fürchten um ihren Einfluss und bewegen den König dazu, ein seltsames, eitles Gesetz zu erlassen. Ein Gesetz der Meder und Perser, das niemand zurücknehmen darf: 30 Tage lang Lockdown – angebetet werden darf nur noch der König, aber kein anderer Gott mehr. Daniel dient treu seinem König. Aber noch mehr gehorcht er seinem Gott. Deshalb betet Daniel weiter zu dem einen, dem einzigen, dem wahren Gott. Dreimal am Tag nimmt er sich dafür Zeit. Es kommt raus, die Falle schnappt zu. Der König ist im Dilemma – er kann nicht anders als seinen treuen Diener in die Löwengrube zu werfen und ihn dem scheinbar unabwendbaren Schicksal überlassen.

    Doch Gott kann anders. Und auch das erlebt der König Darius. Der wahre, der lebendige Gott bewahrt Daniel. Er hat mehr Macht als alle Könige auf dieser Welt. Mehr Macht als alle Virologen und Ärzte, mehr Macht als alle Mächtigen und Autokraten. Im Bekenntnis des Darius kommt es zum Ausdruck: Gott steht auf einer ganz anderen Ebene als alle menschlichen Kategorien. Gott ist viel höher, viel größer. Vergessen wir ihn nicht. Rechnen wir vor und über allen Dingen mit ihm. Auch in der Corona-Krise, auch in der Klima-Krise, auch in der sozialen Krise, auch in der Gesundheits-Krise, auch in der Beziehungskrise. Er ist da! Gerade jetzt. Und er will für uns da sein. Machen wir’s wie Daniel – der hatte ein offenes Fenster nach Jerusalem. Wir brauchen ein offenes Fenster zu Gott. Reden wir mit ihm – regelmäßig wie Daniel. Bringen wir die Dinge, die uns bewegen vor ihn. Rechnen wir mit ihm viel mehr – aber rechnen wir bitte nicht nur damit, was Menschen tun können. Denn das ist zu kurz gerechnet und zu kurz gedacht. Gott hat die Ewigkeit in unser Herz gelegt, nicht nur die paar Jahre, die uns auf dieser Erde bleiben. Darum: Reden wir mit ihm, dem Ewigen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Donnerstag, 10. Dezember 2020

    Die Herrlichkeit des HERRN soll offenbart werden, und alles Fleisch miteinander soll es sehen; denn des HERRN Mund hat’s geredet.                                                     Jesaja 40,5

    »Denn des HERRN Mund hat’s geredet« das ist die Begründung. Eine totale Veränderung, eine völlige Umwälzung der Verhältnisse wird kommen. Alle werden es sehen. Warum ist sich Jesaja so sicher, dass das passieren wird, dass alle die Herrlichkeit des HERRN sehen werden? »Denn des HERRN Mund hat’s geredet.« Was Gott sagt, das wird zur Tat. So erleben wir es schon auf den ersten Seiten der Bibel, im Schöpfungsbericht: Gott redet und es wird. Gott sagt »Es werde Licht« - »und es ward Licht«.

    Anders als unsere Worte sind Gottes Worte wirkmächtig. Sie bewirken, was sie beinhalten. Sie schaffen, was sie ansagen – ganz gewiss. Sie sind keine reinen Absichtserklärungen, sondern vorweggenommene Geschichte – in diesem Fall: vorweggenommene Heilsgeschichte.

    Noch sehen wir alle nicht die Herrlichkeit des HERRN. Noch ist sie verborgen. Das einzige Zeichen, das die Hirten bekommen haben für den neugeborenen Heiland, den Christus waren: ein Kind in Windeln gewickelt in einer Krippe liegen. Mehr war nicht zu sehen. Noch ist die Herrlichkeit von Jesus verborgen – nur für die zu erkennen, die den Worten Glauben schenken. Besser: denen Gott die Augen des Herzens dafür geöffnet hat, denn dass wir den Worten Gottes glauben können, das machen wir ja nicht selbst, das ist ja nicht unsere Klugheit, unsere Fähigkeit, sondern das wirkt Gott durch seinen Heiligen Geist in uns.

    Noch haben wir »nur« das Wort – in Anführungszeichen. Aber Gottes Wort hat es in sich. Es lohnt sich, damit umzugehen, es zu lesen, es im Herzen zu bewegen, es zu meditieren. Und es lohnt sich an ihm festzuhalten und ihm zu vertrauen. Lassen wir es uns nicht madig machen; lassen wir uns nicht durch menschliche Weisheiten und menschliche Meinungen – auch nicht Meinungen, wie Gott wohl sei – davon abbringen: Das, was uns in der Bibel aufgeschrieben ist, das gilt. Daran hat Gott sich gebunden. Nichts davon weglassen und nichts dazutun gilt da. Und diesem Wort fröhlich vertrauen. Gott macht es wahr. Ganz gewiss!

  • add Andacht für Mittwoch, 9. Dezember 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    es lohnt sich, wenn wir einen biblischen Satz mit in den Tag nehmen und ihn immer wieder für uns herausholen, bewegen und wirken lassen. Da kann sich ein Reichtum entfalten, der sich bei nur einmaligem Lesen nicht erschließt. Mit geht das so mit dem Losungsvers für heute. Er kommt aus dem fünften Mosebuch und heißt:

    „Der HERR, dein Gott, führt dich in ein gutes Land, ein Land, darin Bäche und Quellen sind und Wasser in der Tiefe“ (5. Mose 8,7).

    Dieser eine Satz löst manchen Gedanken bei mir aus. Diese Gedanken lege ich jetzt einfach einmal wie einzelne Teile behutsam vor uns auf den Tisch. Und vielleicht legen Sie dann weitere Teile dazu?! Also, drei verschiedene Gedanken:

    Der erste Gedanke: „Der Herr, dein Gott, führt dich“ – das erinnert mich an Psalm 23, wo Gott als guter Hirte beschrieben wird, der uns führt – zum frischen Wasser. Auch durch das finstere Tal führt er und lässt mich gerade dort nicht allein. „Der Herr, dein Gott, führt dich“

    Der zweite Gedanke: Er führt dich in ein gutes Land. 40 Jahre war das Volk Israel unterwegs durch die Wüste. Keine einfache Zeit, gewiss nicht. Dass es so lange dauerte, daran hatte das Volk mitgewirkt durch seinen fortgesetzten Eigensinn. Und doch führt Gott das Volk, das doch sein Volk ist und bleibt, in das gute verheißene Land. Er führt dich in ein gutes Land. Das passt zur Adventszeit gerade, die uns daran erinnert: wir sind noch nicht am Ziel. Wir sind auf dem Weg. Auf dem Weg in ein gutes Land. „In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen“, beschreibt Jesus seinen Jüngern das Land, dass Gott für sie vorbereitet hat (Joh. 14,2). Mit der Verheißung „dass auch ihr seid, wo ich bin“.

    Ein dritter Gedanke: Im verheißenen guten Land ist Wasser, sind Bäche und Quellen. Es gibt wohl kaum etwas, was mehr für Leben, für Erfrischung und neue Lebenskraft steht als trinkbares gutes Wasser. Im Orient und für ein Volk, das aus der Dürre und der trockenen Wüste kommt, sind diese Worte mehr als alles andere eine paradiesische Verheißung. In Zeiten des Klimawandels und trockener Sommer wird auch uns der Wert von Wasser viel deutlicher als früher. Der Apostel Johannes schildert Jesus als den, der das Lebenswasser ist und gibt (Joh. 4). In der Offenbarung des Johannes wird uns ein Wasserstrom lebendigen Wassers, klar wie Kristall, vorgestellt. Bäume an seinem Ufer bringen zwölf Mal im Jahr Früchte und ihre Blätter haben Heilkraft. Was für eine Vision und Verheißung!

    „Der HERR, dein Gott, führt dich in ein gutes Land, ein Land, darin Bäche und Quellen sind und Wasser in der Tiefe“. Welche weiteren Gedanken kommen ihn noch zu diesem Vers?

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für Dienstag, 8. Dezember 2020

    Wir warten auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt.                                                       2. Petrus 3,13

    Wir erwarten so vieles in diesen Tagen. Wir erwarten, dass sich die Lage verbessert. Dass die Zahl der täglichen Neuinfektionen runtergeht; wir warten, dass ein Impfstoff flächendeckend zur Verfügung steht und dass zügig geimpft werden kann; wir erwarten ein Ende der Pandemie. Wir erwarten wenigstens ein bisschen Normalität an Weihnachten. Wir erwarten, dass es wieder aufwärts geht – auch mit der Wirtschaft, dass der Alltag wieder einkehren kann.

    Nicht nur im Coronajahr 2020 sind wir Menschen voller Erwartungen. Vielleicht mehr als sonst sind unsere Erwartungen oft deckungsgleich mit den Erwartungen anderer. Das ist in Krisenzeiten sicher häufiger der Fall als in normalen Zeiten. Aber von der Erwartung leben wir eigentlich immer: Jugend­liche warten aufs Erwachsenwerden; junge Paare auf Kinder; die älteren auf Enkelkinder. Wir warten auf den Urlaub, auf die Gehaltserhöhung.

    Doch all diese Erwartungen übersteigt weit die Erwartung, die uns Petrus ins Gedächtnis ruft: Wir warten auf einen neuen Himmel und eine neue Erde. Wir warten darauf, dass Gottes große Verheißung, Gottes Versprechen in Erfüllung geht. Wir warten, darauf, dass Gott alles zu seinem guten Ziel bringt. Wir warten darauf, weil wir es nicht machen können; nicht erzwingen können. Weil wir es eben nur erwarten können.

    Diese Erwartung macht uns nicht weltfremd oder weltentrückt. Denn wir leben ja noch in dieser Welt. Diese Erwartung lässt uns auch nicht tatenlos abwarten. Die Perspektive der Ewigkeitshoffnung will uns vielmehr motivieren und heute und hier schon für gerechte Verhältnisse einzusetzen, heute und hier schon Menschen etwas von dem guten Ziel spüren zu lassen, das Gott mit uns hat. Keine Angst – was Gott verspricht, das wird Wirklichkeit. Darum nicht den Kopf in den Sand, sondern mutig nach vorne geschaut, erwartungsvoll – und mit einem Herzen voller Liebe zu Gott und den Menschen heute tätig werden. Auch wenn wir’s nicht machen, ein Vorgeschmack des Himmels kanns doch sein.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 7. Dezember 2020

    So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns, so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!                                                          2 Korinther 5,20

    Das fünfte Kapitel des 2. Korintherbriefs strahlt eine wunderbare Botschaft aus: Gott fängt noch einmal ganz neu mit seinen Menschen an. Gott schafft Versöhnung, Gott schafft die Möglichkeit, dass unser Verhältnis ganz neu werden kann. Versöhnung ist darin der Kernbegriff: Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selbst und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu. Heißt es da. Also: das erste ist, dass Gott selbst Versöhnung wirkt. Und dann folgt das zweite: Er hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. Das ist das Evangelium von Jesus Christus. Das Evangelium, dass Christus für unsere Sünden gestorben ist und dass jeder, der an ihn glaubt, Vergebung und neues Leben bekommt.

    Und schließlich hat Gott Menschen beauftragt, diese Botschaft weiterzutragen: Aber das alles von Gott, der uns mit sich selber versöhnt hat durch Christus und uns das Amt gegeben, das die Versöhnung predigt. Also auch das Apostelamt verdankt sich der großen Versöhnungsbewegung Gottes. Und nun kommt der 4. Schritt: Die Einladung, die Aufforderung, die Botschaft: Lasst euch versöhnen mit Gott!

    Paulus lässt keinen Zweifel an seiner Überzeugung: Diese Versöhnung brauchen alle Menschen – auch die, die meinen, sie hätten das nicht nötig. Gott will wirklich alle beschenken. Gott will alle. Gott geht es immer ums Ganze. Auch wo es um die Versöhnung geht. Und darum läuft diese Botschaft, darum wirkt Gottes Versöhnungsbewegung bis heute – und Menschen erleben es immer wieder entlastend, befreiend, wo das in ihrem Leben Wirklichkeit wird »Unendlich Glück! Du littest uns zugute. Ich bin versöhnt in deinem teuren Blute.« (EG 91,9)

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 30.11. bis 06.12.

  • add Andacht für den 2. Advent, 6. Dezember 2020:

    Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.            Lukas 21,28

    Auch in diesem Jahr hat die Adventszeit in den Supermärkten längst vor der Adventszeit begonnen. Stollen, Schokoladen-Nikoläuse, Gutsle – all das gab es schon mindestens seit Mitte Oktober zu kaufen. Manche regen sich drüber auf, wie man die Festzeit so vorziehen kann. Doch dieses Jesus-Wort macht uns Mut, es genauso zu machen. Freilich nicht im Blick auf Weihnachtsdeko und Süßes, was eigentlich in die Adventszeit gehört – sondern im Blick auf die Zukunft.

    Nicht wenige sehen heute sorgenvoll in die Zukunft. Nicht nur im Blick auf die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise. Auch im Blick aufs Klima, auf die Tendenzen in der Entwicklung, die unsere Gesellschaft nimmt. Die Jünger fragen im 21. Kapitel des Lukasevangeliums nach Zeichen für die Wiederkunft. Und Jesus nennt viele besorgniserregende Dinge, die sich ereignen werden und – so müssen wir heute sagen – sich immer wieder schon ereignet haben: Verführung, falsche Propheten, falsche Christusse; Kriege, Aufruhr, Verfolgung der Gemeinde, Erdbeben, Hungersnöte und Seuchen. Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die ganze Erde stellt Jesus nüchtern in Aussicht.

    Und da mitten hinein sagt er: Wenn aber dies anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht. Eure Erlösung – das ist der wiederkommende Herr Jesus Christus. Der – daran lassen die Worte um diesen Wochenspruch keinen Zweifel – sichtbar für alle auf diese Erde wiederkommen wird, in Macht und Herrlichkeit. Der alles zum Ziel bringen wird, ja, der Erlösung bringen wird: Frieden, Heil. Die Perspektive für uns Christen ist nicht Panikmache und Krisenstimmung, sondern Zuversicht: Jesus kommt! Der Heiland kommt! Er kommt wieder. Wir leben im 2. Advent – ganz buchstäblich: In der Wartezeit auf das zweite Kommen von Jesus. Und wir dürfen aufsehen zu ihm, dem Anfänger und Vollender unseres Glaubens. Hören wir die Botschaft – und sagen wir’s weiter an Menschen, die in ihrer Furcht vergehen: Jesus ist der Retter – auch für dich.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Samstag, 5. Dezember 2020

    Ein Vater der Waisen und ein Helfer der Witwen ist Gott in seiner heiligen Wohnung, ein Gott, der die Einsamen nach Hause bringt, der die Gefangenen herausführt, dass es ihnen wohlgehe.

    Psalm 68,6-7

    Der 68. Psalm ist ein fröhliches Loblied auf den starken Gott. In den beiden Versen, die unsere heutige Losung bilden, kommt Gott als Helfer für die in den Blick, die so leicht übersehen werden: Die Waisen, die Witwen, die Einsamen und die Gefangenen. Der Psalmbeter David weiß: Für sie alle sorgt Gott. Für die, die am Rand stehen. Für die, die im Schatten stehen. Für die, die sich nicht selbst helfen können.

    Man kann diesen Vers aus zwei Blickwinkeln lesen. Man kann ihn als Unbeteiligter lesen, als jemand, der keines dieser Schicksale, das da beschrieben wird, teilen muss. Dann sagt man sich: »Schön, beeindruckend, gut für diese Menschen. Aber mich betrifft es ja nicht. Gott sei Dank!« Und wenn man dann den fatalen Schluss zieht: Also, mit Gott ist es wie mit der Feuerwehr. Es ist gut, dass es ihn gibt, aber es ist besser, wenn man ihn nicht braucht. Oder aber man kann ihn aus dem Blickwinkel lesen, den der König David, der dieses Schicksal ebensowenig teilen musste, einnahm: Es ist gut, dass es Gott gibt. Und ich brauche ihn. Ich habe seine Hilfe erfahren – und ich weiß, dass er »viel tausend Weisen zu retten aus dem Tod« hat. Ich weiß, dass seine Hilfe so ganz verschieden aussehen kann. Und ich will auf seine Hilfe in meinem Leben vertrauen. Egal, wie meine Not aussehen mag. Ich vertraue dem Gott, der mir auch in dieser Not helfen kann und helfen wird. Weil er mich liebt und weil ich in seinen Augen kostbar und wertvoll bin. Ein Gott, über den ich immer nur staunen kann.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Freitag, 4. Dezember 2020

    Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht und hernach lange sitzt und esset euer Brot mit Sorgen; denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf.                                                                      Psalm 127,2

    Zwei Eigenschaften hat Gott, der Schöpfer, uns Menschen mitgegeben, die sehr hilfreich sind. Die uns aber auch auf falsche Wege führen können. Diese beiden Eigenschaften sind unsere Fantasie, die uns verbunden mit der Neugier zu einem Erfindungsreichtum führt, der einfach immer wieder faszinierend ist. Und das andere ist unsere Fähigkeit, verantwortlich vorauszudenken. Fantasie und Verantwortungsfähigkeit – eine echt gute Kombination, die uns Menschen so viel Gutes hat erfinden lassen. Eine Infektionskrankheit nicht nur mit Abstandsregeln, sondern mit einem Impfstoff zu bekämpfen, war nur so möglich, weil Menschen eben diese beiden Dinge eingesetzt haben: Fantasie und Verantwortungsfähigkeit.

    Doch nun scheinen in diesem Psalmvers gerade diese beiden guten Fähigkeiten und Eigenschaften, ins Negative verkehrt. Aus Verantwortungsfähigkeit kann Sorge werden. Aus Tatendrang Verbissenheit, wo das nicht gelingen mag, was ich mir vorgenommen habe. Wenn sich die Fantasie nicht in die Tat umsetzen lässt – oder einfach die erhoffte Wirkung ausbleibt. »Frustra« heißt das lateinische Wort, das es auch in unseren Sprachgebrauch geschafft hat: Umsonst, vergeblich. Dann sind wir frustriert, niedergeschlagen oder gar verzweifelt. Ganz so, wie es der erste Teil der Losung aufzeigt: Man müht sich, man müht sich noch mehr. Man steht früh auf. Man steht noch früher auf, man denkt sich was aus und man macht sich Sorgen. Weil ja scheinbar alles von mir und meinen Fähigkeiten abhängt.

    Der zweite Teil der Losung stellt uns den Ausweg, die Lösung dieser verzweifelten Lage vor: Vertraue auf Gott. Da gibt es noch einen Faktor in der Lebensrechnung, der alles drehen kann. Der weit über all dem steht, was Menschen sich erdenken, planen und verwirklichen können: Denn seinen Freunden gibt er – gemeint ist Gott – es im Schlaf. Ohne unser Zutun. Ohn‘ all unser Verdienst und Würdigkeit – beschenkt Gott die, die ihm vertrauen. Fantasie, Verantwortungsfähigkeit und Gottvertrauen – diese drei Dinge in Kombination, machen unser Leben reich.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Donnerstag, 3. Dezember 2020

    Ein jeder gebe, was er geben kann nach dem Segen, den dir der HERR, dein Gott, gegeben hat.

    5. Mose 16,17

    Manchmal kann man die Folgen des Segens anfassen. Nicht immer – aber manchmal. Dass wir uns von unserer Hände Arbeit ernähren können, dass am Ende sogar was übrig bleibt, mehr als genug übrig bleibt, das ist keine Selbstverständlichkeit. Das kann man Glück nennen oder »verdient«. Ich glaube, dass wir darin einfach auch eine Auswirkung des Segens Gottes sehen dürfen. Es ist letztlich Gnade Gottes. Natürlich kann man an dem, wieviel ein Mensch an materiellen Gütern hat und wie seine Geschäfte laufen, nicht ablesen, wie Gott zu ihm steht. Das wäre viel zu kurz gedacht. Gott kann gerade auch da einen Menschen segnen, wo er äußerlich gar nichts hat. Siehe Jesus: Der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege – so sagte Jesus von sich selbst.

    Hier geht es aber nicht nur um’s Haben, sondern nun auch um’s Geben: Wer hat, der soll auch etwas geben. Konkret ging es um die drei großen Jahresfeste, zu denen das Volk zum Heiligtum pilgern sollte – seit Salomo vor rund 3.000 Jahren war das der Tempel in Jerusalem. Dreimal im Jahr sollte alles, was männlich ist, vor dem HERRN erscheinen: Zum Passafest, zum Wochenfest und zum Laubhüttenfest. Sie sollten nicht mit leeren Händen kommen, sondern ihre Opfergabe mitbringen. Und die richtete sich eben individuell nach dem, was einer an Folgen des Segens in materieller Form erlebt hatte.

    Es geht letztlich um unser Verhältnis zum Besitz: Wo wir unser Hab und Gut letztlich als Gabe Gottes ansehen, da kann und soll uns dieses Wissen davor bewahren, nur noch egoistisch eigensinnig damit umzugehen. Geld und Gut sind Mittel zum Zweck – mehr nicht. Doch nun kommt es eben auf den Zweck an: Heißt der Zweck nur: damit es mir gut geht – wäre das zu kurz gedacht. Heißt er aber: Liebe Gott und liebe deinen Nächsten – dann soll das Auswirkungen haben, wie ich mit dem umgehe, was mir anvertraut ist. Wie gut tut es, zu erleben, wie viele Menschen sich an diesen Ratschlag halten. In diesen Wochen kommen die Spenden für den Freiwilligen Gemeindebeitrag in unserer Gemeinde an. Und da sehe, ich viele das – auch im Blick auf unsere Kirchengemeinde und ihre Aufgaben – beherzigen, was in unserer Losung steht. Aber ich weiß auch, dass es noch viele andere gibt, die das an anderer Stelle tun und dorthin etwas von dem, was sie empfangen haben, geben, wo damit Not gelindert wird. Es ist gut, wenn wir die Empfehlung – ja, das Gebot – der heutigen Tageslosung so umsetzen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 2. Dezember 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    am heutigen Mittwoch lesen und hören wir ein tröstendes und mutmachendes Jesuswort in den Losungen: „Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht“ (Johannes 14,27).

    Was brauchen wir mehr als den Zuspruch des Friedens von dem, den der Apostel Paulus so vorstellt: „Er ist unser Friede“ (Epheser 2,14)? Jesus ist der Friede in Person. Er redet uns an, fordert uns auf, ihn anzusehen und nicht auf das, was uns Furcht machen will. Der Friede Jesu ist viel größer als das, was unser Herz friedlos macht.

    Ich möchte Ihnen diesen Frieden Jesu zusprechen mit Worten, die der Liedermacher Manfred Siebald im Jahr 1975 gefunden hat:

    Friede, Friede, Friede sei mit dir
    Friede, Friede, Friede sei mit dir

    Nicht jenes Warten, wenn die Waffen schweigen,
    wenn sich noch Furcht mit Hass die Waage hält,
    wenn sich Verlierer vor den Siegern beugen;
    nicht der Friede dieser Welt.

    Nicht jene Stille, die den Tod verkündet,
    da wo es früher einmal Leben gab.
    Wo man kein Wort und keine Tat mehr findet;
    nicht die Stille überm Grab.

    Der tiefe Friede, den wir nicht verstehen,
    der wie ein Strom in unser Leben fließt,
    der Wunden heilen kann, die wir nicht sehen,
    weil es Gottes Frieden ist.

    Der Friede Gottes will in dir beginnen,
    du brauchst nicht lange bis du es entdeckst;
    was Gott in dich hineinlegt bleibt nicht innen -
    Friede, der nach Außen wächst.

    Friede, Friede, Friede sei mit dir
    Friede, Friede, Friede sei mit dir

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für Dienstag, 1. Dezember 2020

    Der Herr sprach zu Isaak: Bleibe als Fremdling in diesem Lande, und ich will mit dir sein und dich segnen.                                                                                                       1. Mose 26,3

    Gott mutet seinen Leuten manches zu. Oft geht es dabei um Gott-Vertrauen gegen den Augenschein. So auch hier in einer Erzählung aus dem Leben des Erzvaters Isaak. Es beginnt mit einer Hungersnot,  die Isaak und seine Familie zur Wanderung nach Gerar zwingt. Oft machen sich Menschen ja gerade deswegen auf den Weg aus ihrer Heimat, weil es dort einfach nicht mehr geht: Krieg, Hunger, Katastrophen sind oft Auslöser. Auch von vielen Flüchtlingsbewegungen bis heute. Mitte des 19. Jahrhunderts sind wegen Hunger und Perspektivlosigkeit viele Menschen aus Württemberg nach Amerika und Russland ausgewandert. Bei Isaak ist es Gerar. Gerar liegt in der Küstenebene in der Nähe des Mittelmeers im Philisterland. Hier ist er Fremdling.

    Und das soll er bewusst sein. Fremdling in einem Land, das einmal seinen Nachkommen gehören soll. Noch ist davon nichts zu sehen. Noch hat Isaak nichts als Gottes Versprechen. Im Grundbuch ist sein Name nicht eingetragen. Und er hat nichts als Gottes Verheißung: Ich will mit dir sein und dich segnen. Doch für Isaak reicht das. Er bleibt im Land. Er zieht nicht weiter nach Ägypten, wo es vielleicht noch besser und noch einfacher wäre, durch die Krise zu kommen. Er vertraut Gott.

    Fremdling zu sein, das zieht sich in der Bibel als Thema wie ein roter Faden durch. Das Neue Testament macht uns deutlich: Wir sind und bleiben Fremdlinge in dieser Welt, weil unsere Heimat im Himmel ist. Auch wir warten noch. Auch wir haben nichts als die Verheißung Gottes. Darin sind wir dem Erzvater Isaak gleich. Und wohl uns, wenn wir das durchhalten. Johann Amos Comenius, einer der führenden Köpfe der böhmischen Brüder, der um seines Glaubens willen viel auf der Flucht war, dankte Gott dafür: »Ich preise dich, mein Erretter, dass du mir auf der Erde kein Vaterland und keine Wohnung gegeben hast… Du hast mich vor der Torheit bewahrt, das Zufällige für das Wesentliche, den Weg für das Ziel, das Streben für die Ruhe, die Herberge für die Wohnung, die Wanderschaft für das Vaterland zu halten.“ Gott möge auch uns davor bewahren.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 30. November 2020

    So spricht der HERR Zebaoth: Wer euch antastet, der tastet seinen Augapfel an.            Sacharja 2,12

    Was für eine klare Warnung! Was für ein starkes Bündnis! Menschen haben immer wieder versucht, Gott auf ihre Seite zu ziehen oder vor ihren Karren zu spannen. Und sind damit kläglich gescheitert. Es waren Menschen aus allen Völkern – bis hinein ins 20. Jahrhundert und ins 21. Jahrhundert – aber es waren auch Menschen aus dem Volk Israel. Gott lässt sich von uns nicht instrumentalisieren. Gott lässt nicht über sich verfügen.

    Doch dort, wo er selbst sich mit seinen Menschen verbindet, da geht diese Verbundenheit so tief wie es hier bei Sacharja ausgedrückt wird. Der HERR Zebaoth redet hier. Zebaoth, das heißt: Heerscha­ren. Wo Gottes Heerscharen auftauchen, da werden alle menschlichen Heerscharen chancenlos. Gott schützt die, mit denen er sich verbindet. Durch alle Zeiten hindurch gilt das. Konkret erlebbar ist dieses Wort durch die Geschichte hindurch am irdischen Volk Israel. Bereits im 5. Mosebuch findet sich die Beschreibung: Er fand ihn [gemeint ist Jakob, der als Stammvater für das ganze Volk Israel steht] in der Steppe, in der Wüste, im Geheul der Wildnis. Er umfing ihn und hatte acht auf ihn. Er behütete ihn wie seinen Augapfel.

    Unser Gott ist treu. Seine Gaben und seine Berufung können ihn nicht gereuen stellt die Bibel fest. Das gilt für Israel, das gilt für das jüdische Volk, das Bundesvolk des Alten Bundes und das gilt für das Bundesvolk des neuen Bundes. In Jesus Christus hat Gott seine Hand auf uns gelegt. Die Taufe ist das Besitzzeichen Gottes an uns. Nicht magisch zu verstehen als »geistliche Schluckimpfung«, sondern als Angebot und Einladung an uns, mit Gott zu leben. Wo wir seiner Einladung folgen, wo wir Jesus Christus als unseren Herrn anerkennen, da kommt es auch bei uns zu dieser unauflösbaren Verbindung. Und da wird Gott auch uns bewahren bis zum Ende. An Israel sehen wir auch: Gottes Bewahrung bedeutet nicht, vor allen Leiden bewahrt zu werden – Israel hat wohl die schlimmsten Leiden in der Geschichte erfahren. Aber es bedeutet: Am Ende mit Gott verbunden zu bleiben. Die Feinde haben keine Chance. Denn: Wer euch antastet, der tastet seinen Augapfel an.

    Pfarrer Andreas Streich

     

 

Woche vom 23.11. bis 29.11.

  • add Andacht für den 1. Sonntag im Advent, 29. November 2020

    Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.                 Sacharja 9,9b

    Mitten in einer deprimierenden Situation ruft Gott seine Menschen auf: Freut euch, jubelt, jauchzt. Die Situation ist katastrophal. An ihr hat sich noch gar nichts geändert. Und doch haben sie mehr als genug Grund zum Jubeln. Denn Gott tritt auf den Plan. Gott macht sich auf.

    Erinnern Sie sich noch an die Befreiung der Geiseln aus dem Lufthansaflugzeug „Landshut“ in Mogadischu. Damals war die Spezialeinheit GSG 9 des Bundesgrenzschutzes maßgeblich beteiligt. Ich habe gehört, dass bei einer späteren Flugzeugentführung die Entführer aufgegeben hätten, als sie gehört haben, dass die GSG 9 wieder im Anmarsch sei. Allein die Ankündigung – ob Gerücht oder wahr, hat genügt.

    Gott kündigt sein Kommen an. Und Gott kündigt seinen König an. Die Worte, die im kurzen Abschnitt aus dem Predigttext für diesen Adventssonntag, als Wochenspruch verwendet wurden, sind doppeldeutig. Den »Gerechten« kann man auch als »gerecht Gemachten« verstehen und den »Helfer« als einen, der »Hilfe erfahren hat«. Das Hebräische lässt beide Übersetzungen zu. Vielleicht ganz bewusst hat Gott dafür gesorgt, dass hier solch doppeldeutige Begriffe stehen. Denn beide Verständnisse sind richtig und wahr. Beides gilt. Es geht um den Messias, den Israel zu erwarten hat: Er ist ein König, von dem man gar nicht groß genug denken kann. An anderer Stelle im Sacharjabuch wird Gott selbst als dieser König bezeichnet. Gott und der Messias – fast nicht voneinander zu unterscheiden. Und zugleich ist es einer, der ganz anders ist als alle anderen Könige, die ihre Macht ausspielen. Er nicht! Er kommt als ein Helfer. Und als einer, der Hilfe erfährt. Der König kommt – er zieht in Jerusalem ein, genau wie Sacharja es vorhergesagt hat. Doch wenige Tage später wird aus dem Hosianna ein „Kreuzige ihn!“ Und er erträgt es. Jesus Christus steigt nicht vom Kreuz, sondern stirbt an diesem Kreuz. Um so unser Helfer zu werden. Und er erfährt Gottes Bestätigung und Gottes Hilfe, als er am dritten Tag vom Tod aufersteht. So brauchen wir diesen König. Genau so. Als den, der uns gerecht macht und als den, der uns hilft und uns rettet. Nicht nur im politisch-oberflächlichen Sinn, sondern im viel tieferen Sinn: im Sinn unseres Verhältnisses zu Gott. Er versöhnt uns mit Gott.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Samstag, 28. November 2020

    Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.                        Jesaja 66,13

    Über Gott kann man philosophisch nachdenken. Oder mit theologisch abstrakten Begriffen ihn beschreiben: unfehlbar, ewig, allmächtig… Doch das ist alles so weit weg von unserem Leben. Wie gut, dass die Bibel auf die Frage: »Wer ist Gott für mich?« ganz menschlich antwortet: wie eine Mutter! So kann ich es verstehen. So kann ich es fassen. Und so kann ich anfangen, es zu verstehen, indem ich es erlebe.

    Gott begegnet uns auf Augenhöhe. Der Gott, der sich dort im Jesajabuch im Alten Testament mit einer Mutter verglich, der ist Mensch geworden. Der hat sich ganz klein gemacht, weil er uns zur Seite gehen will. Weil er will, dass wir ihn sehen, erleben und dann mit ihm leben. An Jesus Christus sehen wir, wie der mütterliche Gott ist. Wie er voller Liebe und Sehnsucht nach seinen Menschen brennt. Wie er auch die nicht übersieht, die am Rand der Gesellschaft sind – abgeschrieben von so vielen anderen. Wie er alles einsetzt, bis hin zum eigenen Leben, um seine Menschen zu trösten – in so vielfältiger Weise.

    »Trost« hat ja so viele Facetten und so viele Farben: Sei es, dass mir jemand wieder den Blick für die Zukunft öffnet, den ich nur noch verbaut sah. Mir wieder neu Hoffnung und Mut macht. Und ich getröstet meinen Weg weitergehen kann. Oder: »Trost« beinhaltet auch, dass ich nicht auf meine Fehler festgenagelt werde. Dass jemand trotz meines Versagens zu mir steht. Wo alle anderen mich aufgaben, hält Gott dennoch zu mir. Wo alle mir meine Fehler vorhalten, da nimmt Jesus Christus meine Schuld auf sich. Er entlastet mich. Er trägt meine Strafe, er stirbt meinen Tod.

    Aber vor allem hat »Trost« eben etwas mit Beziehung zu tun. Mit Nähe. Mit Vertrautheit. Unser Gott ist kein ferner Gott. Ganz im Gegenteil: er kommt uns ganz nahe. Er wird Mensch, er verbindet sich mit uns. Und er will durch seinen Heiligen Geist in unserem Herzen wohnen. Jesus verspricht es uns: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. So tröstet Gott. Wenn Gott sagt: »Ich will..« dann bleibt es nicht bei der Absichtserklärung. Dann tut er es auch. Wir sind eingeladen, uns ihm anzuvertrauen, mit ihm zu leben und es zu erleben: Bei ihm sind wir wirklich »ganz bei Trost«. Und getröstet und gehalten von ihm sind wir in der Lage, uns anderen tröstend zuzuwenden.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • add Andacht für Freitag, 27. November 2020

    Herr, vor dir liegt all mein Sehnen, und mein Seufzen ist dir nicht verborgen.      Psalm 38,10

    Der 38. Psalm gehört zu den vielen Klagepsalmen. Hier ist es David, der Gott sein Leiden und sein Leid klagt. David spürt: Vieles von dem, was er erleiden muss, geht auch auf Gott zurück: Denn deine Pfeile stecken in mir, und deine Hand drückt mich. So erlebt er es. Er leidet unter seiner Verlorenheit, unter seiner Sünde: Es ist nichts Gesundes an meinem Leibe wegen deines Drohens und ist nichts Heiles an meinen Gebeinen wegen meiner Sünde. Denn meine Sünden gehen über mein Haupt; wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer geworden. Dieser David erkennt: So wie ich bin, kann ich unmöglich vor Gott bestehen.

    David leidet furchtbar. Und mit diesem Leiden geht er zu Gott. Er bleibt nicht allein damit. Er bleibt nicht im Grübeln oder im Hadern oder im Anklagen. Er redet nicht mit andern über Gott, sondern er redet mit Gott. Das ist der Weg auch für uns – mit dem, was wir erleiden. Wo wir über unserer Sünde erschrecken. Nicht allein bleiben, sondern damit zu Gott gehen. David bekennt Gott seine Sünde. Und David vertraut Gott. Denn das gilt: Gott sieht mir ins Herz. Gott, du siehst, was ich so gerne hätte. Du kennst meine Sehnsucht. Mit dir darf ich über alles reden. Meine Schmerzen, meine Tränen, mein Seufzen – dir ist es nicht verborgen.

    Wenn alle Wege verbaut scheinen. Wenn so vieles nicht mehr möglich ist. Wenn uns die Schuld über unser Haupt geht. Unser Gott ist immer noch da. Unser Gott, der uns in Jesus Christus, dem Gekreuzigten begegnet und uns einlädt: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken. Ja, es gilt auch uns: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen. Bleiben wir mit unserer Not und mit unserer Schuld doch nicht allein. Bleiben wir mit den Fragen, die uns quälen nicht allein. Bringen wir es zu Gott. Er kennt uns und er liebt uns. Und er ist der Einzige, der uns helfen und vergeben kann.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Donnerstag, 26. November 2020

    Nun, unser Gott, wir danken dir und rühmen deinen herrlichen Namen.            1. Chronik 29,13

    Der große König David schaut nach vorn. Sein Sohn Salomo wird von ihm die Regentschaft übernehmen. Der Thron-Wechsel gestaltete sich durchaus turbulent. Doch nun schaut David zuversichtlich nach vorn und ist guter Hoffnung, dass damit auch das andere große Projekt, das er so gerne angepackt hätte, verwirklicht wird: Der Bau eines Tempels in Jerusalem. David war es verwehrt, diesen Tempel zu bauen. Doch wenigstens beim Spendenprojekt durfte und wollte er aktiv mitwirken. Er selbst hat einen immensen Reichtum für den Tempelbau gestiftet. Nun soll auch das Volk das Seine dazulegen. Auch sie geben reichlich: 5000 Zentner Gold, 10.000 Gulden, 10.000 Zentner Silber, 18.000 Zentner Kupfer und 100.000 Zentner Eisen kommen zusammen und dazu ein Haufen Edelsteine. Und alle gaben fröhlich und gern.

    Dank, wem Dank gebührt. David weiß: Letzten Endes kommt das alles von Gott. Wenn er nicht Herzen anrührt und ermutigt, dann wird nichts draus. Deshalb kommt zuerst und über allem der Dank an Gott. Das ist die Situation unseres Losungsverses: Nun, unser Gott, wir danken dir und rühmen deinen herrlichen Namen.

    Das ist eine Spur auch für uns: Über und hinter allem Guten, das wir erleben und das uns gelingt, steht letzten Endes unser guter Gott. Seine Güte. Was bin ich? Fragt David in seinem Gebet. Was ist mein Volk, dass wir freiwillig so viel zu geben vermochten? Von dir ist alles gekommen, und von deiner Hand haben wir dir’s gegeben.

    Woher kommt das, was uns erfreut, was uns das Leben erleichtert? Wer hat es uns gegeben? Wer hat den Menschen den Verstand und die Idee geschenkt, um einen Impfstoff gegen das Corona-Virus entwickeln zu können, der einen solch hohen Wirkungsgrad hat? Wer steht letzten Endes hinter all den medizinischen Möglichkeiten, die wir haben. »Ach, Herr, mein Gott, das kommt von dir, du, du musst alles tun.« Der Dank Gott gegenüber ist die richtige Haltung – an jedem Tag. Der Dank für so Vieles.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 25. November 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    wenn von Propheten die Rede ist, gibt es ein weitverbreitetes Missverständnis. Die meisten Leute meinen, Propheten seien solche, die die Zukunft vorhersagen. Dabei ist das bei den Propheten der Bibel nur eine Nebensache, auch wenn uns dieser Blick auf das, was erst noch kommt, besonders beeindruckt. Nein, die große Aufgabe der Propheten war es, im Auftrag Gottes den Leuten den Spiegel vorzuhalten. Auf Missstände hinzuweisen. Und zu sagen, welche Folgen selbstsüchtige Wege haben werden. Dass Gott keiner ist, der auf Dauer einfach zusieht, wenn Menschen sich auf Kosten anderer ein schönes Leben machen. Dabei kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Das war nicht vergnügungssteuerpflichtig. Mit diesem Auftrag machten sich die Propheten keine Freunde. In der Losung heute sagt Amos: „Ihr trinkt den Wein kübelweise und verwendet die kostbarsten Parfüme; aber dass euer Land in den Untergang treibt, lässt euch kalt“ (Amos 6,6).

    Konsum im Überfluss, Vergnügen, das nur sich selbst und nicht den anderen sieht – vermutlich keine Baustelle, die nur zur Zeit des Amos gegolten hat. Wir wollen da jetzt nicht auf andere zeigen, die nach unserer Sicht besonders hemmungslos nur den eigenen Spaß ausleben, sondern besser uns selbst überlegen: wo sehe ich nur mich? Wie viel Geld lege ich zur Seite, um mich abzusichern? Wie viel der Lebenszeit, die mir Gott gegeben hat, verwende ich darauf, für mein eigenes Wohl zu sorgen? Ängstlich darauf zu achten, dass mir ja nichts passiert? Wo geht es mir mit frommer Absicht nur darum, selbst möglichst fehlerlos zu bleiben?

    Die Coronazeit in diesem Jahr hat einerseits Solidarität gefördert. Andererseits erschüttert mich, dass sie uns auch selbstbezogen macht – weil wir vor allem hoffen und darauf schauen, dass wir selbst möglichst unbeschadet durch diese Krise kommen. Die Schwierigkeiten unserer Schwestern und Brüder in anderen Ländern, in denen es längst nicht so gute Sozialsysteme wie bei uns gibt, beschäftigen uns dabei wohl viel weniger als sonst. Das stelle ich zumindest bei mir fest, vielleicht sind Sie da ja mit weiterem Blick und Herz unterwegs. Auch bei uns im Land sind vor allem sozial schwache Menschen von der Krise besonders getroffen. Wo es uns möglich ist, sind wir gefragt, unseren Teil beizutragen, dass ein Ausgleich möglich ist – nicht gezwungen und aus ärgerlichem Pflichtgefühl, sondern dankbar, weil wir wissen, dass wir selbst von unserem Gott überreich versorgt und durch diese schwierige Zeit getragen werden.

    Ich schließe mit dem kurzen Liedgebet von Liselotte Corbach, das heute im Losungsbüchle steht: „Herr, lass deine Wahrheit uns vor Augen stehn. Lass in deiner Klarheit Lug und Trug vergehn. Gib, dass selbstlos werde unser harter Sinn; wend ihn zu der Erde, zu dem Nächsten hin.“

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für Dienstag, 24. November 2020

    Aller Welt Enden sehen das Heil unseres Gottes.                            Psalm 98,3

    Unserem Gott geht es immer um’s Ganze! Er ist der Schöpfer der ganzen Welt, des ganzen Universums. Und er will uns ganz haben. Er erhebt ganz Anspruch auf uns. Auf den ganzen Menschen. Er will nicht nur einen Teil von uns haben, sondern uns ganz. Und auch da, wo es um unser Heil geht, geht es ihm ums Ganze. Er will, dass alle sein Heil erleben sollen: Aller Welt Enden sehen das Heil unseres Gottes.

    Die Heilsbewegung geht dabei von Israel aus. Die Losung ist der letzte Halbvers von zwei Versen, die sachlich zusammengehören: Der HERR lässt sein Heil kundwerden; vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar. Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel, aller Welt Enden sehen das Heil unseres Gottes.

    Am kommenden Sonntag feiern wir den ersten Advent. Dann gehen wir auf Weihnachten zu. Da, an Weihnachten, da hat das in besonderer Weise angefangen, konkret zu werden, was der Psalmbeter ankündigt. Aller Welt Enden sehen das Heil unseres Gottes. Gottes Heil – das ist ganz konkret, das hat Hand und Fuß im wahrsten Sinne des Wortes. Gottes Heil, das ist sein Sohn, Jesus Christus. Ausgerechnet Hirten waren die ersten, die ihn sahen und die von ihm erzählten. Dann kamen die Weisen aus dem Morgenland, scheinbar vom Ende der Erde. Es begann in Israel – doch die Botschaft vom Heil, das vom Gekreuzigten und Auferstandenen ausgeht, drang in alle Länder dieser Erde vor. Menschen haben es verkündigt und verkündigen es bis heute. Auch wir sind Teil dieser Heils­bewegung Gottes. Die Einladung, sein Heil zu sehen, zu erleben in Jesus Christus gilt uns. Und uns gilt dann auch die Einladung, es weiterzutragen, weiterzusagen – dass alle es sehen. Denn unserem Gott geht es immer ums Ganze. Aller Welt Enden sehen das Heil unseres Gottes.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 23. November 2020

    Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum und bei denen, die zerschlagenen und demütigen Geistes sind, auf dass ich erquicke den Geist der Gedemütigten und das Herz der Zerschlagenen.

    Jesaja 57,15

    Gott sprengt unsere Kategorien. Er ist viel größer, als wir denken. Und so gibt es auch auf die Frage, wo Gott wohnt, wo Gott ist und wirkt, keine einfache Antwort. In unserer Losung gibt er selbst uns die Antwort auf diese Frage – eine dreifache Antwort.

    Gott wohnt in der Höhe. Im Himmel, unerreichbar für uns – unerreichbar für alle, die sich für wichtig und für mächtig halten. Gott ist immer noch größer und mächtiger. Er wohnt in der Höhe.

    Gott wohnt im Heiligtum: zunächst einmal in dem, das nicht mit Händen gemacht ist – dem himmlischen Heiligtum, von dem im Hebräerbrief die Rede ist. Dann aber auch im irdischen Heiligtum, im Tempel damals. Da ist ein verlässlicher Ort, um Gott zu begegnen. An diesen verlässlichen Ort, an diesen für Gott und die Begegnung mit ihm reservierten Ort knüpfen auch unsere Kirchengebäude an.

    Und Gott wohnt bei denen, die zerschlagenen und demütigen Geistes sind. Es fällt auf, dass in diesem Vers auf diesem dritten »Wohnort« der Schwerpunkt liegt. Da wohnt Gott, wo Menschen über ihrem Versagen, über ihrer Schuld zerbrochen sind, traurig. Wo Menschen erkennen, dass alle eigenen Wegen zu Ende gegangen sind. Da wohnt Gott. Da wirkt er. Da richtet er auf. Wo Menschen gedemütigt sind – und auch, wo sie sich vor ihm demütigen. Die Botschaft ist eine zweifache: Gott ist bei denen, die scheinbar von allen anderen abgeschrieben sind. Gerade um die Fertiggemachten kümmert Gott sich. Das ist die eine Botschaft. Und die andere: Anders als so, dass ich genau das erlebe – dass ich selbst vor Gott mich demütige – kann ich Gottes Nähe in dieser tiefsten und stärksten Dimension gar nicht erleben. In diese Richtung weist uns auch die Botschaft vom gekreuzigten Christus, der gerade für mich, für mein Versagen, für meine Schuld, für meine Verlorenheit dort am Kreuz hängt. Die tiefe Freude der Rettung wird erleben, wer die abgrundtiefe Verlorenheit, in der er steckt, zuerst erkannt hat. Martin Luther bekannte: »Der mich verlorenen und verdammten Menschen erlöst hat…«. Wer seine Verlorenheit erkennt, der darf und soll auch die Größe des Retters erleben und der kann diesen Satz in der Losung nur aus tiefstem Herzen bestätigen: Ja, so ist’s.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 16.11. bis 22.11.

  • add Andacht für den Ewigkeitssonntag, 22. November 2020

    Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen.      Lukas 12,35

    Umgürtete Lenden und brennende Lichter – das sind klar erkennbare Zeichen, dass jemand bereit ist, dass jemand aktiv wartet. Wer mit dem Bus von A nach B fahren will, der muss sich aufmachen, zur Bushaltestelle gehen und dort warten bis der Bus kommt. Auf den Bus kann ich nicht zuhause auf dem Sofa warten. Da warte ich nämlich vergeblich, dass der Busfahrer aussteigt, den Weg zu meiner Haustür sucht, um dann zu klingeln und zu warten, bis ich Schuhe und Jacke angezogen habe. Wer am Wartehäuschen sitzt, der hat Schuhe und Jacke längst angezogen und wartet aktiv: Selbst diejenigen, die ich da mit dem Smartphone in der Hand dasitzen sehe, die schauen immer wieder mit einem Auge mal wieder auf die Straße, ob der Bus nun kommt.

    Wir warten auf Jesus, den wiederkommenden Herrn. Jesus gebraucht in dem Abschnitt, mit dem der Wochenspruch beginnt, das Bild von einem von einer Hochzeit heimkehrenden Hausherrn. Wohl den Knechten und Mägden im Haus, die ihn – auch mitten in der Nacht – hellwach empfangen können. So ist’s recht. Und er gebraucht das Bild vom »Dieb in der Nacht«. Wohl dem, der auf den Dieb in der Nacht vorbereitet ist und nicht in sein Haus einbrechen lässt.

    Darum geht es: Dass wir aktiv warten. Keiner von uns weiß, wann Jesus kommt. Seid bereit! Sagt Jesus am Ende des Abschnitts, denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr’s nicht meint. Umgürtete Lenden und brennende Lichter – das hat etwas mit Glauben zu tun. Mit einem aktiven Glauben. Mit einem Glauben, der sich mit den Dingen beschäftigt, die unseren Glauben lebendig halten: Das Licht der Welt – das ist Jesus selbst. Also brauche ich eine lebendige Verbindung zu ihm. Ich muss mit ihm leben, damit mein Licht brennen kann. Und die umgürteten Lenden – das ist der Umgang mit seinem Wort, mit der Bibel. Nicht im Sinne bloß von Bescheidwissen, sondern dass ich das, was mir klar geworden ist, auch anwende: indem ich der Einladung, die da steht, folge und Jesus von ganzem Herzen vertraue. Mit ihm leben – das ist die beste Vorbereitung, um aktiv auf ihn zu warten.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Samstag, 21. November 2020

    Gott, deine Güte ist besser als Leben.   Psalm 63,4

    »Hauptsache gesund!« höre ich immer wieder, wenn ich Menschen frage, wie es ihnen geht. Und jedes Mal habe ich bei dieser Antwort das Bedürfnis nachzufragen: »Meinen Sie wirklich, dass das das Allerwichtigste ist? Und was ist, wenn diese ‚Hauptsache‘ einfach wegbricht?«

    Wir leben in einer Zeit, in der ständig nach der »Hauptsache« gefragt wird: Was ist in der Pandemie wirklich wichtig? Was muss unbedingt aufrechterhalten werden? Was ist »systemrelevant«, um dieses Schlagwort aus dem Frühjahr zu verwenden?

    Ist Gott eigentlich systemrelevant? Der Psalmbeter David setzt mit seiner Aussage noch viel grundsätzlicher an: Bevor wir über unser Leben reden können – und das, was wir für unser Leben brauchen, was gut für unser Leben ist, müssen wir von Gott reden. Gott ist all unseren Systemen voraus. Bevor wir überhaupt über unser Leben nachdenken können, leben wir schon lange von Gottes Güte, von Gottes Zuwendung. Gott meint es gut mit uns. Gott hat uns gewollt. Das ist das Vorzeichen, unter dem unser Leben und alle Überlegungen, die sich aus unserem Leben – sowohl im persönlichen Bereich als auch als Gesellschaft – ergeben, stehen. Im hebräischen Urtext ist das „gut“ oder „besser“ sogar, um das zu betonen, noch vorangestellt: Denn besser ist deine Güte als das Leben.

    Und diese Güte Gottes, die zielt auf Beziehung. Gott geht in Vorleistung. Der Schöpfer tut den ersten Schritt und lässt uns seine Güte erfahren. Unser Leben ist und bleibt ein Wunder. Natürlich gilt auch das andere: Unser Leben ist begrenzt und gefährdet. Deshalb ist Gesundheitsvorsorge im System der menschlichen Gesellschaft erforderlich und notwendig. Doch unser Leben ist kein Selbstzweck, sondern es soll dazu dienen, mit dem Gott, der uns mit seiner Güte im Voraus begegnet, in Gemeinschaft zu leben: Der zweite Teil des Verses stehen leider nicht mehr im Losungsbüchle: meine Lippen sollen dich preisen. Darauf zielt die Güte Gottes: Dass ich mir bewusst werde, dass ich davon lebe. Dass ich sie in meinem Leben und in dieser Welt entdecke – und als Einladung verstehe, mich Gott zuzuwenden, ihm zu vertrauen und mit ihm zu leben.

    Und dann – dann sind wir wirklich bei der Hauptsache für unser Leben angekommen. Gott, deine Güte, ist besser als Leben!

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Freitag, 20. November 2020

    Er ändert Zeit und Stunde; er setzt Könige ab und setzt Könige ein.                       Daniel 2,21

    Wie groß denken wir Menschen oft von uns selbst und von unseren Möglichkeiten! Und wie wenig haben wir wirklich in der Hand! Die Corona-Krise führt es uns eindrücklich vor Augen. In einem hochentwickelten Industrieland wie Deutschland ist man nach 8 Monaten nach Ausbruch der Pandemie nicht einmal in der Lage, alle, die evtl. erkrankt sein können, zu testen, um sicher zu gehen. Ganze Wirtschaftszweige sind ins Trudeln geraten – mit ungewissem Ausgang. Die Welt, v.a. auch die Geschäftswelt wird nach Corona anders aussehen als vorher. Worauf wir Menschen uns auch verlassen mögen; womit wir meinen, auf dieser Welt ganz sicher rechnen zu können – es ist alles der Vergänglichkeit und der Veränderbarkeit unterworfen. Es gibt so Vieles, dem wir einfach nur machtlos gegenüberstehen, das wir geschehen lassen müssen.

    Daniel aber kennt den, der nicht machtlos danebensteht, sondern der alles in seinen Händen hält. Ihn, den ewigen Gott, den Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat. Er ändert Zeit und Stunde; er setzt Könige ab und setzt Könige ein. Das bedeutet nicht, dass wir immer und in allem, was geschieht, erklären können, warum Gott so handelt oder warum er bestimmte Dinge zulässt. Gerade seine Allmacht stellt uns vor manche schwere Frage, wenn wir gleichzeitig daran glauben, dass er uns unendlich liebt. Warum lässt Gott das zu? Warum geschieht das jetzt?

    Ich muss immer wieder eingestehen: Ich weiß es nicht. Ich bin nicht Gott. Seine Gedanken sind so viel höher als meine Gedanken. Aber ich darf und will ihm dennoch vertrauen. Weil er mir in Jesus Christus gezeigt hat, wie er es im Tiefsten seines Herzens mit mir meint: Dass er mich liebt, dass er sich mit mir verbinden will und dass er für mich da sein will. Mit ihm verbunden, an seiner Hand, will ich die Entwicklungen in unserer Welt beobachten. Ich werde nicht alles verstehen. Aber eines ist ganz sicher: ich weiß dass ich geborgen in der Hand dessen bin, der mein Leben und diese Welt zu seinem Ziel bringen wird. Und nichts und niemand wird ihn aufhalten.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Donnerstag, 19. November 2020

    Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist. Wohl dem, der auf ihn trauet!         Psalm 34,9

    Manchmal bekommt man auf dem Markt oder in einem Lebensmittelgeschäft ein »Versucherle« angeboten. Eine Geschmacksprobe, um einen Eindruck zu bekommen, wie die Schokolade, das Weihnachtsgebäck oder der Bergkäse schmeckt. Man kann es annehmen oder dran vorbeigehen, je nachdem, wonach es einem gerade ist. 

    An einem Angebot aber sollten wir nicht vorbeigehen. An dem Angebot, das uns im Psalm 34 in unserer Losung vorgestellt wird: Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist. Gottes Freund­lichkeit will von uns erlebt werden. Mit allen dafür verfügbaren Sinnen. Glauben erschöpft sich nicht darin, dass wir Gottes Existenz für möglich oder wahrscheinlich halten. Glauben geht auch nicht darin auf, dass wir das für wahr halten, was in der Bibel über ihn steht oder in der Kirche über ihn gesagt wird. Glaube heißt: Ich will es selber erleben. Ich lasse mich darauf ein. Ich vertraue Gott – und zwar mit meinem ganzen Leben.

    Die Einladung zum Glauben begegnet uns immer als Aufforderung, als Herausforderung. »Lasst euch versöhnen mit Gott!« beschreibt Paulus sie eindringlich im 2. Kornitherbrief; »Folge mir nach!« Sagt Jesus. Gott hat jedermann den Glauben angeboten stellt Paulus nach dem Bericht der Apostelge­schichte fest. Nun geht es darum, dass wir es für uns gelten lassen, dass wir der Einladung folgen – immer wieder neu – und es selbst erleben. Die Freundlichkeit Gottes erlebt, wer sich auf Gott einlässt. Was Gnade heißt, wie groß seine Liebe ist, erlebt in ihrer ganzen Tiefe erst, wer sich mit seinem Leben Jesus Christus anvertraut. Wer anerkennt, dass er ein »verlorener und verdammter Mensch« ist, wie Martin Luther es im Kleinen Katechismus beschrieb. Und wer dann erlebt, wie großartig die Vergebung und das Neue Leben ist, das Jesus Christus uns schenkt. Das muss man schmecken und sehen, erleben und fühlen. Denn dann kann man aus vollem Herzen einstimmen: Wohl dem, der auf ihn trauet!

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • add Andacht für Mittwoch, 18. November 2020

    vor ein paar Tagen war ich dabei, mit beruflichen Partnern aus verschiedenen Orten Deutschlands einen Termin auszumachen für ein Treffen über den Computer, so wie das heutzutage öfter gemacht wird. Zur Auswahl stand der heutige Mittwoch und der morgige Donnerstag. Die meisten Angefragten hätten an beiden Tagen Zeit gehabt. Eine Kollegin jedoch, die in Sachsen ist, meldete zurück: Am Mittwoch geht nicht, da ist bei uns Feiertag! Ja, heute ist Buß- und Bettag, seit 1995 ist er allerdings nur noch in Sachsen auch ein arbeitsfreier Tag.

    Da, wo heute ein Gottesdienst gefeiert wird, was ja auch möglich ist, wenn der Tag kein freier Feiertag ist, wird über den Textabschnitt Jesaja 1,10-18 gepredigt. Den lese ich nicht ganz, nur in Auszügen:

    10 Höret des HERRN Wort, (…)! Nimm zu Ohren die Weisung unsres Gottes, du Volk (…)! 11 Was soll mir die Menge eurer Opfer?, spricht der HERR. (…) 14 Meine Seele ist Feind euren (…) Jahresfesten; sie sind mir eine Last, ich bin's müde, sie zu tragen. 15 Und wenn ihr auch eure Hände ausbreitet, verberge ich doch meine Augen vor euch; und wenn ihr auch viel betet, höre ich euch doch nicht; (…) 16 Wascht euch, reinigt euch, tut eure bösen Taten aus meinen Augen, lasst ab vom Bösen! 17 Lernt Gutes tun, trachtet nach Recht, helft den Unterdrückten, schafft den Waisen Recht, führt der Witwen Sache!

    Soweit Jesaja. Wir hören: Er spricht nicht Gottlose an, sondern solche, die vorgeben, Gottes Volk zu sein. Heute sprechen diese Worte zu uns als Christen, nicht zu irgendwelchen, die das gar nicht sein wollen! Jesaja ruft im Auftrag Gottes zur Umkehr, zur Neubesinnung. Er ruft dazu auf, es echt zu meinen, nicht zu heucheln. Ganz klar die Worte: Gott ist nicht an Äußerlichkeiten interessiert, an unserem frommen und christlichen Reden, an unserem So-tun-als-ob. Darauf kann er gern verzichten. Er wünscht sich, dass es uns wirklich um ihn geht, um die Liebe zu ihm und  unserem Nächsten. Wo diese Liebe in uns lebendig ist, werden wir manche Dinge lassen, andere dafür tun, fast automatisch. Wo diese Liebe nicht in uns ist, können wir so fromm tun, wie wir wollen, Gott kann sich darüber nicht freuen.

    Der heutige Tag ist eine Gelegenheit, dass wir uns überlegen: Ist mein Herz wirklich ganz bei meinem Schöpfer, meinem Retter, meinem Vater, meinem Bruder Jesus? Lebe ich seine Liebe? Oder pflege ich äußerlich zwar ein korrektes christliches Leben, im Grunde aber mache ich fröhlich, was mir passt und gefällt? Gott will und kann schenken, dass wir echt werden, wo wir es nicht sind. Er kann uns helfen, uns neu auszurichten an ihm.

    Buße oder Umkehr ist nichts Negatives, sondern etwas Gutes. Denken Sie an das neue Eichen von einem Messinstrument oder an das Stimmen eines Klaviers, das hinterher wieder ganz harmonisch klingt. Nicht mehr und nicht weniger ist das Anliegen des Buß- und Bettags heute.

    Und wo wir frustriert sind, weil wir uns zum X. Mal eingestehen müssen, dass wir gar nicht so echt sind, wie wir gern nach außen tun, dass wir oberflächlich sind und lieblos, da gilt der Zuspruch Gottes, der als letzter Vers im Predigttext heute steht und den ich vorhin unterschlagen habe: 18 So kommt denn und lasst uns miteinander rechten, spricht der HERR. Wenn eure Sünde auch blutrot ist, soll sie doch schneeweiß werden, und wenn sie rot ist wie Scharlach, soll sie doch wie Wolle werden. Ein Gott, der uns so liebevoll kommt, macht es uns doch wirklich leicht, noch einmal umzukehren, noch einmal neu anzufangen.

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für Dienstag, 17. November 2020

    Um meines Namens willen halte ich meinen Zorn zurück, und um meines Ruhmes willen bezähme ich mich zu deinen Gunsten, dass ich dich nicht ausrotte.                   Jesaja 48,9

    Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf, der Begründer der Herrnhuter Brüdergemeine, von der auch die Losungen kommen, lebte im 18. Jahrhundert. Gleichzeitig lebte in Württemberg einer der Pietistenväter, Johann Albrecht Bengel. Die beiden taten sich schwer miteinander. Insbesondere den Umgang mit der Bibel, der in Herrnhut mit den Losungen gepflegt wurde, fand der Schwabe problematisch: Die Bibel ist doch kein Spruchkästlein, wo man sich rauszieht, was man will, soll er gesagt haben. In der Tat gibt es bis heute Menschen, die so mit der Bibel umgehen: Sie picken sich nur die Bibelverse raus, die ihnen »reinlaufen«, die ihnen angenehm sind oder hilfreich erscheinen – und die anderen, v.a. die Unbequemen, die lassen sie links liegen. Da hatte Bengel schon recht: Die ganze Bibel ist Gottes Wort, nicht nur das, was ich mir davon rauspicke.

    Doch auch der Graf Zinzendorf ist den schweren Bibelworten nicht ausgewichen. Zu ihnen könnte auch dieses Losungswort gehören. Da ist vom Zorn Gottes die Rede, der, wenn er uns trifft, dafür sorgt, dass wir ausgerottet werden. So hart das ist – das muss uns auch gesagt werden. Denn auch das gehört zur geistlichen Wirklichkeit, in der wir leben: Ja, es gibt einen Zorn Gottes. Ja, es gibt ein Gericht Gottes. Ja, es gibt auch ein Verlorengehen und eine Hölle.

    Doch das ist ja nicht die ganze Botschaft dieses Verses. Um seines heiligen Namens willen verfährt Gott mit seinem Volk, ja mit allen Menschen, eben nicht so, wie man es eigentlich erwarten könnte: Dass er uns vernichtet und einfach noch einmal mit anderen neu anfängt. Nein, er hält seinen Zorn zurück. Er rottet uns nicht aus. Er legt vielmehr die Strafe, das ganze Verdammungsurteil, das uns treffen müsste, auf seinen geliebten Sohn. Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selbst. Letztlich nimmt Gott seinen Zorn auf sich selbst und trägt ihn weg. Er will nicht ausrotten, er will vielmehr retten. Deshalb lädt er uns durch den gekreuzigten und auferstandenen Christus so herzlich ein: Lasst euch versöhnen mit Gott! Das, und genau das ist es, was unseren Glauben so besonders macht: Dieses Staunen über den Gott, der unsere Strafe auf sich selbst nimmt. Und aus diesen Staunen sollten wir niemals wieder heraus kommen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 16. November 2020

    Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst; ich bin der HERR.       3. Mose 19,18

    Gott sagt klar, was er von uns erwartet. Er sagt uns, wie er als der Schöpfer unseres Lebens sich unser Zusammenleben gedacht hat. Und da gehören zwei Dinge untrennbar zusammen. Wir sollen uns selber annehmen, uns selber lieben in einer gesunden Art und Weise. Nicht in Selbstverliebtheit, Nicht in eigensüchtiger Weise, dass wir immer unseren eigenen Vorteil suchen. Sondern eben genau so, dass wir wissen, was uns gut tut, was wir brauchen – und dabei auch noch den anderen mit im Blick haben. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Was ihnen selber gut tut, das meinen die meisten Menschen ganz genau zu wissen. Doch nun lädt uns Gott ein, nicht nur für uns zu sorgen und danach zu streben, was uns guttut, sondern im gleichen Maße auch für den Nächsten, die Nächste: Was tut meinem Nächsten, meiner Nächsten gut? Was braucht sie, damit es ihr gut geht. Ich will sie auch mit im Blick haben. Und zwar im gleichen Maß, wie ich mein eigenes Wohlergehen im Blick habe. Das heißt: den Nächsten lieben wie sich selbst.

    Nun gehört das Wort Liebe leider zu den Begriffen, die man erklären muss. Liebe ist ein Containerbegriff: Da verstehen Menschen alles Mögliche darunter. Deshalb macht Gott in den Versen, die unserer Losung vorausgehen, deutlich, was er unter Nächstenliebe versteht. Es lohnt sich diese Verse im 3. Mosebuch Kapitel 19 einmal selbst zu lesen. Deutlich wird, dass Nächstenliebe das pure Gegenteil von Gleichgültigkeit ist. Den anderen einfach leben zu lassen oder machen zu lassen, was er will, das hat mit Nächstenliebe nicht viel zu tun. Die Nächstenliebe weiß sich mit dem anderen eng verbunden. Und sie weiß, dass es mir nur dann gut gehen kann, wenn es meinem Nächsten auch gut geht. Deshalb sollen wir unseren Nächsten nicht bedrücken, nicht berauben, ihm nicht schuldig bleiben, was wir ihm schuldig sind, ihn nicht ungerecht behandeln, ihn nicht verleumden und ihn nicht hassen. Es wäre so viel gewonnen, wenn wir an jedem Tag nur ein kleines Stück von dem, was Gott von uns will, mit seiner Hilfe umsetzen und das Wirklichkeit werden lassen was er sich wünscht: Du sollst deinen nächsten lieben wie dich selbst.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 09.11. bis 15.11.

  • add Andacht für den Vorletzten Sonntag im Kirchenjahr, 15. November 2020

    Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi.                              2. Korinther 5,10a

    Diese Frage beschäftigt wohl alle Menschen: Wie ist das mit dem Sterben? Was kommt danach? Das kann uns kein Mensch beantworten – denn nur der Eine, der ganz wahrer Mensch ist und zugleich ganz wahrer Gott, der war tot uns ist wieder lebendig geworden. Der kann es uns beantworten. Von ihm weiß der Apostel Paulus das, was er uns im Wochenspruch schreibt, was uns übrigens auch sonst die Bibel bezeugt: Wir müssen offenbar werden; wir stehen vor Gericht.

    Sterben – das ist eben bloß wie eine Schiebetür zwischen Wohnzimmer und Esszimmer, bloß zwischen Diesseits und Jenseits, wo es nahtlos weitergeht. Oder wie ein Grenzübertritt, den man im Schengen-Raum kaum mehr wahrnimmt. Oder wo man seinen Ausweis vorzeigt und dann weiter­fah­ren darf. Paulus sieht da auch einen Richterstuhl. Den Richterstuhl Christi. Und an diesem Richter­stuhl kommt keine und keiner von uns vorbei. Da wird alles aufgedeckt werden. Da wird nichts verborgen bleiben. Denn das braucht es. Die Lebenslügen und Halbwahrheiten werden enttarnt und ausgeräumt, damit sie uns nicht eine Ewigkeit lang begleiten. Was nicht für die Ewigkeit taugt, muss zurückbleiben. An anderer Stelle spricht Paulus vom Feuer, in dem es verbrennt. Doch dann ist es weg.

    Wichtig ist: Der Richter, der da auf dem Richtstuhl sitzt, der ist zugleich unser Retter. Der Retter, der an seinem Kreuz unser Verdammungsurteil getragen hat. Der für unsere Schuld gestorben ist. Wer bei Jesus Christus steht, wer mit ihm lebt und ihm vertraut, der wird im Gericht Gottes freige­spro­chen werden. Freigesprochen nicht mangels Beweisen, sondern trotz Beweisen: So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind. Wer an Jesus glaubt, ist gerettet, das steht fest. Doch vor dem Richterstuhl Christi müssen wir offenbar werden, muss alles auch aus unserem Leben als Christ ausgeräumt werden, was nicht in die Ewigkeit passt. Das mag schmerzen, doch das heilt. Es bringt zurecht. Es schafft den bitter nötigen Ausgleich, den so viele Menschen heute bitter vermissen. Es wird alles auf den Tisch kommen. Es bleibt nichts verborgen. Für Christen ist der Richter zugleich der Retter.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Samstag, 14. November 2020

    HERR, wie sind deine Werke so groß! Deine Gedanken sind sehr tief.                   Psalm 92,6

    Immer wieder begegnet uns dieses Phänomen in den Psalmen. Da denken Menschen – im Gespräch mit Gott, im Gebet – über Gott nach, schauen hellwach mit ihren Augen die Welt und ihr Leben an und kommen dann ins Staunen und aus dem Staunen nicht mehr heraus.

    Egal, wohin man schaut: Mit dem Fernrohr, dem Teleskop in die Weiten des Universums – oder mit dem Mikroskop in die kleinsten Strukturen, die man mit bloßem Auge nicht sehen kann. Überall eine wunderbare Ordnung. Spuren des Schöpfers. Werke Gottes. HERR, wie sind deine Werke so groß! Deine Gedanken sind sehr tief. Gäbe es keine Ordnung, keine Konstanten, könnten wir Menschen die Natur überhaupt nicht erforschen. Doch da ist Ordnung, da sind Konstanten. Und wir sind mit dem Ausforschen noch lange nicht zu Ende. Ich bin überzeugt: Das Staunen wird bleiben, je mehr wir Menschen forschen. Je mehr wir die wunderbar geordneten Zusammenhänge erkennen.

    Natürlich kann man immer noch an Zufall glauben. Das war zu allen Zeiten so. Auch schon zu Zeiten dieses Psalms. Auf das Staunen in unserer Losung folgt unmittelbar die Feststellung: Ein Törichter glaubt das nicht, und ein Narr begreift es nicht. Das alles, was wir in der Natur beobachten können, das sind eben keine Beweise für die Existenz Gottes, sondern Hinweise. Und einem Törichten oder Narren etwas klar zu machen, was scheinbar doch allen klar sein sollte, ist wohl vergebliche Liebesmüh. Schauen Sie nur in die USA auf einen Noch-Präsidenten, der das Offensichtliche einfach nicht einsehen wollte.

    Bleiben wir im Staunen. Im Staunen über Gott. Und bleiben wir dabei, es ihm zu sagen im Gebet. Dem großen Gott, dessen Werke so groß sind, sind wir kleine Menschen nicht zu klein. Gerade das macht seine Größe doch auch aus: Dass er uns nicht übersieht, dass er uns ganz genau kennt. Dass er unser Leben, unser Herz kennt. Dass er ganz genau weiß, wie es uns geht und dass er uns in Jesus einlädt: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken. Der große Gott, der auch im Kleinsten seiner Geschöpfe am Werk ist, den wollen wir loben und ihm vertrauen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Freitag, 13. November 2020

    Ich will Wasser gießen auf das Durstige und Ströme auf das Dürre: Ich will meinen Geist auf deine Kinder gießen und meinen Segen auf deine Nachkommen.                     Jesaja 44,3

    Wenn Gott sagt »Ich will«, dann hat das eine ganz andere Wirkung als wenn wir das sagen. Unsere Möglichkeiten sind immer begrenzt. Wir können zwar Absichtserklärungen abgeben. Aber: Ob das, was wir uns vorgenommen haben, dann auch zur Tat wird, das haben wir nicht in der Hand. So viel kann anders laufen und unsere Pläne durchkreuzen. Wie viele Planungen hat Corona in diesem Jahr nicht schon über den Haufen geworfen.

    Aber wenn unser Gott sagt: Ich will, dann wir das zur Tat. Dann setzt er es um. Gleich zweimal sagt Gott „Ich will“ in diesem Vers. Es lässt sich zusammenfassend sagen: Gott will das Gute für uns. Gott will unser Heil. Gott will retten, Gott will die Not wenden. Gott will aus dem, was wir nicht ertragen: Durst und Dürre – etwas überfließend Gutes machen: Ich will Wasser gießen auf das Durstige und Ströme auf das Dürre. Wasser hat eine enorme Bedeutung für unser Leben. In einem zu einem guten Teil von Wüste bedeckten Land wie Israel ist das noch viel deutlicher erkennbar: Dort, wo Wasser fließt, dort ist es grün, dort ist Lebensraum. Nun ist vom Wasser und von den Wasserströmen aber im übertragenen Sinn hier die Rede. Die Botschaft ist: Gott belebt das, was vertrocknet ist. Gott kann selbst dort Leben geben, wo scheinbar alles tot ist.

    Und dann wird Gott noch deutlicher. Wie soll das gehen? Ich will meinen Geist auf deine Kinder gießen und meinen Segen auf deine Nachkommen. Gottes guter Heiliger Geist – das ist der Lebendigmacher. Durch Jesus Christus hat Gott dieses Versprechen erfüllt und ist immer noch dabei es zu erfüllen. Dort, wo Gottes guter Geist in ein Leben hineinfließt und seine Wirkung entfaltet, dort blüht unser Leben auf. Dort kommt es zum Glauben, zu einem herzlichen Vertrauen in Gottes Güte. Dort kann unser Leben zu dem werden, was Gott sich für uns ausgedacht hat. Und wir dürfen Gott bitten, uns immer mehr und immer wieder mit seinem lebendigmachenden Geist zu erfüllen. Denn eines ist sicher: Wer so betet, der betet ganz im Sinne dieses Versprechens. Gott wird es tun.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Donnerstag, 12. November 2020

    Wir, dein Volk, die Schafe deiner Weide, danken dir ewiglich und verkünden deinen Ruhm für und für.                                             Psalm 79,13

    »Gott loben, das ist unser Amt« so beschließt David Denicke in der Folge von Cornelius Becker im 17. Jahrhundert eine der Liedstrophen in dem Lied »Nun jauchzt dem Herren, alle Welt« (EG 288,5). Dabei geht es um zwei Richtungen, die uns das Losungswort zeigt: Da ist zum einen die Richtung zu Gott hin. »Sagt Gott, wie gut er ist« könnte man sagen. Dankt ihm, lobt ihn. Zum Danken gibt es Grund – für Israel, aber auch für uns. Viel Grund: Gott hat uns zu seinem Volk gemacht, zu Schafen seiner Weide. Im Psalm 100 stellt der Psalmbeter fest: »Er, [der HERR, unser Gott], hat uns gemacht und nicht wir selbst zu seinem Volk und zu Schafen seiner Weide.« Ist es bei uns als Christen anders? Nein, Jesus Christus hat uns zu sich hingezogen, hat uns erwählt und uns gerufen in seine Nachfolge. Christsein ist mehr als die Tradition, die mir die Eltern mitgegeben haben. Christsein heißt: In einer ganz persönlichen Beziehung zu Gott zu leben. Da kann mich kein Mensch vertreten. Da kann ich mich auch nicht auf meine Eltern berufen. Gott hat keine Enkelkinder, sondern immer nur Kinder. Er will uns, will mich und dich haben. Wir dürfen zu seinem Volk gehören. Und das zählt. Dafür wollen wir ihm ewiglich danken. Das ist die eine Richtung.

    Doch nun kommt die zweite: und verkünden deinen Ruhm für und für. Auch die anderen sollen es hören und erfahren, wie gut Gott ist. Zum Glauben im biblischen Sinne gehört immer auch, dass er mein ganzes Leben prägt. Dass er meine Beziehungen prägt. Und dass ich, wo sich mir eine Gelegenheit bietet, auch andern gegenüber davon erzähle, was ich mit Gott erlebt habe. Ich muss nicht streiten, wenn jemand mir nicht glauben will; Ich muss nicht argumentieren und schon gar nicht Gottes Existenz beweisen. Aber ich darf und will erzählen: Ich habe Gottes Hilfe, ich habe Gottes Rettung erlebt. Davon will ich nicht schweigen. Denn von ihm und mit ihm, meinem Gott, der mir in Jesus Christus ganz nahe gekommen ist und für mich alles getan hat, möchte ich leben. Und das sollen auch andere wissen dürfen. In diesem Sinn ist der Glaube wirklich alles andere als Privatsache.

     

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 11. November 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    „besser arm und gesund als reich und krank“. „Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.“ Sie kennen solche Vergleichssätze, in denen sich viel Lebensweisheit widerspiegelt. Denen man auf der Stelle zustimmt, weil sie einfach einleuchten.

    Auch die Bibel greift solche Vergleiche immer wieder einmal auf und gibt sie uns zum Nachdenken weiter. In den Sprüchen des weisen Königs Salomo steht die Losung für heute. „Besser wenig mit der Furcht des Herrn als ein großer Schatz, bei dem Unruhe ist.“ Der Satz wird uns vielleicht nicht sofort begreiflich, weil wir da das missverständliche Wort „Furcht“ hören. Mit „Furcht“ ist so etwas wie „Ehrfurcht“ gemeint oder noch genauer: respektvolles Anerkennen, dass Gott der Herr ist und die Dinge in der Hand hat. Wo ich ihn anerkenne als den Herrn der Welt und als den Herrn über mein Leben, da werde ich ruhig. Da weiß ich mich geborgen, auch wenn ich nicht viel besitze. „Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde,“ sagt ein betender Mensch in Psalm 73. In Gottes Nähe sein, ist mehr als Besitz.

    Unser Tagesvers stellt heraus, dass das Anerkennen Gottes mehr ist „als ein großer Schatz, bei dem Unruhe ist.“ In der großartigen Geschichte „Der Herr der Ringe“ wird hervorragend erzählt, wie derjenige, der den wertvollen Ring besitzt, umgekehrt von diesem Ring in Besitz genommen und von Unrast und Unruhe erfüllt wird, getrieben von der Angst, diesen Ring zu verlieren, von jemandem bestohlen zu werden. Also, besser ist es zu wissen und dankend anzuerkennen, dass Gott die Dinge in der Hand hat als meinen, sich mit Besitz absichern zu können.

    Auch Jesus hat immer wieder eindringlich davor gewarnt, sich auf Besitz zu verlassen. Und hat das ebenfalls mit einem drastischen und starken Vergleich gesagt: „Was hilft es dem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen und Schaden zu nehmen an seiner Seele?“ (Mk 8,36). Aller Besitz nützt nichts, wenn der Preis dafür ist, sich selbst zu verlieren, die Beziehung zu dem zu verlieren, der uns gemacht hat.

    Die drastischen Vergleiche der Bibel wollen uns ins Nachdenken bringen und Anstoß sein, dass wir auch im kleinen Alltag überlegen: ist das, wofür ich mich jetzt und heute einsetzen will, wirklich meine ganze Aufmerksamkeit und Lebenskraft wert? Oder ist mein Leben, meine Zeit, das, was ich bin, an ganz anderer Stelle gefragt?

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für Dienstag, 10. November 2020

    Wende dich zu mir und sei mir gnädig; stärke dienen Knecht mit deiner Kraft!                Psalm 86,16

    Was brauchen wir zum Leben? Was ist die Hauptsache? Das Gebet im Psalm 86 ist von einer ganz tiefen Sehnsucht erfüllt. Es ist ein Gebet Davids – so steht es in der Überschrift. In der Lutherbibel ist es überschrieben: Gebet in Bedrängnis. Und so beginnt der Psalmbeter auch gleich damit, wie es ihm geht: denn ich bin elend und arm. Was wünscht er sich? Was braucht er?

    Nahrung brauchen wir als Menschen. Und Sicherheit. Ein Dach über dem Kopf. Gesundheit wünschen wir uns. Doch all das ist noch nicht der Kern der Bedürftigkeit. David betet: … nach dir, Herr, verlangt mich. (V. 4). Der Mensch lebt eben nicht vom Brot allein, wie Jesus gegenüber dem Versucher aus 5. Mose 8 zitiert (Mt 4,45; 5Mo 8,3). Und das salopp dahingesagte »Hauptsache gesund« geht eben haar­scharf an der Hauptsache vorbei. Die Hauptsache für unser Leben als Geschöpfe des ewigen Gottes ist die Beziehung zu unserem Schöpfer.

    Gottes Zuwendung erbittet David deshalb: Wende ich zu mir und sei mir gnädig. Gottes Gnade. Um Gottes Stärkung bittet David und zwar um Stärkung mit Gottes Kraft – Gottes Kraft, die weit über meine Kraft und meine Möglichkeiten hinausreicht. Da spricht Sehnsucht aus diesen Worten. Da spricht Bedürftigkeit, Abhängigkeit. Doch genau darauf kommt es für unser Leben an: Dass wir Gott gegenüber bedürftig sind und bleiben; dass wir ihn um seine Zuwendung bitten. Dass wir von seiner Gnade leben. Und dass wir von ihm Kraft und Stärke erfahren. »Wir sind Bettler, das ist wahr« soll Martin Luther auf seinem Sterbebett gesagt haben. Wir sind Bedürftige und wir sind Empfangende. Wir sind und wir bleiben Beschenkte. Denn das Entscheidende im Leben, das bekommen wir geschenkt von ihm. Deshalb lohnt es sich, zu bitten, bedürftig und verlangend zu bleiben.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • add Andacht für Montag, 9. November 2020

    Ich ließ mich von denen suchen, die nicht nach mir fragten, ich ließ mich finden von denen, die mich nicht suchten.                                                   Jesaja 65,1

    Gott tut über Bitten und Verstehen. Das ist eine genauso wichtige wie tröstliche Erkenntnis. Manche Menschen behaupten, Gott könne uns nur geben, was wir von ihm erwarten. Es komme also auf unsere Erwartung an. Die Botschaft unserer Losung ist eine ganz andere: Gott überrascht uns mit seiner Nähe und seiner Güte.

    Gnade nennt die Bibel das. Gnade, das ist unverdiente, ja oft auch unerwartete Zuwendung. Gott lässt sich finden. Gott kommt uns ganz nah. Wenn jetzt die Weihnachtsbeleuchtungen schon wieder vorinstalliert werden, Stollen und Lebkuchen und Schokoladen-Nikoläuse in den Regalen sich wieder türmen, dann dürfen wir auch einen Blick voraus werfen auf das Weihnachtsfest. Da wird das nämlich noch einmal in ganz besonderer Weise konkret, was Gott durch Jesaja verkünden lässt. Ich ließ mich von denen suchen, die nicht nach mir fragten. Die Weisen aus dem Morgenland – sie kannten den Gott Israels höchstens vom Hörensagen. Doch sie suchten nach dem neugeborenen König, dem Gotteskind. Und die Hirten auf dem Feld, die fanden ihn, obwohl sie nicht suchten.

    So ist unser Gott. Er will sich finden lassen Er will uns begegnen. Er will sich mit uns verbinden. Darum wird er Mensch. Darum kommt er herab von seinem ewigen Thron. Darum lädt Jesus uns ein: Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid. Da bei ihm, bei Jesus, da ist die Gottessuche beendet. Da werden wir fündig. Georg Weissel, der Dichter von »Macht hoch die Tür« dichtete: »Ach, sucht doch den, lasst alles stehn, die ihr das Heil begehret; er ist der Herr, und keiner mehr, der euch das Heil gewähret. Sucht ihn all Stund von Herzensgrund, sucht ihn allein; denn wohl wird sein dem, der ihn herzlich ehret.«

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 02.11. bis 08.11.

  • add Andacht für den Drittletzten Sonntag des Kirchenjahrs, 8. November 2020

    Selig sind die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen.                  Matthäus 5,9

    »Frieden stiften« ist ein lohnendes Geschäft. Das wird in diesem Wochenspruch deutlich. Es wird belohnt, sogar überreich. Wenn wir ehrlich sind, dann wissen wir aber auch: »Frieden stiften«, das ist ein mühsames, ein anstrengendes Geschäft. Da gilt es gegen Widerstände zu kämpfen. Auch gegen innere Widerstände. Je näher die Beziehungen uns sind, in denen wir Frieden stiften wollen, um so schwerer wird es: im allernächsten Umfeld, in der eigenen Familie, unter Geschwistern, zwischen Eltern und Kindern, zwischen Eheleuten. Oder – auch das macht es uns sehr anschaulich – hinterm Steuer, im Straßenverkehr, wenn mir jemand frech die Vorfahrt nimmt. »Frieden stiften« heißt oft ganz einfach: auf das so Naheliegende bewusst verzichten: z.B. auf das »wie du mir, so ich dir« oder »das kann ich mir doch nicht gefallen lassen«. Es heißt, gegen die Angst vor dem Zu-Kurz-Kommen, in uns selbst anzukämpfen. Das ist und bleibt eine Herausforderung, an der wir ein Leben lang zu arbeiten haben und wohl immer wieder auch versagen werden.

    Lassen wir uns nicht entmutigen. Schauen wir auf den, der hier spricht. Auf Jesus Christus, den großen Friedensstifter überhaupt. Auf den, der nicht auf sein Recht pochte. Auf den, der sich sein Leben aus der Hand nehmen ließ. Der sich für uns schlagen und ans Kreuz nageln ließ. Auf den, der schon von Ewigkeit her Gottes Kind, Gottes Sohn war, der das nicht erst werden muss. Aber der uns zu Gottes Kindern macht. Mit ihm verbunden, durch ihn zu Gottes Kindern gemacht, wollen wir an dieser Aufgabe dranbleiben: Frieden zu stiften; anders zu reagieren. Dem Hass mit Liebe zu begegnen. Ich bin mir sicher, wo wir ihn bitten, uns zu zeigen, wo das heute geschehen kann, da wird er es uns zeigen und tun. Und wenn es uns schwerfällt, es dann umzusetzen, dann ist er nur ein Gebet weit entfernt.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Samstag, 7. November 2020

    Als meine Seele in mir verzagte, gedachte ich an den HERRN, und mein Gebet kam zu dir.

    Jona 2,8

    Jonas Gebet – so ist das 2. Kapitel des Jona-Buches überschrieben. Wir erinnern uns: Das ist der Prophet, den Gott nach Ninive schicken wollte. Und der nicht wollte. Der sich auf die Flucht vor Gott begab. Doch mitten auf dem Meer holt Gott ihn ein. Er wird ins Meer geworfen. Und dann heißt es nur: Aber der HERR ließ einen großen Fisch kommen, Jona zu verschlingen. Und Jona war im Leib des Fisches drei Tage und drei Nächte. Dort, im Leib des Fisches, hat dieses Gebet seinen Ort. Dort, wo es scheinbar keinen Ausweg mehr gibt. Dort, wo die Seele verzagt, zurecht verzagt.

    Was macht unsere Seele verzagt? Was lässt uns resignieren? Was nimmt uns den Mut, vielleicht sogar den letzten Mut? Welche Türen sind hinter uns unwiderruflich ins Schloss gefallen? Egal, was es ist: Wir dürfen es machen wie Jona: Als meine Seele in mir verzagte, gedachte ich an den HERRN. Gott ist immer noch da. Selbst in der finstersten Gefängniszelle in Philippi, wo Paulus und Silas gefangen sind. Man hat sie hart geschlagen, Hände und Füße in den Block gelegt. Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott. Diese Tür ist immer noch offen – die Tür zu unserem Vater im Himmel.

    Mit allem, was uns bewegt, was uns bedrückt und beschwert, was unsere Seele ängstet und verzagt macht, dürfen wir zu ihm kommen. Und mein Gebet kam zu dir bekennt Jona. Es kommt wirklich zu Gott. Es bleibt nicht an der Zimmerdecke hängen; es wird nicht im Vorzimmer abgefertigt. Es kommt zum König aller Könige, zum Herrn aller Herren. Er hört’s. Er weiß um meine Situation. An höchster Stelle ist bekannt, wie es mir geht. Und da wird mir geholfen. Vielleicht nicht immer gleich und vielleicht nicht immer so, wie ich mir das vorstelle. Doch Gott wird meine Seele bewahren. Und am Ende steht: Er hat alles wohl gemacht.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Freitag, 6. November 2020

    Ich bin der HERR, und sonst keiner mehr, der ich das Licht mache und schaffe die Finsternis, der ich Frieden gebe und schaffe Unheil. Ich bin der HERR, der dies alles tut.                              Jesaja 45,6-7

    »Wir sollen Gott fürchten und lieben« so beginnt Martin Luther nicht ohne Grund alle seine Erklärun­gen im Kleinen Katechismus zu den Geboten. Denn beides gehört zur Gottesbeziehung dazu. Werden wir nicht zu schnell zu einseitig in unserer Gottesvorstellung. Schauen wir nicht zu kurz. Gott ist anders als wir denken. Gott ist ein Gott der Liebe. Er ist die Liebe in Person. Was Liebe überhaupt erst definiert, ist Gottes Wesen und Gottes Handeln an uns.

    Doch nun erleben glaubende Menschen eben auch anderes. Nicht nur Frieden, sondern auch Unheil. Nicht nur Licht, sondern auch Finsternis. Ist da Gott etwas aus dem Ruder gelaufen? Hat Gottes Macht da etwa versagt? Nein, ganz sicher nicht. Das macht dieses Losungswort deutlich. Wer an die Allmacht Gottes glaubt, muss auch glauben, dass Gott das Unbegreifliche, das Schwere, das Unerklärbare zumindest zugelassen hat. Hier stellt Gott sich uns sogar als der vor, der das Unheil schafft. Spätestens jetzt stehen wir mit unserem Verstand vor einem unlösbaren Rätsel.

    Doch auch diese Erfahrung gehört zur Lebensgeschichte von glaubenden Menschen: Dass sie Gottes Handeln nicht begreifen und erklären können. Dass Sie Finsternis durchleiden und Unheil erleben, das sie sich nicht erklären können. Unsere Denkmuster von Lohn und Strafe greifen allesamt zu kurz – ja sie sind an dieser Stelle sogar gefährlich, weil sie uns auf eine falsche Fährte locken. So einfach ist das nicht. Es bleibt dabei: Solange wir auf dieser Welt leben bleibt Gott immer auch der Unerklär­liche, der Rätselhafte, vor dem wir uns zurecht fürchten.

    Doch zugleich stellt er sich uns mit Namen vor, damit wir in all dem, was wir nicht verstehen, zu ihm fliehen können. So wie jemand betete: »Gott, ich verstehe dich nicht, aber ich vertraue dir.« Und in Jesus Christus zeigt Gott uns sein Gesicht. Und da verspricht er uns: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen. Also bleiben wir dabei: Wir sollen Gott fürchten und lieben.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Donnerstag, 5. November 2020

    Von all dem Guten, das der HERR dem Haus Israel zugesagt hatte, war nichts dahingefallen; alles war eingetroffen.                                                                                  Josua 21,45

    Auf turbulente Zeiten folgt für das Volk Israel endlich die Ruhe. Sie sind angekommen. Sie sind im gelobten Land. Die Sehnsucht nach einem geordneten Leben, nach befriedeten Verhältnissen

     ist endlich erfüllt. Sie haben alles, was sie brauchen. Doch wie kam es dazu? War es Zufall? War es kluges, politisches Handeln? Das Buch Josua ist sich sicher: Es war Gottes Wirken. Gott steckt dahinter. Natürlich bedient er sich dabei auch Menschen, die in seinem Sinne handeln. Doch auf sie allein lässt sich das alles nicht zurückführen. Da war Gott mit im Spiel.

    Wir stecken derzeit noch mitten in turbulenten Zeiten. Tag 4 im politisch verordneten tristen November – ohne so vieles, was uns lieb und vertraut ist. Warum das sein muss, ist uns klar: Nur durch Kontaktbeschränkungen lässt sich die Übertragung eines für viele Menschen lebensgefähr­lichen Virus verhindern. Gott sagt auch uns – genau wie dem Volk Israel – mitten in den turbulenten Zeiten Gutes zu. Und auch von dem Guten, das er uns zusagt, wird nichts dahinfallen. Derzeit planen wir unsere Bibeltage am 16. und 17. November. Pfarrer Dr. Hartmut Schmid, der Vorsitzende des Liebenzeller Gemeinschaftsverbandes wird – so Gott will – über das Gute sprechen, das Gott uns zusagt. Es ist die Botschaft, die ganz am Ende der Bibel steht: Dass Gott zum Ziel kommt. Dass Jesus Christus, unser Herr, wiederkommt. Dass wir für immer bei ihm sein dürfen, wenn er einen neuen Himmel und eine neue Erde heraufführt.

    Menschen, die von diesem Guten, das sie erwarten, erfüllt sind, können hoffnungsvoll leben. Paulus kann schreiben: Ich bin gewiss, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der überschwänglichen Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll (Röm 8,18). Die Hoffnung stellt die Gegenwart – und mag sie noch so bedrückend und duster sein – in ein vollkommen anderes Licht. Leben wir doch mit und von dem Guten, das Gott uns schon geschenkt hat und noch schenken will. Das Gute hat bei Gott einen Namen: Jesus Christus.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 4. November 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    vielleicht denken Sie unwillkürlich an den Advent, wenn Sie die heutige Tageslosung aus Zefanja 3(14-15) hören: „Jauchze, du Tochter Zion! Frohlocke, Israel! Freue dich und sei fröhlich von ganzem Herzen, du Tochter Jerusalem. Denn der Herr hat deine Strafe weggenommen.“

    Der Vers erinnert vom Wortlaut an das Adventslied „Tochter Zion, freue dich, jauchze laut, Jerusalem!“ Dieses Lied bezieht sich auf einen Vers aus Sacharja (9,9), also nicht auf unsere Tageslosung heute. Und doch passt beides zusammen. Der Grund für die Freude in der Losung heute ist: Der Herr hat deine Strafe weggenommen. Der Grund für die Freude im Adventslied ist: Dein König kommt zu dir. Der König Jesus. Und Jesus ist wiederum der, der Gottes Barmherzigkeit in Person ist. Er ist der, von dem Jesaja sagt: „Er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt“ (Jesaja 53,5).

    Darauf weist auch der zweite Vers für den heutigen Tag, der Lehrtext, hin: „Jesus Christus ist die Versöhnung für unsre Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt.“ (1. Johannes 2,2). Und das ist Grund zur Freude!

    Wirklich?

    Geht’s Ihnen wie mir? Ich sage und bekenne: Jesus vergibt mir, er springt für mich ein, für alles Versagen. Und doch löst das oft wenig echte Freude aus. Woran das liegt? Das kann ich nur für mich vermuten: Daran, dass mir eben manchmal doch das Vertrauen fehlt, dass Jesus wirklich für meine Schwachheit und mein Alltagsversagen da ist und es mir abnimmt, wo ich selber doch ungnädig mit mir bin? Dass ich versuche, mein Versagen innerlich mit dem aufzurechnen, was ich doch ganz gut hingekriegt habe und doch spüre, dass diese Bilanz doch eher zweifelhaft ist – denn kann ich eine Unfreundlichkeit gegen einen Mitmenschen dadurch ausgleichen, dass ich zu einem anderen besonders freundlich bin? Warum verlasse ich mich nicht lieber ganz und gleich auf Gottes Barmherzigkeit? Auf Jesus? Und entdecke dann, dass das riesengroße Freude auslöst?

    Im Losungsbüchle steht heute noch ein so schöner Gedanke von Leo Tolstoi, dass ich Ihnen den unbedingt noch vorlesen will: „Wer die Lehre Christi begreift, hat dasselbe Gefühl wie ein Vogel, der bis dahin nicht wusste, dass er Flügel besitzt und nun plötzlich begreift, dass er fliegen, frei sein kann und nichts mehr zu fürchten braucht.“

    Ich wünsche Ihnen und mir heute dieses plötzliche Begreifen!

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für Dienstag, 3. November 2020

    Freut euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt! Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid.                                 Jesaja 66,10

    Wie das Morgenrot am frühen Morgen, das das Ende der Nacht ankündigt, so ist dieses Bibelwort. Wie das Lied eines Vogels vor Tagesanbruch, der die Stille der Nacht durchbricht. Wenn man es so hört oder liest, dann könnte man meinen: Das ist auf dem Höhepunkt eines Festes gedichtet. So wie bei uns »Lobet den Herren, alle die ihn ehren« bei der Hochzeit oder der Konfirmation gesungen wird.  

    Doch die Gegenwart, aus der heraus der Prophet spricht, sieht ganz anders aus. Trümmer und Tränen gab es da. Ein völlig verhärmtes Häufchen Menschen in Jerusalem. In der politischen Großwetterlage kein Silberstreif am Horizont. Auf unsere Situation übertragen: steigende Infektionszahlen; Lockdown ohne Aussicht auf einen baldigen Impfstoff, Vereinsamung, Wirtschaftseinbruch, Existenzängste, Pleitewelle, Hamsterkäufe.

    Die Botschaft Jesajas für die in Trümmer liegende Stadt Jerusalem ist: Gott ist immer noch da! Auch in der Katastrophe und nach der Katastrophe. Auch in der Pandemie. ER lässt nicht los. Er hat uns seinen Bund nicht aufgekündigt. Er ist da und er will trösten. Wenige Verse später folgt das starke Bild, das vor einigen Jahren uns als Jahreslosung begleitete: ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.

    Das ist Kennzeichen des Glaubens, den Gott in uns weckt: Dass er hoffnungsvoll ist. Dass er mit Gott rechnet. Und dass er schon – mitten in der Not – von Gottes kommender Hilfe singen kann. Von diesem Glauben war dieser Prophet erfüllt. Ich wünsche uns, dass Gott auch uns mit diesem Glauben immer wieder neu erfüllt.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 2. November 2020

    Da ist kein Unterschied: Alle haben gesündigt und die Herrlichkeit Gottes verspielt. Gerecht gemacht werden sie ohne Verdienst aus seiner Gnade durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist.

    Römer 3,22-24

    Es geht dem Apostel Paulus schlicht um alles. Es geht ihm um das höchste Gut, das jeder Mensch zu gewinnen oder zu verlieren hat. Es geht um die Herrlichkeit Gottes. Machen wir uns klar: Dafür hat Gott uns geschaffen: Dass wir als seine Geschöpfe, als sein Gegenüber in einer harmonischen Beziehung mit ihm leben. In ungetrennter Gemeinschaft. Doch genau diese Gemeinschaft ist verloren gegangen. Gott hat klargestellt, was er von uns erwartet. Er hat dem Volk Israel seine klaren Gebote an die Hand gegeben. Die Richtschnur, nach der wir leben sollen. Die Richtschnur aber auch, an der Gott uns misst. Uns allen hat er eine solche Richtschnur durch unser Gewissen an die Hand gegeben.

    Und jetzt kommt’s, was so viele immer und immer wieder nicht wahrhaben wollen: Da ist keiner, der Gutes tue, auch nicht einer. Da ist keiner, auch nicht der in unseren Augen Frömmste und Anstän­digste, der dem entspricht, was Gott von uns eigentlich erwarten dürfte. Das ist eine grundevange­lische Erkenntnis: Wir können uns den Himmel nicht verdienen. Keine und keiner von uns. Wir schaffen das nicht. Gerecht gemacht, also: so gemacht, dass wir von Gott gerne angenommen werden, dass er uns in seine Herrlichkeit aufnimmt, werden wir ohne, dass wir es verdient hätten. Sondern: Allein aus Gnade – sola gratia – wie die Reformatoren bezeugten. Allein aus Gottes unverdienter Zuwendung und zwar – jetzt kommt die zweite grundevangelische Erkenntnis – durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist. Durch das, was Jesus für uns am Kreuz getan hat. Deshalb steht das Kreuz auf und in unseren Kirchen. Deshalb wird das »Wort vom Kreuz« landauf, landab und in allen Ländern dieser Erde gepredigt. Weil das unsere einzige Rettung ist. Weil es keinen anderen Weg zu Gott gibt. Sola gratia und solus Christus. Das ist der absolute Kern des Evangeliums von Jesus Christus: Welt ging verloren, Christ ist geboren – Christ ist erschienen, uns zu versühnen.

    Diese Gnade brauchen wir. Diesen Herrn brauchen wir. Wir und alle Menschen. Darum wollen wir uns dieser Gnade bewusst sein, in ihr leben – und auch anderen gegenüber davon reden. Was für ein Gott. Was für ein Herr! Was für eine Gnade.

    Pfarrer Andreas Streich

     

 

Woche vom 26.10. bis 01.11.

  • add Andacht für den 21. Sonntag nach Trinitatis, 1. November 2020 zum Wochenspruch

    Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.         Römer 12,21

    Das ist eine Einladung, eine Ermutigung, eine Aufforderung für uns, dass wir uns für das Gute entscheiden. Nicht immer, aber doch erstaunlich oft, lassen sich die Möglichkeiten, die Handlungsoptionen, die uns offen stehen, in zwei Kategorien einordnen: Gut und Böse. Diese Empfehlung steht in einem Abschnitt, in dem es um unser zwischenmenschliches Miteinander geht. Konkret: Wie reagiere ich als Christ auf Verletzungen durch andere Menschen? Auf böse Worte, auf bissige Bemerkungen, auf das Übergangenwerden. In uns steckt ein Reflex, eine natürliche Reaktion, die uns in solchen Situationen zuerst einfällt – oder sagen wir besser: überfällt – und die heißt: Zurückschlagen! Heimzahlen! Nichts gefallen lassen! Getreu dem Motto: Wie du mir, so ich dir! Und wo das nicht möglich ist, tragen wir einander das Böse nach. Gesund ist das nicht. Und gut ist das nicht.

    Darum lädt Paulus uns ein, in der Nachfolge von Jesus Christus, den anderen Weg zu gehen. Mit ihm und mit seiner Hilfe. Das Gute – das hängt unbedingt zusammen mit dem Guten. Mit dem, in dem uns Gottes Güte und Gottes Vollkommenheit in Menschengestalt begegnet: mit Jesus Christus. Das Böse mit Gutem überwinden. Das heißt deshalb zunächst einmal: Sich Gottes Güte, die uns in Jesus Christus geschenkt wird, gefallen zu lassen. Es uns einzugestehen: Jesus, alleine schaffe ich das nicht. Ich brauche dich. Ich brauche deine Vergebung, ich brauche deine Liebe, ich brauche deine Kraft, um anders reagieren zu können. Jesus verspricht uns: Wo wir mit ihm verbunden sind, wo er in uns bleibt und wir in ihm, da bringt unser Leben viel Frucht. Gute Frucht. Es gelingt nur in der Abhängigkeit von ihm. Doch dort kann es ganz unverkrampft gelingen, weil seine Güte uns prägt. Wer täglich staunt über die Vergebung, die uns Jesus schenkt, der wird nicht nur seine eigenen Fehler, sondern auch die des anderen in einem anderen Licht sehen. Der weiß auch um dessen Vergebungs- und Erlösungsbedürftigkeit.

    Und ein ganz wichtiger Weg, wie wir im Umgang mit anderem uns nicht vom Bösen überwinden lassen ist das Gebet genau für diesen Menschen. Die Stille vor Jesus, das Gespräch mit ihm, wird mir helfen, es anders zu sehen – und vor allem: anders zu reagieren. Wagen wir’s! Es ist eine lebenslange Herausforderung. Doch es lohnt sich.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • add Andacht für Samstag, 31. Oktober 2020

    Ich will des Morgens rühmen deine Güte; denn du bist mir Schutz und Zuflucht in meiner Not.

    Psalm 59,17

    Auf das Vorzeichen kommt es an. Das gilt für die Musik: Die Vorzeichen zeigen mir die Tonart an, in der ein Musikstück geschrieben ist. Ein Kreuz macht aus einem c ein cis – und damit einen halben Ton höher. Es wird schräg, wenn ich das nicht beachte. Auf das Vorzeichen kommt es an. Das gilt in der Mathematik: Ob ein Plus oder ein Minus vor der Zahl steht, das macht einen entscheidenden Unterschied – spätestens, wenn es sich dabei um den Kontostand handelt, wird uns das klar. Auf das Vorzeichen kommt es an. Das gilt auch für unser Leben.

    Wenn der Psalmbeter David morgens aufwacht, dann gäbe es genug Sorgen, um die sich seine Gedanken schon am frühen Morgen drehen könnten. Der Psalm 59 ist einer der Psalmen, über dessen Entstehungs-Umstände wir genau unterrichtet sind: als Saul hinsandte und sein Haus bewachen ließ, um ihn zu töten. Da ist ein Mensch in Lebensgefahr. Doch das ist nicht das entschei­dende Vorzeichen für diesen David. Er beginnt seinen Tag mit etwas ganz anderem: Ich will des Morgens rühmen deine Güte. So beginnt er seinen Tag. Nicht mit Katerstimmung, nicht mit sor­genvoller Miene, sondern mit dem Lob Gottes. Mit dem Lob der Güte Gottes. Gott ist mir gut – das ist sein Vorzeichen, das er vor alles stellt, was ihm an diesem Tag begegnen mag. Und dieses Vorzeichen stellt alles, was dann kommt, in ein anderes Licht.

    Deshalb fährt David fort: Du bist mir Schutz und Zuflucht in meiner Not. Nicht dass er die Augen vor der Not verschließen würde – wie könnte er auch. Nicht, dass er sie verdrängen würde. Aber er stellt sie unter dieses Vorzeichen der Güte Gottes. Ich will zuerst Gottes Güte rühmen. Ich will seine Güte rühmen, auch wenn die Fallzahlen steigen. Ich will seine Güte rühmen, auch wenn die Eindämmungsstrategien gegen das Virus nicht mehr richtig funktionieren wollen. Ich will seine Güte rühmen, auch wenn die Menschen ratlos sind, was sie nun noch tun können – und was sie nicht tun sollten. Ich will seine Güte rühmen – und es glauben und bekennen: Er ist auch mein Schutz und meine Zuflucht. Seine Tür ist immer offen für uns. Mit ihm dürfen wir rechnen. Auch und gerade in Pandemiezeiten, wenn uns die Begrenztheit des Menschenmachbaren schmerzhaft bewusst wird: Seine Güte ist immer noch da. Seine Güte gilt uns. Das ist das Vorzeichen auch für uns.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Freitag, 30. Oktober 2020

    Sechs Tage sollst du arbeiten; am siebenten Tage sollst du ruhen.                         2. Mose 34,21

    Was zusammengehört, darf man nicht trennen. Zu unserem Leben gehört beides: Das Arbeiten und das Ruhen. Sogar eine Verhältnisbestimmung gibt Gott uns als Orientierungshilfe an die Hand: 6 zu 1. Ein gutes Verhältnis. Es hat sich übrigens bei allen gesellschaftlichen Experimenten, die man unternommen hat, um das zu ändern, als das Bessere bewährt. 10 Tage funktionierten nicht. 6 zu 1, so gibt es uns unser Schöpfer an die Hand.

    Warum brauchen wir beides? Weil wir Menschen begrenzt sind. Weil der Ruhetag, auf hebräisch der Schabbat, uns daran erinnert, dass wir nicht allein für die Welt und für unser Leben verantwortlich sind. Dass wir nicht die Macher sind, die alles hinbekommen müssen. Dass wir nicht die Problemlöser und Weltretter sind. Der 7. Tag, der Ruhetag, der Schabbat – das Aufhören mit allen eigenen Anstrengungen – erinnert und weist uns an unseren Schöpfer, an unseren Vater im Himmel, von dem wir abhängig sein dürfen.

    Wir brauchen also den Ruhetag – um zu ruhen und Gott zu begegnen. Aber wir brauchen auch die Arbeit. Sinnvolle Arbeit. Wie sehr leiden Menschen darunter, die auf dem Arbeitsmarkt das Gefühl vermittelt bekommen: Du wirst nicht gebraucht! Zumindest nicht mit dem, was du kannst. Nicht, dass die Arbeit uns die letzte Sinnfrage beantworten kann. Jemand sagte zutreffend: »Arbeit war sein Leben« das sei ein Grabspruch für einen Ackergaul, aber nicht für einen Menschen. Aber, wessen Lebenskraft es zulässt, den verlangt danach, diese Kraft auch kreativ und sinnvoll einzusetzen. Manfred Siebald betete in einem Lied: »Grade dann, wenn sich die Arbeit vor mir häuft, wenn scheinbar ohne mich nichts läuft und ohne meinen Rat. Gott hilf mir bitte grade dann, dass ich noch den verstehen kann, der keine Arbeit hat!“

    Beides gehört zum Leben: Die Arbeit und das Ruhen; »ora et labora« lautet das Lebensmotto der Mönche: Aktivität und Kontemplation; Gebet und körperlich Mühe. Nur in dieser Spannung kann sich unser Leben gut entfalten und zu dem werden, wie unser Schöpfer es sich gedacht hat. Das ist entlastend, das ist befreiend. Wir brauchen es immer wieder, dieses Verhältnis in unserem Leben zu überprüfen – am besten gelingt uns das im Gebet; oder in der Seelsorge mit einem anderen Christen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Donnerstag, 29. Oktober 2020

    Ihr sollt nichts dazutun zu dem, was ich euch gebiete, und sollt auch nichts davontun, auf dass ihr bewahrt die Gebote des HERRN, eures Gottes.                                          5. Mose 4,2

    »Bewahren« sollen wir. Das Gute, das Kostbare, das Heilsame, was uns anvertraut ist, bewahren. Mehr nicht. Nicht uminterpretieren, nicht korrigieren, nicht ändern, nichts dazutun und nichts wegtun. Einfach nur bewahren. Es geht um Gottes Gebote. Den Willen Gottes, den er selbst in Worte gegossen hat und sie durch Mose seinem Volk gegeben hat. Wer einmal die Hochachtung, die im jüdischen Volk für die Worte der Weisung, der Tora, wie man im Judentum die 5 Bücher Mose nennt, erlebt hat, hört diese Worte noch einmal anders.

    Ja, es geht auch um den Wortlaut. Mit allergrößter Sorgfalt wird bis heute die Bibel in ihrer ursprünglichen Sprache von jüdischen Schreibern von Hand abgeschrieben. Jedes Jota – das ist der kleinste Buchstabe im hebräischen – muss sitzen. Jesus bestätigt es in der Bergpredigt, dieser einzigartigen Auslegung des jüdischen Gesetzes in Mt 5-7: Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, das Gesetz und die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen. Denn wahrlich ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüpfelchen vom Gesetz, bis es alles geschieht. Wer nun eines von diesen kleinsten Geboten auflöst und lehrt die Leute so, wird der Kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber tut und lehrt, der wird groß heißen im Himmelreich.

    Zum Bewahren gehört also auch das Tun. Es reicht nicht, im Kopf zu wissen, was richtig wäre. Wir müssen es auch tun. Genau da werden wir wohl immer hinter dem Anspruch der guten Gebote Gottes zurückbleiben. Durch die ganze Bibel hindurch zieht sich wie ein roter Faden: Anspruch und Wirklichkeit klaffen auseinander. Was Gott von seinen Menschen will und was sie dann tun, ist nicht dasselbe. Bis, ja bis der Eine kam, in dem Gott selber Mensch wurde: Jesus, der Christus, der Messias, der Sohn Gottes. Da – in seinem Leben – da waren Anspruch und Wirklichkeit wirklich deckungs­gleich. Da wurde das Gesetz erfüllt. Doch noch mehr: Da wurde uns die Last unserer Verfehlung abgenommen. Weil Jesus unsere Schuld, unsere Sünde auf sich genommen hat und dafür am Kreuz starb. Zum Bewahren brauchen wir deshalb auch ihn, Jesus Christus. Sein Gesetz soll uns ins Herz geschrieben sein: Liebe Gott und liebe deinen Nächsten – ganz genauso wie dich selbst.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 28. Oktober 2020

    "Wo ist ein Fels außer unserm Gott?“ fragt David im Psalm 18. Und es ist eine rhetorische Frage, also eine Frage, auf die David nur die Antwort kennt: keiner ist so wie unser Gott! David hat Rettung aus großer Not erlebt und so drückt er aus tiefstem Herzen Dank aus, indem er diese Frage formuliert: Wo ist ein Fels außer unserm Gott?

    David hat es handfest selbst erlebt – Gott hat ihn nicht im Stich gelassen. Und er erzählt im Psalm davon: Es umfingen mich des Todes Bande, und die Fluten des Verderbens erschreckten mich. Des Totenreichs Bande umfingen mich, und des Todes Stricke überwältigten mich. Als mir angst war, rief ich den Herrn an und schrie zu meinem Gott. Da erhörte er meine Stimme von seinem Tempel, und mein Schreien kam vor ihn zu seinen Ohren. (…) Er streckte seine Hand aus von der Höhe und fasste mich und zog mich aus großen Wassern. Er errettete mich von meinen starken Feinden (…) Er führte mich hinaus ins Weite, er riss mich heraus.

    Der Tod ist das, was uns am meisten Angst macht. David war in Todesnot und hat erlebt, dass ihn sein Gott nicht im Stich lässt. Deshalb (!) kann er sagen und bekennen: Wo ist ein Fels außer unserm Gott?

    Der Prophet Micha hat einige Zeit nach König David auch so eine staunende und lobende Frage formuliert und gebetet: Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die geblieben sind als Rest seines Erbteils; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er hat Gefallen an Gnade! (Micha 7,18) - Wo ist solch ein Gott?

    Vielleicht fallen Ihnen jetzt Stationen Ihres Lebens ein, die Sie kürzlich erlebt haben oder auch schon vor Längerem, wo Sie Gott als den erlebt haben, der Sie hält und in großer Not nicht im Stich lässt. Und Sie können sagen: Wo ist solch ein Gott, so ein Retter, so ein Freund, so ein Helfer, so ein Vater, so eine Mutter? Wo das so ist, da ermutigen Sie doch auch andere mit dem, was Sie erlebt haben!

    Vielleicht sind Sie gerade aber auch in einer Situation, wo Sie Dunkelheit und Tiefe erleben und sich schutzlos und ausgeliefert fühlen und nichts davon, dass Gott Ihr Fels ist. Dann sagen Sie ihre Hilflosigkeit Gott, schreien Sie zu ihm, wie es ein David auch gemacht hat: Gott, ich bin im Bodenlosen. Lass mich Dich doch auch erleben als Fels, als Halt unter meinen Füßen! Hilf mir! Lass es mich spüren, dass Du der feste Grund bist!

    Ich wünsche Ihnen einen guten und gesegneten Tag

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für Dienstag, 27. Oktober 2020

    Ich weiß wohl, es ist so: Wie könnte ein Mensch recht behalten gegen Gott. Hat er Lust, mit ihm zu streiten, so kann er ihm auf tausend nicht eines antworten.                         Hiob 9,2-3

    Die Leiderfahrung Hiobs ist uns sprichwörtlich bekannt. Ich bin froh über dieses Buch in der Bibel – auch wenn seine Worte nicht immer leicht zu verstehen sind. Denn in diesen Worten können auch wir uns in unseren Leiderfahrungen wiederfinden. Wo wir menschliches Unrecht, Krankheit oder Leid erfahren, da bricht bei Menschen, die an Gott glauben – oder zumindest mit seiner Existenz rechnen – oft die Frage nach seiner »Gerechtigkeit« auf. Da beginnt – leider oft nicht im Gespräch mit Gott, sondern im Gespräch über ihn – so was wie ein Rechtsstreit: Wieso ich? Wir gehen von einem Tun-Ergehens- Zusammenhang aus – auch bei Gott: Gutes wird belohnt und Schlechtes wird bestraft. Und nun erlebe ich das, was ich erlebe, als Strafe. Und ich frage Gott: Wieso? Warum strafst du mich? Was habe ich falsch gemacht? Und im Stillen denken wir: Ich habe doch gar nichts falsch gemacht.

    Der weise Hiob weiß: Diese Fragestellungen führen uns nicht weiter. Mit Gott können wir nicht streiten. Wie könnte ein Mensch recht behalten gegen Gott? Auch Paulus stellt sich in diese Linie: Ja, lieber Mensch, wer bist du denn, dass du mit Gott rechten willst? Gottes Weisheit ist so viel höher als unsere menschliche Weisheit. Wir können das, was er tut, oft nicht verstehen, nicht einordnen – und schon gar nicht beurteilen. Wer es versucht, wird kläglich scheitern. Auf dieser Spur kommen wir nicht weiter.

    Wir müssen an einer anderen Stelle nach Antworten suchen – und wir bekommen sie. Wer über dem verborgenen Gott verzweifelt, der muss dorthin gehen, wo Gott uns sein Gesicht gezeigt hat, hat Martin Luther gesagt. Und sein Gesicht zeigt Gott uns in Jesus Christus. In dem, der wirklich gut war – uneingeschränkt. Der ohne Sünde war. Und der am Kreuz für uns stirbt. Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selbst. So ist unser Gott! So meint er es mit uns. Aus Liebe zu uns und um uns mit sich zu verbinden, gibt er seinen Sohn her. Das Kostbarste, das Teuerste, was er hat, sind wir ihm wert. So sehr geliebt sind wir. Nicht im Streit über das Nichtverstandene liegt die Lösung – son­dern im Staunen über den selbst leidenden Gott, der mitleiden kann, der unser Leid aus eigener Erfahrung kennt. Der weiß, wie das ist mit dem Sterben, weil er es selbst durchgemacht hat. Der den Kelch des Leids getrunken hat. Und der sich an unsere Seite stellt und uns verspricht: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Das gilt!

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 26. Oktober 2020

    Gott spricht: Ich, ich bin euer Tröster! Wer bist du denn, dass du dich vor Menschen gefürchtet hast, die doch sterben?                                             Jesaja 51,11

    Wie ein Weckruf klingt dieser Vers. Es ist ein Weckruf zum Blickwechsel. Wohin sollen wir schauen? Wohin sollen wir uns orientieren? »Ich, ich bin euer Tröster!« Das ist die eindeutige Weisung unseres Gottes. Unser Blick, unsere Erwartung, unsere Hoffnung soll auf ihn gerichtet sein. Auf ihn kommt es vor und über allen Dingen an. »Ich, ich« steht auch im hebräischen Urtext ganz betont vorne dran.

    Warum? Weil wir das so schnell vergessen. Wer die Verse, die dieser Losung folgen, liest, der begreift, was das Problem damals war: Du hast den HERRN vergessen, der dich gemacht hat, der den Himmel ausgebreitet und die Erde gegründet hat. Wo wir Gott aus dem Blick verlieren, da wird unser Blick verengt. Da sehen wir nur noch einen Teil der Wirklichkeit – und zwar verzerrt. Weil uns das Wesentliche verloren gegangen ist. Und dann macht die Angst sich breit. Die Angst vor Menschen, die Angst vor den Umständen. Weil wir uns nur noch als Spielball der Mächtigen sehen, als kleines Rädchen, das unbarmherzig getrieben wird – ohne Hoffnung auf Veränderung.

    Wo die Angst nach uns greift, da brauchen wir einen starken Trost. Gott weiß das. Gott sieht, wo seine Menschen geängstigt und verhärmt in ihrer Furcht fast vergehen. Und darum bringt er selbst sich in Erinnerung. Weil er seine Menschen liebt. Weil er uns nicht laufen lässt. Und weil er weiß: Die Hoffnung, die wir brauchen; den Halt, der wirklich hält, den finden wir nur bei ihm. Er ist unser Tröster.

    In Jesus Christus setzt Gott diese Linie fort – auch für uns. Gott hat nur ein Ziel: Menschen, die ohne ihn unterwegs sind, sich auf sich allein gestellt vorkommen; sich fürchten vor ihrer Zukunft, vor den Menschen, vor sich selbst – zu rufen, mit sich zu verbinden und sie in seine Arme zu nehmen. Der Vater im Himmel sehnt sich nach uns. Er will uns als seine Kinder haben – heute und für immer. Wer bei ihm geborgen ist, der muss sich nicht vor Menschen fürchten. Denn er weiß, was wichtig ist – und was wichtiger: Wichtiger als alles Wichtige auf dieser Welt ist, dass der Vater im Himmel mich liebt und mich in seinen starken Händen hält.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 19.10. bis 25.10.

  • add Andacht für den 20. Sonntag nach Trinitatis, 25. Oktober 2020

    Es ist dir gesagt Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.                                       Micha 6,8

    Wer schon einmal unmittelbar vor einem Wegweiser auf der Autobahn stand – und nicht nur mit hoher Geschwindigkeit drunter durchgefahren ist – der staunt, wie groß die weißen Buchstaben auf so einem blauen Autobahnschild sind. Aus einem einfachen Grund: Das, was draufsteht, soll auf einen Blick erfasst werden können – selbst bei hoher Geschwindigkeit.

    So geht es Gott mit seinem Lebensrat an uns Menschen, vermittelt durch den Propheten Micha. Keine philosophischen Ausführungen, keine verklausulierten Schachtelsätze: wenn – dann – sonst. Sondern eine glasklare Ansage; eine eindeutige Richtungsweisung, wo ein Mensch fragt, was gut für sein Leben ist und was dem Schöpfer, der ihn gemacht hat, entspricht: Einfach und klar diese drei Dinge:

    Gottes Wort halten – das Wort, das uns in der Bibel gegeben ist, aufnehmen, lesen, hören, meditieren, vielleicht auch an der einen Stelle auswendig lernen – und mich dran orientieren, daran halten, wie an einem Geländer. Es als Richtschnur gelten lassen; wo nötig, daran auch meine Schuld und mein Versagen erkennen, bekennen und so bei Gott abladen.

    Liebe üben – danach fragen, was dem andern, der andern gut tut. Mir darüber Gedanken machen; fantasievoll überlegen, was einem anderen Menschen helfen könnte. Und es dann tun – ohne Hintergedanken; ohne lang zu überlegen und ohne Angst, selbst zu kurz kommen zu können. Liebe stellt den andern in den Mittelpunkt und lässt mich selbst einen Schritt zurücktreten. Gott sorgt für uns – darauf dürfen wir vertrauen.

    Demütig sein vor deinem Gott – in der Abhängigkeit von ihm bleiben. Täglich ihn bitten; ihm meine Sorgen und Nöte sagen, ihm meine Schuld bekennen und ihm dann vertrauen. Er sorgt für uns. Er lässt uns nicht hängen.

    Eine einfache, aber höchst wirksame Richtungsweisung für uns. Wohl uns, wenn wir sie beherzigen.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • add Andacht für Samstag, 24. Oktober 2020

    Der HERR erweckte den Geist des Volkes, dass sie kamen und arbeiteten am Hause des HERRN Zebaoth, ihres Gottes.                                                Haggai 1,14

    Wenn Menschen sich für eine Sache stark machen, ihre Energie dafür einsetzen, dann nennen wir das in unserem Sprachgebrauch auch »Begeisterung«. So sieht das auch der Prophet Haggai, doch in einem noch viel tieferen Sinne. Er beobachtet, dass Menschen sich voller Freude und Elan ans Werk machen, dass sie sich einsetzen, dass der lange schon zerstörte Tempel, der als Ruine dasteht, endlich wieder aufgebaut wird. Für Haggai ist klar: Das ist nicht nur ein zufälliger Stimmungs­um­schwung in der Volksgemeinschaft. Das ist mehr. Da ist Gott selbst am Werk. Gott selbst wirkt hier auf verborgene Weise – unsichtbar, aber dafür in seiner Wirkung umso spürbarer.

    Das erste Subjekt in diesem Satz sind nicht die Menschen, sondern der HERR. Er macht den Anfang. Er weckt auf, er schenkt Erweckung. Er motiviert. Er »begeistert«. Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Wo etwas von Bedeutung im Reich Gottes geschieht, da ist immer Gott der zuerst Han­deln­de. Auf ihn kommt es vor und über allen Dingen an. Gottes Heiliger Geist ist ein Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit, weiß der Apostel Paulus. Das ist Grund zum Staunen, zum Danken und zum Loben.

    Auch wir dürfen mit Gottes Handeln rechnen, mit Gottes Eingreifen. Die Pandemie zeigt uns in lange nicht erlebter Weise, wie begrenzt das ist, was wir Menschen machen und steuern können. Wir können längst nicht alles. Und wir müssen auch nicht alles können. Denn das Entscheidende – vor allem, wo es um die Ewigkeit geht – das tut unser Gott. Wir müssen die Welt nicht retten. Das hat er in Jesus Christus längst getan. Gestärkt von seinem guten Geist dürfen und wollen wir aber mitarbeiten, mithelfen, dass sein guter Wille in dieser Welt geschieht.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Freitag, 23. Oktober 2020

    Ich will mit euch einen ewigen Bund schließen.                                              Jesaja 55,3

    So lautet Gottes Angebot an seine Menschen. Wie ein Wasserverkäufer auf einem orientalischen Markt, so tritt Gott in Jesaja 55 auf. Er wirbt um sein Volk. Er wirbt um seine Menschen. Und er hat etwas ganz Neues vor: Einen ewigen Bund will er schließen. Gott will auch uns als Bundespartner. Das wird spätestens im Neuen Testament deutlich in Jesus Christus Gottes Sohn. Gott will sich mit uns verbinden. Verbinden für Zeit und Ewigkeit.

    Dieser ewige Bund, den schließt er mit uns in Jesus Christus. In Jesus, der am Kreuz für unsere Schuld starb. In Jesus, in dem Gott selber dort am Kreuz war, und uns mit sich selbst versöhnte. Alles, worauf es in diesem Bund ankommt, geht von Gott aus. Er tut alles. Wir können nur staunen und es an uns geschehen lassen. Gott will mit uns leben. Er stellt keine Bedingungen. Er fordert keine Vorleistung. Er will uns das Leben, ewiges Leben schenken. Was er einzig von uns will: Dass wir uns auf diesen Bund einlassen. Und selbst da ist Gottes guter Geist am Werk, wo ein Mensch diese Entscheidung für sich trifft. Gott ermöglicht sie uns nämlich erst und Gott wirkt sie. Menschliche Entscheidung und Gottes Wirken lassen sich nicht mehr voneinander trennen.

    Was für ein Gott. Was für ein Angebot. Wir wollen es uns gefallen lassen – und wir wollen es weitersagen, weitertragen. Denn diese Worte sollen alle Menschen hören: Ich will mit euch einen ewigen Bund schließen. Gott will mit uns neu anfangen. Was für eine Botschaft.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Donnerstag, 22. Oktober 2020

    Siehe, meine Tage sind eine Handbreit bei dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir. Ach, wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben?                                   Psalm 39,6

    »Wie ein klarer Wintermorgen ist dein Leben dann und wann; was sonst Nebel dir verborgen haben, alles siehst du dann. Siehst, woher du kommst und siehst, wohin du einmal gehen wirst« so dichtete Manfred Siebald treffend. Es sind diese Stunden, von denen auch dieser Psalm 39 Zeugnis gibt. Die Stunden, in denen wir begreifen, was im Letzten Sicherheit gibt und was eben nicht. Wo alle Nebel der Oberflächlichkeit verfliegen und wir der Realität – und damit auch unserer Begrenztheit und Endlichkeit – ins Auge sehen. Egal, womit und wie wir uns auf dieser Welt absichern wollen – all das bietet im Letzten keine Sicherheit. Manfred Siebald zog aus dem »klaren Wintermorgen« den Schluss: »Wie an einem Wintermorgen stehst du da und frierst.«

    David bleibt im Psalm 39 nicht an der Erkenntnis des Wintermorgens stehen. Er wendet sich ja an den, der ewig ist, vor dem meine Tage eine Handbreit sind, vor dem mein kleines Leben wie nichts ist. Und der doch mich unendlich liebt und sich nach mir sehnt: Meinen Gott. Nun, Herr, wessen soll ich mich trösten? Ich hoffe auf dich. Ich klammere mich an dich. Ich halte mich an dich. Du, der ewige Gott, du hältst mein Leben in der Hand. Du gibst mich nicht dem Tode preis. Du hältst fest für Zeit und Ewigkeit. Du nimmst mir meine Schuld ab und schenkst mir deine Vergebung. Von deiner Gnade darf ich leben. »Wie ein klarer Wintermorgen ist dein Leben dann und wann; und du siehst, was Gott aus Sorgen und Versagen machen kann. Lass ihn alles neu gestalten, zeig ihm, wo es dich noch friert. Spür, wie es in deinem kalten Leben wärmer wird.« So endet das Lied von Manfred Siebald. Das sollen auch wir erleben.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • add Andacht für Mittwoch, 21. Oktober 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    ausgebrannt sein, leer sein, am Ende sein – in unserer Zeit wird das als Burn Out bezeichnet. Im Buch 1. Könige im Alten Testament der Bibel wird so ein Burn Out beim Propheten Elia genau beschrieben. Elia hatte mit Gottes Hilfe einen großen Erfolg erlebt in einer kräftezehrenden Auseinandersetzung mit einer großen Gegnerschaft. Elia ging als der große Sieger hervor. Doch er musste feststellen: Sein Erfolg bescherte ihm neue Gegner, die ihn tot sehen wollten. Elia hatte alle Kraft gegeben – und jetzt war er einfach am Ende. Müde, fertig, deprimiert. So deprimiert, dass er zu Gott sagt: Ich habe genug von diesem Leben, lass mich doch einfach nur sterben. Ein Burn Out, wie er im Buche steht.

    „Ich bin der Herr, dein Arzt,“ heißt es im zweiten Buch Mose von Gott. Gott ist Arzt und er ist auch Psychotherapeut und Coach. Wie lässt er dem Elia neuen Lebensmut, neue Kraft zukommen? Nein, nicht durch ein übernatürliches Wunder, durch irgendeine seltsame Kraftübertragung. Er lässt den Elia schlafen. Als er aufwacht, hat ihm ein Bote Gottes einen Krug Wasser und Brot gebracht. Elia isst. Und schläft nochmals eine lange Runde. Und nochmals ermuntert ihn der Bote Gottes zu essen. Ein lange Auszeit mit viel Schlaf und gutem Essen, was für eine bodenständige Therapie für den Elia und vielleicht auch für Sie, wenn Sie sich matt durchs Leben schleppen.

    Elia hat nun neue Kraft. Und so heißt es in dem Losungsvers für heute: „Ein Engel rührte ihn an und sprach zu ihm: Steh auf und iss! Und er stand auf und aß und trank und ging durch die Kraft der Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Berg Gottes.“ (1. Könige 19,5.8) Man ist fast geneigt, zum Elia zu sagen – jetzt übertreib es mal nicht wieder gleich, erst bist du matt und lebensmüde – und jetzt willst du es dermaßen wissen und machst so einen verrückten Gewaltmarsch! Elia würde lächeln und sagen: Danke für Deine Anteilnahme, aber mir geht’s dank Gottes Hilfe wieder richtig gut …!

    Ich finde es klasse, dass die Bibel nicht nur die Erfolgsgeschichten der Gottesmänner erzählt, sondern auch ihre Stunden, in denen sie keine Kraft haben und am Leben verzweifeln. Mich rührt an dieser Geschichte, wie liebevoll und rücksichtsvoll sich Gott um seinen Elia kümmert, als der so fertig und ausgebrannt ist. Solche Geschichten macht übrigens Bibellesen wertvoll für unser Leben und zu einer Kraftquelle.

    Gott lässt auch uns nicht im Stich, wo wir ihn brauchen. Das sage ich jetzt einfach einmal so, auch wenn Sie vielleicht momentan davon nichts spüren – noch nichts spüren und das deshalb als provokativ empfinden. Und wenn Sie Hilfe und Unterstützung brauchen und kein Land sehen, dafür ist Ihre Kirchengemeinde da, sind wir da. Melden Sie sich, rufen Sie an! Kontaktdaten finden Sie im Amtsblatt oder auch im Internet.

    Ich wünsche Ihnen einen guten und gesegneten Tag

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für Dienstag, 20. Oktober 2020

    Wir wissen, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind.                                                     Römer 8,28

    Es gibt wenige Sätze in den Briefen des Apostels Paulus, die er mit solcher Entschiedenheit und mit solchem Nachdruck geschrieben hat wie diesen: Wir wissen… Für Paulus ist das, was er uns da weitersagt, garantiert. Es ist eine Gewissheit.

    Paulus spricht dieses entschiedene und gewisse Wort der Ermutigung, weil er um die vielen Dinge weiß, die uns in unserem Leben auch entmutigen können. Die Christen in Rom, an die er diesen Brief zuerst schreibt, kannten diese Dinge: sie waren bedrängt, angefeindet und angefochten. Die große Christenverfolgung warf ihre Schatten schon voraus. Und auch wir kennen die Dinge, diese Dinge, die uns Not bereiten, die es an sich haben, über uns zu herrschen, die uns niederdrücken und fertigmachen.

    Die Gewissheit des Paulus hat ihren Ursprung in Jesus Christus, der ein Ding getragen hat, das nie ein Mensch tragen konnte und musste: Das Kreuz, mit dem all er unsere Schuld, Not und Versagen getragen hat. Und an diesem Kreuz starb er. Als er starb, da haben die Dinge ein wahren Triumph gefeiert. Aber am Ostermorgen war klar, dass Jesus Christus der Sieger ist. Der Sieger über Hölle, Sünde, Tod und Teufel. Der Sieger über all die Dinge, die er getragen hat und die uns das Leben so schwer machen wollen.

    Und nun setzt er seine Macht ein, uns zu bewahren, uns festzuhalten und uns durchzutragen. Die Dinge mögen uns nach wie vor belasten, uns Sorge bereiten. Aber sie müssen letztlich ihm dienen – und uns zum Besten dienen. Wie genau, das bleibt sein Geheimnis, bis wir bei ihm sind. Aber dass sie uns zum Besten dienen, das steht unumstößlich fest – durch Jesus Christus.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 19. Oktober 2020

    Der HERR macht die Gefangenen frei.                                  Psalm 146,7

    Ein Highlight, ein Blickfang aus einer langen Liste an heilsamem Wirken Gottes ist unser Losungsvers. Es ist nicht einmal der ganze Vers. Nur ein Drittel. Über Gott gäbe es so viel zu sagen: Er hat Himmel und Erde gemacht. Er hält ewiglich Treue. Er speist die Hungrigen. Er schafft denen, die Gewalt leiden, Recht.

    Hier also nun: Die Befreiung der Gefangenen. So fängt ja die Geschichte Gottes mit Israel an, nachdem sie in Ägypten zu einem großen Volk geworden waren: Der HERR macht die Gefangenen frei. Gott befreit dieses Volk aus der Sklaverei, aus der Knechtschaft in Ägypten. Er führt sie in die Freiheit und ins gelobte Land. Da wird klar: Er ist es, der das tut. Kein anderer.

    Sich um die Befreiung von zu Unrecht Gefangenen zu bemühen, das kann auch eine menschliche Aufgabe sein. Und wir mühen uns zurecht darum, dass das geschieht – dass dem Unrecht und der Willkür gewehrt wird. Doch unser menschliches Bemühen stößt immer wieder an Grenzen. Meinen wir ja nicht: Wir Menschen könnten und müssten allein die Welt retten! Das ist ein furchtbares Missverständnis, das heute bei vielen ganz weit verbreitet ist. Doch: Das schaffen wir nicht. Damit sind wir überfordert. Die Welt rettet ein anderer. Wir sind und wir bleiben auf Gott angewiesen. Die Alternative heißt doch nicht, die Hände in den Schoß zu legen und nichts zu tun. Sondern: Bete und arbeite. Bitte Gott, das Unmögliche zu ermöglichen – und mühe dich mit all deiner Kraft, dass es Wirklichkeit wird.

    Und bedenken wir: Es gibt auch Gefängnisse, die keine Gitterstäbe haben: Abhängigkeit und Sucht; Krankheiten, Ängste und Schwermut, aus denen Menschen nicht herausfinden, in denen sie sich aber fühlen wie in Gefängnissen. Und schließlich ist da unsere Schuld, unsere Verlorenheit. Überall da gilt: Gott will uns befreien, damit wir mit ihm und für ihn leben. In Jesus tritt er auf und spricht uns zu, was im Lehrtext steht: Wenn euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 12.10. bis 18.10.

  • add Andacht für Sonntag, 18. Oktober 2020

    Gehorsam ist besser als Opfer.                                1. Samuel 15,22

    Manche Geschichte im Alten Testament verstehen wir nicht ohne eine zusätzliche Erklärung. So ging es mir mit der Geschichte, aus der dieser Vers stammt. Der König Saul kämpft gegen die Amalekiter, einen Volksstamm, der Israel bereits auf der Wüstenwanderung begegnete. Schon damals gab es Krieg: Mose betet oben auf dem Berg mit erhobenen Händen, die ihm zwei Männer stützen, und Josua kämpft unten im Tal und siegt. Auch Saul besiegt die Amalekiter. Sein Auftrag war es, den Bann zu vollstrecken, d.h. alle Menschen und Tiere zu töten. Doch er lässt die besten Schafe und Rinder am Leben. Wie er betont – sogar mit einer frommen Absicht: Diese Tiere sollen Gott als Opfer dargebracht werden. Eigentlich doch eine gute Absicht. Eigentlich doch mit scheinbar guten Motiven. Hart ist, dass Gott aufgrund dieses Ungehorsams verwirft. So ist dieses Kapitel überschrieben: Saul wird verworfen. Und Samuel, der Prophet, macht mit einem ganz knappen Satz deutlich, was wichtig ist und was wichtiger: Gehorsam ist besser als Opfer.

    Gehorsam hat mit Vertrauen zu tun. Blinder Gehorsam Menschen gegenüber ist gefährlich – und zurecht verpönt. Aber geteilter Gehorsam Gott gegenüber ist immer problematisch. Gott will unser ganzes Leben bestimmen. Er will uns ganz. Und er möchte unseren ganzen Gehorsam. Wie gesagt: die Geschichte von Sauls Verwerfung – die Sache mit dem Bann an Mensch und Tier – mag uns befremden. Diesen Auftrag haben wir auch nicht mehr. Und auch Opfer braucht es nicht mehr. Seit der Eine, Jesus Christus, der wie kein anderer ganz und ohne jede Einschränkung Gott gehorsam war, sein Leben am Kreuz geopfert hat, sind alle Opfer für Gott erledigt. Gott selbst hat das mit den Opfern erledigt. Unser Auftrag lautet: Liebe Gott und liebe deinen Nächsten wie dich selbst.

    Aber da, da ist unser Gehorsam gefordert. Und da, da, wollen wir ihm folgen. Gehorsam mit drei g: gerne, gleich und ganz.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Samstag, 17. Oktober 2020

    Nun, Israel, was fordert der HERR, dein Gott, noch von dir, als dass du den HERRN, deinen Gott, fürchtest, dass du in allen seinen Wegen wandelst und ihn liebst und dem HERRN, deinem Gott, dienst von ganzem Herzen und von ganzer Seele.                    5. Mose 10,12

    Es ist eigentlich so einfach – im wahrsten Sinne des Wortes! Die entscheidenden Lebensfragen lassen sich erstaunlich einfach beantworten. Der Sinn unseres Lebens ist erstaunlich einfach. Einfach in dem Sinne, dass wir uns auf den Einen konzentrieren, der allein Gott ist. Dass wir ihm den ersten Platz einräumen, ihm allein dienen, auf ihn allein hören und ihm allein vertrauen.

    Höre Israel, der ist unser Gott, der HERR ist Einer. So beginnt das Glaubensbekenntnis Israels, das fromme Juden mehrmals am Tag sprechen, sich auf die Stirn und an den Arm binden und in kleinen Kapseln sich am Türrahmen befestigen. Damit sie immer wieder daran erinnert werden. Mehr ist es nicht, was wir für unser Leben brauchen. Mehr fordert Gott nicht von uns, als dass wir ihn über alle Dinge fürchten, lieben und ihm vertrauen. Dann ist mein Leben zu seiner eigentlichen Bestimmung gekommen. Dann ist unser Leben auf der richtigen Spur. Auf der Spur, die Gott sich für uns gedacht hat. Dann gelingt unser Leben. Mehr nicht. Mehr fordert Gott nicht. So einfach ist das: Gott, den HERRN, fürchten, lieben, ihm dienen – ungeteilt und ganz.

    Was uns dabei hilft? Die Bibel, sein Wort. Das Beten, das Reden mit ihm – an jedem Tag; in jedem Augenblick; und die Gemeinschaft mit anderen, die uns darin bestärken, ihm zu vertrauen und mit ihm unterwegs zu sein und zu bleiben. Und dass wir das tun, was wir erkannt haben als seinen Willen. Gehorsam mit drei g: gerne, gleich und ganz.

    Nichts ist besser für unser Leben, als dass wir uns ganz ihm, unserem Gott zur Verfügung stellen, ihn suchen, zu ihm rufen und mit ihm leben. So einfach ist das.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • add Andacht für Freitag, 16. Oktober 2020

    Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht.                 Psalm 121,4

    Volksversammlung auf dem Berg Karmel. Es sind entscheidende Stunden in der Geschichte Israels. Das Volk und auch sein König waren hin und hergerissen: Wer ist der wahre Gott? Wem vertrauen wir lieber? Der HERR oder Baal, den die Kanaaniter im Land schon viel länger verehren, als Israel in diesem Land ist. Nun sind sie auf dem Berg Karmel versammelt: Auf der einen Seite Elia, der Prophet des HERRN und auf der andern Seite eine große Schar von Baals-Priestern. Es geht um ein Gottesurteil. Seit Stunden rufen die Baalspriester ihren Gott an: »Baal erhöre uns!« Er soll Feuer vom Himmel fallen lassen und ihr Opfer annehmen. Doch nichts geschieht. »Baal erhöre uns!« rufen sie immer lauter. Elia, der Prophet des HERRn steht daneben. Er weiß längst: Dieser Baal, den sie anrufen, das ist kein Gott. Denn Gott ist nur einer. Baal kann nicht hören. Und so spottet er: Ruft laut! Denn Baal ist doch ein Gott; er ist in Gedanken oder hat zu schaffen oder ist über Land oder schläft vielleicht. Ruft, dass er aufwache!

    Ein Gott, den man wecken muss, das ist kein Gott. Der wahre Gott, der schläft nicht. Der ist hellwach, dem entgeht nichts. Davon sind die, die dieses Wallfahrtslied des 121. Psalms gedichtet haben, fest überzeugt: Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht. Manchmal mag es scheinen, als bliebe unser Gebet unter der Decke hängen. Manchmal überkommt uns die Furcht, wir könnten Gott nicht erreichen. Manchmal fällt es uns schwer, zu glauben, weil die Antwort Gottes so lange auf sich warten lässt. Dann brauchen wir einander als Christen, dass wir uns ermutigen: Auch wenn es so aussieht – Gott übersieht dich nicht. Auch wenn du scheinbar keine Antwort bekommst – Gott überhört dich nicht. Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht. Und es bleibt dabei, was dieser Psalm am Ende bekennt: Der HERR behüte dich vor allem Übel. Er behüte deine Seele. Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • add Andacht für Donnerstag, 15. Oktober 2020

    Bekehrt euch, ein jeder von seinem bösen Wege und von euren bösen Werken.  Jeremia 25,5

    »Bei nächster Möglichkeit bitte wenden!« So fordert mich mein Navigationssystem im Auto freundlich auf, wenn ich die richtige Abzweigung mal verpasst habe. Wenn ich es dann ignoriere und  einfach weiterfahre, kommt die Aufforderung in schöner Regelmäßigkeit immer wieder. »Bei nächster Möglichkeit bitte werden!« Denn: Das ist die falsche Richtung. Ich entferne mich immer weiter vom Ziel. »Bei nächster Möglichkeit bitte wenden!«

    Sünde ist nichts anderes als Zielverfehlung. Zielverfehlung für unser Leben. Sünde ist ein Unglück, ist eine Katastrophe. Sünde ist gefährlich, denn sie trennt uns von unserem Gott. Hier und heute schon – und: wo wir nicht umkehren – auch in Ewigkeit. Das ist genau das, was Gott sich für unser Leben nicht wünscht. Er liebt uns und er sehnt sich nach uns. Er will nicht ohne uns, sondern mit uns leben. Und er will, dass wir nicht ohne ihn, sondern mit ihm leben. Darum die klare Ansage durch die Propheten: Bekehrt euch! Kehrt um! Weg von den bösen Wegen; Schluss mit den bösen Werken! Macht einen klaren Schnitt. Nutzt jede Möglichkeit, um zu Gott umzukehren.

    Dieser Vers aus dem Buch des Propheten Jeremia ist ein Zitat aus alten Zeiten, lange vor Jeremia. Jeremia schaut mit seinem Volk zurück in die Geschichte seines Volks. Traurig stellt er fest: Immer wieder hat Gott Propheten gesandt, um euch genau diese Botschaft zu bringen: Die Einladung zur Umkehr, die Aufforderung zur Umkehr. Gott redet Klartext. Weil unser Leben gefährdet ist. Weil nicht immer alles nur gut ausgeht. Es braucht eine klare Entscheidung. Es braucht eine klare Tren­nung. Aber ihr wolltet nicht gehorchen… stellt der Prophet traurig fest.

    Noch ruft Gott. Noch lädt er ein, noch wirbt er um uns. Er will, dass wir umkehren, weg von den falschen Wegen und hin zu ihm. Martin Luther war überzeugt: Das ist nicht eine einmalige Sache im Leben – mit der Taufe abgehakt. Nein, diese Umkehr, das ist eine lebenslange Aufgabe. So heißt es in der ersten der berühmten 95 Thesen: Unser Herr will, dass unser ganzes Leben eine Buße (oder Umkehr) sei. Und machen wir uns klar, was Luther auch betonte: Buße, Umkehr ist ein fröhliches Geschäft. Ohne Buße, ohne Umkehr gibt es keinen Glauben an Jesus Christus. Hören wir’s und folgen wir der Aufforderung – es wird uns sicher nicht schaden, ganz im Gegenteil.

    Pfarrer Andreas Streich

        

  • add Andacht für Mittwoch, 14. Oktober 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    die Woche ist heute am Mittwoch schon wieder halb vorbei - es war doch erst Wochenende, und das nächste ist schon wieder in Sicht. Stichwort Woche: Ist Ihnen am Sonntag der Spruch für die neue, für die jetzige Woche begegnet? Ist er Ihnen vielleicht die Tage nochmals in den Sinn gekommen? Die Fragen sollen Ihnen keinen Stress machen – ich muss sie beide auch mit „nein“ beantworten. Dabei ist unser Wochenspruch eine der Grundleitlinien der Bibel, des Evangeliums, von Jesus.

    „Dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.“ (1. Johannes 4,21). Der Vers stammt aus dem Brief des Johannes. Und dem war ganz wichtig: unser Verhältnis zu Gott und unser Verhältnis zu den Menschen, mit denen wir leben und denen wir begegnen, das hat ganz viel miteinander zu tun. Das lässt sich nicht trennen. „Wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, der kann nicht Gott lieben, den er nicht sieht,“ stellt Johannes an anderer Stelle lapidar fest.

    Darüber darf man nachdenken. Wie ist das, wenn ich meinen Nächsten einfach nicht lieben kann? Weil er oder sie es mir eben auch nicht gerade einfach macht. Muss ich die Liebe dann aus mir herauspressen? So tun als ob? Liebe heucheln?

    Nein, ganz bestimmt nicht. Wo ich selber nicht lieben kann, darf ich zu unserem Vater im Himmel kommen und ihm das sagen: Mir fehlt einfach die Liebe zum anderen. Ich hab sie nicht aus mir heraus. Der große Gott kann unser kleines nicht liebendes Herz verwandeln. Uns einen anderen Blick schenken. Zum Beispiel dafür, wie sehr wir geliebt sind, obwohl wir sind, wie wir sind. Wenn uns das überwältigt, kann auch ein bisschen Liebe oder auch etwas mehr Liebe von uns zum anderen gehen. Wenn wir nicht lieben können, fehlt uns der Blick dafür, wie sehr wir selbst geliebt sind! An wie viel Gutem in unserem Leben sich das doch zeigt.

    Deshalb ist es auch so wichtig, dass wir uns untereinander und gegenseitig Zeichen der Liebe weitergeben. Wir dürfen anderen klar machen, wie sehr sie geliebt sind, wie geschätzt, wie wertvoll. Damit andere wiederum etwas weitergeben können. Das ist der Sinn von Gemeinschaft, die wir in diesen Zeiten ja oft vermissen – und uns umso mehr darüber freuen, wo sie zustande kommt.

    Ich wünsche Ihnen, dass Ihnen heute ganz neu aufgeht, wie sehr Sie geliebt sind. Und wie leicht es deshalb für Sie ist, anderen mit einem zugewandten Herzen zu begegnen!

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

     

  • add Andacht für Dienstag, 13. Oktober 2020

    David sprach zu Salomo: Gott der HERR wird die Hand nicht abziehen und dich nicht verlassen, bis du jedes Werk für den Dienst im Hause des HERRN vollendet hast.             1. Chronik 28,20

    Was gibt es nicht alles zu besprechen und zu regeln, wenn der Vater an den Sohn seinen Betrieb übergibt. Eine ähnliche Situation steht auch hinter dem heutigen Losungswort. Der alte König David übergibt die Regentschaft an seinen Sohn Salomo. Es ist spannend und erhellend, worauf er das Augenmerk dabei legt. Auf zweierlei.

    Das Eine ist die Aufgabe, auf die er seinen Sohn Salomo hinweist. Eine Aufgabe für Gott. Salomo soll ein Haus für Gott bauen. Das ist der ganz besondere und einmalige Auftrag an diesen jungen König Salomo. Er baut den Tempel, den wir heute den salomonischen Tempel nennen. Doch in diesem Auftrag steckt etwas ganz Grundsätzliches. Es geht darum, dass wir mit unserem Leben Gott dienen. In der Situation und an der Stelle, wo Gott uns hingestellt hat und wo Gott uns gebrauchen will. Es geht darum, dass wir ihm zur Verfügung stehen. Dass wir darin unseren Lebenssinn erkennen, für Gott und mit Gott etwas für ihn zu tun. Das zu leben, wozu er uns ruft.

    Und das andere ist die Zusage: Gott der HERR wird die Hand nicht abziehen und dich nicht verlassen. Gott ist dabei. Setz dich für ihn ein. Doch dann erlebe: Er gibt dir die Kraft. Er nimmt dir die Angst. Er macht dir Mut. Er ist bei dir.

    Beides, Aufgabe und Zusage gibt Jesus auch uns. Was am Ende des Matthäusevangeliums steht, der Tauf- und Missionsbefehl, hat seine Gültigkeit nicht verloren. Gehet hin, sagt Jesus – baut meine Gemeinde, indem ihr mein Evangelium verkündigt. Das ist jedem Christen und jeder Christin gesagt. Und dann erlebt: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Aufgabe und Zusage – das ist Ermutigung auch für uns. Gott wird auch uns nicht verlassen – und ruft uns fröhlich an die Arbeit für ihn – auch wenn es vielleicht nur noch die Fürbitte ist, die wir tun können. Wir sind und bleiben berufen und bewahrt.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 12. Oktober 2020

    Du bist ja der HERR! Ich weiß von keinem Gut außer dir.             Psalm 16,2

    Der Psalmbeter David zieht Bilanz. Er schaut, was er hat. Doch er schaut nicht ins Grundbuch, um seine Häuser, Äcker und Gärten zu zählen. Er schaut auch nicht auf den Kontoauszug, um seine Schätze und sein Vermögen zu sichten. Er geht nicht in die Schatzkammer, nicht in die Vorratskammer und nicht in die Garage. Er geht zu Gott und bekennt: ich weiß von keinem Gut außer dir. Viel wichtiger als alle Güter, die Menschen anhäufen können, ist Gott. Wir meinen so oft, uns mit irdischen Gütern absichern zu können und zu müssen – doch die können uns doch gar nicht absichern. Nicht absichern vor dem, was unser Leben im Letzten bedroht und was uns zuletzt alles nehmen wird, was wir in Händen halten und in Taschen stecken.

    Da gibt es nur einen, der stärker ist als der Tod. Und das ist der lebendige Gott. Es geht darum, dass die Dinge das richtige Gewicht bei uns bekommen. Dass das, was wirklich wichtig ist, auch für uns wichtig ist. Und dass das, was nur Vorletztes sein kann: unser Besitz, unsere Güter, unsere Sicherheiten, bei uns nicht ein Gewicht bekommt, das ihm nicht zusteht. Gott ist Gott. Und ihm allein gebührt die Ehre. Ihm allein gebührt unser ganzes Vertrauen. Das ist die tiefe Erkenntnis dieses Psalmbeters David, der sicher auch viele irdische Güter hatte.

    Möge Gott es uns schenken, dass wir so einen weisen Blick bekommen wie dieser David. Dass uns unser Geld und Gut nicht gefangen nimmt. Dass es uns nicht geht wie dem reichen Jüngling, der zu Jesus kam – und dann wieder traurig weggeht, denn er hatte viele Güter. Die vielen Güter dürfen uns nicht gefangen nehmen, nicht ablenken von dem einzig wahren Gut: Dem HERRN unserem Gott. Von ihm her müssen sich die Dinge bei uns in ihrer Wertigkeit ordnen.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 05.10. bis 11.10.

  • add Andacht für Sonntag, 11. Oktober 2020

    Dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.

    1. Johannes 4,21

    Zwei Seiten einer Medaille sind nicht voneinander zu trennen. Die zwei Seiten einer Medaille sind deshalb bei uns sprichwörtlich für etwas, was untrennbar zusammengehört. Von so etwas, was untrennbar zusammengehört, ist nun auch im Wochenspruch die Rede. Die Liebe zu Gott und die Liebe zum christlichen Bruder gehören untrennbar zusammen. Christen sind keine Einzelkämpfer. Natürlich ist der Glaube etwas ganz Individuelles, Persönliches. Natürlich geht es um mich, mich ganz persönlich beim Glauben. Gott hat keine Enkelkinder. Er hat nur Kinder. Nichts ist unpassender in Sachen Glauben als der Verweis auf die frommen Eltern oder Großeltern. Gott meint mich, mich ganz persönlich. Er möchte mit mir eine Geschichte haben. Er möchte mich ganz persönlich seine Liebe erleben lassen. Und er möchte, dass eine Liebesbeziehung zwischen ihm und mir entsteht. Das ist die eine Seite der Medaille.

    Doch nun kommt das Andere. Glaube ist nicht Privatsache in dem Sinn, dass sich mein Glaube darin erschöpft, dass ich für mich glaube. Er will immer auch geteilt sein. Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf sagte: Ohne Gemeinschaft konstatiere ich kein Christentum. Mit unseren Worten gesagt: Wenn jemand behauptet, dass er die anderen zum Glauben an Jesus nicht braucht, dann glaubt er vielleicht irgendwie, aber nicht im Sinne des Neuen Testaments. Der Glaube an Jesus verbindet immer auch mit den anderen, die auch an Jesus glauben. Wir brauchen einander. Wir brauchen es, dass wir einander ermutigen, stärken, zuhören, verstehen und auch korrigieren. Kurz: Wir brauchen es, dass wir auch untereinander in Liebe zugetan sind. Liebe muss immer praktisch werden, sonst hat sie keinen Wert. Dazu sind wir aufgerufen. Dieses Gebot gibt uns Jesus: Liebt Gott und liebt einander.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Samstag, 10. Oktober 2020

    Wenn der HERR spricht, so geschieht’s; wenn er gebietet, so steht’s da.           Psalm 33,9

    Da staunt einer über Gott. Über Gottes Macht. Wie einfach kann Gott doch alles ändern. Ein Wort reicht – und alles ist anders. Das ist die tiefe Erkenntnis, die ihn froh und getrost macht. Gottes Wort – das hat Schöpferkraft. Am Anfang der Bibel wird uns beschrieben, wie Gott diese Welt geschaffen hat. Wie er dabei vorgegangen ist. Er hat gesprochen – und dann war das, was er befohlen hatte, einfach da. Er sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. So einfach. Sein Wort schafft Fakten.

    Sein Wort, das ist aber auch seine Zusage an uns. Im selben Psalm, wenige Verse zuvor heißt es: Denn des HERRN Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiss. Gott bindet sich an dieses Wort. Gott hält sein Wort. Was Gott uns verspricht, darauf können wir uns felsenfest verlassen.

    Nun haben wir ein ganzes Buch, eine ganze Bibel mit 1189 Kapiteln vor uns, voller Wort Gottes. Voller Zusagen. Voller Wegweisung. Voller Unterweisung. Voller Korrekturhilfe für unser Leben. Dieses Wort schafft, wozu es uns ruft. So ist auch unser Glaube nicht eine Laune unserer Sinne, nicht unserer Einsicht und Klugheit geschuldet, sondern eben diesem Wort. Martin Luther bekannte: Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann. Sondern der Heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen. Das ist der Weg, wie Gott Menschen zum Glauben führt: Dass der Heilige Geist durch das Evangelium, durch das Wort Gottes, Menschen dazu befähigt.

    Es ist unendlich gut für unser Leben, uns diesem Wort Gottes auszusetzen; mit ihm umzugehen. Es zu lesen, zu studieren, zu meditieren, darüber zu beten und so von Gott immer mehr geprägt und bestimmt zu werden. Wir hören und lesen so viele Worte von Menschen. So viele Worte und Versprechen, bei denen noch nicht sicher ist, ob sie wirklich eingehalten werden. Bei Gottes Wort dürfen wir sicher sein: Es geht in Erfüllung, was Gott uns verspricht. Darum wollen wir vor und über allen Menschenworten auf Gottes Wort hören – und ihm von Herzen vertrauen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Freitag, 9. Oktober 2020

    Ich dachte, ich arbeitete vergeblich und verzehrte meine Kraft umsonst und unnütz. Doch mein Recht ist bei dem HERRN und mein Lohn bei meinem Gott.            Jesaja 49,4

    Ein lateinisches Wort, das Eingang in unsere Sprache gefunden hat, heißt: »frustra«. »Frustra« bedeutet: vergeblich, nutzlos, umsonst, zwecklos. Was »Frust« ist, kennen wir alle aus eigener Erfahrung. Da hat man sich abgemüht, hat überlegt, geplant, gearbeitet und sich abgemüht – und dabei rausgekommen ist nichts. Auch glaubende Menschen machen diese Erfahrung – und sprechen sie Gott gegenüber als Klage aus: Ich habe doch nichts falsch gemacht. Und dennoch erlebe ich, dass die erhoffte Frucht meiner Arbeit ausbleibt; dass ich nicht das ernten kann, was ich erwartet habe.

    In Jesaja 49 ist es der Gottesknecht, der in der christlichen Tradition mit Jesus Christus identifiziert wird, der so spricht. »Frustra« so dachten die Jünger, als sie die Mühen sahen, die Jesus auf sich nahm, um seinem Volk Gottes Weg darzulegen. »Frustra« dachten sie, als sie seine Leiden sahen und die Schmerzen, als er geschunden und geschlagen durch die Straßen Jerusalems getrieben wurde, hinaus zur Schädelstätte Golgatha, wo sie ihn ans Kreuz schlugen. »Frustra« - alle Hoffnungen begraben, tot und vergessen. So dachten die Jünger. Sie hatten nur den ersten Satz aus unserer Losung vor Augen: Ich dachte, ich arbeitete vergeblich und verzehrte meine Kraft umsonst und unnütz. Doch Jesus wusste auch um den zweiten Satz. Er wusste: Doch mein Recht ist bei dem HERRN und mein Lohn bei meinem Gott.

    In dieser Spur dürfen auch wir als Christen in seiner Nachfolge unterwegs sein. Der Glaube an Jesus ist keine Vollkaskoversicherung. Er ist kein Schutzzauber gegen alle Probleme, Krankheiten und Schwierigkeiten. Der Glaube an Jesus mag uns oft Wege führen, die wir nicht begreifen oder einordnen können. Die nicht ins Schema: gerechte Entlohnung zu passen scheinen. Bei denen auch wir sprechen wie der Gottesknecht in Jesaja 49. Sprechen und bekennen wir doch auch den zweiten Satz: Mein Recht ist bei dem HERRN und mein Lohn bei meinem Gott. Gott lässt uns nicht zu kurz kommen – auch wenn wir auf den ersten Blick meinen, wir kämen zu kurz. Gott wird uns durchtragen – und am Ende wird er das letzte Wort behalten. Am Ende dürfen wir bei ihm sein, am Ende wird er alle Tränen trocken. Und am Ende werden keine Fragen mehr offen bleiben. Dorthin sind wir unterwegs. Daran wollen wir festhalten.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Donnerstag, 8. Oktober 2020

    Lasst euch den Siegespreis von niemandem nehmen!                  Kolosser 2,18

    Auf der Weltkonferenz für Evangelisation in Manila wurde vor vielen Jahren ein Text in englischer Sprache von den Konferenzteilnehmern verabschiedet. Darin hieß es: »Fellowship is costly«. Bei der Übersetzung ins Deutsche stockten die Übersetzer: »Nachfolge ist …«, ja, was denn nun, denn »costly« kann man in zwei Richtungen übersetzen: Einmal kann es heißen »kostbar«, »wertvoll« also. Dann aber auch »kostspielig«, »teuer«, es kostet mich etwas. Was ist nun die richtige Übersetzung im Blick auf die Nachfolge, den Glauben an Jesus Christus? Schließlich fanden die Übersetzer: Beides ist richtig und wichtig. Was uns im Glauben geschenkt wird, das ist unendlich kostbar. In unserem Lehrtext ist von einem »Siegespreis« die Rede. Gemeint ist der Glaube an Jesus Christus, das Leben mit ihm, die Nachfolge. Das ist wie ein Hauptgewinn. Zum Staunen: Gott will uns haben. Gott ruft uns – gerade uns in seine Mannschaft. Jesus will uns haben, mich und dich. Etwas Kostbareres, etwas Wertvolleres, etwas Schöneres und Erfüllenderes gibt es nicht für unser Leben – als mit Jesus Christus zu leben. Das ist der tiefste Sinn unseres Lebens, dass wir mit Gott verbunden leben.

    Weil dieser Glaube aber so kostbar ist, so wertvoll, darum erfordert er auch unsere ganze Aufmerksamkeit. Gott hat es verdient, dass wir ihm allein dienen – und keinem anderen. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir heißt es im Ersten Gebot. Gott erhebt Anspruch auf unser Leben – auf unser ganzes Leben. Darum kostet ein Leben mit Gott auch etwas. Nämlich, dass wir ganz bei ihm bleiben.

    Es gilt, den Siegespreis, der uns durch Jesus geschenkt ist, festzuhalten, nicht loszulassen. Und es gilt, dass wir ihn uns von niemand wegnehmen lassen. So viele Stimmen stürmen tagtäglich auf uns ein. So viele Menschen, Ideen, die uns etwas anderes sagen als das, was uns unser Herr Jesus Christus sagt. Wie absurd wäre es, wenn wir diesen Stimmen gehorchen würden und aus seiner Spur treten würden. Und doch gibt es diese absurde Möglichkeit. Sie ist so real, dass der Apostel uns davor eindringlich warnt: Lasst es euch nicht nehmen. Bleibt in der Spur. Hört auf Jesus. Was uns dabei hilft: Paulus spricht eine Mehrzahl von Menschen an – nicht nur ein Individuum. Er sagt nicht: Lass dir… sondern lasst euch den Siegespreis nicht nehmen. Wir Christen brauchen einander, um gemeinsam in der Spur Jesu bleiben zu können. Mit ihm und miteinander wollen wir es uns gesagt sein lassen: Der Siegespreis für uns liegt bereit. Jesus schenkt ihn uns. Bleiben wir also miteinander in seiner Spur. Er soll das Sagen in unserem Leben haben und niemand anders.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 7. Oktober 2020


    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    der Vers für heute aus dem Büchlein der Herrnhuter Losungen kommt vom Propheten Hesekiel. Er ist die fragende Stimme Gottes: „Meinst du, dass ich Gefallen habe am Tode des Gottlosen, spricht Gott der Herr, und nicht vielmehr daran, dass er sich bekehrt von seinen Wegen und am Leben bleibt?“ (Hes. 18,23)

    In diesem Wort des Hesekiel leuchtet auf, wie Gott ist oder vielmehr – wie er nicht ist: Gott ist keiner, dem es Spaß macht, uns wegen unserer Fehltritte zu bestrafen. Er ist keiner, der sich die Hände reibt, wenn wir ungute Wege gegangen sind, weil er uns dann mit strenger Miene eine ordentliche Tracht Prügel verpassen kann.

    Es mag sein, dass wir als Menschen Gott so sehen. Als einen, der ohne Zögern straft, wo wir versagt haben und den wir höchstens dann noch ein bisschen gnädiger stimmen können, damit es nicht zu schlimm wird. Wenn wir ehrlich sind: vielleicht wünschen wir uns ihn auch manchmal sogar so, vor allem, wenn es um andere geht. So, wie der andere da sein Leben führt, da wird Gott jetzt sicherlich und hoffentlich mal richtig drein hauen und ihn nicht davonkommen lassen!

    Und ja: Die Bibel zeigt uns Gott immer wieder als den, der falschen Wegen seiner Menschen klar entgegentritt, der Grenzen aufzeigt und auf den Tisch haut, wenn seine Menschen nicht hören wollen, nicht einsehen wollen, dass sie sich mit ihren eigensüchtigen Wegen selbst und anderen schaden und noch dazu ihren Schöpfer verachten. Aber Gott straft nicht aus Rachsucht, sondern um zur Umkehr zu bewegen, zur Einsicht und damit letztendlich für uns, nicht gegen uns. Und wo wir umkehren, uns etwas sagen lassen, da ist er von Herzen gern bereit, zu vergeben und uns das Leben in Fülle zu schenken.

    Wie wenig Gott am Strafen liegt und wie viel daran, dass wir ungute Wege verlassen und ihn suchen, zeigt eindrücklich die Geschichte der Menschen in der Stadt Ninive. Ihr Verhalten war so böse, dass ihnen Gott durch den Jona ihren Untergang ansagen ließ. Das war der Prophet, der keine Lust hatte, nach Ninive zu gehen, vor Gott floh und dann im Bauch des Wales landete, Sie kennen die Geschichte. Das Unglaubliche ist, dass die Leute in Ninive wider alles Erwarten auf Jonas Ruf zu Umkehr hören. Und Gott lenkt ein, straft nicht – was dem Jona wiederum gar nicht gefällt, er hätte Gott zu gern als Strafenden erlebt, wobei er ganz vergisst, dass Gott ihm selbst das Leben geschenkt hat, nachdem Jona selbst vor Gott davongelaufen ist.

    Sie kennen auch die Geschichte vom verlorenen und wiedergefundenen Sohn, dem der Vater nur allzu gern vergibt und ihn wieder aufnimmt. Auch da gibt es einen, den älteren Sohn, der den Vater viel lieber als Strafenden erlebt hätte. Ja – der Gott, den wir uns schaffen in Gedanken, der ist ein strafender und unbarmherziger Gott. Der Gott der Bibel aber ist einer, der auf uns wartet, auf unser Umkehren zu ihm, der uns dann wie ein inkonsequenter Vater oder Mutter gern vergibt, uns in die Arme nimmt, froh ist, uns nicht hart angehen zu müssen.

    Noch einmal der Vers für heute und für unser Leben: „Meinst du, dass ich Gefallen habe am Tode des Gottlosen, spricht Gott der Herr, und nicht vielmehr daran, dass er sich bekehrt von seinen Wegen und am Leben bleibt?“ Das gilt auch für Sie und mich!

    Ich wünsche Ihnen einen guten Tag, Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für Dienstag, 6. Oktober 2020

    Ich will mein Angesicht nicht mehr vor ihnen verbergen; denn ich habe meinen Geist über das Haus Israel ausgegossen, spricht der HERR.                                                                              Hes 39,29

    Gott ist da für uns und Gott bleibt da. Das ist die wunderbare Botschaft dieses Verses. Eine erstaunliche Botschaft. Kennt doch die Bibel auch die Botschaft, dass Gott sein Angesicht verbergen kann. Was dann passiert, beschreibt der Psalmbeter im 104. Psalm: Verbirgst du dein Angesicht, so erschrecken sie; nimmst du weg ihren Odem, so vergehen sie und werden wieder Staub. Hier, in Hesekiel 39 schildert Gott seinem Propheten gegenüber ein Gottesverhältnis von ganz neuer Qualität. Ein Gottesverhältnis, das von Beständigkeit geprägt ist. Und diese Beständigkeit verleiht Gott selbst – durch seinen Heiligen Geist.

    Sein Geist ist ein Geist des Gehorsams. Ein Geist, der sich nach Gott sehnt und seine Nähe sucht. Ein Geist, der Gottes Wege gehen will. Und es ist ein Geist des Gebets. Eine Umschreibung für das Gebet finden wir im Psalm 27: Mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlitz suchen. Darum suche ich auch HERR, dein Antlitz. Die Tür zum Vater ist offen. Wir dürfen kommen mit all unseren Anliegen. Mit all dem, was uns bewegt. Jesus hat sie uns geöffnet. In Jesus Christus ist dieses Wort, diese Prophetie des Hesekiel in Erfüllung gegangen. Da lädt Gott uns ein, nicht mehr nur Gäste oder Fremdlinge bei ihm zu sein, sondern als seine Kinder mit ihm und bei ihm zu leben. Da verspricht er uns um seines geliebten Sohnes willen, dass er sein Angesicht nicht vor uns verbirgt, sondern in allen Lebenslagen für uns da ist.

    Was uns vielleicht so selbstverständlich erscheint, ist und bleibt ein Wunder, etwas Erstaunliches. Ich wünsche uns, dass wir immer wieder neu darüber staunen und dass Gottes Geist uns immer wieder neu darüber froh werden lässt, dass Gott uns haben will und mit uns leben will. Dass uns genau das, was Hesekiel hier beschreibt gilt – heute und für immer.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 5. Oktober 2020

    Du Menschenkind, alle meine Worte, die ich dir sage, die fasse mit dem Herzen und nimm sie zu Ohren!                                                                                                        Hesekiel 3,10

    Dieses Kapitel 3 schildert die Berufung Hesekiels durch Gott zu seinem Propheten. Was einen Propheten ausmacht, ist, dass er zum Einen Gottes Wort hört, vernimmt. Und zum andern, dass er dieses empfangene Wort unverfälscht weitergibt.

    Nun sind wir alle keine Propheten im Sinne eines Hesekiel. Und doch gilt uns dieses ganz allgemeine Wort. Denn eines haben wir mit diesem Propheten gemeinsam: Wir sind Menschenkinder. Gott redet zu uns nicht in der Unmittelbarkeit eines alttestamentlichen Propheten. Aber er redet zu uns, vermittelt durch das Wort von Menschen – so wie es uns in der Bibel aufgeschrieben ist. Wir glauben und vertrauen darauf, dass die Autoren der Bibel – es war eine große Zahl – uns Gottes Wort unverfälscht weitergegeben haben. Und so können wir – durch sie vermittelt – bis heute Gottes Wort hören. Ja, gerade heute, in unserer ganz konkreten Situation, hören – und erfahren: Das gilt, was Gott uns sagt.

    Was uns auch mit diesem Propheten Hesekiel verbindet ist, dass es Hörbereitschaft braucht, um mit Gottes Wort angemessen umzugehen. Des geht darum, Gottes Wort im Herzen zu fassen. Das Herz ist in der Sprache der Bibel das Personzentrum eines Menschen: Da, wo unser Denken, Fühlen, Wollen zuhause ist. Im Herzen fallen die wichtigen Entscheidungen. Da will dieses Wort gefasst sein. Da will es unser Denken, Fühlen, Planen und Handeln bestimmen. Gott will der Herr unseres ganzen Lebens sein. Und Gott will, dass wir alle seine Worte im Herzen behalten. Nicht nur die, die mir gefallen, sondern auch die, die mich korrigieren wollen. Mark Twain sagte: Nicht die Stellen in der Bibel machen mir zu schaffen, die ich nicht verstehe, sondern die ich verstehe. Ja, Gottes Wort will uns auch zu schaffen machen, ja, es will manchmal nicht nur beruhigen, sondern auch beunruhigen. Was uns hilft, Gottes Wort so im Herzen zu fassen ist, es uns immer wieder zu Ohren zu nehmen, uns ihm auszusetzen, es zu hören, zu lesen und zu studieren. Denn durch dieses Wort wirkt Gott an uns und will uns leiten und prägen und verändern.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 28.09. bis 04.10.

  • add Andacht für Sonntag, 4. Oktober 2020

    Verlass dich auf den HERRN von ganzem Herzen, und verlass dich nicht auf deinen Verstand, sondern gedenke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen.             Sprüche 3,5-6

    Gott hat uns unseren Verstand und unsere Vernunft geschenkt, natürlich damit wir sie auch einsetzen. Er gehört zu den wunderbarsten Gaben, die wir als Geschöpfe Gottes mitbekommen haben. Und der Glaube ist ganz sicher nicht etwas, wo man den Verstand an der Garderobe abgeben muss. Auch da sollen wir ihn gebrauchen und einsetzen – wie in allen unseren Lebensbezügen.

    Wir hätten diesen weisheitlichen Rat aus dem Sprüchebuch gründlich missverstanden, wenn wir zwischen Gottvertrauen und dem Gebrauch unseres Verstandes eine grundsätzliche Wegscheidung oder Alternative erkennen wollten.

    Darum geht es nicht – keine falsche Alternative im Generellen. Doch wir können in der Tat unseren Verstand, unsere Vernunft auch über­fordern. Dann nämlich, wenn wir unser ganzes Leben davon ab­hängig machen und uns nur noch auf unseren Verstand verlas­sen. Wenn wir diese falsche Alternative in die andere Richtung ausziehen: Mir reicht mein Verstand, Gott brauche ich nicht dazu. Wenn die Überheblichkeit um sich greift und wir meinen, alle Probleme und Nöte dieser Welt selbst lösen zu können und zu müssen. Unser Verstand, unsere Vernunft reicht ja.

    Das wäre auch eine falsche Alternative. Nein: Gebrauchen sollen wir unseren Verstand, unsere Vernunft. Aber Verlassen und vertrauen sollen wir vielmehr unserem Gott, der es gut mit uns meint und der uns in Jesus Christus persönlich begeg­net. Er liebt uns und will uns begleiten. Er will uns segnen und uns seine Kraft und Vergebung schenken. Er führt uns, er begleitet uns. Und das brauchen wir. Denn das ist gut für uns.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Samstag, 3. Oktober 2020

    Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die wohnen im finstern Lande, scheint es hell.                                                                                                     Jesaja 9,1

    30 Jahre deutsche Einheit. Wer damals, vor knapp 31 Jahren die friedliche Revolution und den Mauer­falls erlebt hat, das, was so überraschend und so gewaltlos kam, staunt oft heute noch darüber, dass das so möglich war. Ein hoher Stasi-Offizier sagte: Auf alles waren wir vorbereitet, aber nicht auf Kerzen und Gebete. Erinnern wir uns: Damit hat es angefangen – mit den Montagsgebeten in den Kirchen und den anschließenden friedlichen Demonstrationen für echte Demokratie und Freiheit. 30 Jahre ist es heute auf den Tag genau her, dass dieser Prozess zu einem vorläufigen Abschluss kam.

    Was haben wir draus gemacht? Schnell war klar: Mit der formalen Einheit sind noch nicht alle Probleme beseitigt. Die Kluft zwischen Ost und West ist immer noch nicht geschlossen. Die Löhne sind immer noch nicht angeglichen – auch nach 30 Jahren nicht. Und manchmal habe ich den Eindruck, dass all die Probleme und Nöte, die wir immer noch haben, uns den Dank und die Freude, über das, was uns da geschenkt wurde mit der Einheit unseres Landes, etwas genommen hat.

    Unsere Losung führt uns eine andere Dimension vor Augen – nicht das, was Menschen machen und Menschen leisten können, sondern das, was Gott tut – für ein Volk. In diesem Fall: Das Volk Israel. Doch seit Jesus Christus wissen wir: Es ist nicht auf Israel beschränkt. Es gilt allen Völkern. Gott will unsere Finsternis ohne ihn – die Finsternis der Schuld, die Finsternis der eigenen Wege, die Finsternis der Ratlosigkeit und die Finsternis der Resignation beseitigen. Indem er selbst uns aufgeht, indem er selbst durch seine Gegenwart es hell macht. Gott möchte, dass wir nicht ohne ihn, sondern mit ihm leben. Das gilt für Einzelne, aber das gilt auch für Gemeinschaften und Gesellschaften. Unser Gott überlässt uns nicht uns selbst. Er ist für uns da. Er will retten, er will vergeben. Er will neu anfangen. Mit ihm zu leben, das dämpft nicht die Freude und den Dank, sondern die Sorge und die Angst. Und das wünsche ich uns und unserem deutschen Volk – wie allen Völkern dieser Erde.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Freitag, 2. Oktober 2020

    Ihre Wege habe ich gesehen, aber ich will sie heilen und sie leiten und ihnen wieder Trost geben.

    Jesaja 57,18

    Die Wege, die die Menschen gehen, sind oft sehr selbstbewusste Wege. Die Botschaft, die in vielen Hollywood-Filmen transportiert wird, lautet: Du kannst alles schaffen, wenn du nur willst. Jeder ist seines Glückes Schmied. Vertrau einfach deinen Fähigkeiten, deiner Kraft, deinem Vermögen. Und dann schaffst du’s. Der Werbeslogan im Jahr 1912 für den damals modernsten Ozeanriesen, die Titanic lautete: Dieses Schiff braucht keinen Gott. Ich habe den Eindruck, dass heute viele Menschen sich diesen Slogan zum Lebensmotto gemacht haben: Ich brauche keinen Gott. Ich schaff das selber. Die Wege, die Menschen gehen, sind oft von Selbstvertrauen, ja nicht selten von Selbstüber­schätzung geprägt. Mit zur häufigsten Personengruppe, wegen der die Bergwacht in den Alpen ausrücken muss, sind Männer so um die 60, die’s noch einmal wissen wollen – und dann am Berg einen Schwächeanfall erleben.

    Ihre Wege habe ich gesehen – sagt Gott. Die Wege, die die Menschen gehen, sind dort, wo wir sie ohne Gott gehen, oft auch Irrwege, Sackgassen. Sackgassen, aus denen wir selbst nicht mehr herausfinden. Die Wege, die Menschen gehen, sind oft genug auch gefährliche Wege, Wege der Selbstzerstörung. Wir Menschen machen uns selbst kaputt. Die Sünde macht uns kaputt, aus der wir nicht herauskommen.

    Ihre Wege habe ich gesehen – sagt Gott. Doch er lässt es nicht dabei bewenden. Er wendet sich nicht ab und sagt: »Selbst schuld! Hättet ihr früher auf mich gehört«. Ihn jammert es, wenn er sieht, wohin wir uns mit unseren eigenen Wegen verstiegen haben. Er sieht, er sieht unsere Wege und er weiß, dass unsere Wege ohne ihn immer nur Unheilswege, verlorene Wege sein können. Darum macht er sich selbst auf. Darum wird er selbst einer von uns, um uns zu retten – um uns zu suchen, um uns zu heilen und sich ganz neu mit uns zu verbinden. Dafür steht das Kreuz von Jesus Christus: Dass Gott heil machen will. Dass Gott verlorene Menschen zurückholt in die Gemeinschaft mit sich. Dass er uns leiten will und uns Trost geben will. Lassen wir es uns doch schenken – jeden Tag neu. Leben wir mit ihm, gehen wir auf dem Weg, den er uns führt – und nicht mehr unsere eigenen Wege.

    Pfarrer Andreas Streich  

     

  • add Andacht für Donnerstag, 1. Oktober 2020

    Weil du im Herzen betroffen bist und du dich gedemütigt hast vor Gott, so habe ich dich auch erhört, spricht der HERR.                                   2. Chronik 34,27

    Diese Worte lässt Gott durch die Prophetin Hulda dem frommen König Josia ausrichten. Was macht einen frommen König aus? Dass er alles richtig macht? Dass er sich keinen Fehler leistet? Manchmal habe ich den Eindruck, dass Politiker heutzutage sich keine Fehler mehr leisten dürfen. Beim kleinsten Irrtum, bei der ersten Fehlentscheidung wird ihr Rücktritt gefordert. Da können Presse und politische Gegner erbarmungslos sein. Menschen machen Fehler – auch Regierende.

    Was diesen König Josia hier auszeichnet, ist nicht seine Klugheit und Besonnenheit in politischen Fragen, sondern seine Betroffenheit über der Schuld seines Volkes. Im Tempel wurde bei Renovierungsarbeiten ein altes Gesetzbuch gefunden. Das Gesetzbuch. Das Gesetzbuch, das all das enthält, was Mose von Gott empfangen hat. Darin war auch von Verheißung die Rede, wo das Volk Gottes Geboten gehorcht. Und es war von Warnungen, ja Flüchen die Rede, die dem Volk drohen, wo es sich von Gottes Geboten abwendet. Es geht ohne Gott in die Dunkelheit – das war die klare Botschaft.

    Diese Botschaft hat den König Josia so betroffen gemacht. Nicht oberflächlich, sondern im Herzen. Er ist erschrocken über seiner Schuld und über der Schuld seines Volkes. Über der abgrundtiefen Verlorenheit, in der wir Menschen – alle Menschen – gegenüber dem lebendigen Gott stecken. Ja, es muss anders werden. Wir müssen anders werden. Und das schaffen wir nicht allein – wir brauchen Gott dazu.

    In Jesus Christus kommt der lebendige Gott selbst, um all das auszuräumen an Schuld und Sünde, was uns von unserem Gott trennt. Sein Urteil zählt – nicht, ob wir uns für schuldig oder anständig halten. Sein Urteil zählt – und seine Rettung brauchen wir. Jesus ist für uns gestorben. Und für uns – genau wie für Josia – geht der Weg zur Rettung immer über die Betroffenheit im Herzen, über das heilsame Erschrecken über das Gewicht unserer Schuld, über die Demut vor Gott – und über das Erhören, die Rettung, die Gott uns in Jesus Christus ganz fest verspricht.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 30. September 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    die Losungen greifen täglich einzelne Verse aus dem biblischen Text heraus und stellen sie über den Tag. Nicht immer ist das nur hilfreich. Dann nämlich nicht, wenn so ein einzelner Vers ohne seinen Zusammenhang dasteht und dadurch einen falschen Klang bekommt. So empfinde ich das zumindest bei der heutigen Losung. Sie heißt: „Ich glaube, auch wenn ich sage: Ich werde sehr geplagt.“ Der Vers steht in Psalm 116. Höre ich diesen steilen Satz nur so für sich, dann denke ich: Mensch, wer das sagen kann, der muss aber einen festen Glauben haben, wenn er selbst in Schwierigkeiten und Not so ohne Weiteres an seinem Gott festhält. Das muss so einer sein wie Hiob, der seinen Glauben in der tiefsten Tiefe nicht aufgab. Aber ich? Manchmal genügen verhältnismäßig kleine Probleme, dass ich verzagt werde.

    Wenn wir in den erwähnten Psalm 116 hineinlesen, dann klingt auch unsere Tageslosung anders. Ich lese einige Verse:

    Ich liebe den HERRN, denn er hört
         die Stimme meines Flehens.
    Er neigte sein Ohr zu mir;
         darum will ich mein Leben lang ihn anrufen.
    Stricke des Todes hatten mich umfangen, /
    des Totenreichs Schrecken hatten mich getroffen;
         ich kam in Jammer und Not.
    Aber ich rief an den Namen des HERRN:
         Ach, HERR, errette mich!
    Der HERR ist gnädig und gerecht,
         und unser Gott ist barmherzig.
    (…)
         wenn ich schwach bin, so hilft er mir.
    (…)
    Ich glaube, auch wenn ich sage:
         Ich werde sehr geplagt.

    Soweit einige Verse aus Psalm 116. Da spricht keiner, der sich auf seinen starken Glauben etwas einbildet. Sondern einer, der ganz unten war, ganz verzweifelt – und die Hilfe Gottes erfahren hat, der ihn nicht im Stich ließ. Und aus dieser Erfahrung heraus wächst dankbares Vertrauen – oder vertrauende Dankbarkeit: „Ich glaube, auch wenn ich sage: ich werde sehr geplagt.“ Das ist die Liebeserklärung eines Kindes, das nach erfahrener Hilfe durch den Vater oder die Mutter nun auf dem Schoß sitzt und aus voller Geborgenheit größtes Vertrauen formuliert.

    Gott erwartet von uns kein Vertrauen, um uns erst dann zu helfen. Viele Menschen denken so über Gott und bleiben ihm fern, weil sie völlig zu Recht sagen: einer Vertrauensprüfung bin ich niemals gewachsen. Aber so ist Gott nicht. Er hilft uns, wenn wir zu ihm schreien. Unser Vertrauen zu ihm entsteht und wächst, wenn wir staunend erleben: er hilft uns ja tatsächlich! Probieren Sie das doch aus! Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für den Tag des Erzengels Michael, Dienstag, 29. September 2020

    Der Engel des HERRN lagert sich um die her, die ihn fürchten und hilft ihnen heraus. Psalm 34,8

    Engel haben für viele Menschen heute eine große Bedeutung – nicht nur in esoterischen Kreisen: als Schutzengel werden sie geschätzt oder als Botschafter einer unsichtbaren Welt. Und natürlich gibt es Engel auch in der Bibel.

    Aus ihr kennen wir das Woher der Engel: Keine anonyme Macht, nicht ein Schicksal schickt uns seine Engel, sondern Gott, der HERR, der Gott, der sich mit seinem Namen uns zu erkennen gegeben hat. So heißt es im Leitspruch für den Michaelstag: Der Engel des HERRN lagert sich… Und auch sein Name weist auf Gott hin: Michael – das heißt: »Wer ist wie Gott?« Wichtiger als die Engel selbst ist der, der sie sendet: Gott, der HERR, der sich seinem Volk Israel gezeigt. Gott, der HERR, der sich in seinem Sohn Jesus Christus zu erkennen gab. Jesus sagt: Wer mich sieht, sieht den Vater. Die Engel gehören zu Gott, sie sind Gottes Diener.

    Aus der Bibel kennen wir auch den Auftrag der Engel. Gott hat uns Menschen geschaffen, um mit ihm in Verbindung zu leben. Diesem Auftrag dienen auch der Engel des HERRN: Er lagert sich um die her, die ihn fürchten, um sie zu bewahren und ihnen zu helfen. Das mag Bewahrung in äußerlichen Dingen sein: »In wie viel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet?« Aber es geht auch um die innere Bewahrung, die Bewahrung unseres Herzens. Dass wir in der Gottesfurcht bewahrt werden, darin, Gott ganz zu vertrauen.

    Engel gehören zur unsichtbaren Welt Gottes. Viel wissen wir nicht über sie. Vielleicht auch deshalb, weil wir gar nicht mehr über sie wissen müssen. Viel wissen wir auch über Gott nicht. Doch das, was wir wissen, das hat er uns gezeigt und gesagt: Im Blick auf die Engel und im Blick auf sich selbst. Dass er für uns da ist, dass er uns bewahren und uns retten will. In Jesus Christus sehen wir, wie Gott es im Tiefsten seines Herzens meint. Von ihm heißt es im Hebräerbrief, dass er höher ist – viel höher – als alle Engel. Ihm wollen wir vertrauen, ihn in allen Nöten anrufen und auf ihn hören. Und die Engel Gottes werden uns darin bewahren.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 28. September 2020

    Denk an deinen Schöpfer in deiner Jugend, ehe die bösen Tage kommen und die Jahre sich nahen, da du sagen wirst: »Sie gefallen mir nicht«                                                 Prediger 12,1

    Bei schönstem Wetter waren sie losgewandert – im Spätsommer in den Bergen wollten sie eine mehrtätige Tour von Hütte zu Hütte machen. Die ersten beiden Tage war es herrlich: die Sonne schien, ein sanftes Lüftchen blies. Doch dann schlug das Wetter um. Am Morgen des dritten Tages schüttete es aus Kübeln. Nebelschwaden zogen durch die Berge, so dicht, dass man kaum die Hand vor Augen sehen konnte. Sie konnten nicht weiter. Am nächsten Tag wich zwar der Nebel, doch der Regen blieb. Sie mussten weiter. Sie sagten sich den Spruch, den Sie vielleicht auch schon gehört haben: »Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur unsachgemäße Kleidung«. Also wurde die Regenkleidung übergezogen und weitermarschiert. Es war anders, aber es ging. Wenn man die richtige Ausrüstung hat: sachgemäße Kleidung.

    Sachgemäße Lebensvorbereitung – so möchte ich das Losungswort für heute überschreiben. Wie bereite ich mich auf die »Regentage« im übertragenen Sinne, die stürmischen Zeiten in meinem Leben richtig vor? Was kann ich tun, damit ich nicht völlig aus der Bahn geworfen werde, wenn Zeiten kommen, die mir nicht gefallen? Der Prediger Salomo gibt uns einen klaren Hinweis: Denke an deinen Schöpfer in deiner Jugend, ehe die bösen Tage kommen. Denke an ihn – das heißt: Beschäftige dich mit ihm. Lebe mit ihm. Such seine Nähe. Höre auf ihn, auf das, was er dir in seinem Wort, in der Bibel zu sagen hat. Und such die Nähe zu anderen, die auch an ihn denken wollen.

    Das ist die beste und zugleich die einzige sachgemäße Lebensvorbereitung: Denn er ist auch dann noch für dich da, wenn die bösen Tage kommen und die Jahre, da du sagen wirst: Sie gefallen mir nicht. Er ist da und er bleibt da. Seine Hand lässt nicht los. Leben wir doch heute mit ihm – denn auch die bösesten Tage können uns nicht aus seiner Hand reißen. Wohl dem, der einen Halt hat. Wohl dem, der eine Hoffnung hat, die über den Tod hinausreicht. Und wohl dem, der nicht erst dann suchen muss, wenn die bösen Tage schon da sind. Deshalb: Denk an deinen Schöpfer heute, lebe heute mit ihm. Das ist die beste und die einzig sachgemäße Lebensvorbereitung. Gott ist für uns da.

    Pfarrer Andreas Streich

     

 

Woche vom 21.09. bis 27.09.

  • add Andacht für Sonntag, 27. September 2020

    Der HERR lässt sein Heil verkündigen; vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar. Psalm 98,2

    In der Corona-Pandemie warten wir immer noch auf den großen Durchbruch: Ein Heilmittel oder ein sicherer und wirksamer Impfstoff für alle. Gespannt schauen Politiker und Bevölkerung auf die Wissenschaftler, die mit Hochdruck daran arbeiten. Wann endlich ist es soweit? Wann endlich kommt ein Impfstoff? Wann endlich kann sich das Leben wieder normalisieren? Wenn es soweit ist – und nicht bloß ein unerprobter Sputnik-Impfstoff für den Sputnik-Effekt auf den Markt geworfen wird – dann werden es alle erfahren.

    In einem noch viel tieferen und weiteren Sinne als alle Heilmittel gegen Corona stellt Gott uns sein Heil vor Augen. Da müssen wir nicht mehr auf einen Impfstoff warten, sein Heil ist längst da! Sein Heilmittel gegen Sünde, Tod, Verzweiflung und Verlorenheit steht zur Verfügung. Er lässt sein Heil verkündigen! Er macht es publik! Sein Heil hat einen Namen: Jesus Christus, Gottes Sohn. Das ist Gottes Heilsbringer – der einzige, der wirklich Heil bringt für alle Menschen. Der, der den Völkern Gottes Gerechtigkeit schenkt: Gott nimmt uns an, ohne dass wir etwas dafür tun müssen oder dafür tun könnten. Gott lässt uns noch einmal neu anfangen. Gott vergibt alle Schuld um Jesu Christi willen. Dafür ist er am Kreuz gestorben. Das ist das Heilmittel, das wir noch viel dringender brauchen als alle Mittel gegen Corona. Und Gott lässt es verkündigen. Gott macht es den Völkern offenbar.

    Gesundheit ist wichtig – sehr wichtig sogar. Aber noch wichtiger ist: Gottes Heil, das er uns Menschen schenken will. Denn das bleibt uns erhalten – auch da, wo die Gesundheit wegbrechen mag. Deshalb: Nicht »Hauptsache gesund« sondern: »Hauptsache: Gottes Heil in Jesus Christus«. Das ist Grund zur Freude; das ist Halt in schwierigen Zeiten; das ist Trost, selbst dort, wo alle eigenen Möglichkeiten zu Ende sind. Leben wir davon; leben wir mit ihm!

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • add Andacht für Samstag, 26. September 2020

    Ich bin bei dir, spricht der HERR, dass ich dir helfe.                        Jeremia 30,11

    Gott ist da – das ist der alles entscheidende Faktor in unserem Leben. Natürlich können wir nicht ausblenden, was unser Leben belastet und schwermacht. Natürlich sollen wir nicht verdrängen, was uns zu schaffen macht. Natürlich steht uns vor Augen, was uns alles nicht möglich ist und welche Wege uns verbaut sind. Doch das alles ist nicht entscheidend – so die Botschaft unserer Losung. Entscheidend ist allein, dass Gott uns zuspricht: Ich bin da, dass ich dir helfe. Das wiegt viel schwerer als alles andere, das uns entmutigen möchte oder uns die Kraft raubt. Gott ist da, um zu helfen.

    Dieses Wort ist ursprünglich gesprochen an das Volk Israel. Mitten hinein in eine der schwierigsten Situationen, die sie je erleben mussten: Das Land war erobert. Die erhoffte Hilfe Gottes gegen die Feinde blieb aus. Zumindest in der Form, wie die Menschen es sich erwartet hatten. Der Tempel des HERRN in Jerusalem – den viele für eine Unbesiegbarkeitssymbol gehalten hatten – lag in Trümmern. Gott hatte es zugelassen, dass die Feinde siegten, um der Sünde seines Volkes willen. Nun waren alle Sicherheiten zerbrochen. Nun saßen sie verstreut – zum Teil weit entfernt, verschleppt in fremde Länder. Gott hatte nicht so geholfen, wie sie es sich selbst versprochen hatten. Gott hatte sich nicht vor ihren Karren spannen lassen.

    Doch jetzt, da alle Sicherheiten und alle eigenen Wege zu Ende gegangen sind, spricht Gott neu. Er macht deutlich: Ich habe euch nicht vergessen. Ich bin da! Gerade jetzt. Ich bin bei dir, spricht der HERR, dass ich dir helfe. Es ist die Einladung, auf ihn zu schauen, auf ihn zu warten. Nicht, um ihn dann wieder zu vergessen, wenn der Alltag wieder seinen gewohnten Gang geht und wir wieder meinen, die Dinge selbst im Griff zu haben. Es ist die Einladung, ihm dauerhaft zu vertrauen und von ihm abhängig zu sein. Es gibt – in Beziehungsfragen – nur eine einzige Abhängigkeit, die für unser Leben wirklich gut ist: Und das ist die Abhängigkeit von unserem Gott. Gott über alle Dinge lieben, fürchten und ihm vertrauen – das ist der beste Weg. Da kommt unser Leben zu seiner Bestimmung. Da erleben wir: Dieses Vertrauen wird nicht enttäuscht.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Freitag, 25. September 2020

    Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit!

    Kolosser 3,16

    Wie bekommt Gott Raum in unserem Leben? Wie kann er unser Leben bestimmen? Auf diese Fragen gibt der Lehrtext eine Antwort: Indem das Wort Christi unter uns wohnt. Das Wort Christi – das ist das Wort von Jesus Christus, das Evangelium, das uns davon erzählt, wer er für uns ist und was er für uns getan hat – und zugleich ist das Wort von Jesus Christus, das er gesprochen hat. Jesus hat nie ein Buch geschrieben. Uns ist überhaupt nichts überliefert, was er selbst geschrieben hätte. Dafür hat er Menschen gelehrt – und sie haben uns seine Worte weitergegeben, indem sie sie aufschrieben.

    Wohnen soll dieses Wort unter uns. Es soll Wohnrecht haben, dazugehören in unserem Leben und in unserem Zusammenleben. Es soll nicht nur Gaststatus haben, sondern Wohnrecht. Und das sogar reichlich. »Wohnen« das kann in unserem Sprachgebrauch eigentlich nur eine Person, ein Mensch – höchstens noch ein Haustier. Aber ein »Wort«? Geht das denn überhaupt? Das »Wort Christi« ist eben nicht nur eine Sache, die man in die Hand nehmen oder weglegen kann – es ist lebendig. Das Evangelium von Jesus Christus ist eine dynamis, eine Kraft Gottes, wie Paulus es beschreibt. Denn mit diesem Wort Christi, das uns in der Bibel gegeben ist, verbindet sich Gottes lebendiger heiliger Geist. Er wirkt durch dieses Wort an uns. Und darum gilt: Wo dieses Wort in unserem Leben Raum gewinnt, da gewinnt Jesus Christus selbst Raum darin.

    Paulus macht es praktisch: Wie geht das, das Wohnenlassen des Wortes Christi? Indem wir es einan­der weitererzählen, einander darauf hinweisen und daran erinnern. Natürlich kann jede und jeder auch für sich in der Bibel lesen und so auf Christus hören. Aber wir brauchen auch das gemeinsame Hören, das gegenseitige Zusprechen und Erinnern. Kurz: Damit Gottes Wort unter uns reichlich wohnen kann, brauchen wir immer auch Brüder und Schwestern im Glauben, die es uns sagen – und denen wir es sagen. Ohne Gemeinschaft mit anderen gibt es kein Wohnen des Wortes Gottes. Wir brauchen die Stille allein, um auf Gott zu hören – und wir brauchen die Gemeinschaft in der Gemeinde, um auf Gott zu hören. Das eine nicht ohne das andere. Weil es für unser Leben einfach gut ist, dass Gott in unserem Leben Raum gewinnt und unser Leben bestimmt.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Donnerstag, 24. September 2020

    Sie gieren alle, Klein und Groß, nach unrechtem Gewinn, und Propheten und Priester gehen alle mit Lüge um und heilen den Schaden meines Volkes nur obenhin, indem sie sagen: »Friede! Friede!« und ist doch nicht Friede.                               Jeremia 6,13-14

    Auch das gehört zur Bibel: Dass sie den Schaden schonungslos aufdeckt und beim Namen nennt. Die Propheten, wie Jeremia, hatten von Gott den Auftrag, seine Diagnose den Menschen mitzuteilen. Denn: Der Schein kann trügen. Man kann sich sogar so lange einreden, dass alles in Ordnung sei, dass man es am Ende glaubt. So war es zur Zeit Jeremias jedenfalls. Das Unrecht ist zum Alltag geworden. Gottes gute Gebote, die auch die Funktion eines Zügels haben, um uns von Falschem zurückzuhalten, waren vergessen. Statt nach Recht und Gerechtigkeit im Umgang miteinander zu achten, ging es nur noch um Gewinnoptimierung und um Profitmaximierung – und zwar bei den Herren und den Knechten: sie gieren alle, Klein und Groß, nach unrechtem Gewinn. Und die Amtsträger, die Propheten und die Priester? Die müssten doch jetzt einschreiten. So wie wir in der Corona-Krise ein Warnsystem haben: Mehr als 50 Infektionen pro 100.000 Einwohner gelten als Interventionsgrenze, ab da müssen weitere Eindämmungsmaßnahmen ins Auge gefasst werden. So hätten auch die Priester und die Kultpropheten, die dafür bezahlt wurden, einschreiten müssen. Sie hätten auf Gott hinweisen müssen, hätten zur Umkehr aufrufen müssen. Doch sie decken oberflächlich zu: »Friede! Friede!« - starke Worte zwar, doch nicht echt, nicht real, nichts dahinter. Es ist kein Friede – stellt Gott fest und lässt es durch Jeremia ausrichten.

    Diese Worte sind Warnung – auch für uns: Der Schein kann trügen. Auch der fromme Schein. Es geht nicht um fromme Fassade – es geht um unser Herz, um unser ganzes Leben. »Friede« - Schalom – das ist ein ganz umfassender Heilszustand des Menschen. Da ist die Beziehung zu Gott und den Mitmenschen in einem guten Sinne im Lot. Solcher »Friede« ist niemals nur oberflächlich, niemals nur das Schweigen der Waffen oder dass man sich tunlichst aus dem Weg geht, wenn man sich nicht versteht. Diesen Frieden kann nur Gott uns schenken. In Jesus Christus bietet er ihn uns an. Jesus Christus ist unser Friede. Er will mit uns leben – heute und für immer.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • add Andacht für Mittwoch, 23. September 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    „Er wird den Tod verschlingen auf ewig,“ verheißt der Prophet Jesaja im neunten Kapitel, dieser Vers ist heute die Tageslosung. „Er wird den Tod verschlingen auf ewig. Und Gott der Herr wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen,“ setzt sich der Vers fort. In Offenbarung 21 ganz am Schluss der Bibel leuchtet diese Verheißung ebenfalls ganz groß auf: „Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein.“ Das sind Verheißungen, auf die wir uns mit unserem kleinen Vertrauen nur ganz werfen können. Mit unserem Verstand können wir sie uns nicht zugänglich machen. In dieser Welt erleben wir etwas anderes. Immer wieder beendet der Tod ein Leben für immer. Manchmal, nach einer guten und erfüllten Lebenszeit. Manchmal aber auch durch Krankheit oder Unfall viel zu früh und stürzt uns in bodenlose Trauer, Verzweiflung und Dunkelheit. Da schenke es Gott, dass gerade dann diese seine Verheißung aufleuchtet: Er wird den Tod verschlingen, er wird alle Tränen abwischen.

    Hoffnung gibt uns, dass Jesus vom Tod auferweckt wurde. Jedes Jahr feiern wir an Ostern das große Fest, dass der Tod letztendlich besiegt ist und nicht das letzte Wort hat, auch wenn wir das noch nicht umfassend erleben. Besonders eindrücklich finde ich jedes Jahr, wenn der Frühgottesdienst an Ostern auf dem Friedhof gefeiert wird und die Lieder der Auferstehung begleitet vom Posaunenchor über die Gräber zu hören sind.

    Auch wenn wir darauf vertrauen wollen, dass Jesus der Sieger über den Tod ist - keiner von uns kann sagen, dass ihn der Gedanke an den eigenen Tod nicht bange macht. Das müssen wir auch gar nicht verstecken und verdrängen. Stattdessen dürfen wir beten und bitten, wie es heute im Losungsbüchle steht: „Wenn ich, mein Gott, einst sterben soll, so schenke du mir deine Nähe. Ich habe Angst, das weißt du wohl, weil ich nur dieses Leben sehe und möchte doch dein Leben schauen. Ich bitte, Herr, hilf mir vertrauen.“ Amen.

    Einen zuversichtlichen Tag wünscht Ihnen Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für Dienstag, 22. September 2020

    HERR, wie lange willst du mich so ganz vergessen? Wie lange verbirgst du dein Antlitz vor mir?

    Psalm 13,2

    Wussten Sie eigentlich, dass die klare Mehrzahl der 150 Psalmen, die in der Mitte der Bibel stehen, Klagepsalmen sind? So wie der 13. Psalm von David. Die Psalmen sind eben nicht bloß kunstvoll erdichtete Lyrik, von klugen Menschen komponiert, sondern sie sind echte Gebete. Gebete, hinter denen das Leben steht – mit allen seinen Erfahrungen. Auch das Glaubensleben mit all seinen Erfahrungen. So wie es in jeder menschlichen Beziehung Phasen geben kann, die in uns ganz verschiedene Gefühle auslösen können, so ist das auch in unserer Beziehung zu Gott. Wir können Gott ja nicht sehen. Wir können oft nur aus unserem Erleben heraus, auf das, was uns widerfährt, zurückschließen: Im Letzten kommt das doch von Gott. Und dann fragen wir: Wieso? Warum? Wozu? Wir beten, wir bitten – genau wie der Psalmbeter David. Wie viele Gebete mögen diesem Psalm vorausgegangen sein. Irgendwann fragt David: HERR, wie lange willst du mich eigentlich vergessen? Wie lange mich ignorieren? Wie lange… Kennen Sie das auch? Dass Gott scheinbar nicht hört? Dass ich keine Antwort bekomme?

    Es muss wohl nicht nur David so gegangen sein – der Psalm ist im Hebräischen überschrieben: Ein Psalm Davids – vorzusingen. Die Worte sind ganz persönlich – und zugleich sind es Worte zum Teilen, zum Nachbeten. Weil es eben nicht nur dem David damals vor 3.000 Jahren so ergangen ist, sondern mit ihm – und seitdem – unzähligen glaubenden Menschen. Sie verstehen Gott nicht; sie können sich Gottes Handeln nicht erklären. Sie beten und haben den Eindruck: Gott ignoriert mich; Gott antwortet nicht. Und sorgenvoll fragen sie: HERR, wie lange?

    Lesen Sie bitte in Ihrer Bibel den ganzen Psalm. Denn er zeigt, wohin die Klage führt. Der Unterschied zwischen Klage und Anklage ist, dass die Klage immer noch mit Gottes Hilfe rechnet und sich an Gott wendet. Dass nicht über, sondern mit Gott gesprochen wird. Und dass immer noch das tiefe Vertrauen da ist: Es gibt doch keinen anderen, der mir helfen kann, als du, mein HERR. Lesen Sie den ganzen Psalm, beten Sie ihn nach – und erleben Sie, wie Gott die Klage in Freude verwandelt und wie einer neu ins Staunen über Gottes Güte und Gnade kommt. Denn auch das hat Gott mit uns vor.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 21. September 2020

    Jesus betet: Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen.                    Johannes 17,15

    »Wer mit Gott lebt, kennt auch Schwierigkeiten. Doch das steht fest: in keiner Schwierigkeit lässt Gott uns allein« so heißt es in einem Lied. Und das stimmt. Wer mit Gott lebt, kennt auch Schwie­rigkeiten. Der Glaube an Gott ist keine Garantie für ein sorgenfreies Leben. Christsein ist keine Vollkaskoversicherung. Wer meint, dass Gott dazu da ist, uns möglichst alle Gefahren und Gefähr­dun­gen, Probleme und Schwierigkeiten vom Leib zu halten, der irrt. Gott mutet uns manches zu, manchmal auch manches, was nach unserem Ermessen über unsere Kraft geht. Solange wir auf dieser Welt sind, gehören Schwierigkeiten und Probleme zu unserem Leben. Die Briefe des Neuen Testaments legen nahe, darin auch Bewährungsproben für unseren Glauben zu sehen. Christsein – Glaube – das ist auch ein Kampf, ein Ringen. Wir sollen Überwinder, Sieger in diesem Kampf werden – nicht aus uns heraus, sondern mit Gottes Hilfe.

    Jesus betet im Hohenpriesterlichen Gebet in Johannes 17 für seine Jünger – und ganz bewusst auch für die, die durch ihr Wort, ihr Zeugnis, ihr Weitererzählen von Jesus, zum Glauben kommen werden. Also: Er betet auch für uns. Nicht umsonst ist uns aus diesem Gebet gerade dieser Satz aufgeschrie­ben. Ein Satz, der zeigt, worum Jesus nicht bittet: Dass Gott uns aus der Welt nimmt. Warum eigentlich soll Gott uns nicht aus der Welt nehmen? Weil wir Teil seiner großen Rettungsbewegung sind. Weil Gott uns gebrauchen will in dieser Welt: »Menschen müssen Menschen sagen, dass Gott alle liebt, dass es einen Weg aus Schuld und Elend gibt«. Wenn Gott seinen Sohn nicht aus der Welt genommen hat, sondern ihn hineingesandt hat, um Menschen zu retten, dann gilt dasselbe für uns als seine Nachfolgerinnen und Nachfolger. Gott will uns hier und heute gebrauchen. Ja, Gott mutet uns manche Schwierigkeiten zu – sie gehören zu einer Welt, die sich von Gott abgewandt hat. Viele Christen weltweit erleben um ihres Glaubens Willen sogar zusätzliche Schwierigkeiten, die sie nicht hätten, wenn sie sich nicht zu Jesus bekennen würden. Doch gerade da drin, gerade in einer Welt voller Feindschaft und Schwierigkeiten, da braucht Gott uns.

    Was wir wirklich brauchen, darum bittet Jesus: Dass wir mitten in dieser Welt bewahrt werden und bewahrt bleiben von dem Bösen. Darum beten auch wir im Vaterunser: dass wir nicht verführt werden, dass wir dem Versucher nicht auf den Leim gehen – und dass wir immer wieder umkehren aus unserer Schuld hin zu unserem Gott. Er kann und er wird uns bewahren. Die Schwierigkeiten müssen uns keine Angst machen. Gott kann und wird uns bewahren.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 14.09. bis 20.09.

  • add Andacht für den 15. Sonntag nach Trinitatis, 20. September 2020

    Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch.                   1. Petrus 5,7

    Was für eine Botschaft: Wir dürfen unsere Sorgen loswerden. Es gibt einen Abladeplatz für unsere Sorgen. Ein Wurfziel, wohin wir sie werfen können: Unseren Gott, unseren Herrn Jesus Christus!

    Im Bild gesprochen: Unser Herz ist wie ein Gepäckraum. Wir räumen Erfahrungen hinein – gute und schlechte. Und wir räumen unsere Sorgen hinein. Und irgendwann ist der Gepäckraum so voll, dass man nicht mehr durchkommt. Der Apostel lädt uns ein: Räum aus mit der Sorge. Die größte Sorge: Ob Gott uns denn annimmt, ob wir mit unserer Schuld zu ihm kommen dürfen, die hat uns unser Herr längst abgenommen. Er hat unsere Schuld auf sich genommen. Gott hat unser aller Sünde auf Christus gelegt, den Gekreuzigten, damit wir frei sind.

    Und nun geht es um die vielen kleinen und großen Sorgen, die uns noch bleiben. Wenn Gott so für uns sorgt. Wenn wir ihm so viel wert sind, dass er sogar seinen eigenen Sohn nicht verschont, dann ist er auch zuständig für all die anderen Sorgen.

    Werfen sollen wir. Nicht wie beim Ballspiel alleine, wenn man den Ball gegen die Wand wirft und wieder auffängt. Sondern: Wegwerfen und nicht mehr holen. Nicht mit einem Gummiseil. Werfen sollen wir. Und das geschieht im Gebet. Der Schweizer Reformator Ulrich Zwingli sagte: Die Sorge treibt mich ins Gebet und das Gebet treibt die Sorge wieder hinaus. Dieses Werfen kann man lernen. Man muss es üben, immer und immer wieder. Der deutsche Reformator Martin Luther sagte: Wer solches Werfen nicht lernt, der muss bleiben ein verworfener, zerworfener, unterworfener, ausgeworfener, abgeworfener und umgeworfener Mensch. Gott sei Dank müssen wir das nicht bleiben. Wir dürfen beten, wir dürfen werfen – und wir wollen es üben. Heute und jeden Tag neu. Denn Gott ist da. Und er sorgt für uns.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • add Andacht für Samstag, 19. September 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    die Losung für heute kommt aus dem Buch Hiob. Dort sagt Hiob: „Gott ist weise und mächtig; wer stellte sich ihm entgegen und blieb unversehrt? (Hiob 9,4)“

    Vermutlich kennen Sie die Geschichte von Hiob in ihren Grundzügen. Gott ließ es zu, dass ihm der Satan alles nahm, was er an Reichtum besaß, schließlich auch seine Kinder und seine Gesundheit. Der Satan wollte beweisen, dass Hiob in der Not seinem Gott absagen würde, denn als reicher und gesunder Mensch sei es schließlich leicht, an Gott zu glauben. Doch Hiob blieb auch im Leid seinem Gott treu.

    Das Buch Hiob hat noch eine große andere Linie. Hiob wird von seinen Freunden besucht, die ihm helfen wollen, sein Leid zu verstehen und es zu bewältigen. Diese Freunde halten lange und ausführliche Reden und sagen dabei ziemlich viel Schlaues, mindestens dem Großteil ihrer Gedanken würden wir sicherlich zustimmen, weil das menschlich gesehen gute Worte sind. Die klugen Reden dieser Freunde füllen das Buch Hiob denn auch überwiegend aus. Am Schluss jedoch schaltet sich Gott selbst ein und antwortet. Und er ist zornig über die Freunde, die der Meinung waren, mit ihrem Verstand und ihrer Weltsicht könnten sie verstehen, wie Gott handelt und warum er tut, was er tut. Der Schöpfer steht so viel über seinen Geschöpfen, dass sein Handeln ihr Verstehen übersteigt. Der leidende Hiob hat das durchaus verstanden, wenn er sagt: „Gott ist weise und mächtig; wer stellte sich ihm entgegen und blieb unversehrt?“ Hiob weiß, dass er Gott nicht verstehen kann, er leidet daran auch, schreit zu Gott, weil er auf Antwort hofft, warum es ihm so geht, wie es ihm geht, nämlich abgrundtief schlecht.

    Wenn wir so vieles in unserem Leben nicht verstehen und auch von dem, was um uns herum und auf der Welt passiert, ist das nicht schlimm oder ungewöhnlich – wir sind eben nicht der allwissende Gott. Im Gegenteil: unsere Alarmglocken sollten läuten, wenn andere Menschen so auftreten, als ob sie die Welt erklären könnten und den kompletten Überblick haben.

    Für uns entscheidend und tröstlich ist, dass wir wissen: der allwissende Gott, der die Dinge bewegt und in den Händen hat, ist unser Vater, dem wir uns in die Arme werfen dürfen mit all dem, was wir nicht verstehen und ihm sagen dürfen, was uns alles zu schaffen macht. Der König Salomo, der mit seinem scharfen Verstand als einer der weisesten Menschen gegolten hat, sagte es so: „Verlass dich auf den Herrn von ganzem Herzen, und verlass dich nicht auf deinen Verstand, sondern gedenke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen“ (Sprüche 3,5-6).

    Ich wünsche Ihnen ein gutes und gesegnetes Wochenende,

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für Freitag, 18. September 2020

    Ich bin der HERR, der das Recht liebt und Raub und Unrecht hasst.                       Jesaja 61,8

    Gott liebt die Sünder. Aber er hasst die Sünde. Denn die Sünde macht uns kaputt. So ist die Rede von Gottes Zorn, die auch in der Bibel vorkommt, zu verstehen. Gottes Zorn steht über der Sünde, weil sie seine geliebten Geschöpfe schädigt und zerstört. Gott spricht ein klares und unmissverständliches »Nein« zur Sünde. Und er hat in uns das Gewissen angelegt, das uns in unserem Tun immer wieder an die Maßstäbe Gottes erinnert, wenn wir uns denn erinnern lassen.

    Gott geht es immer um’s Ganze. Er will mit seinen guten Geboten und Ordnungen, mit seinem Recht, unser ganzes Leben bestimmen – nie nur einzelne Teile davon. Auch im Umgang mit unserem Hab und Gut, mit unserem Besitz soll Gottes Recht uns bestimmen. »Raub«, das ist uns allen klar, ist offensichtliches Unrecht. Einem anderen wegzunehmen, was ihm gehört, es ihm sogar zu entreißen. In unserem Strafgesetzbuch wird zwischen Raub und Diebstahl unterschieden. Raub – das ist, wenn ich einem anderen sein Eigentum mit Gewalt entreiße. Doch wir alle wissen: Das Unrecht fängt nicht erst beim Raub an. Im Lehrtext für diesen Tag aus dem 1. Thessalonicherbrief werden die Christen gewarnt: Niemand gehe zu weit und übervorteile seinen Bruder im Handel. Also: auch in ganz normalen Geschäftsvorgängen kann es unrecht zugehen. Dann nämlich, wenn es nicht mehr ehrlich und redlich zugeht. Wenn jemand vor lauter Gier beim Kauf oder Verkauf wider besseres Wissen einen Preis verlangt, den er selbst nie akzeptieren würde.

    Doch wie oft passiert genau das: Beim Verkauf eines Hauses, beim Verkauf eines Grundstücks, beim Verkauf eines Autos. Und man redet sich dann raus: »Na und, der andere war doch einverstanden!« Mag sein. Doch Gott ist nicht einverstanden. Er liebt das Recht – und er hasst die Sünde. Doch weil er uns Sünder liebt, darum will er uns zurechtbringen, damit die Gier – oder wie die Sünde bei uns auch immer aussehen mag – uns nicht zerstört. Er will Leben, nicht Zerstörung. Er will einen Neuanfang, nicht ein »weiter so«. Schauen wir doch auf ihn. Ihm geht es um uns. Und zwar ganz.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Donnerstag, 17. September 2020

    Ich bin der HERR, dein Gott, der deine rechte Hand fasst und zu dir spricht: Fürchte dich nicht, ich helfe dir!                    Jesaja 41,13

    Gottes Hand hält fest. Und sie ist im rechten Moment zur Stelle, wenn wir sie brauchen. So hat es Petrus erlebt, als er auf den Wellen des Sees Jesus entgegenging. Die ersten Schritte waren gelungen. Doch dann begann er zu sinken. Jesus ergriff seine Hand und hielt ihn fest. Und er machte ihm Mut.

    Was Gott uns verspricht, das kann kein menschlicher Helfer – und sei es noch so gut gemeint – halten: Dass er immer da ist, wenn ich ihn brauche. Gott ist immer da. 

    Gott verspricht: Ich fasse deine rechte Hand. Und ich spreche dir zu: Fürchte dich nicht. Wenn ich da bin, dann musst du dich nicht fürchten. Denn ich helfe dir. Wie genau Gott hilft, das ist mit diesen Worten nicht gesagt. Es kann so sein, wie wir uns Hilfe in einer konkreten Not vorstellen – es kann aber auch ganz anders sein. Es kann auch so sein, dass man erst auf den zweiten Blick versteht, dass das jetzt Gottes Hilfe ist. Schauen wir auf das Kreuz von Jesus Christus: Da ist Gott am Werk. Helfend am Werk. Die Spötter unter dem Kreuz meinen zu wissen, wie Gottes Hilfe jetzt aussehen müsste: »Steig herab vom Kreuz, wenn du Gottes Sohn bist« Und viele Menschen meinen: Hilfe Gottes – das kann doch nur heißen, dass uns Leiden erspart bleibt. Jesus blieb das Leiden nicht erspart – und vielen Menschen in seiner Nachfolge blieb und bleibt das Leiden auch nicht erspart. Und dennoch erleben sie alle: Gott hat meine Hand ergriffen. Gott hilft mir. Gottes Hilfe geht tiefer als wir denken. Gottes Hilfe ist mehr als die Wiederherstellung eines früheren Zustandes – sei es in unserer Gesundheit, in unserer Familie, in unseren wirtschaftlichen Verhältnissen. Das kann zwar sein. Aber wichtig ist mir: Gottes Hilfe dürfen wir auch erleben als Bewahrung gerade mitten in schwierigen Zeiten, ohne dass sich äußerlich daran viel ändert. Dass Gott mich spüren lässt: Nie kannst du aus meiner Hand fallen. Nie lasse ich dich los. Auch im Sterben nicht und auch nicht im Tod. Er hat unseren Herrn zum Leben auferweckt. Er lässt auch uns nicht los. Er hilft. Das reicht.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 16. September 2020

    Ehre den HERRN mit deinem Gut.           Sprüche 3,9

    Wir Menschen trennen gern: Wir trennen Alltag vom Sonntag. Wir trennen den Gottesdienst von unserem sonstigen Geschäft. Wir trennen heilig von profan. Diese Unterscheidungen sind durchaus sinnvoll und berechtigt. Doch sie können uns auch in die Irre führen. Dann nämlich, wenn wir meinen, dass Gott nur in bestimmten Bereichen unseres Lebens eine Rolle spielen würde. Oder anders ausgedrückt: Dass es Bereiche in unserem Leben gibt, wo Gott uns nichts zu sagen hat.

    Was hat Gott eigentlich mit meinem Geld und Gut zu tun? Das ist die Frage, die hinter unserer Losung aus dem Buch der Sprüche steht. Die Antwort: Geld und Gut, unser Besitz, ist kein Bereich, in dem Gott keine Rolle spielen will. Gott will unser ganzes Leben bestimmen. Auch unseren Umgang mit unserem Geld und Gut, mit dem was wir haben und besitzen. Gott geht es immer ums Ganze. Er will nicht nur Teilbereiche unseres Lebens bestimmen, sondern unser ganzes Leben. Ja, Gott kann man am Sonntagmorgen im Gottesdienst ehren. Aber man kann ihn zusätzlich auch ehren im Alltag, auch im Umgang mit unserem Geld.

    Eine sehr konkrete Form wie das geschehen kann, legt uns Jesus in der »Predigt auf dem Felde«, die uns der Evangelist Lukas aufgeschrieben hat, ans Herz – es ist der heutige Lehrtext: Leiht, ohne etwas dafür zu hoffen. So wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Kinder des Höchsten sein. Vor allem wird deutlich, welchen Charakter unser Geld und Gut haben soll – und welchen nicht. Es soll nicht unsere Sicherheit sein, auf die wir uns verlassen. Auf jedem Dollarschein in den Vereinigten Staaten steht als Appell der Satz: »We trust in God« - »Wir vertrauen auf Gott«. Hoffentlich ist es bei uns tatsächlich so, dass wir auf Gott vertrauen – und nicht insgeheim dann doch auf das Geld. Jesus sagt im Blick auf die Steuern: Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, aber gebt Gott, was Gott gehört. Und er warnt im Blick auf das Geld: Niemand kann zwei Herren dienen. … Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Gott wollen wir dienen. Und dem Geld nur den Stellenwert beimessen, der ihm zukommt, als Mittel zum Zweck – aber wir wollen nicht vom Geld unser Leben abhängig machen und nicht auf das Geld vertrauen. Gott wollen wir ehren mit unserem Gut. Denn das tut unserem Leben gut.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Dienstag, 15. September 2020

    Abram zog aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte.        1. Mose 12,4

    Im Glauben kann man wachsen. Das zeigt uns die Geschichte von Abraham. Sein Glaube hat eine Geschichte. Da sind nachvollziehbare Schritte zu erkennen, die uns in der Bibel nacheinander erzählt werden. Hier, ganz am Anfang heißt er noch gar nicht »Abraham«, sondern »Abram«. Den neuen Namen, unter dem wir ihn kennen, bekommt er erst im Laufe seiner Glaubensgeschichte, dieser Beziehungsgeschichte mit Gott.

    Glaube ist im Wesentlichen Beziehung. Im deutschen Sprachgebrauch haben wir ein Problem mit der Vieldeutigkeit des Wortes »glauben«. Im allgemeinen Sprachgebrauch verwenden wir es im Sinne von »vermuten« oder sogar im Gegensatz zum »Wissen«. Glaube in der Bibel meint dagegen schlicht »vertrauen« - und Glaube an Gott heißt dann »Gott vertrauen«. Das ist Glaube. Und den sehen wir schon in den ersten Versen der Glaubensgeschichte des Abraham, bzw. Abram, wie er hier noch heißt. Abram kennt Gott noch nicht. Er hat bisher keine – zumindest keine erkennbare – Geschichte mit Gott. Seine Eltern und Vorfahren haben anderen Göttern vertraut. Doch nun redet Gott mit Abram. Er fordert ihn auf, aufzubrechen: Aus seinem Vaterland, aus seiner Verwandtschaft, aus seines Vaters Haus und in ein Land zu ziehen, das Gott ihm zeigen will.

    Mehr hat Abram nicht als diese Ankündigung und diese Aufforderung. Mehr weiß Abram nicht von diesem Gott, der da zu ihm – auf welche Weise auch immer – geredet hat. Doch er lässt sich darauf ein. Er vertraut dem Wort Gottes. Er gehorcht. Auch das ist ein untrügliches Zeichen des Glaubens: Der Gehorsam. Glaube ist nicht von uns Menschen machbar – er ist Wirkung und Geschenk Gottes. Und doch begegnet uns durch die ganze Bibel hindurch der Schritt in den Glauben immer als Einladung, als Aufforderung, als Angebot, das Gott uns Menschen macht. Und diesem Angebot gilt es zu Folgen – ohne Wenn und Aber. Denn diese Einladung, diese Aufforderung ist die Chance unseres Lebens. Mehr und erfüllteres Leben gibt es nicht als mit Gott unterwegs zu sein. Glauben heißt Vertrauen. Und Gott ist unser Vertrauen wert – das hat er bei Abram bewiesen. Wenn uns Gott etwas zeigt, dann tun wir’s doch einfach. Gehorsam mit 3 g: gerne, gleich und ganz.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 14. September 2020

    Wir rühmen uns auch Gottes durch unsern Herrn Jesus Christus, durch den wir jetzt die Versöhnung empfangen haben.    Römer 5,21

    Dem Thema »Ruhm« und »Rühmen« räumt Paulus breiten Platz im Römerbrief ein. In diesem Zusammenhang steht auch der heutige Lehrtext. Hat Paulus in Römer 3 noch festgestellt: Wo bleibt nun das Rühmen? Es ist ausgeschlossen. (Röm 3,27), so stellt er jetzt voller Freude fest: Wir haben doch Grund zum Rühmen: Wir rühmen uns unseres Gottes! Was steckt dahinter? Ausgangspunkt der Überlegungen des Paulus ist unser natürlicher Drang, uns etwas auf uns selbst einzubilden. Uns selbst in ein gutes Licht zu rücken – vor anderen Menschen und auch vor Gott. Wir bilden uns ein, Gott durch unsere Anständigkeit beeindrucken zu können. Da muss Gott doch anerkennend nicken, wenn er sieht, wie viele seiner Gebote wir eingehalten haben. Was für gute Menschen wir doch sind.

    Paulus zerlegt diese Pseudoreligion nach Strich und Faden. Am Ende bleibt nichts, aber auch gar nichts mehr übrig, was wir vor Gott vorzuweisen haben. Ob Jude oder Heide – es ist hier kein Unterschied: sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Jesus Christus geschehen ist. Vor Gott können wir uns nicht rühmen. Da reicht unser Ruhm nicht weit. Da »ermangeln wir des Ruhmes« wie es im alten Lutherdeutsch heißt. So funktioniert es nicht, mit Gott ins Reine zu kommen. Wir brauchen Jesus – alle brauchen Jesus. Juden wie Heiden. Davon ist Paulus überzeugt. Ohne Jesus sind und bleiben wir verlorene Leute. Nur durch ihn werden wir vor Gott gerecht, angenehm – können bestehen.

    Doch wer den Schritt über die Linie hin zum Vertrauen gegangen ist. Wer sich darauf eingelassen hat, vor Gott seinen Bankrott zu erklären und Jesus um seine Gnade bittet, er erfährt, was Paulus nun voller Freude in unsere Lehrtext beschreibt: Wir rühmen uns – nun nicht mehr unser selbst, sondern Gottes durch unsern Herrn Jesus Christus. Denn Gott hat uns durch ihn mit sich versöhnt. Nicht Gott braucht Versöhnung – wir brauchen sie. Und Gott schenkt sie uns in Jesus Christus. Was für ein Gott! Was für ein Herr! Dieses Gottes dürfen und wollen auch wir uns rühmen.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 07.09. bis 13.09.

  • add Andacht zum Wochenspruch für Sonntag, 13. September 2020

    Lobe den HERRN meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.   Psalm 103,2

    Ein Terminkalender ist wie ein hilfreiches Gedächtnis: Darin steht, was man zu tun hat, wo man erwartet wird. Jeder Mensch hat so etwas wie einen »Gedächtnis-Kalender«: Darin steht – genau wie im Terminkalender, was nicht vergessen werden soll: Da halten wir fest, was uns gelungen ist, was wir gut gemacht haben. Aber da halten wir auch fest, was andere falsch gemacht haben, unsere Sorgen ums tägliche Geschäft usw. Wir Menschen sind unterschiedlich »gestrickt«, entsprechend unterschiedlich sehen die Schwerpunkte in unserem »Gedächtnis-Kalender« aus. Wenn uns jemand fragt: »Wie geht es dir?« dann spielt – zumindest in unseren Überlegungen, was wir darauf antworten – der Gedächtnis-Kalender eine entscheidende Rolle. So sehen wir unser Leben.

    Erstaunlich ist, was eine ältere Christin auf diese Frage antwortete. Sie hatte kein leichtes Leben. Menschlich gesehen hatte sie genug Grund zum Klagen: Die Liste der Krankheiten war lang; und in der Familie lief auch nicht alles glatt. Das alles belastete sie schwer. Als Mitarbeiterin in der kirchlichen Verwaltung wusste sie: Auch in der Kirche »menschelt« es. Sie hatte die Macken von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern erlebt. Doch auf die Frage: »Wie geht es dir?« antwortete sie: »Man lobt und dankt sich durch!«

    Loben – das ist eine Grundhaltung. Loben – das ist nicht abhängig von einer bestimmten Stimmung, in der ich bin. Loben – davon ist der Psalmbeter David überzeugt – Loben, das ist unsere Berufung als glaubende Menschen. Das soll unseren Alltag prägen. Das soll unser ganzes Leben bestimmen. Loben, das ist das Atmen der Seele. Und dabei sollen wir ganz bewusst eine Erinnerungskultur pflegen: Dass wir auf das schauen, was Gott uns Gutes getan hat. Das kann man lernen. Das kann man üben: Jeden Tag zurückdenken: Was hat Gott mir heute Gutes getan? Und ihn dann dafür loben. Loben ist das Atmen der Seele. Und wie das Atmen der Lungen brauchen wir es jeden Augenblick.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Samstag, 12. September 2020

    Die Erde ist des HERRN und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen. Psalm 24,1

    Diese Worte Davids sind ein Bekenntnis. Unsere Welt – sie gehört Gott. Und mit ihr alle, die auf ihr leben. Es ist ein Bekenntnis zu Gott dem Schöpfer: Denn er hat ihn über den Meeren gegründet und über den Wassern bereitet – so führt David fort. Gott hat uns geschaffen. Gott hat uns gewollt. Wir sind keine Zufallsprodukte. Dass Gott uns gewollt und geschaffen hat, das begründet unseren Wert und unsere Menschenwürde und entzieht sie der Deutungswillkür von Menschen, die hier immer wieder Unterschiede machen wollen: Aufgrund von Rassenideologien, Wirtschaftlichkeits­berech­nungen oder einem vermeintlichen Selbstbestimmungsrechtes.

    Die Worte Davids sind ein Bekenntnis. Ein fröhliches Bekenntnis. Ein entlastendes Bekenntnis. Der Fortschrittsglaube in unserer modernen industrialisierten Gesellschaft hat nicht nur den Irrtum genährt, wir könnten alles und jedes umgestalten und in den Griff bekommen, sondern er hat auch einen enormen Druck aufgebaut: Auf unseren Schultern ruht die Last der ganzen Welt – wie einst auf den Schultern des Atlas in der griechischen Mythologie. Die Erde ist nicht uns untertan. Nicht uns gehört die Welt. Nein, es bleibt dabei: Die Erde ist des HERRN und was darinnen ist. Er erklärt sich zuständig. Natürlich sind wir aufgerufen, sie zu gestalten. Natürlich sollen wir mit ihr schonend umgehen und sie bewahren. Doch das kann nur im Verbund mit ihm geschehen. Das Bekenntnis zum Schöpfer entlastet uns – und nimmt uns doch zugleich in Verantwortung, in seinem Sinne zu handeln.

    Und schließlich sind die Worte Davids ein Bekenntnis zu unserer Verantwortung Gott, dem HERRN gegenüber. Das Verhältnis Geschöpf und Schöpfer hat eine Haltung von uns Menschen gegenüber unserem Gott zur Folge. In diesem Psalm steht auch der Adventsvers: Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe! Gott ist unser König. Unser Leben kommt dort zur Erfüllung, zu seiner schöpfungsmäßigen Bestimmung, zu seinem letzten Sinn, wo wir ihm die Ehre geben, nach ihm fragen und sein Antlitz suchen, wie es David in diesen Versen auch schreibt. Wir sind eingeladen, mit ihm – dem Schöpfer aller Dinge – zu leben, ihn zu ehren und ihm zu vertrauen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Donnerstag, 10. September 2020

    Gott sprach: Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken: der soll ein Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde.                                                            1. Mose 9,13

    Gott setzt ein Zeichen. Ein Zeichen seiner Güte. Ein Zeichen des Bundes. Es ist kein Bund von Partnern auf Augenhöhe. Das könnte es auch gar nicht sein. Denn Gott ist viel größer als alle seine Geschöpfe. Es ist vielmehr seine Setzung, seine Festlegung, seine Selbstverpflichtung: Gott legt sich fest. Dafür steht der Regenbogen, der nach der Sintflut über der Erde erscheint: Es soll hinfort keine Sintflut mehr kommen. Gott sagt seine Gnade zu – trotz unserer Schuld, trotz unseres Fehlverhaltens.

    Gott setzt ein Zeichen. Ein Zeichen seiner Güte. Ein Zeichen des Bundes. Dort auf dem Hügel Golgatha, wo sein Sohn stirbt – für uns und an unserer Stelle. So sehr liebt Gott seine Menschen, dass er die Strafe, die sie eigentlich verdient haben, auf sich nimmt. Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selbst und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. So lesen wir im 2. Korintherbrief. Gott will nicht den Tod des Sünders. Gott will seine Rettung. Das wird auf den ersten Seiten der Bibel bereits deutlich und es zieht sich durch die ganze Bibel hindurch: Gott will retten. Gott will uns seine Treue schenken. Gott will uns haben. Gott ist für uns. Davon dürfen wir leben – an jedem Tag neu.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 9. September 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    im Lehrtext zu den Losungen steht heute ein Vers aus dem Hebräerbrief. Dort schreibt der Verfasser: „Lasst euch nicht durch mancherlei und fremde Lehren umtreiben, denn es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade.“ (Hebräer 13,9)

    „Lasst euch nicht durch mancherlei und fremde Lehren umtreiben.“ Das war also schon zu Zeiten der ganz frühen Kirche ein Thema, schon vor 2.000 Jahren. Wie kommt das, dass seltsame, falsche und auf Irrwege bringende Meinungen immer wieder auftauchen und uns oft schnell in ihren Bann ziehen? Das hat wohl mehrere Gründe:

    Schon immer hat es uns Menschen fasziniert, Geschichten zu hören, am besten spannende Geschichten, geheimnisvolle Geschichten – und je geheimnisvoller, umso gebannter hören wir zu. Wenn es dann noch ein begabter Erzähler ist, dem wir zuhören, sind wir geneigt, selbst Geschichten zu glauben, die wir normalerweise für völligen Quatsch halten würden.

    Besonders blühen fremde und falsche Lehren in Zeiten, in denen wir unter großem Druck stehen, Angst haben. Wenn dann jemand kommt, der uns anscheinend erklären kann, warum es so gefährlich geworden ist für uns, wer an den vermeintlichen Gefahren schuld ist oder der uns vielleicht sogar noch einen Weg aufzeigt, wie wir uns retten können – ja klar, dann greifen wir schnell und gern nach so einem vermeintlichen Rettungsanker, obwohl er, wenn wir nachdenken, uns gar nichts nützt oder im Gegenteil, uns sogar erst recht zur Gefahr wird.

    Was hilft gegen falsche Lehre? Unser Vers erwähnt das Wichtigste schon: dass unser Herz fest wird, also nicht anfällig für Irrwege, das ist Gnade, das ist ein Geschenk – aus uns selbst heraus kommt das nicht. Gegen ungute Geschichten hilft, wenn wir in der Gemeinschaft, der Gemeinde bleiben, Gottesdienste besuchen, immer wieder auch das Gespräch suchen mit anderen. Das hilft, die Spur zu finden, in der Spur zu bleiben.

    Ja, es stimmt natürlich, nicht immer ist der Rat der anderen und das, was sie uns sagen, das Richtige. Manchmal wollen und müssen wir auch einen ganz eigenen Weg gehen, obwohl die anderen das nicht unterstützen. Aber das ist eher die Ausnahme als die Regel. Vielleicht denken Sie einmal darüber nach, wo und wann Ihnen der Rat anderer schon zur Hilfe wurde vor Irrwegen – und wo und wann es gut war, dass Sie aus Überzeugung Ihren ganz eigenen Weg gegangen sind!

    Ich wünsche Ihnen und mir, dass wir nicht jeder neuen Sensationsgeschichte hinterherlaufen, die irgendjemand gerade wieder einmal in die Welt setzt. Dass unser Herz fest wird in einem guten Sinne: zuversichtlich, vertrauend auf Jesus, in der guten Gemeinschaft mit anderen bleibend.

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für Dienstag, 8. September 2020

    Ihr werdet erfahren, dass ich der HERR bin, wenn ich so an euch handle zur Ehre meines Namens und nicht nach euren bösen Wegen und verderblichen Taten.                 Hesekiel 20,44

    Wie gut ist Gott doch! Er nagelt uns nicht auf unsere Fehler fest. Er begegnet uns mit seiner Güte. Was Israel im Besonderen hier angekündigt wird, das dürfen alle Menschen durch Jesus Christus erleben: Gott ist uns gut: Ihr werdet erfahren dass ich der HERR bin. Wenn jemand sagt: »Du wirst mich noch kennenlernen«, dann klingt das oft wie eine Drohung. Nach dem Motto: Mit mir kann man nicht umspringen, wie man will. Ich weiß mich zu wehren und weiß, meine Interessen durchzusetzen. Gott hätte allen Grund, so seinem Volk – und seinen Menschen ganz allgemein – gegenüber zu reden. Und er tut es auch immer wieder. So oder ähnlich lesen wir es immer wieder bei den Propheten. Gott warnt seine Menschen, wo sie auf falschen Wegen unterwegs sind; wo sie ihn falsch einschätzen, wo sie zu harmlos von Gott denken.

    Doch hier, hier spricht Gott das Geheimnis seines Wesens mit diesen Worten aus: Ihr werdet erfahren, dass ich der HERR bin, wenn ich die Kette von Schuld und Strafe durchbreche. Wenn ihr eben nicht das bekommt, was eure Taten verdienen. Zur Ehre meines Namens gehe ich einen anderen Weg, den Weg der Vergebung; den Weg des Neuanfangs. Nirgends sehen wir ihn deutlicher als in Jesus Christus – den Gott, der so an uns handelt. Da erleben wir es, da erfahren wir es, dass Gott der HERR ist, der so an uns handelt zur Ehre seines Namens und nicht nach unseren bösen Wegen und verderblichen Taten. Da im gekreuzigten Jesus, da sehe ich Gott ins Herz: So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Mehr, tiefere und beglückendere Gotteserfahrung gibt es nicht auf dieser Welt als in Jesus Christus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen und was er für uns tut.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 7. September 2020

    Deine Augen stehen offen über allen Wegen der Menschenkinder.       Jeremia 32,19

    Gott sieht mir ins Herz. Gott weiß, wie ich’s meine. Auch wenn’s andere übersehen oder mich missverstehen: Gott übersieht mich nicht. Das ist die tröstliche Botschaft dieses Verses. Und: Gott sieht auch, wo mir Unrecht geschieht. Gott sieht auch, wo andere mir Böses wollen. Auch ihr Weg ist offen vor den Augen Gottes. Auch ihnen sieht er ins Herz. Ja, wir müssen unser Tun und Handeln, unser Denken und Abwägen vor dem ewigen Gott verantworten. Wohl uns, wenn wir uns dieser Verantwortung bewusst sind. Die Väter des Grundgesetzes wussten darum, als sie in der Präambel formulierten: »Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, … hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben«. Von dem, dass Gott einmal jedem geben wird nach seinen Wegen und nach der Frucht seines Tuns ist dann im nächsten Vers die Rede.

    Da staunt einer über den großen Gott, der all das sieht. Dem all das nicht entgleitet, der es im Auge behält, was die Menschen tun, welche Wege sie gehen – gute und böse Wege. Wem wichtig ist, die richtigen, die guten Wege zu gehen, der darf sich an den Psalmbeter David im 139. Psalm halten: Erforsche mich Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne wie ich’s meine. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin und leite mich auf ewigem Wege. Vor Gott dürfen und sollen wir unsere Wege prüfen, von ihm durchleuchten lassen. In der Stille allein – oder in der Seelsorge – macht er uns dann auch klar, was der richtige Weg ist. Sein Weg, der gute Weg, der ewige Weg. Den wollen wir gehen.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 31.08. bis 06.09.

  • add Andacht für den 13. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest, 6. September 2020

    Christus spricht: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.                                                                     Matthäus 25,40b

    Jesus lenkt unser Augenmerk auf die, die unsere Hilfe brauchen. Wer einem bedürftigen hilft, dem wird es angerechnet, wie wenn er es Jesus Christus selbst angetan hat. In der christlichen Tradition fand man sieben Werke der Barmherzigkeit, von denen immerhin sechs ihren Ursprung in dem Gleichnis vom Weltgericht haben, aus dem unser Wochenspruch stammt: Barmherzig handelt, wer einen Hungernden speist, einem Dürstenden zu trinken gibt, einen Fremden aufnimmt, einen Nackten bekleidet, einen Kranken besucht und zu dem, der im Gefängnis ist, geht. Scheinbar unscheinbare Dinge. Nichts, was groß in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Kleine, aber sehr konkrete Schritte der Hilfe. Als siebte barmherzige Tat kam dann noch das Begraben der Toten hinzu.

    Darum geht’s: Nicht um Effekthascherei. Nicht um: Tue Gutes und rede darüber, sondern um’s ganz konkrete Zupacken, wo sich mir eine Gelegenheit bietet. Um offene Augen der Barmherzigkeit, die die Not von Menschen – und zwar auch von einzelnen Menschen – nicht nur die große Not von ganzen Bevölkerungsgruppen (die natürlich auch), sieht und dann ganz einfach handelt. Die sich nicht rausredet: Das ist ja nur ein Tropfen auf den heißen Stein, was ich tun kann. Jesus macht deutlich: Das hat Gewicht. Das habt ihr mir getan. Das wird nicht übersehen. Und das hat Wirkung. Wirkung für diesen Menschen und Wirkung für euch und Wirkung im Himmel. Wo ein Mensch erlebt, da ist ein anderer, der sich um mich kümmert, da macht das was mit ihm. Nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich. Da spürt er: Da denkt jemand an mich. Ja, wir dürfen handeln – mit unseren Mitteln – wie Jesus gehandelt hat. Und wir dürfen handeln an Menschen, als wenn es an Jesus wäre. So sieht er es an. So ermutigt er uns. Haben auch wir den Mut, ganz praktisch anzupacken.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • add Andacht für Samstag, 5. September 2020

    Das sagt der Erste und der Letzte, der tot war und ist lebendig geworden: Ich kenne deine Bedrängnis und deine Armut.                                                                Offenbarung 2,8-9

    Jesus weiß Bescheid, wie’s mir geht. Das ist die tröstliche Botschaft, die wir aus diesem Vers entnehmen dürfen: Jesus weiß es! Ich kenne deine Bedrängnis – konkret in der Sendschreiben­gemeinde Smyrna war es die Verfolgungssituation in einer christusfeindlichen Gesellschaft. Vom Leiden ist da die Rede und vom Gefängnis. Und von Armut ist die Rede. Es kann nur äußerliche Armut, äußerliche Bedürftigkeit sein, denn direkt im Anschluss an den Ausschnitt, den unser Lehrtext bildet heißt es: Du aber bist reich.

    Worin besteht dieser innere, dieser geistliche Reichtum, den die Christen in Smyrna gegen den Augenschein haben? In Jesus Christus, ihrem Herrn. Die Bedrängnis und die Armut, die sie erleben – und die niemand leicht und gern erlebt ist umschlossen von seinem Reichtum. Am Ende steht: Du aber bist reich. Und am Anfang stellt sich Jesus vor als der Erste und der Letzte. Der vor und hinter allem steht – und der keinen zurücklässt. Jesus ist der, der tot war und ist lebendig geworden. Jesus ist der, der den Tod besiegt hat. Jesus ist der Herr über alles. Jesus ist der Herr über alle Mächte und Gewalten in der sichtbaren und der unsichtbaren Welt.

    Die Tiefe dieser Christuserkenntnis: Wer ist Jesus wirklich? Welche Macht hat Jesus? Die erfahren Christen oft gerade dort, wo es für sie selbst in die Tiefe geht, ins Leiden. Wo all das, was uns so selbstverständlich erscheint an Freiheit und Wohlergehen und Wohlstand, nicht mehr da ist, wo es wegbricht und zerbricht. Da erfahren Christen: Christus ist immer noch da. Christus, der der stärker ist als alles, was mich bedroht. Er ist der Erste und der Letzte. Nein, meine Not wird nicht das Letzte sein. Er ist der Letzte. Und er kennt mich und wird mich nicht übersehen oder zurücklassen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Freitag, 4. September 2020

    Der HERR segne dich und behüte dich.                                                4. Mose 6,24

    Was ist das eigentlich mit dem Segen? Das Losungswort für heute stammt aus dem sog. Aaroni­tischen Segen, den Gott selbst Aaron und seinen Söhnen als priesterliche Segensformel im Gottesdienst aufgetragen hat. Und daran wird einiges über das Wesen des Segens deutlich: Das Wichtigste zuerst: Es ist Gott, der segnet – nicht ein Mensch. Der HERR segne dich und behüte dich. Wir Menschen können Gott nur bitten, dass er einen Menschen segnet. Segen ist Gottes Sache, Gottes Aufgabe. Und darum auch für uns nicht wie ein Besitz verfügbar. Wir können ihn nicht sammeln wie man Regenwasser in der Regentonne sammelt oder horten wie Lebensmittel im Kühlschrank oder der Speisekammer. Segen kann man immer nur neu empfangen – aber nie auf Vorrat.

    Und noch etwas Wichtiges: Der Segen stellt uns in eine Beziehung. Nicht von ungefähr kommt das deutsche Wort »Segnen« vom lateinischen »signare«. Und das heißt »zeichnen« oder »bezeichnen«, ein Zeichen dranmachen, ein Besitzzeichen. Konkret war gemeint: Mit dem Zeichen des Kreuzes bezeichnen. So stellt der Segen in eine Beziehung: Ich gehöre zu Gott. Er hat sein Besitzzeichen an mir gemacht. Es geht nicht darum, sich von Gott etwas abzuholen, sich dann wieder von ihm zu lösen und ohne ihn weiterzuleben, sondern es geht darum, mit Gott in Verbindung zu bleiben. Immer, ständig mit ihm zu leben. Diese Beziehung zwischen ihm und mir ist ganz persönlich. Darum ist der aaronitische Segen auch im Singular formuliert, in der Einzahl. Der HERR segne dich und behüte dich. Gott meint uns, uns ganz persönlich. Seit mir das als Pfarrer klar wurde, habe ich den Segen am Ende des Gottesdienstes i.d.R. so gesprochen, wie er in der Bibel steht. Segen stellt in eine Beziehung. Und wer mit Gott lebt, der ist gesegnet – auch wenn man das nicht immer äußerlich sehen mag. Doch der Segen ist da und er bleibt und es gilt: Er segnet dich und er behütet dich.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Donnerstag, 3. September 2020

    Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.                                                             Epheser 4,32

    Unser Leben wird anders aussehen, wenn wir Jesus Christus nachfolgen. Davon ist Paulus überzeugt. Jesus Christus macht den Unterschied. Mit dem, was er für uns getan hat. In ihm begegnet uns Gottes Güte und Liebe ganz konkret. Da erfahren wir, wie Gott es im Tiefsten seines Herzens mit uns meint: Dass er sich mit uns verbinden will, dass er mit uns noch einmal ganz neu anfangen will. In Jesus, da vergibt Gott uns. Und das hat Folgen. Das muss Folgen haben. Für unser Leben und für unser Miteinander.

    Statt »wie du mir, so ich dir« kann und soll es bei uns heißen: »wie Gott mir, so ich dir«. Gott rechnet meine Schuld nicht auf. Gott zieht sich nicht beleidigt zurück, wo ich ihm gegenüber mich nicht richtig verhalten habe. Gott ist freundlich und herzlich zu mir. Und in Jesus, da vergibt er mir meine Fehler, meine Schuld. Und jetzt? Jetzt sind wir dran. Wir sollen es genauso machen wie Gott. Christus verbindet uns untereinander. Wir sind Glieder seines Leibes. Wir gehören zu ihm – und damit als Christen zusammen. Deshalb soll Gottes Güte und Freundlichkeit auch in unserem Miteinander sich widerspiegeln. Sie soll abfärben. Wir werden immer wieder schuldig aneinander, genau so wie wir Gott gegenüber immer wieder schuldig werden. Wir brauchen die Vergebung von Gott – aber auch die Vergebung unserer Mitmenschen. Und nun geht es um den Mitmenschen – ganz konkret – der an mir schuldig geworden ist. Der sich mir gegenüber nicht richtig verhalten habe. Darauf kann man rumreiten, tage-, wochen-, jahrelang. Doch man kann es auch machen, wie Gott es macht – und wie wir als Christen es tagtäglich erleben: Wir können vergeben. Das kostet Überwindung – nicht umsonst setzt Paulus ein »Aber« am Anfang dieses Verses – aber es lohnt sich. Und wenn es uns schwer fällt, dann sollten wir mit Gott im Gebet über die Situation reden und über unsere Schwierigkeiten, dieser ganz konkreten Anweisung Folge zu leisten. Er wird uns ganz sicher helfen. Wagen wir’s doch und geben wir ja nicht zu schnell auf. Jesus Christus ermöglicht den Unterschied

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 2. September 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    der Losungsvers für heute, genauer gesagt, der Beter des Psalms 148 ruft zum Lob Gottes auf, ruft dazu die ganze Schöpfung auf! „Lobet ihn, Sonne und Mond, lobet ihn, alle leuchtenden Sterne! 4 Lobet ihn, ihr Himmel aller Himmel und ihr Wasser über dem Himmel! 5 Die sollen loben den Namen des HERRN; denn er gebot, da wurden sie geschaffen. 6 Er lässt sie bestehen für immer und ewig; er gab eine Ordnung, die dürfen sie nicht überschreiten. 7 Lobet den HERRN auf Erden, ihr großen Fische und alle Tiefen des Meeres, 8 Feuer, Hagel, Schnee und Nebel, Sturmwinde, die sein Wort ausrichten, 9 ihr Berge und alle Hügel, ihr Fruchtbäume und alle Zedern, 10 ihr Tiere und alles Vieh, Gewürm und Vögel, 11 ihr Könige auf Erden und alle Völker, Fürsten und alle Richter auf Erden, 12 Jünglinge und Jungfrauen, Alte mit den Jungen!“

    Warum brauchen wir diesen Anstoß, Gott zu loben? Weil wir halt von selbst darauf nicht kommen. Wir sind mit den kleinen Dingen unseres Lebens beschäftigt, die uns beschäftigen, unsere Gedanken auf sich ziehen, unseren Blick nach unten ziehen. Die Psalmverse laden zum Blickwechsel ein: Guck mal, der Schöpfer hat die großartige Sonne geschaffen, die jetzt im Spätsommer für unwahrscheinlich schöne Sonnenaufgänge über dem Morgennebel sorgt! Meinst Du nicht, dass dieser Schöpfer auch mit Deinem Leben zurechtkommt? Lass die Sorgen doch mal für einen klitzekleinen Augenblick fahren und lob‘ ihn einfach, den Schöpfer, lass es zu, dass Du wenigstens ein bisschen überwältigt bist von der Schönheit dessen, war er gemacht hat! Lass es zu, dass Du zu ahnen beginnst, dass der große Schöpfer vertrauenswürdig ist - dass ER auch Dich sieht!

    Jesus hat den Blick auf die Schöpfung aufgegriffen, um Mut zu machen, auf den Schöpfer zu vertrauen: „Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie?“ (Matthäus 6,26)

    Unser menschliches Herz ist klein, ängstlich, mit sich selbst beschäftigt – wir brauchen den Zuspruch von außen, unseren Blick aufzuheben, zu sehen, was der große Schöpfer macht. Die Natur mit ihren vielen Wundern lädt uns dazu ein! Und loben heißt, den Blick zu wechseln, weg von meinen Sorgen hin zu ihm, der mich doch nicht allein lässt mit meinen Problemen und Problemchen!

    Wir würden gern die Reihenfolge wählen: erst unsere Sorgen los werden, dann Gott loben. Die biblischen Zeilen laden uns zum Ausprobieren der anderen Reihenfolge: gleich den Schöpfer loben – und dann erleben, dass aus der Freude, aus dem Lob auch neue Zuversicht kommt, dass er uns mit unseren Sorgen nicht allein lässt. Dass Sie und ich uns darauf einlassen, das wünscht

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für Dienstag, 1. September 2020

     

    Es wird geschehen zu der Zeit, dass die Wurzel Isais dasteht als Zeichen für die Völker. Jesaja 11,10

    Einmal, da wird alles anders. Eine wunderbare Friedensvision wird Jesaja gezeigt. Einmal, da wird es gerecht zugehen. Da kommen auch die Armen und die Elenden zu ihrem Recht. Weil die Herrschenden nicht mehr damit beschäftigt sind, ihr eigenes Schäfchen ins Trockene zu bringen und ihre Macht um jeden Preis zu erhalten, sondern weil der Eine regiert, der gerecht regiert und gerechtes Urteil spricht.

    Einmal, da wird alles anders. Fast zu wunderbar ist die Friedensvision, die Jesaja zeigt. In jedem Fall nicht menschenmachbar: Wenn Wölfe bei den Lämmern wohnen. Wenn ein kleiner Junge Kälber und junge Löwen und Mastvieh miteinander treibt, wenn Kühe und Bären zusammen weiden. Ja auch in der Natur wird Friede herrschen. Ein Friede, den wir Menschen nicht machen können. Der aber dort herrscht, wo der Eine regiert.

    Einmal, da wird alles anders. Wenn der Eine regiert. Wenn kein Platz mehr ist für die Sünde, wenn das Land voll Erkenntnis des HERRN ist.

    Wer ist der Eine? Er ist der, der aus der »Wurzel Isais« kommt. Isai, das war der Vater des Königs David. Gott hat dem David versprochen: Einmal wird einer ewig auf dem Thron Davids sitzen. Einer von seinen Söhnen. »Sohn Davids« so wurde Jesus dann angesprochen. Denn das war er: Ein Nachkomme Davids. Gott hat Wort gehalten. Gott hat die Verheißung erfüllt: Jesus – das ist der ewige und große König auf dem Thron Davids. Er wird Frieden schaffen. Noch steht es aus. Noch warten wir auf das Kommen seines Reiches in sichtbarer Herrlichkeit.

    Jesus – das ist der versprochene Friedenskönig – nicht nur für das Volk Israel, sondern für alle Völker. Als Zeichen steht er heute schon da. Als Zeichen der Hoffnung; als Zeichen der Einladung zum Glauben. Jesus – das ist Gottes Zeichen für die Welt. So meint Gott es mit uns.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 31. August 2020

    Gott ist nicht ferne von einem jeden von uns. Denn in ihm leben und weben und sind wir.

    Apostelgeschichte 17,27-28

    Paulus ist in Athen. Sein Weg führt ihn auf den Aeropag, die Burg von Athen. Dort, wo die Tempel für die vielen Götter stehen. Er schaut sich um. Dann sieht er einen Altar mit der Weiheinschrift: »Dem unbekannten Gott«. Und Paulus weiß: Das ist mein Anknüpfungspunkt. Dort, mitten auf dem Aeropag stellt er den Athenern den ihnen bisher unbekannten Gott vor. Den Gott, der uns in Jesus Christus sein Gesicht zeigt. Den Gott, der nicht fern geblieben ist – draußen aus seiner Welt, sondern der Mensch geworden ist. Der uns ganz nahe gekommen ist, weil er uns so sehr liebt.

    Und den Gott, der nicht ferne von uns ist. Den nahen Gott verkündigt Paulus. Ob es uns bewusst ist oder nicht: Gott sehnt sich nach uns. Gott hat schon längst eine Geschichte mit uns, mit jedem Menschen. Ob wir es spüren oder nicht. Gerade da, wo uns Gott so ferne zu sein scheint, weil wir durch schwere Zeiten gehen und sich trotz Beten scheinbar so wenig oder gar nichts ändert, da ist er uns immer noch nahe. Da lässt er uns nicht los. Gott ist uns nahe – jedem Menschen. Wir sind seine Geschöpfe. Er der Schöpfer sorgt dafür, dass wir leben können. Ja, in ihm leben und weben und sind wir. Ohne Gott könnten wir überhaupt nicht leben. Doch unser Gott will noch mehr: Er will nicht nur der unbekannte Gott sein, der uns das Leben schenkt. Er will kein anonymer Gott sein. Er will unser Vater sein. Er will für uns da sein – und er will uns als seine Kinder haben. Die ihm von Herzen vertrauen. Wir müssen ihn nicht lange suchen: Er ist nicht ferne von uns. Das gilt. Gott sehnt sich nach jedem Menschen. Und in Jesus Christus erleben wir Gottes Nähe. In Jesus, der uns sagt: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 24.08. bis 30.08.

  • add Andacht für den 12. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest, 30. August 2020

    Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.

    Jesaja 42,3

    Unser Gott gibt uns nicht auf. Unser Gott zerbricht nicht. Unser Gott löscht nicht aus. Im Gegenteil: Unser Gott macht heil und zündet sein Feuer in uns neu an. Das ist die großartige Botschaft, die Jesaja verkün­den darf. Denn Gott will retten. Gott will, dass seine Menschen leben – leben mit ihm.

    Das muss man uns Menschen sagen. Weil wir nämlich anders denken und handeln. Wer mag’s uns auch verdenken: Altes Geschirr, alte Kleider, der alte Teppichboden – ist das noch zu gebrauchen oder kann das weg? Wenn etwas kaputt ist, dann lohnt sich meist eine Reparatur nicht mehr. Dann kommt es eben weg. Dann muss es etwas Neuem Platz machen. Ein geknicktes Rohr – das ist nach all unserer Erfahrung ein hoffnungsloser Fall. Nur noch für die Tonne. Das lässt sich nicht reparieren. Und ein Docht, der nur noch glimmt, den kriegen wir mit allem guten Zureden und anpusten nicht mehr zum Brennen. Hoffnungslos, nichts zu machen. Das ist unsere Erfahrung und unser Urteil. Urteilen wir so am Ende auch über Menschen: Nichts zu machen? Ein hoffnungsloser Fall?

    Wie gut, dass Gott ganz anders ist. Wie gut, dass Gott ganz anders mit uns umgeht. Er hat Hoffnung. Ja, er fängt mit uns noch einmal neu an. Er verbindet, er heilt. In Jesus Christus nimmt er all das, was in unserem Leben kaputt gegangen ist und was wir ausgeblasen haben, in seine Hand. Er nimmt es auf sein Herz. Und er macht uns neu. Er fängt noch einmal mit uns an. Unser Gott gibt uns nicht auf. Uns nicht – und keinen Menschen. Das ist die faszinierend tröstende Botschaft dieses Verses. Daran dürfen wir uns halten – für uns, aber auch für die Menschen, wo wir in der Gefahr stehen, sie aufzugeben. Gott gibt sie nicht auf – geben wir sie deshalb auch nicht auf.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Samstag, 29. August 2020

    Hiskia wurde todkrank; und er betete zum HERRN. Der redete mit ihm und gab ihm ein Wunderzeichen. Aber Hiskia vergalt nicht nach dem, was ihm geschehen war; denn sein Herz überhob sich.                                                                                             2Chronik 32,24-25

    Gott erwartet etwas von Hiskia. In schwerer Krankheitsnot – als alles andere nichts mehr hilft – wendet er sich voll Vertrauen an Gott. Und Gott hilft. Gott tut ein Wunder. Gott redet mit ihm. Gott antwortet ihm. Gott tritt ein in die Zwiesprache. Hiskia wird gesund. Und jetzt? Jetzt erwartet Gott etwas von Hiskia. Jetzt erwartet er, dass er den nicht vergisst, der ihm geholfen hat. Jetzt erwartet er, dass er mit Gott lebt. Doch das Tragische geschieht: Aber Hiskia vergalt nicht nach dem, was ihm geschehen war. Die Antwort des Hiskia und das Wunder Gottes, das er erlebt hat, passen nicht zusammen. Und der Grund: Denn sein Herz überhob sich. Statt in der Abhängigkeit von Gott zu bleiben, wird Hiskia stolz. Pocht auf seine eigene Kraft und seine Möglichkeiten – und tritt aus der Abhängigkeit von Gott heraus. Was für eine Tragödie eines Lebens.

    Gott erwartet etwas von uns. Wie viel Gutes hat Gott nicht schon an uns getan. »In wie viel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet?« In Jesus Christus nimmt sich Gott unserer größten Not: Unserer Verlorenheit und unserer Schuld an. Er nimmt sie auf sich, er trägt sie weg. Er lässt uns noch einmal ganz neu beginnen? Was haben wir aus dem Neuanfang gemacht? Sind wir in der Abhängigkeit von Gott, von seiner Gnade geblieben? Oder hat sich unser Herz auch überhoben, ist stolz geworden, hat wieder lieber sich selbst als unserem Gott vertraut? Wenn dem so ist, dann ist es höchste Zeit, umzukehren. Umzukehren in die offenen Arme Gottes. Höchste Zeit, neu ihm zu danken für seine Hilfe; neu ihn zu loben und neu und tiefer ihm, unserem Gott zu vertrauen. Denn da bei ihm, da ist unser Leben gut aufgehoben. Da ist der Platz, wo unser Leben sich entfalten und gedeihen kann.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Freitag, 28. August 2020

    Gott, du bist mein Gott, den ich suche. Es dürstet meine Seele nach dir.             Psalm 63,2

    Durst nach Gott. Wer in den heißen Tagen der vergangenen Wochen in der Nachmittagshitze im Freien sein musste, der kennt das körperliche Gefühl des Durstes. Der Psalmbeter David weiß, was Jesus uns später gelehrt hat: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, auch nicht vom Wasser allein. Er braucht noch mehr – mehr als die Lebensmittel für den Leib. Er braucht auch ein Lebensmittel für die Seele: Es dürstet meine Seele nach dir.

    Da ist eine tiefe Sehnsucht nach Gott bei diesem Psalmbeter. Eine Sehnsucht, die letztlich der Schöpfer selbst in uns, seinen Geschöpfen angelegt hat. »Unruhig ist unser Herz in uns, bis es Ruhe findet in dir« schreibt der Kirchenvater Augustinus in seinen Bekenntnissen, einer Autobiografie in Gebetform. Spät – erst als erwachsener Mensch in Amt und Würden – ist er zum Glauben an Jesus Christus gekommen. Doch da wurde seine Sehnsucht gestillt.

    Eine Umfrage vor etlichen Jahren ergab ein scheinbar seltsames Ergebnis: Da wurde den Menschen – neben vielen anderen – zwei Fragen gestellt: Glauben Sie an Gott? Und: Beten Sie? Die zweite Frage beantworteten mehr Menschen mit »Ja« als die erste. Ist es am Ende egal, zu wem ich bete? David würde klar sagen: Nein! Gott, du bist mein Gott, den ich suche!

    In Jesus Christus hat dieser Gott, dem unsere Sehnsucht im Letzten und Tiefsten gilt – ob uns das bewusst ist oder nicht –, uns sein Gesicht gezeigt. Jesus rief damals – beim Fest in Jerusalem – den Menschen zu: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen.

    Wohl uns, wenn wir den Durst zulassen. Und wohl uns, wenn wir wissen, wo unser Durst wirklich gestillt wird: Da bei unserem Gott, da bei Jesus Christus. Mit ihm wollen wir leben. Bei ihm bleiben, denn von seiner Güte dürfen wir leben.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Donnerstag, 27. August 2020

    Der HERR, unser Gott, hat uns behütet auf dem ganzen Wege, den wir gegangen sind.

    Josua 24,17

    Am Ende des Josuabuchs, als das gelobte Land eingenommen und an die Stämme Israels verteilt ist, bestellt Josua, der Anführer, die Verantwortlichen der Stämme in Sichem ein, zum »Landtag zu Sichem«. Er ruft in Erinnerung, was Gott durch die Geschichte hindurch an diesem Volk getan hat. Und dann stellt er zwei alternative Lebenskonzepte vor: Gott – oder die Götter. Wem wollt ihr folgen? Wem wollt ihr dienen? Ich aber und mein Haus wollen dem HERRN dienen lässt Josua sie wissen.

    Gottes Geist wirkt Einsicht. So auch bei den Verantwortlichen des Volks bei diesem »Landtag zu Sichem«. Das sei ferne von uns, dass wir den HERRN verlassen und anderen Göttern dienen! Denn der HERR, unser Gott hat uns und unsere Väter aus Ägyptenland geführt, aus der Knechtschaft, und hat vor unsern Augen diese großen Zeichen getan und uns behütet auf dem ganzen Wege, den wir gezogen sind, und unter allen Völkern, durch die wir gegangen sind. So lautet der Losungsvers in seiner biblischen Langfassung. Israel hat es nicht vergessen – und darum eine klare Entscheidung für Gott, gegen alle Götter.

    Vergessen wir’s doch auch nicht! Geschichtsvergessenheit ist nicht nur für eine Gesellschaft katastrophal – weil sich dann die schlimme Geschichte wiederholt. Sie ist auch in geistlicher Hinsicht fatal: Weil wir dann die Orientierung verlieren. Wie viel Gutes hat Gott uns schon getan – wie viel an den Menschen vor uns; wie viel an den Menschen der Bibel. Vergessen wir das doch nicht! Achten wir darauf. Studieren wir es. Darum ist auch das Bibellesen so wichtig: Damit wir es vor Augen haben: Ja, es stimmt: der HERR, unser Gott, hat uns behütet auf dem ganzen Wege, den wir gegangen sind. Und daraus dann die klare Konsequenz: Wir wollen – ich will – diesem HERRN dienen. Ihm allein.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 26. August 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    „Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt“ - so staunt der Prophet Micha über seinen Gott, über den Gott Israels, den Gott Himmels und der Erde. Uns Menschen fällt es schon bei Kleinigkeiten schwer, anderen zu vergeben und zu vergessen. Unser Schöpfer, der uns besser kennt als wir uns selbst, mit unserer schwierigen Art, unseren scheinheiligen Motiven, unserer fraglichen Lebensgeschichte – hat der nicht enorm viel Grund, nur enttäuscht von uns zu sein? Sich abzuwenden von uns? Selbst Reue zu empfinden, fällt uns oft schwer, falsche Wege zuzugeben und zu bedauern. Aber ist Reue nicht Voraussetzung, dass er uns annimmt, uns vergibt?

    In der Tageslosung heute aus Jesaja 43 begegnet uns ein ganz seltsames Wort, mit dem Gott seinem Volk Vergebung zuspricht. Da steht: „Nicht, dass du mich gerufen hättest, Jakob, oder dass du dich um mich gemüht hättest, Israel. (…)  mir hast du Arbeit gemacht mit deinen Sünden und hast mir Mühe gemacht mit deinen Missetaten. 25 Ich, ich tilge deine Übertretungen um meinetwillen und gedenke deiner Sünden nicht.“

    Haben wir recht gehört? Da sagt Gott zu seinem Volk: „Ihr habt mich gar nicht um Vergebung gebeten, mich gar nicht gesucht. Und ich vergebe euch trotzdem, wegen meiner großen Liebe zu euch.“ Das ist krass. Gott vergibt uns einfach so? Pädagogisch ist das doch nicht. Das fordert uns doch gar nicht zur Umkehr heraus, oder? Oder doch? Gott nimmt mich an, vergibt mir – nimmt dich an und vergibt dir, obwohl wir uns darum, wenn wir ehrlich sind, gar nicht intensiv bemühten! Und IHN hindert auch die Gleichgültigkeit, die Abgestumpftheit unseres Herzens nicht, uns zu vergeben? Möge uns diese SEINE Liebe, die so unfassbar groß ist, erreichen und überwältigen und aufwecken!

    Im neuen Testament begegnet Jesus Menschen auf ähnliche Weise, vergebend, selbst da, wo sie gar nicht darum gebeten haben, weil sie gar nicht den Mut dazu hatten, nie für möglich gehalten hätten, dass ihnen noch vergeben werden könne. Einmal brachten die Anständigen eine Frau zu Jesus, die sie beim Ehebruch ertappt hatten. Jesus spricht dieser bloßgestellten ertappten Frau, die keinesfalls freiwillig zu ihm gekommen war, von sich aus einfach Vergebung zu. Beschenkt sie mit etwas, was sie nicht zu wünschen gewagt hätte. Und ermutigt sie mit diesem überraschenden Freibrief, einen neuen Weg zu gehen.

    Ich wünsche Ihnen und mir, dass wir überwältigt sind davon, dass uns Gott annimmt, obwohl wir sind, wie wir sind – und dass uns das zu einem neuen Weg ermutigt.

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für Dienstag, 25. August 2020

     

    HERR, ich freue mich über deine Hilfe.                                                                          1. Samuel 2,1

    An mehreren Stellen erzählt die Bibel von Frauen, die auf wunderbare Weise erlebt haben, dass sie – entgegen aller Hoffnung – doch noch ein Kind bekommen. So auch hier. Dieses fröhliche Bekenntnis Gott gegenüber stammt von Hanna, der Mutter Samuels. Samuel – das heißt: »Gott hört« Dieser Name war mit Bedacht gewählt: Gott hat ihr Gebet erhört, Gott hat ihre Not angesehen. Und Gott hat ihre Klage gehört. Und nun lobt sie ihren Gott, der ihr geholfen hat. Denn das haben diese Geschichten von den wunderbaren Geburten gemeinsam: Sie alle zeigen: Das geht über das Menschenmögliche hinaus.

    Das Menschenmögliche ist in unserer Gesellschaft zur Ersatzreligion geworden. Wir modernen Menschen glauben weithin immer noch an die Machbarkeit, ja fast an die Allmacht der Menschheit: Corona – bekommen wir in den Griff; den Klimawandel – bekommen wir in den Griff. Den Weltfrieden – bekommen wir in den Griff.

    Natürlich wollen wir das Menschenmögliche tun, natürlich nicht untätig sein. Aber glauben wir doch bitte nicht, dass wir alle Probleme der Welt lösen und das Heil der Menschheit selber machen können. Wir schaffen den Tod nicht ab. Wir schaffen die Kriege nicht ab. Wir schaffen das Leid nicht ab. Wir schaffen nicht einmal die Ungerechtigkeit, die es auf der Welt gibt, ab.

    Vertrauen wir doch wieder viel mehr dem, der auch uns helfen will, dem HERRN, unserem Gott. Laufen wir doch nicht überall hin, verlieren wir uns doch nicht im Aktionismus, sondern gehen wir zuerst und vor allem zu ihm, unserem Gott. Beten wir, als ob alles Arbeiten nicht hilft. Und dann, wenn wir von ihm getröstet und gestärkt sind, dann wollen wir arbeiten und wirken, vielleicht manchmal auch so, als ob alles Beten nicht hilft. Aber das Beten wollen wir nicht vergessen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 24. August 2020

    Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.                                                                                                      Psalm 23,5

    Gott – mein Hirt und mein Wirt. So hat jemand den 23. Psalm überschrieben. Am Anfang des Psalms ist es das tragende und eindrückliche Bild des Hirten, der seine Schafe mit allem versorgt, was sie brauchen. Der mitgeht, der tröstet. Doch dann wechselt das Bild zu dem des Wirts. Gott lädt mich an seinen Tisch. Er deckt mir den Tisch.

    Das ist ganz anders – und steht im scharfen Kontrast zu den ganzen Tischen, die wir alle decken. Tische, wie auf dem Jahrmarkt: Vollgepackt mit dem, was wir zu bieten haben, was wir vorweisen können, was wir geleistet haben – wie die voll gepackten Tische der Händler auf dem Jahrmarkt auf der Uhlbergstraße mehrmals im Jahr. Ich frage mich immer: Wie verstauen die das Ganze in ihren Lieferwägen? Die Tische mit unseren Auslagen also. Von denen wir uns wünschen, dass die anderen sie bestaunen, bewundern und uns dafür loben.

    Und nicht wenige Menschen meinen: Auch Gott muss meinen Tisch doch bestaunen. Gott muss doch mit meinem Leben zufrieden sein. Und Gott? Sein Wort sagt: Ihr Tisch werde ihnen zur Falle, zur Vergeltung und zum Strick (Ps 69,23). Er stößt unsere Tische um und zieht ans Licht, was wir unter dem Tisch verborgen haben: Unsere Sünde, unsere Schuld, unsere Flucht vor Gott.

    Vergessen wir doch all die Auslagentische, die wir selbst aufbauen. Und setzen wir uns wie David an den Tisch, den Gott für uns gedeckt hat. Lassen wir uns von ihm beschenken und das Heil, das er uns in Jesus Christus schenkt, voll einschenken.

    Pfarrer Andreas Streich

     

 

Woche vom 17.08. bis 23.08.

  • add Andacht für den 11. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest, 23. August 2020

    Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.                             1 Petrus 5,5b

    Von Demut ist hier die Rede – als einer Schlüsselhaltung. Das ist ein Wort, ein Wert, den wir aus unserem Sprachgebrauch und in unserem Alltag fast verloren haben. Vielleicht, weil wir die Sache gern verdrängen würden. Niemand ist gern unterwürfig und duckmäuserisch. Menschen mit einem gestörten Selbstbewusstsein leiden darunter.

    Doch Menschen, die wissen, dass sie Gott ihre leeren Hände hinhalten dürfen, erleben es, dass er sie immer wieder füllt. Menschen, die erkannt haben: Mein Wert hängt nicht von dem ab, was ich leiste oder schaffe, oder von dem, was ich weiß oder kann, sondern ich bin wertvoll, weil Gott mich so liebt, wie ich bin, die können gestärkt und aufrecht durchs Leben gehen. Und Menschen, die sich eingestehen: ich schaffe dieses Leben nicht allein. Ich brauche einen, der mich an der Hand nimmt, der mit mir geht und mich begleitet, der mich führt und der mir die Kraft schenkt, die werden erfahren: Er hält Wort. Er geht mit. Seine Hand lässt nicht los.

    Demütige im Sinne dieses Wochenspruchs sind Menschen, die täglich sich von Gott beschenken lassen, die von seiner Kraft, von seiner Vergebung leben – und so sich auch nicht über andere überheben müssen. Das wollen wir: Unter und vor allem an der Hand Gottes leben.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Samstag, 22. August 2020

    In dem Namen Jesu sollen sich beugen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind.                                                                                                                            Philipper 2,10

    und alle Zungen bekennen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters. Mit diesen Worten endet der großartige Christushymnus im Philipperbrief. Er macht deutlich: Von Jesus Christus können wir gar nicht groß genug denken. Jesus Christus – das ist der Eine, in dem Gott seine ganze Liebe beweist. Jesus Christus ist der Eine, der vorgelebt hat, wie Gott sich unser Menschsein gedacht hat. Jesus Christus ist der Eine, der wirklich zählt. Und am Ende werden es alle bekennen müssen. Am Ende werden alle vor ihm die Knie beugen und ihn anbeten. Denn einen anderen als ihn gibt es nicht.

    Dieser Christushymnus spricht nicht nur von der Erhöhung Jesu Christi, die mit der Auferstehung und seiner Himmelfahrt begonnen hat, sondern auch von dem, was dieser Erhöhung vorausging: Von seinem Gehorsam, von seiner Menschwerdung: er entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an. Und von seiner Erniedrigung: Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tod, ja zum Tode am Kreuz. Es gibt den erhöhten Christus nicht anders als mit durchbohrten Händen und Füßen. Sein Name, der über alle Namen ist, ist untrennbar mit seinem Leiden uns zugut verbunden.

    Wer vor ihm die Knie beugt, der erkennt an: Ich brauche diesen Retter. Ich brauche Jesus, meinen Heiland. Ich brauche das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt trägt – und das auch meine, meine ganz persönliche Sünde trägt, wegträgt und mich mit Gott versöhnt. Und ich danke ihm, denn er – und er allein – schenkt mir das Leben und volle Genüge.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Freitag, 21. August 2020

    Die Jünger traten zu Jesus und sprachen: Wer ist nun der Größte im Himmelreich? Und er rief ein Kind zu sich und stellte es mitten unter sie und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.

    Matthäus 18,1-3

    Gott kehrt unsere Maßstäbe um. Bei ihm zählt nicht, was wir Großartiges leisten, sondern einzig und allein: Ob wir das Großartige, das er uns schenkt, annehmen. Den Himmel können wir uns nicht verdienen. Wie oft haben wir diese Botschaft schon gehört. Und trotzdem probieren wir es immer wieder. Wir messen unser Leben mit dem Maßstab, der nun mal in dieser Welt gilt: Tu was, mach was, arbeite, bewirke etwas. Dann ist dir das Wohlwollen der anderen sicher. Leistungsgesellschaft eben – ob im Beruf, im Sport oder im kulturellen Bereich. Überall dasselbe.

    Sollte es im Himmelreich, das Jesus predigt wirklich anders sein? Jesus jedenfalls fordert ein radikales Umdenken. Eine grundsätzliche Umkehr unserer Wertmaßstäbe. Ja, es geht so weit, dass Jesus sogar deutlich auf eine Unmöglichkeit hinweist, auf ein Ausschlusskriterium für den Himmel. In den Himmel kommt nicht, wer nicht wird wie ein Kind.

    Wie ist denn ein Kind. Ich denke an einen Säugling. Der ist schlicht und einfach bedürftig. Sonst nichts. Der braucht es, dass Mutter oder Vater sich um ihn kümmern für alles und jedes. Ihm zu essen und zu trinken geben, ihm die Windel wechseln, ihn ins Bett legen und aus dem Bett holen. Bedürftig sein – das ist, was ein Kind ausmacht. Und sich dessen nicht schämen. Es ist ganz normal, dass Kinder bedürftig sind. Dass sie nichts leisten müssen und sich auf ihre Leistung nichts einbilden. So – genau so – sagt Jesus – müssen wir werden, wir alle. Denn wir haben einen Vater im Himmel, der für uns sorgt und der uns überreich beschenkt. Kommen wir aus der Bedürftigkeit und aus dem Bewusstsein, dass wir ihn brauchen, ja nie raus. Eine bessere, gesündere Lebenshaltung gibt es nämlich nicht.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Donnerstag, 20. August 2020

    Hass erregt Hader; aber Liebe deckt alle Übertretungen zu.                                      Sprüche 10,12

    Die Verse im 10. Kapitel des Sprüchebuchs entlarven so manche billige Ausrede, um sich ja nicht ändern zu müssen. Sätze wie »Da konnte ich nicht anders…« oder »da kann man doch nicht anders…« - »so bin ich halt« sind zwar weit verbreitet, aber von Grund auf verkehrt. Bibelleser wissen mehr. Meist gibt es nicht nur den einen Weg, den naheliegenden, sondern auch noch einen anderen. So auch beim Umgang mit den Fehlern anderer. Die Gnadenlosigkeit in unserer Gesellschaft erschreckt mich: Da steht jemand in der Öffentlichkeit, bekleidet vielleicht ein politisches Amt, um das ihn andere beneiden – und dann macht dieser Mensch einen Fehler. Nachsicht – Fehlanzeige! Zweite Chance? Denken Sie nicht mal dran. Nein: Rücktritt, der oder die muss weg! Und die Liste, derer, die es traf, wird länger. Mich erschreckt das.

    Unsere Losung weist uns einen anderen Weg. Und zeigt zugleich: Es geht auch anders. Doch, da kann man anders. Doch, Gott will, dass wir anders handeln. Er will, dass wir uns an ihm orientieren. Dass wir es so machen, wie er es macht. Und wie macht es Gott? Wie geht er mit unseren Übertretungen, mit unseren Fehltritten, mit unserer Schuld um? Er begegnet uns nicht mit Hass, sondern mit Liebe. Gott hasst die Sünde – daran lässt die Bibel keinen Zweifel – aber er liebt die Sünder. Und darum sorgt er selbst dafür, dass die Übertretungen zugedeckt werden. Darum nimmt er das Problem mit unserer Schuld und unserem Versagen selbst in die Hand. Darum nimmt er in Jesus Christus unsere Schuld auf sich und trägt sie weg an das Kreuz. »All Sünd‘ ist nun vergeben und zugedecket fein, darf mich nicht mehr beschämen vor Gott, dem Herren mein« dichtete einst Bartholomäus Helder. Und das gilt. Gott lässt es gelten. Lassen doch auch wir’s viel mehr gelten, wo andere an uns schuldig werden. Ich wünsche uns eine Kultur der Ehrlichkeit: Dass wir ehrlich einander unser Versagen eingestehen und Fehler bekennen. Weil wir wissen: Wir werden den andern nicht auf seinen Fehlern festnageln – sondern es machen wie Gott: Die Liebe deckt alle Übertretungen zu.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 19. August 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    wenn Sie an den Mose aus der Bibel denken, was fällt Ihnen da ein? Dass er als Baby in ein schwimmendes Körbchen im Nil gelegt wurde? Dass er das Volk Israel aus der Sklaverei in Ägypten geführt hat? Dass er das Meer teilte und mit dem Volk Israel mitten durchs Wasser gehen konnte? Vielleicht sehen Sie den Mose vor Ihrem inneren Auge auch mit den Tafeln der zehn Gebote stehen? Ja, der Mose hatte ein ungewöhnlich bewegtes und spannendes Leben mit außergewöhnlichen Höhen und Tiefen.

    Eines wird von Mose in der Bibel berichtet, was gar nicht so bekannt ist, und doch sehr bewegend ist. Im 33. Kapitel des zweiten Mosebuchs heißt es: „Der Herr aber redete mit Mose von Angesicht zu Angesicht, wie ein Mann mit seinem Freunde redet.“ Gott und Mose unterhalten sich offen, vertrauensvoll, ohne Geheimnisse – ohne Angst, etwas Falsches zu sagen und auch so, dass man den Mut hat, dem anderen die Meinung zu sagen. Gott ist sich nicht zu schade, zu erhaben, um mit Mose auf Augenhöhe zu reden.

    Der Textabschnitt in diesem 33. Kapitel bringt einen Teil dieser Unterhaltung zwischen Gott und Mose. Es geht da um ein heikles Thema: Das Volk Israel, das Mose leitet, hat kurz davor ein goldenes Kalb gemacht und dieses tote Ding angebetet und sich damit Gott gegenüber ganz undankbar gezeigt. Der lebendige Gott hat das Volk doch aus der Knechtschaft befreit – und jetzt lag das Volk einem Götzenbild zu Füßen. Man kann es verstehen: Gott ist darüber enttäuscht, zornig. Er will am liebsten nichts mehr mit diesen undankbaren Leuten zu tun haben. Doch Mose setzt sich im freundschaftlichen Gespräch für die Israeliten ein. Er bittet Gott, erinnert ihn daran, dass es doch sein Volk war und ist und bleiben soll! Der Losungsvers für heute ist aus diesem Gespräch: „Sieh doch, dass dies Volk dein Volk ist!“ sagt Mose zu Gott. Mose erinnert Gott an seine Verbundenheit mit dem Volk Israel, an seine Liebe zu diesem Volk. Und tatsächlich - Gott lässt sich erinnern, er hört auf Mose, er lenkt ein – so wie das unter Freunden geschieht.

    Wenn Jesus von Gott sprach, hat er den Menschen erzählt, dass sie sich Gott vertrauensvoll nähern dürfen. Wie einem Vater, dem man alles erzählen kann, der sein Kind so liebt, dass er ihm keine Bitte ausschlagen kann. Garantiert fallen Ihnen dazu Jesusgeschichten ein!

    Die Frage ist nun gar nicht nur, ob wir uns Gott so allgemein als engsten Freund und als Vater vorstellen können, sondern vor allem, ob wir ihn wirklich wollen, als Freund, als Vater – denn ein Freund, ein Vater will mein Leben ja auch teilen, sich einmischen, seine Meinung dazu sagen, mich begleiten. Gott als Freund, als Vater – wie stehe ich dazu, wie stehen Sie dazu? Nehmen Sie das doch als ganz lohnende Frage mit!

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für Dienstag, 18. August 2020

    Der HERR ist freundlich, und seine Gnade währet ewig und seine Wahrheit für und für.

    Psalm 100,5

    Im Miteinander mit anderen wünschen wir uns, dass sie sich an bestimmte Werte halten: Freund­lichkeit, Zuverlässigkeit, Verbindlichkeit, Wahrhaftigkeit. Es kann Jahre dauern, um Vertrauen zueinander aufzubauen. Aber es reicht ein Augenblick, um das Vertrauen eines Menschen in einen anderen zu zerstören. Menschen können uns enttäuschen – bitter enttäuschen.

    Unser Gott kann und wird uns nicht enttäuschen. Davon ist der Psalmbeter überzeugt: Gott enttäuscht nicht. Gott ist freundlich. Er ist uns gut – in Jesus Christus hat Gott es ein für allemal bewiesen, wie er es mit uns meint: Dass er uns Menschen haben will – als sein Gegenüber. Dass er mit uns leben will. Dass er in Gemeinschaft mit uns leben will. Wir müssen keine Angst haben, dass er uns irgendwann die Freundschaft aufkündigt. Nein: er ist und bleibt uns zugewandt.

    Seine Gnade währet ewig: Gott und wir – das ist eigentlich keine Partnerschaft auf Augenhöhe. Kann es auch gar nicht sein. Wir sind begrenzte Menschen, wir sind seine Geschöpfe – er ist ewig und allmächtig. Er ist unser Gott, unser Schöpfer. Er müsste sich uns nicht zuwenden. Er müsste sich nicht zu uns herabbeugen. Er wäre auf uns nicht angewiesen. Doch unser Gott will nicht ohne uns sein. Unser Gott will mit uns leben. Unser Gott will uns gnädig sein. In Jesus Christus schenkt Gott uns seine Gnade: Die Vergebung aller unserer Sünden, er nimmt uns die Schuld ab und macht uns zu seinen Kindern.

    Und seine Wahrheit währt für und für. Was Gott sagt, was Gott verspricht – auch was er mir zusagt im Blick auf unser Verhältnis zueinander – das bleibt bestehen. Wer nicht enttäuscht werden will in der wichtigsten Beziehung seines Lebens, der darf nicht auf Menschen vertrauen, sondern der muss auf Gott vertrauen. Auf den Gott der treu ist, der freundlich ist, der gnädig ist und der wahrhaftig ist. Und ich bin mir sicher: Wer von dieser Beziehung her lebt, der kann auch anderen Menschen gegenüber freundlich, gnädig und wahrhaftig sein.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 17. August 2020

    Sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk.                                                                      Apostelgeschichte 2,46

    Das, was da am Anfang der Apostelgeschichte von der Gemeinde Jesu Christi gesagt wird, ist und bleibt Maßstab und Zielvorgabe für die christliche Gemeinde. Sie waren einmütig beieinander. Sie saßen nicht nebeneinander, sie gingen nicht auseinander, sie redeten nicht übereinander. Sie feierten miteinander. Christen brauchen einander – das ist die Grundeinsicht die dahinter steht. Deshalb sind wir froh und dankbar, dass wir nach der durch Corona erzwungenen Isolation wieder gemeinsam feiern können. Nicht nur virtuell, sondern real.

    Sie kamen zusammen – in den Häusern: sicher in kleinen Gruppen – so wie es sie bei uns auch gab. Das darf und das soll es geben. Ein breit gefächertes Angebot für Zielgruppen in einer Gesellschaft, die so ausdifferenziert ist, wie die unsere. Eine Form, die allen gefällt, finden wir wohl kaum. Aber diese ersten Christen kamen nicht nur in den Häusern, in ihren eigenen Gruppen, sondern auch als Christen gemeinsam, sozusagen zur Vollversammlung zusammen – täglich im Tempel.

    Vergessen wir nicht den Segen der Vollversammlung der Gemeinde Jesu. Darauf liegt ein Segen. Auch wenn viele den Sonntagmorgengottesdienst als Mitte der Gemeinde totreden wollen: Wir brauchen eine solche Mitte, eine Vollversammlung als Christen an einem Ort: Nur dort, wo wir gemeinsam Erfahrungen mit Gott und seinem Wort machen, nur dort erfahren wir den vollen Segen. In Jerusalem waren Gebildete und Ungebildete, Junge und Alte, Reiche und Armen; Herren und Sklaven, Frauen und Männer beieinander. Sie ließen sich nicht auseinanderdividieren. Die Vollversammlung bewahrte sie vor einer gefährlichen Krankheit in der Gemeinde: Vor Herzverengung. Auch wir brauchen dringend diese Weite im Herzen wieder, die wir nur in der Vollversammlung der Gläubigen erleben. Es geht doch nicht um Formen! Es geht noch nicht um Musikstil. Es ist so einfach und so billig, sich in seinen Wohlfühlkreis zurückzuziehen. Doch das Neue Testament legt eine andere Spur: Gemeinsam – herzlich miteinander verbunden – miteinander Gott feiern. Darauf liegt Segen.

    Pfarrer Andreas Streich

     

 

Woche vom 10.08. bis 16.08.

  • add Andacht für den 10. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest, 16. August 2020

    Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist, dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat.         Psalm 33,12

    Der 10. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest wird bei uns als »Israelsonntag« gefeiert. Wir denken in besonderer Weise an die Verbundenheit der Gemeinde Jesu Christi mit dem jüdischen Volk, dem Bundesvolk des Alten Bundes. So wenig »Lebensabschnittpartnerschaften« nach Belieben im Sinne dessen sind, der die Ehe als lebenslange Gemeinschaft gestiftet hat, so wenig gibt es bei Gott einen Bund auf Zeit. Wo Gott einen Bund schließt, da gilt das für immer. So auch der Bund mit dem Volk Israel.

    Warum Gott gerade dieses Volk ausgewählt hat, darüber gibt das 5. Mosebuch Auskunft: Nicht hat euch der HERR angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern, sondern weil er euch geliebt hat. Gottes bedingungs- und voraus­setzungs­lose Liebe ist der Grund für diese Erwählung. D.h. da gibt es überhaupt keine Vorleistung dieses Volkes; überhaupt keine besondere Qualität, nicht irgend eine Liebenswürdigkeit in Form einer Eigenschaft oder eines Verhaltens, die Gott dazu veranlasst hat. Es ist schlicht und einfach – und zugleich unerklärbar – seine Liebe und seine Treue.

    Wenn Gott wählt, dann kann man die, die er sich wählt, nur beglückwünschen. Denn etwas Besseres, Erfüllenderes gibt es nicht, als dass Gott uns haben will – für ein Leben mit ihm und in seinem Reich. Gottes Erwählung gilt Israel. Das jüdische Volk ist Gottes erwähltes Volk bis heute – und bis ans Ende der Zeit wird diese Erwählung bestehen. Israel ist und bleibt gesegnet. Doch durch Jesus Christus dürfen auch wir zu Gesegneten werden, zu Erwählten – denn Gottes Liebe gilt auch uns. Auch wir sollen zu seinem Volk gehören. Nicht anstelle von Israel ist die Gemeinde Jesu Gottes Volk, sondern neben und mit Israel sind wir erwählt. Ganz Israel wird gerettet werden – weiß Paulus im Römerbrief. Doch auch wir – als Glaubende aus den Völkern – dürfen zu Gottes erwähltem Volk gehören. Was für ein Vorrecht. Was für ein Glück.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Samstag, 15. August 2020

    as gering ist vor der Welt und was verachtet ist, das hat Gott erwählt.            1. Korinther 1,28

    Unser Gott hat ganz andere Maßstäbe als wir Menschen. Vor allem dort, wo er Menschen wählt, erwählt und beruft. Da zählen nicht Kraft, Durchsetzungsvermögen, Intelligenz und Schlagfertigkeit, sondern da zählt nur, dass er uns haben will. Denn alles, was wir brauchen, um für ihn und sein Reich brauchbar zu sein, das ist er selbst und das gibt er uns selbst.

    Die »Erwählung«, die Paulus im Blick hat, ist schlicht der Glaube an Jesus Christus. Paulus weiß: Dass ein Mensch zum Glauben an Jesus kommt – zu echtem Glauben, nicht bloß einem Fürwahrhalte­glau­ben, sondern einem echten tiefen Vertrauen und einer Lebensgemeinschaft mit Jesus Christus: dass Jesus Christus MEIN Herr ist – das verdanken wir der Erwählung Gottes. Gott hat uns ausgewählt. Gott hat uns gewollt in seiner Mannschaft.

    Genau wie Jesus sich seine zwölf Jünger erwählt hat. Und wen hat er erwählt: ein paar Fischer, mindestens einen Zöllner. Schlicht: Durchschnitt – Durchschnitt nach unten offen. Und so macht Gott weiter. So hat Paulus es in seinen Gemeinden erlebt. Wer ist da dabei? Wer kommt zum Glauben? Einfache Leute; Menschen, denen viele Bildungswege verschlossen waren; Durchschnitt – Durchschnitt nach unten offen. Es gab immer auch einige aus der Oberschicht, es gab immer auch Gebildete, Einflussreiche, die zum lebendigen Glauben kamen – aber sie waren eher die Ausnahme. Das Gros, der Durchschnitt war Durchschnitt. Durchschnitt nach unten offen. Und so ist es bis heute.

    Das ist Gottes Weg. Gottes Weg, um deutlich zu machen: Es kommt nicht auf uns an und auf unsere Vorbedingungen. Es kommt auch nicht auf unsere Leistungsfähigkeit an, um für ihn brauchbar zu sein. Es kommt auch nicht auf unsere fromme Leistung an – es kommt nur auf Jesus Christus an, der alles für uns getan hat. Er selbst, der Sohn Gottes, ging nicht den Karriereweg, sondern den Gehorsamsweg, den untersten Weg, um uns zu erlösen. Nur, wer sich das gefallen lässt, was Jesus für uns getan hat – und was einen dicken Strich durch all unsere Klugheitsphilosophien macht – gehört zu ihm. Auf ihn allein kommt es an. So wählt Gott. Und wir dürfen dazugehören.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Freitag, 14. August 2020

    Jesus sprach zu den Zwölfen: Wollt ihr auch weggehen? Da antwortete ihm Simon Petrus: Herr, wohin sollten wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes.                                                                                 Johannes 6,67-69

    Ein Strohfeuer brennt nicht lang. Darum ist es bei uns sprichwörtlich für schnelle Begeisterung, die nicht lange anhält. Nach dem Wunder der Brotvermehrung, als 5.000 Menschen satt geworden waren, da ging die Begeisterung wie ein Strohfeuer durch die Menge. Sie wollten Jesus zu ihrem König machen. Klar, so einen, der uns mit dem versorgt, was wir brauchen oder gern hätten, kann man immer gebrauchen. Jesus – der Wunscherfüller; Jesus – der Garant für ein bequemes, angenehmes Leben. Jesus – der Wellness-Helfer.

    Schnell wird dort im Johannesevangelium klar, dass Jesus mehr für uns sein will, viel mehr. Es geht um nicht weniger als das Lebensbrot, das zum ewigen Leben reicht. Das will er uns geben. Und dieses Lebensbrot, das ist er selbst. Nicht etwas will Jesus geben, sondern sich selbst. Und nicht etwas will Jesus von uns, sondern unser ganzes Leben. Er gibt sich uns ganz: Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm. … Wer dies Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Das war vielen zu viel. Auch vielen, die der Evangelist Johannes als Jünger bezeichnet. Von da an wandten sich viele seiner Jünger ab und gingen hinfort nicht mehr mit ihm.

    Genau hier setzt unser Lehrtext ein. Jesus fragt die 12: Wollt ihr auch weggehen. Und Petrus bekennt, was nur Gottes Geist uns erkennen lassen kann: Es gibt keinen anderen Ort für unseren Hunger nach Leben; es gibt keinen anderen, der unseren Durst nach Gott stillen kann. Du hast Worte des ewigen Lebens. Du bist der Heilige Gottes. Der, der in einzigartiger Weise – wie kein anderer vor und wie kein anderer nach ihm – mit Gott verbunden ist. Ja, in dem Gott selbst zu uns kommt. Jesus Christus ist der Eine, den wir brauchen – darum wollen auch wir nicht weggehen, sondern bei ihm bleiben – heute und in Ewigkeit.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Donnerstag, 13. August 2020

    Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten und durch seine Wunden sind wir geheilt.

    Jesaja 53,5

    Es ist schlicht ein Wunder, das Jesaja in seinem Gottesknechtslied beschreibt. Etwas, was eigentlich unmög­lich ist. Denn Schuld und Strafe sind normalerweise nicht übertragbar. Wenn jemand zu schnell ge­fahren ist, dann kann nicht ein anderer für ihn die Punkte in Flensburg bekommen. Selbst wenn der Fahrzeughalter auf dem Fragebogen ankreuzt, dass der Verkehrsverstoß zugegeben wird. Das Foto aus der Blitzerkamera wird nämlich mit dem Foto in der Führerscheinstelle verglichen. Und wenn es nicht übereinstimmt, dann wird weitergesucht, bis man den Schuldigen gefunden hat.

    In unserer Losung geht es nicht bloß um einen Verkehrsverstoß, eine Ordnungswidrigkeit, sondern um unsere Lebensschuld, für die uns die Höchststrafe droht: Der Sünde Sold ist der Tod. Und da soll Stellvertretung möglich sein? Da soll ein anderer für mich die Zeche bezahlen können? Da soll einer meine Strafe aufgebrummt bekommen, auf dass ich Frieden hätte. Da sollen mich die Wunden eines andern heilen? Was so unglaublich und fantastisch klingt, das ist wirklich geschehen. Es ist schlicht ein Wunder, das sich nur dankend annehmen oder ablehnen lässt. In der verblendeten Nazi-Ideologie des Dritten Reiches hieß es: Ein deutscher Mann braucht kein Lamm Gottes. Der steht selbst für seine Fehler gerade. Nach 12 Jahren lag das als 1.000-jährig gepriesene Reich in Trümmern darnieder. O doch, wir brauchen gerade dieses Lamm Gottes, diesen Herrn Jesus Christus, der ohne Sünde war, aber unsere Schuld auf sich nimmt und sie wegträgt, wegträgt an sein Kreuz, wo er für uns stirbt. Was so unglaublich klingt, das ist unsere einzige Chance: Dass Gott selbst ausräumt, was wir verbrochen haben; dass Gott selbst bereinigt, wo wir an ihm gefrevelt haben. Und in Jesus Christus, dem Mann am Kreuz tut er es. Wir, wir können es nur geschehen lassen, ihm unsere Schuld bekennen und von Herzen danken, dass er dieses Wunder gewirkt hat. Ein für allemal.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 12. August 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    im Johannesevangelium sagt Jesus zu seinen Nachfolgern: „Was ihr mich bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun.“ Moment mal, hat er das so wirklich gesagt? Versprochen, dass er jede Bitte von uns erhört? Ich lese den Satz nochmals in einer neuen Übersetzung und mit ein paar weiteren Worten davor, die Jesus gesagt hat, steile Sätze: „Das sage ich euch:  Wer an mich glaubt, wird genau solche Taten vollbringen, wie ich sie vollbringe. Ja, er wird sogar noch größere Taten vollbringen, als ich sie vollbracht habe. Denn ich gehe zum Vater. Wenn ihr dann als meine Jünger um etwas bittet, werde ich eure Bitte erfüllen. So wird die Herrlichkeit des Vaters durch den Sohn sichtbar gemacht. Wenn ihr mich also dann als meine Jünger um etwas bittet, werde ich eure Bitte erfüllen.“

    Jesus hört unsere Bitten und erhört sie. Diese Zusage ist mir als Mensch eigentlich zu groß. Mein Verstand, der zu wissen meint, dass doch nicht jede Bitte, die wir im Gebet äußern, erfüllt wird, will menschlich und pseudofromm erklären: Jede Bitte, die Gott für gut hält, wird er erhören, er weiß ja besser, was für uns gut ist. Aber nein, so stimmt das nicht, so hat es Jesus nicht gesagt. Ich darf und will die große Zusage von Jesus nicht klein reden, nicht relativieren. „Wenn ihr als meine Jünger um etwas bittet, werde ich eure Bitte erfüllen.“ So steht das hier.

    Ja, das übersteigt meinen Verstand und ich staune. Ich höre diese Worte von Jesus als eine immense Einladung. Ich sehe einen Vater, eine Mutter mit offenen Armen, in den Knien hockend, um auf der Höhe des Kinds zu sein und sagen: Komm her – ich bin für Dich da. Komm mit dem, was Dich bedrängt. Sag mir, was Dir auf dem Herzen liegt. Das erinnert an andere Jesusworte, die uns in der Bibel überliefert sind: „Kommt zu mir, ihr alle, die ihr euch abmüht und belastet seid! Bei mir werdet ihr Ruhe finden.“ Ein anderes Mal sagte er: „Bittet und es wird euch gegeben! Sucht und ihr werdet finden! Klopft an und es wird euch aufgemacht!“ Ja, da ist er wieder mit den geöffneten Armen, wartend, dass wir kommen.

    Ob ich bei meinen Verstandeszweifeln stehen bleibe? Oder die Einladung von Jesus sehe und annehme, weil ich wie ein Kind sehe: er wartet auf mich, ihm kann ich mich in die Arme werfen und mit allem – mit allem! – was mich beschäftigt und bedrängt zu ihm kommen. Und wenn Sie an ein Kind in solch einer Situation denken – das zögert vielleicht einen kleinen Moment und – rennt dann los in die Arme hinein! Den Blick auf diese offenen Arme wünsche ich Ihnen und mir.

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für Dienstag, 11. August 2020

    Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch!   Philipper 4,4

    Das ist eine Aufforderung von einem, der durch und durch Realist ist. Paulus ist kein Schwärmer, der die harte Wirklichkeit ausblendet. Er kennt alle Höhen und Tiefen des Lebens aus eigener Erfahrung. Wenige Verse später schreibt er: Ich kann niedrig sein und hoch sein; mir ist alles und jedes vertraut: beides, satt sein und hungern, beides, Überfluss haben und Mangel leiden. Doch in allem und über allem steht Jesus Christus. Und deshalb rät Paulus den Philippern und auch uns, was er selbst praktiziert: Freut euch in dem Herrn allewege.

    Egal, was euch auf euren Wegen begegnet: Freut euch im Herrn – allewege. Denn er, der Herr Jesus Christus, ist bei euch auf allen Wegen. Er lässt euch nicht los. Er hält euch fest. Er ist mit seiner tröstenden, ermutigenden, stärkenden Kraft bei euch – auch und gerade in Schwierigkeiten. Was er bereithält, schenkt und gibt, das ist viel mehr und wiegt viel schwerer als alles, was euch das Leben schwer machen kann.

    So hat es Paulus selbst praktiziert – in Philippi. Damals, als er mit seinem Mitarbeiter Silas das erste Mal dorthin kam und das Evangelium auf den europäischen Kontinent brachte. Nach kurzer Zeit wurden die beiden gefangen genommen, hart geschlagen und dann in den Block gelegt und im innersten Gefängnis eingesperrt – wie die schlimmsten Verbrecher. Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott. Mitten in der dunkelsten Stunde. Mitten im Gefängnis, mit schmerzenden Gliedern, ohne Hände und Füße regen zu können. Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott. Das ist der Ausdruck der Freude über Jesus, den Retter, den Heiland, den Herrn, der uns niemals allein lässt. So äußert sie sich die Freude: im Gebet und im Lob Gottes – egal wie die äußeren Umstände sind. Und auf dieser so ausgedrückten Freude liegt ein Segen. Sie verändert uns. Sie lässt uns die eigene Situation mit anderen Augen sehen. Denn sie lässt uns auf Jesus Christus sehen. Darum gilt auch uns: Freut euch im Herrn allewege.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 10. August 2020

    Gideon sprach: ich will nicht Herrscher über euch sein, sondern der HERR soll Herrscher über euch sein.                                                                                                                          Richter 8,23

    Die Macht kann süchtig machen – und blind. Dafür gibt es zig Beispiele aus der Gegenwart und der Geschichte: Menschen, die auf ihrem Stuhl kleben und nicht bereit sind, die Macht abzugeben. Gideon lehnt die Herrschermacht, die an ihn herangetragen wird, bewusst ab. Gott hat ihn zum Richter berufen – in einer ganz bestimmten Not sollte er Gottes Werkzeug sein, um seinem Volk gegen die Feinde zu helfen. Diesen Auftrag, diese Berufung hat Gideon angenommen. Aber mehr nicht.

    Es war durchaus ein demokratisches Ansinnen, das da kam. Es drückt eine breite Unterstützung und eine breite Mehrheit aus, wenn die »Männer von Israel« ihm ein vererbbares Herrschersein – oder ein dynastisches Königtum antragen. Wenn in der CDU/CSU jetzt über die »K-Frage« diskutiert wird: Wer soll nach Angela Merkel Kanzler oder Kanzlerin werden, dann spielt wohl – genau wie damals – eine Rolle: Wer hat sich in der Krise bewährt: Söder oder Laschet? Merz oder Spahn? Einem, der in einer Krise wie Corona, gut und entschlossen handelt, traut man auch das Regieren zu.

    Doch Gideon lehnt ab. Ob Söder tatsächlich auch im Herbst 2021 seinen Platz noch in Bayern sieht, das lassen wir mal offen. Gideon lehnt ab – aber aus einem ganz anderen Grund: Er weiß: der HERR ist und soll der Herrscher über Israel sein. Gott, nicht ein Mensch, soll die Geschicke dieses Volkes lenken. Er wird immer wieder neu Menschen berufen, die er als Werkzeuge für eine bestimmte Aufgabe und eine bestimmte Zeit lang gebraucht – aber nicht als Herrscher an sich. So war und so blieb es, bis Israel dann endgültig einen König wollte. Doch da ist bezeichnend, dass Gott zu Samuel sagt, der voller Entrüstung das mit Gott im Gebet bespricht: Sie haben nicht dich, sondern mich verworfen, dass ich nicht mehr König über sie sein soll. (1Sam 8,7)

    Was kann uns vor der Macht-Sucht bewahren? Die Abhängigkeit von Gott. Und das Bewusstsein: Gott kann mich und meine Gaben gebrauchen – in meiner Familie, in meinem Betrieb. Aber meine Aufgabe ist und bleibt begrenzt. Ich bin Werkzeug Gottes, das will ich gerne sein, aber mehr nicht.

    Der wahre König – für mich und die ganze Welt – das ist Gott, das ist der Gesalbte, der Messias, der Christus – Jesus Christus, in dem Gott all das wieder zurückholt, was Menschen in ihrer Eigenmächtigkeit meinten an Macht sich selbst nehmen zu müssen. Jesus ist der wahre König, in dem am Ende dann doch Gott wieder Herrscher über uns sein wird.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 03.08. bis 09.08.

  • add Andacht für Sonntag, 9. August 2020

    Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus.

    Epheser 1,3

    Ich mag dieses Kapitel 1 des Epheserbriefs ganz besonders. Denn mit diesem Vers, unserem Lehrtext, eröffnet Paulus einen Rundgang durch den vielfältigen Segen, den Gott uns in Jesus Christus schenkt. Wer bisher dachte: Segen – das hat etwas mit äußerem Wohlergehen zu tun. Gesegnet ist, wer gesund ist, wer in gelingenden Beziehungen leben kann, wer sein Auskommen und keine Schulden hat und wen die Leute sympathisch finden – der erfährt hier eine grandiose Erweiterung seines Segens-Horizonts. Segen ist mehr, viel mehr. Und der wahre Segen, der liegt nicht in den äußeren Gegebenheiten unseres Lebens, die irgendwann doch alle wegbrechen, sondern der liegt in Jesus Christus. Und dieser Segen in Jesus Christus, der kann und wird niemals wegbrechen. Der bleibt auch dort, wo Menschen krank werden; wo Beziehungen zerbrechen; wo das Leben nicht mehr rund läuft. Gottes Segen in Jesus Christus bleibt.

    Segen in Jesus Christus – folgen wir Paulus nur ansatzweise bei seinem Rundgang durch den Segen: in Christus sind wir als Gläubige erwählt ehe der Welt Grund gelegt war. In seiner Liebe hat Gott uns sogar vorherbestimmt, durch Jesus Christus seine Kinder zu werden. Mein Glaube steht und fällt also nicht mit meiner Entschlusskraft, sondern gründet in Gottes Erwählung und Vorherbestimmung. So steht es in Vers 4 und 5. In Jesus Christus haben wir ferner die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden. In ihm sind wir auch zu Erben eingesetzt worden. In Jesus Christus sind wir, als wir gläubig wurden, versiegelt worden mit dem Heiligen Geist.

    Was für ein Reichtum an Segen. Da, bei Jesus Christus, ja, in Jesus Christus, da liegen nicht nur alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen, sondern da, in Jesus Christus, da ist auch der ganze geistliche Segen – aller geistliche Segen, des es überhaupt nur gibt, für uns erschlossen und zugänglich. Von Jesus können wir gar nicht groß genug denken. Wer Gottes geistlichen Segen will, der braucht Jesus. Ja, es bleibt dabei: Jesus Christus ist der Eine, den wir brauchen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Samstag, 8. August 2020

    Meine Augen sehen stets auf den HERRN, denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen.

    Psalm 25,15

    Corrie ten Boom, die niederländische Evangelistin, die weil sie in ihrer Familie in Haarlem, Juden versteckte im KZ war und dort ihre Schwester verlor, sprach einmal davon, dass es zweierlei Christen gebe: Es gebe Autofahrer-Christen und es gebe Straßenbahn-Christen. Die Autofahrer-Christen sind die, die immer wieder bei Gott auftanken, um weiterfahren zu können. Die wissen, dass sie Gott immer wieder brauchen – aber dann ihr Leben über weite Strecken auch ohne ihn meistern. Die Straßenbahn-Christen dagegen sind die, die – wie die Straßenbahn – nur vorwärts kommen, wenn sie in ständiger Verbindung mit der Kraftquelle, sprich: mit Gott sind.

    Zur zweiten Sorte müssen wir wohl auch David zählen: Meine Augen sehen stets auf den HERRN. Also nicht nur ab und zu. Nicht nur hin und wieder – stets, immer, ständig. Ich bleibe in Kontakt mit Gott. Ich lebe in der Abhängigkeit von ihm. Ich bleibe ein Empfangender, ein Beschenkter und ich brauche es jeden Tag, jede Stunde, jeden Augenblick, dass er mir hilft. Auf ihn schaue ich, auf ihn hoffe ich.

    Denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen… Wer die vielen anderen Davids-Psalmen liest, der weiß, dass es ein Missverständnis wäre, wenn man da einen schnellen Automatismus vermuten würde: Da taucht ein Problem auf – das gestellte Netz ist ein Hinweis auf menschliche Feinde, die mir das Leben schwer machen – ich schaue auf Gott, ich bete zu ihm – und im nächsten Augenblick hat Gott mir geholfen. Nein – so billig und so schnell geht es nicht immer. Von David gibt es auch Klagepsalmen, wo er Gott hinlegt, wie schwer es ihm fällt, so lange auf Rettung und Hilfe warten zu müssen. Doch David bleibt auch dort dabei: Der Einzige, auf den ich schauen will – auch da, wo ich ihn nicht verstehe – ist und bleibt der HERR, mein Gott. Denn er kann und er wird meinen Fuß aus dem Netz ziehen. Er kann und wird mir helfen – zu seiner Zeit. Das Wann mag fraglich sein, das dass ist es nicht. Machen doch auch wir es wie David, seien wir Straßenbahn-Christen und vertrauen ihm.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Freitag, 7. August 2020

    Aus großer Todesnot hat er uns errettet und wird uns erretten, auf ihn haben wir unsere Hoffnung gesetzt.                                                                                                                 2. Korinther 1,10

    Wer die ersten Verse des 2. Korintherbriefs liest bis zu diesem Vers, dem fällt auf, wie oft Paulus vom »Trost« und vom »Trösten« redet. Denn das ist, was er erlebt hat: Dass Gott tröstet. Und Gottes Trost bedeutet immer Rettung. Gott errettet aus Todesnot. Ja, Gott errettet sogar aus dem Tod.

    Paulus beschreibt in diesen Versen eine Situation in Kleinasien, die mehr als brenzlig war: Denn wir wollen euch, liebe Brüder, nicht verschweigen die Bedrängnis, die uns in der Provinz Asien widerfahren ist, wo wir über die Maßen beschwert waren und über unsere Kraft, sodass wir auch am Leben verzagten und es bei uns selbst für beschlossen hielten, wir müssten sterben. Das geschah aber, damit wir unser Vertrauen nicht auf uns selbst setzten, sondern auf Gott, der die Toten auferweckt.

    Was mag das für ein Gefühl sein, wenn man innerlich das eigene Todesurteil in Händen hält. Wenn es keinen Ausweg mehr gibt, wenn alle eigenen Wege endgültig zu Ende gegangen sind. Wenn uns nichts, aber auch gar nichts mehr zu tun bleibt. Über manchen Todesanzeigen kann man die Worte lesen: »Gehofft, gekämpft und doch verloren« Das ist die Resignation über die Macht der Krankheit und des Todes. Paulus setzt dagegen: Wir haben einen Gott, für den selbst der Tod nicht unbesiegbar ist. Wir haben einen Gott, der unseren Herrn aus dem Tod herausgerissen hat. Und der auch uns aus dem Tod herausreißen wird. So bezeugt Paulus es im 15. Kapitel des 1. Korintherbriefs. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Der Tod hat nicht die letzte Macht. Seit Jesus auferstanden ist, steht fest: Gott wird uns auch aus der letzten Not, dem Tod, erretten – auf ihn haben wir unsere Hoffnung gesetzt. Auf ihn dürfen auch wir unsere Hoffnung setzen. Er wird uns nicht enttäuschen.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • add Andacht für Donnerstag, 6. August 2020

    Er handelt nicht mit uns nach unseren Sünden und vergilt uns nicht nach unserer Missetat.

    Psalm 103,10

    So buchstabiert der Psalmbeter David, was Gottes Gnade meint. Die Gnade ist die unverdiente Zuwendung Gottes. Gott ist mir gut, obwohl er allen Grund hätte, mich zu verurteilen und mit mir fertig zu sein. David redet von unserer Sünde und von unserer Missetat. Und er weiß: Auch vor Gott, gerade vor Gott hat mein Fehlverhalten und meine falsche Grundhaltung, hat mein Versagen, meine Schuld Gewicht. Gottes Gnade bedeutet eben gerade nicht: Gott lässt Fünfe gerade sein. Gott schaut nicht hin. Gott ignoriert die Sünde. Nein, Gott nimmt die Sünde ernst – todernst. Paulus weiß: Der Lohn der Sünde ist der Tod. Und in seinem Sohn, Jesus Christus, hat Gott das unterstrichen:

    Es gab nur einen einzigen Menschen, der perfekt war, der ohne Sünde war – Jesus. Doch der muss sterben – weil er die Sünden der ganzen Welt auf sich genommen hat. Weil unsere Sünde unter dem Todes- und Verdammungsurteil Gottes steht. Gott hasst die Sünde – aber er liebt die Sünder. So sehr, dass er den, der von keiner Sünde wusste, zur Sünde machte, damit wir frei ausgehen. Damit das, was David im Psalm 103 schon staunend von Gott erkannt hat, auch für uns – und für alle Menschen, die sich darauf einlassen – Wirklichkeit wird. Gott nimmt die Sünde ernst. Vor Gott wiegt unsere Missetat. Sie hat tödliches Gewicht. Und doch sucht und findet Gott einen Weg, uns zu entlasten. Anders mit uns zu verfahren, als wir es eigentlich verdient hätten: Da in Jesus, da nimmt er unsere Sünde auf sich selbst. Da in Jesus, da trägt er die Folgen unserer Missetat selbst. Weil er uns so sehr liebt. Weil er nicht ohne uns sein will. Weil keine und keiner ihm fehlen soll.

    Wo wir Gott ein Stückchen weit – so weit es eben möglich ist – in seinem Wesen erkennen, da geht diese Erkenntnis immer mit der Selbsterkenntnis einher: Wer ist Gott – und wer bin ich? Das hat David begriffen und ist darüber ins Staunen gekommen. Staunen auch wir immer wieder neu.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 5. August 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    zu den bekanntesten Jesusgeschichten gehört die von dem Zolleinnehmer Zachäus, der in Jericho lebte. Geld und Besitz waren sein oberstes Lebensziel. Von seinen Mitmenschen nahm er, was nur ging und immer wieder auch mehr, als ihm nach Recht und Gesetz zustand. Dieser rücksichtslose Lebensstil machte ihn reich, wenn auch nicht sonderlich beliebt. Aber damit konnte er wohl mit einem gewissen Trotz leben. Das mag damit zusammenhängen, dass er von kleiner Körpergröße war, wegen derer er sicherlich manchen Spott erfahren hat. Mit seinem beruflichen Erfolg konnte den anderen zeigen: ich komme weiter als ihr.

    Allerdings scheinen den Zachäus weder das Geld noch der Erfolg wirklich glücklich gemacht zu haben. Der biblische Text in Lukas 19 berichtet: als Jesus in die Stadt Jericho kommt, will ihn Zachäus unbedingt sehen. Offensichtlich hat er von Jesus so viel gehört, dass ihn dieser Mann eigenartig anzieht. Jesus scheint ein Leben zu führen, das nicht von Geld und Besitz geprägt ist und trotzdem erfüllter ist als das Leben von Zachäus. Der Vers aus den Losungen heute ist dieser Geschichte entnommen: „Da war ein Mann mit Namen Zachäus, der war ein Oberer der Zöllner und war reich. Und er begehrte, Jesus zu sehen.“ Vermutlich wissen Sie, was der kleine Zachäus machte, um Jesus trotz der Menschenmenge zu sehen: er stieg auf einen Baum. Wie die Geschichte weiterging, wissen Sie entweder – oder falls nicht und Sie neugierig sind, lesen Sie es nach, es ist eine der besonders berührenden Begegnungen von Jesus mit einem Menschen, der ihn sucht.

    Was wir von diesem ersten Teil der Zachäusgeschichte mitnehmen können: der Zachäus hat sich auf den Weg gemacht, weil er Jesus unbedingt sehen wollte. Er krepselte sogar auf einen Baum. Das, was ihm möglich war, hat er getan – auch wenn er eine direkte Begegnung mit Jesus trotzdem nicht erzwingen konnte.

    Wollen wir Jesus wirklich begegnen? Für uns selbst können wir beantworten, ob wir die Frage mit einem echten Ja beantworten – oder ob wir zwar pro forma Ja sagen, aber im Grunde nicht wirklich wollen. Woran wir uns prüfen können? Indem wir gucken: tue ich das, was mir möglich ist, damit mir Jesus begegnen kann? Mache ich mich zum Beispiel auf den Weg in einen Gottesdienst? Suche ich das Gespräch über Jesus mit anderen? Bin ich bereit, mein Leben zu verändern, wenn das eine Folge der Begegnung mit Jesus sein sollte? Oder ist mir eine gewissen Distanz gar nicht so unrecht?

    Jesus sagte einmal (Matthäus 7,7): Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Damit ermutigt Jesus, dass wir bitten, suchen, anklopfen – denn nur dann werden wir auch etwas bekommen. Da geht es nicht um eine große Tat von uns, das wäre ein Missverständnis. Sondern es geht einfach darum, dass wir mit dem Wenigen, was uns möglich ist, zeigen, dass es uns mit dem Wunsch, diesem Jesus zu begegnen, ernst ist. Dafür ist der Zachäus ein echtes Vorbild – gerade auch deshalb, weil er überhaupt nicht fromm war. Aber er hat gesucht, er hat sich nach der Begegnung mit Jesus gesehnt, weil sein Leben leer war und unerfüllt. Und machte sich deshalb auf den Weg, stieg auf den Baum. Das kriegen wir doch auch hin, oder?

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für Dienstag, 4. August 2020

    Ich will den HERRN loben in den Versammlungen.                                         Psalm 26,12

    Zwei wichtige Teile betont dieser kurze Losungsvers: Es geht um Gottes Lob und es geht um die Versammlung der Gläubigen. Beides ist wichtig für unser Leben.

    Es geht um Gottes Lob. Gott loben, das heißt: Sagen, wie gut er ist. Das sage ich ihm im Gebet. Ich danke und lobe ihn für all das, was ich persönlich in meinem Leben schon erfahren habe. Das sage ich auch mir selbst. In manchen Psalmen gibt es eine Zwiesprache des Psalmbeters mit seiner Seele: Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. Das Lob – gesungen oder gesprochen oder auch nur still im Herzen gebetet, das verändert auch mich als Beter, als Lobenden. Es macht mir in Sorge, in Anfechtung, in Bedrängnis wieder neu bewusst: Du bist doch nicht allein. Der Gott, der dein guter Hirte ist, der wird dich doch nicht im Stich lassen. Deshalb ist das Lob Gottes so wertvoll für unser Leben.

    Gottes Lob, ich sage es Gott, ich sage es mir – und ich sage es den andern. Das ist der zweite Teil des Verses: in den Versammlungen. Wir Christen brauchen einander. Wir sind keine Einzelkämpfer. Jede und jeder lebt auch von den andern. Wir brauchen es, dass wir uns gegenseitig immer wieder ermutigen und auf Gott hinweisen. Das Lob Gottes hat immer auch eine seelsorgerliche Dimension: Dort, wo ich Gott lobe, wo ich auch berichte von der Hilfe, die Gott mich hat erfahren lassen, da hilft es einem anderen Menschen, daraus Schlüsse für sich selbst zu ziehen. Da kann er einstimmen in das Lob und da hat schon mancher neue Hoffnung für sich selbst gewonnen: Wenn Gott meinem Mitchristen geholfen hat, dann wird er es auch bei mir tun. Denn wir glauben an den selben Herrn, reich für alle, die ihn anrufen. Unterschätzen wir nicht die Versammlung der Gläubigen für unseren eigenen Glauben. Wir brauchen sie. Der Gottesdienst am Sonntagmorgen ist die klassische und die naheliegendste Form, wenn auch nicht die einzige.

    Wir alle dürfen und sollen Teil dieser großen Lob-Bewegung sein, die seit dem Alten Testament nicht abreißt, die Menschen ergreift und ihnen hilft. Auch wir wollen sagen: Ich will den HERRN loben in den Versammlungen.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • add Andacht für Montag, 3. August 2020

    Den Demütigen wird der HERR Gnade geben.                                  Sprüche 3,34

    Wenn über Werte in unserer Gesellschaft gesprochen wird, dann kann man Begriffe hören wie: Leistungsbereitschaft, Zuverlässigkeit, Wahrhaftigkeit. Über Generationen hinweg eingeprägt haben sich bei uns auch: Fleiß und Pünktlichkeit. Von einem Begriff dagegen hört man in der Wertedebatte nur noch selten: Demut.

    Widerspricht Demut nicht einem gesunden Selbstbewusstsein? Bedeutet das nicht, dass man sich selbst klein macht, sich selbst in Frage stellt? Wer will denn so was heute noch hören? Ich glaube: Das Gegenteil ist der Fall. Demut widerspricht nicht einem gesunden Selbstbewusstsein, sondern gehört untrennbar zu einem gesunden Selbstbewusstsein. Ein Selbstbewusstsein, das sich in einem übersteigerten Selbstvertrauen alles zutraut und seine Grenzen nicht mehr kennt, macht krank: Es führt zur Überforderung. Demut hilft uns, uns realistisch einzuschätzen. Sie hilft uns zu erkennen, was wir können und was nicht. Und damit auch: was wir tun müssen – und was nicht.

    Die Demut steht in der Bibel immer zuerst im Zusammenhang mit Gott. So auch hier in Sprüche 3. Der Mensch, der sich vor Gott demütigt; der sich bewusst ist, dass er Gott braucht, dass er ohne Gott nicht leben kann und dass er Gottes Zuwendung braucht, der wird sein Leben mit anderen Augen sehen als jemand, der meint, auf Gott pfeifen zu können. Unsere Losung ist nur der zweite Teil dieses Verses. Ganz heißt er: Er wird der Spötter spotten, aber den Demütigen wird er Gnade geben. Vor Gott ehrlich sein, vor ihm auch einzugestehen, wo ich versagt habe, wo ich schuldig geworden bin, das ist und bleibt der Zugang zu Gottes Gnade. Zu Gottes unverdienter Zuwendung. David war sich in seinem Bußpsalm sicher: Ein geängstetes, zerschlagenes Herz, wirst du, Gott, nicht verachten. Doch das setzt Demut voraus. Und Demut hat immer auch mit Selbsterkenntnis und mit Schulderkenntnis zu tun. Demut vor Gott – das ist und bleibt ein unabdingbarer und erstrebenswerter Wert für unser Leben. Denn nur so kann unser Leben sich zu dem entfalten, wie Gott es sich gedacht hat. Deshalb sollten wir Mut zur Demut haben. Denn wer vor Gott demütig ist, der kann auch Menschenfurcht ablegen.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 27.07. bis 08.08.

  • add Andacht für den 8. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest, 2. August 2020

    Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.

    Epheser 5,8b-9

    Es gibt wenige Begriffe, die für uns etwas uneingeschränkt Gutes beinhalten. »Licht« gehört zu diesen Begriffen. In der Bibel begegnet uns durchaus auch der Kontrast: »Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker, aber über dir geht auf der HERR und seine Herrlichkeit erscheint über dir.« - »Der HERR ist mein Licht und mein Heil« betet der Psalmbeter. Und Jesus bezeichnet sich selbst als das »Licht der Welt«. Ja, mit ihm ist Gottes Licht in diese Welt gekommen. Und seine Jüngerinnen und Jünger, die von ihm angesteckt sind, sollen selber – als Gemeinschaft – nun als »Licht der Welt« und als »Salz der Erde« hineinwirken in diese Welt.

    Wer zu Jesus Christus, dem Licht der Welt gehört, den macht er zu einem Kind Gottes. Und der ist darum ein Kind des Lichts. Was da geschehen ist, als wir zum Glauben an Jesus Christus kamen, das beschreibt Paulus im Kolosserbrief so: Gott hat uns errettet aus der Macht der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich seines lieben Sohnes. Oder mit dem Liederdichter Paul Gerhardt ausgedrückt: »Ich lag in tiefster Todesnacht, du warest meine Sonne, die Sonne, die mir zugebracht Licht, Leben, Freud und Wonne. O Sonne, die das werte Licht des Glaubens in mir zugericht‘, wie schön sind deine Strahlen!«

    Das also gilt für uns, wenn wir an Jesus Christus glauben. Und daraus folgt quasi als klare und logische Konsequenz, was unser Wochenspruch uns nahelegt: Lebt als Kinder des Lichts. Lebt, das was ihr seid. Wandelt auf dem Weg, den Jesus euch vorgezeichnet hat. Bleibt darauf. Haltet euch an ihn. Lebt mit ihm. Löst euch nicht von ihm. Und das wird man sehen. Denn wer als Kind des Lichts lebt, der bringt Früchte des Lichts: Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit. Bleiben wir dabei. Leben wir doch einfach, was wir sind: Kinder des Lichts. Täglich neu beschenkt von Jesus Christus darf immer mehr von dem wachsen, was Frucht des Lichtes ist: Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit. In unserer nächsten Umgebung fängt es an, dass es die Menschen an uns sehen und erleben sollen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Samstag, 1. August 2020

    Ich komme, um alle Völker und Zungen zu versammeln, dass sie kommen und meine Herrlichkeit sehen.                                                                        Jesaja 66,18

    Gott hat dem Propheten Jesaja einen Blick eröffnet – weit in die Zukunft. Gott lässt ihn das sehen, was er vorhat. Wie es am Ende sein soll. Zwei Dinge stechen ins Auge: Gott will versammeln und Gott will seine Herrlichkeit sehen lassen. Das ist Gottes Ziel. Und darin verbirgt sich schon heute, was der tiefere Sinn unseres Lebens ist. Nein, der Sinn unseres Lebens ist nicht unsere Arbeit. »Arbeit war sein Leben« das ist ein Grabspruch für einen Ackergaul, aber nicht für einen Menschen. Nein, der Sinn unseres Lebens liegt auch nicht darin, die Art aufrecht zu erhalten, Kinder zu zeugen und groß zu ziehen. Der Sinn unseres Lebens liegt in diesen beiden Dingen: Dass wir uns zu unserem Gott versammeln und dass wir seine Herrlichkeit erkennen.

    Kurz zusammengefasst, dass wir Gott als Gott erkennen und ihn ehren. Dazu hat Gott uns geschaffen. Und das wird am Ende seiner Werke und Wege mit dieser Welt und der Menschheit stehen: Dass Menschen sich zu ihm sammeln, seine Nähe suchen. Sich auf ihn hin ausrichten. Sich von ihm beschenken lassen, auf ihn hören und voller Vertrauen zu ihm rufen. Heute schon kann das Wirklichkeit werden – und es ist Wirklichkeit in der Gemeinde Jesu Christi. Menschen aus allen Völkern und Zungen sammeln sich zu Jesus Christus, in dem sich uns Gottes Herrlichkeit aufschließt, folgen seiner Einladung und feiern gemeinsam das Fest des Glaubens.

    »Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit« mit diesen Worten fasst der Evangelist Johannes zusammen, was da geschehen ist, als das Wort Fleisch wurde, als Gott Mensch wurde – in jenem unscheinbaren Notunterschlupf bei der Herberge von Bethlehem. Da, in Jesus, da ist uns Gottes Herrlichkeit aufgegangen. Da scheint uns Gottes Liebe. Da sehen wir, wie Gott es im Tiefsten seines Herzens mit uns meint. Da sehen wir, wie sehr er sich nach uns sehnt und mit wie viel Güte und Liebe er uns begegnet. Wer das erkannt hat, wer das gespürt hat – das gilt ja mir – der kann nicht mehr anders als mit diesem Herrn zu leben und seine Herrlichkeit zu loben und zu preisen. Heute schon gibt es einen Vorgeschmack – dann einmal, in Gottes neuer Welt, wird es nie mehr enden.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • add Andacht für Freitag, 31. Juli 2020

    Du sollst kein falsches Gerücht verbreiten.                                        2. Mose 23.1

    In der ehemaligen DDR war die Stasi, die Staatssicherheit, scheinbar allgegenwärtig. Sie las Briefe, bespitzelte Regimekritiker und ganz normale Bürger und hörte Telefongespräche mit. Immer in Sorge, dass sich da Ideen und Meinungen verbreiten, die dem Staat und den Mächtigen gefährlich werden könnten. Schon ein Witz über die Regierenden konnte ernsthafte Konsequenzen haben – wenn es denn rauskam. Man musste aufpassen, was man sagt.

    Die Stasi ist Vergangenheit, Gott sei Dank! Doch auch wir sollten aufpassen, was wir sagen. Nein, nicht nur aus Furcht vor Repressalien, weil das irgend jemand nicht passen könnte, sondern um der Liebe willen und um der Sorgfalt willen. Du sollst kein falsches Gerücht verbreiten. Dieses Gebot aus Moses Zeiten ist zeitlos. Denn die Tendenz, genau das zu tun, ist immer noch in uns aktiv. Deshalb gilt es, aufzupassen.

    Vom griechischen Philosophen Sokrates wird erzählt, dass einmal jemand auf der Straße von einem Mann ganz aufgeregt angesprochen wurde: »Du, Sokrates, ich muss etwas über deinen Freund erzählen, der…« - »Warte!« sagte Sokrates. »Bevor du weitererzählst: Hast du die Geschichte, die du mir erzählen möchtest, durch die drei Siebe gesiebt? Das erste Sieb ist die Wahrheit: Bist du sicher, dass das, was du mir erzählen möchtest, wahr ist?« - »Nein, ich habe gehört, wie es jemand erzählt hat.« - »Aha« sagte Sokrates. »Ist die Geschichte denn durch das zweite Sieb gegangen, das Sieb der Güte? Ist es etwas Gutes, was du mir über meinen Freund erzählen möchtest?« Zögernd sagte der Mann: »Nein, ganz im Gegenteil…« - »„Hm,“ sagte Sokrates, „jetzt bleibt uns nur noch das dritte Sieb. Ist es notwendig, dass du mir erzählst, was dich so aufregt?“ „Nein, nicht wirklich notwendig,“ antwortete der Mann. „Nun,“ sagte Sokrates lächelnd, „wenn die Geschichte, die du mir erzählen willst, nicht wahr ist, nicht gut ist und nicht notwendig ist, dann vergiss sie besser und belaste mich nicht damit!“

    Gott möchte, dass wir seine Wahrheit, sein Wort weitergeben an andere Menschen. Das Wort des Lebens, das Wort der Wahrheit schlechthin. Wer dieses gute Wort, das Evangelium, das Wort von dem, der selbst der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, im Munde führt, zu dem passt nicht, etwas Falsches – und sei es auch nur vielleicht falsch – weiterzutragen. Bleiben wir bei der Wahrheit, bleiben wir bei der Güte und bleiben wir bei dem, was wirklich notwendig ist, es weiterzutragen: Das Evangelium von Jesus Christus.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • add Andacht für Donnerstag, 30. Juli 2020

    Jesus Christus spricht: Wer Ohren hat zu hören, der höre!                         Markus 4,9

    So beendet Jesus seine Gleichniserzählung vom vierfachen Ackerfeld: Die Geschichte von jenem Sämann, der Samen aussäht. Einiges fällt auf den Weg, wird von den Vögeln gefressen; einiges fällt auf felsigen Boden, ging auf – aber verdorrte in der Sonne; einiges fällt unter Dornen, wird von ihnen erstickt. Aber einiges fiel auf gutes Land, ging auf und brachte Frucht. Wie meint Jesus das, wenn er sagt: »Wer Ohren hat zu hören, der höre«?

    Das wird klarer, wenn wir die Erklärung anschauen, die Jesus selbst zu diesem Gleichnis seinen Jüngern gibt. Sie hatten ganz offensichtlich Probleme, den tieferen Sinn dieser Geschichte zu verstehen. Darum erklärt Jesus: Der Same – das ist das Wort. Das Wort Gottes. Und der wird ausgestreut – ganz breit und überall. Alle sollen Gottes Wort hören. Gottes Wort – das ist ein Fünffaches: Gottes Wort – das ist zuerst sein Anspruch an uns. Er hat uns geschaffen. Und als Schöpfer hat er einen Anspruch auf uns und unser Leben. Gottes Wort – das ist zweitens seine Einladung: Lebe mit mir, vertraue mir als mein Kind. Und Gottes Wort – das ist drittens seine Weisung, das sind seine Gebote, seine guten Empfehlungen, damit unser Leben in der Freiheit, die er uns schenkt, gelingen kann; Gottes Wort – das ist viertens seine Warnung: Unser Leben und diese Welt birgt so viele Gefahren. Wo wir eigene Wege – ohne Gott – gehen, da stehen wir in der Gefahr, verloren zu gehen. Ja, es gibt ein Verlorengehen, es gibt ein Gericht Gottes, es gibt eine Verdammnis. Das sagt uns Gottes Wort. Und Gottes Wort – das ist schließlich fünftens seine Verheißung, sein Versprechen an uns: Ich bin und bleibe bei dir. Ich bringe dich an mein gutes Ziel.

    Anspruch – Einladung – Weisung – Warnung und Verheißung – all das steckt in Gottes Wort. Und wir tun gut daran, all das zu hören. Mit offenen Ohren und mit offenen Herzen. Wer es so hört, so erklärt Jesus seinen Jüngern, den verändert dieses Wort. Dieses Verstehen, das zur Bekehrung führt und damit dazu, dass uns vergeben wird (Mk 4,12), das können wir nicht aus heraus. Das muss Gottes guter Geist uns schenken. Das ist die innere Klarheit des Wortes Gottes. Doch wer sich von diesem Wort nun angesprochen fühlt, der darf sicher sein: Da ist Gottes guter Geist bei mir am Werk. Hören wir also auf dieses Wort, denn Gott öffnet Ohren, Herz und Sinne.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 29. Juli 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    im Losungsvers heute wird Hiob zitiert, der in seinem Leben viel Leid erfahren hat. Hiob sagt: „Ich bin nackt von meiner Mutter Leibe gekommen, nackt werde ich wieder dahinfahren“ (Hiob 1,21)

    Drei Gedanken dazu:

    1) Jeder weiß, dass Hiob recht hat: Ohne alles sind wir auf die Welt gekommen und ohne alles werden wir sie wieder verlassen. Darin sind sich alle Menschen gleich, unabhängig von Geschlecht, Nationalität, Familie und sonstiger Herkunft. Ganz gleich, wie viel Besitz wir anhäufen können und wie viel Reichtum – am Ende unseres Lebens lassen wir ihn zurück. Das letzte Hemd hat keine Taschen, weiß der Volksmund.

    2) Wir leben trotzdem anders. Einerseits wird jeder der Erkenntnis des Hiob zustimmen. Andererseits – und hier möge sich jeder selbst prüfen und nicht an andere denken – setzen wir eine Menge Kraft und Energie eben für Dinge ein, die wir am Ende unseres Lebens zurücklassen werden. Wir leben eben vielfach doch so, als ob es auf möglichst viel Besitz, Macht, Einfluss und Ehre ankommen würde.

    3) Immer wieder umdenken und neu denken. So sind wir Menschen halt, wird mancher sagen, wir sind eben nicht konsequent. Wir wissen zwar, auf was es eigentlich ankommt, tun aber doch oft dann das andere. Ja, das stimmt. Und wir sollten dafür auch weder andere noch uns selbst verurteilen. Wir sollten unsere allzu menschlichen Verhaltensweisen aber auch nicht als billige Ausrede nehmen, uns nicht selbst immer wieder auf den Prüfstand zu stellen und uns zu fragen: Ist das, was ich in meinem Leben an die erste Stelle setze, wirklich so wichtig? Ist das, worauf ich Zeit, Kraft und Energie verwende, wirklich es wert, wenn ich mir vorstelle, ich bin am Ende meines Lebens und blicke zurück? Wir brauchen diese Fragen auch nicht nur allein für uns beantworten – das Gespräch mit anderen hilft uns – und das Gebet. Mit einem solchen von Peter Strauch schließe ich:


    Herr, du gibst uns Hoffnung,

    du änderst unser Leben.

    Großes wird groß, Kleines wird klein.

    Du willst uns gestalten,

    uns Geist und Leben geben.

    Herr, wir brauchen dich!

    Du lässt uns nicht allein.

     

    Du weißt, wie oft mir mutlos sind,

    wie die Angst gewinnt

    und uns jede Hoffnung nehmen will.

    Doch deine Liebe ist so groß

    und lässt uns nicht los.

    Bei dir werden alle Ängste still.

     

     

    Wir sind gefangen in der Welt,

    halten, was nicht hält

    und begreifen nicht, wie groß du bist,

    dass du dich Herr und König

    nennst und dass du uns kennst,

    dass dein Plan für uns schon fertig ist.

     

    Wie oft verträumen wir

    die Zeit und sind nicht bereit,

    als Gesandte in die Welt zu geh’n.

    Herr, der du deine Kraft verheißt:

    Füll uns mit dem Geist,

    lass ihn neu durch unser Leben weh’n.


    Amen

    Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Tag, Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für Dienstag, 28. Juli 2020

    Bis hierher hat uns der HERR geholfen.                                                               1. Samuel 7,12

    Der Prophet Samuel richtet ein Denkmal auf. Nicht aus Holz, das verrottet; nicht aus Eisen, das verrostet, sondern aus Stein, damit es stehen bleibt. »Eben-Eser« nennt er dieses Steindenkmal: Stein der Hilfe heißt das übersetzt. Vorausgegangen war eine notvolle Zeit für das Volk Israel. Sie waren nicht mehr die Herren im eigenen Land. Die Philister in der Küstenebene machten ihnen das Leben schwer. In der Geschichte Gottes mit seinem Volk gab es viel auf und ab. Dort, wo sie sich Gott zuwandten, wo sie sich zu ihm bekehrten und nach ihm fragten, da erlebten sie seine Hilfe. Doch dort, wo sie sich von ihm lösten und meinten, ihre eigenen Herren zu sein – ohne Gott, da ging es bergab. So auch hier: Die Philister, die Feinde, wurden immer mächtiger und die Not für Israel immer größer. Bis Samuel sie zur Umkehr auffordert, zur Bekehrung. Und tatsächlich: Die Menschen hören auf ihn, werfen ihre fremden Götter weg, bekennen ihre Sünde und wollen von nun an wieder ganz zu ihrem Gott gehören. Sie tun das in einer festlichen Versammlung.

    Als die Philister von der Versammlung hören, riechen sie Gefahr. Sie fackeln nicht lange, sondern ziehen mit einem mächtigen Heer los, um den Leuten da oben in den Bergen zu zeigen, wer der Herr im Haus ist. In der Festversammlung macht sich die Furcht breit – und die Entschlossenheit: Wir wollen zum HERRN, unserem Gott schreien. Er muss uns helfen. Und während Samuel opfert und betet, kämpft Israel – und Gott kämpft mit. Die Philister werden geschlagen, fliehen und kommen für lange Zeit nicht mehr ins Gebiet Israels. Und Samuel richtet an der Stelle, wo sie Gottes Hilfe erlebt haben, eben dieses Steindenkmal auf und spricht dazu: Bis hierher hat uns der HERR geholfen.

    Nun steht es da – dieses Denkmal – und erinnert Israel sooft sie vorübergehen: Gott ist ein Gott, der hilft. Gott ist ein Gott, der rettet. Der, der uns bisher geholfen hat, der wird uns auch ferner helfen. In unseren Kirchen und auf vielen Kirchtürmen steht das andere große Denkmal der Hilfe Gottes: Das Kreuz von Jesus Christus. Gott hilft – bis hierher und noch viel weiter.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 27. Juli 2020

    Der HERR gibt Weisheit, und aus seinem Mund kommt Erkenntnis und Einsicht.            Sprüche 2,6

    Mit zunehmendem Alter sammeln wir Menschen Lebenserfahrung. Doch nicht immer gelingt es uns, die Lebenserfahrung in Lebensweisheit umzumünzen. Weisheit – das ist eine Haltung, die besonnen ist, die abwägen kann, die sich der Tragweite von einzelnen Entscheidungen bewusst ist, sie richtig einordnen kann und dann zu guten Entscheidungen kommt.

    In unserer Losung werden dem Wort »Weisheit« die Worte »Erkenntnis« und »Einsicht« an die Seite gestellt. Wer wünscht sich all das nicht! Das ist doch ganz klare Lebenshilfe. Wer so mit Weisheit, mit Erkenntnis und mit Einsicht beschenkt ist, der handelt im wahrsten Sinne des Wortes klug, einsichtig, weise.

    Nun werden uns in unserer Tageslosung aber – Gott sei Dank – nicht nur diese schönen Lebenswerte vorgestellt, sondern da wird uns auch gesagt, wo es das gibt. Bei Gott, beim HERRN, bei unserem Schöpfer.

    Lebensratgeber, Glücksbücher gibt es en masse. Das Sprüchebuch ist überzeugt: Wer sich an Gott hält, wer auf das hört, was Gott zu sagen hat – für uns heute: das, was in der Bibel aufgeschrieben ist – der hat eigentlich schon genug. Und wer Gott bittet, dass er ihm Weisheit schenkt, der findet in Gott den, der gerne gibt – so heißt es im Lehrtext zur Losung aus Jakobus 1. Auf Gott sich ausrichten – das ist der beste Weg zur Weisheit. Die Furcht des HERRN ist der Weisheit Anfang – das ist einer der Schlüsselverse im Sprüchebuch. Und wenn wir an Lebensratgeber denken – da haben wir ganz naheliegend Gottes Gebote. Gottes gute Lebensordnungen. Wir tun gut daran, sie zu hören, sie zu bedenken und vor allem, sie zu befolgen. Das ist Lebensweisheit pur – und vor allem: Das ist Lebensweisheit ganz konkret.

    Immer wieder sind wir herausgefordert: Gott zu vertrauen – seiner Weisheit zu vertrauen. Mehr als unserer Intuition; seinem Wort mehr zu folgen als unseren eigenen Gedanken; und seinen Geboten mehr zuzutrauen als dem, was scheinbar alle anderen für richtig halten. Ich bin mir sicher: Das ist auch für uns der Schlüssel zur Weisheit.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 20.07. bis 26.07.

  • add Andacht für den 7. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest, 26. Juli 2020

    So sind wir nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.                                                                                                                            Epheser 2,19

    Was für ein Unterschied. Bei Gott haben wir nicht nur Gastrecht, sondern Hausrecht! Gäste bleiben nicht – sie gehen wieder. Doch unser Gott hat mehr, viel mehr für uns bereit.

    Wir müssen keine Zaungäste bei Gott bleiben: Zaungäste bei Gott, die lehnen Gott nicht ab, sie haben ab und zu durchaus Interesse – aber eben nicht mehr. Zwischen Gott und uns steht der Zaun der Sünde – überwunden wird er nicht durch uns – sondern nur durch Jesus, der für uns gestorben ist. Gott will und Gott kann: Aus Zaungästen sollen Hausgenossen werden. Jesus hat alles dafür getan.

    Wir müssen auch keine Kurgäste bei Gott bleiben: Es gibt die „Ab-und-Zu-Christen“. Sie kennen sie gut, die Situationen, in denen sie Gott brauchen, in denen sie beten, in denen sie froh sind, dass er da ist. Wie gut, dass Gott in seiner Güte uns alle bei sich Platz und Trost finden lässt, wenn wir es nötig haben. Doch Gott ist mehr als der Versorger, der Beschützer. Er will unser Vater sein – wir sollen ganz zu seiner Familie gehören. Er will uns nicht nur etwas geben. Er will uns sich selber geben. Und er will nicht nur etwas von uns haben, sondern er will uns selber haben.

    Und wir müssen auch keine Dauergäste bei Gott bleiben: Es gibt sie, die Menschen, die vielleicht in großer Treue zum Gottesdienst kommen oder zu Veranstaltungen der Gemeinde – und doch nicht ganz zu Gott gehören. Gott hat viel mehr für uns bereit – eine ewige Heimat, eine ewige Geborgenheit bei ihm.

    In Jesus macht Gott aus Fremdlingen Gottes Hausgenossen. Durch ihn macht er aus Gottlosen Gottes geliebte Kinder. Da nimmt er uns alles ab, was uns von Gott trennt. Da schafft er Frieden zwischen Gott und uns – und ein ganz neues, vertrauensvolles Verhältnis. Das wünsche ich uns: Dass wir von Gott nicht mehr weggehen, sondern bei ihm bleiben, uns Tag und Nacht von ihm geborgen wissen – und wissen, dass wir einmal in seiner ewigen Heimat nie wieder fort müssen, sondern für immer bei ihm bleiben können.                                    

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Samstag, 25. Juli 2020 – Tag des Apostels Jakobus des Älteren

    Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße des Freudenboten, der da Frieden verkündigt, Gutes predigt, Heil verkündigt, der da sagt zu Zion: Dein Gott ist König!                     Jesaja 52,7

    Vom Fischerboot weg hat Jesus Jakobus berufen – zusammen mit seinem Bruder Johannes und dem anderen Brüderpaar Petrus und Andreas. Sie sind Jesus nachgefolgt und wurden seine Zeugen, seine Apostel. Ob an der Legende was dran ist, dass Jakobus nach der Himmelfahrt in Spanien als christlicher Missionar unterwegs war – oder ob an der Legende was dran ist, dass man nach seinem gewaltsamen Tod durch Herodes in Jerusalem, der ihn enthaupten ließ, seinen Leichnam auf ein Schiff ohne Besatzung gebracht habe, das später in Galizien, im Nordwesten Spaniens anlandete – das weiß ich nicht. Aber dass er ein Zeuge für Jesus Christus, für Gottes Sohn, und ein Zeuge des Evangeliums, der frohen Botschaft, der guten Nachricht schlechthin – das weiß ich.

    Gute Nachricht bringen zu dürfen – gibt es eigentlich etwas Schöneres? Schlechte Nachrichten, schreckliche Nachrichten gibt es genug in der Welt. Doch mit der Botschaft von Jesus Christus, der am Kreuz für uns starb und der den Tod besiegte und der alle Menschen einlädt zum Glauben an ihn, haben wir die beste nur denkbare Botschaft. Denn diese Botschaft verheißt Freude und Heil, nicht nur für einen kurzen Zeitraum, sondern für immer. Wer dieser Botschaft vertraut, der findet in Jesus Christus das ewige Leben.

    Freudenboten – das sollen und dürfen alle Christen sein. Botschafter des Evangeliums. Wie Paulus es bezeugt: Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.  20 So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott! 21 Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt. (2Kor 5,19-21). Das ist und bleibt die beste aller Nachrichten, die es je auf der Welt gegeben hat. Auch wir dürfen sie weitergeben und Freudenboten sein, die Gottes großen Frieden, Gottes großes Heil verkündigen und bezeugen: Dein Gott ist König!

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Freitag, 24. Juli 2020

    Ach dass du den Himmel zerrissest und führest herab!                                Jesaja 63,10

    Das ist ein Sehnsuchtsschrei. Es ist der Sehnsuchtsschrei letztlich aller Religionen: „Gott, wo bist du? Wir suchen dich! Wir erreichen dich nicht! Wir strecken unsere Hände voller Sehnsucht nach dir aus. Ach dass du den Himmel zerrisset und führest herab!“

    Das ist ein Schmerzensschrei. Ein Schrei aus dem Leiden heraus, dass wir so vieles nicht verstehen, nicht einordnen können, was passiert: In unserem Leben und in der Welt: „Warum lässt Gott das zu? Wenn er doch allmächtig und gütig ist, wieso dann dieses Leiden? Ach dass du den Himmel zerrissest und führest herab!

    Gott, der Schöpfer, der Allmächtige, der Ewige, der, den wir nicht erreichen können – den wir nicht sehen und niemals uns verfügbar machen können, nach dem wir uns aber sehnen – dieser Gott hat das Schreien gehört. Und er hat den Himmel zerrissen. Er ist herabgefahren – in Jesus Christus seinem Sohn.

    Gott wird Mensch. So nah kommt uns Gott. Er wird einer von uns. Er stellt sich an unsere Seite. Er nimmt die Last unseres Lebens auf sich. Er kann mitleiden. Er kann uns verstehen, weil er all das, was uns zu schaffen macht auch selbst durchgemacht hat. Und mehr noch: Er nimmt sogar das von uns auf sich, was wir anders nie losgeworden wären: Unsere Schuld, unsere Trennung von Gott. Er nimmt sie und trägt sie hinauf an das Kreuz, an dem er für uns stirbt.

    Jesus – das ist Gottes Antwort auf unsere Sehnsucht. Jesus – das ist Gottes Antwort auf unsere Schmerzen. Jesus – das ist Gottes Antwort auf alle Religionen, auf alle Versuche der Menschen, Gott zu verstehen oder Gott zu erreichen. In Jesus ist Gott da – und zeigt uns sein Gesicht voller Liebe und Erbarmen für uns. Ja, er will uns als seine Kinder haben – heute und für immer.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Donnerstag, 23. Juli 2020

    Ihr seid meine Zeugen, spricht der HERR!                                           Jesaja 43,10

    In einem Bahnhofsrestaurant saßen sich zwei Menschen gegenüber, die sich eigentlich nicht kannten. Im Gespräch stellte sich heraus, dass der ältere Pfarrer war und der jüngere Philosophiestudent in den ersten Semestern. Der junge Philosophiestudent erzählte wortreich von seiner atheistischen Weltanschauung und versuchte sie gegen alle Einwände und Bedenken des Pfarrers zu verteidigen.

    „Wieso soll es jemanden gegeben haben, der die Welt geschaffen hat? Wie wollen sie das beweisen? Alles, was wir wissen, ist, dass sie vorhanden ist. Solange wir nichts anderes sehen, müssen wir doch davon ausgehen, dass sie wahrscheinlich aus irgend etwas entstanden ist, ohne dass irgendeiner etwas dafür oder dagegen getan hat.“

    Der Pfarrer ließ sich durch den Redeschwall nicht von seinem schmackhaften Braten abhalten: „Eigentlich ausgezeichnet, dieser Braten“, meinte er. „Wirklich vorzüglich!“ stimmte der Student ihm zu, schob sich einen großen Bissen in den Mund und wartete, dass sein Gegenüber jetzt den Anlauf zu einer großen Gegenrede machen würde. Doch der fragte nur, als er sich den Mund mit der Serviette abtupfte: „Sagen Sie mal, glauben Sie eigentlich an einen Koch?“

    Ja, Gott ist unsichtbar. Aber Gott kann man erleben. Das Volk Israel hat Gott erlebt, die Jünger haben Gott erlebt und auch viele von uns haben erlebt: Gott ist dabei in meinem Leben. Es hat unserem Gott nun mal gefallen, dass Menschen ihn bezeugen sollen. Menschen, die etwas mit ihm erlebt haben. Das adelt uns, Gottes Zeugen sein zu dürfen. Doch es überfordert uns nicht. Denn wir müssen ja nicht irgendetwas bezeugen, sondern nur das, was wir selbst erkannt, erlebt und erfahren haben: Dass Gott für uns da ist – oder wie es bei Jesaja in der Fortsetzung heißt: Vor mir ist kein Gott gemacht, so wird auch nach mir keiner sein. Ich, ich bin der HERR, und außer mir ist kein Heiland. Das reicht – mehr müssen wir nicht wissen. Aber das wollen und sollen wir bezeugen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 22. Juli 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    als Gärtner freue ich mich über den Lehrtext zur heutigen Tageslosung, weil es in den Sätzen aus Markus 4 um das Aussäen geht. Da sagt Jesus: „Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft und schläft und steht auf, Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst – er weiß nicht wie. Von selbst bringt die Erde Frucht.“

    Das Reich Gottes – das ist das, wonach wir uns sehnen, wo Frieden und Gerechtigkeit herrscht, wo Sünde und Tod nicht mehr herrschen. Das Reich Gottes beginnt schon heute, ehe es zu Gottes Zeit umfassende Wirklichkeit sein wird. Dass dieses Reich klein beginnt und erst mit viel Geduld und nach viel Zeit groß wird, macht das Bild vom kleinen Samenkorn deutlich, das ausgesät wird und anfängt zu wachsen. Erst unscheinbar, dann größer und größer, ehe es irgendwann zum großen Baum wird, in dessen Zweige Vögel und viele andere Tiere Heimat finden.

    Wie entsteht dieses Reich Gottes und was ist unser Job dabei, unsere Rolle, unsere Aufgabe? Da sind wir wie einer, der Samen ausstreut, erzählt unser kleiner Text. Wir dürfen ausstreuen, also einen kleinen Anstoß geben, der aber dennoch Großes bewirkt. Wo wir das Kleine tun, kann sich daraus durch Gottes Wirken das Große entwickeln. Hier ist der Impuls der Bibelworte: Mach dich und das, was du tun kannst, nicht klein. Sage nicht: das hat doch alles eh keinen Wert, was ich tue, ich sehe keinerlei Erfolg und wenn, dann nur minimal. Nein, sagt Jesus: Tu es, das Kleine, das Wenige, das du tun kannst. Streu den Samen aus!

    Der andere Impuls der Beispielgeschichte, die Jesus hier erzählt: Wir können wohl ein paar Samen ausstreuen. Aber dass dieser keimt und wächst und zur großen Pflanze wird, das wirkt Gott. Das Gedeihen Lassen übersteigt unser Vermögen - und das ist gar nicht schlimm. Im Gegenteil – es entlastet uns, es hilft uns, damit wir unseren Dienst fröhlich tun können. Die Verantwortung, dass aus dem ausgestreuten Samen eine Pflanze wächst, übernimmt Gott.

    In den Markusversen wird davon erzählt, dass der Aussäende auch schläft, also nicht nur aktiv ist. Das finde ich sehr schön und ermutigend! Wir dürfen aktiv sein, das uns Mögliche tun. Wir dürfen aber auch ruhen, neue Kraft schöpfen. Eben darin drückt sich unser Vertrauen aus, dass es Gott ist, der das Gedeihen schenkt!

    Ihnen und mir wünsche ich, dass wir die Samenkörner ausstreuen, die wir haben – und fröhlich und neugierig darauf warten, was Gott daraus wachsen lässt! Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für Dienstag, 21. Juli 2020

    Ich danke dem HERRN von ganzem Herzen und erzähle alle deine Wunder.      Psalm 9,2

    »Danken schützt vor Wanken und Loben zieht nach oben.« Es geht um Gottes Lob, das uns verändert. Der Psalmbeter David dankt Gott – und das verändert ihn: Ich freue mich und bin fröhlich in dir und lobe deinen Namen, du Allerhöchster so betet David weiter. Es ist gut, dass wir bei unserem Gott an der richtigen Adresse sind mit allem, was uns Not macht, was uns ängstigt und wo wir nicht weiter wissen. Wir dürfen kommen, bitten und flehen, klagen und auch jammern. David hat das übrigens auch getan.

    Doch es ist auch gut, dass wir bei unserem Gott an der richtigen Adresse sind mit allem, was uns freut und wofür wir danken können. Gott zu danken, ihn zu loben. Das tut so gut. Denn da wird unser Leben in der Beziehung zu Gott zu dem, wozu Gott uns eigentlich geschaffen hat: Dass wir mit Gott leben, von Gott abhängig sind, ihm vertrauen – und dabei froh und dankbar werden.

    Vielleicht hilft Ihnen ja auch der Tipp, den ich schon öfter gehört und auch weitergegeben habe: Es tut gut, am Abend nochmals zurückzudenken über den Tag und sich dann drei Dinge zu überlegen, für die ich Gott an diesem Tag ganz konkret danken möchte. Und das tue ich dann auch – im Gebet. Wenn Ihnen mehr als drei Dinge einfallen ist es auch nicht schlimm; genauso wenig, wenn sie mit dieser persönlichen »Dankliste« nicht bis zum Abend warten, sondern das jetzt gleich am Morgen tun. Gott danken – und von ihm erzählen, auch anderen gegenüber zur Sprache bringen, was er mir Gutes getan hat. Wo ich seine Hilfe erlebt habe. Das sollen und das dürfen wir. »Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über« Das soll auch von uns gelten – wo es um unser Verhältnis zu dem guten und treuen Gott geht, der für uns da ist und uns niemals loslässt.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 20. Juli 2020

    Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen und erzieht uns, dass wir absagen dem gottlosen Wesen.                                                                               Titus 2,11-12

    Gnade – das ist Zuwendung – ein freundliches Gesicht, das mich anschaut, ein verständnisvoller Blick – unverdient, unerwartet. Eine liebevolle Geste, ein gutes Wort, mit dem ich eigentlich nicht rechnen durfte – das ist Gnade: unverdiente Zusendung; eine Freundlichkeit und Güte, auf die ich kein Recht habe, die mir aber trotzdem entgegenkommt.

    So – sagt Paulus – so ist unser Gott. Mit offenen Armen kommt er uns entgegen. So sehr liebt er uns. Es hat ihn nicht im Himmel gehalten; es reicht ihm nicht, uns nur seine Liebe anzukündigen. Er selbst macht sich auf den Weg und kommt zu uns. Er macht sich ganz klein und wird selber Mensch – in Jesus Christus, dem Kind in der Krippe und dem Mann am Kreuz. Gottes Gnade ist erschienen, sie ist aufgegangen, sie hat Hand und Fuß bekommen. Wie Gott es im Tiefsten seines Herzens mit uns meint, das sehen wir in Jesus Christus.

    Zu ihm dürfen wir kommen, so wie wir sind. Er fragt nicht nach unserer Vergangenheit, er stellt keine Bedingungen: Mach erst mal… Werde erst mal… Er nimmt uns so an wie wir sind. Wir dürfen kommen wie wir sind. Aber wir müssen nicht bleiben, wie wir sind. Die Gnade Gottes will uns verändern, »erziehen« schreibt Paulus. Da soll sich etwas ändern. Was soll sich ändern? Einfach alles, was unser Leben ausmacht ohne Gott, von Gott losgelöst, oder wie Paulus es hier nennt: Das »gottlose Wesen«. Das kann unseren Egoismus meinen, unsere Sorge, zu kurz zu kommen; unsere Lieblosigkeit und Ungeduld; oder unsere Gier. All das ist doch letztlich Ausdruck eines Lebens, das nicht mit Gott, nicht mit einem liebevollen und fürsorgenden Vater im Himmel rechnet.

    Gottes Zuwendung ist da. Und sie geht auch nicht mehr weg. Jesus ist da. Und er lädt uns ein: Komm, geh mit mir, Schritt für Schritt. Lass dich von mir ziehen – lege ab, sage ab – du brauchst all das nicht mehr, was Menschen meinen zu brauchen, weil sie Gott nicht kennen. Denn du hast einen Vater im Himmel. Er sorgt für dich. Er ist da. Lebe von seiner Gnade, die heil macht und neu macht.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 13.07. bis 19.07.

  • add Andacht für den 6. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest, 19. Juli 2020

    Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?                                                                                                                            Psalm 8,5

    David, der Psalmbeter staunt. Er staunt über Gott. Über den großen und mächtigen Gott: HERR, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen, der du zeigst deine Hoheit am Himmel. David staunt über den Gott, der die ganze Welt, ja den Himmel und das ganze Universum geschaffen hat: Ich sehe den Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast. So groß ist Gott, so stark, so mächtig. So herrlich und unendlich.

    David staunt weiter. Nun schaut er von den Weiten des Weltalls auf die Erde und auf uns Menschen, auf sich, auf dich und mich: Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? David ahnt: Dieser große, mächtige Gott, der das ganze Universum geschaffen hat, der ist auf uns Menschen eigentlich doch nicht angewiesen. Der könnte doch alles machen, was er will. Er bräuchte uns nicht. Und doch will er nicht ohne uns sein. Und doch will er mit uns leben. Und doch will er an uns denken; und doch will er uns annehmen und mit uns leben.

    Das ist das große Wunder, über das David staunt: Was unsere Würde als Menschen ausmacht, das ist nicht unsere Denkfähigkeit, nicht unsere Willenskraft, unsere Phantasie, mit der wir die Welt gestalten und verändern. Was unsere Würde ausmacht und was sie unverlierbar und unauflöslich macht ist, dass Gott uns als sein Gegenüber haben will. Dass Gott uns geschaffen hat zu seinem Bilde – als Gegenüber, das mit ihm in Beziehung treten kann und soll. Als Geschöpf, das Gott ansprechen kann und das ihm voller Vertrauen Antwort gibt und mit ihm lebt. Das macht unsere Würde aus, dass Gott an uns denkt – und dass er uns annimmt. Darum ist sie unabhängig von allen Fähigkeiten, die ein Mensch hat. Darum bestimmt unseren Lebenswert nicht, was wir leisten oder noch leisten können, sondern Gottes Liebe und Sehnsucht nach uns – von Ewigkeit her und in Ewigkeit.

    Gott denkt an uns, Gott nimmt uns an – in Jesus Christus gilt uns das in ganz besonderer Weise. Da sehen wir die tiefen und sehnsuchtsvollen Gedanken Gottes nach uns und da sehen wir, wie er uns annimmt – voraussetzungslos und bedingungslos. Ja, auch wir dürfen einstimmen in dieses Lob und in das Staunen: Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Namen in allen Landen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Samstag, 18. Juli 2020

    Gott spricht: Auch künftig bin ich derselbe, und niemand ist da, der aus meiner Hand erretten kann. Ich wirke, wer will’s wenden?                                                                Jesaja 43,13

    Mitten in der Corona-Krise wurde deutlich unterschieden in »systemrelevant« und »nicht system­relevant«. Mit anderen Worten: Was ist jetzt wichtig, was oder wen brauchen wir jetzt unbedingt – und worauf können wir verzichten. Natürlich kann und muss man über solche Grenzziehungen diskutieren: Passt das? Stimmt das so wirklich? Haben wir wirklich alles bedacht?

    Und vielleicht fragt auch jemand: Ist Gott eigentlich »systemrelevant«? Viele Menschen haben Gott ja längst abgeschrieben und leben ihr Leben ohne ihn – und sind der Überzeugung, dass das ganz gut funktioniert. Brauchen wir Gott überhaupt noch?

    Damals, zur Zeit Jesajas mischte sich Gott in die Debatte ein, die ja schon seit Menschengedenken geführt wird: Brauchen wir Gott? Ich, ich bin der HERR, und außer mir ist kein Heiland heißt es im Vers 11 und im V. 13, unserer Lösung: und niemand ist da, der aus meiner Hand erretten kann. Ich wirke, wer will’s wenden?

    Ich glaube, dass die Frage nach dem »systemrelevant« für Gott nicht passt. Gott ist doch nicht in dem Sinn Teil unseres menschlichen Systems, unserer Gesellschaft, dass er darin aufgehen würde und wir ihm nur so begegnen könnten. Nein, Gott ist viel größer. Gott steht vor und neben und über und hinter all den Systemen, die wir Menschen uns für unser Zusammenleben erdenken. Er ist der, der unser Leben – und damit unsere Lebenssysteme – erst ermöglicht.

    Viel wichtiger als die Frage nach dem, was »systemrelevant« für eine menschliche Gesellschaft ist, ist die Frage, ob wir mit Gott rechnen, der jenseits all unserer Systeme, die kommen und gehen, derselbe bleibt. Ob wir mit dem Gott rechnen, der größer und stärker ist als alles, was uns bedrohen kann und der größer und stärker ist auch alles, was wir meinen, dass es uns beschützen kann. Er jedenfalls mischt sich ein. Er stellt sich uns als der Gott vor, der mit uns in Beziehung treten und leben will. Er ist der, der versprochen hat, unser Gebet zu hören und sich unser zu erbarmen. Diesem starken Gott, der noch viel größer und stärker und mächtiger ist, als wir es uns je denken und vorstellen können, dürfen und wollen wir vertrauen. Denn dazu hat er uns erschaffen: Dass wir mit ihm leben – gehalten, getröstet. Und mit ihm die Dinge in unseren Systemen anpacken, an denen wir arbeiten sollten.

    Pfarrer Andreas Streich

     

     

  • add Andacht für Freitag, 17. Juli 2020

    Der HERR, euer Gott, ist der Gott der Götter und der Herr der Herren, der große, starke und furchtbare Gott, der kein Ansehen der Person kennt und keine Bestechung annimmt.

    5. Mose (Deuteronomium) 10,17

    Ich erinnere mich noch an eine Fahrstunde, bei der mir der Fahrlehrer eine wichtige Erkenntnis mit auf den Weg gab – eigentlich für’s Autofahren gedacht – aber übertragen auch für unser ganzes Leben hilfreich: »Wo du hinschaust, dorthin lenkst du auch – ob du willst oder nicht.« Da ist was dran. Vor allem bei Fahranfängern. Und da ist auch was dran in unserem Leben. Worauf achten wir, wo schauen wir hin; worauf richten wir uns aus?

    Diese Frage stellte sich auch dem Volk Israel – und Mose gibt ihnen die Antwort: Die Lebensaus­richtung muss zu Gott hin sein. Zu ihm hin und mit ihm sollt und dürft ihr unterwegs sein. Er ist Gott – und außer ihm gibt es keinen anderen. Hier wird Gott, der HERR, vorgestellt als »Gott der Götter« In Ägypten waren den Israeliten viele Götter und Götzen begegnet. Im Grund hat sich bis heute daran nicht viel geändert. Martin Luther definierte: »Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott!« Götter in diesem Sinne können viele Namen haben: Geld, Erfolg, Vergnügen, Wellness, Familie…

    Was schützt uns davor, dass all die Dinge, die wir gern haben – und die ja auch erstrebenswert und wünschenswert sind – für uns nicht zu Göttern werden, weil wir unser Herz an sie hängen? Mose gibt die Antwort: Der Blick auf Gott, auf den großen und starken und furchtbaren Gott wie er ihn hier nennt. Vor diesem Gott sind wir alle gleich. Wirkliche Gerechtigkeit gibt es nur bei ihm. Da zählt kein Ansehen der Person und wir können ihn auch nicht – durch was auch immer – bestechen.

    In Jesus Christus ist dieser starke und große Gott Mensch geworden und hat uns seine Liebe bewiesen. Wir dürfen mit ihm rechnen. Wir dürfen mit ihm leben. In Jesus nimmt er unsere Schuld auf sich. Er will nicht verurteilen, er will entlasten, befreien, vergeben. Ja, es lohnt sich, sich immer wieder – jeden Tag neu – ganz auf diesen großen, starken und furchtbaren Gott auszurichten. In Jesus nimmt er uns die Furcht und lässt uns als seine Kinder leben.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • add Andacht für Donnerstag, 16. Juli 2020

    Jesus spricht: Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten.

    Johannes 4,14

    Mitten am Tag, zur heißesten Zeit, sitzt Jesus an einem Brunnen. Eine Frau, eine Samariterin, kommt, um Wasser zu holen. Jesus bittet sie: Gib mir zu trinken. Und dann entsteht ein Gespräch, in dem deut­lich wird: Es gibt einen Durst nach Leben, einen Lebensdurst, der viel tiefer geht als das körper­liche Durstgefühl. Während es bei uns auch im Sommer immer wieder regnet, herrscht in Israel ein sommertrockenes Klima. D.h. es regnet in den Sommermonaten Juni bis August überhaupt nicht. Jeden Tag blauer Himmel und Gluthitze. Da bekommt Wasser noch einmal einen ganz anderen Wert. Wasser ist lebens-, ja überlebenswichtig.

    Doch es geht eben um diesen tieferen Durst, den Lebensdurst, der sich mit Quellwasser, Bodenseewasser oder Mineralwasser eben nicht stillen lässt. Es geht um den Durst nach einem erfüllten Leben, nach einem Leben, das mehr ist, das tiefer ist, das weiter reicht als all das, was wir uns selbst in diesem Leben erarbeiten, nehmen oder gönnen können.

    Jesus macht unmissverständlich deutlich: Es gibt dieses Lebenswasser. Nicht überall, sondern nur bei ihm. Und es macht die Seele satt. Es ermöglicht ein erfülltes Leben. Heute schon hier und bis in Ewigkeit. Da bei ihm, und nur bei ihm, da gibt es lebendiges Wasser. Da bei ihm und nur bei ihm wird unsere Seele ruhig. Christa von Viebahn, die Gründerin der Aidlinger Diakonissen, drückte ihre Sehnsucht nach erfülltem Leben so aus: »Ich hatte Durst nach Gott!« Wohl uns, wenn wir wissen, wo unser Lebensdurst gestillt wird – da bei Jesus Christus. »Ach sucht doch den, lasst alles stehn, die ihr das Heil begehret.« Übrigens: Die Geschichte dort am Jakobsbrunnen vor den Toren der Stadt Sychar endet im Johannesevangelium so, dass die Frau tatsächlich den Krug stehen lässt, in die Stadt geht, und den Leuten dort berichtet, dass sie Jesus gefunden hat, den, der ihren und unseren Lebensdurst stillen kann.

    Pfarrer Andreas Streich  

  • add Andacht für Mittwoch, 15. Juli 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    In eines Mannes Herzen sind viele Pläne; aber zustande kommt der Ratschluss des Herrn. So heißt es in Sprüche 19,21, dem Bibelvers, der Tageslosung für den heutigen Mittwoch. In eines Mannes Herzen sind viele Pläne; aber zustande kommt der Ratschluss des Herrn. Selbstverständlich gilt das auch für jede Frau. Der Volksmund kennt diese Erkenntnis auch, wenn er sagt: Der Mensch denkt und Gott lenkt.

    Wir können viel planen, aber oft kommt es dann doch ganz anders. Stimmt das? Hätte man dazu vor der Coronazeit Leute befragt, ob sie diesen Satz für richtig halten und jetzt nach der Coronawelle nochmals gefragt – vermutlich würde die Zustimmung nun deutlich höher ausfallen. Denn eben das haben wir in den letzten Monaten lernen müssen: Viele unserer Pläne sind ins Wasser gefallen. Ob Urlaubsreisen in ferne Länder, die schon lange vorbereitet waren oder auch Familienfeste wie Hochzeiten oder Konfirmationen – die Krankheitswelle sorgte dafür, dass viele Pläne Makulatur wurden. Besonders bitter für manch engagiertes Unternehmen, das mit einem viel schwieriger als erwarteten wirtschaftlichen Umfeld zurechtkommen muss und das vielleicht gar nicht schafft.

    In eines Mannes Herzen sind viele Pläne; aber zustande kommt der Ratschluss des Herrn. Die große Frage ist: Wie gehen wir mit dieser Einsicht um? Empfinden wir sie als bedrohlich, weil ein anderer für uns entscheidet, weil ein anderer aus unserer Sicht vielleicht mutwillig unsere Pläne durchkreuzt, in unser Leben eingreift? Werden wir fatalistisch, gleichgültig, weil wir sagen – ich brauche sowieso nicht planen, es kommt, wie es kommt? Oder ist diese Erkenntnis, dass Gott die Dinge in der Hand hat, das Geschehen lenkt, ein Vertrauenssatz für uns?

    Dann lautet dieser Vers in eigenen Worten: Ich darf mein Leben planen, mir Ziele setzen, ja, das gehört zu einem verantwortlichen Leben auch unbedingt dazu. Aber ich bin mir meiner Begrenztheit bewusst. Ich weiß ja nicht, ob meine Pläne auch dann noch gut sind, wenn die Zukunft eine andere ist, als ich sie jetzt sehe? Ob ich alle Umstände berücksichtigt habe? Ob meine Vorhaben für mich und andere tatsächlich das Beste sind? Ja, wir dürfen planen, sind aber gleichzeitig eingeladen, darauf zu vertrauen, dass ein anderer mit viel weiterem Horizont letztendlich entscheidet, was werden wird. Einer, der es im Tiefsten gut mit uns meint. Also: planen – und vertrauen.

    Ihnen und mir wünsche ich das nötige Vertrauen zu dem, der unseren weiteren Weg begleitet. Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für Dienstag, 14. Juli 2020

    Man wird wieder hören den Jubel der Freude und der Wonne, die Stimme des Bräutigams und der Braut und die Stimme derer, die da sagen: »Danket dem HERRN Zebaoth, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.«                                                Jeremia 33,11

    »Hochzeit« das hatte wohl zu allen Zeiten einen besonderen Klang. »Hochzeit« - das bedeutet: Freude, Jubel, Wonne. Da erleben wir das Leben von seiner schönsten Seite. »Hoch-Zeit« eben – im wahrsten Sinne des Wortes. Der Prophet Jeremia malt mit Worten den Menschen seines Volkes vor Augen, was Gott an Gutem vorhat. Er musste ihnen auch Schweres ankündigen. Gottes Strafgericht über ihre Sünde. Zu Lebzeiten Jeremias wurde Jerusalem von den Feinden erobert, das kleine Land Juda überrannt und die Selbständigkeit endete im Exil in Babylon. Der Tempel wurde zerstört – die Städte lagen öde und brach. Kein Leben, keine fröhlichen Lieder.

    Doch unser Gott ist der Gott des Lebens und der Meister der Freude. Darum kann und soll das Elend und die Öde nicht das Letzte sein. Gott fängt noch einmal ganz neu an. Einen stärkeren Kontrast zu dieser Öde als das fröhliche Bild einer Hochzeit gibt es wohl nicht. Im selben Kapitel wird Jeremia im Auftrag Gottes dann auch einen »gerechten Spross Davids« ankündigen, einen Messias, der ganz anders ist. In Jesus Christus ist diese Verheißung in Erfüllung gegangen. Jesus Christus ist der »gerechte Spross Davids« und Jesus Christus ist der Bräutigam. Dieses Bild greift er selbst auf – für das Ziel, das Gott mit uns hat. Er möchte sich mit uns verbinden – für immer. Wie Braut und Bräutigam. Gottes Heil – durch Jesus Christus wird es uns zuteil. Die Gemeinde Jesu Christi ist die Braut – und er ist der Bräutigam. Auf ihn warten wir. Er hat versprochen wiederzukommen. Mit ihm rechnen wir. Und auch uns gilt, was Jeremia seinem Volk verkündigte: Man wird wieder hören den Jubel der Freude und der Wonne, die Stimme des Bräutigams und der Braut und die Stimme derer die da sagen: »Danket dem HERRN Zebaoth, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.«

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • add Andacht für Montag, 13. Juli 2020

    Pflüget ein Neues, solange es Zeit ist, den HERRN zu suchen, bis er kommt und Gerechtigkeit über euch regnen lässt!                                                                Hosea 10,12

    Etwas ganz neu anfangen dürfen – ist das nicht faszinierend? Wenn man voller Energie und Vorfreude in eine Aufgabe – oder in den Urlaub – starten darf? Hosea war als Prophet zu Israel gesandt. Vieles war in diesem Volk nicht so, wie es sein sollte. Vor allem hatten sie Gott, ihren Gott, der ihnen so viel Gutes getan hat, vergessen. Sie lebten ihr Leben ohne ihn. Ohne ihn, den Schöpfer. Wenn wir Gott, der uns geschaffen hat, aus unserem Leben verbannen, dann wird es früher oder später zwangsläufig schief. Auch im Umgang miteinander.

    Gott gibt seine Menschen nicht auf. Er ermöglicht einen Neuanfang. Und dieser Neuanfang beginnt mit einer Umkehr zu ihm. Noch ist Zeit, noch schenkt Gott Raum zur Umkehr. Noch lädt er ein, dass wir mit ihm verbunden in ein ganz neues Leben eintreten. Pflügt ein Neues. Nicht mehr ohne ihn, sondern mit ihm.

    Die Botschaft des Hosea hat Gott in Jesus Christus bestätigt und ausgeweitet auf alle Menschen aus allen Völkern. Gott lädt alle ein: Pflügt ein Neues. Fangt noch einmal neu an! Nicht ohne mich, sondern mit mir. Lebt von dem, was ich euch schenke; lebt von meiner Vergebung; und lebt nach meinen Geboten, nach meinen guten Ordnungen für euer Leben und Zusammenleben. Sät Gerechtigkeit und erntet nach dem Maß der Liebe! Fordert Gott durch Hosea im ersten Teil des Verses aus dem unsere Losung ist, auf. Noch ist Zeit, Gott zu suchen. Noch ist Zeit zur Umkehr. Doch – das schwingt in diesen Worten mit: es gibt auch ein »zu spät«, man kann die Chance zum neuen Pflügen, zum neuen Leben auch verpassen. Aufschieben ist gefährlich. Was Gott mir heute zeigt, wozu er mich heute einlädt, das will ich auch tun und umsetzen. Denn mit ihm und bei ihm wird mein Leben heute zu dem, wie er – mein Schöpfer – es sich gedacht hat.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 06.07. bis 12.07.

  • add Andacht für den 5. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest, 12. Juli 2020

    Aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.

    Epheser 2,8

    Alle wesentlichen Dinge in unserem Leben können wir uns nicht erarbeiten oder verdienen, antrainieren oder machen. Nein, wir bekommen sie geschenkt: Unser Leben, unsere Gesundheit, unsere Fähigkeiten, unser Denkvermögen, gelingende Beziehungen  – alles Geschenk und unverfügbar. Wir können zwar etwas dafür tun, sie zu erhalten, auszubauen und zu pflegen. Aber ihrem Wesen nach sind und bleiben sie Geschenk.

    Und mit dem Glauben, mit der Beziehung zu Gott ist es auch nicht anders. Auch da wird uns alles geschenkt. Gottes Gabe ist es – nicht unsere Leistung, nicht unsere Klugheit und Intelligenz. Gott hat uns gesucht und gefunden in Jesus Christus. Die Initiative geht ganz allein von Gott aus. Er wendet sich uns zu – das bedeutet Gnade: unverdiente Zuwendung. Er hat Erbarmen mit uns. Er liebt diese Welt, die sich von ihm losgesagt hat. Er sendet seinen Sohn. Er ist in Christus, als er am Kreuz für unsere Schuld stirbt. Er nimmt uns unsere Schuld und Verlorenheit ab. ER schenkt uns ein neues Leben. Er lässt uns mit sich leben. Und er weckt und ermöglicht in uns erst den Glauben. Geschenk – nichts als Geschenk. Zu den wesentlichen Dingen im Leben, die wir uns nicht selbst verdienen, nehmen oder erarbeiten können, gehört auch der Glaube, die Beziehung zu Gott.

    Die Einladung zum Glauben, der Ruf Gottes in den Glauben begegnet uns immer als Einladung, als Aufforderung, der wir Folge leisten sollen. Ja, wir sind gefragt, ja wir sind gefordert. Gott gibt sich auf die Einladung „Folge mir nach!“ nicht selbst die Antwort. Doch im Nachhinein erkennen wir: Es liegt nicht an unserer Entschlusskraft und Willensstärke – es liegt alles daran, dass Gott uns beschenkt. Leben wir doch jeden Tag neu als von Gott Beschenkte. Denn was er schenkt, das ist mehr als genug für uns.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Samstag, 11. Juli 2020

    Der Herr wird seinem Volk Kraft geben.                             Psalm 29,11

    In immer neuen Bildern zeigt David in diesem Psalm die Herrlichkeit und die unaufhaltsame Macht Gottes. Gottes Wort hat Macht, verändert alles. Am Ende stimmt der mächtigste König, den das irdische Israel je erlebte ein in den Lobpreis: Der Herr bleibt ein König in Ewigkeit. Im letzten Vers dieses Psalms, der dann unsere Losung für heute ist, zeigt David, was dies für Konsequenzen für Gottes Volk hat, wo sie ihm – wie alle himmlischen Mächte und alles im Tempel – die Ehre geben: Der HERR wird seinem Volk Kraft geben.

    Im ersten Moment würde ich gern nachfragen: David, was heißt das jetzt? Wie sieht das konkret aus, wenn Gott seinem Volk Kraft gibt? Auf mich übertragen: Womit darf ich in meinem Leben rechnen? Doch im nächsten Moment wird mir klar: Diese Frage ist überhaupt nicht angebracht. Gott wird Kraft geben – das reicht. Mehr brauche ich nicht, als diese Gewissheit: Gott ist da. Ich bin nicht auf mich allein gestellt. Wo der große, herrliche und mächtige Gott bei uns ist – da ist das genug. Da müssen wir nicht schon im Voraus im Detail wissen, wie er uns helfen wird. Er wird uns helfen – auf seine Weise und zu seiner Zeit. ER wird uns Kraft geben – auf seine Weise und zu seiner Zeit. Paulus hat ja ganz Ähnliches von Jesus selbst gehört, als er um Abhilfe bat, weil Satans Engel ihn mit Fäusten schlug: Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.

    Wie gesagt: Wie die Kraft genau aussehen wird, die Gott uns geben wird, das wird nicht beschrieben: Wie sie sich äußern wird, woran wir sie erkennen werden. Es reicht zu wissen, dass wir sie erleben werden und dass sie auch in uns mächtig werden wird. Mehr brauchen wir wirklich nicht.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Freitag, 10. Juli 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    unsre Gesellschaft erweckt mit vielem den Eindruck: wer jung ist, ist gefragt, wer alt wird, möge sich zurückziehen. Wer jung ist, blickt es – wer älter wird, ist nicht mehr auf der Höhe der Zeit, das wird zwar nicht immer laut ausgesprochen, ist aber doch oft spürbar. Das kann uns Ältere und erst recht die Alten prägen und verunsichern. Und wir fragen uns: was ist denn jetzt noch unsere Aufgabe in der Gesellschaft, in der Familie oder wo wir sonst mit Menschen zu tun haben?

    Der Bibelvers, der uns in den Herrnhuter Losungen heute begegnet, bringt uns da auf eine gute Spur. Der Vers aus Psalm 145 sagt: „Eine Generation rühmt der andern deine Werke, und deine mächtigen Taten verkünden sie.“ Da leuchtet auf, welche Aufgabe die vorangehende für die nächste Generation hat: Zu erzählen, in wie vielen Situationen sie Gott als Helfer erlebt hat, der auch in schwierigen Situationen durchgeholfen hat, zur Seite stand. Der Licht gewesen ist, wo alles nur dunkel schien. Den ich als guter Hirte erlebt habe, der für mich sorgt. Der mich immer wieder zurückgeholt hat, wo ich leichtsinnig oder mutwillig eher schwierige Wege gegangen bin.

    Davon den Jüngeren zu erzählen, das ist eine große und schöne Aufgabe, die viele Großeltern ja auch wunderbar bei ihren Enkeln erfüllen und das oft viel besser können als deren Eltern. Meine Großmutter hat uns als Kindern von viel erfahrener Hilfe in der Nachkriegszeit berichtet, in der sie vier Kinder ohne den im Krieg geblieben Ehemann versorgen und aufziehen musste. Ihre Fröhlichkeit hat glaubhaft gemacht, dass sie in kaum vorstellbarer Not durchgetragen wurde und nicht am Leben verzweifelte und nicht bitter wurde. Ich bin dankbar, dass sie das an uns, ihre Enkel, weitergegeben hat.

    Von Gottes gutem Handeln zu berichten, den Jüngeren Mut machen, ihm zu vertrauen und mit ihm den Weg zu gehen, das ist eine ganz große Aufgabe für die ältere Generation. Da geht es um viel mehr, als darum, eine nette Gutenacht- oder Unterhaltungsgeschichte zu erzählen. Da geht es darum, den Jungen und oftmals den ganz Kleinen schon das Wichtigste im Leben weiterzugeben – dass es sich lohnt, zu vertrauen, ihrem Schöpfer und Heiland. Ist das nicht klasse, dass uns Gott eine solch schöne Aufgabe gibt und zutraut?

    „Eine Generation rühmt der andern deine Werke, und deine mächtigen Taten verkünden sie.“ Dass Gott sie bei dieser Aufgabe segnet und fantasievoll macht, das wünsche ich Ihnen. Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für Donnerstag, 9. Juli 2020

    Der HERR ist deine Zuversicht.                                                 Psalm 91,9

    Das Wichtigste für unser Leben lässt sich ganz einfach zusammenfassen: Gott ist für uns da. Gott ist unser Schöpfer, Gott ist unser Ziel und Gott ist der, zu dem wir in allen Lagen fliehen können und dürfen. Wenn alle Wege verbaut sind, dann ist dieser eine Weg doch immer noch offen: Der HERR ist deine Zuversicht. Wenn kein Silberstreif mehr am Horizont zu erkennen ist, dann ist dieses Licht doch immer noch da: Der HERR ist deine Zuversicht. Wenn unsere eigene Kraft nicht mehr ausreicht und alle eigenen Wege zu Ende gegangen sind, dann steht immer noch da: Der HERR ist deine Zuversicht. Es gibt eine Zukunft, es gibt eine Zuversicht, es gibt eine Hoffnung, es gibt eine Zuflucht. So heißt es nämlich im 2. Teil dieses Verses: Der HERR ist deine Zuversicht, der höchste ist deine Zuflucht.

    Einen Hoffnungsanker brauchen wir, einen unerschütterlichen Zufluchtsort – weil in dieser Welt es nichts gibt, was wirklich als verlä

    sslicher Grund für unser Leben taugt. Die Corona-Krise hat uns gezeigt, wie zerbrechlich unser modernes Gesellschaftssystem ist. Was alles hat in der Krise nicht funktioniert, wo wir meinten, dass es doch eigentlich ein verlässlicher Standard ist: Die Kinder­betreu­ung, der krisensichere Arbeitsplatz, die Stabilität unseres Geldes und sogar die Versorgung von Klinik­personal mit Schutzausrüstung – war plötzlich nicht mehr selbstverständlich. Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Langzeitfolgen können wir noch gar nicht abschätzen. Das lateinische Wort »Firma« heißt eigentlich »Die Feste«. Doch wir haben erlebt, wie wackelig und eben nicht fest viele Firmen in der Krise sind.

    Gott ist da – gerade jetzt. Mit Gott dürfen wir rechnen. Nicht nur in der Krise, sondern an jedem Tag. Ihm wollen wir vertrauen und auf ihn schauen. Und nicht nur auf uns und unsere Möglichkeiten. Was für ein Trost, was für ein Halt, das zu wissen – und sich darauf verlassen zu dürfen -: Der HERR ist deine Zuversicht.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 8. Juli 2020

    Ich will auch hinfort mit diesem Volk wunderlich umgehen, aufs Wunderlichste und Seltsamste, dass die Weisheit seiner Weisen vergehe.                                                              Jesaja 29,14

    Gott ist ganz anders als wir denken. Gott lässt sich von uns mit unserem Verstand nicht erschließen und begreifen. Und Gott lässt sich schon gar nicht vor unseren Karren spannen. Immer wieder haben Menschen diese Erfahrung gemacht: Gott handelt wunderlich. Gott handelt seltsam. Gott macht es ganz anders als wir es dachten. Wir können es nicht erklären, wir können es nicht vorhersagen. Gott ist souverän. Gott ist Gott.

    Eigentlich beginnt der Losungsvers mit dem Wörtchen Darum… Und als Begründung für das darum geht voraus: Weil dies Wort mir naht mit dem Munde und mit seinen Lippen mich ehrt, aber ihr Herz fern von mir ist und sie mich fürchten nur nach Menschengeboten, die man sie lehrt, darum …

    Dass Menschen sich ihre eigene Lehre von Gott – das meint das Wort Theologie – zurechtlegen, wie sie sie gern hätten, das gab es zu allen Zeiten – bis heute. Wo das geschieht, da trifft die Religions­kritik eines Ludwig Feuerbach wohl zu einem guten Teil zu. Doch Gott lässt sich eben nicht in unsere Denkmuster und -vorstellungen einengen. Gott ist anders und Gott handelt anders.

    In Jesus Christus setzt Gott diesen wunderlichen Weg, den er bei Jesaja ankündigt fort. Jesus, der Messias kommt ganz anders, als viele es erwarteten. Da gab es Enttäuschungen bei Menschen. Und Gott rettet ganz anders, als wir es erwarten: Nicht durch einen Feldherrn, der siegreich seine Truppen von einem militärischen Erfolg zum nächsten führt. Nicht durch einen Politiker, dem die Massen nur so zulaufen. Sondern durch einen Gekreuzigten. Durch einen, der leidet, der stirbt, der ohnmächtig erscheint. Bis heute regt sich Widerstand gegen diese Theologie, gegen das Wort vom Kreuz. Weil es nicht passt. Paulus schreibt dort im 1. Korintherbrief, wo er unseren Losungsvers zitiert: Die Juden fordern Zeichen und die Griechen fragen nach Weisheit, wir aber predigen den gekreuzigten Christus, den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit; denen aber, die berufen sind, Juden und Griechen predigen wir Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit. Denn die Torheit Gottes ist weiser als die Menschen sind, und die Schwachheit Gottes ist stärker, als die Menschen sind. (1Kor 1,22-25).

    Ja, Gott macht es ganz anders. Geben wir doch unsere eigenen Erklärungsversuche auf und lassen wir uns von Gott zeigen, wie er wirklich ist – in Jesus Christus sehen wir ihm ins Herz.

    Pfarrer Andreas Streich  

  • add Andacht für Dienstag, 7. Juli 2020

    Am Wege saß ein blinder Bettler, Bartimäus, der Sohn des Timäus. Und als er hörte, dass es Jesus von Nazareth war, fing er an zu schreien und zu sagen: Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Und viele fuhren ihn an, er sollte schweigen. Und Jesus blieb stehen und sprach: Ruft ihn her!                                                                                                  Mk 10,46-48.49

    Da ist ganz offensichtlich einer in Sorge. In Sorge, dass er übersehen oder überhört wird. Und deshalb schreit er. Bartimäus, der einzige, den Jesus geheilt hat, dessen Namen in den Evangelien genannt wird. Sonst haben wir bei Geheilten höchstens den Namen des Vaters Jairus oder des Schwieger­sohns Petrus. Bartimäus war nicht zu überhören. Dass er so laut schreit, das ist Ausdruck seiner Hoffnung und seiner Erwartung.

    An dieser Geschichte werden gleich mehrere Aspekte des Glaubens deutlich. Zum Einen: Glaube ist immer ein Wagnis. Bartimäus tut, was man normalerweise nicht tut. Es war wohl gegen alle Konvention und gegen alle Norm. Aber Bartimäus schreit und er lässt sich nicht aufhalten. Nicht von denen, die ihn zum Schweigen bringen wollen. Es könnte unangenehm für ihn werden; er könnte eine Enttäuschung erleben. Aber er schreit. Glaube ist ein Wagnis. Und Bartimäus wagt es, sich mit allem, was er zur Verfügung hat, bei Jesus Aufmerksamkeit zu verschaffen.

    Glaube hat mit Hilfsbedürftigkeit zu tun. Bartimäus weiß: Jesus hat etwas, was ich mir selbst nicht geben oder nehmen kann. Ich brauche ihn, ich brauche seine Hilfe. Glaube will etwas empfangen. Mit dem Glauben geht einher, dass wir die Grenzen unserer eigenen Möglichkeiten erkennen und akzeptieren. Dass wir Gott bitten, uns zu helfen, weil wir seine Hilfe brauchen.

    Und Glaube hat schließlich mit Jesus Christus zu tun. Dem Sohn Davids. Wir wissen nicht, woher und was Bartimäus über Jesus gehört hat. Doch als er erfährt, dass es Jesus ist, der da an ihm vorüber­geht, da lässt er sich nicht mehr aufhalten. Jesus Christus – wahrer Mensch und wahrer Gott – das ist Gottes Retter nicht nur für Bartimäus, sondern für alle Menschen. Nicht alle haben ihn als Retter erkannt, manche wollten seinen Anspruch nicht gelten lassen und ihn töten. Doch Gott hat ihn als den bestätigt, der er ist: Als Sohn Davids, als den verheißenen König in Ewigkeit. Als den, dem nichts zu schwer ist. Als den Retter, den wir alle brauchen.

    Machen wir’s wie Bartimäus: Wagen wir es immer wieder mit unserer Hilfsbedürftigkeit von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all unserer Kraft an Jesus zu hängen und ihm zu vertrauen. Er möchte nicht nur Nothelfer sein – er will sich für immer mit uns verbinden.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 6. Juli 2020

    So fern der Morgen ist vom Abend, lässt er unsre Übertretungen von uns sein. Psalm 103,12

    Weiter geht’s nicht, als Morgen und Abend auseinanderliegen. Morgen – das ist der äußerste Osten, der Sonnenaufgang – und Abend der äußerste Westen, der Sonnenuntergang. Vom einen Ende des Horizonts bis zum Andern – und noch weit darüber hinaus. Das meint der Psalmbeter David mit dieser Wendung: Weiter geht’s nicht auseinander als der Morgen fern ist vom Abend.

    Doch es geht nicht um Geografie, sondern um unsere Schuld. David staunt über den Gott, der die Sünde vergibt. Bei dem wir nicht durch fromme Leistungen wieder gut zu machen versuchen müssen, was wir falsch gemacht haben. Den wir nicht durch irgendetwas gnädig stimmen müssten, sondern zu dem wir fliehen dürfen, zu dem wir kommen dürfen, gerade auch mit und in unserer Schuld: Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte heißt es nur wenige Verse vor unserer heutigen Losung. Der alle deine Sünde vergibt… so beschreibt David ihn bereits im Eingang des Psalms. Und genau das brauchen wir vor allem anderen: Dass Gott uns unsere Sünden vergibt, dass er unsere Übertretungen ausräumt. Dass er uns die Schuld abnimmt.

    Der Gott, den David besingt, ist in Jesus Christus selbst gekommen, um genau das zu tun, worum es in diesen Worten geht: Um unsere Schuld auf sich zu nehmen und sie auszuräumen. Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selbst… heißt es im 2. Korintherbrief. Da, in Jesus, da wird Gottes Hilfe, Gottes Erbarmen, Gottes Gnade ganz konkret, fassbar und erlebbar. Von dieser Vergebung, von dem was Gott in Jesus Christus für uns getan hat,

     dürfen und wollen wir leben. Von dem, dass er selbst alles ausräumt, was wir versäumt und verschuldet haben. Er entlastet, er befreit, er vergibt und er lässt uns neu anfangen.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 29.06. bis 05.07.

  • add Andacht für den 4. Sonntag nach Trinitatis, 5. Juli 2020 zur Tageslosung

    Freut euch und seid fröhlich im HERRN, eurem Gott.                                    Joel 2,23

    Der Prophet Joel malt den Menschen seines Volkes ein wunderbares Bild vor Augen. Ein Bild, wie ihr Leben aussehen soll. Wie Gott es sich gedacht hat – und wie es sein kann. Dort, wo Menschen ihm, ihrem Gott vertrauen. Glaube lässt sich nicht von uns machen – er ist Geschenk Gottes. Und doch begegnet uns in der Bibel die Sache mit dem Glauben in Form von Aufforderungen an uns. So auch in diesem Vers: Freut euch und seid fröhlich – das sind doch Aufforderungen. Und wenige Verse zuvor lässt Gott durch Joel sein Volk auffordern: Bekehrt euch zu mir von ganzem Herzen mit Fasten, mit Weinen, mit Klagen! Zerreißt eure Herzen und nicht eure Kleider und bekehrt euch zu dem HERRN, eurem Gott. Das ist der Schlüssel zur Freude: Umkehr zu Gott, Abkehr von den falschen Wegen. Abkehr von allen Wegen ohne Gott. Umkehr in die offenen Arme.

    Martin Luther hat das erkannt in den 95 Thesen, die als Auslöser für die Reformation gelten. In der ersten These heißt es: Wenn unser Herr Jesus Christus sagt: Tut Buße, dann will er, dass das ganze Leben eine Buße sei. Freude und Fröhlichkeit – das will Gott für uns. Aber nicht Freude und Lässigkeit ohne ihn, sondern »im HERRN, eurem Gott« betont Joel. Da ist der Lebensraum für uns. Da ganz nah bei ihm. Da – ganz eng verbunden mit ihm. Je mehr wir ihm vertrauen, je enger die Beziehung zu Gott ist, umso mehr wird uns diese Freude und Fröhlichkeit erfüllen, die sich eben nicht an den äußeren Umständen entzündet, sondern die in uns brennt – auch in äußeren Schwierigkeiten. »In dir ist Freude in allem Leide, o du süßer Jesus Christ« hat Cyriakus Schneegass gedichtet – und wir singen es bis heute nach.

    Wo Menschen Gottes Aufforderung – oder Gottes Einladung – Folge leisten (weil er es ihnen letztlich ermöglicht), da beginnt ein neues Leben. Da bekommt unser Leben eine andere Lebensqualität. Da erfüllt er uns mit seiner Freude. Nach Galater 5 ist sie eine Frucht des Geistes: Die Frucht des Geistes ist Liebe, Freude, Friede… Frucht, die Gott auch in unserem Leben wachsen lassen will.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Samstag, 4. Juli 2020

    Auf alle Gottesverheißungen ist in Jesus Christus das Ja: darum sprechen wir auch durch ihn das Amen. Gott zur Ehre.                                                                    2. Korinther 1,20

    Wer sich an einen festlich gedeckten Tisch setzen darf, der hat meistens gleich mehrere leere Gläser vor sich stehen. Vielleicht nicht alle werden im Lauf des Festmahls gefüllt werden – aber doch einige. Deshalb stehen sie da: Als Zeichen, dass es etwas Gutes zu erwarten gibt.

    Wer sich mit Gott einlässt, der erlebt ganz Ähnliches: Dass Gott uns sein Versprechen gibt, dass da noch etwas ganz Besonderes, etwas Gutes, Segensreiches für uns kommt. Noch haben wir es nicht. Noch haben wir nur sein Wort – doch Gott verspricht: Das geht in Erfüllung. Ihr werdet es erleben. Der Glaube ist nach dem Hebräerbrief eine feste Zuversicht auf das, was man hofft und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht (Hebr 11,1). So wie uns ging es bereits den Menschen, die sich im Alten Bund, im Alten Testament auf Gott eingelassen haben. Auch ihnen hat Gott Ver­heißungen, Zusagen, Versprechen gegeben. Er hat ihnen Gutes, Segensreiches in Aussicht gestellt.

    Und dann hat er es erfüllt. Dann wurden die Gläser an der festlichen Tafel gefüllt – gefüllt und erfüllt für den, der auf der Hochzeit zu Kana aus Wasser Wein gemacht hat: Jesus Christus. Gott sagt nicht einmal »Ja« und dann wieder »Nein«, Gott ändert seine Pläne nicht. Gott nimmt seine Zusagen nicht zurück. Gott sagt nicht »Vielleicht«. Gott sagt eindeutig »Ja« in Jesus Christus. »Ja« zu uns. Ja, er will uns haben. Ja, wir sollen zu ihm gehören. Ja, er will uns unsere Schuld vergeben. Ja, er nimmt uns an – ohne Vorbedingung. Ja, durch Jesus macht er uns zu seinen Kindern. Gott sagt »Ja« zu seinen früheren Zusagen. Gott erfüllt, was er verspricht.

    Und darum lohnt es sich, auf diesen Gott zu hören – und auf seinen Sohn, in dem Gott selbst zu uns kam, einer von uns wurde. Darum lohnt es sich, ihm zu glauben – auch wenn manche Verheißung auch für uns heute noch auf Erfüllung wartet. Was Gott verspricht, das geht in Erfüllung. Ganz gewiss. Darum: Glauben wir’s. Sagen auch wir »Amen«, d.h. »es gilt«. Wir werden nicht enttäuscht.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Freitag, 3. Juli 2020

    Deine Hände haben mich gemacht und bereitet; unterweise mich, dass ich deine Gebote lerne.

    Psalm 119,73

    Die beste Gebrauchsanweisung kommt vom Hersteller eines Produkts. Die klarste Erklärung eines Kunstwerks kommt vom Künstler, der es erschaffen hat. Der beste Hinweis zum Gebrauch kommt vom Erfinder. Denn keiner weiß besser Bescheid als der, der eine Sache gemacht hat. Nun geht es um unser Leben. Um uns Menschen. Unser Leben und v.a. auch unser Zusammenleben ist ein so komplexes Geschehen, dass die Menschen es bis heute nicht wirklich entschlüsselt haben. Nur ansatzweise, nur ganz vorsichtig an der Oberfläche gekratzt verstehen wir bis heute, wie menschliches Zusammenleben funktionieren könnte und wieso es nicht funktioniert. Den Großteil verstehen wir nicht. Deshalb sind Menschen nach wie vor unglücklich, gibt es Neid, Streit und Missgunst und zerbrechen menschliche Beziehungen – in der Familie, aber auch weltweit zwischen politischen Lagern und Ländern.

    Der Psalmbeter des 119. Psalms hat eine wichtige Erkenntnis gewonnen. Er hat die Antwort auf die Frage: Wo komme ich her? Nein, ich bin kein Produkt des Zufalls. Gott, das große „Du“, hat mich gemacht und bereitet: Deine Hände. Ich bin keine Massenware, ich bin Handarbeit. Ich bin wertvoll. Und ich bin gewollt. Da steckt ein Wille, eine Absicht dahinter, dass ich da bin – und zwar genau so wie ich bin. Es ist eine Lüge, wenn dir jemand einredet: Du bist nicht gut genug, du bist nicht schön genug. Gott hat dich gewollt, du bist von Gott geliebt – so wie du bist, weil er dich erschaffen hat.

    Nun tritt bei diesem Psalmbeter noch ein zweiter Gedanke zu diesem Wissen um Gott, den Schöpfer, der selbst Hand angelegt hat: Wenn er mich geschaffen hat, dann weiß er auch am Besten, wie mein Leben gelingt und was gut für mein Leben ist. Dann brauche ich seine Handlungsanweisung, seine Gebrauchsanweisung. Und er erkennt: Gottes gute Gebote – das sind keine Lebensbeschränkungen, sondern das ist die beste Gebrauchsanweisung für ein gelingendes Leben. Das ist Lebensermögli­chung. Und darum ist er begierig, sie zu lernen. Der Schöpfer selbst soll ihn unterweisen.

    An beidem hat sich durch die Jahrtausende bis heute nichts geändert. Wir sind immer noch Gottes Geschöpfe – genau wie der Pslambeter. Und immer noch gibt es keine bessere Lebensanleitung als Gottes gute Gebote. Lernen doch auch wir sie – und leben wir danach.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Donnerstag, 2. Juli 2020

    HERR, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen.       Psalm 8,2

    Der Psalmsänger David staunt über Gott. Das hebräische Wort im Urtext, das er zur Beschreibung Gottes gebraucht, heißt »groß, gewaltig« und kann sich auch auf Bäume, Schiffe, Könige oder Völker beziehen. Es kann »vornehm« oder »kostbar« bedeuten oder eben Gottes Majestät und Herrlichkeit beschreiben. Etwa im Psalm 76,5: Du bist herrlicher und mächtiger als die ewigen Berge. Oder im 93. Psalm: Die Wasserwogen im Meer sind groß und brausen mächtig, der HERR aber ist noch größer (oder: herrlicher) in der Höhe. Zweimal aber in der Bibel wird dieses Eigenschaftswort im Zusammen­hang mit Gottes Namen gebraucht: wie herrlich ist dein Name in allen Landen. In unserem Losungsvers aus dem 8. Psalm und im Schlussvers genau desselben Psalms, wo die Wendung aus der Losung wortwörtlich wiederholt wird. Der ganze Psalm ist also eingerahmt von diesem Staunen über den großen Namen Gottes.

    Der Name Gottes ist herrlich. Darüber staunt David. Darüber ist er froh und darüber lobt und preist David Gott. Der Name macht unverwechselbar. Und der Name macht ansprechbar. Wer den Namen eines andern nicht kennt, weiß nicht, wie er ihn erreichen kann. Auf Gott übertragen: Wer nur ahnt, dass da doch noch »mehr« sein muss als das, was wir an Sichtbarem und Erklärbarem in der Welt vorfinden, dass es da doch noch ein »höheres Wesen« geben muss, der tappt im Blick auf Gott noch im Dunkeln. Doch David weiß mehr. Er weiß nicht nur, dass Gott diese Welt geschaffen hat, er kennt auch seinen Namen. Denn Gott hat sich gezeigt, hat den Menschen seinen Namen dagelassen, damit sie ihn anrufen können. Damit sie eine klare Adresse haben, an die sie sich mit allem wenden können, was sie bewegt: Ihrer Freude, ihrem Dank, ihrem Lob – aber auch ihrer Not, ihren Sorgen und Ängsten. Gott ist ansprechbar. Gott ist erreichbar. Und Gott will in Beziehung zu uns treten: unser Herrscher nennt David ihn in diesem Vers. Es gibt viele Abhängigkeiten, in die Menschen geraten können, die nicht gut sind: Süchte, aus denen man nur schwer wieder rauskommt. Doch diese eine Abhängigkeit, die ist einzigartig gut für unser Leben: Dass Gott unser Herr ist. Dass wir zu ihm gehören und ihn über alle Dinge lieben, fürchten und ihm vertrauen.

    Es gibt eine Adresse, es gibt einen, bei dem unser Lob, unser Dank, aber auch unsere Sorge gut aufgehoben ist. Einer, der als guter Herr für uns sorgen will. In Jesus Christus hat dieser gute Gott uns sein Gesicht gezeigt und wie er es im Tiefsten seines Herzens mit uns meint. Seitdem ist es der Name Jesus – das heißt wörtlich: Gott rettet – den wir als herrlichen Namen preisen dürfen. Es gibt Rettung, es gibt Halt, es gibt einen, der uns nicht loslässt: Jesus ist sein Name. Er ist herrlich und sein Name ist herrlich – für uns und für die ganze Welt.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • add Andacht für Mittwoch den 1. Juli 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    heute beginnt ein neuer Monat und so wie die Herrnhuter Losungen für jeden Tag einen Bibelvers auswählen, genauer gesagt sogar zwei, nämlich die Losung aus dem Alten Testament und einen dazu passenden Vers, den Lehrtext, aus dem Neuen Testament, so gibt es auch für jeden Monat einen Vers aus der Bibel, der uns begleitet. Der Vers für Juli kommt aus dem ersten Buch der Könige und nimmt uns hinein in die Geschichte des Elia. Das war ein Mann, der im Auftrag des Herrn unterwegs war, im Auftrag des Gottes Himmels und der Erde. Das war immer wieder alles andere als einfach – Elia musste sich gegen die gottlose und oft auf den eigenen Vorteil bedachten Politik des Königs von Israel und seiner eigensüchtigen Frau stellen. Das Königspaar schreckte sogar vor Mord nicht zurück, wo Gegner nicht weichen wollten.

    Elia tritt dieser menschenverachtenden Politik entgegen, mutig und entschlossen. Er schwimmt damit gegen den Strom des Zeitgeists in Israel damals, er schaut nicht auf die Ansicht der Mehrheit, sondern auf das, was er vor Gott als richtig erkennt.

    Dieses mutige und entschlossene Eintreten ist auch für einen starken Charakter wie Elia nicht einfach. Es kostet ihn viel Kraft, Lebensmut und Freude. Es wird berichtet, wie er nach einem erfolgreichen öffentlichen Auftritt tief depressiv wird. Elia fühlt sich völlig am Ende, allein gelassen, ausgelaugt, am Ende aller Kräfte. Er ist unterwegs und so schmeißt er sich auf seinem Weg einfach unter einen Busch. Er ist so fertig, dass er sich wünscht, einfach nur sterben zu dürfen, damit aller Stress und alle Mühe ein Ende hat.

    In dieser Situation schickt Gott einen Engel zu ihm. Der hält dem Elia keine Predigt, sagt ihm keine frommen Worte, sondern – bringt ihm ein geröstetes Brot und einen Krug mit frischem Wasser. Elia isst und schläft und erholt sich. Dann kommt der Engel ein zweites Mal zu ihm und spricht den Elia an und das ist jetzt unser Monatsvers für Juli: Der Engel des Herrn rührte Elia an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir. (1. Kön. 19,7)

    Ist das nicht klasse? Der Elia meint, er sei am Ende. Gott sieht das anders. Er sorgt mit Essen, Trinken und Schlaf dafür, dass Elia wieder zu Kräften kommt – und dann schickt er ihn erneut los und macht ihm damit klar: Dein Leben hat Sinn, Du wirst gebraucht. Wo Sie am Ende sind – lassen Sie sich neu kräftigen mit Ruhe und mit all dem, was für Sie gut ist und was Ihnen gut tut. Dann und erst dann sind Sie auch wieder als jemand gefragt, der für andere aktiv wird.

    Vielleicht finden Sie sich in der Geschichte auch gar nicht in Elia wieder – sondern in dem Engel, der in seinem Tun und Sein wirklich ein Engel ist: Vielleicht entdecken Sie in diesem neuen Monat Juli, dass Sie als Engel für jemand anderes gefragt sind. Dass Sie dafür sorgen, dass ein anderer, eine andere neuen Lebensmut findet.

    Die Geschichte von Elia und dem Engel finden Sie in 1. Könige 19 – vielleicht lesen Sie sie in Ruhe noch einmal nach.

    Ich wünsche Ihnen einen zuversichtlichen Tag, Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für den 29. Juni 2020 (Tag der Apostel Petrus und Paulus - kurz "Peter und Paul")

    Andacht für 29. Juni 2020

    Am Tag der Apostel Petrus und Paulus grüße ich Sie mit dem Spruch, der über diesem Tag steht.

    Mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus und große Gnade war bei ihnen allen.                                                                                                        Apostelgeschichte 4,33

    Was macht einen Apostel Jesu Christi aus? Es ist ganz einfach: Er bezeugt die Auferstehung des Herrn Jesus. Und zwar mit seinen Worten und mit seinem Leben. Die Apostel sind Menschen, die von Jesus gerufen wurden und von ihm ergriffen sind. Das besondere an den neutestamentlichen Aposteln ist, dass sie allesamt Augenzeugen des Auferstandenen sind. Auch Paulus übrigens, der ja erst nach der Himmelfahrt von Jesus Apostel wurde – dort vor Damaskus. Da ist ihm Jesus begegnet. Er bezeugt im großen Auferstehungskapitel in 1. Kor 15:  Zuletzt ist er auch von mir als einer unzeitigen Geburt gesehen worden. Denn ich bin der geringste unter den Aposteln, der ich nicht wert bin, dass ich ein Apostel heiße., weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe. Aber durch Gottes Gnade bin ich was ich bin.

    »Gnade«, das ist das andere Stichwort, was einen Apostel ausmacht. Gnade ist ein Beziehungsbegriff. Gnade heißt Geschenk. Ein Apostel lebt davon, dass Gott, dass Jesus sich ihm zuwendet – unverdient. Die Initiative geht allein von Gott aus. Deshalb gebührt das ganze Lob auch Gott.

    Und spätestens jetzt wird klar, dass auch die »große Kraft«, von der im Eingang des Verses die Rede ist, nicht aus den Aposteln selbst kommt – nicht ihre Willensstärke oder ihre Entschlusskraft ist – sondern von dem Gott, der sie berufen hat – von Jesus. Alles, was sie sind und haben, verdanken sie Jesus.

    Die Apostel des Neuen Testaments sind einzigartig – auch in ihrer heilsgeschichtlichen Bedeutung. Es gibt heute keine solchen Apostel mehr. Ihr Zeugnis, aufgeschrieben im Neuen Testament, aber ist bis heute der Grund der Kirche Jesu Christi – erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten. Doch die Kraft, die in ihnen mächtig war – und die Gnade, die sie erlebten – die kommen von Jesus. Und er ist derselbe auch für uns heute. Auch wir dürfen und wollen mit ihm leben und von ihm abhängig sein.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 22.06. bis 28.06.

  • add Andacht zum 3. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest zum Wochenspruch

    Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.   Lukas 19,10

    So sagt es Jesus am Ende des Berichts von der Begegnung mit dem Zöllner Zachäus. Es ist eine Geschichte mit ansteckender Freude. Die Begegnung mit Jesus hat sein Leben umgekrempelt. Aus dem Oberzöllner, der wohl gern auch mal etwas mehr die Hand aufhielt als es eigentlich vorgesehen war, wird ein Mensch, der zurückgefunden hat in die Gemeinschaft mit Gott – durch Jesus. Die Freude ist nicht ungetrübt, denn es gibt Skeptiker, die den Zachäus längst in die Schublade »Sünder« gesteckt haben und ihn da auch nicht mehr herausholen wollen.

    Am Ende der Geschichte macht Jesus mit dem Wochenspruch deutlich: Verlorene Menschen, Sünder und Gottlose zu suchen und zu Gott zurückzubringen, das ist kein Nebeneffekt seiner Sendung, sondern das ist der Kern seines Auftrags. Fett prangen auf den Seenotrettungskreuzern und auf Rettungshubschraubern drei Buchstaben »SAR« Es ist die Abkürzung für den englischen Ausdruck: »search and rescue« zu deutsch: »suchen und retten«. Auch wenn der Hubschrauber am Boden steht oder das Rettungsschiff im Hafen liegt – sie stehen und liegen nur da, um genau für diesen Zweck gebraucht zu werden, der mit großen Buchstaben auf sie draufgeschrieben ist: Um Menschen in Not zu suchen und zu retten.

    In Gottes Augen sind wir alle rettungsbedürftig. Denn wir alle leben nicht mehr von Natur aus in der Gemeinschaft mit Gott, wie sie sich der Schöpfer ursprünglich gedacht hat. Wir haben das Paradies verloren. Doch Gott will uns nicht verloren geben. Gott will, dass wir gerettet werden. Und wie die Retter am Berg, zu Lande, zu Wasser oder in der Luft ihr Leben riskieren, um zu retten, so riskiert Jesus nicht nur sein Leben, sondern gibt es hin, damit wir mit Gott versöhnt werden. Damit wir wieder heimfinden zu Gott. Damit uns die Tür geöffnet ist zurück ins Vaterhaus. Damit auch wir die Freude erleben, die Zachäus erlebte – durch Jesus, den Sucher und Retter Gottes.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Samstag, 27. Juni 2020

     

    Ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus: Obwohl er reich ist, wurde er doch arm um euretwillen, auf dass ihr durch seine Armut reich würdet.                      2. Korinther 8,9

    „Gnade“ ist heute ein Wort, das viele Menschen nicht mehr verstehen. Gnade bedeutet Zuwendung – ganz unverdient. Gnade ist kein Automatismus und kann auch nicht eingefordert werden. Wenn sich beim Sonnenuntergang die Sonne rot färbt und sich dem Horizont nähert, dann sagte man früher: „es genahet“. Was Gnade ist, erklärt Paulus im heutigen Lehrtext: Jesus Christus, Gottes Sohn schenkt sie uns. Und sie besteht darin, dass er für uns arm wird. Dass er den Reichtum des Himmels zurücklässt, um ganz einer von uns zu werden. Die Herrlichkeit in Gottes ewiger Welt lässt er zurück, um uns nahe zu kommen und um uns das zu geben, was wir uns nicht verdienen oder erarbeiten könnten: dass wir zu Gottes Kindern werden und zu Erben der himmlischen Herrlichkeit. Jesus macht’s, indem er alles hergibt, ja, indem er sogar sein Leben loslässt für uns. Und er macht es aus reiner, bedingungsloser Liebe zu uns. Wir sind geliebt und wir werden beschenkt durch Jesus, reich beschenkt, überreicht – mit dem ewigen Leben.

    Zwei Dinge sind bei diesem Vers wichtig: Das erste: Es geht um Jesus. Den unermesslichen Reichtum Gottes bekommen wir nur durch ihn. Jesus ist für uns der einzige Zugang zu Gott. Er ist nicht mit irgend einer anderen Person austauschbar und was er für uns getan hat im Blick auf unser Verhältnis zu Gott, ist durch nichts und niemand anderen zu ersetzen. Und das Zweite: Wenn er seinen unermesslichen Reichtum aus Liebe zu uns hergegeben hat, um uns reich zu machen, dann sollte das auch uns heute schon als von ihm Beschenkte prägen: Dass wir etwas von unserem viel kleineren Reichtum hergeben, damit anderen Menschen geholfen werden kann. Begnadigte leben anders und von Jesus Beschenkte sollen zu Schenkenden werden.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Freitag, 26. Juni 2020

    Die Welt vergeht mit ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit.

    1 Johannes 2,17

    „Wer billig kauft, kauft zweimal“ lautet eine Weisheit, die ich je länger je mehr bestätigen kann. Wie oft habe ich schon im Schnäppchen-Modus irgendetwas Billiges gekauft: Kleider oder ein Gerät, um dann nach kürzester Zeit festzustellen: Es hält, wenn überhaupt, höchstens während der Garantiezeit. „Wer billig kauft, kauft zweimal.“ Nachhaltiges Einkaufen sieht anders aus: Da zählt die Qualität und die Lebensdauer.

    Und in unserem Leben? Worauf setzen wir da? Mit unserem Lebenskonzept, mit unseren Entscheidungen, mit den Schwerpunkten, die wir setzen: Auf diese Welt, auf das, worauf alle Welt aus ist? Genuss, Luxus, Bequemlichkeit, Erleben… Johannes stellt nüchtern fest: Das alles ist „billige Ramschware“ wie beim „billigen Einkauf“. Es hält nicht, es trägt nicht; es ist nicht nachhaltig für unser Leben. „Die Welt vergeht mit ihrer Lust“ ist die nüchterne Analyse. Halte dich damit nicht auf! Orientiere dich nicht daran. Aber es gibt einen, der nicht vergeht, der nicht verwelkt und verschleißt: unseren Gott. Das Lebenskonzept, zu dem uns der heutige Lehrtext einlädt heißt schlicht: Halte dich an diesen Gott. Frage, was sein Wille ist. Höre auf das, was er dir zu sagen hat – in der Bibel, wo uns sein Wille geoffenbart ist. Und dann tu es! Halte dich mit deinem ganzen Leben daran. Denn wer mit ihm lebt, wer seinen Willen tut, der lebt in Ewigkeit. Gottes Wille? Das ist zunächst einmal nicht eine lange Liste von Geboten, die wir abarbeiten sollen. Das ist zu allererst, dass Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen – durch Jesus Christus. Dass Menschen nicht mehr ohne, sondern ihr Leben mit Gott leben, ihm von Herzen vertrauen, ihn lieben und ihm gehorchen. Etwas Besseres, Nachhaltigeres als mit ihm zu leben und auf ihn zu hören, gibt es nicht.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Donnerstag, 25. Juni 2020

    Ich, der HERR, bin dein Heiland, und ich, der Mächtige, dein Erlöser.    Jesaja 60,16

    Was für eine Selbstvorstellung! Im Wahlkampf rücken Politiker sich ins beste Licht, erzählen von ihren Erfolgen und verkünden, wofür sie stehen. Doch wie viele Wahlkampfversprechen wurden schon gebrochen. In Bewerbungsmappen und bei Vorstellungsgesprächen zeigen sich Anwärter für eine Posten von ihrer besten Seite, berichten von ihrer Erfahrung und ihren Erfolgen. Doch wir alle wissen: Es werden auch Misserfolge nicht ausbleiben. Ganz anders bei unserem Gott: Er hält, was er verspricht. Seine Ansage geht in Erfüllung.

    Gott stellt sich vor. Er stellt sich vor als Heiland, als Retter und als Erlöser. Und zwar als „der Mächtige“. Und wenn er „der Mächtige“ ist, dann gibt es keinen, der mächtiger ist. Niemand kann ihm widerstehen, niemand gegen ihn siegen. Auch nicht die Mächte, die unser Leben bedrohen. Damals war es das verachtete, geschundene Volk Israel, das zum Spielball der Völker geworden ist. Gott hat den Feinden freien Lauf gelassen, nachdem Gottes Volk sich immer und immer wieder andere Göttern zuwandte und auf Gottes Gebote gepfiffen hat. Doch auch ihre Schuld ändert nichts an seiner Liebe, an seiner Sehnsucht nach seinen Menschen. Gott liebt dieses Volk nach wie vor – bis heute. Und er will eingreifen und retten. Was Gott seinem Volk Israel verspricht, das hält er, das wird er in Erfüllung gehen lassen – und sei es, dass es bis ans Ende der Zeit dauern wird. Aber es geht in Erfüllung. Und auch uns gilt Gottes Rettungszusage in Jesus Christus: Gott sehnt sich nach seinen Menschen. Er will mit uns leben, sich mit uns verbinden. Jesus ist gekommen, zu suchen und zu retten, was verloren ist. Was für ein Gott! Was für eine Selbstvorstellung! Was für eine Einladung, ihm zu vertrauen und mit ihm zu leben!

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 24. Juni 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    die Herrnhuter Tageslosung für heute kommt aus Psalm 147: „Er sendet seine Rede auf die Erde, sein Wort läuft schnell.“ Sein Wort, damit ist Gottes Wort gemeint. Im Losungsbüchle stehen dazu Zeilen von Dietrich Bonhoeffer, einem evangelischen Pfarrer, der sich im Nazireich dem Widerstand anschloss, deshalb verhaftet wurde und schließlich hingerichtet wurde.

    Bonhoeffer schreibt zu „Gottes Wort“:

    „Wo Gottes Wort bei mir ist, finde ich in der Fremde meinen Weg, im Unrecht mein Recht, in der Ungewissheit meinen Halt, in der Arbeit meine Kraft, im Leiden die Geduld.“ In der einsamen und unsicheren Gefängniszeit hat das Bonhoeffer all das intensiv erlebt: Unrecht, Ungewissheit, Leiden. Aber auch: Recht bei Gott, Halt, Kraft, Geduld. Dass er im Gefängnis bei aller Verzweiflung und auch Selbstzweifel doch immer wieder Geborgenheit erlebt hat und sogar andere ermutigen konnte, war erstaunlich und ein Geschenk.

    „Wo Gottes Wort bei mir ist“ – wir können fragen: wie kommt es denn zu mir, wie erreicht es mich?

    Wir können es nicht erzwingen. Wir können nicht Gott durch irgendeine religiöse Praktik zum Reden bewegen. Wir können ihn nur schlicht und ergreifend darum bitten: Gott, Vater, Bruder, Retter, Jesus - ich brauche Dein Wort, Dein Reden so dringend für mein Leben. Bitte sprich Du zu mir mit Deinem lebensspendenden Wort. Jesus sagt: Bittet, so wird euch gegeben, suchet, so werdet ihr finden. Wo Du Gott bittest, dass er zu Dir spricht, wird er es tun! Gib ihm auch eine Chance, dich zu erreichen, indem Du wartend und hörend bist, Dich zum Beispiel in den Gottesdienst einladen lässt. Dort erleben viele von uns, dass es im still Werden leichter fällt, Gottes Wort zu hören als im übervollen Alltag.

    „Wo Gottes Wort bei mir ist, finde ich in der Fremde meinen Weg, im Unrecht mein Recht, in der Ungewissheit meinen Halt, in der Arbeit meine Kraft, im Leiden die Geduld.“ Ich wünsche Ihnen einen zuversichtlichen Tag, Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für Dienstag, 23. Juni 2020

    Gottes Wort ist nicht gebunden.             2. Timotheus 2,9

    Das sagt einer, der selbst gebunden ist: Paulus. Im ersten Teil dieses Verses spricht er von seinem Ergehen, von seinem Leiden bis dahin, dass er eben wie ein Verbrecher festgesetzt und eingesperrt ist. Unfrei, gebunden! An Gott zu glauben, heißt oft nicht, dass sich die Probleme und Schwierig­keiten einfach in Wohlgefallen auflösen. Auch heute leiden weltweit Tausende von Christen unter Anfeindung oder Verfolgung, nur weil sie an Jesus glauben. Nein, der Glaube ist kein Schutz-Zauber und keine Vollkasko-Versicherung. Aber es ist der Glaube an den Gott, dem alles möglich ist und der nicht aufzuhalten ist. Unsere Möglichkeiten mögen begrenzt sein, Gottes Möglichkeiten sind unbegrenzt. Unsere Reichweite, auch wo wir das Wort Gottes, das Evangelium von Jesus Christus verkündigen, mag an Grenzen stoßen – wenn Gottesdienste in der Kirche nur mit Abstand von 2m gefeiert werden können. Doch das Wort von Gott läuft um die Welt. Es lässt sich nicht aufhalten. Jesus wird verkündigt und Menschen kommen zum lebendigen Glauben an ihn. Denn auch da, bei denen, bei denen es ankommen soll, durchbricht es alle Bindungen. Bindungen der Gleichgültigkeit, Bindungen der Gewohnheit, dass man sich sein Leben eingerichtet hat ohne Gott. Gottes Wort lässt sich nicht einsperren und es lässt sich nicht aussperren – auch nicht aus Menschenherzen.

    Das ist es, was diesen Apostel Paulus so zuversichtlich stimmt: Gottes Wort ist nicht gebunden. Gottes Wort – das ist das Evangelium, die frohe Botschaft von Gottes Liebe in Jesus Christus, dem Gekreuzigten. Es ist Gottes Wort, denn Gott wirkt durch dieses Wort den Glauben in Menschen. Es ist wie en Samenkorn das aufgeht oder wie das Schöpferwort, das bewirkt, wozu es ruft: Es werde Licht und es ward Licht. Deshalb bejammert Paulus nicht sein Schicksal; sondern schaut zuversichtlich auf Gott und sein Wort. Und auch wir dürfen darauf vertrauen, dass das bis heute gilt: Gottes Wort ist nicht gebunden. Gott lässt sich nicht aufhalten. Er kommt mit uns und mit seiner Welt zum Ziel.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 22. Juni 2020

    Alle gute Gabe und alle vollkommene Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts.

    Jakobus 1,17

    Auf die richtige Dosierung kommt es an. Nicht nur bei Arzneimitteln, sondern auch in unserem Leben und Glauben. Das Wort »Dosis« steht tatsächlich im griechischen Urtext, wo die Lutherbibel das erste Mal mit Gabe übersetzt. »Dosis« bedeutet »Gabe«. Jakobus ist überzeugt: Was wir Gutes empfangen in Gottes Schöpfung, das geht auf Gott selber zurück, auf den »Vater der Lichter«, auf den, dem Sonne, Mond und die Sterne ihre Existenz und ihr Licht verdanken. Die sichtbare Schöpfung ist ein Abglanz der unsichtbaren, ewigen Welt Gottes. Gott meint es gut – das ist die Botschaft aller guten Gaben, die wir von Gott empfangen, tagtäglich. Ob uns das bewusst ist oder nicht. »Dass unsre Sinnen wir noch brauchen können und Händ‘ und Füße, Zung‘ und Lippen regen das haben wir zu danken seinem Segen«. Nein, ich glaube nicht an eine zufällige Entwicklung und Höherentwicklung der Welt. Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer und Erhalter des Himmels und der Erden. Die Schöpfung ist ein starker Hinweis auf ihn, den Schöpfer – wenn man es denn wahrnimmt, wie Paulus es im Römerbrief schreibt.

    Nun tritt aber neben die gute Gabe, die ich auf die Schöpfungsgaben gedeutet habe, noch eine andere: Das »vollkommene Geschenk«. Für mich steht diese Wendung für das, was uns diese Schöpfung, diese Welt nicht bieten kann – und was wir uns auch nicht selbst nehmen können. Das, was Gott uns durch seine Gnade schenkt, durch seine Zuwendung: Vergebung, ewiges Leben, die Ewigkeit. »Vollkommen« ist sie – und das unterscheidet sie von allem, was diese Welt zu bieten hat. Denn hier auf dieser Welt begegnet uns zwar viel Schönes, aber nichts Vollkommenes. Auch wir Menschen sind nicht vollkommen, außer dem Einen, der von Gott selber kam, Jesus Christus, der ohne Sünde war. Er ist das vollkommene Geschenk Gottes. Und er bringt nicht etwas mit, wenn er uns begegnet, etwas, was er daließe. Er selbst bleibt bei uns, lebt in uns durch seinen Heiligen Geist und prägt und gestaltet unser Leben, wenn wir ihn denn wirken lassen. In Jesus Christus kommt Gottes vollkommene Gabe und zieht in unserem Herzen ein. Und er bleibt, weicht nicht mehr von uns und bringt uns an sein Ziel. Das ist Grund zur Zuversicht und zur Freude – egal, was äußerlich um uns herum geschieht.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 15.06. bis 21.06.

  • add Andacht für den 2. Sonntag nach Trinitatis, 21. Juni 2020

    Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.   Matthäus 11,28

    Was für eine Einladung! Wie gut tut es, wenn man sich nach einer großen Anstrengung – schwerer Arbeit in der Hitze im Garten oder einer langen Wanderung oder Radtour an einem guten Schluck Mineralwasser »erquicken« kann. Sportler schwören auf isotonische Getränke, die noch weitere Elemente enthalten, die den Körper schneller wieder zu Kräften kommen lassen. Für Normalsportler ist übrigens Apfelschorle das beste isotonische Getränk. Da steckt alles drin, was für unseren Körper gut ist.

    Die Einladung von Jesus zielt auf erschöpfte Menschen, auf Mühselige und Beladene. Und zwar in einem viel weiteren Sinn als alle Mineral- und Heilwasser und isotonischen Getränke. Ihm geht es nicht nur um körperliche Erschöpfung. Ihm geht es um den ganzen Menschen. Wir Menschen sind eine Einheit aus Körper, Seele und Geist. Und Erschöpfung, Mühsal und Last können wir auf allen diesen Ebenen erfahren. Und Jesus lädt ein – zu sich! Er gibt nicht Ratschläge, er verteilt nicht Rezepte. Er verweist nicht auf irgend ein Heilmittel oder eine Therapie. Er lädt ein zu sich, zum Vertrauen auf ihn, zum Bleiben bei ihm.

    Nicht irgendetwas brauchen wir, um mit unserem Leben – gerade auch in schwierigen Zeiten – zurecht zu kommen, sondern ihn, Jesus Christus, den Sohn Gottes. Er ist der Helfer, der Retter, der, der uns aufatmen lässt. Er klärt unser Verhältnis zu Gott. Er nimmt uns die Last unserer Schuld ab. Und er schenkt uns seine Vergebung. Er macht aus gottlosen Leuten durch den Glauben an ihn Kinder Gottes und Erben der Herrlichkeit. Menschen, die sich vor ihrer Zukunft fürchten, nimmt er an die Hand und öffnet ihnen die Tür zum ewigen Leben.

    Alles kommt darauf an, diese Einladung zu hören und ihr zu folgen. Oder wie es Georg Weissel ausdrückte: »Ach sucht doch den, lasst alles stehn, die ihr das Heil begehret; er ist der Herr und keiner mehr, der euch das Heil gewähret. Sucht ihn all Stund von Herzensgrund, sucht ihn allein, denn wohl wird sein dem, der ihn herzlich ehret.«

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Samstag, 20. Juni 2020

    Was der HERR tut, das ist herrlich und prächtig, und seine Gerechtigkeit bleibt ewiglich.  

    Psalm 111,3

    Heute beginnt astronomisch der Sommer. D.h. heute steht die Sonne senkrecht über dem nördlichen Wendekreis. Heute ist der längste Tag des Jahres und die kürzeste Nacht. Der Sommer ist im Gefüge der Jahreszeiten die Zeit des Reifens. Mir fällt natürlich das Sommerlied von Paul Gerhardt ein: »Geh aus, mein Herz und suche Freud‘« Ja, der Sommer ist eine Zeit der Freude. Paul Gerhardt staunt über die Schönheit der Natur, die er  in so vielen Bildern in diesem Lied beschreibt. In der 8. Strophe dann kommt er auf den Urheber all dieser Schönheit und Naturwunder zu sprechen – ganz im Sinne der heutigen Losung: »Ich selber kann und mag nicht ruhn, des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle Sinnen; ich singe mit, wenn alles singt, und lasse, was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen«. Ja, was unser Gott tut, das ist herrlich und prächtig.

    Doch der Psalmbeter hat nicht nur diese Welt im Blick. Er hat auch die Perspektive der Ewigkeit: Seine Gerechtigkeit bleibt ewiglich. Genau wie auch der Pfarrer und Liederdichter Paul Gerhardt: »Ach, denk ich, bist du hier so schön und lässt du’s uns so lieblich gehen auf dieser armen Erden: was will doch wohl nach dieser Welt dort in dem reichen Himmelszelt und güldnen Schlosse werden?«

    Die Schönheit der Schöpfung Gottes hier auf dieser Erde, werden wir nie bis ins Letzte ausloten und entdecken können. Es wird immer etwas geben, das wir noch nicht kannten. Auch den Naturfor­schern – ob sie an Gott als Schöpfer glauben oder nicht – ist das bewusst. Spätestens, wenn man die Weite des Universums in den Blick nimmt. Wie viele Galaxien, jede mit Millionen und Milliarden von Sonnen und Planeten gibt es da! Das alles aber ist nur die sichtbare und erforschbare Seite der Wirklichkeit. Gottes Himmel, Gottes unsichtbare Welt und die Ewigkeit sind noch viel größer und herrlicher. Das Sichtbare ist nur ein Abglanz des Unsichtbaren. Und das können wir gar nicht erforschen.

    Aber staunen können wir – genau wie Paul Gerhardt. Und Gott loben – genau wie der Psalmbeter im 111. Psalm. Wir dürfen den kennen, der all das geschaffen hat. Dessen Tun herrlich und prächtig ist. Wir dürfen mit ihm leben und ihm vertrauen. Und durch Jesus dürfen wir ihn sogar Vater nennen. Was für ein Gott!

    Pfarrer Andreas Streich  

  • add Andacht für Freitag, 19. Juni 2020

    Der HERR spricht: Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst.

    Psalm 32,8

    Wer sich schon einmal ohne Stadtplan und Navigationssystem in einer fremden Stadt verfahren hat, der weiß, wie wertvoll eine klare Wegweisung ist. Wie oft habe ich schon in einer solchen Situation nach einem Passanten oder Anwohner Ausschau gehalten. Und wenn ich jemand gesehen habe, habe ich das Fenster runtergekurbelt, um nach dem Weg zu fragen. Und wie gut tat es, wenn ich dann eine klare Wegbeschreibung bekam, die mich an mein Ziel führte.

    Genau das verspricht uns Gott in der heutigen Losung: Klare Wegweisung für unser Leben. Weg­weisung auch in »verfahrenen« Situationen. Psalm 32 ist der zweite Bußpsalm in der Sammlung der Psalmen. Eine Unterweisung Davids, eines Mannes, der um persönliche Schuld weiß. Wie gut, dass Gott uns auf unseren falschen Wegen nicht laufen lässt. Wie gut, dass er uns die Möglichkeit zur Umkehr schenkt, zu einem Neuanfang. Nirgends erfahren wir das deutlicher als bei Jesus Christus, dem Retter, der gekommen ist, Sünder zu suchen und selig zu machen. Zuerst sucht und befreit Gott uns. Und dann bringt er uns zurück und nimmt uns an der Hand. Gott gibt uns seine guten Gebote an die Hand, damit wir den Weg finden und gehen können, der gut für uns ist.

    Wenn Menschen nach Gottes Wegweisung fragen – dann sollen und dürfen wir zuerst an seine Gebote denken. Menschen jüdischen Glaubens haben sogar ein Fest der Freude über die Weisungen Gottes: Simchat Tora heißt es. Da tanzen erwachsene Männer voller Freude mit der Rolle mit den 5 Büchern Mose im Arm und singen. Weil sie wissen: Wir sind von unserem Gott nicht einfach nur in diese Welt hineingestellt – nach dem Motto: Jetzt finde mal deinen Weg… Sondern: Gott hat wahrgemacht, was er hier verspricht: Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst. Und diese Wegweisung in der Bibel, in den Gebeoten, ist Grund zur Freude und Grund zum Gehorsam. Denn alles andere als den Weg zu gehen, den Gott mir so klar in seinem Wort zeigt, wäre wirklich töricht.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Donnerstag, 18. Juni 2020

    Es ist der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.                                                                     Hebräer 11,1

    Ein Junge, gerade mal 14 Jahre alt, möchte gerne an Gott glauben. Er hat viel von Jesus gehört – im Konfirmandenunterricht. Aber ihn beschäftigt unablässig eine Frage: Glaube, was ist das eigentlich? Diese Frage lässt ihn nicht los. Dann kommt der Konfirmationssonntag. Er wird gefragt, ob er mit Jesus leben möchte. Er bekommt Gottes Segen zugesprochen und er bekommt ein Bibelwort, einen Denkspruch. Sein Denkspruch ist unser heutiger Lehrtext. Der Junge hört den Vers, liest ihn nochmals auf der Karte nach und dann beginnt sein Gesicht zu strahlen. Das ist die Antwort auf die Frage, die ihn so beschäftigt hat. Nun weiß er für sein ganzes Leben, was Glaube ist und hält an diesem Glauben fest.

    Glaube ist ja nicht gleich Glaube. Das wird an dieser Definition von Glaube im Hebräerbrief deutlich. Dieser Glaube ist etwas anderes als eine vage Vermutung. Glaube heißt eben gerade nicht »nicht Wissen«. Ganz im Gegenteil: Glaube heißt: Die Antwort in Gottes Wort auf die Lebensfragen gefunden zu haben. Und nun diesen Zusagen zu vertrauen – gegen allen Augenschein. Seiner Zusage vertrauen, dass er uns in Jesus Christus unsere Schuld vergibt und uns zu seinen Kindern macht. Seinem Versprechen vertrauen, dass er alle Tage bei uns ist – auch wenn wir ihn mit unseren Augen sehen. Und seiner Verheißung vertrauen, dass er uns durch Jesus das ewige Leben schenkt. Seinen Geboten vertrauen, dass sie seine guten Hilfen sind, damit wir die Freiheit, die er uns schenkt, bewahren können. Glaube heißt – ganz einfach ausgedrückt – Gott vertrauen. Und zwar von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all unserem Gemüt. Gott über alle Dinge fürchten, lieben und ihm vertrauen. Das heißt Glauben. Oder wie es in einem Lied heißt: »Glauben heißt vertrauen Gottes Vaterhut; Glauben ist ein Bauen auf des Heilands Blut. Glauben ist ein Reifen in des Geistes Zucht; Glauben heißt ergreifen der Erlösung Frucht.« (W. Klingberg)

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 17. Juni 2020

    Wwie geht es Ihnen heute? Haben Sie Freude an dem, was Sie tun? Haben Sie wirkliche Motivation für das, was heute ansteht, was Sie angehen wollen oder müssen? Vielleicht sagen Sie: ja, ich bin voll motiviert und freue mich echt auf den Mittwoch heute. Vielleicht aber denken Sie für sich: Na, der hat Ideen, wenn der wüsste, was bei mir ansteht und wie es mir geht oder besser gesagt, nicht geht.
    Die Tageslosung aus Psalm 100 für heute ist ein Anstoß, den Tag positiv und dankbar anzugehen. Ja, der ganze und nicht allzu lange Psalm 100 ist so etwas wie eine Motivation, dankbar zu leben. Und zwar nicht aus einer billigen Ich-rede-mir-das-Leben-schön-Haltung heraus. Sondern mit der Erinnerung daran, was und wie viel mir geschenkt ist.
    Ich lese die wenigen Verse dieses Psalms 100:
    Jauchzet dem HERRN, alle Welt!
    Dienet dem HERRN mit Freuden,
    kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken!
    Erkennet, dass der HERR Gott ist!
    Er hat uns gemacht und nicht wir selbst
    zu seinem Volk und zu Schafen seiner Weide.
    Gehet zu seinen Toren ein mit Danken, /
    zu seinen Vorhöfen mit Loben;
    danket ihm, lobet seinen Namen!
    Denn der HERR ist freundlich, /
    und seine Gnade währet ewig
    und seine Wahrheit für und für.
    Geh Deinen Tag dankbar und positiv an, ermuntert der Psalmbeter. Und zwar deshalb, weil alles, was in Deinem Leben zählt und Wert hat, Geschenk ist. Dein Leben; dass Du einzigartig und wunderbar gemacht bist – ja Du, nicht nur andere!; das, was Dir an Gesundheit geschenkt ist; deine Familie, deine Arbeit, deine Hobbies und noch manches mehr.
    Der Dichter, der Beter fasst das so zusammen: „ER hat uns gemacht und nicht wir selbst.“ Und stellt fest: „Der Herr ist freundlich und seine Gnade währet ewig.“ Heißt: da, wo Dir mit Dir selbst längst schon die Geduld und Nachsicht ausgegangen ist, da ist es Dein Schöpfer und Dein Retter noch lange nicht. Er ist mit Dir barmherzig. Und Du darfst ihm dafür danken, indem Du heute auch mit anderen, die Dir begegnen, barmherzig bist.
    Ich wünsche Ihnen einen zuversichtlichen Tag, Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für Dienstag, 16. Juni 2020

    Jesus spricht: Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger.

    Johannes 8,31

    Ich habe in meinem Bücherregal eine englische Bibel stehen. Es ist eine „Red Letter Edition“, also eine Ausgabe, die nicht nur schwarze, sondern auch rote Buchstaben (red letters) enthält. Mit roten Buchstaben ist darin all das gedruckt, was Jesus sagt. Auch auf Deutsch gibt es inzwischen solche Bibelausgaben. Ich finde das sehr hilfreich. Rot ist eine Signalfarbe. Rot sticht ins Auge. Rot schreiben wir alles, was besonders wichtig ist. Für Christen sind die Worte von Jesus wichtig. Was eine Jüngerin oder einen Jünger ausmacht ist das genaue Hinhören. Hinhören nicht nur mit den Ohren, sondern mit dem Herzen. Das meint die Wendung »Bleiben an meinem Wort«. Nicht nur zur Kenntnis neh­men – nicht nur als Redebeitrag unter vielen anderen. Sondern: Es als die entscheidende Weg­weisung für mein Leben hören und dann auch tun. Am Ende der Bergpredigt sagt Jesus: »Wer diese meine Rede hört und tut sie…«. Denn darum geht es: Um das Tun, um den Gehorsam. Das Wort von Jesus Christus hat Ewigkeitscharakter. Es ist Wort von Gott. Gott hat durch Menschen gesprochen, durch Propheten und auf vielerlei Weise – wie es im ersten Vers des Hebräerbriefs heißt. Aber ab­schließend »in diesen letzten Tagen« hat Gott durch seinen Sohn zu uns gesprochen. Und Men­schen haben es aufgeschrieben.

    Immer wieder gab und gibt es Zweifel, ob denn alles, was da von anderen aufgeschrieben wurde, wirklich von Jesus gesagt wurde. Doch alle Versuche, die echten von den vermeintlich unechten Jesus-Worte zu unterscheiden, haben zu keinem klaren Ergebnis geführt. Es wurden nur Hypothesen über Hypothesen erzeugt – keine ohne echte Überzeugungskraft. Ich bin überzeugt: Wir dürfen darauf vertrauen: Die Worte, die wir in der Heiligen Schrift von Jesus überliefert haben, die sind zuverlässig überliefert. Gott selbst hat dafür gesorgt. Wir wollen sie hören – mit den Ohren und den Herzen – und danach leben. Denn ein besseres Lebensprogramm als ein Jünger oder eine Jüngerin von Jesus zu sein, gibt es nicht. Denn Jesus – und Jesus allein – hat »Worte des ewigen Lebens«.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 15. Juni 2020

    Deine Toten werden leben.                       Jesaja 26,19

    Vier Worte, die es in sich haben. In der Lutherbibel ist ihnen noch ein Fünftes vorangestellt, da steht noch das Wort »Aber« davor: Aber deine Toten werden leben. Diese Botschaft ist tatsächlich eine »Aber«-Botschaft. »Aber« - das drückt ja einen Gegensatz aus. Die Worte stammen aus einem Gebet. Einem sehr nüchternen Gebet. Einem Gebet, das eben auch das zur Sprache bringt, was so deutlich vor Augen steht: »HERR, unser Gott, es herrschen wohl andere Herren über uns als du« heißt es da (V. 13) und die Allerweltserfahrung, die man durch alle Zeiten hindurch bis heute immer wieder hören kann: »Tote werden nicht lebendig, Schatten stehen nicht auf« - oder modern ausgedrückt: »mit dem Tod ist alles aus!« Wenn der Mensch sich selbst zum Maß aller Dinge macht, wie wir es in unserer gesellschaftlichen Entwicklung heute ganz stark erleben, dann kann er an angesichts dieser unüberwindbaren Grenze des Todes nicht anders als verdrängen oder fatal feststellen: Dann ist alles aus.

    Doch wir sind nicht das Maß aller Dinge. Es ist ein anderer, der uns unser Maß bemisst: Der lebendige Gott. Und darum ist mit dem Tod nicht alles aus. »Wer stirbt, der wird nicht nur zu Erde. Gott ruft ihn zum jüngsten Gericht. Finsternis bleibt für die Einen zuletzt, die anderen dürfen ans Licht« so haben Jörg Swoboda und Theo Lehmann in DDR-Zeiten angesichts eines Regimes gedichtet, das Gott und die Ewigkeit geleugnet hat. Gott setzt sein »Aber« gegen das scheinbar Unüberwindbare. Gott setzt sein »Aber« gegen den Tod. Nein, mit dem Tod ist nicht alles aus. Ostern hat alles in ein neues Licht gestellt: Einer hat den Tod besiegt. Der Tod hat nicht mehr das letzte Wort. Er ist der letzte Feind, der vernichtet wird nach dem Zeugnis der Bibel. Gott hat das letzte Wort. Im Lehrtext lehrt uns Paulus: Wir wissen, dass der, der den Herrn Jesus auferweckt hat, wird uns auch auferwecken mit Jesus. (2Kor 4,14). Gott setzt das große Aber – gegen alle Resignation, gegen allen Fatalismus, gegen alle Zukunftsangst. Er, unser Gott, er hat das letzte Wort. Ich wünsche mir, dass wir wieder viel mehr auf unseren großen Gott schauen – auf ihn und seine Möglichkeiten. Und viel weniger auf unsere Möglichkeiten. Ja, es ist richtig und wichtig, dass wir tun, was wir können. Aber noch wichtiger ist, dass wir Jesus Christus, dem Auferstandenen, den ersten Platz in unserem Leben einräumen. Denn ohne ihn wäre wirklich alles aus. Doch weil er auferstanden ist, gilt auch uns: Aber deine Toten werden leben. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Er, Jesus Christus, hat es und behält es.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche 08.06. bis 14.06.

  • add Andacht für den 1. Sonntag nach Trinitatis, 14. Juni 2020

    Jesus Christus spricht: Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich.

    Lukas 10,16a

    Gott wäre auf uns nicht angewiesen. Doch er will nicht ohne uns sein. Gott könnte auf jede erdenkli­che Weise mit seinen Menschen reden, doch er hat sich dafür entschieden, es durch menschliche Vermittlung zu tun. Jesus, der Sohn Gottes, hat uns gezeigt, wie Gott ist. Doch Jesus hat selbst nie ein Buch geschrieben. Propheten haben Bücher geschrieben: Jesaja, Jeremia, Hesekiel und wie sie alle heißen – aber der Sohn Gottes hat seinen Jüngern, also Menschen, anvertraut, was durch alle Zeiten hindurch von Bedeutung ist; was wichtig ist, was wir hören sollen. Vier Evangelisten haben uns die Worte von Jesus aufgeschrieben und uns aus seinem Leben, von seinem Sterben und von seinem Auferstehen erzählt. Auch wir haben – vermittelt durch menschliche Worte – davon erfahren.

    Jesus wäre auf uns nicht angewiesen, doch er will Menschen gebrauchen, damit das Evangelium, die frohe Botschaft; die Botschaft von Gottes Liebe, von Gottes Gnade, von Gottes Vergebung und Versöhnung alle Menschen erreicht. So ist die Bibel entstanden – und so läuft dieses Wort des Evangeliums bis heute um die Welt. Und dabei ist Menschenwort und Gotteswort nicht mehr voneinander zu trennen: Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich. Alle Versuche, in der Bibel zwischen Menschenwort und Gotteswort zu trennen, haben im Grunde nur ganz viel Unsicherheit ausgelöst. Wo Menschen diesem Wort der Bibel ganz einfach und kindlich Vertrauen schenken, da erleben sie: Es ist Gott selbst, der mich durch von Menschen vermittelte Worte anspricht. Es ist Gott selbst, der hier redet.

    Wir müssen nicht die Bibel sezieren. Wir brauchen nicht sorgenvoll fragen: Ist darauf wirklich Verlass, was Menschen da von Gott berichtet haben. Wir dürfen vertrauen. Es ist die Stimme Jesu, die uns da begegnet. Die Stimme des Guten Hirten. Und es ist Gottes guter Heiliger Geist, der uns die Worte lebendig macht, dass wir es spüren: Ich bin gemeint. Die Zusagen gelten mir.

    Hören wir drauf, vertrauen wir drauf – und sagen wir es weiter; werden auch wir zu Zeuginnen und Zeugen für Jesus.

    Pfarrer Andreas Streich 

  • add Andacht für Samstag, 13. Juni 2020

    Der Geist hilft unserer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich’s gebührt.                                                        Römer 8,26

    Ich las dazu eine schöne Geschichte. Ich möchte sie kurz nacherzählen: Dem Pfarrer einer Gemeinde in Kenia fiel ein alter, ärmlich wirkender Mann auf, der jeden Mittag gegen 12 Uhr in die Kirche kam und sie nach höchstens zwei Minuten wieder verließ. Der Pfarrer sprach ihn an, was er denn da in der Kirche mache. Der Alte antwortete: »Ich gehe hinein, um zu beten.« Der Pfarrer war verdutzt: »Aber du bist doch niemals lange genug in der Kirche, um beten zu können.« Da erklärte ihm der alte Mann: »Ich kann kein langes Gebet sprechen. Aber ich gehe jeden Tag um 12 in die Kirche und sage: Jesus, hier ist Jim! Dann warte ich eine Minute und er hört mich.«

    Eines Tages kam Jim nicht mehr. Er hatte eine Verletzung und musste ins Krankenhaus. Die Schwestern merkten, dass er einen heilsamen Einfluss auf die anderen Patienten hatte: Die Nörgler wurden zufriedener, die Ängstlichen bekamen neue Zuversicht und die Traurigen wurden fröhlich. Und es wurde viel gelacht in Jims Zimmer. »Jim« sagte die Stationsschwester eines Tages zu ihm, »die anderen Patienten sagen, dass du der Grund bist, warum sie nun so anders sind. Du bist immer glücklich.«

    Jim überlegte kurz, dann antwortete er: »Ich kann nichts dafür, dass ich immer so fröhlich bin. Das kommt durch meinen Besucher.« Jetzt war die Schwester völlig verwirrt. Denn die ganze Zeit, seit Jim im Krankenhaus war, hatte er noch nie Besuch bekommen. »Dein Besucher?« frage sie »wann kommt der denn?« - »Jeden Tag um 12 Uhr mittags« antwortete Jim. »Er kommt herein, steht am Fußende meines Bettes und sagt: Jim, hier ist Jesus!«

    Wie gut, dass Gottes Geist uns Mut macht und die Verbindung zu Jesus, unserem Herrn lebendig hält. Ich wünsche uns, dass wir diese Gewissheit – genau wie Jim in der Geschichte – nie aus dem Herzen und Sinn verlieren.

    Pfarrer Andreas Streich (Geschichte nach Axel Kühner: Eine gute Minute)

  • add Andacht für Freitag, 12. Juni 2020

    Jesus spricht: Wie mich mein Vater liebt, so liebe ich euch auch. Bleibt in meiner Liebe.

    Johannes 15,9

    »Steter Tropfen höhlt den Stein« heißt es in einem Sprichwort. Ich möchte ergänzen: Oder er lässt Steine wachsen. Die Schwäbische Alb ist ein Jura-Gebirge. Sie besteht überwiegend aus Kalkstein. Säureanteile im Wasser lösen den Kalkstein langsam auf, transportieren den Kalk mit sich und hinterlassen ihn dann in winzig kleinen Spuren in unterirdischen Hohlräumen. Dieser stetige Prozess hat wunderschöne und riesengroße Tropfsteine wachsen lassen. In der Nebelhöhle oder in der Bärenhöhle kann man es beobachten.

    Johannes 15 ist das Kapitel, in dem Jesus uns zum »Bleiben« einlädt: Als Reben am Weinstock – oder eben in unserem Lehrtext heute: Bleibt in meiner Liebe. Das heißt zunächst ganz einfach: Lasst euch meine Liebe gefallen. Erfahrt sie immer wieder neu, jeden Tag: Leben von dem, was ich euch schenke. Lebt von meiner Gnade, von meiner Vergebung. Lasst sie in euer Leben hineinfließen und lasst sie weiterfließen. Und dann erlebt, dass diese Liebe abfärbt. Dass sie etwas in euch zurücklässt und euch verändert.

    Es ist wie bei den Tropfsteinen in den Höhlen der Alb: Da bleibt etwas hängen. Die Liebe Gottes, hinterlässt Spuren in unserem Leben, verändert uns und prägt uns. Da bleibt etwas zurück – das uns zum Guten verändert. Dass man es uns abspürt, dass wir von Gott geprägt sind. Nicht wir müssen uns um Liebe bemühen, sie aus uns heraus produzieren. Wir dürfen und wir sollen in ihm und in seiner Liebe bleiben: Als Menschen, die von Jesus geliebt sind und die seine Liebe weitergeben.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Donnerstag, 11. Juni 2020

    Der Engel des Herrn kam in das Gefängnis und Licht leuchtete auf in dem Raum; und er stieß Petrus in die Seite und weckte ihn und sprach: Steh schnell auf! Und die Ketten fielen ihm von seinen Händen.                                                            Apostelgeschichte 12,7

    Gott kann auch aus den ausweglosesten Lagen befreien. Das ist die Botschaft der Geschichte, aus der der heutige Lehrtext stammt. Gott kann – aber muss nicht. Die Erzählung beginnt mit einem schrecklichen Ereignis: Der König Herodes legt Hand an die christliche Gemeinde. Wie gut, dass die Gemeinde in dieser schwierigen Zeit immer noch zusammensteht. Wie gut, dass sie einander immer noch haben. Gemeinde ist für unser Christsein systemrelevant. Vor allem, wenn wir in Krisen sind. Und die Leiter der Gemeinde, die Lehrer, die Jünger, die, die Jesus persönlich über die Zeit seiner öffentlichen Wirksamkeit begleitet haben, sind systemrelevant. Jakobus, Johannes und Petrus. Doch nun geschieht das Entsetzliche: Jakobus, der Bruder des Johannes – eigentlich doch unverzichtbar für die erste Gemeinde – wird von Herodes verhaftet. Lukas berichtet: Er tötete aber Jakobus, den Bruder des Johannes, mit dem Schwert. Und als er sah, dass es den Juden gefiel, fuhr er fort und nahm auch Petrus gefangen.

    Nur das Passafest verhinderte, dass Petrus auch schon eines gewaltsamen Todes sterben musste. Doch die Lage schien aussichtslos. Jakobus tot – Petrus im Gefängnis. Die Gemeinde betete – Tag und Nacht. Petrus schläft. Er ist wohl so erschöpft von all dem, was in den letzten Stunden und Tagen geschehen ist. Und im Schlaf überrascht ihn Gottes Hilfe. Die Lage ist nach menschlichem Ermessen aussichtslos. Doch unser Gott ist ein Gott, für den es keine aussichtslosen Lagen gibt. Er hat mehr Mittel und Wege als wir auch nur ahnen können. Gott setzt den Petrus frei. Noch einmal kehrt er zurück zur Gemeinde. Jahre und Jahrzehnte der Wirksamkeit stehen ihm noch bevor. Nach allem, was wir wissen, ist er in Rom schließlich den Märtyrertod gestorben.

    Gott kann aus ausweglosesten Lagen befreien. Das ist die Botschaft. Wir sind eingeladen, diesem großen Gott zu vertrauen, mit ihm zu leben, zu ihm zu rufen, zu bitten und zu flehen. Auch wo wir in Not sind. Und wir wollen Gott für seine verfolgte Gemeinde auf der ganzen Welt bitten. Auch heute müssen Christen um ihr Leben fürchten, nur weil sie sich zu Jesus bekennen. Stehen wir doch auch für sie genauso treu ein wie die Gemeinde in Jerusalem für den inhaftierten Petrus. Gott kann aus ausweglosesten Lagen befreien und er wird immer uns in den ausweglosen Lagen begleiten, stärken und ermutigen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 10. Juni 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,
    Im Herrnhuter Losungsbüchle steht für jeden Tag ein Bibelvers, der zum Nachdenken, Umdenken und Vertrauen einlädt. Immer nur ein Satz oder wenige Sätze. Manchmal lohnt es sich sehr, in der Bibel nachzugucken, aus welchem Zusammenhang, aus welcher Geschichte dieser Tagesvers kommt, weil man ihn dann erst richtig verstehen kann. So auch heute. Es geht um Elia, der in einer schwierigen Zeit im Auftrag Gottes unterwegs ist. Dem König Israels, der sich seine eigenen Regeln macht und sich einen Dreck um Gott schert, musste er die Stirn bieten. Und eine Hungersnot für das Land verkünden. Mit solchen Aufträgen macht man sich keine Freunde. Und so hat Elia immer wieder das Gefühl, allein gelassen zu sein, verfolgt zu sein und fühlt sich am Ende. Gleichzeitig erlebt er: Gott lässt ihn nicht im Stich und sorgt ganz praktisch für sein äußeres Wohlergehen, sprich: dass Elia zu essen und zu trinken bekommt.
    Während der bereits angesprochenen Hungersnot sagt Gott zu Elia: geh in die Stadt, wo du eine Witwe triffst. Sie wird dich versorgen. Elia trifft die Witwe auch tatsächlich, allerdings nur um von ihr sogleich zu hören, dass sie für sich und ihren Sohn selbst nichts mehr zu essen hat. Sie ist selbst völlig verzweifelt.
    Eigentlich könnte Elia seinen Gott anklagen: Was, du schickst mich zu einer Frau, die selbst am Ende ist? Die soll mich versorgen? Doch Elia spricht und handelt, geprägt von Gottes Geist, ganz anders. Er erkennt schlagartig, dass er offensichtlich nicht nur zu der Witwe geschickt ist, um selbst versorgt zu werden, sondern um dieser Frau zu helfen, mit Nahrung, aber auch mit Lebensmut.
    Und so verheißt Elia der Frau, dass die ganz wenigen Bissen, die ihr geblieben sind, ausreichen werden. Mehl und Öl werden in ihren Gefäßen nicht zu Ende gehen. Ein leichtsinniges Versprechen? Nein. Der Losungsvers für heute erzählt, dass es genau so gekommen ist: „Das Mehl im Krug ging nicht aus, und der Ölkrug wurde nicht leer, nach dem Wort des HERRN, das dieser durch Elia gesprochen hatte“ (1.Könige 17,16). Elia wird versorgt durch das ganz wenige, was diese alleinerziehende Frau für sich und ihren Sohn hat. Alle drei werden durch Gottes Hilfe über die ganze Zeit der Hungersnot ernährt.
    Haben Sie das auch schon erlebt, dass Sie in und mit eigener Not andere Menschen in Not getroffen haben – und Sie gemeinsam Gottes wunderbare Hilfe erlebt haben?
    Ich wünsche Ihnen einen zuversichtlichen Tag, Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für Dienstag, 9. Juni 2020

    Niemand suche das Seine, sondern was dem andern dient.       1. Korinther 10,24

    Wer Rückendeckung hat, kann mutig nach vorne gehen. Rückendeckung bedeutet, dass ich mich nicht um alles kümmern muss, vor allem nicht um mich selber. Da ist jemand anderes da, der mir den Rücken stärkt und mich vor allen Gefahren, die von hinten kommen könnten, beschützt. Der mir den Rücken frei hält. So eine Rückendeckung setzt auch der Apostel Paulus in unserem Lehrtext voraus.

    Unsere Tendenz geht dazu, für uns selber zu sorgen. Das Hemd ist mir näher als die Jacke. Zuerst komme ich. Ich muss mein Schäfchen ins Trockene bringen – und was Menschen alles an Weisheiten erfinden, um zu rechtfertigen, warum sie sich doch zuerst um sich selber kümmern müssen und dann erst für andere da sein können.

    Paulus weiß aber, dass wir als Christen damit rechnen dürfen, dass Gott für uns sorgt. Dass er uns den Rücken frei hält. Euer Vater im Himmel weiß, was ihr braucht, ehe ihr ihn darum bittet. Gott sorgt für uns. Jesus fragt in der Bergpredigt: Warum sorgt ihr euch um euer Leben? Seht die Lilien auf dem Felde. Seht die Vögel unter dem Himmel. Gott sorgt. Ihm darf ich mein Leben, mein Auskommen anvertrauen. Von ihm darf ich mit all dem, was ich brauche abhängig sein. Ich darf damit rechnen, dass er mir den Rücken frei hält, damit ich mich um andere kümmern kann.

    Vor diesem Hintergrund bekommt dieser Rat, diese Empfehlung Sinn: Niemand suche das Seine, sondern was dem andern dient. Ihr müsst nicht für euch selbst sorgen, weil Gott für euch sorgt. Überlass Gott deine Sorgen – das erfordert Vertrauen, das erfordert Glaubensmut. Aber dann tu das, wozu Gott dich auffordert: Nutze deine Kraft, deine Zeit, deine Phantasie, um die Not der andern zu erkennen und zu helfen, wo du kannst. Suche danach! Suche, was dem andern dient.

    Ja, es ist ein Wagnis. Ja, man muss sich darauf einlassen. Es ist nicht ohne Risiko. Doch es ist die Einladung Gottes. Die Einladung, ihm zu vertrauen und mit ihm zu erleben: Ihm kann man kühnlich vertrauen. Er lässt uns nicht im Stich. Wer sich auf ihn einlässt, der wird gesegnet.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 8. Juni 2020

    Auch die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes.                                Römer 8,21

    Gottes Heil zieht Kreise. Davon ist der Apostel Paulus überzeugt. Gottes Heil, das er durch das Sterben und die Auferstehung seines Sohnes Jesus Christus in Gang gesetzt hat. Gottes Heil, das heil macht, was durch unsere Schuld eigentlich irreparabel kaputt gegangen ist. Von der Erlösung, die von Jesus, dem Gekreuzigten ausgeht, können wir gar nicht groß genug denken. Ihm, Jesus Christus wird einmal alles untertan sind. Und von seinem Heil, das der Knechtschaft der Vergänglichkeit, nämlich dem Tod endgültig ein Ende setzen wird, wird auch die Schöpfung ergriffen sein. Jesus setzt frei. Jesus schenkt Leben – ewiges Leben. Gott geht es immer um’s Ganze. Auch mit seiner Erlösung – mit der Freiheit, die er schenkt. Die herrliche Freiheit wird auch die Schöpfung erfassen.

    Paulus redet auch von der Gegenwart rund um diesen Lehrtextvers. Er schreibt vom »Seufzen der ganzen Schöpfung« mit uns und von ihrer Bedrängnis. Ein Stück weit sehen wir dieses Seufzen der Schöpfung heute in den Schäden, die menschliche Maßlosigkeit und Gier ihr zufügen: Wenn Regenwälder abgeholzt werden, wenn unser Abgasausstoß – den wir durchaus reduzieren könnten – das Maß dessen übersteigt, was diese Schöpfung zu ertragen in der Lage ist. Auf der anderen Seite sehen wir – wie die Schöpfung aufatmet, wenn uns das Corona-Virus dazu zwingt, all unsere Aktivitäten etwas zurückzufahren: Den Tourismus, den Flugverkehr. Auf einmal sieht man vom Norden Indiens wieder die Berge des Himalaja und in Venedig kristallklar auf den Grund der Kanäle.

    Wir können und sollen etwas für die Umwelt, für diese Schöpfung tun. Denn Gott wird selbst einmal etwas Großes für sie tun – etwas, das wir mit unseren Mitteln freilich nicht können. Er will sie frei machen von der Knechtschaft der Vergänglichkeit. Er will den Tod abschaffen – als Frucht dessen, was Jesus am Kreuz und am Ostermorgen für uns getan hat. Zwei Konsequenzen für uns: Wir müssen davon reden, was Gott vorhat und was Gott in Jesus bereits begonnen hat, damit Menschen es hören und glauben und dabei sind in Gottes neuer Welt. Und wir wollen mit dieser alten Welt, wenn Gott auch sie befreien will, so gut es geht, schonend umgehen, damit sie nicht noch mehr seufzen muss.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 01.06. bis 07.06.

  • add Andacht für Sonntag Trinitatis, 7. Juni 2020

    Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!
    2. Korinther 13,13

    Drei – und doch eins! Das ist kurz zusammengefasst die Lehre von der Dreieinigkeit Gottes. So einfach und doch so kompliziert. Im Konfirmandenunterricht hat es einer so erklärt: Er malte ein Kleeblatt an die Tafel, kein vierblättriges, das man lange suchen muss, sondern so eins, wie wir es auf jeder Wiese finden. Dann fragte er: »Wie viele Blätter hat das?« - »Drei!« riefen die meisten. Doch ein paar wurden stutzig und sagten: »Eins!« - die andern widersprachen: »Nein drei!«. Der Pfarrer half etwas nach: »Wie oft müsst ihr pflücken, um solch ein Kleeblatt zu haben?« - »Einmal!« - also doch eins? Schließlich einigten sich die Schüler: Es sind drei Blätter in einem.

    Wie gesagt: Die Lehre von der Dreieinigkeit Gottes ist etwas, das unseren Verstand eigentlich übersteigt. Solange wir noch nicht bei Gott angekommen sind, werden wir dem Geheimnis des Wesens der Dreieinigkeit höchsten nachspüren können. Erkennen und Begreifen im Ganzen werden wir es erst in der Ewigkeit.

    Und doch gilt auch uns das, was vom Kleeblatt zu sagen ist: Wer es pflückt, hat alle drei. So weiß es auch der Apostel Paulus am Schluss seines Briefes. Wer an Gott glaubt, der hat den ganzen Segen der Dreieinigkeit. Der hat die Gnade unseres Herrn Jesus Christus. Der hat die Liebe Gottes, des Vaters und der hat die Gemeinschaft des Heiligen Geistes, der uns mit Gott und untereinander verbindet. So einfach ist das – und zugleich so wunderbar.

    Wir müssen uns nicht an den Dingen aufhalten, die wir nicht verstehen – und auch gar nicht richtig verstehen können. Wir dürfen uns an das halten, was wir verstehen können: Wer Jesus hat, wer an Gott glaubt, der hat auch den Heiligen Geist im Herzen, der ihm Jesus groß macht und den Vater loben hilft. Und der ihm die Gewissheit ins Herz gibt: Du bist von Gott geliebt, durch Jesus ist dir all deine Schuld vergeben, er schenkt Dir Brüder und Schwestern, die mit dir unterwegs sind. Und er bringt dich zum ewigen Leben. Das reicht für unser Leben.   

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Samstag, 6. Juni 2020

    Wie groß sind Gottes Zeichen und wie mächtig seine Wunder! Sein Reich ist ein ewiges Reich, und seine Herrschaft währet für und für.
    Daniel 3,33

    Das sagte ein Mann, von dem wir das wohl nicht erwartet hätten. Ein Mann, den wir als Nebukad­nezar, Großkönig des Neubabylonischen Reiches – in seiner Machtfülle vergleichbar mit dem amerikanischen oder chinesischen Präsidenten heute. Manchmal schenkt Gott auch mächtigen Männern eine prophetische Einsicht und Weitsicht. Aber das kommt sehr selten vor. Doch es ist echte Prophetie. Prophetie ist der Einblick in die Wirklichkeit Gottes, die wir mit unseren Augen nicht sehen. Doch diese Wirklichkeit ist viel größer als das, was wir vor Augen sehen – in der Weltgeschich­te oder im aktuellen Geschehen. 

    Nebukadnezar hat erkannt: Gottes Reich und Herrschaft bleiben. Und im Umkehrschluss ist damit die Erkenntnis verbunden: Mein Reich – in all seiner militärischen Stärke und in aller Pracht der Paläste und Städte – wird nicht bleiben. So wenig die menschlichen Reiche und Staatenverbünde vor und nach mir auf Dauer Bestand haben. Der Staffelstab der Vormachtstellung bleibt nicht in der Hand eines Menschen, eines Volkes.

    Echte Prophetie war es auch, als zwei Christen in der DDR Anfang der 1980er Jahre ein Lied dichteten. Dort heißt es: »Die Mächtigen kommen und gehen; und auch jedes Denkmal mal fällt. Bleiben wir nur, wer auf Gottes Wort steht, dem sichersten Standpunkt der Welt.« Von der Stasi wurden sie bespitzelt und dafür drangsaliert. Doch wenige Jahre später geschah genau das: Ich habe noch die Bilder vor Augen, als die sozialistischen Denkmäler umgerissen wurden – und die gefeierten Helden in Stahl auf den Schrottplatz wanderten.

    Wie gut, dass wir Gott kennen, dessen Reich ein ewiges Reich ist. Wie gut, dass er uns durch Jesus heute schon als Bürger in diesem Reich leben lässt – auch wenn wir noch mitten in dieser alten Welt, wo es an so vielen Stellen drunter und drüber geht. Wir dürfen wissen, wo wir Heimatrecht haben. Wir dürfen wissen, wer zuletzt das Heft des Handelns in der Hand haben wird. Gott lässt uns nicht los. Das macht getrost und zuversichtlich. Wir müssen nicht verzweifeln und verzagen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Freitag, 5. Juni 2020

    Jesus Christus spricht: Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.
    2. Korinther 12,9

    Unsere Sehnsucht als Menschen geht in Richtung Vollkommenheit und dass es uns gut geht. Wer krank ist, möchte gern gesund werden; wer arm ist, möchte gern reich werden; der Erfolglose möchte gerne Erfolg haben. Wer unglücklich ist möchte gern glücklich sein.

    Gelegentlich versuchen wir, Gott vor unseren Sehnsuchtskarren zu spannen: »Wenn es Gott gibt und wenn Gott ein Gott der Liebe ist und wenn Gott allmächtig ist, dann muss er mir doch zu meinem Glück, zu Erfolg und zu Gesundheit verhelfen.« So sagen nicht wenige Menschen. Und es gibt christliche Gemeinden, da ist das Wohlstandsevangelium Kern der Botschaft: »Wer an Gott glaubt, ist erfolgreich; wer richtig glaubt, der wird nicht krank…«

    Ja, Gott kann all unsere Wünsche und Sehnsüchte erfüllen. Er ist allmächtig. Das steht außer Frage. Doch es gibt Erfahrungen von Menschen auch in der Bibel, die uns zeigen, dass Gott es eben nicht immer tut. So auch die Erfahrung des Apostels Paulus. Dreimal, so berichtet Paulus, hat er Jesus angefleht, ihm eine Sache, die er nicht näher beschreibt – eine Krankheit oder eine Anfechtung – doch zu nehmen, damit er es leichter hat. Der Lehrtext von heute ist die Antwort von Jesus: »Meine Gnade ist für dich genug. Mehr brauchst du nicht; denn gerade in den Schwachen kann ich mächtig sein.« Gnade ist etwas anderes als Erfüllung unserer Sehnsüchte. Gnade ist mehr – viel mehr. Viel mehr als Gesundheit, als Erfolg, als Wohlstand. Gnade heißt: Angenommensein von Gott. Mit Gott im Reinen sein. »Hauptsache gesund?« Nein, »Hauptsache Gnade«, das Wichtigste ist, dass Gott uns so annimmt, wie wir sind und uns in seinen Dienst stellt, uns durch Jesus zu seinen Kindern macht und uns heute schon das ewige Leben schenkt – dem ehemaligen Christenverfolger Paulus genau wie uns. Paulus hat es erfahren: Die Gnade von Jesus trägt mich, stärkt mich – viel mächtiger als ich es mit aller Lebenskraft je hätte können. Diese Erfahrung sollen auch wir machen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Donnerstag, 4. Juni 2020

    David sprach zu Goliat: Du kommst zu mir mit Schwert, Spieß und Sichelschwert, ich aber komme zu dir im Namen des HERRN Zebaoth.
    1. Samuel 17,45

    Menschen sind anpassungsfähig. So ging es wohl auch den Kämpfern Israels und ihrem König Saul, als sie den Philistern gegenüberstanden. Tag für Tag trieb der Einzelkämpfer Goliat seinen Spott mit ihnen, verhöhnte sie und ihren Gott. Längst war die Aufregung über so viel Hochmut und Frechheit und Spott bei den Israeliten einer deprimierten Resignation gewichen: Wir können ja nichts machen. Und allen voran hatte der Kämpfer, der ihnen doch eigentlich vorangehen hätte müssen, ihr König, keinen Mut, sich dem Spötter zum Kampf zu stellen. Sie alle hatten sich an die deprimierende Lage angepasst.

    Und dann taucht David auf, eher das »Davidle«, der Jüngste der Söhne Isais. Der, der noch zu jung war, um mit dem König in den Krieg zu ziehen. Der, der zuhause blieb bei den Schafen, nun aber im Auftrag des Vaters nach den Brüdern schauen sollte. David bekommt mit, was sich da abspielt. Und er reagiert nicht angepasst. Er reagiert mutig. Kaum einer weiß, dass dieser junge David bereits vom Propheten Samuel zum König von Israel gesalbt worden ist. Doch nun erweist sich dieser Hirtenjunge als wahrer König, mit königlichem Mut und mit königlichem Gottvertrauen stellt er sich dem Elitekämpfer Goliat entgegen. Er lässt sich von der Hochrüstung nicht blenden. Er schaut auf Gott, auf den Gott, gegen den sich Goliat mit seinem Spott im Letzten richtet. Und er weiß: Gott lässt sich nicht spotten. Gott vertraut er – und mit Gott, nicht mit menschlicher Aufrüstung – gewinnt er den Kampf.

    Ihr seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft – schreibt uns der Apostel Petrus als Christen ins Stammbuch (1. Petrus 2,9). Auch wir sind zu diesem Gottvertrauen berufen. Nicht mit menschlicher Stärke und Kraft kommt Gott zu seinem Ziel, sondern mit Menschen, die von ihm abhängig sind. Sind auch wir deshalb fröhlich von ihm abhängig.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 3. Juni 2020

    Bittet, so wird euch gegeben; sucht, so werdet ihr finden; klopft an, so wird euch aufgetan.
    Matthäus 7,7

    Haben Sie sich schon einmal ausgesperrt. Ich schon – mit Hausschuhen im Schneetreiben stand ich vor der Haustür, und meine Frau war beim Einkaufen. Nicht jede Tür, an die man klopft, öffnet sich für uns. Nicht jede Bitte, die wir aussprechen, wird erhört. Nicht jede Suchaktion ist erfolgreich. Und doch: Wenn Jesus Christus uns einlädt – dann ist alles ganz anders.

    Dann ist unser Klopfen vor der Tür nicht vergeblich: Denn er ist es, der uns die Tür öffnet. Die Tür zu Gott. Dafür hat er sein Leben hergegeben. Er verspricht auch uns: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.

    Dann ist auch die Suche, die allerwichtigste Suche, die Suche nach Gott, nach der allerwichtigsten Bezugsperson für unser Leben, nicht vergeblich: Gott lässt sich finden. Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen.

    Und dann ist unser Bitten nicht unerhört. V.a. die Bitte um Glauben und Gottes Nähe, die Bitte um Trost und Hilfe. Gott wird nicht alle unsere Bitten so erfüllen, wie wir es uns vorstellen oder wünschen. Aber hören wir genau hin, was Jesus sagt. Er sagt nicht: Bittet, so wird euch alles genau so gegeben, wie ihr es euch wünscht. Er sagt: Bittet, so wird euch gegeben. Gott wird uns das geben, was aus seiner Sicht gut für uns ist. Aber wir dürfen ihm vertrauen: Er macht es gut.

    Wir sind eingeladen, eingeladen von Jesus, zu bitten, zu suchen und anzuklopfen. Gott freut sich, wenn wir zu ihm kommen, wenn wir mit ihm reden, wenn wir beten und ihm vertrauen. Er ist für uns da. Wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet, und wer da anklopft, dem wird aufgetan.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Dienstag, 2. Juni 2020

     

    Mein Herz ist fröhlich in dem HERRN.
    1. Samuel 2,1

    So betet eine Frau, die Gottes Hilfe erfahren hat: Hanna, die Mutter des Propheten Samuel. Und nun kann sie nicht anders als ihren Gott zu loben. Sie vergisst nicht, was sie Gott versprochen hat: Wenn er die Schmach und Not ihrer Kinderlosigkeit von ihr nimmt, dann soll das Kind, das geboren wird, Gott, dem HERRN gehören. Sie vergisst nicht, wem sie das Glück ihrer Mutterschaft verdankt. Und sie vergisst den Dank nicht. Die Folge aus all diesem Gedenken ist pure Freude: Mein Herz ist fröhlich in dem HERRN.

    »In dir ist Freude in allem Leide« singen wir – und wir dürfen es auch glauben. Es kommt gar nicht so sehr auf die äußeren Umstände an, um fröhlich zu sein oder zufrieden oder glücklich. Viel entschei­den­der ist, ob wir »in dem HERRN« erleben, was wir erleben – also verbunden mit ihm; in der Zwiesprache mit ihm. Dazu gehört auch, dass wir eben nicht nur das wahrnehmen, was uns tagtäglich vor Augen steht oder wir in der Zeitung lesen, sondern vor allem andern das, was er uns zu sagen hat: In der Bibel, in seinem guten Wort.

    Mit Gott reden und auf Gott hören, ihm vertrauen und ihn bitten und ganz viel darüber nachdenken, wo er mir schon geholfen hat und immer noch hilft – das ist das Rezept, damit auch wir sagen können: Mein Herz ist fröhlich in dem HERRN. »In wie viel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet.« Wie viel Hilfe, wie viel Gutes haben wir von ihm schon erlebt. Überhaupt, dass wir durch Jesus Christus »Vater« zu Gott sagen dürfen – all das ist Grund zur Zuversicht und zur Freude. Beides wünsche ich uns immer wieder neu von Herzen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Pfingstmontag, 1. Juni 2020

    Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder.
    1.
    Könige 8,39

    Der Monatsspruch stammt aus einem Schlüsselgebet in einer Schlüsselstunde. König Salomo hat einen Tempel, ein Haus für Gott gebaut. Nun wird er eingeweiht. Der König selbst betet – ein Gebet voller Innigkeit und Weisheit. Ein Gebet, in dem zum Ausdruck kommt, wer Gott ist – und wer wir Menschen sind. Und warum es Sinn macht und wichtig ist, dass wir mit Gott reden.

    Einer der Gründe ist: Gott allein kennt das Herz aller Menschenkinder. Er sieht uns ins Herz. Er sieht jedem Menschen ins Herz – in unser Innerstes. Es kann vorkommen, dass wir Menschen unsere Nächsten nicht mehr verstehen, weil wir uns nicht ins Herz sehen. Ja, es kann sogar vorkommen, dass wir uns selbst, unser eigenes Herz, unser eigenes Wollen und Denken und Entscheiden nicht mehr verstehen.

    Unser Gott aber weiß um all das. Er kennt unser Herz – unser aller Herz. Er sieht die tiefen Sehnsüchte und Wünsche; er sieht die Sorgen und Nöte, die uns quälen. Er sieht auch die Abgründe, die sich da auftun: den Neid, den Hass, die Bosheit. All das sieht und kennt Gott. Doch er wendet sich nicht ab, sondern er bleibt für uns ansprechbar. Nichts und niemand brauchen wir dringender als diesen Herrn, der uns in den tiefsten Tiefen unseres Herzens versteht und der uns durch Jesus Christus die Last und Sorge unseres Herzens abnimmt und uns zu seinen Kindern macht.

    Es ist gut, wenn wir uns immer wieder daran erinnern, dass wir Menschen nicht das Maß aller Dinge sind. Es ist gut, wenn wir es uns immer wieder bewusst machen, was wir alles nicht sehen – und nicht können. Aber es ist noch besser, wenn wir uns dann gleichzeitig an den wenden, der das alles weiß und kennt und kann: Unseren Gott. Er ist und bleibt für uns da.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 25.05. bis 31.05.

  • add Andacht für den Pfingstsonntag, 31. Mai 2020

    Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der HERR Zebaoth.                             Sacharja 4,6b

    Am 15. April 1956 hat das »älteste Parlament der Welt dem jüngsten Parlament« ein besonderes Geschenk gemacht: Das britische Parlament schenkte der Knesset, dem Parlament des jungen Staates Israel einen fünf Meter hohen siebenarmigen Leuchter, eine Menora. Heute steht die Knesset-Menora des aus Dortmund stammenden Bildhauers Benno Elkan vor dem Parlaments­gebäude in Jerusalem. Ganz viele Bilder aus der Geschichte Israels sind dort zu sehen. Ganz oben in der Mitte der betenden Mose, dem die beiden Männer, Aaron und Hur die Hände stützen, während Josua mit den Kriegsleuten unten im Tal gegen die Amalekiter kämpft.

    Auf den rechten Armen der Menora sind Kämpfe dargestellt. Ganz außen oben klagt Jeremia über die Zerstörung Jerusalems durch die Babylonier. Und ganz links außen ist Jesajas große Friedensvision dargestellt. Die ganze Spannbreite der Geschichte von Gewalt und tiefem Leid bis zum großen Heil, das noch aussteht, ist zu sehen. Es steht auch ein Bibelvers auf dieser Menora. Von Rechts nach links geschrieben, wie es im Hebräischen üblich ist. Es ist der Wochenspruch des Pfingstfestes: Rechts: Es soll nicht durch Heer oder Kraft – und links: Sondern durch meinen Geist geschehen spricht der HERR Zebaoth.

    Gott kommt zum Ziel mit seiner Geschichte. Mit seiner Heilsgeschichte. Nicht durch menschliche Stärke und Überlegenheit erreicht er seine Ziele, sondern durch seinen Geist. Oft genug zum Staunen, oft genug sind gerade das die Sternstunden in Gottes Heilsgeschichte, wo nach menschlichem Ermessen kein Staat mehr zu machen war. Nicht Menschen schaffen das Heil und den Frieden im Letzten – sondern er, unser Gott. Mit ihm dürfen auch wir heilvoll rechnen in unserem Leben. An jedem Tag neu. Mit ihm und seinem neuschaffenden Geist.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Samstag, 30. Mai 2020

    Bileam sprach: Wenn mir Balak sein Haus voll Silber und Gold gäbe, so könnte ich doch nicht übertreten das Wort des HERRN.        Numeri 22,18

    Sorgenvoll schaut der König der Moabiter, Balak vom Gebirge ins Tal. Das Volk Israel, das aus Ägypten ausgezogen war, bedroht sein Herrschaftsgebiet. Den letzten möglichen militärischen Verbündeten, die Amoriter, haben die Israeliten schon vernichtend geschlagen. Nun sucht Balak händeringend nach einem Bündnispartner gegen dieses Volk. Schließlich fällt ihm Gott ein, der Gott, mit dem Bileam – wohl ein damals überaus bekannter Mann, eine Art Prophet – in besonderem Kontakt stand. Bileam muss her. Bileam muss dieses Volk im Namen Gottes verfluchen. Egal, was es kostet, Bileam muss her.

    So wandert eine Truppe von Diplomaten ins Zweistromland zu Bileam, um ihn zu holen. Doch in der Nacht spricht Gott mit Bileam: Geh nicht mit ihnen, verfluche das Volk auch nicht; denn es ist gesegnet. Balak hört von der Weigerung und legt noch eine Schippe drauf: Er schickt noch wichtigere Leute zu Bileam und verspricht ihnen noch mehr Geld. Und nun kommt Bileams Antwort, unsere Losung: Wenn mir Balak sein Haus voll Silber und Gold gäbe, so könnte ich doch nicht übertreten das Wort des HERRN weder im Kleinen noch im Großen.

    Gott und sein Wort muss zuerst kommen. Gott und was er will, muss an erster Stelle in unserem Leben stehen. Das ist die Botschaft dieses Verses. Es gibt keinen vernünftigen Grund und keine noch so verlockende Aussicht auf Profit, die es erlauben würde, gegen das, was Gott gesagt und geoffen­bart hat zu handeln. Jesus sagt: Himmel und Erde werden vergehen – aber meine Worte werden nicht vergehen. Darum ist dieses Wort Gottes, das wir heute in der Bibel aufgeschrieben finden, so kostbar und so wichtig. Denn das, was Gott sagt, was Jesus sagt, das bleibt. Alles andere vergeht. Und darum soll auch bei uns Gottes Wort und das Hören auf ihn vor und über allem anderen stehen. Gott und was er will und vorhat, muss an erster Stelle in unserem Leben stehen. So kann unser Leben gelingen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Freitag, 29. Mai 2020

    Meine Zunge soll reden von deiner Gerechtigkeit und dich täglich preisen.       Psalm 35,28

    Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über. So auch in diesem uralten Lied von David. David, der bis heute bekannte zweite König Israels. Vielleicht ist auch bekannt, dass seine Lebensgeschichte äußerst turbulent war. Als junger Mann durch den Propheten Samuel zum König berufen, war sein Aufstieg alles andere als geradlinig. Zuerst besiegt er den Riesen Goliath. Dann lässt ihn Saul an seinen Hof als Musiktherapeut holen. Militärische Erfolge schließen sich san. Doch dann will ihn der krankhaft eifersüchtige König Saul umbringen. David muss fliehen, irrt durch die Berge der Wüste Juda, versteckt sich in Höhlen mit einer handvoll Männer, flieht zu den Philistern, den Feinden Israels, muss sich wahnsinnig stellen.

    Schließlich – durch alle Wirren hindurch – wird er doch noch König. Ein erfolgreicher König. Doch am Ende seiner Regentschaft scheinen sich die Wirren aus der Anfangszeit zu wiederholen: Seine Söhne ringen um seine Nachfolge; politische Intrigen werden ausgespielt, der Vater entmachtet – er muss erneut fliehen – Absalom, der aufrührerische Sohn stirbt. David trauert.

    Der 35. Psalm, aus dem die Losung stammt, ist ein Klagepsalm gegen die Feinde: HERR, führe meine Sache wider meine Widersacher, bekämpfe, die mich bekämpfen! In der Lebensgeschichte Davids gibt es viele Situationen, wo solch ein Psalm nur allzu verständlich wäre. Umso erstaunlicher finde ich den Schluss dieses Psalms, eben unsere Losung: Meine Zunge soll reden von deiner Gerechtigkeit und dich täglich preisen. Auch wenn sich an der Situation noch gar nichts geändert hat, David vertraut von Herzen darauf, dass Gottes Gerechtigkeit über die Ungerechtigkeit, die Menschen uns antun können, siegen wird – und davon ist sein Herz erfüllt. Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über. Da lebt einer mit dem, was Gott versprochen, verheißen hat. Tun wir es doch auch. Nehmen wir Gott beim Wort – und loben wir ihn. Denn er ist stärker als alles, was uns bedrohen mag.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Donnerstag, 28. Mai 2020

    Der Kranke antwortete Jesus: Herr, ich habe keinen Menschen, der mich in den Teich bringt, wenn das Wasser sich bewegt; wenn ich aber hinkomme, so steigt ein anderer vor mir hinein. Jesus spricht zu ihm: Steh auf, nimm dein Bett und geh hin!                           Johannes 5,7-8

    Was ist diesem kurzen Gesprächsausschnitt vorangegangen? Jesus kam mit seinen Jüngern zu einem der großen Jahresfeste nach Jerusalem. Während sich die Stadt mit fröhlichen Pilgern füllt, geht er in die Teichanlage von Bethesda, beim Schaftor. Allerlei Kranke und Behinderte sind dort versammelt. Allesamt ausgeschlossen von der fröhlichen Festgemeinschaft im Tempel. Alle klammern sich an einen Strohhalm der Hoffnung: Wenn sich das Wasser im Teich bewegt, dann könnte das doch eine wundersame Heilwirkung haben. Also lauern sie Tag für Tag, dass das Naturphänomen eintritt.

    Woran hängen Menschen nicht ihre Hoffnung, wenn alle eigenen Möglichkeiten zu Ende sind! Wenn kein Arzt mehr helfen kann oder kein Ausweg mehr aus der finanziellen Katastrophe oder der Beziehungskrise zu führen scheint.

    Jesus, der Sohn Gottes, geht nicht zuerst in den Tempel, sondern dorthin, zum Teich Bethesda. Er sieht die Not. Auch die besonders große Not dieses Mannes, der 38 Jahre lang schon krank hier liegt. Und für den selbst der Strohhalm des sich bewegenden Wassers in unerreichbare Ferne gerückt ist. Jesus sieht es, erkennt es. Und dann spricht er das Wort der Schöpfermacht Gottes: Steh auf, nimm dein Bett und geh hin!

    Das, womit keiner gerechnet hat, das was keiner erwartet hat. »Er weiß viel tausend Weisen zu retten aus dem Tod« heißt es in einem Lied von Paul Gerhardt aus der notvollen Zeit kurz nach 30-jährigen Krieg. Nein, wir kennen nicht alle viel tausend Weisen, wie er aus dem Tod retten kann. Wir müssen sie auch gar nicht kennen. Es reicht, ihn, den großen Gott zu kennen. »Nicht einen großen Glauben brauchen wir« hat der Chinamissionar Hudson Taylor gesagt, »sondern Glauben an einen großen Gott.«

    In Jesus sehen wir das Gesicht dieses großen Gottes. Mit ihm dürfen wir reden im Gebet. Er weiß auch um unsere Not, um unsere Sorge und er will uns helfen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 27. Mai 2020

    Ich bin darin guter Zuversicht, dass der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird’s auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu.

    Mit diesen Worten ermutigt der Apostel Paulus die Christen in Philippi in seinem Brief an die Gemeinde dort. Diesen Vers finden Sie im Losungsbüchle heute als Lehrtext.    

    An’s Ziel kommen; bei Jesus bleiben; den Lebensweg auf dieser Erde am Ende mit Gott beschließen und bei IHM in der Geborgenheit und in seinem Friedensreich endgültig ankommen. Das wünschen wir uns. Um auf dem Weg mit IHM zu bleiben, freuen wir uns über Gottesdienste, über Bibellesen, über Gemeinschaft mit anderen, über die Nähe zu unserem Gott im Gebet. Und gerade junge Christen sind oft begeistert und motiviert unterwegs, dem festen Willen, bei Jesus zu bleiben. Wenn wir älter werden, lassen nicht nur unsere äußeren Kräfte nach. Wir merken auch, dass unser eigener Wille, unsere eigene Entscheidung nicht ganz so tragend ist, wie wir einmal dachten, sondern oft schwankend und ungewiss. Da können uns Zweifel kommen: Werde ich auf dem Weg mit Jesus bleiben? Mit meinem schwachen Charakter? Werde ich wirklich ans Ziel kommen? Wird mir nicht spätestens im Sterben die Glaubenspuste ausgehen?

    Paulus, der selbst ein Willensmensch ist und ein Tatmensch, kennt solche Zweifel und Unsicherheiten. Er legt uns als Bruder und Freund die Hand auf die Schultern und sagt: Du hast ganz recht und ich verstehe Dich. Deine Kraft ist begrenzt und reicht vielleicht nicht aus bis zum Ziel. Aber das Entscheidende musst auch gar nicht Du tun, das Entscheidende tut Jesus für Dich. ER bringt Dich ans Ziel. Erinnere Dich, wie Dein Glaubensweg einmal begann. Wie viel Hilfe hat Dir damals Gott geschenkt! Dass Du den Mut zum Weg mit ihm fandest. Überlege, welche Menschen er Dir geschickt hat, die Dich ermutigt haben, dran zu bleiben? Erinnere Dich: In wie vielen Situationen hat er Dir geholfen? Und guck, genauso, wie ER Dir damals zur Seite stand, ist er noch heute bei Dir und wird Dich als Dein guter Hirte ans Ziel bringen. Er trägt Dich und hält Dich. Auf ihn kommt es an! Schau auf ihn!

    „Ich bin darin guter Zuversicht, dass der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird’s auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu.“

    Ich wünsche Ihnen einen zuversichtlichen Tag,

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • add Andacht für 26. Mai 2020

    Der HERR schaut vom Himmel auf die Menschenkinder, dass er sehe, ob jemand klug sei und nach Gott frage.                              Psalm 14,2

    Wissen kann man anhäufen, den Intelligenzquotienten vielleicht durch Tests ermitteln. Aber für Klugheit, für echtes Klugsein, gibt es nur ein einziges Kriterium: Klug ist, wer nach Gott fragt. Klug ist, wer mit Gott rechnet. Die Furcht des HERRN ist der Weisheit Anfang. So einfach ist das. Dabei wird deutlich: Es geht bei dieser Klugheit nicht um den Intellekt, sondern ums Herz. Es geht nicht um Kopfwissen, sondern um die Umsetzung im Alltag.

    Also müssen wir fragen: Was heißt das: nach Gott fragen? Wie macht man das? Antwort: indem ich das im Gebet tue und den Kontakt mit Gott suche. Indem ich vor und in allen Dingen, die mein Leben betreffen, es mit ihm bespreche – und ihn frage: um Rat, um Weisung, um Hilfe. Herr, was meinst du, was ich tun soll. Und dann natürlich auch, indem ich das zur Hand nehme, was er mir an Orientie­rungs­hilfe und an Antworten gegeben hat. Durch Menschen, mit denen er geredet hat, und die es aufgeschrieben haben. Wir haben Gottes guten Willen, Gottes Pläne – mindestens so weit wir sie wissen müssen – in der Bibel. Ja, es ist Menschenwort – aber zugleich ist es genauso uneinge­schränkt Gottes Wort, seine Offenbarung an uns. Sein Liebesbrief an uns.

    Nach Gott fragen – das hätten wir allerdings missverstanden, wenn wir denken, es sei damit getan, ab und zu mal auch an Gott zu denken. Gott geht es immer um’s Ganze. Ganz oder gar nicht – nach Gott fragen. Das sind die einzigen Alternativen. Gott will unser Leben bestimmen, prägen. Er will der Herr unseres Lebens sein. Sonst wäre er nicht Gott.

    Nach Gott fragen, das heißt: Gott über alle Dinge fürchten, lieben und ihm vertrauen. Das ist weise. Das ist klug. Denn wer ihm vertraut, ihn liebt und ihn fürchtet, der ist geborgen, gehalten und getragen bis in Ewigkeit.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 25. Mai 2020

    HERR, frühe wollest du meine Stimme hören, frühe will ich mich zu dir wenden und aufmerken. Psalm 5,4

    Ein Mähder, ein Mann mit einer Grassense steht schon früh am Morgen auf einer Bergwiese und schneidet mit der Sense Gras. Stunde um Stunde arbeitet er – aber es geht nicht so richtig voran. Ein anderer beobachtet ihn und dann sagt er: »Du solltest deine Sense mit dem Wetzstein schärfen«. Doch der Mähder schaut ihn nur kurz an – und sagt dann: »Dafür habe ich keine Zeit, ich hab noch so viel zu mähen.« Der arme Mann. Weiß er denn nicht: »Dengeln hält den Mähder nicht auf.« Die Sense schärfen, das ist keine Zeitverschwendung sondern Zeitgewinn.

    Dasselbe gilt für unser Leben. Vergleichen wir es mal mit einem Schiff. Morgens schon werfen wir die Schiffsmaschine an, um dann mit voller Kraft voraus in den Tag zu starten. Wir haben nur ein Problem: Wir haben nicht Kurs genommen, wir wissen nicht so recht, wohin mit all der Energie, mit all der Mühe, mit all der Lebenskraft. Wir kommen von Sinnen, wenn wir nicht mehr zur Besinnung kommen.

    Genau das hat der Beter erkannt – und seine Prioritäten anders gesetzt: Zuerst kommt der Kontakt mit Gott: frühe wollest du meine Stimme hören. Nicht erst, wenn ich mit meinem Latein am Ende bin, der Arzt nur noch ratlos mit den Schultern zuckt und ich keinen Ausweg mehr sehe. Nicht erst dann. Frühe wollest du meine Stimme hören. Gott soll und darf die erste Adresse für alles sein, was unser Leben betrifft. Zuerst – vor allen anderen Menschen – möchte ich es mit ihm bereden. Möchte mich an ihn wenden – und auf das hören, was er mir in seinem Wort sagt. Ich bin mir ganz sicher: Mit ihm zu reden und auf ihn zu hören – das ist keine vertane Zeit, sondern macht unsere Zeit zu einer erfüllten Zeit.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 18.05. bis 24.05.

  • add Andacht für Sonntag Exaudi, 24. Mai 2020

    Bei dir ist Vergebung, dass man dich fürchte.    Psalm 130,4

    Vergebung macht was mit uns. Denn Vergebung ist und bleibt etwas ganz Besonderes. Etwas nicht Alltägliches. Sie entspringt Gottes Gnade, Gottes unverdienter Zuwendung. Dietrich Bonhoeffer hat im ersten Kapitel seines Buches „Nachfolge“ von der teuren Gnade gesprochen und zugleich vor der billigen Gnade als Missstand der christlichen Kirche seiner Zeit gewarnt: »Billige Gnade heißt Gnade als Schleuderware, verschleuderte Vergebung, verschleuderter Trost, verschleudertes Sakrament; Gnade als unerschöpfliche Vorratskammer der Kirche, aus der mit leichtfertigen Händen bedenkenlos ausgeschüttet wird; Gnade ohne Preis, ohne Kosten… Billige Gnade heißt Rechtfertigung der Sünde und nicht des Sünders. … Billige Gnade ist Gnade ohne Nachfolge, Gnade ohne Kreuz, Gnade ohne den lebendigen, menschgewordenen Jesus Christus.«

    Bei dir ist Vergebung, dass man dich fürchte – spricht in genau demselben Sinn der Psalmbeter. Gottes Vergebung zielt auf Veränderung. Sie will mein ganzes Leben prägen. Wie es im Lehrtext aus dem Kolosserbrief für heute heißt: Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! Begnadigte leben anders. Jesus ist am Kreuz für uns gestorben, nicht nur, um uns unsere Schuld abzunehmen, sondern um uns zu erlösen, zu erwerben und zu gewinnen - »auf dass ich sein Eigen sei und ins einem Reich unter ihm lebe in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit. Gleichwie er ist auferstanden von den Toten, lebt und regiert in Ewigkeit. Das ist gewisslich wahr« So hat es Martin Luther erklärt.

    Der Psalmbeter spricht von Gottesfurcht. Während Ängste uns lähmen, ist die Gottesfurcht die einzige Furcht, die befreit: Wer sich vor Gott fürchtet – und ihn ehrt, oder ihn »fürchtet und liebt« wie Martin Luther in der Erklärung der 10 Gebote sagte, der braucht sich vor nichts und niemand anders zu fürchten. Da bei Gott – und mit ihm – ist unser Leben gut aufgehoben.

    Pfarrer Andreas Streich  

  • add Andacht für Samstag, 23. Mai 2020

    Mose sprach: Siehe, ich lege euch heute vor den Segen und den Fluch: den Segen, wenn ihr gehorcht den Geboten des HERRN, eures Gottes, die ich euch heute gebiete, den Fluch, aber, wenn ihr nicht gehorchen werdet den Geboten des HERRN, eures Gottes.  5. Mose 11,26-28

    Nicht immer hilft das Schwarz-Weiß-Denken weiter. Doch manchmal sind die Dinge so einfach, wie sie die Losung beschreibt: Es gibt in unserem Verhältnis zu Gott nur zwei Alternativen: Segen oder Fluch. Manchmal braucht es diese Klarheit, diese scharfen Kontraste – diese eindeutigen Aussagen: In Zusage wie auch in Warnung. Das mag unbequem sein, das mag zu einer zu einseitigen Gottes­vor­stellung, die nur einen »lieben Gott« kennen will, nicht passen. Aber das ist zentraler Inhalt der biblischen Offenbarung, dessen, was die Menschen des Alten und des Neuen Bundes von und mit Gott erlebt haben: Segen und Fluch. Gott nimmt uns Menschen ernst – Gott nimmt auch unsere Sünde ernst. Und Gott kann das trennen, was uns oft so schwer fällt: Den Sünder und die Sünde.

    So einfach die Botschaft ist, so schwer sind die Worte doch. Denn: Zu welcher Sorte Mensch gehören wir: Zu denen, die Gottes Gebote gehorchen – oder zu denen, die nicht gehorchen? Im Neuen Testament macht Jesus aller Selbsttäuschung in dieser Frage ein Ende: Da ist keiner, der Gutes tue, auch nicht einer stellt er nüchtern fest. Also: Alle unter dem Fluch. Ja! Und dann berichtet derselbe Paulus voller Staunen im Galaterbrief: Christus aber hat uns erlöst von dem Fluch des Gesetzes, da er zum Fluch wurde für uns (Galater 3,13). Ja, Gott verflucht die Sünde. Ja, vor Gott ist unser Ungehor­sam ihm gegenüber das Gravierendste, das es gibt. Etwas, worüber kein Gras wächst. Gott geht nicht zur Tagesordnung über. Aber er selber räumt aus. Er selber nimmt in seinem Sohn den Fluch, der uns treffen müsste, auf sich – und lässt uns noch einmal neu anfangen. Wieder sind wir beim Kern der christlichen Botschaft: Gottes Liebe, die keinen aufgibt. Gottes Liebe, die ihn selber alles tun lässt, damit wir verlorene Leute wieder mit ihm ins Reine kommen können. Was für eine Liebe! Was für eine Botschaft! Mit dieser Liebe, mit diesem Gott, der in Jesus Christus den Fluch von uns nimmt uns seinen ganzen Segen schenkt, können wir getrost leben und können wir auch getrost einmal sterben.  

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Freitag, 22. Mai 2020

    Andacht für Freitag, 22. Mai 2020

    Als der Sohn noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn, und er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn.                Lukas 15,20

    Liebe, Erbarmen, Freundlichkeit – all das können wir bei Gott lernen. Im Gleichnis vom verlorenen Sohn hat Jesus eindrücklich verdeutlicht, wie Gott es mit uns Menschen meint. Gerade auch mit denen, deren Biografie nicht so bruchlos und tadellos ist. Was motiviert den Vater, seinen Sohn, der auf den Vater und das Vaterhaus gepfiffen hat, nicht wieder in die Wüste zu schicken? Was für einen Grund gibt es, das alte Sprichwort »Wer nicht hören will, muss fühlen« nicht konsequent in die Tat umzusetzen?

    Ich kenne nur eines: Liebe. Abgrundtiefe, unbegrenzte und unüberbietbare Liebe. Gott gibt seine Menschen nicht auf. Keine und keinen einzigen. Auch die nicht, die wir längst abgeschrieben und abgestempelt haben. Die wir ausgrenzen und verurteilen, verdammen und vor denen wir warnen. Gott gibt sie nicht auf. Gott sehnt sich nach seinen Menschen. Nach jedem und jeder Einzelne von uns. Wer Gottes Erbarmen am eigenen Leib erfahren hat, der weiß auch um seine eigene Verloren­heit. Der weiß, wie wenig er Gottes Liebe, Gottes Erbarmen, diesen von Gott geschenkten Neuanfang verdient hat.

    So ist Gott. Das ist die Kernbotschaft des christlichen Glaubens: Durch Jesus Christus schenkt uns der große Gott einen ganz neuen Anfang, da macht er verlorene und verdammte Menschen zu Gottes Kindern. Nein, nicht wir sind das Maß aller Dinge. Nein, nicht wie wir uns selbst beurteilen und bemessen, zählt – sondern wie er, unser Gott uns ansieht. Und davon gilt es zu reden. Daran gilt es festzuhalten – vor und während und nach Corona: So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Da ist ein Vater im Himmel, der wartet bis wir heimkehren. Der sehnt sich nach uns. Nichts braucht diese Welt dringender als diese Botschaft

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Christi Himmelfahrt am Donnerstag, 21. Mai 2020

    Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.
    Johannes 12,32

    Himmelfahrt – das ist der Regierungsantritt von Jesus Christus. Nun ist er erhöht von der Erde. Schritt für Schritt ist er dorthin gelangt, wo er eigentlich hingehört: Am Ostermorgen durch die Auferstehung aus dem Tod ins ewige Leben. Und am Himmelfahrtstag von der Erde in Gottes Welt, die wir – weil wir kein anderes Wort dafür haben - »Himmel« nennen. Gottes Himmel ist aber etwas ganz anderes nochmal als unser Himmel oder das Weltall. Diesen Himmel Gottes können wir Men­schen nicht sehen und nicht erforschen. Jesus gelangt ans Ziel. Das ist die Botschaft von seiner Himmelfahrt. Es geht zunächst um seinen ganz persönlichen Weg als ewiger Sohn Gottes: Der in Ewigkeit beim Vater war – und aus der Ewigkeit in diese Welt kam – und nun wieder dorthin zurückkehrt, wo er hingehört.

    Das betrifft nun aber auch sein Werk: Das, was er mit uns vorhat. So wie Ostern Kreise zieht, so zieht auch Himmelfahrt Kreise: Die Herrschaft Jesu zieht Kreise. Sie umfasst alles. Und das, was Jesus wirkt, zieht Kreise – sein Wirken wird einmal alles ausfüllen. Was heißt das für uns heute? Wir sind mit hineingenommen in das, was an Himmelfahrt damals auf dem Ölberg in Jerusalem geschehen ist. Jesus sagt: Wenn ich erhöht werde, so will ich alle zu mir ziehen. Jesus hat ein Ziel mit uns. Und das Ziel heißt: Ewiges Leben in seiner Herrlichkeit. Dorthin will er uns ziehen. Er hat uns durch sein Sterben und Auferstehen zu Gottes Kindern gemacht. Und nun will er, dass wir auch die Herrlichkeit sehen, in der er ist. Das ist unser Ziel: Gottes Herrlichkeit. Und so, wie nichts und niemand ihn aufhalten konnte, vom Tod aufzuerstehen, so kann uns nichts aufhalten, in Gottes Herrlichkeit zu gelangen. Jesus zieht. Und er lässt nicht los. Er kommt zum Ziel – auch mit uns. So wie Paulus es schreibt: Ich bin darin guter Zuversicht, dass der, der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird’s auch vollenden bis an den Tag Jesu Christi. Der Tag Jesu Christi, das ist der Tag seiner Wiederkunft in Herrlichkeit. Dann wird er auch uns zu sich holen – für immer und ewig.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Mittwoch, 20. Mai 2020

    Der Gerechte erkennt die Sache der Armen.
    Sprüche 29,7

     

    Gott geht es immer ums Ganze. Er will ganz und allein unser Gott sein. Und er will unser Leben ganz bestimmen. So einfach lässt sich die Sache mit dem Glauben zusammenfassen: Gott geht es immer ums Ganze. Bei ihm gilt: Das Eine nie ohne das Andere.

    Früher sagte man: »Wenn sich der Bauer bekehrt, dann merkt es zuerst das Vieh im Stall.« Ein Leben mit Gott, das strahlt aus – hinein in alle Lebensbereiche. Hier – in unserer Losung – sind es die Armen, die in den Blick genommen werden. Wer mit Gott im Reinen ist, wer mit ihm lebt und ihm vertraut, dem öffnet Gott die Augen dafür, wo es fehlt, wo Missstände sind. Der »Gerechte«, das ist der, der nach Gott fragt, der Gott fürchtet. Und hier heißt es nun: Dass der auch die Sache der Armen erkennt. D.h. der bekommt ein Gespür dafür, wo es fehlt und was es braucht. Weil Gott es ihm aufs Herz legt. Gott geht es immer ums Ganze. Nie nur um Frömmigkeit allein, sondern auch um soziale Verantwortung.

    Ich sehe in der heutigen Losung auch eine Anfrage und ein Korrektiv für uns: Ist es bei uns auch so? Hat unser Glaube auch Auswirkungen in alle Lebensbereiche, in alle Lebensbezüge? Oder ist da an der einen oder anderen Stelle noch etwas ausgeklammert? Etwas, wo wir meinen: Das hat mit dem Glauben an Gott nichts zu tun?

    Lassen wir es uns exemplarisch an diesem Vers zeigen: Es gibt keinen Lebensbereich, wo Gott in unserem Leben nicht das Sagen haben wollte. Lassen wir uns von ihm barmherzige Augen schenken, die finanzielle, aber auch geistliche Nöte bei Menschen in unserem Umfeld erkennen. Und bitten wir ihn um Liebe und Phantasie, um ihre Sache zu unserer Sache zu machen und ganz praktisch zu helfen. Gott zur Ehre, den Menschen zum Zeugnis und allen widergöttlichen Mächten zum Trotz.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Dienstag, 19. Mai 2020

    Zachäus aber trat herzu und sprach zu dem Herrn: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück.
    Lukas 19,8

     

    Unter manchem Sackgassenschild steht der Hinweis: »Keine Wendemöglichkeit«. Das ist eine Warnung – nicht nur für LKW-Fahrer und alle mit einem Anhänger: Da kommst du unter Umständen nicht mehr raus. Blöd, wenn man dann trotzdem reinfährt. Dann hilft nur noch der Rückwärtsgang.

    Gott schafft eine Wendemöglichkeit. Durch Jesus Christus schenkt Gott uns die Möglichkeit zur Umkehr. »Buße tun heißt: Umkehren in die offenen Arme Gottes. Dazu gehört, dass wir unsere Sünden herzlich erkennen, vor Gott und in gewissen Fällen auch vor Menschen bekennen, bereuen, hassen und lassen und im Glauben an Jesus Christus in einem neuen Leben wandeln.« Wie das ganz praktisch aussieht, das sehen wir bei Zachäus. Und da sehen wir auch, was Martin Luther so beschrieb: Buße tun ist ein fröhliches Geschäft.

    Wir müssen die falschen Wege nicht bis zu Ende gehen. Wir müssen nicht in unserer Schuld umkommen. Wir müssen uns nicht ewig grämen über falschen Entscheidungen. Und wir müssen die Schuld schon gar nicht verharmlosen oder auf andere schieben. Jesus will uns unsere Schuld abnehmen. Er will uns vergeben. Und er will, dass wir noch einmal – mit ihm – neu anfangen können.  Jemand malte auf ein Foto von einem Sackgassenschild in das weiß-rote »T« den gekreuzigten Jesus hinein, dass es aussah wie ein Kreuz und dann strich er das »Keine« durch, so dass nur noch das Wort »Wendemöglichkeit« blieb. Ja, der Gekreuzigte Jesus Christus ist unsere Wendemöglichkeit. Da ist die Tauschstelle: Wo wir unsere Schuld loswerden und in ein neues Leben starten dürfen. Mit ihm und geprägt von ihm, unserem Herrn, den auch Zachäus ganz bewusst als »Herr« anredet.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Montag, 18. Mai 2020

    HERR, du gabst unsern Vätern deinen guten Geist, sie zu unterweisen.
    Nehemia 9,20

     

    Ohne den Heiligen Geist gibt es keinen Glauben. Gottes Geist können wir nicht sehen und nicht steuern. Er weht, wo er will. Im Hebräischen wie im Griechischen bedeutet das Wort für Geist zugleich auch »Wind« und »Hauch«. Was ist der Heilige Geist? Er ist ein Geist der Unterweisung – das erfahren wir aus dem Losungsvers. Unterweisung nun aber in einem sehr persönlichen Sinn: Dass mir das, was ich von Gott erkannt habe, zu Herzen geht. Dass es mein Herz berührt und verändert.

    Der Heilige Geist ist nicht nur ein Geist, der Wissen vermittelt. Das wäre zu wenig. Sondern er ist viel mehr ein Lebendigmacher: Wenn ich in meiner Bibel lese – ohne den Heiligen Geist – dann bleibt alles nur schwarz und weiß: Weißes Papier und schwarze Buchstaben. Der Heilige Geist als Lebendigmacher macht mir das Wort Gottes lebendig: Dass ich spüre und merke: Das gilt jetzt mir! Diese Zusage, die darf ich ganz persönlich nehmen. Deshalb: Ohne den Heiligen Geist gibt es keinen Glauben. Kein Vertrauen zu Gott. Keinen Glaubensmut, kein Glaubenswagnis und keine Glaubensgewissheit. All das bewirkt Gottes Heiliger Geist in uns.

    Wenn im Nehemiabuch an die Gabe und das Wirken von Gottes gutem Geist erinnert wird, dann in der Gewissheit, dass dieser gute Geist auch damals – und auch bei uns heute – wirksam sein muss und sein will. Wir dürfen bitten, dass er uns erfüllt, uns prägt, uns motiviert und uns lebendig macht. Ja, auch wir brauchen ihn – genau wie die Väter, genau wie zu Zeiten Nehemias. Und Gott schenkt ihn uns. Was für ein wunderbares Geschenk – dieser Lebendigmacher, Gottes guter Geist.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 11.05. bis 17.05.

  • add Andacht für Sonntag Rogate, 17. Mai 2020

    Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.
    Psalm 66,20

     

    So haben es viele von uns wohl einmal auswendig gelernt: »Das Gebet ist ein Reden des Herzens mit Gott in Bitte und Fürbitte, Dank und Anbetung. An guten wie an schlechten Tagen dürfen wir als Kinder Gottes im Namen Jesu zu ihm kommen.« Es ist gut, das zu wissen – und es ist noch besser, das zu praktizieren – Tag für Tag. Und es lohnt sich, ab und zu – wie heute am Sonntag Rogate, dem »Gebetssonntag« über das Beten mit der Bibel in der Hand auch einmal nachzudenken.

    Der unbekannte Psalmbeter tut das im Psalm 66. Und er tut es in der – wie ich meine – einzig möglichen und richtigen Form: Indem er Gott lobt. Indem er Gott sagt, wie gut er ist. Und wie gut es tut, mit ihm zu leben. Wenn Sie den ganzen Psalm lesen, merken sie: er tut das mit zweierlei Adressaten: Einmal Gott selbst gegenüber – im Mittelteil des Psalms. Und dann aber auch gegenüber anderen Menschen, die er ermutigt, Gott auch zu loben und zu beten. Gott loben – darauf kommt es an. Gott an die erste Stelle setzen – auch in unserem Leben. Denn er hat es wirklich verdient. Ihm gebührt der erste Platz. Das Vaterunser ist uns heute als Predigttext gegeben. Auch da kommt Gott zuerst: Dein Name werde geheiligt, dein Reich komme, dein Wille geschehe. Und mit dem Lob und der Anbetung Gottes endet dieses einzigartige Gebet auch: denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Wie gut, dass Gott unser Gebet hört. Wie gut, dass wir mit allen großen und kleinen Nöten immer zu ihm kommen können. Wie gut, dass seine Tür – durch Jesus Christus – für uns alle weit geöffnet ist. Sagen wir’s ihm doch, wie gut er ist und wie gut er uns tut – immer wieder. Denn: Danken schützt vor Wanken und Loben zieht nach oben.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 16. Mai 2020

     

    Jesus spricht: Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen. Lukas 21,33

     

    Plötzlich ist alles anders. Ein kleines Virus wirft unseren Alltag und auch unsere Urlaubsplanungen völlig durcheinander. Selbständige, kleine und große Betriebe – denen man das nie zugetraut hätte – bangen um ihre Existenz, Menschen um ihren Arbeitsplatz. Wer hätte das gedacht? Das war nicht geplant – doch plötzlich ist alles anders. Es zeigt mir, wie zerbrechlich all die Sicherheiten sind, die wir uns selbst schaffen. Jesus ist in seinem Wort noch viel grundlegender: Alles, aber auch wirklich alles, was uns diese Welt an Sicherheit bieten kann, hat im Letzten keinen Bestand. Himmel und Erde werden vergehen. Himmel und Erde, so wie wir sie kennen, sind nicht das, was bleibt und sind darum auch nicht das, woran wir unser Herz und unser Leben im letzten hängen können.

    Würde der Satz hier enden, dann wäre das eine niederschmetternde Diagnose. Dann hieße das: Uns allen – auch unserer Welt – bleibt nur das Vergehen und Vergessenwerden. Doch der Satz geht weiter. Und jetzt kommt die entscheidende Orientierungshilfe: Aber meine Worte werden nicht vergehen. Das, was Jesus Christus zusagt, das bleibt bestehen. Auch über dieses Leben hinaus. Auch über den Tod hinaus. Auch über diese Welt hinaus. Solange wir in dieser Welt leben und solange sie besteht, durch alle Krisen-, Kriegs- und Pandemiezeiten hindurch – bis an ihr Ende gilt uns das Wort: Siehe, ich bin bei euch bis an der Welt Ende. Und wenn unser Leben auf dieser Welt zu Ende geht, und wenn diese Welt an ihr Ende kommt, dann gilt es uns sein Wort: Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich! In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen. Wenn’s nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten? Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin. Jesus, unser Herr, hat Worte des ewigen Lebens. Er schafft einen neuen Himmel und eine neue Erde. Und er lässt die nicht los, die ihm vertrauen. Er lässt nicht los – nicht in Zeit und nicht in Ewigkeit. Das ist mehr wert als alle Sicherheiten dieser Welt.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 15. Mai 2020

    Der HERR erhörte unser Schreien und sah unser Elend, unsere Angst und Not.
    5. Mose 26,7

     

    Gott hört uns und Gott sieht uns. Das ist die Botschaft dieses Verses. Interessant ist, in welchem Zusammenhang er steht. Er steht in einem Kapitel, das so was ist wie Zukunftsvorsorge. Vorsorge ist ja auch bei uns ein großes Thema: finanzielle Vorsorge für’s Alter wird jedem ans Herz gelegt, die Gesundheitsvorsorge. Und so gibt es auch eine Zukunftsvorsorge in Sachen Glauben. Und zwar eine Vorsorge nicht nur in Krisenzeiten, wenn es uns schlecht geht, sondern auch in guten Zeiten.

    Das Volk Israel steht an der Schwelle zum Gelobten Land, zu dem Land, das Gott ihnen versprochen, verheißen hat, dass sie es einnehmen werden. Wie wird es sein, wenn sie es eingenommen haben? Wenn alles wieder so ganz anders ist, wenn die Ausnahmesituation der Wüstenwanderung vorbei ist? Ganz ähnlich fragen wir uns vielleicht auch: Wie wird es sein, wenn die Corona-Krise überwunden ist, die Pandemie nicht mehr die Schlagzeilen bestimmt? Vergessen wir dann Gott? Gott trifft Vorsorge für den Glauben seiner Leute. Er ordnet an, dass sie Feste feiern sollen. Feste für ihn und mit ihm. Dazu gehört, dass sie die Erstlingsfrüchte ihrer Ernte Gott bringen. Sie sollen ihm bekennen, dass sie die Ernte nicht ihrem Fleiß und ihrer Klugheit, sondern Gott verdanken. Und sie sollen Gott bekennen, dass er nicht nur sie versorgt, sondern schon mit ihren Vorfahren eine lange Geschichte hatte. Eine Geschichte des Hörens und des Sehens und der Hilfe und Rettung. Vorsorge für den Glauben, damit er bei dem bleibt, was ihm hilft: Beim Vertrauen auf Gott. Das braucht auch die Erinnerung: Vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.

    Es stimmt: Gott hat keine Enkelkinder, er hat nur Kinder. Mit jedem und mit jeder möchte er seine Glaubensgeschichte. Doch was Glaube ist, das verändert sich nicht – durch die Generationen – denn er, unser Gott ist derselbe, gestern, heute und morgen. Und deshalb dürfen auch wir erinnernd bekennen – vielleicht weil wir es selbst ja auch schon erfahren haben: Der HERR erhörte unser Schreien und sah unser Elend, unsere Angst und Not.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 14. Mai 2020

    Erforscht euch selbst, ob ihr im Glauben steht; prüft euch selbst! Oder erkennt ihr an euch selbst nicht, dass Jesus Christus in euch ist?
    2. Korinther 13,5

     

    Ein Jugendfreund von mir wurde einmal von einem Älteren, der ihn nicht kannte, gefragt, wie man das früher fragte: »Wem gehörst du?« Schlagfertig gab er zur Antwort: »Ich gehöre meinen Vater!« Das hat dem Fragenden natürlich nicht wirklich weitergeholfen.

    Aber für uns alle ist wichtig, dass wir eine Antwort auf die Frage geben können: »Wem gehöre ich? Wo gehöre ich hin?« - »Ich gehöre zu Jesus Christus« ist die Antwort des Glaubens. »Durch ihn bin ich ein Kind Gottes, meines Vaters im Himmel.« Viele behaupten: Beim Glauben gebe es keine Gewissheit. Das sei ja eben der Unterschied zwischen Glauben und Wissen. Im Deutschen mag an dieser Beobachtung was dran sein. Nur: das deutsche Wort »Glaube« ist eben nicht ganz eindeutig. »Glaube« biblisch verstanden hat tatsächlich etwas mit Gewissheit zu tun. Eine schöne Definition von Glauben findet sich im Hebräerbrief: Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das was man hofft und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. Oder mit den Worten von Paul Gerhardt ausgedrückt: »Nun weiß und glaub ich feste, ich rühm’s auch ohne Scheu, dass Gott, der Höchst und Beste, mein Freund und Vater sei und dass in allen Fällen er mir zur Rechten steh und dämpfe Sturm und Wellen und was mir bringet Weh.« (EG 351,2).

    Wir sind aufgefordert uns selbst zu prüfen, ob wir in diesem Glauben stehen. Keine Sorge: Sollte sich bei dieser Prüfung herausstellen, dass dem nicht so ist, dann steht die Einladung von Jesus felsenfest: Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Seine Tür ist offen für uns – er wartet auf uns. Seine Liebe, seine Vergebung, seine Gnade gewährt einen Neuanfang. Gerade das ist der Kern unseres Glaubens – das Unaufgebbare: Dass Jesus uns nicht aufgibt.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 13. Mai 2020

    Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder.
    1. Könige 8,39

     

    Es ist gut, dass wir nicht alles wissen. Es ist gut, dass wir Menschen nicht ins Herz eines anderen sehen könnten. Wir Menschen sehen – wie Gott es dem Propheten Samuel sagte – nur, was vor Augen ist. Gott aber sieht das Herz an. Wenn wir in die Herzen der anderen sehen könnten, dann würde es wahrscheinlich noch viel schlimmer auf dieser Welt zugehen. Oder wir würden depressiv über all der Bosheit und Verschlagenheit, die wir da zu Gesicht bekommen würden. Und darum ist es gut, dass wir nicht alles sehen, was im Herzen eines andern Menschen vor sich geht.

    Wir sehen und verstehen ja oft nicht einmal, was in unserem eigenen Herzen vor sich geht – in diesem »trotzigen und verzagten Ding« wie es einmal in der Bibel heißt. Doch Gott kennt unser Herz. Unser aller Herz. Er sieht’s. Ja, er weiß um die finsteren Gedanken, die auch wir hegen. Doch das ist nicht der Kern dieser Erkenntnis im 1. Königebuch. Gott weiß auch um alle unsere Nöte, um unsere Ängste, um unsere Sehnsüchte, auch die unerfüllten. Wo andere uns nicht verstehen – da versteht uns unser Gott. Und er liebt uns. Er schaut mit den Augen seiner Liebe auf unser Herz. Er will heilen, er will zurechtbringen und vor allem: Er will in unserem Herzen wohnen. Er sieht was uns fehlt. Er sieht unsere tiefste Sehnsucht: Die Sehnsucht nach ihm. Und das ist auch seine tiefste Sehnsucht: Dass wir als seine Kinder mit ihm leben. Dass wir ihm von Herzen vertrauen, ihn von Herzen lieben und dass er den ersten Platz in unserem Herzen bekommt und behält. Gott kennt unser Herz. Er sieht auch, was an Potential, an Entwicklungsmöglichkeit in unserem Herzen, in unserem Leben steckt. Leben und volle Genüge will er uns schenken – durch Jesus Christus, seinen Sohn. Ja, er kennt unser Herz und er lässt uns in sein Herz blicken: In seine Liebe und seine Sehnsucht nach uns. Mit ihm wollen und dürfen wir leben – heute und für immer.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 12. Mai 2020

    Paulus schreibt: ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung, sodass ihr prüfen könnt, was das Beste sei.
    Philipper 1,9-10

     

    Wer sich nicht sicher ist, worum er für sich selbst beten soll, bekommt hier eine wunderbare Hilfe an die Hand. Um Liebe lohnt es sich zu beten. Um Liebe zu Gott und um die Liebe zum Nächsten. In den Sendschreiben der Offenbarung ist vom Wert der »ersten Liebe« die Rede – und wie wichtig es ist, dass wir sie nicht verlassen. Es gibt Dinge, von denen kann man nie genug haben: Nein, das Geld gehört nicht dazu. Zu viel Geld, darin ist die Bibel recht eindeutig, schadet in der Regel. Es verschiebt die Prioritäten in unguter Weise. Aber Liebe – davon können wir nie genug haben. Und Erkenntnis brauchen wir. Erkenntnis, die mehr ist als Bescheidwissen. Erkenntnis, das ist, wenn das, was ich über Gott oder mich und andere erkannt und begriffen habe, den kurzen – und doch oft so langen – Weg von meinem Verstand in mein Herz gefunden hat. Wenn’s zur Anwendung kommt. Wenn’s zur Umsetzung kommt. Wenn ich Gott gehorsam bin – wie es von Salomo in der heutigen Losung heißt: Der HERR sprach zu Salomo: Bitte, was ich dir geben soll! Salomo sprach: Du wollest deinem Knecht ein gehorsames Herz geben, dass er dein Volk richten könne und verstehen, was gut und böse ist. Darum lohnt es sich zu bitten: Dass Gott mir mehr zeigt von sich und von mir und über mich und was er mit mir vorhat. Und dass ich das dann umsetze, ihm gehorsam bin. Dass Erfahrung draus wird. Das ist das dritte Stichwort neben Liebe und Erkenntnis.

    Gott hat das Beste mit uns vor. Entscheidend wichtig aber ist für uns, dass wir prüfen können, was dieses Beste ist. Dazu brauchen wir die Bibel, sein Wort. Dazu brauchen wir die Liebe zu ihm und dazu brauchen wir Erkenntnis, Gehorsam und die Erfahrung. Weil das alles nicht immer auf Anhieb klappt, weil wir Fehler machen und Sünder bleiben – darum ist eine der wesentlichen Erfahrungen, die wir immer wieder brauchen: Die Vergebung. Halten wir’s kurz mit der Sünde. Bringen wir unser Versagen im Gebet unserem Herrn. Er hört uns, er vergibt. Davon dürfen wir leben.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 11. Mai 2020

    Gott, wir haben mit unseren Ohren gehört, unsre Väter haben’s uns erzählt, was du getan hast zu ihren Zeiten, vor alters.
    Psalm 44,2

     

    Am 22. März 1599 wurde im Nordschwarzwald eine neue Stadt gegründet – sie war auf dem Reisbrett entstanden – die Straßen Mühlebrettartig um den größten Marktplatz Deutschlands herum angelegt: Freudenstadt. Sie bot Heimat für Glaubensflüchtlinge aus Österreich, v.a. aus der Steiermark, Kärnten und Slowenien. Diese Menschen hätten ihre Heimat nicht unbedingt verlassen müssen. Einzige Bedingung zu bleiben wäre gewesen: ihren evangelischen Glauben aufzugeben und ihre Bibeln abzugeben. Doch gerade die Liebe zur Bibel war es, dass sie lieber den langen Weg in die Fremde auf sich nahmen und sich im rauen Klima des Schwarzwalds eine neue Existenz aufbauten. Auf die Bibel wollten sie nicht verzichten. Es ging ihnen wie dem Psalmbeter unserer Losung: Sie haben den Wert dessen, was uns von Gottes großen Taten von alters her erzählt wird, für ihr Leben erkannt. Und sie haben dadurch den Gott kennengelernt, den wir eben nicht in der Natur, in unseren Gedanken finden. Den Gott, der unsichtbar ist, dessen Gedanken wir nicht ergründen und dessen Pläne wir nicht erklären können. Doch auch den Gott, der uns liebt und der sich geoffenbart hat.

    Offenbarung ist das wesentliche Stichwort, wenn wir über Gott reden wollen. Mit unseren Sinnen können wir Gott nicht erkennen, verstehen, untersuchen – wie alles andere in der Natur. Er ist für uns nicht erreichbar. Doch er hat von sich aus die Mauer der Unsichtbarkeit durchbrochen: Er hat dies in der Geschichte mit ein paar Menschen in einem kleinen Landstrich im Nahen Osten getan. Warum gerade mit ihnen? Darauf können wir nur antworten: Es hat Gott so gefallen! Mit einem kleinen Volk Israel schreibt er seine Geschichte – und zeigt, wie er es mit uns Menschen meint. In Jesus Christus kommt er selbst und wird Mensch – und zeigt, wie sehr er uns liebt und dass er retten und helfen will. Und es hat Gott gefallen, dass diese Botschaft bis heute durch Menschen vermittelt wird. Jesus selbst hat kein Buch geschrieben. Es waren Menschen, die seine Geschichte und seine Reden aufgeschrieben haben. Es hat Gott so gefallen. Und er hat diesen Prozess der Entstehung der Bibel durch seinen heiligen Geist gelenkt. Darum ist zuverlässig, was uns in der Bibel berichtet wird. Darum ist und bleibt dieses Buch die einzige Norm für unseren Glauben. Nicht was Theologen erzählen, nicht was eine Fakultät in Tübingen oder ein Papst in Rom meint, zählt, sondern was in der Bibel, im Wort Gottes steht, darauf ist Verlass. So können auch wir unsern Gott loben für das, was er getan hat und noch tut.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 04.05. bis 10.05.

  • add Andacht für Sonntag Kantate, 10. Mai 2020

    Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder.              Psalm 98,1

    Heute feiern wir den Sonntag »Kantate« - etwas anders als sonst. Auch wenn heute wieder in eingeschränkter Form Gottesdienste in den Kirchen in unserer Landeskirche gefeiert werden können, so soll doch auf das gemeinsame Singen im Gottesdienst verzichtet werden. Nicht aus Schikane, sondern aus Nächstenliebe – damit niemand angesteckt wird. Denn beim Singen werden nachge­wiesener­maßen mehr Tröpfchen als sonst aus unserem Rachen in die Umwelt abgegeben.

    Die Aufforderung des Wochenspruchs gilt uns dennoch. Gemeinsam können wir im Herzen singen. Ich bin sicher, wir werden neue Lieder finden – Lieder des Herzens, die wir miteinander singen und teilen können. Wir haben so viele technische Möglichkeiten – auch das ist für mich Ausdruck des »neuen Liedes«, von dem im Psalm 98 die Rede ist. Wir können Lieder aufnehmen, sie anhören, sie versenden – weltweit.

    Es sind Lieder für Gott. Lieder für den Herrn der Welt, dem auch unser Leben gehört. »Dessen Allmacht niemals endet, dessen Wunder ungezählt« wie es Peter Strauch formulierte. Musik ist eine Kommunikationsform, für die wir auf ganz vielen Ebenen empfänglich sind: rational und emotional. Eine wunderbare Gabe. Wichtig ist, was damit transportiert wird: Es geht um unseren großen Gott, um unseren Schöpfer, um unseren Retter und um den, der uns bis an sein gutes Ziel bringen wird. Ihn immer wieder sich ins Bewusstsein zu rufen und ins Herzen zu singen, das wollen wir tun. Denn mit ihm wird unser Leben erst wirklich erfüllt. Und das soll klingen – auch durch unser Singen.

    Pfarrer Andreas Streich  

  • add Andacht für den 9. Mai 2020

    Der HERR, dein Gott, hat dich gesegnet in allen Werken deiner Hände. 5. Mose 2,7

    Jemand sagte einmal: Wir Menschen haben oft ein Problem mit unseren Erinnerungen: Die guten Erfahrungen, die schreiben wir in den Sand – und die schlechten Erinnerungen, die meißeln wir oft in Stein. Dabei sollten wir es doch gerade umgekehrt machen. Damit wir nicht griesgrämig, unzufrieden und undankbar werden, brauchen wir Erinnerungshilfen.

    Das Kapitel, aus dem der Vers der Losung stammt, ist eine solche Erinnerungshilfe für das Volk Israel. Da werden sie an das Gute erinnert, das sie erlebt haben. Der Losungsvers ist eigentlich noch länger. Im Losungsblüchlein steht nur der 1. Teil. Erhellend ist, wie er weitergeht: Er hat dein Wandern durch diese große Wüste auf sein Herz genommen. Vierzig Jahre ist der HERR, dein Gott bei dir gewesen. An nichts hast du Mangel gehabt. Das ist so wichtig, dass unsere Erinnerung und unser Dank konkret wird, nicht abstrakt bleibt.

    Sagen wir es Gott doch ganz konkret, wofür wir danken können. Wo wir genau dasselbe wie das Volk Israel erlebt haben: Wo Gott uns gesegnet hat in allen Werken unserer Hände. Wo er uns etwas hat gelingen lassen. Von der Mutter des Essener Jugendpfarrers Wilhelm Busch ist überliefert – sie stammte von Hülben auf der Schwäbischen Alb – dass sie bekannt hätte: »Ohne meinen Heiland kann i et amol Pfannakuacha bacha (kann ich nicht einmal Pfannkuchen backen)« Es gibt so viel Gutes, wofür wir danken können. Danken schützt vor Wanken und Loben zieht nach oben. Das gilt auch jetzt noch – und gerade jetzt, wo manches in unserem Alltag anders ist. Grund zum Danken und zum Loben haben wir immer noch genug. Denn Gott hat auch uns gesegnet – und will uns weiterhin segnen.

    Pfarrer Andreas Streich  

     

  • add Andacht für den 8. Mai 2020

    HERR, lass mir deine Barmherzigkeit widerfahren, dass ich lebe. Psalm 119,77

    Heute sind es 75 Jahre, dass der 2. Weltkrieg in Europa zu Ende ging. 75 Jahre Frieden durften wir erleben.

    Von dem griechischen Philosophen Sokrates ist überliefert, dass er einmal am Hafen beobachtete, wie die Waren der Schiffe aus- und eingeladen wurden. Waren aus aller Herren Länder. Als er eine Weile zugeschaut hatte, sagte er: »Wie viele Dinge gibt es doch, die ich alle nicht brauche.«

    Ein kleines Stück dieser Philosophie müssen wir derzeit alle buchstabieren: Vieles, was vor ein paar Monaten möglich war, und selbstverständlich, ist nun seit einigen Wochen nicht mehr möglich – und wird wohl auch so bleiben. Und wir leben trotzdem – auch ohne Flugreisen, Schiffsreisen, Urlaubs­reisen, Bundesliga, Formel 1 und Skifahren, Schwimmbäder und ständig verfügbare Hefewürfel. Wie viele Dinge gibt es doch, die ich alle nicht brauche.

    Der Psalmbeter spricht nun aber von etwas, was er braucht – zum Leben braucht. Zum Leben, das mehr ist als biologisches Leben, Vegetation. Zu einem Leben, das ist, wie es sich der Schöpfer des Lebens gedacht hat: Erfülltes Leben, Sinnerfülltes Leben. HERR, lass mir deine Barmherzigkeit widerfahren. Wenn Gott sich mir zuwendet und mir hilft, dann – und nur dann – wird mein Leben zu etwas Ganzem, zu etwas, was dieses Prädikat »Leben« wirklich verdient. Dieses Leben kann sich keiner selber nehmen. Man kann es nicht im Internet kaufen und nicht im Reisebüro buchen. Man kann nicht mit dem Auto hinfahren und nicht mit dem Flugzeug hinfliegen. Dieses Leben kann man sich nur schenken lassen. Schenken lassen von dem barmherzigen Gott, der sich in Jesus Christus uns zuwendet. Der Mensch geworden ist. Dem wir nicht egal sind, sondern der genau das will: Uns das Leben schenken, das ewige Leben. Jesus sagt: ich bin gekommen, damit sie das Leben und volle Genüge haben. Das brauchen wir – und mit weniger sollten wir uns nicht zufrieden geben.

    Pfarrer Andreas Streich  

     

     

  • add Andacht für den 7. Mai 2020

    Du bist ein Gott der Vergebung, gnädig und barmherzig, langmütig und reich an Güte. Nehemia 9,17

    Das Nehemia-Buch ist ein Aufbaubuch. Es berichtet vom Wiederaufbau von Jerusalem nach der großen Katastrophe. Die Babylonier hatten viele Jahrzehnte zuvor die Stadt und den Tempel zerstört und viele nach Babel gefangen weggeführt. Nun wurde unter Jeremias Anleitung die Stadtmauer wieder aufgebaut. Gott hat ihm den Mut und die Entschlossenheit dazu geschenkt. Es wird wieder Gottesdienst gefeiert und das Laubhüttenfest.

    Und dann schauen die Menschen aus dem Volk Israel im 9. Kapitel des Nehemiabuchs miteinander zurück – auf ihre Vergangenheit, auf ihre Geschichte mit Gott. Dabei stellen sie einen – im wahrsten Sinne des Wortes – himmelweiten Unterschied fest: zwischen Gott und ihnen. Während Gott ihnen Gutes getan hat, sie erwählt hat, errettet hat, ihnen immer wieder geholfen hat, haben sie nicht im Entferntesten so reagiert, wie Gott es eigentlich verdient hätte: Aber unsere Väter wurden stolz und halsstarrig, dass sie deinen Geboten nicht gehorchten und weigerten sich zu hören und gedachten auch nicht an deine Wunder, die du an ihnen tatest, sondern sie wurden halsstarrig und nahmen sich fest vor, zu ihrer Knechtschaft in Ägypten zurückzukehren (Neh 9,16-17). So heißt es im Bußgebet dort im Nehemiabuch. Und Gott? Wie reagiert er darauf? Hätte er nicht allen Grund, dieses Volk nun im wahrsten Sinne des Wortes „in die Wüste zu schicken“, Schluss zu machen, sich ein anderes Volk zu suchen. Die Beter können nur staunend bekennen, was die Väter erlebt haben: Du Gott, du bist ganz anders. Du bist ein Gott der Vergebung, gnädig und barmherzig, langmütig und reich an Güte.

    So ist Gott auch für uns. So hat er es allen Menschen in Jesus Christus, seinem Sohn bewiesen. Gott ist ein Gott der Vergebung. Weil wir Vergebung brauchen – und weil wir sie eben nicht selbst produzieren können. Er schenkt sie uns – durch Jesus. Gott ist ein Gott der Gnade, der unverdienten Zuwendung. Gott ist ein Gott der Barmherzigkeit, die jedem Menschen gilt, der Geduld und der Güte. All das will er uns schenken. Wenden doch auch wir uns ihm immer wieder zu – so wie es das Volk Israel getan hat – und bis heute tut.

    Pfarrer Andreas Streich  

     

  • add Andacht für den 6. Mai 2020

    Gott spricht: ich will die Finsternis vor ihnen her zum Licht machen und das Höckerige zur Ebene. Jesaja 42,16

    Die Stadt Filderstadt hat gebaut. Die im Volksmund als „Hexengängle“ bekannte Verlängerung der Pfarrstraße zur alten Burgstelle in Plattenhardt, wurde ausgebaut. Wo vorher nur ein besserer Trampelpfad war, da gibt es jetzt Treppenstufen und einen mit Kiesel befestigten Weg, der auch bei starkem Regen noch gangbar bleibt. Und eine Straßenbeleuchtung wurde installiert, so dass man auch bei Nacht sicher ist. Die Absicht dahinter: Die Menschen sollen sicher unterwegs sein.

    Auch Gott baut einen Weg. Einen Weg für seine Menschen. Er räumt alles aus, was sie hindert, zu ihm zu kommen. Die Finsternis – ein durch die ganze Bibel hindurch gebrauchtes starkes Bild für ein Leben ohne Gott, für die Gottferne – Gott selbst macht sie zum Licht. Das Höckerige und Unebene – es wird eben und gangbar. Wichtig ist: Wer sagt das? Wer sorgt dafür, dass Menschen zu Gott kommen können? Wer schafft alle Voraussetzungen für ein Leben der Menschen mit Gott? Es sind nicht die Menschen. Es ist unser Gott. Er allein. Wenn er sagt: »Ich will«, dann hat das eine andere Qualität, als wenn wir sagen »ich will«. Ob aus unseren Plänen und Absichten Realität wird, das bleibt fraglich. Aber wenn Gott sagt »ich will«, dann wird was draus. Garantiert. Gott holt Menschen aus der Finsternis. Gott schafft alle Hindernisse aus dem Weg – weil er will, dass wir zu ihm finden.

    In Jesus Christus, seinem Sohn ist dieses Wort in einzigartiger Weise in Erfüllung gegangen. Jesus hat die Finsternis des Karfreitags erduldet, um uns in sein Licht zu stellen. Er hat unsere Sünde, all das, was uns von Gott trennt, auf sich genommen und uns den Weg zu Gott gebahnt. Der Weg ist frei. Wir dürfen kommen – und als Kinder Gottes leben, heute und in Ewigkeit. Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selbst so schreibt es Paulus. Die Initiative geht von Gott aus. So sehr liebt er uns. Er baut einen Weg. Einen gangbaren Weg. Den einzigen Weg für uns Menschen zu ihm.

    Pfarrer Andreas Streich  

     

  • add Andacht für den 5. Mai 2020

    Christus ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor aller Schöpfung. Denn in ihm ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare.

    Kol 1,15-16

    Als wir Studenten waren, gab uns einmal ein erfahrener Pfarrer einen guten Rat: Wenn ihr nicht wisst, über was ihr predigen sollt, dann macht einfach Jesus groß. In der Tat: Von Jesus können wir gar nicht groß genug denken. Er ist für uns der Zugang zu Gott.

    Gott ist unsichtbar, stellt der Apostel fest. Aber aus der Unsichtbarkeit ragt in unsere sichtbare Welt etwas von Gott herein und macht sichtbar, wie Gott ist: In Jesus Christus, Gottes Sohn, hat der unsichtbare Gott eine sichtbare Geschichte in dieser Welt. Da hat er sich gezeigt. Und da hat er uns gezeigt, wie er es im Tiefsten seines Herzens mit uns meint – wie sehr er uns liebt und wie sehr er sich nach uns sehnt.

    Wenn wir mehr über Gott erfahren wollen, dann müssen wir uns Jesus Christus anschauen. Dann müssen wir über ihn nachdenken. Über seine Größe. Der Apostel zeigt: Die Geschichte von Jesus Christus, seine Biografie, die fängt nicht erst mit Weihnachten an, im Stall von Bethlehem. Nein, er kommt aus der Ewigkeit beim Vater. Er ist der Erstgeborene vor aller Schöpfung. Bevor die Welt da war, war er schon da – gezeugt, nicht geschaffen – wie das große Glaubensbekenntnis betont. Er gehört nicht zur Schöpfung, sondern ist ihr Urheber: Denn in ihm ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare. Wenn das stimmt, dann stimmt auch der Satz: Von Jesus können wir gar nicht groß genug denken. Und dieser große Herr, will unser Herr sein, will mein und dein Herr sein. Mit ihm kommt die Ewigkeit in unser Herz – und er bleibt in Ewigkeit in uns. Er lässt nicht los, die Gemeinschaft mit ihm soll nie enden.

    Pfarrer Andreas Streich  

     

  • add Andacht für den 4. Mai 2020

    Der Knecht im Gleichnis von Jesus sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da. Und der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde. Lukas 14,22-23

    In Zeiten von Kontaktbeschränkungen klingen solche Worte seltsam fremd. Ab heute dürfen wieder Gottesdienste in Baden-Württemberg gefeiert werden – unter strengen Auflagen. Unsere Landes­kirche hat noch strengere Auflagen erlassen: 2 m Abstand drinnen und draußen. Wir haben es mal grob überschlagen: Zum einen sind wir froh, dass wir keine Bänke, sondern Stühle haben, weil uns das viel flexibler macht. Aber bei 2 m Mindestabstand haben nur ca. 20 Menschen in unserer Kirche Platz. Und auf die Empore darf niemand. Der Hausherr im Gleichnis sagt: Nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde. Mich erinnert dieser Lehrtext daran, dass unser Gott viel größer ist – viel mehr Möglichkeiten hat als wir Menschen. Und dass in ihm eine viel größere Liebe und Sehnsucht brennt, als wir es uns vorstellen können. Gott will einfach alle. Gott will lieber heute als Morgen, dass Menschen seiner Einladung folgen. Seiner Einladung zum Fest des Lebens, zum Glauben, zum Vertrauen, zur Umkehr in seine offenen Arme. Gott will retten. Gott will nicht ohne uns sein, sondern mit uns. Das Haus Gottes ist viel größer als unsere Kirche und unser Gemeindehaus – als unsere Plätze. Da ist Platz. Da muss keiner weggeschickt werden. Das Haus Gottes ist auch nicht identisch mit unseren Kirchengebäuden. Es ist das Haus des Glaubens.

    Die Epidemien und Krisen der Vergangenheit haben uns gelehrt: Diese Ausnahmezeiten gehen vorüber. Wenn man drinsteckt, weiß man zwar noch nicht, wann genau. Aber: Sie gehen vorüber. So auch diese Krise. Wir werden wieder ohne Einschränkungen gemeinsam in der Kirche feiern dürfen.

    Wenn es jetzt nur mit Einschränkungen möglich ist – aus Nächstenliebe, um die Gesundheit gefährdeter Mensch zu schützen, dann wollen wir jetzt das andere nicht vergessen, was auch in diesem Vers steht: Auf die Landstraße und an die Zäune gehen – und Menschen einladen zum Fest des Glaubens. Erzählen wir von Jesus, wen wir treffen. Beten wir für die Menschen, die ihn noch nicht so gut kennen. Denn: Unser Gott, unser Herr, will alle haben. Es geht kein Mensch über diese Erde, nach dem er sich nicht sehnt. Und diese Liebe und Sehnsucht darf auch uns prägen.

    Pfarrer Andreas Streich  

     

 

Woche vom 27.04. bis 03.05.

  • add Andacht für Sonntag Jubilate, 3. Mai 2020

    Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. 2 Korinther 5,17

    »Alles neu macht der Mai«, ja, die Welt sieht anders aus im Frühling. Selbst in Corona-Zeiten nehmen wir die Veränderungen in der Natur wahr. Vielleicht noch intensiver in diesem Jahr, weil wir nicht in den Urlaub wegfahren können – und auch Ausflüge eher die Ausnahme sind. »Wie lieblich ist der Maien aus lauter Gottesgüt, des sich die Menschen freuen, weil alles grünt und blüht. Die Tier sieht man jetzt springen mit Lust auf grüner Weid, die Vöglein hört man singen, die loben Gott mit Freud.«

    Und doch ist die erwachende Natur im Frühling nur ein Schatten der großen Veränderung, die durch die Auferstehung von Jesus Christus geschehen ist. Gott hat noch einmal ganz neu angefangen. Gott hat seine neue Schöpfung begonnen. Und wie bei der alten Schöpfung, in der wir noch leben, ist es auch bei der neuen so: Jesus Christus ist der Schöpfungsmittler: Denn in ihm ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare.  

    »Kaine Ktisis« auf griechisch - »neue Schöpfung« heißt es im Wochenspruch. Durch Jesus Christus und in ihm. Das ist exklusiv gemeint: Zur neuen Schöpfung gelangen wir nur durch Jesus Christus. Er ist die Schlüsselperson zu Gottes neuer Schöpfung, in der das ganze Heil beschlossen liegt. »In Christus«, d.h. das sind Menschen, die ganz eng mit ihm verbunden sind – die an ihn glauben und mit ihm leben. Ist uns das bewusst? Dass wir durch Jesus schon heute zu seiner neuen Schöpfung gehören dürfen. Noch leben wir in der alten, die an vielen Stellen seufzt und sich nach Erlösung sehnt. Doch wir wissen: Die Erlösung hat schon begonnen. Die Erneuerung ist schon da. Und sie wird einmal alles umfassen. Gott kommt zum Ziel. Und wir dürfen zu ihm gehören – heute und für immer.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 2. Mai 2020

    Wir danken Gott, dem Vater unseres Herrn Jesus Christus. Er hat uns errettet aus der Macht der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich seines geliebten Sohnes. Kolosser 1,3.13

    Ob ein Plus oder ein Minus vor einer Zahl steht, das macht einen entscheidenden Unterschied. Das lernt man im Matheunterricht. Auf das Vorzeichen kommt es an. Am Beginn des Kolosserbriefs weist Paulus uns auf das Vorzeichen hin, unter dem unser Leben gestanden ist – und unter welchem Vorzeichen es nun, da wir an Jesus Christus glauben, steht.

    »Macht der Finsternis« das ist nach dem Zeugnis des neuen Testamentes der Lebensraum, in dem wir Menschen uns befinden, wenn wir nicht an Gott glauben. Ich erinnere mich an einen Ausflug tief ins Innere der Falkensteiner Höhle bei Grabenstetten mit ein paar Freunden. 8 Stunden waren wir in der Finsternis unterwegs – eine Taschenlampe nach der anderen ging aus. Uns war klar: Wenn die letzte Taschenlampe aus ist, kommen wir hier nicht mehr raus. Aus der Finsternis finden wir allein nicht raus. Wir können uns nicht selbst retten, nicht befreien. Wir sind orientierungslos.

    Doch Gott will retten, Gott befreit. Und Gott macht das total und radikal. Nicht ein paar Moralappelle, nicht ein paar aufmunternde Worte und Empfehlungen. Sondern er legt Hand an. Er rettet aus der Macht der Finsternis und versetzt uns in das Reicht seines geliebten Sohnes.

    Das ist kein Automatismus. Der Glaube macht den Unterschied. Der Glaube, das Vertrauen auf Gott setzt ein anderes Vorzeichen. Wer glaubt, der lebt im Reich seines geliebten Sohnes. Wer nicht glaubt, lebt in der Macht der Finsternis. Glaube können wir nicht machen; es steht nicht in unserer Macht, zu glauben. Das muss Gott uns schenken. Doch Paulus schreibt an Menschen, denen das geschenkt ist. Und auch uns schenkt es Gott. Und für die, die noch nicht glauben, wollen und sollen wir bitten, dass Gott es auch ihnen schenkt und auch sie rettet und neu macht.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 1. Mai 2020

    Ist denn die Hand des Herrn zu kurz? 4. Mose 11,23

    So fragt Gott einen, der im Glauben müde geworden ist – den Mose. Er hatte es auch nicht leicht. Wenn er auf sein Volk hörte, das durch die Wüste zog, dann hörte er meistens nur Murren und Unzufriedenheit: »Wir haben kein Wasser; wir verdursten; in Ägypten ging es uns besser; wir haben nichts zu essen; du bist schuld; warum sind wir überhaupt losgezogen?«

    Es waren lauter menschliche Unmöglichkeiten, denen Mose begegnete. Nun wollten sie Fleisch – mitten in der Wüste. Fleisch für 600.000 Mann. Mose betet: Woher soll ich Fleisch nehmen, um es all diesem Volk zu geben? Sie weinen vor mir und sprechen: Gib uns Fleisch zu essen. Ich vermag all das Volk nicht allein zu tragen, denn es ist mir zu schwer (V. 13-14). Nicht nur in Katastrophen, wie einer Epidemie – aber da besonders – wird uns Menschen bewusst, was wir alles nicht können. Was wir nicht zuwege bringen. Mose sieht nun – genau wie viele Menschen um uns – nur noch bang auf das, was Menschen tun können. Natürlich sollen wir das tun, wozu wir in der Lage sind. Getreu dem Motto der Losung von Vorgestern: Alles, was dir vor die Hände kommt, es zu tun mit deiner Kraft, das tu. (Prediger 9,10). Doch Mose weiß: das reicht nicht. Er macht in seiner Resignation das einzig Richtige: Er wendet sich an Gott. Als Gott ihm dann verspricht: ich sorge für Fleisch – da fällt es Mose schwer, es zu glauben. Schlicht: Er weiß nicht, wie das gehen soll. Und die Antwort Gottes ist ganz kurz und knapp: Ist denn die Hand des HERRN zu kurz? Am Abend kommt ein Wind und bringt Wachteln, mehr als genug Fleisch für alle.

    Manchmal braucht es einen, der aufrüttelt und zum Handeln ermutigt – wie den früheren US-Präsidenten Barack Obama mit seinem »Yes, we can« - »Ja, wir können das, ja wir schaffen das«. Manchmal braucht es das. Aber immer braucht es das, dass wir sagen: »Yes, he can« - Ja, ER kann, er unser Gott. Ihm ist nichts zu schwer. Beten wir doch mehr und treuer – gerade auch in dieser Zeit. Krisen tragen immer auch eine Chance in sich. Corona ist eine Chance, mehr Zeit mit Gott zu verbringen, mehr und früher mit ihm zu reden. Tun wir’s doch einfach. Denn seine Hand ist nicht zu kurz.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 30. April 2020

    Gott ist dennoch Israels Trost für alle, die reinen Herzens sind. Psalm 73,1

    Der 73. Psalm ist von einem ganz erstaunlichen »Dennoch«-Glauben durchzogen. So taucht das Wort »dennoch« auch schon im ersten Vers auf. »Dennoch«-Glaube ist Glaube gegen den Augenschein. Ganz kurz zusammengefasst: Dem Psalmbeter macht zu schaffen, dass es den Gottlosen so gut geht. Die, die nicht nach Gott fragen, die leben in Saus und Braus, denen geht es gut. Und ihm, der sich an Gott hält, der mit Gott lebt, ihm geht es schlecht: Ich bin doch täglich geplagt, und meine Züchtigung ist alle Morgen da (V. 14) so hält er es Gott vor. Das macht ihm zu schaffen. Bis ich ging ins Heiligtum und merkte auf ihr Ende (V. 17). In der Gegenwart Gottes sieht er die Realität mit anderen Augen, aus einer anderen Perspektive. Da sieht er mehr.

    An der äußeren Situation hat sich dadurch noch nichts geändert. Aber sein Blick ist nun anders. Das, was seine menschlichen Augen sehen, das ist nicht die ganze Wirklichkeit – das weiß er. Gottes Wirklichkeit ist größer. Gottes Wirklichkeit, die uns hält, die uns trägt und uns führt. Und deshalb kann er beten:  Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren am. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil. Diese Zuversicht, diesen »Dennoch«-Glauben, den wünsche ich Ihnen für diesen Tag und alle Tage, die folgen. Gott ist in Jesus Christus für uns da! Er hält uns fest. Er lässt nicht los. Das allein zählt. Darauf können wir getrost leben und einmal auch sterben.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • add Andacht für den 29. April 2020

    Alles, was dir vor die Hände kommt, es zu tun mit deiner Kraft, das tu. Prediger 9,10

    Diese Empfehlung gehört zu den verblüffend einfachen Ratschlägen, die, wo wir sie befolgen, eine große positive Wirkung für unser Leben haben können. Und nicht nur für uns, sondern auch für andere, die in unserem Umfeld leben. Wer immerzu wartet und überlegt und plant, bei dem verändert sich nichts. »Was nicht zur Tat wird, hat keinen Wert« hat Gustav Werner im 19. Jahrhundert erkannt – und sich an die Arbeit gemacht, im diakonischen Bereich das zu tun, wozu er die Kraft hatte. Und siehe da, es gingen immer neue Türen auf, neue Aufgaben kamen hinzu – und auch die Mittel und Menschen, um auch das tun zu können.

    »Es ist leichter, Gott zu widerstehen als dem Teufel« sagte jemand treffend. Denn Gott zwingt niemanden zum Guten. Was Gott mir vor die Hände legt, das ist eine Einladung, eine Chance, die es zu ergreifen gilt. Man kann sie auch vertun. Und leider geschieht das viel zu häufig. Bitten wir Gott, uns offene Augen zu schenken und ein williges Herz, damit wir das tun, was er uns zu tun aufträgt – ganz so wie es in der letzten Strophe des Liedes »Wer nur den lieben Gott lässt walten« heißt: »Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das Deine nur getreu und trau des Himmels reichem Segen, so wird er bei dir werden neu. Denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verlässt er nicht.« (EG 369)

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 28. April 2020

    So richtet nun euer Herz und euren Sinn darauf, den Herrn, euren Gott zu suchen. 1. Chronik 22,19

    »Die Hauptsache ist, dass die Hauptsache die Hauptsache bleibt.« An dem Satz ist was dran. Für unser Leben ist es entscheidend, dass wir zwischen Wichtig und Unwichtig unterscheiden können. Dass uns klar ist, was die Hauptsache ist – und wir nicht unser Leben an Nebensachen vergeuden. Ja, es gibt schöne Nebensachen, an denen wir uns freuen dürfen. Aber die Hauptsache ist, dass die Hauptsache die Hauptsache bleibt.

    Am Ende einer langen Amtszeit überträgt der König David die Aufgaben auf seinen Sohn Salomo. Insbesondere die Aufgabe, den Tempel für Gott zu bauen, dessen Bau David verwehrt blieb. Und als Quintessenz, als Schlusswort empfiehlt er genau das, was in der Losung steht – an alle, die mit Verantwortung tragen. Richtet Herz und Sinn darauf, den HERRN, euren Gott zu suchen. Das Herz ist in der Bibel das Personzentrum: Da, wo unser Wille zuhause ist, wo unser Pläne entstehen. Und der Sinn, das sind die Überlegungen, das Nachdenken. All das soll sich um die Hauptsache drehen, um die Hauptperson in unser aller Leben: Um Gott. Die Erfahrung durch die Jahrhunderte und Jahrtausende hindurch zeigt: Menschen, die in ihrem Kern auf Gott ausgerichtet waren, waren nicht weltfremd und abgehoben, sondern konnten – auch, wo sie Verantwortung für andere trugen – oft gute Entscheidungen treffen. Die Väter des Grundgesetzes haben im ersten Satz der Präambel formuliert: »Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben.« Sorge mache ich mir, wo Menschen Gott vergessen und nur noch den Menschen zum Maß aller Dinge erheben. Auch dafür gibt es Beispiele in der Geschichte – doch in der Regel waren es keine guten.

    Bleiben wir lieber bei der Empfehlung eines erfahrenen und erfolgreichen Regenten: Richten wir uns mit unserem Leben auf unseren Gott aus, der mehr kann und weiß als wir. Hören wir auf ihn, leben wir mit ihm und vertrauen wir ihm. Er lässt uns nicht im Stich.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • add Andacht für den 27. April 2020

    Ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen Geist der Kindschaft empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater.

    (Römer 8,15)

    Die Zeit einer Epidemie macht Menschen furchtsam – wie könnte es auch anders sein. Bei dem einen oder anderen mag die bange Frage dazukommen: Ist Corona eine Strafe Gottes? Genau hier setzt der Apostel Paulus ein und gibt eine eindeutige Antwort. Wer so fragt, der ist sich nicht sicher, wie Gott es mit ihm meint. Doch Paulus bezeugt im Römerbrief, dass Gott selbst aktiv geworden ist, um uns in ein ganz neues Verhältnis zu sich zu versetzen: Aus Knechten, die sich im besten Fall bemühen, seine Gebote und Vorschriften einzuhalten – und es doch nie so richtig schaffen, sollen durch Jesus Christus Kinder werden. »Abba«, das ist die Anrede für Gott in diesem Kindschaftsverhältnis. »Abba«, das ist ganz familiäre Anrede im Aramäischen, wie sie nur die Kinder innerhalb einer Familie ihrem Vater gegenüber brauchen dürfen, unserem »Papa« vergleichbar. Damit ist ein ganz enges Verhältnis ausgedrückt: Gott ist unser »Papa«. Das Christentum entstammt dem Judentum. Da hat es seine Wurzeln. Das Heil kommt von den Juden – sagt Jesus. Doch dieses Gottesverhältnis, das Jesus uns eröffnet, ist so neu und anders, dass sich in der gesamten jüdischen Gebetsliteratur aus den ersten Jahrhunderten nirgends solch eine Gebetsanrede »Abba« für Gott findet.

    Gott – unser Vater, hat uns lieb. Gott unser Vater hat unsere Strafe auf Jesus gelegt, wir sind frei. Ja, wir können im Letzten noch nicht erklären, warum Gott Seuchen und Kriege und Katastrophen zulässt – warum es all das gibt. Wir können Gottes Gedanken nicht ausloten. Aber das Entscheidende wissen wir, seit Jesus gestorben und auferstanden ist: Wie Gott es im Tiefsten seines Herzens mit uns meint. Dass er uns liebt, dass unsere Schuld vergeben ist – und dass wir als Kinder des Königs aller Könige leben dürfen. Als Königskinder, befreit von der Furcht vor Gottes Strafe und ausgestattet mit einem Geist, der voller Vertrauen sich in allem an Gott hängt. Leben wir’s, beten wir so frei wie Kinder.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 20.04. bis 16.04.

  • add Andacht für den Hirtensonntag, 26. April 2020

    Am Hirtensonntag, der den lateinischen Namen Misericordias Domini, d.h. die »Barmherzigkeit des Herrn« grüße ich Sie mit dem Wochenspruch aus Johannes 10:

    Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.

    Johann Jakob Moser war begabt. Mit 19 Jahren wurde er Professor der Rechte in Tübingen. Mit 25 Regierungsrat in Stuttgart – und mit 50 Landschaftskonsultent in Württemberg. Doch dem Herzog Karl Eugen passte er nicht – denn er war nicht der gleichen Meinung wie der Herzog. Und so schloss er ihn der Landesherr im Jahr 1759 für fünf Jahre weg auf die Festung Hohentwiel. Wo Regierende versagen – und ihrem Hirtenauftrag nicht gerecht werden, sondern sich als schlechte Hirten erweisen – da wusste sich Johann Jakob Moser von dem einen guten Hirten gehalten, geführt und getragen. Auf dem Hohentwiel im Kerker entstanden Lieder, die Jesus besingen. Eines der Gebets-Lieder dieses gelernten Juristen steht im Gesangbuch unter Nr. 591: »Großer Hirte aller Herden in dem Himmel und auf Erden, liebster Heiland Jesus Christ: Lass in diesen letzten Zeiten sich dein Reich noch mehr ausbreiten, als bisher geschehen ist.« Es ist ein Gebet voller Innigkeit und tiefer Weisheit: »Flöße frühe unsrer Jugend zu der Wissenschaft und Tugend auch noch dein‘ Erkenntnis ein; gib ihr Leben, nicht nur Wissen, und behüt vor Ärgernissen die, so um die Kinder sein. Lass dein Wort die Toten wecken und die Sicheren erschrecken; stürz die Selbstgerechtigkeit. Mach die geistlich Blinden sehend, mach die geistlich Lahmen gehend, mach dir selbst den Weg bereit.« An diesen guten Hirten dürfen auch wir uns wenden – er ist derselbe auch für uns.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 25. April 2020

    Am Tag des Evangelisten Markus, dem 25. April grüße ich Sie mit dem Bibelvers, der über diesem Tag steht – aus dem Markusevangelium, Kapitel 16:

    Geht hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur. (Markus 16,15b)

    »Evangelium« das heißt: Gute Nachricht, frohe Botschaft. Nichts braucht die Welt dringender als gute Nachrichten. Und die beste aller guten Nachrichten ist das, was Markus in seinem Evangelium niedergeschrieben hat. Die gute Nachricht, die untrennbar mit einer Person verbunden ist: Mit Jesus Christus. Er ist Gottes gute Nachricht in Person. Sein Grab war am Ostermorgen leer. Er ist auferstanden. Er lebt. Der Tod hat nicht mehr das letzte Wort. Hass und Terror, Unmenschlichkeit und Menschenverachtung tragen nicht den Sieg davon. Auch über unserem Leben hat der Tod nicht mehr das letzte Wort – sondern er, der auferstanden Christus. Wenn das keine gute Nachricht ist. Überhaupt: Dass Gott uns will und uns liebt. Das ist eine gute Nachricht. Nein, wir sind kein Produkt des Zufalls. Nein, wir sind nicht bloß ein Zwischenergebnis auf einem langen Weg der Evolution. Jede und jeder Mensch ist einmalig und von Gott geliebt und gewollt. So sehr geliebt und gewollt, dass es unseren Gott nicht im Himmel gehalten hat, sondern dass er Mensch geworden ist – in Jesus Christus. Dass er unsere Schuld, unser Versagen, unsere Verlorenheit auf sich genommen hat und für uns am Kreuz gestorben ist, um uns zu befreien, zu erlösen. Ja, es gibt ein Verlorengehen. Ja, es gibt eine Hölle. Man muss schon sehr viel aus der Bibel herausstreichen, wollte man das leugnen. Aber es gibt auch Rettung, es gibt ewiges Leben und ewiges Heil für alle, die an Jesus Christus glauben. Diese Botschaft ist die Botschaft, die die Welt so dringend braucht: Gott liebt uns, Gott will retten – und in Jesus Christus macht er uns zu seinen Kindern. Dafür lohnt es sich zu leben.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 24. April 2020

    Gott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn. (1. Korinther 1,9)

    Die Welt steht Kopf wegen einem kleinen Virus. Vieles, was uns vor ein paar Monaten noch absolut verlässlich erschien, gilt nun nicht mehr. Und keiner kann sagen, wie lange wir mit der Ausnahme­si­tua­tion leben müssen. Nicht nur in Coronazeiten ist unsere Welt von Veränderungen geprägt. Schon immer gab es Umwälzungen, Verwerfungen und Veränderungen, die nachhaltig wirkten. Der tech­ni­sche Fortschritt der vergangenen Jahre ist beredtes Zeugnis. Meine Konfirmanden stehen völlig hilflos vor einem Wählscheibentelefon, mit dem ich noch aufgewachsen bin. Damals gab es nichts anderes. Doch heutige Jugendliche wissen nicht mehr, wie so was funktioniert.

    Veränderungen prägen unser Leben. Nichts bleibt, wie es ist auf dieser Welt. Die Zeit, sie eilt im Sauseschritt – und wir, wir müssen alle mit. Wo sich alles verändert, da suchen wir nach etwas Bleibenden, nach Halt. Paulus und die Christen, an die er schreibt, haben diesen Halt gefunden: In Gott. In dem Gott, der uns durch Jesus Christus zu seinen Kindern macht. In dem Gott, den er nur mit dem kleinen, aber so gewichtigen Wort beschreiben kann: treu. Gott ist treu. Sein Wort gilt. Es geht in Erfüllung. Seine Hand hält und lässt nicht los. Sein Bund bleibt und wird nicht hinfällig. Wichtig dabei ist: Gott selbst ist aktiv. Er ist es, der treu ist. Er bleibt auch dort treu – so bezeugt es die Bibel, wo wir untreu werden. Nicht wir müssen an Gott festhalten - Gott hält an uns fest. Er ist uns mit seiner Treue immer einen Schritt voraus. Er erweist sich als verlässlich – und deshalb lohnt es sich, ihm ganz zu vertrauen – oder wie Martin Luther es sagte: Ihn über alle Dinge zu fürchten, zu lieben und ihm zu vertrauen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 23. April 2020

    Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. (Hebräer 10,35)

    Unsere Geduld wird auf die Probe gestellt – das spüren wir in diesen Tagen ganz besonders. Auch wenn wir gerne schneller wieder in den Alltag wie früher zurückkehren möchten. Die Fachleute sagen uns: Solange es keinen Impfstoff gibt, wird unser Alltag anders aussehen müssen: Mit Gesichtsmaske und Abstandsregeln, mit Hygiene und Verzicht. Eine Geduldsprobe für uns alle.

    Auch der Glaube fordert uns Geduld ab. Gott hat uns durch Jesus herausgerufen in ein neues, in ein anderes Leben. In ein Leben mit ihm. Und er hat uns versprochen, dass dieses neue Leben ewiges Leben bedeutet. Dass es mit dem Tod nicht endet, sondern in Ewigkeit mit Jesus weitergehen wird. Jesus ist vom Tod auferstanden. Er ist der Sieger über Hölle, Sünde, Tod und Teufel. Doch noch sehen wir von diesem Sieg in unserem Alltag so wenig. Es gilt, gegen den Augenschein zu glauben. Es gilt noch die „andere Normalität“, die uns Geduld abfordert – bis wir am Ziel angekommen sind. Noch leben wir im Glauben und nicht im Schauen. Noch haben wir nicht viel mehr als Gottes Versprechen. Doch das Warten lohnt sich, Geduld zahlt sich aus. Darum: Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 22. April 2020

    Ich schwor dir’s und schloss mit dir einen Bund, spricht Gott der HERR, und, du wurdest mein. (Hesekiel 16,8)

    Gott ergreift die Initiative. Gott macht immer den ersten Schritt. So entsteht eine lebendige Beziehung zwischen Gott und uns – indem er auf uns zukommt. Das ist im Neuen Testament nicht anders als im Alten. Wir können von uns aus Gott nie erreichen. Alle Religionen sind im Grunde der Versuch der Menschen, sich das Wohlwollen der Gottheit, an die sie glauben, irgendwie zu sichern: Dazu bringen sie Opfer, strengen sich an und halten Regeln ein. Doch der Gott der Bibel, der Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat, geht einen anderen Weg. Er wartet nicht, bis seine Menschen zu ihm kommen. Er kommt auf sie zu. Er sucht sie. Wir würden ihn nämlich – bei aller Anstrengung und bei allem Bemühen - niemals finden. Er kommt uns von vorne entgegen. Ja, in Jesus Christus wird Gott sogar selbst Mensch, wird einer von uns – weil er sich von uns finden lassen will. Und weil er will, dass wir für immer zu ihm gehören. Gott geht es um uns. Gott sehnt sich nach uns. Gott will mit uns leben. Weil wir ihn niemals finden könnten, ist er selbst aus der Unsichtbarkeit herausgetreten, ist Mensch geworden, und hat sich uns gezeigt. In Jesus macht er uns zu seinen Kindern, wie es im Lehrtext dieses Tages heißt. Er will unser Vater sein – und wir sollen wie Kinder ihm vertrauen – heute und in Ewigkeit dürfen wir mit ihm leben. Er lässt uns nicht los. Sein Bund hält in Ewigkeit.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 21. April 2020

    Wachet, steht im Glauben, seid mutig und seid stark! (1 Korinther 16,13)

    »Lebt im Lebensraum des Glaubens, den Jesus Christus euch eröffnet hat« so möchte ich diesen Vers umschreiben. Es geht nämlich nicht darum, dass wir den Glauben, sowie Glaubensmut und Glaubensstärke aus uns heraus produzieren müssten. Das können wir nämlich gar nicht. Glaube ist im Neuen Testament, wie auch schon im Alten Testament, nämlich ein Beziehungsbegriff. Glaube heißt zuerst und vor allem anderen: Vertrauen. Gott vertrauen – und zwar radikal, mit dem ganzen Leben ihm vertrauen, sich von ihm abhängig machen. Glaube – also nicht nur: das Fürwahrhalten oder für-möglich-Halten von Gottes Existenz und von bestimmten Glaubenssätzen. Sondern: Der Glaube ist bereits die Umsetzung – dass ich mich drauf einlasse und drauf verlasse, dass Gott für mich sorgt. Gott hat uns, die wir an ihn glauben, durch Jesus in den Lebensraum des Glaubens gestellt. Unser Pfarrgarten ist umgeben von hohen Wohnhäusern, die Schatten werfen. Den Wert von beweglichen Gartenmöbeln lernen wir in diesen Frühlingstagen zu schätzen. In der Sonne ist es nämlich warm, im Schatten wird es leicht kühl. Also verschiebt man den Stuhl einfach dorthin, wo die Sonne auf das Gras scheint. Auf den Glauben übertragen: Zur Wachsamkeit des Glaubens gehört, dass wir uns dorthin stellen, wo wir in Gottes Nähe Wärme und Licht erhalten. Dass wir uns Zeit nehmen, in der Bibel zu lesen und mit ihm zu reden. Das nährt und stärkt unseren Glauben. Das klärt und macht Mut, in und für diesen Glauben auch klare Entscheidungen zu treffen, die uns und anderen weiterhelfen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 20. April 2020

    Befreit von der Sünde und in den Dienst Gottes gestellt, habt ihr die Frucht, die Heiligung schafft, und als Ziel das ewige Leben.    Römer 6,22

    Es geht um uns. Und es geht um Tod und Leben. Das macht Paulus im 6. Kapitel des Römerbriefs deutlich. Und es geht um Jesus, den Gekreuzigten und den Auferstandenen. Er ist der Schlüssel für uns zum ewigen Leben. Gott geht es ums Ganze. Gott will retten. Er will uns aus der Knechtschaft der Sünde und des Todes retten – das ist nach dem Verständnis des Römerbriefs die grundlegendste aller schlechten Abhängigkeiten, in der wir Menschen uns befinden können. Und daraus rettet uns Gott – durch Jesus. Durch Jesus, der für uns gestorben ist. Er hat unsere Sünde auf sich genommen. Er hat sie mit sich in den Tod genommen. Und: Das sagt Paulus auch: Jesus hat uns, die wir an ihn glauben, mit sich in den Tod genommen. Der alte Mensch, der ohne Gott gelebt hat, der ist tot. Und damit auch die alte Abhängigkeit von der Sünde, der Trennung von Gott. Ein neues Leben ist mit Christus aus der Taufe gehoben worden. Nun leben wir für ihn. Nun sind wir seine Dienerinnen und Diener. Nun hat er das Sagen in unserem Leben. Nun ist Neues geworden. Nun kann neue Frucht wachsen – eine Frucht, der man abspürt, dass die zu Gott passt. So dass man sieht, dass wir zu Gott gehören. Im Galaterbrief wird Paulus diese Frucht dann auch noch näher beschreiben: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Sanftmut, Selbstbeherrschung. All das aus der Gemeinschaft mit Gott und mit einem klaren Ziel: dem ewigen Leben. Jesus ist für uns gestorben. Und wir sind mit ihm gestorben. Er ist auferstanden und er lebt. Und wir sollen und dürfen mit ihm in einem neuen Leben leben – heute und in Ewigkeit.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 13.04. bis 19.04.

  • add Andacht für Sonntag Quasimodogeniti, 19. April 2020

    Ich grüße Sie mit dem Wochenspruch, der über dem Sonntag Quasimodogeniti (Wie die neugeborenen Kinder) und der heute beginnenden neuen Woche steht: Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. (1. Petrus 1,3)

    Gott fängt noch einmal ganz neu mit uns an. So kann man das Wort »wiedergeboren« im christlichen Sinn verstehen. »Wiedergeboren« nicht im Sinne der fernöstlichen Lehre der Seelenwanderung. Die ist der Bibel fremd. Da lesen wir: Es ist dem Menschen gesetzt, einmal zu sterben, danach das Gericht. Also nicht ein Leben nach dem andern, in immer neuen Einkörperungen – so muss man das Fremd­wort »Reinkarnation« nämlich übersetzen. Sondern ein Leben, mit klarem Anfang und Ende. Zielgerichtet. Einmalig – und deshalb von besonderem Gewicht und von besonderer Würde. Jedes einzelne Leben ist einmalig und hat eine besondere Würde. Nicht nur meins, sondern auch das des Nächsten.

    Und: Ich muss nicht selber wieder gut machen, was ich falsch gemacht habe. Ich kann es nämlich gar nicht. Sondern: das macht unser Vater im Himmel, der ein barmherziger Vater ist. Der uns nicht festnagelt auf unsere Schuld. Nein, Gott geht einen ganz anderen Weg: Er hat unsere Schuld auf Jesus gelegt und sie dort am Kreuz seines Sohnes festgenagelt. Jesus stirbt unseren Tod, nimmt unsere Schuld auf sich, trägt unsere Strafe – und lässt uns mit ihm noch einmal ganz neu anfangen. Wo ein Mensch das mit seinem Herzen begreift, und es für sich ganz persönlich gelten lässt, da redet die Bibel von »Wiedergeburt«.

    Wer so wiedergeboren ist, wem Jesus seine Schuld vergeben hat, der hat eine Hoffnung auch über dieses Leben auf der Erde hinaus – auch über den Tod hinaus. Denn so wie Jesus auferstanden ist und lebendig geworden ist – so sollen und werden auch wir, die wir durch ihn von Neuem geboren sind, auferstehen und leben. Und deshalb gilt auch für uns: Gelobt sei Gott.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für 18. April 2020

    Ich grüße Sie an diesem Samstag mit der Tageslosung aus dem Buch des Propheten Jeremia. Es ist kein leichtes Bibelwort: diesmal keine Zusage, sondern eher eine ernüchternde Feststellung unseres Gottes über sein Volk:

    Der Storch unter dem Himmel weiß seine Zeit, Turteltaube, Schwalbe und Drosseln halten die Zeit ein, in der sie wiederkommen sollen; aber mein Volk will das Recht des HERRN nicht wissen. (Jeremia 8,7)

    Da ist in diesem Vers von einer Ordnung die Rede, die den Vögeln so vieler Arten ins Herz gegeben ist. Sie wissen ganz genau, wohin sie gehören und wann sie kommen sollen. Uns Menschen ist die Sehnsucht nach Gott ins Herz gegeben. Der Kirchenvater Augustin bekannte: »Unruhig ist unser Herz in uns, bis es Ruhe findet in dir.« Gott hat uns auf Gemeinschaft hin angelegt. Auf die Gemeinschaft untereinander und vor allem aber auf die Gemeinschaft hin zu ihm.

    Da ist aber auch von dem die Rede, was nicht so ist, wie es sein soll – bei seinem Volk Israel. Sie haben die Gebote. Sie kennen den Willen Gottes. Und tun ihn doch nicht. Das ist widersinnig, das ist unvernünftig, das ist nicht nachzuvollziehen. Und es schmerzt – den, der es betrachtet; vor allem aber Gott. Und Israel steht hier stellvertretend für alle Menschen. Wir alle sollten Gott über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen. Doch wir vertrauen lieber uns selber, wir sind verliebt in so viele Dinge – und deshalb ist die Gottesfurcht längst der furchtbaren Furcht vor so vielen anderen Gefahren gewichen.

    So darf es nicht bleiben! Das ist der tiefe Sinn hinter diesem Gotteswort beim Propheten Jeremia. Gott will es anders. Und Gott macht es anders – durch Jesus, seinen Sohn. Gott wird selber Mensch. Er lebt vor, was es heißt, der Schöpfungsbestimmung gemäß zu leben. Er lebt Gehorsam, Gottesfurcht, Liebe und Vertrauen vor. Doch er hinterlässt nicht nur ein Vorbild. In Jesus fängt Gott noch einmal ganz neu mit uns an. Er erneuert unser Herz. Er macht neue Menschen aus uns. Gott gibt seine Menschen nicht auf. Gott fängt heute schon an – und er wird es in Ewigkeit vollenden – durch Jesus, den Auferstandenen.

     

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für 17. April 2020

    Ich grüße Sie mit der Tageslosung für diesen Freitag aus dem 71. Psalm. Dort ist uns ein Gebetsruf überliefert: Sei mir ein starker Hort, dahin ich immer fliehen kann, der du zugesagt hast, mir zu helfen. (Psalm 71,3)

    Es war an einem frühsommerlichen Tag, als wir mit der ganzen Familie zu einer Wanderung unterwegs waren. Ein Rundweg, den wir noch nie gegangen sind. Nachdem wir losgegangen waren, zog sich der Himmel immer mehr zu. Und bald hörte man auch das erste drohliche Donnergrollen des herannahenden Gewitters. Und wir auf freiem Feld. Da bekam die Suche nach einem Bergungsort, nach einem Platz, wo man vor dem Gewitter geschützt ist, ganz hohe Dringlichkeit. Wir fanden ihn dann in unserem Auto, das wir noch rechtzeitig erreichten – bei Gewitter bekanntlich einer der sichersten Orte, die es überhaupt nur gibt.

    Doch es gibt Bedrohungen, Nöte und Sorgen, da hilft uns kein Auto. Da brauchen wir mehr, festeren Halt, sichereren Schutz. Der Psalmbeter weiß, wo er diesen Schutz finden kann, wo er einen starken Hort hat: Bei Gott. Warum weiß er das? Weil Gott es ihm zugesagt hat. Gott hat es auch uns zugesagt, dass er uns schützen, retten und helfen will. Er lädt auch uns ein, wie es in der Telefonnummer Gottes »50 15«, also Psalm 50,15 heißt: Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten und du sollst mich preisen.

    Gott freut sich, wenn wir ihn beim Wort nehmen. Gott freut sich, wenn wir ihn an seine Zusagen erinnern, so wie es dieser Psalmbeter tut. Und es ist ihm eine Freude, uns zu helfen, uns zu bergen – in seiner Nähe. Denn er will unser Vater sein. Er lässt uns nicht im Stich. Mit ihm dürfen wir rechnen – heute und an allen Tagen.  

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für 16. April 2020

    Ich grüße Sie mit dem Wochenspruch, der über der Osterwoche steht: Christus spricht: ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

    In dieser Woche möchte ich an fünf Tagen und in fünf Teilen über diesen Bibelvers nachdenken: Heute über die Worte: Ich habe die Schlüssel…

    Als Martin Luther im Kleinen Katechismus das Glaubensbekenntnis auslegte, da war ihm ein Wort besonders wichtig: Ich glaube, dass Jesus Christus wahrhaftiger Gott von Ewigkeit geboren, und auch wahrhaftiger Mensch von der Jungfrau Maria geboren, sei mein Herr. Das ist das alles Entscheidende, dass Jesus mein Herr ist, dass ich ganz persönlich zu ihm gehören.

    Dass Jesus lebendig ist von Ewigkeit zu Ewigkeit, dass er auferstanden ist, dass er die Schlüssel des Todes und der Hölle hat, das hat ganz zweifelsohne fundamentale Bedeutung für den ganzen Kosmos. Damit steht alles in einem anderen Licht.

    Aber zur tröstenden und zur tragenden Botschaft für mich wird das Evangelium erst, wo ich erkenne:

    Das ist für mich geschehen. Das ist er für mich: für mich war er tot, damit ich nie mehr allein sein muss – auch nicht im Sterben und im Tod. Für mich aber wurde er lebendig – damit ich mit ihm in einem neuen Leben leben kann: heute schon und dann einmal in seiner Herrlichkeit. Für mich hält er die Schlüsselgewalt des Todes und der Hölle: Um mich aus dem Tod und von der Hölle zu erretten.

    Sein Platz ist in der Ewigkeit Gottes – er lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Und dort will er auch uns bei sich haben. Er ist der Herr, dem alle Macht gegeben ist, dessen Name über allen Namen ist. Und er will seine Macht einsetzen mir zum Heil. Jesus lebt!

    Darum steht auch mein Leben in einem anderen Licht. Jesus ist der Sieger! Und verbunden mit ihm stehen auch wir auf der Siegerseite.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für 15. April 2020

    Ich grüße Sie mit dem Wochenspruch, der über der Osterwoche steht: Christus spricht: ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

    In dieser Woche möchte ich an fünf Tagen und in fünf Teilen über diesen Bibelvers nachdenken: Heute über die Worte: Und siehe, ich bin lebendig.

    Was für ein Kontrast – Tod und Leben. Normalerweise kennen wir nur die umgekehrte Reihenfolge: Aus lebendig wird tot. Und siehe! Sagt Jesus.

    Er möchte uns einen Blickwechsel schenken. Ja, wir alle kennen Krankheit und Sorge. Ja, wir alle erleben Einsamkeit. Ja, wir alle wissen um die Macht des Todes. Gerade da, wo unser Herz mit Angst, Sorge und Traurigkeit erfüllt ist, gerade da sagt er: und siehe!.

    Er lädt uns ein, das andere zu sehen – ihn, unseren Herrn, der den Tod hinter sich gelassen hat, der lebendig ist. Er möchte, dass wir ihn auch sehen als den, der nun über alles erhoben ist und der uns zu sich ziehen will.

    Wie hat diese Botschaft die beiden Emmausjünger verändert. Die Botschaft, dass er lebt! Dass er stärker ist als der Tod! Dass er stärker ist als alle Mächte, die unser Leben bedrohen.

    Aus traurigen und resignierenden Jesusleuten wurden zwei Bekenner, die sich am Abend noch einmal auf den Weg machten, um die frohe Botschaft, dass er lebt, weiterzusagen.

    Ich wünsche uns, dass auch wir immer wieder neu von dieser Botschaft nicht nur mit dem Verstand, sondern im Herzen gepackt sind: Jesus ist lebendig! Jesus ist da! Und er hält uns fest.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für 14. April 2020

    Ich grüße Sie mit dem Wochenspruch, der über der Osterwoche steht: Christus spricht: ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

    In dieser Woche möchte ich an fünf Tagen und in fünf Teilen über diesen Bibelvers nachdenken: Heute über die Worte: Ich war tot.

    „ich war tot“ sagt Jesus – das heißt doch: er kennt die Not des Sterbens. Er kennt das Leid des Todes – aus eigener Erfahrung. Und darum kann er uns verstehen, wenn wir bedrängt sind von dieser Macht des Todes. Wenn wir uns verloren vorkommen, einsam, machtlos dem Sterben gegenüber. Wenn wir Angst vor der Einsamkeit haben, wo wir einen lieben Menschen hergeben müssen. Wenn die Trauer nach uns greift.

    Da will uns unser Herr nahe sein, uns festhalten, uns Geborgenheit in seiner Nähe schenken. Er kann uns verstehen und er ist bei uns. Gerade in der Todesnot. Gerade in der Trauer, wo unsere menschlichen Hände einander loslassen müssen. Ich war tot!

    Der Hebräerbrief drückt es so aus: Wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte mit leiden, sondern der versucht worden ist in allem wie wir – doch ohne Sünde. In allem hat er unsere Belastungen erlebt, unsere Not: im Leiden, in der Einsamkeit, im Sterben und im Tod.

    Und er hält uns fest, er bleibt uns zur Seite stehen – in den großen und kleinen Nöten unseres Lebens. Ja, er bleibt uns an der Seite auch noch im Sterben und im Tod. Seine Hände lassen nicht los.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Ostermontag, 13. April 2020

    Ich grüße Sie mit dem Wochenspruch, der über der Osterwoche steht: Christus spricht: ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

    In dieser Woche möchte ich an fünf Tagen und in fünf Teilen über diesen Bibelvers nachdenken: Es ist eine Siegesbotschaft. Eine einmalige Siegesbotschaft. Doch man muss nicht in Siegerlaune sein, um es hören und fassen zu können. Ursprünglich ist es nämlich mitten hinein gesprochen in notvolle Erfahrungen. Es ist an die Gemeinde Jesu Christi gerichtet, die es schwer hat in dieser Welt. Die angefeindet wird, die beäugt wird, der misstraut wird, die benachteiligt und verfolgt wird.

    Johannes, der Seher, der uns diese Worte vermittelt, ist auf der Insel Patmos in Verbannung. Weit weg von seinen Gemeinden in Kleinasien. Wie viel Sorge, wie viel Angst diese Christen umgetrieben hat, können wir uns kaum vorstellen. Da war nicht die Perspektive – wie bei uns – dass die Ausnahmesituation, bei uns aufgrund einer Infektionskrankheit, nach ein paar Wochen wieder in Richtung Normalität sich auflösen wird.

    Doch auch wir kennen Nöte. Unsere Not mag anders aussehen – in unserem ganz persönlichen Leben, in den Sorgen, die uns umtreiben – um uns selber oder um andere Menschen; in den Fragen, die uns quälen; in all dem, was wir nicht ändern können.

    Gerade da hinein. Gerade hinein in unsere Sorge, in unsere Angst, in unsere Traurigkeit, in unsere Einsamkeit, in unsere Resignation und Hoffnungslosigkeit will unser Herr auch bei uns dieses Wort sprechen: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

    Dieses Wort gilt – und es ist stärker als alles, was sonst in unserem Leben seine Gültigkeit beanspruchen kann. Mit ihm dürfen wir rechnen. An ihn wollen wir uns hängen, mit ihm reden – im Gebet – und auf ihn vertrauen.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 06.04. bis 12.04.

  • add Andacht für Ostersonntag, 12. April 2020

    Ich grüße Sie mit dem Wochenspruch, der über dem Ostersonntag und der Osterwoche steht. Ein Wort aus der Offenbarung des Johannes: Christus spricht: ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle. (Offb 1,18)

    Nicht nur heute – auch in den kommenden Tagen möchte ich mit Ihnen über diesen Vers in fünf Teilen und an fünf Tagen nachdenken.

    An Ostern feiern wir Christen unseren einzigartigen Herrn. Unsern Herrn, der aus der ewigen Welt Gottes zu uns Menschen kam. Der ganz Gott ist und doch ganz einer von uns wurde – aus Liebe zu uns und für uns. Unseren Herrn, der am Kreuz von Golgatha gestorben ist – aus Liebe zu uns und für uns. Unseren Herrn, der wie wir einmal ins Grab gelegt wurde, den man beweinte, wie wir unsere Lieben beweinen, die uns der Tod genommen hat.

    Wir feiern unseren Herrn, weil er nicht im Tod geblieben ist, weil er auferstanden ist, weil er lebt. Ja, weil er der Herr ist, der Sieger über Hölle, Sünde, Tod und Teufel. Er ist stärker als alle Mächte der Finsternis, als alle Gewalten in der sichtbaren und der unsichtbaren Welt.

    Das ist es, was unseren Herrn Jesus Christus so einzigartig macht. Kein anderer kann das von sich sagen, was er uns bezeugt: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

    Einzigartig ist er – einzigartig, was er errungen hat. Doch er will nicht der Einzige bleiben, über den der Tod keine Macht mehr hat. Er zieht auch uns zu sich. Er verspricht auch uns: Ich lebe und ihr sollt auch leben. Er gibt uns teil an seinem Sieg.

    Seit er vom Tod auferstanden ist, hat der Tod nicht mehr das letzte Wort. Auch nicht über unserem Leben. Vielmehr gilt, was der Liederdichter singt: »Jesus lebt, mit ihm auch ich!«. Mit dieser Botschaft wünsche ich Ihnen von Herzen ein frohes und gesegnetes Osterfest. Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 11. April 2020

    Heute, am Karsamstag, möchte ich Sie mit dem Wort von Jesus am Kreuz grüßen, das uns der Evangelist Johannes als sein letztes Wort überliefert hat: Es ist vollbracht! (Joh 19,30).

    Im griechischen Urtext steht nur ein einziges Wort: »Tetelesthai!« Und das ist doppeldeutig: Es kann heißen: »Schluss! Ende! Aus und vorbei! Das war’s! Es ist zu Ende!« So haben es wohl viele verstanden, die an diesem Tag unter den drei Kreuzen auf dem Hügel Golgatha verstanden. Jetzt gibt es keine Hoffnung mehr. Jetzt ist dieses Leben zu Ende gegangen – für immer zu Ende gegangen. Doch man kann dieses Wort auch anders übersetzen und verstehen: Telos – bedeutet nicht nur Ende, sondern auch Ziel. Und nun bekommt dieses Wort eine andere Wendung: Nicht »aus und vorbei« sondern: »vollendet«; »alles, was nötig war, ist geschehen!«; »es fehlt nichts mehr!« - und so wurde es denn auch ins Deutsche übersetzt: »es ist vollbracht!« Es fehlt nichts mehr für uns Menschen, um mit Gott wieder ins Reine zu kommen. Alles hat Jesus für uns getan. Die ganze Schuld getragen. Alles ausgeräumt, was zwischen Gott und uns stehen könnte. Der Weg zur Versöhnung ist frei. Der Weg in Gottes Arme ist frei. Der Weg in Gottes Heiligtum ist frei. Alles ist vollbracht.

    Für uns heißt das: Alles, was wir wirklich zum Leben und zum Sterben brauchen, das schenkt Gott uns in dem gekreuzigten Christus. Gott ist für uns! Gott liebt uns! Gott vergibt uns. Es war genug, was Jesus für uns getan hat. Wir können und wir müssen nichts mehr dazu beitragen. »Uns wird das Heil durch ihn zuteil; uns macht gerecht der treue Knecht, der für uns ist gestorben.« Wir dürfen davon leben. Wir dürfen uns von ihm beschenken lassen – jeden Tag neu. Weil wir wissen: Jesus hat alles für uns vollbracht.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für Karfreitag, 10. April 2020

    In der Karwoche möchte ich mit Ihnen über einige Stationen auf dem Weg ins Leiden von Jesus nachdenken. Heute, am Karfreitag ist es eines der Worte Jesu am Kreuz – wie es uns der Evangelist Johannes berichtet. Dort heißt es in Kap. 19:

    25 Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. 26 Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn! 27 Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

    Wie ganz anders ist doch Jesus! Da hängt er am Kreuz. Seiner Kleider beraubt, bespuckt, geschlagen, gedemütigt. Ein Bild des Jammers. Und doch bleiben seine Augen voller Liebe und Fürsorge. Er schaut auf die Menschen unter dem Kreuz. Die da stehen – hilflos und ohnmächtig; verstört. Die nicht einordnen können, was da geschieht. Und er – dem die Hände festgenagelt sind – hilft; klärt; richtet auf; stiftet immer noch Gemeinschaft: Frau, siehe, das ist dein Sohn! Siehe, das ist deine Mutter!

    Ja natürlich: Der Glaube ist eine ganz persönliche Sache. Es geht um eine ganz persönliche Vertrau­ensbeziehung zu Gott und Jesus Christus. Da bin ich ganz persönlich gefragt. Da kann kein anderer mich vertreten. Das kann kein anderer für mich entscheiden. Der Glaube ist eine ganz persönliche Sache. Und doch braucht der Glaube immer auch die Gemeinschaft mit anderen. Eine Gemeinschaft, die sich nicht decken muss mit der natürlichen Verwandtschaft – und die doch vergleichbar ist mit dem, was wir in der Familie erleben. Dass wir füreinander da sind; dass wir einander wahrnehmen; uns mit Liebe begegnen und hören und sehen, was der andere – die andere – braucht: An Trost, an Ermutigung, an Hilfe – aber auch an Korrektur. Dazu stellt er uns zusammen. Unterm Kreuz stiftet Jesus Gemeinschaft. Wir alle brauchen ihn – und wir brauchen einander, um uns im Glauben an ihn zu trösten, zu stärken und zu ermutigen. Gut, dass wir einander haben. Gut, dass wir ihn haben.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 9. April 2020

    In der Karwoche möchte ich mit Ihnen über einige Stationen auf dem Weg ins Leiden von Jesus nachdenken, Begegnungen und Gespräche, die uns in den Evangelien berichtet werden. Heute: das Verhör durch den römischen Statthalter Pontius Pilatus. Berichtet wird es uns im Johannesevange­lium, Kapitel 18 von Vers 28 an.

    28 Da führten sie Jesus von Kaiphas zum Prätorium; es war früh am Morgen. Und sie gingen nicht hinein, damit sie nicht unrein würden, sondern das Passamahl essen könnten. 29 Da kam Pilatus zu ihnen heraus und fragte: Was für eine Klage bringt ihr gegen diesen Menschen vor? 30 Sie antworteten und sprachen zu ihm: Wäre dieser nicht ein Übeltäter, wir hätten ihn dir nicht überantwortet. 31 Da sprach Pilatus zu ihnen: So nehmt ihr ihn hin und richtet ihn nach eurem Gesetz. Da sprachen die Juden zu ihm: Wir dürfen niemand töten. 32 So sollte das Wort Jesu erfüllt werden, das er gesagt hatte, um anzuzeigen, welchen Todes er sterben würde.

    33 Da ging Pilatus wieder hinein ins Prätorium und rief Jesus und fragte ihn: Bist du der König der Juden? 34 Jesus antwortete: Sagst du das von dir aus oder haben dir’s andere über mich gesagt? 35 Pilatus antwortete: Bin ich ein Jude? Dein Volk und die Hohenpriester haben dich mir überantwortet. Was hast du getan? 36 Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden darum kämpfen, dass ich den Juden nicht überantwortet würde; nun aber ist mein Reich nicht von dieser Welt. 37 Da fragte ihn Pilatus: So bist du dennoch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich die Wahrheit bezeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme. 38 Spricht Pilatus zu ihm: Was ist Wahrheit?

     

    Pilatus ist eine tragische Gestalt. Getrieben von Zwängen und Machtkalkül muss er tun, wovon er eigentlich inhaltlich nicht überzeugt ist – Jesus zum Tod verurteilen. Mit dieser Absicht bringen die religiösen Führer Jesus zu ihm. Die Kernfrage im Verhör, das dann folgt, ist: Bist du der König der Juden? Mit anderen Worten: Hast du politische Ambitionen, möchtest du die Herrschaft im Land umkrempeln? Und Jesus antwortet: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Ja, er ist ein König. Er ist der König, der Gottes ewige Wahrheit zu uns bringt und aufrichtet. Die Wahrheit über Gottes Liebe. Die Wahrheit über unsere Schuld und die Wahrheit über das, was wir wirklich für Zeit und Ewigkeit brauchen: Ihn, den König, dessen Reicht nicht von dieser Welt ist. Der sein Reich am Kreuz aufrichtet, in seinem Leiden und Sterben

    Lassen wir uns doch nicht nur vom Augenscheinlichen bestimmen. Sehen wir doch nicht nur die Machtverhältnisse und die Reiche dieser Welt – auf das was in der Zeitung steht oder in den Nachrichten kommt. Ja, das alles ist real, das alles gibt es. Das alles bestimmt auch ein Stück weit unser Leben.

    Doch das letzte Wort über unserem Leben und über dieser Welt hat der, der hier spricht: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Jesus Christus, der uns Menschen einlädt, ihm zu vertrauen; mit ihm zu leben, heute schon Bürger seines ewigen Reiches zu werden. Der Menschen aufrichtet und ihnen seine Liebe schenkt. Und der Menschen durch sein Leiden und Sterben zu Kindern Gottes macht. Sein Reich ist ein unvergängliches Reich. Sein Reich ist das ewige, wahrhaftige Reich unseres Gottes. Es existiert. Es ist da. Noch sehen wir es nicht. Doch wir können und sollen zu diesem Herrn und König gehören, der mit uns dieses ewige Reich aufrichtet.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 8. April 2020

    Über Stationen auf dem Weg ins Leiden von Jesus möchte ich mit Ihnen in der Karwoche nach­den­ken. Heute über das Verhör vor dem Hohen Rat, dem höchsten religiösen Gremium der damaligen Zeit. Nachlesen können Sie den Bericht im Markusevangelium, Kap 14 ab Vers 53.

    53 Und sie führten Jesus zu dem Hohenpriester; und es versammelten sich alle Hohenpriester und Ältesten und Schriftgelehrten. 54 Petrus aber folgte ihm nach von ferne, bis hinein in den Palast des Hohenpriesters, und saß da bei den Knechten und wärmte sich am Feuer.

    55 Aber die Hohenpriester und der ganze Hohe Rat suchten Zeugnis gegen Jesus, dass sie ihn zu Tode brächten, und fanden nichts. 56 Denn viele gaben falsches Zeugnis ab gegen ihn; aber ihr Zeugnis stimmte nicht überein. 57 Und einige standen auf und gaben falsches Zeugnis ab gegen ihn und sprachen: 58 Wir haben gehört, dass er gesagt hat: Ich will diesen Tempel, der mit Händen gemacht ist, abbrechen und in drei Tagen einen andern bauen, der nicht mit Händen gemacht ist. 59 Aber ihr Zeugnis stimmte auch so nicht überein. 60 Und der Hohepriester stand auf, trat in die Mitte und fragte Jesus und sprach: Antwortest du nichts auf das, was diese gegen dich bezeugen? 61 Er aber schwieg still und antwortete nichts. Da fragte ihn der Hohepriester abermals und sprach zu ihm: Bist du der Christus, der Sohn des Hochgelobten? 62 Jesus aber sprach: Ich bin’s; und ihr werdet sehen den Menschensohn sitzen zur Rechten der Kraft und kommen mit den Wolken des Himmels.

    63 Da zerriss der Hohepriester seine Kleider und sprach: Was bedürfen wir weiterer Zeugen? 64 Ihr habt die Gotteslästerung gehört. Was ist euer Urteil? Sie aber verurteilten ihn alle, dass er des Todes schuldig sei. 65 Da fingen einige an, ihn anzuspeien und sein Angesicht zu verdecken und ihn mit Fäusten zu schlagen und zu ihm zu sagen: Weissage uns! Und die Knechte schlugen ihn ins Angesicht.

     

    Es muss alles seine Ordnung haben – so dachte der Hohepriester. Schnell wurde die Ratsversamm­lung einberufen - ordnungsgemäß. Die Sitzung wurde eröffnet – ordnungsgemäß. Doch dann begannen die Unstimmigkeiten. Parteiische Richter sind am Werk: Die Hohepriester und der ganze Hohe Rat suchten Zeugnis gegen Jesus, dass sie ihn zu Tode brächten berichtet Markus. Und stellt dann fest: und sie fanden nichts. Ordnungsgemäß wurden Zeugen aufgerufen. Doch wieder gingen die Unstimmigkeiten los: Sie lügen, geben einen Meineid ab. Doch es hilft nichts, denn die Zeugnisse decken sich nicht. Die Situation wird immer diffuser. Sie befragen Jesus zu den Vorwürfen – doch der schweigt. Schließlich wird der Hohepriester ungeduldig und fragt Jesus ganz direkt: Bist du der Christus, der Sohn des Hochgelobten? (Markus 14,61).   

    In der Mitte des Markusevangeliums – am nördlichen Umkehrpunkt ihrer Reise durch Israel – war es Petrus, der von Jesus bekannte: Du bist der Christus! (Markus 8,29). Damals gebot Jesus ihm und den Jüngern, dass sie niemandem das verraten sollten.

    Jetzt aber ist es Jesus selbst, der es von sich bekennt: Ich bin’s; und er setzt hinzu: ihr werdet sehen den Menschensohn sitzen zur Rechten der Kraft und kommen mit den Wolken des Himmels. Der Christus, der Messias, der Gesalbte – das ist der König. Der König aller Könige. Doch er richtet sein Reich nicht mit Gewalt und menschlicher Stärke auf, sondern am Kreuz. Indem er sich für uns hingibt. Indem er sein Leben lässt. So tritt Christus seine Herrschaft an. Als König, der mit Dornen gekrönt ist. Als König, der alle menschlichen Machtverhältnisse umkehrt. Einmal wird er wiederkommen in Macht und Herrlichkeit. Wann? Es kann heute sein, es kann morgen sein. Wir wissen es nicht. Doch er wird kommen. Und deshalb gilt, was der frühere Bundespräsident Gustav Heinemann sagte: «Lasst uns der Welt antworten, wenn sie uns furchtsam machen will: Eure Herren vergehen, unser Herr kommt!«

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 7. April 2020

    Über einige Stationen auf dem Leidensweg von Jesus möchte ich in der Karwoche mit Ihnen nachdenken. Heute über die Gefangennahme von Jesus im Garten Getsemane – nachzulesen in Lukas 22 ab Vers 47:

    47 Als er aber noch redete, siehe, da kam eine Schar; und einer von den Zwölfen, der mit dem Namen Judas, ging vor ihnen her und nahte sich zu Jesus, um ihn zu küssen. 48 Jesus aber sprach zu ihm: Judas, verrätst du den Menschensohn mit einem Kuss? 49 Als aber, die um ihn waren, sahen, was geschehen würde, sprachen sie: Herr, sollen wir mit dem Schwert dreinschlagen? 50 Und einer von ihnen schlug nach dem Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm sein rechtes Ohr ab. 51 Da sprach Jesus: Lasst ab! Nicht weiter! Und er rührte sein Ohr an und heilte ihn.

    52 Jesus aber sprach zu den Hohenpriestern und Hauptleuten des Tempels und den Ältesten, die zu ihm hergekommen waren: Ihr seid wie gegen einen Räuber mit Schwertern und mit Stangen ausgezogen. 53 Ich bin täglich bei euch im Tempel gewesen und ihr habt nicht Hand an mich gelegt. Aber dies ist eure Stunde und die Macht der Finsternis.

     

    Jesus erlebt Niedertracht in ihrer wohl schlimmsten Spielart. Von einem aus seinem engsten Kreis wird er verraten. Verraten mit einem Kuss. Schlimmer geht es wohl nicht. Mit Schwerter und Stangen sind sie gegen ihn ausgezogen bei Nacht. Dabei war Jesus doch jeden Tag bei ihnen im Tempel. Doch dort haben sie es nicht gewagt, Hand an ihn zu legen. Jetzt bei Nacht kommen sie mit ihrer niederträchtigen Übermacht. Jesus stellt ihnen gegenüber fest: »Dies ist eure Stunde und die Macht der Finsternis.«

    Jesus weiß um all das, doch er weicht nicht aus. Er hätte sich längst in Sicherheit bringen können. Er hätte mit einem Heer von Engeln sich den Angreifern entgegenstellen können. Doch auf all das verzichtet er – um unseretwillen. Einer der Jünger – nach dem Johannesevangelium war es Petrus – hält es nicht mehr aus. Er greift nach dem Schwert und schlägt zu. Er trifft einen Knecht am Ohr und trennt es ihm ab. Doch Jesus greift ein, greift heilend ein und macht den Verletzten wieder gesund. Er hilft dem, der leidet – und ist bereit, für uns ins Leiden zu gehen.

    Er geht für uns ins Leiden und ins Sterben. Denn er will uns nicht verloren geben. Er liebt uns. Wir brauchen ihn, den Retter, der am Kreuz für uns stirbt. Weil wir Vergebung brauchen – Versöhnung mit Gott. Das Kreuz von Jesus – das ist Gottes großes Versöhnungszeichen: Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selbst und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. (2 Kor 5,19) So lesen wir es bei Paulus. So meint es Gott mit uns – und darum geht Jesus diesen schweren Weg. Und ich bin sicher: Er lässt auch uns auf unseren schweren Wegen nicht allein.   

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • add Andacht für den 6. April 2020

    In der Karwoche möchte ich mit Ihnen über einige Stationen auf dem Leidensweg Jesu nachdenken. Heute über das Gebet von Jesus im Garten Getsemane – nachzulesen im Markusevangelium, Kapitel 14 ab V. 32.

    32 Und sie kamen zu einem Garten mit Namen Gethsemane. Und er sprach zu seinen Jüngern: Setzt euch hierher, bis ich gebetet habe. 33 Und er nahm mit sich Petrus und Jakobus und Johannes und fing an zu zittern und zu zagen 34 und sprach zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis an den Tod; bleibt hier und wachet!
    35 Und er ging ein wenig weiter, warf sich auf die Erde und betete, dass, wenn es möglich wäre, die Stunde an ihm vorüberginge, 36 und sprach: Abba, mein Vater, alles ist dir möglich; nimm diesen Kelch von mir; doch nicht, was ich will, sondern was du willst! 37 Und er kam und fand sie schlafend und sprach zu Petrus: Simon, schläfst du? Vermochtest du nicht, eine Stunde zu wachen? 38 Wachet und betet, dass ihr nicht in Versuchung fallt! Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach.
    39 Und er ging wieder hin und betete und sprach dieselben Worte 40 und kam zurück und fand sie abermals schlafend; denn ihre Augen waren voller Schlaf, und sie wussten nicht, was sie ihm antworten sollten. 41 Und er kam zum dritten Mal und sprach zu ihnen: Ach, wollt ihr weiter schlafen und ruhen? Es ist genug; die Stunde ist gekommen. Siehe, der Menschensohn wird überantwortet in die Hände der Sünder. 42 Steht auf, lasst uns gehen! Siehe, der mich verrät, ist nahe.

    Dort erleben wir, wie die Einsamkeit um Jesus Kreise zieht. Aus der Gemeinschaft im Abendmahlssaal geht Jesus mit den Jüngern durchs Kidrontal zu diesem stillen Garten am Fuß des Ölbergs. Er nimmt – wie schon auf dem Berg der Verklärung – nur drei Jünger mit: Petrus, Jakobus und Johannes. Die übrigen bittet er zu warten, bis er gebetet hat. Diese drei aber lässt er wissen, was in ihm vorgeht: Meine Seele ist betrübt bis an den Tod. Und dann spricht er eine einfache Bitte aus: Bleibt hier und wacht! Wachet und betet mit mir! Er geht noch ein paar Schritte weiter – und betet allein. Ganz allein mit seiner Not, mit seiner Angst: Abba, mein Vater, alles ist dir möglich; nimm diesen Kelch von mir; doch nicht, was ich will, sondern was du willst! Dann kehrt er zu den drei Jüngern zurück – und findet sie – nein, nicht betend, sondern schlafend. Er weckt sie auf, fordert sie erneut auf: Wacht und betet! Es geht auch um euch. Dass ihr nicht in Versuchung fallt! Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Ihr schafft es nicht allein, nur mit der Hilfe des Vaters im Himmel. Hängt euch an ihn. Noch zweimal wird Jesus ein paar Schritte sich entfernen, um in der Einsamkeit seine Not und sein Schicksal dem Vater hinzulegen. Und noch zweimal wird er zurückkommen und die Jünger schlafend finden.

    Einsamkeit ist für viele in diesen Tagen ein Thema. Sie sollen wissen: Jesus weiß um unsere Einsamkeit. Und er versteht, wie schwer das ist. Seine Einsamkeit ging noch viel tiefer. Er lässt uns nicht allein. Und für alle, die müde geworden sind im Glauben gilt: Jesus lässt uns nicht schlafen. Er überlässt uns nicht uns selbst. Er weckt uns immer wieder auf. Er macht Mut. Die Ohnmacht und Schläfrigkeit der Jünger zeigt mir: Wir können und müssen nichts zu unserem Heil beitragen. Das hat allein Jesus für uns getan. Und wenn uns die Kraft ausgeht – dann ringt er dennoch für uns. Und wenn wir versagen – dann hält er uns dennoch fest. Darauf dürfen wir vertrauen.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 30.03. bis 05.04.

  • add Andacht für den Palmsonntag, 5. April 2020

    Ich grüße Sie mit dem Wochenspruch für die Karwoche, die heute beginnt aus dem Johannesevangelium. Jesus sagt in Johannes 3 von sich selbst: Der Menschensohn muss erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben. (Johannes 3,14b-15)

    Verzweifelte Rufe im Lager der Israeliten. Plötzlich sind feurige Schlangen da, tödliche Schlangen. Viele schon sind der Plage zum Opfer gefallen. Die Menschen erkennen ihre Schuld, laufen zu ihrem Anführer Mose und bitten ihn um Fürbitte bei Gott. Gott möge doch die Schlangen wegnehmen. Mose bittet. Doch als Antwort bekommt er den Auftrag: Richte eine Schlange aus Metall an einer hohen Stange auf. Wer gebissen ist und sieht sie an, der soll leben. Es klingt paradox. Die, die vom Tod bedroht sind, sollen auf das Symbol des Todes sehen – um gerettet zu werden. Doch so will es Gott. So macht er durch alles menschliche Planen und alle menschliche Weisheit einen Strich.

    Jesus sieht sich selbst genau in dieser Linie von Gottes Handeln. Von Anfang spricht er davon, dass er leiden wird und sterben muss. Wenn er im Johannesevangelium von »Erhöhung« spricht, dann ist das doppeldeutig: Zum einen ist die Erhöhung in den Himmel gemeint, dorthin, wo Jesus herkommt und wo er hingehört. Zum andern aber ist von dem Kreuz die Rede, das auf dem Hügel Golgatha aufgerichtet wurde. So will Gott retten – das zeigt er schon im Alten Bund. So und nicht anders. Dass wir Jesus, den Gekreuzigten anschauen, und ihm vertrauen – und es glauben, dass dieses Leiden auch uns mit einschließt. Dass er unsere Schuld dort trägt, unsere Strafe dort erduldet. So sehr hat Gott die Welt geliebt, wird es dann nur zwei Verse weiter heißen. So rettet Gott – durch den Gekreuzigten. Seine Rettungsbotschaft ist das »Wort vom Kreuz«, vielen ein Ärgernis und eine Torheit – aber denen, die glauben, ist es eine Kraft Gottes, die rettet in Ewigkeit. Schauen wir auf ihn. Halten wir an ihm fest – dem Gekreuzigten. Er ist auch unsere Rettung.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 4. April 2020

    Ich grüße Sie mit dem neutestamentlichen Lehrtext für den 4.April aus dem Römerbrief. Paulus schreibt dort: Gottes unsichtbares Wesen – das ist seine ewige Kraft und Gottheit – wird seit der Schöpfung der Welt, wenn man es wahrnimmt, ersehen an seinen Werken. Römer 1,20

    Der Tübinger Theologieprofessor Adolf Schlatter wuchs Ende des 19. Jahrhunderts in Basel in der Schweiz auf. Zu seinen Kindheits- und Jugenderinnerungen, die mir wiederum in Erinnerung blieben, gehörte, dass sein Vater zwei teure Apparate gekauft hatte, die auch die Kinder benutzen durften: Es war ein Mikroskop und ein Teleskop, ein Fernrohr. Der Wunsch des Vaters war, dass die Kinder über Gottes Schöpfung staunen lernten. Dass sie genau hinschauen lernen: im ganz Kleinen durch das Mikroskop – und im ganz Großen – in den Planeten und Sternen, die sie durchs Fernrohr sahen. Egal, wohin wir schauen – eine wunderbare Ordnung. Naturkon­stanten, die im ganzen Universum immer gleich sind – und ohne die das Universum nicht funktio­nieren könnte. Freilich, es gibt Menschen, die angesichts all dessen an Zufall glauben. Das wusste schon Paulus. Dass man Gottes Weisheit, Gottes Planen, Gottes ewige Kraft und Gottheit hinter all dem übersehen kann. Denn Gott ist unsichtbar. Doch ich möchte es – gerade auch wenn jetzt draußen die Natur wieder erwacht, lieber mit dem Liederdichter Paul Gerhardt halten, der in seinem Lied »Die güldne Sonne« in der zweiten Strophe singt: »Mein Auge schauet, was Gott gebauet / zu seinen Ehren / und zu lehren, / wie sein Vermögen sei mächtig und groß / und wo die Frommen / dann sollen hinkommen, / wann sie mit Frieden / von hinnen geschieden / aus dieser Erde vergänglichem Schoß.« Ja, wir dürfen Kinder dieses großen Gottes sein. Er hält uns in seiner Hand und er lässt uns nicht los.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 3. April 2020

    Ich grüße Sie mit dem alttestamentlichen Losungswort für den 3. April aus dem 89. Psalm: Wohl dem Volk, das jauchzen kann! HERR, sie werden im Licht deines Antlitzes wandeln. (Psalm 89,16)

    Die Psalmen sind uralte Lieder des Glaubens. Durch 3.000 Jahre hindurch haben Menschen sich in ihren Worten wiedergefunden und sie zu ihren eigenen gemacht. Sie haben die Psalmen nachgebetet. Mögen sich die Zeiten und die Umstände immer wieder ändern – Gott verändert sich nicht. Und von diesem ewigen, souveränen und treuen Gott erzählt auch der Psalm 89. Er beginnt mit den Worten: ich will singen von der Gnade des HERRN täglich und seine Treue verkünden mit meinem Munde für und für. Von Gott will er reden, von Gottes Treue, von Gottes Gnade. Denn das ist ein Fundament für unser Leben, das bleibt. Egal, wie die Umstände sind. Egal, welchen Namen die Krise trägt. Egal, was Menschen sich zutrauen oder wo sie verzweifeln. Mit Gott können und dürfen wir rechnen – auch und gerade jetzt. Jetzt, wo so vieles unsicher geworden ist; wo manche bange in die Zukunft schauen – wohlgemerkt in die Zukunft, die Menschen gestalten. Der Psalmist schaut in unserem Losungsvers auch in die Zukunft. In die Zukunft, die Gott für seine Menschen gestaltet: HERR, sie werden im Licht deines Antlitzes wandeln. Da, bei Gott, da ist es hell. Und wer mit ihm lebt und ihm vertraut, der lebt im Licht. Gnade und Treue finden wir dort. Etwas Verlässliches. Etwas, was nicht unsicher ist. Etwas, was hält, worauf wir uns felsenfest verlassen können. Gott lässt uns nicht los. Gott verlässt uns nicht. Gott bleibt da – auch und gerade in schweren Zeiten, in einsamen Zeiten. Und mit ihm an unserer Seite können wir jauchzen, können ihn loben. »Danken schützt vor Wanken und Loben zieht nach oben« sagte man schon früher. Und das können auch wir tun. Wir haben nicht nur die Nachrichten im Fernsehen. Wir haben eine Bibel voller Berichte von den großen Taten Gottes. Er ist auch für uns da. Auch wir dürfen zu den Menschen gehören, denen gilt: Wohl dem Volk, das jauchzen kann! HERR, sie werden im Licht deines Antlitzes wandeln.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 2. April 2020

    Ich grüße Sie mit dem Wort des neutestamentlichen Lehrtextes für den 2. April aus dem Lukasevangelium: Simeon nahm das Kind Jesus auf seine Arme und lobte Gott und sprach: Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen. (Lukas 2,28-30)

    »Meine Augen haben deinen Heiland gesehen« Da ist eine ganz tiefe Sehnsucht gestillt bei diesem alten Simeon. Er hat erlebt, wonach auch wir uns sehnen: Dass Gottes Versprechen sichtbar und spürbar in Erfüllung geht. Oft hat der Glaube nicht mehr als Gottes Zusage, an die er sich halten kann. Im Hebräerbrief wird, was Glaube ist, so definiert: Es ist der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. Simeon hat erlebt: Aus dem Glauben wird Schauen. »Meine Augen haben deinen Heiland gesehen.« Doch auch wir können in die Freude und das Lob Gottes bei diesem Simeon einstimmen. Denn er redet von Jesus. In Jesus Christus – da wird Gottes Liebe konkret. In Jesus, da bekommt seine Zuwendung, seine Gnade im wahrsten Sinne des Wortes »Hand und Fuß«. Gott kann man tatsächlich sehen. Denn Gott ist Mensch geworden – in Jesus Christus. Er hat unter uns gelebt, geredet, gehandelt, gewirkt. Jesus – das ist Gott in Person. Da sehe ich sein Gesicht. Deshalb können wir von Jesus gar nie groß genug denken. Und auch von dem, was er für uns tat, können wir nicht groß genug denken: Dass er für uns ins Leiden geht, für uns stirbt und für uns am Ostermorgen den Tod überwindet. Ja, es gilt auch uns, was er seinen Jüngern zusprach: Ich lebe und ihr sollt auch leben. Wir werden es einmal wie Simeon voller Freude und Staunen erleben: Es hat alles gestimmt, was er gesagt hat! Schon heute gilt uns, wenn wir auf Jesus sehen: »Meine Augen haben deinen Heiland gesehen.«

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 1. April 2020

    Ich grüße Sie mit dem Losungswort für den 1. April aus Jesaja 65: Ich will mich freuen über mein Volk. Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens. (Jesaja 65,19).

    »Was hat Gott vor?« so – oder ähnlich – fragen Menschen immer wieder bange, wenn sie etwas erleben, was nicht vorhersehbar war und was sie in seiner Wirkung nicht einordnen können. Vielen geht es auch mit dieser Epidemie so. »Warum lässt Gott das zu?« Und wer jetzt meint, in der Bibel schnell eine eindeutige Antwort in die eine oder andere Richtung zu finden – der hat sie wohl nicht ganz gelesen. Ich glaube: Auf die Frage nach einem tieferen Sinn von Katastrophen und Leid – so gern wir das hätten – gibt es keine schnelle und leichte Antwort. Wir können Gott nicht begreifen. Wir können Gottes Handeln – oder Gottes Zulassen – nicht erklären. Und das tut weh. Das schmerzt, das verunsichert.

    Was wir aber können, das ist, zu hören, was Gott vorhat. Wo er am Ende hin will – genau wie wir es im Losungswort lesen: Gott ist auf Gemeinschaft aus – mit seinem Volk Israel. Ja, mit diesem Volk, dem durch die Jahrhunderte vor und nach Christus so übel mitgespielt wurde – bis hin zu dem grausamsten aller Vernichtungsversuche im sogenannten Dritten Reich. Gott sagt: Ich will mich freuen über mein Volk. »Ich will dem Kummer ein Ende machen; ich will die Tränen trocken.« Und wir? Gilt das auch uns? Ja, es gilt auch uns. Was Gott vorhat, das hat er uns in Jesus, seinem Sohn gezeigt. Da, in Jesus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen, da sehen wir, was Gott vorhat, wo er am Ende mit uns hinwill. In Jesus Christus gehören auch wir alle, die an ihn glauben, zu diesem großen Volk Gottes. Das Ende der Offenbarung hat viele Parallelen zum Schluss des Jesajabuches. Der Vater Jesu Christi ist kein anderer als der Gott, der durch alles Wirren hindurch sein Bundesvolk des Alten und des Neuen Bundes zu seinem Ziel, zu seiner ewigen Heimat führt. Das hat Gott vor. Auch mit uns!

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 31. März 2020

    Auch heute grüße ich Sie mit dem neutestamentlichen Lehrtext. Diesmal ist es ein Vers aus dem Epheserbrief, Kapitel 2. Passend zum letzten Tag des Monats ist es der letzte Vers dieses Kapitels: Durch Jesus Christus werdet auch ihr miterbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist. (Epheser 2,22).

    »Gott baut sein Haus« davon ist der Apostel Paulus überzeugt. Gott baut sein Haus nicht nur oben im Himmel – da hat er es längst, sondern hier auf der Erde. Die Menschen im Alten Bund, im Alten Testament hatten das schon erfahren. Der Tempel in Jerusalem war so etwas wie Gottes Haus auf Erden. Eindrücklich wird in der Bibel beschrieben, wie der erste und der zweite Tempel erbaut wurden. Doch nun sollen es alle Menschen erfahren. Auch die, die bisher nicht in den Tempel durften. Gott ist für alle da. Gott will alle Menschen. Gott will bei allen – ja, in allen – wohnen. Deshalb hat Gott noch einmal ein »Bauprojekt« begonnen. Durch Jesus Christus, seinen Sohn baut Gott sein Haus – mitten auf dieser alten, leidgeplagten Erde. Jesus Christus ist der Grund-, der Eckstein und der Schlussstein dieses Hauses. Es ist erbaut aus lebendigen Steinen. Und wir sollen und dürfen dazugehören. Alle, die an Jesus Christus glauben, werden Teil dieser neuen Wohnung Gottes. Und belebt wird das Ganze durch Gottes guten Heiligen Geist, der in jedem wirkt, der glaubt. Wer an Gott glaubt, der darf sicher sein: diesen Glauben, den hat Gottes Heiliger Geist in mir bewirkt. Das ist mehr als ein Gefühl oder mein Entschluss. Da wirkt Gottes Geist.

    Gottes Haus – das ist nicht das Kirchengebäude. Und sei es noch so schön und noch so frisch renoviert. Wenn wir uns – nach dieser Krise – wieder darin zum Gottesdienst versammeln, dann lasst uns nicht vergessen: Gottes Haus – das sind nicht Steine, Glas und Holz – sondern das sind wir, wir Christen, mit denen Gott sein Haus baut. Auch heute. Auch in der Corona-Krise. Das Haus Gottes wächst und wird gebaut. Da herrscht kein Stillstand. Und wir – wir sind Teil dieses großartigen Bauprojekts Gottes.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 30. März 2020

    Ich grüße Sie mit dem neutestamentlichen Lehrtext für den 30. März 2020 aus Johannes 6,37. Jesus sagt dort: »Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.«

    Die Menschen waren begeistert, hatten ihn bejubelt und wollten Jesus zu ihrem König machen. Damals, als er 5.000 auf einmal satt gemacht hat – fast aus dem Nichts, nur mit 5 Broten und 2 Fischen. »So einen kann man brauchen!«

    Aber dann kippte die Stimmung – als Jesus eine Predigt hielt. Er machte allen deutlich: »Brot und Spiele« reichen nicht aus. Das ist ihm zu wenig. Jesus möchte und gibt mehr: »Ich bin das Brot des Lebens.« Im Grund wissen wir es alle: Auf Dauer reicht Brot wirklich nicht zum Leben. Doch nun erhebt Jesus einen ungeheuren Anspruch: »Auf Dauer reiche nur ich!« Jesus allein gibt wahres und bleibendes Leben. Und dann sagt Jesus im Lehrtext, wie wir dieses Leben bekommen: »Wer zu mir kommt…« Brot macht nicht satt, wenn es im Schaufenster bestaunt wird. Jesus nützt nichts, wenn man ihn von ferne und distanziert für einen guten Menschen hält. Jesus ruft penetrant und unausgesetzt zum Glauben an ihn und zur Nachfolge: »Wer zu mir kommt…« Damals hat er sich weithin die Sympathie der Leute verscherzt. Und dennoch gilt sein Ruf bis heute.

    Wer der Einladung folgt, wer zu ihm kommt, macht die wunderbare Erfahrung: Wer zu Jesus kommt, wird nicht abgewiesen. Da gibt es keine Vorbedingungen und Voraussetzungen, keinerlei Zugangsbeschränkung. Wer zu ihm kommt, wird aufgenommen, wird angenommen – darf bleiben in Ewigkeit. Diese gute Erfahrung wünsche ich Ihnen und uns allen immer wieder.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 23.03. bis 29.03.

  • add Andacht für den 27. März 2020

    Ich grüße Sie mit einem Vers aus dem 1. Petrusbrief, einer großartigen Einladung, die uns gerade jetzt in diesen ernsten Zeiten gilt: Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch! (1 Petrus 5,7)

    Wie gut, dass es diesen Einen gibt, von dem Petrus schreibt. Dieser Eine, der sich für unsere Sorgen zuständig erklärt. Es ist der Gott, von dem dieser Apostel kurz zuvor schreibt: Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. Ein Gott, den wir nicht damit beeindrucken müssen und können, was wir alles zustande bringen, was wir alles schaffen, was wir alles gut machen. Sondern der genau darum weiß, wie begrenzt unsere Möglichkeiten doch sind – sowohl in unserem persönlichen Leben und unserem persönlichen Umfeld, wie auch im Großen einer Volksgemeinschaft, einer Gesellschaft, einer Zivilisation. Zu den persönlichen Sorgen sind nun ganz überraschend für uns alle ganz andere Sorgen getreten: Corona-Sorgen. Die Sorgen um die Gesundheit, die Sorgen um das Gesundheitssystem, die Sorgen um die Menschen, die krank sind, um die Schwerstkranken – wegen Überlastung der Intensivstationen – in vielen Ländern dieser Welt nicht mehr geholfen werden kann. Die Sorge um die Versorgung, um die Wirtschaft, um die persönlichen Finanzen. Die Botschaft dieses Verses ist: Wir sind mit all diesen Sorgen und Herausforderungen nicht allein gelassen. Gott ist da. Gott, der sich zuständig erklärt. Gott unser Schöpfer, der uns liebt; der in Jesus für uns Mensch geworden ist – ja, der selbst für uns gestorben ist. Dieser Gott ist zuständig. Bei diesem Gott sind wir mit unseren Sorgen – den persönlichen und den weltweiten – gut aufgehoben. Ich lade Sie ein, dieser Empfehlung zu folgen. Sie können das den ganzen Tag über tun: Beten für sich und für andere. Vergessen Sie in Ihrem Gebet bitt nicht die Menschen, die den Kopf an den Ladenkassen und im Transportwesen, im Hintergrund für uns alle hinhalten – neben all denen, die im medizinischen Bereich für uns sich dem Risiko aussetzen, selbst zu erkranken, nur um anderen zu helfen. Heute werden um 19:30 Uhr wieder die Glocken läuten – und zu Andacht und Gebet zuhause einladen. Sagen Sie’s weiter, sagen Sie auch weiter von dem, auf den wir alle unsere Sorgen werfen können, denn er sorgt für uns.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 26. März 2020

    Ich grüße Sie mit dem Bibelwort der Losung der Herrnhuter Brüdergemeinde für den 26. März 2020. Es ist heute kein Zuspruch, auch kein Bekenntnis voller Zuversicht, sondern aus einem Bußpsalm. Es ist ein sehr persönliches Bekenntnis dieses Psalmbeters: Ich bekenne meine Schuld, bekümmert bin ich meiner Sünde wegen. (Psalm 38,19)

    Welch hohes Gut unsere Gesundheit darstellt, das wird uns in diesen Tagen bewusst. Auch in der Bibel wird der Wert der körperlichen Gesundheit betont: Die Evangelien berichten davon, wie Jesus die Not der Krankheit von Menschen auf wunderbare Weise beendet hat, wie er sie gesund gemacht hat. Doch neben der körperlichen Gesundheit ist ihm die seelische, die geistliche Gesundheit mindestens genau so wichtig: Dass Menschen Vergebung ihrer Schuld erfahren. Dem Gelähmten, den die Freunde durch das Dach ihm vor die Füße legen spricht er zuerst zu: »Dir sind deine Sünden vergeben!« Und dann sagt er: »Steh auf, nimm dein Bett und geh heim!« Dass Menschen an Seele und Leib geheilt werden – das ist das, was Jesus Christus will und tut. Der Satz »Hauptsache gesund!« stimmt also nur insoweit, dass wir in die »Gesundheit« auch die seelische, geistliche Gesundheit mit einbeziehen: Dass unser Verhältnis zu Gott in Ordnung kommt. Dass uns nichts auf der Seele lastet – an Schuld und Versagen. Das Schuldbekenntnis des Psalmbeters David ist eine Flucht, eine Fluchttür, die er aufstößt – hin zu Gott, hin in die Freiheit: »Wenn einer mir helfen kann, mir die Last meiner Vergangenheit abzunehmen, mein Versagen, auch mein Versagen Gott gegenüber – dann ist es er, unser Gott, selbst.« Verdrängen hilft im Umgang mit Schuld und Sünde, mit meinem Versagen in der Vergangenheit nicht, kleinreden hilft nicht, sich rausreden und auf andere schieben, all das hilft nicht – auch nicht der Verweis: Das machen doch alle. Jesus lädt uns ein: Kommt her zu mir, alle die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken – man kann auch sagen: »entlasten«. Hören wir auf die Worte Johannes des Täufers, der auf Jesus Christus zeigt uns sagt: »Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt.« - Gott wartet mit offenen Armen auf uns; egal, was schief gelaufen ist, egal, was wir falsch gemacht haben. »Buße tun heißt: Umkehren in die offenen Arme Gottes – dazu gehört, dass wir unsere Sünden herzlich erkennen, bekennen, bereuen, hassen und lassen. An guten wie an bösen Tagen dürfen wir als Kinder Gottes zu ihm kommen.« Diese Erfahrung der offenen Tür, der Vergebung und Entlastung durch Jesus Christus wünsche ich Ihnen von Herzen immer wieder neu.

    Pfarrer Andreas Streich

  • add Andacht für den 23. März 2020