Tägliche Kurzbotschaft

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Woche vom 14.06. bis 20.06.

  • addAndacht für Donnerstag, 17. Juni 2021

    Der HERR wird dir seinen guten Schatz auftun, den Himmel, dass er deinem Land Regen gebe zur rechten Zeit und dass er segne alle Werke deiner Hände.             5. Mose 28,12

    Ein wunderbares Versprechen. Wie oft haben wir es schon erlebt – genau so: Regen zur rechten Zeit, und dass das, was wir an Mühe aufgewendet haben, wächst und gedeiht – unverfügbar. Einfach geschenkt. In unserer Gesellschaft beobachte ich heute eine starke Tendenz, unser menschliches Handeln zum Wohl der Welt, überzubewerten: Wir schaffen die Pandemie aus der Welt; wir kriegen den Klimawandel in den Griff.  Über weite Strecken sind wir – nicht nur in unserem Land – längst der uralten Versuchung erlegen, unser Leben ohne Gott meistern zu wollen. War der Slogan »Ohne Gott und Sonnenschein fahren wir die Ernte ein« in der DDR noch eine klare Provokation gegen den Gottesglauben, hat sich die Haltung dahinter stillschweigend bei einer gefühlten Mehrheit in unserem Land durchgesetzt. Ich bin und bleibe davon überzeugt: Diese Haltung ist grundverkehrt. Weil da die allerwichtigste Grundlage für unser Leben aus dem Blick gerät: Gott, der HERR, der uns immer wieder neu seinen Schatz auftut. Er ist es, der Schöpfer, der seine Schöpfung in jedem Augenblick enthält. Wir sind und wir dürfen getrost abhängig sein von ihm, von seinem Wirken, von seinem Segnen. Unsere Welt ist nicht ein Zufallsprodukt, sondern gewollt und gewirkt von unserem Gott.

    Dieses Versprechen steht im 5. Mosebuch unter einer Bedingung – einer wesentlichen Bedingung. Und auch die scheinen viele in unserem Land vergessen zu haben: Wenn du nun der Stimme des HERRN, deines Gottes, gehorchen wirst, dass du hältst und tust alle seine Gebote… So wird dem Volk Israel zu Beginn dieses Kapitels dort gesagt. Gottes und seine Gebote – das ist es, was wir zuerst in den Blick nehmen sollen. Das ist die Schlüsselstelle für unser Leben: Ob wir Gott nach seinem Willen fragen, ob wir bereit sind, ihn zu hören und ob wir dann auch bereit sind, ihn umzusetzen. Danach fragt uns unser Gott. Und wir tun gut daran, ihm zu folgen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Mittwoch, 16. Juni 2021

     

     

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

     

    im Losungsbüchle steht für heute ein kurzer Vers aus dem Buch des Propheten Sacharja. Der Textabschnitt rund um diesen Vers ist aus einer Vision und überhaupt nicht gut verständlich. Es geht um einen Priester, der offensichtlich Schuld auf sich geladen hatte. Er steht nun vor einem Engel Gottes. Und dieser Engel sagt im Auftrag Gottes zu dem schuldig gewordenen Priester: „Sieh her, ich nehme deine Sünde von dir und lasse dir Feierkleider anziehen“ (Sacharja 3,4). Auch wenn wir nicht genau verstehen, was in dieser Geschichte dort geschieht, eines ist klar: ein Mensch erlebt Vergebung, einen Neuanfang. Er wird sogar mit Feierkleiden ausgezeichnet.

     

    Mir fällt die Geschichte ein, die Jesus erzählt – von dem Mann, der seinem Sohn das Erbe ausgezahlt hatte, dem Sohn, der dieses Erbe dann verschleudert hatte und am Boden zerstört nach Hause zurückkehrt. Von seinem Vater wird er mit offenen Armen und eben auch mit Festkleidern empfangen. Ja, wir kennen diese Geschichte und werden sie vermutlich auch jederzeit gern anderen erzählen als Beispiel für Gottes große Güte und Barmherzigkeit.

     

    Aber auch wenn wir diese Geschichte des barmherzigen Vaters schon seit der Kindheit kennen: Hat sie wirklich unser Herz erreicht? Akzeptieren wir das wirklich für unser eigenes Leben, so wie es ist, dass wir angenommen sind bei unserem Schöpfer, unserem himmlischen Vater und Mutter? Und zwar angenommen nicht nur mit unserer Schokoladenseite, sondern mit und trotz all unserem Versagen, unserer Not, unserer Schuld, unserem Eigensinn? Oder können wir Vergebung an manchen Stellen gar nicht wirklich annehmen, bevor es uns nicht gelungen ist, das eine oder andere in eigener Kraft in Ordnung gebracht zu haben?

     

    Steckt in uns nicht sehr viel kleinliches Denken über unser eigenes Leben und über das von anderen? Beurteilen wir unser Leben und auch das von anderen nicht viel häufiger so wie der ältere Bruder in der von Jesus erzählten Geschichte? Dieser Bruder, der das annehmende und vergebende Verhalten des Vaters überhaupt nicht verstehen kann? Und der uns, wenn wir ehrlich sind, mit seinem verärgerten Gerechtigkeitssinn im Grund doch sehr sehr nahe ist? Einfach so vergeben, annehmen, wo führt denn das hin? Über wie viele Kleinigkeiten im Alltag regen wir uns auf – je nach Veranlagung entweder laut oder eben still für uns? Und wir erzählen die Geschichte von diesem barmherzigen Vater? Da geht eine Schere auf.

     

    Mit den Ohren vom barmherzigen Gott und Vater zu hören ist das eine. Damit diese Botschaft uns  wirklich erreicht und verwandelt, dafür ist Gottes Geist nötig, der unser enges Herz öffnet und bereit macht für Gottes große Barmherzigkeit. Damit wir barmherzig mit uns und mit anderen umgehen. Gott segne uns und wirke dieses Wunder.

     

    „Sieh her, ich nehme deine Sünde von dir und lasse dir Feierkleider anziehen“.

     

    Amen.

  • addAndacht für Dienstag, 15. Juni 2021

    Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet. Psalm 66,20

    So haben es viele von uns wohl einmal auswendig gelernt: »Das Gebet ist ein Reden des Herzens mit Gott in Bitte und Fürbitte, Dank und Anbetung. An guten wie an schlechten Tagen dürfen wir als Kinder Gottes im Namen Jesu zu ihm kommen.« Es ist gut, das zu wissen – und es ist noch besser, das zu praktizieren – Tag für Tag. Und es lohnt sich, ab und zu über das Beten mit der Bibel in der Hand auch einmal nachzudenken.

    Der unbekannte Psalmbeter tut das im Psalm 66. Und er tut es in der – wie ich meine – einzig möglichen und richtigen Form: Indem er Gott lobt. Indem er Gott sagt, wie gut er ist. Und wie gut es tut, mit ihm zu leben. Wenn Sie den ganzen Psalm lesen, merken sie: er tut das mit zweierlei Adressaten: Einmal Gott selbst gegenüber – im Mittelteil des Psalms. Und dann aber auch gegenüber anderen Menschen, die er ermutigt, Gott auch zu loben und zu beten. Gott loben – darauf kommt es an. Gott an die erste Stelle setzen – auch in unserem Leben. Denn er hat es wirklich verdient. Ihm gebührt der erste Platz. Auch im Vaterunser kommt Gott zuerst: Dein Name werde geheiligt, dein Reich komme, dein Wille geschehe. Und mit dem Lob und der Anbetung Gottes endet dieses einzigartige Gebet auch: denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Wie gut, dass Gott unser Gebet hört. Wie gut, dass wir mit allen großen und kleinen Nöten immer zu ihm kommen können. Wie gut, dass seine Tür – durch Jesus Christus – für uns alle weit geöffnet ist. Sagen wir’s ihm doch, wie gut er ist und wie gut er uns tut – immer wieder. Denn: Danken schützt vor Wanken und Loben zieht nach oben.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • addAndacht für Montag, 14. Juni 2021:

    Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. (Hebräer 10,35)

    Unsere Geduld wird immer noch auf die Probe gestellt – nunmehr seit fast 1 ½ Jahren. Manche können es gar nicht erwarten, endlich wieder in den Alltag vor Corona zurückzukehren. Die Fachleute warnen uns vor zu schneller Unvorsichtigkeit, solange noch nicht genügend Menschen geimpft sind. Und am Impfstoff mangelt es gerade. Corona ist und bleibt eine Geduldsprobe für uns alle.

    Auch der Glaube fordert uns Geduld ab. Gott hat uns durch Jesus herausgerufen in ein neues, in ein anderes Leben. In ein Leben mit ihm. Und er hat uns versprochen, dass dieses neue Leben ewiges Leben bedeutet. Dass es mit dem Tod nicht endet, sondern in Ewigkeit mit Jesus weitergehen wird. Jesus ist vom Tod auferstanden. Er ist der Sieger über Hölle, Sünde, Tod und Teufel. Doch noch sehen wir von diesem Sieg in unserem Alltag so wenig. Es gilt, gegen den Augenschein zu glauben. Es gilt noch die „andere Normalität“, die uns Geduld abfordert – bis wir am Ziel angekommen sind. Noch leben wir im Glauben und nicht im Schauen. Noch haben wir nicht viel mehr als Gottes Versprechen. Doch das Warten lohnt sich, Geduld zahlt sich aus. Darum: Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat.

    Pfarrer Andreas Streich

     

 

Woche vom 07.06. bis 13.06.

  • addAndacht für den 2. Sonntag nach Trinitatis, 13. Juni 2021 zum Wochenspruch

    Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.  Matthäus 11,28

     

    Was für eine Einladung! Wie gut tut es, wenn man sich nach einer großen Anstrengung – schwerer Arbeit in der Hitze im Garten oder einer langen Wanderung oder Radtour an einem guten Schluck Mineralwasser »erquicken« kann. Sportler schwören auf isotonische Getränke, die noch weitere Elemente enthalten, die den Körper schneller wieder zu Kräften kommen lassen. Für Normalsportler ist übrigens Apfelschorle das beste isotonische Getränk. Da steckt alles drin, was für unseren Körper gut ist.

    Die Einladung von Jesus zielt auf erschöpfte Menschen, auf Mühselige und Beladene. Und zwar in einem viel weiteren Sinn als alle Mineral- und Heilwasser und isotonischen Getränke. Ihm geht es nicht nur um körperliche Erschöpfung. Ihm geht es um den ganzen Menschen. Wir Menschen sind eine Einheit aus Körper, Seele und Geist. Und Erschöpfung, Mühsal und Last können wir auf allen diesen Ebenen erfahren. Und Jesus lädt ein – zu sich! Er gibt nicht Ratschläge, er verteilt nicht Rezepte. Er verweist nicht auf irgend ein Heilmittel oder eine Therapie. Er lädt ein zu sich, zum Vertrauen auf ihn, zum Bleiben bei ihm.

    Nicht irgendetwas brauchen wir, um mit unserem Leben – gerade auch in schwierigen Zeiten – zurecht zu kommen, sondern ihn, Jesus Christus, den Sohn Gottes. Er ist der Helfer, der Retter, der, der uns aufatmen lässt. Er klärt unser Verhältnis zu Gott. Er nimmt uns die Last unserer Schuld ab. Und er schenkt uns seine Vergebung. Er macht aus gottlosen Leuten durch den Glauben an ihn Kinder Gottes und Erben der Herrlichkeit. Menschen, die sich vor ihrer Zukunft fürchten, nimmt er an die Hand und öffnet ihnen die Tür zum ewigen Leben.

    Alles kommt darauf an, diese Einladung zu hören und ihr zu folgen. Oder wie es Georg Weissel ausdrückte: »Ach sucht doch den, lasst alles stehn, die ihr das Heil begehret; er ist der Herr und keiner mehr, der euch das Heil gewähret. Sucht ihn all Stund von Herzensgrund, sucht ihn allein, denn wohl wird sein dem, der ihn herzlich ehret.«

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Samstag, 12. Juni 2021:

    Wer zugrunde gehen soll, der wird zuvor stolz; und Hochmut kommt vor dem Fall.   Sprüche 16,18

    Hier wird eine Lebensweisheit ausgesprochen, die sich auch außerhalb der Bibel findet. Die griechische Sage von Ikarus, der mit seinen selbst gebastelten Flügeln der Sonne zu nah kam, ist vielen bekannt. Die Federn waren mit Wachs zusammengehalten – und das Wachs schmolz in der Sonne. Die Botschaft dieser Sage ist dieselbe: Flieg nicht zu hoch. Hüte dich vor dem Stolz und dem Hochmut.

    Stolz macht maßlos. Er lässt uns im wahrsten Sinne des Wortes das Maß verlieren, wie hoch wir steigen können und wo es gefährlich für uns wird. Wer schon einmal ein Kartenhaus aus Bierdeckeln gebaut hat, kennt es vielleicht. Die ersten Etagen lassen sich leicht aufbauen – doch dann will man immer höher hinaus. Und je höher man kommt, umso gefährdeter wird das Ganze. Aber das blendet man aus. Bis, ja bis das ganze Kartenhaus in sich zusammenfällt.

    Was kann uns vor dieser Maßlosigkeit bewahren? Die Beziehung zu Gott. Dass wir uns das immer wieder bewusst werden: Ich lebe von seiner Gnade. Von seiner Zuwendung von seiner Vergebung. Ich brauche ihn. Ohne mich könnt ihr nichts tun. Sagt Jesus seinen Jüngern. »Doch, ohne ihn können wir sehr viel tun« sagen wir – bis wir abstürzen und fallen. In der Verbundenheit mit Jesus Christus bleibt uns bewusst, wer wir sind und wer er ist. Was wir können und was wir nicht können; was gut für uns ist und wo es gefährlich für uns wird. Wo wir uns von unserem Gott losen, wo wir ohne Jesus unterwegs sein wollen, wo wir meinen autonom, selbstbestimmt, die Dinge angehen zu wollen und uns von nichts und niemand mehr etwas sagen lassen, da wird auch heute diese Sprichwort in Erfüllung gehen. Es muss und es soll nicht so weit kommen. Deshalb steht es in der Bibel. Wir brauchen Gottes Bewahrung und Gottes Schutz – gerade auch vor Stolz und Hochmut.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Freitag, 11. Juni 2021:

    Der HERR ist unser Richter, der HERR ist unser Meister, der HERR ist unser König; der hilft uns!

    Jesaja 33,22

    Wo Menschen Macht übertragen wird, da ist es gut, wenn sie begrenzt wird. Ein demokratischer Rechtsstaat lebt nach dem Prinzip der Gewaltenteilung. 1748 stellte Baron Montesquieu in einer programmatischen Schrift die Aufteilung der Macht im Staat in drei Bereiche vor: Die ausführende Gewalt, die Exekutive, die gesetzgebende Gewalt, die Legislative und die rechtssprechende Gewalt, die Judika­tive. Die Aufteilung dieser Gewalten auf verschiedene Menschen in einem Staatswesen ist ein Schutzmechanismus. Damit niemand seine Macht, seine Gewalt missbrauchen kann. Hinzu kommt noch ein anderer Schutzmechanismus: Die Amtszeit der Mächtigen ist begrenzt. Danach müssen sie, um weiterregieren zu können, neu bestätigt werden. Ein Präsident der Vereinigten Staaten gilt zwar als der mächtigste Mann der Welt – doch er kann eben nicht alles. Und das ist gut so. Weil die Geschichte oft genug gezeigt hat, wie schlimm es ist, wenn Menschen zu viel Macht haben. Für uns Menschen finde ich diese Prinzipien der Gewaltenteilung und -begrenzung genial. Es ist ein Schutz.

    Unsere Tageslosung ist nun genau das Gegenteil von Gewaltenteilung. Da wird einem alle Macht zugeschrieben. Und das ist ebenso genial. Denn dieser Eine, das ist kein Mensch, kein starker Mann, nach dem in Krisen gern gerufen wird, sondern das ist der HERR, unser Gott. Wenn wir bei Menschen immer gut beraten sind, ihre Macht zu begrenzen, dann sind wir bei Gott immer gut beraten, ihm immer mehr zu vertrauen und ihm immer mehr Einfluss auf unser Leben zu geben. Aus diesem Vers spricht eine klare Orientierung, eine klare Hinwendung zu diesem Gott. Da erwartet einer alles, aber auch wirklich alles von Gott. Da ist Gott die erste Adresse, wenn es darum geht, Hilfe zu bekommen. In jeder Hinsicht, in jede Richtung und in jedem Bereich. Auch dieses Vertrauen zu Gott, diese Ausrichtung auf ihn bewahrt uns Menschen davor, anderen Menschen zu viel Macht einzuräumen. Denn über allem steht immer noch Gott. Und das ist noch genialer.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • addAndacht für Donnerstag, 10. Juni 2021:

    Ich suche dich von ganzem Herzen; lass mich nicht abirren von deinen Geboten.  Psalm 119,10

    Zwei ganz grundlegende Erkenntnisse hat der Psalmbeter des 119. Psalms: Er weiß, was er braucht und er weiß, was er hat. Diese Erkenntnis brauchen auch wir. Wir leben in so vielen Lebensbezügen, besitzen so viele Dinge, hören so viele Botschaften. Da besteht die Gefahr, dass wir das, was wirklich wichtig ist, nicht mehr richtig erkennen. Der Psalmbeter legt uns die Spur.

    Er weiß, was er braucht: Gottes Nähe. Ich suche dich von ganzem Herzen. Da setzt einer alle Kraft, alle Konzentration da hinein, Gott nahe zu sein. Die Stille vor Gott, die Zeit mit ihm, die muss man suchen! Zu schnell schiebt sich die Arbeit, die Aufgaben, die Sorgen, die mich erwarten, am Morgen in den Blick. Wenn ich mir nicht bewusst die Zeit nehme, um Gott zu begegnen, um mit ihm zu reden im Gebet und auf ihn zu hören durch die Worte der Bibel, dann geht diese »Stille Zeit« leicht verloren. Was wir heute erleben – auch als Glaubende – ist oft eine Mangelkrankheit: Ein Mangel an Stille, an Zeit mit Gott. Ich suche dich von ganzem Herzen – sagt der Psalmbeter. Das hat die erste Priorität für ihn. Denn er weiß, was er braucht.

    Und er weiß, was er hat: Gottes Gebote. Gottes Weisung – ich möchte es ausdehnen: Dieser Begriff steht für die ganze Bibel. Wie viele Menschen möchten gern mehr von Gott erfahren, ihn besser kennenlernen – und wissen doch nicht wie. Hier, hier in diesem Buch, da steht alles drin, was wir über ihn wissen können, wissen sollen und wissen müssen. Die Bibel ist der wichtigste Schatz, den wir haben. Gottes Wort, Gottes Weisung. Gottes Einladung zu einem Leben mit ihm. Der unbekannte und unsichtbare Gott hat sich uns zu erkennen gegeben. In Jesus Christus hat er uns sein Gesicht gezeigt. Wir haben, was wir brauchen: Gottes Wort, Gottes Gebote, Gottes Weisung. Gottes Einladung: Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid sagt Jesus ich will euch erquicken. Vergessen doch auch wir diese beiden grundlegenden Erkenntnisse nicht – und leben wir danach: Ich weiß, was ich brauche und ich weiß was ich habe – im Kern geht es um die gelebte Beziehung zu unserem Vater im Himmel.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Mittwoch, 9. Juni 2021

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

     „Was können die Weisen Weises lehren, wenn sie des HERRN Wort verwerfen?“ fragt der Prophet Jeremia (Jer. 8,9). Die harte Antwort gibt er gleich dazu: „Sie müssen zuschanden, erschreckt und gefangen werden.“ Menschliche Weisheit, die sich selbst absolut setzt, überschätzt sich und zerbricht. Wahre Weisheit ist, den Gott Israels, den Vater Jesu Christi, den Schöpfer dieser Welt, anzuerkennen, ihn höher achten als alle menschliche Erkenntnis. „Die Ehrfurcht, mit der man dem Herrn begegnet, steht am Anfang von allem Wissen“, heißt es in den Sprüchen Salomos (Sprüche 1,6, Basisbibel).

    Damit wir uns nicht falsch verstehen, das ist kein Aufruf zu einem blindem Glauben. Weisheit, Erkenntnis, Verstand sind gute Gaben Gottes, die wir einsetzen sollen und dürfen, gerade in dieser Zeit, in der so manches Verschwörungsmärchen verbreitet wird. Setz Deinen Verstand ein, prüfe, glaube nicht alles! Aber sei Dir bewusst, dass auch der schärfste Verstand an seine Grenzen kommt und sich täuschen kann.

    Der König Salomo gilt als ein Inbegriff der Weisheit, er war zu seiner Zeit weltberühmt dafür. Und doch hat er festgehalten: „Verlass dich auf den HERRN von ganzem Herzen, und verlass dich nicht auf deinen Verstand, sondern gedenke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen“ (Sprüche 3,5-6).

    Verstand, Wissen, Bildung und eben Weisheit sind wunderbare Dinge. Es macht Freude, mit ihnen umzugehen. Aber sie sind im letzten nicht unser Fundament. Unser Fundament ist Jesus Christus und sein durch Gottes Geist heute immer neu lebendiges Wort.

    Dieses lebendige Wort ist tragfähig, auch in Ausnahmesituationen, wo wir im Leeren hängen, den Boden unter den Füßen zu verlieren drohen. Auch für Jesus war das in den Schriften festgehaltene Wort Trost, Stärke und Schild. Am Sonntag haben wir in der Gemeinschaftsstunde die Geschichte betrachtet, wo Jesus in der Wüste an seine Grenzen kommt, ausgehungert und schwach ist und vom Versucher ausgetrickst werden soll. Jesus kann durch Gottes Geist dem listigen Versucher die Worte aus der Schrift sagen, die er seit seiner Kindheit kennt und in seinem Herzen bewegt und betet. Worte, die in ihm lebendig sind. Des HERRN Wort.

     

    Wir sind gut beraten, wenn wir uns mit dem guten Wort Gottes beschäftigen, die biblische Texte lesen, mit anderen besprechen und auch Sätze auswendig lernen, damit sie uns prägen und uns Hilfe sein können, wenn wir sie brauchen.

     

    Dass dein Wort in meinem Herzen

    starke Wurzeln schlägt

    und dein Geist in meinem Leben

    gute Früchte trägt, deine Kraft

    durch mich die Welt zu deinem Ziel bewegt,

    Herr, du kannst dies Wunder tun.

     

    Amen.

  • addAndacht für Dienstag, 8. Juni 2021:

    Der HERR spricht: Frieden mache ich zu deiner Wache und Gerechtigkeit zu deiner Obrigkeit.

    Jesaja 60,17

    »Warten und Pressieren« so hat Christoph Blumhardt die beiden Buchstaben am Kurhaus in Bad Boll gedeutet. Eigentlich die Initialen eines württembergischen Herrscherpaares: Wilhelm und Pauline. Aber Blumhardt ging es um eine geistliche Grundhaltung, die er in diesen beiden Worten ausdrückte. »Warten und Pressieren«.

    Warten auf Gottes Heil. Warten auf Gottes Eingreifen. Wir Menschen sind in unseren Fähigkeiten begrenzt. Die Pandemie hat es uns wieder einmal eindrücklich vor Augen geführt. Wir können die Welt nicht endgültig, ja nicht einmal dauerhaft von ihrer Not erlösen. Da brechen immer wieder neue Nöte und Ungerechtigkeiten auf. Von Frieden sind wir auf unserer Welt immer noch weit entfernt – und auch von dem, was das Wort Gerechtigkeit meint: Dass jeder das bekommt, was er braucht; dass es fair zugeht auf unserer Welt. Und zwar im Kleinen wie im Großen fehlt es da – hinten und vorne.

    Wir schaffen die heilen Zustände, die im 60. Kapitel des Jesajabuchs vorgestellt werden, nicht aus eigener Kraft. Gott spricht, Gott verspricht’s und er wird’s tun. Er wird zu seinem Ziel kommen. Du wirst dein herrlich Werk vollenden, der du der Welten Heil und Richter bist; du wirst der Menschheit Jammer wenden, so dunkel jetzt dein Weg, o Heilger, ist. (EG 241,8). Wir können nur drauf warten – und wir können doch auch pressieren: Wenn das Gottes Ziel ist, wenn das am Ende stehen soll, dann wollen wir in unserem Bereich dafür sorgen, dass heute schon etwas davon spürbar ist und uns dafür einsetzen und wirken und beten, dass Friede und Gerechtigkeit erlebbar wird. Jesus Christus schenkt uns seinen Frieden – und wir dürfen ihn in seiner Kraft leben – in unserem Umfeld.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Montag, 7. Juni 2021:

    Lass mich am Morgen hören deine Gnade; denn ich hoffe auf dich.       Psalm 143,8

    Kennen Sie das auch: Es ist dunkel und still und man schläft tief und fest. Bis, ja bis ein unerträgliches Geräusch die Ruhe durchbricht: Der Wecker klingelt oder piepst oder was auch immer. Er tut zwar das, was er soll – aber angenehm ist es nicht. Der Geist ist willig, aber das Bett ist warm. Keine Lust aufzustehen. Mit gemischten Gefühlen schaut man auf den Tag, der vor einem liegt.

    Und dann greift man zur Bibel oder zum Losungsbüchlein – oder wie Sie jetzt – zum Telefonhörer und liest ein paar Verse aus der Bibel oder hört eine Andacht. Man spricht ein Gebet. Und auf einmal verändert sich die Sicht auf diesen Tag. Beten hilft. Die Bibel schenkt uns Orientierung. Darum ist diese Stille am Morgen so wichtig, dieses »Kalibriertwerden« in Gottes Nähe.

    Weil seine Zuwendung, seine Gnade ein anderes Vorzeichen vor mein Leben setzt. Und weil ich es immer wieder neu, Tag für Tag brauche, Morgen für Morgen nötig habe, von seiner Gnade, von seiner Zuwendung, von seiner Liebe, von seiner Vergebung zu hören. Gott ist da. Das muss ich immer und immer wieder hören. Da geht es mir nicht anders als den Psalmbetern aus biblischer Zeit. Es tut so gut, von Gottes Gnade zu hören. Für den Körper das Nutella-Brot oder das Müsli und der Kaffee, und für die Seele das Wort der Gnade, das uns in der Bibel begegnet. Beides brauche ich. Von beidem lebe ich. Und beides ist für mich überlebenswichtig.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 31.05 bis 06.06.

  • addAndacht für den 1. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest, 6. Juni 2021

    Jesus Christus spricht: Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich.

    Lukas 10,16a

    Gott wäre auf uns nicht angewiesen. Doch er will nicht ohne uns sein. Gott könnte auf jede erdenkli­che Weise mit seinen Menschen reden, doch er hat sich dafür entschieden, es durch menschliche Vermittlung zu tun. Jesus, der Sohn Gottes, hat uns gezeigt, wie Gott ist. Doch Jesus hat selbst nie ein Buch geschrieben. Propheten haben Bücher geschrieben: Jesaja, Jeremia, Hesekiel und wie sie alle heißen – aber der Sohn Gottes hat seinen Jüngern, also Menschen, anvertraut, was durch alle Zeiten hindurch von Bedeutung ist; was wichtig ist, was wir hören sollen. Vier Evangelisten haben uns die Worte von Jesus aufgeschrieben und uns aus seinem Leben, von seinem Sterben und von seinem Auferstehen erzählt. Auch wir haben – vermittelt durch menschliche Worte – davon erfahren.

    Jesus wäre auf uns nicht angewiesen, doch er will Menschen gebrauchen, damit das Evangelium, die frohe Botschaft; die Botschaft von Gottes Liebe, von Gottes Gnade, von Gottes Vergebung und Versöhnung alle Menschen erreicht. So ist die Bibel entstanden – und so läuft dieses Wort des Evangeliums bis heute um die Welt. Und dabei ist Menschenwort und Gotteswort nicht mehr voneinander zu trennen: Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich. Alle Versuche, in der Bibel zwischen Menschenwort und Gotteswort zu trennen, haben im Grunde nur ganz viel Unsicherheit ausgelöst. Wo Menschen diesem Wort der Bibel ganz einfach und kindlich Vertrauen schenken, da erleben sie: Es ist Gott selbst, der mich durch von Menschen vermittelte Worte anspricht. Es ist Gott selbst, der hier redet.

    Wir müssen nicht die Bibel sezieren. Wir brauchen nicht sorgenvoll fragen: Ist darauf wirklich Verlass, was Menschen da von Gott berichtet haben. Wir dürfen vertrauen. Es ist die Stimme Jesu, die uns da begegnet. Die Stimme des Guten Hirten. Und es ist Gottes guter Heiliger Geist, der uns die Worte lebendig macht, dass wir es spüren: Ich bin gemeint. Die Zusagen gelten mir.

    Hören wir drauf, vertrauen wir drauf – und sagen wir es weiter; werden auch wir zu Zeuginnen und Zeugen für Jesus.

    Pfarrer Andreas Streich 

  • addAndacht für Samstag, 5. Juni 2021:

    Der HERR sah ihre Not an, als er ihre Klage hörte, und gedachte um ihretwillen an seinen Bund. Psalm 106,44-45

    Wer tut hier etwas? Gott – und zwar Gott allein! Die Initiative geht von ihm aus. Die Initiative zur Hilfe und zur Rettung.

    Wie begrenzt sind wir Menschen doch. Haben Sie schon ein Impfangebot bekommen? Davon ist ja derzeit ständig die Rede: Vom »Impfangebot«. Sind wir ehrlich: Es handelt sich eher um eine »theoretische Impfzulassung« als um ein Angebot. Oder sind Sie angeschrieben oder angerufen worden, ob Sie sich impfen lassen wollen. Dann gehören Sie zu der absoluten Ausnahme. Die allermeisten, die nun wenigstens einmal geimpft sind, können von zig vergeblichen Telefonanrufen berichten, von Internetseiten, die ständig wegen zu wenig Impfstoff keine verfügbaren Termine nennen. Wer nicht beim Prinzip Windhund mitspielt, selbst aktiv wird und zwar ausdauernd und auch noch nachts um 12, der hat wenig Chancen, derzeit eine Impfung gegen Covid zu bekommen. Wer sich nicht darum bemüht, kriegt nichts. Menschliche Begrenztheit – vorne und hinten zu spüren bei den politisch Verantwortlichen: Versprechen können nicht eingehalten werden. Wer mag es ihnen verdenken… Sie würden ja gern, aber sie können nicht anders.

    Wie anders ist doch da unser Gott. Er geht in Vorleistung. Er schaut hin. Er sieht die Not. Er hat Erbarmen. Das haben sicher die Verantwortlichen in unserem Land auch. Doch er hat die Macht, zu helfen. Er gedenkt an seinen Bund. Er macht sein Glaubensangebot – ohne Priorisierung (so sagt es Paulus einmal in einer Predigt: Gott hat jedermann den Glauben angeboten). Gott will alle. Gott will retten. Doch genausowenig wie es einen Impfzwang geben soll, so wenig gibt es einen Glaubenszwang. Gott zwingt niemand in seinen Bund. Doch er sieht unsere Not und er weiß, was wir brauchen. Und er will es uns geben. Dafür steht das Kreuz von Jesus Christus. Gott will uns mit sich versöhnen. Gott will uns heimholen in seine Nähe. Gott will uns treu sein. Was für eine Botschaft! Was für eine Liebe! Was für ein Gott!

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Freitag, 4. Juni 2021:

    Der HERR spricht: Ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein. 2Mose 19,6

    Die Botschaft, dass Gott Menschen erwählt, beinhaltet gleich mehrere wichtige Aspekte. Sie zieht sich aber wie ein roter Faden durch die Bibel. Gott erwählt. Die Initiative liegt bei ihm. Er beruft Menschen, dass sie mit ihm leben sollen. Dass sie ihm gehören sollen. Gottes Erwählung ist bedingungslos. Sie gründet einzig und allein in Gottes Willen und in seiner Liebe und Zuwendung. Nicht hat euch der HERR angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern – sondern weil er euch geliebt hat. (5Mo 7,7f). Das begründet Israels Sonderstellung unter allen Völkern. Gottes Liebe.

    Und nun kommt ein anderer, nicht weniger wichtiger Aspekt ins Blickfeld: Wie Gott heilig ist – ganz anders – so soll auch sein Volk heilig sein, ihm gehören. Ein heiliges Volk. Ein Königreich von Priestern. Das alte lateinische Wort für Priester – noch aus vorchristlicher Zeit in Rom, und dann von der römisch-katholischen Kirche übernommen, heute an unzähligen Kirchenfassaden in Rom zu lesen – lautet »pontifex«. Wörtlich übersetzt: Brückenbauer. Priester sind Brückenbauer. Gottes Volk soll ein Brückenbauer-Volk sein. Menschen, die andere etwas von Gott erfahren lassen. Durch die andere Zugang zu Gott finden.

    Der große Hohepriester ist nach dem Hebräerbrief unser Herr Jesus Christus. Sein Opfer am Kreuz war einmalig und ewigkeitswirksam. Doch das Neue Testament lässt keinen Zweifel daran: Als Christen, als Menschen, die Jesus Christus angehören, sollen auch wir etwas in diese Welt hineinspiegeln von seinem Wesen. Brückenbauer wollen wir sein, durch die andere den Zugang zu Gott finden. Denn in Jesus Christus gilt Gottes Berufung, Gottes Einladung zu einem Leben mit ihm allen Menschen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Donnerstag, 3. Juni 2021:

    Wie um Jerusalem Berge sind, so ist der HERR um sein Volk her von nun an bis in Ewigkeit.

    Psalm 125,2

    Wo finde ich Schutz? Beständigen Schutz? Das ist die Frage, die hinter diesem Losungsvers steht. In der Zitadelle in der Altstadt Jerusalems ist ein Museum untergebracht, in dem die Geschichte der Stadt Jerusalem dargestellt ist. Auf einigen Modellen kann man nachvollziehen, wie sich die Stadt im Lauf der Jahrhunderte und Jahrtausende von ihrer Gründung bis heute entwickelt hat. Die kleinen Häuser und Mauern sind auf jedem der Modelle wieder anders verteilt. Brände, Eroberungen, Erweiterungen und Zerstörungen haben ihre Spuren hinterlassen. Was aber auf allen Modellen immer gleich bleibt, das sind die Berge und die Täler. Die verändern sich nicht. Natürlich nicht, denken wir, das ist doch klar. Das ist doch selbstverständlich. Die Berge bleiben, wo sie sind und auch die Täler bleiben, wo sie sind

    Und genau deshalb schauen die Pilger, die hinaufgehen nach Jerusalem, auf diese Berge. Diese Berge werden für sie zu einem Gleichnis, zu einem Bild: So, so wie diese Berge immer da sind und immer um Jerusalem herum sind, so ist Gott immer da und bleibt immer da. Wie um Jerusalem Berge sind so ist der Herr um sein Volk her von nun an bis in Ewigkeit. Die Umstände mögen sich ändern, die Staatsformen mögen sich ändern, gesellschaftlich mag vieles im Fluss sein. Unser Leben ist ständigen Veränderungen unterworfen – heute spüren wir das wahrscheinlich viel rasanter als zu allen Zeiten zuvor. Aber die Berge bleiben und der Herr bleibt. Er bleibt uns treu er ist für uns. Dafür steht das Kreuz von Jesus Christus und darauf ist Verlass. Schauen doch auch wir auf die Berge – seit Mörikes Zeiten (und schon lange davor) steht uns von den Fildern »die blaue Mauer«, die Kette des Albtraufs vor Augen. Die bleibt, mag noch so viel gebaut und wieder abgerissen werden. Und genau so bleibt Gott uns treu. Darauf ist Verlass.

  • addAndacht für für Mittwoch, 2. Juni 2021

    in den Herrnhuter Losungen für heute steht ein Satz von Jesus aus dem Lukasevangelium. Da sagt Jesus: Wer zu mir kommt und hört meine Rede und tut sie – ich will euch zeigen, wem er gleicht. Er gleicht einem Menschen, der ein Haus baute und grub tief und legte den Grund auf Fels.

    Jesus ermutigt uns, nicht nur auf ihn zu hören, sondern auch zu tun, was er sagt. Vom Hören zum Tun kommen, darum geht es ihm.

     

    Erstaunlicherweise bilden wir uns oft ein, es sei prima, wenn wir zugehört hätten und kapiert haben, um was es geht – und vergessen dann glatt, das Gehörte praktisch werden zu lassen. Dabei ist es ein Riesenunterschied, ob ich nur verstanden habe – oder dann auch so lebe. Es ist die Frage, ob ich eben eine Predigt oder Andacht am Sonntag nur gut finde – oder ob das Gehörte  am Montag in meinem Alltag Wirklichkeit wird.

     

    Am letzten Sonntag haben wir in der Gemeinschaftsstunde am Abend über Johannes den Täufer gesprochen. Die Leute haben ihn gefragt, was sie denn tun sollten, um richtig zu leben. Seine Antwort war eine ganz einfach: Tut das, von dem ihr wisst, dass es das Richtige ist. Wer mit Finanzen zu tun hat, sei ehrlich damit. Wer Macht über andere Menschen hat, missbrauche sie nicht. Auch Johannes sagte damit: Nur wenn Dein Leben und Dein Tun so ist, wie Du denkst und glaubst, bist Du auf dem richtigen Weg. Oft meinen wir oder tun so, als ob wir erst noch verstehen müssten. Dabei haben wir meist schon recht gut verstanden, um was es geht – drücken uns aber vor dem Tun.

     

    Wir Menschen sind erstaunlich erfinderisch, wenn es um Ausreden dafür geht, warum wir nicht ganz so konsequent handeln, wie wir glauben. So oft stimmt unser Tun nicht mit unserem Reden überein. Das kann uns Not machen - und das ist gut so. Diese Not soll uns freilich nicht frustrieren, sondern dazu bringen, Jesus anzusprechen: Jesus, Du weißt, wie schwer es mir fällt, das zu leben, was ich glaube. Du weißt, wie oft ich das nicht tue, von dem ich weiß, dass es zu tun ist, sei es aus Feigheit, aus Bequemlichkeit oder weil ich einfach nicht glaube, dass es in meinem Leben möglich ist. Jesus, überwinde Du meine negative Einstellung, bewege mich zum Tun.

     

    Wir kommen von Pfingsten her. Gottes Geist bewegt uns, überwindet uns, bringt uns vom Hören zum Tun und zum Staunen darüber, dass Gott unsere engen Grenzen sprengt. Durch Gottes Geist wird es Wirklichkeit, was Jesus sagt: Wer zu mir kommt und hört meine Rede und tut sie – ich will euch zeigen, wem er gleicht. Er gleicht einem Menschen, der ein Haus baute und grub tief und legte den Grund auf Fels.

     

    Sie und ich dürfen solche Menschen sein und werden! Gott segne Sie dafür!

  • addAndacht für Dienstag, 1. Juni 2021:

    Wenn ihr euch von ganzem Herzen zu dem HERRN bekehren wollt, so tut von euch die fremden Götter.                         1Samuel 7,3

    Samuel zählt im Judentum ganz klar zu den Propheten. Auch wenn wir die beiden Bücher, die nach ihm benannt sind, eher unter den »Geschichtsbüchern« der Bibel einsortieren. Dass er ein Prophet ist, das zeigt dieses Wort aus seinem Mund. Gesprochen gegenüber dem Volk Israel. Sie litten damals unter der Plage der Philister. Das Kriegervolk aus der Küstenebene machte den Menschen im Hügel- und Bergland des heutigen Israel das Leben schwer. Einzige Hilfe, das erkannten die Menschen, kann nur noch Gott sein.

    Und nun legt Samuel offen, was Gott von ihnen und auch von uns erwartet. Das ist der Sinn von Prophetie: Da geht es nicht bloß um Zukunftsvorhersage, sondern um Wirklichkeitsdeutung, Gegenwartsdeutung: Wie sieht Gott mein Leben, worauf kommt es ihm an – was ist von ihm her jetzt wichtig.

    Bekehrung ist wichtig. Umkehr in die offenen Arme Gottes. Gott ist bereit, uns anzunehmen. Er schafft eine Wendemöglichkeit – egal wie weit ein Mensch von Gott sich entfernt hat. Jesus Christus bekräftigt diese Einladung, diese Aufforderung und dieses Angebot Gottes. Es gilt jedem Menschen. Umkehr ist möglich – und Umkehr ist nötig. Anders kommt niemand mit Gott ins Reine als durch Umkehr, als durch die Erkenntnis, dass er auf verkehrtem Weg unterwegs ist.

    Und dann ist eine ganze Bekehrung wichtig – und die beinhaltet immer auch eine klare Abkehr. Eine Abkehr von all dem, was Gott in unserem Leben den Platz streitig machen könnte, der ihm eigentlich zusteht. Abkehr von den fremden Göttern, die wir verehren. Gott geht’s immer um’s Ganze. Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott – hat Martin Luther gesagt. Das kann das Geld sein, das kann die Familie sein, das kann der Erfolg sein, das kann der Genuss sein, der zur Sucht werden kann. Die Grenzen sind manchmal fließend. Die Prüffrage muss immer wieder sein: Wird mir etwas wichtiger als Jesus Christus? Umkehr – so erkannte Martin Luther – ist eine lebenslange Aufgabe. Und deshalb auch das Abkehren und Abtun der fremden Götter. Tägliche Umkehr, tägliches Abtun – tägliche Stille und Neuausrichtung – Neukalibrierung – unseres Herzens vor Gott. Dazu sind wir eingeladen. Das hilft.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Montag, 31. Mai 2021:

    So spricht der HERR: Wahrt das Recht und übt Gerechtigkeit; denn mein Heil ist nahe, dass es komme, und meine Gerechtigkeit, dass sie offenbart werde.            Jesaja 56,1

    Ohne Frage: Der Glaube an Gott und ein entsprechendes Verhalten gehören zusammen. Das Heil Gottes und das Halten seiner Gebote gehören untrennbar zusammen. Gottes Heil und Gerechtigkeit und dass wir in unseren Verhältnissen Recht und Gerechtigkeit üben – das kann man nicht voneinan­der trennen. Gott geht es immer um’s Ganze.

    Wichtig ist, dass wir in diesem Vers auf das denn achten. Das läutet eine Begründung ein. Und die liegt in dem, was Gott tut und gibt: mein Heil ist nahe, dass es komme; meine Gerechtigkeit, dass sie offenbar werde. Gott tut den ersten Schritt – wie schon am Anfang der Welt und des Universums als Schöpfer – so auch jetzt und immer. Gott ist uns mit seinem Heil und seiner Gerechtigkeit immer einen Schritt voraus. Er wartet nicht ab, bis wir irgendwelche Bedingungen erfüllen oder endlich so sind, wie wir in seinen Augen sein sollten. Er geht bedingungslos in Vorleistung: So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab. Er schickt seinen Sohn aus dem Himmel auf die Erde, um uns sein Heil zu bringen, um uns seine Gerechtigkeit zu schenken. Sein Heil heißt Jesus Christus. Er ist unser Friede und unsere Gerechtigkeit. Geschenkt – ohn all unser Verdienst und Würdigkeit. Ohne Bedingung.

    Hüten wir uns vor den heute auch in der Kirche so verbreiteten Weltrettungsphantasien, die alles vom Menschen und nichts mehr von Gott erwarten als nur noch, das menschliche Bemühen mit Erfolg zu krönen. Hüten wir uns vor der falschen Lehre, dass wir Menschen die Welt besser machen oder retten können. Nein, wir können immer nur im Windschatten Gottes oder im Kielwasser seines Heils unterwegs sein – gezogen von ihm, getragen von ihm. Aber da wollen wir andere etwas von dem spüren lassen, was wir selbst erfahren haben: Dass andere einen Geschmack davon bekommen, was Gott – wohlgemerkt Gott durch sein Eingreifen (und nicht wir Menschen) einmal überall ausbreiten will: Wahrt das Recht und übt Gerechtigkeit. Leben im Windschatten des Heils Gottes – das dürfen und das wollen wir, abhängig von ihm. Aber nie ohne ihn.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 24.05. bis 30.05.

  • addAndacht für das Dreieinigkeitsfest, Sonntag, 30. Mai 2021:

    Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!

    2. Korinther 13,13

    Drei – und doch eins! Das ist kurz zusammengefasst die Lehre von der Dreieinigkeit Gottes. So einfach und doch so kompliziert. Im Konfirmandenunterricht hat es einer so erklärt: Er malte ein Kleeblatt an die Tafel, kein vierblättriges, das man lange suchen muss, sondern so eins, wie wir es auf jeder Wiese finden. Dann fragte er: »Wie viele Blätter hat das?« - »Drei!« riefen die meisten. Doch ein paar wurden stutzig und sagten: »Eins!« - die andern widersprachen: »Nein drei!«. Der Pfarrer half etwas nach: »Wie oft müsst ihr pflücken, um solch ein Kleeblatt zu haben?« - »Einmal!« - also doch eins? Schließlich einigten sich die Schüler: Es sind drei Blätter in einem.

    Wie gesagt: Die Lehre von der Dreieinigkeit Gottes ist etwas, das unseren Verstand eigentlich übersteigt. Solange wir noch nicht bei Gott angekommen sind, werden wir dem Geheimnis des Wesens der Dreieinigkeit höchsten nachspüren können. Erkennen und Begreifen im Ganzen werden wir es erst in der Ewigkeit.

    Und doch gilt auch uns das, was vom Kleeblatt zu sagen ist: Wer es pflückt, hat alle drei. So weiß es auch der Apostel Paulus am Schluss seines Briefes. Wer an Gott glaubt, der hat den ganzen Segen der Dreieinigkeit. Der hat die Gnade unseres Herrn Jesus Christus. Der hat die Liebe Gottes, des Vaters und der hat die Gemeinschaft des Heiligen Geistes, der uns mit Gott und untereinander verbindet. So einfach ist das – und zugleich so wunderbar.

    Wir müssen uns nicht an den Dingen aufhalten, die wir nicht verstehen – und auch gar nicht richtig verstehen können. Wir dürfen uns an das halten, was wir verstehen können: Wer Jesus hat, wer an Gott glaubt, der hat auch den Heiligen Geist im Herzen, der ihm Jesus groß macht und den Vater loben hilft. Und der ihm die Gewissheit ins Herz gibt: Du bist von Gott geliebt, durch Jesus ist dir all deine Schuld vergeben, er schenkt Dir Brüder und Schwestern, die mit dir unterwegs sind. Und er bringt dich zum ewigen Leben. Das reicht für unser Leben.   

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Samstag, 29. Mai 2021:

    Wie wir’s gehört haben, so sehen wir’s an der Stadt unsres Gottes: Gott erhält sie ewiglich.  

    Psalm 48,9

    Sicherheit gehört zu den grundlegenden Bedürfnissen, die wir Menschen haben. Wir möchten sicher leben können. Ohne Angst, dass uns ständig jemand nach dem Leben trachtet oder uns das Dach über dem Kopf oder unsere Nahrung und das Lebensnotwendige wegnehmen will. Mit der Befriedi­gung dieses Bedürfnisses wird eine Menge Geld verdient. Die komplette Versicherungs­branche lebt davon. Da wird uns »Wunder was« versprochen, wenn der Fall der Fälle je eintreten sollte: Vom Zahnersatz bis zum Glasbruch am Handy. Gegen fast alle Risiken wird uns heute eine Versicherung angeboten, um zumindest den materiellen oder finanziellen Schaden eines Unglücks oder einer Katastrophe in Grenzen zu halten.

    Eigentlich müssten wir alle es doch besser wissen: Letzte Sicherheit gibt es nicht. Die Pandemie hat uns bewiesen, wie lückenhaft unsere Absicherungen immer sind. Und gegen die letzte Bedrohung unseres Lebens, den Tod, haben wir überhaupt nichts in der Hand.

    Dieser Psalmvers lenkt unseren Blick weg von allen irdischen und menschlichen Versuchen der Absicherung unseres Lebens hin zu dem, der allein dauerhaft erhalten kann: Unseren Gott, der in Jesus Christus Mensch geworden ist. Konkret fällt der Blick auf die Stadt Gottes, Jerusalem. Wie wir’s gehört haben – Gott hat geredet. Gott hat Jerusalem etwas zugesagt. Gott ist nicht an bestimmte Orte und Plätze gebunden. Und doch hat er sich dieses Volk Israel und diese Stadt Jerusalem in besonderer Weise erwählt.

    Erwählung und Erhaltung Gottes – das sehen wir an Jerusalem wie an Israel – bedeutet nicht, dass es eine Erfolgsgarantie gibt, dass es immer nur aufwärts geht. Nein, es gab auch schwere Niederlagen – Israel hat sie mit Gottes Hilfe als Gerichte erkannt, ist umgekehrt – und hat dann erlebt, wie treu Gott ist: Er hat sie nicht aufgegeben. Er ließ sie zurückkehren. Heute ist Jerusalem wieder Israels Hauptstadt – wer hätte das im Judenhass des Dritten Reiches für möglich gehalten? Es stimmt einfach: »Die Mächtigen kommen und gehen und auch jedes Denkmal mal fällt. Bleiben wird nur, wer auf Gottes Wort steht, dem sichersten Standpunkt der Welt.« (Theo Lehmann/Jörg Swoboda)

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Freitag, 28. Mai 2021:

    Er wird mich ans Licht bringen, dass ich meine Freude an seiner Gerechtigkeit habe.  Micha 7,9

    Ganz tief sitzt im religiösen Gefühl von uns Menschen der Tun-Ergehens-Zusammenhang: Wenn du Gutes tust, dann wirst du von der Gottheit belohnt – und wenn du Böses tust, dann bestraft sie dich. Wir wenden das auch in umgekehrte Richtung an – und kommen dabei oft an unsere Grenzen: »Gott, warum strafst du mich, ich habe doch nichts Böses getan?« Noch fataler wird es, wenn wir dieses Prinzip bei anderen anwenden, wie jener Bauer auf der Schwäbischen Alb nach dem 2. Weltkrieg, als er einen Flüchtling aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten fragte: »Was müsst ihr wohl angestellt haben, damit es euch so schlecht ergeht.«

    Wer die Bibel aufmerksam liest, muss erkennen: An unserem äußeren Wohlergehen oder Nicht-Wohlergehen können wir nicht unbedingt ablesen, wie Gott zu uns steht. Wir haben einen Gott, dessen Handeln wir nicht einfach mit einer Art religiösem Naturgesetz erklären können. Es ist uns oft verborgen – lesen Sie doch mal das Buch Hiob! Und wir haben einen Gott, der den Tun-Ergehens-Zusammenhang durchbricht. Im ersten Teil dieses Verses ist vom eigenen Fehlverhalten, von der Sünde die Rede: Ich habe mich gegen den Herrn versündigt, deshalb muss ich seinen Zorn ertragen. Heißt es da. Ja, Sünde hat Folgen, verheerende Folgen. Sünde ist alles andere als harmlos. Unsere Sünde zieht Gottes Zorn auf uns. Doch er will nicht vernichten, er will retten. Er will heilen. Er will vergeben.

    Das war die reformatorische Erkenntnis Martin Luthers: Wir können vor Gott nur unsere Schuld, unsere Unzulänglichkeit und Verlorenheit eingestehen. Etwas anderes haben wir nicht vorzuweisen. Und dann erleben wir – um Jesu Christi willen – dass Gott sich uns mit seiner Gnade zuwendet, dass er uns seine Gerechtigkeit schenkt. Dass er uns gerecht spricht um Jesu willen. Nicht weil wir’s verdient haben, sondern weil er uns liebt. Und das ist auch unsere Freude: Seine Gerechtigkeit, seine geschenkte Gerechtigkeit, die uns der gekreuzigte und auferstandene Christus anbietet.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Donnerstag, 27. Mai 2021:

    Kaleb sprach zu Josua: Meine Brüder machten dem Volk das Herz verzagt; ich aber folgte dem HERRN, meinem Gott, treulich.                             Josua 14,8

    Es gibt Menschen in der Bibel, die scheinbar etwas im Schatten der Großen stehen. Von ihnen wird uns nicht so viel berichtet wie von anderen. Deshalb kennen viele nicht einmal ihre Namen. Kaleb könnte eine von diesen Personen sein. Wissen Sie, wer Kaleb war? In meiner Heimatstadt Metzingen gibt es ein Wahrzeichen: Auf dem Kelternplatz stehen sieben Keltern. Die unterschiedlichen Klöster und Herrschaften, die alle Weinberge im Metzingen hatten, hatten jeweils ihre eigene Kelter. Eine Besonderheit, die es sonst so nicht gibt. Und natürlich musste jede Kelter dann einen eigenen Namen haben. Und da gibt es auch eine Kalebs-Kelter. Wer Kaleb war, das kann man dem Bild entnehmen, das an ihr aufgehängt ist: Er war einer der Kundschafter, die im Auftrag von Mose das gelobte Land erkunden sollten. Gemeinsam mit Josua trägt er eine Traube auf einer Stange.

    Kaleb glaubte gegen den Augenschein. Und gegen den Widerstand vieler anderer. Ginge es nach heutigen demokratischen Prinzipien, wäre Israel nie ins gelobte Land eingezogen. Denn von 12 Kundschaftern waren 10 der einhelligen Meinung: Das ist Selbstmord. Unmöglich. Auf gar keinen Fall können wir dieses Land einnehmen. Nur Kaleb und Josua vertraten – gegen allen Gegenwind – die Überzeugung: Was Gott uns verspricht, das wird er auch halten. Augenschein oder Glaube. Kaleb stand klar.

    Kaleb – ein Mann, der nicht so bekannt ist wie Mose oder Josua. Aber ein Mann, der bei Gott bekannt ist. Und darauf kommt es an. Und darauf kommt es an, dass wir unserem Gott vertrauen von ganzem Herzen. Dass wir ihm mehr gehorchen als den Menschen. Dass wir uns auf ihn mehr verlassen als auf unseren Verstand. Gott hat sich zu diesem Kaleb bekannt. Nachzulesen in 4. Mose 13 und 14. Gott wird sich auch zu uns bekennen, wenn wir ihm nur vertrauen. Er lässt keinen im Stich. Und wer sich auf ihn verlässt, der ist niemals verlassen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Mittwoch, 26. Mai 2021

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    in meiner Schulzeit war es noch nicht üblich, mit dem Computer zu schreiben. Wenn wir etwas festgehalten haben, haben wir das handschriftlich getan. Dabei haben wir uns ziemlich bemüht, vorher zu überlegen, was wir schreiben und dann, das Ganze möglichst fehlerfrei zu Papier zu bekommen, denn jede Korrektur sah einfach hässlich aus. Am PC heutzutage ist das kein Problem mehr: in Sekundenschnelle ist ein Fehler ausgelöscht und beliebig neu und oft korrigiert. Eine prima Sache.

     

    Es ist ein Kennzeichen unserer Zeit: Dinge können schneller und leichter rückgängig gemacht werden als früher – und wir nutzen das auch gerne. Sei es bei beruflichen Entscheidungen, bei Verträgen, bei der Wohnung oder auch damit, wie wir unsere Freizeit verbringen. Das hat viel mit Freiheit zu tun und ist im Wesentlichen auch eine gute Sache, für die wir dankbar sein dürfen!

     

    Manchmal bemerken wir die Schattenseiten dieser großen Freiheit, wenn wir uns zu schnell für einen Weg entscheiden in dem Wissen, wir können ja leicht korrigieren – manchmal wäre es besser, einen Moment länger zu überlegen, um dann mit ganzer Entschiedenheit vorwärtszugehen.

     

    Auch bei der Gestaltung von Beziehungen wird die große Freiheit, Entscheidungen korrigieren zu können, gelegentlich zur Überforderung. Sollte ich diese oder jene Beziehung besser beenden – oder lieber doch nicht? Und natürlich kann auch ein anderer oder eine andere die Beziehung zu uns beenden, weil sie aus irgendeinem Grund nicht mehr passt, sei er berechtigt oder nicht. Die Ungewissheit, ob der andere, die andere, seine Beziehung zu uns korrigiert und beendet oder auch, wenn das tatsächlich geschieht, kann uns belasten und bedrücken.

     

    Auf diesem Hintergrund ist die Tageslosung heute aus dem Prediger ein unwahrscheinlicher Zuspruch an jeden und jede von uns: „Alles, was Gott tut, das besteht für ewig; man kann nichts dazutun noch wegtun“ (Prediger 3,14). Und der ergänzende Vers aus dem Römerbrief: „Gott nimmt seine Gnadengeschenke nicht zurück, und eine einmal ausgesprochene Berufung widerruft er nicht“ (Römer 11,29). Gott macht seine Entscheidung für uns nicht rückgängig. Das liegt weniger daran, dass er fehlerlos ist oder unbeirrbar auf seiner göttlichen Spur bleibt – in der Bibel gibt es durchaus immer wieder Geschichten, in denen Gott seine Meinung ändert und anders handelt, als zuerst geplant.

     

    Wenn Gott zusagt, zu uns stehen, dann deshalb, weil er uns liebt trotz tausend Gründen, seine Beziehung zu uns zu korrigieren, abzubrechen, zu sagen: jetzt reicht’s mir aber mit Dir, das Maß ist voll. Nein: „Gott nimmt seine Gnadengeschenke nicht zurück, und eine einmal ausgesprochene Berufung widerruft er nicht“. Das ist aus menschlicher Sicht und mit dem Verstand nicht nachvollziehbar – wir können es nur als Geschenk annehmen und dafür danken – übrigens damit, wie wir unsererseits mit anderen Menschen umgehen und zu ihnen stehen.

     

    Einen guten Tag wünscht Ihnen Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • addAndacht für Dienstag, 25. Mai 2021:

    Du, HERR, bist gut und gnädig, von großer Güte allen, die dich anrufen.             Psalm 86,5

    35 cm hoch müssen die Buchstaben und Zahlen auf den Hinweisschildern sein, die über der Autobahn ange­bracht sind. 35 cm – das ist noch einmal rund 5 cm mehr als auf ein normales Din A 4 Blatt passt. Die Buchstaben sind riesig – damit man sie auch bei hoher Geschwindigkeit und größerem Abstand gut sehen und lesen kann. Noch großer sind die Buchstaben am Parkhaus über der Autobahn am Flughafen. »Bosch« steht da zu lesen – und jeder meint, was gemeint ist.

    David, der Psalmbeter, stellt keine Autobahnschilder auf. Doch mit seinem Bekenntnis verfolgt er ein ganz ähnliches Interesse: Keiner soll es überhören oder übersehen: Es gibt einen, der es gut mit uns meint. Es gibt einen, dessen Güte für uns bereit steht. Es gibt einen, den wir anrufen können, der für uns ansprechbar ist – immer und überall. Auch im Funkloch und mit leerem Akku. »Du, HERR« sagt David. Das sollen alle erfahren. Das müssen alle hören. Auch heute.

    Wir sind nicht Spielbälle eines blinden Schicksals. Wir sind nicht uns selbst überlassen und unserem Geschick und Vermögen. Gott ist da. Gott, der uns geschaffen hat, der uns gewollt hat, der will uns gut und gnädig sein. Was David erkannt hat und bekennt, das hat Gott doch bestätigt – ein für allemal in Jesus Christus, seinem Sohn: Wer den Namen des Herrn anrufen wird, der wird gerettet werden. Gott ist ansprechbar. Gott hat uns sein Gesicht gezeigt, seine Gnade angeboten. Von ihr dürfen wir leben: Von Gottes Gnade und von seiner Güte – an jedem Tag neu. Und dann machen wir es hoffentlich wie David: Dass auch wir es weitersagen, damit andere es auch hören – als Einladung und ihr folgen und dieselbe gute Erfahrung machen. Nichts macht unser Leben reicher als die Erfahrung, dass Gott uns gut und gnädig ist.

  • addAndacht für Pfingstmontag, 24. Mai 2021:

    Lass ab vom Bösen und tue Gutes; suche Frieden und jage ihm nach.   Psalm 34,15

    Dieser Vers steht in einem der wenigen Psalmen, zu dem es eine Situationsangabe gleich im ersten Vers gibt. Eine vertrackte Situation für David. Er ist auf der Flucht vor dem krank eifersüchtigen König Saul. Von Frieden keine Spur. Er flieht zu den Philistern. Ihr Stadtkönig will David zu einem Söldnerführer machen. Doch das will David nicht. Der Friede scheint in unerreichbarer Ferne. David sitzt in der Falle. Er sieht nur noch einen Ausweg. Er stellt sich wahnsinnig, tobt wie ein Wilder, nur um nicht in den Dienst dieses philistäischen Stadtkönigs treten zu müssen. Friede sieht anders aus.

    Man muss ihn suchen. Suchen, wie man einen Edelstein sucht, wie der Kaufmann im Gleichnis die kostbare Perle. Suchen ist konzentriertes Hinschauen: wo gibt es Gelegenheiten zum Frieden? In der Bibel ist der Friede immer beides: Eine Gabe Gottes und zugleich eine Aufgabe für uns. Wir sind dankbar für den Frieden, der uns geschenkt ist: 76 Jahre nach Kriegsende – so eine lange Friedenszeit gab es noch nie zuvor. Auch in Pandemiezeiten sind wir gut versorgt: Nach nicht einmal einem Jahr gibt es einen höchst wirksamen Impfstoff – auch das ein Geschenk, für das wir dankbar sein können. Unser Wohlstand gehört zu den Dingen, die uns ein Leben in Zufriedenheit (auch da steckt ja das Wort Frieden drin) ermöglichen. Und immer noch hält die Mehrheit der Ehen ein Leben lang.

    Dennoch wissen wir: Frieden, Schalom (das ist noch viel umfassender als unser Wort Friede: Heil, Wohlergehen ist gemeint) ist kein Selbstläufer. Wir können und sollen auch etwas dafür tun. Nachjagen sollen wir ihm – wer etwas nachjagt, wendet ganze Konzentration und Energie auf. Dass wir uns nicht nur mit der Frage beschäftigen: Was brauche ich, damit es mir gut geht und ich zufrieden bin, sondern auch mit der Frage: Was braucht der oder die andere, damit es ihr oder ihm gut geht. In der Abhängigkeit von Jesus Christus, von dem es in der Bibel heißt, dass er unser Friede ist, können und dürfen wir es immer wieder neu wagen, wozu David uns einlädt.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 17.05. bis 23.05.

  • addAndacht für Pfingstsonntag, 23. Mai 2021 zum Wochenspruch:

    Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der HERR Zebaoth.                          Sacharja 4,6b

    Am 15. April 1956 hat das »älteste Parlament der Welt dem jüngsten Parlament« ein besonderes Geschenk gemacht: Das britische Parlament schenkte der Knesset, dem Parlament des jungen Staates Israel einen fünf Meter hohen siebenarmigen Leuchter, eine Menora. Heute steht die Knesset-Menora des aus Dortmund stammenden Bildhauers Benno Elkan vor dem Parlaments­gebäude in Jerusalem. Ganz viele Bilder aus der Geschichte Israels sind dort zu sehen. Ganz oben in der Mitte der betenden Mose, dem die beiden Männer, Aaron und Hur die Hände stützen, während Josua mit den Kriegsleuten unten im Tal gegen die Amalekiter kämpft.

    Auf den rechten Armen der Menora sind Kämpfe dargestellt. Ganz außen oben klagt Jeremia über die Zerstörung Jerusalems durch die Babylonier. Und ganz links außen ist Jesajas große Friedensvision dargestellt. Die ganze Spannbreite der Geschichte von Gewalt und tiefem Leid bis zum großen Heil, das noch aussteht, ist zu sehen. Es steht auch ein Bibelvers auf dieser Menora. Von Rechts nach links geschrieben, wie es im Hebräischen üblich ist. Es ist der Wochenspruch des Pfingstfestes: Rechts: Es soll nicht durch Heer oder Kraft – und links: Sondern durch meinen Geist geschehen spricht der HERR Zebaoth.

    Gott kommt zum Ziel mit seiner Geschichte. Mit seiner Heilsgeschichte. Nicht durch menschliche Stärke und Überlegenheit erreicht er seine Ziele, sondern durch seinen Geist. Oft genug zum Staunen, oft genug sind gerade das die Sternstunden in Gottes Heilsgeschichte, wo nach menschlichem Ermessen kein Staat mehr zu machen war. Nicht Menschen schaffen das Heil und den Frieden im Letzten – sondern er, unser Gott. Mit ihm dürfen auch wir heilvoll rechnen in unserem Leben. An jedem Tag neu. Mit ihm und seinem neuschaffenden Geist.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Samstag, 22. Mai 2021:

    HERR, du bist Gott, und deine Worte sind Wahrheit.    2. Samuel 7,28

    Es ist eine der entscheidenden Stunden im Leben des Königs David. Seine Lebensgeschichte bis dahin liest sich schon wie ein spannender Roman. Berufen zum König, gesalbt – und dann verfolgt und bekämpft vom Noch-König-Saul geht seine Laufbahn durch Höhen und tiefste Tiefen. Durch Gottes Hilfe konnte er in all dem bestehen – und Gott treu bleiben. Er erobert Jerusalem, macht es zu seiner Hauptstadt. Auch taktisch ein kluger Schachzug, gehört Jerusalem als bisher nicht eroberte Stadt doch nicht offiziell zum Gebiet eines israelitischen Stammes. So verbindet er den Süden und den Norden des Landes. Er holt die Bundeslade nach Jerusalem – das Zentralheiligtum. Und er hat einen Wunsch: Er möchte – nachdem er in einem Palast wohnt – nun auch seinem Gott ein Haus bauen, einen Tempel.

    Er erzählt dem Propheten Nathan davon. Der hält das zunächst für eine gute Idee. Doch in der Nacht kommt Gottes Wort zu Nathan. Und das gibt er David weiter: Und der HERR verkündigt dir, dass der HERR dir ein Haus bauen will. Das kommt zuerst. Gott baut dem David ein Haus – das »Haus David«, die Könige Judas, die bis zur Eroberung Jerusalems durch die Babylonier 587 v.Chr. auf dem Thron saßen – waren allesamt direkte Nachkommen des Königs David – eine Dynastie. Und der letzte, der große König, vor dem sich einmal alle Knie beugen werden, Jesus Christus, gehört auch diesem »Haus Davids« an.

    David ist überwältigt von der Gnade seines Gottes. Er staunt und lobt Gott über der Lebensführung, die er erlebt hat. Und er vertraut ihm – absolut. Das bekennt er in unserem Losungsvers: Du bist Gott. Und deine Worte sind Wahrheit. Was du versprichst, das gilt. Darauf will ich mich verlassen. Darauf will ich hören. Deinen Worten will ich folgen.

    Machen wir’s doch auch wie David: Vertrauen und gehorchen wir unserem Gott gerne, gleich und ganz. Auch für uns gilt: HERR, du bist Gott, und deine Worte sind Wahrheit.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Freitag, 21. Mai 2021

    Lass doch deine Ohren aufmerken und deine Augen offen sein, dass du das Gebet deines Knechtes hörst, das ich jetzt vor dir bete Tag und Nacht für die Israeliten, deine Knechte, und bekenne die Sünden der Israeliten, die wir an dir getan haben; und ich und meines Vaters Haus haben auch gesündigt.                                            Nehemia 1,6

    Hier kommt es wirklich auf den ganzen Vers an. Nicht nur auf den ersten Teil, der im Losungsbüchlein steht. Hier haben wir eine Fürbitte, wie sie sein soll. Nehemia – in verantwortungsvoller Stellung am Hof des persischen Königs Arthaxerxes – betet für die Menschen seines Volkes Israel. Er arbeitet sozusagen im Weißen Haus der damaligen Zeit und hat Zugang zum Präsidenten.

    Er hört von der Not in der Heimat seiner Vorväter: Jerusalem und Juda liegen brach. Die Infrastruktur ist völlig am Boden. Und nun bricht er nicht in Aktionismus aus, macht Pläne und knüpft Kontakte zu den Mächtigen dieser Erde. Er knüpft nur einen einzigen Kontakt: Den zu seinem und zu unserem Gott. Er betet. Er bespricht es mit Gott.

    Er tut es ausdauernd, anhaltend: Tag und Nacht. Er bestürmt Gott. Das dürfen auch wir. Und zu diesem Gebet gehört auch, ehrlich mit der eigenen und mit fremder Schuld zu sein. Er spricht von den Sünden der Israeliten – er bekennt sie. Er nennt Schuld als Schuld beim Namen. Er verharmlost nicht und entschuldigt nicht. Und er schließt sich mit ein: die wir an dir getan haben. Ja noch mehr: Er nennt sich ausdrücklich: und ich und meines Vaters Haus haben auch gesündigt. Kein Vergleichen! Kein: »Aber bei dem ist das mit der Sünde doch viel schlimmer wie bei mir«, sondern ehrliche, echte Buße, Umkehr – Bekennen und Bereuen der Schuld.

    Ohne echte Buße, ohne Bekennen und Bereuen gibt es keine echte Erneuerung vor Gott. Das war gestern Thema und ist es heute schon wieder. Und es wird es immer bleiben, solange wir auf dieser Welt leben. Aber so gesehen, ist Buße – wie Martin Luther sagte – ein fröhliches Geschäft.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Donnerstag, 20. Mai 2021

    Steht auf! Lobet den HERRN, euren Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Und man lobe seinen herrlichen Namen, der erhaben ist über allen Preis und Ruhm!                              Nehemia 9,5

    Das Nehemia-Buch ist ein Buch voller positiver Veränderung, voller Dynamik. Neben der Stadtmauer von Jerusalem, die unter der Führung Nehemias erneuert wird, wird auch das Verhältnis des Volks zu Gott erneuert. Manchmal ist die Rückkehr zum Alten, das man verlassen oder vergessen hat, wichtiger, als das »Rad neu zu erfinden«. Wo es um das Verhältnis zu Gott geht, stimmt das auf jeden Fall. Denn Gott hat sich ja nicht verändert. Er ist immer noch derselbe. Er ist immer noch treu – auch wenn wir untreu waren.

    Und so geht ein Ruck durch dieses Volk Israel. Traumatische Erlebnisse liegen hinter ihnen. Die Feinde haben sie überrrollt. Die ganze Führungselite wurde in die Fremde nach Babylon deportiert. Nur noch ein Rumpvolk blieb im Land, nicht mehr in der Lage das öffentliche Leben am Laufen zu halten. Und so zerfiel alles. Aber jetzt haben sie die Gebote Gottes neu gehört – seine Tora, seine Weisung. Und ihr Glauben geschenkt. Jetzt haben sie ihre Unzulänglichkeit, ihre Fehlerhaftigkeit, ihre Sünde und Schuld erkannt und in Sack und Asche Buße getan – so wird es am Anfang dieses Kapitels berichtet.

    Und jetzt wird das erneuert, was Israels Stärke ist: Ihr Verhältnis zu Gott. Ihre Freude über diesen Herrn. Und das intakte Verhältnis zu Gott kommt immer im Lob für ihn zum Ausdruck. Das muss gesagt, gesungen und gespielt werden – bis heute. Der Weg zur Erneuerung – das war auch die Erkenntnis der Reformation Martin Luthers – führt immer über die Buße, über die Umkehr von den eigenen falschen Wegen. Und es führt immer hin zum Lob. Deshalb gilt auch uns: Steht auf, lobt unsern Gott.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • addAndacht für Mittwoch, 19. Mai 2021

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

     

    „Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder“ (Psalm 98,1) ermuntert der Beter in Psalm 98 auf. Mit Singen und damit Gott loben können wir unseren Dank für unseren Schöpfer und Retter wunderbar ausdrücken, viel besser als allein mit Worten. Das Volk Israel hat seinem Gott gesungen, als er es durch das Schilfmeer geführt und vor seinen Feinden errettet hatte. Auch bei der Einweihung der Stadtmauer Jerusalems nach ihrem Wiederaufbau durch Nehemia sangen die Menschen dankbar. Und wir haben zehntausend Gründe, zu singen und zu danken, so heißt es in einem Lied.

     

    „Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder“. Singen gehört elementar zum Gottesdienst! Manchmal mag einem eine Predigt nicht viel sagen – und dann ist da ein Lied oder eine Strophe, die einen so anrührt, dass allein deshalb der Gottesdienst zum Geschenk wird. Zu den traurigen Folgen der Pandemie gehört, dass wir in den Gottesdiensten nicht mehr singen durften, und uns gewaltig darauf freuen, dass das bald wieder möglich sein wird.

     

    Schmunzelnd und nachdenklich dürfen wir zur Kenntnis nehmen, dass der ergänzende Lehrtext des heutigen Tages lautet: „Singt Gott dankbar in euren Herzen“ (Kolosser 3,16). Still und im Herzen singen - ja genau so war das ja in den Gottesdiensten der Coronazeit. Der Vers aus dem Kolosserbrief ist ein Trost für alle Zeiten und Situationen, in denen lautes Singen nicht möglich ist, auch dann, wenn uns alle Kraft und Energie zum lauten Singen fehlt.

     

    „Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder.“ Ein NEUES Lied. Das heißt, unser Dank ist etwas Lebendiges, nicht einfach nur etwas Wiederholtes. Neu kann eine Melodie sein, können Worte sein, vielleicht auch Ort und Zeit? Oder die Menschen, mit denen wir gemeinsam singen?! Mit dem neuen Lied danken wir Gott, weil wir seine uns von ihm geschenkte Kreativität einsetzen, worüber er sich freut.

     

    Mit Singen können wir unseren Dank an Gott, an Jesus besonders gut ausdrücken - auch, weil das gemeinsam geht! Singen lässt uns nicht so bleiben, wie wir sind, Singen macht uns froh und dankbar. Singen kann uns aus Depression und Traurigkeit reißen, ein Martin Luther hat das immer wieder so erlebt und gern musiziert und gesungen.

     

    Der Pfarrer und Liederdichter Paul Gerhardt formulierte im 17. Jahrhundert:

     

    Lasset uns singen,

    dem Schöpfer bringen

    Güter und Gaben;

    was wir nur haben,

    alles sei Gotte zum Opfer gesetzt!

    Die besten Güter

    sind unsre Gemüter;

    dankbare Lieder

    sind Weihrauch und Widder,

    an welchen er sich am meisten ergötzt.

  • addAndacht für Dienstag, 18. Mai 2021

    Er hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder, der gnädige und barmherzige HERR.

    Psalm 111,4

    Die Erinnerung verblasst. In der Kirche meiner vorigen Gemeinde, in Wittendorf war eine Gedenk­tafel an die Gefallenen des ersten Weltkriegs genau gegenüber dem Altar angebracht. Dort waren ihre Namen eingraviert. Man hatte vielleicht auch noch das eine oder andere Foto von ihnen in einem Album. Doch die Menschen selbst kannte man nur noch vom Hörensagen, von der Erzählung der Eltern oder Großeltern. Noch weiter zurück, wenn man die Kirchenbücher aufschlägt, verbindet uns mit ihnen höchstens noch der Familienname und die Tatsache, dass wir mit ihnen verwandt sind. Wie sie gelebt haben, was sie geredet, was sie ausgemacht hat, ist längst dem Vergessen anheimgefallen.

    Doch ein Gedächtnis ist nicht vergessen: Das tut zu meinem Gedächtnis sagt Jesus, als er mit seinen Jüngern das Abendmahl feiert und es einsetzt. Brot und Wein deutet er auf seinen Leib und Blut. Auf das, was er für uns hergibt. Es geht um das Gedächtnis von Jesus: was er getan hat. Um die Erinnerung an sein Leiden und Sterben. Und zugleich geht es darin um uns: Was das für uns bedeutet: Gott ist es, der in dem gekreuzigten Jesus Christus wirkt. Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selbst – schreibt Paulus. Das hat zutiefst etwas mit uns zu tun, was Jesus getan hat. Da erleben wir Gott, den wir oft nicht verstehen, wie er es im Tiefsten seines Herzens mit uns meint. Der 111. Psalm nennt ihn zurecht den gnädigen und barmherzigen HERRN. Wer über den Rätseln seines Lebens und über den Rätseln dieser Welt an Gottes Güte zweifelt, der schaue dorthin, wo Gott uns sein Gesicht gezeigt hat, sein wahres Gesicht: In Jesus Christus, dem gekreuzigten Sohn Gottes. So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn dahingab. Da steht es unumstößlich für uns fest: Gott ist uns um Jesu Christi willen gnädig. Durch ihn gilt auch uns seine Barmherzigkeit.

    Die Botschaft, das Evangelium von Gottes Liebe in Jesus Christus und das Abendmahl, das wir bis heute – und bald hoffentlich auch wieder ohne Einschränkung – feiern dürfen, erinnern uns daran und bezeugen und bestätigen es uns: Es gilt auch dir und mir.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Montag, 17.Mai 2021

    Die Zeit der Nachtfröste ist vorbei. Haben Sie schon Tomatensetzlinge oder Gurken gepflanzt und die Beete gegossen? Wenn ja, dann sind Ihnen die Worte von Paulus aus dem heutigen Lehrtext vielleicht ganz nah.

    Paulus schreibt in 1.Korinther 3,6: „Ich habe gepflanzt, Apollos hat gegossen; aber Gott hat das Gedeihen gegeben.“

    So ein Garten ist viel Arbeit. Pflanzen und Gießen sind ja erst der Anfang. Man könnte die Reihe der Aufgaben fortsetzen. Mähen, Äste schneiden, Mulchen, Jäten und natürlich Ernten. Deshalb ist es gut, wenn es viele helfende Hände gibt.

    Paulus war natürlich kein Gärtner. Ihm ging es nicht ums Gemüse, ihm ging es um die Menschen in Korinth, die an Jesus glauben. Er wollte, dass ihr Glaube wächst.

    Er weiß, dieses Projekt ist riesig, das geht nicht allein. Und er weiß um seine Grenze.

    Ich wünsche mir heute, dass dieser Gedanke Sie heute entlastet. Paulus weiß um seine Grenze.

    Wie oft erlebe ich es, dass Menschen ihren Tag anschauen mit dem Gedanken: „Da muss ich alleine durch. Das muss ich eben auch noch tun.“ Ich denke da an viele Mütter oder Frauen, die arbeiten, den Haushalt im Blick haben und oft auch noch Care Arbeit machen, nach Kindern oder anderen in der Familie schauen. Das belastet. Ich denke da aber auch an Menschen im Beruf. Wie hoch sind heute die Erwartungen! Immer erreichbar und flexibel sein, in vielen Projekten mitgestalten müssen.

    Da spüre ich einen sehr großen Druck, der viele an die Grenze ihrer Belastbarkeit führt und dort hält.

    Das macht auf Dauer krank.

    Das Bibelwort heute spricht dagegen. So geht es nicht! Wir müssen unsere Grenzen achten. Es ist gut, Aufgaben zu verteilen. Gott weiß, dass wir Grenzen haben. Er hat uns so geschaffen. Das Gelingen liegt nicht in unseren Händen. Gott gibt das Gedeihen. Wir sollen unsere Grenzen achten, denn er will, dass die Aufgaben uns nicht erdrücken. Er möchte, dass unser Leben mit ihm blüht und gedeiht wie eine Pflanze auf einem guten Beet.

    Gott segne Sie!

    Ihre Pfarrerin Anne Rahlenbeck, Krankenhauspfarrerin in der Filderklinik

     

 

Woche vom 10.05. bis 16.05.

  • addAndacht für Sonntag, 16. Mai 2021:

    Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn’s hoch kommt, so sind’s achtzig Jahre, und was daran köstlich scheint, ist doch nur vergebliche Mühe, denn es fähret schnell dahin, als flögen wir davon.

    Psalm 90,10

    So heißt es im »Gebet des Mose, des Mannes Gottes«. Ein ehrlicher Blick auf unser Leben und auf seine Begrenztheit. 70 oder 80 Jahre, vielleicht etwas drüber, durch Corona bedingt jetzt etwas niedriger – um diese Zahl bewegt sich unsere Lebenserwartung. Daran scheint sich seit Moses Zeiten nicht viel geändert zu haben.

    Die Erkenntnis, die der Psalmbeter damit verbindet, lautet: Es ist zu wenig, sich nur auf dieses Leben zu konzentrieren. Er redet von vergeblicher Mühe. All das, was köstlich erscheint, ist vergänglich. Martin Buber übersetzte: ihr Ungestüm ist Mühsal und Harm, wenns mäht, eilends entfliegen wir. Mir steht das Bild des Löwenzahn vor Augen, wenn sich die gelbe Blüte zum weißen Ball mit »Fliegerlein« entwickelt hat. Eine Berührung – und sie fliegen davon.

    Gemessen an den Zeitdimensionen, mit denen Naturwissenschaftler rechnen, mit Millionen und Milliarden von Jahren, ist ein Menschenleben weniger als ein Augenblick. Der 90. Psalm geht in dieselbe Richtung. Aber er zeigt auch, was diesem so flüchtigen Leben als starker Kontrast entgegensteht und was nicht vergeht: Herr, du bist unsre Zuflucht für und für. Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit.

    Gott ist der, der ist. Der nicht erst werden musste wie alles, was wir sehen und wahrnehmen. Und Gott ist der, der sich nicht verändert. Der bleibt. Und dieser ewige Gott wendet sich in seiner Treue uns kleinen, vergänglichen Menschen, uns »Eintagsfliegen« gemessen an den Zeitdimensionen der Schöpfung zu. Die Welt wird uns vergessen – uns alle. Die historische Erinnerung der Geschichtswissenschaftler reicht gerade mal 5.000 Jahre zurück. Was davor war, darüber kann, das ist längst in Vergessenheit geraten.

    Gott vergisst uns nicht. Und Gott tut noch mehr. In Jesus Christus, der aus der Ewigkeit Gottes kam, will er auch uns zum Teil seiner Ewigkeit machen. Er schenkt ewiges Leben. Darauf liegt das Hauptaugenmerk der Hoffnung, von der das Neue Testament berichtet. Nicht auf diesem Leben hier und heute – sondern auf dem Ziel, das Gott für uns bereit hält. Und dieses Ziel motiviert, im Hier und Heute mit unserem ewigen Gott zu leben. An seiner Hand, gehalten und gestärkt von ihm.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Samstag, 15. Mai 2021:

    Es ist ein köstlich Ding, geduldig sein und auf die Hilfe des HERRN hoffen.   Klagelieder 3,26

    Hinter diesem Satz steckt tiefe Lebenserfahrung. Tiefe Lebenserfahrung bewirkt echte Weisheit. Das ist keine schnelle, oberflächliche Weisheit – die jedem leicht einleuchtet. Nein, ihr zu folgen, das erfordert Mut, Entschlossenheit und eben auch das, was diese Lebensweisheit selbst sagt: Geduld.

    Zunächst einmal fällt es uns ja nicht leicht, geduldig sein und auf die Hilfe Gottes hoffen. Wir leben in einer »hysterischen Zeit«, wie es jemand ausdrückte. In einer Zeit, in der alles machbar erscheint. In einer Zeit, wo ganz schnell irgend jemand uns erzählen will, was jetzt zu tun ist. Nur ja nicht warten und hoffen, sondern tun, machen, aktiv sein.

    Nur: manchmal bringt aller Aktionismus eben nichts. Wenn die eigenen Möglichkeiten ausgereizt sind, die eigenen Wege zu Ende gegangen sind, was bleibt uns dann noch. »Jetzt hilft nur noch Beten« sagen dann manche.

    Der Prophet Jeremia, der hinter den Klageliedern steckt, weist uns in eine andere Richtung. Nicht warten, bis nichts mehr geht, sondern zuerst zu Gott gehen mit dem, was uns zu schaffen macht. Zuerst es ihm anbefehlen und ihm vertrauen. Zu beten, auf Gottes Hilfe zu hoffen und zu warten, das schließt doch nicht aus, dass wir selbst auch Möglichkeiten nutzen, die sich uns bieten. Wer krank ist und Gott um Genesung bittet, der darf auch damit rechnen, dass Gott ihm auch vermittelt durch den Arzt oder die Ärztin hilft. Der betet auch um Weisheit für die Ärzte, die ihm helfen sollen. Aber er ist nicht fixiert auf diese eine Hilfe. Weil Gott so viel mehr kann, weil er so viel größer ist. Das macht den Unterschied. Das bereichert unser Leben.

    Und das sollten wir viel mehr praktizieren. In allen Nöten geduldig sein und auf die Hilfe des HERRN hoffen. Vor jeder Tat, vor jeder Aktion, um selbst daran etwas zu ändern, ihn bitten, mit ihm drüber reden. Dann werden auch wir erleben, was Jeremia schreibt: Es ist ein köstlich Ding.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Freitag, 14. Mai 2021

    Der HERR hat seinen Thron im Himmel errichtet, und sein Reich herrscht über alles. Psalm 103,19

    Das ist eine Trostbotschaft. Weil man manchmal den Eindruck gewinnen kann: Hier auf Erden geht es drunter und drüber. Die Mächtigen kommen und gehen. Die Machtverhältnisse auf dieser Welt haben sich seit meiner Kindheit und Jugend grundlegend verändert – und sie werden sich auch weiterhin verändern.

    Sind wir nur ein Spielball der Mächtigen? So mögen sich Menschen vorkommen – bei uns, angesichts der Pandemie – und noch viel mehr die, die von Unruhen, Unsicherheit, Terror und Krieg in ihren Herkunftsländern sich aufgemacht haben, um für ihr Leben einen Lebensraum zu finden, wo sie sicherer sind.

    Und selbst die Mächtigen sind ja auch oft Getriebene: Die um ihren Machterhalt kämpfen müssen – im besten Falle im Sinne von demokratischen Wahlen; doch wie viel Macht wird auch zu Unrecht eingesetzt, nur um die eigene Macht zu erhalten?

    Das alles mag verunsichern und Sorge bereiten. Das Bekenntnis des 103. Psalms, übrigens auch eines Regierenden, nämlich des Königs David, geht in eine ganz andere Richtung. Es schaut nach oben – nach ganz oben – in den Himmel. Dort, so weiß David, wird regiert: Gott regiert.  

    „Es wird regiert“. So formulierte es der Theologe Karl Barth am Vorabend seines Todes im Jahr 1968: „Ja, die Welt ist dunkel. .... Nur ja die Ohren nicht hängen lassen! Nie! Denn es wird regiert, nicht nur in Moskau oder in Washington oder in Peking, sondern es wird regiert, und zwar hier auf Erden, aber ganz von oben, vom Himmel her!

    Gott sitzt im Regimente! Darum fürchte ich mich nicht. ... Gott lässt uns nicht fallen, keinen einzigen von uns ... ! - Es wird regiert!“ Das gilt auch heute noch.

    Pfarrer Andreas Streich

     

     

  • addAndacht für Christi Himmelfahrt, 13. Mai 2021

    Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.

    Johannes 12,32

    Himmelfahrt – das ist der Regierungsantritt von Jesus Christus. Nun ist er erhöht von der Erde. Schritt für Schritt ist er dorthin gelangt, wo er eigentlich hingehört: Am Ostermorgen durch die Auferstehung aus dem Tod ins ewige Leben. Und am Himmelfahrtstag von der Erde in Gottes Welt, die wir – weil wir kein anderes Wort dafür haben - »Himmel« nennen. Gottes Himmel ist aber etwas ganz anderes nochmal als unser Himmel oder das Weltall. Diesen Himmel Gottes können wir Men­schen nicht sehen und nicht erforschen. Jesus gelangt ans Ziel. Das ist die Botschaft von seiner Himmelfahrt. Es geht zunächst um seinen ganz persönlichen Weg als ewiger Sohn Gottes: Der in Ewigkeit beim Vater war – und aus der Ewigkeit in diese Welt kam – und nun wieder dorthin zurückkehrt, wo er hingehört.

    Das betrifft nun aber auch sein Werk: Das, was er mit uns vorhat. So wie Ostern Kreise zieht, so zieht auch Himmelfahrt Kreise: Die Herrschaft Jesu zieht Kreise. Sie umfasst alles. Und das, was Jesus wirkt, zieht Kreise – sein Wirken wird einmal alles ausfüllen. Was heißt das für uns heute? Wir sind mit hineingenommen in das, was an Himmelfahrt damals auf dem Ölberg in Jerusalem geschehen ist. Jesus sagt: Wenn ich erhöht werde, so will ich alle zu mir ziehen. Jesus hat ein Ziel mit uns. Und das Ziel heißt: Ewiges Leben in seiner Herrlichkeit. Dorthin will er uns ziehen. Er hat uns durch sein Sterben und Auferstehen zu Gottes Kindern gemacht. Und nun will er, dass wir auch die Herrlichkeit sehen, in der er ist. Das ist unser Ziel: Gottes Herrlichkeit. Und so, wie nichts und niemand ihn aufhalten konnte, vom Tod aufzuerstehen, so kann uns nichts aufhalten, in Gottes Herrlichkeit zu gelangen. Jesus zieht. Und er lässt nicht los. Er kommt zum Ziel – auch mit uns. So wie Paulus es schreibt: Ich bin darin guter Zuversicht, dass der, der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird’s auch vollenden bis an den Tag Jesu Christi. Der Tag Jesu Christi, das ist der Tag seiner Wiederkunft in Herrlichkeit. Dann wird er auch uns zu sich holen – für immer und ewig.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Mittwoch, 12. Mai 2021

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

     

    „Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem HERRN: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.“

    (Psalm 91,1-2)

     

    Welches Gefühl, welche Gewissheit drückt der Beter von Psalm 91 mit diesen Sätzen aus? Ich lese sie nochmals:

     

    „Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem HERRN: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.“

     

    Aus diesen Worten spricht umfassende Geborgenheit. Der Beter fühlt sich aufgehoben, umfangen, geschützt, geborgen bei seinem Gott, seinem Schöpfer, seinem Vater, seiner Mutter, seinem Heiland, seinem Retter. Die weiteren Sätze in diesem Psalm machen das noch deutlicher. Da geht es um Errettung, um Zuflucht, um Schutz.

     

    Der Beter ist überhaupt kein Träumer. Er schildert alles, was ihm Angst macht und auch uns Angst machen kann: Krankheit, Seuchen, Krieg, Naturgewalten. Jedem von uns fallen weitere ganz persönliche Dinge ein, die uns Angst machen, das müssen ja oft gar keine großen Sachen sein, die uns bang und unruhig werden lassen.

     

    Von dem Psalmbeter können wir nicht nur die Ehrlichkeit lernen – das, was uns Angst macht, auch mit Namen zu nennen - sondern auch sein Umgang mit seiner Angst. Diese lässt ihn rennen, sie treibt ihn zu seinem Gott, da weiß er sich geborgen und geschützt. Da kann ihn nichts vernichten.

     

    Mir steht dabei das Bild eines kleinen Jungen vor Augen, der von einem größeren und stärkeren Jungen angegangen wird und der deshalb zu seiner Mutter rennt. Aus der Geborgenheit ihrer Arme und ihrem Schutz kann er dem größeren Jungen, der sich nun nicht mehr nahe zu kommen traut, sogar noch eine lange Nase ziehen. DAS ist Geborgenheit.

     

    Was heißt für Sie, Geborgenheit bei Gott zu finden? Wie und wo erleben Sie die, vielleicht ja ganz neu? Diese Fragen gebe ich Ihnen einfach mit und wünsche Ihnen einen guten Tag.

     

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • addAndacht für Dienstag, 11. Mai 2021:

    Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel und die Erde und alles, was darinnen ist, das ist des HERRN, deines Gottes.                                                               5. Mose 10,14

    Die Gier der Menschen ist unersättlich. Auf der Südhalbkugel unserer Welt bringen sich etliche Staaten in Position, um dabeizusein, wenn man die Bodenschätze und Rohstoffe der Antarktis ausbeuten wird. Konzerne gieren nach den Rohstoffen auf der weitgehend noch unberührten Insel Grönland. Und selbst im Weltall wittern einige Profit, wenn es ihnen gelingen würde, die Rohstoffe von anderen Planeten herzuschaffen. Der Mensch mit seinem Fortschritt und seiner Gier – das Maß aller Dinge?

    Nein, die Bibel lehrt uns: Ein anderer ist das Maß aller Dinge. Ein anderer ist es, dem all das, was wir sehen, schon längst gehört. Ob nun eine chinesische, amerikanische oder was auch immer für eine Flagge auf dem Mond oder am Grund des Ozeans aufgestellt wird: Der Eigentümer ist der Schöpfer. Von ihm sind und bleiben wir abhängig. Es ist uns alles nur geliehen. Aber es gehört uns nicht. All das, was wir so fest in unseren Händen halten – alles nur geliehen.

    Und wir bleiben auf ihn bezogen, von ihm abhängig. Das Universum hat Dimensionen, die können wir uns überhaupt nicht vorstellen. Da sind Milliarden und Abermilliarden von Himmelskörpern, zusammengefasst in Haufen, in Galaxien, die auch keiner zählen kann. Doch darin sind sich heute alle ernst zu nehmenden Naturwissenschaftler einig: Das alles hat einen einzigen Ursprung – in einem einzigen Punkt, kleiner als ein Atom. Wie genau – und was davor war – das können sie nicht erklären. Das übersteigt ihre Kunst.

    Doch der Glaube gibt eine Antwort darauf: Es ist Gott, dem das Universum seine Existenz verdankt. Es ist Gott, dem all das gehört. Es ist Gott, der auch uns geschaffen und gewollt hat. Wir stehen in seiner Hand. Er verliert nicht den Überblick über das große Universum und auch nicht über unser kleines Leben. Weil er uns liebt und weil er sich nach uns sehnt.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Montag, 10. Mai 2021

    Die Furcht des HERRN ist der Anfang der Erkenntnis.   Sprüche 1,7

    Die Toren verachten Weisheit und Zucht. So geht dieser Vers aus dem Sprüchebuch weiter. Die Weisheitsliteratur der Bibel hebt immer wieder diesen Gegensatz hervor. Sie zeigt zwei völlig entgegengesetzte Lebensmodelle, die wie die beiden Pole der Erde so weit auseinanderliegen, dass es weiter gar nicht geht.

    Erkenntnis ist mehr als Wissen. Glaube ist mehr als Bescheidwissen. Erkenntnis heißt: Es bekommt Bedeutung für mein Leben – ich setze um, was ich begriffen habe. Es bestimmt mein Leben und treibt es in eine gute Richtung voran. Die Überzeugung der Bibel ist: Zu solcher Erkenntnis kann nur gelangen, wer mit Gott unterwegs ist. Denn Gott ist unser Schöpfer. Wenn einer weiß, was für unser Leben wirklich gut ist, ja, was das Beste für unser Leben ist, dann er, der uns geschaffen hat. Gott weiß, was gut für uns ist.

    Wie kommen wir also dorthin, dass unser Leben von der Erkenntnis, also wirkungsvoller Weisheit geprägt ist. Indem wir Gott ernst nehmen. Indem wir ihm den Platz einräumen, der ihm zusteht: Den ersten Platz. Indem wir ihn fürchten. Schwächen wir dieses Wort »fürchten« doch nicht gleich wieder ab in Richtung »Ehrfurcht« oder »Respekt«. Nein, Gott ist schon auch zu »fürchten« - ganz im Wortsinn. Er ist auch der Richter, der über unserem Leben das Verdammungsurteil sprechen wird, wenn es ihm nicht entspricht. Dieser Gott hat das letzte Wort über unserem Leben. Das muss uns bewusst sein. Deshalb ist er zu fürchten. Martin Luther hat es richtig erfasst, in dem er das 1. Gebot so erklärte: Wir sollen Gott über alle Dinge lieben, fürchten und ihm vertrauen.

    Darum geht’s. Wer das tut, der hat den ersten Schritt auf dem Weg der Erkenntnis – der Veränderung zum Positiven in seinem Leben gemacht. Gehen wir diesen Weg, hören wir auf Gott, vertrauen wir ihm und gehorchen wir ihm. Er fängt mit uns nicht nur neu an, er bringt uns auch zum Ziel.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 03.05. bis 09.05.

  • addAndacht zum Wochenspruch für den Sonntag Rogate, 9. Mai 2021:

    Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.

    Psalm 66,20

    So haben es viele von uns wohl einmal auswendig gelernt: »Das Gebet ist ein Reden des Herzens mit Gott in Bitte und Fürbitte, Dank und Anbetung. An guten wie an schlechten Tagen dürfen wir als Kinder Gottes im Namen Jesu zu ihm kommen.« Es ist gut, das zu wissen – und es ist noch besser, das zu praktizieren – Tag für Tag. Und es lohnt sich, ab und zu – wie heute am Sonntag Rogate, dem »Gebetssonntag« über das Beten mit der Bibel in der Hand auch einmal nachzudenken.

    Der unbekannte Psalmbeter tut das im Psalm 66. Und er tut es in der – wie ich meine – einzig möglichen und richtigen Form: Indem er Gott lobt. Indem er Gott sagt, wie gut er ist. Und wie gut es tut, mit ihm zu leben. Wenn Sie den ganzen Psalm lesen, merken sie: er tut das mit zweierlei Adressaten: Einmal Gott selbst gegenüber – im Mittelteil des Psalms. Und dann aber auch gegenüber anderen Menschen, die er ermutigt, Gott auch zu loben und zu beten. Gott loben – darauf kommt es an. Gott an die erste Stelle setzen – auch in unserem Leben. Denn er hat es wirklich verdient. Ihm gebührt der erste Platz. Das Vaterunser ist uns heute als Predigttext gegeben. Auch da kommt Gott zuerst: Dein Name werde geheiligt, dein Reich komme, dein Wille geschehe. Und mit dem Lob und der Anbetung Gottes endet dieses einzigartige Gebet auch: denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Wie gut, dass Gott unser Gebet hört. Wie gut, dass wir mit allen großen und kleinen Nöten immer zu ihm kommen können. Wie gut, dass seine Tür – durch Jesus Christus – für uns alle weit geöffnet ist. Sagen wir’s ihm doch, wie gut er ist und wie gut er uns tut – immer wieder. Denn: Danken schützt vor Wanken und Loben zieht nach oben.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Samstag, 8. Mai 2021

    Mache dich auf, hilf uns und erlöse uns um deiner Güte willen.                             Psalm 44,27

    Es gibt eine Sehnsucht, von der die ganze Schöpfung betroffen ist: Es ist die Sehnsucht nach Erlösung. Paulus spricht vom Seufzen und ängstlichen Harren der ganzen Kreatur. Sie sehnt sich nach Erlösung. Nach dem Ende der Vergänglichkeit. Diese Losung steht am Ende des 44. Psalms. Er ist durchdrungen vom Schmerz und dem Leiden unter den Verhältnissen. Auch darunter leiden diese Psalmbeter, dass sich so lange nichts ändert. Voller Schmerz fragen sie: Warum verbirgst du dein Antlitz, vergisst unser Elend und unsre Drangsal? Sie können es nicht einordnen. Sie verstehen Gottes Handeln und Zulassen nicht.

    Doch eins wissen sie – und daran halten sie fest: Dass Gott es gut meint. Dass seine Güte unum­stößlich uns gilt. Und darum bleiben sie dabei und hören nicht auf, ihn zu bitten: Mach dich auf, hilf, erlöse. Bring uns zum Ziel! Vollende! Komme! Greif ein!

    Uns geht es nicht anders wie ihnen. Auch wir warten auf Erlösung. Auch wir warten – als Christen – auf den Tag, an dem die Schöpfung frei wird von der Vergänglichkeit. Auf den Tag, an dem wir unseren Herrn Jesus Christus von Angesicht zu Angesicht sehen. Auf die endgültige Erlösung, auf den endgültigen Tod des Todes. Der Tod wird nicht mehr sein. So ist es uns versprochen. Auch wenn wir ihn nicht immer verstehen und sein Handeln nicht immer erklären können. In dem gekreuzigten Jesus, da sehen wir Gottes Angesicht – da sehen wir seine Liebe und seine Güte und seine Entschlossenheit, uns zu helfen – auch wenn es ihn das Teuerste kostet, was er hat. Weil wir so kostbar für ihn sind. Seine Güte gilt uns. Darum wollen auch wir nicht aufhören ihn zu bitten: Ja, Herr Jesus, komm bald. Mache dich auf, hilf uns und erlöse uns um deiner Güte willen. Amen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Freitag, 7. Mai 2021:

    Du bist der Gott, der mir hilft; täglich harre ich auf dich.            Psalm 25,5

    In diesem kurzen Gebet stecken zwei wichtige Bekenntnisse: Zum Einen: Ich weiß, an wen ich mich wenden kann. Ich weiß, wo ich Hilfe finden kann. Ich weiß, wer mich nicht im Stich lässt. Ich weiß, wer mich nicht abweisen oder sich für nicht zuständig erklären wird. Wir alle kennen das wohl: Dass man manchmal bei Behörden von einer Stelle an die andere verwiesen wird – bis man schließlich wieder da landet, wo man angefangen hat. Weil sich jeder für nicht zuständig hält und einem nicht helfen will. Der Psalmbeter David weiß, wer ihm helfen wird: der lebendige Gott.

    Und das zweite Bekenntnis, das darin steckt, beschreibt seine eigene Haltung: täglich harre ich auf dich. Ich rechne mit dir – d.h. aber auch: ich rede mit dir. Ich bete zu dir. Ich halte den Kontakt. Ohne dich geht es nicht, ohne dich will ich keinen Schritt machen. Grad so, wie Julie Hausmann dichtete: »Ich mag allein nicht gehen, nicht einen Schritt. Wo du wirst gehn und stehen, da nimm mich mit.«

    Du bist der Gott sagt David. Ja, machen wir uns nichts vor – es gibt auch andere Götter, an die wir unsere Herzen hängen können. So sagte es Luther: Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott. Es macht einen entscheidenden Unterschied, an welchen Gott wir unser Herz hängen. David vertraut dem Gott Israels, der seine Geschichte mit diesem Volk hat. Es ist dreieinige Gott, der auch uns durch Jesus Christus die entscheidende Hilfe schenkt. Täglich wollen auch wir auf ihn harren.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Donnerstag, 6. Mai 2021

    Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zur echten Zeit. Du tust deine Hand und sättigst alles, was lebt, nach deinem Wohlgefallen.                 Psalm 145,15-16

    Das ist die Weltsicht des Glaubens. Dass wir mit Nahrung versorgt sind, dass wir zu Essen und zu Trinken haben, das verdanken wir unserem gütigen Gott. Da ist eine unsichtbare Hand, die uns mit allem versorgt, was wir brauchen. Es macht einen Unterschied, ob wir hinter dem, was wir auf unseren Tellern liegt, Gottes Treue sehen oder nur Zufall und menschliche Anstrengung. Es macht einen entscheidenden Unterschied, ob wir dahinter Gottes Güte erkennen – oder nur das Schnäppchen aus dem Supermarkt und das Sonderangebot des Metzgers sehen.

    Diese Weltsicht, dieser Blick des Glaubens macht den Unterschied. Und er bereichert. Er lässt uns danken und er lässt uns staunen. Er entlässt uns nicht aus der Verantwortung. Wo wir können, sollen auch wir, weil wir uns mit diesem guten Gott verbunden wissen, auch für andere Sorge tragen, dass auch sie genügend zu essen und zu trinken haben. Diese Sicht nimmt uns in die Pflicht, auch die anderen im Blick zu haben, verantwortlich mit Nahrungsmitteln umzugehen. Es ist erschüttert mich immer wieder, wenn ich höre, dass 1/3 der Ernte bei uns nach der Ernte vernichtet wird: Verschwendung, abgelaufene Lebensmittel, sorgloser Umgang.  

    Dieser Blick des Glaubens macht den Unterschied. Denn er lehrt uns, unserem Gott in allen Dingen zu vertrauen. Er lässt uns beten. Wie David – oder wie Paul Gerhardt: »Wer wärmet uns in Kält und Frost? / Wer schützt uns vor dem Wind? / Wer macht es, dass man Öl und Most / zu seinen Zeiten find’t? / Wer gibt uns Leben und Geblüt? / Wer hält mit seiner Hand / den güldnen, werten, edlen Fried / in unserm Vaterland? / Ach Herr, mein Gott, das kommt von dir, / du, du musst alles tun, / du hältst die Wach an unsrer Tür / und lässt uns sicher ruhn. / Du nährest uns von Jahr zu Jahr, / bleibst immer fromm und treu / und stehst uns, wenn wir in Gefahr / geraten, treulich bei.« (EG 324)

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Mittwoch, 5. Mai 2021

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    die Tageslosung für den heutigen Mittwoch steht im Buch des Propheten Jeremia in Kapitel 27: „Ich habe die Erde gemacht und Menschen und Tiere, die auf Erden sind, durch meine große Kraft und meinen ausgereckten Arm und gebe sie, wem ich will“ (Jer 27,5).

    Wenn es darum geht, wer alles gemacht hat, wissen wir, wer hier spricht: Es ist Gott, der Schöpfer Himmels und der Erden und dieser Satz richtet sich über Jeremia und Boten, die dieser aussendet, an den König von Juda sowie weitere Könige der Nachbarvölker.

     

    „Ich habe die Erde gemacht und Menschen und Tiere, die auf Erden sind, durch meine große Kraft und meinen ausgereckten Arm und gebe sie, wem ich will“. Da fordert Gott die Machthaber der Zeit Jeremias dazu auf, erst einmal zu erkennen, wer die Dinge wirklich in der Hand hat, ehe sie ihre Entscheidungen für sich und andere treffen.

     

    Es ist typisch für uns Menschen, dass sich unser Blick und damit unsere Aufmerksamkeit schnell auf das richtet, was vor uns am lautesten schreit, am auffälligsten ist, aus unserer kleinen Sicht heraus am wichtigsten zu sein scheint. Das, was sich direkt vor unseren Augen, direkt vor unserem Leben abspielt, beeindruckt uns viel mehr als das, was weiter weg ist. Der Miniunfall auf dem Supermarktparkplatz bringt uns mehr durcheinander als die Lebensnot von Menschen im Krieg oder auf der Flucht anderswo.

     

    Wir vergessen immer wieder, dass das, was unseren Augen und unseren Sinnen als groß und bedeutend erscheint, sei es im Positiven oder im Erschreckenden, eben oft nur aus unserer kleinen menschlichen Wahrnehmung heraus so groß und bedeutend ist.

    Und selbst, wo uns das bewusst wird, können wir nicht aus unserer Haut und unsere eigene Sicht schnell mal ändern. Deshalb ist es ein Geschenk, wenn uns Gott anspricht und einlädt, auf ihn zu sehen. Er ist der Schöpfer und Erhalter dieser Welt, der auch mit Pandemien und Krankheiten aller Art, mit Lebensnöten zurechtkommt. Er lädt ein zum Blick auf das Kreuz und auf das leere Grab, wo das Entscheidende geschehen ist, und nicht den Blick auf mein Versagen und das anderer Leute zu richten. Er ist die Aufmerksamkeit wert und nicht die vielen kleineren und größeren Nettigkeiten dieses Lebens.

     

    Freilich: Uns fällt es immer wieder schwer, dieser so dringend nötige Blickwechsel. Deshalb betete die Schriftstellerin Marie Schmalenbach:

     

    Ewigkeit, in die Zeit

    leuchte hell hinein,

    daß uns werde klein das Kleine

    und das Große groß erscheine.

    Sel'ge Ewigkeit.

     

    Einen guten Tag wünscht Ihnen

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • addAndacht für Dienstag, 4. Mai 2021

    Wenn ich dich anrufe, so erhörst du mich und gibst meiner Seele große Kraft.                 Psalm 138,3

    Kennen Sie die »Telefonnummer Gottes« - 5015 – so nennen manche diesen Vers in Psalm 50,15: Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten und du sollst mich preisen. Das ist die Einladung. Und passend dazu haben wir heute in unserer Losung das Bekenntnis. Da hat es einer erkannt und bringt es im Staunen und voller Dankbarkeit Gott gegenüber zum Ausdruck: Es stimmt: Wenn du, Gott mich einlädst, dich anzurufen und mir versprichst, mich zu erretten und dass ich dich dann preisen soll – dann will ich das tun. Und wenn ich es tue, dann erlebe ich: Es stimmt. So ist es. Wenn ich dich anrufe, so erhörst du mich und gibst meiner Seele große Kraft.

    Erleben kann es nur, wer es ausprobiert. Wir müssen uns drauf einlassen, um das, wovon die Bibel redet, selbst erleben zu können. Glaube darf keine Theorie bleiben – er muss immer praktisch werden. Und eine besondere Form, wo der Glaube praktisch wird, ist eben das Gebet. Gott freut sich, wenn wir uns in allem, was uns bewegt, an ihn wenden. Wenn wir alles mit ihm besprechen. Wenn wir ihn in allen Nöten anrufen.

    Er hat versprochen zu hören und zu erhören. Wir alle wissen: Erhörung bedeutet nicht unbedingt, dass wir immer das bekommen, was wir erbeten haben. Erhörung bedeutet: Dass Gott in der Beziehung zu uns unser Gebet beantwortet. Manchmal so, wie wir es erbeten haben – manchmal auch anders, ganz anders. Wie Paulus es erlebte: Dreimal betete er ganz konkret. Doch als Antwort bekam er nicht die erwünschte Erleichterung, sondern die Antwort: Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.

    Und genau da sind wir beim Dritten, was dieser Losungsvers uns verspricht: Gott gibt meiner Seele große Kraft. Nicht meine Kraft, sondern seine Kraft ist es, die mich durchträgt. Und die erlebe ich in der Verbindung mit ihm. Die fließt, wo ich seine Nähe im Gebet suche. Probieren wir’s aus – immer wieder neu. Jeden Tag. Ich bin sicher, auch wir werden diesen Vers nachbeten können.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Montag, 3. Mai 2021

    Der HERR war mein Halt. Er führte mich hinaus ins Weite, er riss mich heraus, denn er hatte Lust an mir.                                                        2Samuel 22,19-20

    »Davids Danklied« ist dieser Psalm im 2. Samuelbuch überschrieben. Er ist übrigens identisch mit dem 18. Psalm im Psalterbuch. David hat eine klare Adresse für seinen Dank: Sein Dank gilt Gott, dem HERRN. Ihm hat er schlicht alles zu verdanken. Wenn David zurückschaut auf sein Leben – dann sieht er immer und immer wieder Gottes gute Handschrift. So viel Gutes, so viel Bewahrung hat er von Gott erfahren.

    Staunen über Gott. Das tut David. Und dazu sind auch wir eingeladen. An der letzten Wendung dieser beiden Verse, die als Fundstelle im Losungsbüchlein angegeben sind, bin ich hängen geblieben. Dieser Versteil steht nicht im Losungsbüchlein, aber natürlich in der Bibel: Denn er hatte Lust an mir.

    Das ist absolut Grund zum Staunen. Auch für uns: Dass Gott Lust an uns hat. Dass er uns haben will. Obwohl er genau weiß, wie wir sind. Obwohl er genau um unsere Schwächen, um unsere Wankelmü­tig­keit, um unsere Charaktereigenschaften weiß, die so gar nicht zu ihm passen und die immer und immer wieder durchbrechen. Gott will uns haben.

    Für den Apostel Paulus – genau wie für Martin Luther war klar: Wer an Jesus Christus glaubt, wer zu ihm gehört, der tut das nicht, weil er das »aus eigener Vernunft oder Kraft« eben für sich erkannt hat, sondern weil er von Gott dazu berufen wurde. Genau wie die Jünger am See oder an der Zollbude von Jesus berufen wurden. Das machte sie zu Jüngern. Nicht ihre Weisheit und Entschlos­senheit, sondern die Berufung. Gott hatte Lust an ihnen. Gott hat Lust an uns. Das ist und bleibt ein Wunder. Das ist und bleibt zum Staunen. So viel Gutes haben auch wir von Gott erlebt – weil er uns liebt, weil er uns haben will und weil er sich mit uns verbinden will. Er ist auch unser Halt. Er führt auch uns in die Weite. Er reißt auch uns heraus. In Jesus hält er uns fest, weil er Lust an uns hat.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 26.04. bis 02.05.

  • addAndacht zum Wochenspruch des Sonntags Kantate, 2. Mai 2021

    Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder.              Psalm 98,1

    Heute feiern wir den Sonntag »Kantate« - wie im Vorjahr schon wieder anders. Flexibilität ist gefragt, immer noch. Nicht mehr drinnen, sondern draußen sollen wir Gottesdienste feiern, weil hier die Ansteckungsgefahr deutlich geringer ist. Mit Maske und Abstand dürfen wir draußen aber wieder singen. Die Empfehlung, um andere nicht zu gefährden, lautet: reduziert, nicht so viel, nicht so laut. Dafür haben wir Verständnis.

    Die Aufforderung des Wochenspruchs gilt uns durch alle Zeiten. Gemeinsam können wir im Herzen singen oder auch zuhause ganz laut. Sie sind da, die Lieder des Herzens, die wir miteinander singen und teilen können. Wir haben so viele technische Möglichkeiten – auch das ist für mich Ausdruck des »neuen Liedes«, von dem im Psalm 98 die Rede ist. Wir können Lieder aufnehmen, sie anhören, sie versenden – weltweit.

    Es sind Lieder für Gott. Lieder für den Herrn der Welt, dem auch unser Leben gehört. »Dessen Allmacht niemals endet, dessen Wunder ungezählt« wie es Peter Strauch formulierte. Musik ist eine Kommunikationsform, für die wir auf ganz vielen Ebenen empfänglich sind: rational und emotional. Eine wunderbare Gabe. Wichtig ist, was damit transportiert wird: Es geht um unseren großen Gott, um unseren Schöpfer, um unseren Retter und um den, der uns bis an sein gutes Ziel bringen wird. Ihn immer wieder sich ins Bewusstsein zu rufen und ins Herzen zu singen, das wollen wir tun. Denn mit ihm wird unser Leben erst wirklich erfüllt. Und das soll klingen – auch durch unser Singen.

    Pfarrer Andreas Streich 

  • addAndacht für Samstag, 1. Mai 2021

    Der HERR wird den Armen nicht für immer vergessen; die Hoffnung der Elenden wird nicht verloren sein ewiglich.                     Psalm 9,19

    Wer an Gott glaubt, der rechnet mit einer tiefgreifenden Veränderung der Verhältnisse. Wer an Gott glaubt, wie der Psalmbeter David, der gibt sich nicht ab mit dem Status quo, mit den Realitäten, wie sie nun mal sind.

    Freilich: David weiß sehr genau um die Grenzen seiner Einflussmöglichkeiten. Auch als König ist seine Kraft nicht unbegrenzt und sind seine Möglichkeiten nicht unbeschränkt. Oft genug hat er erlebt, was auch wir erleben: Dass die Dinge eben nicht so laufen, wie wir es gern hätten. Dass die Verhältnisse eben nicht so sind, wie sie nach unserer Überzeugung eigentlich sein sollten. Dass uns nicht alle wohlgesonnen sind und wir immer Recht bekommen.

    Es geht ungerecht zu auf dieser Welt. Der kosmos – wie die Welt auf griechisch heißt, und was eigentlich »Ordnung« bedeutet, ist aus den Fugen geraten. Nicht erst seit dem diesem oder dem letzten Jahrhundert. Durch die ganze Bibel hindurch, seit die ersten Menschen Gott gegenüber ihr Misstrauen zum Ausdruck brachten, geht es wie ein roter Faden: Diese Welt ist erneuerungsbedürf­tig. Wir Menschen sind erlösungsbedürftig. Und wir Menschen bekommen es selbst nicht hin, den Schaden, den wir selbst angerichtet haben, wieder zu heilen.

    Deshalb schaut David auf Gott, den HERRN. Deshalb betet er zu ihm. Und deshalb vertraut er ihm. Er wird die Verhältnisse ändern. Er wird heil machen, was wir zerstört haben. Auf ihn kommt es an. Ihn brauchen wir. Er wird auch die sozialen Verhältnisse, die zum Himmel schreien, so ändern, dass alle zu ihrem Recht kommen: Die Armen und die Elenden – sie hat Gott besonders im Auge. Die, die in unserer Gesellschaft oft am Rand stehen, die liegen unserem Gott am Herzen.

    Nicht, dass wir heile soziale Verhältnisse auf der ganzen Welt schaffen können. Doch: Wenn Gott einmal so für die Armen sorgen wird, die Elenden nicht vergisst – dann soll das unser Auftrag auch schon heute sein. An unserem Ort, in unserem Umfeld, mit unseren Möglichkeiten.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Freitag, 30. April 2021

    Seine Herrschaft wird groß und des Friedens kein Ende sein.   Jesaja 9,6

    Ostern zieht Kreise! Davon sind die Schreiber des Neuen Testaments fest überzeugt. Die Aufer­stehung von Jesus am Ostermorgen war nur der Anfang. Doch sie hat alles in ein anderes Licht gestellt. Jesus ist auferstanden. Er ist stärker als der Tod. Nicht der Tod herrscht, sondern er herrscht. Und die Prophetie des Jesaja stellt uns vor Augen, wohin diese Herrschaft den Messias führen wird: Seine Herrschaft wird groß und des Friedens kein Ende sein.

    Dort in Jesaja 9 wird vom Messias in der Kategorie des Königs David gesprochen. David, der ideale König – nicht fehlerlos, aber zur Umkehr bereit und gottesfürchtig. Einer, der nach Gott fragt und sich von Gott als seinem Hirten weiden lässt. So muss ein König sein. Der Messias steht in der Linie des Königs David – und sprengt sie doch zugleich. Denn die Herrschaft Davids endete. Im hohen Alter, als die Kräfte nachließen, übergab er die Regentschaft an seinen Sohn Salomo. Ihm blieb – wie uns allen – nichts anderes übrig. Doch vom Messias heißt es: Seine Herrschaft wird groß und des Friedens kein Ende sein.

    Der Todesbezwinger ist durch nichts und niemand aufzuhalten. Seine Friedensherrschaft wird einmal alles umfassen. Auch über uns hat der Tod, dank seines Sieges, nicht das letzte Wort. Auch uns wird er einmal auferwecken – alle Menschen wird er auferwecken. Alle müssen sich ihm einmal beugen. Alle Zungen einmal bekennen, dass Jesus Christus der Herr ist zur Ehre des Vaters. Ostern war ein entscheidender Durchbruch zu dem, was Jesaja ankündigt. Bis heute ist es die Einladung, dass wir uns heute schon diesem großen Herrscher, dessen Macht freilich noch von vielen geleugnet wird, weil sie nur verborgen wirkt, mit unserem Leben anvertrauen. Jesus will unser Herrscher sein. Er ist der Befreier, der Retter für uns. Ach, dass doch Menschen ihn erkennen, an ihn glauben – und so ihn als Retter erleben und nicht in Ewigkeit verloren gehen. Er hat Gedanken des Friedens und nicht des Leides mit uns. Die Bibel spricht auch vom ewigen Verlorengehen. Das darf nicht geleugnet werden. Wenn Menschen zu spät erkennen, dass sie ihm hätten vertrauen müssen. Heute lädt er ein: Heute will er uns retten. Heute wollen wir ihn hören und ihm folgen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Donnerstag, 29. April 2021:

    Mose wollte den HERRN besänftigen und sprach: Ach, HERR, kehre dich ab von deinem glühenden Zorn und lass dich des Unheils gereuen, das du über dein Volk bringen willst.   2Mose 32,11-12

    Fürbitte – das ist eine weithin unterschätzte Möglichkeit. Die Fürbitte Moses hier trägt dazu bei, dass das Volk Israel nicht mit Stumpf und Stil ausgerottet wird. Kurz zur Situation: Mose ist oben auf dem Gottesberg dem Horeb, um von Gott Weisung zu bekommen. Weil er lange ausbleibt, wird das Volk unten am Fuß des Berges unruhig. Mit einem unsichtbaren Gott ist das ja so eine Sache. Sie wollen etwas für die Augen, für die Sinne. Ein Fest muss her und ein Gott, den man sehen und anfassen kann. Aaron, der Stellvertreter des Mose, gibt dem Bitten des Volks schließlich nach und lässt Gold und Geschmeide zusammentragen. Ein goldenes Kalb wird daraus geformt und in die Mitte gestellt: Das ist dein Gott, Israel, der dich aus Ägyptenland geführt hat!

    Und der HERR sprach zu Mose: Ich sehe, dass es ein halsstarriges Volk ist. Gott erwägt eine radikale Planänderung: Weg mit diesem Volk, dann wird eben aus Mose ein großes Volk. Gott ist tatsächlich auf dieses Volk nicht angewiesen – er ist auch auf uns nicht angewiesen. Doch auch vermittelt durch die Fürbitte des Mose bleibt Gott bei seinem ursprünglichen Plan, bei seiner ursprünglichen Absicht und trägt und erträgt dieses halsstarrige Volk weiter.

    Wie oft hätte Gott Grund, mit uns fertig zu sein. Seinen Plan mit uns zu ändern. Weil wir immer wieder versagen. Weil wir immer wieder schuldig werden. Doch unser Gott ist ein Gott, der mit sich reden lässt, der zur Fürbitte einlädt und auf die Fürsprache für andere hört. Was für eine Gelegenheit für uns – im Blick auf andere und uns selbst. Üben wir doch viel mehr Fürbitte. Stehen wir doch vielmehr vor Gott für andere ein, gerade auch für die, mit denen wir uns schwer tun.

    Und dann ist da noch der große Fürsprecher, von dem im Lehrtext die Rede ist: Wenn jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher beim Vater, Jesus Christus, der gerecht ist. Ja, Sünde wiegt schwer – dafür starb Jesus am Kreuz. Doch Gott selber sorgt dafür, dass sie uns nicht für immer von Gott trennt. Gott selber tritt in Jesus auf den Plan, um den Zorn Gottes auszuräumen und uns mit Gott zu versöhnen. Jesus ist und bleibt unser Fürsprecher beim Vater – und wir dürfen Fürsprecher für andere sein.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • addAndacht für Mittwoch, 28. April 2021

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    welches ist die intensive Beziehung, die wir Menschen als erstes erleben? Es ist die Beziehung der Eltern zu ihren Kindern. Sie ist von Liebe geprägt, auch deshalb, weil wir als kleine Menschlein ganz und gar angewiesen sind auf Hilfe und Zuwendung der Eltern, allein gar nicht lebensfähig wären. Und so wenden Eltern den kleinen Säuglingen ihre Liebe zu, auch wenn das manche schlaflose Nacht bedeutet.

    Wenn die Kinder etwas älter werden, laufen, sprechen und allein essen können, was ja schon im Kindergartenalter der Fall ist, dann sind sie nicht mehr so hilflos wie ganz am Anfang. Schließlich können sie nun schon eine ganze Menge, aus ihrer eigenen Sicht sogar ziemlich alles. Und genau das ist für Eltern von Kleinkindern eine große Aufgabe, ihre Kinder, die so sicher sind, was sie schon alles können, im Auge zu behalten, damit sie sich mit all ihren Fähigkeiten am Ende nicht selbst schaden.

     

    Der Losungsvers von heute knüpft an diese Erfahrung an. „Ich hatte Ephraim laufen gelehrt und sie auf meine Arme genommen. Aber sie merkten nicht, dass ich sie heilte“, heißt es in Hosea 11,3. Gott vergleicht sein Volk mit einen kleinen Kind, um das er sich von Anfang an gekümmert und dem er ins Leben geholfen hat und das nun schnell der Meinung ist, doch alles aus eigener Kraft zu können. Und so sehr wir schmunzeln, wenn wir kleine Kinder in ihrer Ichkanndochalles-Herrlichkeit sehen, genauso naiv sind wir Menschen auch und gerade als Erwachsene, wenn es um unser Leben geht. „Ich kann das doch, ich krieg das doch hin“, so denken und handeln wir, bewusst oder vermutlich oft eher unbewusst. Ich habe Geld für den Alltag, ich weiß, wie ich mit Problemsituationen umgehe, wo ich mir Hilfe hole, ich kann meinen Tag organisieren und das tun und lassen, was gut für mich ist. Wirklich?

     

    Dass wir unser Leben nicht selbst im Griff haben, erleben wir in Situationen, in denen das Leben anders läuft, als wir uns das vorgestellt haben. Das müssen gar nicht große Schicksalsschläge sein, manchmal ist es schon allein der Alltag, der uns mürbe macht, die Kraft nimmt, uns an unsere Grenzen oder darüber hinaus kommen lässt. Wo das der Fall ist, erinnern wir uns doch an unsere frühe Kindheit. Was haben wir getan, wenn wir hingefallen sind, das Knie aufgeschlagen haben, vor Schmerz weinten? Genau! Wir sind zur Mutter oder zum Vater gelaufen, wurden in den Arm genommen, getröstet. Dass uns doch das zur neuen Selbstverständlichkeit wird, dass wir mit unserer Lebensnot zu unserem Schöpfer, unserem Vater, unserer Mutter, unserem Gott, unserem Retter, unserem Bruder, zu Jesus gehen, das wünsche ich uns!

     

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • addAndacht für Dienstag, 27. April 2021:

     

    Israel, du sollst mein Knecht sein; ich erwähle dich und verwerfe dich nicht.   Jesaja 41,9

    Gott ist treu! Das ist die Botschaft, die hinter diesem Prophetenwort steht. Gott hält seinen Men­schen die Treue. Das wird insbesondere an seinem Volk Israel deutlich. Nachdem Gott in Jesus Christus mit seinen Menschen noch einmal neu angefangen hat und einen neuen Bund geschlossen hat, der nun als Angebot für alle Menschen gilt, kam die Frage auf: Ja, was ist denn nun mit dem alten Bund, mit dem Bund mit Israel. Gilt der nun nicht mehr? Oder mit anderen Worten: Hat denn Gott sein Volk verstoßen?

    Im Lehrtext räumt Paulus klipp und klar alle Missverständnisse aus: Das sei ferne! Gott hat Israel nicht aufgegeben. 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland wird in diesem Jahr begangen – wobei die 1.700 Jahre ja nur einen Ausschnitt aus der Geschichte des Volkes Israel darstellen. Diese Geschichte ist ja viel größer. Und sie verdankt sich – über alles Schicksal und politische Geschick hinaus – der Treue Gottes.

    Gott steht zu seinem Volk Israel – bis heute. Kein anderes Volk hat es über sich einen millionenfachen Massen-, ja Völkermord, einen Genozid in industrialisiertem Ausmaß ergehen lassen müssen, wie das jüdische Volk im sogenannten 3. Reich. Und nur wenige Jahre nach dem Ende dieses unvergleich­lichen Verbrechens im Holocaust erklärt David Ben Gurion die Unabhängigkeit des Staates Israel und damit die Rückkehr dieses Volkes in die Gruppe der Völker, die sich einer souveränen staatlichen Identität rühmen können.

    Gott ist treu! Das ist die Botschaft, die auch uns gilt. Gott hält die Treue. Seine Hand lässt nicht los. Seine Treue wird uns nicht immer vor schweren Wegen und der Anfeindung von Menschen bewahren. Gerade Jesus Christus, der uns in seine Nachfolge ruft, ruft uns auch in die Nachfolge im Leiden. Doch Gott bringt ans Ziel. Gott lässt nicht los. Das gilt – und wird immer gelten – für Israel und für alle, die durch Jesus Christus an den Gott Israels glauben.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Montag, 26. April 2021:

    Es wird ein einziger Tag sein – er ist dem HERRN bekannt! -, es wird nicht Tag und Nacht sein, und auch um den Abend wird es licht sein.                                             Sacharja 14,7

    Sacharja darf einen Blick aus der Zeit heraus hin auf Gottes große Zukunft tun. Ganz anders wird es dann sein. Wo heute noch der Wechsel von Tag und Nacht unser Leben bestimmt – da wird dieser Wechsel der Eindeutigkeit gewichen sein: Es wird licht sein.

    In den Versen drum herum wird dieser Eindruck bestätigt: Wo es jetzt viele Berge und Täler, Gipfel und Schluchten gibt, da soll am Ende nur noch Jerusalem hoch erhaben sein – die Stadt des lebendigen Gottes. Und nur sein Name soll angebetet werden. Eindeutig eben – in jeder Hinsicht. Auch an den Veränderungen der Schöpfung wird man es ablesen können.

    Eindeutigkeit – eindeutige Wegweisung hin zu dem lebendigen Gott – das ist das Ziel. Am Ende wird er sein alles in allem. Wenn das das universale Ziel Gottes ist, dann wollen wir uns heute schon daran ausrichten. Genau das war auch die Absicht dieser Prophetie Sacharjas zu seiner Zeit. Dann soll unser Leben heute schon etwas von dieser Eindeutigkeit widerspiegeln. Dann wollen wir diesem Gott, der alles hell macht, heute schon ganz gehören. Dann soll er in unserem Leben alles ausleuchten und bestimmen dürfen. Dann wollen wir uns von ihm aufzeigen lassen, wo wir Veränderung und Hilfe brauchen – und ihn um Vergebung und Hilfe bitten. Und dann wollen wir alle Lebensbereiche von seinem Licht bestimmen lassen.

    Denn in Jesus Christus scheint dieses Licht schon heute für uns. In Jesus, der sagt: ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. (Johannes 8,12)

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 19.04. bis 25.04.

  • addAndacht für den Sonntag Jubilate, 25. April 2021

    Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. 2 Korinther 5,17

    Ein Schutthaufen wird abgetragen – damit fing es an. Als ich 1994 das erste Mal in Dresden war, standen auf einem Parkplatz neben einem Schutthaufen große Schwerlastregale – mit Bruchstücken der alten Frauenkirche. Jahrzehnte lag sie in Trümmern. Die DDR-Großen dachten nicht im Traum daran, ein Gotteshaus wieder aufzubauen. Doch jetzt war es soweit. Und alles fing damit an, dass der erste Stein ins Rollen kam.

    Gott fängt noch einmal ganz neu an mit seinen Menschen. Und alles fing damit an, dass der eine Stein, der Stein vor dem Gartengrab, in dem Jesus lag, weggerollt wurde. Doch dieser weggerollte Stein steht für eine viel größere, eine viel tiefgreifendere, ja eine unüberbiet­bare Veränderung: Eine neue Schöpfung hat begonnen.  

    »Kaine Ktisis« auf griechisch - »neue Schöpfung« heißt es im Wochenspruch. Durch Jesus Christus und in ihm. Das ist exklusiv gemeint: Zur neuen Schöpfung gelangen wir nur durch Jesus Christus. Er ist die Schlüsselperson zu Gottes neuer Schöpfung, in der das ganze Heil beschlossen liegt. »In Christus«, d.h. das sind Menschen, die ganz eng mit ihm verbunden sind – die an ihn glauben und mit ihm leben. Ist uns das bewusst? Dass wir durch Jesus schon heute zu seiner neuen Schöpfung gehören dürfen. Noch leben wir in der alten Schöpfung, die an vielen Stellen seufzt und sich nach Erlösung sehnt. Doch wir wissen: Die Erlösung hat schon begonnen. Die Erneuerung ist schon da. Und sie wird einmal alles umfassen. Gott kommt zum Ziel. Und wir dürfen zu ihm gehören – heute und für immer.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • addAndacht für Samstag, 24. April 2021:

    Ich, der HERR, habe dich gerufen in Gerechtigkeit und halte dich bei der Hand und behüte dich und mache dich zum Bund für das Volk, zum Licht der Heiden, dass du die Augen der Blinden öffnen sollst und die Gefangenen aus dem Gefängnis führen und, die da sitzen in der Finsternis, aus dem Kerker.

    Jesaja 42,6-7

    Vier Gottesknechtslieder stehen im zweiten Teil des Jesajabuchs. Vier Lieder voller Hoffnung, aber auch voller Erstaunen und manchem Befremden. Sie alle reden von Gottes Knecht, der kommen soll. Der Gottes Plan ausführen soll, der Heil bringen soll. Zu diesen Gottesknechtsliedern gehört auch diese Losung.

    Vom Neuen Testament her ist zu sagen: Hier ist von Jesus die Rede. Jesus, das ist der »Knecht Gottes«, der in Gottes Auftrag und in Gottes Vollmacht seinen Plan – seinen Heilsplan – zur Ausführung bringt.

    Er ist der neue Bund für das Volk und das Licht der Heiden. Er ist der, in dem deutlich wird: Der Gott Israels ist der Schöpfer und Gott aller Menschen. Es gibt keinen anderen. Er ist ein Augenöffner-Gott. Ein Hoffnungs-Schenker-Gott, ein Aus-dem-Gefängnis-führer, ein Befreier-Gott, ein Erlöser-Gott. Ein Erleuchter und Ins-Licht-Bringer.

    Ja, in Jesus, wendet sich der große Gott seinen Menschen zu. Gerade denen, die auf der Schatten­seite des Lebens stehen – in jeder Hinsicht. Gerade denen, die sich in der Finsternis verirrt und verrannt haben. Gerade die, die nicht mehr unterscheiden können zwischen gut und böse, zwischen richtig und falsch. Gerade denen, die alle Orientierung verloren haben.

    Paulus, der fromme Pharisäer, hat erkannt: Letztlich sind wir alle solche Menschen. Menschen, die einen brauchen, der sie aus dem Kerker ihrer Schuld und Verlorenheit holt. Menschen, die einen brauchen, der ihnen die Augen des Herzens öffnet und ihnen zeigt, wie sehr Gott sie liebt und wie sehr sie seine Hilfe brauchen.

    Und der sie dann aufatmen lässt und selbst zu Rettern und Botschaftern der Liebe macht. Damit auch sie hingehen und dabei helfen, dass Blinden die Augen geöffnet und Gefangene aus ihren Gefängnissen von Schuld, Zweifel und Süchten befreit werden. Der Retter ist da. Er heißt Jesus Christus.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Freitag, 23. April 2021:

    Hüte dich und bleibe still; fürchte dich nicht, und dein Herz sei unverzagt.         Jesaja 7,4

    Das erstarrte Kaninchen vor der Schlange ist für uns sprichwörtlich. Es kann vor Schreck nicht mehr davonlaufen. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes »fixiert« von dem Todesschrecken, angebunden, festgehalten. Und es kommt nicht mehr los – bis es gefressen ist.

    So ähnlich mag sich der König Ahas in Jerusalem gefühlt haben. Das Brudervolk Israel im Nordreich hatte sich mit dem Volk der Aramäer aus Damaskus verbündet und nun zog eine große Streitmacht ihm entgegen. Ahas inspiziert die Verteidigungslinien. Es scheint aussichtslos. Den ersten Ansturm kann er abwehren – aber die Feinde geben keine Ruhe. Der Druck wächst und wird massiver.

    In der Politik sind auch Umfragewerte von Bedeutung. Die Stimmung im Volk ist verheerend. Panik macht sich breit. König und Volk bekommen Herzrasen. Da bebte das Herz und das Herz seines Volks, wie die Bäume im Walde beben vom Wind. So heißt es in der Bibel. Menschlich betrachtet: Eine aussichtslose Situation. Der Verstand rät zur Kapitulation.

    Aber der HERR sprach zu Jesaja. So geht es unmittelbar weiter – und dann kommt die Botschaft, die der Prophet Jesaja dem König Ahas weitergeben soll: Hüte dich und bleibe still; fürchte dich nicht, und dein Herz sei unverzagt.

    Der Glaube ist kein Beruhigungsmittel der billigen Sorte – das einfach in Rausch und Betäubung alles Bedrohliche vergessen machen will. Der Glaube ist vielmehr Horizonterweiterung: Mehr zu sehen als das, was die Augen sehen. Mit den Augen des Herzens zu sehen, was der lebendige Gott bereit hält und vorhat. Nicht nur menschlich-irdische Realitäten zu sehen, sondern mit seiner Realität und mit seinen Möglichkeiten zu rechnen. Darum ist das »Fürchte dich nicht« keine unwirksame Floskel, sondern Wort, hinter dem Gottes Schöpfermacht steht. Wer sich darauf einlässt, erlebt immer wieder: Gottes Wort wirkt, wozu es ruft – eben weil Gott dahinter steht.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Donnerstag, 22. April 2021:

    Die auf den HERRN sehen, werden strahlen vor Freude, und ihr Angesicht soll nicht schamrot werden.              Psalm 34,6

    Scham ist ein unangenehmes Gefühl. In der Öffentlichkeit, in Politik, in der Wirtschaft – unter Freunden will keiner »das Gesicht verlieren«. Da wird kaschiert, geschoben, vertuscht – nur damit wir gut dastehen vor anderen. Aber wehe, jemand reißt uns die Maske vom Gesicht. Dann bricht das ganze Lügengebäude zusammen.

    Wir wollen im besten Licht dastehen. Wir wollen angesehen sein und akzeptiert. Deshalb rücken wir uns ins beste Licht. Deshalb floriert zu allen Zeiten das Geschäft mit Mode und Kosmetik. Wir sind fantasievoll, wenn es darum geht, zu vertuschen und zu kaschieren – auf allen Ebenen.

    Gott sieht hinter unsere Fassade. Gott können und brauchen wir nichts vormachen. Gott sieht tiefer, er sieht in unser Herz. Und er liebt uns. Die auf den HERRN sehen… das ist die Empfehlung, die so ganz andere Lebensstrategie des 34. Psalms: Schau mehr auf Gott als in den Spiegel. Vertrau ihm und lebe mit ihm – und beschränke dein Bemühen nicht darauf, das Bild, das du nach außen abgibst, zu optimieren. Das ist zu wenig. Das ist doch nur Fassade. Bei ihm, dem Schöpfer, und durch ihn, wird unser Leben zu dem, wozu er es eigentlich bestimmt hat. Bei ihm und durch ihn wird unser Leben echt – durch und durch. Massiv, nicht furniert. Wir sollen sein Gegenüber sein. Wir sind geschaffen als sein Bild – als sein Gegenüber.

    Er liebt uns, so wie wir sind. Er nimmt uns unsere Schuld und unser Versagen, unsere Sünde ab. Und er macht uns zu seinen Kindern – durch Jesus Christus. Und am Ende werden alle es erkennen: Die auf ihn sehen, werden strahlen vor Freude, und ihr Angesicht soll nicht schamrot werden.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Mittwoch, 21. April 2021

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    nicht immer haben wir Losungsverse aus der Bibel, die uns so richtig schön reinlaufen und uns sozusagen in den Arm nehmen, trösten und aufrichten. „Siehe, ich habe dich geprüft im Glutofen des Elends“, heißt es für heute im Buch des Propheten Jesaja (48,10). Dazu steht ergänzend ein Vers aus dem Lukasevangelium: „Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und euch ausstoßen und schmähen und verwerfen euren Namen als böse um des Menschensohnes willen“ (Lukas 6,22). Dieser Vers spricht von Verfolgung wegen Jesus und als Leser beider Verse heute ist man dann geneigt, beide Verse im gleichen Licht zu sehen.

    Das allerdings stimmt so nicht. Im Jesaja geht es nicht um einen Glutofen, in denen Kinder Gottes und Nachfolger Jesu von einer bösen Welt geplagt werden. Da geht es um Gottes Volk, das partout nicht auf seinen Herrn hören will, ihm die Treue bricht, nur eigene Wege geht, sich eigene Götter macht – und das Gott deshalb die harten Konsequenzen aller Eigensinnigkeit spüren lässt. Beim Jesajavers geht es um harte Prüfung wegen der eigenen Bosheit – im Lukasvers um harte Prüfung wegen der Bosheit anderer.

     

    Schauen wir weiter auf den schwer verdaulichen Jesajavers. Er macht deutlich: Gott redet manchmal bewusst durch schwere Umstände zu uns. Ganz klar: Daraus darf man keine Regel machen und man darf auch nicht anderen sagen: Wenn es Dir schlecht geht, ist das eine Botschaft Gottes für Dich. Auf keinen Fall! Für sich selbst kann man im Einzelfall durchaus erkennen, dass schwere Umstände Gottes direktes Reden zu mir sind. Ein Ruf zum Innehalten, zur Besinnung, vielleicht auch ein klarer Ruf, die eigene Lebensrichtung zu überdenken, die derzeit in eine falsche Richtung läuft.

     

    Weitere Verse aus dem Jesajakapitel machen deutlich, wie sehr Gott um seine Leute kämpft und sie einlädt, ich lese in der Übersetzung der Basisbibel:

     

    17 So spricht der HERR, dein Befreier,

    der Heilige Israels:

    Ich bin der HERR, dein Gott.

    Was ich dich lehre, ist zu deinem Besten.

    Ich zeige dir den Weg, den du gehen sollst.

    18 Hättest du doch auf meine Gebote geachtet!

    Dann wäre dein Frieden wie ein Strom,

    der immer breiter wird.

    Dein Glück wäre endlos wie die Wogen des Meeres.

    19 Deine Nachkommen wären unzählbar wie der Sand.

    So wenig wie Sandkörner

    könnte man deine Sprösslinge zählen.

    Dein Name wird niemals ausgelöscht,

    ich werde dich nicht vergessen.

     

    Gott prüft, er stellt sich uns manchmal quer in den Weg, hindert uns, einfach weiterzugehen, weil wir ihm eben nicht egal sind.

    Ich wünsche Ihnen, dass Ihnen dieser schwierige Vers zum Segen wird!

     

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • addAndacht für Dienstag, 20. April 2021

    Gott sprach zu Noah: Siehe, ich richte mit euch einen Bund auf und mit euren Nachkommen und mit allem lebendigen Getier, dass hinfort keine Sintflut mehr kommen soll, die die Erde verderbe.

    1. Mose 9,9-11 (in Auswahl)

    Gott richtet einen Bund auf. Der Bund – das ist Gottes Gnadengeschenk. Nicht, weil es irgend jemand verdient hat, richtet er den Bund auf. Sondern weil er sie liebt. Das ist »Toleranz« im eigentlichen Wortsinn. Gott erträgt es, dass seine Menschen nicht so sind, wie sie sein sollten. Er erträgt ihre Rebellion. Das ist schwer zu ertragen. Aber Gott erträgt es. Das meint »tolerieren« im eigentlichen Wortsinn: Etwas ertragen, auch wenn es schwerfällt; etwas aushalten, auch wenn es schmerzt. In unserem Sprachgebrauch verwechseln wir leicht Toleranz mit Gleichgültigkeit: »Lass doch die Menschen machen, was sie wollen.« Das ist nicht Toleranz – das ist Gleichgültigkeit.

    Gott nimmt die Sünde ernst – todernst. Das wird deutlich an der Erzählung der Sintflut. Es ist die Sünde der Menschen, die das Verderben brachte. Es ist das Dichten und Trachten der Menschen, das böse ist von Jugend auf – das dazu führt, dass Gott die Sintflut hereinbrechen lässt. Doch nun verspricht Gott, dass das nicht wieder passieren soll. Schon im vorigen Kapitel sagt Gott: Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Was für ein erstaunliches »Denn«. Was für eine erstaunliche Begründung. Gott hat nicht auf Gleichgültigkeitsmodus umgeschaltet. Er toleriert. Er erträgt, was eigentlich unerträglich ist: Dass seine Menschen, seine Geschöpfe, auf ihn, den Schöpfer pfeifen. Er lässt seine Sonne aufgehen über Gute und Böse. Er hält sie aus.

    Und dann geht er noch einen Schritt weiter: Er kommt selbst auf diese Welt. Wird selbst Mensch. Lässt sich von seinen Menschen an den Rand drängen, ungerecht verurteilen und dann stirbt er – aus Liebe zu seinen Menschen. Dorthin, ans Kreuz von Jesus Christus, führt dieser Weg Gottes, der hier eingeschlagen wird. Dort, wo Gottes Lamm die Sünde der Welt trägt, erträgt und ein für allemal aus der Welt trägt. Gott erträgt uns – aber noch viel mehr sehnt er sich nach uns. Und er will nicht, dass jemand in Ewigkeit verloren geht. Deshalb lädt er uns ein durch das Evangelium: »Lasst euch versöhnen mit Gott.« Folgen wir der Einladung – und sagen wir sie weiter. Denn das brauchen alle Menschen – den Bund mit Gott, den er in Jesus Christus mit uns schließt.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Montag, 19. April 2021

    Der HERR festigt dem die Schritte, dessen Weg ihm gefällt. Kommt er zu Fall, so stürzt er doch nicht, denn der HERR stützt seine Hand.                           Psalm 37,23-24

    »Ein guter Stolperer fällt nicht« dieses Sprichwort ist mir eingefallen, als ich diesen Losungsvers las. Dahinter steckt die Erkenntnis: Es ist normal, dass man mal aus dem Tritt kommt. Beim Gehen, beim Wandern – genauso wie im übertragenen Sinne. Das lässt sich nicht verhindern. Es ist gut, wenn man sich dann – beim Gehen oder Wandern – wieder schnell fangen kann. Wenn man die Trittsicherheit schnell wieder herstellen kann. Erfahrung macht’s, Kraft macht’s. »Ein guter Stolperer fällt nicht«.

    Aber der Psalmbeter weiß: Es braucht oft noch mehr. Vor allem im übertragenen Sinn: Wenn die Schritte auf meinem Lebensweg mich ins Straucheln, ins Stolpern bringen, dann reicht die eigene Kraft und Fähigkeit oft nicht aus, um mich wieder in einen stabilen Tritt zu bringen. Dann brauche ich mehr. Viel mehr als ich mir selber geben kann. Viel mehr auch als mir andere Menschen geben können. Dann brauche ich Gott, der mich festhält.

    Auch wer mit Gott lebt, kann hinfallen. Denken wir dabei auch an die Sünde. Im Hebräerbrief wird völlig richtig erkannt: Sie umstrickt uns ständig. Sind Sie schon einmal über einen Kabelsalat auf dem Boden gestolpert. So ist es mit der Sünde. Die liegt wie unaufgeräumte Kabel auf dem Boden herum – genau da, wo wir unterwegs sind. Und es gibt keinen, den sie nicht umstricken würde und ins Stolpern bringen würde. Absturz wäre, wenn wir aus der Gemeinschaft mit Gott herausfallen. Doch Gott hält uns an seiner Hand. Jesus ist für unsere Schuld gestorben. »Halte es kurz mit der Sünde« diesen weisen Rat wollen auch wir immer wieder befolgen. Ja, wir werden schuldig. Ja, wir kommen ins Straucheln. Doch wir haben einen Herrn, dem wir Tag für Tag, Stunde für Stunde, Abend für Abend unsere Schuld bekennen können und der uns die Schuld abnimmt und uns entlastet aufatmen lässt. So festigt er unsere Schritte. Ein Weg, der ihm gefällt, das ist nicht ein Weg, der fehlerlos ist – denn den gibt es nicht. Ein Weg, der ihm gefällt, das ist ein Weg, der immer wieder zu ihm hinführt, zurückführt – das sind Menschen, die täglich von seiner Vergebung leben und ihn dafür loben.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 12.04. bis 18.04.

  • addAndacht für Sonntag Miserikordias Domini, 18. April 2021

    Am Hirtensonntag, der den lateinischen Namen Misericordias Domini, d.h. die »Barmherzigkeit des Herrn« grüße ich Sie mit dem Wochenspruch aus Johannes 10:

    Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.

    Johann Jakob Moser war begabt. Mit 19 Jahren wurde er Professor der Rechte in Tübingen. Mit 25 Regierungsrat in Stuttgart – und mit 50 Landschaftskonsultent in Württemberg. Doch dem Herzog Karl Eugen passte er nicht – denn er war nicht der gleichen Meinung wie der Herzog. Und so schloss er ihn der Landesherr im Jahr 1759 für fünf Jahre weg auf die Festung Hohentwiel. Wo Regierende versagen – und ihrem Hirtenauftrag nicht gerecht werden, sondern sich als schlechte Hirten erweisen – da wusste sich Johann Jakob Moser von dem einen guten Hirten gehalten, geführt und getragen. Auf dem Hohentwiel im Kerker entstanden Lieder, die Jesus besingen. Eines der Gebets-Lieder dieses gelernten Juristen steht im Gesangbuch unter Nr. 591: »Großer Hirte aller Herden in dem Himmel und auf Erden, liebster Heiland Jesus Christ: Lass in diesen letzten Zeiten sich dein Reich noch mehr ausbreiten, als bisher geschehen ist.« Es ist ein Gebet voller Innigkeit und tiefer Weisheit: »Flöße frühe unsrer Jugend zu der Wissenschaft und Tugend auch noch dein‘ Erkenntnis ein; gib ihr Leben, nicht nur Wissen, und behüt vor Ärgernissen die, so um die Kinder sein. Lass dein Wort die Toten wecken und die Sicheren erschrecken; stürz die Selbstgerechtigkeit. Mach die geistlich Blinden sehend, mach die geistlich Lahmen gehend, mach dir selbst den Weg bereit.« An diesen guten Hirten dürfen auch wir uns wenden – er ist derselbe auch für uns.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Samstag, 17. April 2021

    Die Gebote des HERRN sind lauter und erleuchten die Augen. Psalm 19,9

    Vorgestern habe ich vom Stilmittel des Parallelismus membrorum in den Psalmen gesprochen. Heute haben wir wieder ein solches Phänomen: Zwei Versteile, die sich bestätigen, ergänzen und gegenseitig auslegen. Wieder steht im Losungsbüchlein nur der zweite Teil des Verses. Ich möchte ihn aber Ihnen ganz vorlesen: Die Befehle des HERRN sind richtig und erfreuen das Herz. Die Gebote des HERRN sind lauter und erleuchten die Augen.

    Es ist fast so wie zwei große Wegzeiger, die direkt übereinander stehen, damit sie ja keiner übersieht. Und beide zeigen sie in ein und dieselbe Richtung. Ja, manchmal brauchen wir Menschen es, dass man uns ein und dieselbe Sache wieder und wieder sagt. Redundanz nennt man das – wichtig auch für die Pädagogik, also in der Erziehung. Wiederholung.

    Es ist gut, wenn Menschen nach dem Willen Gottes für ihr Leben fragen. Auch in wesentlichen Lebens-Entscheidungen. Doch was Gott will, das hat er uns zuerst in seinen Geboten, in seinen Befehlen gezeigt. Gott hat nicht nur gezeigt, wer er ist. Gott hat nicht nur gehandelt und seine Menschen befreit. Er hat ihnen auch gezeigt, was gut für ihr Leben ist. Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert: Nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott. (Micha 6,8)

    Wer sich daran orientiert. Wer Gottes Weisung sucht. Wer seine Gebote hört und tut, für den sind sie wie Wegweiser in der Nacht. Erleuchtete Augen schenken sie. Das Herz erfreuen sie. Sie lassen klar sehen – und uns unsere Wege mit Gott gehen. Bleiben wir auf diesem Weg. Folgen auch wir der klaren Wegweisung dieses Wortes und der klaren Wegweisung der Gebote Gottes.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Freitag, 16. April 2021

    Nicht werde jemand unter dir gefunden, der Wahrsagerei, Hellseherei, geheime Künste oder Zauberei treibt. Denn wer das tut, der ist dem HERRN ein Gräuel. 5. Mose 18,10.12

    »Qahal« so wird die Versammlung der Glaubenden – also das Volk Israel – im Alten Testament bezeichnet. »Qahal« bedeutet: »Die Gerufene«. Gott hat Israel gerufen. Gott hat Israel heraus­gerufen. Und entsprechend heißt die Gemeinde im Neuen Testament »Ekklesia« - auch das heißt nichts anderes als »die Herausgerufene«. Gott ruft seine Menschen. Er ruft zu sich. Und zugleich bedeutet dieser Ruf ein Herausrufen aus dem alten Leben, aus dem Mainstream, aus dem, was alle anderen vielleicht gern tun oder für normal halten.

    Damals waren es die Völker, die bevor Israel kam, im gelobten Land wohnten, die auf Zeichendeuter und Wahrsager hörten. So wird es nur wenige Verse später festgestellt und dann kommt die Folgerung: »dir aber hat der HERR, dein Gott, so etwas verwehrt.« In uns Menschen steckt die Sehnsucht nach Spiritualität, nach einem Kontakt zu der unsichtbaren Welt. Wir ahnen, dass es da etwas geben muss, aber wir wissen es nicht genau. Und so haben Menschen nach Mitteln und Wegen gesucht, um Kontakt zu dieser unsichtbaren Welt aufzunehmen: um die Zukunft vorher­zusagen, um für sich und ihre Lieben sich Schutz zu verschaffen – was auch immer.

    Wahrsagerei, Hellseherei blühen bis heute. Denn die Sehnsucht der Menschen nach dem Kontakt zum Übersinnlichen ist vorhanden. Dir aber hat der HERR, dein Gott, so etwas verwehrt. Das gilt für die Qahal – die Herausgerufene des Alten Testaments genauso wie für die Ekklesia, die Herausgerufene des Neuen Testaments. Ihr tappt nicht im Finstern, ihr stochert nicht im Trüben. Euch hat sich der einzige und wahre Gott zu erkennen gegeben. Ihr kennt seinen Willen. Ihr kennt seine Absicht. Ihr habt seine Liebe und Treue erfahren. Ihr kennt die Adresse, an die ihr euch mit allen Fragen, Sorgen und Belangen wenden könnt: Es ist der HERR unser Gott. Es ist unser Herr Jesus Christus. Er allein genügt. Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir – so hat Augustin gebetet. Und das gilt bis heute. Bei ihm – und bei ihm allein – haben wir die Fülle.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Donnerstag, 15. April 2021

    Fröhlich lass sein in dir, die deinen Namen lieben!        Psalm 5,12b

    Sicher ist Ihnen auch schon mal aufgefallen, dass in den Psalmen oft ein und dieselbe Sache mit etwas anderen Worten ausgedrückt wird – und die Formulierungen oft direkt hintereinander, manchmal sogar in einem Vers stehen. So ist es auch im 12. Vers des 5. Psalms. Nur der zweite Teil steht im Losungsbüchlein. Doch der erste Teil vervollständigt den sog. Parallelismus membrorum, wie man dieses Stilmittel nennt. Und inhaltlich legen sich die beiden parallelen Teile gegenseitig aus: Wie drückt sich denn das Fröhlichsein aus? Was heißt das: deinen Namen lieben? Worüber dürfen sie sich denn freuen? All diese Fragen tauchen beim Nachdenken über das Losungswort auf. Und im Parallelismus – sprich: im ganzen Vers finden wir wesentliche Antworten:

    Lass sich freuen alle, die auf dich trauen; ewiglich lass sie rühmen, denn du beschirmst sie. Fröhlich lass sein in dir, die deinen Namen lieben! Ja, die Bibel legt sich selber aus. Sogar eine Vershälfte kann uns entscheidende Auslegungshilfe für die andere Vershälfte sein. Gott geht es immer ums Ganze. Ewiglich soll die Freude sein. Nicht bloß kurz, nicht bloß ein Blitzlicht, das hin und wieder aufleuchtet. Und sie kommt aus einer tiefen Geborgenheit bei Gott: Du beschirmst sie. Auf Gott ist Verlass. Er wird uns nicht immer vor allen Schwierigkeiten und Problemen bewahren. Aber er wird uns in allem, was uns widerfährt bewahren. Auf Gott vertrauen und seinen Namen lieben – das ist eins. Das gehört zusammen. Es hat wesentlich etwas mit dem Beten zu tun. Dass wir uns ganz vertrauensvoll immer wieder an Gott wenden und dann getröstet werden, innerlich mit einer Freude erfüllt, weil er treu ist und uns zum Ziel bringt.

    „In dir ist Freude in allem Leide, o du süßer Jesus Christ. … Wenn wir dich haben, kann uns nicht schaden Teufel, Welt, Sünd oder Tod; du hast’s in Händen, kannst alles wenden, wie nur heißen mag die Not. Drum wir dich ehren, dein Lob vermehren mit hellem Schalle, freuen uns alle zu dieser Stunde. Halleluja. Wir jubilieren und triumphieren, lieben und loben dein Macht dort droben mit Herz und Munde. Halleluja.“ (Cyriakus Schneegaß 1598; EG 398,1.2)  

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Mittwoch, 14. April 2021

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

     

    „Der HERR hatte sie fröhlich gemacht,“ lautet die Tageslosung heute, der Vers steht im 6. Kapitel des Buches Esra im Alten Testament. Nun, dieser einzige kurze Satz ist doch ein bisschen arg wenig, um zu verstehen, das ist so, wie wenn jemand sagt: ich erzähle Dir ein Märchen der Brüder Grimm und dann kommt der eine Satz: „Und sie lebten glücklich bis an das Ende ihres Lebens.“ Das ist doch keine Geschichte! Und das gleiche gilt natürlich für den einen Satz heute: „Der HERR hatte sie fröhlich gemacht.“ Ja wen? Und warum? Und warum waren sie vorher nicht fröhlich? Wenn uns so ein kurzer Vers neugierig macht auf die ganze biblische Geschichte, ist das gut! Also: lesen Sie die ersten sechs Kapitel im Buch Esra am Stück, dann verstehen Sie unseren Vers heute.

     

    Ich will Sie jetzt aber natürlich nicht einfach mit Lese-Hausaufgaben wieder fortschicken und Ihnen wenigstens kurz sagen, um was es in der Geschichte geht: Das Volk Israel durfte nach der babylonischen Gefangenschaft nach Jerusalem zurückkehren. Ein persischer König selbst hatte ausdrücklich den Wiederaufbau des Tempels dort erlaubt und sogar verfügt, dass dieser Bau von öffentlicher Seite aus unterstützt und die Kriegsbeute aus dem Tempel zurückgegeben würde. Die Juden starteten mit dem großen Projekt des Tempelaufbaus. Leider wechselte der König, was für Feinde der Juden Anlass war, den Tempelbau stoppen zu lassen durch allerlei hinterhältige Umtriebe. Sie waren zunächst erfolgreich, bis der neueste König den Erlass seines Vorgängers fand, der den Tempelbau unterstützen wollte. Und so bekamen die Juden für ihr Bauprojekt neue Unterstützung und konnten das Gotteshaus fertigstellen, die Gegner hatten keine Handhabe mehr.

     

    Schließlich konnte im wieder aufgebauten Tempel das Passafest gefeiert werden. Und nun heißt es: „Sie hielten das Fest der Ungesäuerten Brote sieben Tage lang mit Freuden, denn der Herr hatte sie fröhlich gemacht und das Herz des Königs von Assur ihnen zugewandt, dass sie gestärkt würden zur Arbeit am Hause Gottes, des Gottes Israels.“ Wie gesagt: die ganze sehr ermutigende Geschichte lesen Sie in den ersten sechs Kapiteln des Buchs Esra.

     

    Wir erkennen in der Geschichte: Gott handelt, er ist stärker als jeder Gegner Israels, er hat das Herz von Königen, von Machthabern bewegt. Er hat sein Volk nicht im Stich gelassen. Er hat es zur Freude geführt und zwar aus Umständen heraus, die menschlich gesehen aussichtslos waren.

     

    Die Mutmachgeschichten der Bibel stehen nicht nur einfach für sich da. Sie laden ein, zu staunen über diesen Gott, der seine Leute nicht im Stich lässt. Sie laden ein, ihm zu vertrauen, dass er heute kein anderer ist und genauso zu uns steht.

     

    Einen guten Tag!

     

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • addAndacht für Dienstag, 13. April 2021

    Wasche dein Herz von der Bosheit, auf dass dir geholfen werde. Wie lange wollen bei dir bleiben deine heillosen Gedanken?                                                       Jeremia 4,14

    »Bella figura« sagen die Italiener, wenn es um ihr Erscheinungsbild geht. Sie sind elegant gekleidet. In Sachen Mode macht den Italienern so schnell niemand etwas vor. Wir pflegen unseren Körper, wollen auch auf andere schön wirken, schauen in den Spiegel. Ein ganzer Industriezweig, die Schönheitsindustrie lebt davon.

    Doch viel wichtiger ist unserem Gott, wie es in uns drin aussieht, in unserem Herzen. Ein Fenster­putzer stand vor dem Schaufenster und schrubbte und schrubbte, um einen hässlichen Fleck auf der Scheibe wegzukriegen. Ein Junge sah ihm zu und grinste. Irgendwann ging dem Fensterputzer das auf die Nerven und er fragte gereizt: »Warum grinst du denn so blöd?« Worauf der Junge sagte: ich will nur sehen, wie lange Sie brauchen, um zu merken, dass der Fleck innen sitzt.

    Der Fleck sitzt auch bei uns innen. In unserem Herzen. In unseren Gedanken. Da brauchen wir Reinigung. Da brauchen wir Veränderung. Echte Erneuerung. Echte »bella figura« des ganzen Menschen gibt es nur dort, wo wir Gott an unser Herz heranlassen. Wo wir vor ihm ehrlich sind, ganz ehrlich: Ihm unsere Sünde bekennen und umkehren in seine offenen Arme. Keine Erneuerung ohne Buße, ohne echte und ernste Umkehr.

    Und Martin Luther hatte völlig recht: Das ist nicht eine einmalige Sache, nicht eine Sache, die man nur einmal im Jahr macht – so wie manche nur einmal im Jahr zum Abendmahl gehen – sondern die ich genau wie den Griff zur Seife und den Blick in den Spiegel jeden Tag neu brauche. Unser ganzes Leben soll Buße, Umkehr zu Gott sein. Nicht griesgrämig, sondern fröhlich: Weil Gott uns nämlich die Schuld abnehmen will, weil er uns seine Gedanken und seinen Heiligen Geist schenken will. Buße ist eine Lebensaufgabe. Und Buße ist ein fröhliches Geschäft. Dabei bleibt’s

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Montag, 12. April 2021

    Das soll mein Ruhm und meine Wonne, mein Preis und meine Ehre sein unter allen Völkern auf Erden, wenn sie all das Gute hören, das ich Jerusalem geben will.                 Jeremia 33,9

    Die Welt staunt über Israel. Während wir in Sachen Corona-Impfung von einem Problem ins andere stolpern und die Kampagne nicht so richtig Fahrt aufnehmen will, ist man in Israel durch – hat die Bevölkerung durchgeimpft. Die Welt staunt über Israel.

    Und sie wird noch mehr staunen. Das stellt Gott durch dieses durch Jeremia vermittelte Propheten­wort in Aussicht. Dann nämlich, wenn man nicht nur das politische Geschick, den Mut und die Entschlossenheit von Menschen in der Krise bestaunen wird, sondern die Güte und Treue Gottes. Sie gilt dem Volk Israel, dem jüdischen Volk in besonderer Weise. Allein dass ein Volk sich trotz 2.000 Jahren ohne eigenen Staat sich seine Identität bewahren konnte, ist einmalig in der Weltgeschichte. Kein anderes antikes Volk ist heute noch in dieser Form existent. Und was hat dieses Volk in dieser Zeit nicht alles erduldet. Sie wurden als Fremdkörper ausgegrenzt, verachtet. Man hat ihnen Steine in den Weg gelegt, Verbote auferlegt und im 3. Reich aufs Furchtbarste versucht, sie mit industrieller Präzision zu vernichten. Was für Verbrechen musste dieses Volk nicht alles erdulden.

    Und doch sind sie noch da. Zufall? Nein, Zeichen der Treue Gottes. Modell für alle Völker. Gott will nämlich alle. Er will allen Gutes tun, er lädt durch Jesus Christus alle ein, in den Bund mit ihm einzutreten. Ja, er nimmt Schuld und Sünde ernst. Davon ist in diesem Kapitel auch die Rede. Ja, es gibt auch ein Gericht Gottes, sein klares Nein zur Sünde. Aber seine Freude, seine Wonne, ist ihnen – und allen Menschen – Gutes zu tun. Zu retten, zu heilen, aufzubauen und heimzubringen. Und darüber müssen wir wieder neu das Staunen lernen. Die Welt staunt über Israel. Wir staunen über unseren großen Gott, der seinem Volk Israel – und uns – die Treue hält.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 05.04. bis 11.04.

  • addAndacht am Sonntag Quasimodogeniti, 11. April 2021 zum Wochenspruch:

    Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. (1. Petrus 1,3)

    Gott fängt noch einmal ganz neu mit uns an. So kann man das Wort »wiedergeboren« im christlichen Sinn verstehen. »Wiedergeboren« nicht im Sinne der fernöstlichen Lehre der Seelenwanderung. Die ist der Bibel fremd. Da lesen wir: Es ist dem Menschen gesetzt, einmal zu sterben, danach das Gericht. Also nicht ein Leben nach dem andern, in immer neuen Einkörperungen – so muss man das Fremd­wort »Reinkarnation« nämlich übersetzen. Sondern ein Leben, mit klarem Anfang und Ende. Zielgerichtet. Einmalig – und deshalb von besonderem Gewicht und von besonderer Würde. Jedes einzelne Leben ist einmalig und hat eine besondere Würde. Nicht nur meins, sondern auch das des Nächsten.

    Und: Ich muss nicht selber wieder gut machen, was ich falsch gemacht habe. Ich kann es nämlich gar nicht. Sondern: das macht unser Vater im Himmel, der ein barmherziger Vater ist. Der uns nicht festnagelt auf unsere Schuld. Nein, Gott geht einen ganz anderen Weg: Er hat unsere Schuld auf Jesus gelegt und sie dort am Kreuz seines Sohnes festgenagelt. Jesus stirbt unseren Tod, nimmt unsere Schuld auf sich, trägt unsere Strafe – und lässt uns mit ihm noch einmal ganz neu anfangen. Wo ein Mensch das mit seinem Herzen begreift, und es für sich ganz persönlich gelten lässt, da redet die Bibel von »Wiedergeburt«.

    Wer so wiedergeboren ist, wem Jesus seine Schuld vergeben hat, der hat eine Hoffnung auch über dieses Leben auf der Erde hinaus – auch über den Tod hinaus. Denn so wie Jesus auferstanden ist und lebendig geworden ist – so sollen und werden auch wir, die wir durch ihn von Neuem geboren sind, auferstehen und leben. Und deshalb gilt auch für uns: Gelobt sei Gott.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Samstag, 10. April 2021

    Verwirf mich nicht in meinem Alter, verlass mich nicht, wenn ich schwach werde.   Psalm 71,9

    Gegen fast alle Eventualitäten sind wir versichert: Wir betreiben Altersvorsorge. Es gibt eine Krankenversicherung, eine Zahnersatzversicherung, eine Pflegeversicherung – damit wir mit möglichst wenig Schaden durch die Zeit und besonders auch durchs Alter kommen. Doch all diese Sicherheiten, die wir da einkaufen können, haben zwei große Nachteile: (1) Sie decken nur den finanziellen, wirtschaftlichen Bereich ab. Sie sind der Versuch, möglichst wenig vom Ersparten durch Krankheit oder Alter zu verlieren – mehr aber nicht. (2) Und: Sie sind keine Garantie, sondern nur eine Absichtserklärung. In den letzten Jahrzehnten haben wir genügend Unwägbarkeiten erlebt, die alles, was bis dahin sicher und unumstößlich schien, ins Wanken gebracht haben. Und die Generationen vor uns haben es noch krasser erlebt: Wenn das komplette Ersparte in einer Inflation zunichte gemacht wird – oder durch eine Währungsreform oder den Lastenausgleich nach dem Krieg.

    Was ist die Quintessenz dieser Beobachtungen: Das, was wir an vermeintlicher Sicherheit uns aufbauen oder einkaufen können, das reicht nicht. Wir brauchen mehr, viel mehr. Der Psalmbeter hat erkannt: was ich im Tiefsten und Innersten brauche – im Alter, aber genauso schon in jungen Jahren – ist die Nähe meines Gottes. Dass Gott mich nicht zum alten Eisen wirft, dass er mich nicht in Rente schickt – das bezeugen viele Lebensgeschichten, von denen uns die Bibel berichtet. Abraham – mit 75 beginnt seine Geschichte mit Gott erst. Mose: 40 Jahre verschwindet der hoffnungsvolle junge Mann in der Versenkung in der Wüste Midians, bis Gott ihn als 80jährigen beruft.

    Ja, auch junge Menschen werden alt. Ja, auch starke Menschen werden schwach. Hier ist einer, der das nicht verdrängt und nicht einfach ignoriert, sondern ins Auge fasst. Und darum brauchen wir ihn, unseren Gott, der uns im Alter die Treue hält und der uns in unserer Schwachheit immer noch seine Stärke, und sei sie vielleicht nur innerlich und nur ab und zu schenkt. Mit Gott – und mit Gott allein – sind wir gut auf das Alter und auf das Schwächerwerden vorbereitet. Er lässt uns nicht los.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Freitag, 9. April 2021

    Christus spricht: ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

    In dieser Woche möchte ich an fünf Tagen und in fünf Teilen über diesen Bibelvers nachdenken: Heute über die Worte: Ich habe die Schlüssel…

    Als Martin Luther im Kleinen Katechismus das Glaubensbekenntnis auslegte, da war ihm ein Wort besonders wichtig: Ich glaube, dass Jesus Christus wahrhaftiger Gott von Ewigkeit geboren, und auch wahrhaftiger Mensch von der Jungfrau Maria geboren, sei mein Herr. Das ist das alles Entscheidende, dass Jesus mein Herr ist, dass ich ganz persönlich zu ihm gehören.

    Dass Jesus lebendig ist von Ewigkeit zu Ewigkeit, dass er auferstanden ist, dass er die Schlüssel des Todes und der Hölle hat, das hat ganz zweifelsohne fundamentale Bedeutung für den ganzen Kosmos. Damit steht alles in einem anderen Licht.

    Aber zur tröstenden und zur tragenden Botschaft für mich wird das Evangelium erst, wo ich erkenne:

    Das ist für mich geschehen. Das ist er für mich: für mich war er tot, damit ich nie mehr allein sein muss – auch nicht im Sterben und im Tod. Für mich aber wurde er lebendig – damit ich mit ihm in einem neuen Leben leben kann: heute schon und dann einmal in seiner Herrlichkeit. Für mich hält er die Schlüsselgewalt des Todes und der Hölle: Um mich aus dem Tod und von der Hölle zu erretten.

    Sein Platz ist in der Ewigkeit Gottes – er lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Und dort will er auch uns bei sich haben. Er ist der Herr, dem alle Macht gegeben ist, dessen Name über allen Namen ist. Und er will seine Macht einsetzen mir zum Heil. Jesus lebt!

    Darum steht auch mein Leben in einem anderen Licht. Jesus ist der Sieger! Und verbunden mit ihm stehen auch wir auf der Siegerseite.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Donnerstag, 8. April 2021

    Ich grüße Sie mit dem Wochenspruch, der über der Osterwoche steht: Christus spricht: ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

    In dieser Woche möchte ich an fünf Tagen und in fünf Teilen über diesen Bibelvers nachdenken: Es ist eine Siegesbotschaft. Eine einmalige Siegesbotschaft. Doch man muss nicht in Siegerlaune sein, um es hören und fassen zu können. Ursprünglich ist es nämlich mitten hinein gesprochen in notvolle Erfahrungen. Es ist an die Gemeinde Jesu Christi gerichtet, die es schwer hat in dieser Welt. Die angefeindet wird, die beäugt wird, der misstraut wird, die benachteiligt und verfolgt wird.

    Johannes, der Seher, der uns diese Worte vermittelt, ist auf der Insel Patmos in Verbannung. Weit weg von seinen Gemeinden in Kleinasien. Wie viel Sorge, wie viel Angst diese Christen umgetrieben hat, können wir uns kaum vorstellen. Da war nicht die Perspektive – wie bei uns – dass die Ausnahmesituation, bei uns aufgrund einer Infektionskrankheit, nach ein paar Wochen wieder in Richtung Normalität sich auflösen wird.

    Doch auch wir kennen Nöte. Unsere Not mag anders aussehen – in unserem ganz persönlichen Leben, in den Sorgen, die uns umtreiben – um uns selber oder um andere Menschen; in den Fragen, die uns quälen; in all dem, was wir nicht ändern können.

    Gerade da hinein. Gerade hinein in unsere Sorge, in unsere Angst, in unsere Traurigkeit, in unsere Einsamkeit, in unsere Resignation und Hoffnungslosigkeit will unser Herr auch bei uns dieses Wort sprechen: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

    Dieses Wort gilt – und es ist stärker als alles, was sonst in unserem Leben seine Gültigkeit beanspruchen kann. Mit ihm dürfen wir rechnen. An ihn wollen wir uns hängen, mit ihm reden – im Gebet – und auf ihn vertrauen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Mittwoch, 7. April 2021

    Liebe Anruferin, lieber Anrufer,

     

    „Er hat die Sünde vieler getragen, und für die Übeltäter trat er ein,“ so wird der Retter in Jesaja 53 (Vers 12) beschrieben, heute unser Losungsvers. Und dazu als zweiter Vers passend die Aufforderung von Jesus aus Lukas 6: „Segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen“ (Lukas 6,28). Jesus hat seinen Verfolgern vergeben, denen, die ihn ans Kreuz brachten. Uns fordert er auf, ebenso zu handeln. Das ist etwas, was sich wie eine Linie durch die Verkündigung von Jesus zieht – er fordert seine Nachfolger immer wieder auf, gleich zu handeln und zu leben wie er. Jesus stellt sich nicht als einer dar, der in einer anderen Liga spielt als wir, auch wenn wir das denken mögen. Er kommt auf unsere Ebene – und ermutigt und fordert uns dann auf, seinem Beispiel zu folgen.

     

    Ganz bestimmt sehen wir uns mit dem, was uns Jesus zumutet, immer wieder überfordert. Mit dem Vers heute ist das sicherlich der Fall. Ist das, was er verlangt, nicht zu groß, zu schwierig und überfordert uns? Feinden vergeben? Denen, die mir Böses tun, ihr Handeln nicht nachzutragen? Jesus, das ist doch eine Nummer zu groß für mich!

     

    Ja, das darf ich ihm sagen. Er hört mir zu. Schaut mich an. Und erinnert mich mit seinem Blick daran, woran wir uns in diesen Tagen eben erst erinnert haben – an SEIN Leiden und Sterben. Daran, dass er sich uns und mir zugewendet hat, wo ich nicht nach ihm fragte. Und das immer wieder tut, wo ich eigenen Wege gehe und damit eher sein Feind als sein Freund bin. Er verzeiht, vergibt mir auch da – erweist mir seine Liebe. Und stößt mich an, nun auch ebenso zu handeln. Denken wir an das Vater unser, wo es heißt: „Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“ Wie oft haben wir das schon gebetet, vermutlich nicht zu Unrecht so oft, denn es fällt uns eben schwer.

     

    Es gehört untrennbar und geheimnisvoll zusammen – die Vergebung, dich ich immer wieder brauche – und die Vergebung, die mein Nächster immer wieder von mir braucht. Wo ich dem anderen nicht vergeben kann oder will, habe ich selbst die Vergebung für mich nicht wirklich verstanden – oder ich achte sie gering. Mit einer Gleichnisgeschichte, die Sie bestimmt kennen, machte Jesus einmal deutlich, wie traurig das ist, wenn wir selbst für uns Barmherzigkeit suchen, sie anderen aber kleinlich verweigern.

     

    „Er hat die Sünde vieler getragen, und für die Übeltäter trat er ein.“

    Deshalb: „Segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen.“

     

    Ich wünsche uns, dass uns heute Gottes Liebe und Barmherzigkeit so überwältigt, dass auch wir barmherzig sein können!

     

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • addAndacht für Dienstag, 6. April 2021

    Christus spricht: ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

    In dieser Woche möchte ich an fünf Tagen und in fünf Teilen über diesen Bibelvers nachdenken: Heute über die Worte: Ich war tot.

    „ich war tot“ sagt Jesus – das heißt doch: er kennt die Not des Sterbens. Er kennt das Leid des Todes – aus eigener Erfahrung. Und darum kann er uns verstehen, wenn wir bedrängt sind von dieser Macht des Todes. Wenn wir uns verloren vorkommen, einsam, machtlos dem Sterben gegenüber. Wenn wir Angst vor der Einsamkeit haben, wo wir einen lieben Menschen hergeben müssen. Wenn die Trauer nach uns greift.

    Da will uns unser Herr nahe sein, uns festhalten, uns Geborgenheit in seiner Nähe schenken. Er kann uns verstehen und er ist bei uns. Gerade in der Todesnot. Gerade in der Trauer, wo unsere menschlichen Hände einander loslassen müssen. Ich war tot!

    Der Hebräerbrief drückt es so aus: Wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte mit leiden, sondern der versucht worden ist in allem wie wir – doch ohne Sünde. In allem hat er unsere Belastungen erlebt, unsere Not: im Leiden, in der Einsamkeit, im Sterben und im Tod.

    Und er hält uns fest, er bleibt uns zur Seite stehen – in den großen und kleinen Nöten unseres Lebens. Ja, er bleibt uns an der Seite auch noch im Sterben und im Tod. Seine Hände lassen nicht los.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Ostermontag, 5. April 2021

    Ich grüße Sie mit dem Wochenspruch, der über der Osterwoche steht: Christus spricht: ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

    In dieser Woche möchte ich an fünf Tagen und in fünf Teilen über diesen Bibelvers nachdenken: Heute über die Worte: Und siehe, ich bin lebendig.

    Was für ein Kontrast – Tod und Leben. Normalerweise kennen wir nur die umgekehrte Reihenfolge: Aus lebendig wird tot. Und siehe! Sagt Jesus.

    Er möchte uns einen Blickwechsel schenken. Ja, wir alle kennen Krankheit und Sorge. Ja, wir alle erleben Einsamkeit. Ja, wir alle wissen um die Macht des Todes. Gerade da, wo unser Herz mit Angst, Sorge und Traurigkeit erfüllt ist, gerade da sagt er: und siehe!.

    Er lädt uns ein, das andere zu sehen – ihn, unseren Herrn, der den Tod hinter sich gelassen hat, der lebendig ist. Er möchte, dass wir ihn auch sehen als den, der nun über alles erhoben ist und der uns zu sich ziehen will.

    Wie hat diese Botschaft die beiden Emmausjünger verändert. Die Botschaft, dass er lebt! Dass er stärker ist als der Tod! Dass er stärker ist als alle Mächte, die unser Leben bedrohen.

    Aus traurigen und resignierenden Jesusleuten wurden zwei Bekenner, die sich am Abend noch einmal auf den Weg machten, um die frohe Botschaft, dass er lebt, weiterzusagen.

    Ich wünsche uns, dass auch wir immer wieder neu von dieser Botschaft nicht nur mit dem Verstand, sondern im Herzen gepackt sind: Jesus ist lebendig! Jesus ist da! Und er hält uns fest.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 29.03. bis 04.04.

  • addAndacht für Ostersonntag, 4. April 2021

    Christus spricht: ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle. (Offb 1,18)

    An Ostern feiern wir Christen unseren einzigartigen Herrn. Unsern Herrn, der aus der ewigen Welt Gottes zu uns Menschen kam. Der ganz Gott ist und doch ganz einer von uns wurde – aus Liebe zu uns und für uns. Unseren Herrn, der am Kreuz von Golgatha gestorben ist – aus Liebe zu uns und für uns. Unseren Herrn, der wie wir einmal ins Grab gelegt wurde, den man beweinte, wie wir unsere Lieben beweinen, die uns der Tod genommen hat.

    Wir feiern unseren Herrn, weil er nicht im Tod geblieben ist, weil er auferstanden ist, weil er lebt. Ja, weil er der Herr ist, der Sieger über Hölle, Sünde, Tod und Teufel. Er ist stärker als alle Mächte der Finsternis, als alle Gewalten in der sichtbaren und der unsichtbaren Welt.

    Das ist es, was unseren Herrn Jesus Christus so einzigartig macht. Kein anderer kann das von sich sagen, was er uns bezeugt: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

    Einzigartig ist er – einzigartig, was er errungen hat. Doch er will nicht der Einzige bleiben, über den der Tod keine Macht mehr hat. Er zieht auch uns zu sich. Er verspricht auch uns: Ich lebe und ihr sollt auch leben. Er gibt uns teil an seinem Sieg.

    Seit er vom Tod auferstanden ist, hat der Tod nicht mehr das letzte Wort. Auch nicht über unserem Leben. Vielmehr gilt, was der Liederdichter singt: »Jesus lebt, mit ihm auch ich!«. Mit dieser Botschaft wünsche ich Ihnen von Herzen ein frohes und gesegnetes Osterfest. Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Samstag, 3. April 2021

    So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.                         Johannes 3,16

    Die Ostervorbereitungen laufen auf Hochtouren. Auch wenn es auch in diesem Jahr mit den Begegnungen in der Familie noch nicht so sein wird, wie wir es uns wünschen: Die Ostereier sind gefärbt, die Osterhasen gebacken oder gekauft, die Osternester und Ostergeschenke besorgt und bereit zum Verstecken. Ostern – genau wie Weihnachten – ist eine Zeit des Schenkens. Geschenke kommen von Herzen sagen wir. Und nicht wenige messen daran die Liebe: Was bekomme ich geschenkt?

    Gott hat an Karfreitag einen ganz anderen Maßstab der Liebe gesetzt: Niemand hat größere Liebe als der, der sein Leben hergibt für seine Freunde. Ihr seid meine Freunde. So hat es Jesus gesagt. Im Tiefsten misst sich Liebe an der Opferbereitschaft: Was bin ich bereit für einen anderen herzugeben, aufzugeben.

    Gott gibt das Beste, das Liebste, was er hat, für uns her. Er gibt seinen Sohn. So sehr hat Gott die Welt geliebt. So sehr sind wir geliebt. Es geht kein Mensch über diese Erde, dem diese Liebe Gottes, diese tiefe Sehnsucht nach uns, nicht gelten würde. Wer sich fragt, ob Gott uns denn liebt – ob das denn ein Gott der Liebe sein kann, der so vieles, was wir nicht einordnen können, zulässt – der schaue auf den gekreuzigten Christus. DA sehe ich Gottes Opferbereitschaft. Da sehe ich Gottes Hingabebereitschaft für mich. Da sehe ich seine Liebe. Wir sind geliebt. Das ist und bleibt die tiefe Botschaft von Karfreitag. Gott sehnt sich nach uns und möchte mit uns leben.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • addAndacht für Karfreitag, 2. April 2021

    Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.          Johannes 3,16

    Was für ein Schmerz! Immer wieder, wenn sie das Bild an der Wand sah, das einen jungen Mann in einer Weltkriegsuniform zeigt, gab es der alten Frau einen Stich ins Herz. Er war ihr Sohn. Ihr Einziger. Und der ist im Krieg geblieben. Nur die Erinnerung und das Bild an der Wand sind ihr geblieben.

    Was für ein Schmerz! Es gibt wohl keinen größeren Schmerz für Eltern als eines ihrer Kinder herzugeben. Gott geht es wie uns! Er hat auch seinen Sohn hergegeben, seinen einzigen. Nicht aus Zwang, weil das Kreiswehrersatzamt und die Wehrmacht es bestimmte, sondern aus Liebe. Aus Liebe zu uns. Um uns zu retten, um uns ewiges Leben zu geben, um uns zu Gottes Kindern zu machen. All das bewirkt das Sterben am Kreuz des Einen.

    In Jesus Christus steht für uns alle fest: Gott lässt uns nicht fallen. Gott will retten. Gott fängt uns auf. Ein Haus stand lichterloh in Flammen. Unten standen die verzweifelten Eltern, die noch ihren Fünfjährigen vermissten. Die Nachbarn verwehrten ihnen energisch den Zugang – viel zu gefährlich. Da öffnete sich oben ein Fenster. Das Kind, das nur Rauch und Flammen sah, schrie um Hilfe. Der Vater rief ihm zu: „Spring, ich fange dich auf!" „Vater, ich sehe dich nicht!" „Aber ich sehe dich, und das genügt, spring!" Und das Kind springt und findet sich heil und gesund in den Armen des Vaters wieder.

    Nein, wir müssen Gott nicht bis Letzte verstehen. Doch in dem Gekreuzigten, da ist er für uns da – und da lädt er auch uns ein: Spring, vertraue mir. Ich sehe dich mit den Augen meiner Liebe. Das genügt, spring! Alle, die an ihn glauben, gehen nicht verloren. Das gilt.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • addAndacht für Gründonnerstag, 1. April 2021

    Er hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder, der gnädige und barmherzige HERR.

    Psalm 111,4

    Die Erinnerung verblasst. In der Kirche meiner vorigen Gemeinde, in Wittendorf war eine Gedenk­tafel an die Gefallenen des ersten Weltkriegs genau gegenüber dem Altar angebracht. Dort waren ihre Namen eingraviert. Man hatte vielleicht auch noch das eine oder andere Foto von ihnen in einem Album. Doch die Menschen selbst kannte man nur noch vom Hörensagen, von der Erzählung der Eltern oder Großeltern. Noch weiter zurück, wenn man die Kirchenbücher aufschlägt, verbindet uns mit ihnen höchstens noch der Familienname und die Tatsache, dass wir mit ihnen verwandt sind. Wie sie gelebt haben, was sie geredet, was sie ausgemacht hat, ist längst dem Vergessen anheimgefallen.

    Doch ein Gedächtnis ist nicht vergessen: Das tut zu meinem Gedächtnis sagt Jesus, als er mit seinen Jüngern das Abendmahl feiert und es einsetzt. Brot und Wein deutet er auf seinen Leib und Blut. Auf das, was er für uns hergibt. Es geht um das Gedächtnis von Jesus: was er getan hat. Um die Erinnerung an sein Leiden und Sterben. Und zugleich geht es darin um uns: Was das für uns bedeutet: Gott ist es, der in dem gekreuzigten Jesus Christus wirkt. Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selbst – schreibt Paulus. Das hat zutiefst etwas mit uns zu tun, was Jesus getan hat. Da erleben wir Gott, den wir oft nicht verstehen, wie er es im Tiefsten seines Herzens mit uns meint. Der 111. Psalm nennt ihn zurecht den gnädigen und barmherzigen HERRN. Wer über den Rätseln seines Lebens und über den Rätseln dieser Welt an Gottes Güte zweifelt, der schaue dorthin, wo Gott uns sein Gesicht gezeigt hat, sein wahres Gesicht: In Jesus Christus, dem gekreuzigten Sohn Gottes. So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn dahingab. Da steht es unumstößlich für uns fest: Gott ist uns um Jesu Christi willen gnädig. Durch ihn gilt auch uns seine Barmherzigkeit.

    Die Botschaft, das Evangelium von Gottes Liebe in Jesus Christus und das Abendmahl, das wir bis heute – und bald hoffentlich auch wieder ohne Einschränkung – feiern dürfen, erinnern uns daran und bezeugen und bestätigen es uns: Es gilt auch dir und mir.

    Pfarrer Andreas Streich

     

     

  • addAndacht für Mittwoch, 31. März 2021

    Liebe Anruferin, lieber Anrufer,

     es gibt eine ganze Reihe unterschiedlicher Übersetzungen des hebräischen Alten Testaments in unsere deutsche Sprache. Es ist immer wieder interessant und lohnend, die gleichen Verse, die gleichen Texte in unterschiedlichen Übersetzungen zu lesen. Jede hat eine bestimmte Nuance und wirft ein eigenes Licht auf die biblische Aussage. Der Vers aus Sprüche 23, der im Losungsbüchle für heute steht, macht das deutlich. Er stammt aus der Züricher Bibelübersetzung und gibt den weisen Ratschlag: „Dein Herz eifre nicht gegen die Sünder, sondern jederzeit nach der Furcht des Herrn“ (Sprüche 23,17). Die Aussage hier also: Rege Dich nicht über das auf, was andere Böses tun, sondern schau, dass Du selbst nach Gottes Willen lebst. Etwas platt ausgedrückt: Kehre vor Deiner eigenen Haustür.

    Die Lutherbibel übersetzt den Vers so: „Dein Herz sei nicht neidisch auf den Sünder, sondern trachte täglich nach der Furcht des Herrn.“ Hier mahnt der Satz also, nicht auf den vermeintlichen Erfolg von Menschen neidisch zu sein, die ganz nach ihrem eigenem Willen leben – sondern auf Gott ausgerichtet zu sein, ganz egal, ob das vordergründig etwas bringt oder nicht.

    Der gleiche Vers mit zwei recht unterschiedlichen Akzenten in zwei Übersetzungen! Das Wesentliche jedoch ist bei beiden Übersetzungen gleich: Sie ermutigen, den Lebensblick auf unseren Herrn und Retter zu richten und uns von nichts abhalten zu lassen. Nicht von der Bosheit anderer und dem Schlimmen, was weltweit passiert, das uns ja geradezu magisch anziehen, in einen bösen Bann ziehen kann. Auch nicht von tollen menschlichen Erfolgen, die uns zu Neid verleiten und dazu, unsere Lebensenergie für Zweitrangiges zu verschwenden.

     

    Wir haben Tage vor uns, die uns helfen wollen, unseren Blick neu und ganz auf Jesus zu richten. An Gründonnerstag erinnern wir uns an Jesus, der mit seinen Jüngern das Abendmahl feiert, ganz für sie da ist, sie stärkt, Gemeinschaft mit ihnen hat. Er ist der Mittelpunkt.

    An Karfreitag sehen wir Jesus am Kreuz. Er ist diesem schwersten Weg nicht ausgewichen, er ging seinen Weg der Wahrheit und der Liebe zu uns Menschen weiter, obwohl ihn das das Leben kostete.

     

    An Ostern sehen wir ihn im Garten vor dem leeren Grab. Er ist das Leben. Er hat den Tod überwunden. Spätestens da fällt es uns leicht, unseren Blick ganz auf ihn zu richten, auf ihn zu schauen. Da verblasst alles das, was wir sonst für so wichtig halten und unsere Blicke auf uns ziehen will.

     

    Ich wünsche Ihnen gesegnete Tag bis Ostern und über Ostern!

     

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • addAndacht für Dienstag, 30. März 2021

    Uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ist auf seiner Schulter.

    Jesaja 9,5

    Ein kleiner Junge erwacht aus dem Schlaf. Der Vater hat ihn geweckt, weil er eine wichtige Botschaft für ihn hat: »Du hast heute Nacht ein Brüderchen bekommen!« verkündet der Vater ihm. Wenig später steht der kleine Junge an der Wiege und darf hineinschauen. Und durch sein Herz zieht eine tiefe Liebe zu diesem kleinen Brüderchen.

    In diesen Tagen kommen vielleicht auch andere Gedanken dazu: »Jetzt bin ich nicht mehr der Einzige. Jetzt muss ich alles mit dem da teilen! Will ich das wirklich? Nein, eigentlich nicht.« Die Jahre fliegen dahin. Liebe und Abneigung gegen den Bruder, der auch größer wird, streiten miteinander. Doch eines wird sich niemals ändern, ob der kleine Junge von damals seinen Bruder liebt oder ablehnt: er bleibt sein Bruder.

    Uns ist ein Kind geboren verkündet Jesaja. Das Kind heißt Jesus. Der Sohn Gottes ist unser Bruder geworden. Jedes Weihnachten führt es uns vor Augen, wenn wir das Kind in der Krippe sehen. In unserer Kirche ist es im Kirchenfenster das ganze Jahr über präsent.

    Uns allen geht es ein Stück weit wie dem kleinen Jungen in der Geschichte. Wir stehen zwangsläufig vor der Frage: Wie stehen wir zu diesem Kind, zu diesem Bruder, zu Jesus? Ob Menschen ihn von Herzen lieben, ob sie ihm gleichgültig gegenüberstehen oder ihr Herz gar gegen ihn sich wendet und rebelliert. Eines werden wir nie mehr los: Jesus, der Sohn Gottes, ist unser Bruder. Er gehört zu uns und wir zu ihm. Neben dem, dass Gott die Welt geschaffen hat – und wir nun in ihr Leben – steht das andere genauso groß: Gott hat uns seinen Sohn als unseren Bruder geschenkt.

    Weil er sich nach uns sehnt. Weil er nicht ohne uns leben will. In Jesus, unserem Bruder, ist Gott für uns da: um zu retten, um zu trösten, um uns zu versöhnen uns sich für immer mit uns zu verbinden. Das sollen alle hören: Die Traurigen, die Verzagten, die Resignierenden, die Trotzigen, die Sünder, die Zweifler, die Gottsucher und die Gebundenen: Jesus ist unser Bruder geworden. Gott ist für uns da!

    Pfarrer Andreas Streich (nach einer Andacht von Wilhelm Busch)

  • addAndacht für Montag, 29. März 2021

    Der HERR wird König sein über alle Lande. Zu der Zeit wird der HERR der einzige sein und sein Name der einzige.                                                                        Sacharja 14,9

    Noch ist das, was Sacharja sieht, Zukunftsmusik. Noch ist es nicht offenbar, für alle sichtbar. Doch durch die Bibel hindurch zieht sich wie ein roter Faden, dass Gott zum Ziel kommen wird – mit dieser Welt. Hier im Alten Testament, übrigens nicht nur bei Sacharja – auch bei anderen Propheten, wie Jesaja – ist ganz deutlich diese große Friedensvision. Die Offenbarung spricht von 1.000 Jahren des Friedens, dem Millennium, auf dieser leidgeplagten Erde. Einen Weltensabbat am Ende der Zeit.

    Zur Jahrtausendwende 1999 – 2000 hat man sich diesen Begriff aus der Bibel geborgt – warum auch immer. Und im 3. Reich hat man ihn fremdbesetzt, um »der Bewegung« einen pseudoreligiösen Anstrich zu verpassen. Was für ein Irrtum!

    Nicht Menschen machen nämlich dieses Reich des Friedens. Nicht Menschen stellen diesen Zustand her, den es zuvor nie auf dieser Erde gegeben hat. Sondern der HERR. Er wird allein König sein. Er wird allein als der Retter erkannt und bekannt. Nicht irgend ein Mensch. Doch – einer doch: Der Eine. Der Einzige. Der eingeborene Sohn Gottes. Von ihm bekennen wir: Wahrer Mensch und wahrer Gott. Er, der Gekreuzigte und der Auferstandene, er ist der Anfänger und Vollender. Er ist der, der diese Welt und unser Leben zum Ziel bringt. Sacharja sieht den HERRN, seinen Gott. Doch von ihm ist Jesus Christus nicht zu trennen. Der dreieinige Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist – er wird alles bestimmen. Das ist die Zukunft. Das ist, worin das Heil wurzelt und besteht: Wenn Gott und Gott allein das Sagen hat. Heute schon soll er es in unserem Leben haben. Heute schon soll in seiner Gemeinde, bei uns Glaubenden gelten: Der HERR ist König. Er soll der Einzige sein und sein Name der einzige, der für uns zählt.

    Pfarrer Andreas Streich

     

 

Woche von 22.03. bis 28.03.

  • addAndacht für den Palmsonntag, 28. März 2021

    Der Menschensohn muss erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben. (Johannes 3,14b-15)

    Verzweifelte Rufe im Lager der Israeliten. Plötzlich sind feurige Schlangen da, tödliche Schlangen. Viele schon sind der Plage zum Opfer gefallen. Die Menschen erkennen ihre Schuld, laufen zu ihrem Anführer Mose und bitten ihn um Fürbitte bei Gott. Gott möge doch die Schlangen wegnehmen. Mose bittet. Doch als Antwort bekommt er den Auftrag: Richte eine Schlange aus Metall an einer hohen Stange auf. Wer gebissen ist und sieht sie an, der soll leben. Es klingt paradox. Die, die vom Tod bedroht sind, sollen auf das Symbol des Todes sehen – um gerettet zu werden. Doch so will es Gott. So macht er durch alles menschliche Planen und alle menschliche Weisheit einen Strich.

    Jesus sieht sich selbst genau in dieser Linie von Gottes Handeln. Von Anfang spricht er davon, dass er leiden wird und sterben muss. Wenn er im Johannesevangelium von »Erhöhung« spricht, dann ist das doppeldeutig: Zum einen ist die Erhöhung in den Himmel gemeint, dorthin, wo Jesus herkommt und wo er hingehört. Zum andern aber ist von dem Kreuz die Rede, das auf dem Hügel Golgatha aufgerichtet wurde. So will Gott retten – das zeigt er schon im Alten Bund. So und nicht anders. Dass wir Jesus, den Gekreuzigten anschauen, und ihm vertrauen – und es glauben, dass dieses Leiden auch uns mit einschließt. Dass er unsere Schuld dort trägt, unsere Strafe dort erduldet. So sehr hat Gott die Welt geliebt, wird es dann nur zwei Verse weiter heißen. So rettet Gott – durch den Gekreuzigten. Seine Rettungsbotschaft ist das »Wort vom Kreuz«, vielen ein Ärgernis und eine Torheit – aber denen, die glauben, ist es eine Kraft Gottes, die rettet in Ewigkeit. Schauen wir auf ihn. Halten wir an ihm fest – dem Gekreuzigten. Er ist auch unsere Rettung.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Samstag, 27. März 2021

    Wenn du nun gegessen hast und satt bist und schöne Häuser erbaust und darin wohnst, und deine Rinder und Schafe und Silber und Gold und alles, was du hast, sich mehrt, dann hüte dich, dass dein Herz sich nicht überhebt und due den HERRN, deinen Gott vergisst.

    5. Mose 8,12-14

    Die Tendenz zur Vergesslichkeit, die haben wir alle. Wenn sich etwas Neues in unseren Blick schiebt, dann vergessen wir leicht das andere, das wir nicht mehr im Blick haben. Fatal nur, wenn dieses Andere, das wir vergessen, die Grundlage für all das ist, was wir mit unseren Augen sehen.

    Gott können wir nicht sehen. Und doch ist er der Urheber all des Guten, das wir mit unseren Augen sehen. Trotz Corona, trotz Erschwernissen, die diese Zeit mit sich bringt: Keiner Generation vor uns ging es materiell so gut wie es uns heute geht. Keine Generation vor uns hatte so viel Wohlstand, so viel Bequemlichkeit, eine so gute Gesundheitsversorgung wie wir heute. Wenn Menschen – für mich unbegreiflich – trotz einer Pandemie jetzt nicht auf ihren Urlaub in Mallorca verzichten können, dann ist das ein beredtes Zeugnis unseres Wohlstands. Es geht uns gut, sehr gut sogar. Wir wohnen in schönen Häusern, vielleicht nicht Rinder und Schafe – aber dafür viele andere Güter vermehren sich auch bei uns.

    Doch nun darf eines nicht geschehen: Dass wir über all den schönen Sachen Gott, den HERRN, unseren Schöpfer und unseren Herrn vergessen. Er erhebt Anspruch auf unser Leben. Er will, dass wir ihn über alle Dinge lieben, fürchten und ihm vertrauen. Wo wir ihn aus dem Blick verlieren, wo wir ihn vergessen, da werden all die anderen Dinge zu Götzen. Sie nehmen unser Denken und Handeln gefangen, sie machen uns unfrei. Echte Freiheit gibt es nur in der Verbindung mit Gott, nur in der Abhängigkeit von ihm. Und die brauchen wir heute dringender denn je.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • addAndacht für Freitag, 26. März 2021

    Ich hatte dich gepflanzt als einen edlen Weinstock, ein ganz echtes Gewächs. Wie bist du mir denn geworden zu einem schlechten, wilden Weinstock?                 Jeremia 2,21

    Nein, Gott hat nichts falsch gemacht. Nein, Gott hat auch nichts versäumt. Und doch steht es ganz elend um Israel, sein Volk. Die Sünde ist und bleibt der Leute Verderben (Spr 14,34). Die Sünde, die sich einschleicht, die uns ständig umstrickt, wie es im Hebräerbrief heißt. Sie spinnt ganz feine Fäden. Doch die werden immer mehr. Und selbst ein Nähfaden, den man leicht entzweireißen kann, wird zur unüberwindbaren Fessel, wenn er sich nur oft genug um uns geschlungen hat.

    Was Gott seinem Volk durch dieses Bildwort vom edlen Weinstock, der völlig widernatürlich zum verwilderten und schlechten Weinstock geworden ist, verdeutlichen will ist: Sündenerkenntnis. Erkennt, wie weit ihr euch vom Ziel, das ich für euer Leben habe, entfernt habt. Erkennt, wie grotesk sich euer Leben zum Negativen verändert hat durch eure Schuld. Sünde ist Zielverfehlung; Bestimmungsverfehlung.

    Das ist längst nicht bloß das Problem von Juda und Israel damals zur Zeit Jeremias. Das ist ein grundsätzliches Problem von Glaubenden zu allen Zeiten. Wo wir Gott vergessen, wo wir uns von Gott entfernen, da passiert genau das, was Gott hier beschreibt: Da verlieren wir die Kraft, unserer Bestimmung gemäß zu leben. Da wird unser Leben zu einer Karikatur, zu einer Perversion dessen, was es eigentlich sein sollte.

    Es gibt nur einen Ausweg: Umkehr, Rückkehr zu unserem Gott. Dass wir unsere Schuld, unsere Fehler, unsere Unzulänglichkeit erkennen, bekennen und von ihm ausräumen lassen. Dazu ist Jesus in die Welt gekommen, um uns zu Gott zurückzuholen. Und wir brauchen es an jedem Tag neu, dass wir uns von ihm korrigieren lassen. Wir leben täglich von der Vergebung, vom täglichen Bekennen unserer Schuld und vom täglich erneuerten Abhängigsein von Gott. Nur so können wir das sein und bleiben, was Gott sich eigentlich für unser Leben gedacht hat: ein edler Weinstock, ein ganz echtes Gewächs. Nah an Gott, nah an Jesus – durch tägliche Erneuerung und Buße. Und Buße – so verstanden – ist immer ein fröhliches Geschäft.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Donnerstag, 25. März 2021

    Du bist meine Hilfe; verlass mich nicht und tu die Hand nicht von mir ab, du Gott meines Heils!

    Psalm 27,9

    Im Stich gelassen zu werden, das ist eine der furchtbarsten Erfahrungen, die Menschen machen können. Wenn die Hilfe, mit der ich so fest gerechnet habe, doch nicht da ist, wenn ich sie brauche. Wenn ich mit meinen Problemen allein gelassen werde. Manche Menschen sind über dieser Erfahrung so verbittert, dass sie sich nun gar nicht mehr von anderen helfen lassen wollen: Ich schaue, dass ich selber klarkomme. Was für eine Tragödie.

    David ist einen Schritt weiter. Er hat – nach allen bitteren und enttäuschenden Erfahrungen von Menschen – erkannt: Ohne fremde Hilfe geht es nicht. Doch wenn ich mich schon auf Menschen nicht verlassen kann, dann gibt es nur einen, der mir noch helfen kann: Gott. Du bist meine Hilfe betet er. Und nun ringt er, dass er diese Hilfe eben nicht verliert. Denn das wäre das Allerschlimmste, was ihm passieren könnte. Wenn Gott ihn verlassen würde, wenn er seine Hand von ihm abziehen würde. Verbirg dein Antlitz nicht vor mir betet er im ersten Teil dieses Verses, aus dem die Losung entnommen ist, verstoße nicht im Zorn deinen Knecht! Ja, Gott kann auch verstoßen. Gott kann auch »Nein« zu uns sagen. Diese schreckliche Möglichkeit ist David bewusst. Deshalb betet er so innig, dass genau das nicht passiert. Da ist ein heiliges Erschrecken dieses David über Gott da. Gottesfurcht im wahrsten Sinne des Wortes.

    Wohl uns, wenn wir diese Furcht Gottes auch kennen und nicht einfach verdrängen. Wohl uns, wenn wir aber auch den kennen und uns an den halten, dessen Name »Gott hilft« bedeutet: Jesus, den Christus. Da in ihm, da begegnet uns Gottes Hilfe – zuverlässig und gewiss. Da in Jesus Christus, da haben wir den, der gesagt hat: Niemand kann sie aus meiner Hand reißen. Da begegnet uns der, der an seinem Kreuz das Heil – das ganze Heil für uns erwirkt hat und uns vor dem ewigen Zorn Gottes und vor dem Gericht Gottes für immer errettet. Jesus, du bist meine Hilfe. Danke dafür. Amen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Mittwoch, 24. März 2021

    Liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    der Losungsvers heute steht fast ganz am Anfang der Bibel in der Schöpfungsgeschichte. „Gott segnete Mann und Frau und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan“ (1. Mose 1,28). Versetzen wir uns für einen Augenblick in die bekannte Geschichte: Zwei Menschen, Adam und Eva – stehen taufrisch am Anfang. Gott schickt sie los, damit sie das, was sie vorfinden, nutzen und vermehren, hegen und pflegen. Dass sie ihre Gaben einsetzen, damit sich die Welt, damit sich das Paradies unter ihren Händen entwickelt, wächst, gedeiht. Ein großer Auftrag, den Gott den beiden Menschen gibt! Gott segnet sie, damit ihnen gelingt, was sie anpacken!

     

    Jedem und jeder von uns ist ein Stück Welt und ein Stück Paradies anvertraut. Es ist kein Zufall, dass Sie genau dort sind, wo Sie sind. Das Stück Welt, in dem Sie leben, wartet darauf, dass Sie sich kümmern. Dass Sie aus dem, was Sie vorfinden, etwas machen, etwas entwickeln – mit den Gaben, die Ihnen Ihr Schöpfer gegeben hat. Und wenn es einfach das Gebet ist. Schauen Sie nicht auf das, was Ihnen fehlt, was Sie so gern noch hätten oder wären. Legen Sie einfach los, bleiben Sie dran, Ihr kleines Stück Welt zu gestalten und zu fördern! Gott segnet Sie dabei, das ist das Wesentliche! Er freut sich darüber, wenn Sie auf diesen seinen Segen bauen und gar nicht so sehr auf ihre geringe Kraft schauen!

     In diesem Vers, der Menschen, der uns zu Großem beauftragt, tröstet nicht nur der Zuspruch von Gottes Segen. Ein großer Trost liegt auch darin, dass Gott hier keinen einzelnen Menschen losschickt, sondern zwei gemeinsam, miteinander. Das ist etwas, was uns immer wieder Mut macht, Dinge anzupacken – dass wir nicht allein unterwegs sind, sondern mit anderen, dass wir uns gegenseitig unterstützen können mit unseren verschiedenen Gaben. Mann und Frau werden im biblischen Vers gemeinsam gesegnet, zwei Menschen in aller Unterschiedlichkeit für einen gemeinsamen Auftrag.

     Ich gebe Ihnen heute noch drei Fragen mit und zwar ganz gleich, wie alt Sie sind und wie viel Kraft Sie noch haben, vielleicht denken Sie ein wenig darüber nach:

     Was ist das kleine Stück Welt, für das Gott Sie, gerade Sie, beauftragt hat, zu sorgen und es zu entwickeln? Das kann auch etwas sein, für das Sie einfach nur beten – wenn Ihnen sonst die Kraft fehlt!

    Woran merken Sie, dass Gott Sie segnet?

    Und: Wer ist bei Ihrem Auftrag derjenige oder diejenige, mit dem oder der Sie das kleine Stück Welt gestalten dürfen? Das kann Ihr Lebenspartner sein, aber auch jemand ganz anderes.

     Gott segne Sie!

     

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • addAndacht für Dienstag, 23. März 2021

    Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und unverzagt seist. Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der HERR, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst.         Josua 1,9

    Gott sagt dem Josua, der eine große Aufgabe vor sich hat: Siehe! Worauf schauen wir? Siehe, nicht auf das, was dich menschlich gesehen überfordert: Ein Volk, das nicht kriegserprobt ist, in ein Land zu führen, dieses Land zu erobern und zu befrieden. Siehe, nicht auf dich und deine Möglichkeiten. Siehe, nicht auf dich und deine Ängste. Siehe, auf das, was Gott dir sagt und zusagt.

    Johann Friedrich Oberlin, der Pfarrer von Waldersbach im Steintal hatte ein besonderes Bild in seinem Studierzimmer hängen. Es war wie eine Ziehharmonika aufgebaut. Wenn man es von der einen Seite betrachtete, sah man einen Vogel, von der anderen Seite aber eine Blume. Ein und dieselbe Sache – aus zwei Perspektiven betrachtet erscheinen völlig unterschiedlich. Es geht Gott darum, dass wir genau wie Josua die Wirklichkeit, die uns begegnet, aus seiner Perspektive betrachten: Siehe, ich habe dir geboten…

    Und dann kommt ein vierfaches Gebot und zugleich eine vierfache Zusage: Sei getrost, du bist geborgen. Sei unverzagt, ich gehe mit dir. Lass dir nicht grauen – ich bin stärker. Entsetze dich nicht, Es gibt immer noch einen Ausweg, auch wenn deine Möglichkeiten längst zu Ende sind. Gottes Möglichkeiten sind nie zu Ende.

    Gott ist da. Gott ist dabei, wo wir mit ihm und für ihn unterwegs sind. Das ist seine Zusage. Und das zählt. Darauf wollen auch wir schauen. Siehe! Nicht auf uns und unsere Ängste, sondern auf ihm, dem nichts unmöglich ist – unseren Gott und unseren Herrn Jesus Christus.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • addAndacht für Montag, 22. März 2021

    Als einer im Elend rief, hörte der HERR und half ihm aus allen seinen Nöten.    Psalm 34,7

    Auf die Haltung, aus der heraus wir beten, kommt es an. Gott hört die, die im Elend sitzen. Die keinen Ausweg mehr sehen, die nur noch Gott haben, an den sie sich wenden können. Auf die Haltung, aus der heraus wir beten, kommt es an.

    Als Jesus gekreuzigt wurde, da wurden mit ihm zwei Übeltäter gekreuzigt, zwei Verbrecher. Beide sprechen Jesus, der in der Mitte zwischen beiden hängt an. Der eine frech und höhnisch: »Bist du der Christus, so hilf dir selbst und uns!« Der redet, als hätte er das Recht, etwas zu fordern. Und zugleich spricht aus jedem Wort Ablehnung und Unglaube. Grad so, als hätte er Jesus sagen wollen: «Ich will dir, Jesus, mal eine Gelegenheit geben, dich bei mir beliebt zu machen. Aber ich vermute, es wird wohl nichts werden.« Jesus geht darauf nicht ein. Übertragen auf dieses Psalmwort könnte man sagen: »Als der Stolze rief, hörte der HERR nicht und ließ ihn in allen seinen Nöten.«

    Doch da hängt noch der andere Schächer. Einer, der sein Elend erkannt hat. Einer, der um seine abgrundtiefe Schuld und Verlorenheit weiß. Einer, der demütig aus dem Elend bittet: »Herr, bitte denk an mich, wenn du in dein Reich kommst.« Und dieser Mann erfährt genau das, was David hier bezeugt: Als einer im Elend rief, hörte der HERR und half ihm aus allen seinen Nöten. Aus der bangen Frage: Wo werde ich die Ewigkeit zubringen? Wird die frohe Gewissheit: Heute wirst du mit mir im Paradies sein. Jesus stirbt, er geht in die ewige Welt Gottes zurück – aber er bringt noch einen mit. Gerettet – in Ewigkeit gerettet. Vielleicht werden wir ihm dort in der Ewigkeit begegnen, dem Mann mit den durchbohrten Händen, der Jesus alles verdankt. Wenn wir ihm begegnen, dann haben wir eines gemeinsam mit ihm: Auch wir verdanken Jesus alles! Auch uns hat er aus dem Elend und aus allen Nöten errettet.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 15.03. bis 21.03.

  • addAndacht für den Sonntag Judika, 21. März 2021:

    Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele.                          Matthäus 20,28

    Jesus ist ganz anders. Wenn sich einer von uns Menschen für wichtig hält, dann will er, dass ihm die andern dienen, folgen, gehorchen.

    Der eine, der einzige Mensch, der wirklich wichtig ist – das ist Jesus, der wahre Mensch, der zugleich wahrer Gott ist, weil er aus Gottes Ewigkeit zu uns gekommen ist. Wenn einer es verdient hat, dass ihm gedient wird, dann er.

    Doch er kam, um zu dienen – und um für uns zu sterben. So sehr liebt er uns. So sehr liebt Gott uns, dass er seinen einzigen Sohn für uns dahingibt. Er tut das, um uns zu erlösen. Um uns zu befreien – aus der Gefangenschaft der Sünde und des Todes. Immer wieder redet die Bibel von Erlösung, das ist das Kernthema nicht nur des Neuen Testaments. Und das heißt doch: In Gottes Augen brauchen wir genau das – dass er uns erlöst. Dass er uns befreit. Dass er uns rettet. Ja, wir brauchen Erlösung, wir brauchen Rettung. Nicht nur in Zeiten von Corona wollen wir Gott bitten, uns zu helfen – sondern der Schaden geht viel tiefer: Es geht um unsere Schuld, um unsere Verlorenheit in Gottes Augen. Und umso größer wird die Freude, wenn wir erkennen: Der Retter ist da. Es gibt Erlösung. Es gibt Hilfe. Es gibt Befreiung. Gott lässt uns nicht allein. Er ist da. Im Kreuz Jesu sehen wir, wie sehr er uns liebt und was er bereit ist, für uns einzusetzen. Das zählt. Darauf ist Verlass.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • addAndacht für Samstag, 20. März 2021:

    Gideon sprach zu dem Engel des HERRN: Ist der HERR mit uns, warum ist uns dann das alles widerfahren?      Richter 6,13

    »und wo sind die Wunder, die uns unsere Väter erzählten?« So geht dieser Vers weiter. Gideon nutzt die erstbeste Gelegenheit, die sich ihm gibt, um das loszuwerden, was er nicht versteht und nicht unter die Füße bekommt: Wenn Gott mit uns ist – wieso geht es uns dann so schlecht? Wie viele Menschen plagt genau dieselbe Frage wie ihn! Wenn Gott das Gute will. Wenn Gott Liebe ist. Und wenn Gott allmächtig ist, wenn er alles kann und ihn nichts und niemand aufhalten kann, wieso geht es uns dann so schlecht?

    Ich empfehle Ihnen, den Zusammenhang im 6. Kapitel des Richterbuchs zu lesen. Es ist die Berufungs­geschichte Gideons. Israel war damals kein einheitliches Staatswesen, sondern eher ein lockerer Zusammenschluss mit unklaren Beziehungsverhältnissen – politisch gesehen ein zahnloser Tiger. Die Feinde hatten leichtes Spiel. Selbst schwache Feinde. Hier waren es die Midianiter, die den Israeliten das Leben schwer machten. Gerade in der Krise bricht diese Frage ja auf: Wenn uns von Gott berichtet wird in der Bibel, von den Wundern und Zeichen – und wir erleben heute gar nichts davon – wie kann das sein?

    Um es gleich zu sagen: Gideon bekommt diese Frage nicht beantwortet. Auch wir nicht. Doch er bekommt einen Auftrag von Gott. Gott will ihn gebrauchen. Gott will ihn ausrüsten. Und Gott will auch uns gebrauchen. In aller Schwachheit, mit all unseren Fragen. Er will uns gebrauchen, um das Evangelium von Jesus Christus weiterzutragen. Da zeigt Gott uns nämlich sein Gesicht. Da zeigt er uns, dass er retten will – in Ewigkeit retten. Dass er uns aus Sünde und vor dem ewigen Tod retten will. Das Evangelium ist die Kraft Gottes, die rettet. Und wir sollen und dürfen es weitersagen. Und das zählt mehr, viel mehr, als dass wir heute schon alle Fragen beantwortet bekommen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Freitag, 19. März 2021

    Gott spricht: Haltet meine Satzungen und tut sie; ich bin der HERR, der euch heiligt. 3Mose 20,8

    »Heilig« - wenn wir dieses Wort im Zusammenhang mit Menschen gebrauchen, dann wird meist die Latte sehr hoch gehängt. Wahrscheinlich ist unser Sprachgebrauch da von der römisch-katholischen Sitte geprägt, dass der Papst besonders verdienstvollen Menschen nach ihrem Tod ehrt und sie »heiligspricht«. Etwas salopp gesagt: Ein posthum verliehenes kirchliches Bundesverdienstkreuz.

    Muss man etwas Besonderes geleistet haben oder etwas Besonderes sein, um »heilig« zu sein? Vom Verständnis der Bibel her – gibt es auf diese Frage ein klares Nein. »Heilig« das heißt ganz schlicht: zu Gott gehörend. Für Gott ausgesondert; für Gott reserviert. Und das ist natürlich auch etwas für Lebende. Gott ist es, der heiligt. So steht es in unserer Losung. Das ist keine menschliche Kategorie. Und ja, es hat tatsächlich etwas mit Aussonderung zu tun, auch mit Absonderung. Und insofern sind Heilige doch etwas Besonderes. Aber nicht von sich aus, sondern weil sie sich klar für Gott entschieden haben und damit auch klar gegen andere Herrschaften und Praktiken. Im Abschnitt, in dem unsere Losung steht, geht es um Geisterbeschwörer, Zeichendeuter, Abgötterei. Also alles, wo Menschen versuchen, mit etwas Übersinnlichen oder Überweltlichen in Kontakt zu treten und es für sich nutzbar zu machen, an Gott vorbei: Horoskope, Wahrsagerei – all das gehört dazu.

    Dagegen sagt Gott uns klar: Haltet meine Satzungen. Haltet an meinen Geboten fest. Lasst euch nicht davon abbringen, sie für richtig und gültig zu halten – auch wenn die Mehrheit einer Gesellschaft euch etwas anderes erzählen will. Gottes Wort hat allein Bestand, nicht menschliche Meinungen. Und dann tut das, was in diesen Geboten steht. Lebt danach. Seid gehorsam. Mit Haut und Haaren. Das wird einen Unterschied machen. Vielleicht sogar Widerstand hervorrufen – so war es oft genug in der Geschichte. Aber es ist der HERR, der uns diesen Rat gibt. Und darum: daran halten wir uns als die von ihm Geheiligten. Heilige sind nach der Bibel nämlich Menschen, die Gott vertrauen und mit ihm leben. Hier und heute – und dann einmal in Ewigkeit.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Donnerstag, 18. März 2021:

    Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg; aber der HERR allein lenkt seinen Schritt. Sprüche 16,9

    Wer etwas beobachtet und erkannt hat, der zieht seine »Lehren« daraus. Im besten Falle zumindest. Alles andere wäre töricht. Nun hat der Weise Mann Salomo etwas Wichtiges erkannt über das, was wir Menschen können – und was nicht.

    Wir können planen. Wir können uns Gedanken über die Zukunft machen. Wir können Vorsorge treffen. Ich denke an den klugen Haushalter Josef, der mit seiner Bevorratung in den fetten Jahren für die mageren Jahre Vorsorge traf. Aber – anders als Josef, der hier eine ganz einmalige und einzigartige Offenbarung von Gott bekommen hatte – können wir die Zukunft nicht vorhersagen: Jetzt steigen die Corona-Zahlen wieder. Ein neuer, härterer Lockdown steht ins Haus. Als die Entscheidung für Lockerungen getroffen wurde, haben manche das schon als Schreckensszenario vermeldet, doch die Mehrheit hat anders entschieden. Es ist anders gekommen als geplant. Wie oft passiert uns das. Wir können und wir müssen sogar planen und Entscheidungen für die Zukunft treffen. Doch es kann ganz anders kommen, als wir denken. Das sollten wir nie vergessen.

    Und auch das andere nicht, was Salomo erkannt hat: Es ist der HERR, der alles lenkt. Ja, er ist ein HERR, den wir nicht immer in seinem Tun und Lassen und Zulassen verstehen. Gott ist Gott – und er wäre es nicht, wenn wir ihn gedanklich in der Tasche hätten. Aber die Lehre aus dieser Erkenntnis ist doch: Ihm müssen wir uns anvertrauen. Mit ihm müssen wir rechnen, mit ihm leben, mit ihm reden und auf ihn hören. Vor allem anderen. Zukunftsplanung ja – auch im Blick auf den Klimawandel – aber bitte nicht mit der Überheblichkeit und völligen Überförderung: Wir müssen die Welt retten. Das hat ein anderer für uns getan, Jesus, und er wird es endgültig tun. Wir sollen planen und wirken – auch angesichts der großen Herausforderungen der Menschheit – in der Abhängigkeit von Gott. Wo Menschen »im Bewusstsein ihrer Verantwortung vor Gott« handeln, da wird etwas von dieser Grundhaltung sichtbar. Fehler werden auch hier gemacht werden. Doch das Entscheidende, nämlich das, was Gott tut, wird man nicht übersehen und vergessen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Mitttwoch, 17. März 2021

    Liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    Hagar, von der im 1. Buch Mose erzählt wird, war die Dienerin von Sara, und das war die Frau von Abraham. Abraham und Sara waren beide schon in fortgeschrittenem Alter, ohne einen Stammhalter bekommen zu haben. Gott hatte das zwar mal versprochen, aber schien das vergessen zu haben. Sara war eine echte Praktikerin und sagte zu ihrem Mann: Du, wenn wir beide kein Kind miteinander bekommen, dann nimm doch meine Magd Hagar, schlafe mit ihr. Wenn sie ein Kind bekommt, zählt das als unseres.

    Abraham ging darauf ein und es funktionierte: die Hagar wurde schwanger. Alles gut? Überhaupt nicht! Denn Sara als Herrin fühlte sich jetzt gegenüber ihrer Dienerin, die Mutter werden würde, minderwertig und als Versagerin – obwohl das ja alles ihre Idee gewesen war. Sara drangsalierte ihre Dienerin Hagar – heute würde man sagen: sie mobbte sie, wo es nur ging. Wieder mit Erfolg aus Sicht von Sara: Hagar hielt es nicht mehr aus bei ihr und lief davon. Schwanger, allein ohne Mann, ohne Schutz, ohne Besitz – hilfloser kann man nicht sein. Hagar – eine Frau in einer Notlage, wie sie schlimmer nicht sein kann. Man fragt sich, wie Abraham dem einfach zusehen konnte, sich nicht für die Magd einsetzte. Vielleicht bewusst wegsah. Sicher kein Ruhmeskapitel für ihn.

     

    Einer übersieht die Hagar nicht. Gott schickt einen Boten zu Hagar, die verzweifelt an einer Wasserquelle in der Wüste liegt und nicht weiterweiß. Und dieser Bote spricht die Hagar ermutigend an: Geh wieder zurück zu Sara, auch wenn Du es dort so schwer hast. Gott wird mit dir sein. Er wird dich segnen, auch in dieser schwierigen Situation. Er wird auch für dein Kind da sein.

     

    Hagar lässt sich trösten von diesem Boten Gottes. Sie schöpft neuen Lebensmut und kehrt zurück zu Sara, in das harte Umfeld dort – in dem Wissen: Gott ist bei mir. Und Hagar spricht ermutigt ein dankendes Glaubensbekenntnis und sagt: „Du bist ein Gott, der mich sieht.“ Sie hat es erlebt: Sie ist nicht vergessen. Gott ist nicht nur irgendwie allgemein ein Gott der Liebe – er ist ein Gott, der Hagar liebt. Da dürfen Sie Ihren Namen einsetzen: Er ist ein Gott, der Sie – ja Sie, sieht und liebt!

     

    Nein, Gott hat die Hagar nicht in eine neue und total angenehme Situation versetzt. Ihr Alltag blieb schwer, sehr schwer. Aber die Hagar wusste jetzt: Einer übersieht micht nicht, einer ist bei mir, in dieser schwierigen Situation, in allem Druck, in aller Unfreundlichkeit, die ich von anderen erleben muss.

     

    Die Bibel erzählt solche Geschichten, damit sie uns Mut machen zu vertrauen, dass Gott uns gegenüber kein anderer ist als bei den Menschen dieser Geschichten. Dass Sie das heute erleben und spüren, auch wenn Ihre Umstände vielleicht schwer sind, das wünsche ich Ihnen.

     

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • addAndacht für Dienstag, 16. März 2021

    Lass mich deine Herrlichkeit sehen!      Exodus (2. Mose) 33,18

    So viel hat Mose mit Gott schon erlebt. So viel von ihm erfahren. Jetzt hat er einen tiefen Wunsch: Er möchte ins Zentrum vordringen. Er möchte Gott ganz verstehen. Er möchte seine Herrlichkeit sehen. Im Gespräch, das nun auf diesen Losungsvers folgt, macht Gott klar: Mein Angesicht kannst du nicht sehen. Denn kein Mensch wird leben, der mich sieht. Dieses Herzstück unseres Glaubens, das ist uns verborgen.

    Doch Gott möchte uns sein Gesicht zeigen. Bei Mose: Verhüllt. Er darf Gott nur von »hinten« sehen, so berichtet uns das 33. Kapitel des 2. Mosebuchs. Er darf seinen Namen erfahren: Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich. Er darf etwas von Gottes Wesen erahnen.

    Und dann gehen wir hinüber ins Neue Testament. Da zeigt Gott uns sein Gesicht, auch noch verhüllt: In Jesus Christus kommt der lebendige Gott zu uns. Wird Mensch. Lebt als wahrer Mensch – und zugleich wahrer Gott unter uns. Zeigt uns, wie er es im Tiefsten seines Herzens mit uns meint. In aller Niedrigkeit und Unscheinbarkeit ist seine Herrlichkeit hier auf Erden noch verhüllt.

    Doch die Bibel stellt uns verlässlich in Aussicht: Es wird nicht so bleiben. Im Neuen Jerusalem, von dem die Offenbarung redet, wird es keinen Tempel mehr geben, denn Gott selbst wird bei seinen Menschen wohnen. Er selbst wird alle Tränen abwischen. Ungetrennte Gemeinschaft, unverhüllte Herrlichkeit wird denen dort begegnen, die ihm hier in aller Unscheinbarkeit und gegen den Augenschein vertraut haben. Es ist der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht – so definiert der Hebräerbrief Glauben. So wollen wir glauben. Ja, auch wir sehnen uns danach: Lass mich deine Herrlichkeit sehen! Warten wir geduldig.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Montag, 15. März 2021:

    Unser Gott, den wir verehren, kann uns erretten aus dem glühenden Feuerofen. Und wenn er’s nicht tut, so sollst du dennoch wissen, dass wir deinen Gott nicht ehren und das goldene Bild nicht anbeten werden.                      Daniel 3,17-18

    »Gott kann! Ihm ist nichts unmöglich.« So bekennt Daniel gegenüber dem zu dieser Zeit mächtigsten Mann der Welt, dem König Nebukadnezar von Babylon. Und er fügt sinngemäß hinzu: Ihn allein werden wir verehren und ihm allein dienen. Niemals einen anderen Gott oder sein Bild. Auch nicht das, das du, König Nebukadnezar hast aufstellen lassen.

    Der Wind der gesellschaftlichen Meinung kann sich sehr schnell drehen. Das, was damals in Babylon passierte, das passiert ständig an irgendwelchen Orten auf unserer Welt bis heute: Dass die Mächtigen ihre eigenen Regeln aufstellen – nach ihrem Gusto. Und dass sie Menschen zwingen wollen, nach ihrer Pfeife zu tanzen. Und immer wieder bekommt das Ganze auch religiöse Züge. Nebukadnezars Vorstoß mit seinem goldenen Bild war nichts Neues – und es ist nichts, was sich heute längst erledigt hätte. Das gab und gibt es bis heute.

    Und auch das Andere gab und gibt es bis heute: Dass Menschen dieses Spiel nicht mitspielen. Weil sie Gott und Gott allein Gott sein lassen. Weil sie ihm allein dienen. Voller Vertrauen und voller Entschlossenheit. Sie waren immer eine kleine Minderheit. Doch von ihr spricht man noch – von den andern nicht mehr: »Wer Gott folgt, riskiert seine Träume; setzt eigene Pläne aufs Spiel. Auch als Verlierer kommt ihr nicht zu kurz. Gott bringt euch an sein gutes Ziel.« So hat Theo Lehmann Anfang der 1980er Jahre in der DDR gedichtet, einem Staat, der mit seiner Ideologie auch einen Absolutheitsanspruch behauptete. Wenige Jahre später war dieses System Geschichte: »Die Mächtigen kommen und gehen und auch jedes Denkmal mal fällt. Bleiben wird nur, wer auf Gottes Wort steht, dem sichersten Standpunkt der Welt« heißt es in diesem Lied prophetisch vorausgesehen. Ja, so ist und so bleibt es. Deshalb: Es gibt nichts Besseres als Gott zu vertrauen und ihm allein zu gehorchen – und wenn es sein muss, gegen alle Zeitgeisterscheinungen.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 08.03. bis 14.03.

  • addAndacht für Sonntag Lätare, 14. März 2021 zum Wochenspruch:

    Jesus Christus spricht: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein, wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.    Johannes 12,24

    Das ist ein tiefes Lebensgeheimnis – es gilt für Jesus, der sein Leben als Weizenkorn gab, der sich ans Kreuz nageln ließ und für uns starb, um so ewige Frucht zu schaffen. Und das gilt für Menschen in der Nachfolge von Jesus Christus: Wer sein Leben erhalten will, der wird’s verlieren. Wer es aber hergibt, hingibt, der bekommt alles! Es ist ein Geheimnis, weil es nicht offenkundig vor aller Augen steht. Man muss tatsächlich mindestens zweimal hinschauen. Vordergründig erleben wir, dass Menschen alles wollen. Die Pandemie nervt uns alle. Wir wollen wieder Normalität. Wieder einkaufen, wieder ins Reataurant gehen, wieder andere treffen, wieder normal Gottesdienst feiern, wieder in den Urlaub fahren. So sind wir Menschen. Das ist normal. Doch ins Extrem getrieben – und das tun leider viele Menschen – ist es fatal: Menschen wollen alles, und verlieren dabei das Wichtigste. Menschen halten Dinge fest, die sie ohnehin lassen müssen und lassen Werte los, die sie in Ewigkeit behalten könnten.

    »Mein Nektar gehört mir« sagte die Sonnenblume, »ich lasse keine Biene naschen!« Sie blühte noch eine kleine Zeit, und verwelkte dann ohne Frucht. »Ich bin ich« sagt das Weizenkorn. Es ist prall und goldgelb, reif und voller Lebenskraft. «Ich lasse mich nicht in die Erde legen und aussäen.« So bleibt es heil und ganz für sich allein, todeinsam und ohne Frucht. »Ich lasse mich doch nicht zerschneiden und auspressen« sagte die Zitrone. Sie war reif und saftig. »Ich will mich selbst verwirklichen und entfalten!« Sie lag noch eine Weile in der Obstschale, verfaulte, stank und kam in den Mülleimer.

    Das Weizenkorn gehört in die Erde; die Zitrone aufs Schnitzel und die Sonnenblume soll viele Kerne tragen. So hat Gott sich das gedacht. Und auch für unser Leben hat er einen Plan. Was er Großartiges aus unserem Leben machen möchte, erleben wir nur, wenn wir bereit sind, uns ihm hinzugeben. Das erfordert Vertrauen, dass ich nicht zu kurz komme bei Gott. Und das erfordert Mut und Entschlossenheit. Aber nur so kann das, was Gott sich für unser Leben gedacht hat, Wirklichkeit werden: Ein Leben in der Liebe. Geliebt von Gott und in der Liebe zu Gott und zum Nächsten.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Samstag, 13. März 2021

    Der Mensch wirft das Los; aber es fällt, wie der HERR will.         Sprüche 16,33

    Glauben Sie an Zufall? Glauben Sie an Schicksal? Die Tageslosung führt uns auf eine andere und viel tiefere Spur: Da glaubt einer an Gottes Willen. Das Los fällt wie der HERR will. Das heißt nicht, dass wir Gottes Willen, der geschieht immer erklären können – und immer die Zusammenhänge begreifen. So wenig wir das, was wir »Zufall« nennen, erklären können. Wir wissen nicht, warum etwas geschieht. Aber Gott weiß es. Gott lenkt es.

    Und das ist unendlich tröstlich. Der allmächtige Gott, der HERR aller Herren, dem entgleitet nichts, aber auch gar nichts, was mit meinem Leben zu tun hat. Es geschieht nichts ohne sein Wissen und ohne sein Zulassen. Wäre es nur das, was wir von ihm wissen, dann wäre das an sich noch nicht tröstlich. Denn wir könnten überhaupt nicht einordnen, wie er es mit uns meint.

    Doch in Jesus Christus, da zeigt dieser Gott, dessen Handeln wir zugegebenermaßen an vielen Stellen nicht verstehen, sein Gesicht. Da zeigt er uns, wie er es im Tiefsten seines Herzens mit uns meint. Da zeigt er uns, dass er Gedanken des Friedens und nicht des Leides für uns hat. Da zeigt er uns, dass er uns je und je geliebt hat. Dieser HERR ist es, dem mein Schicksal nicht entgleitet. Ich weiß nicht wie, aber ich darf wissen, dass er alles gut machen wird. Dass er mit mir und meinem Leben an sein gutes Ziel kommen wird. Und das ist es, was mich tröstet. Deshalb freue ich mich: Der Mensch wirft das Los; aber es fällt, wie der HERR will.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Freitag, 12. März 2021

    Du bist mein Gott von meiner Mutter Schoß an.             Psalm 22,11

    Da waren Eltern, die hatten zwei Kinder. Als ihre Tochter im blühenden Jugendalter starb, ließen sie auf den Grabstein meißeln: „Warum?” Klagend, anklagend hallte dieser Schrei wider und blieb ohne Antwort. Als sie Jahre später auch ihren Sohn begraben mussten, ließen die Eltern auf den Grabstein schreiben: „Gott weiß, warum!” Die Frage ist geblieben. Und es gibt keine einfache Antwort darauf. Aber die Eltern wandten sich jetzt mit ihrer Frage an Gott.

    Nun war die Frage nach dem Warum, die so sehr schmerzt, eingekleidet in das Vertrauen zu Gott: Gott ich verstehe dich nicht, aber ich vertraue dir. Was ich nicht weiß, was ich nicht einordnen kann, das hat bei dir seinen Sinn. Du bist mein Gott von meiner Mutter Schoß an.

    In der Tat finden wir Menschen keinen anderen Halt, keine letzte Geborgenheit, keinen tragenden Grund ohne ihn. Auch im Schmerz, auch im Leiden, auch in all dem, was wir nicht einordnen können bleibt diese ganz grundlegende Beziehung zu unserem Ursprung, zu unserem Traggrund bestehen: Du bist mein Gott von meiner Mutter Schoß an.

    Dieser Psalm Davids wird auch Leidenspsalm Jesu bezeichnet. Jesus hat ihn gebetet, als er am Kreuz hing. Die ersten Worte dieses Psalms sind uns aus den Evangelien aus dem Mund von Jesus überliefert: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen. (Ps 22,2). Ja, wir dürfen klagen. Ja, wir dürfen mit dem, was wir nicht einordnen und verstehen, zu Gott kommen. Ja, wir dürfen ihm auch die schmerzhafte Frage nach dem Warum stellen. Nicht immer werden wir eine Antwort bekommen. Aber: Wer zu Gott geht mit seiner Klage, der hat ja wenigstens so viel vertrauen, dass er von Gott etwas erwartet: Dass er ihn wenigstens hört. Und das tut er. Ganz gewiss. Auch wenn wir es nicht sehen: Wir sind und bleiben von ihm gehalten. Du bist mein Gott von meiner Mutter Schoß an.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • addAndacht für Donnerstag, 11. März 2021

    Wenn ein Fremdling wohnt in eurem Lande, den sollt ihr nicht bedrücken. Er soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland. Ich bin der HERR, euer Gott.         3. Mose 19,33-34

    Das wird es wohl immer geben, solange wir Menschen auf dieser Welt leben: dass Fremde unter uns wohnen. Oder aber – und daran erinnert Gott sein Volk auch: dass wir als Fremde in einem anderen Land wohnen. Solange es Menschen gibt, die sich durch Sprache, Sitten, oder Aussehen unterscheiden, wird es Fremde geben – Menschen, die nicht ursprünglich von hier sind doch hier wohnen. Niemand verlässt normalerweise freiwillig seine Heimat – außer ein paar Abenteurern. In der Regel treibt Krieg und Terror Menschen in die Flucht, Hunger oder soziale Not. Warum war das Volk Israel in Ägypten: Weil es ihnen dort besser ging. Mitte des 19. Jahrhunderts gab es bei uns die letzte große Hungersnot. Viele verließen die Heimat und suchten ihr Glück in der Fremde: In Amerika oder in Russland. Noch einmal eine Welle gab es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, zwischen den Kriegen und nach den Kriegen. Wirtschaftsflüchtlinge sind keine Ausnahme in der Weltge­schich­te.

    Gott spricht also einen Dauerbrenner an: Wie gehen wir mit den Fremden um? Wie behandeln wir sie. Und da heißt die Kernlinie: Du sollst den Fremden lieben wie dich selbst. Gewähre Gastfreund­schaft. Bedrücke die Menschen, die schon genug durchgemacht haben, und nun bei dir sind, nicht auch noch unnötig. Es geht hier um das ganz praktische, alltägliche Zusammenleben. Nicht um die große Politik: Wen lassen wir ins Land und wen nicht. Das ist hier überhaupt nicht thematisiert, sondern um die geht es, die da sind. Und da sind wir herausgefordert: Geben wir unserem Egoismus und der fatalen Angst, wir könnten zu kurz kommen, Raum, fahren wir die Ellenbogen aus, oder sehen wir darin eine Aufgabe, vor die Gott uns gestellt hat: Jetzt kann die Liebe praktisch werden. Ich bin der HERR, euer Gott – so beendet Gott diese Weisung, diese Tora, dieses Gebot. Da wird der Glaube nun zur Entscheidung gerufen: Ist Gott mein Herr oder will ich es selber sein mit meinen Ängsten, Vorbehalten. Ich kann uns nur raten: Lassen wir Gott Herr sein in unserem Leben. Das ist immer der beste weg – und darum ganz klar: Du sollst den Fremden lieben wie dich selbst.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Mittwoch, 10. März 2021

    Liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    am heutigen Mittwoch steht ein Vers aus Jeremia 31 in den Losungen. „Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte“ (Jer. 31,3). Der Vers richtet sich an das Israelvolk des Nordreichs, das verschleppt worden ist, das Krieg und Zerstörung erlebt hat, durchaus selbst verschuldet. Die Verse des Jeremiakapitels malen vor Augen, wie sich Gottes Liebe für das strapazierte Volk äußert, sie machen das so wunderbar, dass ich einige Verse lese - nach der Übersetzung der Basisbibel:

     

    „Das Volk, das dem Schwert entkommen ist, hat Gnade gefunden in der Wüste. Israel zieht zum Ort seiner Ruhe. Ja, der Herr ist mir, Israel, erschienen. Von weit her ist er gekommen und versichert mir: Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt und habe dir die Treue gehalten. Ich werde dich wieder aufbauen. (…)

     

    Lasst es alle hören, lobt und verkündet: »Der Herr hat seinem Volk geholfen, den Rest Israels hat er gerettet!« (…) , aus allen Ecken der Erde bringe ich sie zusammen. Unter ihnen werden Blinde und Lahme sein, schwangere Frauen und junge Mütter. Sie werden wieder hierher zurückkehren. Als große Gemeinschaft kommen sie zurück. Mit Tränen in den Augen werden sie kommen. Aber ich werde sie trösten und sicher leiten. Zu Bächen voller Wasser werde ich sie führen – auf einem ebenen Weg, auf dem sie nicht stolpern werden. Denn ich bin für Israel zum Vater geworden. (…)

     

    Sie werden vor Freude strahlen über das Gute, das der Herr ihnen schenkt (…). Sie werden wie ein bewässerter Garten sein – nie mehr wird es ihnen an etwas fehlen. Dann werden die Mädchen vor Freude tanzen, Jung und Alt werden miteinander lachen. Ich werde ihre Trauer in Freude verwandeln. Ich werde sie trösten und sie von ihrem Kummer befreien.“

     

    Soweit der biblische Text voller Hoffnung und Verheißung. So groß ist Gottes Liebe und Güte! Noch einmal zu dem einen Vers daraus, der heute in den Losungen steht:

     

    „Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte“. In der Passionszeit denken wir bei diesem Vers daran, was sich Jesus diese Liebe und Güte für uns kosten ließ. Er hat ganz für Kranke, Ausgestoßene, für Menschen ohne Hoffnung gelebt, gegen alle Widerstände. Sogar dem Tod ist er auf seinem Weg nicht ausgewichen. Seine Liebe war größer als seine Angst vor dem Tod. Und dann erlebt auch er Gottes große Liebe, die ihn nicht im Tod lässt, Jesus wird zu neuem Leben erweckt. Das feiern wir bald an Ostern. Das macht uns Hoffnung, dass auch für uns der Tod nicht das letzte sein wird.

     

    Ich wünsche Ihnen einen guten Tag!

     

    Christoph Killgus

  • addAndacht für Dienstag, 9. März 2021

    Wenn ich auch im Finstern sitze, so ist doch der HERR mein Licht.          Micha 7,8

    Es gibt Dinge, die bekommen wir mit unserem Verstand nicht so einfach zusammen. Gerade wenn’s um Licht geht. Das ist in der Physik so. Da lässt sich je nach Versuchsaufbau nachweisen, dass Licht eine elektromagnetische Welle – wie Radiowellen – ist oder aber eine Korpuskel, also Materie. Beides schließt sich logisch eigentlich aus – und doch ist Licht beides. Und nun auch noch geistlich. Unsere natürliche Vernunft sagt: Man kann nicht im Finstern sitzen und doch Licht haben. Entweder ist es finster – oder es gibt Licht.

    Und doch stimmt das – in einem tiefen geistlichen Sinn. Das, was Micha in Worte fasste, das ist die Erfahrung von so vielen Glaubenden durch die Jahrhunderte und Jahrtausende hindurch. Auch Christen sind nicht davor gefeit, dass es um sie Dunkel wird: Pläne werden durchkreuzt, Wünsche gehen nicht in Erfüllung. Menschen können uns verletzen – körperlich und seelisch. Wie viel Druck und Ungerechtigkeit hat die christliche Gemeinde von Anfang an – bis heute in vielen Ländern – nicht schon erdulden müssen, nur um ihres Glaubens willen. Der Tod nimmt uns liebe Menschen, ohne die wir fast nicht zu Leben können glauben. Krankheit lähmt uns, grenzt ein, was wir noch tun können. Es gibt auch das Dunkel in unserem Gewissen: Wenn wir auf unser Versagen schauen, auf die Versäumnisse und die vielen Stellen, wo wir schuldig geworden sind. Allein kommen wir da nicht raus. Die Erfahrung dieses Dunkels – gerade das der Schuld – die machen alle, die Gott retten will. Denn in der Finsternis, wo wir über uns selbst verzweifeln, da wartet Jesus auf uns – das Licht der Welt. Der Retter, der Heiland, der Erbarmer – voller Gnade.

    Jesus bringt uns sein Licht – mitten in den Finsternissen. Und viele können es bezeugen: Gerade da erleben wir sie besonders. Vor dem Finstern mag uns grauen. Das wünscht sich keiner. Aber es gilt auch für uns – garantiert durch Jesus: Wenn ich auch im Finstern sitze, so ist doch der HERR mein Licht.

    Pfarrer Andreas Streich

    Gott, zu dir rufe ich!

    In mir ist es finster,

    aber bei dir ist das Licht;

    ich bin einsam,

    aber du verlässt mich nicht;

    ich bin kleinmütig,

    aber bei dir ist die Hilfe;

    ich bin unruhig,

    aber bei dir ist der Friede;

    in mir ist Bitterkeit,

    aber bei dir ist die Geduld;

    ich verstehe deine Wege nicht,

    aber du weißt den Weg für mich.

    Dietrich Bonhoeffer

  • addAndacht für Montag, 8. März 2021

    Asa rief den HERRN seinen Gott an, und sprach: HERR, es ist dir nicht schwer, dem Schwachen gegen den Starken zu helfen. Hilf uns, HERR, unser Gott; denn wir verlassen uns auf dich, und in deinem Namens und wir gekommen gegen diese Menge. HERR, du bist unser Gott, gegen dich vermag kein Mensch etwas.                                                                              2Chronik 14,10

    Asa, der König von Juda sieht sich einem – nach menschlichen Maßstäben – übermächtigen Feind gegenüber. Da ist von einer Heeresmacht von tausendmal tausend und von dreihundert Wagen die Rede. So vieles ist bedroht durch diesen Feind. Und Asa weiß: Wir haben in diesem Kampf nicht die Favoritenrolle. Genausowenig wie wir sie in so vielen Kämpfen haben: Gegen Corona, gegen den Klimawandel, gegen die Ungerechtigkeit auf dieser Welt. Da, wo Menschen allein auf sich und ihre Möglichkeiten starren, da besteht die Gefahr, dass sich Verzweiflung und Resignation breit machen.

    Nicht so bei: Asa erinnert sich und erinnert Gott daran: HERR, es ist dir nicht schwer, dem Schwachen gegen den Starken zu helfen. Das erste und wichtigste, was Asa tut, ist gar nichts zu tun und dafür zu beten. Man könnte es natürlich auch mit den einprägsamen Worten unseres früheren Landesbischofs Hans von Keler ausdrücken: Das Gebet ersetzt keine Tat. Aber es ist eine Tat, die durch nichts ersetzt werden kann. Asa schaut auf Gott in seinem Gebet – und auf seine Möglichkeiten. Ihn bittet er um Hilfe. Und er ist sich sicher: Wo Gott auf dem Plan ist, da werden die Verhältnisse völlig umgekehrt. Da sind unsere Kategorien von Macht oder Ohnmacht, von Stärke und Schwachheit plötzlich beiseitegestellt – weil Gott auf dem Plan ist. Der Gott, gegen den kein Mensch etwas vermag.

    Vergessen wir das Gebet nicht – in der Pandemie, in den globalen Herausforderungen unserer Welt: Hunger, Krankheiten, Terror, Rassismus, Klimawandel, Naturkatastrophen. Asa hat es nicht vergessen. Er hat gebetet. Nicht in dem Sinne: HERR, wenn du das für mich erledigst, dann kann ich die Hände in den Schoß legen, sondern im Sinne der guten alten mönchischen Tradition: Bete und arbeite. Vertrau dich Gott an. Vertrau seiner Macht. Und dann geh an die Arbeit, tu das Deine und vertrau dem, der dem Schwachen gegen den Starken helfen kann und helfen wird.

    Pfarrer Andreas Streich

     

 

Woche vom 01.03. bis 07.03.

  • addAndacht für den Sonntag Okuli, 7. März 2021 zum Wochenspruch:

    Jesus Christus spricht: Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.                Lukas 9,62

    »Geschickt« zu sein, das ist eine Schlüsselqualifikation für alles, was wir anpacken: Wer sich im Beruf »geschickt« anstellt, bringt es zu was. Wer »geschickte« Hände hat, tut sich bei aller Handarbeit und allem Handwerklichen deutlich leichter als diejenigen, die sprichwörtlich zwei linke Hände haben.

    Jesus geht es um das Reich Gottes. Und darum, wer für die Arbeit im Reich Gottes »geschickt« ist. Das erste, was wir dabei festhalten: Es geht nicht um Fertigkeiten und Fähigkeiten, die wir als natürliche Begabungen mitbringen. Denn: Gott will alle in seinem Reich gebrauchen. Um im Reich Gottes »geschickt« zu sein, geht es um etwas Anderes: Um eine Haltung, eine Ausrichtung – um den Blick nach vorn.

    Kein Blick zurück! Jesus hat immer wieder seine Botschaft mit Bildern aus dem Alltag illustriert. So auch hier: »Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt« Ob nun Ross oder Rind oder eine menschliche helfende Hand. Es geht darum, wohin der Pflügende schaut. Er muss den Zielpunkt fixieren – vielleicht ein Stecken, der am Feldrand steckt. Er muss es sich verkneifen, schon während des Pflügens seine geleistete Arbeit begutachten zu wollen. Ein Blick zurück kann die Furche verderben und fruchtbares Ackerland vergeuden.

    Für’s Reich Gottes gilt: Kein Blick zurück! Das Gewesene – ob es uns mit Trauer erfüllt, mit Wut – vielleicht auch über uns selbst oder mit Wehmut – wir dürfen es in die Hand von Jesus legen. Und dann ans Werk gehen, mit ihm, für ihn und auf ihn zu. Die Augen immer auf den Zielpunkt gerichtet, auf die Zielperson: Auf Jesus, der am Kreuz für uns gestorben ist und in dem Gott uns alles schenkt. Kein Tag ohne ihn, kein Blick zurück – ohne ihn. Aber alles mit ihm – in seiner Nachfolge.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Samstag, 6. März 2021

    Die Völker werden zu deinem Lichte ziehen und die Könige zum Glanz, der über dir aufgeht.

    Jesaja 60,3

    Glaube ist spannend – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn über unserem Glauben liegt eine seltsame Spannung. Es ist die Spannung zwischen geglaubter Wirklichkeit und dem Augenschein, der so ganz anders auf uns wirkt. Die Spannung zwischen verheißener Herrlichkeit und der Unscheinbarkeit, die wir heute erleben. Die ganze Bibel und insbesondere die Evangelien sind von dieser Spannung durchzogen. Jesus hat sie durchgehalten und ausgehalten: Wahrhaftiger Gott vom Vater in Ewigkeit geboren und auch wahrhaftiger Mensch von der Jungfrau Maria geboren. Im Johannesevangelium spricht er immer wieder von seiner „Erhöhung“ – und dieses Wort umfasst beides: Die leidensvolle Erhöhung ans Kreuz und die herrliche Erhöhung seiner Rückkehr zum Vater im Himmel: Darum hat ihn Gott auch erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist. Wir bekennen »Jesus ist Herr über alles« mitten in einer Welt, die noch von so vielen oft grausamen Herrschaften beherrscht wird.

    Und in diese Spannung gehört nun auch diese Losung. Ein kleines Völkchen Israel. Ein winziges Kind in einer Krippe, in einem Ausweichquartier in Bethlehem. Doch dort hat es sich zum erstenmal erfüllt: Dass die Heiden kamen. Weise aus dem Morgenland – die in der christlichen Volkstradition wegen ihrer edlen Geschenke zu drei Königen wurden – kamen und beteten an. Von Pomp und Glanz, wie wir es verstehen, war da überhaupt nichts zu sehen. Und eine Galabeleuchtung gab es wohl auch nicht. Aber da hat das angefangen, das sich einst in Herrlichkeit vollenden wird – wo dieses Wort im vollen Umfang in Erfüllung gehen wird. In Gottes Zukunft. Darauf gehen wir zu: Mitten im Jetzt wissen wir: Gott kommt zu seinem großen Ziel. Und sein Licht ist nicht aufzuhalten. In Jesus scheint es über uns.

    Pfarrer Andreas Streich 

     

  • addAndacht für Freitag, 5. März 2021

    Der Name des HERRN ist eine feste Burg; der Gerechte läuft dorthin und wird beschirmt.

    Sprüche 18,10

    Zwei Gegner begegnen sich auf offenem Feld, die unterschiedlicher wohl nicht sein könnten: Auf der einen Seite der Riese Goliath, hochgerüstet und bis an die Zähne bewaffnet. Und auf der anderen Seite der Hirtenjunge David – mit nicht mehr als einer Steinschleuder in der Hand. Es soll ein Stellvertreter-Kampf werden, der über Sieg und Niederlage der ganzen Armee entscheidet. Der Profi-Kämpfer Goliath hat nur Hohn und Spott für den Vertreter Israels und sein Volk übrig. Lächerlich, was ihm da entgegentritt – eine Bankrotterklärung. Soll das ein Witz sein? Eine Lästerrede ergießt sich auf den kleinen David. Doch dann kommt die Antwort des Hirtenjungen – und die hat es in sich: »Du kommst zu mir mit Schwert, Spieß und Schild; ich aber komme zu dir im Namen des HERRN Zebaoth« Wir alle wissen, wie der Kampf David gegen Goliath ausgegangen ist. Ob der erfahrene Philister-Kämpfer bei den Worten Davids etwas ahnte von ihrer Wahrhaftigkeit. Dass es Worte waren, gesprochen wie aus einer uneinnehmbaren, festen Burg heraus?

    Dieser Name ist eine gewaltige Macht und ein großer Trost für alle, die Gottes Kinder sind. Um diesen Namen dreht sich alles. Im Neuen Testament setzt es sich fort. Wer den Namen des Herrn anrufen wird, der soll errettet werden. Dieses Wort aus Joel 3 wird gleich zweimal im Neuen Testament zitiert – und mit dem Retternamen »Jesus« identifiziert. Das ist der Name, den anzurufen wir alle eingeladen sind – immer und an allen Orten. Denn dieser Name ist eine feste Burg. Der Gerechte läuft dorthin und wird beschirmt. Im Namen Jesus ist das Heil für alle Menschen. Und vor diesem Namen werden sich einmal alle Knie beugen und bekennen müssen, dass Jesus Christus der Herr ist zur Ehre Gottes.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Donnerstag, 4. März 2021

    Gott spricht: ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.      Jeremia 29,11

    Gott schafft Klarheit. Gott zeigt eine Perspektive. Gott zeigt uns die Hauptrichtung seiner Absicht. Und das brauchen wir. Danach sehnen wir uns. Denn was Gott weiß, das wissen wir oft überhaupt nicht.

    Der Prophet Jeremia musste seinem Volk im Auftrag Gottes das Gericht ankündigen. Gottes Gericht, das in der Gestalt von mächtigen Feinden über sie hereinbrechen würde. Krieg, Zerstörung und Verschleppung würden sie mitbringen. Die Botschaft war nicht angenehm. Und sie passte nicht in die Tradition des Bisherigen: Da war Gott immer als Garant unseres Wohlergehens dargestellt worden – sozusagen als das Sahnehäubchen für unseren Erfolg und unsere Gesundheit. Jeremia setzt Gottes Botschaft dagegen: Gott sagt Nein zu einem Leben, bei dem seine Menschen auf Gottes Gebote pfeifen. Gott sagt Nein zu einem Leben, das sich nur am eigenen Wohlergehen orientiert und die Liebe zu Gott und zum Nächsten der Selbstverliebtheit gnadenlos unterordnet. Und Gott kann auch anders – anders als wir uns den »lieben Gott« in unseren ausmalen.

    Ein Jahr Corona – und immer noch ist unklar, wie lange der Ausnahmezustand noch andauern wird. Gott, der Allmächtige, hat es zugelassen – woher auch immer das Virus kam. Warum? Wir wissen es nicht. Über vielen schmerzhaften Lebenserfahrungen bricht die Frage auf: Warum? Wozu? Und oft finden wir keine Antwort darauf. Wir wissen es nicht. Wir kennen Gottes Gedanken nicht. Über dem verborgenen Gott können Menschen verzweifeln – das wusste auch Martin Luther. Doch hier spricht Gott. Hier legt Gott seine Gedanken offen: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung. Das denkt Gott im Tiefsten seines Herzens. Das ist seine Absicht. Wie dringend brauchen wir diese Botschaft. Und in Jesus Christus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen sehen wir sie erfüllt. Da wird zur Tat, was Gott uns hier wissen lässt: Dass er Gedanken des Friedens hat und nicht des Leides, dass er uns Zukunft und Hoffnung geben will. Vergebung, Versöhnung, Frieden mit Gott – Gehalten- und Getragensein in diesem Leben und Hoffnung, die über den Tod hinausreicht in die Ewigkeit. Das sind Gottes Gedanken. In Jesus werden sie auch für uns Wirklichkeit. Vertrauen wir ihm!

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Mittwoch, 3. März 2021

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    biblische Texte werden auf dem Hintergrund einer bestimmten Zeit und durch Gottes Geist immer wieder neu lebendig. So empfinde ich das auch beim Losungsvers am heutigen Mittwoch. „Gott der Herr sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei“ (1. Mose 2,18). Meist wird dieses Wort, das aus dem 1. Mosebuch stammt, im Zusammenhang mit der Ehe erwähnt, denn es stammt aus der Schöpfungsgeschichte, wo Gott dem Adam die Eva an die Seite stellt.

     

    Aktuell spricht uns dieses Wort noch auf eine andere Art und Weise an. Wir erleben gerade eine Zeit, in der uns eine Krankheitswelle zwingt, möglichst für uns, möglichst allein zu bleiben. Wir können Kontakte nur schwer pflegen, glücklicherweise gibt es das Telefon. Und wir merken: es ist schwer und belastend, über eine lange Zeit allein zu bleiben. Da können wir dem Vers heute voll und ganz zustimmen: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei.“

     

    ER, der alles Leben gemacht hat, er hat uns für die Gemeinschaft geschaffen. Für das Miteinander mit anderen Menschen. Für das Miteinander mit ihm. Lebenskraft, Freude, neuer Mut kommt aus guten Begegnungen! Sicher, auch Zeiten der Einsamkeit und des Alleinseins braucht jeder und haben ihren Sinn. Aber eben nur in begrenztem Umfang. Wir brauchen einander.

     

    Schön ist, dass es viele unterschiedliche Formen des Miteinanders und der Gemeinschaft gibt. Da ist die Ehe zweier Menschen. Da ist die Familie. Da sind Freundschaften. Auch ein Kollegenkreis ist oftmals bereichernd. Und in der Kirchengemeinde sind wir gemeinsam unterwegs, weil es eben stimmt: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei.“

     

    Das Besondere an der Gemeinde ist, dass sie eine Gemeinschaft für jede und jeden ist, ganz egal, wie seine oder ihre Lebenssituation sonst ist. Nicht jeder ist verheiratet, nicht jeder hat Familie, Freunde oder Kollegen. Aber die Gemeinde ist für jeden offen, auch wenn wir uns momentan da auch nicht so leicht tun mit Kontakten. Wer Hilfe braucht oder Gemeinschaft oder Gespräch, darf sich jederzeit melden, verlassen Sie sich darauf und berufen Sie sich darauf!

     

    „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei!“ Ja, so ist es, deshalb gibt es uns als Kirchengemeinde hier in Plattenhardt!

     

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • addAndacht für Dienstag, 2. März 2021

     

    Lehre mich rechtes Urteil und Erkenntnis, denn ich vertraue deinen Geboten.  Psalm 119,66

    In diesem Jahr feiern wir 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland. Auch wenn es eine so lange Koexistenz gibt, wissen wir doch, dass die Gefahr des Antisemitismus immer virulent ist. Immer schon erschien das, was eine Gruppe von Menschen anders macht als andere, fremd, suspekt. Fatal, wenn daraus dann Hass wird.

    Uns mag fremd sein, wie jüdische Menschen (heute längst nicht alle, aber doch sehr viele) mit den Geboten Gottes umgehen. Wie ernst sie sie nehmen. Ein Jude erzählte mir einmal: Wir können stundenlang über den Sinn von manchen Geboten, die Gott gegeben hat, diskutieren: Warum und wozu sie da sind. Wir können ihre Sinnhaftigkeit in Frage stellen – aber dann tun wir sie doch. Weil wir Gott mehr vertrauen als unserer Urteilsfähigkeit.

    Das ist genau die Spur, die uns dieser Losungsvers legt: Sich nicht mit unserem Verstand, mit unserer Erkenntnis über Gottes Gebote – oder sagen wir einfacher: die Bibel stellen – sondern drunter bleiben und Gott um Urteilsvermögen und Erkenntnis aufgrund dieses Wortes bitten. Es gehört zu den großen Grundeinsichten, dass Gott immer wieder an unseren Willen appelliert. Aber dass er uns nicht zwingt. Er zwingt uns nicht, seine Gebote zu halten – seiner Weisung zu folgen. Er lädt uns vielmehr ein, es zu tun. Und wir sind gut beraten, ihm mehr zu vertrauen als dem, was wir oder was die Mehrheitsmeinung in einer Gesellschaft gerade für richtig hält. Denn anders als unsere Entschei­dungen und zeitbedingten Urteile bleibt Gottes Wort, wo es um unsere Werte geht, bestehen und wird sich als zuverlässig bewähren. Garantiert.                                                  Pfarrer Andreas Streich

     

  • addAndacht für Montag, 1. März 2021:

    Jakob sprach zu Josef: Geh hin und sieh, ob’s gut steht um deine Brüder und um das Vieh.

                                                                                   1 Mose 37,14

    Der alte Vater Jakob schickt seinen Josef, um nach seinen Brüdern zu sehen. Eigentlich ein ganz normaler Vorgang. Da sorgt sich ein Vater um das Wohlergehen seiner Kinder. Er möchte nichts versäumen. Sollte es ihnen nicht gut gehen, dann will er es sofort wissen. Dann könnte er Hilfe für sie organisieren. Wo Menschen sich miteinander verbunden wissen, da sorgen sie sich auch umeinander. Das ist das Normale.

    Dass das Normale aber nicht immer normal ist, das erfahren wir auch aus der Bibel. Sie ist einfach grundehrlich. Sie zeigt uns das Leben, wie es ist. »Wo ist dein Bruder Abel« fragt Gott den Kain. Und der antwortet – ausweichend, weil er natürlich weiß, was geschehen ist, die Mordtat, die er selbst vollbracht hat - »sollte ich meines Bruders Hüter sein?« Es muss nicht gleich ein Mord sein, der uns zu so einer Aussage verleitet. Es reicht oft auch die Gleichgültigkeit, die uns fragen lässt: »Soll ich sein oder ihr Hüter sein? Ich bin doch nicht verantwortlich. Die oder der muss selber sehen, wo sie bleiben? Mir reicht es, nach mir zu schauen.« Leider ist diese auf sich selbst fixierte Haltung bei vielen das Normale geworden.

    Es ist nicht das Normale. Gott sehnt sich nach uns. Wie Jakob den Josef sendet, so hat Gott seinen Sohn Jesus Christus zu uns gesandt, um nach uns zu schauen. Und er hat gesehen, dass es nicht gut steht um uns. Dass wir verstrickt sind in Sünde und Ichsucht. Doch er hat nicht nur nach uns gesehen, er ist gekommen, um uns zu erlösen. Um uns zu befreien. Und er hat dafür sein Leben gelassen. Für uns – aus Liebe zu uns. Damit das Normale auch bei uns wieder das Normale wird: Dass wir mit Gott und untereinander in herzlicher Liebe und Fürsorge verbunden sind – so wie Gott sich um uns sorgt. Dass eins das andere mit sich in den Himmel bringe.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 22.02. bis 28.02.

  • addAndacht für den Sonntag Reminiszere, 28. Februar 2021 zum Wochenspruch:

    Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.                Römer 5,8

    Es gibt Theoretiker und Praktiker. Menschen, die lieber mit dem Kopf arbeiten und Menschen, die lieber mit der Hand arbeiten. Theorie ist wichtig, wenn man ein Haus bauen oder ein großes Vorhaben planen will. Aber alle Theorie zielt darauf, dass es praktisch wird. Aus den Bauplänen soll ein Haus werden. Auf die theoretische Führerscheinprüfung soll die praktische folgen und auf die Hochzeitspläne von zwei Liebenden soll die Hochzeit folgen, ein gemeinsames Leben wagen.

    Keiner hat sich so viele Gedanken gemacht wie unser Gott. Er hat alles genau geplant: die Schöpfung, unser Leben, diese Welt – und auch unsere Beziehung zu ihm. Was ihn treibt, das ist seine unermesslich große Liebe zu uns. Seine Sehnsucht nach uns. Nach uns Menschen, die wir uns durch die Sünde von ihm entfremdet haben. »Sünde« das ist verwandt mit unserem Wort »Sund« einem Meeresstück, das zwei Länder voneinander trennt. Sünde ist Trennung.

    Doch nun bleibt Gottes Liebe eben nicht Theorie, nicht Absicht. Sondern Gottes Liebe wird zur Tat, bekommt Hand und Fuß. »Was nicht zur Tat wird, hat keinen Wert« hat Gustav Werner gesagt. Und er hat es von Gott gelernt. Denn bei ihm wird es zur Tat. Wo sehen wir sie: Dass Christus für uns gestorben ist. Für uns – aus Liebe zu uns. Gott gibt das Liebste her für uns, aus Liebe zu uns. Um uns zu erlösen. Um uns in die Gemeinschaft mit ihm zurückzuholen. Um uns seine Liebe erfahren zu lassen und von nun an mit ihm zu leben. Was für eine Liebe! Was für eine Tat der Liebe! Was für eine Chance für uns! Lassen wir uns Gottes Liebe in Christus doch gefallen! Versäumen wir sie nur nicht!

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Samstag, 27. Februar 2021:

    Wie ein Adler ausführt seine Jungen und über ihnen schwebt, breitete der HERR seine Fittiche aus und nahm sein Volk und trug es auf seinen Flügeln.      5 Mose 32,11

    Was für ein starkes Bild. Ich bin kein Biologe. Mit Adlern kenne ich mich nicht so gut aus. Ich weiß nicht, wie das genau funktioniert, dass sie ihren Jungen das Fliegen beibringen. Aber das macht nichts. Den Sinn dieses Bibelwortes verstehe ich trotzdem.

    Da geht es um Zuwendung: Wie der Adler für seine Jungen da ist – so ist Gott für uns sein Volk da. Und so ist Gott, wenn ich hinüberschaue ins Neue Testament, auch für uns da. Er sorgt sich um uns. Er kümmert sich um uns. Unser Gott ist ein persönlicher Gott. Ihm geht es ganz persönlich um uns. 

    Da geht es um Schutz: Wenn der Adler da ist, haben die Jungen nichts zu befürchten. Die ausgebrei­teten Fittiche schützen und decken zu. Gott ist für uns und Gott schützt uns. Das ist die Botschaft. In Jesus, dem Gekreuzigten, da sehe ich diesen Gott am Werk – der sich schützend an meine Seite stellt. Der meine Schuld auf sich nimmt und sie wegträgt an sein Kreuz. Der mich vor dem ewigen Tod beschützt, weil er sein Leben für mich gelassen hat und für mich auferstanden ist.

    Und da geht es um Getragenwerden. Auf den Flügeln des Adlers getragen werden – was für ein Bild. Gott trägt uns. Gott trägt uns durch. Paulus kann sagen: Ich bin darin guter Zuversicht, dass der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird es auch vollenden. Das lateinische Fremdwort für dieses Durchgetragenwerden heißt übrigens »Perseveranz« – ganz genau so wie das neue Fahrzeug der NASA auf dem Mars, das letzte Woche dort gelandet ist. Wenn Sie mal wieder davon hören, denken Sie vielleicht an Gottes Perseveranz – sein Durchtragen, das wir immer wieder neu erleben dürfen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Freitag, 26. Februar 2021

    Siehe, er ist’s, der die Berge macht und den Wind schafft; er zeigt dem Menschen was er im Sinn hat. Er macht die Morgenröte und die Finsternis, er tritt einher auf den Höhen der Erde – er heißt: »HERR, Gott Zebaoth«.                                                        Amos 4,13

    Das sagt Gott durch den Propheten Amos einem gottvergessenen Volk. Nein, sie haben Gott nicht in dem Sinne vergessen, dass sie ihn gar nicht mehr erwähnen würden. Das »so wahr mir Gott helfe« das sagten sie immer noch. Sie beteten auch zu ihm. Sie gingen zum Gottesdienst, sie gingen in den Tempel. Doch mit ihrem Herzen waren sie nicht bei ihm. Das war reine Formsache. Sie wollten den Segen Gottes, sie wollten seinen Schutz. Aber sie waren nicht bereit, ihm zu gehorchen und zu vertrauen. Sie pfiffen auf seine Gebote und taten lieber, was ihnen für das eigene Wohlergehen nützlich und angenehm erschien.

    Menschen, die so leben, bringt Gott sich in Erinnerung – als der, der er ist: Als Herr der Heerscharen, das bedeutet nämlich »Zebaoth«. Als der, der die Berge macht und den Wind schafft. Das, was die Menschen nicht ändern können – übrigens bis heute nicht. Sturmböen und Orkanen haben wir nichts entgegenzusetzen. Ein Gott, der seinen Willen kundtut. Der uns nicht im Ungewissen lässt über das, was ihm wichtig ist und auch das, was er vorhat. Der auch die Gefahren nicht verschweigt, in die wir uns ohne ihn manövrieren – die tödliche Gefahr.

    Warum der Mittelteil dieses Verses fehlt, kann ich nur vermuten: Es ist eine unbequeme Botschaft. Doch eine wichtige Botschaft – gerade auch in der Pandemie: Er macht die Morgenröte und die Finsternis. Es geschieht nichts auf dieser Welt, was er nicht zugelassen hat. Ja, Gott lässt manches zu, was wir nicht einordnen können und nicht begreifen. Vielleicht auch bei uns genau wie beim Volk Israel damals – als Weckruf: Wendet euch doch mir wieder zu. Suchet mich, so werdet ihr leben. Denn ohne mich läuft euer Leben – ob ihr’s glaubt oder nicht – in eine falsche Richtung. Gott bringt sich in Erinnerung. Und Gott lädt ein, ihn zu erleben: Als Retter, als Heiland, als der, der uns ans Ziel bringt.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • addAndacht für Donnerstag, 25. Februar 2021:

    Gott ist mein Hort, auf den ich traue, mein Schutz und Berg meines Heils, mein Schutz und meine Zuflucht, mein Heiland, der du mir hilfst vor Gewalt.                   2 Samuel 22,3

    Kurz vor den letzten Worten Davids ist uns dieser Dankspalm – oder auch Siegespsalm von David im 2. Samuelbuch überliefert. Sozusagen als Quintessenz seiner Erfahrungen mit Gott. Wie er Gott erlebt hat, das kann David mit wenigen Worten zusammenfassen. Gott ist… Auch wenn es nur Stichworte sind, die David liefert. Zwei Dinge fallen auf: Die Worte sind zugleich ein sehr persönliches Bekenntnis und sie sind nicht abstrakt, sondern ganz plastisch. Man kann sich was drunter vorstellen.

    Davids Worte über Gott sind ein persönliches Bekenntnis: Gott ist mein – dieses Possesivpronomen, dieses besitzanzeigende Wörtchen „mein“ stellt David immer voran – bzw. im Hebräischen Urtext hängt es immer an. Spätestens beim 2. Mal fällt es auf, hört man es heraus. David redet nicht von irgend einem Hort, von irgend einem Schutz und Berg – wobei das an sich ja auch schon starke Bilder wären – sondern er hat erlebt: Das gilt mir: Gott ist mein Hort, mein Schutz, meine Zuflucht. Darauf kommt es an. Gott will uns seinen Schutz, die Geborgenheit, die nur er geben kann, ganz persönlich erleben lassen. Gerade so wie Martin Luther es dann in seiner Erklärung des Glaubensbekenntnisses deutlich gemacht hat: Da nennt er die ganzen theologischen Richtigkeiten über Jesus – aber dann wird er ganz persönlich: Ich glaube, dass Jesus Christus, wahrer Gott vom Vater in Ewigkeit geboren und auch wahrhaftiger Mensch von der Jungfrau Maria geboren, sei mein Herr, der mich verlorenen und verdammten Menschen erlöst hat, erworben und gewonnen…

    Darauf kommt’s an, dass wir begreifen: Es geht um mich! »Für uns« ist das Stichwort, das immer wieder im Neuen Testament auftaucht, wo es darum geht, zu ergründen, was es mit dem Leiden und dem Kreuzestod von Jesus auf sich hat. »Für uns« - seine Liebe ist von Gott ganz persönlich gemeint. Seine Hingabe zielt auf mich. Gott will mit jedem und jeder von uns ganz persönlich verbunden sein. Und wir brauchen einen Heiland, wir brauchen einen Schutz und wir brauchen sein Heil.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Mittwoch, 24. Februar 2021


    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    in dieser Zeit lernen wir mehr noch als sonst, dass wir unser Leben nicht in der Hand haben und letztendlich nicht selber garantieren können, dass unser Leben einen guten Verlauf nimmt. Und wenn wir noch so viel Geld für Versicherungen aller Art ausgeben, uns noch so viel über alles Mögliche informieren – eine Garantie dafür, dass wir gesund bleiben und sicher leben, kann uns all das nicht geben.

     

    Der Losungsvers aus 3. Mose 26 spricht uns da mit einer immensen Zusage an. Dort heißt es, damals an das Volk Israel gerichtet: „Ihr sollt Brot die Fülle haben und sollt sicher in eurem Lande wohnen“ (3. Mose 26,5). Das ist ein Versprechen von dem Gott Israels, dem Vater unseres Herrn Jesus Christus, an das damals noch durch die Wüste wandernde Volk für die kommende Zeit im verheißenen Land. „Ihr sollt Brot die Fülle haben und sollt sicher in eurem Lande wohnen.“ Was für eine Zusage, was für ein Versprechen, das sich auch an uns richtet! Und sicher wohnen - das ist ein Herzenswunsch von uns!

     

    Neugierig stellt man die Frage: Mit welchem Hintergrund verheißt Gott seinem Volk, dass er es versorgt und es schützt? Will er dafür etwa eine besondere Gegenleistung, so wie das bei uns Menschen üblich ist? Die Verse vor unserem Tagesvers machen deutlich: Nein, Gott will nicht bezahlt werden. Gott bindet dieses großartige Versprechen vielmehr daran, dass sein Volk ihn anerkennt als den Schöpfer, den Retter, den Herrn über alles. Ihn achtet, ihn an die erste Stelle setzt. Gott will nicht einfach mit guten Taten, mit Opfern irgendwelcher Art freundlich gestimmt werden, um dann Schutz und Versorgung zu bieten. Er will das Herz seines Volkes, die ganze Liebe der Menschen. Und die biblischen Worte laden da zu einem Blickwechsel ein. Nicht der Wunsch nach Sicherheit muss an erster Stelle stehen – sondern der Wunsch nach Gottes Nähe, nach einem Leben mit ihm. Dann sorgt Gott mit größter Selbstverständlichkeit für seine Kinder, die Frage nach Sicherheit und Versorgung wird dann zu einer Nebensache.

     

    Jesus hat genau das Gleiche betont: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch alles andere zufallen“ (Mt 6,33). Er hat dazu eingeladen, sich auf Gott zu besinnen, auf das, was ihm wichtig ist – auf die Liebe zu Gott und dem Mitmenschen. Ohne Angst, deshalb für das eigene Leben zu kurz zu kommen, im Gegenteil: Wo uns Gott und der Nächste ganz am Herzen liegen, da kommen wir niemals zu kurz, da sorgt er selbst für uns.

     

    Ich muss zugeben, dass mir dafür das Vertrauen doch immer wieder fehlt und ich meine, selbst für mich sorgen zu müssen. Es bleibt mir und uns zu bitten: Jesus, schenke mir das Vertrauen, mich ganz auf dich einzulassen und nicht auf die Sorge um mein Leben. Du wirst für mich sorgen, das kann ich nicht und das muss ich nicht. Hilf mir Jesus, darauf zu vertrauen, Dir zu vertrauen. Amen.

  • addAndacht für Dienstag, 23. Februar 2021

    So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns, so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!                                                         2 Korinther 5,20

    Das fünfte Kapitel des 2. Korintherbriefs strahlt eine wunderbare Botschaft aus: Gott fängt noch einmal ganz neu mit seinen Menschen an. Gott schafft Versöhnung, Gott schafft die Möglichkeit, dass unser Verhältnis ganz neu werden kann. Versöhnung ist darin der Kernbegriff: Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selbst und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu. Heißt es da. Also: das erste ist, dass Gott selbst Versöhnung wirkt. Und dann folgt das zweite: Er hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. Das ist das Evangelium von Jesus Christus. Das Evangelium, dass Christus für unsere Sünden gestorben ist und dass jeder, der an ihn glaubt, Vergebung und neues Leben bekommt.

    Und schließlich hat Gott Menschen beauftragt, diese Botschaft weiterzutragen: Aber das alles von Gott, der uns mit sich selber versöhnt hat durch Christus und uns das Amt gegeben, das die Versöhnung predigt. Also auch das Apostelamt verdankt sich der großen Versöhnungsbewegung Gottes. Und nun kommt der 4. Schritt: Die Einladung, die Aufforderung, die Botschaft: Lasst euch versöhnen mit Gott!

    Paulus lässt keinen Zweifel an seiner Überzeugung: Diese Versöhnung brauchen alle Menschen – auch die, die meinen, sie hätten das nicht nötig. Gott will wirklich alle beschenken. Gott will alle. Gott geht es immer ums Ganze. Auch wo es um die Versöhnung geht. Und darum läuft diese Botschaft, darum wirkt Gottes Versöhnungsbewegung bis heute – und Menschen erleben es immer wieder entlastend, befreiend, wo das in ihrem Leben Wirklichkeit wird »Unendlich Glück! Du littest uns zugute. Ich bin versöhnt in deinem teuren Blute.« (EG 91,9)

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Montag, 22. Februar 2021

     

    Hanna betete: HERR Zebaoth, wirst du das Elend deiner Magd ansehen und an mich gedenken und deiner Magd nicht vergessen, und wirst deiner Magd einen Sohn geben, so will ich ihn dem HERRN geben sein Leben lang…                             1. Samuel 1,11

    Hanna ist in Not. In einer seelischen Not. Sie lebt mit einem Mann zusammen, der – wie es damals nicht unüblich war – zwei Frauen hatte. Doch anders als Hanna hatte diese andere Frau Kinder geboren. Und die spielen in der Rivalität dieser beiden Ehefrauen eine entscheidende Rolle. Wie viel Kränkung, wie viel Verletzung hat Hanna von ihrer Rivalin schon erlebt. Ihre Not ist ihre Kinderlosig­keit. Ärzte konnten ihr nicht helfen und auch sonst wusste sie keinen Weg der Selbsthilfe. Sie kann sich in ihrer Not nur an Gott wenden. An den Gott, dem sie vertraut. HERR Zebaoth nennt sie ihn. Wörtlich: Jahwe der Heerscharen. Ein Gott, dem alle Macht gegeben ist. Ein Gott, der Völker lenkt wie Wasserbäche. Ein Gott, der Himmel und Erde gemacht hat – das ganze Universum.

    Und doch weiß Hanna: Dieser Gott übersieht mich nicht. Diesen Gott lässt mein Elend nicht kalt. Unser Gott ist ein Gott der Sterne und der Galaxien. Und unser Gott ist ein Gott der Sperlinge und der Haare auf dem Kopf. Jedes ist gezählt. Und darum wendet sich Hanna voller Vertrauen an ihn. Weil sie weiß: Er ist für uns immer die richtige Adresse, wenn wir in Not sind. Er ist für uns immer auch die erste Adresse. Er sieht das Elend. Er gedenkt an mich und er vergisst mich nicht. Nicht weil ich im Vergleich zu anderen wichtiger bin oder mir wichtiger vorkomme – all die menschlichen Vergleiche, die wir machen, zählen vor Gott doch nicht. Nein: Weil er uns liebt, weil er sich nach uns sehnt.

    Hanna hat empfangen, was sie erbeten hat: Einen Sohn, Samuel. Wir wissen: Gott wird uns nicht immer das geben, was wir erbeten. Gott ist kein Automat. Aber wie es auch sei, dass Gott unser Gebet beantwortet: Er sieht unser Elend, er gedenkt an uns und er vergisst uns nicht. Und das sollen und werden wir spüren – auch wenn sich bei uns an den äußeren Umständen vielleicht scheinbar gar nichts ändern mag. Denn er ist derselbe auch für uns.

    Pfarrer Andreas Streich

     

 

Woche 15.02. bis 21.02.

  • addAndacht für den Sonntag Invokavit, 21. Februar 2021 zum Wochenspruch

    Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre. 1. Johannes 3,8b

    Es gibt etwas, das uns zerstört, was uns kaputt macht – was die Gemeinschaft zwischen Menschen und zwischen Mensch und Gott vergiftet. Dieses Etwas, das nennt die Bibel Sünde. Der Apostel Johannes schreibt im ersten Teil dieses Verses: Wer Sünde tut, der ist vom Teufel; denn der Teufel sündigt von Anfang an. Da gibt es etwas – die Bibel bezeugt: da gibt es einen, eine personale Macht – die hat nur Zerstörung im Sinn, Kaputtmachen, stören, lügen, betrügen, Misstrauen und Zwietracht säen. Und dieser Eine, der hat Macht. Auch Jesus bezeugt: Wer Sünde tut, der ist der Sünde Knecht. Der wird zum Sklaven der Sünde. Das ist eine bittere, ernste Wirklichkeit. Und auch die, die die Existenz eines Teufels als personale Macht, nicht glauben wollen, haben ein Problem, das Böse, das es gibt, in dieser Welt zu erklären.

    Halten wir uns nicht zu lange bei dem Bösen (das oder der) auf. Wenden wir uns lieber dem zu, der das zerstört, was uns zerstört. Der das niedertritt, was uns unterworfen hat, was uns unfrei macht: Jesus Christus, der Sohn Gottes. Paul Gerhardt dichtete in seinem Weihnachtslied: »Sehet, was hat Gott gegeben: / seinen Sohn zum ewgen Leben. / Dieser kann und will uns heben / aus dem Leid ins Himmels Freud. Seine Seel ist uns gewogen / Lieb und Gunst hat ihn gezogen, / uns, die Satan hat betrogen, / zu besuchen aus der Höh. / Jakobs Stern ist aufgegangen, / stillt das sehnliche Verlangen, / bricht den Kopf der alten Schlangen / und zerstört der Höllen Reich.

    Der Teufel ist nie Adresse für uns – nie und in keiner Weise. Jesus ist unsere Adresse. Jesus, der die Werke des Teufels zerstört. Der das zerstört, was uns kaputt macht. Was für ein Herr!

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Samstag, 20. Februar 2021

    Der HERR erlöste sie, weil er sie liebte und Erbarmen mit ihnen hatte. Er nahm sie und trug sie allezeit von alters her.                                       Jesaja 63,9

    Gott macht die Erlösung seiner Menschen zur Chefsache. So war es schon beim Volk Israel im Alten Testament und nicht anders ist es im Neuen Testament, wo Gott in Jesus Christus selbst auf den Plan tritt. Erlösung ist Chefsache. Das wird aus dem ersten Teil des Verses deutlich, der heute unsere Losung bildet und nicht im Losungsbüchlein abgedruckt ist: Nicht ein Engel und nicht ein Bote, sondern sein Angesicht half ihnen. Der HERR erlöste sie…

    So wichtig sind wir Menschen ihm, dass er selbst auf den Plan tritt. Gott bleibt nicht draußen, weit weg von seinen Menschen. Gott hat sich nicht zur Ruhe gesetzt. Sondern er brennt vor Liebe. Und Gott wird pro-aktiv aus Liebe zu uns. Er wartet nicht ab, bis wir uns ihm zuwenden. Er selbst macht sich auf die Suche nach uns. Er selbst steigt herab von seinem ewigen Thron und wird selbst Mensch. Und er stirbt sogar für uns – an unserer Stelle am Kreuz. Was für eine Liebe. Was für eine Hingabe. Bei Paulus lesen wir: Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selbst und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.

    Warum tut Gott das? Im Alten wie im Neuen Bund? Es gibt nur eine Antwort: Liebe, Erbarmen. Darum tut Gott alles für uns. Darum kommt Jesus. Darum stirbt er für uns. Darum überwindet er den Tod für uns – weil Gott sich in Ewigkeit nach uns sehnt. Er trägt uns – so wie er das Volk Israel getragen hat und bis heute trägt – allezeit und von alters her – er trägt uns durch. D.h. für mich auch: Er bringt uns ans Ziel. Nicht ein Engel, nicht ein Bote – er selbst. Denn: Erlösung, Rettung ist Chefsache bei Gott.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Freitag, 19. Februar 2021:

     

    HERR, du hast angefangen, deinem Knecht zu offenbaren deine Herrlichkeit und deine starke Hand.

    5. Mose 3,24

    Das hätte Mose sich wohl nie träumen lassen. All das, was er mit Gott erlebte. Am Anfang des 2. Mosebuchs, als Gott ihn als alten Mann beruft – nach 40 Jahren auf dem Abstellgleis – nein, sagen wir besser: nach 40 Jahren Vorbereitungszeit – in der Fremde, da trägt dieser Mose lauter Gründe zusammen, warum Gott vielleicht doch lieber einen anderen für diese Aufgabe aussuchen sollte. Mose zählt auf, was er alles nicht kann. Und er erlebt: Darauf kommt es überhaupt nicht an bei unserem Gott. Denn da zählt nur das, was er kann und was er sagt. Er ist die große 1 vor all den Nullen, die wir in unserem Leben haben mögen.

    Hier, fast am Ende seines Lebens, schaut Mose zurück. Und er spürt: Dieser Gott hat noch viel mehr für uns bereit. Das, was ich erlebt habe: mit den Plagen, vor dem Pharao, beim Auszug aus Ägypten, beim Durchzug durchs Schilfmeer, beim Sieg über die Amalekiter, als wir mit Wachteln und mit Manna in der Wüste gespeist wurden, als Wasser aus dem Felsen drang und schließlich als ich oben auf dem Berg Gottes im Gebirge Sinai war und seine heilige Weisung empfing, als er einen Bund mit uns schloss und mein Gesicht leuchtete – das alles war nur der Anfang der Offenbarung. Da ist noch viel mehr zu entdecken. Und Mose möchte es erleben. Er möchte mit ins Gelobte Land, mit über den Jordan. Doch Gott verwehrt es ihm.

    Wenn wir das begreifen: Gott hält noch so viel für uns bereit. Mehr, Größeres, Wichtigeres, Tieferes, Höheres, Wertvolleres, Kostbareres als das, was er uns geben kann, gibt es nicht, dann haben auch wir diese entscheidende Erkenntnis des Mose verinnerlicht. Ihr werdet euch freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude kann Petrus schreiben, wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt. Dorthin sind wir unterwegs. Zielgerichtet, ausgerichtet auf unseren Gott, der Grund und Ziel unseres Lebens ist.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Donnerstag, 18. Februar 2021

     

    Jesus sprach zu Zachäus: Ich muss heute in deinem Haus einkehren.    Lukas 19,5

    Eine seltsame Begegnung – dort unter dem Maulbeerbaum in Jericho. Oben in der Baumkrone sitzt der kleine Zachäus, der erfolgreiche Zöllner. Er ist die Karriereleiter ganz nach oben geklettert, weil er meinte, das muss man doch so machen. Er hat genommen, was er kriegen konnte. Er hat seine Vorteile ausgenutzt, machen ja schließlich alle so. Wir kennen die Floskeln, mit denen wir das zu verteidigen versuchen, wovon wir eigentlich wissen, dass es nicht in Ordnung ist. Und wir folgen darin einem scheinbaren Zwang. Sagen wir lieber: einer Gier. Einer Gier nach Leben, nach Erfolg, nach Geld, nach Macht, nach Einfluss. Es muss so sein – sagen wir uns.

    Jesus steht unter dem Baum, auf dem Zachäus sitzt. Er sitzt dort, weil er spürt: Das war’s doch noch nicht mit dem Leben. Da muss doch noch mehr Leben drin sein im Leben. Doch wo und wie? Und Jesus fordert ihn auf, herunterzukommen. Denn – und jetzt kommt’s: Ich muss heute in deinem Haus einkehren. Das ist ein ganz anderes Muss. Es ist das Muss der Liebe Gottes. Gott lässt es nicht kalt, wo Menschen ohne ihn leben. Jeder Tag, den ein Mensch ohne Gott lebt, ist ein Tag zu viel. So sieht er seine Menschen. Er sehnt sich nach uns. Er sehnt sich nach Zachäus. Er sehnt sich nach dir und mir. Und darum muss er bei diesem Zachäus einkehren. Und mit der Einkehr von Jesus verändert sich alles. Da wird das Leben dieses Zachäus umgekrempelt. Da darf er noch einmal ganz neu anfangen. Und Jesus wird sagen: Heute ist diesem Haus Heil widerfahren. Heil widerfährt uns, wo Jesus in unserem Leben einkehrt. Wo uns klar wird: Er kennt nicht nur meine guten Seiten, er kennt auch meine Schattenseiten. Er kennt die dunklen Ecken meines Lebens, die ich vor anderen verstecken mag. Er sieht tiefer, weiter, klarer. Er durchschaut mich – und dann schaut er mich mit den Augen seiner unbegreiflichen Liebe an und hält mir seine Hand hin: Komm, wage es mit mir. Kommt, vertraue mir. Komm, fang mit mir noch einmal ganz neu an. Was für ein Muss. Was für ein Herr!

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Mittwoch, 17. Februar 2021


    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    Woher wir stammen, fragt er nicht.

    Er lädt zu Brot und Wein,

    bringt alle uns an seinen Tisch,

    lässt uns dort eines sein.

    Ob fromm, ob Sünder gilt hier nicht,

    auch nicht, ob Frau, ob Mann;

    Gott stellt Versklavte Freien gleich,

    nimmt sie als Erben an.

     

    Diese Liedstrophe legt den Vers aus dem 1. Johannesbrief aus, der heute im Losungsbüchle steht: „Jesus Christus ist die Versöhnung für unsere Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt.“ (1. Joh. 2,2). Es ist ein Vers, der unseren Blick weiten will. „Jesus Christus ist die Versöhnung für unsere Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt.“

    Bei Vergebung der Sünden denken wir als evangelische und noch stärker als pietistisch geprägte Christen zuallererst an uns selber, an unsere Schuld und an die Vergebung dafür. Das kann uns ja auch ganz schön beschäftigen. Und manchmal sind wir auch sehr damit beschäftigt, möglichst so zu leben, dass wir nicht schuldig werden. Unser Blick bleibt da sehr bei uns selbst.

     

    Johannes legt uns da seine Hand auf die Schultern und sagt: Du, schau mal auf, es gibt nicht nur Dich – schau die vielen Menschen um dich herum, für die Christus das Heil gebracht hat. Freu Dich darüber, dass das andere voller Freude auch schon entdeckt haben. Eure Freude verbindet Euch, auch zum gemeinsamen Dienst.

    Und sieh auch die vielen, die für ihr Leben keine echte Hoffnung haben, die noch nicht entdeckt haben, was Christus für sie bereithält, dass er auf sie wartet, dass er sie annimmt, mit all ihrem Versagen. Sieh diese Menschen, geh auf sie zu, sprich sie an! Bleib nicht bei deinen eigenen Problemen stehen. Auch nicht bei deiner Angst, schuldig zu werden und dich deswegen lieber von anderen fernzuhalten. „Jesus Christus ist die Versöhnung für unsere Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt.“

     

    Heute beginnt die Passionszeit. Dieser Vers darf uns ermutigen, dass wir sehen: der Leidensweg von Jesus hat eine Bedeutung nicht nur für jeden einzelnen, sondern auch für uns alle zusammen. Die Passionszeit verbindet uns. Jesus verbindet uns. Diese Sicht gibt Hoffnung in dieser Zeit, in der wir ja leider oft Abstand halten müssen. „Jesus Christus ist die Versöhnung für unsere Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt.“

    Ich wünsche Ihnen, dass Sie in der Passionszeit neu entdecken, wie sehr uns Jesus in der Gemeinde und weit darüber hinaus verbindet.

     

    Amen.

  • addAndacht für Dienstag, 16. Februar 2021:

    Alle Völker auf Erden sollen erkennen, dass der HERR Gott ist und sonst keiner mehr! (1. Könige 8,60)

    Gott geht es immer um’s Ganze. Der Satz unserer Losung stammt aus dem Segen, den der König Salomo am Ende der Einweihung des ersten Tempels in Jerusalem über dem Volk sprach. Tempel, die so ähnlich aufgebaut waren wie der in Jerusalem gab es zuhauf in der damaligen Zeit. Und doch ist dieser Tempel anders als die vielen heidnischen Tempel in seiner Umwelt. Vom Gott, der hier verehrt wurde und der den Namen HERR in unserer Bibel trägt, wird bis heute erzählt. Bis heute beten Menschen aus diesem Volk, dem schon Salomo angehörte, zu diesem Gott. Er hat seine Geschichte mit diesem Volk geschrieben. Er hat sich als der Lebendige erwiesen. Nicht, indem er sie von Erfolg zu Erfolg führte und immer alles glatt gehen ließ. Nein, es ging durch Niederlagen, Schulderfahrungen, durch Vertreibung, Verschleppung und schließlich im 20. Jahrhundert durch systematischen Massenmord, nur weil verblendete Menschen meinten, man müsse die jüdische Rasse ausrotten. Ihr Gott hat sich als der Lebendige erwiesen, als der, der Gott ist und sonst keiner mehr.

    Und das sollen alle Völker erkennen. In Jesus Christus wendet sich dieser Gott ganz neu seinen Menschen zu – und zwar allen Menschen. Israel ist und bleibt Gottes erwähltes Volk. Doch weil ihr Gott der einzige Gott ist, darum sollen auch alle anderen Menschen aus allen anderen Völkern ihn kennenlernen und die Einladung hören, dass er mit uns leben will.

    Das »höhere Wesen«, an das so viele gern glauben wollen, hat einen Namen. Es ist der HERR, unser Gott. Er hat uns geschaffen. Er hat uns gewollt. Und er will, dass wir ihn erkennen. Denn in Jesus Christus macht er uns zu seinen Kindern und verbindet sich mit uns.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • addAndacht für Montag, 15. Februar 2021

    So wird Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen.    Lukas 15,7

    »Der Himmel lacht« im wahrsten Sinne des Wortes, wo ein Mensch die Umkehr zu Gott schafft. Da lacht der Himmel. Da bricht Freudenjubel im Himmel aus – mehr noch als bei einem überraschenden Konter im Fußballstadion beim Länderspiel, der zum entscheidenden Tor führt. Es ist von Gottes Himmel die Rede. Von dem Himmel, den wir mit unseren Augen nicht sehen, und in den wir mit keinem Flugzeug oder keinem Raumfahrzeug vordringen können. Der Himmel, der zu Gottes unsichtbarer Welt gehört, die sich um unsere sichtbare Welt breitet und sie durchdringt.

    Dort wird wahrgenommen, was hier geschieht. Und dort gibt es einen klaren Wunsch, ein klares Ziel: Dass Sünder heimkehren – wie der verlorene Sohn im Gleichnis – zu ihrem Vater im Himmel. Dass sie ihre bösen Wege erkennen. Nicht weitergehen, sondern kehrtmachen, ihre Sünde bekennen, sie ihnen vergeben wird und sie im Glauben an Jesus Christus, der für uns gestorben und auferstanden ist, in einem neuen Leben leben. Wenn man drüber nachdenkt, dann sind die alten Formulierungen in unserem Katechismus ziemlich treffend, auch wenn wir sie als Jugendliche im Konfirmandenalter vielleicht nicht ganz verstanden haben: »Buße tun heißt umkehren in die offenen Arme Gottes. Dazu gehört, dass wir unsere Sünden herzlich erkennen, vor Gott und in gewissen Fällen auch vor Menschen bekennen, bereuen, hassen und lassen. Und im Glauben an Jesus Christus in einem neuen Leben wandeln.«

    Buße – so verstanden, ist ein fröhliches Geschäft. So hat Martin Luther gesagt. Es tut uns einfach gut, wenn wir erkennen, dass wir eben nicht zu den 99 Gerechten gehören, sondern Sünder sind und bleiben und umkehren dürfen. Denn die Freude im Himmel die steckt auch uns auf Erden an. Und natürlich auch den oder die, die umkehren zu Gott.

    Pfarrer Andreas Streich

     

 

Woche vom 08.02. bis 14.02.

  • addAndacht für Sonntag Estomihi, 14. Februar 2021

    Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn.                    Lukas 18,31

    Nicht immer haben die Jünger ihren Meister Jesus verstanden. Ein solcher Moment war, als er davon sprach, dass sie nach Jerusalem gehen und er dort leiden und sterben wird. Die Evangelien berichten uns von drei dieser »Leidensankündigungen«, wie man sie nennt. Die Freunde, die mit Jesus zogen, konnten das schlicht nicht einordnen. So wie wir vieles in unserem Leben nicht einordnen können und nicht verstehen.

    Doch Jesus öffnet mit dem Wochenspruch uns den Blick hinter das Vordergründige hinein in Gottes Plan. Ja, er gehört in die Kategorie »Leidensankündigung«. Und er ist bewusst für diesen Sonntag, direkt vor der Passionszeit, die am kommenden Mittwoch beginnt, ausgewählt. Doch er gibt uns den Blick hinter das Sichtbare, was da passiert. An anderer Stelle kann Jesus sagen, dass es so geschehen »muss«. Es steckt Absicht dahinter. Und zwar nicht nur die Absicht von bösen Menschen, die einen Unschuldigen ins Leiden treiben und ans Kreuz nageln. Sondern es steht die ewige Absicht des Vaters im Himmel dahinter, der sich nach seinen verlorenen Menschen sehnt. Und der sie wieder zurück­ho­len will in die Gemeinschaft mit sich.

    Was Gott vorhat, das kündigt er an durch seine Propheten. Das macht er öffentlich. Damit Hoffnung aufkeimt. Damit die Menschen wissen: es wird anders. Gott greift ein. Gott wirkt. Damit sie nicht verzweifeln. So war es damals, als Jesus nach Jerusalem ging. Da gab es schon die uralten Ankündigungen des leidenden Messias. Denken wir nur an das Jesajabuch: Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten und durch seine Wunden sind wir geheilt. Erst im Nachhinein haben die Jünger freilich die Zusammenhänge begriffen. Doch als sie es erkannten, da wurde es ihnen zur Gewissheit: Dass Jesus gestorben ist, das war nicht nur ein Justizirrtum – das war Gottes Plan zur Rettung von uns Menschen. Und dieser Plan, diese Rettung, der muss bekannt gemacht werden. Damit Menschen die Rettung kennen und erfahren.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Samstag, 13. Februar 2021

    Gott sei uns gnädig und segne uns.                                        Psalm 67,2

    Mehr brauchen wir eigentlich nicht als Gottes Segen. Das ist eigentlich viel treffender als das so viel gehörte: »Hauptsache gesund!«: Gottes Gnade und Gottes Segen. Was nützt mir denn meine Gesundheit, wenn mir die Gnade Gottes, seine Zuwendung fehlt und ohne Gottes Segen ist alles nichts. Die Alten hatten schon recht, wenn sie sangen: »Alles ist an Gottes Segen und an seiner Gnad gelegen über alles Geld und Gut. Wer auf Gott sein Hoffnung setzet, der behält ganz unverletzet einen freien Heldenmut.« Mehr brauchen wir nicht – aber auch nicht weniger! Das ist die Hauptsache: Gottes Segen. Nicht umsonst fasst der alte Neujahrswunsch die Dinge zusammen, wenn man einander »den Segen Gottes, den Frieden, den gesunden Leib und den Heiligen Geist« wünscht.

    Das, worum der Psalmbeter bittet, bedeutet: eine Beziehung haben zu Gott. Die Losung ist nur der erste Teil dieses Verses. Er geht weiter: er lasse sein Antlitz leuchten. D.h. er wende sich uns erkenn­bar zu. So dass wir ihn erfahren können. Unverdient natürlich – aus Gnade. Religionen sind in aller Regel der Versuch der Menschen, eine Gottheit auf ihre Seite zu ziehen – sei es durch Opfer oder dadurch, dass man sie durch gutes Verhalten dazu bewegen möchte.

    Die Bibel macht uns deutlich: Gott lässt sich von uns nicht »kaufen«. Er geht keinen »Kuhhandel« mit uns ein. Seine Zuwendung lässt sich nicht »verdienen«. Wir bekommen sie nur geschenkt – oder gar nicht. Deshalb bittet der Psalmbeter doch. Und wenn wir hinüberschauen ins Neue Testament, dann sehen wir es bestätigt: Da erfüllt Gott diese Bitte in Jesus Christus, seinem Sohn. Da kommt der ewige Sohn vom Vater auf die Erde. Da wendet Gott sich seinen Menschen zu. Und da lässt er uns seine Gnade erleben. Seine verlässliche Gnade: Dass er unsere Schuld für immer auf sich nimmt und sie wegträgt und uns mit sich selbst versöhnt. Damit wir ewig leben dürfen – als seine Kinder. Ja, es bleibt ewig dabei. Das Wichtigste ist Gottes Gnade und Gottes Segen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Freitag, 12. Februar 2021:

    Dünke dich nicht, weise zu sein, sondern fürchte den HERRN und weiche vom Bösen. Sprüche 3,7

    Das ist echte Philosophie. »Philosophia« kommt aus dem Griechischen und lautet wörtlich übersetzt: Die Liebe zur Weisheit. Es gibt echte Weisheit, Lebensweisheit, die zum Leben hilft. Und die lässt sich ganz knapp in diese drei Ratschläge zusammenfassen: Dünke dich nicht, weise zu sein. Heißt übersetzt für uns: Halte dich selbst nicht für klug; vertraue nicht zu sehr deiner Urteilsfähigkeit. Stell dich selber und deine Entscheidung immer wieder in Frage – oder noch besser: Prüfe sie, lass dich überprüfen an den beiden folgenden Kriterien:

    Fürchte Gott – gib ihm den Platz in deinem Leben, den er zurecht beansprucht. Er ist dein Schöpfer. Ihm gehört dein Leben. Er hat dich gewollt und geschaffen. Er liebt dich und sehnt sich nach dir. Fürchte ihn. Lebe dein Leben in der Abhängigkeit von ihm und immer bezogen auf ihn. Frage dich immer wieder: Was will der HERR, mein Gott, von mir. Was würde Jesus an meiner Stelle tun.

    Und weiche vom Bösen. Geh ihm aus dem Weg. Mach einen Bogen drum rum. Meistens wissen wir ja sehr genau, was uns nicht gut tut und womit wir anderen schaden. Und trotzdem probieren wir es immer wieder aus. Das Gute, das ich will, das tue ich nicht, sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich. Wie viel Leid, wie viel Traurigkeit könnte vermieden werden, wenn wir ganz einfach diesen Rat mehr beherzigen würden: Weiche! Lauf weg! Lass dich nicht auf das Spielchen ein: Das machen doch die andern auch; wird schon nicht so schlimm sein.

    Bleiben wir bei diesem einfachen, aber guten Rat: Dünke dich nicht, weise zu sein, sondern fürchte den HERRN und weiche vom Bösen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Donnerstag, 11. Februar 2021:

    Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die geblieben sind als Rest seines Erbteils; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er hat Gefallen an Gnade!                                                            Micha 7,18

    »Mi El Kamocha?« Wo ist ein Gott wie du? Das steht am Ende des Micha-Buchs. Das Staunen über Gott. Über den Gott, der die Sünde vergibt. Über den Gott, der die Schuld erlässt. Über den Gott, der sich des Restes, der von seinem Erbteil geblieben ist, erbarmt. Über den Gott, der nicht ewig an seinem Zorn festhält. Und über den Gott, den danach verlangt, gnädig zu sein. Ich schaue hinüber ins neue Testament, wo all diese Worte im gekreuzigten Jesus Christus ganz dick unterstrichen werden. Und da steht genau dieselbe Frage: »Mi El Kamocha?« Wo ist ein Gott wie du? Ein Gott, der zum Lamm wird, zum Lamm Gottes und die Sünde der ganzen Welt auf sich nimmt.

    Zu den Ritualen des Großen Versöhnungstages in Israel, dem Jom Kippur, gehörte, dass der Priester die Hände auf den Kopf eines Schafbocks stemmte und betend symbolisch die ganze Sündenlast Israels auf ihn legte und ihn dann in die Wüste schickte. Ein Hinweis, ein Symbol für Jesus, den wahren »Sündenbock« Gottes für uns alle. Denn Gott will retten. Gott verlangt es, gnädig zu sein.

    Zwei Worte in dieser Losung lassen erahnen, aus welch ernster Lage und von welch schweren Erfahrungen her, der Prophet Micha spricht: Da ist vom Zorn Gottes die Rede. Von einem heiligen Zorn. Und meinen wir ja nicht, den gebe es heute nicht mehr. Der Zorn Gottes über all das, was uns kaputt macht und womit wir andere kaputtmachen, der ist und bleibt real. Wer die Leiden des Gekreuzigten sieht, der sieht, wie real dieser Zorn Gottes ist. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten lesen wir bei Jesaja. Und vom Rest ist die Rede. Vom heiligen Rest, über den Gott sich erbarmt. Von einst 12 Stämmen Israels ist uns heute nur noch die Existenz von 2 ½ bekannt: Levi, Juda und Benjamin. Ein Rest, wenige, die gerettet sind. Ja, Gott nimmt unsere Sünde ernst, todernst. Darum um so wichtiger: Er hat Gefallen an Gnade. Ihn verlangt danach, uns gnädig zu sein. Deshalb die eindringliche Bitte des Apostels Paulus: So bitten wir nun an Christi Statt: Lasst euch versöhnen mit Gott. Da ist die Gnade Gottes – da in Jesus Christus, dem Gekreuzigten – für uns erlebbar. Ach, dass sie doch keiner versäumt. Ach, dass doch viele sie erleben und nicht verloren gehen.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • addKurzbotschaft am Telefon in Plattenhardt für Mittwoch, 10. Februar 2021

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    je älter wir werden, umso mehr wird uns die Vergänglichkeit von allem bewusst, was auf dieser Erde und in diesem Leben ist. Wo sind die vielen Jahre geblieben, als die Kinder noch klein waren und es insgesamt doch sehr schön war, sie aufwachsen zu sehen? An manchen Angehörigen, manchen Freund erinnern wir uns, der nicht mehr unter uns ist. Und wie vergänglich sind auch die eigene Kraft, Gesundheit, ja, manchmal auch der eigene Glaube, der Lebensmut. Wenn wir darüber nachdenken, kann uns die Vergänglichkeit schon lebenstraurig, melancholisch machen. Man kann sich mit allerlei Ablenkung, und sei es nur das Fernsehprogramm, darüber hinwegtrösten, nicht mehr an die Vergänglichkeit denken. Aber ein wirklicher Trost ist das nicht.

     

    Natürlich ist die Vergänglichkeit wie alle großen Lebensfragen ein Thema in den biblischen Büchern. Die Menschen hat das damals schon genauso beschäftigt wie uns. Darüber könnte man jetzt eine lange spannende Bibelarbeit machen, sogar mehrere Abende, vielleicht ja einmal eine Idee für unseren Pfarrer Andreas Streich. Als ein kleines Wort haben wir jetzt und heute den Vers aus den Losungen. Da heißt es in Psalm 102: „Himmel und Erde werden vergehen, du aber bleibst“ (Psalm 102,27). „Himmel und Erde werden vergehen, du aber bleibst.“

     

    Der Psalmbeter verdrängt oder verniedlicht die Vergänglichkeit nicht. Im Gegenteil: Er spricht sie an. Und zeigt damit, wie sehr sie ihm zu schaffen macht. Der Beter findet Trost darin: Du, Gott, bleibst. Du, Gott, bist von aller Zeit her und bis in alle Zeit. Das ist ein Blickwechsel, weg von all dem, was vergänglich ist und uns traurig und mutlos machen will zu dem, der bleibt, der nicht vergeht. Und der uns zusagt, dass wir mit ihm sind und sein werden und nicht vergehen werden. Nirgends wird das so deutlich wie an Ostern: Jesus ist auferstanden, der Tod, die große Macht der Vergänglichkeit, konnte ihn nicht halten. Jesus hat die Vergänglichkeit besiegt. Nicht nur für sich, sondern auch für uns. Ostern ist das Blickwechselfest, den Blick weg von der Vergänglichkeit hin zu dem, der die Vergänglichkeit besiegt hat, zu Jesus!

     

    Es gibt den sehr schönen Kanon, der den Losungsvers von heute aufgreift: „Alles ist eitel (also vergänglich) – Du aber bleibst und wen du ins Buch des Lebens schreibst.“ Mit einer ganz ruhigen Melodie ermutigt dieses Lied. Vielleicht kennen Sie den Kanon und singen ihn nachher für sich.

     

    Im Losungsbuch steht für heute auch noch eine Liedstrophe und zwar von Jochen Klepper. Mit dieser Strophe schließe ich, sie ist Gebet und Bitte:

     

    Der du allein der Ewge heißt und Anfang, Ziel und Mitte weißt

    im Fluge unsrer Zeiten:

    bleib du uns gnädig zugewandt

    und führe uns an deiner Hand,

    damit wir sicher schreiten.

     

    Amen.

  • addAndacht für Dienstag, 9. Februar 2021:

    Ich will rühmen Gottes Wort; ich will rühmen des HERRN Wort.              Psalm 56,11

    Wo wird Gott für uns greifbar, erfahrbar? Das ist eine der entscheidenden Fragen für unser Leben. Gott können wir nicht sehen. Wir können von uns aus ihn auch nicht erreichen. Wir können ihn nicht erforschen, untersuchen und schon gar nicht beobachten – wie wir das mit den vielen Gegenständen und Vorgängen dieser Welt tun können. Von uns aus hätten wir keine Möglichkeit, überhaupt etwas über Gott zu erfahren. Deshalb die Frage: Wo wird Gott für uns erfahrbar? Wo bekommen wir etwas von ihm und über ihn mit. Die Antwort lautet: In Gottes Wort – da sind uns die Erfahrungen von Menschen mit Gott, die wir kennen sollen, aufgeschrieben. David lobt n dem „güldenen Kleinod“ Ps 56 Gottes Wort. Weil das, was uns in der Bibel aufgeschrieben ist, der entscheidende Zugang zu eigenen Erfahrungen mit Gott ist.

    Gottes Wort, das ist, was er uns sagt, was er uns offenbart, was er uns auch zuspricht. Das sind Gebote und Verheißungen, das sind Mahn- und Trostworte. David kann diese Worte Gottes vollumfänglich loben. Denn so breit und vielfältig die Worte sind, so breit und vielfältig ist ihre Wirkung: Sie zielen darauf, dass wir uns ganz Gott zuwenden. Dass wir ihn über alle Dinge lieben, fürchten und ihm vertrauen. Das Wort ist Medium – es weist hin auf seinen Inhalt und vermittelt ihn uns: Und der Inhalt ist Gott. Der Gott, der sich nach uns sehnt und der mit uns leben will. Der sich mit uns verbindet und für uns da ist. Diesen Gott lobt David – und er lobt ihn dafür, dass er selbst durch sein Wort dafür gesorgt hat, dass wir ihn kennen lernen können.

    Es lohnt sich mit dem Wort Gottes, das wir in der Bibel, in der heiligen Schrift vorliegen haben, zu beschäftigen. Sich Zeit zu nehmen, um sie zu studieren und Gott zu bitten: Rede zu mir durch dein Wort. Und damit sind wir nie fertig. Martin Luther sagte: Die Schrift ist wie ein Kräutlein. Je mehr man daran reibt, umso mehr duftet es.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Montag, 8. Februar 2021:

    Die den HERRN lieb haben, sollen sein, wie die Sonne aufgeht in ihrer Pracht!                Richter 5,31

    Manchmal leuchten Bibelworte im wahrsten Sinne des Wortes auf. So auch dieses Wort von der aufgehenden, strahlenden Sonne. Viele von uns kennen es aus dem Lied von Peter Strauch: „Die Gott lieben, werden sein wie die Sonne, die aufgeht in ihrer Pracht.“. Eigentlich eine wunderbare Auslegung dieses Bibelverses.

    Es redet von der Zukunft, die Gott für die bereit hält, die ihn lieben. Und es verschweigt nicht, dass wir heute manchmal noch darunter leiden, dass wir noch nicht an dem Punkt sind, wo wir sein werden, wie die Sonne, die aufgeht in ihrer Pracht: »Noch verbirgt die Dunkelheit das Licht und noch sehen wir den Himmel nicht«. Noch sind wir nicht am Ziel angekommen. Noch sind wir unterwegs. Und es ist gut, wenn uns die Sehnsucht nach dem Ziel wach gehalten bleibt.

    Doch wir haben die Zusage, dass Gott uns zum Ziel bringen wird. Gott hat in Jesus Christus noch einmal ganz neu angefangen in der Geschichte mit uns Menschen. Das Entscheidende ist bereits geschehen. »Doch schon zieht ein neuer Tag herauf, und das Licht des Morgens leuchtet auf.« So dichtet Peter Strauch. Noch werden Tränen geweint, noch sind Krieg und Terror nicht endgültig gebannt. Doch es ist uns versprochen, dass am strahlenden Morgen des Tages Gottes, auf den wir zugehen, all das nicht mehr sein wird. Sondern wo nur noch das sein wird, was hier steht: Die Gott lieben werden sein wie die Sonne, die aufgeht in ihrer Pracht.

    Es tut gut, sich immer wieder dieses Ziel vor Augen stellen zu lassen. Und sich zu prüfen: Werde ich dabei sein? Bin ich ein Mensch, der Gott liebt? Wo nötig, will ich mich von Gott auch korrigieren lassen. Denn ich will ein Mensch sein, der Gott liebt – von ganzem Herzen, mit aller Kraft und von ganzem Gemüt.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 01.02. bis 07.02.

  • addAndacht für Sonntag Sexagesimae, 7. Februar 2021

    Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht. Hebräer 3,15

    Wir sind gefragt. Wir sind aufgefordert. Es gibt ein Spannungsfeld, in dem sich unser Glaube bewegt. Sicher nicht nur eines, aber um dieses Eine geht es beim Wochenspruch. Auf der einen Seite des Spannungsfeldes steht Gott und was er tut. Zu unserem Heil, dazu, dass Gott uns annimmt, können wir nichts, aber auch gar nichts beitragen. Da hat Gott in Jesus Christus alles für uns getan. Er hat am Kreuz die große Versöhnung erwirkt, wie Paulus im 2. Korintherbrief schreibt. Und dann hat er das Wort von der Versöhnung aufgerichtet, das Evangelium. Auch das kommt von Gott, von Gott allein. Dass wir es annehmen können, das wirkt auch Gott durch seinen Heiligen Geist. Martin Luther sagte: »Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann, sondern der Heilige Geist hat mich durchs Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet…« Also: Auch unser Glaube beruht nicht auf unserer Weisheit, unserer Entscheidungskraft, sondern auf Gottes Wirken – er ist Gottes Geschenk.

    Doch nun kommt der andere Pol dieses Spannungsfeldes in den Blick: Gott wirkt alles, auch das Wollen und das Vollbringen – und trotzdem sind wir gefragt. Wir sind aufgefordert. Der Weg zum Glauben, in die Nachfolge ist in der Bibel durchweg mit einer Aufforderung an den Menschen verbunden. Gott stellt uns damit in eine Entscheidung. Und das übersteigt unsere Logik: Wenn Gott doch alles bewirkt, was können wir dann noch machen? Es ist und bleibt ein Spannungsfeld, das wir mit unserem Verstand nicht auflösen können. Alle Versuche, das in die eine oder andere Richtung aufzulösen, sind verkehrt. Jedenfalls: Gottes Wort begegnet uns als Einladung, appelliert an unseren Willen, fordert unsere Entscheidung heraus. Und ganz zentral geht es dabei ums Hören auf Gottes Wort. Und zwar mit dem Herzen, .d.h. ums vertrauende Hören. Ich höre dieses Wort als persönliches Wort an mich, als Einladung an mich, als Aufforderung an mich: Gott geht’s um mich, um mich ganz persönlich. Ich kann mich auch verweigern. Ich kann auch „zumachen“, wie man umgangssprachlich sagt. Ich kann Gott ignorieren. Doch damit geht das Entscheidende für mein Leben verloren. Denn in diesem Wort Gottes steckt Gottes Einladung, sein Heil, seine Rettung, ja ewiges Leben. Und unser Leben läuft nur dann so, wie Gott es sich gedacht hat, wenn wir heute diesem Wort folgen.

    Heute – darum geht’s. Heute bin ich gefragt. Auch wenn ich in der Vergangenheit Gott ignoriert habe. Auch wenn da manches nicht so war, wie es sein sollte. Heute fragt er mich. Heute bittet er mich, mit ihm zu leben und mich versöhnen zu lassen. Und heute will ich hören.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • addAndacht für Samstag, 6. Februar 2021

    Hiob sprach: Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen; aber nun hat mein Auge dich gesehen. Darum gebe ich auf und bereue in Staub und Asche.                               Hiob 42,5-6

    Gott ist anders als wir denken! Das musste auch der fromme Hiob erfahren. Wir machen uns unsere Vorstellungen von Gott. Da fließt alles hinein, was wir von Gott gehört und gelernt haben und natürlich auch unsere eigenen Gedanken. Doch sind wir uns bewusst: Gott ist anders als wir denken. Gott ist viel zu groß, als dass wir ihn mit unserem kleinen Verstand fassen könnten.

    Hiob spricht von einem entscheidenden Erkenntnisgewinn. Nach seinem Leiden, nach dem, was er da erlebt hat und durchlitten hat, kann er sagen: Ich habe Gott noch einmal ganz anders kennengelernt. Viel tiefer, viel intensiver. Statt nur vom Hörensagen Gott zu kennen, kann er nun sagen: Ich habe ihn gesehen. Am Wort »sehen« kann man sich aufhalten. Natürlich hat Hiob ihn nicht im wortwörtlichen Sinne gesehen. Im Anfang des Johannesevangeliums heißt es ja: »Niemand hat Gott je gesehen; der Eingeborene – also Jesus Christus – der Gott ist und in des Vaters Schoß ist, der hat ihn uns bezeugt.« Es geht vielmehr um den himmelweiten Unterschied zwischen der Erkenntnis, die Hiob am Anfang von Gott hatte und die, die er am Ende hatte. Der Prediger Salomo hat uns ins Stammbuch geschrieben: Der Ausgang einer Sache ist besser als ihr Anfang.

    Hiob hat durch das Leiden, körperlich, seelisch und dann auch geistlich – und nicht zuletzt durch die Leiden, die ihm die gutgemeinten, aber teils völlig verkehrten Einreden seiner Freunde, verursacht haben, eine andere Sicht bekommen. Vor allem aber dadurch, was Gott ihm selbst geantwortet hat, durch Gottes Wort. Das Leiden an sich hat keinen Wert, aber verbunden mit Gottes Wort kann es für uns zu einer Reifung des Glaubens führen. So wie bei Hiob. Und die zentrale Erkenntnis des Hiobs am Ende ist: Vor Gott stehe ich mit leeren Händen. Da kann ich nur bereuen, Buße tun – und es ihm, und ihm allein überlassen, mich zu retten. Darum gebe ich auf und bereue in Staub und Asche. Wahre Gotteserkenntnis führt immer zur Erkenntnis der eigenen Schuld. Auch bei uns.

    Denn das ist der nächste Schritt und entscheidende Schritt zu unserer Rettung, den Gott in Jesus Christus geht, von dem Hiob freilich noch nicht weiß: Dass er unsere Schuld auf sich nimmt und sie ans Kreuz trägt, damit wir frei sind und von Gott als seine Kinder angenommen werden.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Freitag, 5. Februar 2021

    Und siehe, der Engel des Herrn kam herein und Licht leuchtete auf in dem Raum; und er stieß Petrus in die Seite und weckte ihn und sprach: Steh schnell auf! Und die Ketten fielen ihm von seinen Händen.                                                            Apostelgeschichte 12,7

    Es war eine der schwersten Zeiten für die Jerusalemer Urgemeinde. Feindselige Menschen tobten sich mit schrecklicher Gewalt aus. Der König Herodes ließ Jakobus, den Bruder des Johannes, einen der ersten Jünger von Jesus gefangen nehmen und mit dem Schwert töten. Nirgends ist uns Christen versprochen, dass Gott uns immer vor allen Gefahren und Problemen beschützen wird. »In der Welt habt ihr Angst« sagt Jesus selbst, wörtlich: Bedrängnis. Da wird es eng um euch. So hat es also auch die erste Gemeinde schon erlebt, was heute Tausende von Christen in vielen Ländern dieser Welt erfahren. Verfolgung und Leiden gehören zur Nachfolge des Jesus Christus, der für uns gelitten hat. Die Ruhe und Freiheit, die wir für unseren Glauben genießen ist ein hohes Gut. Doch die Geschichte lehrt uns: Es ist die absolute Ausnahme.

    Herodes ist im Blutrausch. Er macht weiter. Er setzt Petrus gefangen. Nur das Passafest, das ihm in die Queere kommt, hindert ihn daran, ihn auch sofort zu töten. So sitzt er im Gefängnis – gut bewacht, sehr gut bewacht sogar. Ohne jede menschliche Option, da noch rauszukommen. Manchmal überlegen wir uns ja mögliche Lösungswege, wenn wir in Problemen stecken, und beten dann konkret. Bei Petrus gab’s keine erkennbaren Lösungswege mehr. Es gibt Christen, die behaupten, Gott könne uns nur geben, was wir von ihm erbitten. Natürlich ist es gut, wenn wir große Erwartungen an Gott haben und ihm viel zutrauen. Aber wir wären arm dran, wenn Gott uns nur das geben könnte, was wir erbitten. Nein, Gott tut über Bitten und Verstehen. Was dann nämlich in der Apostelgeschichte berichtet wird, das übersteigt alles Menschenmach- und -denkbare. Ein Engel muss den Petrus wecken – er hat gar nicht damit gerechnet. Er war nur noch erschöpft. Die Ketten fallen von den Händen, die Türen gehen von selbst auf.

    Wo wir am Ende sind, hat Gott immer noch tausende von Möglichkeiten. Unsere Verlegenheiten sind Gottes Gelegenheiten, uns mit seiner Macht und seiner Güte zu überraschen. Wie gesagt: Er kann es tun, er muss es nicht tun. Das Schicksal von Jakobus und Petrus zeigen uns die Spannweite von Gottes Tun und Zulassen. Aber in jedem Fall wird er uns nie aus seiner Hand lassen. Das steht fest.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Donnerstag, 4. Februar 2021

    Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.                                                                                          Psalm 34,19

    Was für eine tröstende Botschaft für all die, die nicht vor Selbstsicherheit strotzen, sondern das pure Gegenteil erleben. Heute lernen schon in der Schule unsere Kinder, wie man sich präsentiert, wie man etwas darstellt, wie man sich von seiner besten Seite zeigt. Doch wir alle wissen: Es gibt Tage und Stunden, wo uns überhaupt nicht danach ist. Wo wir den Eindruck haben: Wir haben versagt. Wie man mit diesem Gefühl umgeht, das wird leider viel zu wenig gelehrt.

    Die Erfahrung des Psalmbeters David – und vieler anderer ist: Gerade da, wo wir am Ende sind. Wo wir zerbrochen sind, wo wir nicht mehr weiter wissen, gerade da erleben wir Gottes Nähe. Das ist der Schlüssel zu Gott – das erkannte auch Martin Luther aus seinem Studium der Psalmen: Wo wir vor Gott ganz leer dastehen. Wo wir wissen, dass wir ihn mit nichts, was wir geleistet haben, beeindrucken können. Wo alles „ins Beste Licht rücken“ und „zur Schau Stellen“, was wir doch für tolle Menschen sind, aufgehört hat – weil wir einfach nur fertig sind, unter unserer Schuld und unserem Versagen leiden. Genau da schließt unser Gott uns in seine Arme. Genau da lässt er uns seinen Trost und seine Hilfe erfahren. Diese Erkenntnis war ein wesentlicher Schritt bei Martin Luther auf dem Weg zur reformatorischen Erkenntnis. Und aus diesem Wissen heraus formulierte er auch seine 95 Thesen über den Ablasshandel. Er war überzeugt: Das ist die einzig mögliche Haltung von uns Menschen vor Gott: Nichts hab ich zu bringen, alles Herr bist du.

    Jesus spricht von den Kranken, die des Arztes bedürfen und davon, dass er gekommen ist, die Sünder, die Versager, selig zu machen. Wir alle – ohne Ausnahme – sind solche Menschen. Daran lässt die Bibel keinen Zweifel. Wir alle sind rettungsbedürftig. Doch zur Rettung gehört, dass wir uns unserer Verlorenheit bewusst werden. Dass wir umkehren wollen. Die Erkenntnis muss Gottes Geist in uns bewirken. Doch es gibt keine Erneuerung ohne Buße, ohne Traurigkeit über die eigene Verlorenheit, ohne zerbrochenes Herz und zerschlagenes Gemüt. Ich kann es für mich bezeugen: Nie habe ich Gottes Nähe, Gottes Liebe mehr gespürt, als in diesen Stunden, wo es mir so ging, wie es dieser Psalmvers beschreibt. Ja, auch wir dürfen Zeugen für diese ewige und rettende Wahrheit sein: Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Mittwoch, 3. Februar 2021

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    Lieder sind in dieser Zeit, die uns oft etwas schwermütig macht, weil wir so wenig Kontakte haben können, ein besonderer Trost. Lieder geben Z-uversicht. Martin Luther hat das für sich auch immer wieder genutzt und musiziert und gesungen, um eine Traurigkeit zu vertreiben. Also, wenn Sie so wollen, sind Musik und Lieder ein altes Hausmittel gegen Niedergeschlagenheit und Mutlosigkeit. Lieder haben oft auch Texte, die Gebete sind und manchmal viel besser sagen können, was uns beschäftigt, als wir es selbst könnten.

    Diese Tage ist mir ein Lied begegnet, das ich bisher noch nicht kannte, das mich sehr angesprochen hat. Es kommt aus Italien und steht mit der deutschen Übersetzung unter der Nummer 436 im Gesangbuch unserer katholischen Geschwister.

    Herr, du bist mein Leben, Herr, Du bist mein Weg.
    Du bist meine Wahrheit, die mich leben lässt.
    Du rufst mich beim Namen, sprichst zu mir Dein Wort,
    und ich gehe Deinen Weg, so lange Du es willst.
    Mit Dir hab ich keine Angst, gib Du mir die Hand
    und ich bitte, bleib doch bei mir.

    Jesus unser Bruder, Du bist unser Herr.
    Ewig wie der Vater, doch auch Mensch wie wir.
    Dein Weg führte durch den Tod in ein neues Leben.
    Mit dem Vater und den Deinen bist Du nun vereint.
    Einmal kommst Du wieder, das sagt uns Dein Wort,
    um uns allen Dein Reich zu geben.

    Du bist meine Freiheit, Du bist meine Kraft.
    Du schenkst mir den Frieden, Du schenkst mir den Mut.
    Nichts in diesem Leben trennt mich mehr von Dir,
    denn ich weiß, dass Deine Hand mich immer führen wird.
    Du nimmst alle Schuld von mir und verwirfst mich nie,
    lässt mich immer ganz neu beginnen.

    Vater unsres Lebens, wir vertrauen Dir.
    Jesus, unser Retter, glauben wolln wir Dir.
    Du Geist der Liebe, atme Du in uns.
    Schenke Du die Einheit, die wir suchen in der Welt.
    Und auf vielen Wegen führe uns ans Ziel,
    mache uns zu Boten der Liebe.

    Ich freue mich darauf, das Lied hoffentlich bald mit anderen gemeinsam singen zu können!

     

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • addAndacht für Dienstag, 2. Februar 2021:

    Gott spricht: Mein Wort wird nicht leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende.                                                    Jesaja 55,11

    Wirkmächtig ist Gottes Wort. Das wird uns durch die ganze Bibel hindurch immer wieder vor Augen gestellt. Schon auf den ersten Seiten. Da spricht Gott in der Schöpfungsgeschichte: Es werde – und im nächsten Satz heißt es: Und es ward. Die Bibel ist gefüllt mit Spannungsbögen zwischen Verheißung und Erfüllung. Gott verspricht etwas. Gott kündigt etwas an – und, auch wenn Generationen, Jahrhun­­derte oder Jahrtausende vergehen, dann wird uns von der Erfüllung berichtet: Sei es die Verheißung an Abraham für das Land, die reiche Nachkommenschaft oder den Segen. Was Gott verspricht, das geht in Erfüllung.

    Im Vers zuvor wird das Bild vom Wasserkreislauf herangezogen: Vom Regen und vom Schnee, der vom Himmel fällt – und der nicht ohne seine Wirkung im Erdboden getan zu haben zurückkehrt. Er macht die Erde fruchtbar und lässt Samen aufgehen, dass geerntet werden kann. Genau so ist Gottes Wort auch. Es ermöglicht Frucht. Es wirkt. Und ohne dieses Wort Gottes gibt es kein geistliches Leben. Darum lohnt es sich, in der Bibel zu lesen, sie zu studieren – weil sie Gottes Wort ist, das uns durch den Heiligen Geist verändern, ja, ganz neu machen kann.

    Die Konsequenz aus diesem Losungsvers ist: Dass wir auf Gottes Wort achten. Es genau hören, es im Herzen bewegen, ihm vertrauen und ihm glauben. Niemals hat Gott deutlicher zu uns geredet als durch Jesus Christus seinen Sohn. So steht es am Anfang des Hebräerbriefs. Und in Jesus, der auch den Namen „das ewige Wort Gottes“ hat, geht genau das in Erfüllung, was Gott bei Jesaja ankündigt: Dass sein Wort nicht leer zurückkommt. Jesus hat Gottes ganzen Heilsplan ausgeführt – und er wird ihn bis zum Ende ausführen. Gottes Wort gilt. Gottes Wort geht in Erfüllung. Jesus ist Gottes Wort.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Montag, 1. Februar 2021:

    Sollte dem HERRN etwas unmöglich sein?                          1. Mose 18,14

    So fragt der Besuch, der zu Abraham und Sara nach Mamre gekommen war, nach, als Sara lacht. Es war das ungläubige Lachen einer alten Frau, die längst über’s Alter für’s Kinderkriegen hinaus war. Es ging ihr nicht mehr nach der Frauen Weise heißt es da. Doch genau das ist die Botschaft Gottes an die beiden: Heute übers Jahr wird Sara einen Sohn haben. Zu schön um wahr zu sein. Zu unglaublich, um es fassen zu können. Doch all das hält Gott nicht auf, sein Versprechen zu erfüllen.

    Auch unser Unglaube, auch unser ungläubiges Lachen hindern Gott nicht daran, mit uns zum Ziel zu kommen. Weil es nämlich nicht auf uns und unsere Möglichkeiten – auch im Glauben ankommt. Sollte dem HERRN etwas unmöglich sein – das ist die entscheidende Frage: Auf den HERRN, den lebendigen Gott, dessen Name hier genannt wird und der in unserer Bibel nur mit den groß gedruckten Buchstaben im Wort HERR wiedergegeben wird. Er zählt. Was er sagt, zählt. Was er tut, gilt. Auf ihn – und auf ihn allein kommt es an.

    Sara fühlt sich ertappt. Sie leugnet. Sie streitet ab, gelacht zu haben – denn sie fürchtete sich. Das genügt dem Gott Abrahams, der auch unser Gott ist, dass wir ihn fürchten. Dass wir begreifen, dass wir es mit einem lebendigen Gott zu tun haben. Auch wenn wir nicht begreifen und fassen können, was er uns zusagt und was er uns in Aussicht stellt. Das reicht. »Wir sollen Gott fürchten und lieben« so beginnt jede einzelne Erklärung Martin Luthers zu den 10 Geboten. Damit wir es ja nicht vergessen: Wir haben einen Gott, dem nichts unmöglich ist. Und wir haben einen Gott, dessen Wort, dessen Versprechen, dessen Verheißungen in Erfüllung gehen. Garantiert. Weil ihm nichts unmöglich ist. In Jesus Christus sehen wir ihn am Werk.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 25.01. bis 31.01.

  • addAndacht für den letzten Sonntag nach Epiphanias, 31. Januar 2021:

    Über dir geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir.                 Jesaja 60,2

    Licht und Dunkelheit – das sind Gegensätze, die wir gut kennen. Nicht nur im Tagesverlauf, im Lauf der Jahreszeiten, sondern auch im übertragenen Sinne in unserem Leben. Kein Wunder, dass auch die bildhafte Sprache des Alten Testaments diesen Gegensatz aufnimmt: Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker heißt es im ersten Teil dieses Verses. Und dann kommt das große Aber, wie ein strahlender Sonnenaufgang nach der Nacht: Aber über dir geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir.

    Das Bild vom Sonnenaufgang – das ja an sich schon so strahlend und gleißend hell ist, dass es uns unmöglich ist, ohne Schutz in die Sonne zu schauen, ist aber nur ein blasser Abglanz von der Herrlichkeit Gottes, die Jesaja im Sinn hat. Gott selber geht auf – unverhüllte Klarheit. Gott lässt sich von uns erkennen.

    Epiphanias – das Erscheinungsfest – liegt nun einige Wochen zurück. Wir feiern in diesen Wochen nach dem Erscheinungsfest, dass genau das geschehen ist: Dass Gott uns sein Gesicht gezeigt hat. Dass Gott uns gezeigt hat, wie er wirklich ist. In voller Klarheit. Und zwar in Jesus Christus, seinem Sohn. Da geht dieses Wort in Erfüllung. In Jesus, dem Kind in der Krippe und dem Mann am Kreuz. In Jesus, dem Auferstandenen, der versprochen hat: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Gottes Sonne scheint uns in Jesus Christus. Einen größeren, einen wichtigeren als ihn, der wahrer Gott und wahrer Mensch ist, gibt es nicht.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Samstag, 30. Januar 2021

    Alle deine Geschöpfe sollen dich preisen, HERR, alle, die zu dir gehören, sollen dir danken!

    Psalm 145,10

    Der Nil gehört zu den längsten Flüssen dieser Welt. Ägypten, die uralte Hochkultur, verdankt sich seinem Wasser. Doch es dauerte sehr lange, bis Menschen seinen Ursprung erforschen konnten. Wo kommt der Nil überhaupt her? Wo ist seine Quelle. Erst 1613 entdeckte ein Portugiese die Quelle des Blauen Nil. Und beim Weißen Nil dauerte es noch länger. Erst 1937 wurde die Quelle geografisch genau bestimmt. Aber dann wusste man, woher das Wasser im längsten Strom Ägyptens kommt. Muss man das unbedingt wissen? Die Menschen lebten lange auch ohne dieses Wissen von den Segnungen des Nil.

    Aber eine andere Quelle sollten wir unbedingt alle kennen: Die Quelle aus der alles Gute, das wir in unserem Leben erfahren, kommt: Von dem lebendigen Gott. David, der Psalmbeter betreibt Quellenforschung. Und in unserer Losung kommt er zum Ergebnis: Da, bei Gott, bei unserem Schöpfer, da ist die Quelle alles Guten. Und darum tun alle Geschöpfe gut daran, sich dir zuzuwenden. Denn darin besteht ihr Lebenssinn: Dass sie Gott auf seine Güte Antwort geben. Dass sie ihn preisen und ihm danken. Das ist das Natürlichste der Welt, das ist das Schöpfungsgemäßeste, das es für unser Leben geben kann: Dass wir uns voller Dank und voller Vertrauen unserem Gott, der uns geschaffen hat, zuwenden. Dass wir nicht ohne ihn, sondern mit ihm leben. Dass wir uns immer bewusst sind, wem wir all das Gute verdanken:

    »Ach, Herr, mein Gott, das kommt von dir. Du, du musst alles tun. Du hältst die Wacht an unsrer Tür und lässt uns sicher ruhn. … Er hat noch niemals was versehn / in seinem Regiment, / nein, was er tut und lässt geschehn, / das nimmt ein gutes End.« (EG 324,7.17)

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Freitag, 29. Januar 2021:

    Viele, die im Staub der Erde schlafen, werden aufwachen, die einen zum ewigen Leben, die andern zu ewiger Schmach und Schande.                                Daniel 12,2

    Ist mit dem Tod alles aus? Darauf gibt die Bibel durchgängig eine klare Antwort: Nein, da kommt noch was. Es gibt eine Auferstehung und es gibt ein Gericht Gottes. Viele heißt es hier bei Daniel, werden aufwachen – also vom Tod auferstehen. Wenn wir ins Neue Testament hinüberschauen wird klar: Es sind schlichtweg alle. Vom Glauben an eine Seelenwanderung oder an ein Weiterleben der Seele in einem anderen Menschen oder Lebewesen ist die Bibel weit entfernt. Es ist dem Menschen bestimmt, einmal zu sterben, danach das Gericht – das ist die klare Aussage im Hebräerbrief (Hbr 9,27). Und darum ist die zweite entscheidende Frage: Wo werde ich die Ewigkeit zubringen?

    Auch das ist nämlich durchgängige Botschaft der Bibel: es gibt ewiges Leben – aber es gibt auch ein ewiges Verlorengehen. Ewige Schmach und Schande – so heißt es hier bei Daniel. Das wünscht sich keiner. Viele ignorieren es einfach. Andere verdrängen es – oder lösen diese Spannung einfach, wie ich meine, zu einfach auf, indem sie behaupten: Gott ist ja die Liebe, der wird schon niemand verloren gehen lassen.

    Gott ist die Liebe. Das stimmt. Das ist absolut richtig. Und darum will Gott Rettung für seine Menschen. Von uns aus würden wir nämlich nie so sein können, dass es zum ewigen Leben reicht. Wir können uns den Himmel, das ewige Leben nicht verdienen. Nicht mit unserer Anständigkeit, nicht mit unserer Frömmigkeit. Jesus sagt einmal: Wer das Reich Gottes nicht sich schenken lässt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. Wir können uns das ewige Leben nur schenken lassen. In Jesus Christus bietet Gott es uns an. Jesus, der für unsere Sünde gestorben ist, der unsere Schuld getragen hat und der uns mit Gott versöhnt. Die Botschaft lautet: Lasst euch versöhnen mit Gott! Denn wer mit Jesus Christus lebt, wer den Sohn Gottes im Herzen hat und ihm von Herzen vertraut, der hat das ewige Leben. Darin ist die Bibel auch eindeutig.

    Pfarrer Andreas Streich                

  • addAndacht für Donnerstag, 28. Januar 2021

    Jakob sprach: HERR, ich bin zu gering aller Barmherzigkeit und aller Treue, die du an deinem Knechte getan hast.                                                       1. Mose 32,11

    Jakob ist einer, der das Staunen nicht verlernt hat. Ja, der aus dem Staunen nie herausgekommen ist. Er hat Grund zum Staunen – wie wir alle: Er staunt über Gottes Barmherzigkeit und über Gottes Treue. Er staunt, weil er weiß: Das alles ist nicht selbstverständlich. Dass er heute da ist, wo er ist, das ist nicht Zufall, sondern das hat er der Treue Gottes, seinem Durchtragen, seinem Leiten zu verdanken – genau wie wir.

    »Wie groß ist des Allmächtgen Güte / ist der ein Mensch, den sie nicht rührt, der mit verhärtetem Gemüte / den Dank erstickt, der ihm gebührt? Nein, seine Liebe zu ermessen, / sei ewig meine größte Pflicht. Der Herr hat mein noch nie vergessen; vergiss, mein Herz, auch seiner nicht« (EG 607,1).

    Jakob steht an einem ganz wichtigen Knotenpunkt in seinem Leben. Eigentlich ist eine ganze Reihe von Knotenpunkten, die uns da berichtet werden: Er verlässt seinen Schwiegervater Laban, der zieht ihm nach – sie schließen einen Vertrag. Jakob will wieder in seine Heimat, in das seinem Großvater und Vater verheißene Land, das nun ihm und seinen Nachkommen verheißen ist. Dort wartet sein Bruder Esau auf ihn – der, vor dessen Zorn er einst floh. Was hat er von ihm zu erwarten? Was bringt die Zukunft? Diese Frage treibt Jakob ins Gebet, in die Zwiesprache mit Gott. Und dort kommt es zu diesem staunenden Bekenntnis über Gottes Barmherzigkeit und Treue. Im Gebet werden wir nicht nur unsere Sorgen und Nöte los – es eröffnet uns auch einen anderen Blick auf unser Leben, unsere Situation, unsere Vergangenheit und Zukunft. Weil Gott mit dabei ist. Eine echte Ermutigung auch für uns, mit allem, was uns beschäftigt ins Gebet zu gehen – und wie Jakob immer wieder über Gottes Güte ins Staunen zu kommen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Mittwoch, 27. Januar 2021

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einem Vortragssaal mit vielen Leuten und vorne steht einer und sagt: Wer von euch hat sein Leben nicht so wirklich im Griff? Wer gehört nicht zu den Schlauen, Erfahrenen und Hellen? Wer braucht Hilfe und will Unterstützung – der möge doch bitte mal die Hand heben, dann bekommt er Hilfe! Vermutlich wird kaum einer strecken und sich melden. Wer will schon als einer dastehen, der es nicht aus eigener Kraft draufhat? Und selbst wenn keine anderen dabei sind – viel leichter fällt es uns oft trotzdem nicht, zuzugeben, dass wir es nicht selbst schaffen.

     

    Interessanterweise ist genau das immer wieder die Botschaft der Bibel: Wer weiß, dass er Hilfe braucht und das auch zugibt und nicht zu stolz ist, sie anzunehmen, dem hilft Gott gern. Der Vers aus dem Brief des Jakobus, der für heute im Losungsbüchle steht, redet davon. „Wenn es jemandem unter euch an Weisheit mangelt, so bitte er Gott, der jedermann gern und ohne Vorwurf gibt; so wird sie ihm gegeben werden“ (Jakobus 1,5).

     

    Das ist ein freundliches und wohlwollendes und großzügiges Angebot! „Wenn es jemand ... mangelt, so bitte er … so wird .. ihm gegeben werden.“ Wenn ich den Jakobusvers so lückenhaft lese, hören Sie vielleicht ein Wort heraus, das schon Jesus gesagt hat: „Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan“ (Lukas 11,9).

     

    Wenn wir uns manchmal so schwer mit dem Bitten tun, dann liegt das daran, dass wir uns Menschen so ungern helfen lassen. Wie unangenehm ist es uns doch oft schon, einen Nachbarn, einen Bekannten um einen kleinen Gefallen oder Unterstützung zu bitten. Wir fühlen uns abhängig, unfrei, verpflichtet. Manchmal fällt es uns leichter, anderen zu helfen, als uns selbst helfen zu lassen. Ich vermute, das ist eine der Aufgaben, die wir mit dem Älterwerden lernen müssen und lernen dürfen – Hilfe anzunehmen. Sie gern annehmen, sie dankbar annehmen.

     

    Im Grund ist damit auch beschrieben, warum wir uns mit der frohen Botschaft des Evangeliums oft so schwer tun – Jesus kommt uns entgegen, als Bruder, als Retter, mit offenen Armen, mit Liebe und Verständnis für unsere Schwachheit und unser Versagen – wenn wir denn bereit sind, einzugestehen, dass wir ihn brauchen. Nicht nur einmal, sondern immer. Gott, unser Vater, unser Schöpfer, will uns helfen – wenn wir uns denn helfen lassen. ER steht da mit geöffneten Armen – es ist an uns, in diese Arme zu rennen. Üben wir das doch im Alltag, dass wir da, wo wir Hilfe brauchen, wo wir nicht allein zurecht kommen und wo uns andere Menschen unterstützen wollen, dass wir das auch annehmen und die Hilfe nicht stolz zurückweisen.

     

    Ich wünsche Ihnen einen zuversichtlichen Tag!

     

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • addAndacht für Dienstag, 26. Januar 2021:

    Ist mein Wort nicht wie ein Feuer, spricht der HERR, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmeißt?

    Jeremia 23,29

    Menschenwort oder Gotteswort – um diese Frage geht es immer wieder. Das war schon zur Zeit Jeremias so. Damals – in einer wirklich schwierigen, bedrohlichen Zeit für das Volk Israel – traten Propheten auf. Sie hatten gute Nachrichten: Es wird alles gut! Lautete ihre Botschaft. Das Problem nur war: Gott hatte diese Propheten nie gesandt. Ihre Botschaft kam aus ihrem Wunschdenken, aber war nicht von Gottes Wort gedeckt. Wie Stroh und Weizen – so sind – nach Gottes Worten, die selbsterdachten Prophetenworte im Unterschied zu Gottes Wort: Stroh und Weizen.

    Gottes Wort wirkt. Weil Gottes Geist durch dieses Wort wirkt. Es entzündet ein Feuer. Das Feuer des Glaubens. Das Feuer der Hingabe, dass Menschen sich ganz Gott zur Verfügung stellen. Und es ist wie ein Hammer, der Felsen zerschmeißt. Die Felsen der Selbstgerechtigkeit und der Selbstsicherheit. Vermeintliche Felsen der Sicherheit, auf denen wir Menschen so gern stehen: Mir kann doch eigentlich nichts passieren. Gottes Wort zerschmeißt all unsere Versuche, ohne Gott auskommen zu wollen. Gottes Wort zerschmeißt aber auch all das, was uns bindet und nicht loslassen mag, was uns wie ein unüberwindbares Hindernis erscheinen mag. Gottes Wort zeigt uns unsere Schuld, aber es zeigt uns auch, wie wir unsere Schuld loswerden können. Dafür ist Jesus am Kreuz gestorben. Von ihm redet Gottes Wort und sprengt Ketten, lädt Menschen ein zur Freiheit, die nur der Sohn Gottes uns schenken kann.

    Gottes Wort – das wir heute in der Bibel haben – ist so ganz anders als die vielen Menschenworte, die auf uns einstürmen. Hören wir unter den vielen Stimmen dieser Zeit immer wieder Gottes Stimme. So wie es auch in der Auseinandersetzung zu Beginn der Nazizeit in der Barmer Theologischen Erklärung klar bekannt wurde: »Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben. Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche als Quelle ihrer Verkündigung außer und neben diesem einen Wort Gottes auch noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen.« Nicht der Zeitgeist, nicht die Heilsversprechen oder Unheilsprophetien und Ersatzreligionen heute zählen. Gottes Wort in Jesus Christus zählt. Das haben wir zu verkündigen und zu glauben.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Montag, 25. Januar 2021

    Aber mit dir will ich nicht ein Ende machen. Ich will dich mit Maßen züchtigen, doch ungestraft kann ich dich nicht lassen.                                                                                Jeremia 30,11

    Dieses Prophetenwort ist zuerst an Israel, an Goottes »Knecht Jakob« gerichtet. Die Geschichte Israels ist keine Geschichte ohne Brüche. Da gab es massive Einbrüche und Einschnitte. Einschnitte, die die Propheten ankündigten als Gerichtshandeln Gottes. Gott bedient sich der Feinde, um den Ungehor­sam Israels zu bestrafen. Was Gott andererseits aber nicht daran hindert, genau diese Feinde für ihre Ungerechtigkeit und ihre Brutalität zu bestrafen. Das verborgene Handeln Gottes hinter dem, was wir als menschliche Geschichte kennen, werden wir wohl erst in der Ewigkeit verstehen können.

    Von den Völkern, die also im Gerichtshandeln Gottes über Israel herfallen und es zerstreuen, kann Gott sagen: »Ich will mit allen Völkern ein Ende machen, unter die ich dich zerstreut habe«. Da gibt es ein Aus und vorbei. Doch nun kommt das große Aber der Treue Gottes, mit dem der zweite Teil des Verses beginnt, der uns als Losung gegeben ist. Aber mit dir will ich nicht ein Ende machen. Mit dir will ich neu anfangen. Es geht durch Gericht und Gnade. Es geht nicht ohne Gericht.

    Israel, das Bundesvolk des Alten Testaments – wobei man »alt« niemals als überholt und abgeschafft verstehen darf: Israel ist und bleibt Gottes Bundesvolk, mit dem er zum Ziel kommt. Kein anderes Volk hat die Verheißung, die Israel gilt: Ganz Israel wird gerettet werden (Röm 11,26). Dieses Bundesvolk Israel ist ein Modell, ein Vorbild für Gottes Handeln auch mit uns. Da sehen wir: Gott nimmt unsere Sünde ernst, sehr ernst. Vor Gott wiegt unsere Schuld schwer. So schwer, dass es keinen anderen Weg gab, um uns davon zu befreien als den, den Gott gegangen ist: Dass er in Jesus unsere Schuld auf sich nimmt und das Todesurteil erduldet, das eigentlich wir verdient haben. Weil Gott eben kein Ende mit uns machen will. Weil er uns retten will. Nun dürfen wir mit ihm leben – als Begnadigte. Wir dürfen leben – anders leben. Leben im Gehorsam und im Vertrauen ihm gegenüber. Was für eine Liebe. Was für ein Gott. Was für eine Gnade.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 18.01. bis 24.01.

  • addAndacht für Sonntag, 24. Januar 2021

    Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.                                                                               Lukas 13,29

    Wer hätte sich das vorstellen können? Gottesdienst mit 2 m Abstand, kein Abendmahl. Und zuhause keine Festtafel, an der viele feiern dürfen, sondern maximal 1 Person aus einem anderen Haushalt. Die Maßnahmen sind hart, aber sie leuchten uns ein. Und sie zeigen uns, wie vorläufig all unsere Planungen und Vorhaben sind. Wie wenig wir in der Hand haben, es auch auszuführen.

    Ganz anders im Reich Gottes. Corona hin oder her – und noch so vieles, was unsere Festfreude trüben mag – Gott kommt zu seinem Ziel. Die Plätze an seinem Tisch, beim großen Abendmahl, die bleiben nicht leer. Gott sammelt seine Kinder. Aus allen Himmelsrichtungen, aus allen Ländern. Aus allen Lebensumständen. Ich denke an die vielen Christen in so vielen Ländern der Welt, die sich nicht in dieser Freiheit treffen können, wie wir das – trotz Corona immer noch können. Die sich verstecken müssen, die eigentlich – wenn es nach den Mächtigen geht – keine Bibel haben dürften. Was uns die Christen, die zu uns aus dem Iran gekommen sind, gibt einen Einblick. Sie werden alle da sein. Dann hat das Versteckspiel ein Ende. Dort im Reich Gottes. Unsere Vergangenheit spielt für Gott keine Rolle, unsere Herkunft spielt keine Rolle, unsere Vorleistungen spielen keine Rolle.

    Gottes Reich steht allen offen, die auf Jesus Christus vertrauen. Allen, die zu ihm gehören. Er ist der große Versöhner. Er ist der, von dem heute auf der ganzen Welt gesprochen und erzählt wird. Er ist der, in dessen Namen auch wir eingeladen sind und einladen dürfen: Kommt zum Fest des Lebens, Jesus lädt euch ein. Versäumen wir dieses Fest doch ja nicht.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Samstag, 23. Januar 2021:

    So spricht der HERR: Es soll meine Freude sein, ihnen Gutes zu tun.      Jeremia 32,41

    Das ist Gottes tiefste Absicht: Seinen Menschen Gutes zu tun. Das lässt Gott durch Jeremia ausrichten. Durch den Jeremia, der so unter seinem Prophetenamt gelitten hat. Der auch ganz anderes diesem Volk verkünden musste: Der Gottes Strafgericht ankündigen musste, weil die Menschen sich von Gott entfernt haben, weil sie auf Gott gepfiffen haben und lieber ihre eigenen Wege gegangen sind.

    Wir würden diesen Vers gründlich missverstehen, wenn wir nun den Schluss ziehen: Also, Gott ist nur dazu da, uns Gutes zu tun. Wir haben nichts zu befürchten. Das ist ein gefährliches Missverständnis, eine gefährliche Verkürzung der biblischen Botschaft. Gott kann auch anders. Gleich im nächsten Vers wird der ganze Spannungsbogen des Handelns Gottes mit uns aufgespannt: Gleichwie ich über dies Volk all dies große Unheil kommen lasse, so will ich auch alles Gute über sie kommen lassen, das ich ihnen zugesagt habe.

    Und das Gute, das Gott in Aussicht stellt, hat einen Namen: Jesus Christus. Da, in Jesus, dem Gekreuzigten, da sehen wir, wie Gott es im Tiefsten seines Herzens mit uns meint. Da sehen wir seine tiefste Absicht. Auch wenn wir vielleicht an der einen oder anderen Stelle in unserem Leben ins Fragen und ins Grübeln kommen mögen, ob Gott uns vergessen oder verstoßen hat – da in Jesus, da sehen wir alle dieses Prophetenwort in Erfüllung gehen: Es soll meine Freude sein, ihnen Gutes zu tun. Es soll meine Freude sein, ihnen ihre Schuld abzunehmen. Es soll meine Freude sein, ihnen meine Nähe zuzusprechen. Es soll meine Freude sein, sie mit mir selbst zu versöhnen. Es soll meine Freude sein, sie freizusprechen. Es soll meine Freude sein, sie als meine Kinder anzunehmen.

    Wem gilt’s? Allen, die an Jesus Christus als ihren Herrn und Retter glauben, gilt’s. Und das gilt auch dann noch, wenn die Gesundheit oder die äußeren Umstände uns zu schaffen machen. Das Gute, das Gott uns durch Jesus Christus schenkt, das kann niemand von uns nehmen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Freitag, 22. Januar 2021:

    Gott ist’s der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.

    Philipper 2,13

    Eine ganz wichtige Botschaft: Dass wir gerettet werden, dass wir an Gott glauben können – das ist nicht unsere Weisheit. Das ist auch nicht unserer Entschlusskraft geschuldet, sondern das bewirkt Gott in uns. Martin Luther erklärte das Glaubensbekenntnis so: Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann, sondern der Heilige Geist hat mich durchs Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet… Gott steht hinter meinem Glauben. Gottes Heiliger Geist war und ist es, der mir zeigt, dass ich Jesus Christus als meinen Retter brauche und was ich durch ihn bekommen habe.

    Diesem Vers geht im Philipperbrief ein anderer Vers voraus – auf den es nun aber genauso ankommt. Damit nicht jemand denkt: Naja, wenn Gott alles macht, dann brauche ich ja nichts mehr zu tun. Deswegen heißt es da: Schaffet, dass ihr selig werdet, mit Furcht und Zittern. Also: setzt eure ganze Kraft da rein, Gott zu gefallen. Führt ein Leben, das ihm entspricht. Nachfolge kostet etwas. Nachfolge ist nie billig zu haben. Dietrich Bonhoeffer hat in seinem Buch »Nachfolge« darauf hingewiesen – mit klaren Worten, die heute nicht weniger dringend und wichtig sind als zu seiner Zeit. Die Gefahr einer »billigen Gnade«, von Vergebung ohne Buße und Sündenbekenntnis, von Abendmahl ohne Beichte – die ist groß. Ja, Gott schenkt uns alles. Das Heil, das wird uns geschenkt. Aus Gnade. Da können wir nichts, aber auch gar nichts dazu beitragen.

    Doch es fordert uns immer heraus. Es fordert uns auf zu einer Entschiedenheit in der Hinwendung zu Gott, die sich klar vom alten Leben ohne ihn unterscheidet. Wer an Gott glaubt, kann nicht weitermachen wie alle anderen. Wer mit Jesus lebt, bei dem muss die Nachfolge Folgen haben – Folgen, die man sieht. Nicht verkrampft, nicht verbissen – sondern eben beschenkt. Weil Gott beides wirkt: Das Wollen und das Vollbringen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Donnerstag, 21. Januar 2021

    Gott der HERR machte den Menschen aus Staub von der Erde und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen.            1. Mose 2,7

    Wenn man diesen Vers im hebräischen Urtext liest, dann entdeckt man Zusammenhänge, die man im Deutschen nicht sieht, aber die für das Verständnis sehr wichtig sind: Gott der HERR machte den Adam aus dem Staub der Adamah und blies ihm den Odem des Lebens ein. So heißt es da. Adam – das heißt: Mensch. Und Adamah ist die Erde oder der Acker. Der »Adam« ist wörtlich verstanden also der »Erdige«, der aus Erde gemachte.

    Was den Menschen, den Erdigen, so besonders macht, was ihn lebendig macht – das ist, was Gott ihm gibt und was nur Gott ihm geben kann: Seinen Odem des Lebens, der den Menschen zu einer lebendigen Wesen (hier steht das Wort, das wir auch mit »Seele« übersetzen) macht. Ohne Gott, ohne den Schöpfer, der uns gewollt hat, wären wir nichts als Erde, als tote Materie. Doch Gott will uns. Das ist die Botschaft, die hinter der Schöpfung steht. Wir sind keine Produkte des Zufalls, keine Ergebnisse eines blinden Schicksals. Wir sind gewollt. Unser Gott sehnt sich nach uns. Das wird aus dem Fortgang der Geschichte Gottes mit seinen Menschen klar: Er möchte mit uns leben. Er möchte in Gemeinschaft mit uns leben. Gott ist nicht der große Uhrmacher, der am Anfang der Schöpfung das Uhrwerk hingestellt und aufgezogen hat, damit es nun, möglichst ohne ihn, ablaufen kann – sondern er kümmert sich um uns.

    Dort, wo die Menschen die Freiheit, die Gott ihnen geschenkt hat, missbrauchen. Wo sie seinem Gebot ungehorsam werden, weil sie ihm nicht mehr vertrauen. Wo die Gemeinschaft mit Gott so zerbricht. Da findet sich Gott nicht ab. Da setzt Gott alles daran, da initiiert Gott eine Heilsgeschichte, um uns wieder zu sich zurückzuholen. Und in Jesus, dem Gekreuzigten, da geschieht die große Versöhnung, auf die all das hinausläuft. Wir sind gewollt. Wir sind geliebt. Gott sehnt sich nach uns. Und Gott will uns gebrauchen. Klaus Peter Hertzsch hat gedichtet: »Der uns in frühen Zeiten das Leben eingehaucht, der wird uns dahin leiten, wo er uns will und braucht.« Wir dürfen gespannt sein.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Mittwoch, 20. Januar 2021

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    vermutlich und wahrscheinlich kennen Sie das spannende Leben des biblischen Königs David. In jungen Jahren war er lange auf der Flucht vor dem noch amtierenden König Saul, der ihn aus Eifersucht umbringen wollte. Und auch als David dann selbst König geworden war, erlebte er viele Auseinandersetzungen, Feindschaft, sogar aus der eigenen Familie. Er musste Kriege bestehen, die er sich nicht ausgesucht hatte. Auch mit eigener Schuld und deren Folgen wurde er konfrontiert. Alles andere als ein einfaches Leben.

     

    David hat Sackgassen-Situationen nicht nur im übertragenen Sinn erlebt, sondern wörtlich – eingekreist von Verfolgern, nach menschlichem Ermessen ganz am Ende. Er erlebte das Eingreifen Gottes über alles menschliche Erwarten hinweg. Er lernt in seinem Leben, ganz auf ihn, auf Gott, zu schauen. Von ihm erwartet er Rettung für sein Leben. Der Herr ist sein Hirte, der ihn auch durch das finstere Tal führt und begleitet.

     

    Am Ende seines Lebens spricht David seinen Dank aus an Gott, der ihn sein Leben lang begleitet und getragen und niemals im Stich gelassen hat. Aus diesem recht langen Dankgebet des Davids, das im 2. Samuelbuch steht, ist unser heutiger Losungsvers. „Du gibst meinen Schritten weiten Raum, und meine Knöchel wanken nicht.“

     

    „Du gibst meinen Schritten weiten Raum, und meine Knöchel wanken nicht.“ Das ist ein Satz, aus dem wir erleichtertes und zuversichtliches Durchatmen und Aufatmen hören. Man sieht, wie sich jemand aufrichtet und unbeschwert seinen Weg geht.

     

    „Du gibst meinen Schritten weiten Raum, und meine Knöchel wanken nicht.“ Davids vertrauensvolle Worte sind aufgeschrieben, weil sie uns ermutigen wollen, dass auch wir dem vertrauen, dem schon der König David vertraut hat. Auch viele unserer Väter und Mütter vor uns haben ihm vertraut, ebenso Brüder und Schwestern, die heute mit uns leben. „Du, Gott, gibst meinen Schritten weiten Raum, und meine Knöchel wanken nicht.“ Wir spüren aus diesem Vers den Blick eines Menschen, der jemand anders ansieht und anspricht. Aus dem Vers spricht das Vertrauen, nicht allein gelassen zu sein, nicht im Leben und nicht im Sterben.

     

    Gott segne Sie. Er gebe Ihren Schritten weiten Raum und Ihre Knöchel mögen nicht wanken! Amen.

     

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • addAndacht für Dienstag, 19. Januar 2021:

    Der HERR hat mich gesandt, zu trösten alle Trauernden.                             Jesaja 61,1.2

    Es war ganz am Anfang der öffentlichen Wirksamkeit von Jesus. So berichtet uns der Evangelist Lukas. Unmittelbar nach der Versuchung durch den Teufel in der Wüste. Jesus kommt nach Galiläa, er lehrt in den Synagogen, er redet von Gott. Und die Menschen preisen ihn. Und dann kommt er nach Nazareth – in die Stadt, wo man ihn kennt. Wo er aufgewachsen ist. Am Sabbat geht er in die Synagoge. Dem inzwischen durchaus berühmten Mann, der so lange in Nazareth lebte, wird die Schriftrolle gereicht, aus der im Gottesdienst vorgelesen wird. Er liest die Worte, aus denen unser heutiger Losungsvers entnommen ist: Der Geist des HERRN ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, zu verkündigen das Evangelium den Armen; er hat mich gesandt, zu predigen den Gefangenen, dass sie frei sein sollen, und den Blinden, dass sie sehen sollen, und den Zerschlagenen, dass sie frei und ledig sein sollen, zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn. Dann rollt er die Schriftrolle wieder zusammen, gibt sie dem Synagogendiener in die Hand und beginnt eine kurze Predigt. Nicht viele Worte, aber Worte, die es in sich haben: Heute ist dieses Wort der Schrift erfüllt vor euren Ohren. So nachzulesen in Lukas 4.

    In Jesus geht Gottes Trostversprechen in Erfüllung. In Jesus geht Gottes Rettungsplan in Erfüllung. In Jesus gehen alle Gottesverheißungen in Erfüllung. Das ist die einfache und klare Botschaft, die wir hören sollen. Und an diesem Jesus scheiden sich die Geister. Damals in Nazareth, da wollten und konnten sie ihm nicht glauben. Sie wurden von Zorn erfüllt heißt es bei Lukas. Sie verstoßen ihn und sie wollen ihn töten. Aber er ging mitten durch sie hinweg schreibt Lukas nur. Menschlicher Widerstand, menschlicher Unglaube ändert nichts an Gottes Absicht zu unserem Heil. An seinem Willen zu trösten, zu heilen und zu retten. Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selbst und rechnete ihnen ihre Sünde nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. Das gilt. Hören wir es, glauben wir es, und sagen wir es weiter.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Montag, 18. Januar 2021:

    HERR, du machst alles lebendig, und das himmlische Heer betet dich an.           Nehemia 9,6

    So beginnt das große Lobpreisgebet, das uns in Nehemia 9 aufgeschrieben ist. Nein, eigentlich beginnt es so: HERR, du bist’s allein. Eine ganz große Eins wird uns da vor unsere Sinne gemalt und vor unser Herz. Es geht nur um Eins, nur um den Einen, den einzigen, der Himmel und Erde erschaf­fen konnte. Es gibt Vorstellungen, wie die Welt entstanden ist. Weltentstehungsmodelle. Das heute am weitesten verbreitete davon ist die Theorie vom Urknall. Knapp gesagt beinhaltet sie, dass am Anfang des Universums alle Sterne, alle Galaxien in einem einzigen, winzigen Punkt, kleiner als ein Atom – in der »Singularität« zusammengefasst war. Und natürlich bricht die Frage auf: Wenn’s so war, was war davor? Was war vor dem Urknall? Und wo kommt es her? Nehemias Worte geben die klare Antwort: HERR, du bist’s allein, du hast gemacht den Himmel und aller Himmel Himmel mit ihrem ganzen Heer, die Erde und alles, was darauf ist, die Meere und alles, was darinnen ist; du machst alles lebendig und das himmlische Heer betet dich an.

    Dieser Blick geht noch viel weiter – er hat nicht nur die sichtbare, messbare Wirklichkeit (das sichtbare Universum) im Blick, sondern auch die unsichtbare Welt. All das kommt von Gott. Und auch die Frage: Wo kommt das Leben her, lässt sich klar beantworten: Es kommt von dem lebendigen Gott. Von ihm allein.

    Wir sind gewollt. Wir sind keine Produkte des Zufalls. Gott hat alles wohl geordnet. Gott hat alles lebendig gemacht. »Mein Auge schauet, was Gott gebauet zu seinen Ehren und uns zu lehren, wie sein Vermögen sei mächtig und groß« heißt es in einem Morgenlied. Wir haben einen Gott, der alles kann. Und seine Liebe gilt uns. Seine Barmherzigkeit gilt uns. In Jesus Christus hat der souveräne Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde, der sichtbaren und der unsichtbaren Welt uns eindeutig bewiesen, wie er es mit uns meint: So sehr hat Gott die Welt geliebt.

    Was bleibt uns da anders als in das Lob, das Gott aus so vielen Stimmen aus der ganzen Schöpfung gesungen wird, mit einzustimmen: HERR, du machst lebendig, und das himmlische Heer betet dich an.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 11.01. bis 17.01.

  • addAndacht für Sonntag, 17. Januar 2021

    Seid nicht bekümmert, denn die Freude am HERRN ist eure Stärke.                      Nehemia 8,10

    Bei diesem Vers läuft mir immer das Wasser im Mund zusammen. Weil ich nämlich an den ersten Teil dieses Verses denke, der meistens nicht mitgesprochen wird: Geht hin und esst fette Speisen und trinkt süße Getränke und sendet davon auch denen, die nichts für sich bereitet haben; denn dieser Tag ist heilig unserm Herrn. Und seid nicht bekümmert, denn die Freude am HERRN ist eure Stärke. Diese Freude soll dort den Menschen im Nehemiabuch durch Leib und Magen gehen. Man soll es schmecken und sehen, wie freundlich der HERR ist.

    Gott geht es immer ums Ganze. Er will unser ganzes Leben bestimmen. Leib, Seele und Geist – das ist eine Einheit. Und der ganze Mensch soll sich freuen, dass Gott für uns ist. Nicht nur Liebe geht durch den Magen – auch die Freude. Das Festessen an den hohen Feiertagen – im vergangenen Jahr wohl mit etwas weniger Menschen am Tisch – ist noch ein Überbleibsel davon.

    Ja, wir haben Grund zur Freude, wenn wir mit Gott leben und Gott zum Freund haben. Ja, wir haben Grund, nicht zu resignieren, sondern zuversichtlich und standhaft zu sein: Weil wir einen Gott haben, der uns seine Kraft schenkt. Eine Kraft, die oft genug gerade in den Schwachen sich als mächtig erweist. Weil es nicht auf uns ankommt, sondern allein auf ihn. Was uns auch bekümmern mag: es gibt für alle, die an Gott glauben und mit ihm leben viel mehr Grund, zuversichtlich zu sein als bekümmert zu sein. Denn auch uns gilt: Die Freude am HERRN ist eure Stärke.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Samstag, 16. Januar 2021

    Der HERR behütet dich; der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand, dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts.                                                                        Psalm 121,5-6

    Unser Leben, unsere Welt ist voller Spannungsbögen: Tag und Nacht – Sonne und Mond spricht dieser Vers an. Es ließen sich noch viele andere ergänzen: Himmel und Erde, Sommer und Winter, Frost und Hitze, Licht und Finsternis. Unser Leben ist nicht einfach. Und das ist gut so, dass nicht alles in »ein Fach« passt, sondern das macht unser Leben spannend, dass wir mitten in diesen Spannungs­bögen leben: Saat und Ernte, Arbeit und Ruhe, Mann und Frau, Jung und Alt.

    Wie eine gute mechanische Uhr nur läuft, wenn die Feder gespannt ist, so braucht auch unser Leben diese Spannungsbögen, in die wir hineingestellt sind. Leben ist etwas Dynamisches, nichts Statisches. Aber über allem steht Gott, der uns behütet. Egal, wo in diesen vielen Spannungsfeldern wir uns gerade befinden: Er ist da. Er passt auf uns auf. Er sorgt für uns: Wie ein Hut. Wie ein Schirm. Wie ein Dach über dem Kopf. Er verlässt uns nicht – wie ein Schatten begleitet er uns. Mit ihm dürfen und können wir immer rechnen.

    »Wer mit Gott liebt, kennt auch Schwierigkeiten. Doch das steht fest: in keiner Schwierigkeit lässt er uns allein!« Das gilt. Darauf dürfen wir uns verlassen. Er hält, er trägt. Er bleibt. Und wir brauchen es, dass wir das immer wieder gesagt bekommen – damit wir es nicht vergessen. Was für ein Gott! Was für eine Nähe! Was für eine Geborgenheit!

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Freitag, 15. Januar 2021

    Die Frau nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon und er aß.

    1. Mose 3,6

    Das ist das Fatale an der Sünde und an der Verführung zur Sünde: Dass wir uns – und unserem Urteilsvermögen, unserer Beobachtung – mehr trauen als Gottes gutem Wort. Gottes Gebot war klipp und klar: Alle Früchte sind erlaubt – aber diese Frucht sollt ihr nicht essen. Und woran orientieren sich die Menschen? Nicht am Gebot Gottes, sondern am Wort der Schlange, das diesem Geschehen vorausgeht. Und der Mann? Er orientiert sich an dem, was die Frau tut und ihm sagt und rät.

    Glauben wir ja nicht, dass wir heute davor gefeit wären, es genauso zu machen. Wie oft orientieren wir uns lieber an dem, was die andern tun – und was uns der Zeitgeist ins Ohr flüstert – als an den klaren Worten Gottes. »Nicht die Sätze in der Bibel machen mir zu schaffen, die ich nicht verstehe, sondern die ich verstehe« hat Mark Twain einmal ganz ehrlich gesagt. Was zählt bei uns? Worauf hören wir? Woran orientieren wir uns? An Gott und seinem Wort – oder doch an dem, was die andern tun und uns sagen?

    »Welcher falsche Ton wird richtig, dadurch dass ihn jeder pfeift?« hat Manfred Siebald in einem Lied gefragt: »Und welcher saure Apfel wird süß, dadurch, dass jeder nach ihm greift?« Wo es um richtig oder falsch geht, da kommt die Demokratie an ihre Grenzen. Denn daran kann auch die Mehrheits­meinung nichts ändern. »Ich fürchte fast, dass es nicht wichtig ist, ob uns das passt, was bei Gott richtig ist, und ob mit uns noch viele andre lieber tun, was ihm missfällt – ich glaub‘ nicht, dass die Menge zählt.« Nein, viel wichtiger als unsere Meinungen und unsere Einschätzung ist das, was Gott uns zu sagen hat. Hören wir lieber darauf und bleiben wir dabei.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Donnerstag, 14. Januar 2021:

    Lasst uns mit Danken vor sein Angesicht kommen und mit Psalmen ihm jauchzen! Denn der HERR ist ein großer Gott.                                                    Psalm 95,2-3

    Wo schauen wir hin? Es gibt das sprichwörtliche Kaninchen, das auf die Schlange starrt und dabei erstarrt. Weil es keinen Ausweg mehr gibt. Weil es nicht mehr weiter weiß. Weil nun alles zu Ende geht. Wo schauen wir hin – in diesen Tagen: Es gibt so Vieles, was uns verunsichern kann: Angriffe auf die Demokratie in den Vereinigten Staaten. Eine Pandemie, die trotz so vieler Bemühungen doch nicht so einfach in den Griff zu bekommen ist. Impfungen, die viel zu langsam gehen. Wo schauen wir hin? Auf Menschen, auf unsere Möglichkeiten oder Unmöglichkeiten?

    Wenn dem so ist, dann lädt uns unsere Losung zu einem radikalen Blickwechsel ein. Weg von uns – hin zu Gott. Hin zur Anbetung. Hin zum Schweigen und Staunen vor ihm. Hin zum Jauchzen, zum Singen, zum Loben und zum Danken. Denn der HERR ist ein großer Gott… und ein großer König über alle Götter geht es dann weiter. Moment mal: Gott ist doch der einzige Gott – es gibt doch gar keine Götter. Wie kann er dann ein großer König über alle Götter sein? Wenn’s doch gar keine gibt? Antwort: Im Himmel und auf der Erde gibt es keine anderen Götter. Aber oft genug in unseren Köpfen und noch schlimmer: in unseren Herzen. »Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott« soll Martin Luther gesagt haben. Was dich in Beschlag nimmt, was dich nicht loslässt – das ist dein Gott. So möchte ich ergänzen. Mach es dir klar: Es gibt nichts und niemanden, der größer ist als der lebendige Gott. Nichts und niemanden, der wichtiger ist, der stärker ist, der liebevoller ist und der es besser mit dir meint als der lebendige Gott. Darum: Wende dich ihm ganz zu. Täglich. Übe täglich diesen Blickwechsel, bete ihn an. Und dann erlebe: Diese Zeit mit ihm, diese Stille vor ihm, dieses Staunen über ihn – das wird dein Denken und Fühlen verändern. Das lässt auch all das, was dir Angst macht, in einem anderen Licht erscheinen. Nicht die Angst, nicht die Sorge, nicht die Verbissenheit, alles regeln zu müssen, wird mehr im Vordergrund stehen, sondern er, unser Gott, der HERR, der ein großer Gott ist. Der HERR, der für uns ist in Jesus Christus.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Mittwoch, 13. Januar 2021

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    immer wieder begegnet uns Gott in der Bibel mit Gefühlen und Regungen, wie wir Menschen sie kennen. Er zeigt sich voller Liebe wie ein Bräutigam zu seiner Braut. Oder wie ein Vater oder eine Mutter zu ihrem Kind. Gott ist aber auch eifersüchtig, wenn er merkt, dass ihn seine Menschen beiseiteschieben und ihn vergessen, wenn sie statt ihm lieber selbst gemachte, tote Dinge hochhalten und dafür ihre Zeit, ihre Energie, ihre Aufmerksamkeit einsetzen. Oder wenn sie nur so tun, als ob sie ihn achten, aber im Grund doch das tun, was ihnen in den Sinn kommt.

     

    So ein Gefühl, wie wir es eben auch kennen, hören wir im heutigen Losungsvers aus dem Propheten Maleachi. „Ein Sohn soll seinen Vater ehren. Bin ich nun Vater, wo ist meine Ehre?, spricht der HERR“ (Maleachi 1,6). Genau so würde auch ein menschlicher Vater mit seinem Sohn sprechen, von dem er den Eindruck hat, dass er ihn nicht respektiert. „Bin ich nun ein Vater, wo ist meine Ehre?“ Gott sagt: ihr behauptet, dass ich euer Vater sei. Und tut so, als ob euch das gefällt. Und ihr behauptet auch, dass ihr Euren Vater achtet. Aber ich habe ganz und gar nicht den Eindruck, dass da so ist. Das ist Schein und nicht Sein.

     

    Wenn sich der große Gott, der unser Denken bei weitem übersteigt, so mit Gefühlen zeigt, dann wird daran deutlich: Er ist lebendig, er ist persönlich – und ihm geht es ganz um die Beziehung zu uns. Er ist kein Automat. Er will auch nicht wie Automat behandelt werden nach dem Motto: ich tue ein paar christliche Dinge, damit der gute Gott zufrieden ist und mich schützt. Nein, er will ernst genommen werden, als Gegenüber, als persönlicher Schöpfer, als Retter, als der, mit dem wir leben und auch durch den Tod gehen können in das Leben bei ihm.

     

    Wie schnell geschieht schon in Ehe und Familie, dass wir nebeneinander her leben. Gar nicht mehr aufmerksam zuhören, was der andere sagt, was ihn oder sie beschäftigt. Da muss gar kein Streit sein, aber die Beziehung ist oberflächlich geworden. Irgendwann nervt das und einer von zweien wird das hoffentlich ansprechen. Manchmal gibt es dann eine ordentliche Auseinandersetzung oder sogar einen Streit. Aber das ist oft besser, als ein Scheinfrieden ohne echtes Miteinander.

     

    So ist Gott auch. Er spricht es an, wenn er den Eindruck hat, dass wir nur neben ihm her leben, ihn gar nicht mehr beachten und achten, ihn als Mitte und Ziel unseres Lebens haben. Wo wir anderes wichtiger nehmen als ihn, achten wir ihn nicht. Übrigens auch da, wo wir unsere Sorgen, unsere Not nicht an ihn abgeben wollen, sondern sie krampfhaft festhalten. Denn, erinnern wir uns an unsere Kindheit, wenn es uns schlecht ging, haben wir das doch zu den Eltern gebracht, weil wir wussten, die können viel mehr als wir. Wo wir hilflos und leer zu ihm kommen, da ehren wir Gott als den, dem wir mehr zutrauen als uns selber. Wie denken Sie darüber?

     

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • addAndacht für Dienstag, 12. Januar 2021

    Ich will die Übriggebliebenen meiner Herde sammeln aus allen Ländern und will sie wiederbringen zu ihren Weideplätzen, dass sie fruchtbar sein sollen und sich mehren.                                Jeremia 23,3

    Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie macht ein furchtbares Wort die Runde, das ich so vorher nicht kannte: »Triage«. Eine entsetzliche Situation: Es sind mehr Patienten, die eine Intensiv­behandlung brauchen als Betten zur Verfügung stehen. Und nun müssen die Ärzte entscheiden, wer behan­delt wird und wer nicht mehr. Es wird aussortiert. Ich wünsche es keinem Arzt, in eine solche Situa­tion zu kommen.

    Doch für uns machen wir so etwas Ähnliches leider immer wieder in unseren Gedanken. Dass wir Menschen abschreiben und für hoffnungslose Fälle erklären. Dass wir sie aufgeben und keine Mühe mehr für sie aufwenden. Dass wir sie aus dem Kreis derer, denen wir Liebe schenken, unbarmherzig ausschließen. Das ist entsetzlich – doch traurige Realität so oft bei uns. Prüfen wir uns bitte sorgfäl­tig, dass wir uns davon nicht mitreißen lassen.

    Schauen wir viel lieber auf unseren Gott, der keinen aufgibt. Der auch dem kleinsten Rest, der noch übrig geblieben ist von seinem Volk Israel, eine neue Chance gibt. Gott gibt keinen auf. Gott will heilen. Gott will zurechtbringen. Gott will fruchtbar machen und mehren. Alle, die zu Gottes Volk gehören, sind gerettete Menschen. Sind Menschen, die Gottes Hilfe, Gottes Zuwendung erlebt haben. Das gilt für den Alten Bund, wo es im ersten Gebot heißt: Ich bin der Herr, der dich aus Ägypten, aus der Knechtschaft befreit habe, du sollst keine anderen Götter neben mir haben. Genau wie im Neuen Bund. Wir alle leben von dem, dass Jesus Christus, Gottes Sohn, sein Blut am Kreuz für uns vergossen hat. Dass er uns die Schuld vergibt. Gott will retten, Gott gibt keinen Menschen auf. Geben wir bitte auch keinen Menschen auf – beten wir weiter treu. Gott kann Wunder tun.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Montag, 11. Januar 2021

    Gott, unser Heiland, will, dass alle Menschen gerettet werden und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.                                                                               1. Timotheus 2,3-4

    »Noch dringt Jesu frohe Botschaft durch die dunkle Welt. Noch sind allerorten Boten aufgestellt. Menschen müssen Menschen sagen, dass Gott alle liebt. Dass es einen Weg aus Schuld und Elend gibt.« Gottes Rettungsaktion läuft – seit 2.000 Jahren. Und nach wie vor ist es eine dringende, eine wichtige Aktion. Wichtiger noch als die größte Impfaktion, die es je gab, die wir derzeit weltweit erleben. Gottes Rettungsaktion will verlorene Menschen, die in Schuld und Sünde von Gott getrennt gefangen sind und sich nicht selbst retten und erlösen können, befreien. Dafür ist Jesus gekommen. Dafür hat er unsere Schuld, unsere Sünde auf sich genommen und dafür ist er am Kreuz gestorben. Dafür ist er auferstanden, dass wir ewig leben können. Wir sollen Kinder Gottes werden.

    Aber wir sollen uns nicht damit zufrieden geben, dass wir es sind. Denn: Gott will alle! Unserem Gott geht es immer um’s Ganze. Gott will retten. Gott ist auf der Suche nach Menschen. Und Gott will, dass sie gerettet werden, indem sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Denn das gehört untrennbar zusammen. Ja, es gibt eine absolute, unumstößliche und ewige Wahrheit. Es gibt eine Wahrheit und Klarheit über Gott und über uns, unser Leben und unser Verhältnis zu Gott. Im Zentrum dieser Wahrheit steht der, der von sich sagte: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater, denn durch mich (Joh 14,6). Jesus Christus. Ihn sollen alle kennen lernen. Nicht nur mit dem Intellekt, sondern mit dem Herzen. Ihm sollen alle vertrauen. Ihm sollen alle gehören und ihn sollen am Ende alle ehren. Gott will retten – und wir wollen und dürfen Teil seiner Rettungsbotschaft sein. Auch wir dürfen Boten sein, die anderen sagen, wie groß Gottes Liebe in Jesus dem Gekreuzigten ist und dass sie für alle Menschen gilt.

    Pfarrer Andreas Streich

     

 

Woche vom 04.01. bis 10.01.

  • addAndacht für den 1. Sonntag nach Epiphanias, 10. Januar 2021

    Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.                                               Römer 8,14

    Wenn ein gut betuchtes Ehepaar ein armes Kind adoptiert, z.B. aus einem Entwicklungsland, dann geschieht das mit Überzeugung und mit Tatkraft. Dann bekommt dieses Kind gute Kleider, ein Zuhause und wird umsorgt. Die Eltern schicken es auf eine Schule und lassen ihm eine gute Erziehung und Bildung angedeihen.

    So ähnlich ist das auch bei Gott und uns. Durch Jesus Christus macht Gott uns zu seinen Kindern. Er nimmt uns an – und er wendet uns seine ganze Liebe zu. Aus verlorenen Menschen, aus »Kindern des Zorns« wie es die Bibel auch nennt, werden durch den Glauben geliebte Gotteskinder, weil Jesus uns mit Gott versöhnt hat.

    Doch so wie es für ein adoptiertes armes Kind nicht nur neue Kleider gibt, sondern auch eine neue Prägung und Bildung – so möchte auch Gott uns nicht nur ein neues Kleid, das Kleid der Gerechtigkeit schenken, sondern uns nun auch prägen – durch seinen guten Heiligen Geist. Gott nimmt uns an wie wir sind. Doch er lässt uns nicht so, wie wir sind. Er will uns verändern, prägen, gestalten. Dazu schenkt er Gottes Heiligen Geist in unser Herz.

    Gottes Geist ist ein Geist der Freiheit. Gottes Geist zwingt uns nicht. Aber er wird uns immer wieder ganz sanft darauf aufmerksam machen, was Gott für uns möchte, welche Gelegenheiten es für uns gibt, uns als Kinder Gottes in unserem Alltag zu bewähren. Gottes Geist treibt uns. Er treibt uns ins Gebet. Er treibt uns, unsere Schuld, unser Versagen zu bekennen. Er treibt uns hin zur Vergebung. Und er treibt uns, die Schwerkraft des Egoismus mit seiner Kraft zu überwinden und das weiter­zuge­ben, was wir von Gott empfangen haben. Gottes Kindern soll, ja muss man es abspüren, dass sie von Gottes Geist geprägt und getrieben sind. Gott hat so viel in uns investiert, leben wir es doch!

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Samstag, 9. Januar 2021

    Als die Ersten kamen, meinten sie, sie würden mehr empfangen, und sie empfingen auch ein jeder seinen Silbergroschen. Und als sie den empfingen, murrten sie gegen den Hausherrn und sprachen: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, doch du hast sie uns gleichgestellt, die wir des Tages Last und die Hitze getragen haben.                                                Matthäus 20,10-12

    Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg steht im Widerspruch zu unserer Leistungsgesellschaft. Wer viel und hart arbeitet, der soll doch gefälligst mehr bekommen als der, der nur eine Stunde gearbeitet hat. In der Geschichte, die Jesus erzählt, ist es die harte Arbeit in einem Weinberg in der Gluthitze des Vorderen Orients. Schon beim Zuhören kann man sich die Schweißausbrüche vorstellen. Ja, Arbeit muss sich lohnen – das gilt bei uns Menschen. Selbstverständlich.

    Doch hier geht es um etwas ganz Anderes: Hier geht es um Gott. Und es geht um die Unmöglichkeit, dass wir Gott gegenüber auf unseren Rechtsanspruch beharren. Denn da stehen wir immer auf dem Grund der Gnade. Gott hätte alles Recht, mit uns fertig zu sein – doch er fängt noch einmal ganz neu mit uns an – aus lauter Liebe und Gnade. Doch wer auf diesem Grund, auf dem Grund der Gnade steht, der kann nicht mit dem Anspruch auf irgend ein Recht auftrumpfen. Wir sind Beschenkte, Begnadete. Was wir haben, was Gott uns durch Jesus Christus gibt, das haben wir alle nicht verdient.

    Ja, lieber Mensch, wer bist du denn, dass du mit Gott rechten willst – so fragt der Apostel Paulus. Merken wir’s: Das passt nicht zusammen. Mit Gott kann man nicht rechten. Seine Gedanken sind so viel höher als unsere Gedanken. Was wir als ungerecht empfinden mögen – auch in unserem eigenen Erleben – dafür können wir Gott nicht zur Rechenschaft ziehen. Das verbietet sich uns, das entzieht sich uns. Ihn sollen wir vielmehr über alle Dinge fürchten, lieben und ihm vertrauen. Der Gutsherr im Gleichnis hat übrigens keinen der Arbeiter zu kurz kommen lassen. Alle bekamen das, was sie zum Leben brauchten: 1 Silbergroschen – das reicht, um einen Tag davon leben zu können. Und auch wir dürfen sicher sein: Bei Gott kommen wir nicht zu kurz.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Freitag, 8. Januar 2021

    Gott ist mein Fels, meine Hilfe und mein Schutz, dass ich nicht wanken werde.               Psalm 62,7

    Dieses Bekenntnis taucht gleich zweimal in diesem Psalm auf. Es ist der zweite Teil eines Kehrverses, eines Refrains, der jeweils am Anfang eines Abschnitts steht. Sozusagen als Vorzeichen. Könnte das nicht auch ein Vorzeichen für uns für dieses Jahr 2021 sein – noch haben wir ja erst 7 Tage dieses Jahres erlebt – es liegen noch viele vor uns?

    Hilfe und Schutz gibt es auf verschiedenen Ebenen: Körperlich, physisch – aber darüber hinaus auch geistlich, seelisch. Das Bild vom Felsen, auf dem ich fest und sicher stehe, ist selbsterklärend. Das versteht jedes Kind. Gott ist für mich wie ein Fels bekennt David. Von ihm erfahre ich Schutz und Hilfe. Da bin ich geborgen. Da wirft mich nichts aus der Bahn.

    Ich sprach von den unterschiedlichen Ebenen, auf denen wir Schutz und Hilfe brauchen. Wir alle – auch als Glaubende – haben schon die Erfahrung gemacht: Wir werden nicht immer allen Schwierig­keiten und Gefahren entnommen. Auch Christen werden krank. Auch Glaubende erleben Schwierig­keiten, manchmal sogar stärker und größer als andere, die nicht glauben. In den Psalmen wird auch diese Erfahrung thematisiert: Warum geht es mir so schlecht?

    Also das Missverständnis muss ausgeräumt sein: Gott ist keine Vollkaskoversicherung gegen alle Gefahren und keine Garantie für ständiges Wohlergehen. Noch sind wir nicht am Ziel angekommen, in seiner Herrlichkeit – da wird es einmal so sein, dass aller Schmerz gestillt und alle Tränen getrocknet sind. Aber doch erleben Christen auf dieser anderen Ebene: Gott hält mich fest. Gott trägt mich durch, durch alle Schwierigkeiten, durch alle Nöte und Fragen. Bei ihm bin ich geborgen. »In dir ist Freude in allem Leide« konnte Cyriakus Schneegass dichten. Und das dürfen auch wir erfahren – heute auf der geistlichen Ebene, einmal aber auf allen Ebenen: Gott ist mein Fels, meine Hilfe und mein Schutz, dass ich nicht wanken werde. Er bringt uns an sein gutes Ziel.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Donnerstag, 7. Januar 2021

    Ich bin dein, hilf mir.                                                                                                    Psalm 119,94

    Zwei ganz wichtige Erkenntnisse stecken in diesem uralten Gebet. Das eine ist ein Eingeständnis: Ich brauche Hilfe. Das ist die Erfahrung, die wir Menschen immer wieder machen werden. Es stimmt eben nicht, was uns – auch in so vielen Hollywood-Filmen vorgegaukelt wird: Jeder hat sein Schicksal selbst in der Hand, jede ist ihres Glückes Schmied. Es gibt so viele Unwägbarkeiten in unserem Leben, so vieles, was wir nicht steuern und planen können und auch so vieles, worauf wir eben keinen, aber auch überhaupt keinen Einfluss haben – und wo wir Hilfe brauchen. Wir müssen und wir werden mit unserem Leben nicht allein fertig. »Hilf mir!« Dieser Ruf muss und darf immer wieder über unsere Lippen kommen. Gott stellt uns Menschen an unsere Seite, die uns helfen. Wir brauchen einander. Mehr noch als der treueste menschliche Begleiter steht Gott mit seiner Hilfe für uns bereit. Tiefer noch als der einfühlsamste Mensch versteht und sieht er meine Not, meine Einsamkeit, meine Traurigkeit. Größer als beim liebevollsten Menschen ist sein Erbarmen und seine Zuwendung zu mir. Kräftiger als der stärkste Mensch ist seine Kraft zu helfen. Geborgener, getrösteter, gehaltener und geliebter als bei ihm können wir niemals sein. Unser Helfen, unsere Liebe, unser Mitleiden und Mittragen wird immer nur ein Schatten, ein flüchtiges Abbild seines ewigen Erbarmens, seiner unerschütterlichen Hilfe, seines starken Trostes und seiner großen Treue sein können.

    Zu dieser Erkenntnis tritt das andere, ganz Persönliche: »Ich bin dein«. Unser Gott ist kein unpersönlicher Gott, kein blindes Schicksal, kein »höheres Wesen«, von dem man nicht so recht weiß, was man von ihm halten soll. Gott hat uns in Jesus Christus sein Gesicht gezeigt. Und er hat uns gezeigt, wie sehr er uns liebt und wie eng er sich mit uns verbinden will. Wir dürfen zu ihm gehören. Wir dürfen ihm gehören – heute und für immer. Verbunden, getröstet, gehalten und geborgen für immer. Weil wir ihm gehören – um Jesu Christi willen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Mittwoch, 6. Januar 2021

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    „Heilige Drei Könige“ heißt der Feiertag heute. Die Berufstätigen unter uns sind dem Trio aus dem Morgenland dankbar, denn sie bringen uns zwar nicht Gold, Weihrauch oder Myrrhe, aber einen freien Tag mitten in der Woche und das ist auch etwas wert.

    Dass die Herren in der Bibel nicht als Könige, sondern als Weise beschrieben werden, heute würde man vielleicht Wissenschaftler sagen, wissen Sie bestimmt. Und auch, dass wir ihre Namen nicht kennen, Caspar, Melchior und Balthasar wurden erst im 6. Jahrhundert erwähnt. Die Tradition in der katholischen Kirche, dass Kinder als Sternsinger von Haus zu Haus ziehen und dort mit Kreide die Buchstaben C und M und B mit der Jahreszahl über den Eingang schreiben, ist schön. Diese Buchstaben stehen nicht für die bekannten Namen der drei – sondern für die lateinischen Worte Christus mansionem benedicat, auf Deutsch: Christus segne dieses Haus. Diesen Segen für Ihr Haus und das neue Jahr wünsche ich Ihnen auch!

    Im Losungsbuch stehen für heute auch zwei Verse aus der Geschichte der Weisen aus dem Matthausevangelium, Kapitel 2. Dort heißt es: „Als die Weisen den Stern sahen, wurden sie hocherfreut und gingen in das Haus und sahen das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an.“ Dummerweise kennen wir die Geschichte ja seit Kindesbeinen und für uns sind diese Weisen eben dazu da, dass sie kommen und anbeten. Uns fällt gar nicht mehr auf, wie unglaublich und berührend das ist, was diese Männer tun. Es sind weise, gebildete, kluge erwachsene Männer mit viel Erfahrung. Sie haben es zu etwas gebracht. Und da liegt das Jesuskind, das nichts kann und weiß aus eigener Kraft, auf seine Mutter angewiesen ist. Und die Männer beten dieses Kind an, legen damit alles, was sie sind und können, zur Seite und bekennen, dass es nichs ist gegen das, was dieses Kind ist und in die Welt bringt.

    Was zwischen diesen weisen Männern und dem Kind in der Krippe geschieht, das hat Paul Gerhard wunderbar in die Worte des bekannten Weihnachtslieds gefasst:


    1. Ich steh an deiner Krippen hier,

    o Jesu, du mein Leben;

    ich komme, bring und schenke dir,

    was du mir hast gegeben.

    Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn,

    Herz, Seel und Mut, nimm alles hin

    und laß dir’s wohlgefallen.

     

    3. Ich lag in tiefster Todesnacht,

    du warest meine Sonne,

    die Sonne, die mir zugebracht

    Licht, Leben, Freud und Wonne.

    O Sonne, die das werte Licht

    des Glaubens in mir zugericht’,

    wie schön sind deine Strahlen!

     

    9. Eins aber, hoff ich, wirst du mir,

    mein Heiland, nicht versagen:

    daß ich dich möge für und für

    in, bei und an mir tragen.

    So laß mich doch dein Kripplein sein;

    komm, komm und lege bei mir ein

    dich und all deine Freuden.

     

    Vielleicht singen Sie das Lied bei sich zuhause noch, allein oder zusammen?

     

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

     

  • addAndacht für Dienstag, 5. Januar 2021

    Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.                                                                                         Psalm 23,6

    So endet der 23. Psalm, der Psalm vom guten Hirten. Kann man das, was einem Menschen an Gutem widerfährt, mit stärkeren Worten beschreiben? Da spürt einer, dass er verfolgt wird. Nicht von Menschen, nicht von bösen Mächten, sondern von Gutem und Barmherzigkeit weiß er sich verfolgt. Von dem, was nur Gott uns geben kann. So erlebt es, wer Gott vertraut. Paulus drückte es mit den Worten aus: Wir wissen, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen. Gott kommt zum Ziel mit meinem Leben. Gott bringt mich ans Ziel. Gutes empfange ich von ihm – und Barmherzigkeit.

    Barmherzigkeit beinhaltet immer auch, dass ich mir bewusst bin, dass ich auf Hilfe angewiesen bin. Dass ich mir nicht immer selbst helfen kann, besonders nicht an den entscheidenden Stellen meines Lebens. Ich bin hilfsbedürftig – ich brauche es, dass ein anderer – dass Gott sich mir zuwendet und mir hilft. Wie gut, dass wir bei Gott bedürftig sein dürfen – ja sollen. Gott will unsere leeren Hände füllen. Gott will unser Versagen ausräumen. Gott will um Jesu Christi willen uns unsere Schuld vergeben.

    Zu dem absolut Guten, was einem Menschen widerfahren kann gehört immer auch die Gemeinschaft mit Gott. Der König David drückt es so aus: ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar. Zu seiner Zeit gab es nur die Stiftshütte. Den Tempel baute erst sein Sohn Salomo. Doch das Haus des HERRN – das ist viel mehr als ein mit menschlichen Händen errichtetes Gebäude. Dieses Haus des HERRN – das ist eine geistliche Größe. Und in der Ewigkeit wird es einmal ganz zentral sein: Gott bei uns. Im Neuen Jerusalem, das uns die Offenbarung vorstellt, gibt es keinen Tempel mehr – denn Gott wird bei ihnen wohnen. Ungetrennte Gemeinschaft mit Gott – das steht im Zentrum all dessen, was Menschen als Heil erleben und beschreiben können. Durch Jesus Christus schenkt Gott es auch uns. Alle die an ihn glauben, denen gab er die Macht, Gottes Kinder zu heißen (Joh 1,12). Es gilt auch uns.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Montag, 4. Januar 2021

    Der HERR spricht: möge doch ihr Herz so bleiben, dass sie mich allezeit fürchten und meine Gebote halten, damit es ihnen und ihren Kindern gut geht, für immer!                  5. Mose 5,29

    Ein zweites Mal werden im 5. Kapitel des 5. Mosebuchs die 10 Gebote dem Volk verkündigt. Sein griechisch-lateinischer Name »Deuteronomium« rührt daher. »deuteros« heißt »zweites Mal« und »nomos« heißt Gesetz. Gott lässt seine Gebote, sein Gesetz, seine gute Lebensordnung vermittelt durch Mose seinem Volk verkündigen.

    Wenn sich einer mit unserem Leben auskennt, dann er. Viel mehr als jeder Arzt, Psychologe oder Virologe kennt er, unser Gott sich mit unserem Leben aus und weiß, worauf es ankommt. Denn er hat uns geschaffen. Er ist der Experte für unser Leben und unser Zusammenleben. Er weiß, wie unser Leben gelingt und worauf es wirklich ankommt.

    »Hauptsache gesund«? Gesundheit ist ein hohes Gut. Aber es ist nicht die Hauptsache in Gottes Augen. »Hauptsache Gottesfurcht« sagt uns der Schöpfer und Experte für unser Leben. Darauf kommt es an, dass wir Gott über alle Dinge lieben, fürchten und ihm vertrauen. So hat es Martin Luther in seiner Erklärung der 10 Gebote bekannt. Und dass wir seine Gebote halten. Dass wir seine Regeln befolgen und respektieren. Das ist die einfache Lebensweisheit und der klare Lebensrat unseres Schöpfers an uns.

    Und zugleich erleben wir das als so schwierig. Denn unser Herz zieht so oft eben in eine andere Richtung. Wir sind so oft von uns selbst gefangen; von unserem Egoismus, von unserer Gier und von unserer Angst, etwas versäumen zu können oder zu kurz zu kommen. Möge doch ihr Herz bleiben… das ist der Wunsch Gottes. Und darum wird er selbst tätig. Er will uns ein anderes, ein neues Herz schenken – in Jesus Christus, seinem Sohn, da greift Gott ganz neu nach uns. Da will er uns dieses neue Herz schenken. Auch Christen sind nicht perfekt. Auch Christen werden an Gottes Geboten immer wieder schuldig – wir alle. Doch Gottes Erneuerung ist in Gang gesetzt. Wir dürfen täglich von Gottes Vergebung leben. Und es mit ihm neu wagen: Ihn zu fürchten und seine Gebote zu halten. Und einmal, da wird Gott uns, um Jesu willen ganz vollenden.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 28.12. bis 03.01

  • addAndacht für den 2. Sonntag nach dem Christfest, 3. Januar 2021

    Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.                                                                Johannes 1,14b

    Mitten in der Finsternis der Welt leuchtet Gottes Herrlichkeit auf. So haben es die Propheten angekündigt. Jesaja zum Beispiel: Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht und über denen, die da wohnen im finsteren Lande, scheint es hell. (Jesaja 9,1). Gottes Herrlichkeit, dieses helle Licht, das lässt sich von uns nicht machen, nicht produzieren. Es lässt sich nur erwarten und herbeisehnen. Der Apostel und Evangelist Johannes bezeugt: Die Erwartung ist erfüllt. Der ewige Gott hat sich gezeigt. Gottes Herrlichkeit wurde sichtbar, erfahrbar, erlebbar: Wir sahen seine Herrlichkeit.

    Zunächst unscheinbar: Da war nur ein kleines Kind zu sehen, in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Hätte der Engel es den Hirten nicht gesagt, sie hätten das Geheimnis nicht erkannt. Doch so staunten sie über die Gnade, dass gerade sie die ersten sein dürfen, die Gottes Sohn zu sehen bekom­­men. Gott wird Mensch. Gottes Herrlichkeit leuchtet auf – in Jesus Christus, seinem Sohn. Seinem einzigen Sohn – das ist nämlich gemeint mit diesem so ungewohnten Wort »eingeboren«. Gott hat nur den einen Sohn. Den Einzigen. Und er bringt Gottes Herrlichkeit zu uns. In ihm leuchtet sie auf.

    Zwei Begriffe nennt Johannes in diesem Zusammenhang. Die Herrlichkeit Gottes zeichnet sich durch Gnade und durch Wahrheit aus. Gnade – das ist unverdiente Zuwendung. Gott stellt keine Bedingungen, Gott nennt keine Voraussetzungen. Er kommt un-bedingt zu uns in Jesus Christus. Er wendet sich uns unverdient zu und will uns so annehmen wie wir sind. Er will die Schuld vergeben und uns mit Gott versöhnen. In Jesus scheint uns Gottes Herrlichkeit voller Gnade – und voller Wahrheit. Die Wahrheit, die volle und ganze Wahrheit über Gott, über uns und unser Leben, die erfahren wir nur durch Jesus Christus. Er zeigt uns, wie Gott ist. Er zeigt uns, wie Gott es im Tiefsten seines Herzens mit uns meint. Er zeigt uns, dass Gott uns, die wir verlorene und verdammte Leute ohne ihn wären, retten und heil machen will. Und er zeigt uns, dass Gott für immer und ewig mit uns verbunden sein will.

    Gottes Herrlichkeit – in Jesus Christus leuchtet sie für uns.           Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Samstag, 2. Januar 2021

    Sie lasen aus dem Buch, dem Gesetz Gottes, Abschnitt für Abschnitt und erklärten es, sodass man verstand, was gelesen wurde.                                                                               Nehemia 8,8

    Das Nehemiabuch ist ein Aufbaubuch. Der Schweizer Prediger Walter Lüthi hat seine Auslegung aus dem Jahr 1945 überschrieben mit »die Bauleute Gottes«. Nehemia, ein einflussreicher Mann am Hof des Perserkönigs Artaxerxes, macht sich auf den Weg nach Jerusalem, um die Stadtmauern wieder aufzubauen. Doch nicht nur Gebäude werden restauriert und renoviert. Es geht auch um einen geistlichen Aufbruch und Aufbau in diesem Buch. Und der geschieht dort, wo Menschen sich der Bibel – hier in Form des Gesetzbuchs des Mose – wieder zuwenden.

    Nicht anders kam es zur Reformationsbewegung als durch diese Neuzuwendung zur Heiligen Schrift. Geistlicher Aufbau hat immer mit der Bibel zu tun. Denn Gottes Geist hat sich an dieses Buch gebunden. Wo Menschen sich mit ihren Worten beschäftigen, da ist Gottes Geist am Werk. Da bewirkt er, dass es nicht beim Hören nur mit den Ohren oder mit dem Verstand bleibt, sondern, dass es zu Herzen geht. Bibelauslegung ist der Schlüssel zur Erneuerung, zum Gemeindebau.

    Immer wieder gab und gibt es die andere Tendenz in der christlichen Gemeinde – das ging durch die ganze Kirchengeschichte hindurch so: dass man meinte, die Bibel vernachlässigen zu können. Und statt dessen auf so vieles andere, was sich einem in Gesellschaft und Zeitgeist bot, zuwenden zu müssen. Auch heute geht ein breiter Strom der Christenheit in diese Richtung.

    Ich bin mir sicher: Wir vertrauen viel zu viel auf unsere Ideen, auf Marketingstrategien und den Erfolg unserer menschengemachten Programme und Werbeaktionen. Aber es bleibt dabei: Wo die Bibel gelesen und erklärt wird, ganz einfach und schlicht, da geschieht Aufbau der Gemeinde Gottes. Da wird dieses Wort nicht leer zurückkommen. Das gilt für uns persönlich und unsere Beschäftigung mit der Bibel. Und das gilt für uns als christliche Gemeinde. Die Bibel ist und bleibt unser Schatz, aus dem alle geistliche Erneuerung und alle Frucht, die auch in Ewigkeit Bestand hat, erwächst.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für den Neujahrstag, Freitag, 1. Januar 2021

    Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.                            Hebräer 13,8

    Von Jesus Christus können wir gar nicht groß genug denken. Von ihm müssen wir reden – immer und immer wieder. Davon ist der Schreiber des Hebräerbriefs, dessen Name uns nirgends genannt wird, überzeugt. Anno Domini »Im Jahr des Herrn« schrieben die Alten vor die Jahreszahl, die nun 2021 heißt. Der Bezugspunkt ist die Geburt von Jesus Christus. In seinem Namen wollen wir dieses Jahr beginnen. In seinem Namen es erleben – was auch immer es uns bringen mag.

    Jesus Christus hat ein Gestern – hier auf dieser Welt. Davon reden wir. Krippe und Kreuz sind seine Zeichen und das leere Grab vom Ostermorgen. All das – geschehen mitten unter uns und geschehen für uns – ist der Grund unseres Glaubens. Doch sein Gestern reicht noch viel weiter zurück, viel wei­ter als die Schöpfung selbst. Bereits im 1. Kapitel des Hebräerbriefs wird vom Sohn Gottes be­zeugt, dass er gemeint ist, wenn es in Ps 45 heißt: »Gott, dein Thron währt von Ewigkeit zu Ewig­keit«. Wohlgemerkt: Das alles ist von Jesus gesagt. Wir können von ihm gar nicht groß genug denken. Bei ihm ist auch unser Gestern – das Erfolgreiche und das Schuldige gut aufgehoben. Er hat mein Gestern getragen, meine Schuld, mein Versagen. Bei ihm darf ich Vergebung erleben und aufatmen.

    Jesus Christus ist heute – gerade jetzt – bei mir. Er will die Hauptperson in unserem Leben sein. Ihm dürfen wir uns mit unserem ganzen Leben anvertrauen: Mit dem, was uns gelingt und auch mit dem, was uns überfordert und wir nicht unter die Füße bekommen.

    Und Jesus Christus ist derselbe auch in Ewigkeit. Ihm gehört die Zukunft. Er wird der sein, der am Ende das Sagen haben wird. Er ist der Richter und der Retter. Er ist der Herr, dessen Herrschaft kein Ende hat, dessen Sieg vom Ostermorgen einmal von allen anerkannt werden muss. Mit ihm können wir getrost in das neue Jahr gehen. Und bei ihm wollen wir bleiben.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Altjahrsabend, 31. Dezember 2020

    Meine Zeit steht in deinen Händen.                                      Psalm 31,16a

    So einen Jahreswechsel haben wir wohl selten erlebt: Keine Böller, kein großes Feuerwerk. Und das alles wegen eines kleinen, aber für manche Menschen lebensbedrohlichen Virus. Außergewöhnliche Zeiten sind es, in denen wir leben – und daran wird sich wohl auch noch geraume Zeit nichts ändern. Das prägt unser Zeitempfinden. Aber auch unter »normaleren« Umständen, sind es so viele Dinge, die unser Zeitempfinden prägen: Termine bestimmen unseren Alltag; Erlebnisse und Erfahrungen – geplant oder ungeplant tragen wesentlich dazu bei, ob wir unsere Zeit als gute oder schlechte Zeit empfinden.

    Viele Menschen sind getrieben von dem Gefühl, etwas zu verpassen. Die Gegenwart empfinden sie nur als Durchgangsstation in die Zukunft und nicht Leben im Jetzt. Ein alter afrikanischer Christ aus Tansania stellte einmal kritisch diesen Lebensstil der Industrienationen in Frage: »Wie könnt ihr die Zeit verplanen, die euch Gott noch gar nicht gegeben hat?

    Der Psalmbeter David blickt tiefer, weiter, höher – er schaut über dem Kalender auf den, der meine Zeit in den Händen hat. Der der Herr aller Zeit ist. Meine Zeit – in seinen Händen. Wo mir die Zeit vorkommen mag wie der feine Sand einer Sanduhr, der mir aber zwischen den Fingern zerrinnt, da ist Gott da, der mich und meine Zeit auffängt. Bei ihm weiß ich meine Vergangenheit gut aufgehoben: Das, was mir gelungen ist und auch das, wo ich schuldig geworden bin. Er vergibt die Schuld. Bei ihm weiß ich meine Gegenwart gut aufgehoben und auch meine Zukunft. Ihm darf ich vertrauen. Denn seine Hand hält mich.

    Ja, wir dürfen und wir müssen unsere Zukunft planen. Aber darüber soll auch die Stille, der Kontakt mit Gott, das Ausrichten auf ihn, nicht zu kurz kommen. Und wir wollen alle unsere Pläne und Ideen, unsere Träume und Wünsche mit ihm besprechen und ihm anbefehlen. Ja, auch unsere Zeit steht in seinen Händen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Mittwoch, 30. Dezember 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    der Losungsvers von heute steht im Buch des Propheten Jesaja und wirft einen Blick nach vorn in Gottes Zukunft für sein Volk, ja für die ganze Welt. Das jüdische Volk hatte die Zerstörung der Heimat erlebt, Krieg, Leid, Verbannung in einem fremden Land über Jahrzehnte. Und wusste dabei: unser Verhalten, unsere eigenen Wege, die nur sich selbst im Blick hatten, haben zu all dem geführt. Der Vers heute heißt nun: „Siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken wird“ (Jesaja 65,17). Alles Leid ist vergessen. Der Blick geht nach vorne. Gott schafft etwas ganz Neues.

    Gottes Geist lässt den Jesaja in weiteren Versen in bunten Farben malen, was es bedeutet, wenn diese neue Welt Wirklichkeit sein wird, ich lese darauf ein paar Sätze: Man soll (…) nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens. Es sollen keine Kinder mehr da sein, die nur einige Tage leben, oder Alte, die ihre Jahre nicht erfüllen, sondern als Knabe gilt, wer hundert Jahre alt stirbt (…) Sie werden Häuser bauen und bewohnen, sie werden Weinberge pflanzen und ihre Früchte essen. (…) Und es soll geschehen: Ehe sie rufen, will ich antworten; wenn sie noch reden, will ich hören. Wolf und Lamm sollen beieinander weiden; der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind (..) Man wird weder Bosheit noch Schaden tun auf meinem ganzen heiligen Berge, spricht der HERR.

    Große atheistische Denker haben den Christen vorgeworfen: Ihr wartet auf die neue Erde Gottes. Das macht euch passiv. Ihr tut nichts, um die Missstände auf dieser Erde zu ändern! Teilweise ist diese Kritik berechtigt, wenn wir als Christen nur einfach ein stilles braves Leben führen wollen und uns nicht dafür einbringen, dass diese Erde, wo es so viel Ungerechtigkeit und Leid gibt, eine bessere wird. Als Christen wissen wir: wir können das Paradies auf dieser Erde nicht schaffen, das ist allein Gottes Sache. Aber gerade weil wir uns auf Gottes neue Welt freuen, tun wir alles, damit diese Erde nicht zur Hölle wird und nicht eine Hölle bleibt an so vielen Stellen.

    „Siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken wird.“ Die Aussicht, dass Gott selbst eine neue Erde schaffen wird, lässt uns aufblicken, hoffnungsvoll vorausschauen, gibt uns Mut: es wird nicht alles immer schlimmer – die neue Welt Gottes kommt. Und wir tun alles dafür, dass sie schon in dieser Zeit und dieser Welt ein Stück weit aufleuchtet, als Vorbote und Verheißung der kommenden Welt Gottes. Zuversicht und Tatkraft wünsche ich Ihnen und mir für das kommende Jahr 2021!

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • addAndacht für Dienstag, 29. Dezember 2020

    Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden: denen, die an seinen Namen glauben.

    Johannes 1,11-12

    Auch das gehört zur Weihnachtsbotschaft: das Umfeld, der Lebensraum, in den hinein der ewige Gottessohn kommt: In eine Welt, die sich von Gott losgesagt hat und die nichts mit ihm zu tun haben will. Krippe und Kreuz von Jesus Christus sind aus demselben Holz geschnitzt. Da kommt Gott selbst zu seinen Menschen. Da wird das Wort Fleisch. Da wendet Gott dieser Welt seine ganze Liebe zu. Ein Mal, ein einziges Mal ist Gott Mensch geworden – ist einer von uns geworden. Und wie sind wir Menschen mit ihm umgegangen! Er wurde verachtet, verspottet, verschmäht und schließlich nach allen menschlichen Maßstäben zu Unrecht ans Kreuz genagelt. Den schlimmsten Tod haben wir Menschen ihm zugefügt.

    Der Eigentümer der Welt kommt in sein Eigentum. Das Neue Testament bezeugt von Jesus Christus, dass er der ist, dem die Schöpfung überhaupt ihr Dasein verdankt. Er ist der Schöpfungsmittler. Doch das Ungeheuerliche geschieht: Die Seinen nahmen ihn nicht auf. Wenn es in Johannes 3,16 heißt: So sehr hat Gott die Welt geliebt, dann steht da nicht ein wertneutraler Begriff von »Welt«, sondern ein zutiefst belasteter Begriff: Es ist eine Welt, die sich von Gott abgewandt hat, die gegen ihn rebelliert. Es ist Ausdruck der Verlorenheit dieser »Welt«. Und genau diese Welt mit all ihren schmutzigen und furchtbaren Seiten, liebt Gott. Ja, noch unfassbarer: In dem, was Menschen dem Gottessohn aus Hass und Verachtung antun, geht Gottes Plan zur Rettung seiner Welt in Erfüllung: Da stirbt der Gottessohn, um uns zu erlösen, um uns mit Gott zu versöhnen.

    Und nun geschieht das nächste große Wunder: Mitten in einer Welt, die sich Gott abgewandt hat, gibt es Menschen – die durch Gottes Heiligen Geist aufgeweckt werden – und die diesen verachteten Gottessohn aufnehmen. Die ihm für seinen Kreuzestod danken, weil sie durch Gottes Geist erkannt haben: Das ist für mich geschehen. Und die – und nur die – dürfen Gotteskinder werden. Dürfen zu Gottes Familie gehören. Gotteskinder sind wir nicht von Geburt. Gotteskinder werden wir durch Jesus Christus. Aber er macht uns dazu – für immer.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Montag, 28. Dezember 2020

    Gott der HERR hat mir eine Zunge gegeben, wie sie Jünger haben, dass ich wisse mit dem Müden zu rechter Zeit zu reden.                                                                                 Jesaja 50,4

    Vor dem Reden kommt das Hören. Darum ist wichtig, auch den zweiten Teil dieses Verses zu lesen: Alle Morgen weckt er mir das Ohr, dass ich höre, wie Jünger hören. Das Wort »Jünger« stellt die entscheidende Verbindung dar. Jochen Klepper hat diese Prophetenworte 1938 in ein Gedicht gegossen, das wir als Morgenlied kennen: »Er weckt mich alle Morgen / er weckt mir selbst das Ohr. Gott hält sich nicht verborgen, / führt mir den Tag empor, / dass ich mit seinem Worte / begrüß das neue Licht. / Schon an der Dämmrung Pforte / ist er mir nah und spricht.« Es lohnt sich das ganze Lied und daneben den Bibeltext rund um die Losung zu betrachten.

    Das Wesensmerkmal des Jüngers ist, dass er hört – dass er genau hinhört, was sein Meister ihm zu sagen hat. Es ist nicht irgend ein Lehrer und Meister, der zu uns redet. Es ist Gott selbst, der mit uns reden möchte. Und weil es Gott ist, haben seine Worte eine ganz andere Wirkung als die, die wir von Menschenworten gewohnt sind. Denn dieses Wort ist lebendig, es ist vom Geist Gottes durchflutet. Wo wir es hören, da will Gottes Geist unser Herz öffnen, dass wir dem Wort glauben. Und wo das geschieht, da werden wir auch befähigt – durch die Kraft des Heiligen Geistes – das Wort, das wir gehört haben, weiterzusagen.

    Darum geht’s: Gottes Wort weitersagen – an die Müden und Ermüdeten. An die Mutlosen und die, die resignieren wollen. An die, die keinen Ausweg mehr sehen. Ihnen das sagen, was Gott uns gesagt hat und was uns getröstet hat: Dass Gott uns in Jesus Christus zu seinen Kindern macht. Dass Gott uns neues Leben, ewiges Leben schenkt. Dass Gott uns durch Jesus in die Gemeinschaft mit ihm zurückholt und unser Leben erfüllt sein kann. Hören, Glauben, Weitersagen – das ist die uralte Bewegung, die schon im Alten Testament vorgezeichnet ist. Jesus trägt sie seinen Jüngern auf: Machet zu Jüngern alle Völker. Das gilt uns – allen Christen. Hören, Glauben, Weitersagen!

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 21.12. bis 27.12

  • addAndacht für Sonntag, 27. Dezember 2020

    Wohl dem, der seine Hoffnung setzt auf den HERRN!                                   Psalm 40,5

    David erzählt im ersten Teil dieses Psalms von seinen Erfahrungen mit Gott. Er erzählt vom Wartenmüssen, vom Ausharren, das es manchmal braucht. Auf den HERRN hoffen hat etwas mit Geduld und Durchhaltevermögen zu tun. In den seltensten Fällen – so die Erfahrung vieler Menschen, die glauben – lässt Gott die Dinge so geschehen und in dem Tempo, wie wir uns das vorstellen. Gottes Uhren laufen oft anders. Aber sie laufen präzise und richtig. Anders als bei der Deutschen Bahn kommen Gottes Züge immer pünktlich.

    David erzählt von dem, dass Gott sich zu ihm neigte und ihn hörte. Gott hört! Der König aller Könige, der Herr aller Herren, hat ein offenes Ohr und ein offenes Herz für uns. Auf den HERRN hoffen heißt: mit ihm reden; alles zuerst mit ihm besprechen. Georg Müller, der Waisenvater von Bristol, hatte eine eiserne Regel. Er sagte sich und seinen Mitarbeitern: Wenn wir Nöte haben, auch finanzieller Art, dann werden wir niemals, niemals mit Menschen darüber reden – sondern immer nur mit Gott. Es gab also nie eine Spendenbitte oder Fundraising, Doch Gott hat dieses Vertrauen belohnt.

    Und dann erzählt David von der Rettung – aus schlimmster, aus prekärster Lage. Und er erzählt von dem neuen Lied, das Gott ihm in den Mund gegeben hat. Die Hoffnung auf Gott lässt nicht zuschanden werden. Ja, Gott wird, wo wir auf ihn hoffen, auf ihn warten, mit ihm reden und auf ihn harren, auch uns mit seinem Lob erfüllen.

    Dieser Lebensrat, den David nun am Ende seiner Erzählung gibt, der ist umfassend: Wohl dem… sagt er. Das ist der allerbeste, der allerwichtigste Rat: Hofft auf Gott, setzt auf ihn eure Hoffnung. Wendet euch ganz und immer ihm zu. Bei ihm ist eure Hoffnung, eure Erwartung am besten aufgehoben. An diesem Lebensrat hat sich bis heute nichts geändert. Und darum dürfen auch wir ihn befolgen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für den 2. Christfesttag, Samstag, 26. Dezember 2020

    Siehe, ich will sie heilen und gesund machen und will ihnen dauernden Frieden gewähren.

                                                                                                                                                                 Jeremia 33,6

    »Siehe« sagt Gott immer wieder an entscheidenden Stellen, wo wir einen Blickwechsel brauchen. Er will unseren Blick auf das Entscheidende, das wirklich Wichtige lenken. Und das ist das, was er tut. Siehe, ich will sie heilen und gesund machen – das sagt Gott. Morgen sollen in ganz Europa die Impfaktionen gegen das Corona-Virus anlaufen. Der Entwickler des Impfstoffs von Biontech, Ugur Sahin, ein Mann mit einer angenehmen Bescheidenheit, hat die Erwartungen gedämpft: Die ersten Monate wird sich wohl nicht viel an der Lage ändern – es dauert einfach, bis genügend Menschen geimpft sind, um einen Entspannungseffekt im Infektionsgeschehen spüren zu können.

    Ab morgen wird also geimpft. Doch Gottes Impfstoff gegen die schlimmste Krankheit, gegen unsere Verlorenheit und Gottferne ist längst da. Jesus Christus ist der Retter, der uns unsere Schuld abnimmt, der uns Gottes Frieden schenkt, der uns mit Gott versöhnt. In Jesus Christus, da ist dieses Prophetenwort Jeremias Wirklichkeit geworden. Das ist eigentlich ein starkes Symbol. Wir feiern Weihnachten, die Geburt des Heilandes, des Retters, des Gesundmachers in einem viel umfassenderen Verständnis bevor ein menschliches Hilfsmittel gegen eine neue Infektionskrankheit auf dem Markt ist. Und das allerbeste: Gottes Impfstoff hat einen Wirkungsgrad von 100%. Jede und jeder, der an Jesus Christus glaubt, ist gerettet. Wer den Namen des Herrn anrufen wird, soll gerettet werden. Wer sich dem Kind in der Krippe und dem Mann am Kreuz anvertraut, der ist gerettet für Zeit und Ewigkeit. 100%ig. Ja, es gibt eine Gewissheit des Glaubens. Es gibt eine Gewissheit der Rettung. Schauen wir also auch wir nicht nur auf das Menschenmögliche und -unmögliche, sondern schauen auch wir auf den Gott, der uns an Leib und Seele gesund machen will: auf unseren Gott, der in Jesus Christus einer von uns wird.                   Pfarrer Andreas Streich

     

  • addAndacht für den 1. Weihnachtstag, 25. Dezember 2020

    Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit.           Johannes 1,14

    Das ist die ganz andere Seite von Weihnachten, die uns dieser Vers aufzeigt. Nicht die Seite mit Festbraten, mit Verwandtenbesuch – der in diesem Jahr coronabedingt leider ausfallen muss. Nicht die Seite mit Christbaum, Kugeln und Kerzen, Tannenzweigen und Glühweinduft – und das Jesuskind in der Krippe als schöne Ausschmückung unseres Festes. Nicht die Seite mit all dem, was in diesem Jahr einen unangenehmen Beigeschmack bekommen hat. Es ist die ganz andere Seite von Weihnach­ten, die uns die klare Luft von Gottes Ewigkeit atmen lässt. Die Seite mit der größten und ungeheuerlichsten aller Botschaften, die es überhaupt nur geben kann: Gott wird Mensch. Der ewige, souveräne Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde, kommt zu uns. Wird einer von uns. Die Ewigkeit kommt in die Zeit. Das Wort ward Fleisch. So schreibt Johannes. Ich glaube, dass Jesus Christus, wahrhaftiger Gott vom Vater in Ewigkeit geboren bekennt Martin Luther. »Sehet, was hat Gott gegeben, seinen Sohn zum ewgen Leben« so singt Paul Gerhardt.

    Das ist die ganz andere Seite, die unauslöschliche und unüberbietbare Seite von Weihnachten. Die Botschaft, die alles andere überstrahlt: Gott wird Mensch. »Gottheit und Menschheit vereinen sich beide – Schöpfer wie kommst du uns Menschen so nah!« Das überstrahlt doch auch all das, was uns in diesem Jahr den Geschmack an Weihnachten verderben könnte: Corona, Ausgangsbeschränkung, wirtschaftliche, gesundheitliche, gesellschaftliche Sorgen. Gott wird Mensch – er geht auf Tuchfühlung zu uns. Das ist viel wichtiger, viel entscheidender, viel hauptsächlicher. Denn dieser Jesus hat alle Schätze mitgebracht und ausgepackt. Wir sahen seine Herrlichkeit. Er bringt Friede und Freude. Dieser Jesus Christus hat am Kreuz alle Lasten aufgepackt: Sünde und Schuld. Gott ist da, mitten drin in unserem Leben. Und er lässt sich nicht mehr einpacken oder wegpacken. Das Wort wurde Fleisch. Endgültig – Gott ist da, in Jesus Christus. Und er bleibt da: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Das ist die Botschaft von Weihnachten, die niemand ausblasen oder wegpacken kann.                                                    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Heiligabend, 24. Dezember 2020

    Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue?                                                                                                        Psalm 42,3

    Durst ist wohl eines der am stärkstem empfundenen Bedürfnisse, das wir Menschen spüren können. Das hebräische Wort für »Seele« kann auch »Kehle« bedeuten. Es ist das Organ unserer Bedürftig­keit: Wir brauchen die Luft zum Atmen und wir brauchen etwas, um unseren Durst zu stillen. Durst und Hunger werden in der Bibel nicht nur im naheliegenden wörtlichen Sinn, sondern auch im übertragenen Sinn gebraucht. Jesus sagt: »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das Gott spricht« Also: Es gibt einen Hunger jenseits des körperlichen Bedürfnisses nach Nahrungsaufnahme. Und dasselbe gilt nun auch für den Durst. Es gibt einen Durst, einen Durst nach Leben, der sich nicht mit Wasser, Milch – oder was auch immer stillen lässt. Und schon gar nicht mit Alkohol und anderen Genussmitteln, die uns ganz schnell abhängig machen können.

    Dieser Durst nach Leben, das hat dieser Psalmbeter erkannt, ist letztlich ein Durst nach Gott. Ihm zu begegnen, in ungetrennter Gemeinschaft mit ihm zu leben – das, so seine tiefe Erkenntnis, ist das Ziel und der Sinn unseres Lebens: Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue? Dazu hat Gott uns geschaffen. Zu seinem Bild, zu seinem Gegenüber, mit dem er in Kontakt treten kann und das ihm, dem lebendigen Gott und Schöpfer, voller Vertrauen Antwort geben kann.

    Gott ist im Himmel und wir auf der Erde – also keine Chance, dass wir Gottes Angesicht sehen? Nein, gerade heute, am Heiligabend werden wir daran erinnert, dass Gott unseren Durst nach Leben stillen will – durch seine Nähe. In Jesus Christus, in dem Kind in der Krippe und in dem Mann am Kreuz, da zeigt Gott uns sein Angesicht. Da zeigt er uns seine Gnade, seine Liebe, seine Zuwendung, seine Freundlichkeit. Da zeigt er uns, dass er retten und nicht verdammen will. Einmal, so wird berichtet, trat Jesus am höchsten Tag des Laubhüttenfestes in Jerusalem in aller Öffentlichkeit auf und rief: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! Da, bei ihm, bei Jesus Christus, da wird unser Durst gestillt. Da kommt unser Leben zu seiner eigentlichen Bestimmung, wo wir mit ihm leben – und wo er uns zu Gottes Kindern macht. Gott kommt zu uns, um unseren Durst nach Leben für immer zu stillen. Das ist die Botschaft der Heiligen Nacht.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Mittwoch, 23. Dezember 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    ich habe einen neuen Lieblingsvers. Er steht im Losungsbüchle, genauer gesagt: dort wird er abgedruckt für den heutigen Tag. Dieser schöne Vers steht in Psalm 3 und heißt: „Ich liege und schlafe und erwache; denn der Herr hält mich.“ Wenn man diesen Vers mit einem einzigen Wort beschreiben will, dann heißt dieses Wort: Geborgenheit - ich bin geborgen. Sie kennen vielleicht die tollen Fotos von Babys, die von Fotografen in eine künstliche Blume gelegt werden und dort selig schlummern und dieses tiefe Gefühl von Geborgenheit vermitteln. In der guten Hand Gottes liegen, von seinem Segen, seinem Schutz, seinem Frieden ganz und gar umgeben sein, so wie ein Kind im Mutterleib ganz umgeben ist, in einer Weise geborgen, wie das im ganzen Leben sonst nie mehr der Fall ist. So sieht es der Beter dieses Verses: „Ich liege und schlafe und erwache, denn der  Herr hält mich.“

    Ist das nicht nur eine schöne Illusion, fragt der Erwachsenenverstand skeptisch? Ein Traumbild, das nur für den Moment taugt? Eine Seifenblasenvorstellung, die doch gleich wieder platzt? Muss ich nicht selber schauen, dass ich sicher bin, dass mir nichts passiert, dass ich nicht abstürze?

    Habe ich Angst davor, mich so bei Gott zu bergen, weil ich mich vor meinem eigenen Unglauben fürchte und davor, im nächsten Augenblick unsanft aufzuwachen und böse auf der Schnauze zu landen? Ja, das mag der Grund sein, warum ich mich für Gottes Geborgenheit gar nicht so leicht öffnen will.

    Was uns an kleinen Kindern so fasziniert ist, dass sie sich gar nicht so viele Gedanken über das Geborgensein machen wie wir Erwachsenen. Sie haben das Urvertrauen zum Vater, zur Mutter einfach – können sich selber loslassen und sich ganz und gar geborgen fühlen, in den Armen von Papa oder Mama tief und fest und selig einschlafen. Vielleicht ist das der Grund, warum Jesus sagte: „Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen“ (Markus 10,15). Wer nicht merkt und anerkennt, dass er ganz und gar angewiesen ist auf die Zuwendung des großen Gottes, der in Jesus zu uns gekommen ist, der steht sich selbst im Weg, versperrt sich selbst den Zugang zum Leben.

    Auch wenn unser Glauben klein ist, sind wir geborgen. Der Beter des bekanntesten Psalms 23 hat das so ausgedrückt, wie man das nicht besser sagen kann – und zwar zu dem, bei dem wir geborgen sind: Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. 2 Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. 3 Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. 4 Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. 5 Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. 6 Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

    Amen.

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • addAndacht für Dienstag, 22. Dezember 2020

    Gott, du bleibst, wie du bist und deine Jahre nehmen kein Ende.                           Psalm 102,28

    »Ein Gebet für den Elenden, wenn er verzagt ist und seine Klage vor dem HERRN ausschüttet.« Diese Worte stehen erklärend bereits über der hebräischen Urfassung dieses Psalms. Wenn Menschen leiden, dann kann das unterschiedliche Formen annehmen, sich unterschiedlich auch ausdrücken. In aller Regel sind es veränderte Umstände, die das Leiden verursachen: Beziehungen zu Menschen, die nicht mehr so sind, wie sie früher einmal waren. Oder unsere Gesundheit, die nicht mehr so ist, wie sie in besseren Jahren einmal war. Oder die wirtschaftlichen, politischen oder sozialen Umstände, die sich verändert haben und einen Leidensdruck erzeugen. Unser Leben ist der Veränderung unterworfen. Wir alle werden älter. »Sie werden alle veralten wie ein Gewand« Das sagt der Psalmbeter nicht einmal im Blick auf Menschen, sondern im Blick auf Himmel und Erde. Also die Bereiche der Schöpfung Gottes, die doch am Stabilsten und Sichersten sind.

    Und dann stellt der Psalmbeter dem das gegenüber, was bleibt. Was nicht dem Wechsel unterworfen. Worum ich mich nicht sorgen muss – wie wir uns um so vieles in dieser Welt sorgen: Gott bleibt. Gott bleibt so wie er ist. In Jesus Christus, dem Kind in der Krippe, da sehen wir Gott ins Herz. Da sehen wir, wie Gott in Wirklichkeit ist. Er wendet sich uns zu. Er sehnt sich nach uns. Er will ohne uns nicht sein. Und das bleibt bestehen – egal, was kommt. Egal, was mir begegnet. Gott, du bleibst, wie du bist. Zu dem, wie Gott ist, gehört auch, dass er uns zusagt, dass wir in seiner Hand geborgen sind. Siehe, in die Hände habe ich dich gezeichnet sagt Gott im Jesajabuch (Jes 49,16). Das gilt, das bleibt bestehen. In seiner Hand dürfen wir stehen. Nein, wir sind keinem blinden Schicksal ausgeliefert. Nein, wir sind nicht dem Zufall überlassen. Der große und treue Gott, der ewige Gott, er verbindet sich in Jesus Christus mit uns. Er will bei uns sein – heute und in Ewigkeit.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Montag, 21. Dezember 2020

    Dies Volk naht mir mit seinem Munde und ehrt mich mit seinen Lippen, aber ihr Herz ist fern von mir.                                                                                                                                            Jesaja 29,13

    Das kennen wir. Die Fassade stimmt, doch dahinter stinkts. Vordergründig alles in Ordnung. Doch der Kern ist faul. Leere Hülsen, das Entscheidende fehlt. Formal alles richtig und schön – aber mit dem Herzen nicht dabei. Eine Frömmigkeit, die nur die Form wahrt, aber mit dem Herzen nicht dabei ist, kann man vergessen. Die ist verabscheuungswürdig. Gott jedenfalls verabscheut sie.

    Ihm geht es immer um’s Ganze. Das Herz ist nach biblischem Verständnis unser Personzentrum. Da, wo unser Denken und Fühlen zuhause ist und wo unsere Entscheidungen fallen. Da, wo aus unseren Wünschen und Sehnsüchten Pläne und dann Taten werden. Und dieses Herz soll sich Gott zuwenden.

    Der Mönch Martin Luther litt furchtbar unter der Sorge, dass seine Frömmigkeit unter dieses Urteil Gottes fallen könnte: Nur eine oberflächliche Frömmigkeit mit dem Herzen. Als Professor der Theologie legte er die Psalmen aus. Und gerade die Bußpsalmen waren für ihn eine entscheidende Hilfe für sein eigenes Leben. Er erkannte: Eigentlich haben wir Menschen nichts, womit wir vor Gott bestehen können. Wir bilden uns zwar oft genug ein, dass wir schon recht vor Gott wären. Aber ehrlich betrachtet sind wir es nicht. In einem der eindrücklichsten Bußpsalmen der Bibel, im 51. Psalm, betet der Ehebrecher und Mörder David: »ein geängstetes, zerschlagenes Herz, wirst du, Gott, nicht verachten.« Das war einer der wesentlichen Schlüssel für Martin Luther zum Verständnis einer echten Frömmigkeit. Nur dort, wo wir vor Gott erkennen, dass wir verlorene und verdammte Menschen sind, nur dort wendet sich unser Herz Gott ganz zu. Wo wir selber nichts mehr, aber auch gar nichts mehr auf uns selbst einbilden, wo unser Herz geängstet und zerschlagen ist, da darf es auf Gottes Zuwendung hoffen. Aus dieser Erkenntnis heraus verfasste er seine 95 Thesen zum Ablasshandel.

    Als zu dieser ersten Erkenntnis dann noch die fröhliche Erkenntnis und Gewissheit kam, dass Gott uns um Jesu Christi willen annimmt, wo wir so mit einem zerschlagenen Herzen kommen, konnte die Reformation der Kirche volle Fahrt aufnehmen. Ein Herz, das Gott nahe ist, weil es ihm alles verdankt und weil er uns als seine Kinder annimmt, das wollen wir haben. Gott schenkt es uns.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 14.12. bis 20.12.

  • addAndacht für den 4. Advent, 20. Dezember 2020 zum Wochenspruch

    Freuet euch in dem Herrn allewege und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe!

    Philipper 4,4-5b

    Das ist eine Aufforderung von einem, der durch und durch Realist ist. Paulus ist kein Schwärmer, der die harte Wirklichkeit ausblendet. Er kennt alle Höhen und Tiefen des Lebens aus eigener Erfahrung. Wenige Verse später schreibt er: Ich kann niedrig sein und hoch sein; mir ist alles und jedes vertraut: beides, satt sein und hungern, beides, Überfluss haben und Mangel leiden. Doch in allem und über allem steht Jesus Christus. Und deshalb rät Paulus den Philippern und auch uns, was er selbst praktiziert: Freut euch in dem Herrn allewege.

    Egal, was euch auf euren Wegen begegnet: Freut euch im Herrn – allewege. Denn er, der Herr Jesus Christus, ist bei euch auf allen Wegen. Er ist nahe! Er lässt euch nicht los. Er hält euch fest. Er ist mit seiner tröstenden, ermutigenden, stärkenden Kraft bei euch – auch und gerade in Schwierigkeiten. Was er bereithält, schenkt und gibt, das ist viel mehr und wiegt viel schwerer als alles, was euch das Leben schwer machen kann. Und er hat versprochen wiederzukommen. Er ist nahe!

    So hat es Paulus selbst praktiziert – in Philippi. Damals, als er mit seinem Mitarbeiter Silas das erste Mal dorthin kam und das Evangelium auf den europäischen Kontinent brachte. Nach kurzer Zeit wurden die beiden gefangen genommen, hart geschlagen und dann in den Block gelegt und im innersten Gefängnis eingesperrt – wie die schlimmsten Verbrecher. Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott. Mitten in der dunkelsten Stunde. Mitten im Gefängnis, mit schmerzenden Gliedern, ohne Hände und Füße regen zu können. Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott. Das ist der Ausdruck der Freude über Jesus, den Retter, den Heiland, den Herrn, der uns niemals allein lässt. So äußert sie sich die Freude: im Gebet und im Lob Gottes – egal wie die äußeren Umstände sind. Und auf dieser so ausgedrückten Freude liegt ein Segen. Sie verändert uns. Sie lässt uns die eigene Situation mit anderen Augen sehen. Denn sie lässt uns auf Jesus Christus sehen. Darum gilt auch uns: Freut euch im Herrn allewege.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • addAndacht für Samstag, 19. Dezember 2020

    Freuet euch, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.                    Lukas 10,20

    72 Jünger hat Jesus ausgesandt. Nun kommen sie zurück. Begeistert, fasziniert von dem, was sie erlebt haben. So etwas haben sie noch nie gesehen. »Herr, auch die bösen Geister sind uns untertan in deinem Namen« heißt es – sozusagen als Höhepunkt – ihres begeisterten Berichts. Die bösen Geister haben keine Chance. Triumph auf der ganzen Linie. Erfolgserlebnis in der Evangelisation. Die 72 fühlen sich wie auf Wolke sieben. Wenn das kein Grund zur Freude ist.

    Doch Jesus sagt: »Darüber freut euch nicht…« Wie – darüber nicht freuen? Warum denn darüber nicht freuen? Antwort: Weil es noch etwas viel, viel Besseres, etwas viel viel Wichtigeres gibt: Freut euch, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind. Dass ihr Bürgerrecht im Himmel habt. Dass ihr heute schon dort zuhause sein dürft. Dass für euch heute schon geklärt ist, wo ihr die Ewigkeit zubrin­­gen werdet. Hängt eure Freude an nichts Irdisches. Nicht einmal an geistliche irdische Erfolge. Was, wenn der Erfolg ausbleibt – auch das haben Christen durch die Jahrhunderte doch immer wieder erlebt. Wir können’s doch nicht machen, dass andere zum Glauben kommen. Wir können mithelfen, das Evangelium verkündigen. Aber dass dann das Entscheidende geschieht und ein Mensch Jesus Christus sein Herz öffnet, das können wir doch nicht machen. Es gab Missionare, die jahrzehntelang immer nur ausgestreut haben, aber nie die Ernte sahen – bis zu ihrem Tod nicht. Es gab und gibt Christen, die um ihres Glaubens willen nicht Triumph, sondern Verfolgung erleben. Die ihren Glauben nicht offen leben dürfen. Diese Freude kann im Hals ersticken. Genauso wie die Freude über das andere, in unserer Gesellschaft so hochgepriesene Gut, die Gesundheit: Was, wenn die nicht mehr da ist? Ist dann auch die Freude futsch? Nein – deshalb: Freude über die Heimat im Himmel. Die kann uns nämlich niemand nehmen. So wie der jahrzehntelang an MS erkrankte Paul Müller einem Besucher, der ihn bedauerte, als er so im Bett lag und nicht einmal mehr den Kopf heben konnte, sagte: »Warum sollt ich mich denn grämen? Hab ich doch Christus noch, wer will mir den nehmen. Wer will mir den Himmel rauben, den mir schon Gottes Sohn beigelegt im Glauben«

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Freitag, 18. Dezember 2020

    Höret des HERRN Wort! Der HERR rechtet mit denen, die im Lande wohnen; denn es gibt keine Treue, keine Liebe und keine Erkenntnis Gottes im Lande.                               Hosea 4,1

    Gottes Wort kann hart sein. Und es kann uns hart treffen. Doch, wo es uns hart trifft, da will es zur Veränderung, zur Heilung beitragen. Dass das, was nicht in Ordnung ist, in Ordnung kommt. Aus den harten Worten Gottes lernen wir, worauf es Gott ankommt. Was er sucht – und was er vermisst. So war es beim Volk Israel. Und bei uns ist es nicht anders. Gott sucht Treue, Liebe und Erkenntnis Gottes. Das sind Werte, grundlegende Werte für unser Leben. Das sind Lebens-Werte. Auch wenn Gott nur im Zusammenhang mit dem letzten Lebens-Wert ausdrücklich erwähnt wird: Erkenntnis Gottes, geht es auch in den beiden anderen immer auch um Gott. Nicht nur, es geht auch um Menschen, aber das lässt sich nie von Gott trennen. Treue – Gott und den Menschen gegenüber. Liebe – Gott und den Menschen gegenüber.

    Gott will, dass auf uns Verlass ist. Dass sich andere Menschen auf uns verlassen können. Dass wir offen und ehrlich sind, zuverlässig, gerade, standhaft. Dazu will er uns helfen. Dazu kann er uns befähigen. Doch wir müssen es wollen. Gott will, dass wir lieben. Die Liebe hat, bevor sie an sich selbst denkt, den andern im Blick: Was braucht er, was braucht sie, damit es ihr gut geht? Und was kann ich dazu beitragen? Gott will, dass wir lieben, wie er uns liebt. Dazu will er uns helfen. Dazu kann er uns befähigen.

    Der Kontext des Losungsverses zeigt, dass die Lehre von Gott einen wesentlichen Beitrag leistet, damit Menschen Gott erkennen. Es geht um eine gesunde biblische Lehre, die uns aus den vielen Geschichten, in denen Gotteserfahrungen von Menschen berichtet werden, aufzeigt, wie Gott für uns heute ist. Denn er ist derselbe. Wo die biblische Lehre verloren geht, da passiert, was die Losung feststellt: Da schwindet mit der Erkenntnis Gottes auch die Treue und die Liebe. Noch ist es nicht zu spät. Noch haben wir die Bibel, jede und jeder von uns. Lesen wir darin, hören wir auf das Wort der Predigt. Gesunde biblische Lehre – das brauchen wir.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Donnerstag, 17. Dezember 2020

    Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich hineingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir.

    Offenbarung 3,20

    Gott ist nicht fern – das unterscheidet z.B. die Vorstellung von Gott im Alten wie im Neuen Testament von der des Islam. Da wird nur die andere Seite, die es freilich in der Bibel auch gibt, betont: Gott ist der Hohe, der Erhabene, der über allem steht. Ein Gott, der zu verehren und zu fürchten ist. Wie gesagt, das betont die Bibel auch. Doch zugleich zeigt sie uns den nahen Gott, den Gott, der auf Tuchfühlung geht, der zu seinen Menschen kommt. Und nirgends wird diese persön­liche Nähe klarer und deutlicher als Zug im Wesen Gottes erkennbar als in Jesus Christus, seinem Sohn. In dem Gott Mensch wird. Gott lässt sich von uns Menschen finden. Ja, mehr noch: Gott selbst macht sich auf die Suche nach seinen Menschen. Unser Gott ist ein aufsuchender Gott.

    Unser Gott ist ein anklopfender Gott. Er steht vor unserer Tür – so wie in diesen Tagen der Paketbote. Doch er stellt, was er uns zu geben hat, nicht einfach vor der Wohnungstür ab. Er selbst will einziehen in unser Lebenshaus, will bleiben. Er klopft – und er wartet auf unsere Antwort. Er wartet, dass wir ihm die Tür öffnen. Gott lädt sich bei uns ein – und er wartet auf unsere Einlassung. Glaube ist nicht menschenmachbar, liegt nicht in unserer Macht. Gott selber wirkt den Glauben auf geheimnisvolle Weise durch seinen Heiligen Geist. Doch dieser Glaube – wenn es denn echter Glaube ist – zeigt sich immer darin, dass wir Jesus Christus, dem geliebten Gast, die Tür unseres Herzens öffnen. Dass wir wie die Emmaus-Jünger bitten: Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneigt. Der Glaube ist von Gott gewirkt – doch er äußert sich so, dass wir ihm die Antwort geben, zu der er uns auffordert. Geben wir sie ihm, leben wir den Glauben, den Gott uns ins Herz gelegt hat, aus. Jesus hält Abendmahl mit uns, mit uns ganz persönlich. Jesus verbindet sich mit uns. Für heute und für immer. Was für ein Gott – ein Gott für uns, unser Gott, mein und dein Gott!

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Mittwoch, 16. Dezember 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    „Du bist der Gott, der Wunder tut,“ stellt der Beter des 77. Psalms fest. „Du hast deine Macht bewiesen unter den Völkern“ (Ps. 77,15). Gern würde ich Sie Zuhörende jetzt fragen: Wie empfinden Sie die Aussage: Du bist der Gott, der Wunder tut? Sprechen Sie das ohne Zögern und mit viel Dankbarkeit mit? Oder treten Sie innerlich eher einen Schritt zurück und sagen: So viel Glaubenszuversicht hätte ich auch gern. Aber ich kann das Wirken Gottes nicht sehen – nicht in meinem Leben, nicht in dieser Welt, jedenfalls nicht zur Zeit.

    Wenn es Ihnen so geht, sind Sie nicht allein. Der Beter des Psalms 77 steht neben Ihnen, legt Ihnen die Hand auf die Schulter und sagt: Ich kann Dich voll verstehen. Ich hatte eben noch die gleichen Fragen, die gleiche Unsicherheit, ob Gott wirklich ist und handelt.

    Hören wir auf Verse aus dem gleichen Psalm, die vor dem heutigen Satz stehen und auf diesen hinleiten. Achten Sie doch einmal darauf, wie sich der Blick des Beters in seinem Reden mit Gott ändert, wie ihm neue Zuversicht geschenkt wird:

    In der Zeit meiner Not suche ich den Herrn;
    meine Hand ist des Nachts ausgereckt und lässt nicht ab;
    denn meine Seele will sich nicht trösten lassen.
    Ich denke an Gott - und bin betrübt;
    ich sinne nach - und mein Geist verzagt. (…)

    Wird denn der Herr auf ewig verstoßen
    und keine Gnade mehr erweisen?
    Ist's denn ganz und gar aus mit seiner Güte,
    und hat die Verheißung für immer ein Ende?
    Hat Gott vergessen, gnädig zu sein,
    hat er sein Erbarmen im Zorn verschlossen?

    Ich sprach: Darunter leide ich,
    dass die rechte Hand des Höchsten sich so ändern kann.

    Darum gedenke ich an die Taten des HERRN,
    ja, ich gedenke an deine früheren Wunder
    und sinne über alle deine Werke
    und denke deinen Taten nach.

    Gott, dein Weg ist heilig.
    Wo ist ein so mächtiger Gott, wie du, Gott, bist?
    Du bist der Gott, der Wunder tut,
    du hast deine Macht bewiesen unter den Völkern.

    Der Beter des Psalms hat entdeckt: Es hilft ihm enorm, nicht nur zu grübeln, sondern sich an das zu erinnern, was Gott in seinem Leben schon getan hat. Da geht es nicht um eine Verklärung der Vergangenheit oder um eine Flucht in frühere Zeiten. Es geht darum, Kraft zu schöpfen aus der schon früher handfest erlebten Gegenwart Gottes in meinem Leben, die mir Zuversicht gibt, dass er heute ebenso Wirklichkeit ist wie damals – selbst wenn ich ihn mit meinen Gefühlen heute überhaupt nicht spüre und sehe.

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • addAndacht für Dienstag, 15. Dezember 2020

    Salomo betete: So hast du an deinem Diener, meinem Vater David, gehandelt. Der heutige Tag ist Zeuge dafür, dass du dein Versprechen gehalten hast.                                      1. Könige 8,24

    Versprechen gehalten! Das stellt Salomo in seinem Tempeleinweihungsgebet fest. Er knüpft an das an, was Gott seinem Vater, dem König David einst versprochen hat. Und damit knüpft er an die Got­tesbeziehung, die sein Vater mit dem lebendigen Gott hatte an. Wie David, so geht nun auch Salomo ins vertrauliche Gespräch mit Gott. Wie David, so lebt nun auch sein Sohn Salomo mit diesem Gott.

    Das ist kein Automatismus. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Ich erschrecke immer wieder über Menschen, die mir voller Stolz von ihren Eltern oder Großeltern erzählen, die regelmäßig gebetet und in der Bibel gelesen und zum Gottesdienst gegangen sind. Doch sie selber, die mir das erzählen, tun das nicht mehr. Gott hat keine Enkelkinder! Gott hat nur Kinder. Gott will mit jeder Generation neu ganz persönlich in Verbindung treten. Vor Gott kann ich mir doch nicht allen Ernstes auf die Gottesbeziehung meiner Großmutter etwas einbilden. Gott will mich heute haben. Gott will mit mir seine Geschichte haben – so wie er sie mit Menschen aus vorigen Generationen meiner Familie vielleicht hatte. Gott hat keine Enkelkinder, sondern nur Kinder.

    Und Gott ist einer, der Versprechen hält. Auch wenn manchmal Generationen – viele Generationen - zwischen Verheißung und Erfüllung stehen. Diese Spannung zwischen Verheißung und Erfüllung gehört zu den Grundgegebenheiten unseres Glaubens. Da ist uns etwas versprochen, aber es ist noch nicht in Erfüllung gegangen. Die Erfüllung steht noch aus. Umso mehr Freude gibt es dann, wenn das, worauf wir uns so lange gefreut und nach dem wir uns gesehnt haben, in Erfüllung geht. Hier war es die Fertigstellung des Tempels, eines Hauses für Gott. Wir warten auf Gottes Zukunft, auf Gottes Herrlichkeit, auf Gottes Ziel. Das ist die letzte und größte Verheißung. Gott wird auch da sein Versprechen halten. Petrus schreibt den Christen, die so warten und Jesus lieb haben, den sich doch noch nie gesehen haben: ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude. Bleiben wir also dran! Bleiben wir Wartende, bleiben wir Menschen, die Gottes Worten Vertrauen schenken. Denn das sind sie absolut: vertrauenswürdig. Mehr als alle Menschenworte.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Montag, 14. Dezember 2020

    Wenn deine Gerichte über die Erde gehen, so lernen die Bewohner des Erdkreises Gerechtigkeit.

    Jesaja 26,9

    Das »Gericht Gottes« gehört zu den Dingen, über die man in unserem Land in Kirchen und Gottes­diensten auffallend wenig hört. Die Botschaft vom richtenden Gott scheint nicht so recht zu der doch viel schöneren Botschaft von der Liebe Gottes passen zu wollen. Also lassen sie viele einfach weg. Und jetzt lesen wir in der Bibel nicht nur von einem »Gericht Gottes«, sondern in diesem Psalmgebet außerhalb des Psalters gleich von einer Mehrzahl, von den Gerichten: Wenn deine Gerichte über die Erde gehen, so lernen die Bewohner des Erdkreises Gerechtigkeit.

    Also: Es gibt nicht nur ein Gericht Gottes am Ende aller Zeiten. Es gibt auch schon während dieser Erdenzeit Gerichte Gottes, die Menschen lehren können. Interessant ist, dass im nächsten Vers gleich ein Missverständnis ausgeräumt wird, als könnte man auf diese Gerichte – aus welchem Grund auch immer – auch verzichten: Aber wenn dem Gottlosen Gnade widerfährt, so lernt er doch nicht Gerechtigkeit, sondern tut nur übel im Lande, wo das Recht gilt, und sieht des HERRN Herrlichkeit nicht. Gnade ohne Gericht; Gnade ohne Erschrecken über die eigene Verlorenheit und Schuld hilft nicht, nützt nichts, ist »billige Gnade«, wie Bonhoeffer einst schrieb. Gnade als Schleuderwahre. Vergebung ohne Buße.

    Gericht hat mit Zurechtbringen zu tun. Das ist Gottes Absicht. Er will uns zurechtbringen. Er will uns mit sich in Ordnung bringen. Das allerwichtigste Gericht Gottes, das sehen wir in Jesus. Da sehen wir das Verdammungsgericht Gottes über unsere Sünde. Gott hasst die Sünde, aber er liebt die Sünder. Darum nimmt Gott die Sünde von uns und nimmt sie in Jesus auf sich selbst und erträgt selbst das eigene Verdammungsurteil: Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selbst lesen wir. Es gibt Strafgerichte, Zurechtbringungsgerichte.

    Ich hüte mich allerdings davor, zu schnell und zu leicht Ereignisse in Gesellschaft und Geschichte als Gericht Gottes zu identifizieren. »Ist Corona ein Gericht Gottes?« Ich weiß es schlicht nicht. Ich halte es aber auch für falsch, wenn kirchliche Würdenträger diese Frage von vornherein kategorisch verneinen. Wissen wir’s? Wir werden es erst im Nachhinein erfahren. Wenn es uns ins Nachdenken über uns selber bringt, wenn es uns Gott näherbringt – dann war es tatsächlich ein Gericht Gottes im zurechtbringenden Sinne. Dann hat es uns Gerechtigkeit gelehrt. Und das will Gott.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 07.12. bis 13.12.

  • addAndacht für den 3. Sonntag im Advent, 13. Dezember 2020

    Bereitet dem HERRN den Weg; denn siehe, der HERR kommt gewaltig.               Jesaja 40,3.10

    Es geht um Trost in diesem Abschnitt der Bibel. Um den Trost, den Gottes Volk so bitter nötig hat. Dieser Trost besteht nicht in der Erfüllung irdisch-menschlicher Wunschträume´. Dieser Trost hängt untrennbar mit Gott zusammen. Gott selber kommt! Als Christen sehen wir diese Ansage in Jesus, dem Kind in der Krippe erfüllt. Da kommt Gott zu uns. Da bekommt seine Liebe, sein Trost »Hand und Fuß« im wahrsten Sinne des Wortes. Da wird Gott Mensch.

    In aller Unscheinbarkeit wurde Jesus in Bethlehem geboren. Der König aller Könige und Herr aller Herren hat jedoch nie eine Krone getragen, wie sie Könige sich gern aufs Haupt setzen lassen. Die einzige Krone, die er je auf Erden getragen hat, war aus Dornen geflochten. Bis heute ist die Hoheit, die Herrlichkeit von Jesus Christus unter seiner Niedrigkeit, mit der er auf dieser Erde unterwegs war, verborgen. Bis heute erkennen nur sehr wenige in ihm den wahren Sohn Gottes, den wichtigsten und mächtigsten, der je diese Erde betreten hat.

    Lassen wir uns von der Niedrigkeit nicht täuschen. Der Wochenspruch für den 3. Advent zeigt uns die andere Seite dieses unscheinbaren Königs: seine Macht und seine Gewalt. Ein alter Christushymnus, den Paulus vermutlich auch schon vorgefunden und dann zitiert hat, in Philipper 2 bringt zum Aus­druck: Einmal müssen sich alle Knie, die Knie aller Geschöpfe, der sichtbaren und der unsichtba­ren Welt vor Jesus Christus beugen. Einmal müssen alle Zungen bekennen, dass Jesus Christus der Herr ist zur Ehre Gottes. Vom schlimmsten aller Feinde Gottes, dem »Mensch der Bosheit«, den Paulus im 2. Thessalonicherbrief ankündigt und der furchtbares Leid bringen wird, schreibt der Apostel nur: Den wird der Herr Jesus umbringen mit dem Hauch seines Mundes. Mehr braucht es nicht – nur den Hauch seines Mundes. Was für ein gewaltiger Herr.

    Wir dürfen heute schon zu ihm gehören. Wir leben heute schon in Erwartung seines Kommens in Macht und Herrlichkeit. Wegbereitung ist darum angesagt. Bereit sein für sein Kommen; nicht passives Abwarten, sondern aktives Warten – betend, hörend, wartend, handelnd. Menschen müssen Menschen sagen, dass Gott alle liebt, dass es einen Weg aus Schuld und Elend gibt. Und Menschen müssen Menschen die Barmherzigkeit Gottes spüren lassen, die sie selbst erfahren haben. So lasst uns warten und ihm den Weg bereiten!

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Samstag, 12. Dezember 2020

    HERR, sei mir gnädig! Heile mich, denn ich habe an dir gesündigt.                         Psalm 41,5

    David hat den Durchblick. David hat den Durchblick für das, was wichtig ist – und für das, was noch wichtiger ist. David weiß um die Hauptsache im Leben. Nein, die Hauptsache ist eben nicht die Gesundheit, wie man das landauf, landab so salopp hört: »Hauptsache gesund«. Die Hauptsache ist, dass Gott mir gnädig ist. Dass Gott mich annimmt. Dass ich mit Gott im Reinen bin.

    Die Grundbeziehung unseres Lebens ist nicht nur die zu unserem eigenen Körper, zu unserem Leib. Sondern es ist die Beziehung zu Gott, unserem Schöpfer, von der alles abhängt. Und die auch dann noch bleibt, wenn dieser Leib zerfällt und vergehen muss.

    »HERR, sei mir gnädig!« bittet David. Er weiß: Dass Gott mir gnädig ist, das ist nicht selbst­ver­ständ­lich. Es gibt auch ein Verlorengehen. Es gibt ein Gericht. Es gibt die traurige Möglichkeit, dass Menschen am Ende Gottes Gnade versäumen und in Ewigkeit von Gott getrennt sind. Darum die so dringende Bitte des David: HERR, sei mir gnädig.

    David weiß auch, was ihn von Gott trennt: Die Sünde. Sünde ist Zielverfehlung. Sünde wiegt schwer in Gottes Augen. Sünde bedarf der Sühne. Sünde muss gesühnt werden. Wir können das nicht tun. Das kann nur Gott tun. Und in Jesus Christus, da macht Gott sich auf, das Grundproblem unserer Sünde, unserer Schuld zu lösen. Da kommt er selber, nimmt all das, was uns von Gott trennt – unsere Schuld, unsere Rebellion gegen Gott, unsere Verlorenheit, unsere Verdammnis – auf sich und trägt es weg ans Kreuz. Der gnädige Gott begegnet uns in Jesus Christus, dem Gekreuzigten. Da wird diese Bitte Davids erhört. Für David und auch für uns.

    Ja, wir alle brauchen Heilung – das hat Martin Luther als Mönch erkannt. Heilung nicht nur am Leib, sondern vor allem an der Seele und in unserer Gottesbeziehung. Und in Jesus Christus erleben wir sie. Martin Luther formulierte: der mich verlorenen und verdammten Menschen erlöst hat… Wie gut, dass auch wir Gott durch Jesus Christus um seine Gnade bitten dürfen – und dass seine Tür dort für uns offen ist. Aber vergessen wir nicht: Es ist keine billige Gnade, wie Bonhoeffer betonte. Es ist keine Gnade, die wir ohne Buße haben können. Es ist eine teure Gnade, die unser ganzes Leben verlangt.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Freitag, 11. Dezember 2020

    Er ist ein lebendiger Gott, der ewig bleibt, und sein Reich ist unvergänglich.     Daniel 6,27

    Dieses Bekenntnis stammt von einem, der selbst ein großes, ein mächtiges Reich hatte. Der König Darius von Persien. Die Geschichte, die vorangeht, ist eine Neidgeschichte. Daniel steht als hoher Beamter in den Diensten dieses König Darius. Er ist beliebt beim König, loyal und fähig. Die andern fürchten um ihren Einfluss und bewegen den König dazu, ein seltsames, eitles Gesetz zu erlassen. Ein Gesetz der Meder und Perser, das niemand zurücknehmen darf: 30 Tage lang Lockdown – angebetet werden darf nur noch der König, aber kein anderer Gott mehr. Daniel dient treu seinem König. Aber noch mehr gehorcht er seinem Gott. Deshalb betet Daniel weiter zu dem einen, dem einzigen, dem wahren Gott. Dreimal am Tag nimmt er sich dafür Zeit. Es kommt raus, die Falle schnappt zu. Der König ist im Dilemma – er kann nicht anders als seinen treuen Diener in die Löwengrube zu werfen und ihn dem scheinbar unabwendbaren Schicksal überlassen.

    Doch Gott kann anders. Und auch das erlebt der König Darius. Der wahre, der lebendige Gott bewahrt Daniel. Er hat mehr Macht als alle Könige auf dieser Welt. Mehr Macht als alle Virologen und Ärzte, mehr Macht als alle Mächtigen und Autokraten. Im Bekenntnis des Darius kommt es zum Ausdruck: Gott steht auf einer ganz anderen Ebene als alle menschlichen Kategorien. Gott ist viel höher, viel größer. Vergessen wir ihn nicht. Rechnen wir vor und über allen Dingen mit ihm. Auch in der Corona-Krise, auch in der Klima-Krise, auch in der sozialen Krise, auch in der Gesundheits-Krise, auch in der Beziehungskrise. Er ist da! Gerade jetzt. Und er will für uns da sein. Machen wir’s wie Daniel – der hatte ein offenes Fenster nach Jerusalem. Wir brauchen ein offenes Fenster zu Gott. Reden wir mit ihm – regelmäßig wie Daniel. Bringen wir die Dinge, die uns bewegen vor ihn. Rechnen wir mit ihm viel mehr – aber rechnen wir bitte nicht nur damit, was Menschen tun können. Denn das ist zu kurz gerechnet und zu kurz gedacht. Gott hat die Ewigkeit in unser Herz gelegt, nicht nur die paar Jahre, die uns auf dieser Erde bleiben. Darum: Reden wir mit ihm, dem Ewigen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Donnerstag, 10. Dezember 2020

    Die Herrlichkeit des HERRN soll offenbart werden, und alles Fleisch miteinander soll es sehen; denn des HERRN Mund hat’s geredet.                                                     Jesaja 40,5

    »Denn des HERRN Mund hat’s geredet« das ist die Begründung. Eine totale Veränderung, eine völlige Umwälzung der Verhältnisse wird kommen. Alle werden es sehen. Warum ist sich Jesaja so sicher, dass das passieren wird, dass alle die Herrlichkeit des HERRN sehen werden? »Denn des HERRN Mund hat’s geredet.« Was Gott sagt, das wird zur Tat. So erleben wir es schon auf den ersten Seiten der Bibel, im Schöpfungsbericht: Gott redet und es wird. Gott sagt »Es werde Licht« - »und es ward Licht«.

    Anders als unsere Worte sind Gottes Worte wirkmächtig. Sie bewirken, was sie beinhalten. Sie schaffen, was sie ansagen – ganz gewiss. Sie sind keine reinen Absichtserklärungen, sondern vorweggenommene Geschichte – in diesem Fall: vorweggenommene Heilsgeschichte.

    Noch sehen wir alle nicht die Herrlichkeit des HERRN. Noch ist sie verborgen. Das einzige Zeichen, das die Hirten bekommen haben für den neugeborenen Heiland, den Christus waren: ein Kind in Windeln gewickelt in einer Krippe liegen. Mehr war nicht zu sehen. Noch ist die Herrlichkeit von Jesus verborgen – nur für die zu erkennen, die den Worten Glauben schenken. Besser: denen Gott die Augen des Herzens dafür geöffnet hat, denn dass wir den Worten Gottes glauben können, das machen wir ja nicht selbst, das ist ja nicht unsere Klugheit, unsere Fähigkeit, sondern das wirkt Gott durch seinen Heiligen Geist in uns.

    Noch haben wir »nur« das Wort – in Anführungszeichen. Aber Gottes Wort hat es in sich. Es lohnt sich, damit umzugehen, es zu lesen, es im Herzen zu bewegen, es zu meditieren. Und es lohnt sich an ihm festzuhalten und ihm zu vertrauen. Lassen wir es uns nicht madig machen; lassen wir uns nicht durch menschliche Weisheiten und menschliche Meinungen – auch nicht Meinungen, wie Gott wohl sei – davon abbringen: Das, was uns in der Bibel aufgeschrieben ist, das gilt. Daran hat Gott sich gebunden. Nichts davon weglassen und nichts dazutun gilt da. Und diesem Wort fröhlich vertrauen. Gott macht es wahr. Ganz gewiss!

  • addAndacht für Mittwoch, 9. Dezember 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    es lohnt sich, wenn wir einen biblischen Satz mit in den Tag nehmen und ihn immer wieder für uns herausholen, bewegen und wirken lassen. Da kann sich ein Reichtum entfalten, der sich bei nur einmaligem Lesen nicht erschließt. Mit geht das so mit dem Losungsvers für heute. Er kommt aus dem fünften Mosebuch und heißt:

    „Der HERR, dein Gott, führt dich in ein gutes Land, ein Land, darin Bäche und Quellen sind und Wasser in der Tiefe“ (5. Mose 8,7).

    Dieser eine Satz löst manchen Gedanken bei mir aus. Diese Gedanken lege ich jetzt einfach einmal wie einzelne Teile behutsam vor uns auf den Tisch. Und vielleicht legen Sie dann weitere Teile dazu?! Also, drei verschiedene Gedanken:

    Der erste Gedanke: „Der Herr, dein Gott, führt dich“ – das erinnert mich an Psalm 23, wo Gott als guter Hirte beschrieben wird, der uns führt – zum frischen Wasser. Auch durch das finstere Tal führt er und lässt mich gerade dort nicht allein. „Der Herr, dein Gott, führt dich“

    Der zweite Gedanke: Er führt dich in ein gutes Land. 40 Jahre war das Volk Israel unterwegs durch die Wüste. Keine einfache Zeit, gewiss nicht. Dass es so lange dauerte, daran hatte das Volk mitgewirkt durch seinen fortgesetzten Eigensinn. Und doch führt Gott das Volk, das doch sein Volk ist und bleibt, in das gute verheißene Land. Er führt dich in ein gutes Land. Das passt zur Adventszeit gerade, die uns daran erinnert: wir sind noch nicht am Ziel. Wir sind auf dem Weg. Auf dem Weg in ein gutes Land. „In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen“, beschreibt Jesus seinen Jüngern das Land, dass Gott für sie vorbereitet hat (Joh. 14,2). Mit der Verheißung „dass auch ihr seid, wo ich bin“.

    Ein dritter Gedanke: Im verheißenen guten Land ist Wasser, sind Bäche und Quellen. Es gibt wohl kaum etwas, was mehr für Leben, für Erfrischung und neue Lebenskraft steht als trinkbares gutes Wasser. Im Orient und für ein Volk, das aus der Dürre und der trockenen Wüste kommt, sind diese Worte mehr als alles andere eine paradiesische Verheißung. In Zeiten des Klimawandels und trockener Sommer wird auch uns der Wert von Wasser viel deutlicher als früher. Der Apostel Johannes schildert Jesus als den, der das Lebenswasser ist und gibt (Joh. 4). In der Offenbarung des Johannes wird uns ein Wasserstrom lebendigen Wassers, klar wie Kristall, vorgestellt. Bäume an seinem Ufer bringen zwölf Mal im Jahr Früchte und ihre Blätter haben Heilkraft. Was für eine Vision und Verheißung!

    „Der HERR, dein Gott, führt dich in ein gutes Land, ein Land, darin Bäche und Quellen sind und Wasser in der Tiefe“. Welche weiteren Gedanken kommen ihn noch zu diesem Vers?

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • addAndacht für Dienstag, 8. Dezember 2020

    Wir warten auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt.                                                       2. Petrus 3,13

    Wir erwarten so vieles in diesen Tagen. Wir erwarten, dass sich die Lage verbessert. Dass die Zahl der täglichen Neuinfektionen runtergeht; wir warten, dass ein Impfstoff flächendeckend zur Verfügung steht und dass zügig geimpft werden kann; wir erwarten ein Ende der Pandemie. Wir erwarten wenigstens ein bisschen Normalität an Weihnachten. Wir erwarten, dass es wieder aufwärts geht – auch mit der Wirtschaft, dass der Alltag wieder einkehren kann.

    Nicht nur im Coronajahr 2020 sind wir Menschen voller Erwartungen. Vielleicht mehr als sonst sind unsere Erwartungen oft deckungsgleich mit den Erwartungen anderer. Das ist in Krisenzeiten sicher häufiger der Fall als in normalen Zeiten. Aber von der Erwartung leben wir eigentlich immer: Jugend­liche warten aufs Erwachsenwerden; junge Paare auf Kinder; die älteren auf Enkelkinder. Wir warten auf den Urlaub, auf die Gehaltserhöhung.

    Doch all diese Erwartungen übersteigt weit die Erwartung, die uns Petrus ins Gedächtnis ruft: Wir warten auf einen neuen Himmel und eine neue Erde. Wir warten darauf, dass Gottes große Verheißung, Gottes Versprechen in Erfüllung geht. Wir warten, darauf, dass Gott alles zu seinem guten Ziel bringt. Wir warten darauf, weil wir es nicht machen können; nicht erzwingen können. Weil wir es eben nur erwarten können.

    Diese Erwartung macht uns nicht weltfremd oder weltentrückt. Denn wir leben ja noch in dieser Welt. Diese Erwartung lässt uns auch nicht tatenlos abwarten. Die Perspektive der Ewigkeitshoffnung will uns vielmehr motivieren und heute und hier schon für gerechte Verhältnisse einzusetzen, heute und hier schon Menschen etwas von dem guten Ziel spüren zu lassen, das Gott mit uns hat. Keine Angst – was Gott verspricht, das wird Wirklichkeit. Darum nicht den Kopf in den Sand, sondern mutig nach vorne geschaut, erwartungsvoll – und mit einem Herzen voller Liebe zu Gott und den Menschen heute tätig werden. Auch wenn wir’s nicht machen, ein Vorgeschmack des Himmels kanns doch sein.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Montag, 7. Dezember 2020

    So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns, so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!                                                          2 Korinther 5,20

    Das fünfte Kapitel des 2. Korintherbriefs strahlt eine wunderbare Botschaft aus: Gott fängt noch einmal ganz neu mit seinen Menschen an. Gott schafft Versöhnung, Gott schafft die Möglichkeit, dass unser Verhältnis ganz neu werden kann. Versöhnung ist darin der Kernbegriff: Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selbst und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu. Heißt es da. Also: das erste ist, dass Gott selbst Versöhnung wirkt. Und dann folgt das zweite: Er hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. Das ist das Evangelium von Jesus Christus. Das Evangelium, dass Christus für unsere Sünden gestorben ist und dass jeder, der an ihn glaubt, Vergebung und neues Leben bekommt.

    Und schließlich hat Gott Menschen beauftragt, diese Botschaft weiterzutragen: Aber das alles von Gott, der uns mit sich selber versöhnt hat durch Christus und uns das Amt gegeben, das die Versöhnung predigt. Also auch das Apostelamt verdankt sich der großen Versöhnungsbewegung Gottes. Und nun kommt der 4. Schritt: Die Einladung, die Aufforderung, die Botschaft: Lasst euch versöhnen mit Gott!

    Paulus lässt keinen Zweifel an seiner Überzeugung: Diese Versöhnung brauchen alle Menschen – auch die, die meinen, sie hätten das nicht nötig. Gott will wirklich alle beschenken. Gott will alle. Gott geht es immer ums Ganze. Auch wo es um die Versöhnung geht. Und darum läuft diese Botschaft, darum wirkt Gottes Versöhnungsbewegung bis heute – und Menschen erleben es immer wieder entlastend, befreiend, wo das in ihrem Leben Wirklichkeit wird »Unendlich Glück! Du littest uns zugute. Ich bin versöhnt in deinem teuren Blute.« (EG 91,9)

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 30.11. bis 06.12.

  • addAndacht für den 2. Advent, 6. Dezember 2020:

    Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.            Lukas 21,28

    Auch in diesem Jahr hat die Adventszeit in den Supermärkten längst vor der Adventszeit begonnen. Stollen, Schokoladen-Nikoläuse, Gutsle – all das gab es schon mindestens seit Mitte Oktober zu kaufen. Manche regen sich drüber auf, wie man die Festzeit so vorziehen kann. Doch dieses Jesus-Wort macht uns Mut, es genauso zu machen. Freilich nicht im Blick auf Weihnachtsdeko und Süßes, was eigentlich in die Adventszeit gehört – sondern im Blick auf die Zukunft.

    Nicht wenige sehen heute sorgenvoll in die Zukunft. Nicht nur im Blick auf die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise. Auch im Blick aufs Klima, auf die Tendenzen in der Entwicklung, die unsere Gesellschaft nimmt. Die Jünger fragen im 21. Kapitel des Lukasevangeliums nach Zeichen für die Wiederkunft. Und Jesus nennt viele besorgniserregende Dinge, die sich ereignen werden und – so müssen wir heute sagen – sich immer wieder schon ereignet haben: Verführung, falsche Propheten, falsche Christusse; Kriege, Aufruhr, Verfolgung der Gemeinde, Erdbeben, Hungersnöte und Seuchen. Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die ganze Erde stellt Jesus nüchtern in Aussicht.

    Und da mitten hinein sagt er: Wenn aber dies anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht. Eure Erlösung – das ist der wiederkommende Herr Jesus Christus. Der – daran lassen die Worte um diesen Wochenspruch keinen Zweifel – sichtbar für alle auf diese Erde wiederkommen wird, in Macht und Herrlichkeit. Der alles zum Ziel bringen wird, ja, der Erlösung bringen wird: Frieden, Heil. Die Perspektive für uns Christen ist nicht Panikmache und Krisenstimmung, sondern Zuversicht: Jesus kommt! Der Heiland kommt! Er kommt wieder. Wir leben im 2. Advent – ganz buchstäblich: In der Wartezeit auf das zweite Kommen von Jesus. Und wir dürfen aufsehen zu ihm, dem Anfänger und Vollender unseres Glaubens. Hören wir die Botschaft – und sagen wir’s weiter an Menschen, die in ihrer Furcht vergehen: Jesus ist der Retter – auch für dich.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Samstag, 5. Dezember 2020

    Ein Vater der Waisen und ein Helfer der Witwen ist Gott in seiner heiligen Wohnung, ein Gott, der die Einsamen nach Hause bringt, der die Gefangenen herausführt, dass es ihnen wohlgehe.

    Psalm 68,6-7

    Der 68. Psalm ist ein fröhliches Loblied auf den starken Gott. In den beiden Versen, die unsere heutige Losung bilden, kommt Gott als Helfer für die in den Blick, die so leicht übersehen werden: Die Waisen, die Witwen, die Einsamen und die Gefangenen. Der Psalmbeter David weiß: Für sie alle sorgt Gott. Für die, die am Rand stehen. Für die, die im Schatten stehen. Für die, die sich nicht selbst helfen können.

    Man kann diesen Vers aus zwei Blickwinkeln lesen. Man kann ihn als Unbeteiligter lesen, als jemand, der keines dieser Schicksale, das da beschrieben wird, teilen muss. Dann sagt man sich: »Schön, beeindruckend, gut für diese Menschen. Aber mich betrifft es ja nicht. Gott sei Dank!« Und wenn man dann den fatalen Schluss zieht: Also, mit Gott ist es wie mit der Feuerwehr. Es ist gut, dass es ihn gibt, aber es ist besser, wenn man ihn nicht braucht. Oder aber man kann ihn aus dem Blickwinkel lesen, den der König David, der dieses Schicksal ebensowenig teilen musste, einnahm: Es ist gut, dass es Gott gibt. Und ich brauche ihn. Ich habe seine Hilfe erfahren – und ich weiß, dass er »viel tausend Weisen zu retten aus dem Tod« hat. Ich weiß, dass seine Hilfe so ganz verschieden aussehen kann. Und ich will auf seine Hilfe in meinem Leben vertrauen. Egal, wie meine Not aussehen mag. Ich vertraue dem Gott, der mir auch in dieser Not helfen kann und helfen wird. Weil er mich liebt und weil ich in seinen Augen kostbar und wertvoll bin. Ein Gott, über den ich immer nur staunen kann.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Freitag, 4. Dezember 2020

    Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht und hernach lange sitzt und esset euer Brot mit Sorgen; denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf.                                                                      Psalm 127,2

    Zwei Eigenschaften hat Gott, der Schöpfer, uns Menschen mitgegeben, die sehr hilfreich sind. Die uns aber auch auf falsche Wege führen können. Diese beiden Eigenschaften sind unsere Fantasie, die uns verbunden mit der Neugier zu einem Erfindungsreichtum führt, der einfach immer wieder faszinierend ist. Und das andere ist unsere Fähigkeit, verantwortlich vorauszudenken. Fantasie und Verantwortungsfähigkeit – eine echt gute Kombination, die uns Menschen so viel Gutes hat erfinden lassen. Eine Infektionskrankheit nicht nur mit Abstandsregeln, sondern mit einem Impfstoff zu bekämpfen, war nur so möglich, weil Menschen eben diese beiden Dinge eingesetzt haben: Fantasie und Verantwortungsfähigkeit.

    Doch nun scheinen in diesem Psalmvers gerade diese beiden guten Fähigkeiten und Eigenschaften, ins Negative verkehrt. Aus Verantwortungsfähigkeit kann Sorge werden. Aus Tatendrang Verbissenheit, wo das nicht gelingen mag, was ich mir vorgenommen habe. Wenn sich die Fantasie nicht in die Tat umsetzen lässt – oder einfach die erhoffte Wirkung ausbleibt. »Frustra« heißt das lateinische Wort, das es auch in unseren Sprachgebrauch geschafft hat: Umsonst, vergeblich. Dann sind wir frustriert, niedergeschlagen oder gar verzweifelt. Ganz so, wie es der erste Teil der Losung aufzeigt: Man müht sich, man müht sich noch mehr. Man steht früh auf. Man steht noch früher auf, man denkt sich was aus und man macht sich Sorgen. Weil ja scheinbar alles von mir und meinen Fähigkeiten abhängt.

    Der zweite Teil der Losung stellt uns den Ausweg, die Lösung dieser verzweifelten Lage vor: Vertraue auf Gott. Da gibt es noch einen Faktor in der Lebensrechnung, der alles drehen kann. Der weit über all dem steht, was Menschen sich erdenken, planen und verwirklichen können: Denn seinen Freunden gibt er – gemeint ist Gott – es im Schlaf. Ohne unser Zutun. Ohn‘ all unser Verdienst und Würdigkeit – beschenkt Gott die, die ihm vertrauen. Fantasie, Verantwortungsfähigkeit und Gottvertrauen – diese drei Dinge in Kombination, machen unser Leben reich.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Donnerstag, 3. Dezember 2020

    Ein jeder gebe, was er geben kann nach dem Segen, den dir der HERR, dein Gott, gegeben hat.

    5. Mose 16,17

    Manchmal kann man die Folgen des Segens anfassen. Nicht immer – aber manchmal. Dass wir uns von unserer Hände Arbeit ernähren können, dass am Ende sogar was übrig bleibt, mehr als genug übrig bleibt, das ist keine Selbstverständlichkeit. Das kann man Glück nennen oder »verdient«. Ich glaube, dass wir darin einfach auch eine Auswirkung des Segens Gottes sehen dürfen. Es ist letztlich Gnade Gottes. Natürlich kann man an dem, wieviel ein Mensch an materiellen Gütern hat und wie seine Geschäfte laufen, nicht ablesen, wie Gott zu ihm steht. Das wäre viel zu kurz gedacht. Gott kann gerade auch da einen Menschen segnen, wo er äußerlich gar nichts hat. Siehe Jesus: Der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege – so sagte Jesus von sich selbst.

    Hier geht es aber nicht nur um’s Haben, sondern nun auch um’s Geben: Wer hat, der soll auch etwas geben. Konkret ging es um die drei großen Jahresfeste, zu denen das Volk zum Heiligtum pilgern sollte – seit Salomo vor rund 3.000 Jahren war das der Tempel in Jerusalem. Dreimal im Jahr sollte alles, was männlich ist, vor dem HERRN erscheinen: Zum Passafest, zum Wochenfest und zum Laubhüttenfest. Sie sollten nicht mit leeren Händen kommen, sondern ihre Opfergabe mitbringen. Und die richtete sich eben individuell nach dem, was einer an Folgen des Segens in materieller Form erlebt hatte.

    Es geht letztlich um unser Verhältnis zum Besitz: Wo wir unser Hab und Gut letztlich als Gabe Gottes ansehen, da kann und soll uns dieses Wissen davor bewahren, nur noch egoistisch eigensinnig damit umzugehen. Geld und Gut sind Mittel zum Zweck – mehr nicht. Doch nun kommt es eben auf den Zweck an: Heißt der Zweck nur: damit es mir gut geht – wäre das zu kurz gedacht. Heißt er aber: Liebe Gott und liebe deinen Nächsten – dann soll das Auswirkungen haben, wie ich mit dem umgehe, was mir anvertraut ist. Wie gut tut es, zu erleben, wie viele Menschen sich an diesen Ratschlag halten. In diesen Wochen kommen die Spenden für den Freiwilligen Gemeindebeitrag in unserer Gemeinde an. Und da sehe, ich viele das – auch im Blick auf unsere Kirchengemeinde und ihre Aufgaben – beherzigen, was in unserer Losung steht. Aber ich weiß auch, dass es noch viele andere gibt, die das an anderer Stelle tun und dorthin etwas von dem, was sie empfangen haben, geben, wo damit Not gelindert wird. Es ist gut, wenn wir die Empfehlung – ja, das Gebot – der heutigen Tageslosung so umsetzen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Mittwoch, 2. Dezember 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    am heutigen Mittwoch lesen und hören wir ein tröstendes und mutmachendes Jesuswort in den Losungen: „Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht“ (Johannes 14,27).

    Was brauchen wir mehr als den Zuspruch des Friedens von dem, den der Apostel Paulus so vorstellt: „Er ist unser Friede“ (Epheser 2,14)? Jesus ist der Friede in Person. Er redet uns an, fordert uns auf, ihn anzusehen und nicht auf das, was uns Furcht machen will. Der Friede Jesu ist viel größer als das, was unser Herz friedlos macht.

    Ich möchte Ihnen diesen Frieden Jesu zusprechen mit Worten, die der Liedermacher Manfred Siebald im Jahr 1975 gefunden hat:

    Friede, Friede, Friede sei mit dir
    Friede, Friede, Friede sei mit dir

    Nicht jenes Warten, wenn die Waffen schweigen,
    wenn sich noch Furcht mit Hass die Waage hält,
    wenn sich Verlierer vor den Siegern beugen;
    nicht der Friede dieser Welt.

    Nicht jene Stille, die den Tod verkündet,
    da wo es früher einmal Leben gab.
    Wo man kein Wort und keine Tat mehr findet;
    nicht die Stille überm Grab.

    Der tiefe Friede, den wir nicht verstehen,
    der wie ein Strom in unser Leben fließt,
    der Wunden heilen kann, die wir nicht sehen,
    weil es Gottes Frieden ist.

    Der Friede Gottes will in dir beginnen,
    du brauchst nicht lange bis du es entdeckst;
    was Gott in dich hineinlegt bleibt nicht innen -
    Friede, der nach Außen wächst.

    Friede, Friede, Friede sei mit dir
    Friede, Friede, Friede sei mit dir

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • addAndacht für Dienstag, 1. Dezember 2020

    Der Herr sprach zu Isaak: Bleibe als Fremdling in diesem Lande, und ich will mit dir sein und dich segnen.                                                                                                       1. Mose 26,3

    Gott mutet seinen Leuten manches zu. Oft geht es dabei um Gott-Vertrauen gegen den Augenschein. So auch hier in einer Erzählung aus dem Leben des Erzvaters Isaak. Es beginnt mit einer Hungersnot,  die Isaak und seine Familie zur Wanderung nach Gerar zwingt. Oft machen sich Menschen ja gerade deswegen auf den Weg aus ihrer Heimat, weil es dort einfach nicht mehr geht: Krieg, Hunger, Katastrophen sind oft Auslöser. Auch von vielen Flüchtlingsbewegungen bis heute. Mitte des 19. Jahrhunderts sind wegen Hunger und Perspektivlosigkeit viele Menschen aus Württemberg nach Amerika und Russland ausgewandert. Bei Isaak ist es Gerar. Gerar liegt in der Küstenebene in der Nähe des Mittelmeers im Philisterland. Hier ist er Fremdling.

    Und das soll er bewusst sein. Fremdling in einem Land, das einmal seinen Nachkommen gehören soll. Noch ist davon nichts zu sehen. Noch hat Isaak nichts als Gottes Versprechen. Im Grundbuch ist sein Name nicht eingetragen. Und er hat nichts als Gottes Verheißung: Ich will mit dir sein und dich segnen. Doch für Isaak reicht das. Er bleibt im Land. Er zieht nicht weiter nach Ägypten, wo es vielleicht noch besser und noch einfacher wäre, durch die Krise zu kommen. Er vertraut Gott.

    Fremdling zu sein, das zieht sich in der Bibel als Thema wie ein roter Faden durch. Das Neue Testament macht uns deutlich: Wir sind und bleiben Fremdlinge in dieser Welt, weil unsere Heimat im Himmel ist. Auch wir warten noch. Auch wir haben nichts als die Verheißung Gottes. Darin sind wir dem Erzvater Isaak gleich. Und wohl uns, wenn wir das durchhalten. Johann Amos Comenius, einer der führenden Köpfe der böhmischen Brüder, der um seines Glaubens willen viel auf der Flucht war, dankte Gott dafür: »Ich preise dich, mein Erretter, dass du mir auf der Erde kein Vaterland und keine Wohnung gegeben hast… Du hast mich vor der Torheit bewahrt, das Zufällige für das Wesentliche, den Weg für das Ziel, das Streben für die Ruhe, die Herberge für die Wohnung, die Wanderschaft für das Vaterland zu halten.“ Gott möge auch uns davor bewahren.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Montag, 30. November 2020

    So spricht der HERR Zebaoth: Wer euch antastet, der tastet seinen Augapfel an.            Sacharja 2,12

    Was für eine klare Warnung! Was für ein starkes Bündnis! Menschen haben immer wieder versucht, Gott auf ihre Seite zu ziehen oder vor ihren Karren zu spannen. Und sind damit kläglich gescheitert. Es waren Menschen aus allen Völkern – bis hinein ins 20. Jahrhundert und ins 21. Jahrhundert – aber es waren auch Menschen aus dem Volk Israel. Gott lässt sich von uns nicht instrumentalisieren. Gott lässt nicht über sich verfügen.

    Doch dort, wo er selbst sich mit seinen Menschen verbindet, da geht diese Verbundenheit so tief wie es hier bei Sacharja ausgedrückt wird. Der HERR Zebaoth redet hier. Zebaoth, das heißt: Heerscha­ren. Wo Gottes Heerscharen auftauchen, da werden alle menschlichen Heerscharen chancenlos. Gott schützt die, mit denen er sich verbindet. Durch alle Zeiten hindurch gilt das. Konkret erlebbar ist dieses Wort durch die Geschichte hindurch am irdischen Volk Israel. Bereits im 5. Mosebuch findet sich die Beschreibung: Er fand ihn [gemeint ist Jakob, der als Stammvater für das ganze Volk Israel steht] in der Steppe, in der Wüste, im Geheul der Wildnis. Er umfing ihn und hatte acht auf ihn. Er behütete ihn wie seinen Augapfel.

    Unser Gott ist treu. Seine Gaben und seine Berufung können ihn nicht gereuen stellt die Bibel fest. Das gilt für Israel, das gilt für das jüdische Volk, das Bundesvolk des Alten Bundes und das gilt für das Bundesvolk des neuen Bundes. In Jesus Christus hat Gott seine Hand auf uns gelegt. Die Taufe ist das Besitzzeichen Gottes an uns. Nicht magisch zu verstehen als »geistliche Schluckimpfung«, sondern als Angebot und Einladung an uns, mit Gott zu leben. Wo wir seiner Einladung folgen, wo wir Jesus Christus als unseren Herrn anerkennen, da kommt es auch bei uns zu dieser unauflösbaren Verbindung. Und da wird Gott auch uns bewahren bis zum Ende. An Israel sehen wir auch: Gottes Bewahrung bedeutet nicht, vor allen Leiden bewahrt zu werden – Israel hat wohl die schlimmsten Leiden in der Geschichte erfahren. Aber es bedeutet: Am Ende mit Gott verbunden zu bleiben. Die Feinde haben keine Chance. Denn: Wer euch antastet, der tastet seinen Augapfel an.

    Pfarrer Andreas Streich

     

 

Woche vom 23.11. bis 29.11.

  • addAndacht für den 1. Sonntag im Advent, 29. November 2020

    Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.                 Sacharja 9,9b

    Mitten in einer deprimierenden Situation ruft Gott seine Menschen auf: Freut euch, jubelt, jauchzt. Die Situation ist katastrophal. An ihr hat sich noch gar nichts geändert. Und doch haben sie mehr als genug Grund zum Jubeln. Denn Gott tritt auf den Plan. Gott macht sich auf.

    Erinnern Sie sich noch an die Befreiung der Geiseln aus dem Lufthansaflugzeug „Landshut“ in Mogadischu. Damals war die Spezialeinheit GSG 9 des Bundesgrenzschutzes maßgeblich beteiligt. Ich habe gehört, dass bei einer späteren Flugzeugentführung die Entführer aufgegeben hätten, als sie gehört haben, dass die GSG 9 wieder im Anmarsch sei. Allein die Ankündigung – ob Gerücht oder wahr, hat genügt.

    Gott kündigt sein Kommen an. Und Gott kündigt seinen König an. Die Worte, die im kurzen Abschnitt aus dem Predigttext für diesen Adventssonntag, als Wochenspruch verwendet wurden, sind doppeldeutig. Den »Gerechten« kann man auch als »gerecht Gemachten« verstehen und den »Helfer« als einen, der »Hilfe erfahren hat«. Das Hebräische lässt beide Übersetzungen zu. Vielleicht ganz bewusst hat Gott dafür gesorgt, dass hier solch doppeldeutige Begriffe stehen. Denn beide Verständnisse sind richtig und wahr. Beides gilt. Es geht um den Messias, den Israel zu erwarten hat: Er ist ein König, von dem man gar nicht groß genug denken kann. An anderer Stelle im Sacharjabuch wird Gott selbst als dieser König bezeichnet. Gott und der Messias – fast nicht voneinander zu unterscheiden. Und zugleich ist es einer, der ganz anders ist als alle anderen Könige, die ihre Macht ausspielen. Er nicht! Er kommt als ein Helfer. Und als einer, der Hilfe erfährt. Der König kommt – er zieht in Jerusalem ein, genau wie Sacharja es vorhergesagt hat. Doch wenige Tage später wird aus dem Hosianna ein „Kreuzige ihn!“ Und er erträgt es. Jesus Christus steigt nicht vom Kreuz, sondern stirbt an diesem Kreuz. Um so unser Helfer zu werden. Und er erfährt Gottes Bestätigung und Gottes Hilfe, als er am dritten Tag vom Tod aufersteht. So brauchen wir diesen König. Genau so. Als den, der uns gerecht macht und als den, der uns hilft und uns rettet. Nicht nur im politisch-oberflächlichen Sinn, sondern im viel tieferen Sinn: im Sinn unseres Verhältnisses zu Gott. Er versöhnt uns mit Gott.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Samstag, 28. November 2020

    Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.                        Jesaja 66,13

    Über Gott kann man philosophisch nachdenken. Oder mit theologisch abstrakten Begriffen ihn beschreiben: unfehlbar, ewig, allmächtig… Doch das ist alles so weit weg von unserem Leben. Wie gut, dass die Bibel auf die Frage: »Wer ist Gott für mich?« ganz menschlich antwortet: wie eine Mutter! So kann ich es verstehen. So kann ich es fassen. Und so kann ich anfangen, es zu verstehen, indem ich es erlebe.

    Gott begegnet uns auf Augenhöhe. Der Gott, der sich dort im Jesajabuch im Alten Testament mit einer Mutter verglich, der ist Mensch geworden. Der hat sich ganz klein gemacht, weil er uns zur Seite gehen will. Weil er will, dass wir ihn sehen, erleben und dann mit ihm leben. An Jesus Christus sehen wir, wie der mütterliche Gott ist. Wie er voller Liebe und Sehnsucht nach seinen Menschen brennt. Wie er auch die nicht übersieht, die am Rand der Gesellschaft sind – abgeschrieben von so vielen anderen. Wie er alles einsetzt, bis hin zum eigenen Leben, um seine Menschen zu trösten – in so vielfältiger Weise.

    »Trost« hat ja so viele Facetten und so viele Farben: Sei es, dass mir jemand wieder den Blick für die Zukunft öffnet, den ich nur noch verbaut sah. Mir wieder neu Hoffnung und Mut macht. Und ich getröstet meinen Weg weitergehen kann. Oder: »Trost« beinhaltet auch, dass ich nicht auf meine Fehler festgenagelt werde. Dass jemand trotz meines Versagens zu mir steht. Wo alle anderen mich aufgaben, hält Gott dennoch zu mir. Wo alle mir meine Fehler vorhalten, da nimmt Jesus Christus meine Schuld auf sich. Er entlastet mich. Er trägt meine Strafe, er stirbt meinen Tod.

    Aber vor allem hat »Trost« eben etwas mit Beziehung zu tun. Mit Nähe. Mit Vertrautheit. Unser Gott ist kein ferner Gott. Ganz im Gegenteil: er kommt uns ganz nahe. Er wird Mensch, er verbindet sich mit uns. Und er will durch seinen Heiligen Geist in unserem Herzen wohnen. Jesus verspricht es uns: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. So tröstet Gott. Wenn Gott sagt: »Ich will..« dann bleibt es nicht bei der Absichtserklärung. Dann tut er es auch. Wir sind eingeladen, uns ihm anzuvertrauen, mit ihm zu leben und es zu erleben: Bei ihm sind wir wirklich »ganz bei Trost«. Und getröstet und gehalten von ihm sind wir in der Lage, uns anderen tröstend zuzuwenden.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • addAndacht für Freitag, 27. November 2020

    Herr, vor dir liegt all mein Sehnen, und mein Seufzen ist dir nicht verborgen.      Psalm 38,10

    Der 38. Psalm gehört zu den vielen Klagepsalmen. Hier ist es David, der Gott sein Leiden und sein Leid klagt. David spürt: Vieles von dem, was er erleiden muss, geht auch auf Gott zurück: Denn deine Pfeile stecken in mir, und deine Hand drückt mich. So erlebt er es. Er leidet unter seiner Verlorenheit, unter seiner Sünde: Es ist nichts Gesundes an meinem Leibe wegen deines Drohens und ist nichts Heiles an meinen Gebeinen wegen meiner Sünde. Denn meine Sünden gehen über mein Haupt; wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer geworden. Dieser David erkennt: So wie ich bin, kann ich unmöglich vor Gott bestehen.

    David leidet furchtbar. Und mit diesem Leiden geht er zu Gott. Er bleibt nicht allein damit. Er bleibt nicht im Grübeln oder im Hadern oder im Anklagen. Er redet nicht mit andern über Gott, sondern er redet mit Gott. Das ist der Weg auch für uns – mit dem, was wir erleiden. Wo wir über unserer Sünde erschrecken. Nicht allein bleiben, sondern damit zu Gott gehen. David bekennt Gott seine Sünde. Und David vertraut Gott. Denn das gilt: Gott sieht mir ins Herz. Gott, du siehst, was ich so gerne hätte. Du kennst meine Sehnsucht. Mit dir darf ich über alles reden. Meine Schmerzen, meine Tränen, mein Seufzen – dir ist es nicht verborgen.

    Wenn alle Wege verbaut scheinen. Wenn so vieles nicht mehr möglich ist. Wenn uns die Schuld über unser Haupt geht. Unser Gott ist immer noch da. Unser Gott, der uns in Jesus Christus, dem Gekreuzigten begegnet und uns einlädt: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken. Ja, es gilt auch uns: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen. Bleiben wir mit unserer Not und mit unserer Schuld doch nicht allein. Bleiben wir mit den Fragen, die uns quälen nicht allein. Bringen wir es zu Gott. Er kennt uns und er liebt uns. Und er ist der Einzige, der uns helfen und vergeben kann.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Donnerstag, 26. November 2020

    Nun, unser Gott, wir danken dir und rühmen deinen herrlichen Namen.            1. Chronik 29,13

    Der große König David schaut nach vorn. Sein Sohn Salomo wird von ihm die Regentschaft übernehmen. Der Thron-Wechsel gestaltete sich durchaus turbulent. Doch nun schaut David zuversichtlich nach vorn und ist guter Hoffnung, dass damit auch das andere große Projekt, das er so gerne angepackt hätte, verwirklicht wird: Der Bau eines Tempels in Jerusalem. David war es verwehrt, diesen Tempel zu bauen. Doch wenigstens beim Spendenprojekt durfte und wollte er aktiv mitwirken. Er selbst hat einen immensen Reichtum für den Tempelbau gestiftet. Nun soll auch das Volk das Seine dazulegen. Auch sie geben reichlich: 5000 Zentner Gold, 10.000 Gulden, 10.000 Zentner Silber, 18.000 Zentner Kupfer und 100.000 Zentner Eisen kommen zusammen und dazu ein Haufen Edelsteine. Und alle gaben fröhlich und gern.

    Dank, wem Dank gebührt. David weiß: Letzten Endes kommt das alles von Gott. Wenn er nicht Herzen anrührt und ermutigt, dann wird nichts draus. Deshalb kommt zuerst und über allem der Dank an Gott. Das ist die Situation unseres Losungsverses: Nun, unser Gott, wir danken dir und rühmen deinen herrlichen Namen.

    Das ist eine Spur auch für uns: Über und hinter allem Guten, das wir erleben und das uns gelingt, steht letzten Endes unser guter Gott. Seine Güte. Was bin ich? Fragt David in seinem Gebet. Was ist mein Volk, dass wir freiwillig so viel zu geben vermochten? Von dir ist alles gekommen, und von deiner Hand haben wir dir’s gegeben.

    Woher kommt das, was uns erfreut, was uns das Leben erleichtert? Wer hat es uns gegeben? Wer hat den Menschen den Verstand und die Idee geschenkt, um einen Impfstoff gegen das Corona-Virus entwickeln zu können, der einen solch hohen Wirkungsgrad hat? Wer steht letzten Endes hinter all den medizinischen Möglichkeiten, die wir haben. »Ach, Herr, mein Gott, das kommt von dir, du, du musst alles tun.« Der Dank Gott gegenüber ist die richtige Haltung – an jedem Tag. Der Dank für so Vieles.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Mittwoch, 25. November 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    wenn von Propheten die Rede ist, gibt es ein weitverbreitetes Missverständnis. Die meisten Leute meinen, Propheten seien solche, die die Zukunft vorhersagen. Dabei ist das bei den Propheten der Bibel nur eine Nebensache, auch wenn uns dieser Blick auf das, was erst noch kommt, besonders beeindruckt. Nein, die große Aufgabe der Propheten war es, im Auftrag Gottes den Leuten den Spiegel vorzuhalten. Auf Missstände hinzuweisen. Und zu sagen, welche Folgen selbstsüchtige Wege haben werden. Dass Gott keiner ist, der auf Dauer einfach zusieht, wenn Menschen sich auf Kosten anderer ein schönes Leben machen. Dabei kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Das war nicht vergnügungssteuerpflichtig. Mit diesem Auftrag machten sich die Propheten keine Freunde. In der Losung heute sagt Amos: „Ihr trinkt den Wein kübelweise und verwendet die kostbarsten Parfüme; aber dass euer Land in den Untergang treibt, lässt euch kalt“ (Amos 6,6).

    Konsum im Überfluss, Vergnügen, das nur sich selbst und nicht den anderen sieht – vermutlich keine Baustelle, die nur zur Zeit des Amos gegolten hat. Wir wollen da jetzt nicht auf andere zeigen, die nach unserer Sicht besonders hemmungslos nur den eigenen Spaß ausleben, sondern besser uns selbst überlegen: wo sehe ich nur mich? Wie viel Geld lege ich zur Seite, um mich abzusichern? Wie viel der Lebenszeit, die mir Gott gegeben hat, verwende ich darauf, für mein eigenes Wohl zu sorgen? Ängstlich darauf zu achten, dass mir ja nichts passiert? Wo geht es mir mit frommer Absicht nur darum, selbst möglichst fehlerlos zu bleiben?

    Die Coronazeit in diesem Jahr hat einerseits Solidarität gefördert. Andererseits erschüttert mich, dass sie uns auch selbstbezogen macht – weil wir vor allem hoffen und darauf schauen, dass wir selbst möglichst unbeschadet durch diese Krise kommen. Die Schwierigkeiten unserer Schwestern und Brüder in anderen Ländern, in denen es längst nicht so gute Sozialsysteme wie bei uns gibt, beschäftigen uns dabei wohl viel weniger als sonst. Das stelle ich zumindest bei mir fest, vielleicht sind Sie da ja mit weiterem Blick und Herz unterwegs. Auch bei uns im Land sind vor allem sozial schwache Menschen von der Krise besonders getroffen. Wo es uns möglich ist, sind wir gefragt, unseren Teil beizutragen, dass ein Ausgleich möglich ist – nicht gezwungen und aus ärgerlichem Pflichtgefühl, sondern dankbar, weil wir wissen, dass wir selbst von unserem Gott überreich versorgt und durch diese schwierige Zeit getragen werden.

    Ich schließe mit dem kurzen Liedgebet von Liselotte Corbach, das heute im Losungsbüchle steht: „Herr, lass deine Wahrheit uns vor Augen stehn. Lass in deiner Klarheit Lug und Trug vergehn. Gib, dass selbstlos werde unser harter Sinn; wend ihn zu der Erde, zu dem Nächsten hin.“

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • addAndacht für Dienstag, 24. November 2020

    Aller Welt Enden sehen das Heil unseres Gottes.                            Psalm 98,3

    Unserem Gott geht es immer um’s Ganze! Er ist der Schöpfer der ganzen Welt, des ganzen Universums. Und er will uns ganz haben. Er erhebt ganz Anspruch auf uns. Auf den ganzen Menschen. Er will nicht nur einen Teil von uns haben, sondern uns ganz. Und auch da, wo es um unser Heil geht, geht es ihm ums Ganze. Er will, dass alle sein Heil erleben sollen: Aller Welt Enden sehen das Heil unseres Gottes.

    Die Heilsbewegung geht dabei von Israel aus. Die Losung ist der letzte Halbvers von zwei Versen, die sachlich zusammengehören: Der HERR lässt sein Heil kundwerden; vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar. Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel, aller Welt Enden sehen das Heil unseres Gottes.

    Am kommenden Sonntag feiern wir den ersten Advent. Dann gehen wir auf Weihnachten zu. Da, an Weihnachten, da hat das in besonderer Weise angefangen, konkret zu werden, was der Psalmbeter ankündigt. Aller Welt Enden sehen das Heil unseres Gottes. Gottes Heil – das ist ganz konkret, das hat Hand und Fuß im wahrsten Sinne des Wortes. Gottes Heil, das ist sein Sohn, Jesus Christus. Ausgerechnet Hirten waren die ersten, die ihn sahen und die von ihm erzählten. Dann kamen die Weisen aus dem Morgenland, scheinbar vom Ende der Erde. Es begann in Israel – doch die Botschaft vom Heil, das vom Gekreuzigten und Auferstandenen ausgeht, drang in alle Länder dieser Erde vor. Menschen haben es verkündigt und verkündigen es bis heute. Auch wir sind Teil dieser Heils­bewegung Gottes. Die Einladung, sein Heil zu sehen, zu erleben in Jesus Christus gilt uns. Und uns gilt dann auch die Einladung, es weiterzutragen, weiterzusagen – dass alle es sehen. Denn unserem Gott geht es immer ums Ganze. Aller Welt Enden sehen das Heil unseres Gottes.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Montag, 23. November 2020

    Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum und bei denen, die zerschlagenen und demütigen Geistes sind, auf dass ich erquicke den Geist der Gedemütigten und das Herz der Zerschlagenen.

    Jesaja 57,15

    Gott sprengt unsere Kategorien. Er ist viel größer, als wir denken. Und so gibt es auch auf die Frage, wo Gott wohnt, wo Gott ist und wirkt, keine einfache Antwort. In unserer Losung gibt er selbst uns die Antwort auf diese Frage – eine dreifache Antwort.

    Gott wohnt in der Höhe. Im Himmel, unerreichbar für uns – unerreichbar für alle, die sich für wichtig und für mächtig halten. Gott ist immer noch größer und mächtiger. Er wohnt in der Höhe.

    Gott wohnt im Heiligtum: zunächst einmal in dem, das nicht mit Händen gemacht ist – dem himmlischen Heiligtum, von dem im Hebräerbrief die Rede ist. Dann aber auch im irdischen Heiligtum, im Tempel damals. Da ist ein verlässlicher Ort, um Gott zu begegnen. An diesen verlässlichen Ort, an diesen für Gott und die Begegnung mit ihm reservierten Ort knüpfen auch unsere Kirchengebäude an.

    Und Gott wohnt bei denen, die zerschlagenen und demütigen Geistes sind. Es fällt auf, dass in diesem Vers auf diesem dritten »Wohnort« der Schwerpunkt liegt. Da wohnt Gott, wo Menschen über ihrem Versagen, über ihrer Schuld zerbrochen sind, traurig. Wo Menschen erkennen, dass alle eigenen Wegen zu Ende gegangen sind. Da wohnt Gott. Da wirkt er. Da richtet er auf. Wo Menschen gedemütigt sind – und auch, wo sie sich vor ihm demütigen. Die Botschaft ist eine zweifache: Gott ist bei denen, die scheinbar von allen anderen abgeschrieben sind. Gerade um die Fertiggemachten kümmert Gott sich. Das ist die eine Botschaft. Und die andere: Anders als so, dass ich genau das erlebe – dass ich selbst vor Gott mich demütige – kann ich Gottes Nähe in dieser tiefsten und stärksten Dimension gar nicht erleben. In diese Richtung weist uns auch die Botschaft vom gekreuzigten Christus, der gerade für mich, für mein Versagen, für meine Schuld, für meine Verlorenheit dort am Kreuz hängt. Die tiefe Freude der Rettung wird erleben, wer die abgrundtiefe Verlorenheit, in der er steckt, zuerst erkannt hat. Martin Luther bekannte: »Der mich verlorenen und verdammten Menschen erlöst hat…«. Wer seine Verlorenheit erkennt, der darf und soll auch die Größe des Retters erleben und der kann diesen Satz in der Losung nur aus tiefstem Herzen bestätigen: Ja, so ist’s.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 16.11. bis 22.11.

  • addAndacht für den Ewigkeitssonntag, 22. November 2020

    Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen.      Lukas 12,35

    Umgürtete Lenden und brennende Lichter – das sind klar erkennbare Zeichen, dass jemand bereit ist, dass jemand aktiv wartet. Wer mit dem Bus von A nach B fahren will, der muss sich aufmachen, zur Bushaltestelle gehen und dort warten bis der Bus kommt. Auf den Bus kann ich nicht zuhause auf dem Sofa warten. Da warte ich nämlich vergeblich, dass der Busfahrer aussteigt, den Weg zu meiner Haustür sucht, um dann zu klingeln und zu warten, bis ich Schuhe und Jacke angezogen habe. Wer am Wartehäuschen sitzt, der hat Schuhe und Jacke längst angezogen und wartet aktiv: Selbst diejenigen, die ich da mit dem Smartphone in der Hand dasitzen sehe, die schauen immer wieder mit einem Auge mal wieder auf die Straße, ob der Bus nun kommt.

    Wir warten auf Jesus, den wiederkommenden Herrn. Jesus gebraucht in dem Abschnitt, mit dem der Wochenspruch beginnt, das Bild von einem von einer Hochzeit heimkehrenden Hausherrn. Wohl den Knechten und Mägden im Haus, die ihn – auch mitten in der Nacht – hellwach empfangen können. So ist’s recht. Und er gebraucht das Bild vom »Dieb in der Nacht«. Wohl dem, der auf den Dieb in der Nacht vorbereitet ist und nicht in sein Haus einbrechen lässt.

    Darum geht es: Dass wir aktiv warten. Keiner von uns weiß, wann Jesus kommt. Seid bereit! Sagt Jesus am Ende des Abschnitts, denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr’s nicht meint. Umgürtete Lenden und brennende Lichter – das hat etwas mit Glauben zu tun. Mit einem aktiven Glauben. Mit einem Glauben, der sich mit den Dingen beschäftigt, die unseren Glauben lebendig halten: Das Licht der Welt – das ist Jesus selbst. Also brauche ich eine lebendige Verbindung zu ihm. Ich muss mit ihm leben, damit mein Licht brennen kann. Und die umgürteten Lenden – das ist der Umgang mit seinem Wort, mit der Bibel. Nicht im Sinne bloß von Bescheidwissen, sondern dass ich das, was mir klar geworden ist, auch anwende: indem ich der Einladung, die da steht, folge und Jesus von ganzem Herzen vertraue. Mit ihm leben – das ist die beste Vorbereitung, um aktiv auf ihn zu warten.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Samstag, 21. November 2020

    Gott, deine Güte ist besser als Leben.   Psalm 63,4

    »Hauptsache gesund!« höre ich immer wieder, wenn ich Menschen frage, wie es ihnen geht. Und jedes Mal habe ich bei dieser Antwort das Bedürfnis nachzufragen: »Meinen Sie wirklich, dass das das Allerwichtigste ist? Und was ist, wenn diese ‚Hauptsache‘ einfach wegbricht?«

    Wir leben in einer Zeit, in der ständig nach der »Hauptsache« gefragt wird: Was ist in der Pandemie wirklich wichtig? Was muss unbedingt aufrechterhalten werden? Was ist »systemrelevant«, um dieses Schlagwort aus dem Frühjahr zu verwenden?

    Ist Gott eigentlich systemrelevant? Der Psalmbeter David setzt mit seiner Aussage noch viel grundsätzlicher an: Bevor wir über unser Leben reden können – und das, was wir für unser Leben brauchen, was gut für unser Leben ist, müssen wir von Gott reden. Gott ist all unseren Systemen voraus. Bevor wir überhaupt über unser Leben nachdenken können, leben wir schon lange von Gottes Güte, von Gottes Zuwendung. Gott meint es gut mit uns. Gott hat uns gewollt. Das ist das Vorzeichen, unter dem unser Leben und alle Überlegungen, die sich aus unserem Leben – sowohl im persönlichen Bereich als auch als Gesellschaft – ergeben, stehen. Im hebräischen Urtext ist das „gut“ oder „besser“ sogar, um das zu betonen, noch vorangestellt: Denn besser ist deine Güte als das Leben.

    Und diese Güte Gottes, die zielt auf Beziehung. Gott geht in Vorleistung. Der Schöpfer tut den ersten Schritt und lässt uns seine Güte erfahren. Unser Leben ist und bleibt ein Wunder. Natürlich gilt auch das andere: Unser Leben ist begrenzt und gefährdet. Deshalb ist Gesundheitsvorsorge im System der menschlichen Gesellschaft erforderlich und notwendig. Doch unser Leben ist kein Selbstzweck, sondern es soll dazu dienen, mit dem Gott, der uns mit seiner Güte im Voraus begegnet, in Gemeinschaft zu leben: Der zweite Teil des Verses stehen leider nicht mehr im Losungsbüchle: meine Lippen sollen dich preisen. Darauf zielt die Güte Gottes: Dass ich mir bewusst werde, dass ich davon lebe. Dass ich sie in meinem Leben und in dieser Welt entdecke – und als Einladung verstehe, mich Gott zuzuwenden, ihm zu vertrauen und mit ihm zu leben.

    Und dann – dann sind wir wirklich bei der Hauptsache für unser Leben angekommen. Gott, deine Güte, ist besser als Leben!

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Freitag, 20. November 2020

    Er ändert Zeit und Stunde; er setzt Könige ab und setzt Könige ein.                       Daniel 2,21

    Wie groß denken wir Menschen oft von uns selbst und von unseren Möglichkeiten! Und wie wenig haben wir wirklich in der Hand! Die Corona-Krise führt es uns eindrücklich vor Augen. In einem hochentwickelten Industrieland wie Deutschland ist man nach 8 Monaten nach Ausbruch der Pandemie nicht einmal in der Lage, alle, die evtl. erkrankt sein können, zu testen, um sicher zu gehen. Ganze Wirtschaftszweige sind ins Trudeln geraten – mit ungewissem Ausgang. Die Welt, v.a. auch die Geschäftswelt wird nach Corona anders aussehen als vorher. Worauf wir Menschen uns auch verlassen mögen; womit wir meinen, auf dieser Welt ganz sicher rechnen zu können – es ist alles der Vergänglichkeit und der Veränderbarkeit unterworfen. Es gibt so Vieles, dem wir einfach nur machtlos gegenüberstehen, das wir geschehen lassen müssen.

    Daniel aber kennt den, der nicht machtlos danebensteht, sondern der alles in seinen Händen hält. Ihn, den ewigen Gott, den Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat. Er ändert Zeit und Stunde; er setzt Könige ab und setzt Könige ein. Das bedeutet nicht, dass wir immer und in allem, was geschieht, erklären können, warum Gott so handelt oder warum er bestimmte Dinge zulässt. Gerade seine Allmacht stellt uns vor manche schwere Frage, wenn wir gleichzeitig daran glauben, dass er uns unendlich liebt. Warum lässt Gott das zu? Warum geschieht das jetzt?

    Ich muss immer wieder eingestehen: Ich weiß es nicht. Ich bin nicht Gott. Seine Gedanken sind so viel höher als meine Gedanken. Aber ich darf und will ihm dennoch vertrauen. Weil er mir in Jesus Christus gezeigt hat, wie er es im Tiefsten seines Herzens mit mir meint: Dass er mich liebt, dass er sich mit mir verbinden will und dass er für mich da sein will. Mit ihm verbunden, an seiner Hand, will ich die Entwicklungen in unserer Welt beobachten. Ich werde nicht alles verstehen. Aber eines ist ganz sicher: ich weiß dass ich geborgen in der Hand dessen bin, der mein Leben und diese Welt zu seinem Ziel bringen wird. Und nichts und niemand wird ihn aufhalten.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Donnerstag, 19. November 2020

    Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist. Wohl dem, der auf ihn trauet!         Psalm 34,9

    Manchmal bekommt man auf dem Markt oder in einem Lebensmittelgeschäft ein »Versucherle« angeboten. Eine Geschmacksprobe, um einen Eindruck zu bekommen, wie die Schokolade, das Weihnachtsgebäck oder der Bergkäse schmeckt. Man kann es annehmen oder dran vorbeigehen, je nachdem, wonach es einem gerade ist. 

    An einem Angebot aber sollten wir nicht vorbeigehen. An dem Angebot, das uns im Psalm 34 in unserer Losung vorgestellt wird: Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist. Gottes Freund­lichkeit will von uns erlebt werden. Mit allen dafür verfügbaren Sinnen. Glauben erschöpft sich nicht darin, dass wir Gottes Existenz für möglich oder wahrscheinlich halten. Glauben geht auch nicht darin auf, dass wir das für wahr halten, was in der Bibel über ihn steht oder in der Kirche über ihn gesagt wird. Glaube heißt: Ich will es selber erleben. Ich lasse mich darauf ein. Ich vertraue Gott – und zwar mit meinem ganzen Leben.

    Die Einladung zum Glauben begegnet uns immer als Aufforderung, als Herausforderung. »Lasst euch versöhnen mit Gott!« beschreibt Paulus sie eindringlich im 2. Kornitherbrief; »Folge mir nach!« Sagt Jesus. Gott hat jedermann den Glauben angeboten stellt Paulus nach dem Bericht der Apostelge­schichte fest. Nun geht es darum, dass wir es für uns gelten lassen, dass wir der Einladung folgen – immer wieder neu – und es selbst erleben. Die Freundlichkeit Gottes erlebt, wer sich auf Gott einlässt. Was Gnade heißt, wie groß seine Liebe ist, erlebt in ihrer ganzen Tiefe erst, wer sich mit seinem Leben Jesus Christus anvertraut. Wer anerkennt, dass er ein »verlorener und verdammter Mensch« ist, wie Martin Luther es im Kleinen Katechismus beschrieb. Und wer dann erlebt, wie großartig die Vergebung und das Neue Leben ist, das Jesus Christus uns schenkt. Das muss man schmecken und sehen, erleben und fühlen. Denn dann kann man aus vollem Herzen einstimmen: Wohl dem, der auf ihn trauet!

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • addAndacht für Mittwoch, 18. November 2020

    vor ein paar Tagen war ich dabei, mit beruflichen Partnern aus verschiedenen Orten Deutschlands einen Termin auszumachen für ein Treffen über den Computer, so wie das heutzutage öfter gemacht wird. Zur Auswahl stand der heutige Mittwoch und der morgige Donnerstag. Die meisten Angefragten hätten an beiden Tagen Zeit gehabt. Eine Kollegin jedoch, die in Sachsen ist, meldete zurück: Am Mittwoch geht nicht, da ist bei uns Feiertag! Ja, heute ist Buß- und Bettag, seit 1995 ist er allerdings nur noch in Sachsen auch ein arbeitsfreier Tag.

    Da, wo heute ein Gottesdienst gefeiert wird, was ja auch möglich ist, wenn der Tag kein freier Feiertag ist, wird über den Textabschnitt Jesaja 1,10-18 gepredigt. Den lese ich nicht ganz, nur in Auszügen:

    10 Höret des HERRN Wort, (…)! Nimm zu Ohren die Weisung unsres Gottes, du Volk (…)! 11 Was soll mir die Menge eurer Opfer?, spricht der HERR. (…) 14 Meine Seele ist Feind euren (…) Jahresfesten; sie sind mir eine Last, ich bin's müde, sie zu tragen. 15 Und wenn ihr auch eure Hände ausbreitet, verberge ich doch meine Augen vor euch; und wenn ihr auch viel betet, höre ich euch doch nicht; (…) 16 Wascht euch, reinigt euch, tut eure bösen Taten aus meinen Augen, lasst ab vom Bösen! 17 Lernt Gutes tun, trachtet nach Recht, helft den Unterdrückten, schafft den Waisen Recht, führt der Witwen Sache!

    Soweit Jesaja. Wir hören: Er spricht nicht Gottlose an, sondern solche, die vorgeben, Gottes Volk zu sein. Heute sprechen diese Worte zu uns als Christen, nicht zu irgendwelchen, die das gar nicht sein wollen! Jesaja ruft im Auftrag Gottes zur Umkehr, zur Neubesinnung. Er ruft dazu auf, es echt zu meinen, nicht zu heucheln. Ganz klar die Worte: Gott ist nicht an Äußerlichkeiten interessiert, an unserem frommen und christlichen Reden, an unserem So-tun-als-ob. Darauf kann er gern verzichten. Er wünscht sich, dass es uns wirklich um ihn geht, um die Liebe zu ihm und  unserem Nächsten. Wo diese Liebe in uns lebendig ist, werden wir manche Dinge lassen, andere dafür tun, fast automatisch. Wo diese Liebe nicht in uns ist, können wir so fromm tun, wie wir wollen, Gott kann sich darüber nicht freuen.

    Der heutige Tag ist eine Gelegenheit, dass wir uns überlegen: Ist mein Herz wirklich ganz bei meinem Schöpfer, meinem Retter, meinem Vater, meinem Bruder Jesus? Lebe ich seine Liebe? Oder pflege ich äußerlich zwar ein korrektes christliches Leben, im Grunde aber mache ich fröhlich, was mir passt und gefällt? Gott will und kann schenken, dass wir echt werden, wo wir es nicht sind. Er kann uns helfen, uns neu auszurichten an ihm.

    Buße oder Umkehr ist nichts Negatives, sondern etwas Gutes. Denken Sie an das neue Eichen von einem Messinstrument oder an das Stimmen eines Klaviers, das hinterher wieder ganz harmonisch klingt. Nicht mehr und nicht weniger ist das Anliegen des Buß- und Bettags heute.

    Und wo wir frustriert sind, weil wir uns zum X. Mal eingestehen müssen, dass wir gar nicht so echt sind, wie wir gern nach außen tun, dass wir oberflächlich sind und lieblos, da gilt der Zuspruch Gottes, der als letzter Vers im Predigttext heute steht und den ich vorhin unterschlagen habe: 18 So kommt denn und lasst uns miteinander rechten, spricht der HERR. Wenn eure Sünde auch blutrot ist, soll sie doch schneeweiß werden, und wenn sie rot ist wie Scharlach, soll sie doch wie Wolle werden. Ein Gott, der uns so liebevoll kommt, macht es uns doch wirklich leicht, noch einmal umzukehren, noch einmal neu anzufangen.

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • addAndacht für Dienstag, 17. November 2020

    Um meines Namens willen halte ich meinen Zorn zurück, und um meines Ruhmes willen bezähme ich mich zu deinen Gunsten, dass ich dich nicht ausrotte.                   Jesaja 48,9

    Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf, der Begründer der Herrnhuter Brüdergemeine, von der auch die Losungen kommen, lebte im 18. Jahrhundert. Gleichzeitig lebte in Württemberg einer der Pietistenväter, Johann Albrecht Bengel. Die beiden taten sich schwer miteinander. Insbesondere den Umgang mit der Bibel, der in Herrnhut mit den Losungen gepflegt wurde, fand der Schwabe problematisch: Die Bibel ist doch kein Spruchkästlein, wo man sich rauszieht, was man will, soll er gesagt haben. In der Tat gibt es bis heute Menschen, die so mit der Bibel umgehen: Sie picken sich nur die Bibelverse raus, die ihnen »reinlaufen«, die ihnen angenehm sind oder hilfreich erscheinen – und die anderen, v.a. die Unbequemen, die lassen sie links liegen. Da hatte Bengel schon recht: Die ganze Bibel ist Gottes Wort, nicht nur das, was ich mir davon rauspicke.

    Doch auch der Graf Zinzendorf ist den schweren Bibelworten nicht ausgewichen. Zu ihnen könnte auch dieses Losungswort gehören. Da ist vom Zorn Gottes die Rede, der, wenn er uns trifft, dafür sorgt, dass wir ausgerottet werden. So hart das ist – das muss uns auch gesagt werden. Denn auch das gehört zur geistlichen Wirklichkeit, in der wir leben: Ja, es gibt einen Zorn Gottes. Ja, es gibt ein Gericht Gottes. Ja, es gibt auch ein Verlorengehen und eine Hölle.

    Doch das ist ja nicht die ganze Botschaft dieses Verses. Um seines heiligen Namens willen verfährt Gott mit seinem Volk, ja mit allen Menschen, eben nicht so, wie man es eigentlich erwarten könnte: Dass er uns vernichtet und einfach noch einmal mit anderen neu anfängt. Nein, er hält seinen Zorn zurück. Er rottet uns nicht aus. Er legt vielmehr die Strafe, das ganze Verdammungsurteil, das uns treffen müsste, auf seinen geliebten Sohn. Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selbst. Letztlich nimmt Gott seinen Zorn auf sich selbst und trägt ihn weg. Er will nicht ausrotten, er will vielmehr retten. Deshalb lädt er uns durch den gekreuzigten und auferstandenen Christus so herzlich ein: Lasst euch versöhnen mit Gott! Das, und genau das ist es, was unseren Glauben so besonders macht: Dieses Staunen über den Gott, der unsere Strafe auf sich selbst nimmt. Und aus diesen Staunen sollten wir niemals wieder heraus kommen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Montag, 16. November 2020

    Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst; ich bin der HERR.       3. Mose 19,18

    Gott sagt klar, was er von uns erwartet. Er sagt uns, wie er als der Schöpfer unseres Lebens sich unser Zusammenleben gedacht hat. Und da gehören zwei Dinge untrennbar zusammen. Wir sollen uns selber annehmen, uns selber lieben in einer gesunden Art und Weise. Nicht in Selbstverliebtheit, Nicht in eigensüchtiger Weise, dass wir immer unseren eigenen Vorteil suchen. Sondern eben genau so, dass wir wissen, was uns gut tut, was wir brauchen – und dabei auch noch den anderen mit im Blick haben. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Was ihnen selber gut tut, das meinen die meisten Menschen ganz genau zu wissen. Doch nun lädt uns Gott ein, nicht nur für uns zu sorgen und danach zu streben, was uns guttut, sondern im gleichen Maße auch für den Nächsten, die Nächste: Was tut meinem Nächsten, meiner Nächsten gut? Was braucht sie, damit es ihr gut geht. Ich will sie auch mit im Blick haben. Und zwar im gleichen Maß, wie ich mein eigenes Wohlergehen im Blick habe. Das heißt: den Nächsten lieben wie sich selbst.

    Nun gehört das Wort Liebe leider zu den Begriffen, die man erklären muss. Liebe ist ein Containerbegriff: Da verstehen Menschen alles Mögliche darunter. Deshalb macht Gott in den Versen, die unserer Losung vorausgehen, deutlich, was er unter Nächstenliebe versteht. Es lohnt sich diese Verse im 3. Mosebuch Kapitel 19 einmal selbst zu lesen. Deutlich wird, dass Nächstenliebe das pure Gegenteil von Gleichgültigkeit ist. Den anderen einfach leben zu lassen oder machen zu lassen, was er will, das hat mit Nächstenliebe nicht viel zu tun. Die Nächstenliebe weiß sich mit dem anderen eng verbunden. Und sie weiß, dass es mir nur dann gut gehen kann, wenn es meinem Nächsten auch gut geht. Deshalb sollen wir unseren Nächsten nicht bedrücken, nicht berauben, ihm nicht schuldig bleiben, was wir ihm schuldig sind, ihn nicht ungerecht behandeln, ihn nicht verleumden und ihn nicht hassen. Es wäre so viel gewonnen, wenn wir an jedem Tag nur ein kleines Stück von dem, was Gott von uns will, mit seiner Hilfe umsetzen und das Wirklichkeit werden lassen was er sich wünscht: Du sollst deinen nächsten lieben wie dich selbst.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 09.11. bis 15.11.

  • addAndacht für den Vorletzten Sonntag im Kirchenjahr, 15. November 2020

    Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi.                              2. Korinther 5,10a

    Diese Frage beschäftigt wohl alle Menschen: Wie ist das mit dem Sterben? Was kommt danach? Das kann uns kein Mensch beantworten – denn nur der Eine, der ganz wahrer Mensch ist und zugleich ganz wahrer Gott, der war tot uns ist wieder lebendig geworden. Der kann es uns beantworten. Von ihm weiß der Apostel Paulus das, was er uns im Wochenspruch schreibt, was uns übrigens auch sonst die Bibel bezeugt: Wir müssen offenbar werden; wir stehen vor Gericht.

    Sterben – das ist eben bloß wie eine Schiebetür zwischen Wohnzimmer und Esszimmer, bloß zwischen Diesseits und Jenseits, wo es nahtlos weitergeht. Oder wie ein Grenzübertritt, den man im Schengen-Raum kaum mehr wahrnimmt. Oder wo man seinen Ausweis vorzeigt und dann weiter­fah­ren darf. Paulus sieht da auch einen Richterstuhl. Den Richterstuhl Christi. Und an diesem Richter­stuhl kommt keine und keiner von uns vorbei. Da wird alles aufgedeckt werden. Da wird nichts verborgen bleiben. Denn das braucht es. Die Lebenslügen und Halbwahrheiten werden enttarnt und ausgeräumt, damit sie uns nicht eine Ewigkeit lang begleiten. Was nicht für die Ewigkeit taugt, muss zurückbleiben. An anderer Stelle spricht Paulus vom Feuer, in dem es verbrennt. Doch dann ist es weg.

    Wichtig ist: Der Richter, der da auf dem Richtstuhl sitzt, der ist zugleich unser Retter. Der Retter, der an seinem Kreuz unser Verdammungsurteil getragen hat. Der für unsere Schuld gestorben ist. Wer bei Jesus Christus steht, wer mit ihm lebt und ihm vertraut, der wird im Gericht Gottes freige­spro­chen werden. Freigesprochen nicht mangels Beweisen, sondern trotz Beweisen: So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind. Wer an Jesus glaubt, ist gerettet, das steht fest. Doch vor dem Richterstuhl Christi müssen wir offenbar werden, muss alles auch aus unserem Leben als Christ ausgeräumt werden, was nicht in die Ewigkeit passt. Das mag schmerzen, doch das heilt. Es bringt zurecht. Es schafft den bitter nötigen Ausgleich, den so viele Menschen heute bitter vermissen. Es wird alles auf den Tisch kommen. Es bleibt nichts verborgen. Für Christen ist der Richter zugleich der Retter.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Samstag, 14. November 2020

    HERR, wie sind deine Werke so groß! Deine Gedanken sind sehr tief.                   Psalm 92,6

    Immer wieder begegnet uns dieses Phänomen in den Psalmen. Da denken Menschen – im Gespräch mit Gott, im Gebet – über Gott nach, schauen hellwach mit ihren Augen die Welt und ihr Leben an und kommen dann ins Staunen und aus dem Staunen nicht mehr heraus.

    Egal, wohin man schaut: Mit dem Fernrohr, dem Teleskop in die Weiten des Universums – oder mit dem Mikroskop in die kleinsten Strukturen, die man mit bloßem Auge nicht sehen kann. Überall eine wunderbare Ordnung. Spuren des Schöpfers. Werke Gottes. HERR, wie sind deine Werke so groß! Deine Gedanken sind sehr tief. Gäbe es keine Ordnung, keine Konstanten, könnten wir Menschen die Natur überhaupt nicht erforschen. Doch da ist Ordnung, da sind Konstanten. Und wir sind mit dem Ausforschen noch lange nicht zu Ende. Ich bin überzeugt: Das Staunen wird bleiben, je mehr wir Menschen forschen. Je mehr wir die wunderbar geordneten Zusammenhänge erkennen.

    Natürlich kann man immer noch an Zufall glauben. Das war zu allen Zeiten so. Auch schon zu Zeiten dieses Psalms. Auf das Staunen in unserer Losung folgt unmittelbar die Feststellung: Ein Törichter glaubt das nicht, und ein Narr begreift es nicht. Das alles, was wir in der Natur beobachten können, das sind eben keine Beweise für die Existenz Gottes, sondern Hinweise. Und einem Törichten oder Narren etwas klar zu machen, was scheinbar doch allen klar sein sollte, ist wohl vergebliche Liebesmüh. Schauen Sie nur in die USA auf einen Noch-Präsidenten, der das Offensichtliche einfach nicht einsehen wollte.

    Bleiben wir im Staunen. Im Staunen über Gott. Und bleiben wir dabei, es ihm zu sagen im Gebet. Dem großen Gott, dessen Werke so groß sind, sind wir kleine Menschen nicht zu klein. Gerade das macht seine Größe doch auch aus: Dass er uns nicht übersieht, dass er uns ganz genau kennt. Dass er unser Leben, unser Herz kennt. Dass er ganz genau weiß, wie es uns geht und dass er uns in Jesus einlädt: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken. Der große Gott, der auch im Kleinsten seiner Geschöpfe am Werk ist, den wollen wir loben und ihm vertrauen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Freitag, 13. November 2020

    Ich will Wasser gießen auf das Durstige und Ströme auf das Dürre: Ich will meinen Geist auf deine Kinder gießen und meinen Segen auf deine Nachkommen.                     Jesaja 44,3

    Wenn Gott sagt »Ich will«, dann hat das eine ganz andere Wirkung als wenn wir das sagen. Unsere Möglichkeiten sind immer begrenzt. Wir können zwar Absichtserklärungen abgeben. Aber: Ob das, was wir uns vorgenommen haben, dann auch zur Tat wird, das haben wir nicht in der Hand. So viel kann anders laufen und unsere Pläne durchkreuzen. Wie viele Planungen hat Corona in diesem Jahr nicht schon über den Haufen geworfen.

    Aber wenn unser Gott sagt: Ich will, dann wir das zur Tat. Dann setzt er es um. Gleich zweimal sagt Gott „Ich will“ in diesem Vers. Es lässt sich zusammenfassend sagen: Gott will das Gute für uns. Gott will unser Heil. Gott will retten, Gott will die Not wenden. Gott will aus dem, was wir nicht ertragen: Durst und Dürre – etwas überfließend Gutes machen: Ich will Wasser gießen auf das Durstige und Ströme auf das Dürre. Wasser hat eine enorme Bedeutung für unser Leben. In einem zu einem guten Teil von Wüste bedeckten Land wie Israel ist das noch viel deutlicher erkennbar: Dort, wo Wasser fließt, dort ist es grün, dort ist Lebensraum. Nun ist vom Wasser und von den Wasserströmen aber im übertragenen Sinn hier die Rede. Die Botschaft ist: Gott belebt das, was vertrocknet ist. Gott kann selbst dort Leben geben, wo scheinbar alles tot ist.

    Und dann wird Gott noch deutlicher. Wie soll das gehen? Ich will meinen Geist auf deine Kinder gießen und meinen Segen auf deine Nachkommen. Gottes guter Heiliger Geist – das ist der Lebendigmacher. Durch Jesus Christus hat Gott dieses Versprechen erfüllt und ist immer noch dabei es zu erfüllen. Dort, wo Gottes guter Geist in ein Leben hineinfließt und seine Wirkung entfaltet, dort blüht unser Leben auf. Dort kommt es zum Glauben, zu einem herzlichen Vertrauen in Gottes Güte. Dort kann unser Leben zu dem werden, was Gott sich für uns ausgedacht hat. Und wir dürfen Gott bitten, uns immer mehr und immer wieder mit seinem lebendigmachenden Geist zu erfüllen. Denn eines ist sicher: Wer so betet, der betet ganz im Sinne dieses Versprechens. Gott wird es tun.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Donnerstag, 12. November 2020

    Wir, dein Volk, die Schafe deiner Weide, danken dir ewiglich und verkünden deinen Ruhm für und für.                                             Psalm 79,13

    »Gott loben, das ist unser Amt« so beschließt David Denicke in der Folge von Cornelius Becker im 17. Jahrhundert eine der Liedstrophen in dem Lied »Nun jauchzt dem Herren, alle Welt« (EG 288,5). Dabei geht es um zwei Richtungen, die uns das Losungswort zeigt: Da ist zum einen die Richtung zu Gott hin. »Sagt Gott, wie gut er ist« könnte man sagen. Dankt ihm, lobt ihn. Zum Danken gibt es Grund – für Israel, aber auch für uns. Viel Grund: Gott hat uns zu seinem Volk gemacht, zu Schafen seiner Weide. Im Psalm 100 stellt der Psalmbeter fest: »Er, [der HERR, unser Gott], hat uns gemacht und nicht wir selbst zu seinem Volk und zu Schafen seiner Weide.« Ist es bei uns als Christen anders? Nein, Jesus Christus hat uns zu sich hingezogen, hat uns erwählt und uns gerufen in seine Nachfolge. Christsein ist mehr als die Tradition, die mir die Eltern mitgegeben haben. Christsein heißt: In einer ganz persönlichen Beziehung zu Gott zu leben. Da kann mich kein Mensch vertreten. Da kann ich mich auch nicht auf meine Eltern berufen. Gott hat keine Enkelkinder, sondern immer nur Kinder. Er will uns, will mich und dich haben. Wir dürfen zu seinem Volk gehören. Und das zählt. Dafür wollen wir ihm ewiglich danken. Das ist die eine Richtung.

    Doch nun kommt die zweite: und verkünden deinen Ruhm für und für. Auch die anderen sollen es hören und erfahren, wie gut Gott ist. Zum Glauben im biblischen Sinne gehört immer auch, dass er mein ganzes Leben prägt. Dass er meine Beziehungen prägt. Und dass ich, wo sich mir eine Gelegenheit bietet, auch andern gegenüber davon erzähle, was ich mit Gott erlebt habe. Ich muss nicht streiten, wenn jemand mir nicht glauben will; Ich muss nicht argumentieren und schon gar nicht Gottes Existenz beweisen. Aber ich darf und will erzählen: Ich habe Gottes Hilfe, ich habe Gottes Rettung erlebt. Davon will ich nicht schweigen. Denn von ihm und mit ihm, meinem Gott, der mir in Jesus Christus ganz nahe gekommen ist und für mich alles getan hat, möchte ich leben. Und das sollen auch andere wissen dürfen. In diesem Sinn ist der Glaube wirklich alles andere als Privatsache.

     

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Mittwoch, 11. November 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    „besser arm und gesund als reich und krank“. „Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.“ Sie kennen solche Vergleichssätze, in denen sich viel Lebensweisheit widerspiegelt. Denen man auf der Stelle zustimmt, weil sie einfach einleuchten.

    Auch die Bibel greift solche Vergleiche immer wieder einmal auf und gibt sie uns zum Nachdenken weiter. In den Sprüchen des weisen Königs Salomo steht die Losung für heute. „Besser wenig mit der Furcht des Herrn als ein großer Schatz, bei dem Unruhe ist.“ Der Satz wird uns vielleicht nicht sofort begreiflich, weil wir da das missverständliche Wort „Furcht“ hören. Mit „Furcht“ ist so etwas wie „Ehrfurcht“ gemeint oder noch genauer: respektvolles Anerkennen, dass Gott der Herr ist und die Dinge in der Hand hat. Wo ich ihn anerkenne als den Herrn der Welt und als den Herrn über mein Leben, da werde ich ruhig. Da weiß ich mich geborgen, auch wenn ich nicht viel besitze. „Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde,“ sagt ein betender Mensch in Psalm 73. In Gottes Nähe sein, ist mehr als Besitz.

    Unser Tagesvers stellt heraus, dass das Anerkennen Gottes mehr ist „als ein großer Schatz, bei dem Unruhe ist.“ In der großartigen Geschichte „Der Herr der Ringe“ wird hervorragend erzählt, wie derjenige, der den wertvollen Ring besitzt, umgekehrt von diesem Ring in Besitz genommen und von Unrast und Unruhe erfüllt wird, getrieben von der Angst, diesen Ring zu verlieren, von jemandem bestohlen zu werden. Also, besser ist es zu wissen und dankend anzuerkennen, dass Gott die Dinge in der Hand hat als meinen, sich mit Besitz absichern zu können.

    Auch Jesus hat immer wieder eindringlich davor gewarnt, sich auf Besitz zu verlassen. Und hat das ebenfalls mit einem drastischen und starken Vergleich gesagt: „Was hilft es dem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen und Schaden zu nehmen an seiner Seele?“ (Mk 8,36). Aller Besitz nützt nichts, wenn der Preis dafür ist, sich selbst zu verlieren, die Beziehung zu dem zu verlieren, der uns gemacht hat.

    Die drastischen Vergleiche der Bibel wollen uns ins Nachdenken bringen und Anstoß sein, dass wir auch im kleinen Alltag überlegen: ist das, wofür ich mich jetzt und heute einsetzen will, wirklich meine ganze Aufmerksamkeit und Lebenskraft wert? Oder ist mein Leben, meine Zeit, das, was ich bin, an ganz anderer Stelle gefragt?

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • addAndacht für Dienstag, 10. November 2020

    Wende dich zu mir und sei mir gnädig; stärke dienen Knecht mit deiner Kraft!                Psalm 86,16

    Was brauchen wir zum Leben? Was ist die Hauptsache? Das Gebet im Psalm 86 ist von einer ganz tiefen Sehnsucht erfüllt. Es ist ein Gebet Davids – so steht es in der Überschrift. In der Lutherbibel ist es überschrieben: Gebet in Bedrängnis. Und so beginnt der Psalmbeter auch gleich damit, wie es ihm geht: denn ich bin elend und arm. Was wünscht er sich? Was braucht er?

    Nahrung brauchen wir als Menschen. Und Sicherheit. Ein Dach über dem Kopf. Gesundheit wünschen wir uns. Doch all das ist noch nicht der Kern der Bedürftigkeit. David betet: … nach dir, Herr, verlangt mich. (V. 4). Der Mensch lebt eben nicht vom Brot allein, wie Jesus gegenüber dem Versucher aus 5. Mose 8 zitiert (Mt 4,45; 5Mo 8,3). Und das salopp dahingesagte »Hauptsache gesund« geht eben haar­scharf an der Hauptsache vorbei. Die Hauptsache für unser Leben als Geschöpfe des ewigen Gottes ist die Beziehung zu unserem Schöpfer.

    Gottes Zuwendung erbittet David deshalb: Wende ich zu mir und sei mir gnädig. Gottes Gnade. Um Gottes Stärkung bittet David und zwar um Stärkung mit Gottes Kraft – Gottes Kraft, die weit über meine Kraft und meine Möglichkeiten hinausreicht. Da spricht Sehnsucht aus diesen Worten. Da spricht Bedürftigkeit, Abhängigkeit. Doch genau darauf kommt es für unser Leben an: Dass wir Gott gegenüber bedürftig sind und bleiben; dass wir ihn um seine Zuwendung bitten. Dass wir von seiner Gnade leben. Und dass wir von ihm Kraft und Stärke erfahren. »Wir sind Bettler, das ist wahr« soll Martin Luther auf seinem Sterbebett gesagt haben. Wir sind Bedürftige und wir sind Empfangende. Wir sind und wir bleiben Beschenkte. Denn das Entscheidende im Leben, das bekommen wir geschenkt von ihm. Deshalb lohnt es sich, zu bitten, bedürftig und verlangend zu bleiben.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • addAndacht für Montag, 9. November 2020

    Ich ließ mich von denen suchen, die nicht nach mir fragten, ich ließ mich finden von denen, die mich nicht suchten.                                                   Jesaja 65,1

    Gott tut über Bitten und Verstehen. Das ist eine genauso wichtige wie tröstliche Erkenntnis. Manche Menschen behaupten, Gott könne uns nur geben, was wir von ihm erwarten. Es komme also auf unsere Erwartung an. Die Botschaft unserer Losung ist eine ganz andere: Gott überrascht uns mit seiner Nähe und seiner Güte.

    Gnade nennt die Bibel das. Gnade, das ist unverdiente, ja oft auch unerwartete Zuwendung. Gott lässt sich finden. Gott kommt uns ganz nah. Wenn jetzt die Weihnachtsbeleuchtungen schon wieder vorinstalliert werden, Stollen und Lebkuchen und Schokoladen-Nikoläuse in den Regalen sich wieder türmen, dann dürfen wir auch einen Blick voraus werfen auf das Weihnachtsfest. Da wird das nämlich noch einmal in ganz besonderer Weise konkret, was Gott durch Jesaja verkünden lässt. Ich ließ mich von denen suchen, die nicht nach mir fragten. Die Weisen aus dem Morgenland – sie kannten den Gott Israels höchstens vom Hörensagen. Doch sie suchten nach dem neugeborenen König, dem Gotteskind. Und die Hirten auf dem Feld, die fanden ihn, obwohl sie nicht suchten.

    So ist unser Gott. Er will sich finden lassen Er will uns begegnen. Er will sich mit uns verbinden. Darum wird er Mensch. Darum kommt er herab von seinem ewigen Thron. Darum lädt Jesus uns ein: Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid. Da bei ihm, bei Jesus, da ist die Gottessuche beendet. Da werden wir fündig. Georg Weissel, der Dichter von »Macht hoch die Tür« dichtete: »Ach, sucht doch den, lasst alles stehn, die ihr das Heil begehret; er ist der Herr, und keiner mehr, der euch das Heil gewähret. Sucht ihn all Stund von Herzensgrund, sucht ihn allein; denn wohl wird sein dem, der ihn herzlich ehret.«

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 02.11. bis 08.11.

  • addAndacht für den Drittletzten Sonntag des Kirchenjahrs, 8. November 2020

    Selig sind die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen.                  Matthäus 5,9

    »Frieden stiften« ist ein lohnendes Geschäft. Das wird in diesem Wochenspruch deutlich. Es wird belohnt, sogar überreich. Wenn wir ehrlich sind, dann wissen wir aber auch: »Frieden stiften«, das ist ein mühsames, ein anstrengendes Geschäft. Da gilt es gegen Widerstände zu kämpfen. Auch gegen innere Widerstände. Je näher die Beziehungen uns sind, in denen wir Frieden stiften wollen, um so schwerer wird es: im allernächsten Umfeld, in der eigenen Familie, unter Geschwistern, zwischen Eltern und Kindern, zwischen Eheleuten. Oder – auch das macht es uns sehr anschaulich – hinterm Steuer, im Straßenverkehr, wenn mir jemand frech die Vorfahrt nimmt. »Frieden stiften« heißt oft ganz einfach: auf das so Naheliegende bewusst verzichten: z.B. auf das »wie du mir, so ich dir« oder »das kann ich mir doch nicht gefallen lassen«. Es heißt, gegen die Angst vor dem Zu-Kurz-Kommen, in uns selbst anzukämpfen. Das ist und bleibt eine Herausforderung, an der wir ein Leben lang zu arbeiten haben und wohl immer wieder auch versagen werden.

    Lassen wir uns nicht entmutigen. Schauen wir auf den, der hier spricht. Auf Jesus Christus, den großen Friedensstifter überhaupt. Auf den, der nicht auf sein Recht pochte. Auf den, der sich sein Leben aus der Hand nehmen ließ. Der sich für uns schlagen und ans Kreuz nageln ließ. Auf den, der schon von Ewigkeit her Gottes Kind, Gottes Sohn war, der das nicht erst werden muss. Aber der uns zu Gottes Kindern macht. Mit ihm verbunden, durch ihn zu Gottes Kindern gemacht, wollen wir an dieser Aufgabe dranbleiben: Frieden zu stiften; anders zu reagieren. Dem Hass mit Liebe zu begegnen. Ich bin mir sicher, wo wir ihn bitten, uns zu zeigen, wo das heute geschehen kann, da wird er es uns zeigen und tun. Und wenn es uns schwerfällt, es dann umzusetzen, dann ist er nur ein Gebet weit entfernt.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Samstag, 7. November 2020

    Als meine Seele in mir verzagte, gedachte ich an den HERRN, und mein Gebet kam zu dir.

    Jona 2,8

    Jonas Gebet – so ist das 2. Kapitel des Jona-Buches überschrieben. Wir erinnern uns: Das ist der Prophet, den Gott nach Ninive schicken wollte. Und der nicht wollte. Der sich auf die Flucht vor Gott begab. Doch mitten auf dem Meer holt Gott ihn ein. Er wird ins Meer geworfen. Und dann heißt es nur: Aber der HERR ließ einen großen Fisch kommen, Jona zu verschlingen. Und Jona war im Leib des Fisches drei Tage und drei Nächte. Dort, im Leib des Fisches, hat dieses Gebet seinen Ort. Dort, wo es scheinbar keinen Ausweg mehr gibt. Dort, wo die Seele verzagt, zurecht verzagt.

    Was macht unsere Seele verzagt? Was lässt uns resignieren? Was nimmt uns den Mut, vielleicht sogar den letzten Mut? Welche Türen sind hinter uns unwiderruflich ins Schloss gefallen? Egal, was es ist: Wir dürfen es machen wie Jona: Als meine Seele in mir verzagte, gedachte ich an den HERRN. Gott ist immer noch da. Selbst in der finstersten Gefängniszelle in Philippi, wo Paulus und Silas gefangen sind. Man hat sie hart geschlagen, Hände und Füße in den Block gelegt. Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott. Diese Tür ist immer noch offen – die Tür zu unserem Vater im Himmel.

    Mit allem, was uns bewegt, was uns bedrückt und beschwert, was unsere Seele ängstet und verzagt macht, dürfen wir zu ihm kommen. Und mein Gebet kam zu dir bekennt Jona. Es kommt wirklich zu Gott. Es bleibt nicht an der Zimmerdecke hängen; es wird nicht im Vorzimmer abgefertigt. Es kommt zum König aller Könige, zum Herrn aller Herren. Er hört’s. Er weiß um meine Situation. An höchster Stelle ist bekannt, wie es mir geht. Und da wird mir geholfen. Vielleicht nicht immer gleich und vielleicht nicht immer so, wie ich mir das vorstelle. Doch Gott wird meine Seele bewahren. Und am Ende steht: Er hat alles wohl gemacht.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Freitag, 6. November 2020

    Ich bin der HERR, und sonst keiner mehr, der ich das Licht mache und schaffe die Finsternis, der ich Frieden gebe und schaffe Unheil. Ich bin der HERR, der dies alles tut.                              Jesaja 45,6-7

    »Wir sollen Gott fürchten und lieben« so beginnt Martin Luther nicht ohne Grund alle seine Erklärun­gen im Kleinen Katechismus zu den Geboten. Denn beides gehört zur Gottesbeziehung dazu. Werden wir nicht zu schnell zu einseitig in unserer Gottesvorstellung. Schauen wir nicht zu kurz. Gott ist anders als wir denken. Gott ist ein Gott der Liebe. Er ist die Liebe in Person. Was Liebe überhaupt erst definiert, ist Gottes Wesen und Gottes Handeln an uns.

    Doch nun erleben glaubende Menschen eben auch anderes. Nicht nur Frieden, sondern auch Unheil. Nicht nur Licht, sondern auch Finsternis. Ist da Gott etwas aus dem Ruder gelaufen? Hat Gottes Macht da etwa versagt? Nein, ganz sicher nicht. Das macht dieses Losungswort deutlich. Wer an die Allmacht Gottes glaubt, muss auch glauben, dass Gott das Unbegreifliche, das Schwere, das Unerklärbare zumindest zugelassen hat. Hier stellt Gott sich uns sogar als der vor, der das Unheil schafft. Spätestens jetzt stehen wir mit unserem Verstand vor einem unlösbaren Rätsel.

    Doch auch diese Erfahrung gehört zur Lebensgeschichte von glaubenden Menschen: Dass sie Gottes Handeln nicht begreifen und erklären können. Dass Sie Finsternis durchleiden und Unheil erleben, das sie sich nicht erklären können. Unsere Denkmuster von Lohn und Strafe greifen allesamt zu kurz – ja sie sind an dieser Stelle sogar gefährlich, weil sie uns auf eine falsche Fährte locken. So einfach ist das nicht. Es bleibt dabei: Solange wir auf dieser Welt leben bleibt Gott immer auch der Unerklär­liche, der Rätselhafte, vor dem wir uns zurecht fürchten.

    Doch zugleich stellt er sich uns mit Namen vor, damit wir in all dem, was wir nicht verstehen, zu ihm fliehen können. So wie jemand betete: »Gott, ich verstehe dich nicht, aber ich vertraue dir.« Und in Jesus Christus zeigt Gott uns sein Gesicht. Und da verspricht er uns: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen. Also bleiben wir dabei: Wir sollen Gott fürchten und lieben.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Donnerstag, 5. November 2020

    Von all dem Guten, das der HERR dem Haus Israel zugesagt hatte, war nichts dahingefallen; alles war eingetroffen.                                                                                  Josua 21,45

    Auf turbulente Zeiten folgt für das Volk Israel endlich die Ruhe. Sie sind angekommen. Sie sind im gelobten Land. Die Sehnsucht nach einem geordneten Leben, nach befriedeten Verhältnissen

     ist endlich erfüllt. Sie haben alles, was sie brauchen. Doch wie kam es dazu? War es Zufall? War es kluges, politisches Handeln? Das Buch Josua ist sich sicher: Es war Gottes Wirken. Gott steckt dahinter. Natürlich bedient er sich dabei auch Menschen, die in seinem Sinne handeln. Doch auf sie allein lässt sich das alles nicht zurückführen. Da war Gott mit im Spiel.

    Wir stecken derzeit noch mitten in turbulenten Zeiten. Tag 4 im politisch verordneten tristen November – ohne so vieles, was uns lieb und vertraut ist. Warum das sein muss, ist uns klar: Nur durch Kontaktbeschränkungen lässt sich die Übertragung eines für viele Menschen lebensgefähr­lichen Virus verhindern. Gott sagt auch uns – genau wie dem Volk Israel – mitten in den turbulenten Zeiten Gutes zu. Und auch von dem Guten, das er uns zusagt, wird nichts dahinfallen. Derzeit planen wir unsere Bibeltage am 16. und 17. November. Pfarrer Dr. Hartmut Schmid, der Vorsitzende des Liebenzeller Gemeinschaftsverbandes wird – so Gott will – über das Gute sprechen, das Gott uns zusagt. Es ist die Botschaft, die ganz am Ende der Bibel steht: Dass Gott zum Ziel kommt. Dass Jesus Christus, unser Herr, wiederkommt. Dass wir für immer bei ihm sein dürfen, wenn er einen neuen Himmel und eine neue Erde heraufführt.

    Menschen, die von diesem Guten, das sie erwarten, erfüllt sind, können hoffnungsvoll leben. Paulus kann schreiben: Ich bin gewiss, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der überschwänglichen Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll (Röm 8,18). Die Hoffnung stellt die Gegenwart – und mag sie noch so bedrückend und duster sein – in ein vollkommen anderes Licht. Leben wir doch mit und von dem Guten, das Gott uns schon geschenkt hat und noch schenken will. Das Gute hat bei Gott einen Namen: Jesus Christus.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Mittwoch, 4. November 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    vielleicht denken Sie unwillkürlich an den Advent, wenn Sie die heutige Tageslosung aus Zefanja 3(14-15) hören: „Jauchze, du Tochter Zion! Frohlocke, Israel! Freue dich und sei fröhlich von ganzem Herzen, du Tochter Jerusalem. Denn der Herr hat deine Strafe weggenommen.“

    Der Vers erinnert vom Wortlaut an das Adventslied „Tochter Zion, freue dich, jauchze laut, Jerusalem!“ Dieses Lied bezieht sich auf einen Vers aus Sacharja (9,9), also nicht auf unsere Tageslosung heute. Und doch passt beides zusammen. Der Grund für die Freude in der Losung heute ist: Der Herr hat deine Strafe weggenommen. Der Grund für die Freude im Adventslied ist: Dein König kommt zu dir. Der König Jesus. Und Jesus ist wiederum der, der Gottes Barmherzigkeit in Person ist. Er ist der, von dem Jesaja sagt: „Er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt“ (Jesaja 53,5).

    Darauf weist auch der zweite Vers für den heutigen Tag, der Lehrtext, hin: „Jesus Christus ist die Versöhnung für unsre Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt.“ (1. Johannes 2,2). Und das ist Grund zur Freude!

    Wirklich?

    Geht’s Ihnen wie mir? Ich sage und bekenne: Jesus vergibt mir, er springt für mich ein, für alles Versagen. Und doch löst das oft wenig echte Freude aus. Woran das liegt? Das kann ich nur für mich vermuten: Daran, dass mir eben manchmal doch das Vertrauen fehlt, dass Jesus wirklich für meine Schwachheit und mein Alltagsversagen da ist und es mir abnimmt, wo ich selber doch ungnädig mit mir bin? Dass ich versuche, mein Versagen innerlich mit dem aufzurechnen, was ich doch ganz gut hingekriegt habe und doch spüre, dass diese Bilanz doch eher zweifelhaft ist – denn kann ich eine Unfreundlichkeit gegen einen Mitmenschen dadurch ausgleichen, dass ich zu einem anderen besonders freundlich bin? Warum verlasse ich mich nicht lieber ganz und gleich auf Gottes Barmherzigkeit? Auf Jesus? Und entdecke dann, dass das riesengroße Freude auslöst?

    Im Losungsbüchle steht heute noch ein so schöner Gedanke von Leo Tolstoi, dass ich Ihnen den unbedingt noch vorlesen will: „Wer die Lehre Christi begreift, hat dasselbe Gefühl wie ein Vogel, der bis dahin nicht wusste, dass er Flügel besitzt und nun plötzlich begreift, dass er fliegen, frei sein kann und nichts mehr zu fürchten braucht.“

    Ich wünsche Ihnen und mir heute dieses plötzliche Begreifen!

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • addAndacht für Dienstag, 3. November 2020

    Freut euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt! Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid.                                 Jesaja 66,10

    Wie das Morgenrot am frühen Morgen, das das Ende der Nacht ankündigt, so ist dieses Bibelwort. Wie das Lied eines Vogels vor Tagesanbruch, der die Stille der Nacht durchbricht. Wenn man es so hört oder liest, dann könnte man meinen: Das ist auf dem Höhepunkt eines Festes gedichtet. So wie bei uns »Lobet den Herren, alle die ihn ehren« bei der Hochzeit oder der Konfirmation gesungen wird.  

    Doch die Gegenwart, aus der heraus der Prophet spricht, sieht ganz anders aus. Trümmer und Tränen gab es da. Ein völlig verhärmtes Häufchen Menschen in Jerusalem. In der politischen Großwetterlage kein Silberstreif am Horizont. Auf unsere Situation übertragen: steigende Infektionszahlen; Lockdown ohne Aussicht auf einen baldigen Impfstoff, Vereinsamung, Wirtschaftseinbruch, Existenzängste, Pleitewelle, Hamsterkäufe.

    Die Botschaft Jesajas für die in Trümmer liegende Stadt Jerusalem ist: Gott ist immer noch da! Auch in der Katastrophe und nach der Katastrophe. Auch in der Pandemie. ER lässt nicht los. Er hat uns seinen Bund nicht aufgekündigt. Er ist da und er will trösten. Wenige Verse später folgt das starke Bild, das vor einigen Jahren uns als Jahreslosung begleitete: ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.

    Das ist Kennzeichen des Glaubens, den Gott in uns weckt: Dass er hoffnungsvoll ist. Dass er mit Gott rechnet. Und dass er schon – mitten in der Not – von Gottes kommender Hilfe singen kann. Von diesem Glauben war dieser Prophet erfüllt. Ich wünsche uns, dass Gott auch uns mit diesem Glauben immer wieder neu erfüllt.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Montag, 2. November 2020

    Da ist kein Unterschied: Alle haben gesündigt und die Herrlichkeit Gottes verspielt. Gerecht gemacht werden sie ohne Verdienst aus seiner Gnade durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist.

    Römer 3,22-24

    Es geht dem Apostel Paulus schlicht um alles. Es geht ihm um das höchste Gut, das jeder Mensch zu gewinnen oder zu verlieren hat. Es geht um die Herrlichkeit Gottes. Machen wir uns klar: Dafür hat Gott uns geschaffen: Dass wir als seine Geschöpfe, als sein Gegenüber in einer harmonischen Beziehung mit ihm leben. In ungetrennter Gemeinschaft. Doch genau diese Gemeinschaft ist verloren gegangen. Gott hat klargestellt, was er von uns erwartet. Er hat dem Volk Israel seine klaren Gebote an die Hand gegeben. Die Richtschnur, nach der wir leben sollen. Die Richtschnur aber auch, an der Gott uns misst. Uns allen hat er eine solche Richtschnur durch unser Gewissen an die Hand gegeben.

    Und jetzt kommt’s, was so viele immer und immer wieder nicht wahrhaben wollen: Da ist keiner, der Gutes tue, auch nicht einer. Da ist keiner, auch nicht der in unseren Augen Frömmste und Anstän­digste, der dem entspricht, was Gott von uns eigentlich erwarten dürfte. Das ist eine grundevange­lische Erkenntnis: Wir können uns den Himmel nicht verdienen. Keine und keiner von uns. Wir schaffen das nicht. Gerecht gemacht, also: so gemacht, dass wir von Gott gerne angenommen werden, dass er uns in seine Herrlichkeit aufnimmt, werden wir ohne, dass wir es verdient hätten. Sondern: Allein aus Gnade – sola gratia – wie die Reformatoren bezeugten. Allein aus Gottes unverdienter Zuwendung und zwar – jetzt kommt die zweite grundevangelische Erkenntnis – durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist. Durch das, was Jesus für uns am Kreuz getan hat. Deshalb steht das Kreuz auf und in unseren Kirchen. Deshalb wird das »Wort vom Kreuz« landauf, landab und in allen Ländern dieser Erde gepredigt. Weil das unsere einzige Rettung ist. Weil es keinen anderen Weg zu Gott gibt. Sola gratia und solus Christus. Das ist der absolute Kern des Evangeliums von Jesus Christus: Welt ging verloren, Christ ist geboren – Christ ist erschienen, uns zu versühnen.

    Diese Gnade brauchen wir. Diesen Herrn brauchen wir. Wir und alle Menschen. Darum wollen wir uns dieser Gnade bewusst sein, in ihr leben – und auch anderen gegenüber davon reden. Was für ein Gott. Was für ein Herr! Was für eine Gnade.

    Pfarrer Andreas Streich

     

 

Woche vom 26.10. bis 01.11.

  • addAndacht für den 21. Sonntag nach Trinitatis, 1. November 2020 zum Wochenspruch

    Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.         Römer 12,21

    Das ist eine Einladung, eine Ermutigung, eine Aufforderung für uns, dass wir uns für das Gute entscheiden. Nicht immer, aber doch erstaunlich oft, lassen sich die Möglichkeiten, die Handlungsoptionen, die uns offen stehen, in zwei Kategorien einordnen: Gut und Böse. Diese Empfehlung steht in einem Abschnitt, in dem es um unser zwischenmenschliches Miteinander geht. Konkret: Wie reagiere ich als Christ auf Verletzungen durch andere Menschen? Auf böse Worte, auf bissige Bemerkungen, auf das Übergangenwerden. In uns steckt ein Reflex, eine natürliche Reaktion, die uns in solchen Situationen zuerst einfällt – oder sagen wir besser: überfällt – und die heißt: Zurückschlagen! Heimzahlen! Nichts gefallen lassen! Getreu dem Motto: Wie du mir, so ich dir! Und wo das nicht möglich ist, tragen wir einander das Böse nach. Gesund ist das nicht. Und gut ist das nicht.

    Darum lädt Paulus uns ein, in der Nachfolge von Jesus Christus, den anderen Weg zu gehen. Mit ihm und mit seiner Hilfe. Das Gute – das hängt unbedingt zusammen mit dem Guten. Mit dem, in dem uns Gottes Güte und Gottes Vollkommenheit in Menschengestalt begegnet: mit Jesus Christus. Das Böse mit Gutem überwinden. Das heißt deshalb zunächst einmal: Sich Gottes Güte, die uns in Jesus Christus geschenkt wird, gefallen zu lassen. Es uns einzugestehen: Jesus, alleine schaffe ich das nicht. Ich brauche dich. Ich brauche deine Vergebung, ich brauche deine Liebe, ich brauche deine Kraft, um anders reagieren zu können. Jesus verspricht uns: Wo wir mit ihm verbunden sind, wo er in uns bleibt und wir in ihm, da bringt unser Leben viel Frucht. Gute Frucht. Es gelingt nur in der Abhängigkeit von ihm. Doch dort kann es ganz unverkrampft gelingen, weil seine Güte uns prägt. Wer täglich staunt über die Vergebung, die uns Jesus schenkt, der wird nicht nur seine eigenen Fehler, sondern auch die des anderen in einem anderen Licht sehen. Der weiß auch um dessen Vergebungs- und Erlösungsbedürftigkeit.

    Und ein ganz wichtiger Weg, wie wir im Umgang mit anderem uns nicht vom Bösen überwinden lassen ist das Gebet genau für diesen Menschen. Die Stille vor Jesus, das Gespräch mit ihm, wird mir helfen, es anders zu sehen – und vor allem: anders zu reagieren. Wagen wir’s! Es ist eine lebenslange Herausforderung. Doch es lohnt sich.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • addAndacht für Samstag, 31. Oktober 2020

    Ich will des Morgens rühmen deine Güte; denn du bist mir Schutz und Zuflucht in meiner Not.

    Psalm 59,17

    Auf das Vorzeichen kommt es an. Das gilt für die Musik: Die Vorzeichen zeigen mir die Tonart an, in der ein Musikstück geschrieben ist. Ein Kreuz macht aus einem c ein cis – und damit einen halben Ton höher. Es wird schräg, wenn ich das nicht beachte. Auf das Vorzeichen kommt es an. Das gilt in der Mathematik: Ob ein Plus oder ein Minus vor der Zahl steht, das macht einen entscheidenden Unterschied – spätestens, wenn es sich dabei um den Kontostand handelt, wird uns das klar. Auf das Vorzeichen kommt es an. Das gilt auch für unser Leben.

    Wenn der Psalmbeter David morgens aufwacht, dann gäbe es genug Sorgen, um die sich seine Gedanken schon am frühen Morgen drehen könnten. Der Psalm 59 ist einer der Psalmen, über dessen Entstehungs-Umstände wir genau unterrichtet sind: als Saul hinsandte und sein Haus bewachen ließ, um ihn zu töten. Da ist ein Mensch in Lebensgefahr. Doch das ist nicht das entschei­dende Vorzeichen für diesen David. Er beginnt seinen Tag mit etwas ganz anderem: Ich will des Morgens rühmen deine Güte. So beginnt er seinen Tag. Nicht mit Katerstimmung, nicht mit sor­genvoller Miene, sondern mit dem Lob Gottes. Mit dem Lob der Güte Gottes. Gott ist mir gut – das ist sein Vorzeichen, das er vor alles stellt, was ihm an diesem Tag begegnen mag. Und dieses Vorzeichen stellt alles, was dann kommt, in ein anderes Licht.

    Deshalb fährt David fort: Du bist mir Schutz und Zuflucht in meiner Not. Nicht dass er die Augen vor der Not verschließen würde – wie könnte er auch. Nicht, dass er sie verdrängen würde. Aber er stellt sie unter dieses Vorzeichen der Güte Gottes. Ich will zuerst Gottes Güte rühmen. Ich will seine Güte rühmen, auch wenn die Fallzahlen steigen. Ich will seine Güte rühmen, auch wenn die Eindämmungsstrategien gegen das Virus nicht mehr richtig funktionieren wollen. Ich will seine Güte rühmen, auch wenn die Menschen ratlos sind, was sie nun noch tun können – und was sie nicht tun sollten. Ich will seine Güte rühmen – und es glauben und bekennen: Er ist auch mein Schutz und meine Zuflucht. Seine Tür ist immer offen für uns. Mit ihm dürfen wir rechnen. Auch und gerade in Pandemiezeiten, wenn uns die Begrenztheit des Menschenmachbaren schmerzhaft bewusst wird: Seine Güte ist immer noch da. Seine Güte gilt uns. Das ist das Vorzeichen auch für uns.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Freitag, 30. Oktober 2020

    Sechs Tage sollst du arbeiten; am siebenten Tage sollst du ruhen.                         2. Mose 34,21

    Was zusammengehört, darf man nicht trennen. Zu unserem Leben gehört beides: Das Arbeiten und das Ruhen. Sogar eine Verhältnisbestimmung gibt Gott uns als Orientierungshilfe an die Hand: 6 zu 1. Ein gutes Verhältnis. Es hat sich übrigens bei allen gesellschaftlichen Experimenten, die man unternommen hat, um das zu ändern, als das Bessere bewährt. 10 Tage funktionierten nicht. 6 zu 1, so gibt es uns unser Schöpfer an die Hand.

    Warum brauchen wir beides? Weil wir Menschen begrenzt sind. Weil der Ruhetag, auf hebräisch der Schabbat, uns daran erinnert, dass wir nicht allein für die Welt und für unser Leben verantwortlich sind. Dass wir nicht die Macher sind, die alles hinbekommen müssen. Dass wir nicht die Problemlöser und Weltretter sind. Der 7. Tag, der Ruhetag, der Schabbat – das Aufhören mit allen eigenen Anstrengungen – erinnert und weist uns an unseren Schöpfer, an unseren Vater im Himmel, von dem wir abhängig sein dürfen.

    Wir brauchen also den Ruhetag – um zu ruhen und Gott zu begegnen. Aber wir brauchen auch die Arbeit. Sinnvolle Arbeit. Wie sehr leiden Menschen darunter, die auf dem Arbeitsmarkt das Gefühl vermittelt bekommen: Du wirst nicht gebraucht! Zumindest nicht mit dem, was du kannst. Nicht, dass die Arbeit uns die letzte Sinnfrage beantworten kann. Jemand sagte zutreffend: »Arbeit war sein Leben« das sei ein Grabspruch für einen Ackergaul, aber nicht für einen Menschen. Aber, wessen Lebenskraft es zulässt, den verlangt danach, diese Kraft auch kreativ und sinnvoll einzusetzen. Manfred Siebald betete in einem Lied: »Grade dann, wenn sich die Arbeit vor mir häuft, wenn scheinbar ohne mich nichts läuft und ohne meinen Rat. Gott hilf mir bitte grade dann, dass ich noch den verstehen kann, der keine Arbeit hat!“

    Beides gehört zum Leben: Die Arbeit und das Ruhen; »ora et labora« lautet das Lebensmotto der Mönche: Aktivität und Kontemplation; Gebet und körperlich Mühe. Nur in dieser Spannung kann sich unser Leben gut entfalten und zu dem werden, wie unser Schöpfer es sich gedacht hat. Das ist entlastend, das ist befreiend. Wir brauchen es immer wieder, dieses Verhältnis in unserem Leben zu überprüfen – am besten gelingt uns das im Gebet; oder in der Seelsorge mit einem anderen Christen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Donnerstag, 29. Oktober 2020

    Ihr sollt nichts dazutun zu dem, was ich euch gebiete, und sollt auch nichts davontun, auf dass ihr bewahrt die Gebote des HERRN, eures Gottes.                                          5. Mose 4,2

    »Bewahren« sollen wir. Das Gute, das Kostbare, das Heilsame, was uns anvertraut ist, bewahren. Mehr nicht. Nicht uminterpretieren, nicht korrigieren, nicht ändern, nichts dazutun und nichts wegtun. Einfach nur bewahren. Es geht um Gottes Gebote. Den Willen Gottes, den er selbst in Worte gegossen hat und sie durch Mose seinem Volk gegeben hat. Wer einmal die Hochachtung, die im jüdischen Volk für die Worte der Weisung, der Tora, wie man im Judentum die 5 Bücher Mose nennt, erlebt hat, hört diese Worte noch einmal anders.

    Ja, es geht auch um den Wortlaut. Mit allergrößter Sorgfalt wird bis heute die Bibel in ihrer ursprünglichen Sprache von jüdischen Schreibern von Hand abgeschrieben. Jedes Jota – das ist der kleinste Buchstabe im hebräischen – muss sitzen. Jesus bestätigt es in der Bergpredigt, dieser einzigartigen Auslegung des jüdischen Gesetzes in Mt 5-7: Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, das Gesetz und die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen. Denn wahrlich ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüpfelchen vom Gesetz, bis es alles geschieht. Wer nun eines von diesen kleinsten Geboten auflöst und lehrt die Leute so, wird der Kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber tut und lehrt, der wird groß heißen im Himmelreich.

    Zum Bewahren gehört also auch das Tun. Es reicht nicht, im Kopf zu wissen, was richtig wäre. Wir müssen es auch tun. Genau da werden wir wohl immer hinter dem Anspruch der guten Gebote Gottes zurückbleiben. Durch die ganze Bibel hindurch zieht sich wie ein roter Faden: Anspruch und Wirklichkeit klaffen auseinander. Was Gott von seinen Menschen will und was sie dann tun, ist nicht dasselbe. Bis, ja bis der Eine kam, in dem Gott selber Mensch wurde: Jesus, der Christus, der Messias, der Sohn Gottes. Da – in seinem Leben – da waren Anspruch und Wirklichkeit wirklich deckungs­gleich. Da wurde das Gesetz erfüllt. Doch noch mehr: Da wurde uns die Last unserer Verfehlung abgenommen. Weil Jesus unsere Schuld, unsere Sünde auf sich genommen hat und dafür am Kreuz starb. Zum Bewahren brauchen wir deshalb auch ihn, Jesus Christus. Sein Gesetz soll uns ins Herz geschrieben sein: Liebe Gott und liebe deinen Nächsten – ganz genauso wie dich selbst.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Mittwoch, 28. Oktober 2020

    "Wo ist ein Fels außer unserm Gott?“ fragt David im Psalm 18. Und es ist eine rhetorische Frage, also eine Frage, auf die David nur die Antwort kennt: keiner ist so wie unser Gott! David hat Rettung aus großer Not erlebt und so drückt er aus tiefstem Herzen Dank aus, indem er diese Frage formuliert: Wo ist ein Fels außer unserm Gott?

    David hat es handfest selbst erlebt – Gott hat ihn nicht im Stich gelassen. Und er erzählt im Psalm davon: Es umfingen mich des Todes Bande, und die Fluten des Verderbens erschreckten mich. Des Totenreichs Bande umfingen mich, und des Todes Stricke überwältigten mich. Als mir angst war, rief ich den Herrn an und schrie zu meinem Gott. Da erhörte er meine Stimme von seinem Tempel, und mein Schreien kam vor ihn zu seinen Ohren. (…) Er streckte seine Hand aus von der Höhe und fasste mich und zog mich aus großen Wassern. Er errettete mich von meinen starken Feinden (…) Er führte mich hinaus ins Weite, er riss mich heraus.

    Der Tod ist das, was uns am meisten Angst macht. David war in Todesnot und hat erlebt, dass ihn sein Gott nicht im Stich lässt. Deshalb (!) kann er sagen und bekennen: Wo ist ein Fels außer unserm Gott?

    Der Prophet Micha hat einige Zeit nach König David auch so eine staunende und lobende Frage formuliert und gebetet: Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die geblieben sind als Rest seines Erbteils; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er hat Gefallen an Gnade! (Micha 7,18) - Wo ist solch ein Gott?

    Vielleicht fallen Ihnen jetzt Stationen Ihres Lebens ein, die Sie kürzlich erlebt haben oder auch schon vor Längerem, wo Sie Gott als den erlebt haben, der Sie hält und in großer Not nicht im Stich lässt. Und Sie können sagen: Wo ist solch ein Gott, so ein Retter, so ein Freund, so ein Helfer, so ein Vater, so eine Mutter? Wo das so ist, da ermutigen Sie doch auch andere mit dem, was Sie erlebt haben!

    Vielleicht sind Sie gerade aber auch in einer Situation, wo Sie Dunkelheit und Tiefe erleben und sich schutzlos und ausgeliefert fühlen und nichts davon, dass Gott Ihr Fels ist. Dann sagen Sie ihre Hilflosigkeit Gott, schreien Sie zu ihm, wie es ein David auch gemacht hat: Gott, ich bin im Bodenlosen. Lass mich Dich doch auch erleben als Fels, als Halt unter meinen Füßen! Hilf mir! Lass es mich spüren, dass Du der feste Grund bist!

    Ich wünsche Ihnen einen guten und gesegneten Tag

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • addAndacht für Dienstag, 27. Oktober 2020

    Ich weiß wohl, es ist so: Wie könnte ein Mensch recht behalten gegen Gott. Hat er Lust, mit ihm zu streiten, so kann er ihm auf tausend nicht eines antworten.                         Hiob 9,2-3

    Die Leiderfahrung Hiobs ist uns sprichwörtlich bekannt. Ich bin froh über dieses Buch in der Bibel – auch wenn seine Worte nicht immer leicht zu verstehen sind. Denn in diesen Worten können auch wir uns in unseren Leiderfahrungen wiederfinden. Wo wir menschliches Unrecht, Krankheit oder Leid erfahren, da bricht bei Menschen, die an Gott glauben – oder zumindest mit seiner Existenz rechnen – oft die Frage nach seiner »Gerechtigkeit« auf. Da beginnt – leider oft nicht im Gespräch mit Gott, sondern im Gespräch über ihn – so was wie ein Rechtsstreit: Wieso ich? Wir gehen von einem Tun-Ergehens- Zusammenhang aus – auch bei Gott: Gutes wird belohnt und Schlechtes wird bestraft. Und nun erlebe ich das, was ich erlebe, als Strafe. Und ich frage Gott: Wieso? Warum strafst du mich? Was habe ich falsch gemacht? Und im Stillen denken wir: Ich habe doch gar nichts falsch gemacht.

    Der weise Hiob weiß: Diese Fragestellungen führen uns nicht weiter. Mit Gott können wir nicht streiten. Wie könnte ein Mensch recht behalten gegen Gott? Auch Paulus stellt sich in diese Linie: Ja, lieber Mensch, wer bist du denn, dass du mit Gott rechten willst? Gottes Weisheit ist so viel höher als unsere menschliche Weisheit. Wir können das, was er tut, oft nicht verstehen, nicht einordnen – und schon gar nicht beurteilen. Wer es versucht, wird kläglich scheitern. Auf dieser Spur kommen wir nicht weiter.

    Wir müssen an einer anderen Stelle nach Antworten suchen – und wir bekommen sie. Wer über dem verborgenen Gott verzweifelt, der muss dorthin gehen, wo Gott uns sein Gesicht gezeigt hat, hat Martin Luther gesagt. Und sein Gesicht zeigt Gott uns in Jesus Christus. In dem, der wirklich gut war – uneingeschränkt. Der ohne Sünde war. Und der am Kreuz für uns stirbt. Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selbst. So ist unser Gott! So meint er es mit uns. Aus Liebe zu uns und um uns mit sich zu verbinden, gibt er seinen Sohn her. Das Kostbarste, das Teuerste, was er hat, sind wir ihm wert. So sehr geliebt sind wir. Nicht im Streit über das Nichtverstandene liegt die Lösung – son­dern im Staunen über den selbst leidenden Gott, der mitleiden kann, der unser Leid aus eigener Erfahrung kennt. Der weiß, wie das ist mit dem Sterben, weil er es selbst durchgemacht hat. Der den Kelch des Leids getrunken hat. Und der sich an unsere Seite stellt und uns verspricht: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Das gilt!

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Montag, 26. Oktober 2020

    Gott spricht: Ich, ich bin euer Tröster! Wer bist du denn, dass du dich vor Menschen gefürchtet hast, die doch sterben?                                             Jesaja 51,11

    Wie ein Weckruf klingt dieser Vers. Es ist ein Weckruf zum Blickwechsel. Wohin sollen wir schauen? Wohin sollen wir uns orientieren? »Ich, ich bin euer Tröster!« Das ist die eindeutige Weisung unseres Gottes. Unser Blick, unsere Erwartung, unsere Hoffnung soll auf ihn gerichtet sein. Auf ihn kommt es vor und über allen Dingen an. »Ich, ich« steht auch im hebräischen Urtext ganz betont vorne dran.

    Warum? Weil wir das so schnell vergessen. Wer die Verse, die dieser Losung folgen, liest, der begreift, was das Problem damals war: Du hast den HERRN vergessen, der dich gemacht hat, der den Himmel ausgebreitet und die Erde gegründet hat. Wo wir Gott aus dem Blick verlieren, da wird unser Blick verengt. Da sehen wir nur noch einen Teil der Wirklichkeit – und zwar verzerrt. Weil uns das Wesentliche verloren gegangen ist. Und dann macht die Angst sich breit. Die Angst vor Menschen, die Angst vor den Umständen. Weil wir uns nur noch als Spielball der Mächtigen sehen, als kleines Rädchen, das unbarmherzig getrieben wird – ohne Hoffnung auf Veränderung.

    Wo die Angst nach uns greift, da brauchen wir einen starken Trost. Gott weiß das. Gott sieht, wo seine Menschen geängstigt und verhärmt in ihrer Furcht fast vergehen. Und darum bringt er selbst sich in Erinnerung. Weil er seine Menschen liebt. Weil er uns nicht laufen lässt. Und weil er weiß: Die Hoffnung, die wir brauchen; den Halt, der wirklich hält, den finden wir nur bei ihm. Er ist unser Tröster.

    In Jesus Christus setzt Gott diese Linie fort – auch für uns. Gott hat nur ein Ziel: Menschen, die ohne ihn unterwegs sind, sich auf sich allein gestellt vorkommen; sich fürchten vor ihrer Zukunft, vor den Menschen, vor sich selbst – zu rufen, mit sich zu verbinden und sie in seine Arme zu nehmen. Der Vater im Himmel sehnt sich nach uns. Er will uns als seine Kinder haben – heute und für immer. Wer bei ihm geborgen ist, der muss sich nicht vor Menschen fürchten. Denn er weiß, was wichtig ist – und was wichtiger: Wichtiger als alles Wichtige auf dieser Welt ist, dass der Vater im Himmel mich liebt und mich in seinen starken Händen hält.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 19.10. bis 25.10.

  • addAndacht für den 20. Sonntag nach Trinitatis, 25. Oktober 2020

    Es ist dir gesagt Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.                                       Micha 6,8

    Wer schon einmal unmittelbar vor einem Wegweiser auf der Autobahn stand – und nicht nur mit hoher Geschwindigkeit drunter durchgefahren ist – der staunt, wie groß die weißen Buchstaben auf so einem blauen Autobahnschild sind. Aus einem einfachen Grund: Das, was draufsteht, soll auf einen Blick erfasst werden können – selbst bei hoher Geschwindigkeit.

    So geht es Gott mit seinem Lebensrat an uns Menschen, vermittelt durch den Propheten Micha. Keine philosophischen Ausführungen, keine verklausulierten Schachtelsätze: wenn – dann – sonst. Sondern eine glasklare Ansage; eine eindeutige Richtungsweisung, wo ein Mensch fragt, was gut für sein Leben ist und was dem Schöpfer, der ihn gemacht hat, entspricht: Einfach und klar diese drei Dinge:

    Gottes Wort halten – das Wort, das uns in der Bibel gegeben ist, aufnehmen, lesen, hören, meditieren, vielleicht auch an der einen Stelle auswendig lernen – und mich dran orientieren, daran halten, wie an einem Geländer. Es als Richtschnur gelten lassen; wo nötig, daran auch meine Schuld und mein Versagen erkennen, bekennen und so bei Gott abladen.

    Liebe üben – danach fragen, was dem andern, der andern gut tut. Mir darüber Gedanken machen; fantasievoll überlegen, was einem anderen Menschen helfen könnte. Und es dann tun – ohne Hintergedanken; ohne lang zu überlegen und ohne Angst, selbst zu kurz kommen zu können. Liebe stellt den andern in den Mittelpunkt und lässt mich selbst einen Schritt zurücktreten. Gott sorgt für uns – darauf dürfen wir vertrauen.

    Demütig sein vor deinem Gott – in der Abhängigkeit von ihm bleiben. Täglich ihn bitten; ihm meine Sorgen und Nöte sagen, ihm meine Schuld bekennen und ihm dann vertrauen. Er sorgt für uns. Er lässt uns nicht hängen.

    Eine einfache, aber höchst wirksame Richtungsweisung für uns. Wohl uns, wenn wir sie beherzigen.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • addAndacht für Samstag, 24. Oktober 2020

    Der HERR erweckte den Geist des Volkes, dass sie kamen und arbeiteten am Hause des HERRN Zebaoth, ihres Gottes.                                                Haggai 1,14

    Wenn Menschen sich für eine Sache stark machen, ihre Energie dafür einsetzen, dann nennen wir das in unserem Sprachgebrauch auch »Begeisterung«. So sieht das auch der Prophet Haggai, doch in einem noch viel tieferen Sinne. Er beobachtet, dass Menschen sich voller Freude und Elan ans Werk machen, dass sie sich einsetzen, dass der lange schon zerstörte Tempel, der als Ruine dasteht, endlich wieder aufgebaut wird. Für Haggai ist klar: Das ist nicht nur ein zufälliger Stimmungs­um­schwung in der Volksgemeinschaft. Das ist mehr. Da ist Gott selbst am Werk. Gott selbst wirkt hier auf verborgene Weise – unsichtbar, aber dafür in seiner Wirkung umso spürbarer.

    Das erste Subjekt in diesem Satz sind nicht die Menschen, sondern der HERR. Er macht den Anfang. Er weckt auf, er schenkt Erweckung. Er motiviert. Er »begeistert«. Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Wo etwas von Bedeutung im Reich Gottes geschieht, da ist immer Gott der zuerst Han­deln­de. Auf ihn kommt es vor und über allen Dingen an. Gottes Heiliger Geist ist ein Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit, weiß der Apostel Paulus. Das ist Grund zum Staunen, zum Danken und zum Loben.

    Auch wir dürfen mit Gottes Handeln rechnen, mit Gottes Eingreifen. Die Pandemie zeigt uns in lange nicht erlebter Weise, wie begrenzt das ist, was wir Menschen machen und steuern können. Wir können längst nicht alles. Und wir müssen auch nicht alles können. Denn das Entscheidende – vor allem, wo es um die Ewigkeit geht – das tut unser Gott. Wir müssen die Welt nicht retten. Das hat er in Jesus Christus längst getan. Gestärkt von seinem guten Geist dürfen und wollen wir aber mitarbeiten, mithelfen, dass sein guter Wille in dieser Welt geschieht.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Freitag, 23. Oktober 2020

    Ich will mit euch einen ewigen Bund schließen.                                              Jesaja 55,3

    So lautet Gottes Angebot an seine Menschen. Wie ein Wasserverkäufer auf einem orientalischen Markt, so tritt Gott in Jesaja 55 auf. Er wirbt um sein Volk. Er wirbt um seine Menschen. Und er hat etwas ganz Neues vor: Einen ewigen Bund will er schließen. Gott will auch uns als Bundespartner. Das wird spätestens im Neuen Testament deutlich in Jesus Christus Gottes Sohn. Gott will sich mit uns verbinden. Verbinden für Zeit und Ewigkeit.

    Dieser ewige Bund, den schließt er mit uns in Jesus Christus. In Jesus, der am Kreuz für unsere Schuld starb. In Jesus, in dem Gott selber dort am Kreuz war, und uns mit sich selbst versöhnte. Alles, worauf es in diesem Bund ankommt, geht von Gott aus. Er tut alles. Wir können nur staunen und es an uns geschehen lassen. Gott will mit uns leben. Er stellt keine Bedingungen. Er fordert keine Vorleistung. Er will uns das Leben, ewiges Leben schenken. Was er einzig von uns will: Dass wir uns auf diesen Bund einlassen. Und selbst da ist Gottes guter Geist am Werk, wo ein Mensch diese Entscheidung für sich trifft. Gott ermöglicht sie uns nämlich erst und Gott wirkt sie. Menschliche Entscheidung und Gottes Wirken lassen sich nicht mehr voneinander trennen.

    Was für ein Gott. Was für ein Angebot. Wir wollen es uns gefallen lassen – und wir wollen es weitersagen, weitertragen. Denn diese Worte sollen alle Menschen hören: Ich will mit euch einen ewigen Bund schließen. Gott will mit uns neu anfangen. Was für eine Botschaft.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Donnerstag, 22. Oktober 2020

    Siehe, meine Tage sind eine Handbreit bei dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir. Ach, wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben?                                   Psalm 39,6

    »Wie ein klarer Wintermorgen ist dein Leben dann und wann; was sonst Nebel dir verborgen haben, alles siehst du dann. Siehst, woher du kommst und siehst, wohin du einmal gehen wirst« so dichtete Manfred Siebald treffend. Es sind diese Stunden, von denen auch dieser Psalm 39 Zeugnis gibt. Die Stunden, in denen wir begreifen, was im Letzten Sicherheit gibt und was eben nicht. Wo alle Nebel der Oberflächlichkeit verfliegen und wir der Realität – und damit auch unserer Begrenztheit und Endlichkeit – ins Auge sehen. Egal, womit und wie wir uns auf dieser Welt absichern wollen – all das bietet im Letzten keine Sicherheit. Manfred Siebald zog aus dem »klaren Wintermorgen« den Schluss: »Wie an einem Wintermorgen stehst du da und frierst.«

    David bleibt im Psalm 39 nicht an der Erkenntnis des Wintermorgens stehen. Er wendet sich ja an den, der ewig ist, vor dem meine Tage eine Handbreit sind, vor dem mein kleines Leben wie nichts ist. Und der doch mich unendlich liebt und sich nach mir sehnt: Meinen Gott. Nun, Herr, wessen soll ich mich trösten? Ich hoffe auf dich. Ich klammere mich an dich. Ich halte mich an dich. Du, der ewige Gott, du hältst mein Leben in der Hand. Du gibst mich nicht dem Tode preis. Du hältst fest für Zeit und Ewigkeit. Du nimmst mir meine Schuld ab und schenkst mir deine Vergebung. Von deiner Gnade darf ich leben. »Wie ein klarer Wintermorgen ist dein Leben dann und wann; und du siehst, was Gott aus Sorgen und Versagen machen kann. Lass ihn alles neu gestalten, zeig ihm, wo es dich noch friert. Spür, wie es in deinem kalten Leben wärmer wird.« So endet das Lied von Manfred Siebald. Das sollen auch wir erleben.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • addAndacht für Mittwoch, 21. Oktober 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    ausgebrannt sein, leer sein, am Ende sein – in unserer Zeit wird das als Burn Out bezeichnet. Im Buch 1. Könige im Alten Testament der Bibel wird so ein Burn Out beim Propheten Elia genau beschrieben. Elia hatte mit Gottes Hilfe einen großen Erfolg erlebt in einer kräftezehrenden Auseinandersetzung mit einer großen Gegnerschaft. Elia ging als der große Sieger hervor. Doch er musste feststellen: Sein Erfolg bescherte ihm neue Gegner, die ihn tot sehen wollten. Elia hatte alle Kraft gegeben – und jetzt war er einfach am Ende. Müde, fertig, deprimiert. So deprimiert, dass er zu Gott sagt: Ich habe genug von diesem Leben, lass mich doch einfach nur sterben. Ein Burn Out, wie er im Buche steht.

    „Ich bin der Herr, dein Arzt,“ heißt es im zweiten Buch Mose von Gott. Gott ist Arzt und er ist auch Psychotherapeut und Coach. Wie lässt er dem Elia neuen Lebensmut, neue Kraft zukommen? Nein, nicht durch ein übernatürliches Wunder, durch irgendeine seltsame Kraftübertragung. Er lässt den Elia schlafen. Als er aufwacht, hat ihm ein Bote Gottes einen Krug Wasser und Brot gebracht. Elia isst. Und schläft nochmals eine lange Runde. Und nochmals ermuntert ihn der Bote Gottes zu essen. Ein lange Auszeit mit viel Schlaf und gutem Essen, was für eine bodenständige Therapie für den Elia und vielleicht auch für Sie, wenn Sie sich matt durchs Leben schleppen.

    Elia hat nun neue Kraft. Und so heißt es in dem Losungsvers für heute: „Ein Engel rührte ihn an und sprach zu ihm: Steh auf und iss! Und er stand auf und aß und trank und ging durch die Kraft der Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Berg Gottes.“ (1. Könige 19,5.8) Man ist fast geneigt, zum Elia zu sagen – jetzt übertreib es mal nicht wieder gleich, erst bist du matt und lebensmüde – und jetzt willst du es dermaßen wissen und machst so einen verrückten Gewaltmarsch! Elia würde lächeln und sagen: Danke für Deine Anteilnahme, aber mir geht’s dank Gottes Hilfe wieder richtig gut …!

    Ich finde es klasse, dass die Bibel nicht nur die Erfolgsgeschichten der Gottesmänner erzählt, sondern auch ihre Stunden, in denen sie keine Kraft haben und am Leben verzweifeln. Mich rührt an dieser Geschichte, wie liebevoll und rücksichtsvoll sich Gott um seinen Elia kümmert, als der so fertig und ausgebrannt ist. Solche Geschichten macht übrigens Bibellesen wertvoll für unser Leben und zu einer Kraftquelle.

    Gott lässt auch uns nicht im Stich, wo wir ihn brauchen. Das sage ich jetzt einfach einmal so, auch wenn Sie vielleicht momentan davon nichts spüren – noch nichts spüren und das deshalb als provokativ empfinden. Und wenn Sie Hilfe und Unterstützung brauchen und kein Land sehen, dafür ist Ihre Kirchengemeinde da, sind wir da. Melden Sie sich, rufen Sie an! Kontaktdaten finden Sie im Amtsblatt oder auch im Internet.

    Ich wünsche Ihnen einen guten und gesegneten Tag

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • addAndacht für Dienstag, 20. Oktober 2020

    Wir wissen, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind.                                                     Römer 8,28

    Es gibt wenige Sätze in den Briefen des Apostels Paulus, die er mit solcher Entschiedenheit und mit solchem Nachdruck geschrieben hat wie diesen: Wir wissen… Für Paulus ist das, was er uns da weitersagt, garantiert. Es ist eine Gewissheit.

    Paulus spricht dieses entschiedene und gewisse Wort der Ermutigung, weil er um die vielen Dinge weiß, die uns in unserem Leben auch entmutigen können. Die Christen in Rom, an die er diesen Brief zuerst schreibt, kannten diese Dinge: sie waren bedrängt, angefeindet und angefochten. Die große Christenverfolgung warf ihre Schatten schon voraus. Und auch wir kennen die Dinge, diese Dinge, die uns Not bereiten, die es an sich haben, über uns zu herrschen, die uns niederdrücken und fertigmachen.

    Die Gewissheit des Paulus hat ihren Ursprung in Jesus Christus, der ein Ding getragen hat, das nie ein Mensch tragen konnte und musste: Das Kreuz, mit dem all er unsere Schuld, Not und Versagen getragen hat. Und an diesem Kreuz starb er. Als er starb, da haben die Dinge ein wahren Triumph gefeiert. Aber am Ostermorgen war klar, dass Jesus Christus der Sieger ist. Der Sieger über Hölle, Sünde, Tod und Teufel. Der Sieger über all die Dinge, die er getragen hat und die uns das Leben so schwer machen wollen.

    Und nun setzt er seine Macht ein, uns zu bewahren, uns festzuhalten und uns durchzutragen. Die Dinge mögen uns nach wie vor belasten, uns Sorge bereiten. Aber sie müssen letztlich ihm dienen – und uns zum Besten dienen. Wie genau, das bleibt sein Geheimnis, bis wir bei ihm sind. Aber dass sie uns zum Besten dienen, das steht unumstößlich fest – durch Jesus Christus.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Montag, 19. Oktober 2020

    Der HERR macht die Gefangenen frei.                                  Psalm 146,7

    Ein Highlight, ein Blickfang aus einer langen Liste an heilsamem Wirken Gottes ist unser Losungsvers. Es ist nicht einmal der ganze Vers. Nur ein Drittel. Über Gott gäbe es so viel zu sagen: Er hat Himmel und Erde gemacht. Er hält ewiglich Treue. Er speist die Hungrigen. Er schafft denen, die Gewalt leiden, Recht.

    Hier also nun: Die Befreiung der Gefangenen. So fängt ja die Geschichte Gottes mit Israel an, nachdem sie in Ägypten zu einem großen Volk geworden waren: Der HERR macht die Gefangenen frei. Gott befreit dieses Volk aus der Sklaverei, aus der Knechtschaft in Ägypten. Er führt sie in die Freiheit und ins gelobte Land. Da wird klar: Er ist es, der das tut. Kein anderer.

    Sich um die Befreiung von zu Unrecht Gefangenen zu bemühen, das kann auch eine menschliche Aufgabe sein. Und wir mühen uns zurecht darum, dass das geschieht – dass dem Unrecht und der Willkür gewehrt wird. Doch unser menschliches Bemühen stößt immer wieder an Grenzen. Meinen wir ja nicht: Wir Menschen könnten und müssten allein die Welt retten! Das ist ein furchtbares Missverständnis, das heute bei vielen ganz weit verbreitet ist. Doch: Das schaffen wir nicht. Damit sind wir überfordert. Die Welt rettet ein anderer. Wir sind und wir bleiben auf Gott angewiesen. Die Alternative heißt doch nicht, die Hände in den Schoß zu legen und nichts zu tun. Sondern: Bete und arbeite. Bitte Gott, das Unmögliche zu ermöglichen – und mühe dich mit all deiner Kraft, dass es Wirklichkeit wird.

    Und bedenken wir: Es gibt auch Gefängnisse, die keine Gitterstäbe haben: Abhängigkeit und Sucht; Krankheiten, Ängste und Schwermut, aus denen Menschen nicht herausfinden, in denen sie sich aber fühlen wie in Gefängnissen. Und schließlich ist da unsere Schuld, unsere Verlorenheit. Überall da gilt: Gott will uns befreien, damit wir mit ihm und für ihn leben. In Jesus tritt er auf und spricht uns zu, was im Lehrtext steht: Wenn euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 12.10. bis 18.10.

  • addAndacht für Sonntag, 18. Oktober 2020

    Gehorsam ist besser als Opfer.                                1. Samuel 15,22

    Manche Geschichte im Alten Testament verstehen wir nicht ohne eine zusätzliche Erklärung. So ging es mir mit der Geschichte, aus der dieser Vers stammt. Der König Saul kämpft gegen die Amalekiter, einen Volksstamm, der Israel bereits auf der Wüstenwanderung begegnete. Schon damals gab es Krieg: Mose betet oben auf dem Berg mit erhobenen Händen, die ihm zwei Männer stützen, und Josua kämpft unten im Tal und siegt. Auch Saul besiegt die Amalekiter. Sein Auftrag war es, den Bann zu vollstrecken, d.h. alle Menschen und Tiere zu töten. Doch er lässt die besten Schafe und Rinder am Leben. Wie er betont – sogar mit einer frommen Absicht: Diese Tiere sollen Gott als Opfer dargebracht werden. Eigentlich doch eine gute Absicht. Eigentlich doch mit scheinbar guten Motiven. Hart ist, dass Gott aufgrund dieses Ungehorsams verwirft. So ist dieses Kapitel überschrieben: Saul wird verworfen. Und Samuel, der Prophet, macht mit einem ganz knappen Satz deutlich, was wichtig ist und was wichtiger: Gehorsam ist besser als Opfer.

    Gehorsam hat mit Vertrauen zu tun. Blinder Gehorsam Menschen gegenüber ist gefährlich – und zurecht verpönt. Aber geteilter Gehorsam Gott gegenüber ist immer problematisch. Gott will unser ganzes Leben bestimmen. Er will uns ganz. Und er möchte unseren ganzen Gehorsam. Wie gesagt: die Geschichte von Sauls Verwerfung – die Sache mit dem Bann an Mensch und Tier – mag uns befremden. Diesen Auftrag haben wir auch nicht mehr. Und auch Opfer braucht es nicht mehr. Seit der Eine, Jesus Christus, der wie kein anderer ganz und ohne jede Einschränkung Gott gehorsam war, sein Leben am Kreuz geopfert hat, sind alle Opfer für Gott erledigt. Gott selbst hat das mit den Opfern erledigt. Unser Auftrag lautet: Liebe Gott und liebe deinen Nächsten wie dich selbst.

    Aber da, da ist unser Gehorsam gefordert. Und da, da, wollen wir ihm folgen. Gehorsam mit drei g: gerne, gleich und ganz.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Samstag, 17. Oktober 2020

    Nun, Israel, was fordert der HERR, dein Gott, noch von dir, als dass du den HERRN, deinen Gott, fürchtest, dass du in allen seinen Wegen wandelst und ihn liebst und dem HERRN, deinem Gott, dienst von ganzem Herzen und von ganzer Seele.                    5. Mose 10,12

    Es ist eigentlich so einfach – im wahrsten Sinne des Wortes! Die entscheidenden Lebensfragen lassen sich erstaunlich einfach beantworten. Der Sinn unseres Lebens ist erstaunlich einfach. Einfach in dem Sinne, dass wir uns auf den Einen konzentrieren, der allein Gott ist. Dass wir ihm den ersten Platz einräumen, ihm allein dienen, auf ihn allein hören und ihm allein vertrauen.

    Höre Israel, der ist unser Gott, der HERR ist Einer. So beginnt das Glaubensbekenntnis Israels, das fromme Juden mehrmals am Tag sprechen, sich auf die Stirn und an den Arm binden und in kleinen Kapseln sich am Türrahmen befestigen. Damit sie immer wieder daran erinnert werden. Mehr ist es nicht, was wir für unser Leben brauchen. Mehr fordert Gott nicht von uns, als dass wir ihn über alle Dinge fürchten, lieben und ihm vertrauen. Dann ist mein Leben zu seiner eigentlichen Bestimmung gekommen. Dann ist unser Leben auf der richtigen Spur. Auf der Spur, die Gott sich für uns gedacht hat. Dann gelingt unser Leben. Mehr nicht. Mehr fordert Gott nicht. So einfach ist das: Gott, den HERRN, fürchten, lieben, ihm dienen – ungeteilt und ganz.

    Was uns dabei hilft? Die Bibel, sein Wort. Das Beten, das Reden mit ihm – an jedem Tag; in jedem Augenblick; und die Gemeinschaft mit anderen, die uns darin bestärken, ihm zu vertrauen und mit ihm unterwegs zu sein und zu bleiben. Und dass wir das tun, was wir erkannt haben als seinen Willen. Gehorsam mit drei g: gerne, gleich und ganz.

    Nichts ist besser für unser Leben, als dass wir uns ganz ihm, unserem Gott zur Verfügung stellen, ihn suchen, zu ihm rufen und mit ihm leben. So einfach ist das.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • addAndacht für Freitag, 16. Oktober 2020

    Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht.                 Psalm 121,4

    Volksversammlung auf dem Berg Karmel. Es sind entscheidende Stunden in der Geschichte Israels. Das Volk und auch sein König waren hin und hergerissen: Wer ist der wahre Gott? Wem vertrauen wir lieber? Der HERR oder Baal, den die Kanaaniter im Land schon viel länger verehren, als Israel in diesem Land ist. Nun sind sie auf dem Berg Karmel versammelt: Auf der einen Seite Elia, der Prophet des HERRN und auf der andern Seite eine große Schar von Baals-Priestern. Es geht um ein Gottesurteil. Seit Stunden rufen die Baalspriester ihren Gott an: »Baal erhöre uns!« Er soll Feuer vom Himmel fallen lassen und ihr Opfer annehmen. Doch nichts geschieht. »Baal erhöre uns!« rufen sie immer lauter. Elia, der Prophet des HERRn steht daneben. Er weiß längst: Dieser Baal, den sie anrufen, das ist kein Gott. Denn Gott ist nur einer. Baal kann nicht hören. Und so spottet er: Ruft laut! Denn Baal ist doch ein Gott; er ist in Gedanken oder hat zu schaffen oder ist über Land oder schläft vielleicht. Ruft, dass er aufwache!

    Ein Gott, den man wecken muss, das ist kein Gott. Der wahre Gott, der schläft nicht. Der ist hellwach, dem entgeht nichts. Davon sind die, die dieses Wallfahrtslied des 121. Psalms gedichtet haben, fest überzeugt: Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht. Manchmal mag es scheinen, als bliebe unser Gebet unter der Decke hängen. Manchmal überkommt uns die Furcht, wir könnten Gott nicht erreichen. Manchmal fällt es uns schwer, zu glauben, weil die Antwort Gottes so lange auf sich warten lässt. Dann brauchen wir einander als Christen, dass wir uns ermutigen: Auch wenn es so aussieht – Gott übersieht dich nicht. Auch wenn du scheinbar keine Antwort bekommst – Gott überhört dich nicht. Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht. Und es bleibt dabei, was dieser Psalm am Ende bekennt: Der HERR behüte dich vor allem Übel. Er behüte deine Seele. Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • addAndacht für Donnerstag, 15. Oktober 2020

    Bekehrt euch, ein jeder von seinem bösen Wege und von euren bösen Werken.  Jeremia 25,5

    »Bei nächster Möglichkeit bitte wenden!« So fordert mich mein Navigationssystem im Auto freundlich auf, wenn ich die richtige Abzweigung mal verpasst habe. Wenn ich es dann ignoriere und  einfach weiterfahre, kommt die Aufforderung in schöner Regelmäßigkeit immer wieder. »Bei nächster Möglichkeit bitte werden!« Denn: Das ist die falsche Richtung. Ich entferne mich immer weiter vom Ziel. »Bei nächster Möglichkeit bitte wenden!«

    Sünde ist nichts anderes als Zielverfehlung. Zielverfehlung für unser Leben. Sünde ist ein Unglück, ist eine Katastrophe. Sünde ist gefährlich, denn sie trennt uns von unserem Gott. Hier und heute schon – und: wo wir nicht umkehren – auch in Ewigkeit. Das ist genau das, was Gott sich für unser Leben nicht wünscht. Er liebt uns und er sehnt sich nach uns. Er will nicht ohne uns, sondern mit uns leben. Und er will, dass wir nicht ohne ihn, sondern mit ihm leben. Darum die klare Ansage durch die Propheten: Bekehrt euch! Kehrt um! Weg von den bösen Wegen; Schluss mit den bösen Werken! Macht einen klaren Schnitt. Nutzt jede Möglichkeit, um zu Gott umzukehren.

    Dieser Vers aus dem Buch des Propheten Jeremia ist ein Zitat aus alten Zeiten, lange vor Jeremia. Jeremia schaut mit seinem Volk zurück in die Geschichte seines Volks. Traurig stellt er fest: Immer wieder hat Gott Propheten gesandt, um euch genau diese Botschaft zu bringen: Die Einladung zur Umkehr, die Aufforderung zur Umkehr. Gott redet Klartext. Weil unser Leben gefährdet ist. Weil nicht immer alles nur gut ausgeht. Es braucht eine klare Entscheidung. Es braucht eine klare Tren­nung. Aber ihr wolltet nicht gehorchen… stellt der Prophet traurig fest.

    Noch ruft Gott. Noch lädt er ein, noch wirbt er um uns. Er will, dass wir umkehren, weg von den falschen Wegen und hin zu ihm. Martin Luther war überzeugt: Das ist nicht eine einmalige Sache im Leben – mit der Taufe abgehakt. Nein, diese Umkehr, das ist eine lebenslange Aufgabe. So heißt es in der ersten der berühmten 95 Thesen: Unser Herr will, dass unser ganzes Leben eine Buße (oder Umkehr) sei. Und machen wir uns klar, was Luther auch betonte: Buße, Umkehr ist ein fröhliches Geschäft. Ohne Buße, ohne Umkehr gibt es keinen Glauben an Jesus Christus. Hören wir’s und folgen wir der Aufforderung – es wird uns sicher nicht schaden, ganz im Gegenteil.

    Pfarrer Andreas Streich

        

  • addAndacht für Mittwoch, 14. Oktober 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    die Woche ist heute am Mittwoch schon wieder halb vorbei - es war doch erst Wochenende, und das nächste ist schon wieder in Sicht. Stichwort Woche: Ist Ihnen am Sonntag der Spruch für die neue, für die jetzige Woche begegnet? Ist er Ihnen vielleicht die Tage nochmals in den Sinn gekommen? Die Fragen sollen Ihnen keinen Stress machen – ich muss sie beide auch mit „nein“ beantworten. Dabei ist unser Wochenspruch eine der Grundleitlinien der Bibel, des Evangeliums, von Jesus.

    „Dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.“ (1. Johannes 4,21). Der Vers stammt aus dem Brief des Johannes. Und dem war ganz wichtig: unser Verhältnis zu Gott und unser Verhältnis zu den Menschen, mit denen wir leben und denen wir begegnen, das hat ganz viel miteinander zu tun. Das lässt sich nicht trennen. „Wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, der kann nicht Gott lieben, den er nicht sieht,“ stellt Johannes an anderer Stelle lapidar fest.

    Darüber darf man nachdenken. Wie ist das, wenn ich meinen Nächsten einfach nicht lieben kann? Weil er oder sie es mir eben auch nicht gerade einfach macht. Muss ich die Liebe dann aus mir herauspressen? So tun als ob? Liebe heucheln?

    Nein, ganz bestimmt nicht. Wo ich selber nicht lieben kann, darf ich zu unserem Vater im Himmel kommen und ihm das sagen: Mir fehlt einfach die Liebe zum anderen. Ich hab sie nicht aus mir heraus. Der große Gott kann unser kleines nicht liebendes Herz verwandeln. Uns einen anderen Blick schenken. Zum Beispiel dafür, wie sehr wir geliebt sind, obwohl wir sind, wie wir sind. Wenn uns das überwältigt, kann auch ein bisschen Liebe oder auch etwas mehr Liebe von uns zum anderen gehen. Wenn wir nicht lieben können, fehlt uns der Blick dafür, wie sehr wir selbst geliebt sind! An wie viel Gutem in unserem Leben sich das doch zeigt.

    Deshalb ist es auch so wichtig, dass wir uns untereinander und gegenseitig Zeichen der Liebe weitergeben. Wir dürfen anderen klar machen, wie sehr sie geliebt sind, wie geschätzt, wie wertvoll. Damit andere wiederum etwas weitergeben können. Das ist der Sinn von Gemeinschaft, die wir in diesen Zeiten ja oft vermissen – und uns umso mehr darüber freuen, wo sie zustande kommt.

    Ich wünsche Ihnen, dass Ihnen heute ganz neu aufgeht, wie sehr Sie geliebt sind. Und wie leicht es deshalb für Sie ist, anderen mit einem zugewandten Herzen zu begegnen!

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

     

  • addAndacht für Dienstag, 13. Oktober 2020

    David sprach zu Salomo: Gott der HERR wird die Hand nicht abziehen und dich nicht verlassen, bis du jedes Werk für den Dienst im Hause des HERRN vollendet hast.             1. Chronik 28,20

    Was gibt es nicht alles zu besprechen und zu regeln, wenn der Vater an den Sohn seinen Betrieb übergibt. Eine ähnliche Situation steht auch hinter dem heutigen Losungswort. Der alte König David übergibt die Regentschaft an seinen Sohn Salomo. Es ist spannend und erhellend, worauf er das Augenmerk dabei legt. Auf zweierlei.

    Das Eine ist die Aufgabe, auf die er seinen Sohn Salomo hinweist. Eine Aufgabe für Gott. Salomo soll ein Haus für Gott bauen. Das ist der ganz besondere und einmalige Auftrag an diesen jungen König Salomo. Er baut den Tempel, den wir heute den salomonischen Tempel nennen. Doch in diesem Auftrag steckt etwas ganz Grundsätzliches. Es geht darum, dass wir mit unserem Leben Gott dienen. In der Situation und an der Stelle, wo Gott uns hingestellt hat und wo Gott uns gebrauchen will. Es geht darum, dass wir ihm zur Verfügung stehen. Dass wir darin unseren Lebenssinn erkennen, für Gott und mit Gott etwas für ihn zu tun. Das zu leben, wozu er uns ruft.

    Und das andere ist die Zusage: Gott der HERR wird die Hand nicht abziehen und dich nicht verlassen. Gott ist dabei. Setz dich für ihn ein. Doch dann erlebe: Er gibt dir die Kraft. Er nimmt dir die Angst. Er macht dir Mut. Er ist bei dir.

    Beides, Aufgabe und Zusage gibt Jesus auch uns. Was am Ende des Matthäusevangeliums steht, der Tauf- und Missionsbefehl, hat seine Gültigkeit nicht verloren. Gehet hin, sagt Jesus – baut meine Gemeinde, indem ihr mein Evangelium verkündigt. Das ist jedem Christen und jeder Christin gesagt. Und dann erlebt: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Aufgabe und Zusage – das ist Ermutigung auch für uns. Gott wird auch uns nicht verlassen – und ruft uns fröhlich an die Arbeit für ihn – auch wenn es vielleicht nur noch die Fürbitte ist, die wir tun können. Wir sind und bleiben berufen und bewahrt.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Montag, 12. Oktober 2020

    Du bist ja der HERR! Ich weiß von keinem Gut außer dir.             Psalm 16,2

    Der Psalmbeter David zieht Bilanz. Er schaut, was er hat. Doch er schaut nicht ins Grundbuch, um seine Häuser, Äcker und Gärten zu zählen. Er schaut auch nicht auf den Kontoauszug, um seine Schätze und sein Vermögen zu sichten. Er geht nicht in die Schatzkammer, nicht in die Vorratskammer und nicht in die Garage. Er geht zu Gott und bekennt: ich weiß von keinem Gut außer dir. Viel wichtiger als alle Güter, die Menschen anhäufen können, ist Gott. Wir meinen so oft, uns mit irdischen Gütern absichern zu können und zu müssen – doch die können uns doch gar nicht absichern. Nicht absichern vor dem, was unser Leben im Letzten bedroht und was uns zuletzt alles nehmen wird, was wir in Händen halten und in Taschen stecken.

    Da gibt es nur einen, der stärker ist als der Tod. Und das ist der lebendige Gott. Es geht darum, dass die Dinge das richtige Gewicht bei uns bekommen. Dass das, was wirklich wichtig ist, auch für uns wichtig ist. Und dass das, was nur Vorletztes sein kann: unser Besitz, unsere Güter, unsere Sicherheiten, bei uns nicht ein Gewicht bekommt, das ihm nicht zusteht. Gott ist Gott. Und ihm allein gebührt die Ehre. Ihm allein gebührt unser ganzes Vertrauen. Das ist die tiefe Erkenntnis dieses Psalmbeters David, der sicher auch viele irdische Güter hatte.

    Möge Gott es uns schenken, dass wir so einen weisen Blick bekommen wie dieser David. Dass uns unser Geld und Gut nicht gefangen nimmt. Dass es uns nicht geht wie dem reichen Jüngling, der zu Jesus kam – und dann wieder traurig weggeht, denn er hatte viele Güter. Die vielen Güter dürfen uns nicht gefangen nehmen, nicht ablenken von dem einzig wahren Gut: Dem HERRN unserem Gott. Von ihm her müssen sich die Dinge bei uns in ihrer Wertigkeit ordnen.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 05.10. bis 11.10.

  • addAndacht für Sonntag, 11. Oktober 2020

    Dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.

    1. Johannes 4,21

    Zwei Seiten einer Medaille sind nicht voneinander zu trennen. Die zwei Seiten einer Medaille sind deshalb bei uns sprichwörtlich für etwas, was untrennbar zusammengehört. Von so etwas, was untrennbar zusammengehört, ist nun auch im Wochenspruch die Rede. Die Liebe zu Gott und die Liebe zum christlichen Bruder gehören untrennbar zusammen. Christen sind keine Einzelkämpfer. Natürlich ist der Glaube etwas ganz Individuelles, Persönliches. Natürlich geht es um mich, mich ganz persönlich beim Glauben. Gott hat keine Enkelkinder. Er hat nur Kinder. Nichts ist unpassender in Sachen Glauben als der Verweis auf die frommen Eltern oder Großeltern. Gott meint mich, mich ganz persönlich. Er möchte mit mir eine Geschichte haben. Er möchte mich ganz persönlich seine Liebe erleben lassen. Und er möchte, dass eine Liebesbeziehung zwischen ihm und mir entsteht. Das ist die eine Seite der Medaille.

    Doch nun kommt das Andere. Glaube ist nicht Privatsache in dem Sinn, dass sich mein Glaube darin erschöpft, dass ich für mich glaube. Er will immer auch geteilt sein. Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf sagte: Ohne Gemeinschaft konstatiere ich kein Christentum. Mit unseren Worten gesagt: Wenn jemand behauptet, dass er die anderen zum Glauben an Jesus nicht braucht, dann glaubt er vielleicht irgendwie, aber nicht im Sinne des Neuen Testaments. Der Glaube an Jesus verbindet immer auch mit den anderen, die auch an Jesus glauben. Wir brauchen einander. Wir brauchen es, dass wir einander ermutigen, stärken, zuhören, verstehen und auch korrigieren. Kurz: Wir brauchen es, dass wir auch untereinander in Liebe zugetan sind. Liebe muss immer praktisch werden, sonst hat sie keinen Wert. Dazu sind wir aufgerufen. Dieses Gebot gibt uns Jesus: Liebt Gott und liebt einander.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Samstag, 10. Oktober 2020

    Wenn der HERR spricht, so geschieht’s; wenn er gebietet, so steht’s da.           Psalm 33,9

    Da staunt einer über Gott. Über Gottes Macht. Wie einfach kann Gott doch alles ändern. Ein Wort reicht – und alles ist anders. Das ist die tiefe Erkenntnis, die ihn froh und getrost macht. Gottes Wort – das hat Schöpferkraft. Am Anfang der Bibel wird uns beschrieben, wie Gott diese Welt geschaffen hat. Wie er dabei vorgegangen ist. Er hat gesprochen – und dann war das, was er befohlen hatte, einfach da. Er sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. So einfach. Sein Wort schafft Fakten.

    Sein Wort, das ist aber auch seine Zusage an uns. Im selben Psalm, wenige Verse zuvor heißt es: Denn des HERRN Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiss. Gott bindet sich an dieses Wort. Gott hält sein Wort. Was Gott uns verspricht, darauf können wir uns felsenfest verlassen.

    Nun haben wir ein ganzes Buch, eine ganze Bibel mit 1189 Kapiteln vor uns, voller Wort Gottes. Voller Zusagen. Voller Wegweisung. Voller Unterweisung. Voller Korrekturhilfe für unser Leben. Dieses Wort schafft, wozu es uns ruft. So ist auch unser Glaube nicht eine Laune unserer Sinne, nicht unserer Einsicht und Klugheit geschuldet, sondern eben diesem Wort. Martin Luther bekannte: Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann. Sondern der Heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen. Das ist der Weg, wie Gott Menschen zum Glauben führt: Dass der Heilige Geist durch das Evangelium, durch das Wort Gottes, Menschen dazu befähigt.

    Es ist unendlich gut für unser Leben, uns diesem Wort Gottes auszusetzen; mit ihm umzugehen. Es zu lesen, zu studieren, zu meditieren, darüber zu beten und so von Gott immer mehr geprägt und bestimmt zu werden. Wir hören und lesen so viele Worte von Menschen. So viele Worte und Versprechen, bei denen noch nicht sicher ist, ob sie wirklich eingehalten werden. Bei Gottes Wort dürfen wir sicher sein: Es geht in Erfüllung, was Gott uns verspricht. Darum wollen wir vor und über allen Menschenworten auf Gottes Wort hören – und ihm von Herzen vertrauen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Freitag, 9. Oktober 2020

    Ich dachte, ich arbeitete vergeblich und verzehrte meine Kraft umsonst und unnütz. Doch mein Recht ist bei dem HERRN und mein Lohn bei meinem Gott.            Jesaja 49,4

    Ein lateinisches Wort, das Eingang in unsere Sprache gefunden hat, heißt: »frustra«. »Frustra« bedeutet: vergeblich, nutzlos, umsonst, zwecklos. Was »Frust« ist, kennen wir alle aus eigener Erfahrung. Da hat man sich abgemüht, hat überlegt, geplant, gearbeitet und sich abgemüht – und dabei rausgekommen ist nichts. Auch glaubende Menschen machen diese Erfahrung – und sprechen sie Gott gegenüber als Klage aus: Ich habe doch nichts falsch gemacht. Und dennoch erlebe ich, dass die erhoffte Frucht meiner Arbeit ausbleibt; dass ich nicht das ernten kann, was ich erwartet habe.

    In Jesaja 49 ist es der Gottesknecht, der in der christlichen Tradition mit Jesus Christus identifiziert wird, der so spricht. »Frustra« so dachten die Jünger, als sie die Mühen sahen, die Jesus auf sich nahm, um seinem Volk Gottes Weg darzulegen. »Frustra« dachten sie, als sie seine Leiden sahen und die Schmerzen, als er geschunden und geschlagen durch die Straßen Jerusalems getrieben wurde, hinaus zur Schädelstätte Golgatha, wo sie ihn ans Kreuz schlugen. »Frustra« - alle Hoffnungen begraben, tot und vergessen. So dachten die Jünger. Sie hatten nur den ersten Satz aus unserer Losung vor Augen: Ich dachte, ich arbeitete vergeblich und verzehrte meine Kraft umsonst und unnütz. Doch Jesus wusste auch um den zweiten Satz. Er wusste: Doch mein Recht ist bei dem HERRN und mein Lohn bei meinem Gott.

    In dieser Spur dürfen auch wir als Christen in seiner Nachfolge unterwegs sein. Der Glaube an Jesus ist keine Vollkaskoversicherung. Er ist kein Schutzzauber gegen alle Probleme, Krankheiten und Schwierigkeiten. Der Glaube an Jesus mag uns oft Wege führen, die wir nicht begreifen oder einordnen können. Die nicht ins Schema: gerechte Entlohnung zu passen scheinen. Bei denen auch wir sprechen wie der Gottesknecht in Jesaja 49. Sprechen und bekennen wir doch auch den zweiten Satz: Mein Recht ist bei dem HERRN und mein Lohn bei meinem Gott. Gott lässt uns nicht zu kurz kommen – auch wenn wir auf den ersten Blick meinen, wir kämen zu kurz. Gott wird uns durchtragen – und am Ende wird er das letzte Wort behalten. Am Ende dürfen wir bei ihm sein, am Ende wird er alle Tränen trocken. Und am Ende werden keine Fragen mehr offen bleiben. Dorthin sind wir unterwegs. Daran wollen wir festhalten.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Donnerstag, 8. Oktober 2020

    Lasst euch den Siegespreis von niemandem nehmen!                  Kolosser 2,18

    Auf der Weltkonferenz für Evangelisation in Manila wurde vor vielen Jahren ein Text in englischer Sprache von den Konferenzteilnehmern verabschiedet. Darin hieß es: »Fellowship is costly«. Bei der Übersetzung ins Deutsche stockten die Übersetzer: »Nachfolge ist …«, ja, was denn nun, denn »costly« kann man in zwei Richtungen übersetzen: Einmal kann es heißen »kostbar«, »wertvoll« also. Dann aber auch »kostspielig«, »teuer«, es kostet mich etwas. Was ist nun die richtige Übersetzung im Blick auf die Nachfolge, den Glauben an Jesus Christus? Schließlich fanden die Übersetzer: Beides ist richtig und wichtig. Was uns im Glauben geschenkt wird, das ist unendlich kostbar. In unserem Lehrtext ist von einem »Siegespreis« die Rede. Gemeint ist der Glaube an Jesus Christus, das Leben mit ihm, die Nachfolge. Das ist wie ein Hauptgewinn. Zum Staunen: Gott will uns haben. Gott ruft uns – gerade uns in seine Mannschaft. Jesus will uns haben, mich und dich. Etwas Kostbareres, etwas Wertvolleres, etwas Schöneres und Erfüllenderes gibt es nicht für unser Leben – als mit Jesus Christus zu leben. Das ist der tiefste Sinn unseres Lebens, dass wir mit Gott verbunden leben.

    Weil dieser Glaube aber so kostbar ist, so wertvoll, darum erfordert er auch unsere ganze Aufmerksamkeit. Gott hat es verdient, dass wir ihm allein dienen – und keinem anderen. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir heißt es im Ersten Gebot. Gott erhebt Anspruch auf unser Leben – auf unser ganzes Leben. Darum kostet ein Leben mit Gott auch etwas. Nämlich, dass wir ganz bei ihm bleiben.

    Es gilt, den Siegespreis, der uns durch Jesus geschenkt ist, festzuhalten, nicht loszulassen. Und es gilt, dass wir ihn uns von niemand wegnehmen lassen. So viele Stimmen stürmen tagtäglich auf uns ein. So viele Menschen, Ideen, die uns etwas anderes sagen als das, was uns unser Herr Jesus Christus sagt. Wie absurd wäre es, wenn wir diesen Stimmen gehorchen würden und aus seiner Spur treten würden. Und doch gibt es diese absurde Möglichkeit. Sie ist so real, dass der Apostel uns davor eindringlich warnt: Lasst es euch nicht nehmen. Bleibt in der Spur. Hört auf Jesus. Was uns dabei hilft: Paulus spricht eine Mehrzahl von Menschen an – nicht nur ein Individuum. Er sagt nicht: Lass dir… sondern lasst euch den Siegespreis nicht nehmen. Wir Christen brauchen einander, um gemeinsam in der Spur Jesu bleiben zu können. Mit ihm und miteinander wollen wir es uns gesagt sein lassen: Der Siegespreis für uns liegt bereit. Jesus schenkt ihn uns. Bleiben wir also miteinander in seiner Spur. Er soll das Sagen in unserem Leben haben und niemand anders.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Mittwoch, 7. Oktober 2020


    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    der Vers für heute aus dem Büchlein der Herrnhuter Losungen kommt vom Propheten Hesekiel. Er ist die fragende Stimme Gottes: „Meinst du, dass ich Gefallen habe am Tode des Gottlosen, spricht Gott der Herr, und nicht vielmehr daran, dass er sich bekehrt von seinen Wegen und am Leben bleibt?“ (Hes. 18,23)

    In diesem Wort des Hesekiel leuchtet auf, wie Gott ist oder vielmehr – wie er nicht ist: Gott ist keiner, dem es Spaß macht, uns wegen unserer Fehltritte zu bestrafen. Er ist keiner, der sich die Hände reibt, wenn wir ungute Wege gegangen sind, weil er uns dann mit strenger Miene eine ordentliche Tracht Prügel verpassen kann.

    Es mag sein, dass wir als Menschen Gott so sehen. Als einen, der ohne Zögern straft, wo wir versagt haben und den wir höchstens dann noch ein bisschen gnädiger stimmen können, damit es nicht zu schlimm wird. Wenn wir ehrlich sind: vielleicht wünschen wir uns ihn auch manchmal sogar so, vor allem, wenn es um andere geht. So, wie der andere da sein Leben führt, da wird Gott jetzt sicherlich und hoffentlich mal richtig drein hauen und ihn nicht davonkommen lassen!

    Und ja: Die Bibel zeigt uns Gott immer wieder als den, der falschen Wegen seiner Menschen klar entgegentritt, der Grenzen aufzeigt und auf den Tisch haut, wenn seine Menschen nicht hören wollen, nicht einsehen wollen, dass sie sich mit ihren eigensüchtigen Wegen selbst und anderen schaden und noch dazu ihren Schöpfer verachten. Aber Gott straft nicht aus Rachsucht, sondern um zur Umkehr zu bewegen, zur Einsicht und damit letztendlich für uns, nicht gegen uns. Und wo wir umkehren, uns etwas sagen lassen, da ist er von Herzen gern bereit, zu vergeben und uns das Leben in Fülle zu schenken.

    Wie wenig Gott am Strafen liegt und wie viel daran, dass wir ungute Wege verlassen und ihn suchen, zeigt eindrücklich die Geschichte der Menschen in der Stadt Ninive. Ihr Verhalten war so böse, dass ihnen Gott durch den Jona ihren Untergang ansagen ließ. Das war der Prophet, der keine Lust hatte, nach Ninive zu gehen, vor Gott floh und dann im Bauch des Wales landete, Sie kennen die Geschichte. Das Unglaubliche ist, dass die Leute in Ninive wider alles Erwarten auf Jonas Ruf zu Umkehr hören. Und Gott lenkt ein, straft nicht – was dem Jona wiederum gar nicht gefällt, er hätte Gott zu gern als Strafenden erlebt, wobei er ganz vergisst, dass Gott ihm selbst das Leben geschenkt hat, nachdem Jona selbst vor Gott davongelaufen ist.

    Sie kennen auch die Geschichte vom verlorenen und wiedergefundenen Sohn, dem der Vater nur allzu gern vergibt und ihn wieder aufnimmt. Auch da gibt es einen, den älteren Sohn, der den Vater viel lieber als Strafenden erlebt hätte. Ja – der Gott, den wir uns schaffen in Gedanken, der ist ein strafender und unbarmherziger Gott. Der Gott der Bibel aber ist einer, der auf uns wartet, auf unser Umkehren zu ihm, der uns dann wie ein inkonsequenter Vater oder Mutter gern vergibt, uns in die Arme nimmt, froh ist, uns nicht hart angehen zu müssen.

    Noch einmal der Vers für heute und für unser Leben: „Meinst du, dass ich Gefallen habe am Tode des Gottlosen, spricht Gott der Herr, und nicht vielmehr daran, dass er sich bekehrt von seinen Wegen und am Leben bleibt?“ Das gilt auch für Sie und mich!

    Ich wünsche Ihnen einen guten Tag, Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • addAndacht für Dienstag, 6. Oktober 2020

    Ich will mein Angesicht nicht mehr vor ihnen verbergen; denn ich habe meinen Geist über das Haus Israel ausgegossen, spricht der HERR.                                                                              Hes 39,29

    Gott ist da für uns und Gott bleibt da. Das ist die wunderbare Botschaft dieses Verses. Eine erstaunliche Botschaft. Kennt doch die Bibel auch die Botschaft, dass Gott sein Angesicht verbergen kann. Was dann passiert, beschreibt der Psalmbeter im 104. Psalm: Verbirgst du dein Angesicht, so erschrecken sie; nimmst du weg ihren Odem, so vergehen sie und werden wieder Staub. Hier, in Hesekiel 39 schildert Gott seinem Propheten gegenüber ein Gottesverhältnis von ganz neuer Qualität. Ein Gottesverhältnis, das von Beständigkeit geprägt ist. Und diese Beständigkeit verleiht Gott selbst – durch seinen Heiligen Geist.

    Sein Geist ist ein Geist des Gehorsams. Ein Geist, der sich nach Gott sehnt und seine Nähe sucht. Ein Geist, der Gottes Wege gehen will. Und es ist ein Geist des Gebets. Eine Umschreibung für das Gebet finden wir im Psalm 27: Mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlitz suchen. Darum suche ich auch HERR, dein Antlitz. Die Tür zum Vater ist offen. Wir dürfen kommen mit all unseren Anliegen. Mit all dem, was uns bewegt. Jesus hat sie uns geöffnet. In Jesus Christus ist dieses Wort, diese Prophetie des Hesekiel in Erfüllung gegangen. Da lädt Gott uns ein, nicht mehr nur Gäste oder Fremdlinge bei ihm zu sein, sondern als seine Kinder mit ihm und bei ihm zu leben. Da verspricht er uns um seines geliebten Sohnes willen, dass er sein Angesicht nicht vor uns verbirgt, sondern in allen Lebenslagen für uns da ist.

    Was uns vielleicht so selbstverständlich erscheint, ist und bleibt ein Wunder, etwas Erstaunliches. Ich wünsche uns, dass wir immer wieder neu darüber staunen und dass Gottes Geist uns immer wieder neu darüber froh werden lässt, dass Gott uns haben will und mit uns leben will. Dass uns genau das, was Hesekiel hier beschreibt gilt – heute und für immer.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Montag, 5. Oktober 2020

    Du Menschenkind, alle meine Worte, die ich dir sage, die fasse mit dem Herzen und nimm sie zu Ohren!                                                                                                        Hesekiel 3,10

    Dieses Kapitel 3 schildert die Berufung Hesekiels durch Gott zu seinem Propheten. Was einen Propheten ausmacht, ist, dass er zum Einen Gottes Wort hört, vernimmt. Und zum andern, dass er dieses empfangene Wort unverfälscht weitergibt.

    Nun sind wir alle keine Propheten im Sinne eines Hesekiel. Und doch gilt uns dieses ganz allgemeine Wort. Denn eines haben wir mit diesem Propheten gemeinsam: Wir sind Menschenkinder. Gott redet zu uns nicht in der Unmittelbarkeit eines alttestamentlichen Propheten. Aber er redet zu uns, vermittelt durch das Wort von Menschen – so wie es uns in der Bibel aufgeschrieben ist. Wir glauben und vertrauen darauf, dass die Autoren der Bibel – es war eine große Zahl – uns Gottes Wort unverfälscht weitergegeben haben. Und so können wir – durch sie vermittelt – bis heute Gottes Wort hören. Ja, gerade heute, in unserer ganz konkreten Situation, hören – und erfahren: Das gilt, was Gott uns sagt.

    Was uns auch mit diesem Propheten Hesekiel verbindet ist, dass es Hörbereitschaft braucht, um mit Gottes Wort angemessen umzugehen. Des geht darum, Gottes Wort im Herzen zu fassen. Das Herz ist in der Sprache der Bibel das Personzentrum eines Menschen: Da, wo unser Denken, Fühlen, Wollen zuhause ist. Im Herzen fallen die wichtigen Entscheidungen. Da will dieses Wort gefasst sein. Da will es unser Denken, Fühlen, Planen und Handeln bestimmen. Gott will der Herr unseres ganzen Lebens sein. Und Gott will, dass wir alle seine Worte im Herzen behalten. Nicht nur die, die mir gefallen, sondern auch die, die mich korrigieren wollen. Mark Twain sagte: Nicht die Stellen in der Bibel machen mir zu schaffen, die ich nicht verstehe, sondern die ich verstehe. Ja, Gottes Wort will uns auch zu schaffen machen, ja, es will manchmal nicht nur beruhigen, sondern auch beunruhigen. Was uns hilft, Gottes Wort so im Herzen zu fassen ist, es uns immer wieder zu Ohren zu nehmen, uns ihm auszusetzen, es zu hören, zu lesen und zu studieren. Denn durch dieses Wort wirkt Gott an uns und will uns leiten und prägen und verändern.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 28.09. bis 04.10.

  • addAndacht für Sonntag, 4. Oktober 2020

    Verlass dich auf den HERRN von ganzem Herzen, und verlass dich nicht auf deinen Verstand, sondern gedenke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen.             Sprüche 3,5-6

    Gott hat uns unseren Verstand und unsere Vernunft geschenkt, natürlich damit wir sie auch einsetzen. Er gehört zu den wunderbarsten Gaben, die wir als Geschöpfe Gottes mitbekommen haben. Und der Glaube ist ganz sicher nicht etwas, wo man den Verstand an der Garderobe abgeben muss. Auch da sollen wir ihn gebrauchen und einsetzen – wie in allen unseren Lebensbezügen.

    Wir hätten diesen weisheitlichen Rat aus dem Sprüchebuch gründlich missverstanden, wenn wir zwischen Gottvertrauen und dem Gebrauch unseres Verstandes eine grundsätzliche Wegscheidung oder Alternative erkennen wollten.

    Darum geht es nicht – keine falsche Alternative im Generellen. Doch wir können in der Tat unseren Verstand, unsere Vernunft auch über­fordern. Dann nämlich, wenn wir unser ganzes Leben davon ab­hängig machen und uns nur noch auf unseren Verstand verlas­sen. Wenn wir diese falsche Alternative in die andere Richtung ausziehen: Mir reicht mein Verstand, Gott brauche ich nicht dazu. Wenn die Überheblichkeit um sich greift und wir meinen, alle Probleme und Nöte dieser Welt selbst lösen zu können und zu müssen. Unser Verstand, unsere Vernunft reicht ja.

    Das wäre auch eine falsche Alternative. Nein: Gebrauchen sollen wir unseren Verstand, unsere Vernunft. Aber Verlassen und vertrauen sollen wir vielmehr unserem Gott, der es gut mit uns meint und der uns in Jesus Christus persönlich begeg­net. Er liebt uns und will uns begleiten. Er will uns segnen und uns seine Kraft und Vergebung schenken. Er führt uns, er begleitet uns. Und das brauchen wir. Denn das ist gut für uns.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Samstag, 3. Oktober 2020

    Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die wohnen im finstern Lande, scheint es hell.                                                                                                     Jesaja 9,1

    30 Jahre deutsche Einheit. Wer damals, vor knapp 31 Jahren die friedliche Revolution und den Mauer­falls erlebt hat, das, was so überraschend und so gewaltlos kam, staunt oft heute noch darüber, dass das so möglich war. Ein hoher Stasi-Offizier sagte: Auf alles waren wir vorbereitet, aber nicht auf Kerzen und Gebete. Erinnern wir uns: Damit hat es angefangen – mit den Montagsgebeten in den Kirchen und den anschließenden friedlichen Demonstrationen für echte Demokratie und Freiheit. 30 Jahre ist es heute auf den Tag genau her, dass dieser Prozess zu einem vorläufigen Abschluss kam.

    Was haben wir draus gemacht? Schnell war klar: Mit der formalen Einheit sind noch nicht alle Probleme beseitigt. Die Kluft zwischen Ost und West ist immer noch nicht geschlossen. Die Löhne sind immer noch nicht angeglichen – auch nach 30 Jahren nicht. Und manchmal habe ich den Eindruck, dass all die Probleme und Nöte, die wir immer noch haben, uns den Dank und die Freude, über das, was uns da geschenkt wurde mit der Einheit unseres Landes, etwas genommen hat.

    Unsere Losung führt uns eine andere Dimension vor Augen – nicht das, was Menschen machen und Menschen leisten können, sondern das, was Gott tut – für ein Volk. In diesem Fall: Das Volk Israel. Doch seit Jesus Christus wissen wir: Es ist nicht auf Israel beschränkt. Es gilt allen Völkern. Gott will unsere Finsternis ohne ihn – die Finsternis der Schuld, die Finsternis der eigenen Wege, die Finsternis der Ratlosigkeit und die Finsternis der Resignation beseitigen. Indem er selbst uns aufgeht, indem er selbst durch seine Gegenwart es hell macht. Gott möchte, dass wir nicht ohne ihn, sondern mit ihm leben. Das gilt für Einzelne, aber das gilt auch für Gemeinschaften und Gesellschaften. Unser Gott überlässt uns nicht uns selbst. Er ist für uns da. Er will retten, er will vergeben. Er will neu anfangen. Mit ihm zu leben, das dämpft nicht die Freude und den Dank, sondern die Sorge und die Angst. Und das wünsche ich uns und unserem deutschen Volk – wie allen Völkern dieser Erde.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Freitag, 2. Oktober 2020

    Ihre Wege habe ich gesehen, aber ich will sie heilen und sie leiten und ihnen wieder Trost geben.

    Jesaja 57,18

    Die Wege, die die Menschen gehen, sind oft sehr selbstbewusste Wege. Die Botschaft, die in vielen Hollywood-Filmen transportiert wird, lautet: Du kannst alles schaffen, wenn du nur willst. Jeder ist seines Glückes Schmied. Vertrau einfach deinen Fähigkeiten, deiner Kraft, deinem Vermögen. Und dann schaffst du’s. Der Werbeslogan im Jahr 1912 für den damals modernsten Ozeanriesen, die Titanic lautete: Dieses Schiff braucht keinen Gott. Ich habe den Eindruck, dass heute viele Menschen sich diesen Slogan zum Lebensmotto gemacht haben: Ich brauche keinen Gott. Ich schaff das selber. Die Wege, die Menschen gehen, sind oft von Selbstvertrauen, ja nicht selten von Selbstüber­schätzung geprägt. Mit zur häufigsten Personengruppe, wegen der die Bergwacht in den Alpen ausrücken muss, sind Männer so um die 60, die’s noch einmal wissen wollen – und dann am Berg einen Schwächeanfall erleben.

    Ihre Wege habe ich gesehen – sagt Gott. Die Wege, die die Menschen gehen, sind dort, wo wir sie ohne Gott gehen, oft auch Irrwege, Sackgassen. Sackgassen, aus denen wir selbst nicht mehr herausfinden. Die Wege, die Menschen gehen, sind oft genug auch gefährliche Wege, Wege der Selbstzerstörung. Wir Menschen machen uns selbst kaputt. Die Sünde macht uns kaputt, aus der wir nicht herauskommen.

    Ihre Wege habe ich gesehen – sagt Gott. Doch er lässt es nicht dabei bewenden. Er wendet sich nicht ab und sagt: »Selbst schuld! Hättet ihr früher auf mich gehört«. Ihn jammert es, wenn er sieht, wohin wir uns mit unseren eigenen Wegen verstiegen haben. Er sieht, er sieht unsere Wege und er weiß, dass unsere Wege ohne ihn immer nur Unheilswege, verlorene Wege sein können. Darum macht er sich selbst auf. Darum wird er selbst einer von uns, um uns zu retten – um uns zu suchen, um uns zu heilen und sich ganz neu mit uns zu verbinden. Dafür steht das Kreuz von Jesus Christus: Dass Gott heil machen will. Dass Gott verlorene Menschen zurückholt in die Gemeinschaft mit sich. Dass er uns leiten will und uns Trost geben will. Lassen wir es uns doch schenken – jeden Tag neu. Leben wir mit ihm, gehen wir auf dem Weg, den er uns führt – und nicht mehr unsere eigenen Wege.

    Pfarrer Andreas Streich 

     

  • addAndacht für Donnerstag, 1. Oktober 2020

    Weil du im Herzen betroffen bist und du dich gedemütigt hast vor Gott, so habe ich dich auch erhört, spricht der HERR.                                   2. Chronik 34,27

    Diese Worte lässt Gott durch die Prophetin Hulda dem frommen König Josia ausrichten. Was macht einen frommen König aus? Dass er alles richtig macht? Dass er sich keinen Fehler leistet? Manchmal habe ich den Eindruck, dass Politiker heutzutage sich keine Fehler mehr leisten dürfen. Beim kleinsten Irrtum, bei der ersten Fehlentscheidung wird ihr Rücktritt gefordert. Da können Presse und politische Gegner erbarmungslos sein. Menschen machen Fehler – auch Regierende.

    Was diesen König Josia hier auszeichnet, ist nicht seine Klugheit und Besonnenheit in politischen Fragen, sondern seine Betroffenheit über der Schuld seines Volkes. Im Tempel wurde bei Renovierungsarbeiten ein altes Gesetzbuch gefunden. Das Gesetzbuch. Das Gesetzbuch, das all das enthält, was Mose von Gott empfangen hat. Darin war auch von Verheißung die Rede, wo das Volk Gottes Geboten gehorcht. Und es war von Warnungen, ja Flüchen die Rede, die dem Volk drohen, wo es sich von Gottes Geboten abwendet. Es geht ohne Gott in die Dunkelheit – das war die klare Botschaft.

    Diese Botschaft hat den König Josia so betroffen gemacht. Nicht oberflächlich, sondern im Herzen. Er ist erschrocken über seiner Schuld und über der Schuld seines Volkes. Über der abgrundtiefen Verlorenheit, in der wir Menschen – alle Menschen – gegenüber dem lebendigen Gott stecken. Ja, es muss anders werden. Wir müssen anders werden. Und das schaffen wir nicht allein – wir brauchen Gott dazu.

    In Jesus Christus kommt der lebendige Gott selbst, um all das auszuräumen an Schuld und Sünde, was uns von unserem Gott trennt. Sein Urteil zählt – nicht, ob wir uns für schuldig oder anständig halten. Sein Urteil zählt – und seine Rettung brauchen wir. Jesus ist für uns gestorben. Und für uns – genau wie für Josia – geht der Weg zur Rettung immer über die Betroffenheit im Herzen, über das heilsame Erschrecken über das Gewicht unserer Schuld, über die Demut vor Gott – und über das Erhören, die Rettung, die Gott uns in Jesus Christus ganz fest verspricht.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Mittwoch, 30. September 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    die Losungen greifen täglich einzelne Verse aus dem biblischen Text heraus und stellen sie über den Tag. Nicht immer ist das nur hilfreich. Dann nämlich nicht, wenn so ein einzelner Vers ohne seinen Zusammenhang dasteht und dadurch einen falschen Klang bekommt. So empfinde ich das zumindest bei der heutigen Losung. Sie heißt: „Ich glaube, auch wenn ich sage: Ich werde sehr geplagt.“ Der Vers steht in Psalm 116. Höre ich diesen steilen Satz nur so für sich, dann denke ich: Mensch, wer das sagen kann, der muss aber einen festen Glauben haben, wenn er selbst in Schwierigkeiten und Not so ohne Weiteres an seinem Gott festhält. Das muss so einer sein wie Hiob, der seinen Glauben in der tiefsten Tiefe nicht aufgab. Aber ich? Manchmal genügen verhältnismäßig kleine Probleme, dass ich verzagt werde.

    Wenn wir in den erwähnten Psalm 116 hineinlesen, dann klingt auch unsere Tageslosung anders. Ich lese einige Verse:

    Ich liebe den HERRN, denn er hört
         die Stimme meines Flehens.
    Er neigte sein Ohr zu mir;
         darum will ich mein Leben lang ihn anrufen.
    Stricke des Todes hatten mich umfangen, /
    des Totenreichs Schrecken hatten mich getroffen;
         ich kam in Jammer und Not.
    Aber ich rief an den Namen des HERRN:
         Ach, HERR, errette mich!
    Der HERR ist gnädig und gerecht,
         und unser Gott ist barmherzig.
    (…)
         wenn ich schwach bin, so hilft er mir.
    (…)
    Ich glaube, auch wenn ich sage:
         Ich werde sehr geplagt.

    Soweit einige Verse aus Psalm 116. Da spricht keiner, der sich auf seinen starken Glauben etwas einbildet. Sondern einer, der ganz unten war, ganz verzweifelt – und die Hilfe Gottes erfahren hat, der ihn nicht im Stich ließ. Und aus dieser Erfahrung heraus wächst dankbares Vertrauen – oder vertrauende Dankbarkeit: „Ich glaube, auch wenn ich sage: ich werde sehr geplagt.“ Das ist die Liebeserklärung eines Kindes, das nach erfahrener Hilfe durch den Vater oder die Mutter nun auf dem Schoß sitzt und aus voller Geborgenheit größtes Vertrauen formuliert.

    Gott erwartet von uns kein Vertrauen, um uns erst dann zu helfen. Viele Menschen denken so über Gott und bleiben ihm fern, weil sie völlig zu Recht sagen: einer Vertrauensprüfung bin ich niemals gewachsen. Aber so ist Gott nicht. Er hilft uns, wenn wir zu ihm schreien. Unser Vertrauen zu ihm entsteht und wächst, wenn wir staunend erleben: er hilft uns ja tatsächlich! Probieren Sie das doch aus! Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • addAndacht für den Tag des Erzengels Michael, Dienstag, 29. September 2020

    Der Engel des HERRN lagert sich um die her, die ihn fürchten und hilft ihnen heraus. Psalm 34,8

    Engel haben für viele Menschen heute eine große Bedeutung – nicht nur in esoterischen Kreisen: als Schutzengel werden sie geschätzt oder als Botschafter einer unsichtbaren Welt. Und natürlich gibt es Engel auch in der Bibel.

    Aus ihr kennen wir das Woher der Engel: Keine anonyme Macht, nicht ein Schicksal schickt uns seine Engel, sondern Gott, der HERR, der Gott, der sich mit seinem Namen uns zu erkennen gegeben hat. So heißt es im Leitspruch für den Michaelstag: Der Engel des HERRN lagert sich… Und auch sein Name weist auf Gott hin: Michael – das heißt: »Wer ist wie Gott?« Wichtiger als die Engel selbst ist der, der sie sendet: Gott, der HERR, der sich seinem Volk Israel gezeigt. Gott, der HERR, der sich in seinem Sohn Jesus Christus zu erkennen gab. Jesus sagt: Wer mich sieht, sieht den Vater. Die Engel gehören zu Gott, sie sind Gottes Diener.

    Aus der Bibel kennen wir auch den Auftrag der Engel. Gott hat uns Menschen geschaffen, um mit ihm in Verbindung zu leben. Diesem Auftrag dienen auch der Engel des HERRN: Er lagert sich um die her, die ihn fürchten, um sie zu bewahren und ihnen zu helfen. Das mag Bewahrung in äußerlichen Dingen sein: »In wie viel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet?« Aber es geht auch um die innere Bewahrung, die Bewahrung unseres Herzens. Dass wir in der Gottesfurcht bewahrt werden, darin, Gott ganz zu vertrauen.

    Engel gehören zur unsichtbaren Welt Gottes. Viel wissen wir nicht über sie. Vielleicht auch deshalb, weil wir gar nicht mehr über sie wissen müssen. Viel wissen wir auch über Gott nicht. Doch das, was wir wissen, das hat er uns gezeigt und gesagt: Im Blick auf die Engel und im Blick auf sich selbst. Dass er für uns da ist, dass er uns bewahren und uns retten will. In Jesus Christus sehen wir, wie Gott es im Tiefsten seines Herzens meint. Von ihm heißt es im Hebräerbrief, dass er höher ist – viel höher – als alle Engel. Ihm wollen wir vertrauen, ihn in allen Nöten anrufen und auf ihn hören. Und die Engel Gottes werden uns darin bewahren.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Montag, 28. September 2020

    Denk an deinen Schöpfer in deiner Jugend, ehe die bösen Tage kommen und die Jahre sich nahen, da du sagen wirst: »Sie gefallen mir nicht«                                                 Prediger 12,1

    Bei schönstem Wetter waren sie losgewandert – im Spätsommer in den Bergen wollten sie eine mehrtätige Tour von Hütte zu Hütte machen. Die ersten beiden Tage war es herrlich: die Sonne schien, ein sanftes Lüftchen blies. Doch dann schlug das Wetter um. Am Morgen des dritten Tages schüttete es aus Kübeln. Nebelschwaden zogen durch die Berge, so dicht, dass man kaum die Hand vor Augen sehen konnte. Sie konnten nicht weiter. Am nächsten Tag wich zwar der Nebel, doch der Regen blieb. Sie mussten weiter. Sie sagten sich den Spruch, den Sie vielleicht auch schon gehört haben: »Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur unsachgemäße Kleidung«. Also wurde die Regenkleidung übergezogen und weitermarschiert. Es war anders, aber es ging. Wenn man die richtige Ausrüstung hat: sachgemäße Kleidung.

    Sachgemäße Lebensvorbereitung – so möchte ich das Losungswort für heute überschreiben. Wie bereite ich mich auf die »Regentage« im übertragenen Sinne, die stürmischen Zeiten in meinem Leben richtig vor? Was kann ich tun, damit ich nicht völlig aus der Bahn geworfen werde, wenn Zeiten kommen, die mir nicht gefallen? Der Prediger Salomo gibt uns einen klaren Hinweis: Denke an deinen Schöpfer in deiner Jugend, ehe die bösen Tage kommen. Denke an ihn – das heißt: Beschäftige dich mit ihm. Lebe mit ihm. Such seine Nähe. Höre auf ihn, auf das, was er dir in seinem Wort, in der Bibel zu sagen hat. Und such die Nähe zu anderen, die auch an ihn denken wollen.

    Das ist die beste und zugleich die einzige sachgemäße Lebensvorbereitung: Denn er ist auch dann noch für dich da, wenn die bösen Tage kommen und die Jahre, da du sagen wirst: Sie gefallen mir nicht. Er ist da und er bleibt da. Seine Hand lässt nicht los. Leben wir doch heute mit ihm – denn auch die bösesten Tage können uns nicht aus seiner Hand reißen. Wohl dem, der einen Halt hat. Wohl dem, der eine Hoffnung hat, die über den Tod hinausreicht. Und wohl dem, der nicht erst dann suchen muss, wenn die bösen Tage schon da sind. Deshalb: Denk an deinen Schöpfer heute, lebe heute mit ihm. Das ist die beste und die einzig sachgemäße Lebensvorbereitung. Gott ist für uns da.

    Pfarrer Andreas Streich

     

 

Woche vom 21.09. bis 27.09.

  • addAndacht für Sonntag, 27. September 2020

    Der HERR lässt sein Heil verkündigen; vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar. Psalm 98,2

    In der Corona-Pandemie warten wir immer noch auf den großen Durchbruch: Ein Heilmittel oder ein sicherer und wirksamer Impfstoff für alle. Gespannt schauen Politiker und Bevölkerung auf die Wissenschaftler, die mit Hochdruck daran arbeiten. Wann endlich ist es soweit? Wann endlich kommt ein Impfstoff? Wann endlich kann sich das Leben wieder normalisieren? Wenn es soweit ist – und nicht bloß ein unerprobter Sputnik-Impfstoff für den Sputnik-Effekt auf den Markt geworfen wird – dann werden es alle erfahren.

    In einem noch viel tieferen und weiteren Sinne als alle Heilmittel gegen Corona stellt Gott uns sein Heil vor Augen. Da müssen wir nicht mehr auf einen Impfstoff warten, sein Heil ist längst da! Sein Heilmittel gegen Sünde, Tod, Verzweiflung und Verlorenheit steht zur Verfügung. Er lässt sein Heil verkündigen! Er macht es publik! Sein Heil hat einen Namen: Jesus Christus, Gottes Sohn. Das ist Gottes Heilsbringer – der einzige, der wirklich Heil bringt für alle Menschen. Der, der den Völkern Gottes Gerechtigkeit schenkt: Gott nimmt uns an, ohne dass wir etwas dafür tun müssen oder dafür tun könnten. Gott lässt uns noch einmal neu anfangen. Gott vergibt alle Schuld um Jesu Christi willen. Dafür ist er am Kreuz gestorben. Das ist das Heilmittel, das wir noch viel dringender brauchen als alle Mittel gegen Corona. Und Gott lässt es verkündigen. Gott macht es den Völkern offenbar.

    Gesundheit ist wichtig – sehr wichtig sogar. Aber noch wichtiger ist: Gottes Heil, das er uns Menschen schenken will. Denn das bleibt uns erhalten – auch da, wo die Gesundheit wegbrechen mag. Deshalb: Nicht »Hauptsache gesund« sondern: »Hauptsache: Gottes Heil in Jesus Christus«. Das ist Grund zur Freude; das ist Halt in schwierigen Zeiten; das ist Trost, selbst dort, wo alle eigenen Möglichkeiten zu Ende sind. Leben wir davon; leben wir mit ihm!

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • addAndacht für Samstag, 26. September 2020

    Ich bin bei dir, spricht der HERR, dass ich dir helfe.                        Jeremia 30,11

    Gott ist da – das ist der alles entscheidende Faktor in unserem Leben. Natürlich können wir nicht ausblenden, was unser Leben belastet und schwermacht. Natürlich sollen wir nicht verdrängen, was uns zu schaffen macht. Natürlich steht uns vor Augen, was uns alles nicht möglich ist und welche Wege uns verbaut sind. Doch das alles ist nicht entscheidend – so die Botschaft unserer Losung. Entscheidend ist allein, dass Gott uns zuspricht: Ich bin da, dass ich dir helfe. Das wiegt viel schwerer als alles andere, das uns entmutigen möchte oder uns die Kraft raubt. Gott ist da, um zu helfen.

    Dieses Wort ist ursprünglich gesprochen an das Volk Israel. Mitten hinein in eine der schwierigsten Situationen, die sie je erleben mussten: Das Land war erobert. Die erhoffte Hilfe Gottes gegen die Feinde blieb aus. Zumindest in der Form, wie die Menschen es sich erwartet hatten. Der Tempel des HERRN in Jerusalem – den viele für eine Unbesiegbarkeitssymbol gehalten hatten – lag in Trümmern. Gott hatte es zugelassen, dass die Feinde siegten, um der Sünde seines Volkes willen. Nun waren alle Sicherheiten zerbrochen. Nun saßen sie verstreut – zum Teil weit entfernt, verschleppt in fremde Länder. Gott hatte nicht so geholfen, wie sie es sich selbst versprochen hatten. Gott hatte sich nicht vor ihren Karren spannen lassen.

    Doch jetzt, da alle Sicherheiten und alle eigenen Wege zu Ende gegangen sind, spricht Gott neu. Er macht deutlich: Ich habe euch nicht vergessen. Ich bin da! Gerade jetzt. Ich bin bei dir, spricht der HERR, dass ich dir helfe. Es ist die Einladung, auf ihn zu schauen, auf ihn zu warten. Nicht, um ihn dann wieder zu vergessen, wenn der Alltag wieder seinen gewohnten Gang geht und wir wieder meinen, die Dinge selbst im Griff zu haben. Es ist die Einladung, ihm dauerhaft zu vertrauen und von ihm abhängig zu sein. Es gibt – in Beziehungsfragen – nur eine einzige Abhängigkeit, die für unser Leben wirklich gut ist: Und das ist die Abhängigkeit von unserem Gott. Gott über alle Dinge lieben, fürchten und ihm vertrauen – das ist der beste Weg. Da kommt unser Leben zu seiner Bestimmung. Da erleben wir: Dieses Vertrauen wird nicht enttäuscht.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Freitag, 25. September 2020

    Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit!

    Kolosser 3,16

    Wie bekommt Gott Raum in unserem Leben? Wie kann er unser Leben bestimmen? Auf diese Fragen gibt der Lehrtext eine Antwort: Indem das Wort Christi unter uns wohnt. Das Wort Christi – das ist das Wort von Jesus Christus, das Evangelium, das uns davon erzählt, wer er für uns ist und was er für uns getan hat – und zugleich ist das Wort von Jesus Christus, das er gesprochen hat. Jesus hat nie ein Buch geschrieben. Uns ist überhaupt nichts überliefert, was er selbst geschrieben hätte. Dafür hat er Menschen gelehrt – und sie haben uns seine Worte weitergegeben, indem sie sie aufschrieben.

    Wohnen soll dieses Wort unter uns. Es soll Wohnrecht haben, dazugehören in unserem Leben und in unserem Zusammenleben. Es soll nicht nur Gaststatus haben, sondern Wohnrecht. Und das sogar reichlich. »Wohnen« das kann in unserem Sprachgebrauch eigentlich nur eine Person, ein Mensch – höchstens noch ein Haustier. Aber ein »Wort«? Geht das denn überhaupt? Das »Wort Christi« ist eben nicht nur eine Sache, die man in die Hand nehmen oder weglegen kann – es ist lebendig. Das Evangelium von Jesus Christus ist eine dynamis, eine Kraft Gottes, wie Paulus es beschreibt. Denn mit diesem Wort Christi, das uns in der Bibel gegeben ist, verbindet sich Gottes lebendiger heiliger Geist. Er wirkt durch dieses Wort an uns. Und darum gilt: Wo dieses Wort in unserem Leben Raum gewinnt, da gewinnt Jesus Christus selbst Raum darin.

    Paulus macht es praktisch: Wie geht das, das Wohnenlassen des Wortes Christi? Indem wir es einan­der weitererzählen, einander darauf hinweisen und daran erinnern. Natürlich kann jede und jeder auch für sich in der Bibel lesen und so auf Christus hören. Aber wir brauchen auch das gemeinsame Hören, das gegenseitige Zusprechen und Erinnern. Kurz: Damit Gottes Wort unter uns reichlich wohnen kann, brauchen wir immer auch Brüder und Schwestern im Glauben, die es uns sagen – und denen wir es sagen. Ohne Gemeinschaft mit anderen gibt es kein Wohnen des Wortes Gottes. Wir brauchen die Stille allein, um auf Gott zu hören – und wir brauchen die Gemeinschaft in der Gemeinde, um auf Gott zu hören. Das eine nicht ohne das andere. Weil es für unser Leben einfach gut ist, dass Gott in unserem Leben Raum gewinnt und unser Leben bestimmt.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Donnerstag, 24. September 2020

    Sie gieren alle, Klein und Groß, nach unrechtem Gewinn, und Propheten und Priester gehen alle mit Lüge um und heilen den Schaden meines Volkes nur obenhin, indem sie sagen: »Friede! Friede!« und ist doch nicht Friede.                               Jeremia 6,13-14

    Auch das gehört zur Bibel: Dass sie den Schaden schonungslos aufdeckt und beim Namen nennt. Die Propheten, wie Jeremia, hatten von Gott den Auftrag, seine Diagnose den Menschen mitzuteilen. Denn: Der Schein kann trügen. Man kann sich sogar so lange einreden, dass alles in Ordnung sei, dass man es am Ende glaubt. So war es zur Zeit Jeremias jedenfalls. Das Unrecht ist zum Alltag geworden. Gottes gute Gebote, die auch die Funktion eines Zügels haben, um uns von Falschem zurückzuhalten, waren vergessen. Statt nach Recht und Gerechtigkeit im Umgang miteinander zu achten, ging es nur noch um Gewinnoptimierung und um Profitmaximierung – und zwar bei den Herren und den Knechten: sie gieren alle, Klein und Groß, nach unrechtem Gewinn. Und die Amtsträger, die Propheten und die Priester? Die müssten doch jetzt einschreiten. So wie wir in der Corona-Krise ein Warnsystem haben: Mehr als 50 Infektionen pro 100.000 Einwohner gelten als Interventionsgrenze, ab da müssen weitere Eindämmungsmaßnahmen ins Auge gefasst werden. So hätten auch die Priester und die Kultpropheten, die dafür bezahlt wurden, einschreiten müssen. Sie hätten auf Gott hinweisen müssen, hätten zur Umkehr aufrufen müssen. Doch sie decken oberflächlich zu: »Friede! Friede!« - starke Worte zwar, doch nicht echt, nicht real, nichts dahinter. Es ist kein Friede – stellt Gott fest und lässt es durch Jeremia ausrichten.

    Diese Worte sind Warnung – auch für uns: Der Schein kann trügen. Auch der fromme Schein. Es geht nicht um fromme Fassade – es geht um unser Herz, um unser ganzes Leben. »Friede« - Schalom – das ist ein ganz umfassender Heilszustand des Menschen. Da ist die Beziehung zu Gott und den Mitmenschen in einem guten Sinne im Lot. Solcher »Friede« ist niemals nur oberflächlich, niemals nur das Schweigen der Waffen oder dass man sich tunlichst aus dem Weg geht, wenn man sich nicht versteht. Diesen Frieden kann nur Gott uns schenken. In Jesus Christus bietet er ihn uns an. Jesus Christus ist unser Friede. Er will mit uns leben – heute und für immer.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • addAndacht für Mittwoch, 23. September 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    „Er wird den Tod verschlingen auf ewig,“ verheißt der Prophet Jesaja im neunten Kapitel, dieser Vers ist heute die Tageslosung. „Er wird den Tod verschlingen auf ewig. Und Gott der Herr wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen,“ setzt sich der Vers fort. In Offenbarung 21 ganz am Schluss der Bibel leuchtet diese Verheißung ebenfalls ganz groß auf: „Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein.“ Das sind Verheißungen, auf die wir uns mit unserem kleinen Vertrauen nur ganz werfen können. Mit unserem Verstand können wir sie uns nicht zugänglich machen. In dieser Welt erleben wir etwas anderes. Immer wieder beendet der Tod ein Leben für immer. Manchmal, nach einer guten und erfüllten Lebenszeit. Manchmal aber auch durch Krankheit oder Unfall viel zu früh und stürzt uns in bodenlose Trauer, Verzweiflung und Dunkelheit. Da schenke es Gott, dass gerade dann diese seine Verheißung aufleuchtet: Er wird den Tod verschlingen, er wird alle Tränen abwischen.

    Hoffnung gibt uns, dass Jesus vom Tod auferweckt wurde. Jedes Jahr feiern wir an Ostern das große Fest, dass der Tod letztendlich besiegt ist und nicht das letzte Wort hat, auch wenn wir das noch nicht umfassend erleben. Besonders eindrücklich finde ich jedes Jahr, wenn der Frühgottesdienst an Ostern auf dem Friedhof gefeiert wird und die Lieder der Auferstehung begleitet vom Posaunenchor über die Gräber zu hören sind.

    Auch wenn wir darauf vertrauen wollen, dass Jesus der Sieger über den Tod ist - keiner von uns kann sagen, dass ihn der Gedanke an den eigenen Tod nicht bange macht. Das müssen wir auch gar nicht verstecken und verdrängen. Stattdessen dürfen wir beten und bitten, wie es heute im Losungsbüchle steht: „Wenn ich, mein Gott, einst sterben soll, so schenke du mir deine Nähe. Ich habe Angst, das weißt du wohl, weil ich nur dieses Leben sehe und möchte doch dein Leben schauen. Ich bitte, Herr, hilf mir vertrauen.“ Amen.

    Einen zuversichtlichen Tag wünscht Ihnen Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • addAndacht für Dienstag, 22. September 2020

    HERR, wie lange willst du mich so ganz vergessen? Wie lange verbirgst du dein Antlitz vor mir?

    Psalm 13,2

    Wussten Sie eigentlich, dass die klare Mehrzahl der 150 Psalmen, die in der Mitte der Bibel stehen, Klagepsalmen sind? So wie der 13. Psalm von David. Die Psalmen sind eben nicht bloß kunstvoll erdichtete Lyrik, von klugen Menschen komponiert, sondern sie sind echte Gebete. Gebete, hinter denen das Leben steht – mit allen seinen Erfahrungen. Auch das Glaubensleben mit all seinen Erfahrungen. So wie es in jeder menschlichen Beziehung Phasen geben kann, die in uns ganz verschiedene Gefühle auslösen können, so ist das auch in unserer Beziehung zu Gott. Wir können Gott ja nicht sehen. Wir können oft nur aus unserem Erleben heraus, auf das, was uns widerfährt, zurückschließen: Im Letzten kommt das doch von Gott. Und dann fragen wir: Wieso? Warum? Wozu? Wir beten, wir bitten – genau wie der Psalmbeter David. Wie viele Gebete mögen diesem Psalm vorausgegangen sein. Irgendwann fragt David: HERR, wie lange willst du mich eigentlich vergessen? Wie lange mich ignorieren? Wie lange… Kennen Sie das auch? Dass Gott scheinbar nicht hört? Dass ich keine Antwort bekomme?

    Es muss wohl nicht nur David so gegangen sein – der Psalm ist im Hebräischen überschrieben: Ein Psalm Davids – vorzusingen. Die Worte sind ganz persönlich – und zugleich sind es Worte zum Teilen, zum Nachbeten. Weil es eben nicht nur dem David damals vor 3.000 Jahren so ergangen ist, sondern mit ihm – und seitdem – unzähligen glaubenden Menschen. Sie verstehen Gott nicht; sie können sich Gottes Handeln nicht erklären. Sie beten und haben den Eindruck: Gott ignoriert mich; Gott antwortet nicht. Und sorgenvoll fragen sie: HERR, wie lange?

    Lesen Sie bitte in Ihrer Bibel den ganzen Psalm. Denn er zeigt, wohin die Klage führt. Der Unterschied zwischen Klage und Anklage ist, dass die Klage immer noch mit Gottes Hilfe rechnet und sich an Gott wendet. Dass nicht über, sondern mit Gott gesprochen wird. Und dass immer noch das tiefe Vertrauen da ist: Es gibt doch keinen anderen, der mir helfen kann, als du, mein HERR. Lesen Sie den ganzen Psalm, beten Sie ihn nach – und erleben Sie, wie Gott die Klage in Freude verwandelt und wie einer neu ins Staunen über Gottes Güte und Gnade kommt. Denn auch das hat Gott mit uns vor.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Montag, 21. September 2020

    Jesus betet: Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen.                    Johannes 17,15

    »Wer mit Gott lebt, kennt auch Schwierigkeiten. Doch das steht fest: in keiner Schwierigkeit lässt Gott uns allein« so heißt es in einem Lied. Und das stimmt. Wer mit Gott lebt, kennt auch Schwie­rigkeiten. Der Glaube an Gott ist keine Garantie für ein sorgenfreies Leben. Christsein ist keine Vollkaskoversicherung. Wer meint, dass Gott dazu da ist, uns möglichst alle Gefahren und Gefähr­dun­gen, Probleme und Schwierigkeiten vom Leib zu halten, der irrt. Gott mutet uns manches zu, manchmal auch manches, was nach unserem Ermessen über unsere Kraft geht. Solange wir auf dieser Welt sind, gehören Schwierigkeiten und Probleme zu unserem Leben. Die Briefe des Neuen Testaments legen nahe, darin auch Bewährungsproben für unseren Glauben zu sehen. Christsein – Glaube – das ist auch ein Kampf, ein Ringen. Wir sollen Überwinder, Sieger in diesem Kampf werden – nicht aus uns heraus, sondern mit Gottes Hilfe.

    Jesus betet im Hohenpriesterlichen Gebet in Johannes 17 für seine Jünger – und ganz bewusst auch für die, die durch ihr Wort, ihr Zeugnis, ihr Weitererzählen von Jesus, zum Glauben kommen werden. Also: Er betet auch für uns. Nicht umsonst ist uns aus diesem Gebet gerade dieser Satz aufgeschrie­ben. Ein Satz, der zeigt, worum Jesus nicht bittet: Dass Gott uns aus der Welt nimmt. Warum eigentlich soll Gott uns nicht aus der Welt nehmen? Weil wir Teil seiner großen Rettungsbewegung sind. Weil Gott uns gebrauchen will in dieser Welt: »Menschen müssen Menschen sagen, dass Gott alle liebt, dass es einen Weg aus Schuld und Elend gibt«. Wenn Gott seinen Sohn nicht aus der Welt genommen hat, sondern ihn hineingesandt hat, um Menschen zu retten, dann gilt dasselbe für uns als seine Nachfolgerinnen und Nachfolger. Gott will uns hier und heute gebrauchen. Ja, Gott mutet uns manche Schwierigkeiten zu – sie gehören zu einer Welt, die sich von Gott abgewandt hat. Viele Christen weltweit erleben um ihres Glaubens Willen sogar zusätzliche Schwierigkeiten, die sie nicht hätten, wenn sie sich nicht zu Jesus bekennen würden. Doch gerade da drin, gerade in einer Welt voller Feindschaft und Schwierigkeiten, da braucht Gott uns.

    Was wir wirklich brauchen, darum bittet Jesus: Dass wir mitten in dieser Welt bewahrt werden und bewahrt bleiben von dem Bösen. Darum beten auch wir im Vaterunser: dass wir nicht verführt werden, dass wir dem Versucher nicht auf den Leim gehen – und dass wir immer wieder umkehren aus unserer Schuld hin zu unserem Gott. Er kann und er wird uns bewahren. Die Schwierigkeiten müssen uns keine Angst machen. Gott kann und wird uns bewahren.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 14.09. bis 20.09.

  • addAndacht für den 15. Sonntag nach Trinitatis, 20. September 2020

    Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch.                   1. Petrus 5,7

    Was für eine Botschaft: Wir dürfen unsere Sorgen loswerden. Es gibt einen Abladeplatz für unsere Sorgen. Ein Wurfziel, wohin wir sie werfen können: Unseren Gott, unseren Herrn Jesus Christus!

    Im Bild gesprochen: Unser Herz ist wie ein Gepäckraum. Wir räumen Erfahrungen hinein – gute und schlechte. Und wir räumen unsere Sorgen hinein. Und irgendwann ist der Gepäckraum so voll, dass man nicht mehr durchkommt. Der Apostel lädt uns ein: Räum aus mit der Sorge. Die größte Sorge: Ob Gott uns denn annimmt, ob wir mit unserer Schuld zu ihm kommen dürfen, die hat uns unser Herr längst abgenommen. Er hat unsere Schuld auf sich genommen. Gott hat unser aller Sünde auf Christus gelegt, den Gekreuzigten, damit wir frei sind.

    Und nun geht es um die vielen kleinen und großen Sorgen, die uns noch bleiben. Wenn Gott so für uns sorgt. Wenn wir ihm so viel wert sind, dass er sogar seinen eigenen Sohn nicht verschont, dann ist er auch zuständig für all die anderen Sorgen.

    Werfen sollen wir. Nicht wie beim Ballspiel alleine, wenn man den Ball gegen die Wand wirft und wieder auffängt. Sondern: Wegwerfen und nicht mehr holen. Nicht mit einem Gummiseil. Werfen sollen wir. Und das geschieht im Gebet. Der Schweizer Reformator Ulrich Zwingli sagte: Die Sorge treibt mich ins Gebet und das Gebet treibt die Sorge wieder hinaus. Dieses Werfen kann man lernen. Man muss es üben, immer und immer wieder. Der deutsche Reformator Martin Luther sagte: Wer solches Werfen nicht lernt, der muss bleiben ein verworfener, zerworfener, unterworfener, ausgeworfener, abgeworfener und umgeworfener Mensch. Gott sei Dank müssen wir das nicht bleiben. Wir dürfen beten, wir dürfen werfen – und wir wollen es üben. Heute und jeden Tag neu. Denn Gott ist da. Und er sorgt für uns.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • addAndacht für Samstag, 19. September 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    die Losung für heute kommt aus dem Buch Hiob. Dort sagt Hiob: „Gott ist weise und mächtig; wer stellte sich ihm entgegen und blieb unversehrt? (Hiob 9,4)“

    Vermutlich kennen Sie die Geschichte von Hiob in ihren Grundzügen. Gott ließ es zu, dass ihm der Satan alles nahm, was er an Reichtum besaß, schließlich auch seine Kinder und seine Gesundheit. Der Satan wollte beweisen, dass Hiob in der Not seinem Gott absagen würde, denn als reicher und gesunder Mensch sei es schließlich leicht, an Gott zu glauben. Doch Hiob blieb auch im Leid seinem Gott treu.

    Das Buch Hiob hat noch eine große andere Linie. Hiob wird von seinen Freunden besucht, die ihm helfen wollen, sein Leid zu verstehen und es zu bewältigen. Diese Freunde halten lange und ausführliche Reden und sagen dabei ziemlich viel Schlaues, mindestens dem Großteil ihrer Gedanken würden wir sicherlich zustimmen, weil das menschlich gesehen gute Worte sind. Die klugen Reden dieser Freunde füllen das Buch Hiob denn auch überwiegend aus. Am Schluss jedoch schaltet sich Gott selbst ein und antwortet. Und er ist zornig über die Freunde, die der Meinung waren, mit ihrem Verstand und ihrer Weltsicht könnten sie verstehen, wie Gott handelt und warum er tut, was er tut. Der Schöpfer steht so viel über seinen Geschöpfen, dass sein Handeln ihr Verstehen übersteigt. Der leidende Hiob hat das durchaus verstanden, wenn er sagt: „Gott ist weise und mächtig; wer stellte sich ihm entgegen und blieb unversehrt?“ Hiob weiß, dass er Gott nicht verstehen kann, er leidet daran auch, schreit zu Gott, weil er auf Antwort hofft, warum es ihm so geht, wie es ihm geht, nämlich abgrundtief schlecht.

    Wenn wir so vieles in unserem Leben nicht verstehen und auch von dem, was um uns herum und auf der Welt passiert, ist das nicht schlimm oder ungewöhnlich – wir sind eben nicht der allwissende Gott. Im Gegenteil: unsere Alarmglocken sollten läuten, wenn andere Menschen so auftreten, als ob sie die Welt erklären könnten und den kompletten Überblick haben.

    Für uns entscheidend und tröstlich ist, dass wir wissen: der allwissende Gott, der die Dinge bewegt und in den Händen hat, ist unser Vater, dem wir uns in die Arme werfen dürfen mit all dem, was wir nicht verstehen und ihm sagen dürfen, was uns alles zu schaffen macht. Der König Salomo, der mit seinem scharfen Verstand als einer der weisesten Menschen gegolten hat, sagte es so: „Verlass dich auf den Herrn von ganzem Herzen, und verlass dich nicht auf deinen Verstand, sondern gedenke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen“ (Sprüche 3,5-6).

    Ich wünsche Ihnen ein gutes und gesegnetes Wochenende,

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • addAndacht für Freitag, 18. September 2020

    Ich bin der HERR, der das Recht liebt und Raub und Unrecht hasst.                       Jesaja 61,8

    Gott liebt die Sünder. Aber er hasst die Sünde. Denn die Sünde macht uns kaputt. So ist die Rede von Gottes Zorn, die auch in der Bibel vorkommt, zu verstehen. Gottes Zorn steht über der Sünde, weil sie seine geliebten Geschöpfe schädigt und zerstört. Gott spricht ein klares und unmissverständliches »Nein« zur Sünde. Und er hat in uns das Gewissen angelegt, das uns in unserem Tun immer wieder an die Maßstäbe Gottes erinnert, wenn wir uns denn erinnern lassen.

    Gott geht es immer um’s Ganze. Er will mit seinen guten Geboten und Ordnungen, mit seinem Recht, unser ganzes Leben bestimmen – nie nur einzelne Teile davon. Auch im Umgang mit unserem Hab und Gut, mit unserem Besitz soll Gottes Recht uns bestimmen. »Raub«, das ist uns allen klar, ist offensichtliches Unrecht. Einem anderen wegzunehmen, was ihm gehört, es ihm sogar zu entreißen. In unserem Strafgesetzbuch wird zwischen Raub und Diebstahl unterschieden. Raub – das ist, wenn ich einem anderen sein Eigentum mit Gewalt entreiße. Doch wir alle wissen: Das Unrecht fängt nicht erst beim Raub an. Im Lehrtext für diesen Tag aus dem 1. Thessalonicherbrief werden die Christen gewarnt: Niemand gehe zu weit und übervorteile seinen Bruder im Handel. Also: auch in ganz normalen Geschäftsvorgängen kann es unrecht zugehen. Dann nämlich, wenn es nicht mehr ehrlich und redlich zugeht. Wenn jemand vor lauter Gier beim Kauf oder Verkauf wider besseres Wissen einen Preis verlangt, den er selbst nie akzeptieren würde.

    Doch wie oft passiert genau das: Beim Verkauf eines Hauses, beim Verkauf eines Grundstücks, beim Verkauf eines Autos. Und man redet sich dann raus: »Na und, der andere war doch einverstanden!« Mag sein. Doch Gott ist nicht einverstanden. Er liebt das Recht – und er hasst die Sünde. Doch weil er uns Sünder liebt, darum will er uns zurechtbringen, damit die Gier – oder wie die Sünde bei uns auch immer aussehen mag – uns nicht zerstört. Er will Leben, nicht Zerstörung. Er will einen Neuanfang, nicht ein »weiter so«. Schauen wir doch auf ihn. Ihm geht es um uns. Und zwar ganz.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Donnerstag, 17. September 2020

    Ich bin der HERR, dein Gott, der deine rechte Hand fasst und zu dir spricht: Fürchte dich nicht, ich helfe dir!                    Jesaja 41,13

    Gottes Hand hält fest. Und sie ist im rechten Moment zur Stelle, wenn wir sie brauchen. So hat es Petrus erlebt, als er auf den Wellen des Sees Jesus entgegenging. Die ersten Schritte waren gelungen. Doch dann begann er zu sinken. Jesus ergriff seine Hand und hielt ihn fest. Und er machte ihm Mut.

    Was Gott uns verspricht, das kann kein menschlicher Helfer – und sei es noch so gut gemeint – halten: Dass er immer da ist, wenn ich ihn brauche. Gott ist immer da. 

    Gott verspricht: Ich fasse deine rechte Hand. Und ich spreche dir zu: Fürchte dich nicht. Wenn ich da bin, dann musst du dich nicht fürchten. Denn ich helfe dir. Wie genau Gott hilft, das ist mit diesen Worten nicht gesagt. Es kann so sein, wie wir uns Hilfe in einer konkreten Not vorstellen – es kann aber auch ganz anders sein. Es kann auch so sein, dass man erst auf den zweiten Blick versteht, dass das jetzt Gottes Hilfe ist. Schauen wir auf das Kreuz von Jesus Christus: Da ist Gott am Werk. Helfend am Werk. Die Spötter unter dem Kreuz meinen zu wissen, wie Gottes Hilfe jetzt aussehen müsste: »Steig herab vom Kreuz, wenn du Gottes Sohn bist« Und viele Menschen meinen: Hilfe Gottes – das kann doch nur heißen, dass uns Leiden erspart bleibt. Jesus blieb das Leiden nicht erspart – und vielen Menschen in seiner Nachfolge blieb und bleibt das Leiden auch nicht erspart. Und dennoch erleben sie alle: Gott hat meine Hand ergriffen. Gott hilft mir. Gottes Hilfe geht tiefer als wir denken. Gottes Hilfe ist mehr als die Wiederherstellung eines früheren Zustandes – sei es in unserer Gesundheit, in unserer Familie, in unseren wirtschaftlichen Verhältnissen. Das kann zwar sein. Aber wichtig ist mir: Gottes Hilfe dürfen wir auch erleben als Bewahrung gerade mitten in schwierigen Zeiten, ohne dass sich äußerlich daran viel ändert. Dass Gott mich spüren lässt: Nie kannst du aus meiner Hand fallen. Nie lasse ich dich los. Auch im Sterben nicht und auch nicht im Tod. Er hat unseren Herrn zum Leben auferweckt. Er lässt auch uns nicht los. Er hilft. Das reicht.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Mittwoch, 16. September 2020

    Ehre den HERRN mit deinem Gut.           Sprüche 3,9

    Wir Menschen trennen gern: Wir trennen Alltag vom Sonntag. Wir trennen den Gottesdienst von unserem sonstigen Geschäft. Wir trennen heilig von profan. Diese Unterscheidungen sind durchaus sinnvoll und berechtigt. Doch sie können uns auch in die Irre führen. Dann nämlich, wenn wir meinen, dass Gott nur in bestimmten Bereichen unseres Lebens eine Rolle spielen würde. Oder anders ausgedrückt: Dass es Bereiche in unserem Leben gibt, wo Gott uns nichts zu sagen hat.

    Was hat Gott eigentlich mit meinem Geld und Gut zu tun? Das ist die Frage, die hinter unserer Losung aus dem Buch der Sprüche steht. Die Antwort: Geld und Gut, unser Besitz, ist kein Bereich, in dem Gott keine Rolle spielen will. Gott will unser ganzes Leben bestimmen. Auch unseren Umgang mit unserem Geld und Gut, mit dem was wir haben und besitzen. Gott geht es immer ums Ganze. Er will nicht nur Teilbereiche unseres Lebens bestimmen, sondern unser ganzes Leben. Ja, Gott kann man am Sonntagmorgen im Gottesdienst ehren. Aber man kann ihn zusätzlich auch ehren im Alltag, auch im Umgang mit unserem Geld.

    Eine sehr konkrete Form wie das geschehen kann, legt uns Jesus in der »Predigt auf dem Felde«, die uns der Evangelist Lukas aufgeschrieben hat, ans Herz – es ist der heutige Lehrtext: Leiht, ohne etwas dafür zu hoffen. So wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Kinder des Höchsten sein. Vor allem wird deutlich, welchen Charakter unser Geld und Gut haben soll – und welchen nicht. Es soll nicht unsere Sicherheit sein, auf die wir uns verlassen. Auf jedem Dollarschein in den Vereinigten Staaten steht als Appell der Satz: »We trust in God« - »Wir vertrauen auf Gott«. Hoffentlich ist es bei uns tatsächlich so, dass wir auf Gott vertrauen – und nicht insgeheim dann doch auf das Geld. Jesus sagt im Blick auf die Steuern: Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, aber gebt Gott, was Gott gehört. Und er warnt im Blick auf das Geld: Niemand kann zwei Herren dienen. … Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Gott wollen wir dienen. Und dem Geld nur den Stellenwert beimessen, der ihm zukommt, als Mittel zum Zweck – aber wir wollen nicht vom Geld unser Leben abhängig machen und nicht auf das Geld vertrauen. Gott wollen wir ehren mit unserem Gut. Denn das tut unserem Leben gut.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Dienstag, 15. September 2020

    Abram zog aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte.        1. Mose 12,4

    Im Glauben kann man wachsen. Das zeigt uns die Geschichte von Abraham. Sein Glaube hat eine Geschichte. Da sind nachvollziehbare Schritte zu erkennen, die uns in der Bibel nacheinander erzählt werden. Hier, ganz am Anfang heißt er noch gar nicht »Abraham«, sondern »Abram«. Den neuen Namen, unter dem wir ihn kennen, bekommt er erst im Laufe seiner Glaubensgeschichte, dieser Beziehungsgeschichte mit Gott.

    Glaube ist im Wesentlichen Beziehung. Im deutschen Sprachgebrauch haben wir ein Problem mit der Vieldeutigkeit des Wortes »glauben«. Im allgemeinen Sprachgebrauch verwenden wir es im Sinne von »vermuten« oder sogar im Gegensatz zum »Wissen«. Glaube in der Bibel meint dagegen schlicht »vertrauen« - und Glaube an Gott heißt dann »Gott vertrauen«. Das ist Glaube. Und den sehen wir schon in den ersten Versen der Glaubensgeschichte des Abraham, bzw. Abram, wie er hier noch heißt. Abram kennt Gott noch nicht. Er hat bisher keine – zumindest keine erkennbare – Geschichte mit Gott. Seine Eltern und Vorfahren haben anderen Göttern vertraut. Doch nun redet Gott mit Abram. Er fordert ihn auf, aufzubrechen: Aus seinem Vaterland, aus seiner Verwandtschaft, aus seines Vaters Haus und in ein Land zu ziehen, das Gott ihm zeigen will.

    Mehr hat Abram nicht als diese Ankündigung und diese Aufforderung. Mehr weiß Abram nicht von diesem Gott, der da zu ihm – auf welche Weise auch immer – geredet hat. Doch er lässt sich darauf ein. Er vertraut dem Wort Gottes. Er gehorcht. Auch das ist ein untrügliches Zeichen des Glaubens: Der Gehorsam. Glaube ist nicht von uns Menschen machbar – er ist Wirkung und Geschenk Gottes. Und doch begegnet uns durch die ganze Bibel hindurch der Schritt in den Glauben immer als Einladung, als Aufforderung, als Angebot, das Gott uns Menschen macht. Und diesem Angebot gilt es zu Folgen – ohne Wenn und Aber. Denn diese Einladung, diese Aufforderung ist die Chance unseres Lebens. Mehr und erfüllteres Leben gibt es nicht als mit Gott unterwegs zu sein. Glauben heißt Vertrauen. Und Gott ist unser Vertrauen wert – das hat er bei Abram bewiesen. Wenn uns Gott etwas zeigt, dann tun wir’s doch einfach. Gehorsam mit 3 g: gerne, gleich und ganz.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Montag, 14. September 2020

    Wir rühmen uns auch Gottes durch unsern Herrn Jesus Christus, durch den wir jetzt die Versöhnung empfangen haben.    Römer 5,21

    Dem Thema »Ruhm« und »Rühmen« räumt Paulus breiten Platz im Römerbrief ein. In diesem Zusammenhang steht auch der heutige Lehrtext. Hat Paulus in Römer 3 noch festgestellt: Wo bleibt nun das Rühmen? Es ist ausgeschlossen. (Röm 3,27), so stellt er jetzt voller Freude fest: Wir haben doch Grund zum Rühmen: Wir rühmen uns unseres Gottes! Was steckt dahinter? Ausgangspunkt der Überlegungen des Paulus ist unser natürlicher Drang, uns etwas auf uns selbst einzubilden. Uns selbst in ein gutes Licht zu rücken – vor anderen Menschen und auch vor Gott. Wir bilden uns ein, Gott durch unsere Anständigkeit beeindrucken zu können. Da muss Gott doch anerkennend nicken, wenn er sieht, wie viele seiner Gebote wir eingehalten haben. Was für gute Menschen wir doch sind.

    Paulus zerlegt diese Pseudoreligion nach Strich und Faden. Am Ende bleibt nichts, aber auch gar nichts mehr übrig, was wir vor Gott vorzuweisen haben. Ob Jude oder Heide – es ist hier kein Unterschied: sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Jesus Christus geschehen ist. Vor Gott können wir uns nicht rühmen. Da reicht unser Ruhm nicht weit. Da »ermangeln wir des Ruhmes« wie es im alten Lutherdeutsch heißt. So funktioniert es nicht, mit Gott ins Reine zu kommen. Wir brauchen Jesus – alle brauchen Jesus. Juden wie Heiden. Davon ist Paulus überzeugt. Ohne Jesus sind und bleiben wir verlorene Leute. Nur durch ihn werden wir vor Gott gerecht, angenehm – können bestehen.

    Doch wer den Schritt über die Linie hin zum Vertrauen gegangen ist. Wer sich darauf eingelassen hat, vor Gott seinen Bankrott zu erklären und Jesus um seine Gnade bittet, er erfährt, was Paulus nun voller Freude in unsere Lehrtext beschreibt: Wir rühmen uns – nun nicht mehr unser selbst, sondern Gottes durch unsern Herrn Jesus Christus. Denn Gott hat uns durch ihn mit sich versöhnt. Nicht Gott braucht Versöhnung – wir brauchen sie. Und Gott schenkt sie uns in Jesus Christus. Was für ein Gott! Was für ein Herr! Dieses Gottes dürfen und wollen auch wir uns rühmen.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 07.09. bis 13.09.

  • addAndacht zum Wochenspruch für Sonntag, 13. September 2020

    Lobe den HERRN meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.   Psalm 103,2

    Ein Terminkalender ist wie ein hilfreiches Gedächtnis: Darin steht, was man zu tun hat, wo man erwartet wird. Jeder Mensch hat so etwas wie einen »Gedächtnis-Kalender«: Darin steht – genau wie im Terminkalender, was nicht vergessen werden soll: Da halten wir fest, was uns gelungen ist, was wir gut gemacht haben. Aber da halten wir auch fest, was andere falsch gemacht haben, unsere Sorgen ums tägliche Geschäft usw. Wir Menschen sind unterschiedlich »gestrickt«, entsprechend unterschiedlich sehen die Schwerpunkte in unserem »Gedächtnis-Kalender« aus. Wenn uns jemand fragt: »Wie geht es dir?« dann spielt – zumindest in unseren Überlegungen, was wir darauf antworten – der Gedächtnis-Kalender eine entscheidende Rolle. So sehen wir unser Leben.

    Erstaunlich ist, was eine ältere Christin auf diese Frage antwortete. Sie hatte kein leichtes Leben. Menschlich gesehen hatte sie genug Grund zum Klagen: Die Liste der Krankheiten war lang; und in der Familie lief auch nicht alles glatt. Das alles belastete sie schwer. Als Mitarbeiterin in der kirchlichen Verwaltung wusste sie: Auch in der Kirche »menschelt« es. Sie hatte die Macken von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern erlebt. Doch auf die Frage: »Wie geht es dir?« antwortete sie: »Man lobt und dankt sich durch!«

    Loben – das ist eine Grundhaltung. Loben – das ist nicht abhängig von einer bestimmten Stimmung, in der ich bin. Loben – davon ist der Psalmbeter David überzeugt – Loben, das ist unsere Berufung als glaubende Menschen. Das soll unseren Alltag prägen. Das soll unser ganzes Leben bestimmen. Loben, das ist das Atmen der Seele. Und dabei sollen wir ganz bewusst eine Erinnerungskultur pflegen: Dass wir auf das schauen, was Gott uns Gutes getan hat. Das kann man lernen. Das kann man üben: Jeden Tag zurückdenken: Was hat Gott mir heute Gutes getan? Und ihn dann dafür loben. Loben ist das Atmen der Seele. Und wie das Atmen der Lungen brauchen wir es jeden Augenblick.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Samstag, 12. September 2020

    Die Erde ist des HERRN und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen. Psalm 24,1

    Diese Worte Davids sind ein Bekenntnis. Unsere Welt – sie gehört Gott. Und mit ihr alle, die auf ihr leben. Es ist ein Bekenntnis zu Gott dem Schöpfer: Denn er hat ihn über den Meeren gegründet und über den Wassern bereitet – so führt David fort. Gott hat uns geschaffen. Gott hat uns gewollt. Wir sind keine Zufallsprodukte. Dass Gott uns gewollt und geschaffen hat, das begründet unseren Wert und unsere Menschenwürde und entzieht sie der Deutungswillkür von Menschen, die hier immer wieder Unterschiede machen wollen: Aufgrund von Rassenideologien, Wirtschaftlichkeits­berech­nungen oder einem vermeintlichen Selbstbestimmungsrechtes.

    Die Worte Davids sind ein Bekenntnis. Ein fröhliches Bekenntnis. Ein entlastendes Bekenntnis. Der Fortschrittsglaube in unserer modernen industrialisierten Gesellschaft hat nicht nur den Irrtum genährt, wir könnten alles und jedes umgestalten und in den Griff bekommen, sondern er hat auch einen enormen Druck aufgebaut: Auf unseren Schultern ruht die Last der ganzen Welt – wie einst auf den Schultern des Atlas in der griechischen Mythologie. Die Erde ist nicht uns untertan. Nicht uns gehört die Welt. Nein, es bleibt dabei: Die Erde ist des HERRN und was darinnen ist. Er erklärt sich zuständig. Natürlich sind wir aufgerufen, sie zu gestalten. Natürlich sollen wir mit ihr schonend umgehen und sie bewahren. Doch das kann nur im Verbund mit ihm geschehen. Das Bekenntnis zum Schöpfer entlastet uns – und nimmt uns doch zugleich in Verantwortung, in seinem Sinne zu handeln.

    Und schließlich sind die Worte Davids ein Bekenntnis zu unserer Verantwortung Gott, dem HERRN gegenüber. Das Verhältnis Geschöpf und Schöpfer hat eine Haltung von uns Menschen gegenüber unserem Gott zur Folge. In diesem Psalm steht auch der Adventsvers: Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe! Gott ist unser König. Unser Leben kommt dort zur Erfüllung, zu seiner schöpfungsmäßigen Bestimmung, zu seinem letzten Sinn, wo wir ihm die Ehre geben, nach ihm fragen und sein Antlitz suchen, wie es David in diesen Versen auch schreibt. Wir sind eingeladen, mit ihm – dem Schöpfer aller Dinge – zu leben, ihn zu ehren und ihm zu vertrauen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Donnerstag, 10. September 2020

    Gott sprach: Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken: der soll ein Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde.                                                            1. Mose 9,13

    Gott setzt ein Zeichen. Ein Zeichen seiner Güte. Ein Zeichen des Bundes. Es ist kein Bund von Partnern auf Augenhöhe. Das könnte es auch gar nicht sein. Denn Gott ist viel größer als alle seine Geschöpfe. Es ist vielmehr seine Setzung, seine Festlegung, seine Selbstverpflichtung: Gott legt sich fest. Dafür steht der Regenbogen, der nach der Sintflut über der Erde erscheint: Es soll hinfort keine Sintflut mehr kommen. Gott sagt seine Gnade zu – trotz unserer Schuld, trotz unseres Fehlverhaltens.

    Gott setzt ein Zeichen. Ein Zeichen seiner Güte. Ein Zeichen des Bundes. Dort auf dem Hügel Golgatha, wo sein Sohn stirbt – für uns und an unserer Stelle. So sehr liebt Gott seine Menschen, dass er die Strafe, die sie eigentlich verdient haben, auf sich nimmt. Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selbst und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. So lesen wir im 2. Korintherbrief. Gott will nicht den Tod des Sünders. Gott will seine Rettung. Das wird auf den ersten Seiten der Bibel bereits deutlich und es zieht sich durch die ganze Bibel hindurch: Gott will retten. Gott will uns seine Treue schenken. Gott will uns haben. Gott ist für uns. Davon dürfen wir leben – an jedem Tag neu.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Mittwoch, 9. September 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    im Lehrtext zu den Losungen steht heute ein Vers aus dem Hebräerbrief. Dort schreibt der Verfasser: „Lasst euch nicht durch mancherlei und fremde Lehren umtreiben, denn es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade.“ (Hebräer 13,9)

    „Lasst euch nicht durch mancherlei und fremde Lehren umtreiben.“ Das war also schon zu Zeiten der ganz frühen Kirche ein Thema, schon vor 2.000 Jahren. Wie kommt das, dass seltsame, falsche und auf Irrwege bringende Meinungen immer wieder auftauchen und uns oft schnell in ihren Bann ziehen? Das hat wohl mehrere Gründe:

    Schon immer hat es uns Menschen fasziniert, Geschichten zu hören, am besten spannende Geschichten, geheimnisvolle Geschichten – und je geheimnisvoller, umso gebannter hören wir zu. Wenn es dann noch ein begabter Erzähler ist, dem wir zuhören, sind wir geneigt, selbst Geschichten zu glauben, die wir normalerweise für völligen Quatsch halten würden.

    Besonders blühen fremde und falsche Lehren in Zeiten, in denen wir unter großem Druck stehen, Angst haben. Wenn dann jemand kommt, der uns anscheinend erklären kann, warum es so gefährlich geworden ist für uns, wer an den vermeintlichen Gefahren schuld ist oder der uns vielleicht sogar noch einen Weg aufzeigt, wie wir uns retten können – ja klar, dann greifen wir schnell und gern nach so einem vermeintlichen Rettungsanker, obwohl er, wenn wir nachdenken, uns gar nichts nützt oder im Gegenteil, uns sogar erst recht zur Gefahr wird.

    Was hilft gegen falsche Lehre? Unser Vers erwähnt das Wichtigste schon: dass unser Herz fest wird, also nicht anfällig für Irrwege, das ist Gnade, das ist ein Geschenk – aus uns selbst heraus kommt das nicht. Gegen ungute Geschichten hilft, wenn wir in der Gemeinschaft, der Gemeinde bleiben, Gottesdienste besuchen, immer wieder auch das Gespräch suchen mit anderen. Das hilft, die Spur zu finden, in der Spur zu bleiben.

    Ja, es stimmt natürlich, nicht immer ist der Rat der anderen und das, was sie uns sagen, das Richtige. Manchmal wollen und müssen wir auch einen ganz eigenen Weg gehen, obwohl die anderen das nicht unterstützen. Aber das ist eher die Ausnahme als die Regel. Vielleicht denken Sie einmal darüber nach, wo und wann Ihnen der Rat anderer schon zur Hilfe wurde vor Irrwegen – und wo und wann es gut war, dass Sie aus Überzeugung Ihren ganz eigenen Weg gegangen sind!

    Ich wünsche Ihnen und mir, dass wir nicht jeder neuen Sensationsgeschichte hinterherlaufen, die irgendjemand gerade wieder einmal in die Welt setzt. Dass unser Herz fest wird in einem guten Sinne: zuversichtlich, vertrauend auf Jesus, in der guten Gemeinschaft mit anderen bleibend.

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • addAndacht für Dienstag, 8. September 2020

    Ihr werdet erfahren, dass ich der HERR bin, wenn ich so an euch handle zur Ehre meines Namens und nicht nach euren bösen Wegen und verderblichen Taten.                 Hesekiel 20,44

    Wie gut ist Gott doch! Er nagelt uns nicht auf unsere Fehler fest. Er begegnet uns mit seiner Güte. Was Israel im Besonderen hier angekündigt wird, das dürfen alle Menschen durch Jesus Christus erleben: Gott ist uns gut: Ihr werdet erfahren dass ich der HERR bin. Wenn jemand sagt: »Du wirst mich noch kennenlernen«, dann klingt das oft wie eine Drohung. Nach dem Motto: Mit mir kann man nicht umspringen, wie man will. Ich weiß mich zu wehren und weiß, meine Interessen durchzusetzen. Gott hätte allen Grund, so seinem Volk – und seinen Menschen ganz allgemein – gegenüber zu reden. Und er tut es auch immer wieder. So oder ähnlich lesen wir es immer wieder bei den Propheten. Gott warnt seine Menschen, wo sie auf falschen Wegen unterwegs sind; wo sie ihn falsch einschätzen, wo sie zu harmlos von Gott denken.

    Doch hier, hier spricht Gott das Geheimnis seines Wesens mit diesen Worten aus: Ihr werdet erfahren, dass ich der HERR bin, wenn ich die Kette von Schuld und Strafe durchbreche. Wenn ihr eben nicht das bekommt, was eure Taten verdienen. Zur Ehre meines Namens gehe ich einen anderen Weg, den Weg der Vergebung; den Weg des Neuanfangs. Nirgends sehen wir ihn deutlicher als in Jesus Christus – den Gott, der so an uns handelt. Da erleben wir es, da erfahren wir es, dass Gott der HERR ist, der so an uns handelt zur Ehre seines Namens und nicht nach unseren bösen Wegen und verderblichen Taten. Da im gekreuzigten Jesus, da sehe ich Gott ins Herz: So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Mehr, tiefere und beglückendere Gotteserfahrung gibt es nicht auf dieser Welt als in Jesus Christus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen und was er für uns tut.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Montag, 7. September 2020

    Deine Augen stehen offen über allen Wegen der Menschenkinder.       Jeremia 32,19

    Gott sieht mir ins Herz. Gott weiß, wie ich’s meine. Auch wenn’s andere übersehen oder mich missverstehen: Gott übersieht mich nicht. Das ist die tröstliche Botschaft dieses Verses. Und: Gott sieht auch, wo mir Unrecht geschieht. Gott sieht auch, wo andere mir Böses wollen. Auch ihr Weg ist offen vor den Augen Gottes. Auch ihnen sieht er ins Herz. Ja, wir müssen unser Tun und Handeln, unser Denken und Abwägen vor dem ewigen Gott verantworten. Wohl uns, wenn wir uns dieser Verantwortung bewusst sind. Die Väter des Grundgesetzes wussten darum, als sie in der Präambel formulierten: »Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, … hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben«. Von dem, dass Gott einmal jedem geben wird nach seinen Wegen und nach der Frucht seines Tuns ist dann im nächsten Vers die Rede.

    Da staunt einer über den großen Gott, der all das sieht. Dem all das nicht entgleitet, der es im Auge behält, was die Menschen tun, welche Wege sie gehen – gute und böse Wege. Wem wichtig ist, die richtigen, die guten Wege zu gehen, der darf sich an den Psalmbeter David im 139. Psalm halten: Erforsche mich Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne wie ich’s meine. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin und leite mich auf ewigem Wege. Vor Gott dürfen und sollen wir unsere Wege prüfen, von ihm durchleuchten lassen. In der Stille allein – oder in der Seelsorge – macht er uns dann auch klar, was der richtige Weg ist. Sein Weg, der gute Weg, der ewige Weg. Den wollen wir gehen.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 31.08. bis 06.09.

  • addAndacht für den 13. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest, 6. September 2020

    Christus spricht: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.                                                                     Matthäus 25,40b

    Jesus lenkt unser Augenmerk auf die, die unsere Hilfe brauchen. Wer einem bedürftigen hilft, dem wird es angerechnet, wie wenn er es Jesus Christus selbst angetan hat. In der christlichen Tradition fand man sieben Werke der Barmherzigkeit, von denen immerhin sechs ihren Ursprung in dem Gleichnis vom Weltgericht haben, aus dem unser Wochenspruch stammt: Barmherzig handelt, wer einen Hungernden speist, einem Dürstenden zu trinken gibt, einen Fremden aufnimmt, einen Nackten bekleidet, einen Kranken besucht und zu dem, der im Gefängnis ist, geht. Scheinbar unscheinbare Dinge. Nichts, was groß in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Kleine, aber sehr konkrete Schritte der Hilfe. Als siebte barmherzige Tat kam dann noch das Begraben der Toten hinzu.

    Darum geht’s: Nicht um Effekthascherei. Nicht um: Tue Gutes und rede darüber, sondern um’s ganz konkrete Zupacken, wo sich mir eine Gelegenheit bietet. Um offene Augen der Barmherzigkeit, die die Not von Menschen – und zwar auch von einzelnen Menschen – nicht nur die große Not von ganzen Bevölkerungsgruppen (die natürlich auch), sieht und dann ganz einfach handelt. Die sich nicht rausredet: Das ist ja nur ein Tropfen auf den heißen Stein, was ich tun kann. Jesus macht deutlich: Das hat Gewicht. Das habt ihr mir getan. Das wird nicht übersehen. Und das hat Wirkung. Wirkung für diesen Menschen und Wirkung für euch und Wirkung im Himmel. Wo ein Mensch erlebt, da ist ein anderer, der sich um mich kümmert, da macht das was mit ihm. Nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich. Da spürt er: Da denkt jemand an mich. Ja, wir dürfen handeln – mit unseren Mitteln – wie Jesus gehandelt hat. Und wir dürfen handeln an Menschen, als wenn es an Jesus wäre. So sieht er es an. So ermutigt er uns. Haben auch wir den Mut, ganz praktisch anzupacken.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • addAndacht für Samstag, 5. September 2020

    Das sagt der Erste und der Letzte, der tot war und ist lebendig geworden: Ich kenne deine Bedrängnis und deine Armut.                                                                Offenbarung 2,8-9

    Jesus weiß Bescheid, wie’s mir geht. Das ist die tröstliche Botschaft, die wir aus diesem Vers entnehmen dürfen: Jesus weiß es! Ich kenne deine Bedrängnis – konkret in der Sendschreiben­gemeinde Smyrna war es die Verfolgungssituation in einer christusfeindlichen Gesellschaft. Vom Leiden ist da die Rede und vom Gefängnis. Und von Armut ist die Rede. Es kann nur äußerliche Armut, äußerliche Bedürftigkeit sein, denn direkt im Anschluss an den Ausschnitt, den unser Lehrtext bildet heißt es: Du aber bist reich.

    Worin besteht dieser innere, dieser geistliche Reichtum, den die Christen in Smyrna gegen den Augenschein haben? In Jesus Christus, ihrem Herrn. Die Bedrängnis und die Armut, die sie erleben – und die niemand leicht und gern erlebt ist umschlossen von seinem Reichtum. Am Ende steht: Du aber bist reich. Und am Anfang stellt sich Jesus vor als der Erste und der Letzte. Der vor und hinter allem steht – und der keinen zurücklässt. Jesus ist der, der tot war und ist lebendig geworden. Jesus ist der, der den Tod besiegt hat. Jesus ist der Herr über alles. Jesus ist der Herr über alle Mächte und Gewalten in der sichtbaren und der unsichtbaren Welt.

    Die Tiefe dieser Christuserkenntnis: Wer ist Jesus wirklich? Welche Macht hat Jesus? Die erfahren Christen oft gerade dort, wo es für sie selbst in die Tiefe geht, ins Leiden. Wo all das, was uns so selbstverständlich erscheint an Freiheit und Wohlergehen und Wohlstand, nicht mehr da ist, wo es wegbricht und zerbricht. Da erfahren Christen: Christus ist immer noch da. Christus, der der stärker ist als alles, was mich bedroht. Er ist der Erste und der Letzte. Nein, meine Not wird nicht das Letzte sein. Er ist der Letzte. Und er kennt mich und wird mich nicht übersehen oder zurücklassen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Freitag, 4. September 2020

    Der HERR segne dich und behüte dich.                                                4. Mose 6,24

    Was ist das eigentlich mit dem Segen? Das Losungswort für heute stammt aus dem sog. Aaroni­tischen Segen, den Gott selbst Aaron und seinen Söhnen als priesterliche Segensformel im Gottesdienst aufgetragen hat. Und daran wird einiges über das Wesen des Segens deutlich: Das Wichtigste zuerst: Es ist Gott, der segnet – nicht ein Mensch. Der HERR segne dich und behüte dich. Wir Menschen können Gott nur bitten, dass er einen Menschen segnet. Segen ist Gottes Sache, Gottes Aufgabe. Und darum auch für uns nicht wie ein Besitz verfügbar. Wir können ihn nicht sammeln wie man Regenwasser in der Regentonne sammelt oder horten wie Lebensmittel im Kühlschrank oder der Speisekammer. Segen kann man immer nur neu empfangen – aber nie auf Vorrat.

    Und noch etwas Wichtiges: Der Segen stellt uns in eine Beziehung. Nicht von ungefähr kommt das deutsche Wort »Segnen« vom lateinischen »signare«. Und das heißt »zeichnen« oder »bezeichnen«, ein Zeichen dranmachen, ein Besitzzeichen. Konkret war gemeint: Mit dem Zeichen des Kreuzes bezeichnen. So stellt der Segen in eine Beziehung: Ich gehöre zu Gott. Er hat sein Besitzzeichen an mir gemacht. Es geht nicht darum, sich von Gott etwas abzuholen, sich dann wieder von ihm zu lösen und ohne ihn weiterzuleben, sondern es geht darum, mit Gott in Verbindung zu bleiben. Immer, ständig mit ihm zu leben. Diese Beziehung zwischen ihm und mir ist ganz persönlich. Darum ist der aaronitische Segen auch im Singular formuliert, in der Einzahl. Der HERR segne dich und behüte dich. Gott meint uns, uns ganz persönlich. Seit mir das als Pfarrer klar wurde, habe ich den Segen am Ende des Gottesdienstes i.d.R. so gesprochen, wie er in der Bibel steht. Segen stellt in eine Beziehung. Und wer mit Gott lebt, der ist gesegnet – auch wenn man das nicht immer äußerlich sehen mag. Doch der Segen ist da und er bleibt und es gilt: Er segnet dich und er behütet dich.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Donnerstag, 3. September 2020

    Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.                                                             Epheser 4,32

    Unser Leben wird anders aussehen, wenn wir Jesus Christus nachfolgen. Davon ist Paulus überzeugt. Jesus Christus macht den Unterschied. Mit dem, was er für uns getan hat. In ihm begegnet uns Gottes Güte und Liebe ganz konkret. Da erfahren wir, wie Gott es im Tiefsten seines Herzens mit uns meint: Dass er sich mit uns verbinden will, dass er mit uns noch einmal ganz neu anfangen will. In Jesus, da vergibt Gott uns. Und das hat Folgen. Das muss Folgen haben. Für unser Leben und für unser Miteinander.

    Statt »wie du mir, so ich dir« kann und soll es bei uns heißen: »wie Gott mir, so ich dir«. Gott rechnet meine Schuld nicht auf. Gott zieht sich nicht beleidigt zurück, wo ich ihm gegenüber mich nicht richtig verhalten habe. Gott ist freundlich und herzlich zu mir. Und in Jesus, da vergibt er mir meine Fehler, meine Schuld. Und jetzt? Jetzt sind wir dran. Wir sollen es genauso machen wie Gott. Christus verbindet uns untereinander. Wir sind Glieder seines Leibes. Wir gehören zu ihm – und damit als Christen zusammen. Deshalb soll Gottes Güte und Freundlichkeit auch in unserem Miteinander sich widerspiegeln. Sie soll abfärben. Wir werden immer wieder schuldig aneinander, genau so wie wir Gott gegenüber immer wieder schuldig werden. Wir brauchen die Vergebung von Gott – aber auch die Vergebung unserer Mitmenschen. Und nun geht es um den Mitmenschen – ganz konkret – der an mir schuldig geworden ist. Der sich mir gegenüber nicht richtig verhalten habe. Darauf kann man rumreiten, tage-, wochen-, jahrelang. Doch man kann es auch machen, wie Gott es macht – und wie wir als Christen es tagtäglich erleben: Wir können vergeben. Das kostet Überwindung – nicht umsonst setzt Paulus ein »Aber« am Anfang dieses Verses – aber es lohnt sich. Und wenn es uns schwer fällt, dann sollten wir mit Gott im Gebet über die Situation reden und über unsere Schwierigkeiten, dieser ganz konkreten Anweisung Folge zu leisten. Er wird uns ganz sicher helfen. Wagen wir’s doch und geben wir ja nicht zu schnell auf. Jesus Christus ermöglicht den Unterschied

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Mittwoch, 2. September 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    der Losungsvers für heute, genauer gesagt, der Beter des Psalms 148 ruft zum Lob Gottes auf, ruft dazu die ganze Schöpfung auf! „Lobet ihn, Sonne und Mond, lobet ihn, alle leuchtenden Sterne! 4 Lobet ihn, ihr Himmel aller Himmel und ihr Wasser über dem Himmel! 5 Die sollen loben den Namen des HERRN; denn er gebot, da wurden sie geschaffen. 6 Er lässt sie bestehen für immer und ewig; er gab eine Ordnung, die dürfen sie nicht überschreiten. 7 Lobet den HERRN auf Erden, ihr großen Fische und alle Tiefen des Meeres, 8 Feuer, Hagel, Schnee und Nebel, Sturmwinde, die sein Wort ausrichten, 9 ihr Berge und alle Hügel, ihr Fruchtbäume und alle Zedern, 10 ihr Tiere und alles Vieh, Gewürm und Vögel, 11 ihr Könige auf Erden und alle Völker, Fürsten und alle Richter auf Erden, 12 Jünglinge und Jungfrauen, Alte mit den Jungen!“

    Warum brauchen wir diesen Anstoß, Gott zu loben? Weil wir halt von selbst darauf nicht kommen. Wir sind mit den kleinen Dingen unseres Lebens beschäftigt, die uns beschäftigen, unsere Gedanken auf sich ziehen, unseren Blick nach unten ziehen. Die Psalmverse laden zum Blickwechsel ein: Guck mal, der Schöpfer hat die großartige Sonne geschaffen, die jetzt im Spätsommer für unwahrscheinlich schöne Sonnenaufgänge über dem Morgennebel sorgt! Meinst Du nicht, dass dieser Schöpfer auch mit Deinem Leben zurechtkommt? Lass die Sorgen doch mal für einen klitzekleinen Augenblick fahren und lob‘ ihn einfach, den Schöpfer, lass es zu, dass Du wenigstens ein bisschen überwältigt bist von der Schönheit dessen, war er gemacht hat! Lass es zu, dass Du zu ahnen beginnst, dass der große Schöpfer vertrauenswürdig ist - dass ER auch Dich sieht!

    Jesus hat den Blick auf die Schöpfung aufgegriffen, um Mut zu machen, auf den Schöpfer zu vertrauen: „Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie?“ (Matthäus 6,26)

    Unser menschliches Herz ist klein, ängstlich, mit sich selbst beschäftigt – wir brauchen den Zuspruch von außen, unseren Blick aufzuheben, zu sehen, was der große Schöpfer macht. Die Natur mit ihren vielen Wundern lädt uns dazu ein! Und loben heißt, den Blick zu wechseln, weg von meinen Sorgen hin zu ihm, der mich doch nicht allein lässt mit meinen Problemen und Problemchen!

    Wir würden gern die Reihenfolge wählen: erst unsere Sorgen los werden, dann Gott loben. Die biblischen Zeilen laden uns zum Ausprobieren der anderen Reihenfolge: gleich den Schöpfer loben – und dann erleben, dass aus der Freude, aus dem Lob auch neue Zuversicht kommt, dass er uns mit unseren Sorgen nicht allein lässt. Dass Sie und ich uns darauf einlassen, das wünscht

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • addAndacht für Dienstag, 1. September 2020

     

    Es wird geschehen zu der Zeit, dass die Wurzel Isais dasteht als Zeichen für die Völker. Jesaja 11,10

    Einmal, da wird alles anders. Eine wunderbare Friedensvision wird Jesaja gezeigt. Einmal, da wird es gerecht zugehen. Da kommen auch die Armen und die Elenden zu ihrem Recht. Weil die Herrschenden nicht mehr damit beschäftigt sind, ihr eigenes Schäfchen ins Trockene zu bringen und ihre Macht um jeden Preis zu erhalten, sondern weil der Eine regiert, der gerecht regiert und gerechtes Urteil spricht.

    Einmal, da wird alles anders. Fast zu wunderbar ist die Friedensvision, die Jesaja zeigt. In jedem Fall nicht menschenmachbar: Wenn Wölfe bei den Lämmern wohnen. Wenn ein kleiner Junge Kälber und junge Löwen und Mastvieh miteinander treibt, wenn Kühe und Bären zusammen weiden. Ja auch in der Natur wird Friede herrschen. Ein Friede, den wir Menschen nicht machen können. Der aber dort herrscht, wo der Eine regiert.

    Einmal, da wird alles anders. Wenn der Eine regiert. Wenn kein Platz mehr ist für die Sünde, wenn das Land voll Erkenntnis des HERRN ist.

    Wer ist der Eine? Er ist der, der aus der »Wurzel Isais« kommt. Isai, das war der Vater des Königs David. Gott hat dem David versprochen: Einmal wird einer ewig auf dem Thron Davids sitzen. Einer von seinen Söhnen. »Sohn Davids« so wurde Jesus dann angesprochen. Denn das war er: Ein Nachkomme Davids. Gott hat Wort gehalten. Gott hat die Verheißung erfüllt: Jesus – das ist der ewige und große König auf dem Thron Davids. Er wird Frieden schaffen. Noch steht es aus. Noch warten wir auf das Kommen seines Reiches in sichtbarer Herrlichkeit.

    Jesus – das ist der versprochene Friedenskönig – nicht nur für das Volk Israel, sondern für alle Völker. Als Zeichen steht er heute schon da. Als Zeichen der Hoffnung; als Zeichen der Einladung zum Glauben. Jesus – das ist Gottes Zeichen für die Welt. So meint Gott es mit uns.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Montag, 31. August 2020

    Gott ist nicht ferne von einem jeden von uns. Denn in ihm leben und weben und sind wir.

    Apostelgeschichte 17,27-28

    Paulus ist in Athen. Sein Weg führt ihn auf den Aeropag, die Burg von Athen. Dort, wo die Tempel für die vielen Götter stehen. Er schaut sich um. Dann sieht er einen Altar mit der Weiheinschrift: »Dem unbekannten Gott«. Und Paulus weiß: Das ist mein Anknüpfungspunkt. Dort, mitten auf dem Aeropag stellt er den Athenern den ihnen bisher unbekannten Gott vor. Den Gott, der uns in Jesus Christus sein Gesicht zeigt. Den Gott, der nicht fern geblieben ist – draußen aus seiner Welt, sondern der Mensch geworden ist. Der uns ganz nahe gekommen ist, weil er uns so sehr liebt.

    Und den Gott, der nicht ferne von uns ist. Den nahen Gott verkündigt Paulus. Ob es uns bewusst ist oder nicht: Gott sehnt sich nach uns. Gott hat schon längst eine Geschichte mit uns, mit jedem Menschen. Ob wir es spüren oder nicht. Gerade da, wo uns Gott so ferne zu sein scheint, weil wir durch schwere Zeiten gehen und sich trotz Beten scheinbar so wenig oder gar nichts ändert, da ist er uns immer noch nahe. Da lässt er uns nicht los. Gott ist uns nahe – jedem Menschen. Wir sind seine Geschöpfe. Er der Schöpfer sorgt dafür, dass wir leben können. Ja, in ihm leben und weben und sind wir. Ohne Gott könnten wir überhaupt nicht leben. Doch unser Gott will noch mehr: Er will nicht nur der unbekannte Gott sein, der uns das Leben schenkt. Er will kein anonymer Gott sein. Er will unser Vater sein. Er will für uns da sein – und er will uns als seine Kinder haben. Die ihm von Herzen vertrauen. Wir müssen ihn nicht lange suchen: Er ist nicht ferne von uns. Das gilt. Gott sehnt sich nach jedem Menschen. Und in Jesus Christus erleben wir Gottes Nähe. In Jesus, der uns sagt: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 24.08. bis 30.08.

  • addAndacht für den 12. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest, 30. August 2020

    Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.

    Jesaja 42,3

    Unser Gott gibt uns nicht auf. Unser Gott zerbricht nicht. Unser Gott löscht nicht aus. Im Gegenteil: Unser Gott macht heil und zündet sein Feuer in uns neu an. Das ist die großartige Botschaft, die Jesaja verkün­den darf. Denn Gott will retten. Gott will, dass seine Menschen leben – leben mit ihm.

    Das muss man uns Menschen sagen. Weil wir nämlich anders denken und handeln. Wer mag’s uns auch verdenken: Altes Geschirr, alte Kleider, der alte Teppichboden – ist das noch zu gebrauchen oder kann das weg? Wenn etwas kaputt ist, dann lohnt sich meist eine Reparatur nicht mehr. Dann kommt es eben weg. Dann muss es etwas Neuem Platz machen. Ein geknicktes Rohr – das ist nach all unserer Erfahrung ein hoffnungsloser Fall. Nur noch für die Tonne. Das lässt sich nicht reparieren. Und ein Docht, der nur noch glimmt, den kriegen wir mit allem guten Zureden und anpusten nicht mehr zum Brennen. Hoffnungslos, nichts zu machen. Das ist unsere Erfahrung und unser Urteil. Urteilen wir so am Ende auch über Menschen: Nichts zu machen? Ein hoffnungsloser Fall?

    Wie gut, dass Gott ganz anders ist. Wie gut, dass Gott ganz anders mit uns umgeht. Er hat Hoffnung. Ja, er fängt mit uns noch einmal neu an. Er verbindet, er heilt. In Jesus Christus nimmt er all das, was in unserem Leben kaputt gegangen ist und was wir ausgeblasen haben, in seine Hand. Er nimmt es auf sein Herz. Und er macht uns neu. Er fängt noch einmal mit uns an. Unser Gott gibt uns nicht auf. Uns nicht – und keinen Menschen. Das ist die faszinierend tröstende Botschaft dieses Verses. Daran dürfen wir uns halten – für uns, aber auch für die Menschen, wo wir in der Gefahr stehen, sie aufzugeben. Gott gibt sie nicht auf – geben wir sie deshalb auch nicht auf.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Samstag, 29. August 2020

    Hiskia wurde todkrank; und er betete zum HERRN. Der redete mit ihm und gab ihm ein Wunderzeichen. Aber Hiskia vergalt nicht nach dem, was ihm geschehen war; denn sein Herz überhob sich.                                                                                             2Chronik 32,24-25

    Gott erwartet etwas von Hiskia. In schwerer Krankheitsnot – als alles andere nichts mehr hilft – wendet er sich voll Vertrauen an Gott. Und Gott hilft. Gott tut ein Wunder. Gott redet mit ihm. Gott antwortet ihm. Gott tritt ein in die Zwiesprache. Hiskia wird gesund. Und jetzt? Jetzt erwartet Gott etwas von Hiskia. Jetzt erwartet er, dass er den nicht vergisst, der ihm geholfen hat. Jetzt erwartet er, dass er mit Gott lebt. Doch das Tragische geschieht: Aber Hiskia vergalt nicht nach dem, was ihm geschehen war. Die Antwort des Hiskia und das Wunder Gottes, das er erlebt hat, passen nicht zusammen. Und der Grund: Denn sein Herz überhob sich. Statt in der Abhängigkeit von Gott zu bleiben, wird Hiskia stolz. Pocht auf seine eigene Kraft und seine Möglichkeiten – und tritt aus der Abhängigkeit von Gott heraus. Was für eine Tragödie eines Lebens.

    Gott erwartet etwas von uns. Wie viel Gutes hat Gott nicht schon an uns getan. »In wie viel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet?« In Jesus Christus nimmt sich Gott unserer größten Not: Unserer Verlorenheit und unserer Schuld an. Er nimmt sie auf sich, er trägt sie weg. Er lässt uns noch einmal ganz neu beginnen? Was haben wir aus dem Neuanfang gemacht? Sind wir in der Abhängigkeit von Gott, von seiner Gnade geblieben? Oder hat sich unser Herz auch überhoben, ist stolz geworden, hat wieder lieber sich selbst als unserem Gott vertraut? Wenn dem so ist, dann ist es höchste Zeit, umzukehren. Umzukehren in die offenen Arme Gottes. Höchste Zeit, neu ihm zu danken für seine Hilfe; neu ihn zu loben und neu und tiefer ihm, unserem Gott zu vertrauen. Denn da bei ihm, da ist unser Leben gut aufgehoben. Da ist der Platz, wo unser Leben sich entfalten und gedeihen kann.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Freitag, 28. August 2020

    Gott, du bist mein Gott, den ich suche. Es dürstet meine Seele nach dir.             Psalm 63,2

    Durst nach Gott. Wer in den heißen Tagen der vergangenen Wochen in der Nachmittagshitze im Freien sein musste, der kennt das körperliche Gefühl des Durstes. Der Psalmbeter David weiß, was Jesus uns später gelehrt hat: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, auch nicht vom Wasser allein. Er braucht noch mehr – mehr als die Lebensmittel für den Leib. Er braucht auch ein Lebensmittel für die Seele: Es dürstet meine Seele nach dir.

    Da ist eine tiefe Sehnsucht nach Gott bei diesem Psalmbeter. Eine Sehnsucht, die letztlich der Schöpfer selbst in uns, seinen Geschöpfen angelegt hat. »Unruhig ist unser Herz in uns, bis es Ruhe findet in dir« schreibt der Kirchenvater Augustinus in seinen Bekenntnissen, einer Autobiografie in Gebetform. Spät – erst als erwachsener Mensch in Amt und Würden – ist er zum Glauben an Jesus Christus gekommen. Doch da wurde seine Sehnsucht gestillt.

    Eine Umfrage vor etlichen Jahren ergab ein scheinbar seltsames Ergebnis: Da wurde den Menschen – neben vielen anderen – zwei Fragen gestellt: Glauben Sie an Gott? Und: Beten Sie? Die zweite Frage beantworteten mehr Menschen mit »Ja« als die erste. Ist es am Ende egal, zu wem ich bete? David würde klar sagen: Nein! Gott, du bist mein Gott, den ich suche!

    In Jesus Christus hat dieser Gott, dem unsere Sehnsucht im Letzten und Tiefsten gilt – ob uns das bewusst ist oder nicht –, uns sein Gesicht gezeigt. Jesus rief damals – beim Fest in Jerusalem – den Menschen zu: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen.

    Wohl uns, wenn wir den Durst zulassen. Und wohl uns, wenn wir wissen, wo unser Durst wirklich gestillt wird: Da bei unserem Gott, da bei Jesus Christus. Mit ihm wollen wir leben. Bei ihm bleiben, denn von seiner Güte dürfen wir leben.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Donnerstag, 27. August 2020

    Der HERR, unser Gott, hat uns behütet auf dem ganzen Wege, den wir gegangen sind.

    Josua 24,17

    Am Ende des Josuabuchs, als das gelobte Land eingenommen und an die Stämme Israels verteilt ist, bestellt Josua, der Anführer, die Verantwortlichen der Stämme in Sichem ein, zum »Landtag zu Sichem«. Er ruft in Erinnerung, was Gott durch die Geschichte hindurch an diesem Volk getan hat. Und dann stellt er zwei alternative Lebenskonzepte vor: Gott – oder die Götter. Wem wollt ihr folgen? Wem wollt ihr dienen? Ich aber und mein Haus wollen dem HERRN dienen lässt Josua sie wissen.

    Gottes Geist wirkt Einsicht. So auch bei den Verantwortlichen des Volks bei diesem »Landtag zu Sichem«. Das sei ferne von uns, dass wir den HERRN verlassen und anderen Göttern dienen! Denn der HERR, unser Gott hat uns und unsere Väter aus Ägyptenland geführt, aus der Knechtschaft, und hat vor unsern Augen diese großen Zeichen getan und uns behütet auf dem ganzen Wege, den wir gezogen sind, und unter allen Völkern, durch die wir gegangen sind. So lautet der Losungsvers in seiner biblischen Langfassung. Israel hat es nicht vergessen – und darum eine klare Entscheidung für Gott, gegen alle Götter.

    Vergessen wir’s doch auch nicht! Geschichtsvergessenheit ist nicht nur für eine Gesellschaft katastrophal – weil sich dann die schlimme Geschichte wiederholt. Sie ist auch in geistlicher Hinsicht fatal: Weil wir dann die Orientierung verlieren. Wie viel Gutes hat Gott uns schon getan – wie viel an den Menschen vor uns; wie viel an den Menschen der Bibel. Vergessen wir das doch nicht! Achten wir darauf. Studieren wir es. Darum ist auch das Bibellesen so wichtig: Damit wir es vor Augen haben: Ja, es stimmt: der HERR, unser Gott, hat uns behütet auf dem ganzen Wege, den wir gegangen sind. Und daraus dann die klare Konsequenz: Wir wollen – ich will – diesem HERRN dienen. Ihm allein.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Mittwoch, 26. August 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    „Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt“ - so staunt der Prophet Micha über seinen Gott, über den Gott Israels, den Gott Himmels und der Erde. Uns Menschen fällt es schon bei Kleinigkeiten schwer, anderen zu vergeben und zu vergessen. Unser Schöpfer, der uns besser kennt als wir uns selbst, mit unserer schwierigen Art, unseren scheinheiligen Motiven, unserer fraglichen Lebensgeschichte – hat der nicht enorm viel Grund, nur enttäuscht von uns zu sein? Sich abzuwenden von uns? Selbst Reue zu empfinden, fällt uns oft schwer, falsche Wege zuzugeben und zu bedauern. Aber ist Reue nicht Voraussetzung, dass er uns annimmt, uns vergibt?

    In der Tageslosung heute aus Jesaja 43 begegnet uns ein ganz seltsames Wort, mit dem Gott seinem Volk Vergebung zuspricht. Da steht: „Nicht, dass du mich gerufen hättest, Jakob, oder dass du dich um mich gemüht hättest, Israel. (…)  mir hast du Arbeit gemacht mit deinen Sünden und hast mir Mühe gemacht mit deinen Missetaten. 25 Ich, ich tilge deine Übertretungen um meinetwillen und gedenke deiner Sünden nicht.“

    Haben wir recht gehört? Da sagt Gott zu seinem Volk: „Ihr habt mich gar nicht um Vergebung gebeten, mich gar nicht gesucht. Und ich vergebe euch trotzdem, wegen meiner großen Liebe zu euch.“ Das ist krass. Gott vergibt uns einfach so? Pädagogisch ist das doch nicht. Das fordert uns doch gar nicht zur Umkehr heraus, oder? Oder doch? Gott nimmt mich an, vergibt mir – nimmt dich an und vergibt dir, obwohl wir uns darum, wenn wir ehrlich sind, gar nicht intensiv bemühten! Und IHN hindert auch die Gleichgültigkeit, die Abgestumpftheit unseres Herzens nicht, uns zu vergeben? Möge uns diese SEINE Liebe, die so unfassbar groß ist, erreichen und überwältigen und aufwecken!

    Im neuen Testament begegnet Jesus Menschen auf ähnliche Weise, vergebend, selbst da, wo sie gar nicht darum gebeten haben, weil sie gar nicht den Mut dazu hatten, nie für möglich gehalten hätten, dass ihnen noch vergeben werden könne. Einmal brachten die Anständigen eine Frau zu Jesus, die sie beim Ehebruch ertappt hatten. Jesus spricht dieser bloßgestellten ertappten Frau, die keinesfalls freiwillig zu ihm gekommen war, von sich aus einfach Vergebung zu. Beschenkt sie mit etwas, was sie nicht zu wünschen gewagt hätte. Und ermutigt sie mit diesem überraschenden Freibrief, einen neuen Weg zu gehen.

    Ich wünsche Ihnen und mir, dass wir überwältigt sind davon, dass uns Gott annimmt, obwohl wir sind, wie wir sind – und dass uns das zu einem neuen Weg ermutigt.

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • addAndacht für Dienstag, 25. August 2020

     

    HERR, ich freue mich über deine Hilfe.                                                                          1. Samuel 2,1

    An mehreren Stellen erzählt die Bibel von Frauen, die auf wunderbare Weise erlebt haben, dass sie – entgegen aller Hoffnung – doch noch ein Kind bekommen. So auch hier. Dieses fröhliche Bekenntnis Gott gegenüber stammt von Hanna, der Mutter Samuels. Samuel – das heißt: »Gott hört« Dieser Name war mit Bedacht gewählt: Gott hat ihr Gebet erhört, Gott hat ihre Not angesehen. Und Gott hat ihre Klage gehört. Und nun lobt sie ihren Gott, der ihr geholfen hat. Denn das haben diese Geschichten von den wunderbaren Geburten gemeinsam: Sie alle zeigen: Das geht über das Menschenmögliche hinaus.

    Das Menschenmögliche ist in unserer Gesellschaft zur Ersatzreligion geworden. Wir modernen Menschen glauben weithin immer noch an die Machbarkeit, ja fast an die Allmacht der Menschheit: Corona – bekommen wir in den Griff; den Klimawandel – bekommen wir in den Griff. Den Weltfrieden – bekommen wir in den Griff.

    Natürlich wollen wir das Menschenmögliche tun, natürlich nicht untätig sein. Aber glauben wir doch bitte nicht, dass wir alle Probleme der Welt lösen und das Heil der Menschheit selber machen können. Wir schaffen den Tod nicht ab. Wir schaffen die Kriege nicht ab. Wir schaffen das Leid nicht ab. Wir schaffen nicht einmal die Ungerechtigkeit, die es auf der Welt gibt, ab.

    Vertrauen wir doch wieder viel mehr dem, der auch uns helfen will, dem HERRN, unserem Gott. Laufen wir doch nicht überall hin, verlieren wir uns doch nicht im Aktionismus, sondern gehen wir zuerst und vor allem zu ihm, unserem Gott. Beten wir, als ob alles Arbeiten nicht hilft. Und dann, wenn wir von ihm getröstet und gestärkt sind, dann wollen wir arbeiten und wirken, vielleicht manchmal auch so, als ob alles Beten nicht hilft. Aber das Beten wollen wir nicht vergessen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Montag, 24. August 2020

    Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.                                                                                                      Psalm 23,5

    Gott – mein Hirt und mein Wirt. So hat jemand den 23. Psalm überschrieben. Am Anfang des Psalms ist es das tragende und eindrückliche Bild des Hirten, der seine Schafe mit allem versorgt, was sie brauchen. Der mitgeht, der tröstet. Doch dann wechselt das Bild zu dem des Wirts. Gott lädt mich an seinen Tisch. Er deckt mir den Tisch.

    Das ist ganz anders – und steht im scharfen Kontrast zu den ganzen Tischen, die wir alle decken. Tische, wie auf dem Jahrmarkt: Vollgepackt mit dem, was wir zu bieten haben, was wir vorweisen können, was wir geleistet haben – wie die voll gepackten Tische der Händler auf dem Jahrmarkt auf der Uhlbergstraße mehrmals im Jahr. Ich frage mich immer: Wie verstauen die das Ganze in ihren Lieferwägen? Die Tische mit unseren Auslagen also. Von denen wir uns wünschen, dass die anderen sie bestaunen, bewundern und uns dafür loben.

    Und nicht wenige Menschen meinen: Auch Gott muss meinen Tisch doch bestaunen. Gott muss doch mit meinem Leben zufrieden sein. Und Gott? Sein Wort sagt: Ihr Tisch werde ihnen zur Falle, zur Vergeltung und zum Strick (Ps 69,23). Er stößt unsere Tische um und zieht ans Licht, was wir unter dem Tisch verborgen haben: Unsere Sünde, unsere Schuld, unsere Flucht vor Gott.

    Vergessen wir doch all die Auslagentische, die wir selbst aufbauen. Und setzen wir uns wie David an den Tisch, den Gott für uns gedeckt hat. Lassen wir uns von ihm beschenken und das Heil, das er uns in Jesus Christus schenkt, voll einschenken.

    Pfarrer Andreas Streich

     

 

Woche vom 17.08. bis 23.08.

  • addAndacht für den 11. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest, 23. August 2020

    Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.                             1 Petrus 5,5b

    Von Demut ist hier die Rede – als einer Schlüsselhaltung. Das ist ein Wort, ein Wert, den wir aus unserem Sprachgebrauch und in unserem Alltag fast verloren haben. Vielleicht, weil wir die Sache gern verdrängen würden. Niemand ist gern unterwürfig und duckmäuserisch. Menschen mit einem gestörten Selbstbewusstsein leiden darunter.

    Doch Menschen, die wissen, dass sie Gott ihre leeren Hände hinhalten dürfen, erleben es, dass er sie immer wieder füllt. Menschen, die erkannt haben: Mein Wert hängt nicht von dem ab, was ich leiste oder schaffe, oder von dem, was ich weiß oder kann, sondern ich bin wertvoll, weil Gott mich so liebt, wie ich bin, die können gestärkt und aufrecht durchs Leben gehen. Und Menschen, die sich eingestehen: ich schaffe dieses Leben nicht allein. Ich brauche einen, der mich an der Hand nimmt, der mit mir geht und mich begleitet, der mich führt und der mir die Kraft schenkt, die werden erfahren: Er hält Wort. Er geht mit. Seine Hand lässt nicht los.

    Demütige im Sinne dieses Wochenspruchs sind Menschen, die täglich sich von Gott beschenken lassen, die von seiner Kraft, von seiner Vergebung leben – und so sich auch nicht über andere überheben müssen. Das wollen wir: Unter und vor allem an der Hand Gottes leben.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Samstag, 22. August 2020

    In dem Namen Jesu sollen sich beugen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind.                                                                                                                            Philipper 2,10

    und alle Zungen bekennen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters. Mit diesen Worten endet der großartige Christushymnus im Philipperbrief. Er macht deutlich: Von Jesus Christus können wir gar nicht groß genug denken. Jesus Christus – das ist der Eine, in dem Gott seine ganze Liebe beweist. Jesus Christus ist der Eine, der vorgelebt hat, wie Gott sich unser Menschsein gedacht hat. Jesus Christus ist der Eine, der wirklich zählt. Und am Ende werden es alle bekennen müssen. Am Ende werden alle vor ihm die Knie beugen und ihn anbeten. Denn einen anderen als ihn gibt es nicht.

    Dieser Christushymnus spricht nicht nur von der Erhöhung Jesu Christi, die mit der Auferstehung und seiner Himmelfahrt begonnen hat, sondern auch von dem, was dieser Erhöhung vorausging: Von seinem Gehorsam, von seiner Menschwerdung: er entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an. Und von seiner Erniedrigung: Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tod, ja zum Tode am Kreuz. Es gibt den erhöhten Christus nicht anders als mit durchbohrten Händen und Füßen. Sein Name, der über alle Namen ist, ist untrennbar mit seinem Leiden uns zugut verbunden.

    Wer vor ihm die Knie beugt, der erkennt an: Ich brauche diesen Retter. Ich brauche Jesus, meinen Heiland. Ich brauche das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt trägt – und das auch meine, meine ganz persönliche Sünde trägt, wegträgt und mich mit Gott versöhnt. Und ich danke ihm, denn er – und er allein – schenkt mir das Leben und volle Genüge.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Freitag, 21. August 2020

    Die Jünger traten zu Jesus und sprachen: Wer ist nun der Größte im Himmelreich? Und er rief ein Kind zu sich und stellte es mitten unter sie und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.

    Matthäus 18,1-3

    Gott kehrt unsere Maßstäbe um. Bei ihm zählt nicht, was wir Großartiges leisten, sondern einzig und allein: Ob wir das Großartige, das er uns schenkt, annehmen. Den Himmel können wir uns nicht verdienen. Wie oft haben wir diese Botschaft schon gehört. Und trotzdem probieren wir es immer wieder. Wir messen unser Leben mit dem Maßstab, der nun mal in dieser Welt gilt: Tu was, mach was, arbeite, bewirke etwas. Dann ist dir das Wohlwollen der anderen sicher. Leistungsgesellschaft eben – ob im Beruf, im Sport oder im kulturellen Bereich. Überall dasselbe.

    Sollte es im Himmelreich, das Jesus predigt wirklich anders sein? Jesus jedenfalls fordert ein radikales Umdenken. Eine grundsätzliche Umkehr unserer Wertmaßstäbe. Ja, es geht so weit, dass Jesus sogar deutlich auf eine Unmöglichkeit hinweist, auf ein Ausschlusskriterium für den Himmel. In den Himmel kommt nicht, wer nicht wird wie ein Kind.

    Wie ist denn ein Kind. Ich denke an einen Säugling. Der ist schlicht und einfach bedürftig. Sonst nichts. Der braucht es, dass Mutter oder Vater sich um ihn kümmern für alles und jedes. Ihm zu essen und zu trinken geben, ihm die Windel wechseln, ihn ins Bett legen und aus dem Bett holen. Bedürftig sein – das ist, was ein Kind ausmacht. Und sich dessen nicht schämen. Es ist ganz normal, dass Kinder bedürftig sind. Dass sie nichts leisten müssen und sich auf ihre Leistung nichts einbilden. So – genau so – sagt Jesus – müssen wir werden, wir alle. Denn wir haben einen Vater im Himmel, der für uns sorgt und der uns überreich beschenkt. Kommen wir aus der Bedürftigkeit und aus dem Bewusstsein, dass wir ihn brauchen, ja nie raus. Eine bessere, gesündere Lebenshaltung gibt es nämlich nicht.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Donnerstag, 20. August 2020

    Hass erregt Hader; aber Liebe deckt alle Übertretungen zu.                                      Sprüche 10,12

    Die Verse im 10. Kapitel des Sprüchebuchs entlarven so manche billige Ausrede, um sich ja nicht ändern zu müssen. Sätze wie »Da konnte ich nicht anders…« oder »da kann man doch nicht anders…« - »so bin ich halt« sind zwar weit verbreitet, aber von Grund auf verkehrt. Bibelleser wissen mehr. Meist gibt es nicht nur den einen Weg, den naheliegenden, sondern auch noch einen anderen. So auch beim Umgang mit den Fehlern anderer. Die Gnadenlosigkeit in unserer Gesellschaft erschreckt mich: Da steht jemand in der Öffentlichkeit, bekleidet vielleicht ein politisches Amt, um das ihn andere beneiden – und dann macht dieser Mensch einen Fehler. Nachsicht – Fehlanzeige! Zweite Chance? Denken Sie nicht mal dran. Nein: Rücktritt, der oder die muss weg! Und die Liste, derer, die es traf, wird länger. Mich erschreckt das.

    Unsere Losung weist uns einen anderen Weg. Und zeigt zugleich: Es geht auch anders. Doch, da kann man anders. Doch, Gott will, dass wir anders handeln. Er will, dass wir uns an ihm orientieren. Dass wir es so machen, wie er es macht. Und wie macht es Gott? Wie geht er mit unseren Übertretungen, mit unseren Fehltritten, mit unserer Schuld um? Er begegnet uns nicht mit Hass, sondern mit Liebe. Gott hasst die Sünde – daran lässt die Bibel keinen Zweifel – aber er liebt die Sünder. Und darum sorgt er selbst dafür, dass die Übertretungen zugedeckt werden. Darum nimmt er das Problem mit unserer Schuld und unserem Versagen selbst in die Hand. Darum nimmt er in Jesus Christus unsere Schuld auf sich und trägt sie weg an das Kreuz. »All Sünd‘ ist nun vergeben und zugedecket fein, darf mich nicht mehr beschämen vor Gott, dem Herren mein« dichtete einst Bartholomäus Helder. Und das gilt. Gott lässt es gelten. Lassen doch auch wir’s viel mehr gelten, wo andere an uns schuldig werden. Ich wünsche uns eine Kultur der Ehrlichkeit: Dass wir ehrlich einander unser Versagen eingestehen und Fehler bekennen. Weil wir wissen: Wir werden den andern nicht auf seinen Fehlern festnageln – sondern es machen wie Gott: Die Liebe deckt alle Übertretungen zu.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Mittwoch, 19. August 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    wenn Sie an den Mose aus der Bibel denken, was fällt Ihnen da ein? Dass er als Baby in ein schwimmendes Körbchen im Nil gelegt wurde? Dass er das Volk Israel aus der Sklaverei in Ägypten geführt hat? Dass er das Meer teilte und mit dem Volk Israel mitten durchs Wasser gehen konnte? Vielleicht sehen Sie den Mose vor Ihrem inneren Auge auch mit den Tafeln der zehn Gebote stehen? Ja, der Mose hatte ein ungewöhnlich bewegtes und spannendes Leben mit außergewöhnlichen Höhen und Tiefen.

    Eines wird von Mose in der Bibel berichtet, was gar nicht so bekannt ist, und doch sehr bewegend ist. Im 33. Kapitel des zweiten Mosebuchs heißt es: „Der Herr aber redete mit Mose von Angesicht zu Angesicht, wie ein Mann mit seinem Freunde redet.“ Gott und Mose unterhalten sich offen, vertrauensvoll, ohne Geheimnisse – ohne Angst, etwas Falsches zu sagen und auch so, dass man den Mut hat, dem anderen die Meinung zu sagen. Gott ist sich nicht zu schade, zu erhaben, um mit Mose auf Augenhöhe zu reden.

    Der Textabschnitt in diesem 33. Kapitel bringt einen Teil dieser Unterhaltung zwischen Gott und Mose. Es geht da um ein heikles Thema: Das Volk Israel, das Mose leitet, hat kurz davor ein goldenes Kalb gemacht und dieses tote Ding angebetet und sich damit Gott gegenüber ganz undankbar gezeigt. Der lebendige Gott hat das Volk doch aus der Knechtschaft befreit – und jetzt lag das Volk einem Götzenbild zu Füßen. Man kann es verstehen: Gott ist darüber enttäuscht, zornig. Er will am liebsten nichts mehr mit diesen undankbaren Leuten zu tun haben. Doch Mose setzt sich im freundschaftlichen Gespräch für die Israeliten ein. Er bittet Gott, erinnert ihn daran, dass es doch sein Volk war und ist und bleiben soll! Der Losungsvers für heute ist aus diesem Gespräch: „Sieh doch, dass dies Volk dein Volk ist!“ sagt Mose zu Gott. Mose erinnert Gott an seine Verbundenheit mit dem Volk Israel, an seine Liebe zu diesem Volk. Und tatsächlich - Gott lässt sich erinnern, er hört auf Mose, er lenkt ein – so wie das unter Freunden geschieht.

    Wenn Jesus von Gott sprach, hat er den Menschen erzählt, dass sie sich Gott vertrauensvoll nähern dürfen. Wie einem Vater, dem man alles erzählen kann, der sein Kind so liebt, dass er ihm keine Bitte ausschlagen kann. Garantiert fallen Ihnen dazu Jesusgeschichten ein!

    Die Frage ist nun gar nicht nur, ob wir uns Gott so allgemein als engsten Freund und als Vater vorstellen können, sondern vor allem, ob wir ihn wirklich wollen, als Freund, als Vater – denn ein Freund, ein Vater will mein Leben ja auch teilen, sich einmischen, seine Meinung dazu sagen, mich begleiten. Gott als Freund, als Vater – wie stehe ich dazu, wie stehen Sie dazu? Nehmen Sie das doch als ganz lohnende Frage mit!

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • addAndacht für Dienstag, 18. August 2020

    Der HERR ist freundlich, und seine Gnade währet ewig und seine Wahrheit für und für.

    Psalm 100,5

    Im Miteinander mit anderen wünschen wir uns, dass sie sich an bestimmte Werte halten: Freund­lichkeit, Zuverlässigkeit, Verbindlichkeit, Wahrhaftigkeit. Es kann Jahre dauern, um Vertrauen zueinander aufzubauen. Aber es reicht ein Augenblick, um das Vertrauen eines Menschen in einen anderen zu zerstören. Menschen können uns enttäuschen – bitter enttäuschen.

    Unser Gott kann und wird uns nicht enttäuschen. Davon ist der Psalmbeter überzeugt: Gott enttäuscht nicht. Gott ist freundlich. Er ist uns gut – in Jesus Christus hat Gott es ein für allemal bewiesen, wie er es mit uns meint: Dass er uns Menschen haben will – als sein Gegenüber. Dass er mit uns leben will. Dass er in Gemeinschaft mit uns leben will. Wir müssen keine Angst haben, dass er uns irgendwann die Freundschaft aufkündigt. Nein: er ist und bleibt uns zugewandt.

    Seine Gnade währet ewig: Gott und wir – das ist eigentlich keine Partnerschaft auf Augenhöhe. Kann es auch gar nicht sein. Wir sind begrenzte Menschen, wir sind seine Geschöpfe – er ist ewig und allmächtig. Er ist unser Gott, unser Schöpfer. Er müsste sich uns nicht zuwenden. Er müsste sich nicht zu uns herabbeugen. Er wäre auf uns nicht angewiesen. Doch unser Gott will nicht ohne uns sein. Unser Gott will mit uns leben. Unser Gott will uns gnädig sein. In Jesus Christus schenkt Gott uns seine Gnade: Die Vergebung aller unserer Sünden, er nimmt uns die Schuld ab und macht uns zu seinen Kindern.

    Und seine Wahrheit währt für und für. Was Gott sagt, was Gott verspricht – auch was er mir zusagt im Blick auf unser Verhältnis zueinander – das bleibt bestehen. Wer nicht enttäuscht werden will in der wichtigsten Beziehung seines Lebens, der darf nicht auf Menschen vertrauen, sondern der muss auf Gott vertrauen. Auf den Gott der treu ist, der freundlich ist, der gnädig ist und der wahrhaftig ist. Und ich bin mir sicher: Wer von dieser Beziehung her lebt, der kann auch anderen Menschen gegenüber freundlich, gnädig und wahrhaftig sein.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Montag, 17. August 2020

    Sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk.                                                                      Apostelgeschichte 2,46

    Das, was da am Anfang der Apostelgeschichte von der Gemeinde Jesu Christi gesagt wird, ist und bleibt Maßstab und Zielvorgabe für die christliche Gemeinde. Sie waren einmütig beieinander. Sie saßen nicht nebeneinander, sie gingen nicht auseinander, sie redeten nicht übereinander. Sie feierten miteinander. Christen brauchen einander – das ist die Grundeinsicht die dahinter steht. Deshalb sind wir froh und dankbar, dass wir nach der durch Corona erzwungenen Isolation wieder gemeinsam feiern können. Nicht nur virtuell, sondern real.

    Sie kamen zusammen – in den Häusern: sicher in kleinen Gruppen – so wie es sie bei uns auch gab. Das darf und das soll es geben. Ein breit gefächertes Angebot für Zielgruppen in einer Gesellschaft, die so ausdifferenziert ist, wie die unsere. Eine Form, die allen gefällt, finden wir wohl kaum. Aber diese ersten Christen kamen nicht nur in den Häusern, in ihren eigenen Gruppen, sondern auch als Christen gemeinsam, sozusagen zur Vollversammlung zusammen – täglich im Tempel.

    Vergessen wir nicht den Segen der Vollversammlung der Gemeinde Jesu. Darauf liegt ein Segen. Auch wenn viele den Sonntagmorgengottesdienst als Mitte der Gemeinde totreden wollen: Wir brauchen eine solche Mitte, eine Vollversammlung als Christen an einem Ort: Nur dort, wo wir gemeinsam Erfahrungen mit Gott und seinem Wort machen, nur dort erfahren wir den vollen Segen. In Jerusalem waren Gebildete und Ungebildete, Junge und Alte, Reiche und Armen; Herren und Sklaven, Frauen und Männer beieinander. Sie ließen sich nicht auseinanderdividieren. Die Vollversammlung bewahrte sie vor einer gefährlichen Krankheit in der Gemeinde: Vor Herzverengung. Auch wir brauchen dringend diese Weite im Herzen wieder, die wir nur in der Vollversammlung der Gläubigen erleben. Es geht doch nicht um Formen! Es geht noch nicht um Musikstil. Es ist so einfach und so billig, sich in seinen Wohlfühlkreis zurückzuziehen. Doch das Neue Testament legt eine andere Spur: Gemeinsam – herzlich miteinander verbunden – miteinander Gott feiern. Darauf liegt Segen.

    Pfarrer Andreas Streich

     

 

Woche vom 10.08. bis 16.08.

  • addAndacht für den 10. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest, 16. August 2020

    Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist, dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat.         Psalm 33,12

    Der 10. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest wird bei uns als »Israelsonntag« gefeiert. Wir denken in besonderer Weise an die Verbundenheit der Gemeinde Jesu Christi mit dem jüdischen Volk, dem Bundesvolk des Alten Bundes. So wenig »Lebensabschnittpartnerschaften« nach Belieben im Sinne dessen sind, der die Ehe als lebenslange Gemeinschaft gestiftet hat, so wenig gibt es bei Gott einen Bund auf Zeit. Wo Gott einen Bund schließt, da gilt das für immer. So auch der Bund mit dem Volk Israel.

    Warum Gott gerade dieses Volk ausgewählt hat, darüber gibt das 5. Mosebuch Auskunft: Nicht hat euch der HERR angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern, sondern weil er euch geliebt hat. Gottes bedingungs- und voraus­setzungs­lose Liebe ist der Grund für diese Erwählung. D.h. da gibt es überhaupt keine Vorleistung dieses Volkes; überhaupt keine besondere Qualität, nicht irgend eine Liebenswürdigkeit in Form einer Eigenschaft oder eines Verhaltens, die Gott dazu veranlasst hat. Es ist schlicht und einfach – und zugleich unerklärbar – seine Liebe und seine Treue.

    Wenn Gott wählt, dann kann man die, die er sich wählt, nur beglückwünschen. Denn etwas Besseres, Erfüllenderes gibt es nicht, als dass Gott uns haben will – für ein Leben mit ihm und in seinem Reich. Gottes Erwählung gilt Israel. Das jüdische Volk ist Gottes erwähltes Volk bis heute – und bis ans Ende der Zeit wird diese Erwählung bestehen. Israel ist und bleibt gesegnet. Doch durch Jesus Christus dürfen auch wir zu Gesegneten werden, zu Erwählten – denn Gottes Liebe gilt auch uns. Auch wir sollen zu seinem Volk gehören. Nicht anstelle von Israel ist die Gemeinde Jesu Gottes Volk, sondern neben und mit Israel sind wir erwählt. Ganz Israel wird gerettet werden – weiß Paulus im Römerbrief. Doch auch wir – als Glaubende aus den Völkern – dürfen zu Gottes erwähltem Volk gehören. Was für ein Vorrecht. Was für ein Glück.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Samstag, 15. August 2020

    as gering ist vor der Welt und was verachtet ist, das hat Gott erwählt.            1. Korinther 1,28

    Unser Gott hat ganz andere Maßstäbe als wir Menschen. Vor allem dort, wo er Menschen wählt, erwählt und beruft. Da zählen nicht Kraft, Durchsetzungsvermögen, Intelligenz und Schlagfertigkeit, sondern da zählt nur, dass er uns haben will. Denn alles, was wir brauchen, um für ihn und sein Reich brauchbar zu sein, das ist er selbst und das gibt er uns selbst.

    Die »Erwählung«, die Paulus im Blick hat, ist schlicht der Glaube an Jesus Christus. Paulus weiß: Dass ein Mensch zum Glauben an Jesus kommt – zu echtem Glauben, nicht bloß einem Fürwahrhalte­glau­ben, sondern einem echten tiefen Vertrauen und einer Lebensgemeinschaft mit Jesus Christus: dass Jesus Christus MEIN Herr ist – das verdanken wir der Erwählung Gottes. Gott hat uns ausgewählt. Gott hat uns gewollt in seiner Mannschaft.

    Genau wie Jesus sich seine zwölf Jünger erwählt hat. Und wen hat er erwählt: ein paar Fischer, mindestens einen Zöllner. Schlicht: Durchschnitt – Durchschnitt nach unten offen. Und so macht Gott weiter. So hat Paulus es in seinen Gemeinden erlebt. Wer ist da dabei? Wer kommt zum Glauben? Einfache Leute; Menschen, denen viele Bildungswege verschlossen waren; Durchschnitt – Durchschnitt nach unten offen. Es gab immer auch einige aus der Oberschicht, es gab immer auch Gebildete, Einflussreiche, die zum lebendigen Glauben kamen – aber sie waren eher die Ausnahme. Das Gros, der Durchschnitt war Durchschnitt. Durchschnitt nach unten offen. Und so ist es bis heute.

    Das ist Gottes Weg. Gottes Weg, um deutlich zu machen: Es kommt nicht auf uns an und auf unsere Vorbedingungen. Es kommt auch nicht auf unsere Leistungsfähigkeit an, um für ihn brauchbar zu sein. Es kommt auch nicht auf unsere fromme Leistung an – es kommt nur auf Jesus Christus an, der alles für uns getan hat. Er selbst, der Sohn Gottes, ging nicht den Karriereweg, sondern den Gehorsamsweg, den untersten Weg, um uns zu erlösen. Nur, wer sich das gefallen lässt, was Jesus für uns getan hat – und was einen dicken Strich durch all unsere Klugheitsphilosophien macht – gehört zu ihm. Auf ihn allein kommt es an. So wählt Gott. Und wir dürfen dazugehören.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Freitag, 14. August 2020

    Jesus sprach zu den Zwölfen: Wollt ihr auch weggehen? Da antwortete ihm Simon Petrus: Herr, wohin sollten wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes.                                                                                 Johannes 6,67-69

    Ein Strohfeuer brennt nicht lang. Darum ist es bei uns sprichwörtlich für schnelle Begeisterung, die nicht lange anhält. Nach dem Wunder der Brotvermehrung, als 5.000 Menschen satt geworden waren, da ging die Begeisterung wie ein Strohfeuer durch die Menge. Sie wollten Jesus zu ihrem König machen. Klar, so einen, der uns mit dem versorgt, was wir brauchen oder gern hätten, kann man immer gebrauchen. Jesus – der Wunscherfüller; Jesus – der Garant für ein bequemes, angenehmes Leben. Jesus – der Wellness-Helfer.

    Schnell wird dort im Johannesevangelium klar, dass Jesus mehr für uns sein will, viel mehr. Es geht um nicht weniger als das Lebensbrot, das zum ewigen Leben reicht. Das will er uns geben. Und dieses Lebensbrot, das ist er selbst. Nicht etwas will Jesus geben, sondern sich selbst. Und nicht etwas will Jesus von uns, sondern unser ganzes Leben. Er gibt sich uns ganz: Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm. … Wer dies Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Das war vielen zu viel. Auch vielen, die der Evangelist Johannes als Jünger bezeichnet. Von da an wandten sich viele seiner Jünger ab und gingen hinfort nicht mehr mit ihm.

    Genau hier setzt unser Lehrtext ein. Jesus fragt die 12: Wollt ihr auch weggehen. Und Petrus bekennt, was nur Gottes Geist uns erkennen lassen kann: Es gibt keinen anderen Ort für unseren Hunger nach Leben; es gibt keinen anderen, der unseren Durst nach Gott stillen kann. Du hast Worte des ewigen Lebens. Du bist der Heilige Gottes. Der, der in einzigartiger Weise – wie kein anderer vor und wie kein anderer nach ihm – mit Gott verbunden ist. Ja, in dem Gott selbst zu uns kommt. Jesus Christus ist der Eine, den wir brauchen – darum wollen auch wir nicht weggehen, sondern bei ihm bleiben – heute und in Ewigkeit.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Donnerstag, 13. August 2020

    Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten und durch seine Wunden sind wir geheilt.

    Jesaja 53,5

    Es ist schlicht ein Wunder, das Jesaja in seinem Gottesknechtslied beschreibt. Etwas, was eigentlich unmög­lich ist. Denn Schuld und Strafe sind normalerweise nicht übertragbar. Wenn jemand zu schnell ge­fahren ist, dann kann nicht ein anderer für ihn die Punkte in Flensburg bekommen. Selbst wenn der Fahrzeughalter auf dem Fragebogen ankreuzt, dass der Verkehrsverstoß zugegeben wird. Das Foto aus der Blitzerkamera wird nämlich mit dem Foto in der Führerscheinstelle verglichen. Und wenn es nicht übereinstimmt, dann wird weitergesucht, bis man den Schuldigen gefunden hat.

    In unserer Losung geht es nicht bloß um einen Verkehrsverstoß, eine Ordnungswidrigkeit, sondern um unsere Lebensschuld, für die uns die Höchststrafe droht: Der Sünde Sold ist der Tod. Und da soll Stellvertretung möglich sein? Da soll ein anderer für mich die Zeche bezahlen können? Da soll einer meine Strafe aufgebrummt bekommen, auf dass ich Frieden hätte. Da sollen mich die Wunden eines andern heilen? Was so unglaublich und fantastisch klingt, das ist wirklich geschehen. Es ist schlicht ein Wunder, das sich nur dankend annehmen oder ablehnen lässt. In der verblendeten Nazi-Ideologie des Dritten Reiches hieß es: Ein deutscher Mann braucht kein Lamm Gottes. Der steht selbst für seine Fehler gerade. Nach 12 Jahren lag das als 1.000-jährig gepriesene Reich in Trümmern darnieder. O doch, wir brauchen gerade dieses Lamm Gottes, diesen Herrn Jesus Christus, der ohne Sünde war, aber unsere Schuld auf sich nimmt und sie wegträgt, wegträgt an sein Kreuz, wo er für uns stirbt. Was so unglaublich klingt, das ist unsere einzige Chance: Dass Gott selbst ausräumt, was wir verbrochen haben; dass Gott selbst bereinigt, wo wir an ihm gefrevelt haben. Und in Jesus Christus, dem Mann am Kreuz tut er es. Wir, wir können es nur geschehen lassen, ihm unsere Schuld bekennen und von Herzen danken, dass er dieses Wunder gewirkt hat. Ein für allemal.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Mittwoch, 12. August 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    im Johannesevangelium sagt Jesus zu seinen Nachfolgern: „Was ihr mich bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun.“ Moment mal, hat er das so wirklich gesagt? Versprochen, dass er jede Bitte von uns erhört? Ich lese den Satz nochmals in einer neuen Übersetzung und mit ein paar weiteren Worten davor, die Jesus gesagt hat, steile Sätze: „Das sage ich euch:  Wer an mich glaubt, wird genau solche Taten vollbringen, wie ich sie vollbringe. Ja, er wird sogar noch größere Taten vollbringen, als ich sie vollbracht habe. Denn ich gehe zum Vater. Wenn ihr dann als meine Jünger um etwas bittet, werde ich eure Bitte erfüllen. So wird die Herrlichkeit des Vaters durch den Sohn sichtbar gemacht. Wenn ihr mich also dann als meine Jünger um etwas bittet, werde ich eure Bitte erfüllen.“

    Jesus hört unsere Bitten und erhört sie. Diese Zusage ist mir als Mensch eigentlich zu groß. Mein Verstand, der zu wissen meint, dass doch nicht jede Bitte, die wir im Gebet äußern, erfüllt wird, will menschlich und pseudofromm erklären: Jede Bitte, die Gott für gut hält, wird er erhören, er weiß ja besser, was für uns gut ist. Aber nein, so stimmt das nicht, so hat es Jesus nicht gesagt. Ich darf und will die große Zusage von Jesus nicht klein reden, nicht relativieren. „Wenn ihr als meine Jünger um etwas bittet, werde ich eure Bitte erfüllen.“ So steht das hier.

    Ja, das übersteigt meinen Verstand und ich staune. Ich höre diese Worte von Jesus als eine immense Einladung. Ich sehe einen Vater, eine Mutter mit offenen Armen, in den Knien hockend, um auf der Höhe des Kinds zu sein und sagen: Komm her – ich bin für Dich da. Komm mit dem, was Dich bedrängt. Sag mir, was Dir auf dem Herzen liegt. Das erinnert an andere Jesusworte, die uns in der Bibel überliefert sind: „Kommt zu mir, ihr alle, die ihr euch abmüht und belastet seid! Bei mir werdet ihr Ruhe finden.“ Ein anderes Mal sagte er: „Bittet und es wird euch gegeben! Sucht und ihr werdet finden! Klopft an und es wird euch aufgemacht!“ Ja, da ist er wieder mit den geöffneten Armen, wartend, dass wir kommen.

    Ob ich bei meinen Verstandeszweifeln stehen bleibe? Oder die Einladung von Jesus sehe und annehme, weil ich wie ein Kind sehe: er wartet auf mich, ihm kann ich mich in die Arme werfen und mit allem – mit allem! – was mich beschäftigt und bedrängt zu ihm kommen. Und wenn Sie an ein Kind in solch einer Situation denken – das zögert vielleicht einen kleinen Moment und – rennt dann los in die Arme hinein! Den Blick auf diese offenen Arme wünsche ich Ihnen und mir.

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • addAndacht für Dienstag, 11. August 2020

    Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch!   Philipper 4,4

    Das ist eine Aufforderung von einem, der durch und durch Realist ist. Paulus ist kein Schwärmer, der die harte Wirklichkeit ausblendet. Er kennt alle Höhen und Tiefen des Lebens aus eigener Erfahrung. Wenige Verse später schreibt er: Ich kann niedrig sein und hoch sein; mir ist alles und jedes vertraut: beides, satt sein und hungern, beides, Überfluss haben und Mangel leiden. Doch in allem und über allem steht Jesus Christus. Und deshalb rät Paulus den Philippern und auch uns, was er selbst praktiziert: Freut euch in dem Herrn allewege.

    Egal, was euch auf euren Wegen begegnet: Freut euch im Herrn – allewege. Denn er, der Herr Jesus Christus, ist bei euch auf allen Wegen. Er lässt euch nicht los. Er hält euch fest. Er ist mit seiner tröstenden, ermutigenden, stärkenden Kraft bei euch – auch und gerade in Schwierigkeiten. Was er bereithält, schenkt und gibt, das ist viel mehr und wiegt viel schwerer als alles, was euch das Leben schwer machen kann.

    So hat es Paulus selbst praktiziert – in Philippi. Damals, als er mit seinem Mitarbeiter Silas das erste Mal dorthin kam und das Evangelium auf den europäischen Kontinent brachte. Nach kurzer Zeit wurden die beiden gefangen genommen, hart geschlagen und dann in den Block gelegt und im innersten Gefängnis eingesperrt – wie die schlimmsten Verbrecher. Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott. Mitten in der dunkelsten Stunde. Mitten im Gefängnis, mit schmerzenden Gliedern, ohne Hände und Füße regen zu können. Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott. Das ist der Ausdruck der Freude über Jesus, den Retter, den Heiland, den Herrn, der uns niemals allein lässt. So äußert sie sich die Freude: im Gebet und im Lob Gottes – egal wie die äußeren Umstände sind. Und auf dieser so ausgedrückten Freude liegt ein Segen. Sie verändert uns. Sie lässt uns die eigene Situation mit anderen Augen sehen. Denn sie lässt uns auf Jesus Christus sehen. Darum gilt auch uns: Freut euch im Herrn allewege.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Montag, 10. August 2020

    Gideon sprach: ich will nicht Herrscher über euch sein, sondern der HERR soll Herrscher über euch sein.                                                                                                                          Richter 8,23

    Die Macht kann süchtig machen – und blind. Dafür gibt es zig Beispiele aus der Gegenwart und der Geschichte: Menschen, die auf ihrem Stuhl kleben und nicht bereit sind, die Macht abzugeben. Gideon lehnt die Herrschermacht, die an ihn herangetragen wird, bewusst ab. Gott hat ihn zum Richter berufen – in einer ganz bestimmten Not sollte er Gottes Werkzeug sein, um seinem Volk gegen die Feinde zu helfen. Diesen Auftrag, diese Berufung hat Gideon angenommen. Aber mehr nicht.

    Es war durchaus ein demokratisches Ansinnen, das da kam. Es drückt eine breite Unterstützung und eine breite Mehrheit aus, wenn die »Männer von Israel« ihm ein vererbbares Herrschersein – oder ein dynastisches Königtum antragen. Wenn in der CDU/CSU jetzt über die »K-Frage« diskutiert wird: Wer soll nach Angela Merkel Kanzler oder Kanzlerin werden, dann spielt wohl – genau wie damals – eine Rolle: Wer hat sich in der Krise bewährt: Söder oder Laschet? Merz oder Spahn? Einem, der in einer Krise wie Corona, gut und entschlossen handelt, traut man auch das Regieren zu.

    Doch Gideon lehnt ab. Ob Söder tatsächlich auch im Herbst 2021 seinen Platz noch in Bayern sieht, das lassen wir mal offen. Gideon lehnt ab – aber aus einem ganz anderen Grund: Er weiß: der HERR ist und soll der Herrscher über Israel sein. Gott, nicht ein Mensch, soll die Geschicke dieses Volkes lenken. Er wird immer wieder neu Menschen berufen, die er als Werkzeuge für eine bestimmte Aufgabe und eine bestimmte Zeit lang gebraucht – aber nicht als Herrscher an sich. So war und so blieb es, bis Israel dann endgültig einen König wollte. Doch da ist bezeichnend, dass Gott zu Samuel sagt, der voller Entrüstung das mit Gott im Gebet bespricht: Sie haben nicht dich, sondern mich verworfen, dass ich nicht mehr König über sie sein soll. (1Sam 8,7)

    Was kann uns vor der Macht-Sucht bewahren? Die Abhängigkeit von Gott. Und das Bewusstsein: Gott kann mich und meine Gaben gebrauchen – in meiner Familie, in meinem Betrieb. Aber meine Aufgabe ist und bleibt begrenzt. Ich bin Werkzeug Gottes, das will ich gerne sein, aber mehr nicht.

    Der wahre König – für mich und die ganze Welt – das ist Gott, das ist der Gesalbte, der Messias, der Christus – Jesus Christus, in dem Gott all das wieder zurückholt, was Menschen in ihrer Eigenmächtigkeit meinten an Macht sich selbst nehmen zu müssen. Jesus ist der wahre König, in dem am Ende dann doch Gott wieder Herrscher über uns sein wird.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 03.08. bis 09.08.

  • addAndacht für Sonntag, 9. August 2020

    Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus.

    Epheser 1,3

    Ich mag dieses Kapitel 1 des Epheserbriefs ganz besonders. Denn mit diesem Vers, unserem Lehrtext, eröffnet Paulus einen Rundgang durch den vielfältigen Segen, den Gott uns in Jesus Christus schenkt. Wer bisher dachte: Segen – das hat etwas mit äußerem Wohlergehen zu tun. Gesegnet ist, wer gesund ist, wer in gelingenden Beziehungen leben kann, wer sein Auskommen und keine Schulden hat und wen die Leute sympathisch finden – der erfährt hier eine grandiose Erweiterung seines Segens-Horizonts. Segen ist mehr, viel mehr. Und der wahre Segen, der liegt nicht in den äußeren Gegebenheiten unseres Lebens, die irgendwann doch alle wegbrechen, sondern der liegt in Jesus Christus. Und dieser Segen in Jesus Christus, der kann und wird niemals wegbrechen. Der bleibt auch dort, wo Menschen krank werden; wo Beziehungen zerbrechen; wo das Leben nicht mehr rund läuft. Gottes Segen in Jesus Christus bleibt.

    Segen in Jesus Christus – folgen wir Paulus nur ansatzweise bei seinem Rundgang durch den Segen: in Christus sind wir als Gläubige erwählt ehe der Welt Grund gelegt war. In seiner Liebe hat Gott uns sogar vorherbestimmt, durch Jesus Christus seine Kinder zu werden. Mein Glaube steht und fällt also nicht mit meiner Entschlusskraft, sondern gründet in Gottes Erwählung und Vorherbestimmung. So steht es in Vers 4 und 5. In Jesus Christus haben wir ferner die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden. In ihm sind wir auch zu Erben eingesetzt worden. In Jesus Christus sind wir, als wir gläubig wurden, versiegelt worden mit dem Heiligen Geist.

    Was für ein Reichtum an Segen. Da, bei Jesus Christus, ja, in Jesus Christus, da liegen nicht nur alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen, sondern da, in Jesus Christus, da ist auch der ganze geistliche Segen – aller geistliche Segen, des es überhaupt nur gibt, für uns erschlossen und zugänglich. Von Jesus können wir gar nicht groß genug denken. Wer Gottes geistlichen Segen will, der braucht Jesus. Ja, es bleibt dabei: Jesus Christus ist der Eine, den wir brauchen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Samstag, 8. August 2020

    Meine Augen sehen stets auf den HERRN, denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen.

    Psalm 25,15

    Corrie ten Boom, die niederländische Evangelistin, die weil sie in ihrer Familie in Haarlem, Juden versteckte im KZ war und dort ihre Schwester verlor, sprach einmal davon, dass es zweierlei Christen gebe: Es gebe Autofahrer-Christen und es gebe Straßenbahn-Christen. Die Autofahrer-Christen sind die, die immer wieder bei Gott auftanken, um weiterfahren zu können. Die wissen, dass sie Gott immer wieder brauchen – aber dann ihr Leben über weite Strecken auch ohne ihn meistern. Die Straßenbahn-Christen dagegen sind die, die – wie die Straßenbahn – nur vorwärts kommen, wenn sie in ständiger Verbindung mit der Kraftquelle, sprich: mit Gott sind.

    Zur zweiten Sorte müssen wir wohl auch David zählen: Meine Augen sehen stets auf den HERRN. Also nicht nur ab und zu. Nicht nur hin und wieder – stets, immer, ständig. Ich bleibe in Kontakt mit Gott. Ich lebe in der Abhängigkeit von ihm. Ich bleibe ein Empfangender, ein Beschenkter und ich brauche es jeden Tag, jede Stunde, jeden Augenblick, dass er mir hilft. Auf ihn schaue ich, auf ihn hoffe ich.

    Denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen… Wer die vielen anderen Davids-Psalmen liest, der weiß, dass es ein Missverständnis wäre, wenn man da einen schnellen Automatismus vermuten würde: Da taucht ein Problem auf – das gestellte Netz ist ein Hinweis auf menschliche Feinde, die mir das Leben schwer machen – ich schaue auf Gott, ich bete zu ihm – und im nächsten Augenblick hat Gott mir geholfen. Nein – so billig und so schnell geht es nicht immer. Von David gibt es auch Klagepsalmen, wo er Gott hinlegt, wie schwer es ihm fällt, so lange auf Rettung und Hilfe warten zu müssen. Doch David bleibt auch dort dabei: Der Einzige, auf den ich schauen will – auch da, wo ich ihn nicht verstehe – ist und bleibt der HERR, mein Gott. Denn er kann und er wird meinen Fuß aus dem Netz ziehen. Er kann und wird mir helfen – zu seiner Zeit. Das Wann mag fraglich sein, das dass ist es nicht. Machen doch auch wir es wie David, seien wir Straßenbahn-Christen und vertrauen ihm.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Freitag, 7. August 2020

    Aus großer Todesnot hat er uns errettet und wird uns erretten, auf ihn haben wir unsere Hoffnung gesetzt.                                                                                                                 2. Korinther 1,10

    Wer die ersten Verse des 2. Korintherbriefs liest bis zu diesem Vers, dem fällt auf, wie oft Paulus vom »Trost« und vom »Trösten« redet. Denn das ist, was er erlebt hat: Dass Gott tröstet. Und Gottes Trost bedeutet immer Rettung. Gott errettet aus Todesnot. Ja, Gott errettet sogar aus dem Tod.

    Paulus beschreibt in diesen Versen eine Situation in Kleinasien, die mehr als brenzlig war: Denn wir wollen euch, liebe Brüder, nicht verschweigen die Bedrängnis, die uns in der Provinz Asien widerfahren ist, wo wir über die Maßen beschwert waren und über unsere Kraft, sodass wir auch am Leben verzagten und es bei uns selbst für beschlossen hielten, wir müssten sterben. Das geschah aber, damit wir unser Vertrauen nicht auf uns selbst setzten, sondern auf Gott, der die Toten auferweckt.

    Was mag das für ein Gefühl sein, wenn man innerlich das eigene Todesurteil in Händen hält. Wenn es keinen Ausweg mehr gibt, wenn alle eigenen Wege endgültig zu Ende gegangen sind. Wenn uns nichts, aber auch gar nichts mehr zu tun bleibt. Über manchen Todesanzeigen kann man die Worte lesen: »Gehofft, gekämpft und doch verloren« Das ist die Resignation über die Macht der Krankheit und des Todes. Paulus setzt dagegen: Wir haben einen Gott, für den selbst der Tod nicht unbesiegbar ist. Wir haben einen Gott, der unseren Herrn aus dem Tod herausgerissen hat. Und der auch uns aus dem Tod herausreißen wird. So bezeugt Paulus es im 15. Kapitel des 1. Korintherbriefs. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Der Tod hat nicht die letzte Macht. Seit Jesus auferstanden ist, steht fest: Gott wird uns auch aus der letzten Not, dem Tod, erretten – auf ihn haben wir unsere Hoffnung gesetzt. Auf ihn dürfen auch wir unsere Hoffnung setzen. Er wird uns nicht enttäuschen.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • addAndacht für Donnerstag, 6. August 2020

    Er handelt nicht mit uns nach unseren Sünden und vergilt uns nicht nach unserer Missetat.

    Psalm 103,10

    So buchstabiert der Psalmbeter David, was Gottes Gnade meint. Die Gnade ist die unverdiente Zuwendung Gottes. Gott ist mir gut, obwohl er allen Grund hätte, mich zu verurteilen und mit mir fertig zu sein. David redet von unserer Sünde und von unserer Missetat. Und er weiß: Auch vor Gott, gerade vor Gott hat mein Fehlverhalten und meine falsche Grundhaltung, hat mein Versagen, meine Schuld Gewicht. Gottes Gnade bedeutet eben gerade nicht: Gott lässt Fünfe gerade sein. Gott schaut nicht hin. Gott ignoriert die Sünde. Nein, Gott nimmt die Sünde ernst – todernst. Paulus weiß: Der Lohn der Sünde ist der Tod. Und in seinem Sohn, Jesus Christus, hat Gott das unterstrichen:

    Es gab nur einen einzigen Menschen, der perfekt war, der ohne Sünde war – Jesus. Doch der muss sterben – weil er die Sünden der ganzen Welt auf sich genommen hat. Weil unsere Sünde unter dem Todes- und Verdammungsurteil Gottes steht. Gott hasst die Sünde – aber er liebt die Sünder. So sehr, dass er den, der von keiner Sünde wusste, zur Sünde machte, damit wir frei ausgehen. Damit das, was David im Psalm 103 schon staunend von Gott erkannt hat, auch für uns – und für alle Menschen, die sich darauf einlassen – Wirklichkeit wird. Gott nimmt die Sünde ernst. Vor Gott wiegt unsere Missetat. Sie hat tödliches Gewicht. Und doch sucht und findet Gott einen Weg, uns zu entlasten. Anders mit uns zu verfahren, als wir es eigentlich verdient hätten: Da in Jesus, da nimmt er unsere Sünde auf sich selbst. Da in Jesus, da trägt er die Folgen unserer Missetat selbst. Weil er uns so sehr liebt. Weil er nicht ohne uns sein will. Weil keine und keiner ihm fehlen soll.

    Wo wir Gott ein Stückchen weit – so weit es eben möglich ist – in seinem Wesen erkennen, da geht diese Erkenntnis immer mit der Selbsterkenntnis einher: Wer ist Gott – und wer bin ich? Das hat David begriffen und ist darüber ins Staunen gekommen. Staunen auch wir immer wieder neu.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Mittwoch, 5. August 2020

    Guten Tag, liebe Anruferin, lieber Anrufer,

    zu den bekanntesten Jesusgeschichten gehört die von dem Zolleinnehmer Zachäus, der in Jericho lebte. Geld und Besitz waren sein oberstes Lebensziel. Von seinen Mitmenschen nahm er, was nur ging und immer wieder auch mehr, als ihm nach Recht und Gesetz zustand. Dieser rücksichtslose Lebensstil machte ihn reich, wenn auch nicht sonderlich beliebt. Aber damit konnte er wohl mit einem gewissen Trotz leben. Das mag damit zusammenhängen, dass er von kleiner Körpergröße war, wegen derer er sicherlich manchen Spott erfahren hat. Mit seinem beruflichen Erfolg konnte den anderen zeigen: ich komme weiter als ihr.

    Allerdings scheinen den Zachäus weder das Geld noch der Erfolg wirklich glücklich gemacht zu haben. Der biblische Text in Lukas 19 berichtet: als Jesus in die Stadt Jericho kommt, will ihn Zachäus unbedingt sehen. Offensichtlich hat er von Jesus so viel gehört, dass ihn dieser Mann eigenartig anzieht. Jesus scheint ein Leben zu führen, das nicht von Geld und Besitz geprägt ist und trotzdem erfüllter ist als das Leben von Zachäus. Der Vers aus den Losungen heute ist dieser Geschichte entnommen: „Da war ein Mann mit Namen Zachäus, der war ein Oberer der Zöllner und war reich. Und er begehrte, Jesus zu sehen.“ Vermutlich wissen Sie, was der kleine Zachäus machte, um Jesus trotz der Menschenmenge zu sehen: er stieg auf einen Baum. Wie die Geschichte weiterging, wissen Sie entweder – oder falls nicht und Sie neugierig sind, lesen Sie es nach, es ist eine der besonders berührenden Begegnungen von Jesus mit einem Menschen, der ihn sucht.

    Was wir von diesem ersten Teil der Zachäusgeschichte mitnehmen können: der Zachäus hat sich auf den Weg gemacht, weil er Jesus unbedingt sehen wollte. Er krepselte sogar auf einen Baum. Das, was ihm möglich war, hat er getan – auch wenn er eine direkte Begegnung mit Jesus trotzdem nicht erzwingen konnte.

    Wollen wir Jesus wirklich begegnen? Für uns selbst können wir beantworten, ob wir die Frage mit einem echten Ja beantworten – oder ob wir zwar pro forma Ja sagen, aber im Grunde nicht wirklich wollen. Woran wir uns prüfen können? Indem wir gucken: tue ich das, was mir möglich ist, damit mir Jesus begegnen kann? Mache ich mich zum Beispiel auf den Weg in einen Gottesdienst? Suche ich das Gespräch über Jesus mit anderen? Bin ich bereit, mein Leben zu verändern, wenn das eine Folge der Begegnung mit Jesus sein sollte? Oder ist mir eine gewissen Distanz gar nicht so unrecht?

    Jesus sagte einmal (Matthäus 7,7): Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Damit ermutigt Jesus, dass wir bitten, suchen, anklopfen – denn nur dann werden wir auch etwas bekommen. Da geht es nicht um eine große Tat von uns, das wäre ein Missverständnis. Sondern es geht einfach darum, dass wir mit dem Wenigen, was uns möglich ist, zeigen, dass es uns mit dem Wunsch, diesem Jesus zu begegnen, ernst ist. Dafür ist der Zachäus ein echtes Vorbild – gerade auch deshalb, weil er überhaupt nicht fromm war. Aber er hat gesucht, er hat sich nach der Begegnung mit Jesus gesehnt, weil sein Leben leer war und unerfüllt. Und machte sich deshalb auf den Weg, stieg auf den Baum. Das kriegen wir doch auch hin, oder?

    Ihr Christoph Killgus, Prädikant aus Plattenhardt

  • addAndacht für Dienstag, 4. August 2020

    Ich will den HERRN loben in den Versammlungen.                                         Psalm 26,12

    Zwei wichtige Teile betont dieser kurze Losungsvers: Es geht um Gottes Lob und es geht um die Versammlung der Gläubigen. Beides ist wichtig für unser Leben.

    Es geht um Gottes Lob. Gott loben, das heißt: Sagen, wie gut er ist. Das sage ich ihm im Gebet. Ich danke und lobe ihn für all das, was ich persönlich in meinem Leben schon erfahren habe. Das sage ich auch mir selbst. In manchen Psalmen gibt es eine Zwiesprache des Psalmbeters mit seiner Seele: Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. Das Lob – gesungen oder gesprochen oder auch nur still im Herzen gebetet, das verändert auch mich als Beter, als Lobenden. Es macht mir in Sorge, in Anfechtung, in Bedrängnis wieder neu bewusst: Du bist doch nicht allein. Der Gott, der dein guter Hirte ist, der wird dich doch nicht im Stich lassen. Deshalb ist das Lob Gottes so wertvoll für unser Leben.

    Gottes Lob, ich sage es Gott, ich sage es mir – und ich sage es den andern. Das ist der zweite Teil des Verses: in den Versammlungen. Wir Christen brauchen einander. Wir sind keine Einzelkämpfer. Jede und jeder lebt auch von den andern. Wir brauchen es, dass wir uns gegenseitig immer wieder ermutigen und auf Gott hinweisen. Das Lob Gottes hat immer auch eine seelsorgerliche Dimension: Dort, wo ich Gott lobe, wo ich auch berichte von der Hilfe, die Gott mich hat erfahren lassen, da hilft es einem anderen Menschen, daraus Schlüsse für sich selbst zu ziehen. Da kann er einstimmen in das Lob und da hat schon mancher neue Hoffnung für sich selbst gewonnen: Wenn Gott meinem Mitchristen geholfen hat, dann wird er es auch bei mir tun. Denn wir glauben an den selben Herrn, reich für alle, die ihn anrufen. Unterschätzen wir nicht die Versammlung der Gläubigen für unseren eigenen Glauben. Wir brauchen sie. Der Gottesdienst am Sonntagmorgen ist die klassische und die naheliegendste Form, wenn auch nicht die einzige.

    Wir alle dürfen und sollen Teil dieser großen Lob-Bewegung sein, die seit dem Alten Testament nicht abreißt, die Menschen ergreift und ihnen hilft. Auch wir wollen sagen: Ich will den HERRN loben in den Versammlungen.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • addAndacht für Montag, 3. August 2020

    Den Demütigen wird der HERR Gnade geben.                                  Sprüche 3,34

    Wenn über Werte in unserer Gesellschaft gesprochen wird, dann kann man Begriffe hören wie: Leistungsbereitschaft, Zuverlässigkeit, Wahrhaftigkeit. Über Generationen hinweg eingeprägt haben sich bei uns auch: Fleiß und Pünktlichkeit. Von einem Begriff dagegen hört man in der Wertedebatte nur noch selten: Demut.

    Widerspricht Demut nicht einem gesunden Selbstbewusstsein? Bedeutet das nicht, dass man sich selbst klein macht, sich selbst in Frage stellt? Wer will denn so was heute noch hören? Ich glaube: Das Gegenteil ist der Fall. Demut widerspricht nicht einem gesunden Selbstbewusstsein, sondern gehört untrennbar zu einem gesunden Selbstbewusstsein. Ein Selbstbewusstsein, das sich in einem übersteigerten Selbstvertrauen alles zutraut und seine Grenzen nicht mehr kennt, macht krank: Es führt zur Überforderung. Demut hilft uns, uns realistisch einzuschätzen. Sie hilft uns zu erkennen, was wir können und was nicht. Und damit auch: was wir tun müssen – und was nicht.

    Die Demut steht in der Bibel immer zuerst im Zusammenhang mit Gott. So auch hier in Sprüche 3. Der Mensch, der sich vor Gott demütigt; der sich bewusst ist, dass er Gott braucht, dass er ohne Gott nicht leben kann und dass er Gottes Zuwendung braucht, der wird sein Leben mit anderen Augen sehen als jemand, der meint, auf Gott pfeifen zu können. Unsere Losung ist nur der zweite Teil dieses Verses. Ganz heißt er: Er wird der Spötter spotten, aber den Demütigen wird er Gnade geben. Vor Gott ehrlich sein, vor ihm auch einzugestehen, wo ich versagt habe, wo ich schuldig geworden bin, das ist und bleibt der Zugang zu Gottes Gnade. Zu Gottes unverdienter Zuwendung. David war sich in seinem Bußpsalm sicher: Ein geängstetes, zerschlagenes Herz, wirst du, Gott, nicht verachten. Doch das setzt Demut voraus. Und Demut hat immer auch mit Selbsterkenntnis und mit Schulderkenntnis zu tun. Demut vor Gott – das ist und bleibt ein unabdingbarer und erstrebenswerter Wert für unser Leben. Denn nur so kann unser Leben sich zu dem entfalten, wie Gott es sich gedacht hat. Deshalb sollten wir Mut zur Demut haben. Denn wer vor Gott demütig ist, der kann auch Menschenfurcht ablegen.

    Pfarrer Andreas Streich

 

Woche vom 27.07. bis 08.08.

  • addAndacht für den 8. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest, 2. August 2020

    Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.

    Epheser 5,8b-9

    Es gibt wenige Begriffe, die für uns etwas uneingeschränkt Gutes beinhalten. »Licht« gehört zu diesen Begriffen. In der Bibel begegnet uns durchaus auch der Kontrast: »Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker, aber über dir geht auf der HERR und seine Herrlichkeit erscheint über dir.« - »Der HERR ist mein Licht und mein Heil« betet der Psalmbeter. Und Jesus bezeichnet sich selbst als das »Licht der Welt«. Ja, mit ihm ist Gottes Licht in diese Welt gekommen. Und seine Jüngerinnen und Jünger, die von ihm angesteckt sind, sollen selber – als Gemeinschaft – nun als »Licht der Welt« und als »Salz der Erde« hineinwirken in diese Welt.

    Wer zu Jesus Christus, dem Licht der Welt gehört, den macht er zu einem Kind Gottes. Und der ist darum ein Kind des Lichts. Was da geschehen ist, als wir zum Glauben an Jesus Christus kamen, das beschreibt Paulus im Kolosserbrief so: Gott hat uns errettet aus der Macht der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich seines lieben Sohnes. Oder mit dem Liederdichter Paul Gerhardt ausgedrückt: »Ich lag in tiefster Todesnacht, du warest meine Sonne, die Sonne, die mir zugebracht Licht, Leben, Freud und Wonne. O Sonne, die das werte Licht des Glaubens in mir zugericht‘, wie schön sind deine Strahlen!«

    Das also gilt für uns, wenn wir an Jesus Christus glauben. Und daraus folgt quasi als klare und logische Konsequenz, was unser Wochenspruch uns nahelegt: Lebt als Kinder des Lichts. Lebt, das was ihr seid. Wandelt auf dem Weg, den Jesus euch vorgezeichnet hat. Bleibt darauf. Haltet euch an ihn. Lebt mit ihm. Löst euch nicht von ihm. Und das wird man sehen. Denn wer als Kind des Lichts lebt, der bringt Früchte des Lichts: Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit. Bleiben wir dabei. Leben wir doch einfach, was wir sind: Kinder des Lichts. Täglich neu beschenkt von Jesus Christus darf immer mehr von dem wachsen, was Frucht des Lichtes ist: Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit. In unserer nächsten Umgebung fängt es an, dass es die Menschen an uns sehen und erleben sollen.

    Pfarrer Andreas Streich

  • addAndacht für Samstag, 1. August 2020

    Ich komme, um alle Völker und Zungen zu versammeln, dass sie kommen und meine Herrlichkeit sehen.                                                                        Jesaja 66,18

    Gott hat dem Propheten Jesaja einen Blick eröffnet – weit in die Zukunft. Gott lässt ihn das sehen, was er vorhat. Wie es am Ende sein soll. Zwei Dinge stechen ins Auge: Gott will versammeln und Gott will seine Herrlichkeit sehen lassen. Das ist Gottes Ziel. Und darin verbirgt sich schon heute, was der tiefere Sinn unseres Lebens ist. Nein, der Sinn unseres Lebens ist nicht unsere Arbeit. »Arbeit war sein Leben« das ist ein Grabspruch für einen Ackergaul, aber nicht für einen Menschen. Nein, der Sinn unseres Lebens liegt auch nicht darin, die Art aufrecht zu erhalten, Kinder zu zeugen und groß zu ziehen. Der Sinn unseres Lebens liegt in diesen beiden Dingen: Dass wir uns zu unserem Gott versammeln und dass wir seine Herrlichkeit erkennen.

    Kurz zusammengefasst, dass wir Gott als Gott erkennen und ihn ehren. Dazu hat Gott uns geschaffen. Und das wird am Ende seiner Werke und Wege mit dieser Welt und der Menschheit stehen: Dass Menschen sich zu ihm sammeln, seine Nähe suchen. Sich auf ihn hin ausrichten. Sich von ihm beschenken lassen, auf ihn hören und voller Vertrauen zu ihm rufen. Heute schon kann das Wirklichkeit werden – und es ist Wirklichkeit in der Gemeinde Jesu Christi. Menschen aus allen Völkern und Zungen sammeln sich zu Jesus Christus, in dem sich uns Gottes Herrlichkeit aufschließt, folgen seiner Einladung und feiern gemeinsam das Fest des Glaubens.

    »Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit« mit diesen Worten fasst der Evangelist Johannes zusammen, was da geschehen ist, als das Wort Fleisch wurde, als Gott Mensch wurde – in jenem unscheinbaren Notunterschlupf bei der Herberge von Bethlehem. Da, in Jesus, da ist uns Gottes Herrlichkeit aufgegangen. Da scheint uns Gottes Liebe. Da sehen wir, wie Gott es im Tiefsten seines Herzens mit uns meint. Da sehen wir, wie sehr er sich nach uns sehnt und mit wie viel Güte und Liebe er uns begegnet. Wer das erkannt hat, wer das gespürt hat – das gilt ja mir – der kann nicht mehr anders als mit diesem Herrn zu leben und seine Herrlichkeit zu loben und zu preisen. Heute schon gibt es einen Vorgeschmack – dann einmal, in Gottes neuer Welt, wird es nie mehr enden.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • addAndacht für Freitag, 31. Juli 2020

    Du sollst kein falsches Gerücht verbreiten.                                        2. Mose 23.1

    In der ehemaligen DDR war die Stasi, die Staatssicherheit, scheinbar allgegenwärtig. Sie las Briefe, bespitzelte Regimekritiker und ganz normale Bürger und hörte Telefongespräche mit. Immer in Sorge, dass sich da Ideen und Meinungen verbreiten, die dem Staat und den Mächtigen gefährlich werden könnten. Schon ein Witz über die Regierenden konnte ernsthafte Konsequenzen haben – wenn es denn rauskam. Man musste aufpassen, was man sagt.

    Die Stasi ist Vergangenheit, Gott sei Dank! Doch auch wir sollten aufpassen, was wir sagen. Nein, nicht nur aus Furcht vor Repressalien, weil das irgend jemand nicht passen könnte, sondern um der Liebe willen und um der Sorgfalt willen. Du sollst kein falsches Gerücht verbreiten. Dieses Gebot aus Moses Zeiten ist zeitlos. Denn die Tendenz, genau das zu tun, ist immer noch in uns aktiv. Deshalb gilt es, aufzupassen.

    Vom griechischen Philosophen Sokrates wird erzählt, dass einmal jemand auf der Straße von einem Mann ganz aufgeregt angesprochen wurde: »Du, Sokrates, ich muss etwas über deinen Freund erzählen, der…« - »Warte!« sagte Sokrates. »Bevor du weitererzählst: Hast du die Geschichte, die du mir erzählen möchtest, durch die drei Siebe gesiebt? Das erste Sieb ist die Wahrheit: Bist du sicher, dass das, was du mir erzählen möchtest, wahr ist?« - »Nein, ich habe gehört, wie es jemand erzählt hat.« - »Aha« sagte Sokrates. »Ist die Geschichte denn durch das zweite Sieb gegangen, das Sieb der Güte? Ist es etwas Gutes, was du mir über meinen Freund erzählen möchtest?« Zögernd sagte der Mann: »Nein, ganz im Gegenteil…« - »„Hm,“ sagte Sokrates, „jetzt bleibt uns nur noch das dritte Sieb. Ist es notwendig, dass du mir erzählst, was dich so aufregt?“ „Nein, nicht wirklich notwendig,“ antwortete der Mann. „Nun,“ sagte Sokrates lächelnd, „wenn die Geschichte, die du mir erzählen willst, nicht wahr ist, nicht gut ist und nicht notwendig ist, dann vergiss sie besser und belaste mich nicht damit!“

    Gott möchte, dass wir seine Wahrheit, sein Wort weitergeben an andere Menschen. Das Wort des Lebens, das Wort der Wahrheit schlechthin. Wer dieses gute Wort, das Evangelium, das Wort von dem, der selbst der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, im Munde führt, zu dem passt nicht, etwas Falsches – und sei es auch nur vielleicht falsch – weiterzutragen. Bleiben wir bei der Wahrheit, bleiben wir bei der Güte und bleiben wir bei dem, was wirklich notwendig ist, es weiterzutragen: Das Evangelium von Jesus Christus.

    Pfarrer Andreas Streich

     

  • addAndacht für Donnerstag, 30. Juli 2020

    Jesus Christus spricht: Wer Ohren hat zu hören, der höre!&n